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M1 Mitschrift, Montag 06.05.

2019, 16-18 Uhr


5. Sitzung

- Datenerhebungstechniken = Verfahren, mit deren Hilfe Daten erhoben werden:


konkreter Einsatz der Messinstrumente an Objekten
- Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse, Weitere (nichtreaktive) Verfahren: jedes
mit Unterformen, oder auch Mischformen
- Differenzierung Erhebungs-/ Auswertungsverfahren

- Erhebungsverfahren: Klassifizierung nach...


... Reaktivität (=systematische Beeinflussung des Ergebnisses einer Messung: durch
1. nicht-kontrollierte Merkmale des Messinstruments, 2. des Anwenders des
Messisntrumentes und 3. der Untersuchungssituation)
- reaktiv = Befragung und teilnehmende Beobachtung (alles mit Interaktion)
- nicht-reaktiv = verdeckte Beobachtung/Inhaltsanalyse
...Standardisierung = Grad des Strukturiertheit und Reglementierung der
Erhebungssituation (standardisiert = einheitlicher Fragebogen, festes
Beobachtungsschema, Frequenzanalyse ; nicht-standardisiert = offenes Gespräch/
narratives Interview, offene Beobachtung, Interpretation des Sinns eines Dokuments

- Arten von Befragungen: je nach Art der Kommunikation:


1. Medium : Papierfragebogen, mündlich (Face-to-Face), schriftlich, telefonisch
2. Computergestützt:
- Computer Assisted Personal Interview (CAPI)
- Computer Assisted Telephone Interview (CATI)
- Computer Assisted Self-Administered Interview (CASI): Tablet wird von Interviewer
zum Befragten gegeben)
- Web/Online Survey
- Strukturierungsgrade Befragung: Standardisiert (quantitatives Interview),
Leitfadengespräch (teilstandardisiert), narratives Interview (nicht standardisiert)

Standardisierte Befragungen:
- Konstanthalung der Situation (Gleiche Stimuli): Alle Fragen in gleicher Formulierung
mit gleichen Antwortalternativen
- Neutralität des Interviewers: Antworten weder positiv noch negativ sanktionieren,
nicht argumentieren
- Vorteil: objektive + reliable Datenerhebung möglich
- Nachteil: Datenerhebung nur zu von vornherein festgelegten Themengebieten
möglich

Fragetypen:
- Einstellungsfragen: Aussage präsentiert: stimme zu.....stimme nicht zu
- Überzeugungsfragen: subjektive Aussagen über objektive Fakten: z.B. in letzten
Jahren mehr ausländische als deutsche Kinder geboren. richtig ...... falsch (was ist
die Überzeugung der Person?)
- Verhaltensfragen: retrospektiv berichten (z.B. wie oft beim Arzt in letzten 12
Monaten?)
- Eigenschaftsfragen: Soziodemographie (Alter, Geschlecht,...)
- offene Fragen: Frage mit offenem Antwortfeld, individuelle Antworten, aber auch
Einfluss sprachlicher Fähigkeiten der Befragten, objektive Auswertung schwierig
- geschlossene Fragen: Möglichkeit quantitativer Messung, aber auch Zwang zur
Auswahl aus vorgegebenen Antworten
- Formate bei geschlossenen Fragen: Häufigkeit, Intensität, Bewertungen,
Wahrscheinlichkeiten: Entweder mit Zahlenskala mit Extremen an den Seiten um
gleiche Abstände dazwischen sicher zu stellen, oder Ausformulierung der
Antwortmöglichkeiten (z.B. Häufigkeit: immer - häufig - manchmal - selten - nie)
- Anzahl und Formulierung der Antwortkategorien kann Auswirkungen auf
Antwortverteilungen haben!

Befragte müssen...
- Frage verstehen (Wortlaut)
- Informationen aus Gedächtnis abrufen können
- Übereinstimmung der abgerufenen Informationen mit Frage prüfen
- die Antwort nach den wahrgenommenen Situationsanforderungen äußern

deshalb...
- Sprache der Befragung muss beherrscht werden: keine Begriffe, die der Befragte
nicht kennt: ansonsten versucht Befragter Hinweise aus der Situation zu nehmen
durch Rückfragen an Interviewer, Layout des Fragebogens
- Effekte der Fragenreihenfolge berücksichtigen:
a) Priming (frühere Fragen rufen Aspekte ins Gedächtnis, die sich auf spätere
Antworten zu anderen Fragen auswirken)
b) Carryover (Befragten betrachten 2 Fragen als zusammengehörig, daher ähnliche
Antworten dazu)
c) Consistency: um konsistent zu erscheinen, werden Fragen ähnlich beantworten
- Abruf der Informationen bei Retrospektivfragen problematisch: schnelles Vergessen
unrelevanter Informationen
- Abruf bei Proxy-Interview (Informationen über Dritte einholen) problematisch
- Beurteilung der Frage: kognitiver Aufwand der Fragenbeantwortung wird möglichst
minimal gehalten: bei offenen Fragen mit numerischen Antworten größere
Wahrscheinlichkeit einer bestimmten Antwort
- Befragte stimmen Inhalt der Fragen grundsätzlich eher zu: stereotypes Antworten:
besonders bei niedrigerem Bildungsniveau
- Selbst wenn Antwort klar ist: Befragter muss Antwort in Kategorien abbilden und
muss entscheiden, ob seine eigentliche Antwort nicht mit anderen Zielen kollidieren
(z.B. positive Selbstpräsentation: soziale Erwünschtheit): durch geeignete Instruktion
schmackhaft machen, nicht sozial erwünscht antworten zu müssen
- einige Befragten geben nicht-substantielle Antworten: Meinungslosigkeit

Problem: Item-Noresponse
- Heikle Fragen: z.B. Krankheiten, Straftaten, Steuerhinterziehung,
Drogenmissbrauch,...: verstärkt von sozial erwünschten Antworten betroffen
- Entgegenwirken:
a) Wording: verschiedene Techniken, z.B. Verharmlosen, Suggestivfragen
b) Technik des vertraulichen Kuverts: Befragter kann selbstständig ausfüllen und
dann vertraulich eintüten,...: Interviewer sieht Fragebogen nicht, anonymisiert
- Weiß-Nicht-Antworten: entsprechende Kategorie sollte im Fragebogen enthalten
sein, Befragter sollte dies allerdings nicht unbedingt wissen
- Antwortverweigerung / Keine Angabe: Befragter will ganz bewusst nichts dazu
sagen, seltener bei physischer/telefonischer Präsenz eines Interviewes

Fehlerquellen in Befragungen:
1. Befragtenmerkmale (z.B. Antworttendenzen, soziale Erwünschtheit)
2. Fragemerkmale (Formulierung, Position im Fragebogen)
3. Interviewer-/Situationsmerkmale

Phasen des Interviews


- Einstiegsfragen: leicht zu beantworten, interessant, geschlossene Einstellungs-/
Meinungsfragen (keine Wissensfragen)
- dann schwierige, anspruchsvolle Fragen zu den primär interessierenden Themen
- dann heikle Fragen
- dann langweilige Fragen: Demographie

- häufig gestellte Fragen nicht selbst schreiben: vorgefertige Vorlagen nutzen (Buch
siehe Folien)

Befragungstypen:
- schriftliche Befragungen: individuell oder in Gruppen, mit oder ohne
Computerunterstützung, in Anwesenheit oder Abwesenheit des Befragten
(postalisch),
- Vorteile: keine Interviewereffekte, niedrige Kosten, Nutzung amtlicher Dokumente
(z.B. Impfpass)
- Nachteile: keine Rückfragen möglich, Layout muss übersichtlich, Undercoverage
(Analphabeten, Migranten), geringe Ausschöpfung postalischer Befragung, keine
Sicherheit ob richtige Person ausgefüllt hat bei postalisch
- TDM: Tailored Design Method: erarbeitet Variante, Ausschöpfung postalischer
Befragung möglichst hoch zu halten (z.B. durch besondere Anschreibung,...)
- Telefonbefragungen (CATI): Interviewer am Bildschirm
- Vorteile: gut organisiert, effizient, kostengünstig
- Nachteil: Stichprobenauswahl: keine Listenauswahl seit Wegfall der
Registrierungspflicht in Dtl., wenig kommunikative Rückmeldung, viel Verweigerung
- deshalb: zufällige Wahl
- Web-Suveys:
- Vorteile: geringe Kosten, schnelle DUrchführung/Auswertung, Programmierung
komplexer Designs
Nachteile: nicht Bevölkerungsrepräsentativ, geringe Motivation

Zusammenfassung:
reaktive vs nicht-reaktive Erhebungen
verschiedene Standardisierungen
Befragungsarten: Medium / Computergestützte
Regeln standardisierte Befragung
Fragetypen
geschlossene / offene Fragen: Vor-/Nachteile
Aufgaben Befragte
Probleme am Befragten, Vorbeugen
Item-Noresponse
3 Fragequellen in Befragung
Phasen des Interviews
Befragungstypen + Vor-/Nachteile

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