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Vorlesung Einführung TFM 5.11.

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FILM: Winterreise
- nach dem Romanfragment „Hyperion“ von Friedrich Hölderlin

Regie: Klaus Michael Grüber


Bildregie: Klaus Michael Grüber

Berlin 1977 – eine Darstellung zur Entnazifizierung des Olympiastadions

 Hintergrund Knowledge

„Hyperion“ (=Titan; der oben Gehende) oder „Der Eremit im Griechenland“ ist ein Roman
von Friedrich Hölderlin. Der Roman erschien in zwei Bänden.

› Inhalt: In Briefen an seinen Freund Bellarmin schildert Hyperion sein auf den ersten Blick
gescheitertes Leben. Im Mittelpunkt dabei stehen zwei Themen: die – auf die
Französische Revolution und den Freiheitskampf der Griechen zurückgehende – Utopie
einer neuen Gesellschaft und seine Liebe zur "schönen Seele", Diotima.
Nachdem der weise Adamas ihm die Liebe zur großen Geschichte seines Vaterlandes
nahegebracht hat, begegnet Hyperion in Smyrna dem wesens- und geistesverwandten
Alabanda, der von einer besseren, zukünftigen Welt träumt, da ihm die Gegenwart schal
und verkommen erscheint. Anders als Hyperion, der das Ziel der neuen Gesellschaft
evolutionär erreichen möchte, ist Alabanda allerdings davon überzeugt, dass dies nur mit
Gewalt zu verwirklichen ist. Als er Hyperion in den revolutionären 'Bund der Nemesis'
einweiht, kommt es zwischen ihnen zu einem Streit, der zu beider Trennung führt.
Hyperion kehrt auf seine Heimatinsel zurück, wo er Diotima kennenlernt, die in
ursprünglicher Einheit mit der Welt lebt. Durch Diotima und das Erlebnis ihrer Liebe
erfährt er den nicht auflösbaren Zusammenhang alles Seienden; das Bewusstsein der
göttlichen Natur bildet für ihn die Grundlage des neuen Menschen in einer neuen
Gesellschaft; Hyperion möchte Erzieher werden.

Überraschend aber folgt er im zweiten Band dem Aufruf Alabandas, sich am


Freiheitskampf der Griechen zu beteiligen. Als er sieht, dass seine Truppen – ganz im
Gegensatz zu seinen Idealen – plündern, zieht er sich zurück. Der Tod Alabandas und
Diotimas besiegelt sein Scheitern auf der politischen und privaten Ebene. Hyperion
verlässt sein Heimatland und begibt sich auf eine Reise, an deren Ende die Scheltrede auf
Deutschland steht. Schließlich lässt er sich auf der Insel Salamis nieder, wo er –
keineswegs resigniert, dem Zuspruch des Göttlichen folgend – das Leben eines
zurückgezogenen Einsiedlers führt.

› Inszenierung nach Grüber: Im Winter 1977 inszenierte die damalige "Schaubühne am


Halleschen Ufer" (inzwischen "Schaubühne am Lehniner Platz") im Berliner
Olympiastadion ein außergewöhnliches Unternehmen nach Texten aus Hölderlins
"Hyperion", mit dem auf assoziative Weise Zusammenhänge zwischen geschichtlichen
Ereignissen und politischen Begebenheiten der jüngeren Zeit (Terror-Regime in Chile,
Terrorismus in der Bundesrepublik Deutschland) hergestellt werden sollten. Der Film zu
dieser Aufführung versteht sich nicht als dokumentarisches Protokoll, sondern als
Versuch, eine eigene, die Theaterinszenierung ergänzende Realität zu schaffen.