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ICS 91.

120 VDI-RICHTLINIEN Oktober 2008

VEREIN Standsicherheit von Bauwerken VDI 6200


DEUTSCHER
Regelmäßige Überprüfung Entwurf
INGENIEURE

Structural safety of buildings – Periodic inspections Einsprüche bis 2009-03-31


vorzugsweise in Tabellenform als Datei per E-Mail an
bau@vdi.de
Die Vorlage dieser Tabelle kann abgerufen werden unter
http://www.vdi-richtlinien.de/einsprueche
in Papierform an
VDI-Gesellschaft Bautechnik
Postfach 10 11 39
40002 Düsseldorf

Inhalt Seite Inhalt Seite


Vorbemerkung ......................................................... 2 10.1 Regelmäßige Überprüfungen..................... 9
Einleitung................................................................. 2 10.2 Vertiefte Untersuchungen, Sanierungs
planung, Sicherheitsmanagement ............ 10
1 Anwendungsbereich ......................................... 2
11 Anforderungen an die Überprüfenden .......... 10
2 Begriffe .............................................................. 2
12 Hinweise für die Begehung durch den
3 Grundlagen der Bauwerksüberprüfung .......... 4 Eigentümer/Verfügungsberechtigten............ 11
4 Bauwerkstypen/-konstruktionen ..................... 4 13 Hinweise für die Planung und
4.1 Schadensfolgen und Schadens- Ausführung ..................................................... 11
folgeklassen ............................................... 4 13.1 Anforderungen an die Objektplanung...... 11
4.2 Statisch-konstruktive Durchbildung 13.2 Anforderungen an die Tragwerks-
und Robustheit der Bauwerke .................... 4 planung .................................................... 11
13.3 Anforderungen an die Planung der
4.3 Einstufung der Bauwerke........................... 6
Technischen Ausrüstung.......................... 12
5 Regelmäßige Überprüfungen ........................... 6 13.4 Anforderungen an die Planung der
6 Bauwerksbestand ............................................. 6 Außenanlagen .......................................... 12
13.5 Anforderungen an die Ausführung .......... 12
7 Baustoffe ........................................................... 6
Anhang A Bestandsdokumentation Stand-
7.1 Maßgebliche Baustoffeigenschaften
sicherheit .......................................................... 13
und ihre potenzielle Beeinträchtigung ....... 7
7.2 Erfassung von Veränderungen in den Anhang B Muster für Bauwerksbuch Stand-
Baustoffeigenschaften................................ 7 sicherheit .......................................................... 13
7.3 Bewertung der Untersuchungs- Anhang C Checkliste und Dokumentation der
ergebnisse und Prognose für die Begehung durch den Eigentümer/
Nutzungsdauer ........................................... 8 Verfügungsberechtigten ................................... 14
8 Einwirkungen .................................................... 8 Anhang D Checkliste und Dokumentation der
Inspektion (Mindestanforderungen) durch
9 Bauwerksbuch Standsicherheit....................... 9
eine fachkundige Person .................................. 17
10 Überprüfungsverfahren .................................... 9 Schrifttum .............................................................. 21

VDI-Gesellschaft Bautechnik
Ausschuss VDI 6200

VDI-Handbuch Bautechnik, Band 1: Gebäuderelevante Systeme


–2– VDI 6200 Entwurf

Vorbemerkung Die VDI-Richtlinie vertieft und ergänzt die Hin-


Der Inhalt dieser Richtlinie ist entstanden unter weise ARGEBAU [1] durch die Einbeziehung
Beachtung der Vorgaben und Empfehlungen der weiterer statisch-konstruktiver Merkmale sowie
Richtlinie VDI 1000. durch ergänzende technische Erläuterungen und
Hilfsmittel zur Beurteilung der Standsicherheit
Alle Rechte, insbesondere die des Nachdrucks, der
baulicher Anlagen. Sie enthält als Grundlage für
Fotokopie, der elektronischen Verwendung und der
die regelmäßige Bauwerksüberprüfung und die
Übersetzung, jeweils auszugsweise oder vollstän-
damit einhergehenden Beurteilung der Standsi-
dig, sind vorbehalten.
cherheit eine Einteilung der baulichen Anlagen in
Die Nutzung dieser VDI-Richtlinie ist unter Wah- Bauwerkstypen durch Einstufung in eine Scha-
rung des Urheberrechts und unter Beachtung der densfolgeklasse und in eine Robustheitsklasse auf
Lizenzbedingungen (www.vdi-richtlinien.de), die statisch-konstruktiver Grundlage sowohl für Be-
in den VDI-Merkblättern geregelt sind, möglich. stands- als auch für Neubauten. Sie formuliert
An der Erarbeitung dieser VDI-Richtlinie waren Vorgaben für die Bestandsdokumentation und
beteiligt: definiert Anforderungen an die Überprüfenden.
Prof. Dr.-Ing. Rolf Breitenbücher, Bochum Unter Berücksichtigung von wesentlichen, vor
Dipl.-Ing. Herbert Gritzbach, Pullach allem statisch-konstruktiven Merkmalen baulicher
Anlagen, Baustoffeigenschaften und Einwirkungen
Dr.-Ing. Peter Henke, München zeigt sie Überprüfungsmethoden und -verfahren
Dr.-Ing. Robert Hertle, Gräfelfing (Obmann) auf und enthält Orientierungswerte zu Überprü-
Dipl.-Ing. Reinhold Jesorsky, Düsseldorf fungsintervallen. Außerdem gibt sie Empfehlun-
Dipl.-Ing. Stefan Keck, München gen, was bei der Planung und Ausführung von
Dipl.-Ing. Arno Keller, München baulichen Anlagen beachtet werden soll, um eine
Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Wilfried B. Krätzig, effiziente und wirtschaftliche regelmäßige Über-
Bochum prüfung der Standsicherheit durchführen zu kön-
nen.
Dr.-Ing. André Müller, München
Die VDI-Richtlinie richtet sich an Gebäudeeigen-
Dr.-Ing. Wolfgang Schubert, München
tümer und Verfügungsberechtigte, vor allem je-
Dr.-Ing. Gerhard Stenzel, Maisach doch auch an die beteiligten Fachleute, z.B. pla-
(stellv. Obmann) nende und beratende Ingenieure, Architekten, Prüf-
Prof. Dr.-Ing. Norbert Vogt, München ingenieure/Prüfsachverständige für Standsicher-
Dr.-Ing. Rainer Weiske, Stuttgart heit, Facility Manager, Verwalter von Immobilien,
Dipl.-Ing. Horst Widmann, Stuttgart Bauabteilungen von Industrie- und Privatunter-
Dr.-Ing. Uwe Willberg, München nehmen, öffentliche Bauherren. Für diese Ziel-
Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Konrad Zilch, gruppe bietet die VDI-Richtlinie eine strukturierte
München Vorgehensweise an mit praktischen Arbeitsunter-
lagen, Entscheidungshilfen, bewährten Checklisten
und weiteren Kriterien für einwandfreies techni-
Einleitung sches Handeln.
Nach der Häufung tragischer Bauwerkseinstürze in
Europa Anfang des Jahres 2006 wurde der Ruf 1 Anwendungsbereich
nach einer kompetenten, neutralen und von allen
Die Richtlinie enthält Beurteilungs- und Bewer-
Fachkreisen getragenen technischen Regel zur
tungskriterien und Handlungsanleitungen für die
Sicherstellung der Standsicherheit von baulichen
regelmäßige Überprüfung der Standsicherheit und
Anlagen unüberhörbar.
Empfehlungen für die Instandhaltung von bauli-
Die Bauministerkonferenz — Konferenz der für chen Anlagen aller Art mit Ausnahme von Ver-
Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen kehrsbauwerken. Diese gehören zum Regelungsbe-
Minister und Senatoren der Länder (ARGEBAU) reich der DIN 1076 und der DS 803 der Deutschen
— verabschiedete Ende September 2006 die „Hin- Bahn.
weise für die Überprüfung der Standsicherheit von
baulichen Anlagen durch den Eigentümer/Ver-
2 Begriffe
fügungsberechtigten“ (Hinweise ARGEBAU) [1],
die ein wertvoller Leitfaden für Immobilienbesitzer Für die Anwendung dieser Richtlinie gelten die
sind. Sie bilden auch eine wesentliche Grundlage folgenden Begriffe:
für die vorliegende VDI-Richtlinie.
Entwurf VDI 6200 –3–

Bauwerksbuch Standsicherheit Gebrauchsfähigkeit


Das Bauwerksbuch Standsicherheit ist ein Auszug Eigenschaft eines Bauwerks oder von einzelnen
aus der Bestandsdokumentation Standsicherheit. Bauteilen, standsicher und gebrauchstauglich zu
und Grundlage für die regelmäßige Überprüfung. sein.
Die Ergebnisse der durchgeführten regelmäßigen
Gebrauchstauglichkeit
Überprüfungen werden darin dokumentiert.
Eigenschaft eines Bauwerks oder von einzelnen
Bestandsdokumentation Standsicherheit Bauteilen, planmäßig und entsprechend den festge-
Die Bestandsdokumentation Standsicherheit, in legten Bedingungen genutzt zu werden.
Hinweise ARGEBAU [1] als Bauwerks-/Objekt-
Instandsetzung
buch bezeichnet, ist der letzte Stand aller während
Wiederherstellen des Soll-Zustands oder der vollen
der Planungs- und der Errichtungsphase für die
Gebrauchsfähigkeit eines Bauwerks oder Bauteils
Standsicherheit und den Nachweis der Feuerwider-
in einer Ausführung, die den Anerkannten Regeln
standsdauer der tragenden Bauteile erstellten bzw.
der Technik entspricht, ohne verbessernden Cha-
notwendigen Dokumente in geordnetem Zustand
rakter der Eigenschaften. Hierzu gehören z.B.
einschließlich der laufenden Fortschreibung, z.B.
Sanierung, Austausch schadhafter Bauteile oder
bei Umbauten, Instandsetzungen, Ertüchtigungen.
Bauprodukte, Reparaturen.
Einen Gliederungsvorschlag enthält Anhang A. Bei
Bestandsbauten wird der Umfang der Bestandsdo- Instandhaltung
kumentation Standsicherheit bei der Erstüberprü- Instandhaltung (oft auch als Bauunterhalt bezeich-
fung festgelegt. net) sind Maßnahmen während der Nutzungsdauer
zur Aufrechterhaltung des Soll-Zustands eines
Bestandsschutz
Bauwerks oder Bauteils in einer Ausführung, die
Bestandsschutz besagt, dass ein Bauwerk oder eine
mindestens dem zum Zeitpunkt der Errichtung
bauliche Anlage, die zu irgendeinem Zeitpunkt mit
vorhandenen Stand der Technik entspricht, ohne
dem geltenden Recht in Einklang stand, in ihrem
wesentlich verbessernden Charakter. Hierzu gehö-
bisherigen Bestand und ihrer bisherigen Funktion
ren z.B. Wartung und Pflege, Reinigung, Konser-
erhalten und genutzt werden kann, gegebenenfalls
vierung, regelmäßige Überprüfung, Erneuerung
auch durch Ertüchtigung, auch wenn die Konstruk-
von Verschleißteilen, Renovierung.
tion oder Teile davon nicht mehr dem aktuell gel-
tenden Recht entsprechen. Unabhängig davon Nutzungsdauer
muss die Standsicherheit zu jedem Zeitpunkt gege- Nutzungsdauer ist der vorgesehene Zeitraum, in
ben sein. dem ein Bauwerk oder einzelne Bauteile bei lau-
fender Instandhaltung, aber ohne nennenswerte
Dauerhaftigkeit
Instandsetzung, genutzt werden kann.
Eigenschaft eines Bauwerks oder von einzelnen
Bauteilen davon, die Tragfähigkeit und die Ge- Lebensdauer
brauchstauglichkeit während der gesamten Nut- Lebensdauer ist der tatsächliche Zeitraum, in dem
zungsdauer bei angemessener Instandhaltung si- ein Bauwerk oder Tragwerk standsicher ist.
cherzustellen. Regelmäßige Überprüfung
Erstüberprüfung Regelmäßige Überprüfung (oft auch als regelmä-
Erstüberprüfung ist die erste Überprüfung der ßige Prüfung und Überwachung bezeichnet) ist die
Standsicherheit eines Bestandsbauwerks. Sie er- Kontrolle hinsichtlich der Standsicherheit eines
folgt in der Regel durch eine besonders fachkundi- Bauwerks in regelmäßigen Zeitintervallen. Die
ge Person. regelmäßige Überprüfung umfasst Begehungen
durch den Eigentümer oder Verfügungsberechtig-
Ertüchtigung
ten, Inspektionen durch fachkundige Personen und
Ertüchtigung sind Maßnahmen am Bauwerk oder
Eingehende Überprüfungen durch besonders fach-
an einzelnen Bauteilen mit verbesserndem Charak-
kundige Personen einschließlich der Dokumenta-
ter der wesentlichen strukturellen Eigenschaften
tion im Bauwerksbuch Standsicherheit (siehe Ab-
über den Ursprungszustand hinaus. Hierzu gehören
schnitt 5).
z.B. Erhöhung der Tragfähigkeit, der Feuerwider-
standsdauer, der Dauerhaftigkeit oder die Verbes- Robustheit
serung von Gebrauchseigenschaften. Eigenschaft eines Tragwerks oder Tragwerksteilen,
nicht schlagartig zu versagen bzw. den Verlust
eines ausreichenden Tragwiderstands durch große
Verformungen oder Rissbildungen anzukündigen.
–4– VDI 6200 Entwurf

Standsicherheit nenfalls weitere Experten hinzuziehen, um zu einer


Eigenschaft eines Bauwerks oder von einzelnen zweifelsfreien Beurteilung zu kommen.
Bauteilen davon, tragfähig zu sein, sodass eine Wichtigste Grundlage für die regelmäßige Über-
Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ord- prüfung ist eine vollständige und fortgeschriebene
nung zu keinem Zeitpunkt besteht. Bestandsdokumentation, z. B. gemäß DBV-
Tragfähigkeit Merkblatt Bauwerksbuch: Empfehlungen zur Si-
Eigenschaft eines Bauwerks oder von einzelnen cherheit und Erhaltung von Gebäuden [2]. Ein
Bauteilen, allen auftretenden Einwirkungen zu Auszug aus dieser Bestandsdokumentation ist die
widerstehen, denen sie während der Errichtungs- Bestandsdokumentation Standsicherheit gemäß
und Nutzungsdauer planmäßig und unter Beach- Anhang A dieser Richtlinie.
tung des Sicherheitsniveaus standhalten sollen. Aus der Bestandsdokumentation Standsicherheit
wird vor oder bei der Erstüberprüfung das Bau-
3 Grundlagen der Bauwerksüberprüfung werksbuch Standsicherheit angefertigt. Es ist die
Nach § 3 Musterbauordnung sowie den entspre- wesentliche Unterlage für die Durchführung der
chenden Artikeln der Landesbauordnungen sind regelmäßigen Überprüfungen.
Bauwerke so instand zu halten, dass die öffentliche
Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Ge- 4 Bauwerkstypen/-konstruktionen
sundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen, Die Bauwerke werden eingeteilt hinsichtlich der
nicht gefährdet werden. Aus den §§ 823, 836 bis möglichen Folgen im Fall eines globalen oder par-
838 Bürgerliches Gesetzbuch ergibt sich die Ver- tiellen Schadens und der statisch-konstruktiven
pflichtung, Bauwerke so instand zu halten, dass Durchbildung. Abhängig von der Einstufung in
deren Benutzer nicht gefährdet werden. diese Kategorien werden in Abschnitt 10 Randbe-
Die Verantwortung für die ordnungsgemäße In- dingungen für die regelmäßige Überprüfung und
standhaltung und die Aufrechterhaltung der Ver- für die daraus resultierenden Konsequenzen für
kehrssicherheit trägt der Eigentümer oder der Ver- Instandhaltung und Instandsetzung definiert.
fügungsberechtigte des Bauwerks. 4.1 Schadensfolgen und Schadensfolge-
Bei ordnungsgemäßer Planung, Bauausführung klassen
und gewissenhafter Instandhaltung (Bauunterhalt) Die möglichen Schadensfolgen der Bauwerke wer-
ist davon auszugehen, dass das Bauwerk bei be- den in Anlehnung an die Hinweise ARGEBAU [1]
stimmungsgemäßem Gebrauch für die vorgesehene und die DIN EN 1990:2002-10, Anhang B, in drei
Lebensdauer die Anforderungen an die Standsi- Klassen eingeteilt, wobei Schäden an Leben und
cherheit erfüllt. Das verbleibende Risiko, dass Gesundheit das wichtigste Beurteilungskriterium
durch Alterung der Baustoffe, Witterungs- und bilden (Tabelle 1).
Umwelteinflüsse oder veränderte Beanspruchung In Tabelle 1, Spalte 3 „Gebäudetypen und ex-
die Standsicherheit eines Bauwerks im Laufe der ponierte Bauteile“ können den Schadensfolgeklas-
Zeit beeinträchtigt wird, kann nur durch dessen sen auch bauliche Anlagen zugeordnet werden, die
regelmäßige Überprüfung und Instandhaltung mi- von den angegebenen Kriterien, wie Personenzahl,
nimiert werden. Bauhöhe oder Stützweite, abweichen, bei denen
Der Eigentümer sollte diese Aufgaben an dafür aber im Versagensfall mit vergleichbaren oder
entsprechend qualifizierte Ingenieure übertragen, ähnlichen Schadensfolgen zu rechnen ist.
die dann durch ihre Tätigkeit die Verantwortung
für die Standsicherheit des Bauwerks mit über- 4.2 Statisch-konstruktive Durchbildung und
Robustheit der Bauwerke
nehmen.
Ein wesentliches Kriterium für die Festlegung der
Der mit der Prüfung Beauftragte wird bei seiner
notwendigen Überwachungs- und Überprüfungs-
Tätigkeit regelmäßig mit dem Problem konfron-
methoden für Bauwerke und der zugehörigen Zeit-
tiert, dass das Bauwerk weiterhin bestimmungsge-
intervalle bildet die aus der statisch-konstruktiven
mäß genutzt werden soll, die bauaufsichtlich ein-
Durchbildung der Tragstruktur ableitbare Robust-
geführten technischen Regeln (Technische Baube-
heit und Duktilität. Die Einstufung nach Tabel-
stimmungen) jedoch inzwischen veränderte Anfor-
le 2 gibt entsprechende Hinweise.
derungen an die Konstruktion stellen. Hier muss
der Ingenieur, der die Überprüfungsaufgabe über-
nommen hat, die Situation bewerten und gegebe-
Entwurf VDI 6200 –5–

Tabelle 1. Schadensfolgeklassen (Consequence Classes) für Bauwerke mit Beispielen (nicht vollständig)
Schadens- Merkmale Gebäudetypen und exponierte Beispielhafte Bauwerke
folgeklasse Bauteile

CC 3 hohe Folgen insbesondere: Stadien, Kongresshallen,


Kategorie 1 (Schäden an Leben Versammlungsstätten für mehr Mehrzweckarenen
gemäß [1] und Gesundheit für als 5000 Personen
sehr viele Men-
schen, große Um-
weltschäden)
CC 2 mittlere Folgen bauliche Anlagen mit über 60 m Hochhäuser, Fernsehtürme
Kategorie 2 (Schäden an Leben Höhe
gemäß [1] und Gesundheit für Gebäude und Gebäudeteile mit Bürogebäude, Industrie- und Gewerbe-
viele Menschen, Stützweiten größer 12 m bauten, Kraftwerke, Produktionsstätten,
spürbare Umwelt- und/oder Auskragungen größer Bahnhofs- und Flughafengebäude,
schäden) 6 m sowie großflächige Überda- Hallenbäder, Einkaufsmärkte, Museen,
chungen Krankenhäuser, Kinos, Theater, Schulen,
exponierte Bauteile von Gebäu- Diskotheken, Sporthallen aller Art, z.B.
den, soweit sie ein besonderes für Eislauf, Reiten, Tennis, Radfahren,
Gefährdungspotenzial beinhalten Leichtathletik
große Vordächer, angehängte Balkone,
vorgehängte Fassaden, Kuppeln
CC 1 geringe Folgen robuste und erfahrungsgemäß Ein- und Mehrfamilienhäuser
(Sach- und Vermö- unkritische Bauwerke mit Stütz- landwirtschaftlich genutzte Gebäude
gensschäden, weiten kleiner 6 m
geringe Umwelt- Gebäude mit nur vorübergehen-
schäden, Risiken für dem Aufenthalt einzelner Men-
einzelne Menschen) schen

Tabelle 2. Robustheitsklassen (Robustness Classes) für Bauwerke


Robustheitsklasse Bauwerk/Nutzung Beispielhafte Tragwerke
RC 1 statisch bestimmte Tragwerke ohne Systemreserven Einfeldträger
Fertigteilkonstruktionen ohne nachträgliche stützenstabilisierte Hallentragwerke
redundante Verbindungen ohne
imperfektionsempfindliche Systeme Kopplungen

Tragwerke mit spröd-elastischem und sprödem Ver- schlanke Schalentragwerke


formungsverhalten Tragwerke aus Glas
Tragwerke mit Gussbauteilen
RC 2 statisch unbestimmte Konstruktionen mit Systemre- Durchlaufträger
serven eingeschossige Rahmenkonstruktionen
elastisch-plastisches Tragverhalten Stahlkonstruktionen
RC 3 Konstruktionen mit großer Systemredundanz mehrgeschossige Rahmenkonstruktio-
Tragwerksverhalten und/oder Konstruktionen mit nen
großen plastischen Systemreserven vielfach statisch unbestimmte Systeme
fehlerunempfindliche Systeme seilverspannte Konstruktionen
überschüttete Bogentragwerke
RC 4 Tragwerke, bei denen alternativ berücksichtigte Ge- Bemessung für Stützenausfall,
fährdungsszenarien und Versagensanalysen ausrei- Bemessung auf Lastfall Flugzeugab-
chende Robustheit zeigen sturz

Zur Einstufung in eine der in Tabelle 2 genann- eingesetzten Werkstoffe, deren Langzeitverhalten
ten Robustheitsklassen sind das statisch- und die bauphysikalischen Randbedingungen zu
konstruktive Konzept des Bauwerks, die Detail- berücksichtigen. Werden neue Werkstoffe
ausbildung in Verbindung mit einer Bewertung der und/oder neue Fertigungs- und Herstellverfahren
–6– VDI 6200 Entwurf

eingesetzt oder weichen die Einwirkungen und gen, wie Erdbeben oder andere dynamische Bean-
Umweltbedingungen wesentlich vom bekannten spruchungen, Hochwasser, Brand, Bergsenkungen,
und abgesicherten Niveau ab, so ist das Bauwerk ungewöhnlich hoher Schnee, extreme Sturmereig-
in die Robustheitsklasse RC 1 einzustufen. nisse oder plötzlich aufgetretene, schlagartige Be-
lastungen, geschehen.
4.3 Einstufung der Bauwerke
Die Einstufung der Bauwerke in Schadensfolge-
6 Bauwerksbestand
und Robustheitsklassen bildet die Grundlage für
die Festlegung der Zeitintervalle der regelmäßigen Bei Bestandsbauten müssen die für die Beurteilung
Überprüfungen. Bei Neubauten sollte der Prüfin- erforderlichen Unterlagen bei der Erstüberprüfung
genieur/Prüfsachverständige für Standsicherheit durch eine besonders fachkundige Person gesich-
die Einstufung vornehmen. Bei bestehenden Bau- tet, oder neu erstellt werden. Hierzu ist die tragen-
werken erfolgt die Einstufung bei der Erstüberprü- de Bausubstanz geometrisch und qualitativ zu er-
fung durch eine besonders fachkundige Person. fassen und mit dem Dokumentationsstand abzu-
gleichen. Dabei sind Fragen des Bestandsschutzes
sowie zum Zeitpunkt der Errichtung gültige Nor-
5 Regelmäßige Überprüfungen
men und Materialgüten in die Beurteilung mit ein-
Folgende Überprüfungsstufen werden unterschie- zubeziehen [3].
den:
Ferner ist bei der Erstüberprüfung abzuklären, ob
Begehung durch den Eigentümer/Verfügungs- und in welchem Umfang Nutzungsänderungen im
berechtigten gemäß Abschnitt 10.1.1 Lebenszyklus stattgefunden haben, die Auswir-
Inspektion durch eine fachkundige Person ge- kungen auf die Standsicherheit haben können.
mäß Abschnitt 10.1.2 Abnutzungserscheinungen und die Stellen mögli-
Eingehende Überprüfung durch eine besonders cher Materialermüdungen sollen festgestellt und
fachkundige Person gemäß Abschnitt 10.1.3 erforderlichenfalls genauer untersucht werden.
Für die regelmäßigen Überprüfungen werden – in Die Einschätzung der Prüfintervalle, die Einord-
Abhängigkeit von der Schadensfolgeklasse – die in nung in Bauwerkstypen und die Entscheidung,
Tabelle 3 angegebenen Zeitintervalle empfohlen. welche Unterlagen Bestandteil des Bauwerksbu-
Die im konkreten Einzelfall zu wählenden Über- ches werden, erfolgen bei der Erstüberprüfung
prüfungsintervalle hängen von vielen einzelnen durch eine besonders fachkundige Person.
Bauwerkseigenschaften ab, z.B. der Art des Trag- Wenn nicht sichergestellt ist, dass nur sehr geringe
werks, seiner Robustheit, von Alter und Erhal- Baugrundverformungen auftreten, wird zur mögli-
tungszustand, den Nutzungs- und Umweltbedin- chen Erfassung des Setzungsverhaltens empfohlen,
gungen. Die Richtwerte der Tabelle 3 können dass bei der Errichtung oder gegebenenfalls bei der
grundsätzlich für Neu- und Bestandsbauten Ver- Erstüberprüfung geeignete Messpunkte angeordnet
wendung finden. Sollten in einem Jahr Inspektion und eingemessen werden.
und eingehende Überprüfung zusammenfallen, so
kann die Inspektion entfallen. 7 Baustoffe
Tabelle 3. Zeitintervalle für die regelmäßigen Baustoffe unterliegen im Lauf ihrer Nutzung einer
Überprüfungen Alterung. Wie schnell dieser Prozess während der
Schadens- Begehung Inspektion Eingehende geplanten Nutzungsdauer voranschreitet und in-
folge gem. gem. Überprü- wieweit sich dadurch maßgebende Eigenschaften
klasse Abschnitt Abschnitt fung gem.
10.1.1 10.1.2 Abschnitt der Baustoffe verändern, hängt zum einen vom
10.1.3 Werkstoff selbst ab, zum andern wird dies wesent-
CC 3 1 bis 2 Jahre 2 bis 3 Jahre 6 bis 9 Jahre lich von der Art und Intensität der Einwirkungen
CC 2 2 bis 3 Jahre 4 bis 5 Jahre 12 bis 15 aus der Umgebung bestimmt. Dabei spielen so-
Jahre wohl Beanspruchungen aus äußeren Lasten als
CC 1 3 bis 5 Jahre nach Erfordernis auch lastunabhängige (meist umweltbedingte)
Einwirkungen eine Rolle.
Ungeachtet der Anhaltswerte in Tabelle 3 wird
empfohlen, eine Begehung gemäß Abschnitt 10.1.1 Die Veränderungen der Baustoffeigenschaften
nach Umbauten, Umnutzungen und technischen können für die Standsicherheit eines Bauwerks
Modernisierungen vorzunehmen, soweit keine essenziell werden. Daher gilt es, solche bei den
Standsicherheitsprüfung durchgeführt wurde. Das regelmäßigen Überprüfungen zu erfassen und zu
sollte auch nach außergewöhnlichen Einwirkun- bewerten. Hierfür stehen verschiedene Untersu-
chungsmethoden zur Verfügung.
Entwurf VDI 6200 –7–

7.1 Maßgebliche Baustoffeigenschaften und einem Versagen vergleichsweise geringere Ver-


ihre potenzielle Beeinträchtigung formungen auftreten, die dieses ankündigen.
Die wesentlichen Veränderungen, die sich um- Neben Veränderungen aus Umwelteinwirkungen
weltbedingt in Baustoffen ergeben können, sind in können Festigkeits- und Steifigkeitsverluste auch
Tabelle 4 aufgelistet. Die wichtigsten Kenngrö- durch äußere Lasten hervorgerufen werden, z.B.
ßen eines Baustoffs in Bezug auf die Standsicher- durch Überlastungen oder zyklische Beanspru-
heit eines Bauwerks sind seine Festigkeit, Steifig- chungen auf unplanmäßig hohem Lastniveau.
keit, Duktilität und sein zeit- und belastungsabhän-
giges Verhalten. Bei überwiegend auf Druck bean- 7.2 Erfassung von Veränderungen in den
Baustoffeigenschaften
spruchten Baustoffen ist die Druckfestigkeit die
entscheidende Größe, bei auf Zug oder Biegung Veränderungen in den Baustoffeigenschaften las-
beanspruchten Baustoffen steht deren Zugfestigkeit sen sich teilweise schon aus Veränderungen im
gegebenenfalls in Verbindung mit der Schubfes- Erscheinungsbild der Bauteiloberfläche ableiten
tigkeit im Vordergrund. (Abwitterungen, Korrosionsprodukte, Risse etc.).
Daher kommt der kontinuierlichen visuellen In-
Veränderungen der Festigkeit, in der Regel eine
spektion bei der Begehung von Bauwerken hin-
Verminderung, sind meist Folge von Gefügeverän-
sichtlich dieser Parameter eine besondere Bedeu-
derungen. Damit verknüpft ist eine mehr oder we-
tung zu.
niger starke Verminderung des Elastizitätsmoduls,
sodass daraus auch größere Verformungen resultie- Wesentlich für das langfristige Verhalten der Bau-
ren können. Dies ist bei der Prognose für das wei- stoffe können die Umweltbedingungen sein
tere Verhalten des Bauwerks zu berücksichtigen. (Feuchte, Temperatur, Frost-Tau-Wechsel). Dabei
sind auch Auswirkungen auf ihr bauphysikalisches
Die Versprödung eines Werkstoffgefüges führt in
Verhalten zu berücksichtigen (Wärmeleitfähigkeit,
der Regel zu einer signifikanten Abnahme der
Tau- bzw. Kondenswasserbildung etc.).
Bruchdehnung. Dies kann dazu führen, dass vor

Tabelle 4. Veränderungen von Baustoffeigenschaften durch Einwirkungen aus der Umwelt


Werkstoff Beispiel Relevante Einwirkung Folgen der Einwirkung
primär sekundär
Metallisch Stahl Feuchtigkeit Korrosion Querschnittsverlust

Sauerstoff, Wasserstoff, Versprödung Abnahme der


Stickstoff, Phosphor Zähigkeit
Wärme Aufhärtung, Risse
Entfestigung
Aluminium Alkalien Korrosion Querschnittsverlust
(Mörtel, Baukalk)
Minera- Beton, Feuchtigkeit, Frost, Gefügeauf- Festigkeits-/
lisch Mauerwerk chem. Einwirkung lockerung, Steifigkeitsverlust
Risse
Abwitterung Querschnittsverlust

Organisch Holz Feuchtigkeit, Pilzbefall Fäulnis Festigkeits-/


Steifigkeitsverlust
Kunststoffe UV-Einstrahlung Versprödung Abnahme der Bruch-
dehnung
Klebstoff Feuchtigkeit, Temperatur Versprödung, Festigkeitsverlust
Entfestigung
Verbund Stahlbeton Carbonatisierung Bewehrungskorrosion Querschnittsverlust
Spannbeton Chloride
Risse Festigkeits-/
Steifigkeitsverlust
–8– VDI 6200 Entwurf

Zur quantitativen Erfassung der aktuellen Bau- Oberflächenrissprüfung mittels Magnetpulver-


stoff- und Bauteileigenschaften (Schadstoffprofile, oder Farbeindringverfahren
Korrosion usw.) können zerstörende und zerstö- Lokalisierung und Bestimmung von Fehlstellen
rungsfreie Prüfverfahren angewendet werden. Bei (z.B. Schweißnähte)
zerstörenden Prüfverfahren werden in der Regel
die relevanten Kenndaten auf direktem Weg ge- Schichtdickenmessung der Korrosionsschutzbe-
wonnen. Dazu werden Proben entnommen wo- schichtung bzw. metallischer Überzüge
durch das Bauwerk nur geringfügig beeinträchtigt Wanddickenmessung (Messschieber; US-
werden darf, z.B. Prüfung)
Probe-(Bohrkern-)entnahme und anschließende 7.3 Bewertung der Untersuchungsergebnis-
direkte Festigkeitsprüfung oder direkte Feuch- se und Prognose für die Nutzungsdauer
tegehaltsbestimmung Die im Rahmen von Bauwerksuntersuchungen
Probe-(Bohrmehl-)entnahme und anschließende gewonnenen Ergebnisse geben Hinweise über die
direkte Bestimmung von Schadstoffeintrag Eigenschaften zum jeweiligen Untersuchungszeit-
(Chlorid-, Sulfatgehalt) punkt. Für eine Prognose bezüglich weiterer Ver-
direkte Bestimmung der Carbonatiserungstiefe änderungen sind neben den ermittelten Baustoff-
an frischen Bruchflächen kennwerten insbesondere die Lage (innen, außen)
sowie die Umgebungsbedingungen, denen der
Korrosionszustand der freigelegten Bewehrung Baustoff im jeweiligen Bauteil ausgesetzt ist, zu
Tiefe von durch Fäulnis geschädigtem Holz berücksichtigen.
durch Abspanen oder Bohrwiderstandsmessun-
gen 8 Einwirkungen
Art und Zustand von Klebstoffen Ein Bauwerk kann folgenden Einwirkungen ausge-
Probenentnahme an metallischen Bauteilen zur setzt sein:
Bestimmung der chemischen Analysewerte Eigen- und Nutzlasten
(Spektralanalyse), der mechanischen Kennwer-
Erd- und Wasserdruck
te, der Sprödbruchneigung (Kerbschlagbiege-
versuch) und des Gefügeaufbaus (Schliffbild, Windlasten
Gefügeeigenschaften, Korngröße) Schnee- und Eislasten
Zerstörungsfreie Prüfverfahren benutzen in der Silolasten
Regel indirekte Kenngrößen, die es erlauben, die außergewöhnliche Einwirkungen, z.B. Anprall-
primären Eigenschaften aufgrund mehr oder weni- lasten, Explosionslasten, Brandlasten, Erdbe-
ger gut abgesicherter Korrelationen (oftmals auf benlasten
empirischer Basis) herzuleiten. Die Durchführung Zwang aus Setzungen und Verformungen
zerstörungsfreier Prüfungen und die anschließende
Interpretation der Messdaten erfordert Erfahrung Temperatur- und Feuchteänderungen, Frost
und soll nur von fachkundigem Personal vorge- Schwinden und Quellen
nommen werden, z.B. Beanspruchungen infolge Bauablauf, Vorspan-
Festigkeitsbestimmung an mineralischen Bau- nung, usw.
stoffen mit Rückprallhammer (primär ermittelte mechanische und chemische Beanspruchungen
Eigenschaft: elastisches Verhalten in der Rand- Die Berücksichtigung der zutreffenden Einwirkun-
zone) gen – insbesondere unter Beachtung baulicher und
Zugfestigkeit von metallischen Werkstoffen nutzungsbedingter Veränderungen – ist wesentlich
durch Härteprüfung für die Beurteilung der Tragfähigkeit und Ge-
Gefügeauflockerungen durch Ultraschallprü- brauchstauglichkeit eines Bauwerks. Für die Ein-
fung (primär ermittelte Eigenschaft: Ultra- wirkungen sind sowohl Modelle als auch zu-
schalllaufzeit; hierzu sind Vergleichswerte von gehörige Werte (charakteristische Werte, Bemes-
unterschiedlichen Prüfzeitpunkten zwingend sungswerte) abgestimmt auf das Sicherheitskon-
notwendig) zept festzulegen.
Feuchtegehaltsbestimmung durch elektrische Die tatsächlichen Einwirkungswerte sind oftmals
Widerstandsmessung oder Carbid-Methode größer als die zum Zeitpunkt der Errichtung des
(CM) Bauwerks geltenden Festlegungen, so z.B. bei der
Schneesackbildung. Bei der Beurteilung bestehen-
Entwurf VDI 6200 –9–

der Bauwerke sollten gegebenenfalls die ständigen Wänden, Decken, Deckenträgern sowie Dachbin-
Einwirkungen anhand eines Aufmaßes genau be- dern, sind dies vor allem Verformungen, Schief-
stimmt werden, die nicht ständigen Einwirkungen stellungen, Risse, Durchfeuchtungen, Ausblühun-
können, falls erforderlich, durch Nutzungsbe- gen und Korrosion. Über diesen Tragwerkszustand
schränkungen verringert werden (z.B.) Einschrän- hinaus ist auch auf weitere, die Standsicherheit
kung der Verkehrslast in einer Fabrik oder Lager- möglicherweise zukünftig beeinträchtigende Ein-
halle, Räumungsanordnung für Schnee). Neben der flüsse zu achten, wie eindringende Feuchte, schad-
absoluten Lasthöhe ist es auch wesentlich, den hafte Entwässerungen, bauphysikalische Unzuträg-
Charakter der Last – konstant, schwellend, wech- lichkeiten u.a.
selnd – zutreffend zu erfassen. Erkenntnisse, Ergebnisse sowie gegebenenfalls.
einzuleitende Maßnahmen dieses Überprüfungs-
9 Bauwerksbuch Standsicherheit schritts sind im Bauwerksbuch Standsicherheit
Das Bauwerksbuch Standsicherheit soll in kom- gemäß den Vorgaben in Anhang C zu dokumentie-
pakter Form einen Überblick über das Bauwerk, ren.
die Basisdaten der statischen Berechnung und die 10.1.2 Inspektion durch eine fachkundige
Genehmigungsunterlagen geben und bei den re- Person
gelmäßigen Überprüfungen der fachkundigen Per- Die Inspektion durch eine fachkundige Person
son und der besonders fachkundigen Person, die stellt eine visuelle Überprüfung des Tragwerks dar.
mit der Überprüfung eines Bauwerks beauftragt ist, Sie erfolgt im Allgemeinen ohne Verwendung
als gesicherte Informationsquelle dienen. technischer Prüfhilfsmittel.
Ein Muster für die Gliederung und den Inhalt des Eine Checkliste mit Mindestanforderungen an die
Bauwerksbuchs Standsicherheit ist in Anhang B Inspektion durch eine fachkundige Person enthält
abgedruckt. Anhang D. Erkenntnisse, Ergebnisse sowie, falls
Das Bauwerksbuch Standsicherheit sollte handlich erforderlich, einzuleitende Maßnahmen dieser In-
bleiben, da es bei den regelmäßigen Überprüfun- spektion sind im Bauwerksbuch Standsicherheit zu
gen mitgeführt werden soll. Es sollte stets auch als protokollieren.
elektronisches Dokument (möglichst im TIF- oder
10.1.3 Eingehende Überprüfung durch eine
PDF-Format) geführt werden.
besonders fachkundige Person
Liegen bei Bestandsbauten keine Unterlagen wie
In der Eingehenden Überprüfung werden alle maß-
Bauzeichnungen oder statische Berechnungen vor,
gebenden Tragwerksteile, auch die schwer zugäng-
muss die besonders fachkundige Person bei der
lichen, handnah im Sinne einer Schwachstellensu-
Erstüberprüfung entscheiden, welche Unterlagen
che auf Schädigungen hin überprüft. Dabei können
oder Maßnahmen zur Beurteilung der Standsicher-
stichprobenartige Materialentnahmen mit Feststel-
heit erforderlich bzw. zu erstellen sind.
lung der Restfestigkeiten und der Reststeifigkeiten
erforderlich werden.
10 Überprüfungsverfahren
In diesem Untersuchungsschritt sollen eventuell
Das methodische Konzept ist Teil eines systemati- aufgedeckte Mängel oder Schädigungen auch in
schen Risikomanagements ausgehend von den ihrer Relevanz für die Standsicherheit des Trag-
regelmäßigen Überprüfungen gemäß Abschnitt 5 werks beurteilt werden. Gegebenenfalls erfordert
über die Bestimmung möglicher Sicherheitsdefizi- dies eine Sicherheitsanalyse. Darunter versteht
te, Restsicherheiten und festgestellter Schädigun- man statische Berechnungen unter Berücksichti-
gen bis zur Sanierungsplanung und den hieraus gung der festgestellten aktuellen Festigkeiten und
folgenden Sicherungsmaßnahmen. Außerdem er- Steifigkeiten, mindestens in den lokalisierten
läutert es mögliche Maßnahmen eines weiterfüh- Schwachstellen, mit dem Ziel der Bestimmung der
renden Sicherheitsmanagements. aktuellen Sicherheit.
10.1 Regelmäßige Überprüfungen Das Ergebnis der Eingehenden Überprüfung ist im
10.1.1 Begehung durch den Eigentümer/ Bauwerksbuch Standsicherheit zu dokumentieren.
Verfügungsberechtigten Bei unzureichender Restsicherheit ist der Eigentü-
Begehungen durch den Eigentümer/Verfügungs- mer/Verfügungsberechtigte unverzüglich über die
berechtigten umfassen die Besichtigung des Bau- erforderlichen Konsequenzen zu informieren.
werks auf offensichtliche Mängel oder Schädigun-
gen und deren Dokumentation. Am Tragwerk, das
heißt an allen tragenden Bauteilen wie Stützen,
– 10 – VDI 6200 Entwurf

10.2 Vertiefte Untersuchungen, Sanierungs- bewusst sein, dass das Ziel die Bestimmung der
planung, Sicherheitsmanagement aktuellen Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit ist.
10.2.1 Weitergehende Untersuchung zur Fest-
stellung der aktuellen Sicherheit 11 Anforderungen an die Überprüfenden
Soll aufgrund einer unzureichenden Sicherheit Bei der Überprüfung der Standsicherheit einer
nach Überprüfungsschritt gemäß Abschnitt 10.1.3 Tragwerkskonstruktion kommt es vor allem auf
eine Sanierungsplanung durchgeführt werden, das Erkennen und Beurteilen von Schädigungen
können weitergehende Untersuchungen erforder- an. Diese Aufgabe erfordert besondere statische,
lich sein. Hierzu bedarf es gegebenenfalls umfang- konstruktive, materialtechnologische und bauphy-
reicher Beprobungen zur detaillierten Ermittlung sikalische Kenntnisse und Erfahrungen.
der aktuellen Festigkeiten und Steifigkeiten in Inspektionen können von fachkundigen Personen
allen geschädigten Tragwerksteilen im Sinn einer vorgenommen werden. Fachkundige Personen sind
Bestandsaufnahme. Hieran schließen sich vertiefte Bauingenieure und Architekten, die mindestens
Sicherheitsanalysen an, z.B. verfeinerte statische fünf Jahre Tätigkeit mit der Aufstellung von
Berechnungen mit einer die handnahe Beprobung Standsicherheitsnachweisen, mit technischer Bau-
modellierenden Auflösung. leitung und mit vergleichbaren Tätigkeiten, davon
Das Ergebnis dieses Untersuchungsschritts ist die mindestens drei Jahre mit der Aufstellung von
Quantifizierung der Sicherheit des Tragwerks. Standsicherheitsnachweisen, nachweisen können.
Ergibt sich diese als unzureichend, so sind umge- Sie sollen vor allem Erfahrung mit vergleichbaren
hend Sicherungsmaßnahmen zu treffen. Ist die Konstruktionen nachweisen können.
Sicherheit noch vertretbar, aber die Prognose nega- Als fachkundig gelten auch Bauingenieure und
tiv, so kann man ein Sicherheitsmanagement be- Architekten, die eine mindestens dreijährige Erfah-
treiben, das ein Frühwarnsystem integriert. rung mit der Überprüfung vergleichbarer Kons-
10.2.2 Sanierungsplanung und Sicherungs- truktionen belegen können.
baumaßnahmen Die Eingehenden Überprüfungen sollen nur von
Hierbei handelt es sich im Allgemeinen um übliche besonders fachkundigen Personen vorgenommen
Planungsaufgaben im Bestand mit anschließenden werden. Besonders fachkundige Personen sind
Bauausführungen. Bauingenieure, die mindestens zehn Jahre Tätig-
keit mit der Aufstellung von Standsicherheitsnach-
10.2.3 Sicherheitsmanagement zur Zustands- weisen, mit technischer Bauleitung und mit ver-
prognose
gleichbaren Tätigkeiten, davon mindestens fünf
Ein modernes Sicherheitsmanagement zur Zu- Jahre mit der Aufstellung von Standsicherheits-
standsprognose für ein Tragwerk besteht stets aus nachweisen und mindestens ein Jahr mit techni-
zwei Komponenten: scher Bauleitung, nachweisen können. Sie sollen
Computersimulation des aktuellen Tragwerks- Erfahrung mit vergleichbaren Konstruktionen in
zustands sowie zukünftiger Tragwerkszustände der jeweiligen Fachrichtung nachweisen können.
Bauwerksmonitoring Die Fachrichtungen sind Massivbau, Metallbau
und Holzbau.
Die Computersimulation sollte alle im Tragwerk
vorhandenen aktuellen Steifigkeiten und Festigkei- Die Voraussetzungen für eine besonders fachkun-
ten möglichst detailgetreu abbilden. Ergebnis die- dige Person erfüllen
ser Simulationen sind die aktuellen Sicherheiten. Bauingenieure mit oben genannter Qualifika-
Das Bauwerksmonitoring dient dazu, das aktuelle tion und
Tragwerksverhalten stets mit dem des Computer- Prüfingenieure/Prüfsachverständige für Stand-
modells zu synchronisieren, das heißt Letzteres so sicherheit für die jeweilige
zu validieren und zu kalibrieren, dass die aktuelle Fachrichtung und Mitarbeiter von Prüfämtern,
Wirklichkeit in erforderlicher Qualität abgebildet die bauaufsichtliche Prüfaufgaben im Bereich
wird. Hierzu sind die im Zuge des Monitoring oder der
in Testzuständen zu überprüfenden Kontrollgrößen
sorgfältig auszuwählen und zu beobachten, insbe- Standsicherheit wahrnehmen.
sondere auch unter Beachtung der Fehlergrenzen Die Ingenieurkammern einiger Länder führen Lis-
des eingesetzten Messsystems [4]. ten von fachkundigen Personen und von besonders
Bei Planung und Betrieb eines derartigen Sicher- fachkundigen Personen. Dabei wird die Überprü-
heitsmanagements sollten sich alle Beteiligten stets fung der Qualifikation in einer Verfahrensordnung
geregelt.
Entwurf VDI 6200 – 11 –

12 Hinweise für die Begehung durch den Der dritte Grundsatz wendet sich an den Bauherrn,
Eigentümer/Verfügungsberechtigten der die Erstellung der Bestandsdokumentation
Für die ordnungsgemäße Instandhaltung von bauli- Standsicherheit und des Bauwerksbuchs Standsi-
chen Anlagen ist der Eigentümer/Verfügungs- cherheit gemäß Abschnitt 10 dieser Richtlinie be-
berechtigte verantwortlich. Unter Instandhaltung reits bei der Vergabe der Planungsleistungen in
werden dabei in der vorliegenden Richtlinie ent- Auftrag zu geben beziehungsweise zu veranlassen
sprechend der Definition in Abschnitt 3 alle hat. Dazu gehört insbesondere die laufende Pflege
Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des planmäßi- und Fortschreibung der Bestandsdokumentation
gen Zustands bzw. der Sicherstellung der uneinge- und des Bauwerksbuchs Standsicherheit während
schränkten Gebrauchstauglichkeit einer baulichen der gesamten Nutzungsdauer der Immobilie.
Anlage verstanden. Wartung und regelmäßige Die nachfolgend beschriebenen Anforderungen
Überprüfung sind wesentliche Bestandteile der sind beispielhaft und nicht abschließend. Sie die-
Instandhaltung. nen auch als Orientierung für die regelmäßigen
In Anhang C wird in Form einer Checkliste ein Überprüfungen.
Leitfaden für die Begehung von baulichen Anlagen 13.1 Anforderungen an die Objektplanung
zur Verfügung gestellt, der primär als Hilfsmittel
Tragwerksteile und Knotenpunkte mit großen
für den nicht fachkundigen Eigentümer/Ver-
Beanspruchungen möglichst sichtbar lassen
fügungsberechtigten gedacht ist. Aufbau und Inhalt
sind so gehalten, dass Immobilienstrukturen von Vorsehen von Revisionsöffnungen in Decken-,
Einfamilienhäusern bis zu Produktionsgebäuden Wand- und Bodenverkleidungen
der Industrie abgedeckt werden. nicht begehbare bzw. inspizierbare Hohl- oder
Werden Hinweise auf Schädigungen an der Trag- Zwischenräume vermeiden
konstruktion, Belastungsänderungen, Nutzungsän- bauphysikalische Beanspruchungen (Tempera-
derungen oder bauliche Veränderungen festge- turunterschiede, hohe Luftfeuchtigkeit, Tau-
stellt, wird dem Eigentümer/Verfügungsberechtig- wasser etc.) vermeiden, insbesondere bei Holz-
ten empfohlen – sofern er nicht selbst fachkundig konstruktionen
ist – eine fachkundige Person oder eine besonders
Planung von ausreichendem Gefälle und funk-
fachkundige Person hinzuzuziehen.
tionierender Entwässerung von Flächen, die mit
Bei Schäden an der Gebäudehülle sollte, mit Hin- Niederschlags-, Tropf- oder eingeschlepptem
blick auf mögliche sich daraus ergebende negative Schmelzwasser beaufschlagt werden
Auswirkungen auf die Tragkonstruktion, zügig
Vermeidung von Schnee- und Wassersäcken
eine Instandsetzung veranlasst werden.
korrosive (z.B. chloridhaltige) Ausbaumateria-
13 Hinweise für die Planung und lien (Klebstoffe, Baustoffe) vermeiden
Ausführung bei Einwirkung von Sonnenlicht nur UV-
Bereits bei der Planung werden die maßgebenden beständige Baustoffe bzw. Ausbaumaterialien
Randbedingungen für den im Lauf der anschlie- vorsehen
ßenden Nutzungsphase zu erwartenden Aufwand Standsicherheitsnachweise von Fassadenver-
für die regelmäßige Überprüfung und die Instand- kleidungen (insbesondere Naturstein und
haltung festgelegt. Stahl/Glas) anfertigen lassen
Der erste Grundsatz für Planung und Ausführung Erstellen eines Wartungsplans für alle nicht
lautet, dass Stellen mit großen Beanspruchungen lebensdauerhaften Materialien (z.B. Beschich-
im Tragwerk jederzeit zugänglich und kontrollier- tungen), z.B. als Reinigungs-, Pflege- und
bar zu planen und auszuführen sind. Wartungsanweisung
Der zweite Grundsatz formuliert die Notwendig- Veranlassung der Planung von Befestigungs-
keit des konstruktiven und dauerhaften Schutzes punkten für Überprüfungs- bzw. Revisionsge-
von tragenden Bauteilen, z.B. vor Feuchtigkeit rüste und Vorsehen von erforderlichen Aufstell-
und ihren schädlichen Folgen wie Korrosion, Holz- flächen
fäulnis usw.
13.2 Anforderungen an die Tragwerksplanung
Diese beiden Grundsätze richten sich an alle Fach-
planer, wobei der Objektplaner für das Integrieren Planung dauerhafter Markierungen von Funda-
der Leistungen aller an der Planung fachlich Betei- menten, bei denen der seitliche Erddruck für die
ligten verantwortlich ist. Standsicherheit erforderlich ist
– 12 – VDI 6200 Entwurf

Vorsehen von Revisionsöffnungen bei der 13.4 Anforderungen an die Planung der
Verwendung von Dauerankern, Seilabspannun- Außenanlagen
gen, Befestigungen, Anschlüssen etc. Holzbauteile und nicht korrosionsgeschützte
Dauerhafte Kennzeichnung von Bauteilen mit Stahlbauteile dürfen keinesfalls mit Erdreich
Spanngliedern planen („Dübel- und Kernboh- zu- oder teilweise eingeschüttet werden, son-
rungsverbot“) dern sind z.B. auf ausreichend hohe Sockel zu
stellen.
Planen von anzubringenden Hinweisschildern,
falls untergeordnete Bauteile, z.B Industriefuß- Außerhalb des aufgehenden Gebäudes liegende
bodenplatten oder Trapezblechverkleidungen, unterirdische Bauteile müssen entsprechend den
für die Gebäudeaussteifung herangezogen wer- Anerkannten Regeln der Technik von oben ab-
den gedichtet werden. Eine Mindestüberschüttung
von 60 cm wird empfohlen.
Hinweis auf den notwendigen Unterhalt von
Korrosionsschutzüberzügen (insbesondere Feuerwehrzufahrten, die auf unterirdischen
Stahlbau) und Beschichtungen (im Betonbau, Bauteilen angeordnet sind, müssen dauerhaft
z.B. in Parkgaragen) an den Objektplaner bzw. ausgeschildert werden. Dies gilt auch für die
Bauherrn Angabe des zulässigen Gesamtgewichts von
anderen Fahrzeugen, die unterirdische Bauteile
Nachweis nachträglich erstellter Kernbohrun-
befahren, z.B. zur Pflege der Außenanlagen.
gen, Öffnungen und Durchbrüche bzw. An-
schweißteile/Aufhängungen und Übernahme in Vorsehen von Aufstellflächen für Fassadenge-
die Bestandspläne rüste und Reinigungsgeräte
Weiterhin wird empfohlen, Tragwerke robust zu Auf das Erdreich oder auf Pflasterflächen auf-
konstruieren und an Stellen mit großen Beanspru- treffendes Regen- oder Spritzwasser darf nicht
chungen Querschnittsreserven vorzusehen. Da- an ungeschützte tragende Bauteile spritzen.
rüber hinaus sollten Vorkehrungen für spätere An dieser Stelle sei nochmals auf den Grundsatz:
Umbauten oder Nutzungsänderungen (z.B. höhere „Wasser weg von tragenden Bauteilen“ besonders
Lasten, anderer Ausbau) in Abstimmung mit dem hingewiesen.
Bauherrn getroffen werden.
13.5 Anforderungen an die Ausführung
13.3 Anforderungen an die Planung der Fundament- und Kelleraußenwandverfüllungen
Technischen Ausrüstung
erst nach Abnahme der Bauteile (und deren
Versorgungs- und Regenwasserleitungen nicht eventuellen Schutzsystemen) ausführen.
einbetonieren, sondern jederzeit zugänglich, in-
Verkleidungen bzw. Putze oder Estriche erst
spizierbar und auswechselbar planen
nach Abnahme und Dokumentation der tragen-
Planung von Ansaug- und Ausblasöffnungen den Rohbaukonstruktion an- bzw. aufbringen
so, dass keine Tauwasserbildung oder unzuläs-
keine unplanmäßigen Trenn- oder Dränage-
sige Austrocknung von tragenden Bauteilen
schichten (z.B. Rohglasvlies) unter Fahrbahn-
entstehen
belägen einbauen
Planung von Dach- oder Hofeinläufen nicht an
laufende Dokumentation der Messungen der
Hochpunkten bzw. direkt neben Stützen und
Betondeckung und der Dicke von Korrosions-
Unterzügen, sondern möglichst in Feldmitte der
schutzüberzügen und Schutzschichten
Deckenflächen, Dachträger bzw. Trapezbleche
Dokumentation sämtlicher nachträglich ange-
Einläufe gut zugänglich und kontrollierbar pla-
ordneten Kernbohrungen, Öffnungen und
nen
Durchbrüche bzw. nachträglicher Anschweiß-
Notüberläufe vorsehen, z.B. auf Balkonen und teile/Aufhängungen und Veranlassen der Über-
Flachdächern nahme in die Bestandspläne
Die nachträgliche Erstellung von Kernbohrun- Übergabe der Materialzeugnisse aller verwen-
gen, Öffnungen und Durchbrüchen bzw. An- deter Materialien und der eventuell erforderli-
schweißteilen/Aufhängungen muss mit dem chen Zulassungen an den Objektüberwacher
Tragwerksplaner abgestimmt werden. bzw. den Ersteller der Bestandsdokumentation
Entwurf VDI 6200 – 13 –

Anhang A Bestandsdokumentation Standsicherheit


Gliederungsvorschlag
Statische Positionspläne
Statische Berechnung
Ausführungspläne Tragwerk
Zustimmungen im Einzelfall
Prüfberichte des Prüfingenieurs/Prüfsachverständigen für Standsicherheit
Endberichte der Güteüberwachung (Fremdüberwachung)
Allgemeine bauaufsichtliche Zulassungsbescheide und Prüfzeugnisse
Baugrundgutachten
Dokumentation und Freigabedokumente für später erstellte Durchbrüche und Kernbohrungen
Nachweis der Feuerwiderstandsdauer der tragenden Bauteile
Fortschreibung der Ausführungspläne Tragwerk

Anhang B Muster für Bauwerksbuch Standsicherheit


Gliederung und Inhalt
1 Titelblatt
2 Inhaltsverzeichnis
3 Übersichtszeichnungen
3.1 Grundrisse, Ansichten, Schnitte des Bauwerks (Baugesuch)
3.2 Positionspläne der statischen Berechnung
4 Dokumente zur statischen Berechnung
4.1 Anfangsseiten der statischen Berechnungen mit Baubeschreibung und Angaben über Bau-
stoffe, Baugrund, angewandte Vorschriften und Lastannahmen
4.2 Relevante Auszüge aus den Ausführungsplänen (z. B. Konstruktionsdetails)
5 Bauaufsichtliche Genehmigungsunterlagen
5.1 Auflagen aus dem Genehmigungsbescheid
5.2 Zustimmungen im Einzelfall
5.3 Prüfberichte des Prüfingenieurs/Prüfsachverständige für Standsicherheit
5.4 Endberichte der Güteüberwachung (Fremdüberwachung)
6 Bauliche Veränderungen
mit Zeitangaben zu den Baumaßnahmen, Auflistung der Aktualisierung des Bauwerksbuchs
Regelmäßige Überprüfung der Standsicherheit
6.1 Einstufung des Bauwerks
6.2 Prüf- und Wartungsplan
6.3 Dokumentation der regelmäßigen Überprüfungen
8 Inhaltsverzeichnis der Bestandsdokumentation
– 14 – VDI 6200 Entwurf

Anhang C Checkliste und Dokumentation der Begehung durch den Eigentümer/


Verfügungsberechtigten
Visuelle bzw. Funktionsprüfung Beispiele Hinweise zur Instandhaltung
1 Veränderungen am Gebäude/Gebäudeteilen
1.1. Änderungen in der Nutzung Umnutzung Büro- zu Lagerraum,
Lager- zu Produktionshalle
1.2 Zusätzlich aufgestellte oder ange- Schwerregale, Tresore, Maschinen,
hängte Lasten Krane, Förderanlagen, Abluft- und
Klimageräte
1.3 Erstellung von Anbauten oder Vordächer, Dachaufbauten, Bühnen,
Erweiterungen Treppen
1.4 Veränderungen an der Gebäude- Neue Öffnungen in Dächern und Wän-
hülle den, nachträgliches Schließen von
offen/teilweise offen geplanten Gebäu-
den
1.5 Veränderungen von Temperatur Klimaveränderung durch Schließen der Anschlussstellen von Sanitärinstallatio-
und (Luft-) Feuchtigkeit Außenbereiche von Gebäuden; Einbau nen an Wänden und Böden mit intakter
von Bädern und Saunen; neue Produk- Abdichtung (Armaturen und Abläufe
tion unter hoher (Luft-)Feuchtigkeit im Duschbereich!)
2 Bauarten
2.1 Betonkonstruktionen
2.1.1 Schädigungen an Betonoberflä- markante Risse, Abplatzungen
chen
2.1.2 Hinweise auf Nässeschäden, feuchte Oberflächen, Ausblühungen, Decken, Stützen- und Wandbereiche
Salzeinwirkung Stalaktiten, Rostfahnen mit Tausalzeinwirkung sollten mindes-
tens einmal jährlich mit Wasserstrahl
gereinigt werden.
2.1.3 Veränderungen an Bauteilen Dübellöcher, (Kern-)Bohrungen, Kontrolle, ob die Veränderungen zuläs-
Durchbrüche sig sind; Dokumentation
2.2 Mauerwerk
2.2.1 Schäden an Mauersteinen und Risse, Abplatzungen, Ausbauchungen,
Fugen abbröckelnde Mörtelfugen
2.2.2 Feuchtes Mauerwerk, Verfärbun- Wände in feuchten Kellerräumen,
gen ungeschützte Wände im Außenbereich,
Einfriedungen, Stützmauern
2.3 Stahlkonstruktionen
2.3.1 Schäden am Beschichtungen, ggf. Risse, Kratzer, Abplatzungen an An-
Korrosion strich oder Verzinkung;
beginnende oder fortgeschrittene Kor-
rosion an Bauteilen, Schrauben, Niete
und Schweißnähten
2.3.2 Fehlende oder locker sitzende freie Bohrlöcher in Stahlprofilen und
Schrauben Anschlussblechen, abstehende Schrau-
benköpfe und Muttern
2.3.3 Deformationen an Stahlprofilen Anfahrschäden an Stützen, z.B. in ggf. Anprallschutz installieren
Industriehallen oder an Tankstellen
Hinweise auf zwischenzeitlich freie abstehende Anschlussbleche
entfernte Stäbe
2.4 Holzkonstruktionen
2.4.1 Schädlingsbefall Fäulepilze, Insektenbefall
2.4.2 Veränderungen der Holzstruktur übermäßige Rissbildung, Versprödung
2.4.3 Locker sitzende Schraubenbolzen abstehende Bolzenköpfe und Muttern
2.4.4 Nassstellen Feuchtespuren, Schlieren
2.5 Glaskonstruktionen
2.5.1 Beschädigungen der Gläser Risse, Abplatzungen, tiefe Kratzer
Entwurf VDI 6200 – 15 –

Visuelle bzw. Funktionsprüfung Beispiele Hinweise zur Instandhaltung


2.6 Seilkonstruktionen
2.6.1 Unregelmäßigkeiten an den Seil- Aufspleissen von Litzen
oberflächen
3. Baukonstruktionen
3.1 Steildächer
3.1.1 Undichtigkeit beschädigte oder fehlende Dachziegel, Kontrolle nach Starkwindereignissen
Dacheindeckung, Fenster erforderlich
Funktionsstörungen Entwässe- korrodierte Dachrinnen und Fallrohre, Rinnen und Einläufe müssen regelmä-
rung verstopfte Regenabflüsse ßig von Laub und Schmutz befreit
werden.
3.2 Flachdächer
3.2.1 Beschädigungen der Dachabdich- Risse in der Dachabdichtung, Begehung am besten nur über lastver-
tung Feuchte/Nässe an der Dachunterseite, teilende Auflagen (Holzbohlen, speziel-
übermäßige Durchbiegung der Dach- le Polystyrol-Bahnen);
konstruktion Material für Reparaturen nicht auf dem
Dach lagern
3.2.2 Funktionsstörungen Entwässe- korrodierte Dachrinnen und Fallrohre, Rinnen und Einläufe müssen regelmä-
rung verstopfte Regenabflüsse und Notüber- ßig von Laub und Schmutz befreit
läufe; werden;
Pfützenbildung, bemooste Stellen auf Funktionsprüfungen an Begleitheizung
dem Dach von Innenabläufen durchführen
3.2.4 Lasterhöhung durch veränderten Zusätzlich aufgebrachte Kiesschüttung; Kontrolle, ob zusätzliche Belastungen
Dachaufbau bei Erneuerung der Beschichtung wur- von einer fachkundigen Person über-
den die alten Dichtbahnen nicht entfernt prüft wurden; Dokumentation
3.3 Geschossdecken
3.3.1 Schäden durch Nässeeinwirkung Pfützen, feuchte Oberbeläge, Nässe- Installationen und Anlagen regelmäßig
schäden an Estrichen; überprüfen, Schächte und Abkofferun-
nässende Installationen und (Produkti- gen einsehen; Undichtigkeiten sofort
ons-)Anlagen beheben;
beim Reinigen von nicht wasserdichten
Belägen Wasserauftrag begrenzen
3.4 Hofkellerdecken, Parkdecks
3.4.1 Funktionsstörungen Entwässe- Pfützenbildung, feuchte organische Rückstände von Blüten, Blättern und
rung Rückstände im Bereich der Einläufe Zweigen in Rinnen und Rohren regel-
mäßig entfernen; im Winter Eisfreiheit
der Abläufe sicherstellen; Funktions-
prüfungen an Begleitheizung von In-
nenabläufen durchführen
3.4.2 Beschädigungen an Oberbelägen, Erosion, Risse (Witterung) Schäden sofort beheben; Stellen mit
Beschichtungen, Fugen Spurrinnen, Abrasion (Fahrzeugver- starker mechanischer Belastung (Ab-
kehr); fallcontainer, Zufahrtsrampen etc.)
Nässe an Deckenunterseite besonders schützen
3.4.3 Vorhandensein von Beschilde- Schilder zur Beschränkung von Durch-
rungen fahrtshöhe, -breite, Fahrzeuggewicht
3.5 Kranbahnträger
3.6.1 Übermäßige Abnutzung von starke Anhäufung von Abriebsrück- Beim Betreiber/Nutzer der Krananlage
Radsätzen und Schienen stände neben den Kranschienen erkundigen nach Störungen im Betrieb,
evtl. Überschreiten von zulässigen
Hublasten, sowie Durchführung von
ordnungsgemäßer Wartung und Prü-
fung der Krananlage
3.6.2 Fehlende oder locker sitzende freie Bohrlöcher in Stahlprofilen, beim Betreiber/Nutzer der Krananlage
Schrauben Schienen und Anschlussblechen, abste- erkundigen nach herabfallenden oder
hende Schraubenköpfe und Muttern locker sitzenden Schrauben
– 16 – VDI 6200 Entwurf

Dokumentation einer Begehung gemäß VDI 6200:2008-11

Dokumentation Nr.: ___ Datum: _____________________


Gebäude/Bauteil: ___________________________________________________________________

Anschrift: ___________________________________________________________________
___________________________________________________________________

Eigentümer/Verfügungsberechtigter: ________________________________________________

Prüfintervalle: Begehung: _____ Jahre, zuletzt durchgeführt am _______________

Inspektion: _____ Jahre, zuletzt durchgeführt am _______________


Überprüfung: _____ Jahre, zuletzt durchgeführt am _______________

Anlass: Planmäßige Begehung


Begehung nach Unwetter/hoher Wind- oder Schneebelastung
Begehung nach Umbau/Nutzungsänderung/Instandsetzung

Ergebnis: Es wurden keine Auffälligkeiten festgestellt.


Feststellungen (Erläuterung auf Beiblatt).
Einschaltung einer (besonders) fachkundigen Person
Zusammenfassung/Maßnahmen/Reparaturen

________________________________________________________________________________
________________________________________________________________________________

________________________________________________________________________________
________________________________________________________________________________

________________________________________________________________________________

________________________________________________________________________________
________________________________________________________________________________

________________________________________________________________________________

Durchführender: ___________________________

Datum und Unterschrift: ___________________________ Beiblatt beachten !


Entwurf VDI 6200 – 17 –

Anhang D Checkliste und Dokumentation der Inspektion (Mindestanforderungen) durch


eine fachkundige Person
Schadensindiz Ursache Beispiele, Hinweise
1 Einflüsse aus Veränderungen
1.1. Belastungsänderungen veränderte Nutzung Umnutzung Büro- zu Lagerräumen; Verwendung von
Gabelstaplern mit höherer Traglast
nachträglich aufgestellte oder Schwerregale, Tresore, Maschinen, Krane, Förderanla-
angehängte Lasten gen
1.2 Bauliche Veränderun- Raumbildende Maßnahmen nachträgliches Schließen von offen/teilw. offen geplan-
gen ten Gebäuden, wie Dachdeckung auf Pergola, seitl.
Schließen von Vordächern
neue Öffnungen, Durchdringun- Installationsöffnungen, Türen, Tore, Schächte, Installa-
gen, Aussparungen, Abhängun- tionstrassen, Kernbohrungen, Bohrungen
gen, Konsolen
1.3 Bauphysikalische Ver- Änderung von Temperatur und Halle mit Wechselnutzung: Sommerbetrieb als Sport-
änderungen Luftfeuchtigkeit, Kondenswasser- halle, Winterbetrieb als Eislaufhalle
bildung
2 Bauarten
2.1 Betonkonstruktionen
2.1.1 Risse unzulässige Beanspruchung, deutliche und u . U . sich vergrößernde Risse in De-
Querschnittsschwächung, Setzun- cken, Unterzügen, Bodenplatten, Stützen und Wänden
gen, Verformungen, Zwang
2.1.2 Abplatzungen mechanische Einwirkungen Anfahrschäden an Wänden und Stützen, z. B. in Tief-
garagen oder Industriehallen; ggf. bei ungenügender
Durchfahrtshöhe auch an Decken und Unterzügen.
Feuchtigkeit, Frosteinwirkung, ungeschützte Bauteile im Außenbereich wie Fassaden-
Korrosion platten, Rampen von Parkdecks
2.1.3 Rostverfärbungen, Korrosion des Bewehrungsstahls Bauteile mit unzureichender Betonüberdeckung bei
Rostfahnen infolge Durchfeuchtung feuchtem Raumklima, z. B. in Tiefgaragen
2.1.4 Feuchte Oberflächen, Durchfeuchtung, wasserführende Hofkellerdecken, Tiefgaragendecke, wasserundurchläs-
Ausblühungen, Stalakti- Risse, Beton ohne Wasserein- sige Konstruktionen (Weiße Wanne)
ten dringwiderstand, Einwirkung von
Tausalz
2.2 Mauerwerk
2.2.1 Risse in Mauersteinen Querschnittsschwächung, Setzun- nachträglich geschaffenen Türöffnungen, unzureichen-
und Fugen gen, Verformungen, Frosteinwir- de Gründung, Verformungen oder Verdrehungen auf-
kung liegender Decken und Träger
2.2.2 Rissige, abbröckelnde Feuchtigkeit, Frosteinwirkung Wände in feuchten Kellerräumen, ungeschützte Wände
Mörtelfugen im Außenbereich, Einfriedungen, Stützmauern;
Feuchtes Mauerwerk, möglicherweise reduzierte Mörtel- und/oder Steinfes-
Verfärbungen tigkeiten
2.2.3 Abplatzungen, Ausbau- mechanische Einwirkungen Anfahrschäden z. B. in Hofdurchfahrten, Torbereichen;
chungen
2.3 Stahlkonstruktionen
2.3.1 Schadstellen an Be- Alterung, mechanische Einwir- Nachinstallation an beschichteten Trägern, Anfahr-
schichtungssystemen kung, Umbaumaßnahmen schäden
(Korrosionsschutz,
Brandschutz)
2.3.2 Korrosion Feuchtigkeitseinwirkung, Schad- Witterungseinfluss auf unverkleidete Stahlkonstruktio-
stellen der Beschichtung nen, z. B. Vordächer, Bühnen für technische Anlagen
2.3.3 Deformationen mechanische Einwirkungen Anfahrschäden an Stützen, z. B. in Industriehallen oder
an Tankstellen; ggf. bei ungenügender Durchfahrtshöhe
auch an Dachkonstruktionen und Unterzügen
– 18 – VDI 6200 Entwurf

Schadensindiz Ursache Beispiele, Hinweise


2.3.4 Fehlende oder locker unsachgemäße Montage Fehler bei der Erstmontage oder mangelhaft ausgeführ-
sitzende Schrauben / te Umbaumaßnahmen; z. B. Kopfplattenanschlüsse
Niete, Schiefstellung
Demontage Ausbau/Abbau störender Elemente durch Nutzer z. B.
bei Nachinstallation
Wechsellast, Dynamische Lasten, Anschlüsse an Kranbahnkonstruktionen, Unterkons-
Vibrationen truktionen von Maschinen, Treppenstufen, Fassaden
2.3.5 Abgerissene Schrau- Überbelastung Kopfplattenanschlüsse, Anhänge-Konstruktionen
ben/Niete
2.3.6 Gerissene Schweißnähte Überbelastung Kopfplattenanschlüsse, Anhänge-Konstruktionen,
Konsolen, Rahmenecken, Fußpunkte
2.4 Holzkonstruktionen
2.4.1 Feuchtigkeitseinwirkung Niederschlag, Kondensfeuchtig- schadhafte Dachabdichtung, Oberlichter, Dachdurch-
keit, undichte Installationen führungen, Kältebrücken, fehlende Dampfsperren,
2.4.2 Fäulepilze Feuchtigkeitseinwirkung ungeschützte Auflagerung von Holzbalken auf Mauer-
werk („Balkenköpfe“)
2.4.3 Insektenbefall mangelnder Holzschutz ungeschützte Öffnungen bei Dachstühlen
2.4.4 Locker sitzende Verbin- Schwinden des Holzes, Überlas- Anschlüsse Holz an Stahl, z.B. Balkenschuhe für Stüt-
dungsmittel tung, Tragwerksverformungen zen, Rahmenecken mit Stahleinbauteilen
2.4.5 Austrocknung übermäßige Rissbildung, Ver- ungenügend vorkonditioniertes Holz, Klimaverände-
sprödung rung, Luftabschluss
2.5 Glaskonstruktionen
2.5.1 Risse, Abplatzungen, mechanische Beschädigung, Gebrauchsspuren, ungeschützte Kanten, Steinschlag,
tiefe Kratzer Spannungen, Überlastung unplanmäßige Lagerung
2.5.2 Direkter Kontakt Glas übermäßige Verformungen, un- Dachkonstruktion liegt unplanmäßig auf Glasfassade
mit Stahl genaue Montage auf.
2.6 Seilkonstruktionen
2.6.1 Aufspleißen von Litzen, mechanische Beschädigung, abgespannte Dächer
Überbelastung
2.6.2 Austritt von Füllmittel mechanische Beschädigung, Abspannungen von Fassaden im Außenbereich
Einwirkung hoher Temperaturen
3 Baukonstruktionen
3.1 Steildächer
3.1.1 Nässe, Feuchtigkeit beschädigte oder fehlende Dach- Ziegelgedeckte Dächer nach Starkwindeinwirkung,
ziegel, Dacheindeckung gealterte Ziegeldeckung, lockere Verbindungsmittel
und Befestigungen
undichte Dachfenster, Dachauf- schadhafte Anschlüsse, Spenglerarbeiten und Abdich-
bauten, Kamin- und Abluftdurch- tungen
führungen
undichte oder verstopfte Regen- korrodierte Dachrinnen und Fallrohre, durch Laub und
abflüsse Schmutz belegte Einlaufgitter
3.2 Flachdächer
3.2.1 Pfützenbildung, be- undichte oder verstopfte Regen- durch Laub und Schmutz abgedeckte Einlauftrichter
mooste Stellen abflüsse
3.2.2 Eisbildung Beheizung beschädigt, fehlt Abläufe und Fallrohre frieren zu.
3.2.3 Feuchte/Nässe an der beschädigte Abdichtung häufiges direktes Begehen der Dachfläche, Lagern von
Dachunterseite Material bei Wartungsarbeiten
3.2.4 Neue Dichtbahnen auf erhöhtes Dachgewicht u . U . Erhöhung der Dachlast wurde nicht überprüft.
vorh. alter Abdichtung unzulässig für die Tragkonstruk-
tion
3.2.5 Nachträglich aufge- Tragkonstruktion nicht für die Erhöhung der Dachlast wurde nicht überprüft.
brachte Dachbegrünung höheren Dachlasten ausgelegt
3.2.6 Übermäßige Durchbie- Erhöhte Dachlasten Wasserdurchtränkte Isolierung infolge beschädigter
gung Dachdichtung,
verstopfte Regenabläufe bzw. Notüberläufe
3.2.7 unzulässiges Entfernen von Stüt- Entfernen der Mittelwand von Doppelgaragen
zungen
Entwurf VDI 6200 – 19 –

Schadensindiz Ursache Beispiele, Hinweise


3.2.8 keine (funktionstüchtige) Notent- keine Notentwässerung geplant/ausgeführt, Notentwäs-
wässerung serung verstopft, Lage an falscher Stelle
3.3 Geschossdecken
3.3.1 Nässe, Feuchtigkeit an schadhafte Installationen undichte Heizrohre, Wasserrohre, Abflussrohre
der Deckenunterseite
3.3.2 Pfützen, feuchte Ober- übermäßiger Feuchtigkeitseintrag nässende Maschinen auf Produktionsdecken ohne
beläge, Nässeschäden auf der Oberseite, beschädigte ausreichenden Dichtbelag, Schleppwassereintrag ohne
an Estrichen Abdichtung, mangelhaftes Ab- Abdichtung, Chlorideintrag aus Magnesitestrich in
dichtungssystem Stahlbetondecken
3.4 Hofkellerdecken, Parkdecks
3.4.1 Pfützenbildung, feuchte verstopfte Abläufe Rückstände von Blüten, Blättern und Zweigen in Rin-
organische Rückstände nen und Rohren
im Bereich der Einläufe
3.4.2 Spurrinnen, Risse und Witterungseinflüsse, mechanische besondere Beanspruchung bei frei bewitterten Flächen
Abrasion auf Deck- und Beanspruchungen und Rampenbereichen,
Schutzschichten stark frequentierte Bereiche durch Fahrzeuge, Contai-
ner oder Maschinen
3.4.3 Schadhafte Vergussfu- Abnutzung, Witterungseinflüsse mangelnde Flankenhaftung oder Fugenverfüllung,
gen Risse, Ausquetschungen
3.4.4 Schadhafte Abdich- Abnutzung, Witterungseinflüsse, fehlende Schraubbolzen, mangelhafte obere Ab-
tungsanschlüsse Wartungsfehler spritzung
3.4.5 Fehlende Beschilderung Beschränkung von Durchfahrtshöhe oder Fahrzeugge-
wicht
3.5 Fugen
3.5.1 Tropfende Fugen, Näs- Fugenprofil undicht, abgelöst, fehlerhafte Ausführung, Versprödung des Fugenmate-
sespuren, übermäßige unterläufig rials, Andichtung fehlerhaft
Verfärbung
3.5.2 Dehnwege nicht mög- Fuge zu klein, beschädigt fehlerhafte Ausführung/Planung, Verschmutzung (man-
lich gelhafte Wartung)
3.6 Kranbahnträger
3.6.1 Übermäßige Abriebs- Überlastung der Krane; gelöste mangelhafte Wartung, starke Verformungen des Kran-
rückstände neben der Schienenbefestigungen, Verfor- bahnträgers im Betrieb, hohe Horizontalverformungen
Kranschiene mung des Tragsystems der unterstützenden Bauteile (z. B. Hallenstützen)
3.6.2 Fehlende oder locker Schraubensicherung fehlt Schraubensicherung über Vorspannung i.d.R. nicht
sitzende Schrauben ausreichend, mechanische Schraubensicherung (z. B.
Palmutter) erforderlich
3.6.3 Schadhafte Auflager- dynamische Belastung verschobene bzw. herausgefallene Stahlfutterbleche;
stellen gebrochenes Mörtelbett
3.7 Lager
3.7.1 Unplanmäßige Defor- Lagerweg bzw. Verdrehung Fehlerhafte Ausführung/Planung, Baugrundbewegung,
mation, Risse, Abplat- blockiert, unzureichend Setzungen, Überlastung, Verschmutzung (mangelhafte
zungen Wartung)
3.7.2 Dehnwege nicht mög- Lagerweg bzw. Verdrehung fehlerhafte Planung/Ausführung, Verschmutzung (man-
lich blockiert, unzureichend gelhafte Wartung)
– 20 – VDI 6200 Entwurf

Dokumentation einer regelmäßigen Überprüfung gemäß VDI 6200:2008-11

Dokumentation Nr.: ___ Datum: _____________________


Gebäude/Bauteil: ___________________________________________________________________

Anschrift: ___________________________________________________________________
___________________________________________________________________

(Besonders) Fachkundige Person: _______________________________________________________

Prüfintervalle: Begehung: _____ Jahre, zuletzt durchgeführt am _______________

Inspektion: _____ Jahre, zuletzt durchgeführt am _______________


Überprüfung: _____ Jahre, zuletzt durchgeführt am _______________

Durchgeführter Überprüfungsschritt:
Inspektion durch eine fachkundige Person (Inspektion)
Eingehende Überprüfung durch besonders fachkundige Person (Überprüfung)

Anlass: Planmäßige Überprüfung


Überprüfung nach Unwetter/hoher Wind- oder Schneebelastung
Überprüfung nach Umbau/Nutzungsänderung/Instandsetzung
Überprüfung nach außergewöhnlichen Ereignissen ___________________

Ergebnis: Es wurden keine Standsicherheitsdefizite festgestellt.


Defizite und/oder Mängel wurden festgestellt (Erläuterung auf Beiblatt).
Zusammenfassung/Maßnahmen
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Überprüfender: ___________________________

Datum und Unterschrift: ___________________________ Beiblatt beachten !


Entwurf VDI 6200 – 21 –

Schrifttum mer/Verfügungsberechtigten, Bauministerkonfe-


renz-Konferenz der für Städtebau, Bau- und Woh-
Gesetze, Verordnungen nungswesen zuständigen Senatoren der Länder (AR-
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) in der Fassung der Bekannt- GEBAU), Fassung September 2006. Abgedruckt im
machung vom 2. Januar 2002 (BGBl. I S. 42, 2909; 2003 I Deutschen Ingenieurblatt 11 (2006), S. 24–28
S. 738), zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 21. (www.is-argebau.de)
Dezember 2007 (BGBl. I S. 3189)
[2] DBV Deutscher Beton- und Bautechnikverein e.V.:
Musterbauordnung; Fassung November 2002. Bauminister- Merkblatt Bauwerksbuch: Empfehlungen zur Si-
konferenz cherheit und Erhaltung von Gebäuden; Fassung Juni
2007
Technische Regeln [3] DBV Deutscher Beton- und Bautechnikverein e.V.:
DIN 1076:1999-11 Ingenieurbauwerke im Zuge von Straßen Merkblatt Bauen im Bestand – Leitfaden, Fassung
und Wegen; Überwachung und Prüfung (Engineering structu- Januar 2008
res in connection with roads; Inspection and test). Berlin: [4] Harte, R.; Krätzig, W. B.;Laermann, K.-H.: Inte-
Beuth Verlag griertes Sicherheitsmanagement alternder Bauwerke
DIN EN 1990:2002-10 Eurocode: Grundlagen der Tragwerks- durch Computersimulation und Zustandsmonitoring.
planung; Deutsche Fassung EN 1990:2002 (Eurocode: Basis VDI-Jahrbuch Bautechnik 2006/2007, S. 13–29.
of structural design; German version EN 1990:2002). Berlin: Düsseldorf: VDI e.V.
Beuth Verlag
[5] Leitfaden zu einer ersten Begutachtung von Hallen-
DS 803 Vorschrift für die Inspektion von Kunstbauten. Deut- tragwerken aus Holz, Fassung Juli 2006, Studien-
schen Bahn gemeinschaft Holzleimbau e.V., Wuppertal
VDI 1000:2006-10 Richtlinienarbeit; Grundsätze und Anlei- (www.brettschichtholz.de)
tungen (Establishing guidelines; Principles and procedures). [6] Allgeier, E.; Diaz, J.; Gundlach J.; Pohlmann, D.;
Berlin: Beuth Verlag Skoruppa, G.: Verantwortlichkeit und Prüfdichte bei
Sonderbauten. In: Sicherheitsgewinn durch Monito-
Literatur ring. Herausgeber: Freunde des Instituts für Massiv-
[1] Hinweise für die Überprüfung der Standsicherheit bau der TU Darmstadt, ISBN 978-3-9808875-1-9
von baulichen Anlagen durch den Eigentü-

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