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Medienwissenschaf ten:

Theater und technische Medien:

Harald Schmidt Show, 2005, 23:00 Uhr: Video wird innerhalb der Show gedreht über den Wahn vor
dem Rechtsextremismus, als Hitler verkleidet um einen antifaschistischen Werbespot zu drehen, in
einem Fernsehstudio mit Publikum; verwendet Elemente des Theaters im Fernsehen, man kann es
nur einmal drehen (Kunstschnee und Windmaschine wird verwendet), zeigt wie weit Fernsehen
gehen kann und versucht diese Funktionsweise offenzulegen

Roland Barthes (Literaturwissenschaftler, Semiotiker): hat sehr viel mit Theater gemacht; meint, dass
Theater diejenige Praxis ist, die die Stelle kontrolliert von der die Dinge gesehen werden; Theater ist
ein Ort der Hinsicht; Theater kann Illusion ins Spiel bringen; Theater zeigt immer neue
Inszenierungen Theater ist der Ort der künstlerischen Institution

Theater im Gegensatz zu technischen Medien

1. technische Medien verfügen über/brauchen ein Aufnahmegerät und Abspielgerät, Theater


hingegen passiert unmittelbar im selben Raum und zur selben Zeit, in dem und in der sich der
Zuschauer befindet

2. Theater ist flüchtig, vollzieht sich im Augenblick seines Ereignisses

3. Theater ist vielstimmig, besteht aus einer Fülle von Zeichen, die in Relation zueinander stehen:
Körper, Sprache, Stimme, Raum, Kostüm usw.

Forschungsansätze bei Theater:

1. Theater im Verhältnis zu anderen Ereignissen untersuchen.

2. Theater im Verhältnis zum Alltag untersuchen.

3. Theater als einen Ort der Reflexion untersuchen.

4. Theater historisch untersuchen.

5. Theater in den unterschiedlichsten Gesellschaften untersuchen.

6. Theater im Verhältnis zu anderen Medien untersuchen.

Medium: Differenz zwischen der Übersetzung des Theaters in andere Medien

Beispiel: Eugene Labiche: Die Affäre in der Rue Lourcine, Fernsehaufzeichnung erkennt man durch
das ZDF Zeiche; düstere Lichtverhältnisse und Spiegel auf der Bühne. Manche Sachen gehen in der
Fernsehaufzeichnung verloren. Regie_K.M. Grüber, Schaubühne Berlin 1989

Das Theater in Medien und Fernsehaufzeichnungen verändert sich grundlegend: Die Unmittelbarkeit
zur Beziehung zum Publikum wird unterbrochen, in der Übersetzung geht viel verloren, wie zum
Beispiel von den Reaktionen und von der Regie

Was ist ein Medium? 2 Arten von Antworten:

1. Betrachtet Medium aus der Sicht des Informationstägers des Kanals, des materiellen
Substrats, neutral übertragend
2. Auch als Informationsträger, auber der die Mitteilung nicht neutral übermittelt sondern sie
prägt und formt: nicht die Übertragung ist betont, sondern die Wirkung der Übertragung auf
die Botschaft selbst; formend und prägend

Was macht das Medium mit der Botschaft?

Marshall McLuhan (Medienstar in den 60ern): „the medium is the message“: Das bedeutet, dass das
Medium immer in die Botschaft mit eindringt. McLuhan hat gemeint, dass das Interessante am
Medium nicht die Botschaft sei, sondern wie die Botschaft durch das Medium
verätzt/durchnässt/zugerichtet wird.

Ausschnitt von der Inszenierung von Klaus Michael Grübner: Winterreise, Berlin 1979, nach
Romanfragment von Hölderin: Hyperion, Stadion für Hitler gebaut, Entnazifizierung vom Stadion,
Grübner hat lange auf Schnee gewartet, es war sehr kalt und es war Nacht, nur sehr wenige Leute,
hat auch diese Aufführung abgefilmt; elektronische Anzeigetafel verwendet (damals noch ganz neu),
Bühnenbild ist das Stadion selbst: Kulissen und Zelte wurden im ganzen Stadion aufgebaut,
Nachbauten aus Berlin des Anhalterbahnhofs, Sportler laufen herum, Jeeps fahren, Menschen vor
dem Zeltlager. Unterschiede vor Ort (besondere Atmosphäre, man sieht viele Dinge aber gleichzeitig
und die Details sind nicht sehr gut zu erkennen) vs. Aufzeichnung (Details besser zu erkennen aber
kaum einen Überblick auf die Gesamtsituation) Elemente gehen eventuell verloren, Fokus immer nur
auf einer Situation

Wichtig: Transformation von einem Roman ins Theater und dann wiederum ins Video.

Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, untersucht, wi


sich der Status der Kunst, des Künstlers, des Betrachters durch technisch reproduzierbare Kunst
verändert, untersucht vor allem den Film (Film: ausgelegt auf Reproduzierbarkeit, Fotografie:
ausgelegt auf Reproduktion):

Innerhalb gro er geschich licher Zeiträume verändert sich mit der gesamten Daseinsweise
menschlicher Kollektiva auch die Art und Weise ihrer Sinneswahrnehmung. Die Art und Weise,
in der die menschliche Sinneswahrnehmung sich organisiert das Medium, in dem sie erfolgt
ist nicht nur natürlich, sondern auch geschich lich beding

Erfindung des Buchdruckes: Gutenberg – das Reproduzieren von Büchern um 340x günstiger,
beeinflusste das Schreiben - kritische Lektüre entstand

Mediengeschichte anhand Medienrevolutionen:

1. Schrift: geht über die mündliche Überlieferung heraus

2. Buchdruck: 1454, durch Johannes Gutenberg, hatte viel zu tun mit dem Import des Papiers aus
Asien; Buch ist immer noch ein Schlüsselmedium unserer Epoche

3. Fotografie: 19. Jahrhundert, berühmte Fotografie von Raumschiff Apollo 8 (1968), technisch
reproduzierbare Kunst, nicht mehr durch Malerei die Wirklichkeit dargestellt sondern Fotografie
konnte technisch die Natur abbilden, so wirklichkeitsgetreu sodass die Malerei sich in die Abstraktion
flüchten musste

Malerei durch Fotographie gezwungen, woanders hin zu gehen. 2 verschiedene Bewegungen:


italienischer Futurismus (z.b: Dame mit Hündchen) und französischer Kubismus. Beide begannen mit
Bewegungsdarstellung zu experimentieren, das erste mit der Bewegung des Motivs/Objekt und das
zweite mit dem beweglichen Blick, gleichzeitig mehrere Ansichten auf ein Objekt, z.b.: Picasso.
Ausschnitt aus einem der wichtigsten Filme der Stummfilmepoche: Der Mann mit der Kamera von
Vertov; alle Mitteln des Filmes wurden versammelt und zudem wurde noch gezeigt wie ein Film
gemacht wurde, der Mann mit der Kamera, die Cutterin im Schneidesaal, das Publikum im Kinosaal;
geht um das Erwachen der Stadt aber auch das Erwachen der Wahrnehmung; Titel hätte eigentlich
heißen soll: Ein Kameramann auf Urlaub und das kann man auch noch teilweise erkennen: drei
Städte werden abgebildet: Moskau, Kiev und Odessa; also auch der Weg des Filmemachers in den
Süden, ein Weg mit zunehmender Analphabetisierung, Vertov hat deswegen während der Montage
entschieden, dass es keine Untertitel geben sollte; erster Film der Sowjetunion ohne Zwischentitel.
Ausschnitt: Vergleich des Kameraauges und des menschlichen Auges; Diskussionen darüber ob
Vertov Musik wollte oder nicht.

Anderer Ausschnitt: wollte Kino und Fernsehen kombinieren, meint: Zuschauer beim Fernsehen:
quantitative Figure vs. qualitative Figur beim Kinofilm: Zuschauer verändert nach einem Film im Kino;
Zuschauer werden in einem Kinosaal gezeigt

Ganzer Film:

Vermittlung filmischer Ereignisse – ohne Drehbuch, Schauspieler, Zwischentext

Aufbau:

Anfang: Aufbau der Kamera, Publikum im Kino

Hauptteil: kurze filmische Sequenzen (Menschen auf der Straße, Gebäude, Alltagsszenen, Fahrzeuge,
Tiere...) zwischendurch Wechsel: Sicht der Kamera– Sicht auf die Kamera

Ende: Szenen im Kino, Leinwand, Publikum, es wird gezeigt wie Szenen auf der Leinwand gedreht
wurden, Schnelldurchlauf bereits gezeigter Szenen aus der Perspektive der Zuschauer/der Kamera

Im Kino eine ganz andere Wirkung auf Zuschauer als bei einem Video

3 Elemente sehr bemerkungswert: Kamera, Schneideraum und Zuschauer im Zuschauerraum, die sich
selbst sehen auf der Leinwand hohe Selbst Reflektion des Filmes;

Der Film ist die Summe der Stummfilmepoche, ganz starker Eindruck von dem was die
Filmtheoretiker das neue Sehen genannt wird.

Medienrevolution in den 20er Jahren: Ton im Film, Radio wird zum Massenmedium

Gegen Ende des 19. Jh: Erfindung des Films

Das Medium Film ermöglicht etwas, was durch kein anderes Medium geht: bewegliche Bilder, kann
etwas zeigen, was der Mensch davor noch nie gesehen hat, etwas was es gar nicht gibt.

Peter Kulbeka: invisible cinema, Direktor des österreichischen Filmmuseums, Interview mit der
Zeitschrift Revolver: Fähigkeit der filmischen Apparatur aufgefasst als Verdichtung: erstens kann der
Film die Zeit anhalten und manipulieren und umdrehen, das ist ein neuer und nie zuvor gesehener
Umgang mit der Zeit, was den Film sehr viel Macht gibt: „Der Film ersetzt Gott völlig.“, meint Jean
Eppstein. Das Kino ersetzte tatsächlich in der ersten Hälfte für viele Leute Messen. Und zweitens
kann der Film auch räumlich verändern, kann ganz nah an Gesichter herangehen. Und man kann
auch in ganz entfernte Regionen die Kameramänner schicken. Und drittens mit der Erfindung des
Tonfilms kann man zwischen Auge und Ohr verdichten, in seinem Film: Unsere Afrikareise sehr gut
gemacht. Verhältnis von Bild und Ton hier auf unglaubliche Weise gezeigt.
Filmkamera wird in den 20er Haren zum Medien par exellance, betrachten das Kameraauge als
besser als das menschliche Auge: „das neue Sehen“, neue Weltanschauung, neue Wahrnehmung, mit
dieser Generation wird eine Weltveränderung verknüpft.

Wiederholung, was den Film vom Theater unterscheidet:

1. Technische Reproduzierbarkeit, aufgenommen, statt im unmittelbaren Gegenüber von


Handelnden und Zuschauern geschieht. Im Kino sehen die Zuschauer etwas, was nicht jetzt
passiert.
2. Durch die Beweglichkeit der Kamera erzeugt der Film einen neuen Raum und eine
Dynamisierung des Raumes. Im Theater ist der Raum statisch. Unser Auge identifiziert sich
mit dem Kameraauge und durchquert die Räume des Films.
3. Die Montage erlaubt das technische Verfahren des Filmes (Zersetzen und Aneinandersetzen
des Filmstreifens) völlig neue Art der Bildkomposition und der Erzählung

Schnitt und die Montage kann alles verändern, Zeit wird willkürlich verändert.

Nächste große Erfindung in der Geschichte der Medien: Das Radio. Wurde in wenigen Jahren zum
Massenmedium. Frühe Filmressigeure sahen, dass es möglich ist, eine Verbindung zwischen Funk
und Film herzustellen und somit Bilder und Filme herumzuschicken. Frühe Experimente Bilder und
Filme herumzuschicken. Früher Fernseher: Es gab schon damals heftige Diskussionen über das
kommende Fernsehen und in den 30er Jahren gab es schon die ersten Direktübertragungen in
Fernsehhallen. In den USA wurde das Fernsehen schon in den 50er Jahren zum Leitmedium, in
Europa in den 60er Jahren nach der Nachkriegszeit. Heutzutage gab es einen Karriereknick mit dem
Computer und sozusagen ist das Fernsehen das „Leitfossil“ einer verendeten Epoche. Fernsehen ist
charakterisiert durch erstens: die nachhause gelieferte Welt (Günther Anders) neue
Rezeptionssituation erschaffen. Anfangs musste man ins Dorfwirtshaus gehen, um eine Art
Kinoersatz zu haben, wo es einen Fernseher gab. In den Familien gab es dann bis zu den späten 80ern
gemeinsame Fernsehabende. Durch die Anschaffung mehrerer Geräte, gab es das dann nicht mehr,
also keine kollektive Rezeption, sondern nur noch eine individuelle Rezeption. Günther Anders nennt
den Funk die „Kulturwasserhähne, die in den Wohnungen aufgedreht werden.“ Und zweitens ist
Fernsehen charakterisiert durch einen ununterbrochenen Fluss, es gibt mehrere Kanäle, die die
ganze Zeit laufen und es verschwinden dadurch die einzelnen Werke und Filme in einem Flow. Oft
sagten frühere Ressigeure, sie wollen nicht, dass ihre Filme im Fernsehen gezeigt werden, weil sie oft
von Werbungen unterbrochen werden würden. Heute könnte man sagen, dass das eigentliche
Wesen des Fernsehens in der Werbung liegt, und die Werbung von Spielfilmen unterbrochen
werden. Eine weitere Besonderheit des Fernsehens war die Live-Sendung, die heute nur sehr selten
verwendet wird, z.b. bei Katastrophen oder Sportsendungen. Das Fernsehen ist eine
zeitvernichtende Maschine.

Alexander Kluge sagt: Im Kino ist fast die Hälfte der Zeit Dunkelheit, Schwarzfilter zwischen den
einzelnen Bildern. Das schafft uns Zeit für Informationsverarbeitung. Auch durch das Wechseln der
Kanäle gibt es für uns Pausen, in der wir das eben Gesehene verarbeiten können. Es entsteht so
etwas wie eine technische Ökonomie der Zerstreuung. Das Fernsehen nahm alle vorherigen Medien
auf: das Radio, also z.b. eine Talkshow.

Im Gegensatz zum Film hat Fernsehen erst sehr spät eine Theorie bekommen und es gibt immer noch
kaum Theorie dazu. Abgesehen von ein paar Ausnahmen, wie z.b. Harald Schmitt und Alexander
Kluge.

Fernsehen hat vom Film vor allem die Montage übernommen.


Filmausschnitt von einer Talk Show über Sport: Schmitt zeigt in einer Monage, wie er zwei Sportarten
montiert und dazu noch einen Ton. Etwas ähnliches kennen wir aus Maschek (berühmte
österreichische Medientruppe), die aus der vergangenen Woche die Nachrichten
zusammenschneidet und andere Stimmen darüberlegt. Montage hat extreme Gewalt.

Konzept von Umberto Eco: „Für eine semiologische Guerilla“ (Kleinkriegführung), Vortrag über
Probleme der Fernsehrezeption: Konzept entwickeln: eines der Gesetzte der Massenkommunikation
ist, dass sie nicht kontrollieren kann die Art und Weise der Rezeption, Massenkommunikation hat
immer eine hohe Interpretationsvariablität. Die Rezeptienten können vom Sender nicht gezwungen
werden die Botschaften auf die vom Sender intendierte Weise zu decodieren. Der Macht des Senders
verliert sich am Ort des Empfangs und aus dieser theroetischen Einsicht in die Informationskette
(vom Sender über das Übertragungsgerät über den Kanal zum Empfängsgerät zum Empfänger)
verliert sich die Macht des Senders. Das führt Umberto Eco zu einem strategischen Vorschlag, dass es
nicht zielführend ist, den Sessel des Intendanten zu erringen, weil man am Weg dorthin sich nicht
mehr vom bisherigen Intendanten unterscheiden würde. Es ist viel zielführender sich am Ort des
Empfangs niederzulassen und jede einzelne massenmediale Botschaft zu kommentieren und mit
Zwischenrufen zu unterbrechen und die Intentionen dahinter zu enthüllen. Aus der Zeit wo es nur ein
paar Fernsehprogramme gab.

Hier sieht man die Senderkette und


die Begriffe: Code und Subcode, mit
dem der Sender die Botschaften
codiert und das erlaubt es dem
Empfänger diese Botschaften mit
seinen Codes zu decodieren.

Nam June Paik: analysierte Medien, späte 50er Jahre/Anfang 60er, verwendet starke Magneten und
zerstört Fernsehbilder und baut Figuren aus Fernsehgeräten, mit ihm begann die Medienkunst erst
so wirklich. Er wollte den passiven Zuschauer in einen aktiven Mitspieler umwandeln. „The best
television is no television at all.“

Charlotte Morman, 1973 in Nam June Paik Produktion

In der Todesanzeige von Paik stand: „if too perfect, liebe Gott böse“ Darin drückt sich aus, dass es
Paik um Imperfektion geht und es dann erst interessant wird.

Es gibt eine Fernsehkritik, die das Fernsehen nicht wegen seiner Mängel sondern wegen seiner
Perfektion kritisiert. Diese Kritik sieht eine Sozialtechnologie, die keine Beziehung zum Sozialen
bestehen lässt, sondern einfach einen universellen Konsens herstellt. Sodass der erschöpfte Kritiker
feststellen muss: was wir sehen ist völlig belanglos, aber technisch perfekt.

Gilles Deleuze: „Brief and Serge Daney“ (Herausgeber von Cahier de cinema, hat gewechselt zu
Liberation von Film zu Fernsehen): Die sozialen Funktionen des Fernsehens
(Unterhaltungssendungen, Nachrichten, dass man sich vor dem Bildschirm versammelt zu einer
bestimmten Zeit, Herstellung eines Konsens) würde eine mögliche ästhetische/künstlerische
Funktion ersticken. Fernsehen kommt gar nicht an seine künstlerische Funktion, weil es eben so
eingebunden an seine gesellschaftlichen Aufgaben und Zwänge sei.

Alexander Kluge zeigt was die ästhetische Funktion des Fernsehens sein könnte mit
Fernsehsendung/Kulturmagazin: Eine Frau wie ein Vulkan, Oper im Fernsehen: Am Anfang ist ein
Interview mit der Opernsängerin mit einem unruhigen Hintergrund, der die Wahrhaftigkeit zum
Ausdruck bringt. Dann sieht man die Oper, aber mit Zwischentitel mit Inhaltsinformationen (kommt
vom Stummfilm), dann Zwischentitel mit Informationen über die Besetzungen. Opernduett geht
weiter aber Kamera bleibt auf der weiblichen Figur (Norma). Dann sieht man wieder den
musikalischen Leiter, der eine Analyse macht mit unruhigem Hintergrund vom Guckkasten.

Bewusstseinsindustrie – Hans Magnus Enzensberger (1962):

Es gibt kein Ich. Es gibt nur eine Ich-Illusion, ein Ich-Gefühl. Industrie bedeutet ja die
Massenherstellung. Also die Massenherstelllung von Bewusstsein. Unser eigens Bewusssein ist nicht
existent, es ist ein reiner Subjektivismus, wir sind abhängig von Menschen und Bildung anderer.
Bewusstsein ist also ein gesellschaftliches Produkt. Industrie: in großen Mengen hergestellt; geht auf
Fernsehen und andere Massenmedien ein. Bewusstsein wird immer nur reproduziert aber nicht
produziert, das Bewusstsein muss immer von irgendwo herkommen. Bewusstsein entsteht immer
von etwas. Paradox, weil Bewusstseinsindustrie nichts von dem wissen will, was sie speißt: Kultur,
Musik, Literatur usw. Die Mächtigen sind sich bewusst, dass sie wenn sie ein Land okkupieren wollen,
sie die Medien (Fernsehstationen, Funk) einnehmen müssen. Es gibt vier Bedingungen, dass diese
Bewusstseinsindustrie funktioniert (siehe unten). Das Produkt der Bewusstseinsindustrie ist
immateriell. Reklame und politische Propaganda: Urteile, Meinungen und Vorurteile. Es kommt zu
einer Ausbeutung. Das führt zu einer immateriellen Verelendung, weil nur eine kleine Anzahl von
politisch mächtigen das bestimmen. Die Ideen müssen irgendwo herkommen und kommen von den
Minoritäten von Intellektuellen, die die Produzenten von der Bewusstseinsindustrie sind.

Im ersten Block seines Textes geht es um die Begriffsbestimmung. Er versucht mit Empirie und
Beispielen herzukommen: Die Industrialisierung des Unterrichts, der Mode, der Gestaltung, der
Tourismus, der Erziehung usw. Setzt den Begriff der Bewusstseinsindustrie der Begriff der
Kulturindustrie der Kommerzialisierung/Kultur gegenüber, den er als überholt empfindet.

Zweiter Block, nennt er die vier Bedingungen der Bewusstseinsindustrie: Aufklärung, Proklamierung
der Menschenrechte, primäre Akkumulation, Industrialisierung

Aufklärung: Philosophische Voraussetzung, brechen mit der Theokratie (=Herrschaftsform, bei der
die Staatsgewalt allein religiös legitimiert und von einer als Gott bzw. Stellvertreter Gottes auf Erden
angesehenen wird)

Proklamierung der Menschenrechte, politische Voraussetzung, besonders Gleichheit uns Freiheit, Die
Vorstellung, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat über, das Gemeinwesen und sein eigenes
verfügen kann, macht das Bewusstsein von sich selbst und der Gesellschaft politisch

Primäre Akkumulation: Ökonomische Voraussetzung, Sicherung der Grundstoffindustrie und


Massenherstellung von Konsumgütern, steigender Lebensstandard + sinkende Arbeitszeit,

kommt aus der marxschen Tradition, in der frühen Neuzeit musste ein Überschuss produziert
werden, der über den Verbrauch des Alltagslebens hinausging und ermöglicht dadurch den Ursprung
des Kapitalismus. Primäre Anhäufung von Reichtum verbunden mit der Industriellen Revolution, der
verwendet wird in Fabriken, Waffen, Maschinen usw zu investieren und dazu verwendet wird andere
Leute für sich arbeiten zu lassen.

Industrialisierung: technische Voraussetzungen, die den Menschen es ermöglichen, den Kopf über
den Morast des Alltags hinauszuheben. Technologische Voraussetzung, Grundlagen der Funk-, Film-,
Phono- und Fernsehtechnik,
Im dritten großen Block beschäftigt er sich mit den Wirkungen der Bewusstseinsindustrie.
Bewusstseinsindustrie soll Bewusstsein induzieren, um es auszubeuten. Immaterielle Ausbeutung im
Medienverbund.

Im letzten Block schreibt er über Strategien gegenüber der Bewusstseinsindustrie. Vor allem sagt
Enzensberger, ein Rückzug in den Elfenbeinturm ist ausgeschlossen, es geht nicht darum sich in
Sicherheit zu bringen sondern man soll sich auf ein gefährliches Spiel mit der Bewusstseinsindustrie
einlassen. „Veränderung der Rolle der Intellektuellen: Wir müssen uns zur bewussten Komplizen der
Bewusstseinsindustrie machen.“

Kritik an der Massenindustrie:, Beklagen des kommerziellen Charakters, Kritik lässt außer Acht, dass
die Bewusstseinsindustrie nicht mit Waren handelt → ihr Produkt ist immateriell
immaterielle Ausbeutung: gepfändet wird nicht nur Arbeitskraft, sondern die Fähigkeit zu urteilen
und sich zu entscheiden durch Eliminierung von Alternativen: Zensur, Verbot, Staatsmonopole

Veränderung der sozialen Intellektuellen, Gefahr neuer Bestechungs- und Erpressungsversuchen


subtilerer Art

Umgang mit der Bewusstseinsindustrie: der kritische Mensch soll sich darauf einlassen, da sie nicht
zurückgedrängt werden kann, Vorurteile

Vom Material zur Architektur – Lazlo Moholy Nagy (1929):

Erstes Kapitel: Erziehungsfragen, stellt die damalige Erziehungspraxis in Frage, vor allem das was er
als „den sektorhaften Menschen“ bezeichnet. Dem gegenüber stellt er den ganzen Menschen. Er
entwickelt ein Programm für eine Pädagogik, die des Bauhauses. Moholy spricht in diesem Text vom
heutigen Produktion System vom heutigen Erziehungssystem. Er stellt die Frage, wie wir uns zur
Technik verhalten sollen, nicht dagegen, sondern mit ihr. Jeder Mensch ist begabt. Der Mensch leidet
unter seiner rein materiellen Funktion. Jeder Mensch, wenn er spricht ist ein Sprecher. Er kann aktiv
Maler, Musiker, Architekt, Bildhauer etc. sein. Es geht darum die Schäden der technischen
Generation zu bekämpfen. Bespricht wie das Bauhaus versucht das Problem zu bekämpfen.

Änderung der Verhältnisse; der Mensch leidet unter seiner rein materiellen Funktion; „jeder Mensch
ist begabt“; kann an allen Sinneserlebnissen teilhaben, kann seine Gefühle in jeglichen Formen
ausdrücken

Bekämpfung der Schäden durch die technische Zivilisation

1. Konsequente Beobachtung der organisch, biologisch bedingten Funktionen (Wissenschaft,


Pädagogik, Politik)

2. Durch einen aus unserem Inneren kommenden Ausdruck – in höchster Form: Kunst

Problem der Erziehung: Großteils Auslieferung des traditionellen Fachstudiums, Kenntnisse werden
vermittelt, ohne Stellung zu Umwelt und Mitmenschen, sowie die Beziehung zum Inhalt der Arbeit zu
behandelt

Mensch spricht = „Sprecher“

Für eine semiologische Guerilla – Umberto Eco (1965/73)

Machtgewinn mittlerweile nicht durch Kontrolle des Militärs sondern der Medien

Kommunikationskette: Voraussetzung → gemeinsamer Code (im Voraus festgelegten System aus


Wahrscheinlichkeiten) *Kanal: Weg den die Botschaft durchläuft; Botschaft: Kommuniziert auf Basis
eines Codes – abhängig davon welcher Code angewandt wird;
Beispiel: Licht

...als Botschaft: Licht im Fenster der Geliebten

...als Kanal: Licht ermöglich Botschaften zu sehen z.B. Buch lesen

...als Code: Lichtimpulse als Morsezeichen/code

Grundgesetz der Massenkommunikation: Interpretationsvariabilität → Botschaften können mit


unterschiedlichen Codes interpretiert; Sendegerät Kanal Empfangsgerät, Störgeräusche, Signal,
Quelle Botschaft, Empfänger, Code

Erkenntnis: Nicht das Medium ist die Botschaft - sie ist abhängig vom Code; „das Medium
transportiert keine Ideologien, es ist selber Ideologie“ → erweitert: das Medium transportiert die
Ideologien die durch die angewandten Codes, die aufgrund der gesellschaftlichen und sozialen
Umstände entstehen, zu Stande kommen

„Guerilla-Taktik“: Alle Plätze vor den Fernsehgeräten müssen besetzt werden und dort diskutiert
werden → Erreichen aller Menschen & gemeinsames Deuten der Botschaften → Einfluss nicht an der
Quelle sondern beim Empfänger

Erster Absatz: bei einem Putsch geht es nicht darum die Kontrolle über die Polizei oder die
Ordnungskräfte zu erfassen, sondern über die Medien, über Presse, Rundfunkstation und
Fernsehstation (z.b. jz Ungarn). Diese Idee findet sich auch schon bei Enzensbergers
Bewusstseinsindustrie. Wichtig an Umberto Ecos Text ist, dass er erkennt worin eine mögliche
Strategie gegen die Massenmedien und das Bombardement dessen liegen könnte. Er versucht
Kommunikationskette von der Quelle über den Sendekanal bis zu Empfangsgerät zu beschreiben. In
dieser Kette gibt es einen schwachen Punkt: Quelle und Sendegerät ist sehr schwierig einzunehmend.
Einfacher ist es am Ort des Empfängers sich niederzulassen und die Botschaft zu kommentieren, sie
anders zu lesen. Anders nicht falsch. Er führt aus, dass es hier um die Frage des gemeinsamen oder
unterschiedlichen Codes des Senders und Empfängers geht. Er entwickelt ein Modell von Subcodes,
sodass der Empfänger andere Codes ins Spiel bringt als die vom Sender intendierten. Abweichend
von den Intentionen des Senders, kann der Empfänger die Botschaft interpretieren. „Niemand
reguliert den Modus, in dem der Empfänger die Botschaft gebraucht.“ Es gibt also beim Empfänger
eine Freiheit der Interpretation. Eco meint, dass das Grundgesetz der Massenkommunikation ist die
Interpretationvariabilität. Es gibt nicht eine einzige richtige Interpretation/Leseart, sondern
umgekehrt: es geht um die Offenheit gegenüber verschiedenen Interpretationen: egal ob in Malerei,
Musik, Skulptur, Literatur usw. aber auch in der Massenkommunikation. Grundgesetz, weil der
Empfänger in seiner Interpretation vom Sender nicht kontrolliert werden kann. Empfänger hat die
Freiheit die Botschaft zu kritisieren. Bumerang Effekt: umso mehr und lauter jemand redet, umso
unglaubwürdiger wird er. Eco meint, dass die Taktik der semiotischen Guerilla, dass ist, dass jeder
seinen Platz vor dem Fernsehgerät einnehmen soll und die Botschaft selbst interpretieren und
kritisieren soll. Botschaften müssen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden und warum sie
überhaupt in Umlauf gebracht werden. Eco sagt, dass es in den späten 60ern eine erfolgreiche
Strategie geworden ist. Andere Strategie wäre, selbst Zeitschriften und Medien zu gründen (z.b Falter
hier in Wien). Diese Strategie von Eco ist also nicht die einzige die es gibt. Aber Eco meint es ist
gefährlich, weil man sehr schnell in diese medialen Abnützungsprozesse hineinkommt und
womöglich den Fernsehintendanten den man ersetzten will sehr ähnlich wird.

Motor signs – Roman Jakobson


Zeigt Grenzen der Verständlichkeit, auch bei Vertovs Der Mann mit der Kamera gibt es Grenzen der
Verständlichkeit, gibt unterschiedlichste Grenzen der Gesten, Sprache usw. ; Unterscheidet von 2
Arten von Nicht-Verstehen, dem Unverständnis und dem Missverständnis

Gestiken sind oft weitreichender bzw. können über einen größeren geographischen Raum, als
sprachliche Ausdrücke, verstanden werden → (fälschliche) Annahme, dass Gestiken universell und
willkürlich sind

Gegenbeispiele: 1. (russische) Geste – Finger am Hals/an den Hals „schnipsen“→ für Italiener
unverständlich; Geste kann gar nicht gedeutet werden; 2. nicken/Kopfschütteln für Ja/Nein → in
Bulgarien signalisiert ein Nicken „Nein“; Geste bedeutet genau das Gegenteil – sorgt für
Missverständnisse

latent imagery – „iconicity“; Gesten sind nicht willkürlich– entspringen einem kulturellen Ursprung,
haben eine ursprüngliche Bedeutung

Zunächst in russischer Sprache entstanden. „Since the domain of certain conventional gestures. ”, In
diesem Satz attackiert er die Universalität von Gesten und Bewegungen. Zwar in dem er zeigt das
dieser naiven Vorstellung der Universalität eine falsche Generalisierung zu Grunde liegt, weil die
Gesten anscheinend eine größere Reichweite als die Sprache haben. Dieser Sachverhalt führt zu
dieser falschen Generalisierung, dass alle Gesten universell wären. Erstes Beispiel: Larionov und
Marietti: (russische) Geste – Finger am Hals/an den Hals „schnipsen“ was für Italiener unverständlich
war. Zweites Beispiel: russisch-bulgarischer Krieg, Missverständnisse über Ja und Nein. Diese naive
Vorstellung von Gesten wäre so eine erste Kritik, die Jakobson formuliert. Eine weiter Kritik wäre
dass er auch warnt von der falschen Generalisierung von Ja und Nein, handelt von zufälligen
Bewegungen. Drittens zeigt die Analyse, es gibt eine latente Bildhaftigkeit (latent inconisty) hinter
den Gesten. Politische Intention von dem Text, darin dass man sich durch wissenschaftliche Analysen
sich vor falschen Universalismen schützen kann. Diese naive Vorstellung von Universalität und
Verständlichkeit gilt es mit wissenschaftlicher Analyse und Alltagsverständlichkeit zu kontrieren.

Die Antiquiertheit des Menschen – Günther Anders (1956)

Richtet sich an die „stutzenden“ Konsumenten – die innehalten, hinterfragen, staunen


Massenmedien kommen nach Hause →„Kulturwasserhähne“ (Medien z.B. Radio) bringen Kultur
heim

Wir werden zu „Masseneremiten“ & „unbezahlten Heimarbeitern“ Masseneremiten: konsumieren


Massenmedien alleine bei uns zu Hause – abgeschieden von anderen (unbezahlte) Heimarbeiter:
Verwandelt sich selbst in einen „Massenmenschen“, durch den Konsum der Massenwaren unterstütz
die Massenmedien – macht sich ihnen gefügig – verkauft sich selbst →„conditioning“ getarnt als
„fun“; Wird für seine Mitarbeit nicht bezahlt – muss sogar selber zahlen: für das
„Produktionsmittel“/das Gerät und ggf. auch die Sendungen

Schreibt darüber, wie sehr sich der Mensch als antiquiert gegenüber den technischen und medialen
Fortschritten herausstellt. Der Mensch bleibt hinter seinen eigenen Errungenschaften zurück.
Schreibt über die Frage, dass die Kultur und die Medien nachhause kommen. Welt wird nachhause
gebracht. Durch die Massenmedien kommt die Kultur nach Hause. Er richtet sich an die
Konsumenten und sagt sie sollen innehalten und stutzten und nachfragen, wer sie sind und was mit
ihnen passiert. Erstaunlich über die Welt sein; Erstaunen will Günter Anders als Erkenntnisinstrument
verstanden wissen. Entwickelt einige Begriffe, wie den Heimarbeiter, den Masseneremiten,
diejenigen die vereinzelt vor den Empfangsgeräten sitzen. Er sagt, dass wir für Kulturwasserhähne
doppelt bezahlen und untersucht sehr genau die Massenkommunikation und die Herstellung des
Masseneremiten. Er nennt die Konsumenten der Massenkommunikation „Hörige“.

Die Macht der Bewussseinsindustrie – Alexander Kluge (ursprünglich 1985)

Definition von Medien: „Mittler“ → übertragen mittelbare Erfahrungen → diese Erfahrungen hat
man nicht selbst erlebt. Problem: Wahrheitsanspruch & Herkunft sind oft unklar

Vorteil der neuen Medien: mobilisieren schneller und umfassender

Nachteil: Zerlegung von lebendigen Verhältnisse in binäre Codes → es entstehen Verluste – der Satz
des ausgeschlossenen Dritten (die Nebensachen verschwinden)

Klassische Öffentlichkeit (unmittelbarer Zugang): Einmaligkeit & Dauer; Gegenpol (neue Medien):
Wiederholbarkeit & Flüchtigkeit

Fernsehen: kein individueller Austausch zwischen Anstalt und Zuschauer; Ist klassische Öffentlichkeit
→ überträgt Einmaligkeiten; dosiert, moderiert und beschneidet aber die Unmittelbarkeit der
Erfahrung; „Dass die Dauer nicht beschnitten wird ist wichtiger als der Inhalt“

Entwickelt einen Begriff des Mediums einer unmittelbaren Erfahrung, die noch zu der klassischen
Öffentlichkeit (Kaffeehäuser, Versammlungen usw.) gehören. Er charakterisiert die klassische
Öffentlichkeit als Ort der Erfahrung und des Geschichtenerzählens und der mündlichen Debatte. Er
setzt die Eigenschaften der klassischen Öffentlichkeit (Dauer und Einmaligkeit) der medialen
Öffentlichkeit/besonders dem Fernsehen (Flüchtigkeit und Wiederholbarkeit) gegenüber.
Strategische Einsicht von Günther Anders: „Dass die Dauer nicht beschnitten wird, ist wichtiger als
der Inhalt.“ In den Medien kann man kaum mehr einen Gedanken fassen, in der Programmhaftigkeit
des Fernsehens.

Ontologie des fotografischen Bildes – Andre Bazin

Urbeginn der Malerei & Skulptur – Mumifizierung → Ziel: materielle Unvergänglichkeit – Schutz
gegen den Ablauf der Zeit

2 Strömungen der Malerei: ausschließlich ästhetisch & realistisch (Kopie der Wirklichkeit)

Fotografie: befreit die bildenden Künste von ihren Ähnlichkeitswahn → Fotografie & Film befriedigen
endgültig das Bestreben nach Realismus

Fotografie vs. Malerei: Objektivität der Fotografie → Persönlichkeit der Fotograf*innen zeigt sich nur
in Auswahl & Anordnung des Objekts

Film: hält nicht nur einen Augenblick fest → nicht nur das Bild sondern auch seine Dauer wird
festgehalten – „eine sich bewegende Mumie“

Beschreibt die Vorgeschichte des filmischen Bildes, die Fotographie. Fotographie hat das gebrochen,
worauf die Malerei immer hingearbeitet/beherrscht hat, und das ist der
Wirklichkeitswahn/Ähnlichkeitswahn. So wird die Malerei vom Zwang vom Realismus befreit und hat
ihr erlaubt eine ganz eigene Ästhetik, nämlich die der Abstraktion zu entwickeln. Er sagt die
Originalität der Fotographie liegt in ihrer Objektivität. Der Zwang/diese Notwendigkeit die
Wirklichkeit abzubilden wurde eben von der Fotographie außer Kraft gesetzt. Es gibt einen zweiten
noch anthropologischeren Gedanken, er sagt, die Kunst versuchte immer eine Resilienz gegen die
Zeit zu erreichen. Die Praxis des Einbalsamierens ist eine Ursache des Entstehens der bildenden
Kunst. Dass man über die Zeit siegt. Der Tod würde die Zeit beenden. Die Mumifizierung aber ist
Zeitresistenz und darum ginge es in der Malerei in ihrer Relation von Vorbild und Abbild. Bazin nennt
den Film die Vollendung der Fotografie, eine sich bewegende Mumie. Die Kunst des Einbalsamierens
als Ursprung der Filmkunst.

Jenseits von Wahr und Falsch – Jean Boudrillard (oder die Hinterlist des Bildes, anfang 80er)

Das Bild als Simulakrum; Wortbedeutung: ein Zeichen ohne Referenz, ein leerer Signifikant, der auf
nichts als sich selbst verweist; Erzeugt ein „Trugbild“ → konstituiert Wissen über die Realität →
beeinflusst reale Ereignisse; Umkehr von Vorbild und Abbild: Bild ist kein „Spiegel“ der Wirklichkeit -
modelliert und infiziert sie. Doppelte Unmöglichkeit des Bildes: Unmöglichkeit des Realen & des
Imaginären → einzige Bestimmung: Bild als Bild

Hollywoodstars: Darstellung eines Systems aus vorgegebenen Mustern; Verkörpern die Leidenschaft
des Bildes

Entwickelt es weiter und geht weiter als Bazin aber versucht den selben Zusammenhang zu treffen.
Er sieht aber in dem Verhältnis von Vorbild und Abbild, was die Malerei vor der Fototgrafie dominiert
hat durch die Fotografie einen Riss, eine schwindelerregende Konfusion/Zusammenstoß von Realität
und Bild, es existiert eine definitive Ununterscheidbarkeit zwischen Bild und Leben. Umkehr von
Vorbild und Abbild. Während die Maler der Renaissance die Natur zum Vorbild genommen haben,
gibt es nun diese Konfusion zwischen Vorbild und Abbild. Die Medien selbst schreiben das Drehbuch
der Wirklichkeit. Beispiel: Fürstenhochzeit, Fernsehen schreibt das Drehbuch der Ablauf der
Hochzeit. Er spricht von der göttliche Referenzlosigkeit der Bilder, Bilder beziehen sich auf nichts
mehr von der Wirklichkeit. Nam June Paik versucht auch eine Referenzlosigkeit herzustellen. Er
versucht mit ästhetischen Mitteln den Bezug der Bilder auf die Realität zu unterlaufen auf
vielfältigste Weise, um Losigkeit in der Verbindung zwischen Realität und Bild umzudrehen. Das Bild
freizumachen von dem Schwergewicht der Realität.

Anthropologie – Pierre Levy (1997)

Anthropologischer Raum: der Welt der Menschen eigenes System der Nähe; Ahängig von
menschengeschaffenen Techniken, Bedeutungen, Sprache, Kultur, Konventionen, Vorstellungen &
Emotionen

1. Erde – Raum der Nomaden; der Erde, und die Position auf der Erde wird dem Subjekt zugeteilt,
wichtig ist die Sprache, Technologie und die ersten komplexen Formen sozialer Organisation;
Identität entsteht durch Beziehung zum Kosmos & Beziehungen mit anderen Menschen (Name)

2. Territorium: neolithische Revolution, Sesshaftwerdung der Bauern, macht Erde der Nomaden
sesshaft; Aufkommen der Bürokratie, Erfindung der Schrift als des Dominierenden Form des Wissens,
nach dem Namen kommt die Adresse als wichtiges Bezugspunkt ins Spiel, der eine Identität im
Territorium der Sesshaften und Steuerpflichtigen festschreibt (in manchen Sprachen kann man das
Territorium noch im Nachnamen erkennen) ; Merkmale: Ackerbau, Stadt, Staat & Schrift; Identität
entsteht durch territoriale Zugehörigkeiten, Besitz etc. (Adresse)

3. Raum der Waren: Öffnung eines Weltmarktes; Aufkommen des Kapitalismus, beginnender
Weltmarkt, Eroberung Amerikas, Schlüsselbegriff ist der Fluss, Organisationsprinzip: Fluss - von
Energien, Rohstoffen, Waren, Kapital, Arbeitskraft, Informationen; kommt zu einer Subversion der
Territorien durch die ökonomischen Flüsse. Der Raum der Waren übertrifft alle früheren Räume an
Geschwindigkeit. Reichtum nicht mehr nur aus Kontrolle der Grenzen, sondern Kontrolle der Flüsse;
Identität durch Arbeit (Berufsbezeichnung)

4. Raum des Wissens (in der Zukunft?) sind immer noch in dem Raum
der Waren. Menschen werden an den Grenzen kontrolliert, Waren kommen herein, prognostiziert
einen 4. Raum, den Raum der kollektiven Intelligenz;

(sollte nicht kollektive Einbildungskraft, sondern Vorstellungskraft heißen Übersetzungsfehler)

Steigerung...

... der Geschwindigkeit der Evolution des Wissens - Entwicklung von Wissenschaft & Technik
schneller als je zuvor

... der Anzahl der Menschen, die sich Wissen aneignen und produzieren- Wissen kann nicht nur mehr
auf Spezialisten beschränkt werden - alle Menschen müssen sich anpassen, um sich zurechtzufinden

... der Entwicklung neuer Werkzeuge - Aufgabe sich mit Instrumenten auszustatten, um Wissen
„begehbar“ zu machen

> Idealer Umgang: Bildung Von Gruppen an Menschen, die ihr Wissen zusammentragen → Erschaffen
einer kollektiven Intelligenz & Vorstellungskraft → Kommunikationstechnologien – technische
Infrastruktur eines kollektiven Gehirns

Er hat vier anthropologische Räume analysiert und unterscheidet, gewissermaßen in einer


historischen Abfolge, die aber auch ein historisches Nebeneinander ermöglicht zumindest in
entfernten Gegenden unseres Planeten.

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