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.

Kritische Studien
zur Philosophie

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Warenform
undDenkform
und Denkform
Aufsatze
,Aufsätze

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17559

Europaische
Europäische Verlagsanstalt
Europa. Verlag

I
Kritische Studien zur Philosophie Alfred Sohn -Rethel

Herausgeber Warenform und Denkform


Karl Heinz Haag Aufsa
Aufsätze
Herb
Herbert
en Marcuse
OskarNegt
Alfred Schmidt

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Europäisc
paische Verlagsanstalt Frankfurt
Europa Verlag Wien
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Inhalt

Statt einer Einleitung: 7


Expose zur Theorie der funktionalen Vergesellschaftung
Ein Brief an Theodor W. Adorno

Zur kritischen Liquidierung des Apriorismus 27


Eine materialistische Untersuchung
(mit Randbemerkungen von Walter Benjamin)
Nachwort 87

Warenform und Dcnkform


Denkform 10
101I

Versuch iiber
über den gesellschaftlichen Ursprung des
» reinen Verstandes«

([) 197I by Europaische


Europäische Verlagsanstalt
Frankfurt am Main
Druck: Georg
Gcorg Wagner, Nordlingen
Nördlingen
ISBN 3 434 3 01 3 0 5
3°13°5
Printed in Germany
Statt einer Einleitung:
Expose zur Theorie der funktionalen
Vergesellschaftung
Ein Brief an Theodor W.Adorno (1936)

Der nachstehende Text ist der Hauptteil eines Briefes von mlr
mir an
Adorno vom November 1936, der nach langen Jahren des Kontaktes
Verständigungsbasis mit ihm herstellte. Adornos
meine theoretische Verstandigungsbasis
Antwort auf den Brief war ein Ausdruck spontaner Zustimmung und
eine Aufforderung zur miindlichen
mündlichen Durchsprache der Sache. Dadurch
haben seine GegenauBerungen
Gegenäußerungen leider ihrerseits keinen schriftlichen
Niederschlag gefunden.

Die Konzeption, deren Ausarbeitung mein Plan ist, beruht im


Grunde auf zwei wesentlichen Einsichten, die sich mir aus lan-
gen friiheren
früheren Arbeiten gefestigt haben. Die erste kann ich viel-
leicht darin zusammenfassen, daß da~ die geschichtliche Entste-
verselbständigten und mit dem Schein der 10-
hung der ganzen verselbstandigten lo-
gischen Autonomie begabten Theorie, d. h. also der »Erkennt-
nis« in jeglichem idealistischen Verstande, sich in letzter Instanz
eigentümlichen und sehr tiefgreifenden Bruch in
allein aus einem eigentiimlichen
der Praxis des gesellschaftlichen Seins erklart.
erklärt. Es entspricht
dies, aIlgemein
allgemein gesagt, der wohl grund-marxistischen Einsicht,
da~ aIle
daß alle Probleme der menschlichen Theorie in Wirklichkeit
zurückgehen und daß
auf Probleme der menschlichen Praxis zuriickgehen da~
deshalb die Aufgabe der marxistischen Ideologienkritik sich
zusammenfa~t, die Probleme der Theorie auf die zugrun-
darin zusammenfaßt,
deliegenden Probleme, d. h. Widerspriiche,
Widersprüche, in der Praxis zu-
riickzufiihren. Zurückführung hat selbst praktischen
rückzuführen. Diese Zuriickfiihrung
Zweck, sie steht im Dienst der Praxis und praktischen Verande-
Verände-
rung des materieIlen
materiellen menschlichen Seins. Aber seiner Vera.nde-
Verände-
rung in welchem »Sinn«? Und warum hat das materieIle
materielle Sein
der Menschen iiberhaupt
überhaupt einen »Sinn«, irgendeinen Bezug auf
die» Wahrheit«? Hier scheint mir das fiir
für den Ansatz des Mar-
xismus entscheidende Problem eingeschlossen zu liegen, zu-
gleich auch die Frage, wodurch der Marxismus sich von allen
anderen Methoden so grundsatzlich
grundsätzlich unterscheidet. Denn er will
1
\
diesen Sinn, diesen Bezug des Seins auf die Frage nach der

i 7

r
I
Wahrheitnicht
Wahrheit nichtselbst
selbstvonvonsichsichausaussetzen,
setzen,nicht
nichtselbst
selbsteine
einePhi-Phi- rend
rend skhsichdort
dortdiedieFlamme
Flammeder derWahrheitsfrage
Wahrheitsfrage zum zumFeuer
Feuerder der
losophie also oder Ontologie vorlegen.
losophie also oder Ontologie vorlegen. Seine Methode ist eine Seine Methode ist eine Seinsrevolution entzündet, bleibt hier von allem nur ein
Seinsrevolution entzundet, bleibt hier von allem nur ein er-
er-
ganz und gar andere. »Wir entwickeln
ganz und gar andere. »Wir entwickeln der Welt aus den Prinzi-der Welt aus den Prinzi- barmliches
bärmlichesAsehenhaufchen
Aschenhäufchen ubrig, übrig, das
das dem
dem Soziologen
Soziologendie die fur
für
pien der
pien der Welt
Welt neueneue Prinzipien.«
Prinzipien.« Der Der Marxismus
Marxismus liiBt läßt sich
sich die
die ihn
ihn unbeantwortbare
unbeantwortbare Frage Frage aufgibt,
aufgibt, wo wo diedie Flamme
Flamme herkam,
herkam,
Frage nach der Wahrheit aus der
Frage nach der Wahrheit aus der Geschichte der MenschheitGeschichte der Menschheit die etwas zu Asche überhaupt verbrennen konnte. Fur
die etwas zu Asche uberhaupt verbrennen konnte. Für den
den
vorgeben; ererkennt
vorgeben; kenntsie sie nur
nurdaher,
daher, daBdaßsie sieininder
derGeschichte
Geschichtevor- vor- Marxismus
Marxismusist istdabei
dabei gleieh
gleichwesentlich:
wesentlich:daB daßererwirklich
wirklichnichts
nichtsalsals
kommt (und dadurch auch auf ihn selbst gekommen ist); erer
kommt (und dadurch auch auf ihn selbst gekommen ist); die
die genetische Determination vornimmt,
genetische Determination vornimmt, namlich nämlich nicht
nicht dasdas
steht in
steht in ihrer Tradition und
ihrerTradition und istist ihr
ihr einziger
einziger legitimer
legitimer Erbe,
Erbe, weil
weil mindeste
mindeste zu zu den
den Dingen hinzutut, daher
Dingen hinzutut, daher bloBe
bloße Wissenschaft
Wissenschaft ist,ist,
er sie aufgreift und sie zur kritischen Vollendung
er sie aufgreift und sie zur kritischen Vollendung zu bringen un- zu bringen un- und
und daBdaß eben
eben dies
dies gleichwohl
gleichwohl geradegerade der
der Herd
Herd der der revolution
revolutionä- a-
ternimmt. Er
ternimmt. Er laBt
läßt sie
sie sich
sich vorgeben,
vorgeben, also also nicht
nicht urn
um siesie zu
zu »de-
»de- ren
ren Kritik
Kritik derder Dinge ist. Woran
Dinge ist. Woran liegtliegt das?
das? Mit
Mit derder Vorwegnah-
Vorwegnah-
struieren« und
struieren« und als als bloBe
bloße »Ideologie«
»Ideologie« ad ad acta
acta zuzu legen,
legen, sondern
sondern me
me des Begriffs der
des Begriffs der Dialektik
Dialektik wurdewürde manman hierhier das
das Problem
Problem nur nur
um sich
urn sich imim Gegenteil
Gegenteil zum zum Anwalt
Anwalt der der inin ihrem
ihrem Zeichen
Zeichen vonvon denden an
an die
die Frage
Frage nach
nach demdem Wesen
Wesen der der »Dialektik«
»Dialektik« weitergeben.
weitergeben. Es Es
Menschen in
Menschen in ihrer
ihrer Geschichte
Geschichte selbstselbst abhangig
abhängig gemachten
gemachten Anlie-Anlie- liegt
liegt vielmehr
vielmehr daran,
daran, daB daß diedie marxistische
marxistische Determination
Determination das das
gen zu
gen zu machen.
machen. Er Er nimmt
nimmt sogar sogar diese
diese Anliegen
Anliegen (die (die also
also die
die BewuBtsein
Bewußtsein in bezug auf
in bezug auf seine
seine Wahrheitsfrage,
Wahrheitsfrage, die die Begriffe
Begriffe
Menschen selbst - nicht er - für ihre Sache
Menschen selbst - nicht er - fur ihre Sache erklart haben) urn erklärt haben) um hinsichtlich
hinsichtlich ihres Geltungscharakters aufs gesellschaftliche Sein
ihres Geltungscharakters aufs gesellsehaftliche Sein
so viel
so viel ernster
ernster als als diese
diese Menschen
Menschen selbst,selbst, als
als er
er ihr kritischer An-
ihr kritischer An- zurückführt. Und
zuruckfuhrt. Und erst
erst hierin
hierin konstituiert
konstituiert sichsich sein
sein dialektischer
dialektischer
walt ist, kritisch nämlich um der darin
walt ist, kritisch namlich urn der darin erhobenen Wahrheits- erhobenen Wahrheits- Charakter,
Charakter, denn denn hier
hier liegt
liegt uberhaupt
überhaupt das das ganze
ganze Problem
Problem der der
frage willen.
frage willen. Nur Nur in in der
der Relation
Relation dieser
dieser Kritik
Kritik hat
hat und
und kennt
kennt 'Dialektik (zusamt dem Grunde, warum sie nicht vorwegge-
'Dialektik (zusamt dem Grunde, warum sie nicht vorwegge-
der Marxismus seinerseits die Wahrheitsfrage,
der Marxismus seinerseits die Wahrheitsfrage, daher ohne eine daher ohne eine nommen
nommen werden werden kann).
kann). Ich sehe in
Ich sehe in der
der genetischen
genetischen Erklarung
Erklärung
mit der Wahrheitsfrage schon verknüpfte
mit der Wahrheitsfrage schon verknupfte Ideologie zu schluk- Ideologie zu schluk- der
der Erkenntnisgeltung also auch den Unterscheidungsgrund des
Erkenntnisgeltung also auch den Unterscheidungsgrund des
ken. Auf
ken. Auf die die Bestimmung
Bestimmung dieser dieser Relation
Relation kommt kommt deshalb
deshalb alles
alles marxistischen yom
marxistischen vom biirgerlichen
bürgerlichen Materialismus
Materialismus und und Empiris-
Empiris-
an (wie
an (wie eben
eben in in ihr
ihr aueh
auch derder Grund
Grund liegt,
liegt, warum
warum der der Marxismus
Marxismus mus. Denn
mus. Denn er er ist
ist in
in der
der Tat
Tat derselbe
derselbe wiewie der
der Grund,
Grund, warum
warum sichsich
schlechterdings nieht
sehlechterdings nicht diedie Setzung
Setzung einer einer neuen Ontologie und
neuen Ontologie und in
in der
der burgerlich-soziologisehen
bürgerlich-soziologischen Reduktion Reduktion das das "Sein«
"Sein« inin krude
krude
prima
prima philosophia sein kann, sondern, wie Sie sagen, nur die
philosophia sein kann, sondern, wie Sie sagen, nur die Faktizitat verwandelt,
Faktizität verwandelt, während
wahrend es es in
in der
der marxistischen
marxistischen Reduk-
Reduk-
»ultima philosophia«). In
»ultima philosophia«). In der
der Frage
Frage nachnaeh dieser
dieser Relation
Relation ist ist tion seinen
tion Charakter als
seinen Charakter als materielle
materielle Praxis
Praxis herstellt,
herstellt, in
in die
die die
die
aber
aber nunnun wiederum
wiederum das Geltungsproblem der
das Geltungsproblem der Ideologien
Ideologien (wel- (wel- kritisierte Wahrheitsforderung der Ideologie
kritisierte Wahrheitsforderung der Ideologie als revolutionäre als revolution are
che
che Geltung
Geltung ihnen ihnen beiwohnt)
beiwohnt) der der schwierige
sehwierige Kernpunkt.
Kernpunkt. Ge- Ge- Energie hineinschlägt.
hineinsehlagt.
nauer:
nauer: das Problem ist die Relation des Geltungseharakters der
das Problem ist die Relation des Geltungscharakters der Da ich
Da ich auf
auf diesen
diesen Charakter
Charakter der der marxistischen
marxistischen Ideologienkritik
Ideologienkritik
Theorie
Theorie (idealistisch
(idealistiseh gesprochen
gesproehen »Erkenntnis«)
»Erkenntnis«) Zur zur Praxis
Praxis des des _ daB sie namlich essentiell Wahrheitskritik
- daß sie nämlich essentiell Wahrheitskritik der Ideologien der ist-
Ideologien ist-
menschlichen
mensehliehen Seins. Seins. ausschlaggebenden Wert lege, mochte
ausschlaggebenden Wert lege, möchte ich noch einen weite- ich noch einen weite-
Man
Man kannkann diesediese Problemstellung
Problemstellung von von verschiedenen
versehiedenen Seiten Seiten an-an- ren Augenblick
ren Augenblick dabei dabei verweilen,
verweilen, um urn diesen
diesen Zusammenhang
Zusammenhang so so
gehen. Eine von ihnen ist sieherlieh diese: Der Marxismus ist
gehen. Eine von ihnen ist sicherlich diese: Der Marxismus ist klar wie moglich herauszustellen. Die Forderung
klar wie möglich herauszustellen. Die Forderung an den Mar- an den Mar-
die
die Methode
Methode der Wahrheitskritik der
der Wahrheitskritik der Ideologien,
Ideologien, indem
indem er er doch
doch xismus, der
xismus, der gerecht
gerecht zu zu werden
werden meinmein Ziel
Ziel ist,
ist, geht
geht dahin,
dahin, daß
daB ausaus
lediglich
lediglieh die die Methode
Methode ihrer genetisehen Determination
ihrer genetischen Determination ist. ist. den Analysen
den Analysen eines eines bestimmten
bestimmten geschichtlichen
geschichtlichen und und gesell-
gesell-
Woran
Woran liegt liegt diese
diese seltsame
seltsame revolutionäre
revolutionare Koinzidenz?
Koinzidenz? Wenn Wenn sehaftlichen Seins
schaftlichen Seins einein lückenloser
luckenloser Ableitungszusammenhang
Ableitungszusammenhang
eine
eine Ideologie
Ideologie marxistisch
marxistisch in in ihrer
ihrer Determination
Determination aufgedeckt
aufgedeekt der dorthin gehörigen
der dorthin gehorigen Ideologien
Ideologien bis bis in
in ihre
ihre logischen
logischen Struktu-
Struktu-
wird,
wird, so verwandelt sie sieh selbst (in ihren eigenen Begriffen,
so verwandelt sie sich selbst (in ihren eigenen Begriffen, ren und also ihren Wahrheitsbegriff hinein
ren und also ihren Wahrheitsbegriff hinein resultieren muß. resultieren muK
gemäß
gemaB ihrem ihrem eigenen
eigenen Sinn,Sinn, gleichsam
gleichsam im im Kopf
Kopf ihrer
ihrer Urheber
Urheber Die Ideologien sind einerseits falsches BewuBtsein,
Die Ideologien sind einerseits falsches Bewußtsein, aber sie sind aber sie sind
und
und Träger)
Trager) in in eine
eine Hebelkraft
Hebelkraft der der praktischen
praktisehen revolutionären
revolutionaren andererseits als dieses falsche BewuBtsein in sich
andererseits als dieses falsche Bewußtsein in sich sowohl wie ge- sowohl wie ge-
Seinsumwälzung.
Seinsumwalzung. Wenn Wenn das das gleiche
gleiche dagegen soziologisch un-
dagegen soziologisch un- netisch notwendig bedingt. In dieser notwendigen
netisch notwendig bedingt. In dieser notwendigen Bedingtheit Bedingtheit
ternommen
ternommen wird, so vollzieht sich niehts derartiges. Und
wird, so vollzieht sich nichts derartiges. Undwäh- wah- stecktdas
steckt dasWahrheitsproblem
Wahrheitsproblemdes desBewußtseins
Bewufhseinsund und das
dasProblem
Problem

88
99
der marxistischen Wahrheitskritik der Ideologien. Ja ich mochte
möchte irgendeiner Stelle den Aufgaben der gesellschaftlichen Seinsver-
noch weiter gehen und sagen, daB daß in dieser notwendigen Be- änderung nicht gerecht werden. Sie wird in ihrem Geschichtsver-
anderung
dingtheit der Ideologien das ganze Problem der LogizitatLogizität des standnis
ständnis im gesellschaftlichen Sein undurchsichtige Reste stehen
BewuBtseins
Bewußtseins als menschlicher Erkenntnis steckt. Das Problem lassen. Beides bedingt sich gegenseitig. Die Okonomie kann nicht
liegt nicht so sehr darin, daB
daß das BewuBtsein
Bewußtsein immer in bestimmter stimmen, wenn einem in ihrer Anlage nicht die kritische Liqui-
Weise verkehrtist, sondern darin, daBdaß diesesverkehrte BewuBtsein,
Bewußtsein, dierung des idealistischen Denkstandpunkts in die Hand fallt, fällt,
wenn es notwendig verkehrt ist, die Wahrheitsfrage enthalt.
enthält. und diese Liquidierung kann nicht durchschlagend sein, solange
Die marxistische Herleitung einer Ideologie aus dem gesell- die okonomische
ökonomische Analyse nicht auf den richtigen FuBen
Füßen steht.
schaftlichen Sein ist erst dann befriedigend gelungen, wenn sie überhaupt die Relation
Diese Gegenseitigkeit ist wichtig, weil sie uberhaupt
dazu fiihrt,
führt, mit der betreffenden Ideologie immanent zu disku- bezeichnet, in der der dialektische Geschichtsmaterialismus seine
tieren. Eben hierdurch unterscheidet sich die marxistische Me- erkennende Arbeit verrichtet. Die Relation findet sich ausge-
thode von der biirgerlich-soziologischen.
bürgerlich-soziologischen. Diese letztere argu- sprochen in dem Marxschen Satz, daß daB nicht das BewuBtsein
Bewußtsein das
mentiert in ihren genetischen Versuchen nicht mit der gleich- Sein, sondern das gesellschaftliche Sein der Menschen ihr Be-
sam als Patienten behandelten Ideologie. Dagegen spricht die wußtsein bestimmt. Denn dieser Satz ist in dem wortlichen
wuBtsein wörtlichen Sinn
marxistische Kritik in den ideologischen Kopf hinein, nicht an zu nehmen, daBdaß er das »gesellschaftliche Sein« und das »BewuBt-
»Bewußt-
ihm vorbei oder iiber
über ihn hinweg. Hier wird der TragerTräger einer sein« durch ihr ausgesagtes Verhaltnis
Verhältnis zueinander beiderseits
Ideologie entmachtet, nachdem die Kritik seiner Ideologie definiert. Das gesellschaftliche Sein abgesehen vom BewuBtsein
Bewußtsein
(nach deren eigenen BegriffsmaBstaben)
Begriffsmaßstäben) die Entmachtung legi- "ist nichts, oder rich tiger gesagt, nichts als der fetischistische
richtiger
timiert hat. Daraus leitet sich das geschichtliche Recht des Mar- Schein purer Faktizitat;
Faktizität; und das BewuBtsein
Bewußtsein abgesehen vom ge-
xismus zur Diktatur ab, aus der »Waffe der Kritik« das Recht sellschaftlichen Sein ist ebenso nichts, oder richtiger, der fetischi-
auf die »Kritik der Waffen«. DaB Daß der Trager
Träger der kritisierten stische Gegenschein des »transzendentalen Subjekts«. Hingegen
Ideologie auBerstande
außerstande ist, die Kritik seiber
selber zu akzeptieren oder ist das »BewuBtsein«
»Bewußtsein« das, was vom gesellschaftlichen Sein be-
auch nur zu vollziehen, wei!
weil er dazu iiber
über seinen eigenen Schatten stimmt wird, und das gesellschaftliche Sein ist das, was das Be-
springen miiBte,
müßte, ist kein Einwand gegen das Prinzip. Denn das wuBtsein
wußtsein der Menschen bestimmt. Erst innerhalb dieser Relation
Prinzip ist wichtig aus ganz andren Grunden.
Gründen. Das Postulat der haben beide ihre geschichtliche und dialektische Wirklichkeit.
marxistischen Ideologienkritik als Wahrheitskritik hat nicht den Dies bestimmt auch das Verhaltnis
Verhältnis des Marxismus zum Wahr-
Sinn, die Ideologiendiskussion fur für den hochsten
höchsten Zweck des heitsproblem. Der Marxismus tritt nicht von sich aus mit der
Marxismus zu erklaren.
erklären. Der Zweck bleibt immer die praktische Frage nach der »Wahrheit« an die Geschichte oder an das
Veranderung
Veränderung des menschlichen Seins. Wohl aber argumentiere »Sein« heran. Noch weniger stellt er eine eigene Theorie der
ich, daB
daß die methodische Moglichkeit
Möglichkeit der wahrheitskritischen Wahrheit auf oder spiegelt den Menschen eine eine»»Weltanschau-
Weltanschau-
Ideologienerklarung
Ideologienerklärung das Kriterium dafiirdafür ist, daB
daß auch die Ana- ung« vor. Vielmehr weiBweiß der Marxismus von der Wahrheitsfra-
lyse des gesellschaftlichen Seins selbst marxistisch zureichend ge streng genom
genommenmen nur aus der Geschichte, er nimmt sie von
durchgefiihrt
durchgeführt wird, selbst dort, wo es, wie in der Okonomie, zu- sei ten der Ideologien, die in ihrem N amen auftreten, zur
Namen
nachst
nächst gar nicht auf Ideologienkritik ankommt. Ich meine also, Kenntnis. Ich habe das schon dargelegt, mochte
möchte es aber mit dem
daß z. B. die Analyse der kapitalistischen Produktionsverhalt-
daB Produktionsverhält- relationalen, zwischen Sein und BewuBtsein
Bewußtsein hin und her wir-
nisse so lange urn
um ihrer selbst willen nicht zureichend instruiert kenden We sen der marxistischen Methode in Beziehung setzen.
Wesen
ist, wie sich aus ihren begrifflichen Werkzeugen, etwa der Ana- Indem er die ans »Absolute« gerichteten Fragen der Menschen
lyse der Warenreform und Wertrelation, nicht jederzeit, wenn aus ihrer ideologischen Relation in die materialistische Relation
man wollte, zugleich die volle Wahrheitskritik des biirgerlichen
bürgerlichen zum gesellschaftlichen Sein dieser Menschen zuruckbringt,
zurückbringt, ver-
Idealismus gewinnen laBt. ökonomische Analyse des
läßt. Wird die okonomische wandelt er die unlosbaren
unlösbaren Fragen der Theorie in lOsbare
lösbare Fragen
Kapitalismus diesem Kriterium nicht gerecht, so wird sie auch an der Praxis. Dies entspricht genau dem Marxschen Prinzip, die

10 II 1
I
Philosophie aufzuheben, indem man sie verwirklicht, da man sie turentwicklung einen Sinn haben - und den hat sie auch im
allein durch ihre Verwirklichung aufheben kann. U nd diese Ver-
Und Marxismus durchaus -, so muB muß dieser Sinn von der Analyse des
wirklichung als Aufhebung, Aufhebung als Verwirklichung der in Ausbeutungsverhältnisses und seiner Dialektik von den Anfan-
Ausbeutungsverhaltnisses Anfän-
den Ideologien auftretenden Wahrheitstheorien ist iiberhaupt
überhaupt gen bis hin zu seiner kapitalistischen Vollendungsform aufge-
Verhaltnis
das eigene Verhältnis des Marxismus zum Wahrheitsproblem. deckt werden. Aber diese Aufdeckung ha t so zu geschehen, daB daß in
Aber umgekehrt ist auch nur das Wahrheitsproblem der Hebel- ihr aIle
alle sogenannten
sogenannten»»Kultur«-Charaktere
Kultur«-Charaktere - wie die Weltformig-
Weltförmig-
punkt, in dem die Verwandlung der theoretischen i? i.n praktische keit des Seins fur
für die Menschen, der Subjektcharakter der Men-
läßt, und mit der Ausschal-
Probleme der Menschen sich vollziehen liiBt, schen selbst, ihre Verfangenheit zwischen »Diesseits« und »Jen-
tung des Wahrheitsproblems oder mit seiner Verfehlung wiirde würde seits«, das Dasein und sein Identitatsmodus
Identitätsmodus ["Dasein«
[»Dasein« tragt
trägt hier
der ganze Marxismus zum platten Vulgarmaterialismus.
Vulgärmaterialismus. durchweg einen negativen Akzent], die Urteilsrelationen und
Man kann nun verschiedener Meinung sein, wie weit die Marx- die ratio, die Personalitat
Personalität des Individuums, die Wahrheitsfrage,
sche
sehe Ausarbei tung, speziell die Warenanalyse zu Beginn des
Ausarbeitung, die Idee von »Erkenntnis« und von der Objektwelt, das Gute,
»Kapital« den hier gestellten Bedingungen genugegenüge tut. Ich habe Schöne, etc. etc. - kurz alles dessen, worin der Idealismus sal-
Schone,
frühen Studentenzeit zehn Jahre lang mit den
mich seit meiner fruhen badert - eindeutig als genetisches Resultat der Ausbeutung nach-
abgemüht, die in dieser Analyse
ungeheuren Schwierigkeiten abgemiiht, und ausgewiesen werden. Denn die Ausbeutung ist ein unmit-
der wirklichen Klarstellung im Wege stehen. Ich kann hier auf telbar praktischer Tatbestand, und die wirklich schliissige
schlüssige Zu-
die Einzelheiten nicht eingehen. Aber zu priifen prüfen ist, ob die ruckfiihrung
rückführung samtlicher
sämtlicher theoretischer, scheinautonomer Be-
Marxsche Identifizierung der Warenform exakt genug durch- wußtseinsformen der Entfremdung auf die Ausbeutung wiirde
wuBtseinsformen würde
gefiihrt
geführt ist, um den Idealismus von seinem Zentrum her aufzu- die gesamte Kultur der Menschheit in allen geschichtlichen For-
wäre der Fall, wenn die Warenform bis auf die
brechen. Dies ware men und Formalisierungen in eine einzige Problematik der
Grundelemente der idealistischen Erkenntnistheorie durchsich- menschlichen Praxis und ihrer Verzauberung verwandeln. AIle Alle
tig gemacht ist, so daB
daß sich also die Begriffe der Subjektivitat,
Subjektivität, jene genannten Entfremdungsformen - die Schemen des We-
Identität, des Daseins, der Dinglichkeit, Objektivitat
der Identitat, Objektivität und sens sowohl wie der Faktizitat
Faktizität - sind, provisorisch gesagt, Feti-
der Logik der Urteilsformen eindeutig und liickenlos
lückenlos auf Mo- schisierungen der Arbeitspraxis aus Grunden
Gründen der Ausbeutungs-
mente der Warenform der Arbeitsprodukte und ihrer Genesis praxis, und der reeBe
reelle Inhalt aBer
aller theoretischen Problematik
und Dialektik zuriickgefuhrt
zurückgeführt fanden.
fänden. Da ich diese Forderung in der Kulturmenschheit ist eine rein praktische Problematik ihres
der Marxschen Analyse nicht voll verwirklicht zu sehen meinte, lückenlos und bundig
materiellen Seins. Wenn das liickenlos bündig nachgewiesen
habe ich diese Analyse weiterzutreiben versucht. Denn ich bin werden kann, so ist damit offensichtlich die oben geforderte ge-
unbedingt der Dberzeugung,
überzeugung, daBdaß die wissenschaftliche Stim- netische Wahrheitskritik der Ideologien der Entfremdung un-
migkeit des Marxismus von der Moglichkeit abhängt, die Ana-
Möglichkeit abhangt, mittelbar verbunden. Wenn die Subjekt-Objekt-Spaltung, die
lyse der Warenform bis zu diesem Punkt fortzutreiben, an wel- Frage nach der Wahrheit und die »Erkenntnis« als Resultat der
chem uber
über die speziell kapitalistischen Fetischismen hinaus der Ausbeutung entsteht, namlich
nämlich als eine notwendig bedingte Ver-
ganze Mechanismus der Fetischisierung, d. h. der Genesis der fangenheit des BewuBtseins
Bewußtseins in die Seinsverfremdung, als eine in
Ideologien hinsichtlich ihrer Geltungscharaktere, durch die gan- die Formen der Nicht-Praxis geschlagene Praxis, so muB muß die
ze sogenannte Kulturgeschichte hindurch also bis zur Antike und Zurückführung dieser Entfremdungsformen auf
rein genetische Zuriickfiihrung
vielleicht noch weiter zuruck,
zurück, aufgedeckt wird. ihre praktische Kausalitat
Kausalität durch und aus sich selbst die Kritik
Und hier komme ich nun endlich auf die zweite meiner »zwei der fetischistischen Theorien auf ihre praktische Wahrheit hin
Einsichten«, die ich ganz zu Anfang herauszustellen versprach. sein. Man muB
muß also die Konstitution der Entfremdung aufbre-
Die sogenannte Kulturgeschichte der Menschheit fallt fällt namlich
nämlich de chen, um die Ideologien der Entfremdung auf die Wahrheit hin
facto und mit Grund zusammen mit der Geschichte der mensch- aufzusprengen, deren Verdeckung ihre Konstitution ausmacht.
lichen Ausbeutungsverhaltnisse.
Ausbeutungsverhältnisse. SolI
Soll also die Rede von der Kul- Aber Wahrheit« ist die aufgedeckte Praxis nicht an sich (nicht
Aber»»Wahrheit«

I1. 13
als vom Marxismu5
Marxismus so gesetzt), sondern allein in der Relation das Leben in keinem Zeitpunkt ihrer Geschichte etwas anderes
der Kritik ihrer Verdeckung. Denn der Bezug auf die Wahrheit als ihr Leben im praktisch-materiellen Stoffwechsel mit der Na-
stammt einzig daher, daB
daß das entfremdete BewuBtsein
Bewußtsein mit der tur (die ihrerseits durch die Entwicklung der Produktivkrafte
Produktivkräfte
Frage nach der Wahrheit verbunden ist; d. h ..die Wahrheitsfra- auch ein geschichtlicher Begriff ist), und das in Produktion und
ge ist selbst noch ein Produkt der Entfremdung. In der letzten Konsumtion. Von dieser Realitat,
Realität, von Marx als »Arbeitspro-
Reduktion kommt die Aufgabe, die ich mir stelle, darauf hin- zeB«
zeß« gefaBt,
gefaßt, muB
muß als zugrundeliegender Basis der Menschenge-
unlösbare Problematik der »transzendentalen Deduk-
aus, die unlosbare schichte stets ausgegangen werden, entsprechend der Marx-
tion« - der Konstruktionsversuch des Seins aus dem Denken - schen
sehen Auffassung, daBdaß der Mensch die Tiergattung ist, die mit
in der umgekehrten Relation losbar
lösbar zu machen: durch die Kon- Erfolg ihre eignen Lebensmittel zu produzieren begann. Zu
struktion der Logik aus dem materiellen gesellschaftlichen Sein keinem Zeitpunkt ihrer Geschichte ist also das Leben der Men-
im Wege der dialektischen Nachkonstruktion der Geschichte Stoffwechseiprozeß von essen-
schen etwas anderes als dieser StoffwechselprozeB
des Ausbeutungsverhaltnisses.-
Ausbeutungsverhältnisses. - tiell praktischem, materiellem Charakter. In dieser Hinsicht
sind die Menschen selbst Natur und stehen auch nur im Ver-
Ich muB
muß nun einen Begriff einfiihren,
einführen, der fur
für die Durchfiihrung
Durchführung hältnis zur Natur, einem Verhaltnis,
haitnis Verhältnis, das gleichbedeutend ist
und Verwirklichung dieser Konzeption von ganz zentraler Be- mit ihrem Leben selbst. Insofern ist auch die ganze menschliche
deutung ist, den Begriff der funktionalen Vergesellschaftung, Geschichte in letzter Instanz bloBe »Natur«. Aus ihrer unge-
bloße "Natur«.
die im geschichtlichen und struktiven Gegensatz steht zur Ver- heuren Reihe indes greift sich der Gesichtspunkt meines Inter-
gesellschaftungsart eines »naturwuchsigen
»naturwüchsigen Gemeinwesens« nach . esses nur den Abschnitt heraus, der durch den Tatbestand der
Marx. Zur Einfuhrung
Einführung dieses Begriffs mochte
möchte ich ein wenig wei- eigentümlichen Charakte-
Ausbeutung gekennzeichnet ist. Die eigentumlichen
ter ausholen. Die funktionale Vergesellschaftung entsteht re dieses Abschnitts der Geschichte, wie insbesondere die Spa 1-
Spal-
durch einen Bruch mit der naturwuchsigen
naturwüchsigen Vergesellschaftung, tung von Theorie und Praxis und somit das Erkenntnisphano-
Erkenntnisphäno-
und dieser Bruch ist die Ausbeutung, also der Tatbestand, daB daß men (als Phanomen
Phänomen einer seperaten, scheinautonomen Er-
ein Teil der Gesellschaft von Produkten des anderen zu leben kenntnis), ruhren
rühren zuletzt daher, daB
daß sich hier die materielle
beginnt, indem er sich das dank der allmahlich
allmählich gestiegenen Pro- Praxis des menschlichen Lebens durch Vermittlungsformen rea-
duktivitat
duktivität verfugbare
verfügbare Mehrprodukt aneignet. Diese Aneignung lisiert, die dieser Praxis widersprechen. Der ausbeutende Teil
zunächst als einseitige Aneignung (die von der ge-
geschieht zunachst der Gesellschaft (gleichgultig,
(gleichgültig, ob gleichen oder verschiedenen
wohnheitsrechtlich gewordenen Entgegennahme von Geschen- ethnischen Ursprungs wie der ausgebeutete) lebt von Produk-
ken bis zur brutalen Beraubung eine reichhaitige
reichhaltige Skala von tion menschlicher Arbeit, aber nicht seiner eigenen, so daB
daß hier
Formen annehmen kann); erst nach einer langen Geschichte das Leben der herrschenden Schicht sich auf kein eigenes Ver-
Aneignungsverhältnisse kommtes
solcher einseitiger Aneignungsverhaltnisse kommt es zur Aus- haltnis
hältnis zur Natur grundet,
gründet, sondern statt dessen auf das Verhalt-
Verhält-
beutung in den Formen wechselseitiger Aneignung qua Waren- nis zu andren Menschen und zu deren praktisch-produktivem
austausch. Aber in welcher dieser Formen die Aneignung auch Verhältnis zur Natur. Das Produktionsverhaltnis
Verhaltnis Produktionsverhältnis Mensch-Natur
stattfindet, durch welche die Ausbeutung geschieht, sie ist in je- wird in den MaBen
Maßen der Ausbeutung Gegenstand eines Verhalt-
Verhält-
der Form selbst eine Praxis, aber eine solche, welche die Praxis nisses Mensch-Mensch, wird des sen Ordnung und Gesetz un-
dessen
des »materiellen Lebens der Menschen im StoffwechselprozeB
Stoffwechselprozeß terworfen und dadurch gegenuber
gegenüber dem »naturwuchsigen«
»naturwüchsigen« Zu-
mit der Natur« und also vor allem die Praxis der "produktiven
»produktiven stan de "denaturiert«
stande »denaturiert« [kein Atom Naturstoff geht, nach Marx,
Arbeit« (im Sinne des Arbeitsprozesses nach Marx) negiert: Eine in die Wertgegenstandlichkeit
Wertgegenständlichkeit ein], urn
um sich fortan nach dem
praktische Negation der Praxis also, und das mit Bezug auf die Gesetz von Vermittlungsformen zu realisieren, die seine affir-
Arbeit (die sich selbst mit den geschichtlichen Wandlungen des mative Negation bedeuten. Diese Negation ist, wie schon be-
Ausbeutungsverhältnisses mitwandelt und also nicht immer das
Ausbeutungsverhaltnisses tont, selbst von praktischem Charakter, ist die Praxis der An-
war, was sie im heutigen Kapitalismus geworden ist). Nun ist elgnung
eignung in dieser mensch-menschlichen Relation. Die Praxis
der Aneignung in dieser Relation nun halte ich furfür den wirkli- hiert« das Produkt vom Produzenten, »verdinglicht«
»verdinglicht« so das
chen geschichtlichen Ursprung der Modi der Identitat,
Identität, des Da- menschliche Erzeugnis, neutralisiert es zum Ding, fixiert es als
seins und der Dingform oder Dinglichkeit (so daB daß also nicht Fertig gewordenes, dem Produzenten aus der Hand genommenes
fertig
erst die »Verdinglichung«, sondern bereits das »Ding« selbst Dasein, das nun in der Hand des Ausbeuters Produkt, abgesehen
eine Ausbeutungsmodalitat
Ausbeutungsmodalität ist). von seiner Produktion, bloBe bloße Gegebenheit bzw. Genommen-
Nehmen wir ein Ausbeutungsverhaltnis
Ausbeutungsverhältnis von der primitivsten heit ist, als quantitativ und qualitativ so gemachte Beschaffen-
Form. Ein Yolk
Volk unterwirft ein andres, urn
um von dem Surpluspro- heit, und dennoch betontermaBen
betontermaßen Produkt nicht der Natur, son-
dukt dieses andren V olkes zu leben. Der Effekt ist, daB
Volkes daß beim dern men schlicher Arbeit (aber eben der Arbeit anderer). Was
menschlicher
ausgebeuteten Teil eine Produktion ohne Konsumtion und also den Waren oder Aneignungsobjekten die Identitat Identität gibt,
beim ausbeutenden Teil eine Konsumtion ohne Produktion ent- ist die Rolle, die sie als Glied des Gesellschaftszusammenhanges
steht, der notwendige materielle Zusammenhang von Produk- spielen, zwischen dem Ausbeuter und Ausgebeuteten. Obwohl ein
tion und Konsumtion also in seiner bisherigen Form zerrissen Objekt fur
für jeden von ihnen eine vollstandig
vollständig verschiedene Bedeu-
wird. Der ausbeutende Teil kann jedoch von der Aneignung tung hat, ist es zwischen ihnen, in der Handlung, in der es yom vom
nicht leben, wenn seine Konsumtion nicht produziert wird. Der einen auf den andren ubergeht,
übergeht, dasselbe Ding, hat es zwischen
zerrissene Zusammenhang muB muß also in anderer Form wieder- ihnen eine furfür beide gultige,
gültige, von ihnen unabhangige
unabhängige Existenz,
hergestellt werden, und zwar in der Form eines Zusammen- ein objektives Dasein; und es fallt
fällt in der Handlung nicht aus-
hangs zwischen den beiden menschlichen T eilen des Herr-
Teilen einander, sondern halthält zusammen und ist ein Ding. Erst lange
schaftsverhaltnisses.
schaftsverhältnisses. Die Ausbeutung verwandelt den lebens- nachdem diese Formcharaktere begonnen haben, ihre fur für die
notwendigen Zusammenhang von Produktion und Konsumtion funktionale Vergesellschaftung unentbehrliche und verschwie-
in einen zwischen-menschlichen, also gesellschaftlichen Zusam- gene Rolle zu spielen, greift die Reflexion sie auf und erhebt sie
menhang. Sie stellt den Zusammenhang von Produktion und zu Begriffen. Und damit hat sich nun alles verdreht, denn jetzt
Konsumtion im Wege einer Daseinsverflechtung der Menschen sind diese selben Charaktere zu Denkformen des Subjekts in
miteinander her. Diese von der Ausbeutung bewirkte Daseins- seiner Relation zu den ihm gegebenen Gegenstanden
Gegenständen gewor-
verflechtung der Menschen ist es, die ich die funktionale Verge- den. Diese Verdrehung aufzulosen,
aufzulösen, ist schwierig und ohne Auf-
sellschaftung nenne und von allen Formen naturwuchsiger
naturwüchsiger Ge- findung der Vermittlungen nicht moglich.möglich. Aber es ist schon
meinwesen unterscheide. Die funktionale ist Negation der na- etwas damit gewonnen, daB daß man weiB,
weiß, wonach man sucht, nach
turwuchsigen,
turwüchsigen, zersetzt diese bis zur vollstandigen
vollständigen Auflosung,
Auflösung, nämlich zwischen dem Tatbestand der Aus-
, den Vermittlungen namlich
daß alsdann nur noch die funktionale Vergesellschaftung
so daB beutung und der theoretischen Erkenntnisrelation. Das ist eine
herrscht und die Form der Warenproduktion annimmt, die bis Einsicht, von der die Erkenntnistheoretiker, aber auch die Vul-
dahin einseitige Aneignung zur wechselseitigen Aneignung garmarxisten,
gärmarxisten, sich nichts traumen
träumen lassen.
macht. Die Arbeit ist nunmehr ihres ursprunglichen,
ursprünglichen, natur- Urn
Um mich aber nun auf die Ausbeutungsgesellschaft in der aus-
wuchsig
wüchsig gesellschaftlichen Charakters beraubt, und an seine gebildeten Form der warenproduzierenden Gesellschaft zu be-
Stelle tritt der Tauschzusammenhang der Arbeitsprodukte als schranken:
schränken: Es entspricht also die »Warenform«
»Warenform« der vergesell-
Waren. 1mIm Duktus dieser mensch-gemachten funktionalen Ver- schaftenden Funktion der Ausbeutung. Ihre Struktur bestimmt
gesellschaftung, im Duktus ihrer Entstehung, langsamen nach- sich jeweils nach den Funktionen der Einheit dieser Vergesell-
haltigen Vertiefung bis zur schlieBlichen
schließlichen Alleinherrschaft ist schaftung, deren formales Konstituens sie ist. Die funktionale
der Ursprung der Grundcharaktere der Warenform: Identitat,
Identität, Vergesellschaftung vollzieht sich somit nur kraft der Ausbeu-
Dasein und Dinglichkeit - zu suchen. tung, daher als ein Zusammenhang der Aneignung, der sich
Der Identitatsmodus
Identitätsmodus des Daseienden ist also ab origine Ein- zwar immer auf die Produktion bezieht, der aber nicht selbst
heit in der Ausbeutungsrelation, fur
für diese unentbehrlich und ein Zusammenhang von Produktion ist. Er ist ein Zusammen-
konstitutiv; denn der Aneignungsakt des Ausbeuters »abstra- hang in Formen des bloBenbloßen Daseins der Menschen und ihrer

16 17
Dinge, nicht der Hervor bringun g dieses Daseins. In den einsei- Wege nicht gelange n [dem hatte hätte er nicht zugestim mt; seine Antwor t
dara~f mogen seinen Arbeiten entnehm en].«
tigen Formen der Aneign ung liegt das noch ziemlich offen zu- darauf mögen Kenner
a~er ni~ht in dieser Weise fortfuhr in meinem Brief, lag daran,
tage (Marx betont mehrfa ch diesen Untersc hied), aber in den DaB
Daß .Ich
.ich
daß Ich mIt
daB mit memen Gedank en selbst noch nicht ins Klare gekommen
Formen der total geword enen Ausbeu tung und funktio nalen erklären , daB
überhau pt erklaren
muß uberhau daß mei-
war, und zwar noch lange nicht. Ich muB
Vergesellschaftung wird die Beziehung der Aneign ung auf n~ Selbstverständig
rstandig ung ein unglaub lich langsam er ProzeB
Prozeß gewesen ist.
vollstän digen und undurc h-
die Produk tion eine solche der vollstan en, zu denen
~Ie akzepta blen Dinge in diesem Brief sind nicht Einsicht
der Wirklic hkeit des materie llen auf
dringlic hen Verdec kung Ich schon gekommen war, sondern Einsichten, nach denen ich noch
ubjektes in der Wa-
Seins. der Suche war. Die Entdeck ung des Transze ndentals
hätte ich leicht auf eine Weise fortfahr en kennen,
[An dieser Stelle hatte können, die :enform , oder b~sser gesagt die GewiBh Gewißh eit, daB daß das Erkennt nissubje kt
stimmun
überein stimmu
meine Uberein ngg mit Adorno und meine Abweic hung von ihm I~ der WaJ:.enf~rm versteckt war, hatte mich in meiner Student enzeit als
hätte. Etwa so: »Verdeckung
scharf pointier t hatte. und Wahrhe it sind hier »InspIrat
em~ »Insplrat .!On~
.lOn« befallen , die mir nie wieder verlorenging, aber die
zu machen, erforder t eine m~m ~enken 111
m~In einen Perman enzzust and garende
m emen gärende r Wirrnis, wenn man
deckungsgleich. Hier die Wahrhe it sichtbar
Methode, die ich als dialektische Identifi kation bezeichne (darube (darübe r diese Selbstch arakteri sierung verzeihe will, versetzt hatte. Es war
~Ir dles e n
Die Wirkung sweise dieser Methode
Method e spricht e111 Zustand , in dem ich mich diesen beiden weiB
em weiß Gott brillante n Gei-
weiter unten im Brief selbst).
sich aus in einem Marxsch en Satz (aus der 11 843er Einleitu ng zur Kritik stern, Ad.orno urr.d Benj~mi n, gegenub
gegenüb er, in wortlose r Unterle genheit
wordose
der Hegelsc hen Rechtsphilosophie): »Man muB muß diese verstein erten Ver- u~d p~ekarer Unslche rheit befand und dennoch in unersch utterlich
Unsiche rhelt ütterlich er Ge-
wd~heIt, Klärung dieser Wirrnis
daß mich die Klarung an eine Stelle führen m" B-
fuhren ß-
hältnisse dadurch zum Tanzen bringen, daB
daß man ihnen ihre eigene Me- wIßheit, daB
haltnisse
ganze »Kapita l« ist nach diesem Prinzip gebaut. selbst ihnen noch voraus war.
. te, die se.lbst Dieser Brief also ist, wie aile
alle me~ne
lodie vorspiel t«. Das
konnen
können ihre dialektis che Identifi kation nicht ertra- itungen aus der damaligen Zeit, bloB
A~sarbeltungen bloß als Stadium der Selbstent-
Die Verdeck ungen
gen, daran verraten sie sich. Sie verraten sich aber auch noch aus einer ~Irrun? zu .be~erte n; der MaBstab
Maßstab fur
für die Beurteil ung dieser Arbeiten
anderen Erfahrun gsweise : daB
daß ihnen keine aus ihrem eigenen Materia l heg~ m~ht m
111 Ihnen selbst, sondern in der Klärung , zu der sie mich
Klarung
(fetischistisch verzaub ertem Verdeck ungsma terial, alias philosop hischen sch~leßhch und endli~h.gebracht haben; dargelegt in meinem 197
sch~IeBh 19700 er-
Reflexio nsbegrif fen) gebaute Konstru ktion der Synthes is gelingen will schlenene~ Buch (GeIstl.g
(Gelstl.ge und korperli
körperli che Arbeit. Zur Theorie der ge-
das Kapital sich SyntheSl s, Frankfu rt). Mein ganzer Weg ist mit solchen
(»Synthesis« hier im Sinne von Kant und Hegel; worin sellschaf.thchen SynthesI S,
bestätigen unter- Jtungen gepflastert, die unter dem Namen von ,>Expose
Aus~rbeItungen >,Exposes« liefen
Vollstän digkeit seiner Seinsbeherrschung zu bestatig
die Vollstan
n aus dem MiBling
Mißling en allen und je- und der Mehrza hl noch in meinen Schubla den vermode rn. Diejenigen
enthüllt sich ihr Unwese
nimmt). Hier enthullt 111

ortausch
ortäusch ung. Diese Beschw erungsv
örungsv ersuche aus den 3 0er Jahren bezeichnen nur gerade meine Verbind ung zur
den Versuchs der Wesensv
nie versagen und doch auch nie zu ».Frankfurter. Schule«, fur für die Adorno wohl damals mehr oder weniger
ans Schicks
Schicksa al
l kann sich das Kapital
einem gelingenden Ende bringen. Verstehe ich die Intentio n lhrer
Ihrer Hus- emstand (m:m Kontak~ zu Horkhe imer wurde immer durch ihn herge-

serl-Arb eit recht, wenn ich annehme, daß daB eben dies der Punkt ist, wo Sie stellt). An d~esem Sch~lt.t punkt ,:ar mir noch nicht einmal klargew or-

einsetzen? [Hierau f hattehätte Adorno wohl mit ,Ja<


>Ja< geantwo rtet.) Mit einer d~ß meme BeschaftJgung
den, d~g mit Ideolog ienkritik gar nicht auf diesc
tIgung mIt diese

Kritik also, die auf immane ntem Wege transzen dent werden will?
[,Ja<
[>Ja< selbst gmg, sondern nur mittels ihrer auf die Seinskritik, also das verbes-
- fast mit Sicherhe it.] Diesem philosop hischen MiBling
Mißling en der Synthes is ~erstä~d~is ~er verborgenen okonom
serte ~ersta~d ökonomischen Entwick lungen der
ökonomischen Wirklic hkeit des Kapitali smus seine Jetztz~lt, wed mcht zur
sie nIcht
wer! Sle »Metak ritik der Erkenntnis« reichte, keine
entsprec hen in der ekonom
Krisen [Dem hattehätte er wohl zugestim mt; s. unten]. Sie passieren ihm in ~heon.e von Kopf- und Handar beit instruier Klärung erschloB
te. Diese KLirung erschloß
aus mir erst in den 40er und 5oer JJahren.]
sich mIr ahren.]
und aus seiner Immane nz, bis er daran zuschan den wird; dann ist es sIch
Auffass ung, die einem die Erfahru ngen der
mit seiner Immane nz [eine
diesen okonom
ökonom i- I? der. philosophische n Konstr uktion der »Synthesis« handelt es
lch bin jedoch geneigt,
sIch lllcht ~~ eine Synthesis der Materie, die das Kapita l reali-
30er Jahre sehr nahe brachten ). Ich
slch
schen Parallel fall allein furfür den realen, den philosophischen hingegen,
z~ bewaltl
ter zu bewaltlgen ~at. Das Nichtg elingen der Synthesis im reel-
~en hat.
den Sie verfolgen, fur bloß symbolischen zu halten. Auf diesem
für einen bloB
philosophischen Weg kann man die Wande Wände der lmmane tatsächl ich
Immane nz tatsachl len S~nn erwelst
le.n Sinn sich an den Krisen, und die Krisentheorie ist
erweist slch
nicht transzen dieren, es sei denn in Worten, auf dem Papier, aber das eige~tliche Kritik aller idealistischen Postulierungen der
die eIge~tli
ente der Immane nz. Transze ndent ist allein »Synthesls« [Adorn o verlangte, daßda~ ich das »ausarbeite« _ wie
sind ja selbst noch Instrum
die reale Seinsve randerun
ränderun g, die Tat also, und dahin laBt
läßt sich auf lhrcm
Ihrem am Rand an dieser Stelle vermer kt steht]. Freilich ist die Kri-

18

i
sentheorie
sen theorie auch das schwerste Stuck
Stück der ganzen marxistischen beutungsverhaltnis
beutungsverhältnis stellt sich insofern als die dialektische Refle-
Theorie; die Losung
Lösung des Krisenproblems impliziert, daB daß in xionsform des altagyptischen
altägyptischen und uberhaupt
überhaupt altorientalischen
ihren Bedingungen zugleich die gesamte Geschichte durchsich- dar; als das, was vorher der Staat als Ganzes war, jetzt das Pri-
tig wird, die zu den Krisen fuhrt,
führt, also die gesamte Geschichte der vatverhaltnis
vatverhältnis (roh gesprochen) der einzelnen Burger
Bürger (kaloka-
Ausbeutung zuruck
zurück bis zum Ausgang des" Urkommunismus«. gathos, civis romanus)
rom anus) zu ihrem Sklavenhaushalt und seiner
Hieran miiBte
müßte sich also eine geschichtliche Gesamtdarstellung Reichtumsproduktion ist und die antike Gesellschaft (eine pure
der funktionalen Vergesellschaftung, von ihrer ersten Bildung Ausbeutergesellschaft) die Gesellschaft dieser Burger
Bürger unterein-
bis zum heutigen Ausgang anschlieBen.
anschließen. Nur einige grobste
gröbste ander ist. Die primare
primäre Reichstumsbildung (aus Ausbeutung) ist
Züge. Zunachst
Zuge. Zunächst methodisch: man konnte
könnte den Entwicklungspro- hier reflektiert, der produzierte Reichtum wird zwischen den
zeB
zeß des Ausbeutungsverhaltnisses
Ausbeutungsverhältnisses als dialektischen Reflexions- Ausbeutern und Poleis getauscht und erhalt
erhält dadurch zum ersten
prozeß der funktionalen Vergesellschaftung durchgehen [und
prozeB Mal seine adaquate
adäquate gesellschaftliche Form, die Wertform des
wurde
würde bei gehoriger
gehöriger Durchfuhrung
Durchführung so etwas wie eine materiali- Geldes. Dagegen bleibt der ausgebeutete Produzent hier noch in
Phänomenologie der Wesensforme~ erhalten J. Es ware
stische Phanomenologie wäre der Naturalform des Sklaven stehen, und nicht die Produktion,
abgesehen auf eine Beschreibung der dialektischen Genesis der sondern nur seine Verwertung wird funktionalisiert. Die Re-
menschlichen Wesensformen (wie Subjektivitat,
Subjektivität, Personalitat,
Personalität, flexion des Reichtums findet lediglich von seiten des Ausbeu-
etc.) aus dem materiellen Sein. Diese Wesensformen entstehen ters statt. Die Funktionalisierung der Produktion selbst und
geschichtlich als Resultate der Ausbeutung, und die Vermittlung die Reflexion der Ausbeutung auf der Seite der ausgebeute-
dieser Genesis liegt bei der funktionalen Vergesellschaftung ten Produzenten ist jedoch das grundlegende Kennzeichen
(alle menschlichen Wesensformen haben konstitutiven Bezug der abendlandischen
abendländischen Entwicklung. 1m Im Abendland kommt da-
auf das praktisch-materielle Sein der Menschen, aber aufgeho- her das Ausbeutungsverhaltnis
Ausbeutungsverhältnis zu seiner vollstandigen
vollständigen und
ben in des sen affirmativer Negation). MaBgebend
dessen Maßgebend furfür die Erfas- allseitigen Entwicklung. Dieser Teil warewäre naturlich
natürlich am ein-
sung der Genesis der Wesensformen ist somit die geschichtliche gehendsten ausrufuhren,
auszuführen, wobei besonderer Wert auf die Dar-
Dialektik der funktionalen Vergesellschaftung, als deren stellung des Mittelalters zu legen ist - wegen der dahinein-
Hauptstufen ich das Alte Agypten,
Ägypten, die Antike und die neuere gehorigen
gehörigen Nachkonstruktion der Genesis des Privateigentums
europaische
europäische Warenproduktion in Betracht ziehe. Die genetisch (am eigenen Produkt!) sowie der Personalitat
Personalität des Produzenten
erste Wesensform ist der »Staat«, die Vergesellschaftungsform und der okonomischen
ökonomischen Wertrelation. Wichtig ist mir auch die
des »primaren
»primären Ausbeutungsverhaltnisses«.
Ausbeutungsverhältnisses«. 1mIm Staat ist die ver- Auffassungsweise .yom
Auffassungsweise. vom Gesamtzusammenhang der abendlandi-
abendländi-
gesellschaftende Funktion der Ausbeutung darauf beschdi.nkt,
beschränkt, schen Entwicklung (besonders des dialektischen Entwicklungs-
dem Herrschaftsverhaltnis
Herrschaftsverhältnis der Ausbeutung die Charaktere der zusammenhangs zwischen Mittelalter und Kapitalismus, vermit-
Einheit zu geben (Souveranitat.
(Souveränität. Gcbictsherrschaft,
Gebietsherrschaft, etc.), welche telt durch die »einfache Warenproduktion«). Zahlreiche andere
das Wesen des Staats ausmachen, das faktische Herrschaftsver- Momente, auf die Wert zu legen ware,
wäre, lasse ich unerwahnt.
unerwähnt.
haltnis
hältnis der Ausbeutung zum Wesen "Staat« machen bzw. sich Dagegen will ich noch kurz auf die Erkenntnistheorie im enge-
fetischisieren. Die funktionale Vergesellschaftung differiert ren Sinne eingehen. Mit der Einsicht, daB daß die Ausbeutung die
hier noch nirgends von dem factum brutum der Herrschaft »funktionale Vergesellschaftung« nach Prinzipien der Daseins-
zwecks Ausbeutung und erhalt
erhält noch keinen von der Natural- identitat
identität der Aneigungsobjekte bedingt, ruckt rückt die gesamte
form der Aneignungsobjekte (Produkte, Produzenten (Ski a-
(Skla- Formproblematik der Erkenntnis und die Beziehung cler der Be-
yen),
ven), Boden,
Böden, Arbeitsmittel, Vieh usw.) verschiedenen Wertaus- griffe auf Objekte aus cler
der Sphare
Sphäre des Dcnkens
Denkens in die der Ver-
druck. Ihr Widerspruch zur Naturalform erschopft
erschöpft sich in de- gesellschaftung der Menschen. Die Formkonstitution der Ob-
ren Magisierung oder Mythologisierung. Der entscheidende jekterkenntnis entscheidet sich in der Tat in der funktionalen
Schritt zur Ausbildung der gesellschaftlichen Wertform des Vergesellschaftung durch clas
das Ausbeutungsverhaltnis,
Ausbeutungsverhältnis, weil sie die
Reichtums wird erst in der Antike vollzogen. Das antikcantike Aus- Struktur des Objektes bestimmt, auf das sich das Denken cler der
'\
20 2I
2r
Menschen bezieht, sobald sie "Subjekte«
»Subjekte« sind. Die Form der Er- chen
ehen Seinsbedingtheit des Denkens in der Gesehichte
Geschichte des Aus-
kenntnis wird also immer vom Objekt her bestimmt, die Form beutungsverhaltnisses
beutungsverhältnisses ausgesprochen, so kommt es fur für die ge-
sehichtliche
schichtliche Genesis dieser begriffsrationalen Erkenntnis auf
Proze~ der funktionalen
des Objektes ihrerseits aber durch den Prozeß
Proze~ geschieht die konstitutive
Vergesellschaftung. In diesem Prozeß die Ursachen der Entstehung der Subjektivitat
Subjektivität an. Ieh
Ich gebe zu,
Synthesis der Erkenntnis (ich gebrauche hier den Begriff der dag härteste Nu~
daß dies die harteste Nuß ist, die es zu knacken gilt, aber ieh ich
zweifle nieht da~ meine Theorie des gesellsehaftliehen
nicht daran, daß gesellschaftlichen
Synthesis im transzendentalen Sinn, der ein formaler Sinn, weil
nur eine formale Synthesis im Rationalen bzw. nur-Theoreti- Seins (riehtiger:
(richtiger: der funktionalen Vergesellsehaftung)
Vergesellschaftung) die
schen ist [auf dessen Bedeutung als separate, von der manuellen Handhabe dazu bietet. Der Hauptgrund bei dieser Genesis
durfte
dürfte sein, daßda~ aus Grunden
Gründen der Dialektik der funktionalen
Arbeit geschiedene Geistestatigkeit
Geistestätigkeit war ich damals noch nicht ge-
sto~en, wenigstens noch in keinem thematischen Sinne J), die ma-
stoßen, Vergesellsehaftung
Vergesellschaftung die mensehliehen
menschlichen Ausbeuter selbst in den Da-
teriale dagegen nicht, denn diese findet statt als Synthesis der Ge- seinsmodus der Identitat
Identität der Waren treten, sieh
sich aus dem Zwang
sellschaft und den menschlichen Daseinszusammenhang betref- einer ganz bestimmten Konstitution ihres gesellsehaftliehen
gesellschaftlichen
fend. Man kann an der Art, wie der klassische Idealismus das Seins selbst als identiseh
identisch daseiende "Subjekte«
»Subjekte« apperzipieren.
Problem der Formkonstitution ausgearbeitet hat, sehr wohl fest- Diese Konstitution hangt hängt aufs engste mit der Ausbildung der
halten; ja man mug
muß in gewissem Sinn daran festhalten, urnum einen gesellsehaftliehen
gesellschaftlichen Wertform des Ausbeutungsreiehtums
Ausbeutungsreichtums zusam-
Ausgangspunkt und Wegweiser fur für die materialistische Seins- men (die Geldform des Wertes wird urn um 700 v. Chr. in Ionien
erkenntnis zu haben, die der Marxismus ja nicht aus eigener erstmalig gemunzt),
gemünzt), ja ieh
ich sehe die Entstehung der Subjektform
Spontaneitat
Spontaneität unternimmt, sondern nur im Wege der Kritik eines Menschen als unabtrennbares Korrelat zur gemunzten
des Mensehen gemünzten
Geldform des Wertes. Die dialektisehe
dialektische Bedeutung der Genesis
Bewu~tseins, das freilich
gegebenen Bewußtseins, Bewu~t­
Freilich notwendig falsches Bewußt-
sein sein und den Wahrheitsbegriff beinhalten mu~ muß (Sie erinnern der Subjektivitat
Subjektivität ist somit wesentlich diese:
Die Daseinsidentitat
Daseinsidentität (ieh
(ich erinnere daran, dag daß "Dasein« fur für
da~ der Marxismus sich die Wahrheits-
sich, was ich anfangs sagte, daß
la~t). Ausgehend also von dem Problem
frage immer vorgeben läßt). mieh
mich einen negativen Wertakzent tragt) trägt) ist ursprunglieh
ursprünglich der
der Synthesis in seiner idealistisch gegebenen Fassung, bringt Modus der Produkte im Aneignungsakt der Ausbeutung und ist
der Marxismus das ungelaste
ungelöste Problem zur Lasung;
Lösung; denn so ver- affirmativ gesetzt Negation der Praxis. Aber nicht nur die Pro-
wandelt sich im eigenen Sinne dieser Problemstellung die idea- dukte als Dinge, sondern die Mensehen
Menschen selbst und zwar die Aus-
listisch gemeinte Aufgabe der Nachkonstruktion der begriffli- beuter, also die wirkliehen
wirklichen geschichtlichen Autoren des Ausbeu-
chen Synthesis in die materialistische Aufgabe der Nachkon- tungsverhaltnisses
tungsverhältnisses und der funktionalen Vergesellsehaftung,
Vergesellschaftung, tre-
struktion der Geschichte des gesellschaftlichen Seins (die ten hier in diesen Identitatsmodus
Identitätsmodus des Daseins, identifizieren sich
»Subjekte«. Darin, daß
als "Subjekte«. da~ also hier auf den Mensehen
Menschen kommt,
Reehtfertigung bürgerlichen Gesellschaft in ihr Verdam-
Rechtfertigung der burgerlichen
mungsurteil verwandelnd). In der Tat vollzieht sich (und sozu- was des Menschen ist in der Konstitutionsgeschichte der Ausbeu-
sagen "gelingt« also) im gesellsehaftlichen
gesellschaftlichen Sein die Synthesis, tungsgesellschaft, liegt das Wahre (das verflueht
verflucht Wahre) der
die der Idealismus in der Subjektivitat
Subjektivität postuliert und nie zur Entstehung der menschliehen
menschlichen Subjektform. Diese Beziehung der
Lasung
Lösung bringen kann. Erst mit dieser Verifizierung des Pro- Subjektivität auf die Praxis, aber in der Relation der in ihr
Subjektivitat
blems der Synthesis ist aueh
auch die legitime Gewinnung der Dia- selbst konstitutiv gewordenen Verdeekung
Verdeckung der Praxis, bestimmt
lektik verbunden, namlich
nämlich die Verifizierung der logischen Pro- die Konstellation der Frage (als Frage nach der "Wahrheit«)
»Wahrheit«)
bleme als Seinsprobleme, womit sieh sich zugleich das ganze Ver- [diese Konzeption war angeregt durch GespracheGespräche mit Benja-
min in den 20er Jahren auf Capri, und zwar dureh durch seine Deu-
haltnis
hältnis von Denken und Sein umkehrt. Urn Um es ganz zugespitzt
zu formulieren: urnum der Lasung
Lösung der von ihm selbst gestellten tung des Mythos yom vom Bildnis zu SaisJ. Und diese Dialektik ist
Probleme willen verwandelt sich der transzendentale Idealis- uberhaupt
überhaupt die Grundrelation der gegen die Praxis [»Arbeit«]
mus in den dialektischen Materialismus. isolierten und nur ihrer scheinbaren logisehen
logischen Eigenautonomie
1st
Ist hiermit nun die allgemeine Art und Weise der gesellschaftli- folgenden Theorie (im Sinne von rationaler, d. h. sieh sich nach

22 23
ihren Geltungsgrunden
Geltungsgründen fragenden, reflexiven Erkenntnis). Die- Noch eine letzte Bemerkung zur Methode und in Abwehr ge-
se theoretische Erkenntnis steht sich Kraft der Bedingungen gen den Verdacht, als ob letztlich hier doch eine prima philoso-
ihrer Genesis fur (unentäußerliche) Frage nach der Wahr-
für ihre (unentauBerliche) phiaa substruiert werde. Mein methodischer Standpunkt ist kurz
phi
heit immer selbst im Lichte. gesagt der, daG
daß sich uber
über das geschichtliche Sein uberhaupt
überhaupt ge-
Fur
Für den Menschen als Subjekt hat die Wirklichkeit immer die radezu gar nichts ausmachen laBt,
läßt, sondern alles, was geschehen
Form der » Welt«, in der das Seiende (als pure Gegebenheit) kann, sich allein immer auf die Kritik seiner Verdeckungen be-
nach Prinzipien der Einheit existiert, d. h. als Objekt. Welche schranken muß. Die Kritik der Warenform oder, in meiner No-
schränken muB.
Prinzipien das sind, entscheidet sich jeweils nach der Struktur menclatur, der »funktionalen Vergesellschaftung« ist daher
der funktionalen Vergesellschaftung und der Stellung des Sub- mein ganzer und einziger methodischer Weg. Das maBgebliche
maßgebliche
jektes in dieser. Denn nur aus der Ursache des Ausbeutungsver- Prinzip meiner Methode ist also das der dialektischen Identifi-
hältnisses und der funktionalen Vergesellschaftung entsteht
haltnisses kation, wie ich es nenne, namlich
nämlich das Wesen sich selbst in seiner
uberhaupt
überhaupt die theoretische Subjekt-Objekt-Relation. Deshalb Widerspruchlichkeit gegenüberzustellen. Aber daruber
Widersprüchlichkeit gegenuberzustellen. darüber ware
wäre
tritt auch fur
für mich an die Stelle der erkenntnistheoretischen Ve- mehr zu sagen als ich noch in diesem »Brief hineinzuzwangen
hineinzuzwängen
xierfrage, wie das Subjekt und das Objekt zueinander kommen vermag«.
konnen,
können, die umgekehrte Frage, wie sie auseinandergekommen
sind (ich sehe daher auch fur
für die Abbildtheorie keinen Platz),
und nur diese Frage ist beantwortbar. - Fur Für die Subjektivitat
Subjektivität
bildet nur die Daseinswelt der Objekte die Immanenz des Seins,
wahrend
während sie die in ihrer Wahrheitsfrage intendierte praktische
Wirklichkeit des Seins als uneinlosbare
uneinlösbare Transzendenz uber
über das
erkennbare Sein hinaussetzt. Die wirkliche Welt steht also in
der theoretischen Erkenntnisrelation geradewegs auf dem
Kopf, und die wirkliche Praxis kann den Menschen nur noch als
von jenseits der Welt her begegnen. Diese Begegnung, eine sol-
che Begegnung, realisiert sich in der ausgehenden Antike als
Christentum, in dem sich innerhalb dieser verkehrten Welt zum
ersten Mal das Problem der Praxis fur für den Menschen stellt (als
Vereinbarkeitvon ArbeitmitMenschsein ( = Ausbeutersein». Das
Problem der Praxis ist das der Aufhebung dieser verkehrten
Welt selbst, jedoch seinerseits verkehrt gefafh,
gefaßt, die verkehrte
Welt stehen lassend, die Aufhebung der Ausbeutung postulie-
rend, aber aus der Welt heraus ins Jenseits versetzt. - Ich fasse
die dialektische Thematik der »Kulturgeschichte« aus Ausbeu-
tung, allgemein ausgesprochen, in dem Diktum zusammen, daB daß
jeder Schritt der Verwirklichung des Ausbeutungsverhaltnisses
Ausbeutungsverhältnisses
zugleich ein Schritt der Verwirklichung seiner Aufhebung ist.
Ausbeutungsverhältnisses reift in der Ne-
In der Geschichte des Ausbeutungsverhaltnisses
gativitat,
gativität, daG
daß sich den Menschen ihre Wirklichkeit im bloBen
bloßen
Wesen verdeckt und aufhebt, doch der Mensch zu dem Wesen
heran, das die praktische Aufhebung der Ausbeutung selbst zu
postulieren und zu realisieren vermag. -
Zurkritischen
Zur kritischenLiquidierung
Liquidierungdes
desApriorismus
Apriorismus

Eine
Einematerialistische
materialistischeUntersuchung
Untersuchung
(Marz/April
(März/April 1937r-
1937)':'

I.
I. Die
Die Absicht
Absichtder
der Untersuchung
Untersuchung

Dem
Dem Apriorismus
Apriorismus undund seiner
seiner Fortbildung
Fortbildung in in der
der weiteren
weiteren
Transzendentalphilosophie
Transzendentalphilosophie kommt kommt nach nach unsrer
unsrer Meinung
Meinung
die
die Bedeutung
Bedeutung der der endgultigen
endgültigen systematischen
systematischen Formulie-
Formulie-
rung
rung desdes philosophischen
philosophischen Idealismus
Idealismus zu. zu. Die
Die kritische
kritische
Widerlegung
Widerlegung des Apriorismus mu~te
des Apriorismus müßte deshalb
deshalb denden ideali-
ideali-
stischen
stischen Standpunkt in seinem Begründungszentrum tref-
Standpunkt in seinem Begrundungszentrum tref-
fen.
fen. Diese Widerlegung erfordert
Diese Widerlegung erfordert den Nachweis, da~
den Nachweis, daß das
das
Denken
Denken genaugenau inin demselben
demselben SinneSinne gesellschaftlich
gesellschaftlich be- be-
dingt
dingt und
und geschichtlich
geschichtlich entstanden
entstanden ist,ist, in
in dem
dem der
der Idealis-
Idealis-
mus
mus seine
seine Aprioritat
Apriorität gegenuber
gegenüber dem dem Sein
Sein und
und seine
seine Tran-
Tran-
szendentalitat Es mu~
szendentalität behauptet. Es muß versucht werden, der
behauptet. versucht werden, der
idealistischen Interpretation
idealistischen Interpretation des des rationalen
rationalen Denkens
Denkens
seine materialistische
seine Erklarung entgegenzusetzen;
materialistische Erklärung entgegenzusetzen; denn denn
die Fetischisierung
die Fetischisierung derder ratio
ratio erledigte
erledigte sich,
sich, wenn
wenn der
der UU r-
r-
sprung der
sprung der ratio
ratio aus
aus dem
dem gesellschaftlichen
gesellschaftlichen Sein Sein nachge-
nachge-
wiesen würde.
wiesen wurde. Dabei
Dabei istist das
das rationale
rationale Denken
Denken in in dem
dem
Sinne aus
Sinne aus dem
dem gesellschaftlichen
gesellschaftlichen SeinSein zuzu erklären,
erklaren, inin dem
dem
das Denken
das Denken effektiv
effektiv Erkenntnis
Erkenntnis vermittelt;
vermittelt; undund Erkennt-
Erkennt-
nis hei~t hier,
nis heißt hier, über
uber Wahrheit
Wahrheit und und Falschheit
Falschheit von von Aussa-
Aussa-
gen urteilen zu konnen. Der Inhalt der idealistischen
gen urteilen zu können. Der Inhalt der idealistischen Fe- Fe-
tischisicrung der ratio ist die Verabsolutierung
tischisicrung der ratio ist die Verabsolutierung des Wahr- des Wahr-
heitsbegriffs. Daher
heitsbegriffs. Daher besteht
besteht imim genaueren
genaueren Sinn Sinn die
die Auf-
Auf-
gabe einer materialistischen Erklarung
gabe einer materialistischen Erklärung des rationalen des rationalen
Denkens darin,
Denkens darin, die
die geschichtliche
geschichtliche Entstehung
Entstehung des des Wahr-
Wahr-
heitsbegriffs aus dem gesellschaftlichen Sein
heitsbegriffs aus dem gesellschaftlichen Sein nachzuwei- nachzuwei-
sen. Diese
sen. Diese Aufgabe la~t sich
Aufgabe läßt sich anders
anders auch
auch so so formulieren,
formulieren,

':.':. Dies
DiesManuskript
Manuskripthat
hatWalter
WalterBenjamin
Benjaminals
alsGutachter
Gutachterdes
desInstituts
Institutsfür
flir
Sozialforschungvorgelegen.
Sozialforschung DieRandbemerkungen
vorgelegen. Die Randbemerkungen undundUnterstrei-
Unterstrci-
chungenBenjamins
chungen Benjaminssind
sindhier
hierwiedergegeben.
wicdergegeben.

27
27
r daa
daß die Genesis der Erkenntnis, sofern diese objektive
Giiltigkeit
Gültigkeit besitzt, zu erklaren
erklären sei. Wenn die Bedingun-
gen der Erkenntnisgeltung als genetische statt als tran-
szendentale erwiesen waren,
wären, so wurde
würde damit die Wahr-
Sein, worin er lebt, durch den Grad und die Art der Ver-
dinglichungen, an Formen gebunden, die unentbehrlich
sind, urn
um sich gemaB
haltnissen
gemäß den herrschenden Produktionsver-
hältnissen pragmatisch richtig zu verhalten. Ein jeder
heit als geschichtlich bedingt oder zeitgebunden statt als lebt innerhalb und nach Ma£enMaßen des herrschenden Ver-
zeitlos absolute erwiesen. blendungszusammenhangs. Von den so gegebenen Denk-
Eine soIehe
solche Gegenuntersuchung zum systematischen Ge- formen darf keine in der materialistischen Geschichtsfor-
baude
bäude der Transzendentalphilosophie zu fuhren, führen, sollte schung naiv und unkritisch postuliert werden, soll sie
nicht als ein vorwiegend akademisches Vorhaben be- nicht zur ideologischen Verdeckungsform des gesell-
trachtet werden. Denn sie wird notig nötig gemacht, weil die schaftlichen Seins werden, dessen Zusammenhalt sie
dem idealistischen Denken eigene zwangsnotwendige dient. Das kritische Verhalten gegenuber
gegenüber den eignen Ka-
Systematisierungstendenz der Ausdruck des in sich ge- tegorien ist aber urnum so schwieriger, je hoheren
höheren Allge-
schlossenen Schuldzusammenhangs der burgerlichen
bürgerlichen Ge- meinheitsgrad die Kategorien haben, je formaler und
sellschaft ist. Der idealistische Systemzwang entspricht in »reiner« sie sind. Denn urn um so breiter und unentbehrli-
der Tat einer Totalitat,
Totalität, aber keiner Totalitat
Totalität aus einer cher liegen sie der Logik unsres Denkens zugrunde. Urn Um Alter der
transzendentalen Synthesis des autonomen Subjektes so gro£er
größer ist, gcnetisch
genetisch betrachtet, meist auch ihr ge- 8egriffe oder
Begriffe
der Erkennt-
oder der Freiheit, sondern ihres Gegenteils, der Ausbeu- schichtliches Alter. Von solchen Begriffen etwa, wie dem nisweisen,
tung. Entsprechend verhalt
verhält es sich mit dem formalisti- tier Einheit, laBt
läßt sich fur
für uns auf unmittelbarem Wege gar auf die sich
die Begriffe
schen Charakter, der einer Untersuchung wie der unsri- nicht mehr absehen. Dennoch wurden
würden auch in seinem un-
beziehen?
gen anhaften muB muß und durch den sie ihrerseits einen kritischen Gebrauch bestimmte, sehr weit zuruckliegende
zurückliegende Doch wohl
idealistischen Eindruck hervorrufen konnte.
könnte. Der Forma- und doch heute noch aktiv wirksame gesellschaftliche letzteres?
lismus des idealistischen Denkens ist bedingt durch die Seinsformen und Produktionsverhaltnisse,
Produktionsverhältnisse, die ihn gene-
Entfremdung, die die Ausbeutung in den gesellschaftli- tisch erst bedingt haben, fetischisiert werden. Das Wesen macht wun-
wün-
chen Beziehungen der Menschen bewirkt. Die Verdingli- der materialistischen Methode (verlangt), daB daß in ihr kei- schenswert

chung ist in dem Sinn eine bloBebloße Formbestimmtheit, als ne Kategorien verwandt werden, von denen man nicht
sie der Formalisierung der Ausbeutung dient. Den For- wei£,
weiß, von welchen Produktionsverhaltnissen
Produktionsverhältnissen sie bedingt
malismus des idealistischen Denkens auf die Ausbeutung sind. Die materialistische Methode hat also mit der »kri-
gene
genetisch zurückzuführen, dient seiner Entkraftung.
tisch zuruckzufuhren, Entkräftung. Eine tischen« des Idealismus das gemein, daBdaß sie fur
für jede Kate-
solche materialistische Reduktion des Formalismus hat es gorie die Vorfrage stellt, was in ihr an Bedingungen ihrer
in des sen mit diesem in seinem eignen Medium aufzuneh-
indessen eignen »Moglichkeit«
»Möglichkeit« vorausgesetzt und mitgenommen
men, hat ihn durch seine innere Bildung durchzuverfol- wird. Aber im Idealismus wird die ratio nur immer auf ih-
gen oder ihn nach seinen eignen Regeln aufzuspulen. Ob üb rem eignen Boden, dem Boden ihrer Hypostasierung, in
seine darin angestrebte Uberwindung
überwindung furs fürs eigene Den- Frage gezogen. Daher verkruppelt
verkrüppelt sich bei Kant die an-
ken erfolgreich gelingt, kann sich freilich
Freilich positiv erst in fangliche
fängliche echte U rsprungsfrage in der Durchfuhrung
Ursprungsfrage Durchführung zur
der Anwendung der Methode auf konkrete GegenstandeGegenstände Aufgabe der bloBen
bloßen inneren »Zergliederung unsres Er-
zelgen.
zeIgen. kenntnisvermogens«
kenntnisvermögens« j und Hegel entwickelt unter dem-
Die nachstehend in ihren Grundlinien projekticrtc
projektierte Un- selben Bann der Immanenz, indem er die logischen Vor-
tersuchung ist von der Uberzeugung
überzeugung getragen, daB daß die aussetzungsverhaltnisse
aussetzungsverhältnisse innerhalb der Denkstruktur zu-
materialistische Geschichtsforschung der vorgangigen
vorgängigen gleich fur
für den genetischen Konstitutionszusammenhang
kritischen Analyse der Verdinglichung bedarf. Sein eige- des Denkens erachtet und dergestalt die im Stich gelasse-
nes Denken ist furfür jedermann durch das gesellschaftliche ne U rsprungsfrage sich und uns als Bestand der Imma-
Ursprungsfrage

28 29
nenz vorspiegelt, die Dialektik deduktiv als das absolute Logik und Erkenntnistheorie gemein. Andrerseits unter-
System der Wahrheit. scheidet uns von ihm, daBdaß wir von der Bedingtheit des ra-
Im Materialismus tritt hier an die Stelle der Erkenntnis-
1m tionalen Denkens durch die Verdinglichung und die Aus-
theorie die kritische Analyse der Verdinglichung. Diese beutung nicht darauf schlieBen,
schließen, daB
daß dieses Denken bloB
bloß
muß auf systematische Weise durchgefuhrt
muB durchgeführt werden, nicht falsches BewuBtsein
Bewußtsein ist. Weder die Logik noch die Ver-
bloB
bloß urn
um uber
über die genetische Bedingtheit unsrer Denkka- dinglichung werden, unsrer Meinung nach, durch die Be-
tegorien bis in ihre letzten logischen Voraussetzungen die seitigung der Ausbeutung, also in einer klassenlosen Ge-
genaue Kontrolle zu wahren, sondern noch wegen der sellschaft verschwinden, wenn sie sich auch in einer von
positiven methodologischen Bedeutung, die dieser Ana- uns aus nicht vorwegzunehmenden Weise andern ändern wer-
lyse der Verdinglichung fur für die materialistische Ge~ den. Die Verdinglichung und die ratio, nicht minder die
schichtsforschung zukommt. Die Verdinglichungsanalyse Ausbeutung, sind in ihrer dialektischen Natur zu verste-
namlich
nämlich liefert in Gestalt der genetischen Zusammenhan-
Zusammenhän- hen. Die Verdinglichung ist AusfluBAusfluß der Ausbeutung,
ge zwischen Warenform und Denkform, auf die sie in ih- aber die Verdinglichung bringt gleichzeitig die Selbstent-
rem ruckschlieBenden
rückschließenden Verfahren stößt,stoBt, die kritischen deckung des Menschen mit sich, welche die Vorausset-
Fragestellungen als Hypothesen, mit denen fur für die mate- dafür bildet, daB
zung dafur daß die Menschen die Ausbeutung auf-
rialistische Erforschung der Geschichte an das vorhande- heben konnen.
können.
ne empirische Material heranzugehen ist. Die vorgangige
vorgängige Der Materialismus bestreitet, daB daß man die Natur der ra-
kritische Analyse der Verdinglichung nimmt auf der ei- tio als transzendental ansehen musse,
müsse, wenn man sie nicht
nen Seite den logischen Kategorien unsres Denkens den negieren will. Wie der transzendentale Idealismus an die
Schein der zeitlosen Geltung und auf der andern Seite Apriorität der ratio, glaubte das theologische Denken des
Aprioritat
der geschichtlichen Empirie den Charakter der Faktizi- Mittelalters, bevor die induktive Methode der Naturfor-
tat.
tät. Nach beiden, unzertrennlichen Seiten sehen wir in schung gefunden war, daB daß man auf den Gedanken des
der Verdinglichungsanalyse eine unentbehrliche Vorbe- Naturgesetzes
N müsse, wenn man seinen U r-
aturgesetzes verzichten musse,
reitung furfür die materialistische Geschichtsforschung. sprung aus dem Willen Gottes leugnete. Das materialisti-
Ausschließlich dieser Vorarbeit mochte
AusschlieBlich möchte die hier im Ent- sche Denken beginnt da, wo der Idealismus mit dem
wurf vorgezeichnete Untersuchung dienen. In ihr wird Denken aulliort,
aufbört, bei der Anwendung der ratio auf die Er- hier liegen
zwei verschie-
noch keine materialistische Geschichtsanalyse getrieben, forschung ihrer eigenen Bedingtheit. Das materialistische
dene Begriffe
noch setzt sie sich selbst etwa an deren Stelle - womit sie Denken ist rational und wissenschaftlich kritisch, weil der ratio vor
in die Bahnen des Idealismus und der geschichtsphiloso- und soweit diese Anwendung moglichmöglich ist, also die Erkla-
Erklä-
phischen Konstruktion zuruckfiele
zurückfiele -, sondern die empiri- rung der geschichtlichen Entstehung der ratio aus dem
sche Geschichtsanalyse solisoll ihr erst folgen. Das schlieBt
schließt gesellschaftlichen Sein selbst rational geleistet werden
nicht aus, daB
daß in ihr ein gewisser induktiver Kontakt mit Möglichkeit wird nicht dogma
kann. Diese Moglichkeit dogmatisch
tisch postu-
dem historischen Material wirksam ist. liert, urn
um ein deduktives System daraus zu machen; sie ist
Vielleicht ist noch ein Wort zu dem Verdacht des Irratio- eine Frage der praktisch zu leistenden Forschung. Der
nalismus angebracht, dem eine Untersuchung sich aus- Materialismus ist nach dieser Auffassung keine Weltan-
setzt, die auf eine Reduktion der ratio abzielt. Doch ist es schauung' sondern ein methodologisches Postulat. In sei-
damit nicht urnum eine Verneinung, sondern ganz im Ge- ner Durchfuhrung
Durchführung - und wiederum nicht aaprioripriori - wird
um die eigentliche Verwirklichung der ratio zu
genteil urn das rationale Verhalten ein materiell andres als das idea-
tun. Das zeigt sich aus der Stellungnahme zum Problem Zügen gehort
listische. Zu den unterscheidenden Zugen gehört mit Ge-
der Verdinglichung. Uns ist mit Georg Lukacs die An- wiBheit
wißheit der Verzicht auf das abschluBhafte
abschlußhafte Ideal der
wendung des Marxschen Begriffs des Fetischismus auf die Wahrheit und infolgedessen die Vermeidung der mit der

3° 3I
'NtNblolutierung des Wahrheitsbegriffs verkniipften
verknüpften An- Grundfaktoren, also menschliche Arbeitskraft, sachliche
tinomien des idealistischen Denkens. - Produktionsmittel, Rohstoffe und Boden, als Waren zu-
Gegenstand der Untersuchung ist die Frage, ob die Lehre sammenkommen und die Produktion sich nach Warenge-
des Apriorismus wahr oder nicht wahr ist. Mit der Erkla-
Erklä- setzen zu vollziehen vermag. Warenform und Tauschge-
geflhr- rung des Apriorismus als einer bestimmten Ideologie des
.,"' "e"hr- setz der Waren, d. h. Form und Gesetz der Verdingli-
flohe
lIohe Dlltlnk-
DIstInk-
tlon Bürgertums hat sie daher nichts zu tun. Dennoch solI
tion Biirgertums soll mit chung, werden im Kapitalismus zum Apriori der Produk-
einem ideologiekritischen Deutungsversuch der Kant- tion, daher zum konstitutiven Grundgesetz fiir für den Be-
schen Erkenntnislehre begonnen werden, urn um induktiv stand der Gesellschaft, die in ein Chaos der formlosen
auf die Hauptthese hinzuleiten, die dann analytisch zu Mannigfaltigkeit zerfallt,
zerfällt, wenn (in den Krisen) der Aus-
begriinden
begründen versucht wird. tausch zusammenhang der Waren nicht mehr funktio-
tauschzusammenhang
niert. Von der Produktion aber hangt
hängt das Dasein der Wa-
ren ab, und die Bedingungen der Moglichkeit
Möglichkeit der Pro-
2. Analagie
Analogie ader
oder Begriindungszusammenhang?
Begründungszusammenhang? duktion sind also die Gesetze, nach denen das Dasein der
Waren in der Gesellschaft erst moglich
möglich wird. Das Dasein
Die aprioristische Interpretation der Erkenntnis tritt ge- der Waren ist zu ihrem Dasein nach Gesetzen geworden,
schichtlich auf zu dem Zeitpunkt, als der Konkurrenzme- und das Dasein der Waren erscheint als der ganze Be-
chanismus der kapitalistischen Produktionsweise seine stand der Gesellschaft, die an ihr selbst keine Substanz
Ausformung zu einem in sich zusammenhangenden,
zusammenhängenden, inehr
mehr hat.
scheinbar selbsttatigen
selbsttätigen System gewinnt, also nicht mehr Die gesellschaftliche Ordnung von Produktion und Kon-
nur intermittierend funktioniert und angewiesen auf sumtion im Kapitalismus kommt weder durch planmaBi-
planmäßi-
staatliche Nachhilfe, sondern durch die ausgebildete bor-
bör- ge Leitung noch durch direkte Kooperation, noch durch
senmaBige
senmäßige Preisbestimmung auf den Markten Märkten und die traditionelle Regelung, vielmehr nur als Funktion der
Subsumtion der Arbeit unter die Maschinerie in den Pro- voncinander
voneinander unabhangigen
unabhängigen Einzelhandlungen selbstan-
selbstän-
duktionsstatten
duktionsstätten seine spezifische GesetzmaBigkeit
Gesetzmäßigkeit voll zu diger Privatpersonen zustande. Sie ist also durch und
verwirklichen beginnt. Mit dieser Gewinnung seiner durch funktionale Ordnung. Nur das funktionale Gesetz
ökonomischen Autonomie erfolgt auch die auBere,
okonomischen äußere, politi- des Warenaustauschs entscheidet hier auch iiberüber die ob- I
sche Emanzipation des Biirgertums,
Bürgertums, deren ideologischer jektive Realitat
Realität des Gebrauchswerts und die gesellschaft- ?
Begriindung
Begründung die Kantsche Philosophie dient. liche Giiltigkeit
Gültigkeit des Werts der Waren. Eine nicht absetz-
Die kapitalistische Gesellschaft ist von andren, gleichfalls bare Ware ist gleich einem subjektiven Sinneseindruck
auf Warenaustausch beruhenden Gesellschaftsformen da- und im gesellschaftlichen Sinne kein Ding mehr. Findet
durch verschieden, daBdaß in ihr der Warenaustausch nicht der Ladenhiiter
Ladenhüter wieder Kaufer,
Käufer, so fliegt dem Sinnen-
bloB
bloß notig
nötig ist, urn
um die Produkte aus den Handen
Händen der Pro- schein mit einem Mal objektiv realer Gebrauchswert und
duzenten in die der Konsumenten zu bringen, vielmehr der langst
längst abgeschriebenen Arbeit aktuelle gesellschaftli-
dariiber
darüber hinaus die Bedingung bildet, daB daß auch schon die che Wertgeltung an. Ein Ding ist nicht, was produziert,
Produktion irgendeines Gebrauchsgegenstandes zustan- sondern erst, was getauscht wird. Seine Dingkonstitution
de kommt. Denn wahrend
während friiher
früher die Menschen nur als ist funktional.
Konsumenten von den Produkten getrcnnt
getrennt waren, die sie Es ist also wirklich eine »kopernikanische Wendung«, die
brauchten, sind sie hier sogar als Produzenten von den sich von der einfachen Warenproduktion bis zur fertigen
Mitteln getrennt, urnum iiberhaupt
überhaupt ein Produkt zu produ- Ausbildung der kapitalistischen Produktionsweise fiir für
zieren. 1m
Im Kapitalismus hangt
hängt also die Moglichkeit
Möglichkeit der den Bestand der Gesellschaft vollzieht. In der einfachen
Produktion selbst davon ab, daBdaß iiber
über den Marktweg ihrc
ihre Warenproduktion ist die Besitzverteilung der Produkte

32 33
Punktion der an sich geschehenden, namlich
nämlich unabhangig
unabhängig den Formbestimmtheiten der Synthesis geschieht hier
yom
vom Warentausch moglichen
möglichen Produktion, daher auch des quasi der abgeleitete und nur beurteilende (rektifizieren-
gegebenen Daseins der Waren. 1m Im Kapitalismus dagegen de) Gebrauch, der jedoch den konstitutiven in der Pro-
ist umgekehrt die Produktion und das Dasein der Waren duktion voraussetzt, und der seinerseits die Vorausset-
Besitzverhältnisse an den
Funktion der vorgegebenen Besitzverhaltnisse zung dafur
dafür ist, daB
daß die Auswirkungen der kapitalistischen
Produktionsmitteln. Produktionsweise sich mit ihren Bedingungen in der zur
Wie sind aber die Gesetze des Warentauschs, die hier das fortlaufenden Reproduktion der Gesellschaft erforderli-
Apriori der Produktion, die GesetzmaBigkeit
Gesetzmäßigkeit des Waren- chen, also quasi vernunftgemaBen
vernunftgemäßen Dbereinstimmung
übereinstimmung be-
daseins und die Bestandsordnung der Gesellschaft ausma- finden - konnten.
könnten. »Konnten«,
»Könnten«, wenn dieses bloBe
bloße funktio-
chen, in sich beschaffen? Es sind die Gesetze der Verding- nale Formsystem zugleich die Realitat
Realität der in ihm be-
bloß als solcher, von der Marx nachgewiesen hat,
lichung bloB stimmten Ordnung an ihr selbst ware, wäre, was sie grad nicht
daß sie vollig
daB völlig in der Einheitsfunktion der .i\quivalent-
Äquivalent- nämlich die geschichtliche Wirklichkeit und nicht
ist, namlich
form der Waren zentriert. Die in ihrer gebrauchswerten bloB
bloß das Verdinglichungsgesetz der kapitalistischen Wa-
Qualitat
Qualität inkommensurablen Waren erfahren im Akt ih- renproduktion. Hier aber beginnen nun die Widerspru-
Widersprü-
res Austauschs die Kommensuration als Werte, worin sie che. Die kapitalistische Warenproduktion ist als solche
der Form nach identisch gesetzt werden, urn um nur noch als innerhalb der Gesetze der Verdinglichung restlos mog- mög-
Quanten zu differieren. Es ist also im genauen Kantschen lich, denn die Arbeit ist in der Ware Arbeitskraft zur blo-
Sinne eine »Synthesis«, die dem gesellschaftlich entfalte- -Ben
'ßen Kausalitat
Kausalität der Warenproduktion eingefangen, als
ten Warenaustausch seiner Formkonstitution nach zu- das Notwendigkeitsgesetz der Warenwelt in ihrer Imma-
grundeliegt, und diese Synthesis grundet
gründet in der obersten nenz, und als nichts wei teres. Indem sie in dieser Kausali-
weiteres.
Einheit, die die Waren in, ja kraft ihrer allseitigen relati- tat
tät nur Warenwert schafft, produziert sie zugleich das
ven Wertbeziehung auf die ihnen gemeinsame, gesell-
yen Kapital selbst, das sie zu jener Kausalitat
Kausalität macht. Folglich
schaftlich allgemeingultige
allgemeingültige .i\quivalentform
Äquivalentform haben, aufs ist das Kapital ursprunglich
ursprünglich Arbeit von solcher Praxis,
Geld. Die Grundgesetze des Warentauschs, die im Kapi- daß sie nur dazu dient, ihren Gegensatz, die Verdingli-
daB
Möglichkeit der Produktion bil-
talismus das Apriori der Moglichkeit chung und also jene Kausalitat,
Kausalität, zu reproduzieren. Von
den, fiieBen
fließen somit aus einer ursprunglichen,
ursprünglichen, im Tausch diesem Widerspruch zwischen der Arbeit als ursprungli-
ursprüngli-
erst gestifteten, rein formalen Synthesis aller Waren nach cher, »intelligibler« Praxis einerseits und der Arbeit als
Funktionen der identischen Einheit ihrer durchgangigen
durchgängigen Kausalität der restlos verdinglichten Immanenz andrer-
Kausalitat
Beziehung aufs Geld. seits, welcher sich nach der inneren Problematik der Ver-
für die Produktion und ge-
Diese Synthesis ist konstitutiv fur dinglichung selbst an ihrer scheinbar absoluten, obersten
setzgebend furfür das Dasein der Waren, sofern das Geld als Instanz, dem Kapital, verfangt,
verfängt, ist es nur ein Schritt, das
Kapital fungiert, namlich
nämlich auf dem Markt die Produktiv- Kapital selbst als seine praktische Wirklichkeit zu setzen
faktoren (bzw. die dinglichen TragerTräger derselben) kauft und die wirkliche Welt als die dialektische Selbstentfal-
und jeden nach dem Gesetz seiner spezifischen Natur tung des zum»
zum »Weltgeist«
Weltgeist« fetischisierten Kapitals zu den-
zum selbsttatig
selbsttätig prozessierenden Ganzen der Produktion ken.
vereinigt. Zu dieser konstitutiven Funktion aber fugt
fügt sich Diese stark verkurzte
verkürzte Beschreibung des kapitalistischen
sogleich die regulative des Geldes als Zirkulationsmittel Verdinglichungssystems ist bei aller Ausrichtung auf den
der so produzierten Waren, also die Funktion, welche der damit verfolgten Demonstrationszweck durchaus exakt.
Realisierung der schon kraft der Warengesetze in ihnen Man braucht in sie aber nur fur für die identische Einheit des
steckenden Werte und durch deren Korrektur der allseiti- Geldes die »Einheit des SelbstbewuBtseins«,
Selbstbewußtseins«, fur
für die syn-
gen Proportionierung der Kapitalstatigkeit
Kapitalstätigkeit dient. Von thetische Funktion des Geldes fur für die Tauschgesellschaft

34 35
die »ursprunglich-synthetische
»ursprünglich-synthetische Einheit der Apperzep- solutierung der Erkenntnis entgegentreten will, hat es
tion«, fur
für deren konstitutive Bedeutung fur für die kapitalisti- auch nicht mehr mit der Erkenntnis in dem geschichtslo-
sche Produktion den »reinen Verstand«, fiir für das Kapital sen Sinne von »Erkenntnis uberhaupt«
überhaupt« zu tun. Die Frage
selbst die »Vernunft«, fiir für die Warenwelt die »Erfah- nach den gesellschaftlichen Entstehungsbedingungen der
rung« und fur für den Warenaustausch nach Gesetzen der rationalen Erkenntnisweise, alias des diskursiven Den-
kapitalistischen Produktionsweise das »Dasein der Dinge kens, kann sich auf diese Geistesform zunachst
zunächst nur auf
nach Gesetzen«, also die »Natur« einzusetzen, urn um aus der geschichtlichen Entwicklungsstufe beziehen, auf der
der Analyse der kapitalistischen Verdinglichung die gan- sie 111
in der griechischen Antike erstmalig hervorgetreten
ze Erkenntnisphilosophie Kants zusamt ihren notwendi- ist.
Widersprüchen nachkonstruieren zu kon-
gen inneren Widerspriichen kön-
nen; sofern man gleichzeitig das dem Adam Smithschen
Harmonismus entsprechende Postulat berucksichtigt,
berücksichtigt, 3. Die gesellschaftlichen Entstehungsbedingungen
dag
daß die »Synthesis aapriori«
priori« krisenlos
krisen los aufgehen miisse.
müsse. der rationalen Erkenntnis
Tatsachlich
Tatsächlich lagt
läßt sich, wenn man sich die MiiheMühe machen
will, die Analogie bis in die Details fortfiihren
fortführen und die Fiir
Für die im folgenden aufgestellten Thesen setzen wir die
Metaphysik Kants wie auch ihre Weiterentwicklung uber ü~er von Marx in den Anfangskapiteln des »Kapital« und in
den sogenannten transzendentalen zum absoluten Idealis- Ideahs- der fruheren
früheren Schrift »Zur Kritik der politischen Okono-
vollständig durchsichtig ma-
mus Hegels materialistisch vollstandig mie« geleistete Analyse bis ins einzelne als bekannt vor-
chen. W orauf es uns hier jedoch ankommt, ist die Frage, ob
Worauf aus.-
es sich iiberhaupt
überhaupt nur urnum eine Analogie handelt und nicht 1m
Im einfachen Austausch von Ware gegen Ware sind rela-
vielleicht urn
um einen echten Begriindungszusammenhang!
Begründungszusammenhang! tive Wertform und Aquivalentform
Äquivalentform nur durch die jedes-
1st
Ist nicht vielleicht die Einheit des Selbstbewugtseins
Selbstbewußtseins und malige Stellung im Wertausdruck mit einer Ware verbun-
das Erkenntnissubjekt wirklich von Ursprung auf nur ein den, daher an dieser nicht empirisch unterscheidbar. Der
unvermeidlicher gedanklicher Widerschein der Einheit gesellschaftliche Charakter der Aquivalenz
Äquivalenz der Waren
des Geldes, das diskursive Denken eine durch die Funk- tritt an der einzelnen Ware nicht als etwas von ihrem Ge-
? I tion
ti on des Geldes fur
für die warenvermittelte Gesellschaft be- brauchswert Verschiedenes hervor. Letzteres geschieht
dingte Form des Bewugtseins
Bewußtseins und die rationale Objekter- erst durch die Verdoppelung der Ware in Ware und Geld,
kenntnis nur die ideelle Reproduktion der Art und Weise, also durch die polarische Aussonderung einer Ware als
wie in einer solchen Gesellschaft nach Gesetzen des Wa- gesellschaftlich allgemeingultige
allgemeingültige Aquivalentform
Äquivalentform der iib-
üb-
rentauschs die Produktion zustande kommt? Diese Annah- rigen, in relativer Wertbeziehung auf sie befindlichen
me erscheint zunachst
zunächst als eine gewagte Hypothese, die Waren. »Eine Ware, die Leinwand (bzw. das Gold - SR),
auf schwer abzusehende Konsequenzen hinausfuhrt.
hinausführt. Wir befindet sich in der Form unmittelbarer Austauschbarkeit
wollen sie gleichwohl aufstellen, denn wir glauben, dag daß mit allen andren Waren oder in unmittelbar gesellschaft-
sie beweisbar ist. Die Hypothese lauftläuft darauf hinaus zu licher Form, weil und sofern alle anderen Waren sich
sagen, dag
daß die Bewugtseinsformen,
Bewußtseinsformen, die wir im rationalen nicht darin befinden.«l
befinden.«1 Am Geld tritt der gesellschaftli-
Sinne die Formen der »Erkenntnis« nennen, aus der im che Charakter des Warentauschs
Waren tauschs in Erscheinung.
Warentausch vorliegenden Verdinglichung entsprungen Getreide kann furfür Menschen wie fiir
für Tiere zur N ahrung
Nahrung
sind. An die Verdinglichung und ihre Analyse haben wir dienen, Gold nur fur für Menschen Geld bedeuten. 1mIm Gelde
uns deshalb fiir
für die Begrundung
Begründung unserer Hypothese zu ist der menschliche Charakter yomvom natiirlichen
natürlichen der Lebe-
halten.
Eine Untersuchung jedoch, die der idealistischen Verab- I »Kapital« I, MEW 23, S. 82.

36 37
wesen unterschieden, der gesellschaftliche Zusamm en- Produk tion, auf die sie sich bezieht. Der Produk tionsvo r-
muß gedank lich als in sich schluss
gang mu6 schlüssiger Zusamm en-
hang zwischen Menschen als Gegens atz zum materie llen
Na tur in Produk tion und hang vorkon struiert werden , damit seine Praxis zweck-
oze6 mit der Natur
Stoffwe chselpr ozeß
zeichne t. Das Geld gilt nur zwischen entspre chend, namlic
nämlic h als Erzeug ung gesellschaftlich
Konsum tion gekenn
n Mensch und Natur, gültige n Wertes, organis
gultige ierbar ist. Die Ration alität der
alitat
Mensch und Mensch , nicht zwische
und Mensch hat im außerh alb
Produk tion liegt augerh ihrer in der rein gesellsc haft-
Beziehu
und die Bezieh ng
ung zwische n Mensch
Charak ter zur Be- Sphäre , in der die Produk
lichen Sphare te Wert haben und Gold
Geld unredu zierbar gegensa
gegensä tzlichen
ziehung der Menschen zur N atur
Natur angeno mmen. In der Geld bedeute t; in ihrer Praxis hat die Produk tion keine
von Geld handel t der Rationa litat, für den arbeite nden Sklaven, fur
lität, weder fur für den
Veraus gabung und Verein nahmun g
2
Unsere Behaup tung sie zwecklos, noch fur für den zwecks etzende n Herrn, fur
für
Mensch nicht mehr als Naturw esen. Erzeu-
Aufkom men des den sie keine Arbeit ist. Urn Um die Produk tion als
geht dahin, da6daß die Formun g und das
Abhe- gung von geldwe rten Waren zu organis ieren, mug muß ihr
begrifflichen oder diskursiven Denken s mit dieser
bung der gesellschaftlichen Aquiva lenzbez iehunge n der Zusam menhang erst theoretisch konstru iert werden . Die-
Waren von der praktis ch materie llen Lebens bedingt heit se rein in Gedank en zu leistende, von der Praxis der Ar-
der Menschen zu tun hat. beit abgeho bene Konstr uktion erforde rt die Reflexion
auf das Denken als solches und auf die innere Begrun Begrün-
spater sehen, daß
Wir werden später dag die Ausbild ung der Geld-
Münzfo rm, die dung seiner Folge. Sie steht unter logisch er Wahrhe its-
form des Warenw erts, also von Geld in Munzfo
in einer fortges chritte- kontrol le statt unter praktis cher und hat als erstes den
Ausbeu tung vorauss etzt, und zwar
einer eingehe nden Forman alyse des Wa- Begriff einer zeitlos in sich begrun begründeten Wahrhe it. Die
nen Form. Aus
die Oberze
überze ugung
ugung gewonn en, daß die
da6 muß rationa l sein, wei!
Theorie muB weil die Produk tion in ihrer für
an und fOr
rentauschs haben wir
Praxis es nicht mehr ist. Das logisch reflektierte Denken
könnte
sich k6nnte
sieh
Ausbildung der Geldfo rm - etwa 680 v. Chr. in Ionien -
sich das
man sieh
eine Art der Warenp rodukti on vorauss etzt, bei der die zur rationa len Konstr uktion der Produk tion, d. h. die ra- Aufkomm en
Aulkomm
tionale Nature rkenntn is, warewäre demnac h als gesellschaft- der Naturwis -
tausche nden Warenb esitzer in keiner praktis chen und senscha
sense ft
haft
personlichen Beziehu ng zur Produk tion ihrer Waren
persönl lich unentbe hrliche s Mittel zur Organi sierung der Waren- ohne Sklave-
mehr stehen, an keinen Arbeitsprozessen von Produk tion produk tion mit Sklavenarbeit. rei vorstellen

mehr Hand anlegen. Wir vertrete n die Hypoth ese, dag daß Der Zusam menhang der rationa len Erkenn tniswei se mit
dem Waren- Geld-V erkehr interessiert uns zunach zunächst indes
Ausprä gung der Geldfo rm mit der Ausbild ung der ge-
die Auspra
nur in formale r Hinsich t, ohne Beruck
Berück sichtigu ng ihres
werblic hen Sklaven arbeit zusamm engeha ngen haben
Inhalts , der Ausbeu tung. Wir glauben ,
waren also zuerst Sklaven gekauf t wor-
muK Mit Geld wären
muß. geschichtlichen
für den Markt, d. h. Waren, zu pro- einleuc htend machen zu konnenkönnen , daB
daß die logische Form-
den, welche Produk te fur
duzieren hatten. Der Sklave ist ein Gebrau chsobje kt, des- rati~nalen
bestimm theit des rationa len Denken s in direkte r Weise
sen in es eingeschlossen e Eigensc haft es ist, zur Arbeit da von der Formbe stimmt heit des Waren- Geld-Austausc hs
zu sein. Wo Warenp rodukti on mit Sklave narbeit betrie- beding t ist. 3 Da eine schrittweise Entwic klung dieser
bedingt
ben wird, ist das Verhalt
Verhält nis des Geld-W aren-Be sitzers Formbe stimmt heit nach ihren Vermit tlungen hier nicht
bloße Tausch beziehu ngen vermit- möglich ist, fassen wir ihre fur
moglich für unser Thema wichtigsten
zur Produk tion durch bloge
Kürze in ihrer am Geld Fertig
Charak tere in aller Kurze fertig ausge-
telt.
zusamm en, urn
um anschlie
anschli Bend
eßend nur den
Diese Art der Vermit tlung der Produk tion beding t eine pragten
prägten Gestalt
erörtern.
näher zu erortern
zentral en Punkt naher
theoretische Reflexion in Abhebu ng von der Praxis der

2 "Im Gegenstä ndlichke it der


,,1m graden Gegentei l zur sinnlich groben Gegensta it. im Sinne von
stimmtheit«
d<;n Ausdruck »Formbestimmthe
Warenkorper geht kein Atom Natursto ff in ihre Wertgeg enstand-
Warenkö enständ- Wir brauchen den
.Zur Kntlk
Marx, .lur ökonom ie«, MEW 13, passim.
Kritik der politisch en Okonom
lichkeit ein.« Ebenda, S. 62.

38 39
4. Zur Analyse der Warenform Weil die Waren in ihrem Austausch nur aus ihrer Produk-
tion in ihre Konsumtion ubergehen,
übergehen, gel ten sie im Aus-
gelten
Das Geld ist eine Ware, der aufgestempelt ist, daB daß sie nur tausch oder furfür die Aquivalenzfunktion
Äquivalenzfunktion des Geldes im-
zum Aquivalent
Äquivalent furfür andere Ware und somit als bloBes
bloßes mer als gegeben. Diese Gegebenheit ist Realitat
Realität der Wa-
Tauschmittel dient. In ihrem Charakter als Geld ist aus- ren nach MaBen
Maßen der Realitat
Realität der Tauschhandluq.g, welche
drucklich
drücklich jeder produktive oder konsumtive Gebrauch bloße Dasein der Dinge zwi- welche neue
mi t ihnen geschieht. Sie ist das bloBe
ihres Materials ausgeschlossen, da sie mit solchem Ge- schen den Menschen, im Unterschied zu der Produktion, in Bestimmung
ist eigentlich
brauch sofort aufhoren
aufhören wurde,
würde, Geld zu sein. 1m
Im Geld ist der sie zu ihrem Dasein im Tausch erst hervorgebracht wer- mit ,.Dasein«
»Dasein«
also das, was das Gold zu Geld macht, als Gegensatz aus- den, und zu ihrer Konsumtion, in die ihr Dasein aus dem der" der "Identi-
Identi-
gesprochen zu dem, was sein Material, das Gold, aber ist Formbestimmtheit der Wa- !iit«
Tausche eingeht. Das Dasein istFormbestimmtheit tät« gegen-
tiber getrof-
über
auch das Material jeder andren Ware oder jedes Material ren und ist der Wirklichkeitsmodus des Verdinglichten. Am fen?
einer Ware ist. 1m Im Geld ist somit fixiert, daB
daß die Aquiva-
Äquiva- Dasein hat stets eine Mehrheit von Menschen teil, so sehr
bloßen Funktionscharakter hat.
lenz der Waren bloBen in der Reflexion aufs Dasein das Gegenteil statthat.
Der Aquivalenzausdruck
Äquivalenzausdruck der Waren zum Geld fixiert die Die Ware ist identisch existierendes Ding. 1m Im Geld ist
Tauschhandlung als Gegensatz zu den Handlungen von endgültig fixiert. Das Geld be-
diese Formbestimmtheit endgultig
Produktion und Konsumtion. Der Austausch der Waren zieht sich auf Waren in der Form ihrer identischen dingli-
schlieBt
schließt fur
für die Zeit seiner Dauer jede materielle Veran-
Verän- chen Existenz. Identitat,
Identität, Dinglichkeit und Dasein sind
derung der Waren aus, die ihre Wertverhaltnisse
Wertverhältnisse betref- 'ihrer Genesis nach gesellschaftliche Formcharaktere der
könnte. Nur fur
fen konnte. unveränderte stoffliche Identitat
für die unveranderte Identität Ware und sind Verbindungsformen der Menschen. - Die
der Waren ist ihr Aquivalenzverhaltnis
Äquivalenzverhältnis moglich.
möglich. Diese Identitat
Identität ist die Form der Verbindung der bei verschiede-
Identitat
Identität ist Negationsform der Produktion und der Kon- nen Menschen liegenden Produktion und Konsumtion ein
sumtion. Sie besagt, daBdaß auf dem Markt die Waren nur und derselben Waren. Ebenso die Dinglichkeit Verbun-
die Hande
Hände wechseln und solange die Produktion und denheit von Produktion und Konsumtion an den Waren, Waren
Konsumtion in ihnen stillstehn. weil der praktische Zusammenhang von Produktion und
Andrerseits verlangt die Tauschhandlung diesen Still- Konsumtion zwischen den Menschen gesellschaftlich zer-
stand der produktiven und konsumtiven Praxis mit den rissen ist. Ding ist ein Produkt, von dem aus gesellschaft- die Trennung
Waren, weil sie zwischen Produktion und Konsumtion Gründen der eine nur die Produktion und der an- laBt
lichen Grunden läßt sich nicht
bestimmen,
vermittelt. Sie negiert diese also nicht reell, sondern setzt dre nur die Konsumtion hat. Seine Identitat
Identität ist die Kleb- ohne daB
daß der
im Gegenteil voraus und sorgt dafur,
dafür, daB
daß sie geschehen. fläche eines gesellschaftlichen Risses zwischen Produk- Begriff Aus-
flache
Die Identitat
Identität ist Formbestimmtheit der Waren, sofern tion und Konsumtion. Dasein hat ein Ding, in dem Pro- beutung her-
angezogen
diese durch den Austausch aus der Produktion in die duktion und Konsumtion aus der Ursache ihrer gesell- wird.
(konsumtive oder produktive) Konsumtion ubergehen übergehen schaftlichen Trennung stillstehn. Das MaB Maß seiner Realitat
Realität
und Produktion und Konsumtion an den Waren als ver- hat das Dasein an der Realitat
Realität dieser Trennung. Es ist
bunden gelten. Der Tausch enthalt
enthält positiv, daB
daß dasselbe also Dasein von Dingen zwischen Menschen, gesell-
Ding, so wie es produziert worden ist, zu seiner Konsum- gültige, gesellschaftlich bedingte und begrenzte
schaftlich gultige,
tion in die andre Hand ubergeht.
übergeht. Die Identitat
Identität ist die Realitat
Realität von Dingen. Identitat,
Identität, Dinglichkeit und Dasein
dingliche Verbindungsform von Produktion und Kon- konstituieren sich erst aus der U rsache einer bestimmten
Ursache
sumtion, und umgekehrt ist der identische Trager
Träger dieser gesellschaftlichen Trennung von Produktion und Kon-
insofern Ding. Die Dinglich-
Verbindung, die Ware, eben insofcrn sumtion als Verbindungsformen des Getrennten. Welcher
keit ist Formbestimmtheit der Ware und die Grundform Art diese Trennung ist, auf die die Verdinglichung zuruck zurück
der »Verdinglichung«. verweist, wird noch gezeigt werden.

40 41
41
Die identisch existierenden Warendinge stehen unter der Dinge, welche in räumlich-materieller
raumlich-materieller Realitat
Realität naeh
nach
raumlichen
räumlichen und zeitlichen Ordnung der Tauschhandlung Funktionen ihrer unveranderten
unveränderten Identitat
Identität in der Zeit
anstatt der produktiven und konsumtiven Handlungen, zwischen Produktion und Konsumtion vermitteln. 1m Im
welche pro tanto der Aquivalenzverhaltnisse
Aquivalenzverhältnisse der Waren Geld ist fixiert, daB Realität des Tauschs in der Zeit
daß die Realitat
dürfen. Es ist die Raum-
mit diesen grade nicht geschehen durfen. und die Funktion der Aquivalenz der Waren an die Rea-
Zeit-Ordnung der Faktizitat
Faktizität im Gegensatz zu der der lität der Materie im Raum gebunden ist. Die Materie ist
litat
»menschlichen sinnlichen Tatigkeit,
Tätigkeit, Praxis«4. Zeitlich Verdinglichungsform der Praxis der vergangenen
die Verdingliehungsform
setzt die Warenaquivalenz
Waren äquivalenz des Tauschs die Produktion Produktion, durch die diese die gesellschaftlich getrennte Wie setzt sich
Praxis der kunftigen
künftigen Konsumtion vermittelt. - Die Vor- denn dieser
als in den Waren jeweils abgeschlossene Vergangenheit Begriff der
und die Konsumtion als in ihnen jeweils unbegonnene stellung, daB Räumliche von Materie erfullt
daß alles Raumliche erfüllt sei, Materie gegen
Zukunft voraus, zwischen denen die Waren im Tausch konnte, wie als erstem dem Thales, nur aufkommen, wo den magi-
schen ab?
ihre identische dingliche Prasenz
Präsenz haben. Produktion und die Produktion unter dem Warengesetz
Waren gesetz stand. Der Satz:
Konsumtion sind in der Tauschhandlung, mit der identi- Alles ist Wasser, heiBt
heißt soviel wie: Alles ist Warenstoff, D. h. der Be-
oder: Aus allem kann man Ware machen, - sofern nam- griff »alles«
Präsenz der Waren in dieser als Bezugspunkt ihrer
schen Prasenz näm-
sei gesell-
Folge, als Vergangenheit und Zukunft verbunden, daher lich die Arbeit Eigenschaft gekaufter Sklaven ist und in schaftlich ein
als das, was nicht mehr, und das, was noch nicht real ist. dieser Gestalt alles, was sie produziert, als Ware produ- Synonym fUr für
Geld - eine
Das MaB
Maß der Realitat
Realität von Produktion und Konsumtion ziert. gewagte
Präsenz der Waren im Tausch, sofern diese
ist hier die Prasenz Mit diesen kurzen Andeutungen von der von mir inten- Behauptung.
Prasenz
Präsenz die Absenz von Produktion und Konsumtion ist. dierten Betrachtungsart muB
muß ich mich hier zur Formana-
Das Geld bezieht sich auf die materielle Praxis von Kon- lyse der Verdinglichung begnugen.
begnügen. Es sei jedoch aus-
sumtion und Produktion nur mit dem Maß MaB der Faktizität,
Faktizitat, drucklich hinzugefügt,
drücklich hinzugefugt, daß
daB kein Moment der Verdingli-
als geschehen oder nicht geschehen, geschehend oder vollständig und eindeutig bestimmbar ist, solange
chung vollstandig
nicht geschehend, eintretend oder nicht eintretend. . außer ihrem Zusammenhang mit der
die Verdinglichung auBer
Andrerseits sind an der Ware die Produktion, aus der sie SIe Ausbeutung betrachtet wird. -
stammt, und die Konsumtion, in die sie eingeht, zur iden- Der fur
für unser Thema zentrale Punkt ist die Behauptung,
tischen Dinglichkeit der Ware verbunden, sind also gera- daß die Identitat
daB Identität ein geschichtlich bedingter Formcha-
de das im Tausch Prasente
Präsente der Waren und deren Realitat.
Realität. rakter der Ware und eine gesellschaftliche Verbindungs-
Aber real und prasent
präsent sind Produktion und Konsumtion form der Menschen ist. Durch diese Behauptung wird,
für die Tauschhandlung in ihrem Stillstand, d. h. in zeitli-
fur wenn sie beweisbar ist, der Apriorismus der Erkenntnis
cher Aufhebung, als die unveranderte
unveränderte stoffliche Identitat
Identität aus den Angeln gehoben. Sie bedarf deshalb naherer
näherer Er-
der Warendinge im bloßen
bloBen Raum. AlsAis zeitliches Gesche- lauterungen.
läuterungen.
hen hebt die Tauschhandlung Produktion und Konsum- Die Grundcharaktere der Verdinglichung, Identitat,Identität,
tion zeitlich auf bzw. verweist sie der Zeit naeh
nach in die Dingform und Dasein der Waren, sind auf notwendige
nieht mehr reale Vergangenheit und die noch nieht
nicht nicht reale Weise mit dem Aquivalenzverhaltnis
Aquivalenzverhältnis der Waren im
Zukunft zur allein realen Gegenwart ihrer, der Tausch- Tausch verbunden. Von unsrer heutigen, durch und
Realität im zeitliehen
handlung, selbst. Realitat zeitlichen Geschehen des durch verdinglichten Erfahrung aus konnten
könnten diese Form-
Tausches haben Produktion und Konsumtion in der ver- charaktere ebensogut in jedem andren Zusammenhang,
dinglichten Form der stofflichen Realitat
Realität der Warendin- auch in dem von Produktion und Konsumtion, mit den
ge im Raum. Das Geld bezieht sich auf die Waren als Sachen ursprunglich
ursprünglich verbunden erscheinen. Es kommt
aber darauf an, den spezifischen Unterschied der Tausch-
4 Marx, erste These zu Feuerbach. handlung gegenuber
gegenüber andren Handlungen zu erfassen.

42 43
GewiB
Gewiß haben die Dinge auch irgendeine Bestandigkeit,
Beständigkeit, fraglich verandern.
verändern. Sie gilt, kurz gesagt, nicht aus Grun-Grün-
wenn man sie etwa innerhalb eines Produktions- oder den der Dinge oder der Menschen oder der allgemeinen
Konsumtionsvollzuges aus der Hand legt, urn um sich ihnen Natur menschlichen Handelns, sondern sie ist eine aus
spater
später wieder zuzuwenden, und wir behaupten auch kei- geseUschaftlichen
gesellschaftlichen U rsachen notwendig bedingte Fik-
Ursachen
neswegs, daB
daß die Warenidentitat
Warenidentität die alleinige Art der tion.
Identitat
Identität oder identitatsahnlichen
identitätsähnlichen Bestandigkeit
Beständigkeit von Sa- Welches sind aber diese Ursachen? Aus dem Tausch laBt läßt
chen sei. Sie ist aber die fur
für die rationale Erkenntniswei- sich daruber
darüber soviel entnehmen, daB daß Produktion und Kon-
se
seS5 und ihre logische Konstitution bestimmende Form sumtion, da er die zwischen ihnen vermittelnde Hand-
von Identitat.
Identität. lung ist, fur
für die Menschen in bestimmter Weise getrennt
Beiseite gelegte, liegen gelassene, weggestellte, zum eige- müssen. Welcher Art diese Trennung ist und
worden sein mussen.
nen Verbrauch aufbewahrte Dinge sind sich uberlassen,
überlassen, worauf sie beruht, ist iiber
über den generellen Hinweis auf
und soweit sie Bestand haben, haben sie ihn, wahrend während Arbeitsteilung hinaus aus dem Tausch nicht zu erschlie-
man sich nicht mit ihnen beschaftigt.
beschäftigt. 1m
Im Tausch aber sind Ben.
ßen. Denn der Warentausch ist selbst bereits, und zwar
die Dinge identisch, sofern sie gerade Gegenstand der gerade durch die Aquivalenz,
Äquivalenz, die ihn kennzeichnet, Ver-
Und wenn ich Beschaftigung
Beschäftigung sind und im Mittelpunkt der Aufmerksam- deckungsform seines wirklichen geschichtlichen Inhalts.
ein Buch lese? keit stehen, und eben diese Beschaftigung
Beschäftigung und Aufmerk- Halten wir uns jedoch zunachst
zunächst an den schattenhaften
samkeit fixiert sie in der Aquivalenzbeziehung
Äquivalenzbeziehung als unver- Abglanz, der sich davon im Warentausch und seinem
andert
ändert identisch. 6 1m
Im Tausch tut man materiell etwas mit Aquivalenzverhaltnis
Äquivalenzverhältnis spiegelt.
den Dingen, aber dieses Tun ist widerspruchsvOller
widerspruchsvoller Weise Zum ersten zeigt sich, daB
daß ein grundsatzlicher
grundsätzlicher Unterschied
an die Bedingung geknupft,
geknüpft, daB
daß materiell nichts an ihnen gemacht werden muB muß zwischen dem entwickelten Wa-
geschieht. Die Tauschhandlung ist eine physische und rentausch, d. h. dem Tausch auf Grundlage der Warenpro-
materielle Tatigkeit
Tätigkeit und ist in dieser Eigenschaft positiv duktion und also dem Austausch von» Werten«, und pri-
ausgeübte Negation jeder die Tauschobjekte verandern-
ausgeubte verändern- mitivem Tausch im Sinne eines Tauschverkehrs mit Ge-
den, also konsumtiven oder produktiven Handlung mit brauchsgegenstanden,
brauchsgegenständen, vornehmlich zwischen naturwiich-
naturwüch-
ihnen, so lange die Aquivalenz
solange Äquivalenz gelten soU.
soll. Die identische Gemeinwesen?7 • Das definierende Merkmal des ent-
sigen Gemeinwesen
dingliche Existenz der Waren in der Aquivalenz
Äquivalenz ist eine wickclten
wickelten Warentauschs ist die Aquivalenz
Äquivalenz der getausch-
von der Tauschhandlung aktiv getatigte
getätigte Setzung, sie ist ten Objekte, und diese setzt eine bestimmte gesellschaft-
keineswegs eine bloB
bloß in den Lucken
Lücken zwischen menschli- liche Trennung von Produktion und Konsumtion voraus,
chen Betatigungen
Betätigungen rein passiv bestehender Mangel an deren Ursprung und wirklicher Inhalt in der Ausbeutung
Veranderung
Veränderung von Dingen. Sie gilt auch gegen alle mate- zu finden ist (s. unten). Nur der entwickelte Warentausch
rielle Unwahrheit ihrer Supposition, etwa bei Transak- ist mit der durch Identitat,
Identität, Dingform und Dasein charak-
tionen, die sich uber
über langere
längere Dauer erstrecken und inner- terisierten Verdinglichung verbunden. Wodurch hinge- Zum minde-
sten
halb deren die Objekte sich ohne menschliches Zutun un- gen der primitive Tausch definierbar ist und ob sich fur für b
sten miiBte
müßte
.h . eWlesen wer-
bewiesen
den unter 1ihm
den m gedachten Verkehr der Begriff Begnff des Aus- den, daB
daß im
5 SR. - 1970: Was hier »rationale Erkenntnisweise. genannt wird, ist tauschs uberhaupt
überhaupt halten laBt,läßt, vermi::igen
vermögen wir nicht zu primitiven
Teil der nur bei Geldbesitzern auftretenden, von der Handarbeit h'd
uniiberbriickbar
unüberbrückbar geschiedenen Kopfarbeit. entsc el en. D'
entscheiden. lese A
Diese Art d er A
rt 0oder Arten von»»T
rten von ausc h « l'liegen
Tausch« legen Tausch
!ausch keine
keine
Aquivalenz
Aqulvalenz
6 SR- 1970: Der ma6gebliche
maßgebliche Unterschied ist hier verfehlt, namlich
nämlich ob auBer
außer unserem Gesich tsfeld. 8
Gesichtsfeld. besteht.
die Bewahrung der unversehrten Identitat
Identität des Gebrauchsgegenstan-
des einem individuellen Willen entspricht oder einem polizeilich 7 Siehe Marx, Das Kapital Bd. I, MEW 23, S. 102.
erzwingbaren gesellschaftlichen Postulat. Auf den Benjaminschen
Benjaminsehen 8 SR - 1970: Die Untersehcidung
Unterscheidung zwischen zweierlei Arten von Tausch
Einwand ware
wäre mit der Frage zu erwidern, wo ich das Bueh
Buch lese, im ist einer der Wesensziige
Wesenszüge def
der damaligen Analyse und ist es auch
Buchladen oder bei mir zu Hause. Die dingliche Identitat
Identität erweist sieh
sich weiterhin gebliebcn.
geblieben. Aber der Unterscheidungsgrund hat sich mir erst
da ohne Schwierigkeit als eine Funktion des Eigentums. allmahlich
allmählich herausgeschalt
herausgeschält und war mir damals noeh
noch unklar. Er liegt

44 45
Zweitens ist die Feststellung geboten, daB daß die spezifi- det in ihrem Resultat und laBt
läßt seine Spur zuruck«.9
zurück«.9 Die
schen Formcharaktere der Ware nicht ausreichend erfaBt erfaßt läßt sich am Warentausch und seinen For-
Verdinglichung laBt
können, wenn man ihnen bloB
werden konnen, bloß die Tatsache zu- men konstatieren,' aber sie aus ihm zu erklaren,
erklären, ist un-
grundelegt, daB
daß die Menschen ihre Lebensmittel durch moglich.
möglich. Ihre U rsache und ihr Quellliegt
Ursache Quell liegt in der Ausbeu-
Arbeit gewinnen mussen,
müssen, diese Lebensmittel also deshalb tung, und aus ihr bedarf der Warentausch [die innerge-
durchweg Konsumgegenstand und Produkt und allein sellschaftliche Synthesis durch Warentausch
Waren tausch - A. SR.
dadurch schon »Gebrauchswert« und und»» Wert« sind. Nicht 1970] selbst erst der Erklarung.
Erklärung.
die fur
für die Menschen naturgegebene Lebensbedingtheit
durch Arbeit und nicht die bloBe
bloße empirische Verschie-
denheit von konsumtiven und produktiven Betatigungen, 5. Warentausch und Ausbeutung
Betätigungen,
sondern daB
daß zwischen diesen beiden unentbehrlich zu-
vom Warentausch 10 vorausgesetzten Trennung von
Der yom
sammengehorigen
sammengehörigen Seiten des Daseins ein Gegensatz von
Produktion und Konsumtion liegt der Tatbestand zu-
gesellschaftlicher Art eingetreten ist, so daB
daß die getausch-
grunde, daB
daß die Gesellschaft gespalten ist in einen Teil,
ten Gegenstande
Gegenstände furfür einen Teil der Menschen nur Pro-
der nur konsumiert, ohne zu produzieren, und einen and-
dukte und fur
für einen andren Teil nur Konsumobjekte ge-
ren Teil, der pro tanto nur produziert, ohne zu konsumie-
worden sind, macht die begrundende
begründende Voraussetzung zum
reno
ren. Mit andern Worten, bevor ein Austausch von Subsi-
Austausch dieser Gegenstande
Gegenstände als »Werte« und daher die
,stenzmitteln als Werten, also Warentausch, zur gesell-
eigentumliche Zwieschlächtigkeit der Ware aus. Die Vor-
eigentümliche Zwieschlachtigkeit
schaftlichen Verkehrsform werden kann, muB muß Ausbeu-
aussetzung der warentauschenden
waren tauschenden Gesellschaft ist nicht
tung entstanden sein. Der Warentausch hat sich aus der DaB
Daß der Wa-
eine Naturgegebenheit, sondern eine veranderte
veränderte ge- rentausch
Ausbeutung entwickelt, nicht umgekehrt die Ausbeutung
schichtliche Form von Gesellschaft. durch diese
erst aus dem Warentausch. Spaltung ge-
Von dieser geschichtlichen Grundlage seiner ist der Wa- kennzeichnet
rentausch nur die dialektische Reflexionsform. Seine Vor- ist, kann be-
Anmerkung I937: Mit dieser These weichen wir in einem wichti- wiesen nur
aussetzungen sind unter dem Schein seiner Unmittelbar- gen Punkte von der Auffassung von Marx und Engels abo ab. Zwar werden durch
keit verdeckt. »Die vermittelnde Bewegung verschwin- ist wohl deren Meinung nicht gewesen, daB daß die Ausbeutung in je- seinen Ver-
der Form und unter allen Umstanden
Umständen erst aus dem Warentausch gleich mit dem
primitiven.
darin, ob der Warentausch das Vehikel der innergesellschaftlichen entstanden sei. Halt
Hält man sich jedoch an die Marxsche Analyse
Synthesis ist oder nicht; er liegt nicht in einer Verschiedenheit der der Ware - und nur sie kann in dieser Frage theoretisch maBge-
maßge-
Formcharaktere des Warentauschs,
Waren tauschs, welche vielmehr auf den verschie- bend sein -, so sind auf der Grundlage ihrer Fassung nur entwe-
denen Entwicklungsstufen der Gesellschaft unverandert
unverändert sind. Diese
Formcharakteristika freilich, und das heiBt
heißt vor allem die Aquivalent- der Ausbeutungsverhaltnisse
Ausbeutungsverhältnisse denkbar, die durch Warentausch
form, Ire len nicht in Erscheinung, solange der Tausch im wesentlichen
treten eingetreten oder doch ausgelost
ausgelöst worden sind, oder aber "direkte
noch bloBe
bloße auBenwirtschaftliche
außenwirtschaftliehe Verkehrsform ist; er zeitigt auf die- Herrschafts- und Knechtschaftsverhaltnisse«
Knechtschaftsverhältnisse« (K. Marx, Kapital
sen Stufen noch nicht die Geldform des Wertes. Die Entstehung der
I, S. 93), deren Verbindung oder Verbindungslosigkeit mit
Geldform bedeutet den Wendepunkt zur innergesellschaftlich-syn-
thetischcn
thetischen Funktion des Tauschs. Und erst von dem Zeitpunkt an, zu dem Warentausch vollig
völlig dahinsteht. Unsre Kritik an cler
der Marx-
dem die Formcharaktere des Warentauschs am Geld in Erscheinung schcn
sehen Darstellung cler
der Entwicklung der Warenform richtet sich
treten, wird es moglich,
möglich, daB
daß sie sich dem BewuBtsein
Bewußtsein mitteilen. Erst dagegen, daB sie keinen Raum laBt
daß sic läßt fiir
für die bestimmcndc
bestimmende Rolle cler
der
von dies em Wendepunkt an wird es also moglich,
diesem möglich, daB
daß die Realab- für die Entstehung des Warentauschs. Die Entwick-
Ausbeutung fiir
straktion der "Warenform« sich in die Denkabstraktion der Begriffs-
form umsetzt. - Zwar tastete ich mich damals auf dem rechten Wege
varan,
voran, aber ich war nicht imstande, die Einwendungen 7.U entkraften,
entkräften, 9 K. Marx, Das Kapital I, MEW 23, S. 107·
J07·
die mir von Benjamin und Adorno vorgehalten wurden. Freilich lieB ließ to
tO SR - I970: Der Ausdruck "Warcntausch«
"Warentausch« ist hier und im Foigenden
Folgenden
ich mich durch diese Vorhaltungen auch nicht von meinem Wege durchweg in dem speziellen
spe7,iellen Sinn von innergesellschaftlicher Ver-
ablenken. (Eine genauere KIarung
Klärung des Problems wird im N achwort zu
Nachwort kehrsform zu verstehen, also als Trager
Träger der gesellschaftlichen Syn-
diesem Text versucht). thesis.

46 47
lung des Wertausdrucks ist so dargestellt, als ob sie bis zur ferti- sich im Grunde der kooperative Zusammenhang der Individuen
gen Ausbildung der Geldform des Wertes als eine kontinuier- in einem naturwüchsigen Gemeinwesen und der ganz und gar
einern naturwuchsigen
liche Entfaltung und Ausbreitung des primitiven Tauschver- vom
vorn Warentausch vermittelte Zusammenhang der burgerlichen
bürgerlichen
kehrs denkbar sei. Gesellschaft nur durch das Fehlen oder Dasein des Privatcigen-
Privateigen-
Wir beziehen uns fur für den theoretischen Zusammenhang von turns
tums unterscheiden. Denn die menschliche Arbeit ist immer als
Warentausch und Ausbeutung bei Marx und Engels in der »gesellschaftliche Arbeit« gefaBt,
gefaßt, heute wie in aller Vorzeit; was
Hauptsache auf drei Unterlagen. Erstens auf die ins Zentrum des sich gewandelt hat, konnen
können nur die modi des gesellschaftlichen
Marxschen Hauptwerks uberleitende
überleitende Theorie von der Verwand- Arbeitszusammenhangs sein. Die naturwuchsige
naturwüchsige Kooperation
lung des Geldes in Kapital und des Kaufs und Verkaufs der Ware und der verdinglichtc
verdinglichte Zusammenhang der Privateigentumer
Privateigentümer er-
Arbeitskraft. Hier liegt auf der Hand, daB
daß der Warentausch dem schein
scheinenen der Substanz nach als dasselbe - gesellschaftliche Ar-
kapitalistischen Ausbeutungssystem als vorauslaufend darge- bei tszu sammenhan
sammenhän ge.
stellt wird. Und das mit Recht; denn die kapitalistische Waren-
steHt Das haftet auch der zweiten, nur andeutenden Bestimmung des
produktion ist in der Tat dasjenige Ausbeutungssystem, das sich Zusammenhangs zwischen Warentausch und Ausbeutung in der
erst auf der Grundlage des Warentauschs entwickelt hat, und der Marxschen Warenanalyse an. Sie betrifft die geschichtliche Ent-
geschichtlich einzigartige Fall einer Ausbeutung nach bloBen bloßen stehung des Tauschverkehrs. »In der Tat erschcinterscheint der Aus-
Gesetzen des Warentauschs, d. h. nach okonomischen
ökonomischen Gesetzen. tauschprozeß von Waren ursprunglich
tauschprozeB ursprünglich nicht im SchoB
Schoß der natur-
Wie nach Gesetzen der durchgangigen
durchgängigen Warenaquivalenz
Warenäquivalenz Aus- wlichsigen
wüchsigen Gemeinwesen, sondern da, wo sie aufhoren,
aufhören, an ihren
beutung, nach den Paritatsgesetzen
Paritätsgesetzen des Warentauschs die Im- Punkten, wo sie in Kontakt mit andcren
Grenzen, den wenigen Punktcn, anderen
paritat
parität des Mehrwerts das Resultat sein kann, macht den An- Gemeinwesen treten. Hier beginnt der Tauschhandel, und
gelpunkt der politischen Okonomie
ökonomie und ihrer Kritik aus. Aber s·chlagt zurück, auf das er
s·chlägt von da ins Innere des Gemeinwesens zuruck,
bei Marx ist die Fortbildung des einfachen Warentauschs zum zersetzend wirkt.« (K. Marx, Zur Kritik der politischen Okono-ökono-
kapitalistischen so dargestellt, als ob ihr geschichtlich keine an- mie, MEW 13,S.
13'S, 35 f.)Im »Kapital« findetsichdazunoch(S. 102):
dre Form der Ausbeutung hatte hätte vorauszugehen brauchen. 1m Im »Die erste Weise, worin ein Gebrauchswert der Moglichkeit
Möglichkeit nach
Gegensatz dazu sind wir der Meinung, daB daß der Warentausch nur Tauschwert ist, ist sein Dasein als Nicht-Gebrauchswert, als die
deshalb einem
einern Ausbeutungssystem hat zur Form dienen konnen,
können, unmittelbaren Bediirfnisse
Bedürfnisse seines Besitzers iiberschieBendes
überschießendes
weil er selbst schon dialektische Reflexions- und Aufhebungs- Quantum von Gcbrauchswert.«
Gebrauchswert.« Auch hier also ist die Ausbeu-
form von Ausbeutung ist, also andre Formen der Ausbeutung tung, die »Zersetzung des Gemeinwesens«, als Folge des »Aus-
vorher schon in ihn eingegangen sind. Die kapitalistische Aus- tauschprozesses von Waren« dargestellt. Das liegt daran, daE daß
beutung ist die volle und endgultige
endgültige Verwirklichung des Waren- Marx zwischen dem Tauschverkehr, wie er der Ausbeutung vor-
tauschs und der Verdinglichung - wie der philosophische Idealis- ausgegangen sein kann (!), und dem Tauschverkehr, wie er aus
mus des Burgertums endgültige Theorie der Wahrheitsfrage
Bürgertums die endgultige der Ausbeutung hervorgegangen ist, keinen grundsatzlichen
grundsätzlichen Un-
uberhaupt-,
überhaupt-, weil das Gesetz des Warentauschs und der Verding- terschied macht, obgleich die Verschiedenheit der Sache sich im
lichung seinerseits das der Ausbeutung ist. Der Warentausch darf Schwanken der Ausdrucke
Ausdrücke - »AustauschprozeB
»Austauschprozeß von Waren«
theoretisch nicht als autonomes geschichtliches Phanomen
Phänomen be- und
und»»Tauschhandel«
Tauschhandel« - an der zitierten Stelle deutlich genug mel-
handelt werden. Geschieht dies, so wird zuletzt die Formbe- det. Tatsachlich
Tatsächlich gilt jedoch die Marxsche Analyse allein dem
stimmtheit der Ware, die Verdinglichung, und, sofern eine Zu- Tauschverkehr im zweiten Sinne, also dem von uns ausschlieE-
ausschließ-
ruckfuhrung
rückführung der rationalen Denkform auf diese intendiert wird, lich so genannten »Warentausch«, da sie durchweg das Aquiva-
auch sie nur wiederum auf ein Formelement,
Formelernent, die Verkehrsform lenzverhaltnis
lenzverhältnis der Waren als Ausgangspunkt unterstellt. Indem Indern
zurückgeführt. Der fetischistische Schein der Formauto-
Tausch, zuruckgefuhrt. Marx aber die Aquivalenz auch schon dem »primitiven Tausch-
nomie verlagert sich vomvorn BewuBtsein
Bewußtsein auf die Warenforrn
Warenform und verkehr« vindiziert, schcint
scheint die Verdinglichung bruchlos
bruch los aus na-
von ihr auf den Tausch, aber an diesem bleibt er hangen
hängen und laBt
läßt turwuchsigen
turwüchsigen Verhaltnissen
Verhältnissen hervorgegangen.
die ganze Reduktion an ihrem Rande doch wieder in den mysti- Endlich hat Engels in seiner Studie uberüber den »Ursprung der Fa-
schen Grund einer ungewordnen forma formans verlaufen. Privateigentums und des Staats<,
milie, des Privateigcntums Staats« der bei Marx nur for-
Es ist wohl nicht die Marxsche Ansicht, aber es ist der Schein, den mal behandelten Genesis der Warenform geschichtlich nachzu-
die theoretische Fassung seiner Warenanalyse verbreitet, daB daß forschen versucht. Die Schrift, mit der uns eine kritische Ausein-

48 49
"'-un.
• • •• hie'!'
iN~
hiC'1' aus Raumgrunden
Raumgründen unmoglich
unmöglich ist, will u. a. die schaft befriedigend geklart
geklärt waren,
wären, halten wir es doch fiirfür
au.fUllen,
lu.fUllen, die Marx in seiner Waren analyse dadurch hatte moglich,
möglich, mit der Analyse, ohne unverschmerzliche Ein-
"'Ie.h.n
.... eeh.n lassen, daB
daß er das als Kennzeichen des entwickelten buBen
bußen an Erkenntnis, erst bei den altagyptischen
alt ägyptischen und me-
Warentauschs fur für ihn ausschlaggebende Privafeigentum nicht er-
sopotamischen Ausbeutungsreichen einzusetzen und der
klart.
klärt. Engels verfolgt die Bildung des Privateigentums speziell in
Untersuchung durch bestimmte begriffliche Abgrenzun-
der Antike und legt dabei seiner Analyse die Annahme von der
gen den Riicken
Rücken zu sichern.
Priori tat des Warentauschs und der Geldentwicklung vor der
Priorität
Ausbeutung zugrunde. Dadurch wird aber unsrer Ansicht nach Zu diesen Abgrenzungen gehort gehört vor allen Dingen eine
diese Annahme, die furfür den Kapitalismus, wenn auch nicht ein- Bestimmung des Begriffs des »naturwiichsigen
»naturwüchsigen Gemein-
schränkungslos, zutrifft, auf Produktionsverhaltnisse
schrankungslos, Produktionsverhältnisse ange- wesens«. Marx verwendet diesen Begriff in vielfaltiger
vielfältiger
für welche sie ~eine Richtigkeit hat. Gegenuber
wandt, fUr Gegenüber der En- Kontrastierung zur Warenproduktion und verdinglichten
gelsschen vergleiche man die Auffassung Rosa Luxemburgs in Gesellschaft, jedoch ohne ihn explicite zu definieren. Fiir Für
ihrer nachgelassenen »Einfuhrung
»Einführung in die Nationalokonomie«,
Nationalökonomie«, uns ist seine Definition unentbehrlich, weil wir die Aus-
von der die unsrige stark beeinfluBt
beeinflußt ist. beutung anstelle des Tauschs an den Anfang stellen und
Wann und an welchen Stellen Ausbeutung erstmalig in der Begriff der Ausbeutung nur dadurch methodologisch
der Geschichte eingetreten ist, in welchen Formen und brauchbar wird, daB daß er in genauer Abhebung von den
auf welche Weise, welche Rolle dem »primitiven Tausch- Merkmalen eines sowohl innerlich wie auBerlich
äußerlich ausbeu-
verkehr« dabei zugekommen ist, sind Fragen, denen wir tungsfreien Gemeinwesens gefaBt
gefaßt wird. Die folgende be-
hier nicht nachgehen. Sie wiirden
würden uns vom Thema in ein "griffliche
"griffliehe Konstruktion eines naturwiichsigen
naturwüchsigen im Sinne
,II
! 11 Gebiet von vorerst unerschopflichen
unerschöpflichen Schwierigkeiten fort- eines ausbeutungsfreien Gemeinwesens stellt keine histo-
Rückkehr nicht absehen Lifk
. lenken, aus dem sich eine Riickkehr läßt. rische Seinsaussage dar, sondern ist lediglich ein Hilfsbe-
Wir glauben aber auch nicht, daBdaß die Erforschung dieser griff zur Erfassung des Tatbestandes der Ausbeutung.
Fragen fiir
für unseren Zweck unentbehrlich ist. Schon der Dabei versteht sich von selbst, daBdaß das »naturwuchsige«
»naturwüchsige«
sehr wichti- RiickschluB
Rückschluß vom Warentausch auf die Ausbeutung ist nicht mit einem urwiichsigen
urwüchsigen Gemeinwesen gleichzuset- I ?
ges Zu- oder erscheint uns wenigstens auf rein analytischem zen ist.
geständnis!
gestandnis!
Wege nicht moglich.
möglich. Die Induktion aus der Geschichte, Ein ausbeutungsfreies, naturwuchsiges
naturwüchsiges Gemeinwesen
die dazu notig
nötig ist, scheint aber zu bezeugen, daB
daß Waren- muB
muß gedacht werden als eine verwandtschaftlich zusam-
tausch in voll ausgebildeter Form und die ihm entspre- mengehorige
mengehörige Menschengruppe, die ihre Lebensmittel
chenden rationalen Reflexionsformen sich nur im Okzi- ausschlieBlich aus eigner Arbeit gewinnt. Dieser Ansatz
ausschließlich
dent, und zwar erstmalig in der griechischen Antike erge- iiberein mit der Marxschen Definition in der
stimmt überein
origin are Ausprä-
ben haben, wie die nur hier geschehne originäre Auspra- [Landshut/Mayer D, wo-
Ideologie" (5. I I [Landshut/Mayer]),
»Deutschen Ideologie«
Miinzform ankündigt.
gung des Geldes in Münzform ankiindigt. Der Ausbil- nach die Menschen selbst anfangen, »sich von den Tieren
dung des Warentauschs in dieser ausgereiften Form ist zu unterscheiden, sobald sie anfangen, ihre Lebensmittel
ungefahr Ausbeutung in der altorientali-
aber nicht von ungefähr zu produzieren«. Der Arbeit dürfen diirfen in einem ausbeu-
Auspragung Ägyptens,
schen Ausprägung Agyptens, Mesopotamiens und ihrer tungsfreien Gemeinwesen, von den Kranken abgesehen,
Auslaufer geschichtlich vorausgegangen. Für
Ausläufer Fiir unsre Un- arbeitsunfahigen Altersgrade enthoben sein, so
nur die arbeitsunfähigen
tersuchung der Entstehungsbedingungen der rationalen daB die Gruppe ein Ganzes insofern bildet, als nicht im
daß
Reflexion interessiert uns allein die Entwicklung, aus de- aktuellen Moment, wohl aber durch die Folge der Gene-
genu in der Kapitalismus erwachsen ist, des-
ren Stamm genuin rationen hindurch die Konsumtion für fiir jedes Individuum
halb nur die okzidentale Entwicklung. So großgroB der Vor- an eigne Produktion gebunden ist. Dabei fallen im Aus-
tei] wäre,
teil ware, wenn die Entstehungsgründe
Entstehungsgrunde der Ausbeutung maB der bestehenden Arbeitsteilung Produktion und
maß
im allgemeinen, also auch innerhalb der primitiven Wirt- Konsumtion für fur das Individuum sachlich auseinander- es

50 51
verzehrt auch von den Arbeitsprodukten der an andern,
dem, die vcrmittelt; aber sie ist die Verknüpfung
duum erst vermittelt; Verkniipfung der
andern auch von seinen -, nicht jedoch menschlich, weil Produktion und der Konsumtion seiner Lebensmittel in
vermoge der die Generationen
die Individuen hier nur vermöge seiner physischen Person. - Sind Produktion und Kon-
Identitat der konsumtiven mit der produk-
verkettenden Identität Identitat des Produ-
sumtion, wie hier, in der physischen Identität
tiven Gesamtheit Aller materiell existieren, nur nach verkniipft, so ist ihr Zusam-
zenten und des Konsumenten verknüpft,
MaBgabe dieser Identität
Maßgabe Identitat existenzfähige
existenzfahige Lebewesen sind. menhang ein unmittelbar praktischer; sie sind als ver-
Man sieht, daßdaB der Begriff der »eignen Arbeit« und die schiedene leiblich-sinnliche Lebensbetätigungen
Lebensbetatigungen dersel-
Identitat der Menschen in einem naturwüch-
individuelle Identität naturwuch- ben Menschen verbunden. Auf Grund dieser Verbunden-
sigen
si gen Gemeinwesen, wenn dieses ausbeutungsfrei sein heit haben fürfiir die Menschen ihre Produktion und ihre
soil, sich ins Kollektivistische und Genealogische auflöst,
soll, auflost, MaBverhaltnis zueinander,
Konsumtion wechselseitig ein Maßverhältnis
generationsmaBigen
und dies nur nach dem Leitfaden der generationsmäßigen fur jedes Individuum in den Regeln der Ver-
welches sich für
und der materiellen Lebensbedingtheit eines solchen Ge- tcilung der Arbeit und des Verzehrs unter die Stammes-
teilung
meinwesens und jedes Individuums in ihm. - Der für fur uns glieder realisiert.
naturwuchsigen Konsti-
entscheidende Grundzug dieser naturwüchsigen Danach erweist sich nun die »gesellschaftliche Trennung
daB der für
tution ist, daß fur die Menschen in allen Gesell- von Produktion und Konsumtion«, die wir der Waren-
schaftsformationen lebensnotwendige Zusammenhang aquivalenz und der Verdinglichung zugrundeliegen fan-
äquivalenz
Verknupfung
von Konsumtion und Produktion hier seine Verknüpfung de.n, in ihrem richtigen Lichte. Sie beruht auf der Zerstö-
Zcrsto-
Identitat der verzehrenden und der arbeitenden,
in der Identität naturwuchsigen Identität
rung der naturwüchsigen Identitat der Produzenten und
arbeitenden und verzehrenden Individuen hat. Nur kann Konsumenten, und die Verdinglichung erklärt erklart sich dar-
dabei von den Individuen nicht in isolierter Betrachtung, daB der lebensnotwendige Zusammenhang von Pro-
aus, daß
sondern nur als Gliedern der verwandtschaftlichen Grup- duktion und Konsumtion, wenn er nicht mehr in der
tatsachlichen oder vermeintlichen Geburtszu-
pe ihres tatsächlichen Identitat derselben Menschen verknüpft
Identität verknupft ist, seine Ver-
sammenhangs die Rede sein. Weiter besteht in der Pro- knupfung
knüpfung in der Identitat
Identität derselben Dinge finden muß,muB,
duktion der Lebensmittel für fur Alle zwischen den Erwach- Zerstorung aber
m. a. W. in der Ware. Die Ursache jener Zerstörung
Arbeitsfahigen eine gewisse Arbeitsteilung.
senen und Arbeitsfähigen ist die Ausbeutung.
Aber durch die Folge der Generationen hindurch und un- muB hier zwischen Ausbeutung und Ausbeutung
Jedoch muß
ter Einberechnung der arbeitsteiligen Gliederungen sind unterschieden werden. Unsere Konstruktion des ausbeu-
gleichwohl die produzierenden Menschen dieselbendiesel ben wie Gemeinwcsens lenkt den Gedanken zunächst
tungsfreien Gemeinwesens zunachst
die konsumierenden, die konsumierenden dieselben wie auf eine Herausbildung von Ausbeutung im Innern des-
GemaB dieser Identität
die produzierenden. Gemäß Identitat ist das Ge- selben, als Produkt seiner »Zersetzung«, mag diese nun,
meinwesen ein Ganzes, in ihr hat es das Gesetz seiner Le- Hoherentwicklung der Produktivkräfte,
im Zuge der Höherentwicklung Produktivkrafte,
bensfahigkeit und seiner Organisation. Diese Identität
bensfähigkeit Identitiit zu auBeren Tauschverkehr oder durch gewaltsamere
durch äußeren
muB, solange nicht Ausbeutung im Ge-
verwirklichen, muß, Beruhrung mit andren Stämmen
Berührung Stammen hervorgerufen worden
5011, der einzige Sinn der Regeln
meinwesen Platz greifen soll, sein. Auch mit der Entstehung solcher inneren Ausbeu-
Arbeitsfahigen ver-
sein, nach denen die Arbeit unter die Arbeitsfähigen tungsverhaltnisse im Schoße
tungsverhältnisse Scho{;e naturwüchsiger
naturwtichsiger Gemein-
Gcmein-
tcilt wird und nach denen wiederum die arbeitsteilig ge-
teilt gc- notwcndigerweise
wesen ist notwendigerweise eine Verdinglichung des Zu-
wonnenen Einzelprodukte unter samtliche Einzclkonsu-
sämtliche Einzelkonsu- sammenhangs von Produktion und Konsumtion und daher
individucllc Identität
menten verteilt werden. Ihre individuelle Identitat haben auch des Zusammenhangs von produzierenden und kon-
die Menschen hier nicht für fur sich, sondern im Stammes- verknupft. Unserer Auffassung
sumierenden Menschen verknüpft.
ganzen, weil dessen Ordnung jedem einzelnen seine nach ist dies jedoch nicht die Art von Verdinglichung, die
Identitat als produzierendes und konsumierendes Indivi-
Identität in ihrer Fortbildung zu dem Waren- und GeldverkehrGeldverkchr

52 53
die individuelle Einzelproduktion hin aufgelost
aufgelöst hatte,
hätte,
weiterfuhrt,
weiterführt, wie er uns in der Antike entgegentritt und zu-
wahrend
während im Wege der auGeren äußeren Genesis der unterjochte
mündet. Zu ihr gehoren
letzt in den Kapitalismus mundet. gehören auch
Teil vorerst und noch auf lange hinaus als Kollektivum
nicht die rationalen BewuGtseinsformen,
Bewußtseinsformen, die fur
für den Okzi- (unerachtet der unvermeidlichen Modifikationen seines
dent .charakteristisch
charakteristisch sind. Die okzidentale Entwicklung
Zusammenhalts) ausgebeutet wird. Die Auflosung Auflösung der
hat ein
em Ausbeutungsverhaltnis
Ausbeutungsverhältnis andrer Art zur Wurzel. Kollektivität, das Auseinanderbrechen der Produktion in
Kollektivitat,
Nach vielen archaologischen
archäologischen Anzeichen zu schlieBen
schließen sind ihre Elemente - Boden, Arbeitsmittel und Arbeitskrafte-
Arbeitskräfte-
die langlebigen Ausbeutungsreiche im Niltals und in der und die Verwandlung dieser Elemente in Ware geht hier
mesopotamischen Ebene in der Weise entstanden, daG daß wesentlich andere Prozesse durch als in einer endogen
Völkerstämme aus dem inneren Asien, vielleicht durch
Volkerstamme
gedachten Entwicklungslinie. Nur urn um die Auffindung
klima tische Anderungen
Änderungen aus ihren W ohnsi tzen vertrie- der korrekten methodologischen Annahmen, die ge-
ben, wandernd in jene Stromgebiete eingebrochen sind, macht werden mussen,
müssen, urn
um die begriffliche Bewaltigung
Bewältigung
die hier ansassigen Völkerschaften unterworfen und, sich
ansässigen Volkerschaften der tatsachlich
tatsächlich okzidentalen Entwicklung zu ermogli-ermögli-
auf ihrem Rucken
Rücken installierend, von der Aneignung des chen, ist es uns in dieser ganzen Erorterung
Erörterung zu tun.
DberschuBprodukts
überschußprodukts dieser Volker
Völker zu leben begonnen ha- Durch die angenommene inter-ethnische Ausbeutung,
ben. Die am Anfang der okzidentalen Entwicklung ste- demnach, wird der lebensnotwendige Zusammenhang
hende Ausbeutung ware wäre demzufolge inter-ethnische Aus- von Konsumtion und Produktion zu einem Zusammen-
beutung in klassischer Form gewesen, Ausbeutung zwi- hang der nur-konsumierenden Ausbeuter mit den pro
schen verschiedenen Gemeinwesen als solchen. Mochte tanto nur-produzierenden Ausgebeuteten. Der Zusam-
~ich immer vor ihrem Aufeinandertreffen Ausbeutung in
sich menhang von Konsumtion und Produktion wird dadurch
ihrem
Ihrem Innern entwickelt haben, was jedenfalls fur für den er- zum Gesetz einer vollig
völlig neuartigen Verkettung der Men-
obernden Stamm angenommen werden muB, muß, so hatten schen miteinander, die im kontraren
konträren Gegens!ltz steht zu
sie als Ganze doch bis dahin, gleichgultig
gleichgültig mit welcher in- der Art des menschlichen Zusammenhangs im natur-
ternen Verteilung, ihren Lebensbedarf selbst erzeugt und wuchsigen
wüchsigen Gemeinwesen, namlichnämlich ihre U rsache in der
Ursache
ihr Erzeugnis selbst verzehrt. Das direkte Herrschafts- Zerspaltung der menschlichen Identitat
Identität in klassenmaBige
klassenmäßige
und Knechtschaftsverhaltnis,
Knechtschaftsverhältnis, das aus ihrem Zusammen-
Geschiedenheit von Produzentenschaft und Konsumen-
treffen hervorging, hat zum Inhalt, daG daß der herrschende
tenschaft. Wir behaupten, daG daß diese klassenmaBige
klassenmäßige Ver-
Teil seine Lebensmittel zu produzieren aufhorte,
aufhörte, somit
kettung der Menschen durch diese Art der Ausbeutung
konsumierte ohne zu produzieren, und der beherrschte
die Anfangsform derjenigen Vergesellschaftung ist, die
Ausmaß von seinen Produkten die Kon-
Teil im gleichen AusmaG
durch fortschreitende Differenzierung und Vertiefung, in
sumtion verlor. DaGDaß diese Mehrproduktion der Ausge-
immer erneuter dialektischer Durchdringung ihrer Vor-
beuteten nur durch eine betrachtliche
beträchtliche Steigerung der
aussetzungen von der altorientalischen uber über die antike
Produktivitat
Produktivität ihrer Arbeit moglich
möglich war und die Dauer-
Welt bis zu ihrer vollen Auskonkretisierung im europa- europä-
haftigkeit dieser Ausbeutungsreiche vor allem auf der
is chen Kapitalismus die okzidentale Zivilisation be-
ischen
von den Ausbeutern ausgebauten und beherrschten
stimmt und gepragt
geprägt hat. Diese Zivilisation ist nicht konti-
Stromkanalisierung beruht hat, bedarf kaum der aus-
nuierlich aus dem Stamm des naturwuchsigen
naturwüchsigen Zusam-
drucklichen
drücklichen Hervorhebung. menhangs der Menschen, sondern aus einem eindeutigen
Der wesentliche Unterschied zwischen jener Ausbeutung
und gewaltsamen, Bruch mit dessen Konstitution erwach-
aus innerer und dieser aus auBerer
äußerer Genesis, der Gesichts-
sen. Verfolgt man die heutige burgerliche
bürgerliche Individualform
punkt fur
für ihre Unterscheidung, ist, daG
daß auf dem inneren
des Menschen in ihrer Deszendenz auf ihre letzte Wurzel
Wege die Kollektivitat
Kollektivität des naturwuchsigen
naturwüchsigen Gemeinwe-
zuruck,
zurück, so fuhrt
führt die Linie nicht etwa auf das individuelle
sens sich dialektisch in kontinuierlicher Entwicklung auf

54 55
Einzelglied des naturwuchsigen
naturwüchsigen Gemeinwesens, sondern Iprung in der Ausbeutung, nicht im Tausch an und fur
.prung für
viel eher auf den herrschenden Teil des ursprunglichen
ursprünglichen lich.
lieh. Der Doppelcharakter der Arbeit als gebrauchswert-
okzidentalen Ausbeutungsverhaltnisses
Ausbeutungsverhältnisses zuruck.
zurück. Ichaffender und als wertbildender Arbeit fallt
,chaffender fällt zusammen
Die Praxis dieser Ausbeutung aber ist die direkte, einsei- mit der zweifachen Bedeutung, die die Arbeit im Ausbeu-
tige Aneignung des Mehrprodukts. Tauschverkehr hat tungsverhaltnis,
tungsverhältnis, die Arbeit der Ausgebeuteten hat, ein-
fur
für den Anfang und die Grundung
Gründung dieser Reiche der Al- mal Subsistenzmittel (Nahrung, Wohnung, Kleidung) fur für
mutma~lich [?
ten Welt so wenig eine Rolle gespielt wie mutmaßlich sich und andre zu erzeugen, gleichzeitig aber zweitens
- SR, 1970] fur
für ihre Entstehung. Wohl aber ist alsdann, Reichtum fur
für die Ausbeuter hervorzubringen, Reichtum
nach einer fortgeschrittenen Ausbildung ihrer Ordnung in dem rein gesellschaftlichen Begriff, worin er den
und der Entstehung vielartiger Luxusgewerbe auf seiten Reichtum der einen im Spiegel der Armut der andren be-
der Herrscherschicht, auf dem festgehaltenen und uner- deutet.
schutterten
schütterten Boden des primaren
primären und direkten Ausbeu- Die Entstehung des Warentauschs als Frucht primarer pnmarer
tungsverhaltnisses
tungsverhältnisses ein Tauschverkehr entstanden; und Ausbeutungsverhaltnisse
Ausbeutungsverhältnisse (»primar«
(»primär« namlich
nämlich relativ zum
zwar ein Tauschverkehr zum Behufe der Bedurfnisse
Bedürfnisse der Tausch) besagt nicht, daJ)
daß der Tausch auf dieser Stufe be-
Herrscher, aber mit Teilen des angeeigneten Mehrpro- schränkt geblieben sein mu~
schrankt muß auf den auJ)enwirtschaftli-
außenwirtschaftli-
dukts der Ausgebeuteten. Das ist ein Tauschverkehr, der chen Staatshandel. Auch im Innern etwa des agyptischen
ägyptischen
das primare
primäre Ausbeutungsverhaltnis
Ausbeutungsverhältnis zur Grundlage hat, Reichs entwickeIt
entwickelt sich ein Tauschverkehr, nicht blog
bloß sei-
aus ihm erst erwachsen ist und dessen Objekte von ganz tens der eigenmachtig
> eigenmächtig gewordnen pharaonischen Ober-
andrer Konstellation sind als etwa die Gegenstande
Gegenstände eines beamten, sondern sogar auf der Seite der ausgebeuteten
primitiven Tauschhandels, den ihre eignen Produzenten Produzenten sclbst.
selbst. Es ist dies aber anfanglich,
anfänglich, ahnlich
ähnlich
mit ihnen betreiben. Der pharaonische Handel wird von wohl wie unter den Horigen
Hörigen im Mittelalter, nur ein Han-
Ausbeutern betrieben mit angeeigneten Erzeugnissen der del mit ablieferungspflichtigen Eigenprodukten - zur
von ihnen ausgebeuteten Produzenten, Uberschuger-
Uberschußer- Ausgleichung gewisser, mit der Zeit entstandener Un-
zeugnissen, die zur Erwerbung und »Bezahlung« von Lu- stimmigkeiten im System der Arbeitsteilung gegenubergegenüber
xusbedurfnissen
xusbedürfnissen der Ausbeuter »verausgabt« werden, der Ablieferungsordnung -, daher gleichfalls ein Tausch-
und die zu diesem Zweck eingesammelt und gezahlt,gezählt, in verkehr mit Produkten von Wertcharakter, aber von sol-
V orra tskammern gespeichert und verbuch
verbuchtt worden sind. chern
chem aus Ruckstrahlung
Rückstrahlung yomvom vorgeordneten Ausbeu-
Von diesen Tauschobjekten stimmt es, dag daß sie »Werte« tungsverhaltnis.
tungsverhältnis. Auch hier also entspringt der Wertcha-
da~ sie als »Waren« gehandelt werden unterm
sind und daß rakter nicht autonom aus dem Tausch, sondern ist umge-
Gesichtspunkt des Gegenwerts an ),Aquivalenten«.
),Äquivalenten«. Auf kehrt der Tausch als aquivalenter
äquivalenter selbst nur auf Grund
diesen Handel- Staatshandel im AuJ)enverkehr
Außenverkehr mit and- des vorgangigen
vorgängigen Ausbeutungsverhaltnisses
Ausbeutungsverhältnisses und gemaJ)gemäß
ren politischen Gebilden - trifft der Begriff des »Waren~ seinen ubergeordneten möglich. Fur
übergeordneten Bedingungen moglich. Für die
tauschs« im hier gebrauchten Sinne zu. Waren, in diesem Verallgemeinerung des Wertcharakters der Produkte
Verstand, sind somit immer Produkte ausgebeuteter Pro- spielt indes vor allem das wachsende AusmaJ)
Ausmaß eine Rolle,
duzenten! Die »Zwieschlachtigkeit
»Zwieschlächtigkeit der Ware als Ge- in dem die Ausgebeuteten fur für ihren eignen Lebensunter-
brauchswert und Wert<"
Wert«, die »Nichtgebrauchswert fur für halt von den Steuerspeichern des Pharao abhangig
abhängig wer-
ihren Besitzer, Gebrauchswert furfür ihren Nichtbesitzer« den und ihre Subsistenzmittel aus diesen durch Abliefe-
ist, und damit zugleich der »Doppelcharakter der in den rung zuzuglichen
zuzügJichen Produkts oder auf »Kredit« zurucker-
zurücker-
Waren dargestellten Arbeit«, den Marx den »Spring- werben mussen.
müssen. Hiermit hart
hört die Arbeit auf, sich in der
punkt« nennt, »um den sich das Verstandnis
Verständnis der politi- Zeit und in der Art deutlich in Arbeit fur für die Ausbeuter
schen Okonomie
ökonomie dreht«, haben demgemaJ)
demgemäß ihren Ur- und Arbeit fur
für sich selbst zu scheiden; augerdem
außerdem kommt

56 57
ihr Produkt in Partikeln des Gesamtprodukts der Arbeit IUmieren. In der griechischen Reichtumsbildung, vor al-
Teilverkörperung der allgemeinen Ar-
aller, als einzelne Teilverkarperung l.m
lem der gewerblichen, bedeutet die durch Raub, Tausch
beit zu den Produzenten zuruck.
zurück. Auch die» Wertabstrak- oder in tributaren
tributären Formen stattfindende Ausbeutung von
tion« der Produkte, die Verwandlung der konkreten fremden, »barbarischen« Produktionsordnungen nur
nutzlichen
nützlichen Arbeit in allgemeine wertschaffende Arbeit, eine vorgeschaltete Stufe - erst in spaterer
späterer Zeit wird sie
vollzieht sich in ihrer primaren
primären Form auf dem Boden des zur vitalen Bedingung fur für die Existenz der Polis -, auf
Ausbeutungsverhältnisses und in seinem Rah-
direkten Ausbeutungsverhaltnisses der die Produkte, menschliche Naturerzeugnisse quasi,
men. Mit der fortschreitenden Wertverallgemeinerung, gewonnen werden, aus denen dann bei den Griechen
gcwonnen
die in Wechselwirkung zur Entwicklung der Produktiv- selbst in der Polis von griechischen Handwerkern, spaterspäter
krafte
kräfte steht, breiten sich zwischen Spitze und Basis des von Sklaven, der Reichtum erst erzeugt wird. An diesen
Reichs Sekundarverhaltnisse
Sekundärverhältnisse von Ausbeutung aus, mit Erzeugnissen ist der Reichtumswert in ihrer gebrauchs-
entsprechender Spezialisierung der Produktion und ihrer ih~er werten Gestalt und die Ausbeutung zur Technik ihrer
Technik und mit regelmaGigem
regelmäßigem Marktverkehr. Alles dies Herstellung verdinglicht, in der die Sklaven nur ein
hat bereits Warencharakter und geht aus mit der Zer- Werkzeug neben andren sind. Diese nach den Regeln der
Produkt.~on~­
legung des Kollektivs der unterworfenen Produktions- Reichtumsbildung hergestellten Produkte sind innerhalb
ordnung in die Einzelelemente, die der Verselbstandi-
Verselbstandl- der griechischen Welt von vornherein tauschfahige
tauschfähige Wa-
Verdi~gli~hung und .der
gung, daher der gesonderten Verdinglichung ren, sie stehen zu andren eben so erzeugten Produkten im
ebenso
dinglichen Vereinigung in den Kombinationen techms~h
KombmatlOnen technisch Verhaltnis
Verhältnis der Wertvergleichung. Nur durch diese bereits
haherer
höherer Reichtumsproduktion fahig fähig sind. Aber auch dies reflektierte Art der Ausbeutung, die er zur Grundlage
Bode~ der Primaraus-
spielt sich noch insgesamt auf dem Boden Primära~s­ und zum praktischen Inhalt hat, vermag der antike Wa-
beutung ab und gemaG unentbehrlichenn :,"orbedm-
gemäß ihrer unentbehrliche Vorbedin- rentausch zur Ausbildung der reinen Aquivalentform,
Äquivalentform, d. i.
gung und fuhrt
führt nicht zur selbstandigen
selbständigen Formausbildung
FormausbIldung des des Geldes, zu fuhren,
führen, die deshalb von Grund auf Aqui-Äqui-
Wertcharakters des Reichtums. Die Emanzipation des valentform von Produkten ausgebeuteter Arbeiter ist.
Warentauschs aus der direkten Ausbeutung und die Aus- Zugleich vollendet sich in der Geldform des Wertes die
bildung der Wertform im Geld geschieht erst in der Anti- Verdinglichung und Verdeckung der Voraussetzung des
ke. überhaupt, der Ausbeutung. 1m
Wertcharakters uberhaupt, Im Aquiva-
Äquiva-
Die antike Zivilisation ist erwachsen aus der Assimilation lenzverhältnis der Waren zum Geld erscheint der Wert
lenzverhaltnis
der Endresultate der Alten Welt durch die in ihre Rand- nur als eine den Waren als solchen fur für die Menschen all-
gebiete eingewanderten Griechen bzw. Phanizier
Phönizier bzw. gemein zugeharige
zugehörige Eigenschaft, in deren Realisierung die
Etrusker etc. Das Ergebnis dieser Aneignung, die somit Menschen sich rein als Menschen, in ihrer von allem »Na-
von vornherein Aneignung von Reichtum und von For- turlichen«
türlichen« abgehobenen Wesenheit betatigen. betätigen. Erst
men und Techniken der Reichtumserzeugung war, ist ein gleichzeitig mit der vollstandigen Verschlie~ung und Ab-
vollständigen Verschließung
neuartiges System der Ausbeutung und der Reichtumser- bien dung des wirklichen Sachverhalts kommt hier die in
blendung
zeugung, das das System der Alten Welt aJs als Vorausset- der Tat bloG
bloß menschliche Urheberschaft an der Ausbeu-
zung in sich aufgehoben hat. Die antike Reichtumsbil- tung auf den Menschen zuruck,
zurück, in der Form seiner rein
dung steht also auf den Schultern der Alten, oder genauer abstrakten, »geistigen« oder gedanklichen Wesenheit als
gesagt, sie ist im dialektischen Sinne die Reflexionsform Mensch, in der er zugleich mit der Stofflichkeit seines
der Reichtumsproduktion der Alten Welt. Die Griechen eignen Leibes zerfallen ist. (Wir werden diese Dialektik
haben nicht fremde Produktionsordnungen kollektiv un- der mi t dem Gelde verbundenen rein theoretischen Er-
terworfen und ihre Arbeitsweise reorganisiert, urn um das kenntnis, der ratio, und ihrer Frage nach der Wahrheit im
Uberschu~produkt
überschußprodukt in seiner so gegebenen Form zu kon- nachsten
nächsten Abschnitt genauer betrachten.) - Auch fur für die

58 59
antike Warenproduktion liegt somit auf der Hand, daß da~ ches Privateigentum am Produkt seiner Arbeit, also die
der Warentausch die Ausbeutung zur Grundlage hat und Freiheit, es auf eigene Rechnung zu verwerten, ist Resul-
Ausbeutung von Produkten ausgebeuteter Arbeiter zwi- tat der Emanzipation des ausgebeuteten Produzenten aus
schen deren Ausbeutern ist. der Grundherrschaft, das AuHosungsresultat
AuHösungsresultat dieses na-
Die Form der Warenwirtschaft jedoch, die diesen Tatbe- tu ralwirtschaftlichen Ausbeu tungssystems. [In diesem
stand am meisten verdunkelt hat und deren zureichende Auflosungsresultat
Auflösungsresultat wird der Grund zu einer Alternative,
Erklarung
Erklärung in der Tat besondere Schwierigkeiten verur- also zur positiven Ablosung
Ablösung dieses Systems gelegt. Der
sacht, ist die Warenwirtschaft der mittelalterlichen Stadt, arbeitende Produzent wird erstmalig in der Geschichte
an die unter dem Titel der »einfachen Warenproduktion« !.urn
zum Mitglied der »menschlichen« Gesellschaft, d. h. der
vorzugsweise gedacht wird. Bei ihr besteht kein Zweifel, Aneignungsgesellschaft (die Freilassung der Sklaven im
da~ die Produkte von ihren eignen Produzenten und
daß Romerreich demgegenüber blo~
Römerreich war demgegenuber bloß negatives Auflo-
Auflö-
gleichwohl geldwirtschaftlich, also als Werte ausge- sungsresultat des letzteren und enthielt keine Alternative
tauscht werden. Der Schein liegt also nahe, daIS daß der zu ihm; die Vermenschlichung der Arbeit war hier nur
Wertcharakter dieser Produkte, da er keine Natureigen- ein schaler Vorgeschmack, eine Versprechung, wie im
schaft des Arbeitsproduktes, primar
primär aus dem Tausch Christentum, auf ein blo~esbloßes Jenseits).] Das burgerliche
bürgerliche
stammen musse.
müsse. Aber diese mittelalterliche Warenpro- Privateigentum ist als6 alsö seinem Ursprung nach Produ-
duktion ist bei all ihrer scheinbaren »Einfachhei t« ta t-
»Einfachheit« zenteneigentum, nicht Ausbeutereigentum. Aber daß da~ der
sachlich
sächlich ein spates, weitläufig vermitteltes Resultat der
spätes, weitlaufig Produzent hier Eigentumer,
Eigentümer, und zwar Eigentiimer
Eigentümer in der
okzidentalen Entwicklung der Ausbeutung und hat diese individuellen, selbstandigen
selbständigen Form des Priva teigentiimers
Privateigentümers
in einer Form zugrundeliegen, die ebenso die dialektische wird, liegt an der ldentifikation
Identifikation von Produktion mit
Reflexionsform der antiken Ausbeutungsweise ist, wie Reichtumserzeugung. Der mittelalterliche Handwerker
diese bereits die Reflexionsform des Ausbeutungssystems produziert sein Produkt als Wert, Verkaufswert, und so-
der Alten Welt war. Diese genetische Verkettung der fern es Wert, ist er sein Eigentumer.
Eigentümer. In seiner Produktion
Produktionsverhaltnisse
Produktionsverhältnisse der Alten Reiche, der Antike schaHt
schafft die Arbeit Wert, weil das feudale Ausbeutungs-
und des europaischen
europäischen Mittelalters ist der Grund, warum verhaltnis
verhältnis in ihr aufgehoben und dergestalt selbst Pro-
wir fur
für die Erklarung
Erklärung des Kapitalismus (und furfür dessen duktionsordnung geworden ist. [Der mittelalterliche
okonomische
ökonomische Analyse) bis auf die Ausbeutung in ihrer Produzent und Stadtburger
Stadtbürger hat die Freiheit erworben,
okzidentalen Anfangsform zuruckgreifen
zurückgreifen zu mussen
müssen sich selber auszubeuten.] Er bildet seine Arbeitskraft zur
glauben. Meisterschaft aus, weil sicsie ihm als Vermogen
Vermögen zur Werter-
Die Reflexion der Ausbeutung, die der antiken Reich- zeugung dient, und macht so die Ausbeutung zur Basis
tumsbildung zugrundeliegt, unterscheidet sich dadurch seiner Selbstandigkeit
Selbständigkeit wie der Lutheraner nach Marx die
von der Reflexion, auf der die europaische
europäische Entwicklung romische
römische Klerisei zu seinem »inneren Pfaffen«.pfaHen«. [Tat-
da~ jene die Reflexion der Ausbeutung von der
beruht, daß sachlich
sächlich besitzt die Stadt ihre Freiheit auch anfangs nur
Seite der Ausbeuter, diese hingegen ihre Reflexion von als fiirstliches
fürstliches Privileg und hat als Korporation ihrer Bur-Bür-
der Seite der Ausgebeuteten ist. Der mittelalterliche Wa- ger dem Fiirsten
Fürsten die Feudalabgaben zu entrichten, zu de-
renproduzent ist der fruhere
frühere Horige
Hörige und Leibeigene des nen fruher
früher die einzelnen Horigen
Hörigen ihrem Grundherrn in
Grundherrn [und kommt nur durch die Abstreifung sei- natura verpflichtet waren.] Die Emanzipationstendenz
ner feudalen Fesseln zur Warenproduktionl l l . Seine bur-
bür- der Stadte
Städte gegeni.iber
gegenüber den Fursten
Fürsten beginnt erst mit dem
gerliche Freiheit, oder genauer gesprochen, sein burgerli-
bürgerli- Obergang
übergang zu friihkapitalistischen
frühkapitalistischen Ausbeutungsformen,
Ausbeutungsformen also, in den en der bi.irgerliche
denen bürgerliche
I I Zu diesen und den folgenden [ J vgl. Anmcrkung
Anmerkung J 2. Es handel t sich
um Erganzung
Ergänzung des Manuskripts imJahre 1970. Selbstausbeuter sich zum Ausbeuter anderer fortentwik-
fürtentwik-

60 6r
61
kelt. [Der Weg geht yom
vom Ausgebeuteten des naturalwirt- und ihrer Dinglichkeit wird zugleich ihr Gegenteil, die
schaftlichen Feudalismus iiber
über den Selbstausbeuter in der materielle Praxis, vermenschlicht, mit der Vollendung
»einfachen« Warenproduktion der friihen frühen Stadtwirt- der theoretischen Subjektivitat
Subjektivität auf der Ausbeuterseite die
schaft zum Ausbeuter fremder Arbeitskrafte
Arbeitskräfte im begin- ausgebeutete Klasse zum praktischen Subjekt. [D. h. die
nenden Friihkapitalismus.]
Frühkapitalismus.] In dieser Verwandlung des Entwicklung der Kapitalistenklasse und die Entwicklung
Ausgebeuteten in den Ausbeuter vollzieht sich die fiir
für den des Proletariats sind dialektisch, nicht bloB
bloß pragmatisch
Kapitalismus entscheidende Umkehrung des Bedingt- verkniipft.
verknüpft. ]
heitsverhältnisses zwischen Warentausch und Ausbeu-
heitsverhaltnisses
tung. Wahrend
Während in allen friiheren
früheren Formen der Warenpro-
duktion der Warentausch Warentausch auf der Grundla- 6. Die Ausbeutung als Ursprung der Verdinglichung
ge und nach den Gesetzen der Ausbeutung war, entsteht
von dieser Umdrehung aus eine Ausbeutung auf der Der Warentausch ist Reflexionsform der Ausbeutung.
Grundlage und nach den Gesetzen des Waren tauschs. Welches in seiner jeweiligen geschichtlichen Formbe-
Die hieraus hervorgehende, "ökonomisch«
»okonomisch« bedingte Aus- stimmtheit 13 sein wirklicher Inhalt ist, hangt
hängt von den
beutung ist nicht mehr nur in der Formbestimmtheit der Ausbeutungsverhaltnissen
Ausbeutungsverhältnissen ab, die ihm zugrundeliegen
Ware verdeckt, sie geschieht auch nur noch in den For- oder die er in sich aufgehoben enthalt
enthält oder die er seiner-
men des Warentauschs [und ist also das einzigartige Pha-
Phä- seits bewirkt. Nicht yom
vom Warentausch, sondern von der
nomen einer Ausbeutung nach den Paritatsgesetzen
Paritätsgesetzen der 'Ausbeutung ist deshalb auszugehen. - FiirFür das Folgende
NichtausbeutungJ. Die von Marx gefundene Erklarung
Erklärung miissen
müssen wir uns mehr noch als bisher auf thesenhafte Ab-
dieses Phanomens
Phänomens ist, daB
daß sich nach den Gesetzen des kiirzung
kürzung beschranken.
beschränken.
entfalteten biirgerlichen
bürgerlichen Privateigentums das Verhaltnis
Verhältnis Der geschichtliche Ursprung der Verdinglichung ist die
zwischen Ausbeuter und Produzent selbst in ein Tausch- Ausbeutung. Nicht als Ware, sondern als Objekt direkter,
verhältnis verwandelt, in den Kauf und Verkauf der
verhaltnis einseitiger Aneignung ist das Arbeitsprodukt originar
originär
Ware Arbeitskraft. [Der Austauschzusammenhang der Ding. Die geschichtlich ersten identisch existierenden
Gesellschaft vollendet sich als vollendete Trennung von Dinge sind - das Beispiel grundsatzlich
grundsätzlich verstanden - die
Eigentum und Arbeit.] Der Austauschzusammenhang er- in den Steuerspeichern der Pharaonen lagernden Pro-
faBt
faßt die gesamte Gesellschaft und macht sie zu einem ein- dukte der agyptischen
ägyptischen Untertanen gewesen. Die dingli-
zigen Aneignungssystem. Darin wird der ausgebeutete che Identitat
Identität des Aneignungsobjekts im Ausbeutungsver-
Verkäufer seiner eignen Arbeitskraft nach
Arbeiter, als Verkaufer haltnis
hältnis besagt nichts andres, als daB
daß das angeeignete, von
?
den Regeln der Aneignung seiber
selber Mensch und die Arbeit
zur abstrakt menschlichen, nur iiberhaupt
überhaupt menschlichen zu undeutlich, um mit den Konsequenzen meines Ansatzpunktes kla-
rer herauszukommen.
t2 Mit der vollen Verwirklichung der Warenform
Arbeit. 12 '3 SR - '970: Es miiBte
müßte Ausdehnung heiBen.
heißen. Die Formbestimmtheit des
Warentauschs unveränderlich. Was sich andert
Waren tauschs ist streng genommen unveranderlich. ändert
,2 SR - '970: Dieser kryptische Satz, von Benjamin zu Recht mit einem ist der Grad, in dem er die Daseinszusammenhange
Daseinszusammenhänge der Menschen
Fragezeichen versehen, sollte durch die hier in eckigen Klammern durchdringt, z. B. ob er nur zur Vcrmannigfachung
Vermannigfachung der Konsumtion
oben eingefiigten
eingefügten Satze
Sätze verstandlicher
verständlicher geworden scin.
sein. Die Bedeutung beitragt
beiträgt und ob bloBer
bloßer Luxuskonsumtion oder auch Massenkonsum-
liegt darin, daB
daß ich das BewuBtsein
Bewußtsein des Menschseins im antithetischen tion oder ob er auch die Produktion selbst durchdringt und in
Sinne zur »Natur« auf die Aneignungspraxis innerhalb der Gesell- welchem MaBe.
Maße. Vom Grad seiner Ausdehnung in diesem Sinne hangthängt
schaft - nicht auf die Arbeit - zuriickfiihre.
zurückführe. Die Arbeit nimmt selbst die vcrschiedcne
verschiedene Gestalt ab, welchc
welche die an und fur
für sich unverander-
unveränder-
erst »menschlichen« Charakter an, wo sie in entwickcltcn
entwickelten Aneig- liche Formbestimmtheit des Austausehs
Austauschs annimmt, z. B. ob die Wert-
nungsverhaltnissen
nungsverhältnissen steht, also warenproduzierende und ausgebeutete form die Geldgestalt annimmt oder nieht,
nicht, ob Geld auch schon als
Arbeit ist. Diese weitragende Akzentverschiebung steht mit der Kapital fungiert und in welcher Weise, etc. Es ist diese Formgestalt
Reduktion der Universalisierung auf die Tauschabstraktion in des Warentanschs, was mit dem Ausdruck »Formbestimmtheit« im
untrennbarem Zusammenhang. - '937 waren mir diese Dinge noch obigen Satz gemeint ist.

62 63
den Ausgebeuteten hergestellte Produkt dasselbe ist wie der ausgebeutete Arbeiter als Sklave getauscht wird und
das von den Ausbeutern konsumierte Gebrauchsobjekt. als Ware in den Besitz seines Ausbeuters kommt, erfahrt
erfährt
Es wird als Ding durch die Aneignung identisch yom vom Pro- die Identitat
Identität eine Reflexion und erhalt
erhält eigne empirische
duzenten auf den Konsumenten ubertragen.
übertragen. Die Aneig- Verkorperung
Verkörperung als Mittel der Aneignung im Geld. Wir
nung ist der Produktion so fremd, dag daß sie nur von der werden im nachsten
nächsten Abschnitt zu beweisen haben, dag daß
Sorge beherrscht ist, dag
daß ihr das Ding nicht verdirbt oder die Identitat,
Identität, in der dann die Ausbeuter nicht nur die Ob-
verlorengeht. Die dingliche Identitiit
Identität des Aneignungsob- jekte ihrer Aneignung, sondern sich selbst als denkendes
jekts ist das genaue Gegenstück 14 zur Identitiit
gen aue Gegenstuck Identität der Indi- Subjekt reflektieren, das Geld ist, mit dem sie Sklaven
Dasisldoeh
Das ist doch viduen in einem naturwuchsigen
naturwüchsigen Gemeinwesen, die den kaufen und der Leib sich ihnen zum Ding entfremdet.
gerade niehl
nicht Inhalt hat, dag,
daß, vermittelt Verteilungso~dnung
vermittelt. durch die Verteilungsordnung Nicht etwa, dag daß sein verdinglichter Leib, von dem der
Identität!? II11
IdentiUitl?
von Arbeit und Verzehr im Im Stamm, das produzierende Sklaven ausbeutende Mensch sich als denkendes Subjekt
Individuum dasselbe wie das konsumierende ist. Die unterscheidet, der Sklave sei: seine dingliche Stofflichkeit
Verdinglichung ist die Wirkung der durch die Aus- ist gleich der des Goldes, das als Geld aquivalent
äquivalent fur
für
beutung geschehenden Zerspaltung der menschlichen Sklaven ist, wie die identifizierende Denkfunktion des
Identitat
Identität von Produzenten- und Konsumentenschaft. In Subjektes gleich der Aquivalenzfunktion
Äquivalenzfunktion des Goldes als
ihrer geschichtlichen Dialektik fuhrt
führt sie zuletzt zur Kon- Weil die Arbeit selbst sich im Sklaven verding-
Geld ist. Wei!
stituierung der arbeitenden Klasse zu dem Subjekt, das licht hat, mug
muß die Produktion als Dingzusammenhang
diese Zerspaltung aufzl.lheben
aufzuheben und die gesellschaftliche konstruiert werden, damit sie innerhalb dieses Aneig-
Einhcit
Einheit von Produzenten- und Konsumentenschaft auf nungssystems der Ausbeutung uberhauptüberhaupt stattfinden
dem modernen Stand der Produktivkrafte
Produktivkräfte planmagig
planmäßig kann.
herzustellen vermag. Die Aneignungsrelationen der Ausbeutung sind Relatio-
Die Identifizierung und Verdinglichung der Arbeitspro- nen der klassenmaBigen
klassenmäßigen Vergesellschaftung der ausbeu-
dukte wird vollzogen durch die Aneignungspraxis der tenden Konsumenten und der ausgebeuteten Produzen-
)I? Ausbeutung, wie [auf der gegenteiligen GrundlageJGrundlage] die ten miteinander. Denn die Aneignungsrelationen der
. individuelle Identitat
Identität naturwLichsigcr
naturwüchsiger Stammesglieder Ausbeutung sind nur Relationen der ldentitat,
Identität, weil sie
durch die Verteilungspraxis des Stamms. Was zur dauer- Relationen der dinglichen Verbindung der auf getrennte
haften Errichtung eines Ausbeutungsverhaltnisses
Ausbeutungsverhältnisses (im menschliche Pole auseinandergelegten Produktion und
U nterschied zum Raub) organisiert werden mug,
Unterschied muß, ist Konsumtion sind. Das bedeutet, daB daß die Relationen der
deshalb die Aneignung vermoge
vermöge standiger
ständiger Herrschaft Identitat
Identität aapriori
priori Relationen der gesellschaftlichen Ver-
der Ausbeuter uber
über die Ausgebeuteten. Die ratio der bindung der Ausbeutungsklassen nach dem Gesetz des le-
Ausbeutung und aller auf Ausbeutung beruhenden geselI-gesell- bensnotwendigen Zusammenhangs von Produktion und
schaftlichen Verflechtung und Lebcnsordnung
Lebensordnung ist ratio Konsumtion sind.
der Aneignung. Dieser im naturwuchsigen
naturwüchsigen Gemeinwesen praktische Zu-
Die Relationen der Identitat
Identität sind die Aneignungsrelatio- sammenhang wandelt sich durch die Ausbeutung in eine
nen der Ausbeutung. Sie wandeln sich mit den Ancig- Aneig- den Menschen gegenuber
gegenüber fremde, auBermenschlich
außermenschlich als
letztem. Wenn, auf spatcrcr
nungsmethoden der letztern. späterer Stu fe,
Stufe, »zweite Natur« Liberüber ihr Dasein waltende Kausalitat,
Kausalität, die
Kausalitat
Kausalität des Wertgesetzes. Wieviel Arbeit die von ihnen
I4 SR - [970: sallte
sollte heigen
heißen antithetische Gegenteil. Es kann wahl
wohl nur konsumierten Artikel zu ihrer Herstellung erfordern, hat
meine verfehlte Ausdrucksweise an dieser Stelle gewesen sein, was fur
für die Ausbeuter an ihrer Konsumtion kein MaB Maß mehr,
Benjamin zu seiner Randbemerkung veranlagt
veranlaßt hat; denn tatsachlich
tatsächlich
macht der Satz nur dieselbe Aussage, die schon S. 53 im zweiten
weil sie diese Konsumobjekte nicht durch Arbcit,
Arbeit, sondern
Absatz gemacht worden war. durch einen etablierten gesellschaftlichen Mechanismus

64 65
der Aneignung gewinnen. Ebenso hat aus dem umge- tiven Wertgleichung die Reflexionsform der Äquivalenz.
Aquivalenz.
kehrten Grunde für fur die Ausgebeuteten kein Maß MaB mehr, Die Äquivalenz
Aquivalenz setzt nach der hier vertretenen Auffas-
wieviel Konsumtion ihre Arbeit ihnen vermittelt. Die sung voraus, daß
daB jeder der Tauschenden
T auschenden seine Waren aus
Produktion kann hier gar nicht mehr nach MaßgabeMaBgabe der einem Ausbeutungsverhältnis
Ausbeutungsverhaltnis hat. Die Äquivalenz
Aquivalenz ist ein
Konsumtion, die Konsumtion nicht mehr nach Maßgabe MaBgabe Postulat, das Postulat der kreuzweisen Kongruenz der
MaBes treten
der Produktion geschehen. An die Stelle des Maßes produktiven und konsumtiven Wertgleichung beider
Geldverhaltnisse, also Aneignungsverhältnisse,
Geldverhältnisse, Aneignungsverhaltnisse, durch die Waren. Am Äquivalenzverhältnis
Aquivalenzverhaltnis zweier Waren sind vier
allein Produktion und Konsumtion auf blindwirkende menschliche Instanzen beteiligt, die beiden tauschenden
Grunden und zum Behu-
Weise noch vermittelt sind. Aus Gründen Ausbeuter
Ausheuter und die ausgebeuteten Produzenten eines je-
Kausalitat wächst
fe dieser Kausalität wachst den Arbeitsprodukten die den, und die Beziehungen der vier Instanzen stehen in
enigmatische Wertgeltung zu. Auf Grundlage der Aus- den beiden Waren übers
ubers Kreuz im Stellenverhältnis
Stellenverhaltnis von
konnen Produktion und Konsumtion, wenn
beutung können relativer Wertform und Äquivalenzform
Aquivalenzform zueinander.
uberhaupt, so nur noch nach der ratio der Aneignung or-
überhaupt, heiBt, die Äquivalenz
Das heißt, Aquivalenz der Waren im Tausch steht auf
ganisiert werden; und dies ist ihre Organisation unter dem Boden der Ausbeutung und schließtschlieBt diese als Vor-
dem Gesichtspunkt des Wertes und nach den Regeln der aussetzung in sich. Sie ist ihr Reflexionsausdruck.
Identitat, der Dingform und des Daseins.
Identität, Die Praxis der Aneignung (einseitige oder reziproke) ist
Der Kausalzusammenhang von Produktion und Konsum- nicht die Praxis der Produktion, sie ist ihr Gegenteil. In
erhalt durch die Identität
tion erhält Identitat des Vermittlungsgliedes, 'der Vergesellschaftung nach Gesetzen der Aneignung
des Aneignungsobjekts und Werts, die Form der Glei- kommt die in ihnen postulierte Gleichung von Produk-
chung. Die angeeignete Konsumtion muß muB im Ganzen tion und Konsumtion niemals zur Verwirklichung. Der
(d. h. im Rahmen der Gesamtgesellschaft) gleich der ge- Gegensatz ist auf dem Boden der Ausbeutung unaufheb-
leisteten Produktion sein, nicht weil Konsumtion und bar, weil ihn die Ausbeutung selbst erst erzeugt, und dies
Produktion an und fur für sich in einem solehen
solchen Verhaltnis
Verhältnis in jedem Augenblick und durch jede Aneignungsmetho-
der Gleichheit stehen und sich quantitativ bemessen, son- de, d. h. jede Gesellschaftsformation von Ausbeutung,
dern weil ihr konkretes MaBverhaltnis
Maßverhältnis zerrissen ist. Auch neuern. Es ist diese Dialektik des konstitutiven MiB-
von neuem. Miß-
besteht die Gleichung nieht
nicht zwischen Produktion und lingens der Vergesellschaftung der Ausbeutung, welche
Konsumtion direkt, sondern als Tauschrelation zum diese von einem System der Aneignung zum nachsten nächsten
Wert, an dem sie quantitative Bestimmtheit erhalten, forttreibt, weil diese Systeme sich selbst die Probleme er-
aber als abstrakte, beziehungslose Qualitat.
Qualität. Gegen die Lösung sie sich wandeln und so in im-
zeugen, zu deren Lasung
ausbeutenden Konsumenten wirkt sich die Gleichung da- mer erneuten Reflexionen auf ihre Voraussetzungen die
hin aus, daB
daß aller aneignungsfahige
aneignungsfähige Wert von der Arbeit Ausbeutung zuletzt bis zur vollen Identifikation mit der
muß, Wert groBenmaBig
geschaffen werden muB, größenmäßig gleich Arbeit Produktion selbst, d. h. bis zum Kapitalismus, auskonkre-
ist; gegen die ausgebeuteten Produzenten wirkt sich die müssen. In diesem aber nimmt die Dialektik des
tisieren mussen.
Gleichung aus, daBdaß ihr Produkt nur Wert hat in dem Wertgesetzes, der Gegensatz von Aneignung und Arbeit,
MaB,
Maß, in dem es ihnen Konsumtion vermittelt. Beide Glei- der sich an den fruheren Faktizitätsordnungen der An-
früheren Faktizitatsordnungen
chungen sind unverbunden, obwohl das Leben der Ge- Fatalitätsgesetz ihres Un-
eignung als langsam wirkendes Fatalitatsgesetz
sellschaft davon abhangt,
abhängt, daB
daß sie sich letzten Endes dek- tergangs vollzog, die unmittelbar kontradiktorische
ken. Aber dariiber
darüber entscheidet nur die Tat, blind gegen Form an, daB daß die Arbeit, und zwar sie bloB
bloß als solehe,
solche, als
das Ergebnis. 1mIm Austausch der Werte als Waren, in uns- abstrakt menschliche Arbeit, nach den Aneignungspari-
rem Sinne verstanden also Austausch zwischen Ausbeu- täten der Warenaquivalenz
taten Waren äquivalenz die Imparitat
Imparität des Mehrwerts
tern, erhalt
erhält das Verhaltnis
Verhältnis der produktiven und konsum- erzeugt und die Warenproduktion durch ihr Geschehen

66 67
ihr Nichtgeschehen, die Krise, ihr Nichtgeschehen wie- men (anfänglich,
(anfanglich, im direkten Herrschafts- und Knecht-
derum ihr Geschehen, die Konjunktur, hervorbringt. Die schaftsverhaltnis wenigstens), ist die Aneignung fremden
schaftsverhältnis
zyklische Existenzform des Kapitalismus ist in der Tat Produkts, aber das resultierende Ergebnis, die Verding-
die Existenz zwischen Sein und Nichts, als die Hegel die lichung und Vergesellschaftung nach Gesetzen einer
Dialektik entwickelt; nur daßda~ sie nicht »die« Form »des« okonomisehen Naturkausalität,
ökonomischen Naturkausalitat, ist durchaus unbeabsich-
Seins ist. Foige ihres HandeIns.
tigte Folge Handelns. Aber der Unterschied ist so
Wenn man den ausbeutungsfreien Zusammenhang der gro~ nicht, wie er scheint; denn sowenig wie der Ausbeu-
groß
Menschen in der arbeitsteiligen Verwandtschaftsgruppe U rheber der Aufgabe, die er löst,
ter ist der Chemiker Urheber lost,
»naturwuchsige« Gesellschaft nennt, so verdient die
die »naturwüchsige« okonomische Aus-
und genau wie jener ist dieser, was die ökonomische
klassenma~ige Verflechtung aus der Ursache der Ausbeu-
klassenmäßige wirkung seiner Synthese betrifft, blind für fur die Folgen.
tung den Namen der »synthetischen« Gesellschaft. In der Der wirkliche Unterschied ist vielmehr der, daß da~ gerade
Chemie versteht man unter einem synthetischen Produkt, die Synthesis dem Chemiker bewußt,bewuBt, in der Vergesell-
z. B. synthetischem Kautschuk, einen von Menschen her- schaftung hingegen blind ist. Das aber ist kein Zufall.
gestellten Stoff mit gleichartigen Eigenschaften - am Weder die Synthesis der Chemie oder einer andren Wis-
»naturlicher«.
Verwendungszweck gemessen - wie ein »natürlicher«. senschaft noch auch der philosophische Allgemeinbegriff
Die dingliche Vergesellschaftung ist der chemischen Syn- der Synthesis wäreware geschichtlich möglich
moglich geworden,
da~ sie, im Unterschied zu der »von
these darin analog, daß wenn nicht schon die dingliche Vergesellschaftung im in-
naturlichen Gattungszusammen-
der Nabelschnur des natürlichen ware. 15
neren Sinn dieses Begriffs »synthetisch« wäre. is
hangs noch nicht losgerissenen« naturwüchsigen
naturwuchsigen Gesell- Die Anwendung des Begriffs der Synthesis auf die Kon-
blo~es Re-
schaft, ganz und gar Menschenwerk ist. Sie ist bloßes klassenma~igen Vergesellschaftung ist ein
stitution der klassenmäßigen
mensehlicher
sultat der Ausbeutung, menschlicher Handlung also, die wirksames strategisches Mittel, um urn den Idealismus mit
sich nicht, wie Arbeit und Verzehr, auf physische Lebens- seinen eignen Waffen zu schlagen. Denn so läßt la~t sich zur
Verhaltnis zwischen
notwendigkeiten, sondern auf ein Verhältnis Erklarung eines und desselben Phänomens,
Erklärung Phanomens, der experi-
Menschen, wenn auch im Hinblick auf deren Arbeit und mentellen Methode der Naturwissenschaften, der ideali-
Verzehr, bezieht. Durch die Einspannung der produkti- stischen Substruktion einer transzendentalen Synthesis
Betatigung in die Ausbeutungsbe-
ven und konsumtiven Betätigung getragen von der Autonomie des Subjektes die Behaup-
ziehung zwischen Mensch und Mensch erst beginnt für fur da~, wenn schon von »Synthesis«
tung entgegenstellen, daß,
die Menschen die Abhebung ihres »menschlichen« We- soil, es nur eine gibt, die wirklich nachweis-
die Rede sein soll,
sens von ihren physischen Lebensnotwendigkeiten als U rheberschaft hervor-
bar ist und die, aus menschlicher Urheberschaft
bloGer »Natur«; und beginnt umgekehrt diese Lebensbe-
bloßer gehend, alle
aUe begriffliche Erkenntnis und Wissenschaft
dingtheit durch Produktion und Konsumtion als blinde moglich gemacht hat, - die klassenmäßige
erst möglich klassenmaBige Vergesell-
Naturkausalitat ihr Menschsein im Gegensinn zu ihrem
Naturkausalität schaftung der Menschen durch die Ausbeutung. Diese ist
beherrsehen. Der Unterschied zwischen die-
Handeln zu beherrschen. Ma~staben beurteilt, die
»synthetisch« nach denselben Maßstäben
ser Vergesellschaftung und der chemise hen Synthese ist
chemischen der Apriorismus seinem Begriff der Synthesis zugrunde-
planma~ig
daG diese von ihrem Urheber gewollt und planmäßig
der, daß namlich eine Verbindung nach Relationen der Iden-
legt, nämlich
herbeigefuhrt ist, die klassenmäßige
herbeigeführt klassenmaGige Daseinsverflechtung tität, ursprungliche Art solcher
titat, und sie ist die ursprüngliche so1cher Verbin-
der Menschen dagegen von den Ausbeutern ungewollt
und bewußtlos
bewufhlos geschieht. Das wesenhaft Menschliche, Gesprachsweise hatte W. B. die Anwendung des Begriffs
15 SR - '970: Gesprächsweise
das sich ausformt, ist also gerade das vom Menschen un- Warengesellschaft,
der Synthesis auf die Waren gesellschaft, deren Bezeichnung als »syn-
thetische Gesellschaft im Sinne des synthetischen Kautschuks, also auf
beherrsehbare, ihm selbst entfremdete Sein des Men-
beherrschbare, Verkniipfung der
diesem Wege auch die Verknüpfung def Kantischen mit der chemi-
planmaGig vorneh-
schen. Was die Ausbeuter wollen und planmäßig begriiBt.
schen Synthese als eine »hervorragende Idee« begrüßt.

68 69
Identität als Formcharakter von Dasein
dung, weil die Identitat für diese Aufgabenstellung
Gerade fiir AufgabensteIlung erscheint uns aber der
Ausbeutungsverhältnis geschichtlich
und Ding aus dem Ausbeutungsverhaltnis Begriff der Synthesis von methodologischem Interesse. Er
erst entspringt. Die konstitutive Synthesis, auf die ailealle ist von Kant formuliert worden, urn um das Zustandekom-
theoretische Erkenntnis logisch sowohl wie genetisch zu- men der Erkenntnis als geltender Erkenntnis zu erfragen,
rückgeht, ist die Verdinglichung und dingliche Verges
ruckgeht, Vergesell-
ell- freilich in der idealistischen Absicht, die Synthesis der Er-
schaftung, die durch die Ausbeutung bewirkt ist, In dem kenntnisbildung als innergeistige Synthesis aapriori
priori hin-
faßt sich die kritische Liquidie-
Nachweis dieses Satzes faBt zustellen oder, was dasselbe ist, ihre Deduzierbarkeit
rung des Idealismus zusammen, im Sinne der Liquidie- bloßen Begriffen (nicht als raumzeitliches Problem)
nach bloBen
rung der Antinomien, in die ihre eigne ratio die Men- zu erweisen. Hierin macht Hegel keinen Unterschied von
schen durch den Fetischismus der Verdinglichung ver- Kant. Er hat die Synthesis zwar als Genesis der Erkennt-
strickt. nis verstanden und ist dadurch zur dialektischen Denk-
vulgärmaterialistischer Irrtum, daB
Es ist ein vulgarmaterialistischer daß die geneti- weise gelangt, aber diese Synthesis deduziert er als reine
Erklärung einer Denkweise aus dem gesellschaftli-
sche Erklarung Philosophie, macht also die Dialektik zum System der
chen Sein dieser Denkweise den Geltungswert abspreche überwindung der Antinomie
absoluten Wahrheit und die Uberwindung
und den Wahrheitsbegriff zu den ubrigen
übrigen Fetischen der von Geltung und Genesis zu einer rein formalen. Indem
Klassenherrschaft verweise. Nicht gegen den Geltungs- Apriorität der Synthesis bestreitet,
der Materialismus die Aprioritat
charakter des Denkens und den Wahrheitsbegriff der ra- stellt er erst die Aufgabe ihrer reellen geschichtlichen Er-
tio, sondern allein gegen die Fetischisierung beider, ihre forschung. Diese Erforschung faBtfaßt sich fur
für den Materiali-
Dogmatisierung zur zeitlosen Geltung und zur absoluten sten in der Analyse und Ergriindung
Ergründung der Verdinglichung
Wahrheit, richtet sich die materialistische Kritik, und zusammen, statt wie fiirfür den Idealisten in der Selbstana-
zwar deshalb, weil diese Dogmatisierung gegen die ratio lyse der »Erkenntnis«. Andererseits findet die Analyse
verstoBt läßt sich sehr deut-
verstößt und falsches Denken ist. Es laBt der Verdinglichung an der Aufgabe, die geschichtliche
Gedankenführung Wil-
lich z. B. an der folgerichtigen Gedankenfiihrung Entstehung der Erkenntnis darzutun, ihr kritisches MaB. Maß.
Straßburger Rektoratsrede
helm Windelbands in seiner StraBburger Denn die Verdinglichung wird erst als der geschichtliche
Verabsolutierung
erkennen, wie die idealistische Verabsolu tierung des Gel- Entstehungsgrund der geltenden Erkenntnis einsichtig,
tungsbegriffs durch die Antinomie, in die sie sich zur Fra- wenn sie ihrerseits auf ihre geschichtliche, menschliche
verfängt, auf die Negierung der ratio und
ge der Genesis verfangt, zurückgeführt wird. Genetische
und praktische Wurzel zuriickgefuhrt
hinausläuft. Der aprioristische
ihres Geltungsanspruchs hinauslauft. Unerklärbarkeit von Erkenntnisformen bedeutet unzu-
Unerklarbarkeit
Idealismus ist in seiner letzten Konsequenz mit dem Vul- reichende Durchdringung der Verdinglichung. Dem
garmaterialismus übereinstimmung und umgekehrt.
gärmaterialismus in Ubereinstimmung apriorischen Schein der Erkenntnis entspricht stets ein
Der rationale Standpunkt des Denkens ist ebensowenig Faktizitätsschein des verdinglichten Seins. Der apriori-
Faktizitatsschein
der, welcher die Geltung gegen die Genesis, wie der, der Vulgärmateria-
sche Idealismus ist nur zugleich mit dem Vulgarmateria-
die Genesis gegen die Geltung verabsolutiert, sondern er lismus liquidierbar, und umgekehrt.
ist der, der ihre Antinomie uberwindet. überwin-
überwindet. Die Uberwin- Wir haben einsichtig zu machen versucht, daB daß die Ver-
wäre groB-
Es ware groß- dung geschieht in dem methodologischen Standpunkt, dinglichung aus der Wurzel der Ausbeutung entspringt.
von dem aus das rationale Denken als gesellschaftlich Identität, Dingform und Dasein ihren ge-
In ihr haben Identitat,
artig, wenn er
erklärbar ist, so, daB
notwendig bedingtes Denken erklarbar daß seine schichtlichen, menschlichen und praktischen U Ursprung.
rsprung.
hätte.
Recht hatte. gesellschaftliche Bedingtheit sich als der Grund seines Zugleich sind sie die Negationsformen dieses Ursprungs:
Geltens erweist. Denn damit wird die Genesis als das Identität die Negation ihres praktischen, die Ding-
die Identitat
Maß des Geltens und aile
MaB alle Geltung und Wahrheit des lichkeit die Negation ihres menschlichen, das Dasein die
Denkens als geschichtlich bedingt erwiesen. Negation ihres geschichtlichen Ursprungs. In diesem Ne-

7° 7r
gationscharakter ihres Ursprungs sind si~ sie die Verbin- schichte der polarischen Verselbständigung
Verselbstandigung der Identi-
klassenma~igen Vergesellschaftung der
dungsformen der klassenmäßigen tätsform gegenüber
tatsform gegeniiber dem angeeigneten Produkt. Die Ver-
Menschen im Verhältnis
Verhaltnis der ausbeutenden Konsumenten selbständigung
selbstandigung der Identitatsform
Identitätsform zum Geld entwickelt
und der ausgebeuteten Produzenten. Andrerseits hat sich im Stufenweg mehrerer Reflexionen des ursprüngli-
ursprungli-
durch diese Verbindungsformen oder durch ihre dingli- chen Ausbeutungsverhaltnisses.
Ausbeutungsverhältnisses. Bereits die erste Form
klassenma~ige Vergesellschaftung
che Vermittlung die klassenmäßige Waren tauschs, der zwischen den Pharaonen und den
des Warentauschs,
synthetischen Formcharakter. Die Erklärung
Erklarung der ge- Häuptern
Hauptern benachbarter, zum Teil erst im Zuge dieses
schichtlichen Genesis der rationalen Erkenntnis liegt Warentauschs entstandenen Ausbeutungsreiche stattfin-
hiernach in der Frage, wie es zur logischen Reflexion der enthält die Reflexion des Ausbeutungsverhaltnisses
det, enthalt Ausbeutungsverhältnisses
gesellschaftlichen Synthesis kommt oder zur Entstehung als solchen, eine Gleichsetzung der Ausbeutung hier und
der Subjektivität.
Subjektivitat. dort. Sie fällt
fallt zusammen mit der ersten Herauslösung
Herauslosung des
ausgebeuteten Produzenten aus seiner, ursprünglich
ursprunglich zum
7. Das Geld und die SubjektivitCit
Subjektivität zusammengehörigen Kollektivord-
unteilbaren Ganzen zusammengehorigen
Herauslosung des Sklaven als
nung der Produktion, der Herauslösung
Wir verstehen den Begriff der Subjektivität
Subjektivitat im Sinne des des menschlichen Bestandteils dieser Ordnung gegenüber
gegenuber
Erkenntnissubjekts. Der Gedanke des Erkenntnissubjekts ihren sachlichen, nicht-menschlichen, gesondert appro-
setzt eine Art der Selbstreflexion voraus, in der das Indi- priierbaren Elementen. Schon auf der Stufe des agypti-
ägypti-
viduum »sich« als denkendes Wesen von seinem Leib und 'schen und altorientalischen Staatshandels werden Skla-
allem Stofflichen im Raume unterscheidet und sich durch ven zum Eintauschobjekt gegen dingliche Waren (ihrer-
die Zeit, unabhängig
unabhangig von physisch-räumlichen
physisch-raumlichen Verände-
Verande- seits schon aufgespeicherte Produkte ausgebeuteter Pro-
rungen, denen seines Leibes sowohl wie andrer Dinge, als duzenten). Die »Wertabstraktion« durch Verallgemeine-
identisch dasselbe denkt. Ob das Wesen des »Ich« als im- Äquivalenz ist nur der dinglich-formale Aus-
rung der Aquivalenz
blo~er Funktionsträger
materielle Substanz oder als bloßer Funktionstrager des druck der Abstraktion des ausgebeuteten Menschen von
Denkens vorgestellt wird, spielt für
fur die Allgemeinheit, in den materiellen Arbeitsbedingungen (Sachelementen der
der unsre Untersuchung sich hält,
halt, keine Rolle; unsrer Er-
Produktionsordnung) und gegenüber
gegenuber der Spezialität
Spezialitat sei-
klärung
kHirung der Subjektivität da~
Subjektivitat vorgreifend, sei bemerkt, daß ner Produkte. Fragen wir uns, ohne den genetischen Stuf-
dies mit der ökonomischen
okonomischen Ablösbarkeit
Ablosbarkeit der Geldfunk- engang
cngang weiter zu verfolgen,
vcrfolgen, welchen Grad und welche
tion vom
yom Geldmaterial zusammenhängt.
zusammenhangt. Terminologisch Formbestimmtheit diese Abstraktion in der Geldform des
sei dieses vom
yom Leib als denkendes Wesen sich unterschei- Warenwerts angenommen hat.
Warcnwerts hat.1166
dende Ich das »theoretische Subjekt« genannt. Unsre Er- Das Geld ist, als selbstandige
selbständige Vcrkorperung
Verkörperung der Ding-
klärung
klarung für da~ das
fur seine geschichtliche Entstehung ist, daß
theoretische Subjekt aus der Identifizierung des Men- 16 ~s muf~ bemer~t
Es muß wer~en, daB
bemerkt werden, daß hier eine ganze Seite der Entwicklung
ubergangen
iibergangen WIrd.
wird. DIe
Die erste Form der klassenmäßigen
klassenmaBigen »Vergesell-
schen mit dem Gelde hervorgeht. Das theoretische Sub- durch~ Ausbcutungsverhaltnis
s.chaftung« durchs
schaftung« Ausbeutungsverhältnis ist der Staat. Die Verding-
jekt ist der Geldbesitzer. hch~ng
lichung des unmlttelb~ren
unmittelbaren Herrschaftsverhältnisses
Herrschaftsverhaltnisses der einseitigen
Marx hat das Geld »die allgemeine Ware« genannt. Ver- Anelgnung zum Staat ist
Aneignung Ist die erste Vcrdinglichungsform der Ausbeu-
tung, die Einheit der Staatsmacht die erste gesellschaftliche Identi-
gegenwärtigen
gegenwartigen wir uns, worauf diese Verallgemeinerung tätsrelation der Aneignung. Hier beginnt die tiefgreifende Verschie-
tatsrelation
der Ware zurückgeht.
zuruckgeht. Die Ursprungsform der Identität
Identitat bung d~rder Raumz~itlichkeit
Raumzeitlichkeit der konsumtiven und produktiven
ist das angeeignete Produkt im direkten Ausbeutungsver- men~c~hchen Praxis
menschlichen PraxIs Zur
Zur Raumzeitordnung des Verdinglichten, der
FaktiZItät;
Faktizitat; der Gesetzescharakter des staatlichen Befehls ist der erste
hältnis (d. h. im direkten Herrschafts- und Knecht-
haitnis .theoretische«
»theorctische« Geltungscharakter, der Staat die erste von der »Er-
schaftsverhältnis
schaftsverhaltnis durch einseitige Aneignung). Die Ent- scheinung«
schcinung« abgehobene fetischistische» Wesenhei t«. Aber in der noch
fetischistische »Wesenhei
natural~irtschaftlichen Form dieser Ausbeutung ist das Wesen
völlig naturalwirtschaftlichen
vollig
stehungsgeschichte des Geldes ist die Entstehungsge- mit der Erschemung
Erscheinung noch ununterscheidbar vermischt, der Wertcha-

72 73
identitat
identität und Wertgeltung des Aneignungsobjekts, nach in sich, ihre allgemeine Warenformigkeit
Warenförmigkeit als gleichartige
Marx die »einfache und gemeinschaftliche, daher allge- arbeitende Menschendinge. Auf der Basis dieser Gleich-
meine« 17 Wertform, die Austauschbarkeitsform aller An- artigkeit erst differenzieren sie sich.
eignungsobjekte untereinander. "AIs»Als Werte sind sie [die Auf der andern Seite gewinnt in Gestalt des Geldes die
Waren] identisch, Materiatur derselben Arbeit oder die- Dingform, die aus der Aneignung stammt, selbst die Exi-
selbe Materiatur der Arbeit, Gold. AisAls gleichformige
gleichförmige Ma- stenzform, Aneignungsmittel zu sein. Ais Als Geld hat das
teriatur derselben Arbeit zeigen sie nur einen Unter- Gold, oder welches sonst das Geldmaterial sei, keinen
schied, quantitativen ... « 18 Aber die Arbeit, deren allge- andren Zweck als den, zu kaufen, seinem Besitzer Ware
meine Wertvergegenstandlichung
Wertvergegenständlichung das Geld ist, ist Arbeit zu verschaffen. 1mIm Geld erhalt
erhält die Aneignungshandlung
ausgebeuteter Arbeiter. Die Wertabstraktion der Waren des Ausbeuters Funktionscharakter. Wir definieren die
zur allgemeinen, flir
für alle Waren identischen Aquivalent-
Äquivalent- Funktion gene tisch als die verdinglichte Aneignungs-
genetisch
form schliefh
schließt die Abstraktifizierung der ausgebeuteten handlung des Ausbeuters. Ihre inhaltliche Definition
Arbeiter in sich, ihre Gleichsetzung als abstrakt menschli- hangt
hängt von der Reflexionsstufe der Aneignung ab (ob
che Leiber. 19 Das Geld bezieht sich auf den ausgebeute- Geldfunktion, Kausalfunktion, mathematische Funktion
ten Arbeiter in der Allgemeinheit, in der er untereinan- etc.), mu6
muß sich aber im letzten Regre6
Regreß stets als Abwand-
der austauschbare Waren, in Geld umsetzbare Werte lung des Verhaltnisses
Verhältnisses bestimmen lassen, in dem im ur-
uberhaupt
überhaupt hervorbringt, also selbst furfür die Produktion je- sprunglichen
sprünglichen Ausbeutungsverhaltnis
Ausbeutungsverhältnis die Aneignungs-
der Ware und Warenart mit jedem andren ausgebeuteten handlung des Ausbeuters, sei es zur Produktion der Aus-
Arbeiter austauschbar gilt. Die allgemeine Austauschbar- gebeuteten, sei es zur Konsumtion der Ausbeuter steht.
keit der Waren gegen Geld schlielh
schließt die allgemeine Aus- Der Begriff der Funktion schlie6t
schließt das Verhaltnis
Verhältnis zweier
tauschbarkeit der Arbeiter in der Produktion der Waren Handlungen - verdinglicht: zweier Vorgange
Vorgänge - in sich,
von denen die eine nur dadurch, da6 daß sie geschieht, das
auslöst. Da6
Geschehen der andren auslost. Daß die Auslosung
Auslösung statt-
gebrauchs~erten.Sachge­
rakter der angeeigneten Produkte von ihrer gebrauchswerten Sachge-
stalt nicht abgesondert. Die einzige planmaGige,
planmäßige, weil unmittelbare findet, ist das Postulat der Ausbeutung, in der Produktion
Organisation der Aneignung, in der die Dialektik des Wertgesetzes vermittels der Aneignung und nach der ratio der Aneig-
erst beginnt, die Aneignung ihre Widerspruche
Widersprüche zur Produktion erst
langsam auszuwirken anfangt,
nung geschieht. Der Begriff der Funktion postuliert, ur-
anfängt, hat daher fur
für die
die. Menschen selbst
nicht rationalen, sondern magischen oder mythologischen Charakter.
Charakte:. sprünglich, das Funktionieren der Ausbeutung. Er enthalt
sprunglich, enthält
Die ratio der Aneignung wird erst zur mensch lichen ratio, wenn die
menschlichen die Fiktion, daB
daß die Synthesis der Aneignung die Synthe-
Widerspruche
Widersprüche der Ausbeutung die PlanmaBigkeit
Planmäßigkeit und gesellschaftli-
gesellschafth-
che Kontrollierbarkeit der Reichtumsbildung zerstort
zerstört hat. (Dcr
(Der Aus-
sis von Produktion und Konsumtion sei, weist aber das
druck .Reichtum« wird in dieser Schrift durchweg im Gegensatzli-
Gegensätzli- Quidproquo dadurch aus, da6 daß er diese letztere Synthesis,
chen Sinne zu "Armut« verwendet, also zur Bezeichnung von klassen- die nur eine menschlich-praktische sein kann (im natur-
mäßigem Besitz im Gegensatz zu klassenmaGigem
maBigem klassenmäßigem Nichtbesitz).
'7 K. Marx, Das Kapital I, MEW 23, S. 79·
17
wuchsigen
wüchsigen Gemeinwesen oder in einer sozialistischen
,8 ökonomie, MEW 13, S. 50.
18 K. Marx, Zur Kritik der politischen Okonomie, 5°· ausdrückt, d. h.
Gesellschaft), als funktionale Synthesis ausdruckt,
19
'9 So schlieGt
schließt auf der europaischen
europäischen Reflexionsstufe der Ausbeutung, die als ein Verhaltnis
Verhältnis zwischen Dingcn
Dingen und Dingvorgangen.
Dingvorgängen.
die Geldform des Wertes von der Antike ubernimmt,
übernimmt, die Verwand-
ausgcbeut~ten
lung des Geldes in Kapital die Gleichsetzung der ausgcbeuteten Das Funktionsverhaltnis
Funktionsverhältnis ist die Verdinglichungsform
Arbeiter als abstrakt menschliche Arbeitskrafte,
Arbeitskräfte, gesellschaftliche
gesellschafthche oder die Formalisierung des physischen Zwangs, den der
Durchschnitts-Lohnarbeiter in sich. Die Scheidung der Arbeit in
Ausbeuter auf den Ausgebeuteten ausubt, ausübt, damit er fur
für
gebrauchswertschaffende und wertbildende entsteht, wie fruher ges~­
früher gesc-
hen,
hen zusammen mit dem Wertcharakter der Produkte durch die Als Geldfunktion hat das Verhaltnis
ihn arbeitet. Ais Verhältnis von
Ausbeutung
Au:beutung und ist allen Ausbeutungsformen eigen; aber ab~r die ver-
v~r­ Aneignung zu Produktion die Form des Postulats ange-
schiedenen Formen der Ausbeutung sind durch verschiedenartige
Verdinglichungs- und Warenformen
Waren formen der ausgebeuteten Menschen
nommen, da6 daß der Waren-Geld Austausch zwischen den
gekennzeichnet. Ausbeutern die Produktion geldwerter Waren auslost. auslöst.

74
74 f 75
75
1II
I
11
I Die Auslos ung erfolgt, weil sich unter den Waren, welche
Auslösung Waren austauschbar und am Geld aIle alle seine Besitzer aus-
die Ausbeuter gegen Geld tauschen, die arbeitende Skla- wechselbar. AuBerdem
Außerdem sind, auf dem Gegenpol der Geld-
venware befindet. Das vollkommene okonomische
ökonomische Funk- besitzer, wie gesehen, die ausgebeuteten Produzenten
tionsverhaltnis
tionsverhältnis oder die vollkom men funktionalisierte
vollkommen geldwerter Waren sowohl untereinander auswechselbar
Ausbeutung liegt erst vor, wenn der gesellschaftliche wie
wie ZWISC··hen den Geldbesitzern austauschbar. Indem
. zwischen . der
. .
Austauschprozeß der Waren die »freiwillige« Arbeitslei-
AustauschprozeB Geldbesitzer sich mit der Funktion seines Geldes identifi- Ide~.ttf~­
stung der Ausgebeuteten auslost,
auslöst, d. h. im Kapitalismus. ziert, identifiziert er sich folglich mit allen andren mogli- mog~l­

Das Geld ist die »allgemeine Ware«, weil es das geseIl- gesell- chen
ehen Geldbesitzern. Diese Identifizierung der Geldbesit- Geldb~slt­
schaftlich gultige
gültige Aneignungsmittel aller Waren ist. Das zer als einfaches und gemeinsames, daher allgemeines allgemel~es
Geld verhalt
verhält sich zu den einzelnen Waren, die es kauft, funktionalisie~ten Aneig-
Subjekt der verdinglichten und funktionalisierten An~l~-
Ausbeutungsverhältnis die Handlung des
wie im direkten Ausbeutungsverhaltnis nungshandlung
Ilungs h an dlung des Geldes bezieht sich auf die IdentitatIdentltat .
Aneigners zu den Aneignungsobjekten. In der Formver- der Geldfunktion in allen Geldstucken
Geldstücken und des Geldes in m
doppelung des Ausbeutungsreichtums in Warenform und jeder Hand, sie betrifft das Geld,<?eld, sofern
s~fern. die Geltung des
Geldform steHt
stellt die Polaritat
Polarität des Ausbeutungsverhaltnis-
Ausbeutungsverhältnis- Goldes als Geld an die identische Einheit Emhett der Geldfunk-
Geldf~nk-
ses sich verdinglicht als Verhaltnis
Verhältnis der Waren unterein- tion
t· uberhaupt
"berhaupt gebunden ist. Die Identitat
Identität aller Subjekte
Ion u .. b' h
ander her, indem eine von ihnen, das Gold, zum aus- in der einformigen
einförmigen und aIlgemeinen Subjek~tvttät. bezieht
allgemeinen Subjektivitat eZt~ t
schlie6lichen
schließlichen Reprasentanten
Repräsentanten des Wertes wird, den aIle alle sich auf die bloJle Geldfunk~lOn, die keine
bloße Geltung der Geldfunktion, keme
Produkte der ausgebeuteten Produzenten enthalten, der . Eigenschaft des Goldes, sondern die Eigenschaft Etgenschaft der
sich jedoch erst durch den Akt der Aneignung realisiert, Funktion des Goldes (oder eines Papierzettels)
Papierzettel~) als Geld ?~ld
durch den er in die Hande
Hände des Ausbeuters kommt. Das ist, also etwas ganz Immaterielles. - Andrerseits betatigt
Andrersetts"betattgt
Geld ist die Reflexionsform der Aneignung und erfordert sich diese Geldfunktion nur am einzelnen Geldstuck, des- ~es­
aus diesem Grunde zu seinem Gebrauch die Identifika- darüber entscheidet, ob es zahlt
sen Materie dariiber zählt oder
o~er nicht
mcht
tion seines Besitzers mit ihm. Dieser Besitzer ist in der ziihlt,
"hit da ist oder nicht da ist, ob man Ware faktisch kau-
za oder
fen
fell , nicht kaufen kann. Die Materie des d es Geldstucks,
G e ld stuc
"k s,
Antike, wie der Kapitalbesitzer im Abendland, nur der
Ausbeuter; denn das Geld ist in der Antike das funktio- das Gold oder das Papier der Note, dient di~nt nur M.a~~­
nur. der Mate-
nale Instrument der Ausbeutung, das Aneignungsmittel rialisierung seiner Funktion und gibt dieser dIeser die
dIe Realitat,
Reahtat,
von Sklaven. Unsere Behauptung ist, daB daß diese Identifi- die unerlamich um sich auf andre reale Ware zu be-
unerläßlich ist, urn
kation des Geldbesitzers mit der Geldfunktion aus den Krite~ium des blo-
ziehen. Die Materie des Geldes ist das Kriterium
aIleinigen
alleinigen Grunden
Gründen dessen, was das Geld ist, del' der Ur-
U r- ~en
ßen Daseins der Kauffunktion und miBt mißt an ihrem
Ihre~ Quan-
?
sprungsakt der theoretischen Subjektivitat
Subjektivität ist. Bei der tum das Dasein andrer materieller Ware. Aber diese dt~s~. Ma-
Unvollstandigkeit
Unvollständigkeit unsrer Analyse des Geldes und seiner terie,
~~ . died'~ hier
h'~ als Kennzeichen und MaB Maß der Realitat
. . des
Reahtat
geschichtlichen Genesis ist diese genetische Konstruktion Geldes und der Waren auf tritt, ist nur Verdinglichung
auftritt, Verdmgltchung
der Subjektivitat
Subjektivität uns hier Freilich
freilich nur andeutungsweise in der Arbeit, die der wirkliche Existenzgrund der ~er Waren
W:aren
den grobsten
gröbsten Zugen
Zügen moglich.
möglich. ist, und zwar der Arbeit ausgebeuteter Arbeiter, ihrer Ihrer
Das Geld ist die dialektische Reflexionsform und der physischen Betatigung
Betätigung zur Hervorbringung von Ware. Wa~e.
dingliche Funktionstrager
Funktionsträger der Aneignung in ihrer ab- Die Materie der Waren und ihr Aquivalent,
Äquivalent, das Gold, ist I~t
strakten AIlgemeinheit.
Allgemeinheit. Dem Geld ist nicht anzusehen, »Materiatur« der Arbeit leiblicher Arbeiter, durch durc~ die
wer sich seiner als Aneignungsmittel bedient hat, noch Arbeit auf die Ware ubertragene
übertragene und in ihr verdinglichte
~erdin?hchte
was mit ihm angeeignet worden ist. Wie es aIle alle Waren Leiblichkeit der Sklaven. Wie der Geldbesitzer
GeldbesItzer sich sIch. an
kaufen kann, kann es aIle alle Hande
Hände wechseln und be- cler
der identisch einformigen
einförmigen und allgemeinen Geldfunktion
~.el~funktlOn
tatigt
tätigt gerade darin seine Identitat.
Identität. 1m
Im Geld sind aIlealle als immaterielles Subjekt der Geltung identifiziert,
identlflZlert, so an

77
76
der Materie seines Geldes als eben ebensoso rein
rem materieller das von der Materie bestimmte Dasein der Dinge. Die
Leib, der seiner Subjektivitat
Subjektivität und ihren geltenden Akten Arbeit hat sich dem Ausbeuter, sobald er Subjekt ist, zur
erst das Dasein verschafft. Nach der Geltung seines Den- "Natur«
»Natur« entfremdet, die den Gegensatz zum »Menschli-
kens ist der Geldbesitzer mit allen andren Geldbesitzern chen« bildetj
bildet; denn seine Beziehung zur Produktion der
identisch - Er: also auch die andrenj
andren; nach seinem leibli- Waren ist nur noch durch den gesellschaftlichen Aus-
chen Dasein nur Er: also nicht die andren. In bezug auf tauschprozeg
tauschprozeß der Waren und dessen funktionale Ord-
das Haben und Nichthaben des Geldes als Gold schliegen
schließen nung vermittelt. Urn
Um die Arbeit als Produktion von Wa-
alle Ausbeuter einander privativ oder "konkurrierend«
»konkurrierend« renwert
ren wert zu organisieren, mug
muß er den ganzen Funktions-
?
aus, wahrend
während sie in bezug auf die Geltung ihres Goldes zusammenhang dieser Vermittlung reproduzieren, und
als Geld alle dieselbe Ausbeuterschaft bilden. Die Aus- zwar sofern dieser nach der Einheitsfunktion des Geldes
beuterschaft hat die Formation der Klasse, ist aber in der ein synthetischer, in sich geschlossener Zusammenhang
Antike die Menschenklasse schlechthin, weil nur der Aus- der Verdinglichung ist. Diese gedankliche, auf der Iden-
beuter »Mensch«, zum Geldbesitz berechtigtes und sich tifikation des Ausbeuters mit der Geldfunktion beruhen-
reflektierendes Subjekt, der Ausgebeutete dagegen die de, daher dem Prinzip der Einheit des Denkens folgende
Privation des Menschseins, das rein physische Menschen- Reproduktion des in sich geschlossenen Verdinglichungs-
ding, das »Objekt« des »Subjekts« ist. Die stoffliche Rea- zusammenhangs der Ausbeutung bezieht sich auf die Pro-
litat
lität des Ausbeuterleibes ist die der abstrakt menschlichen 4uktion oder ist giiltige
gültige »Erkenntnis«, soweit sie ihn als
Sklavenleiber, aber gemessen nicht an der Arbeit, son- materiellen Daseinszusammenhang der Dinge nach sei-
dern an der stofflichen Realitat
Realität des Geldmaterials, des Gründen, d. h. rational, reproduziert. Die
nen inneren Griinden,
Goldes, mit der er andre materielle Ware kaufen kann. rationale Naturerkenntnis ware
wäre demnach die Reproduk-
Es ist der Leib, von dem alle Arbeit abstrahiert ist, weil tion des in sich geschlossenen Verdinglichungszusammen-
er nur von den Produkten der Arbeit lebt, mit der der hangs der Produktion nach den gesellschaftlichen, durchs
Leib der Sklaven identifiziert ist. Der Geldbesitzer als Geld funktionalisierten Gesetzen der Aneignung.
Subjekt hat nur die Theorie der Arbeit, von der der Skla-
ve nur die Praxis hat. Theorie und Praxis der Arbeit sind
auf die Klassenpole des Ausbeutungsverhaltnisses
Ausbeutungsverhältnisses ver- SR - 1970: Von dieser Konstruktionsweise distanziere ich mich
heute aufs Entschiedenste, da sie die Gefahr des soziologischen
hcute
teilt. Diese Pole erkennen sich nicht mehr. Wie sieht nun
Idealismus nicht vermeidet. Der herkemmliche
herkömmliche erkenntnistheo-
die Theorie der Arbeit, die Theorie des zum Geldbesitzer
rctische Subjektivität wird auf die Gesellschaft
retische Idealismus der Subjektivitat
verdinglichten Ausbeuters aus? Subjektivität abgeleitet wird. Der Fehler
verschoben, von der die Subjektivitat
Sie ist die Theorie des »Subjektes iiberhaupt«,
überhaupt«, dem im rührt daher, daG
rlihrt daß die Theorie nicht auf eine grlindliche
gründliche Waren-
Felde seiner Erkenntnis kein andres Subjekt begegnet, analyse oder Analyse der Tauschabstraktion fundiert ist. AuGer-
Außer-
weil es selbst die Geltungsidentitat
Geltungsidentität aller moglichen
möglichen Sub- dem krankt die Konstruktion daran, daGdaß die Denkweise der An-
jekte ist. Aber von der Seite ihrer Wahrnehmungsbe- tike nach dem Modell der europaischen
europäischen verstanden, also miGver-
mißver-
standteile und der Aktrealitat
Aktrealität des Denkens ist sie im Ge- standen ist. Der griechische Ausbeuter hatte es nicht netig,
nötig, eine
genteil die Theorie des isolierten Individuums, weil sein Theorie der Produktion auszubilden, weil er sich Sklaven mit
Leib zum Fremdheitsgrund gegeniiber
gegenüber allen andren Indi- dem gewiinschten
gewünschten Kennen
Können und Geschick erwerben oder ausbil-
den lassen konnte, also tiber
über die Produktionstechnik sozusagen
viduen geworden ist. Die Theorie des SUbjektes ist die
als menschliche Natureigenschaft verhigte.
verfügte. Auch kennt die grie-
bloge
bloße Theorie der Arbeit, deren Praxis sich als theore-
chische Philosophie nicht den Subjektbegriff, mit dem hier ope-
tisch konstruierte Technik darstelltj
darstellt; aber das Denkobjekt riert wi rd. Meine damalige Lesart der antiken Gesellschafts- und
wird.
dieser Theorie ist nicht die Arbeit, sondern die Materie, Ausbeutungsordnung war verfehlt. Die theoretische ratio in der
zu der die Arbeit sich in den Waren verdinglicht hat, und Antike, d. h. in der Hauptsache die griechische Philosophie, war

78 79
nicht wissenschaftliches Mittel zur Ermoglichung
Ermöglichung der Prod uk-
Produk- aus dem gesellschaftlichen Sein. Die konstitutive Syn-
tion, sondern ideologisches Werkzeug zur Eroberung und Auf- thesis ist der geschichtliche Verdinglichungsproze£
Verdinglichungsprozeß der
rechterhaltung der gesellschaftlichen Herrschaft der geldbenut-
Ausbeutung in Gestalt des durch die Ausbeutung ver-
zenden Klassen, einer Herrschaft, die zu Anfang die gesamte Po-
ursachten dinglichen Vergesellschaftungsprozesses der
lis umfaBte
umfaßte und demokratisch sein konnte, die aber je Linger
länger je
mehr zur Oligarchie der groBen
großen Geldbesitzer und Sklavenhalter Menschen. Der Systemzusammenhang des rationalen
tendierte. Die Produktionsbasis der antiken Demokratie, »die Denkens ist der reflektierte Systemzusammenhang der
okonomische
ökonomische Grundlage der klassischen Gemeinwesen zu ihrer Verdinglichung, sobald dieser mit der Entstehung der
besten Zeit«, waren nach der beriihmten
berühmten FuBnote
Fußnote in »Kapital« I, Geldform des Warenwertes zum in sich geschlosse-
S. 299 (1903)
(19°3) »die kleine Bauernwirtschaft und der unabhangige
unabhängige nen Vermittlungszusammenhang der Warenproduktion,
Handwerksbetrieb«. Das war zu Beginn der antiken Warenpro- d. h. der Ausbeutung durch blo£en
bloßen Austausch, geworden
duktion, bevor die Geldwirtschaft ihre vollen Konsequenzen zur ist.
Auswirkung gebracht, also »bevor sich die Sklaverei der Produk- In der Subjektivitat
Subjektivität findet die Identifikation des Ausbeu-

,
tion ernsthaft bemachtigt«
bemächtigt« hatte. Erst in hellenistischer Zeit
ters mit der menschlichen Urheberschaft der Ausbeutung
wurden die groBen
großen Geldbesitzer aus blogen
bloßen Sklavcnhaltern
Sklavenhaltern auch
statt. Aber sie findet statt als Resultat der Fertig
fertig geworde-
Eigcntiimer
Eigentümer von technischen Produktionsmitteln von zunehmen-
der gesellschaftlicher GroBenskala.
Größenskala. Erst hier wachsen die Bedin-
nen Verdinglichung dieser Urheberschaft. Die Selbst- •
gungen furfür eine Entstehung wissenschaftlichen Denkens im identifizierung des Menschen als Subjekt, die Entdeckung
spateren
späteren europaischen
europäischen Sinne heran. Es ist eine faszinierende, aber .des Menschen, kommt zustande als Vermenschlichung
unbeantwortbare Frage, wie die hellenistische Entwicklung ohne des Verdinglichten. Das Glied, in dem die Verdingli-
die romische
römische Imperialexpansion und ohne die Intervention der chung sich schlie£t,
schließt, bewirkt die Identifizierung des Men-
Volkerwanderungen
Völkerwanderungen weiterverlaufen ware,wäre, ob sicsie namlich
nämlich aus schen mit ihm und dessen Selbstbestimmung als menschli-
sich heraus wohl zum Produktionskapitalismus hatte hätte fiihren
führen ches Subjekt. Dieses Subjektsein ist der Mensch selbst in
konnen;
können; m. a. W. die Frage, ob der Kapitalismus seinem Wesen den Formcharakteren der Verdinglichung, der Identitat Identität
nach logisches Resultat der Geschichtsdialektik ist oder pragma-
als Einheit seiner selbst im Denken, der Dingform seines
tisches Zufallsprodukt.
Leibes und des Daseins als selbstandiger
selbständiger individueller
Die logische Formbestimmtheit dieser Erkenntnis, ihre Person (trotz einer Arbeitsteilung, in der das Individuum
»kategoriale Struktur«, ist der in »Logik« iibersetzte
übersetzte syn- aile
alle Selbstandigkeit
Selbständigkeit verloren hat). Es ist dadurch die un-
thetische Warentauschzusammenhang
Waren tausch zusammenhang der Gesellschaft, durchsichtig gewordene Verdeckung seines eignen Ur-
soweit er nach seinen Funktionen, also Funktionen der sprungs und geschichtlichen Seins. Das Siegel dieses kon-
Aneignung, die Produktion der Waren auslosen
auslösen soil.
soll. Die stitutiven Verdeckungsverhaltnisses,
Verdeckungsverhältnisses, das sie ist, ist der
»Ubersetzung«
»übersetzung« des gesellschaftlichen Vermittlungszu- Wahrheitsbegriff der Subjektivitat.
Subjektivität. Der Wahrheitsbegriff
sammenhangs der Produktion in Logik erfolgt kraft der ist nur dem auf die Griinde
Gründe seiner selbst und die U rsachen
Ursachen
Identifikation des Ausbeuters mit der Geldfunktion, in des Objekts reflektierenden, rationalen Denken eigen
der Genesis der Subjektivitat
Subjektivität seiber.
selber. Die logischen Kate- und ist der Begriff des in sich selbst begriindeten
begründeten und mit
gorien der theoretischen N a turerkenntnis lassen sich
Naturerkenntnis dem Sein identischen Grundes. Die Konstitution der
durch ausreichend genaue okonomische
ökonomische Analyse des je- Wahrheitsfrage als Ausdruck der Verdeckungskonstitu-
weiligen gesellschaftlichen funktionszusammenhangs
funktionsZllsammenhangs tion des Menschen als theoretischem Subjekt hat ihre my-
der Warenproduktion deduzieren. thologische Formulierung im Gleichnis des verschleierten
Der Materialismus liquidiert die Erkenntnistheorie des
Bildes der Gottin
Göttin zu Sais gefunden. Dieses Gleichnis
Idealismus durch die Verdinglichungsanalyse und wider- crfahrt
erfährt seine Deutung durch die Leseart, da£ daß nicht die
legt die Behauptung von der transzendentalen Synthesis
Enthiillung
Enthüllung der Wahrheit den Menschen totet, tötet, sondern
durch den Nachweis der Ableitbarkeit der »Kategorien« cher,
eher, da£
daß die Welt, aus der der Mensch mit der Wahr-

80 8I
heitsfrage vor die Gottin
Göttin tritt, eine Todeswelt des Men- zu eXlstleren.
eXistieren. Das rationale Ich steht in seinem Denken
schen ist. als alleiniges Subjekt der
der»»Welt«
Welt« gegenuber,
gegenüber, urn
um die Welt
Das Licht der ratio geht auf mit der Verdunkelung des in Ubereinstimmung
übereinstimmung mit dem Grundsatz zu denken, dafi daß
eignen Seins furfür die Menschen. Sie entsteht als das gesell- ein Stuck ißt, den andern nicht satt macht.
Stück Brot, das einer iBt,
schaftlich unentbehrliche Mittel, die Produktion nach Dieses Denken ist gultig,
gültig, wei!
weil notwendig in einer Gesell-
den Bedingungen der vollendeten Entfremdung zu orga- schaft, in der aBe
alle Menschen sich nach ihrem gegeneinan-
nisieren. Wenn die Produktion zu ihrer Ermoglichung
Ermöglichung der privativen Ichstandpunkt zueinander verhalten mus- müs-
der theoretischen ratio bedarf, sind die gesellschaftlichen, sen, urn
um zu ihrem Brot zu kommen.
lebensnotwendigen Beziehungen zwischen den Menschen Zum andern ist mit der Umsetzung der funktionalen Syn-
unkontrollierbar geworden, blindes Resultat der okono- ökono- thesis in die theoretische ratio und des dinglichen Gesell-
mischen Kausalitat
Kausalität des Wertgesetzes. Aus den Bedingun- schaftszusammenhangs in die Naturvorstellung unver-
gen ihrer Genesis erklart
erklärt sich die dialektische Natur der meidbar die Verabsolutierung der Ausbeutung zur Na-
theoretischen ratio. Einerseits ist sie, als Resultat der Ver- turnotwendigkeit und zur Wahrheitsnorm des Seins
dunkelung und Entfremdung des menschlichen Seins, das schlechthin verknupft.
verknüpft. Die theoretische ratio ist ihrer Ge-
Mittel, sich im Dunkeln zurechtzufinden, das Fremde zur nesis nach die logische Reflexion der gesellschaftlichen
Sache des Menschen zu machen. Andrerseits hat sie die- Synthesis. Diese ist die Synthesis der Ausbeutung nach
sen rationellen Gehalt auf dem gegebenen Boden ihrer ,den Identitatsrelationen
Identitätsrelationen der Aneignung; sie ist uberdies
überdies
Entstehungsbedingungen, also auf dem Boden der Aus- in sich widerspruchsvoll und fuhrt führt mit fortschreitender
beutung, namlich
nämlich als Mittel, innerhalb des verdinglichten Konkretisierung zur wachsenden Gegensatzlichkeit
Gegensätzlichkeit von
und funktionalisierten Aneignungszusammenhangs die Aneignung und Produktion und zur zunehmenden Anar-
Produktion zu ermoglichen.
ermöglichen. Was sie in dieser Funktion chisierung der Gesellschaft. Die Ausbeutungssynthesis ist
ermoglicht,
ermöglicht, ist jedoch insoweit nur eben die Ausbeu- somit, gemessen am lebensnotwendigen Zusammenhang
tung. Ebenso wichtig wie dafi daß die Subjektivitat
Subjektivität die Ver- von Produktion und Konsumtion, falsche Synthesis. Die
menschlichung des Fremden und die ratio das Sehver- cchte
echte Synthesis dieses Zusammenhangs kann nur die
mögen im Dunkeln, ist deshalb, dafi
mogen daß der theoretische menschlich prak tische in der sozialistischen Gesellschaft
Mensch die Dingform als Subjekt und seine Erkenntnis die sein; oder auf primitivem Niveau, unsrer Konstruktion
unkenntliche Verstellung der Ausbeutung ist. nach, das »naturwuchsige
»naturwüchsige Gemeinwesen«. In der Er-
Einmal konstituiert die synthetische Verbindungsfunk- kenntnisrelation der theoretischen ratio aber konstituiert
tion der Menschen zur Gesellschaft, das Geld, ihr genau- die dinglich funktionale Synthesis der Ausbeutung die
es Gegenteil, die Individualform des Menschen als Per- Gesetzmäßigkeit der »Natur« und mufi
Gesetzmafiigkeit muß yom
vom Standpunkt
son, die Einzelheit des Ich furfür sein Dasein (!) und die blo- der Subjektivitat
Subjektivität als die Synthesis von Produktion und
fie
ße Geltungsidentitat
Geltungsidentität aller Ich' fur für sein Denken (!). Der Konsumtion erscheinen. Dieser Schein hat durch die kon-
Geltungszusammenhang dieser Ich' aber konstituiert für fur stitutive Blindheit der Subjektivitat
Subjektivität gegen ihre Genesis
diese Ich' die Objektstruktur der Dinge als »Natur«. Der Notwendigkeit und macht die Fetischisierung der ratio
gesellschaftliche Daseinszusammenhang der Menschen und ihres Wahrheitsbegriffs unvermeidlich. Denn erst in
selbst nach den im Feld funktionalisierten Identitatsrela-
Identitätsrela- dieser Auslegung der falschen als echte Synthesis gewinnt
tionen der Aneignung setzt sich »im Kopf der Menschen« der Wahrheitsbegriff seine absolute und metaphysische
um in den objektiven Gesetzeszusammenhang der Dinge
urn Bedeutung und erhalten die synthetischen Kategorien
als N a tur, die Gesellschaft, in der alle Menschen existie-
Natur, der Ausbeutung den Sinn, die Ausbeutung zu verdecken
ren mussen,
müssen, urnum zu leben, in die Vorstellung der Einen und Wesenheiten vorzutauschen,
vorzutäuschen, die sie nicht sind. Auf
» Welt«, in der alle Dinge zusammengehoren
"Welt«, zusammengehören mussen,
müssen, urn
um diese Weise kommen aber in der Philosophie die Wider-

82 83
spruche, die zwischen Aneignung und Produktion die
sprüche, burgerlichen, in der Entfrem-
und des Standpunkts der bürgerlichen,
Dialektik der dinglichen Vergesellschaftung wirklich be- notig durch die Analyse der Ver-
dung befangenen ratio nötig
stimmen, zur ideologischen Spiegelung, jedoch in der Ge- dinglichung. Aus dieser Analyse gewinnt die materialisti-
stalt auswegloser Antinomien, die »dem Menschen«, »der sche Methode zugleich die kritischen Hypothesen für fur
Welt«, »der Erkenntnis« oder »der Vernunft« etc. in ab- ihre empirische Geschichtsforschung.
soluto eigen zu sein scheinen.
europaischen Entwicklung geschieht gegenüber
In der europäischen gegenuber
der Antike das Neue, daß daB die ratio von den Ausbeutern
ubergeht, zunächst
auf die Ausgebeuteten übergeht, zunachst auf das aus der
feudalen, grundherrschaftlichen Ausbeutung sich eman-
Burgertum - unter entsprechender Wandlung
zipierende Bürgertum
der logischen Formkonstitution der ratio - und sodann im
Kapitalismus auch auf das Proletariat. Der Lohnarbeiter
im Kapitalismus ist ausgebeuteter Arbeiter und dennoch
Verkau-
Geldbesitzer, Tauschpartner seines Ausbeuters, Verkäu-
fer seiner Arbeitskraft, daher »Subjekt«. 1m Im Proletariat
grundsatzlich
gewinnt deshalb die ratio geschichtlich den grundsätzlich
gegen die Ausbeutung gerichteten Standpunkt, den ma-
terialistischen.
Der Materialismus ist so gut wie der Idealismus Klassen-
wahrend aber die Thematik des
standpunkt der ratio; während
Idealismus die Fetischisierung der Ausbeutung, ist die
Thematik der materialistischen ratio die Kritik der Aus-
beutung. Wir neigen dazu, die materialistische Erkennt-
nis ihrem Thema nach als die rationale Kritik der Aus-
beutung zu definieren. Das Feld ihrer kritischen Methode
scheint sich uns auf die Geschichte der Ausbeutung zu be-
schranken bzw. auf die Entstehungsgeschichte des Prole-
schränken
fur die Ausbeutungsgeschichte haben die Ak-
tariats. Nur für
tualitatskategorien des proletarischen Klasseninteresses
tualitätskategorien
gultigen Erkenntniswert. Der kritisch-rationale Charak-
gültigen
ter der materialistischen Methode beruht darauf, daß daB in
ihr die rationale Kritik auf die ratio selbst, auf ihre Ent-
Subjektivitat ange-
stehung und den Standpunkt der Subjektivität
wandt wird. Dadurch wird die ratio insofern verwirk-
licht, als sie sich aus dem Mittel, das Fremde in die Sache
des Menschen zu verwandeln, zu dem Mittel erweitert
und wandelt, auch die Ursache der Entfremdung zu er-
kennen und ihre Aufhebung in die Sache des Menschen
zu verwandeln. Die Anwendung der materialistischen
Methode macht die vorstehende Kritik der Kategorien

84 85
Nachwort
zu »2ur
»Zur kritischen Liquidierung des
Apriorismus« (1970)

DaB
Daß Walter Benjamin fiir für meine theoretischen Arbeits-
plane
pläne quasi als Gutachter Horkheimer gegeniiber
gegenüber agier-
weiß, auf Wunsch Adornos. Das 1n-
te, geschah, soviel ich weiB, In-
für Sozialforschung, auf dessen sachliche Zustim-
stitut fiir
mung und finanzielle Unterstiitzung
Unterstützung die Plane
Pläne abgezielt
waren, war nach New York ubergesiedelt,
übergesiedelt, wahrend
während
Adorno sich meistenteils in Oxford aufhielt, urnum sich mit
'seiner Arbeit uber
über Husserl urn um eine Fellowship am All
Souls College zu bewerben • Eine Befurwortung
20 Befürwortung meiner
Plane
Pläne von seiten Benjamins erachtete Adorno fur für netig"
nötig"
weil seine Zustimmung mit meinen Absichten wegen de-
ren unerwartet enger Obereinstimmung
übereinstimmung mit seinen eig-
nen Auffassungen als voreingenommen hatte hätte gelten ken-
kön-
nen. Benjamins Einwilligung zu seiner Mitwirkung war
indessen keineswegs leicht zu gewinnen gewesen. Von Von
dem Grad des MiBtrauens
Mißtrauens und der Widerspenstigkeit Ben-
jamins fremden 1deen
Ideen gegeniiber
gegenüber laBt
läßt sich schwer eine
Vorstellung machen. »Man muB muß sie ihm zwangsweise
verabfolgen, schlimmer als einer StraBburger
Straßburger Gans das
Futter«, hatte Adorno mir warnend gesagt, als wir uns in
Paris zur ersten Diskussion der Dinge mit Benjamin be-
gaben. Auch ware
wäre es falsch, meinen Planen
Plänen in der Ein-
schatzung
schätzung nicht nur Benjamins und erst recht Hork-
heimers sondern selbst Adornos eine ubertriebene
übertriebene Be-
deutung beizumessen. Sie standen fur für sie an ziemlich
untergeordneter Stelle und am Rande ihrer eigentlichen
20 Entgegen dieser Absicht siedelte Adorno im Herbst 1938 mit seiner
Frau ans Institut nach New York tiber.
über. - Die Arbeit iiber
über Husserl
erschien erst 1957 unter dem Titel »Zur Metakritik der Erkenntnis-
theorie. Studien tiber
über Husser!
Husserl und die phanomenologischen
phänomenologischen Antino-
mien.« Teile davon lagen in ersten und zweiten Fassungen aber
damals schon vor und sind noch in meinem Besitz.

87
Interessen. Speziell Benjamin konnte erst ganz allmahlich
allmählich mi t denen sich Sohn-Rethel herumschIagt,
herumschlägt, objektiv, das heiBt
heißt ge-
zur Aufgabe seines Widerstandes und zu einer wohlwol- daß es vie11eicht
schichtlich bedingt erscheinen und daB vielleicht nur mit ver-
lenderen Beurteilung bewegt werden. cinten
einten Kriiften möglich ist, ihrer Herr zu werden. Erhielte Sohn-
Kräften moglich
Ein eigentliches Gutachten scheint er auch nie abgegeben Rethel Gelegenheit, seine Bemiihungen
Bemühungen mit befreundeten zu ver-
zu haben; unter den Akten des Instituts hat sich kein sol- einen, so wiirde
cinen, würde das seine Chancen, sich von den Verstrickungen
des Idealismus frei zu machen, gewiB
gewiß vergroBern.«
vergrößern.«
ches gefunden. Das einzige was vorliegt sind zwei kurze
Absatze
Absätze am SchluB
Schluß eines Briefes an Horkheimer yom vom Oas
Das Datum des Briefes zeigt, daB daß diese Bemerkungen
28. Marz
März I937. Sie lauten: sich nicht auf das vorstehend veroffentlichte
veröffentlichte Expose be-
ziehen konnen,
können, das Ende MarzMärz noch nicht vorlag. Der
»Um zum SchluB
Schluß mit einem Wort und soweit mir das ohne Sache nach entsprechen sie jedoch dessen Hauptinhalt,
Kenntnis des groBen möglich ist 2 1, auf die Entwiirfe
großen Exposes moglich Entwürfe von und die allgemeine Beurteilung findet sich in den Rand-
Sohn-Rethel
Sohn-Rethe! zu kommen, so habe ich durch Besprechungen mit
bemerkungen nur bestatigt.
bestätigt. Die Intention wird mit
ihm und mit Wiesengrund [d. i. Adorno], auch durch einige Ge-
spräche zu dritt, mit der Zeit naheren
sprache näheren Einblick in sie bekommen.
Wohlwollen behandelt, die Durchfiihrung
Durchführung hingegen mit
Mir erscheinen unter seinen Thesen die beiden bei den wichtigsten: die unverkennbarer Reserve. Verglichen mit der anfangli- anfängli-
Ableitung des Warentauschs aus der Ausbeutung und die Ablei- chen beiBenden
beißenden Ablehnung Freilich
freilich verbuchten diese Re-
tung des rein theoretischen Denkens aus der Warenwirtschaft. serven schon eine groBe
große Avance fiirfür mich. Die sich hau-
häu-
Insbesondere die zweitgenannte These ste11t,
stellt, wie ich glaube, die fenden Anstreichungen am Rande und der schlieBliche
schließliche
Formulierung vor auBerst prekäre Aufgaben; auf
äußerst schwierige und prekare . Ausspruch »es warewäre groBartig,
großartig, wenn er recht hatte«
hätte« be-
diesem schmalen Wege kann jeder Fehltritt gefahrlichgefährlich werden. weisen, daB
daß es damit noch seinen Fortgang hatte. Mogli-
Mögli-
Ich kann die ZweckmaBigkeit
Zweckmäßigkeit der einzelnen Schritte hier nicht wäre nach dem Expose die Bemerkung uber
cherweise ware über
beurteilen; von dem Ziel mochte
möchte ich meinen, daB daß es bedeutungs-
meine idealistischen Verstrickungen unterblieben; wenig-
voll ist.
stens lassen anerkennende AuBerungen
Äußerungen im Gesprach
Gespräch
Etwas mehr Bewegungsfreiheit habe ich bei den Debatten, die die
erstgenannte These betreffen, gehabt. Ich denke, daB daß sie im histo-
mich hierauf schlieBen.
schließen. Die Intentionen erfuhren nun
rischen Material, mit dem Sohn-Rethel
Sohn-Rethe! sich ja eingehend be- nachdriickliche
nachdrückliche Billigung, aber ihre steigende Bewertung
schaftigt
schäftigt hat, wertvolle Resultate zeitigen kann. Mir ware wäre vor al- erhohten
erhöhten zugleich auch die Bedenken uber über die »ungeheu-
lem eine Konfrontation des Warentauschs
Waren tauschs mit dem ihm nach der re Beweislast«, die ihnen auferlegt sei.
Rethelschen These offenbar vorangehenden primitiven Tausch Bei all ihrer Klirze
Kürze greifen die Bemerkungen Benjamins
würde auf das Studium der primitiven Okono-
von Interesse. Das wiirde ökono- so sehr das Wesentliche heraus, daB daß ich sie mir zur Richt-
mie fiihren.
führen. Sohn-Rethel hat es - was angesichts der Verflech- linie flir
für die jetzigen riickblickenden
rückblickenden Klarlegungen ma-
tung, in der die beiden Thesen bei ihm auftreten, begreiflich ist chen kann. Dabei mochte
möchte ich an die Bedenken wegen der
- mehr zu einer spateren
späteren Periode gezogen, an der er die abgeleite-
Beweislast ankniipfen,
anknüpfen, die insbesondere die »zweitge-
te dritte These zu i11ustrieren
illustrieren vor hat, die Ihnen gleichfalls be-
nannte These« angeht. Zu fragen ware wäre namlich,
nämlich, welche
kannt ist: die Anfange
Anfänge des reinen Denkens seien aus dem Auftre-
ten der Geldwirtschaft abzuleiten. - Wiesengrund ist durch seine Beweisgrlinde
Beweisgründe fur überhaupt erwartet wer-
für diese These liberhaupt
letzten Arbeiten besonders der zweitgenannten These Sohn-Re- den konnen.
können. Da die reinen Erkenntnisbegriffe, deren Ur-
thels, bei der mir die Schwierigkeiten der Artikulierung am groB- größ- sprung in Rede steht, bar jedes Wahrnehmungsinhalts
ten scheinen, eng verbunden: er wird Ihnen dariiber darüber schreiben. sind, scheiden empirische Beweisgriinde
Beweisgründe von vornherein
Ich meinerseits mochte
möchte sagen, daBdaß mir viele der Schwierigkeiten, als unmoglich
unmöglich aus. Die Wahrheiten, urn um die es sich in der
Erkenntnistheorie und erst recht in ihrer Kritik und »Me-
21
2' Es handelt sich urn
um ein »Expose zum Plan einer soziologischen takritik« handelt, lassen sich iiberhaupt
überhaupt nicht sagen,
Theorie der Erkenntnis«, das ich sogleich nach dem Verlassen
Theoric
Deutschlands im Friihjahr
Frühjahr und Sommer 1936
'936 in Luzern ausgearbeitet
wenn man sich den MaBstaben
Maßstäben empirischer Evidenz un-
und im August an Horkheimer und Adorno geschickt hatte. tcrwirft.
terwirft. Die versteinerten Klasseninteressen, deren dick-

88 89
falliger Ausdruck der angelsächsische
fälliger angelsachsische Positivismus iseist22 , ihr wird die andere These, die Ableitung des Warenaus-
bezwecken die verstockte Leugnung dieser Wahrheiten tauschs aus der Ausbeutung in Abweichung von Marx,
nur. verstandlich. Denn die Frage ist die, woran es liegt,
erst verständlich.
Die Erscheinung, die Marx vom yom Wesen der Dinge unter- daB die Formbestimmtheit des Austauschs, die immer
daß
Erklarung er seine Wesensbegriffe
schied und zu deren Erklärung dieselbe ist, nicht gleich von Anfang an, sondern erst zu
yom Wert und Mehrwert entwickelte, ist im weiteren ka-
vom spaten Entwicklungszeitpunkt der griechi-
dem relativ so späten
irrefiih-
pitalistischen Verlauf nur immer wesenloser und irrefüh- schen Antike die von der Handarbeit geschiedene Gei-
render geworden. Die Erkenntnistheorie und ihre Kritik, Verkniipfung mit der Erkennt-
stesform erzeugt hat. Die Verknüpfung
die es mit dem Wesen der Wesensbegriffe zu tun haben, nisgeschichte involviert die Wesensnatur des Waren-
sind von unmittelbarer empirischer und historischer Evi- tauschs, der zur Grundlage der begrifflichen Denkform
denz noch eine Etappe weiter entfernt als die Kritik der Phanomene an seinen ver-
wird. Wenn so wesentliche Phänomene
politischen Okonomie.
ökonomie. Dieser Wesenserklarung
Wesenserklärung sind Be- schiedenen Entwicklungsstadien haften, geht es nicht
Lasung zulas-
dingungen gestellt, die eine und nur eine Lösung mehr an, die Entfaltung des Austauschs vom yom »einfachen
sen. Diese ist an ihrer inneren Stimmigkeit kenntlich. Die zufälligen Wertausdruck« bis zur »fertigen Geld-
und zufalligen
U nstimmigkeit aller idealistischen Lasungs-
erwiesene Unstimmigkeit Lösungs- form« als ein Kontinuum der bloßen bloBen Formentwicklung
versuche besagt, daB
daß der separate Intellekt sich nicht sel- von Austausch darzustellen. Was dabei ubersehen
übersehen wird,
ber zum MaBe
Maße dienen kann. Sein »reines« Wesen ist selbst ist die mit der Evolution des Tauschverkehrs verknupfte
verknüpfte
noch Erscheinung: von der Handarbeit geschiedene »blo- . Metamorphose der gesellschaftlichen Synthesis. Die Ent-
Be«
ße« Geistesarbeit. Die Lasung
Lösung ist allein in der Genesis wicklungsgrade des Warentauschs sind mit Wandlungen
dieser Scheidung zu finden, also in der geschichtlichen der Gesellschaftsformation verkettet, und das ist eine
Erklarung
Erklärung des geschichtslosen Scheins der Wahrheit. Das Verkettung, die schon zur Wesensentwicklung der Wert-
Verstandnis
Verständnis des Geschiedenen kann nur aus der Erkla- Erklä- form gehart,
gehört, nicht erst zu ihrer Geschichte. Es wird natig,
nötig,
rung seiner Scheidung erwachsen. Die Erklarung
Erklärung ver- einen Wesenseinschnitt der Tauschentwicklung an dem
langt die Vorweisung seines Zusammenhangs, des Zu- Punkt zu statuieren, wo der Formalismus des Austauschs
sammenhangs von Geschichte und Logik, von Natur und zum Formalismus des Gesellschaftszusammenhangs wird.
Gesellschaft, von Okonomie
ökonomie und Naturwissenschaft, von Das ist der eigentliche Wendepunkt in der Menschheits-
Biologie und Intellekt, von Handarbeit und Kopfarbeit, geschichte, an dem die »naturwuchsigen«
»naturwüchsigen« Gemeinformen
usw. Das Prinzip ist die formgerechte Geschichtserkla-
Geschichtserklä- ans Ende gelangen, den »gentilgesellschaftlichen« Resten
rung der Entfremdungen, die den historischen Materialis- der Garaus gemacht wird, und an dem die synthetische,
mus kennzeichnet. Die ungeheure Beweislast, urn um die die geldwirtschaftliche, naturentfremdende Vergesell-
Benjamin besorgt war, ist die der Einlosung
Einlösung des Ge- schaftung beginnt. Die Unvertraglichkeit
Unverträglichkeit zwischen bei-
schichtsmaterialismus in der genetischen Formerklarung
Formerklärung den, dem was nach und dem was vor diesem Wendepunkt
des Erkenntnisphanomens.
Erkenntnisphänomens. Freilich war das aus der Art, gelegen ist, ist von Engels in seinem »Ursprung der Fami-
wie ich mich zu der Zeit damit herumschlug, wohl noch lie etc.« groBartig
großartig herausgearbeitet worden.
nicht zu ersehen. Adorno sah es, weil er sich mit dersel- Wie nun hangthängt dieser Wesenseinschnitt mit der Ausbeu-
ben Sache herumschlug. tung zusammen? 1st Ist Ausbeutung erst eine Foigeerschei-
Folgeerschei-
Die Ableitung des rein theoretischen Denkens aus der nung oder ist sie schon eine wesensmaBige
wesensmäßige Voraussetzung
Warenwirtschaft, die Benjamin an zweiter Stelle nennt, für die Erreichung dieses Zeitpunkts? Die Antwort auf
fur
war damals und ist heute noch meine primare
primäre These. Aus diese Frage ist nicht zweifelhaft. Die Ausbeutung nach-
22 reh
Ich denke hier vor aHem
allem an die Manifestation desselben, die Adorno her und die Ausbeutung vorher weisen entscheidende
als seine .wissenschaftlichen Erfahrungen in Amerika. beschreibt. Form- und Sachverschiedenheiten auf, aber ihr Voraus-

90 91
gang ist ebenso gewiB
gewiß wie ihre sukzessive Folge danach. erst in ihrer zersetzenden Riickwirkung
Rückwirkung Ausbeutung in
Die der Warenproduktion vorausgehende Ausbeutung Form einseitiger Aneignungsverhaltnisse
Aneignungsverhältnisse ausloste,
auslöste, seien
geschieht in den Formen, die Marx unter dem Namen der letztere nun inner- oder inter-ethnisch. Als inter-ethni-
»unmittelbaren Herrschafts- und Knechtschaftsverhalt-
Knechtschaftsverhält- scher, außenwirtschaftlicher
auBenwirtschaftlicher Verkehr hat Tauschhandel
zusammenfaßt und als einseitige Aneignungsver-
nisse« zusammenfaBt die gesamten Zeitalter der direkten Herrschafts- und
haltnisse
hältnisse von den wechselseitigen des Warenaustauschs Knechtschaftsverhaltnisse
Knechtschaftsverhältnisse begleitet und an Bedeutung
wesensmaBig
wesensmäßig unterscheidet. Die einseitigen Aneignungs- dabei standig
ständig zugenommen. Er hat aber nicht deren inne-
verhältnisse beruhen auf der Tatsache, daB
verhaltnisse daß von dem Zeit- re Ordnung durchdrungen und diese nicht in ein Netz von
punkt an, an welchem zuerst ein gewisses MaB
Maß von Mehr- Tauschbeziehungen verwandelt. Dies konnte nicht ge-
produktion uber
über den unmittelbaren Existenzbedarf hin- schehen, solange die Primarproduktion
Primärproduktion (Agrikultur und
aus erzielt wird, das Mehrprodukt nicht den Produzenten Viehwirtschaft) in kollektiver Form betrieben wurde -
verbleibt, sondern auf verschiedenartigste Weise zum Be- mit oder ohne Bewasserungswirtschaft
Bewässerungswirtschaft - und Einzelpro-
sitz von Nichtproduzenten wird. Diese Aneigner des duktion nur in sekundaren
sekundären Zweigen (Topferei,
(Töpferei, Textil-, und
Mehrprodukts werden dann entsprechend ihrer Macht aHem Metallgewerbe etc. als Luxusindustrien fur
vor allem für die
uber
über die Produzenten zu den Agenten fortschreitender Herrscherkaste) Platz griff. Fast ausschliemich
ausschließlich zum Behuf
Gradsteigerung der gesellschaftlichen Mehrproduktion. der letzteren dehnte der auBenwirtschaftliche
außenwirtschaftliche Tauschver-
Verglichen mit der auf Warenproduktion beruhenden, in kehr sich aus. Dieser Tauschhandel hatte ganz ebenso wie
den Formen wechselseitiger Aneignung spielenden Aus- Jer Betrieb der Sekundargewerbe
der Sekundärgewerbe selbst die Ausbeutung der
beutung konnen
können die unmittelbaren Herrschafts- und Primarproduzenten
Primärproduzenten zur Basis und fand mit den von die-
Knechtschaftsverhaltnisse
Knechtschaftsverhältnisse auf Grund einseitiger Aneig- sen zur Ablieferung gebrachten und aufgespeicherten
nung sehr wohl als Primarausbeutung
Primärausbeutung verstanden wer- Produkten als Grundlage der Bezahlung statt. Der
den, wie das in meiner Pariser Arbeit geschieht. Tauschverkehr hatte sich gewandelt. Er war nicht mehr
In die Irre geht aber meine damalige Auffassung in der ausbeutungsfreier Handel der Produzenten selbst mit
Annahme, daB daß diese primären
primaren Ausbeutungsverhältnisse
Ausbeutungsverhaltnisse ihren eigenen Produkten, sondern er war zum Handel
vorwiegend ihren U rsprung in inter-ethnischer Erobe-
Ursprung von Ausbeutern mit Produkten ausgebeuteter Arbeit ge-
rung und Unterwerfung haben muBten.
müßten. Durch diese An- worden. Wahrend
Während in jenem anfanglichen
anfänglichen Handel die
nahme wird dem primitiven Tausch - der ubrigens
übrigens besser Dinge Wert annahmen, weil sie getauscht wurden, ge-
auch »primarer«,
»primärer«, zeitlich erster Tausch hieBe
hieße - seine spe- langten sie nun in den Austausch, weil sie Werte waren.
zifische, von Marx furfür wesentlich gehaltene geschichtli- Dies war Austausch auf Grund von Ausbeutung, nicht
che Rolle abgestritten. Dazu bestand schon auf meinem Ausbeutung auf Grund von Austausch 23 • Und dieser
damaligen Standpunkt keine Notigung.
Nötigung. 1m
Im Gegenteil. Tauschverkehr mit Ausbeutungsprodukten war es, der
Die wesentliche Verschiedenheit zwischen dem primaren
primären zum Ausgangspunkt und zur Grundlage der Warenpro-
Tausch und dem viel spateren
späteren geldwirtschaftlichen Wa- duktion wurde, nachdem die Entwicklung der Eisentech-
renverkehr tritt erst voll in Erscheinung, wenn gesehen Primarproduktion aus den Banden der Kollektiv-
nik die Primärproduktion
wird, daB
daß die Zeitalter des primaren
primären Ausbeutungsver- arbeit befreit und sie in Einzelproduktion verwandelt
hältnisses historisch vorher sowohl wie nachher yom
haltnisses vom Aus- hatte. Jetzt durchdrang dieser Tauschverkehr mit Pro-
tausch flankiert
£lankiert und eingerahmt sind. Der vorausgehen- dukten, weil sie Werte waren, das innere Gefuge
Gefüge der Ge-
de, eigentlich initiale Tauschhandel zwischen verschiede-
denen naturwiichsigen
naturwüchsigen Gemeinwesen muB muß als ausbeu-
2} Selbstredend bezieht sich das fur
'} für die antike Warenwirtschaft Gesagte
tungsfreier Verkehr su pponiert werden, als erste Folge
supponiert nicht auf die vie!
viel spatere
spätere Kapitalistische Okonomie, die zur Ausbeu-
und Verwendungsart iiberschieBender
überschießender Produktion, die tung auf Grund des »Austauschcs
»Austausches von Kapital gegen Arbeit«
Arbeit. gelangt.

92 93
sellschaft und verwandelte diese in einen Nexus von riellen Produktivkrafte
Produktivkräfte oder auf ihren Hochstand grun-
grün-
wechselseitigen Aneignungsbeziehungen zwischen Aus- de. In der griechischen Antike aber ist zum ersten Mal
beutern. Zu diesem entscheidenden Schritt war die Aus- cler
der gegenteilige Sachverhalt erreicht, den ich als Aneig-
pragung
prägung der Geldform des Warenwerts erforderlich, der nungsgesellschaft verstehe, da~
daß namlich
nämlich der Nexus der
sichtbare Ausdruck des Postulats der Tauschaquivalenz,
Tauschäquivalenz, Gesellschaft sich zur Ganze
Gänze auf Handlungen grundet,
gründet, die
der dingliche Trager
Träger der gesellschaftlichen Synthesis ver- von der Arbeit sachlich verschieden sind und von ihr zeit-
moge
möge des Warenaustauschs. lich und raumlich
räumlich getrennt stattfinden. Diese Handlun-
Mit diesen Ausfuhrungen
Ausführungen sollte der Klarlegung der von gen sind Aneignungshandlungen in der Form des Aus-
Benjamin erstgenannten These des Pariser Exposes ge- tauschs. Die Getrenntheit der »Wertform« von der Ar-
dient sein, sowohl dessen, was darin berechtigt, wie auch beit ist von ebenso gro~er
großer Wichtigkeit wie ihre quantita-
dessen, was verfehlt ist. Verfehlt war es, dem »primitiven tive Beziehung auf die Arbeit. Denn an der Getrenntheit
Tausch« eine andre Formbestimmtheit zu vindizieren als hangt
hängt die ganze Abstraktheit des Wertes und des Geldes
dem entwickelten »Warentausch« und ihm das Postulat der Form nach, also die Realabstraktion, aus der sich die
der Xquivalenz
Äquivalenz abzustreiten. Der Unterschied liegt allein Denkabstraktion des reinen InteIlekts
Intellekts erklart.
erklärt. Diese
in der Erscheinungsform der Xquivalenz,
Äquivalenz, in ihrem Geld- Denkabstraktion begrundet
begründet die intellektuelle Unabhan-
Unabhän-
ausdruck, oder er liegt, dialektisch gesprochen, in der Re- gigkeit des geldbesitzenden Individuums dadurch, da~ daß
flexion der Formbestimmtheit des Tausches verglichen darin dem Denken des Individuums die Form der gesell-
mit ihrer Unmittelbarkeit. Nicht das Postulat der Xqui-
Äqui- 'schaftlichen Synthesis verliehen wird. Die okonomische
ökonomische
valenz selbst, sondern seine Reflexion hat die Ausbeu- Wertbestimmung durch die Arbeit andrerseits findet im
tung zur Voraussetzung. Dies halte ich furfür eine Wahrheit Gegenprinzip zur Scheinautonomie der Aneignung statt,
von weittragender Bedeutung, die ich in der Marxschen unter der die Menschen zwar das begriffliche Denken er-
Darstellung vermisse. An ihr hangt
hängt die Einsicht in die lemen, über den Gesellschaftsproze~
lernen, aber die Kontrolle uber Gesellschaftsprozeß
Genesis des rein theoretischen Denkens und uberhaupt
überhaupt einbu~en.
einbüßen. Die voraufgegangenen Ausbeutungsformen
das Verstandnis
Verständnis der Scheidung von inteIlektueIler
intellektueller und mittels einseitiger Aneignung, umfassend eine Vielfalt
manueller Arbeit als essenziellem Bestandteil von Klas- von unmittelbaren Herrschafts-und Knechtschaftsver-
sengesellschaft. haltnissen,
hältnissen, bilden, was die Gestaltung der gesellschaftli-
Wenn in der griechischen Antike erstmalig die Geldwirt- chen Synthesis (und die Scheidung von Kopf- und Hand-
schaft platzgreift, so hat in diesem Resultat der gesell- arbeit) angeht, Dbergangsformen
übergangsformen mit stan dig zunehmen-
ständig
schaftliche Nexus die volle Entwicklung von der reinen dem Anteil der Aneignungsbeziehungen bis hin zur rei-
naturwuchsigen
naturwüchsigen Produktionsgesellschaft zur reinen syn- nen Aneignungsgesellschaft, d. h. bis zur vollen Ausrei-
thetischen Aneignungsgesellschaft durchlaufen. Die fung der Warenproduktion.
Form von naturwuchsigen
naturwüchsigen Gemeinwesen vor allem In der antiken Anfangsform der Warenproduktion sind
Tauschverkehr oder doch, bevor dieser irgendeine we- Hand und Kopf in extremer Weise geschieden. Der Skla-
sentliche Bedeutung furfür sie gewinnt, mu~
muß als bestimmt ve (Erwerbs-, nicht Haussklave) ist der gesellschaftlich ge-
durch den Arbeitszusammenhang der Produktion ver- köpfte Arbeiter. Er hat, weil er keines Geldeigentums fa-
kopfte fä-
standen werden. In diesem Sachverhalt, den ich als Pro- hig, an der gesellschaftlichen Synthesis keinen Teil. Der
duktionsgesellschaft bezeichne, da~daß namlich
nämlich der geseIl-
gesell- gesellschaftliche Kopfbesitzer ist der Sklavenhalter, sein
schaftliche Nexus durch den Arbeitsproze~
Arbeitsprozeß der Gesamt- Leib hat belebtes Geldmaterial zur gesellschaftlichen
produktion determiniert sei, ist das Wesensprinzip einer Substanz, er ist sozusagen vergoldet. Diese Sicht des anti-
kommunistischen Gesellschaft zu erblicken, ob dieser ken Warenfetischismus, wie im Pariser Expose gegeben,
Sachverhalt sich nun auf die Geringfugigkeit
Geringfügigkeit der mate- halte ich fur
für zutreffend. Dem universell vergesellschafte-

94 95
ten Denken steht zu Beginn der atomisierte Arbcitsleib
Arbeitsleib wicklung, nicht als bloBe
bloße Formtheorie moglich.
möglich. Auch
gegenüber. Aber die Warenproduktion unterliegt gewis-
gegenuber. kann die eine Grundform des Gesellschaftsnexus nicht
sen dialektischen Notwendigkeiten ihrer Entwicklung, ohne die andre erwogen werden, die Synthesis durch An-
die sich durch aIle
alle ZufaIlsgestaltungen
Zufallsgestaltungen der Geschichte cignung
eignung nicht unabhangig
unabhängig von der auf den ArbeitsprozeB
Arbeitsprozeß
hindurch geltend machen. Diese Dialektik zu verfolgen gegrundeten,
gegründeten, die klassenmaBige
klassenmäßige nicht ohne Bezug auf
ist hier nicht der Ort, da unsre Erorterung
Erörterung bloB
bloß dem We- die klassenlose Vergesellschaftung. Durch die gesamte
sensverhältnis von Warentausch und Ausbeutung gilt.
sensverhaltnis V orgeschichte der W arenproduk tion hindurch bis zu-
Vorgeschichte
Nur so viel sei gesagt: Die Antike endet endet mit der Ver- ruck
rück auf die ersten Anfange
Anfänge von Tauschverkehr ist die
menschlichung der Arbeit oder, besser, mit der Verwand- Entwicklung durch das Neben- und Ineinander von
lung des Produzenten in einen Partizipanten der Aneig- produktionsgesellschaftlichen und aneignungsgesell-
nungsgesellschaft; dies wiederum wird zum Ausgangs- schaftlichen Formen bestimmt und die daraus resultie-
punkt einer zunehmenden Vergesellschaftung der Arbeit renden mannigfachen Herrschafts- und Knechtschafts-
und Dberfliigelung
überflügelung der Einzelproduzenten durch die ka- verhaltnisse
verhältnisse der altorientalischen Gesellschaftsformatio-
pitalistische Unternehmungsform und hat in der Gegen- nen. Solange Austausch vorwiegend die auBenwirt-
außenwirt-
wart die Vollvergesellschaftung der Arbeit herbeigefiihrt,
herbeigeführt, schaftlichen Beziehungen beherrscht, erlangt die Aqui-
Äqui-
also die Vergesellschaftung von Kopf und Hand auf glei- valentform des Wertes keine geldmaBige
geldmäßige Auspragung.
Ausprägung.
chern Universalitätsniveau und die Potentialitat
chem Universalitatsniveau Potentialität einer Diese erfolgt erst, wenn Tauschverkehr das Innere des
modernen Produktionsgesellschaft nach der Logik des , gesellschaftlichen Gefiiges
Gefüges durchdringt und Innen- und
Arbeitsprozesses der gesellschaftlichen Gesamtproduk- AuBenverhaltnisse
Außenverhältnisse den gleichen Nenner erfordern, also
tion. Der GeschichtsprozeB
Geschichtsprozeß zeichnet sich, mit andern wenn die Formen der Aneignungsgesellschaft die Reste
Worten, ab als Entwicklung von der primitiven zur mo- der Produktionsgesellschaft aus dem Felde schlagen. Und
dernen Produktionsgesellschaft auf dem Wege der Gene- wenn dies geschieht, also mit dem Beginn der Warenpro-
sis und Peripetie von Aneignungsgesellschaften mit dem duktion, haben sich aIlealle Austauschverhaltnisse
Austauschverhältnisse in Aus-
Inhalt der Ausbeutung. Wie verhalt verhält sich dieser Ge- beutungsverhältnisse gewandelt. Das wurde weiter oben
beutungsverhaltnisse
schichtsaspekt zum Marxschen? schon ausgefiihrt.
ausgeführt.
AustauschprozeB gibt den Waren, die er in Geld
»Der Austauschprozeß lückenlose Formkontinuum der Dialektik des
Das luckenlose
verwandelt, nicht ihren Wert, sondern ihre spezifische »Wertausdrucks« in der Marxschen Darstellung ver-
heißt es im >Kapital< iiber
Wertform«, heiBt über den Austauschpro- dankt seine Eingleisigkeit nur dem Urn stand, daB
Umstand, daß die
zeB24. Wenn man die Schaffung der Wertform durch den
zeß24. Entfaltung des Wertausdrucks nicht als Entwicklung ei-
AustauschprozeB
Austauschprozeß theoretisch nachzeichnet - ein bei ner gesellschaftlichen Synthesis auf dem Hintergrund ei-
Marx fehlender Beitrag zur Analyse -, so findet man, daß daB ner anderen behandelt ist. Die von Marx gestellte Aufgabe
die Marxsche Theorie der Ware eine bedeutende Aus- Zuruckverfolgung der »blendenden Geldform« auf
ist die Zurückverfolgung
weitung und einschneidende Verwandlung erfährt. erfahrt. Die Wertverhaltnis. »Die einfa-
die Keimform im einfachen Wertverhältnis.
Trennung der Formanalyse der Ware von ihrem ge- che Warenform ist daher der KeimKeirn der Geldform«, lautet
hinfallig. Die »Wertform der
schichtlichen Inhalt wird hinfällig. SchluBsatz, das quod erat demonstrandum der Form-
der Schlußsatz,
Ware« erweist sich als die Form der von der Arbeit und auBerhalb ihrer Formbestimmtheit
analyse. Ohne den außerhalb
ArbeitsprozeB getrennten gesellschaftlichen Synthe-
dem Arbeitsprozeß gelegenen Hintergrund der Produktionsgesellschaft und
sis, und die Theorie der gesellschaftlichen Synthesis ist of- ohne die Entwicklung auf Kosten und in Ablösung
Ablosung dersel-
Riicksicht auf die Geschichtsent-
fenkundig nicht ohne Rücksicht ben ist der Geldform der Ausbeutungsinhalt nicht anzu-
sehen. Es ist ihr aber auch nicht anzusehen, wie die ge-
24 K. Marx, Das Kapital I, MEW 23, S. 105. Warenokonomie in ihrer Zu-
sellschaftliche Synthesis der Warenökonomie

96 97
-
kunftsentwicklung aus ihrer kapitalistischen Vollendung Vollvergesellschaftung des Denkens zugrundeliegt. Die
soll
soIl übergehen konnen in eine andersartige, nicht mehr auf
iibergehen können Theorie der Wertform als Geschichtstheorie der beiderlei
gegriindete Gesellschaftsformation. Gewiß
Wert und Geld gegründete GewiB Arten von gesellschaftlicher Synthesis weitet die marxi-
bezeichnet die Abschaffung der kapitalistischen Eigen- stische Kritik noch über
uber die ökonomiekritischen
okonomiekritischen Grenzen
Dbergangs, sie kann aber nicht
tumsrechte die Schwelle des übergangs, selbst aus. - .
okonomischen und die gesellschaftlichen Inhalte be-
die ökonomischen zahlt in seinem Brief an Horkheimer noch eine
Benjamin zählt
Dbergang erst konstituieren. Zur Kri-
zeichnen, die den übergang »abgeleitete
"abgeleitete dritte These« auf: die Anfänge
Anfange des reinen
Okonomie, d. h. einer Kritik von ge-
tik der politischen ökonomie, Denkens seien aus dem Auftreten der Geldwirtschaft ab-
gehort eine Theorie der Wert-
schichtslosen Kategorien, gehört zuleiten. In ihrer historischen Bedeutung ist dieser These
form qua Theorie der gesellschaftlichen Synthesis hinzu, inzwischen ein damals ungeahnter Zuzug geworden. In
aus der sich die geschichtlichen Geltungsgrenzen der Ka- Jahren nämlich,
denselben Jahren namlich, in denen ich mich damit her-
Marktokonomie erkennen lassen. Freilich
tegorien der Marktökonomie umschlug, gelangte in England George Thomson als klas-
hat Marx diese Erkenntnis besessen, sein ganzes Denken sischer Altertumsgelehrter und Marxist zu der gleichen
war von ihr durchdrungen. Aber ohne die gehorige
gehörige theo- Auffassung. Er formulierte sie zuerst in einem Aufsatz
retische Handhabe war dieser Besitz das Geheimnis des »The Social Origins of Greek Tragedy«26, dem bloßen bloBen
Marxschen Genies, ohne das wir heute auszukommen ge- Erklarung des sozialen und geistigen
Auftakt zu einer Erklärung
notigt sind. Es will uns scheinen, daß
nötigt daB die Analyse von . Lebensprozesses der griechischen Antike zu ihrer klassi-
Ware und Wert ohne die Analyse der Wertform der nöti- noti- . schen Zeit aus der Produktionsweise ihres materiellen
gen Vollständigkeit
Vollstandigkeit entbehrt. Ich habe an andrer Stelle Lebens. Was Benjamin und mir selber noch in seiner
ausgefiihrt25 , warum ich glaube, daß
ausgeführt daB die die kapitalisti- Durchführbarkeit
Durchfuhrbarkeit als zweifelhaft erschien, das findet sich
sche Aneignungsgesellschaft transzendierenden Realitä-Realita- erfolgreich geleistet in den drei Hauptwerken dieses Den-
ArbeitsprozeB und seiner spezifischen
ten im modernen Arbeitsprozeß 27
Veroffentlichung des zweiten Werks
kers • Erst nach der Veröffentlichung
biirgerli-
Formbestimmtheit zu suchen sind. Aber in der bürgerli- erhielten George Thomson und ich, an demselben Orte
Betriebsokonomie wird diese Formbestimmtheit
chen Betriebsökonomie Formhestimmtheit den lebend und zur gleichen Partei gehörig,
gehorig, von unseren gleich-
Okonomie subsumiert und
Kategorien der politischen ökonomie gerichteten Ideen Kenntnis und vereinigten fortan auch
diesel be als bloße
dieselbe bloBe Extension zur kapitalistischen Markt- Krafte. Ein größeres
unsere Kräfte. groBeres englisches Manuskript von
Profitokonomie behandelt. In Wahrheit steht darin
und Profitökonomie mir »Intellectual and Manual Labour, Critique ofIdealis-
ArbeitsprozeB gegrün-
die Basis einer auf den modernen Arbeitsprozeß gegriin- tic Epistemology« war 1951 abgeschlossen worden, fand
deten sozialistischen und selbst kommunistischen Pro- aber keinen Verleger. George Thomsons »The First
duktionsgesellschaft parat. Das in concreto aufzudecken, Philosophers« ist 1961 im Akademie-Verlag der DDR
ware Aufgabe einer Kritik der bürgerlichen
wäre biirgerlichen Betriebs- unter dem Titel »Die ersten Philosophen« auch in
okonomie, zu der die Kategorien vorwiegend aus der
ökonomie, deutscher Sprache erschienen, im Westen aber kaum be-
Theorie der Wertform und der gesellschaftlichen Synthe- Tatsachlich ist in den Analysen dieses Bu-
achtet worden. Tatsächlich
sis gezogen werden mussen.
müssen. Die Zeitokonomie
Zeitökonomie des mo- ches erstmals in überzeugender
iiberzeugender Weise der kausale sowohl
sowohI
enthalt die Formelemente der
dernen Arbeitsprozesses enthält wie der formgenetische Zusammenhang von Philosophie
Vollvergesellschaftung der Produktionsarbeit. Aber die und Geldwirtschaft plausibel dargelegt worden. In seinen
gesellschaftliche Bedeutung dieses Tatbestandes ergibt historisch gerichteten Untersuchungen kann George
Beriicksichtigung des anderen Tatbestan-
sich nicht ohne Berücksichtigung
daB der naturwissenschaftlichen Erkenntnisweise die
des, daß 26 In »TheModernQuarterly« (Vol. I, No. 3, July 193 8).
27 »Aeschylus and Athe~s.,
Athens., 194 I, -Studies in Ancient Greek Society,
korperliche Arbeit - Zur Theorie .der
25 Geistige und körperliche der gesellschaftlichen Vol. 1: The Prehlstonc
Prehistoric Aegean«, _Vol. 2: The First Phi-
Aegean., 1949, und -Vol.
Teil.
Synthesis. Frankfurt 1970. Siehe u. a. den 3. Tell. losophers., 1955.
losophers«,

98 99
Thomson nur Hypothesen mit Wahrscheinlichkeitscha- Warenforrn und Denkform':-
rakter formulieren. Mein Versuch einer systematischen
Analyse bedeutet eine Vervollstandigung,
Vervollständigung, die selbst wie- Versuch iiber
über den gesellschaftlichen Ursprung
derum auf die historische Erfassung des Stoffes angewie- des »reinen Verstandes«
sen ist.

I. Gesellschaftlicher Ursprung des rein en Verstandes?


reinen

DaB
Daß die menschlichen Denkformen vom gesellschaftlichen Sein
bestimmt werden und geschichtliche Entwicklungsprodukte
sind, ist eine der Grundlehren des Marxismus. Soweit die Denk-
formen sich auf das Verstandnis
Verständnis gesellschaftlicher Beziehungen
stößt diese Lehre auf keinen groBen
richten, stoBt großen Widerstand. Sie
. beansprucht jedoch Wahrheit auch fiir für solche Denkformen, die
der Erkenntnis der Naturobjekte dienen, und hier steht die
marxistische These in scharfem Gegensatz zu allen anderen
Auffassungen. Die meisten Anschauungen gehen dahin, daB daß wir
von den Naturerscheinungen unmittelbar Apperzeption besit-
zen, und in bezug auf die sinnliche Wahrnehmung oder, sagen
wir, auf den Anteil unserer Sinnesorgane an der Bildung unse-
rer Apperzeption kann das zugegeben werden, denn diese Or-
gane haben wir mit den Tieren weitgehend gemein. Aber der
gesamte begriffliche Anteil an der Auffassung von der Objekt-
welt ist geschichtliches Entwicklungsprodukt und gesellschaftli-
chen Ursprungs (tatsachlich
(tatsächlich erweist sich bei naherem
näherem Zusehen
auch der sinnliche Anteil von dem begrifflichen nicht wirklich
ablosbar).
ablösbar). Unsere Begriffe gehoren
gehören nicht zu den Dingen, sind
nicht Eigenschaften von ihnen, die auf uns iiberspringen
überspringen oder
die wir von ihnen ablesen. Der begriffliche Apparat, den wir
auf die Dinge anwenden, gehortgehört vielmehr zu uns, freilich »zu
uns« in einem gesellschaftlichen und historischen Sinne verstan-
den, nicht individuell und nicht von Natur.
Die Schwierigkeit, auf die diese Auffassung in bezug auf unsere
stoBt, riihrt
reinen Objektbegriffe stößt, rührt zum Teil daher, daBdaß diese
Objektbegriffe mit der bewuBten
bewußten Ausschaltung der Gesell-
". Gastvortrag, gehalten bei der Abt. Altertum des Instituts fiir
für Allgemeine
Geschichte der Humboldt-Universitat
Humboldt-Universität zu Berlin, als Manuskript gedruckt
1961, Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universitat
Humboldt-Universität zu Berlin.

100
101
-
schaft aus unserem Denken verknupft
verknüpft sind, also sozusagen ub- üb- und Zeitlosigkeit, die zu seinem Inhalt gehoren,
gehören, konnen
können das Er-
rigbleiben, wenn vom Gesellschaftlichen vollig völlig abstrahiert gebnis einer Selbstausloschung
Selbstauslöschung der Gesellschaft im Bewufitsein
Bewußtsein
wird. Den meisten Denkern, besonders den Philosophen des 17. der Beteiligten sein. Mit andern Worten, die Ausschaltung der
und 18. Jahrhunderts ist diese Tatsache das Argument dafur, dafür, Gesellschaft aus dem Denken, die fur für die theoretische Objekt-
daß in der naturwissenschaftlichen Begriffsform der menschli-
dafi erkenntnis charakteristisch ist und die von aller bisherigen Phi-
che Verstand sich dartut, wie er eigentlich und von Ursprung losophie explicite oder implicite als genetische U rspriinglich-
rsprunglich-
aus ist; ein Standpunkt, der typisch ist fur
für eine Klasse, die sich keit des reinen Verstandes hypostasiert worden ist, mag sich als
fur
für ihre Herrschaft auf die Scheidung der Kopfarbeit von der eine von der Gesellschaft selbst verursachte Wirkung befriedi-
l-tlndarbeit verlassen mu6.
muß. Die moderne mathematische oder gend erklaren
erklären lassen.
»theoretische« Naturwissenschaft ist in der Tat reine Kopfar- Dies ist der Standpunkt, der im vorliegenden Aufsatz einge-
beit, Kopfarbeit in Reinkultur sozusagen. Die Philosophen der nommen wird. Es handelt sich dabei urn um einen Versuch, das er-
Bourgeoisie haben sich darum auch immer erneut daran begei- kenntnistheoretische Denken aus den Fesseln und Fallstricken
stert darzulegen, dafi
daß diese Erkenntnisart unmittelbar moglich
möglich der idealistischen Denkweise zu befreien und mit den der mar-
sei, auf Grund der Natur des menschlichen Geistes, fur für immer xistischen Okonomie
ökonomie zugrunde liegenden Voraussetzungen auf
und ewig. Ob diese Moglichkeit
Möglichkeit in materialistischer oder in ein Niveau zu bringen. Der Schliissel
Schlüssel dazu liegt in der Marx-
idealistischer Weise konstruiert wird, so namlich,
nämlich, dafi
daß die Ob- schen Warenanalyse, weIche
welche die theoretische Grundlage zu die-
jektformen von den Dingen in den menschlichen Geist uberge- überge- ser Okonomie
ökonomie bildet. Es soIl
soll der Standpunkt vertreten werden,
hen oder primar
primär im Menschengeist wurzeln, ist der Hauptthese dafi
daß die Geburt des theoretischen Subjektes aus der Abstraktion
gegenuber
gegenüber von sekundarer
sekundärer Bedeutung, obwohl es zutrifft, dafi daß der Gesellschaft von sich selbst eine bisher unbeachtet gebliebe-
sich auf Grund der zweitgenannten, von Kant begrundetenbegründeten ne Wirkung des Verdinglichungsvorgangs ist. Dementspre-
schärferes Bild von den Postulaten der burgerlichen
Version ein scharferes bürgerlichen chend beginnen wir mit einer Erwagung
Erwägung uberüber die allgemeine
Klassenherrschaft entwickeln lafit.
läßt. Mit der Philosophie der An- Bedeutung der Marxschen Warenanalyse.
tike steht es im Hauptpunkt nicht anders; auch sie, und sie erst
recht, war eine Philosophie herrschender Klassen mit Geistes-
monopol, eine Philosophie von Intellektuellen fur für Intellektu- 2. Grundsatzliche
Grundsätzliche Bedeutung der Marxschen Warenanalyse
elle.
Der Marxismus ist die erste Philosophie fur für die Arbeiterklasse, Die Analyse der Ware zu Anfang des »Kapital« nimmt im
die erste daher, die dem Gedanken Raum geben kann, dafi daß die Marxschen Werke eine ganz besondere Stellung ein. Sie ist nicht
Möglichkeit der theoretischen Naturkenntnis nicht ein prima-
Moglichkeit primä- nur der Grundstein der kritischen Analyse der kapitalistischen
res Vermogen
Vermögen des mensch lichen Geistes darstellt, sondern viel-
menschlichen Produktionsweise, mit allem, was dies fur für den Marxismus in
mehr ein kompliziert vermitteltes Produkt bestimmter gesell- sich schliefit.
schließt. Sie ist zugleich das von Marx selbst statuierte
schaftlicher Entwicklungen ist und aus den Wurzeln gewisser Lehrbeispiel der Handhabung der historisch-materialistischen
Formen von Klassenherrschaft hervorgeht. GewifiGewiß ist die Mog-
Mög- Methode. Nicht umsonst findet sich die programmatische For-
lichkeit theoretischer Objekterkenntnis logisch unmittelbar, mulierung dieser Methode in der Einleitung zu der Schrift, in
aber diese logische Unmittelbarkeit berechtigt nicht dazu, auf der Marx im Jahre 1859 seine Waren- und Geldanalyse zum er-
eine genetische Unmittelbarkeit zu schliefien.
schließen. 1mIm Gegenteil. sten Male veroffentlichte.
veröffentlichte. Dieselbe allgemeinphilosophische
Die unmittelbare logische Moglichkeit
Möglichkeit soIcher
solcher Erkenntis be- Bedeutung, die dieser Formulierung der materialistischen Ge-
steht fur
für das Subjekt einer von der Handarbeit geschiedenen schichtsauffassung eignet, kommt daher auch der Warenanaly-
Geistesarbeit, und dieses Subjekt, das vielgeruhmte
vielgerühmte »Erkennt- se als ihrer authentischen Konkretion zu.
nissubjekt« der idealistischen Erkenntnistheorie, kann durch- 1m
Im Lichte der allgemeinen Wahrheit des Geschichtsmaterialis-
aus selbst ein geschichtliches Produkt sein. Die Unbedingtheit mus uberhaupt
überhaupt verstanden, deckt die Warenanalyse ein wichti-

102 10 3
-
ges Vermittlungsglied auf, durch welches sich in den Epochen Abstraktionsform und der starren metaphysischen Abgrenzun-
entwickelter Warenproduktion gewisse tragende BewuBtseins-
Bewußtseins- gen und Gegensatzbildungen des traditionellen philosophi-
formen determinieren. »Es ist nicht das BewuBtsein
Bewußtsein der Men- schen Denkens.
schen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Eben in diesem Punkt gewinnt nun die Marxsche Formanalyse
BewuBtsein bestimmt.« Dieser Satz, in dem Marx
Sein, das ihr Bewußtsein der Ware eine weitere und vertiefte Bedeutung. Man ist als Ge-
seinen Gegensatz zur idealistischen Denkweise ausspricht, for- genötigt, sich mit der bloBen
schichtsmaterialist nicht genotigt, bloßen polemi-
muliert den materialistischen Kernpunkt der Marxschen Ge- schen Gegeniiberstellung
Gegenüberstellung der Marxschen dialektischen Denk-
schichtsauffassung und verdient genaueste Beachtung. weise und der traditionellen metaphysischen Begriffsform zu
Es ist offenkundig, daB daß Marx seine materialistische Auffas- bescheiden. Diese Begriffsform hangt
hängt nicht in der Luft, sie muB
muß
sungsweise nicht als einfache Umkehrung der idealistischen vielmehr ihrerseits eine bestimmte materielle Grundlage und
ausspricht. In dem zitierten Satz erhalt
erhält der reine, abstrakte Be- notwendige historische Bedingtheit haben. Und es liegt in mehr
griff des »Seins« den Zusatz »gesellschaftlich«, und darin als einer Beziehung nahe, diese Grundlage und Bedingtheit
driickt
drückt sic?
sicl). aus, daB
daß bei der Umkehrung oder der »Umstiil-
»Umstül- eben in der Warenform zu suchen in allen den Epochen, in de-
pung«, wie es an andrer Stelle heiBt,heißt, nicht nur der Uberzeu-
überzeu- nen entwickelte (einfache oder kapitalistische) Warenproduk-
gungsinhalt sich ins Gegenteil verkehrt, sondern die ganze tion besteht.
Denkform eine andere wird. Denn durch das Epitheton »gesell-
schaftlich« werden Bestimmungen ins Spiel gebracht, die sich
der zeitlos abstrakten Spekulationsweise des traditionellen phi- 3. Abstraktheit der Warenform
"3.
losophischen Denkens ganzlichgänzlich entziehen. Der Determina-
tionsvorgang des BewuBtseins
Bewußtseins wird als ein gesellschaftlicher, hi- Der vorherrschende Charakterzug der Warenform ist in der
storischer, stets spezifischer ProzeB
Prozeß angesprochen, worin es Tat Abstraktheit, und zwar eine Abstraktheit, die den ganzen
nicht um
urn »das« BewuBtsein
Bewußtsein »des« Menschen, sondern urnum be- U mkreis der Warenform zu ergreifen scheint. So ist zunachst
Umkreis zunächst
stimmte Begriffe bestimmter historischer Klassen, Gruppen und der Warenwert oder Tauschwert selbst abstrakter Wert im Ge-
Individuen geht. Auch ist das gesellschaftliche Sein, anders als gensatz zum Gebrauchswert. Der Warenwert ist einzig quanti-
»das Sein« im ontologischen Sinn, keine letzte Instanz der De- tativer Differenzierung fahig,
fähig, und die Quantifizierung, die hier
termination. 1m Im Gegenteil. Das »gesellschaftliche Sein« wird zur Anwendung kommt, ist wiederum abstrakter Natur im Ver-
okonomische Struktur einer Gesellschaft und als bestimm-
als ökonomische gleich zur Mengenbestimmung von Gebrauchswerten. Selbst
te Gesamtheit von Produktionsverhaltnissen
Produktionsverhältnissen verstanden, die die Arbeit wird, wie Marx nachgewiesen hat, als Bestimmungs-
einer bestimmten Entwicklungsstufe der materiellen Produk- grund der WertgroBe
Wertgröße und als Wertsubstanz zu »abstrakt
tivkrafte entsprechen. In dieser Weise verstanden, erweist sich
tivkräfte menschlicher Arbeit«, menschlicher Arbeit als solcher, als Ar-
das gesellschaftliche Sein als »»reale
reale Basis» bestimmter gege- beit iiberhaupt.
überhaupt. Die Form, in der der Warenwert sinnfallig
sinnfällig in
bener Bewußtseinsformen.
BewuBtseinsformen. Es ist stets ein Kennzeichen ech- Erscheinung tritt, namlich
nämlich das Geld und speziell gemiinztes
gemünztes
ter materialistischer Geschichtsbetrachtung, daB daß Geistesformen Geld, ist abstraktes Ding, ein Widerspruch in sich selbst. In ihm
und reale Basis nicht getrennt voneinander, sondern in durch- wird auch der Reichtum zum abstrakten Reichtum. Ais Als Besitzer
gangiger Beziehung aufeinander und wechselseitiger Bedingt-
gängiger solchen Reichtums wird der Mensch selbst zum abstrakten Men-
heit betrachtet werden, so namlich,
nämlich, daB
daß die okonomische
ökonomische Struk- schen, seine Individualitat
Individualität zum abstrakten Privatcharakter des
tur einer Gesellschaft auf die ihr entsprechenden BewuBtseins-
Bewußtseins- Eigentiimers.
Eigentümers. Und schliemich
schließlich ist eine Gesellschaft, in der Wa-
formen und umgekehrt die BewuBtseinsformen
Bewußtseinsformen wiederum als renverkehr den nexus rerum bildet, eine abstrakte Gesell-
durchsichtig fiirfür die ihnen zugrunde liegenden materiellen Ver- schaft.
haltnisse verstanden werden. Die Marxsche materialistische
hältnisse Abstraktheit also liegt im Wesen der Warenform und herrscht
Denkweise entledigt sich derart iiberall
überall der zeitlos absoluten in ihrem gesamten Umkreis. Ferner hat diese Abstraktheit eine

10
1°44 I05
----
hochst
höchst charakteristische Eigenschaft: sie tauscht
täuscht die Warenb e-
Waren be- vermuteten. Diese Vermu tung kann also nicht etwa nur auf die
sitzer iiber
über den historischen Charak ter der Warenf orm und
Marxsche Forman alyse gestiitz
gestützt werden, sie geht vielmehr tiber
über
pragt
prägt ihrem Denken einen zeitlos absoluten, jeden zeitlichen
sie hinaus. Auch ist es unmogl
unmöglich, der Marxschen Redukt ion der
Urspru ng und jede ortliche
örtliche Beding theit verleugnenden Gel- okonom
ökonomischen Wertka tegorie eine ebensolche der reinen Gegen-
tungsan spruch auf. »Wir verfolgten die Befestigung dieses fal-
standsk ategori en einfach per analogi am beizugesellen. Fur
Für unse-
schen Scheins. Er ist vollendet, sobald die allgemeine .i\quivaÄquiva - re Vermu tung laBt
läßt sich auf keinem anderen Wege der Beweis
lentform mit der Natura lform einer besonderen Ware verwach-
erbringen, als daB
daß im Warena ustausc h die Wurzel n der reinen
sen oder zur Geldfo rm kristallisiert ist ... Die vermitt elnde Be-
Gegens tandska tegorie n selbstan
selbständig aufgewiesen werden. Dazu
wegung verschwindet in ihrem Resulta t und laBt läßt keine Spur zu- bedarf es eines erweiterten Ansatz
Ansatzeess zur Forman alyse der Ware,
riick.«
rück.« 1
und zwar eines solchen, durch den die GroBen
Größen bestimmung des
Mit so unverbriichlic
rüchlic her Macht herrsch t dieser »Fetischcharak- Wertes und somit der okonom
ökonomische Aspekt ganz ausgeschaltet
ter der Ware« im Denken der Warenbesitzer, daB daß es bis Marx als und allein das Formpr oblem im Blickpu nkt gehalten wird.
axioma tischer Grunds atz im philosophischen Denken galt, daB daß
Form, und insbesondere Begriffsform, iiberha überha upt raumze itlich
unablei tbar sei. Ja es ist den meisten Philoso phen bis zum heuti-
unable itbar
4. Waren/
Warenform und reine Kop/ar
Kopfarbeit
gen Tage verschlossen geblieben, daB daß Marx in diesen Grund-
satz Bresche geschlagen hat. Diese Unkenn tnis riihrt rührt auch nicht Der Schliiss
Schlüssel zu einem solchen Ansatz liegt in dem Marxsc hen
bloB
bloß daher, daBdaß »Das Kapital« in die okonomökonomische Literat ur Satz: »Gebrauchsgegenstan
genstände werden iiberha
überha upt nur Waren,
gehort
gehört und daher die Fachph ilosoph en direkt nichts anzuge hen
weilI sie Produk te vonein ander unabha
wei unabhängig betriebener Privat-
scheint. Die Philoso phen akademischer Observ anz wurden würden die arbeiten sind.«2 Wo ein GroBte
Großte il der von einer Gesellschaft be-
Marxsche Tat auch dann schwerI schwerlich aufnehmen, wenn sie notigte
nötigte n Gebrauchsgegenstand
enstände Produk te solcher Privata rbei-
ihnen ausdriic
ausdrücklich vorgewiesen wiirde.würde. Ware
Wäre es anders, so ten sind, dort herrsch t entwickelte Warenp rodukti on. »Der
hatten
hätten sich die Lehrer der Philoso phie schon langst längst die Marx- Kompl
Kompleexx dieser Privata rbeiten bildet die gesellschaftliche Ge-
sche Forman alyse der Ware als ihr vorzugl
vorzüglichstes Angriffsobjekt samtarb eit«, fahrt
fährt Marx fort. Der Zusamm enhang der Privata r-
erkoren und sie nach allen Regeln traditio neller Formal istik
beiten zur gesellschaftlichen Gesam tarbeit bedarf der Vermit t-
zu zerreiB
zerreißen versucht. Aber so fest sitzen die Gewoh nheiten
lung durch den Austausch der Produk te, d. h. durch Handlu n-
metaphysischen Denkens, daB daß selbst marxistischen Theore ti- gen, die von der Produk tionsta
tionstätigkeit nicht nur qualita tiv ver-
kern die Bedeutung der Waren analyse nach der Seite, daB daß sie schieden, sondern von ihr auch zeitlich und ortlich
örtlich getrenn t
die erstmalige historische U rsprung
Urspru serklar
ngserkl ung eines reinen Form-
ärung sind. Eine solche Dichoto mie zwischen der Arbeit auf der ei-
phanom
phänom ens ist, noch nicht in ihrer ganzen Bedeut ung aufge-
nen Seite und der gesellschaftlichen Verbin dung der Arbeite n
gangen ist.
auf der andren Seite kennze ichnet den extrem en Gegenp ol zum
Indessen ist es auch fiirfür meine Absicht wichtig, daB daß das Form- Kommunismus, primiti vem oder modernem, wo die Arbeiten
phanom
phänom en, urnum das es sich in der Marxsc hen Analyse handelt , selbst in unmitte lbar gesellschaftlichen Formen stattfin den und
eben die okonom
ökonomische Kategorie des Wertes ist. Es ist keiner der wo somit der gesellschaftliche Zusamm enhang , in seiner Ge-
allgemeinen philosophischen Grundb egriffe, keine der Katego- samthe it sowohl wie in allen wesentlichen Teilen, fur
rien des sogena nnten reinen Verstandes oder des Gegenstands- für die Arbei-
ter verstan
verständlich und von ihnen beherrsch chbar
bar ist. Auf der
denkens uberha
überhaupt. Es ist mit anderen Worten keine derjenigen Grundl age entwick elter Warenp rodukti on hingegen beruht der
Kategorien, an die sich erkenntnistheoretisch die metaph ysische Zusamm enhang der Gesellschaft auf Funktio nen, die von der
Begriffsweise kniipft,
knüpft, deren Urspru ng wir in der Warenf orm Produk tionsta
tionstätigkeit getrenn t und unabha
unabhängig, daher yom vom
Standp unkt der Arbeite r unkont rollierb ar sind. Hier wird des-
I Das Kapital I, MEW 23, S. 107.
2 A. a. 0., S. 87.

106 10
I077
.,-
eine von der Handarbeit unabhangige,
halb eme unabhängige, auf gesonderter mal die Begriffsformen der traditionellen Philosophie entratselt
enträtselt
Formgrundlage ruhende Kopfarbeit zur geseUschaftlichen
gesellschaftlichen Not- worden sind.
wendigkeit. Tatsachlich
Tatsächlich wird die Begriffsweise des metaphysi-
schen Denkens historisch als Eigenart unabhangiger
unabhängiger Kopfarbeit
angetroffen. Die gesonderte Formgrundlage solcher Kopfarbeit 5. Philosophie und Warenproduktion
ist, unserer Hypothese nach, im Marktverkehr zu suchen, nam- näm-
lich in denjenigen Funktionen, auf denen hier der Zusammen- Diese letzteren Begriffsformen tauchen erstmalig im griechi-
hang der Privatarbeiten zur gesellschaftlichen Gesamtarbeit schen Altertum auf, in der ionischen Naturphilosophie bereits
beruht. Wir wurden
würden demgemaB
demgemäß die Kategorien getrennter oder im 6. Jahrhundert, in der Philosophie im eigentlichen Sinne, bei
»reiner« Kopfarbeit hypothetisch ansprechen als Formen ge- Pythagoras, Heraklit und Parmenides, urn um nur die ersten zu
sellschaftlicher Verbindung dort, wo diese Verbindung durch nennen, urn
um 500. Ihre.Entstehung fallt
fällt also, zunachst
zunächst rein histo-
Marktverkehr vermittelt ist. risch gesehen, in eine Epoche beschleunigter Handelsentwick-
Doch wie dem auch sei, jedenfalls zeigt sich, daB
daß die Forschung ägäischen und im ganzen ostlichen
lung im agaischen östlichen Mittelmeer, zuneh-
nach der Verbindung der metaphysischen Begriffsweise mit der menden Warenverkehrs im Innern der griechischen Poleis, des
Warenform zur systematischen Fragestellung nach dem Ver- Aufkommens einer Kaufmannsklasse und steigender Verwen-
haltnis zwischen Hand- und Kopfarbeit in verschiedenen Ge-
hältnis dung von Sklavenarbeit. 1m Im 7. Jahrhundert war in Lydien die
sellschaftsstrukturen U
seIlschaftsstrukturen rsache gibt. Denn es ist kaum notwendig
Ursache . erste Miinzpragung
Münzprägung erfolgt, und die rasche Ausbreitung der
daß es zwischen den beiden
zu betonen, daB bei den Extremen von Kommu- neuen Institution kann als Gradmesser fur für die Intensivierung
nismus und vollentwickelter Warenproduktion vielfaltige
vielfältige Zwi- des Warenaustauschs dienen. Die einschneidenden Folgen dieser
schenstufen und Dbergangsformen
übergangsformen gibt, und zwar sowohl in der Entwicklungen fur überkommene Ordnung der griechi-
für die uberkommene
Entwicklung yom vom primitiven Kommunismus zur Warenpro- schen Gesellschaft sind im »Ursprung der Familie, des Privatei-
duktion wie von dieser zum modernen Kommunismus. In die- gentums und des Staates« zu klassischer Darstellung gelangt.
sen Zwischenstufen herrschen verschiedene Grade und Formen Sie kennzeichnen fur
für Friedrich Engels den Dbergang
übergang zur Ent-
der Kooperation bzw. der Einzelproduktion, daher verschiede- wicklungsstufe der »Zivilisation«:
ne mit der Produktion verbundene bzw. von ihr getrennte For-
men des gesellschaftlichen Zusammenhangs, und dementspre- ,>Die Stufe der Warenproduktion, womit die Zivilisation beginnt, wird
chend verschiedene Formen der Kopfarbeit und verschiedenar- iikonomisch Einführung 1. des Metallgeldes, damit
ökonomisch bezeichnet durch die Einfi.ihrung
Verhaltnisse zwischen Kopf- und Handarbeit. Auch kon-
tige Verhältnisse kön- des Geldkapitals, des Zinses und des Wuchers; 2. der Kaufleute als ver-
nen die von der Produktion getrennten Funktionen der Verge- mittelnder Klasse zwischen den Produzenten; 3. des Privateigentums
seUschaftung yom
sellschaftung vom Warenaustausch verschiedene Formen an- und der Hypothek, und 4. der Sklavenarbeit als herrschende Produk-
tionsform.«3
tionsform.« 3
nehmen, z. B. einseitige Aneignungsformen wie Tribute, Steu-
ern, Feudalabgaben, Ablieferungen erzwungener oder auch
freiwiUiger Art oder auch Verteilungen und Zuweisungen be-
freiwilliger Die SchluBfolgerungen,
Schlußfolgerungen, die Engels in dieser Schrift von der
hordlicher oder privater Natur usw. Solche einseitigen Formen
hördlicher Warenproduktion "in ihrem voUen
vollen Wachstum« auf die Ent-
existieren uberall,
überall, aber in manchen Epochen spielen sie eine be- wicklung der Familie, des Rechts, der Klassen und des Staates
herrschende Rolle wie etwa im Alten Agypten
Ägypten und Mesopota- zieht, sind in jungster
jüngster Zeit von George Thomson urn um einen
mien, oder im feudalistischen Mittelalter. Auch diese Arten der grundsatzlichen
grundsätzlichen Schritt weitergefuhrt
weitergeführt worden. Dieser Gelehrte
Trennung von Produktion und Vergesellschaftung bringen not- hat auch die Entstehung der Philosophie mit dem Wachstum
wendige Scheidungen zwischen Kopf- und Handarbeit mit sich. der Warenproduktion in ursachlichen
ursächlichen Zusammenhang ge-
Sie sind jedoch anderen Charakters und bieten fur für das Ver-
standnis wesentlich geringere Schwierigkeiten, wenn erst ein-
ständnis em- 3 Friedrich Engels, Der Ursprung des Privateigentums etc., MEW 21, 5.170.
5.17°.

108 10 9
rr 4
bracht. Das Ergebnis seiner Forschung in diesem Punkt fin- kens in der Antike gewesen sind. Voraussetzung zu einer Kate-
det sich in allgemeinster Form in folgenden Satzen
Sätzen ausgespro- goriendeduktion der erforderlichen Art ist eine erweiterte Ana-
chen (am Ende des Kapitels iiber
über Parmenides): lyse der Warenabstraktion.
»Marx hat im >Kapital< als erster die geheimnisvolle Natur der Ware
wissenschaftlich analysiert. Eine Ware ist ein stoffliches Objekt, wel-
6. Die Warenanalyse bei Marx und ihre Erweiterung
ches zur Ware wird kraft der gesellschaftlichen Beziehungen, in die es
zu anderen Waren tritt. Seine Bestimmtheit als Ware ist eine rein ab-
strakte Realitat.
Realität. Zugleich ist die Ware das Kennzeichen der Zivilisation,
Zivilisation Lassen Sie uns dazu an die Marxsche Analyse ankniipfen
anknüpfen und
die wir als die Stufe verstanden, auf der die Warenproduktion >zu vol- vol~ einige Ziige
Züge derselben hervorheben, die unter dem Gesichts-
lem
lern Wachstum< gelangt. Daher steht das Denken des zivilisierten Men- punkt unsres Vorhabens von besonderem Interesse sind. .
schen von seiner friihesten
frühesten Zeit bis heute unter dem, was Marx den Wa- 1. Die Ausdriicke
Ausdrücke »Wertabstraktion« und »Warenabstraktion«
»WarenabstraktIOn«
renfetischismus genannt hat, das heiBt
heißt unter dem von den gesellschaftli- dienen Marx der Qualifikation von »Wertform« und und»»Waren-
Waren-
chen Beziehungen der Warenproduktion erzeugten >falschen BewuBt- Bewußt- form« ; sie besagen, daB
daß es eine hervorstechende Eigenart der letz-
s~in<. In der friihen
sein<. frühen griechischen Philosophie konnen
können wir verfolg en , wie
verfolgen, teren ist, daB
daß sie abstrakt sind. Wo wir uns dieser Ausdriicke
Ausdrücke be-
dieses
dIeses >falsche BewuBtsein<
Bewußtsein< nach und nach Gestalt annimmt und fiir für die
dienen, verstehen wir darunter die Abstraktion von den qualita-
Gegenstandswelt Kategorien auspragt,
ausprägt, welche der Natur statt der Ge-
tiven, empirisch gegebenen Eigenschaften, die den Gebrauchs-
sellschaft anzugehoren
anzugehören scheinen. Das >Eine< des Parmenides mag des-
halb, ebenso wie der spatere
spätere Begriff der >Substanz<, als Abbild oder Wi- wert der Waren ausmachen. »Ihre korperlichen
körperlichen Eigenschaften
derspiegelung der Substanz des Tauschwerts bezeichnet werden. kommen iiberhaupt
überhaupt nur in Betracht, soweit selbe sie nutzbar
Zur endgiiltigen
endgültigen Erhartung
Erhärtung dieses Ergebnisses ist Freilich
freilich eine systemati- machen, also zu Gebrauchswerten. Andrerseits aber ist es gerade
sche Erorterung
Erörterung gewisser Probleme der modernen sowohl als auch der die Abstraktion von ihren Gebrauchswerten, was das Austausch-
alten Philo sophie erheischt. Und da eine solche hier nicht unternommen
Philosophie verhaltnis
verhältnis der Waren augenscheinlich charakterisiert.«6
charakterisiert. «6
werden kann, bezeichne ich es nur als provisorisches Ergebnis.«s 2. Primar
Primär ist die Abstraktion yom vom Gebrauchswert. Jedoch er-
streckt sich die Abstraktion auch auf den niitzlichen,
nützlichen, Ge-
C:era~e umgekehrt verhalt
Gerade verhält es sich im vorliegenden Aufsatz. Die brauchswert schaffenden Charakter der in der Warenproduk-
historische
hlstonsche Analyse soilsoll hier nicht im Vordergrund stehen. Viel- tion verausgabten Arbeit: ihr verleiht die Wertabstraktion den
mehr soli
so.ll hier versucht werden, die systematische Analyse an- Charakter von abstrakt menschlicher Arbeit, menschlicher Ar-
zuschneiden,
zuschneIden, durch die es gelingen konnte,könnte, den auf histori- beit als solcher, Arbeit iiberhaupt.
überhaupt.
~ege eruierten Augenschein als iiberzeugende
schem Wege überzeugende innere 3. Die Abstraktion yom vom Gebrauchswert ist objektive, natur-
Wahrheit
WahrheIt zu erharten.
erhärten. Erfordert wird zu diesem Ziel nicht wiichsige
wüchsige Funktion des Warenaustauschs. Sie ist nicht von den
mehr, aber freilich auch nicht weniger als eine formliche
förmliche Deduk- Menschen ausgedacht. Im Gegenteil. Soweit sich historisch im
tion der charakteristischen Hauptbegriffe des metaphysischen Denken der Menschen Ziige Züge zeigen, die mit der Warenabstrak-
Denkens aus der Warenabstraktion. Solche Begriffe sind der tion Verwandtschaft haben, so kann das nur nachfolgende und
Substanzbegriff, die strikte Kausalitat,
Kausalität, der abstrakte Raum und sekundäre Wirkung der Warenwirtschaft auf das menschliche
sekundare
die abstrakte Zeit, usw. Es sind mit anderen Worten die in der- Denken sein. - Zwei Fragen springen hier auf, die aus unsrer
neueren Philosophie mit dem »reinen Verstande« assoziierten weiteren Analyse Antwort heischen: Woran erkennt man im
kategorialen Formen, die in gleicher oder verwandter Gestalt menschlichen Denken Ziige,
Züge, die mit der Warenabstraktion Ver-
auch schon die kategorialen Formen des metaphysischen Den- wandtschaft haben? Durch welche Kausalitat
Kausalität vermittelt sich die
Warenabstrak tion aufs menschliche Denken? Vor
Wirkung der Warenabstraktion
4 C.
G. Thomson, »The First Philosophers«, '955, Lawrence & Wishart, London,
als 2. Band seiner .Studies in Ancient Greek Society«, und friiher
früher bereits nichts hat man sich mehr zu huten
hüten als vor einer oberflachlichen,
oberflächlichen,
»Aeschylus and Athens, A Study in the Social Origins of Drama«, '94 I- J.
5 A. a. 0., p. 30 I (meine Ubersetzung _ A. SR.).
6 Karl Marx, Das Kapital, Bd. I, MEW 23, S. 5 I, p.

IIO
110 I I I
nach bloBer
bloßer auBerer
äußerer Ahnlich
Ähnlich keit urteilen den Gleichsetzung trifft, ist keine Sache bloBer
bloßer Spekul ation,
ation. keine »Sache des
historischer Denker scheinu ngen mit der Warena bstrakt ion. Standp unktes« . Bei gehorig
gehöriger Weiter fuhrung
führung der Marxsc hen
4- Die im Austau sch stattfin dende Abstra ktion entspri ngt aus Warena nalyse gibt es darubedarüber eine eindeutige kritische Ent-
dem Austau schverh altnis
ältnis selbst. Sie entspri ngt nicht der dingli- scheidung.
chen Natur der Waren, weder ihrer Natur als Gebrau chswer te, Welches ist bei Marx nun der Zusam Zusamm menhan
enhangg des Warena us-
noch ihrer Natur als Arbeits produk te. Sie entspri ngt somit auch tauschs mit der Waren- oder Wertab straktio n? Das ist die kriti-
nicht dem Verhalt
Verhält nis der Menschen zu dem Wareng egensta nd sche Frage, denn es ist dieser Zusamm enhang , den das antino-
in der Produk tion oder in der Konsum tion. Die Abstrak tion er-
Abstra ktion mische Denken nicht wahrha ben kann. Das verbind ende Glied
wachst
wächst also weder aus den Dingen noch aus einem unmitte lba- ist das nach Marx dem Austau sch innewo hnende Momen t der
ren Verhalt
Verhält nis der Menschen zu den konkre ten Dingen . Der Gleichsetzung der beiden Warenp osten. An dieser Gleichset-
Urspru ng ist rein relation aler Natur, liegt scheinb ar im Ver- zung hangt
hängt der ganze Abstrak tionsvo rgang. »Um herausz ufin-
haltnis
hältnis von Dingen zueinan der, jedoch nicht von Dingen als den, wie der einfache Wertau sdruck einer Ware im Wertve r-
N aturobj
Naturo ekten wie in physikalischen Vorgan
bjekten Vorgängen, sondern von haltnis
hältnis zweier Waren steckt, muB muß man letzteres zunach
zunächst ganz
Dingen als Waren in dem rein gesellschaftlichen Verhalt Verhält nis des unabha
unabhä ngig von seiner quantit ativen Seite betrach ten ... Lein-
Austauschs; der Urspru ng liegt in Relatio nen der Menschen. wand = Rock ist die Grundl age der Gleichung.« 7 Diese
Mit andern Worten , der Urspru ng der Warena bstrakt ion liegt, Gleichsetzung ist furfür Marx keiner weiteren Begriin
Begrün dung be-
der Marxsc hen Bestim mung zufolge, in einer Sphare Sphäre , die der durftig
dürftig. Das »Aquiv
»Äquivalent« einer Ware ist das »mit ihr Aus-
Begriffssprache des traditio nellen metaph ysische n Denken s tauschb are«; die beiden Ausdrii
Ausdrü cke sind synony m. J edoch ist be-
Jedoch
vollig
völlig entgeht . 1m
Im metaph ysische n Denken werden wir von den kannt, daB
daß in der weiteren Entwic klung eben die Tatsach e der
Dingen auf das BewuB
Bewußtsein und vom BewuB Bewußtsein auf die Dinge Gleichsetzung von den Grenzn utzenth eoretik ern in Abrede ge-
verwiesen, etwas Drittes gibt es nicht. Die gesellschaftliche Re- stellt worden ist. Sie reduzieren den Warena ustausc h auf die
lation, aus der die Wertab straktio n der Waren entspri ngt, ist Logik der Wahlha ndlung , und Wahl setzt Wertverschiedenheit
gerade umgeke hrt nicht auf die Dichot Dichotoomie
mie von Dingen und voraus, nicht Wertgleichheit. Die Nachm arxsche biirgerl
BewuBtsein aufteilb
Bewuß bürgerliche
ar. Das Phanom
auf teilbar. Phänom en der Warena bstrakt ion Okono mie hat also den Idealismus zum methodologischen Prin-
ist nach traditio nellen BegriffsmaBst aben ein Unding , etwas,
smaßst äben zip erhoben und den zwischen Okono mie und metaphysischem
das es schlechterdings nicht geben kann. Es ist, wie Marx es be- Denken klaffen den Zwiesp alt zuguns ten des letzteren geschlos-
stimmt , ein raumze itlicher Vorgan g und von kausale r Natur, sen. Wie immer man sich hierzu stellen mag, jedenfalls kann die
aber was es hervorb ringt, ist eine Abstrak tion, also eine Wir- objektive Tausch gleichu ng nicht mehr als unbestr ittene Voraus -
kung von begrifflicher Art. Zwischen der raumze itlichen Ding- setzung behand elt werden. Sie bedarf des Beweises und der U r-
welt und der ideellen Begriffswelt laBt läßt das metaphysische Den- sprungs erklaru
erklärung. 1st
Ist sie wirklic h die objektive naturwi ichsige
naturw üchsige
ken kein gemeinsames Glied zu, sie sind antinom isch geschiede- Funktio n des Warenaustausches, als die sie in der Marxsc hen Wa-
ne Sphare
Sphäre n. Die Warena bstrakt ion nach Marx ist aber gerade so renanalyse erscheint, so muB muß sie mit dem Warena ustausc h auf
konstru iert, daB
daß sie beiden Sphare
Sphäre n gemeinsam angeho
angehö rt; eben notwen dige Weise verbun den sein, und diese Verbin dung muB
hierin liegt ihre Eigena rt. Die metaphysische Denkweise und muß
sich auf eindeutige Weise aufzeigen lassen. Geling t dies, so muB
muß
die Marxsc he Warena nalyse konnen können also nicht nebene inander der Zwiesp alt mit dem metaphysischen Denken gegen das letz-
bestehen, nicht beide wahr sein. Entwed er gilt die traditio nelle tere zeugen. Der Weg, auf dem sich dies vollzieht, ist eine Er-
Denkweise, dann muB muß die Marxsche Wertleh re als ein Gespin st weiteru ng der Marxsc hen Warena nalyse,
nalyse. in der die Warena b-
von Trugschlussen
lüssen erweisbar sein, oder die Marxsche Warena n- straktio n selbst inhaltli ch zur Darstel lung gelangt,. ihre Form-
lyse behaup tet sich, dann muB muß sie zum Werkze ug gemach t wer- bestimm theit im einzelnen entwick elt wird.
den konnen
können , urn
um die traditio nelle philosophische Denkweise als
falsches BewuB
Bewußtsein darzutu n. Ob das eine oder das andere zu-
7 A. a. 0., MEW 23, 5.64·

I12 113
Zu dieser erweiterten Analyse der Waren form gibt es versehie-
verschie- nen Entwicklungsstufen des Warenverkehrs nimmt sie verschie-
d~n~ Zugangswege,
dene Zugangs:vege, darunter solche, die die Kritik ganzer Dis- Ausdrucksformen an. Auf der Stufe des einfachen, einzel-
dene Ausdrueksformen
ziplinen,
zlplmen, und insbesondere
Insbesondere der Grenznutzenlehre in sieh
sich sehlie-
schlie- nen und zufalligen
zufälligen Austauschs wird sie gewohnlich
gewöhnlich mit sorgfal-
sorgfäl-
Ben.
ßen. Hier solI
soll ein abgekurzter
abgekürzter Weg besehritten
beschritten werden,
werden der zu tigem und umstandliehem
umständlichem Ritual umgeben, woruber ~th~o­
worüber die Ethno-
weniger weitlaufigen, E~gebnis­
weitläufigen, aber zu leichter darstellbaren Ergebnis- graphie reiehhaltiges
reichhaltiges Material bietet; auehauch erstreekt
erstreckt sie sich
sIe SIch
sen fuhrt.
führt. hier gleichmaBig
gleichmäßig auf beide zum Austauseh kommen~e Waren.
Austausch kommende Ware.n.
Auf einer spateren
späteren Stufe, wenn der Warenaustauseh
Warenaustausch eine eme gewis-
gewIs-
se Mehrseitigkeit und RegelmaBigkeit
Regelmäßigkeit erreieht,
erreicht, wird die Errich-
7· Trennung von Tauschhandlung und Gebrauchshandlung tung eines Marktplatzes notig. nötig. Das ist ein ausgesparter ~au~,
ausges.parter Raum,
der standig
ständig oder zu bestimmten ausgesparten Zeiten Zelten allein
allem fur
Eine Ware ist ein Gemeinsames von Gebrauehswert
Gebrauchswert und Tauseh-
Tausch- Tausehhandlungen
Tauschhandlungen reserviert ist und von dem Gebrauehshand-
Gebrauchshand-
wert. Gebrauehswert
Gebrauchswert und Tausehwert
Tauschwert existieren zusammen an lungen, ob produktiver oder konsumtiver Art, Ar~, mehr oder
o~er min-
den Waren. Sie sind einander jedoch in solcher Weise entge- vollständig verbannt sind. Hier sondert SIch
der vollstandig sich aueh
auch eine
eme oder
gengesetzt, daB
daß eine Handlung, die eine Ware als Tausehwert
Tauschwert die andere Warenart aus, urn um lediglich der Vermittlung des Ver-
zum Gegenstand hat, d. h. eine Tausehhandlung,
Tauschhandlung, nieht
nicht gleieh-
gleich- kehrs der anderen zu dienen und daher entweder standig ständig oder
zeitig dieselbe Ware als Gebrauehswert
Gebrauchswert zum Gegenstande ha- wenigstens zu Zeiten des Marktverkehrs nur noch als Objekt
ben, d. h. Gebrauchshandlung sein kann. Tauschhandlung und von Tausehhandlungen
Tauschhandlungen zu fungieren. Diese Funktion bildet sieh sich
Gebrauchshandlung schlieBen
schließen einander aus: zwischen ihnen be- weiter fort bis zu der des gemunzten
gemünzten Geldes, eine Ware nam- näm-
steht genaue zeitliehe
zeitliche Trennung. Diese Beobaehtung
Beobachtung bildet den lieh,
lich, der es in aller Form aufgestempelt ist, daB daß sie nur noch
Ausg~n~spu~kt der gegenwartigen
Ausgangspunkt gegenwärtigen »erweiterten« W arenanaly-
Warenanaly- Tauschmittel ist. Dureh
Durch die »Verdoppelung der Ware in Ware
se. Sie ist eine
SIe 1st eme Wahrheit, die nur ausgesproehen
ausgesprochen zu werden und Geld"
Geld« gewinnt die Trennung von Tausch- und Gebrauchs-
braueht,
braucht, urn einzuleuchten, und die sehwerlich
um einzuleuehten, schwerlich wird bestritten handlung den sinnfalligen
sinnfälligen Ausdruck einer dingliehen
dinglichen Schei-
b~zweifelt werden konnen.
oder bezweifelt können. Ich halte sie fur
für sieher
sicher genug, dung. Ais
Als Objekte von Tausehhandlungen
Tauschhandlungen sind jetzt alle Waren War~n
urn
um weitgehende
weItgehende SehluBfolgerungen
Schlußfolgerungen darauf zu grunden.
gründen. angesprochen, furfür welche, sei es zum Kauf~auf oder Verkauf,
Verk~uf,. ein
el.n
Tauschwert und Gebrauehswert
Tausehwert Gebrauchswert mussen
müssen an den Waren naeh- nach- Geldausdruek
Geldausdruck oder Preis angegeben wird. WIrd. In der kapitalisti-
kapItalIstI-
traglieh
träglich unterschieden werden, aber Tauschhandlung und Ge- schen Warenproduktion, in der der Markt sieh sich durch den gan-
brauehshandlung
brauchshandlung haben sieh sich voneinander gesehieden,
geschieden, seitdem zen Raum und die gesamte Zeit des gesellschaftliehen
gesellschaftlichen Lebens
die
die. ersten Wilden an den Grenzen ihrer naturwuehsigen
naturwüchsigen Ge- erstreekt,
erstreckt, bildet dies die Formbestimmtheit der gesamten ge-
meinwesen
memwesen angefangen haben, sieh »stillschweigend als Privat-
sich »stillsehweigend sellsehaftlichen
sellschaftlichen Dingwelt.
eigentumer
eigentümer ... und eben dadureh
dadurch als voneinander unabhangige
unabhängige Es ist die Formbestimmtheit von Dingen auf dem Markt, d. h.
gegenüberzutreten«.8 Die Trennung von Gebrauchs-
Personen gegenuberzutreten«.8 an einem Ort, wo sie siehsich befinden als Gegenstande
Gegenstände einer einzi-
und Tausehhandlung
Tauschhandlung ist der Tatbestand, der den privaten Ei- gen Art von Handlung, der Tauschhandlung, und wo sie sich
gentu~sbegriffen der Mensehen
gentumsbegriffen Menschen entsprieht,
entspricht, soweit sie gesell- nieht
nicht befinden als Gegenstande
Gegenstände von Gebrauchshandlungen.
sehaftliche
schaftlIche Geltung haben. Jene Trennung und diese Begriffe Das will nieht
nicht heiBen,
heißen, daB
daß auf dem Markte der Gebrauchswert
haben identisehen
identischen Gebietsumfang, und es lieBe ließe sich uberzeu-
überzeu- der Waren keine Rolle spiele; er besehaftigt
beschäftigt im Gegenteil das
gend darzutun, daB daß die letzeren nur die ideellen Reflexionsfor- Interesse der Kaufer
Käufer in lebhaftester Weise. Wohl aber heiBt heißt es,
men der ersteren sind. daB
daß auf dem Markt der Gebrauehswert
Gebrauchswert der Waren die Leute
Wo immer Warenverkehr besteht, dort herrseht herrscht die Trennung nur in Gedanken beschaftigt,
beschäftigt, in ihren Vorstellungen, niehtnicht in
von Tauseh-
Tausch- und Gebrauehshandlung,
Gebrauchshandlung, aber auf den versehiede-
verschiede- ihren Taten. In Handlung kann sieh sich dies Interesse erst umset-
zen, wenn die Ware naeh nach vollzogenem Besitzwechsel von dem
8 A. a. 0., MEW 23, S. 102. Markt in den Haushalt oder die Werkstatt des neuen Eigentu- Eigentü-

114 115
I 15
mers gesc hafft wor den ist. Auf dem
Mar kte steh t der Ge- des hier stat tfin den den reellen Gescheh
brau chsw ert nur zur Schau und ist nur ens? Was folg t hier aus
zur Ken ntni snah me vor - fur
für die Nat ur der Tau schh and lung ?
han den, in eine r Rel atio n, die dem Welches ist die Bes timm t-
raktter
Cha rak er nac h nur theo
the ore-
re- heit der War e, insofern sie nur Tau scho
tisch , wenngleich den Mo Mottive
ivenn nac h prak tisc h best imm t ist. bjek t und in der Tau sch-
Hier sind die Geb rauc hsw erte han dlun g nich t auc h Geb rauc hso bjek
als Obj ekte dercler Ken ntni snah me t ist? Wie ist der Akt
~kt selbst
durch eine unüunubers chre itba re Klu ft vom bestimmt, t in dem unte r Erfu
Erfüllun g dieser For deru ng eine
yom Sub jekt getr ennt. Das eme Wa re
brau cht ein Betasten, ein Aus prob eine~
von eine m Besitzer auf den and ern ube übertra gen wir
ocler »An probieren«
iere n ode d in Rez ipro -
wird
cler Wa ren keineswegs auszuschlieB
der zita t zu eine r B~sitzub
zitä tzübertragung in umg eke hrte r Ric htun
ließen, ja die Pru fun g mag so-
Prü fung g? In
gar gen au dies
clieselbe
elbe Form ann ehm en wie der welcher Bes timm thei t kom mt die
cler beabsichtigte Ge- agierende Person, das
brauch. Den noc h hat sie hier die Tauschsubjekt, in dem Vor gan g vor
clie Gel tung , nur der Urteilsbil-
jekt zu sein? Wie ist fern er der Rau
Gebrau
vor,, ohn e auc h Geb raucchs s~bb-­
hssu
dun g zu dien en, nich t der prak tisc m bestimmt, durc
hen Nut zun g. Das Obj ekt dur chh den sich
SIch
muB seinen unverse hrte n phy
muß die War e im Akt der Bes itzu itzü bert ragu ng bewegt~ und wie die
sischen Bes tand beh alte n und Ge-
gen stan d der käu
kauflichen Erw erbu ng bleiben, Zeit, die die Obe rtra gun g in Anspruc h nim mt?
übe rtra
son st sind die Ge- muG offenba r mög
Es muß .
setze des Marktes verletzt. Der moglich sein, auf diese Frag en priiz
prin zipielle Unt ersc hied zwi - cherte Anw orte n zu erteilen, wen
präz ise und gesi
geSI -
schen demclem Akt der Ken ntni snah me und n auch vielleicht nich t gan z
dem Akt der Nut zun g, muhelos. Lan ge bev or man dam it
müh
der Gru nd für fur die Une rrei chb arke it des Obj bis ans End e gela ngt ist, wir
ekte s im ersteren sich einem die Beo bac htun g eine r w~rdd
Fall e, liegt gän
ganzlic h außauBerha
erhalb des Vorganges selbst. Er wur so weitgehenden Ube
wür de stim mun g zwischen den gefu nde nen übe rein
rem -
z. B. der Ein sich t eines Emp iristen, For rnbe
der nur nac h dem Befunde . Tau schh and lung auf der einen Seit d~r
mbe stim mth eite n der
des Vor gan gs urte ilt,iit, völl
vollig entgehen. - Die einzige Tati e und den sog ena nnte n rei-
Täti gke it, nen Verstandsbegriffen und übe reI-
fur die die Wa ren auf dem Mar
für ube rhau pt den trag end en Kat ego
kte bereitstehen und die hier als -
Geschehen von obje ktiv er Rea litä rien des metaphysischen Den ken s auf
litat gilt, ist die Tau schh and lung der and ern aufd rangräng en,
Diess abe r ist eine Han dlung
Die . daB es sich dabei unm
daß unrnögli
oglich urn
von höc hochst eige ntüm
ntumlich er Be- um bloB
bloße Koi nzid enz han deln
stim mth eit. Dur ch sie verä verande rt sich lediglich der Bes kan n.
War en, und dies ist ein rein gesellsch itz der
aftlicher Stat us, der in der
physischen Beschaf fenheit der Din
ge keinen Aus druc k findet.
Und eben um urn diese gesellschaftliche Ver änd 8. Die Tauschabstraktion
anderun g ordn ung sge-
maB vollziehen, auf sie die beiderse
mäß
itige Zus timm ung der Betei-
ligten vereinig en zu kön konnen , mit and ern Worten um In einem kurz en Auf satz wie dem
urn sie in den gegenwartig
ärtigen bietet sich furfür
For men des Austausches durc hzu fuhr eine For man alys e der hier erfo rder
führ en, muß
muB aus dem Bereich ten Art kein Raurn. m. D~n
Den ­-
des Tauschgeschäfte aftes jede gleichzeitige And erun noch sollen einige rohe Hin wei se gew
g der physi- agt werden, urn um wen
wel ig-
llg-
chen Beschaffenheit der War en stens den allgemeinen Cha rakt er der
ausgeschlossen, jede Ge- Tausscha
Tau chabbstr
straakti
k~ioonn ken
ke~nnt-

brau chsh and lung mit ihne n verb lich zu machen. Ich spreche hier von
ann t bleiben. Abe r wenngle ich Tau schabstr aktl
aktiOn,
on, weil
weIl es
die Tau schh and lung die Wa ren in sich offensichtlich um
urn Formbe stirn
stim mth eiten han delt , die, obw ohl
ihre r gebrauchswerten, phy si-
schen Beschaffenheit unv erse hrt läßt die mit der von Mar x aufgewiesen
HiEt, ist sie doc h selbst ein phy - en Wa rena bstr akti on eng zu-
sischer Vor gan g, eine reelle Han dlu sam men hän
han gen , mit ihr keineswegs identisc
ng in Rau m und Zeit. Ja sie h und auc h nich t in
ist auf dem Mar kte das einzige zulä ihr inbegriffen sind. Die abst rakt e
zulassige reelle Geschehen mit
ist auc
Tausch
Nat ur der Tau sch~an
handlu
dlunngg
den Din gen , wäh wahrend das, was ihre dinglich auchh nich t Fun ktio n der im
e Beschaffung, Aus taus ch stat tfin
tfmden den
ihre n Geb rauc hsw ert betrifft, bloß Gleichsetzung der War en. Sie ist
bloBe ideelle Rea litä litat hat, nur is t viel meh r dies
vorg eord net und liefert, wie sich ~ leic
die.ser Gle hset
ichs z~.n
etzu ngg
Wa hrnhrneehm
hmu ng,, Vorstellung, Ged ank e ist, die
ung zeigen wird
WIrd,, ihre
sich nich t in Ihre Beg run-
H,,:ndlu
Ha. ndlung umsetzen dürf durfen. dung.
Was folgt aus dieser Stru ktur des Urn
Um mit der Wa Warree selbst als dem Obj ekt der
Mar ktes fürfur die Bes timm thei t Tau schh and lung
den Anf ang zu machen, so ist sie
dur ch den kon trad ikto risc hen

II6 117
r
AusschluB
Ausschluß gleichzeitiger Gebrauchshandlung als materiell un- einer andren reziproken Tauschhandlung von genau derselben
veranderlich
veränderlich und durch die Negation aller gebrauchswerten abstrakten Formbestimmtheit. Diese identische Gleichheit der
völlig abstrakt bestimmt. Bei naherer
Beschaffenheit als vollig näherer Analy- Formbestimmtheit beider Handlungen besteht ungeachtet der
se zeigt sich, daB
daß diese Bestimmtheit im philosohischen Begriff empirischen Verschiedenheit der Waren und Personen. Hieraus
der Substanz eine zutreffende Beschreibung besitzt. Die ge- nun, aus dieser Identitat
Identität des Verschiedenen, erwachst
erwächst unter den
brauchswerten Qualitaten
Qualitäten der Waren, welche die Beteiligten hier obwaltenden ~edingungen das Postulat der Gleichsetzung,
auf dem Markte nur in Gedanken beschaftigen
beschäftigen konnen,
können, hangen
hängen welches dem Tausch qua Tausch zu eigen ist (das Postulat ist in
dieser abstrakten Bestimmtheit an wie nach philosophischen der Tat synonym mit Tausch und bedarf der Herleitung aus dem
Begriffen die Akzidenzien der Substanz. Tausch, aus dem, was den Tausch zum Tausche macht).
Eine Ware, die zu einem bestimmten Preis ausgezeichnet ist, Dinge, die essentiell verschieden sind (gleiche Waren werden
steht fur
für die Dauer, wahrend
während derer der Preis derselbe bleibt, nicht gegeneinander getauscht), werden hier in identischer
unter dem Postulat unveranderter
unveränderter materieller Identitat.
Identität. Denn Formbestimmtheit gleichgesetzt durch die Tat der Tauschhand-
durch ihre Preisbestimmung wird ausgedruckt,
ausgedrückt, daB
daß die Ware, so lung (als ihre objektive Funktion). Diese Gleichsetzung des
wie sie da ist, zum Tausch bereitsteht. Ihre gebrauchswerte phy- Verschiedenen, weil sie faktischer Natur ist, erzeugt, richtiger
sische Beschaffenheit darf also keine Veranderung
Veränderung erleiden. erzwingt den okonomischen
ökonomischen Wertbegriff.
Primar
Primär bezieht sich das Postulat auf Veranderungen
Veränderungen durch Es sei an dieser Stelle daran erinnert, daB
daß unsere Analyse es
menschliche Gebrauchshandlungen, doch erstreckt es sich selbst ausschlie£lich
ausschließlich mit der Wertform zu tun hat, nicht mit der Wert-
auf die Natur, von der erwartet wird, daBdaß sie urn
um unsrer gesell- größe. Die Frage, welche Waren und wieviel von ihnen gegen-
groBe.
schaftlichen Angelegenheit willen in den Warenkorpern
Warenkörpern den einander ausgetauscht werden, und wodurch sich das bestimmt,
Atem anhalt.
anhält. - Unter dieser modernen Form des Preisaus- außerhalb unsres Betrachtungsbereichs. Der Sinn
steht ganz auBerhalb
drucks (welche der Ubiquitat
Ubiquität des Marktes im Kapitalismus ent- unsrer Analyse liegt gerade darin, daB daß sie die Analyse der
spricht) wird es mit Handen
Händen greifbar, wie die Marktstruktur un- Wertform ganz von der WertgroBe
Wertgröße zu trennen gestattet.
sere Vorstellungs- und Begriffsform von den Dingen vorbe- Der okonomische
ökonomische Wertbegriff ist benotigt,
benötigt, urn
um etwas zu haben,
stimmt. Entsprechendes findet auf den friiheren
früheren Entwicklungs- was dem Postulat der Tauschgleichheit der nicht-gleichen Wa-
stufen lokaler Markte
Märkte statt. ren entspricht. Der Wertbegriff (nicht die WertgroBe)
Wertgröße) ent-
Eine Ware auf dem Markt ist das Ganze zweier widersprechen- springt der Tauschgleichung, nicht umgekehrt. Er ist ein Begriff
der und unvereinbarer Bestimmtheiten: sie ist einerseits Gegen- rein gesellschaftlichen U rsprungs und rein gesellschaftlicher
Ursprungs
stand der Tauschhandlung und andererseits Gegenstand von Geltung. 9
Gebrauchsvorstellungen. Die Gebrauchseigenschaften hangen hängen Der okonomische
ökonomische Wertbegriff laBt
läßt keine andre als quantitative
dem Tauschobjekte an und haben nur dank dieser Beziehung Verschiedenheit zu. Diese quantitative Bestimmtheit ist wie-
Seinsrealitat.
Seinsrealität. derum ein Erzeugnis der Tauschabstraktion. Sie ist abstrakte
Die Tauschhandlung hat in der Tauschabstraktion die Be- Quantitat,
Quantität, Quantitat
Quantität als MaB,
Maß, nicht als GroBe
Größe oder als Anzahl;
stimmtheit abstrakter Bewegung, namlich nämlich einer materiellen ihre Grundlage ist die Gleichung.
Handlung, durch welche die Substanzen (d. i. ihre Objekte) Urn
Um diese verschiedenen Momente zusammmenzufassen, so ist
Veränderungen erfahren und die daher nur
keine materiellen Veranderungen also die Tauschhandlung bestimmt als zeitliche Ortsverande-
Ortsverände-
Veranderung
Veränderung des Ortes in der Zeit ist. rung von Substanzen, die dadurch keine materielle Verande-
Verände-
Der Raum, durch den solche unveranderlichen
unveränderlichen Substanzen sich rung erleiden und zwischen denen es keine andere als quantita-
bewegen, sowie die Zeit, die sie dazu brauchen, werden hier- tive Verschiedenheiten gibt. Diese rein quantitative Bestimmt-
durch ihrerseits zu abstrakten und homogenen, von reellen
stofflichen Veranderungen
Veränderungen losgeloste
losgelöste Medien. 9 »Im geraden Gegenteil zur sinnlich groben Gegenstandlichkeit :Wa~en­
Gegenständlichkeit. der Waren-
korper
körper geht kein Atom Naturstoff in ihre Wertgegenstandlichkeit
Wertgegenständhchkett ein .•
em.«
Jede Tauschhandlung ferner
Ferner geschieht nur als Gegenstiick
Gegenstück zu A. a. 0., MEW 23, S. 62.

lI8
II8 119
r heit verleiht
heit verleiht dem
homogenen Zeit
homogenen
Nach Bedingungen
Nach
dem abstrakt-homogenen
abstrakt-homogenen Raum
Zeit ihre
ihre charakteristische
Raum und
und der
der abstrakt-
abstrakt-
charakteristische Kontinuierlichkeit.
Kontinuierlichkeit. -_
Bedingungen der Tauschhandlung ist keine andre Verän- Veran-
daß
daG Warenaustausch
Warenaustausch Warengleichsetzung
faktische und
Warengleichsetzung ist,
objektive Funktion des
ist, und
und zwar
zwar als
Warentauschs.
faktische und objektive Funktion des Warentauschs. Diese
Funktion der Gleichsetzung wiederum ist die Wurzel des Wert-
als rein
rein
Diese

derung zulassig
derung zulässig als als die, welche diesen Bestimmungen ent- begriffs, welcher folglich seinem Ursprung nach abstrakt ist.
spricht. Das läßt
spricht. Das laGt die
die Frage offen, wie solche Veränderung,
Veranderung, die 2. Sie müßte
2. miiGte den Nachweis erbringen, daß da6 entgegen dem Un-
reelle physische
reelle physische Prozesse
Prozesse in den Waren darstellt und also diese möglichkeitsverdikt
moglichkeitsverdikt des metaphysischen Denkens die Waren-
Bedingungen überschreitet,
Bedingungen iiberschreitet, sich jenen Bestimmungen einord- abstraktion tatsächlich
tatsachlich ein raumzeitlicher Prozeß
ProzeG ist, welcher
lie6e. Daß
nen ließe. Da6 solche Veränderung
Veranderung stattfindet, steht außer
auGer Fra- Denkformen determiniert.
ge, da der vom yom Tausch verlangte Stillstand der Natur in den Es sei im Vorübergehen
Voriibergehen angemerkt, daß daG die Warenabstraktion
Dingen ein rein gesellschaftliches Postulat ist. Um Urn so dringen- hiermit genau die Bedingung erfüllt,
erfiillt, welche in der Kantschen
benotigt, wie solche Naturveränderung
der wird eine Form benötigt, Naturveranderung sich Konstruktion des Ursprungs der reinen Verstandskategorien
yom Marktplatz aus mit dessen Dasein vereinbaren läßt.
vom laGt. Diese gestellt ist, d. h. in der »transscendentalen Synthese apriori«,
a priori",
Frage betrifft nicht mehr eigentlich die Analyse der Tausch- welche von Kant als »Funktion der Zeit« dargestellt wird (v gl.
(vgl.
handlung, sondern geht ins Gebiet der Erkenntnisfragen im en- besonders im »transsc. Schematismus«).
geren Sinne über.iiber. Sie ist aber von erheblichem Interesse fürfiir uns, 3. Die Analyse der Tauschhandlung würde wiirde die Merkmale lie-
da ihre Beantwortung eine Erklärung Erklarung der Formbestimmtheit fern, nach denen sich erkennen läßt,
laGt, welche historischen Denk-
Kausalitat zu ergeben scheint. Der Nachdruck liegt hier
strikter Kausalität ._erscheinungen mit der Warenabstraktion verwandt und von ihr
auf dem Zusatz »strikt«; denn die Vorstellung der Kausalität Kausalitat bestimmt sind.
iiberhaupt, ungeachtet des Größenverhältnisses
überhaupt, GroGenverhaltnisses zwischen Ursa- aufzuspiiren, durch den
Es bleibt indes noch der Mechanismus aufzuspüren,
che und Wirkung, gehört gehort zweifellos einer viel älteren
alteren Schicht die Warenabstraktion sich ins Bewußtsein
Bewu6tsein der Menschen über- iiber-
als der der Warenproduktion an. Unter strikter Kausalität Kausalitat aber setzt.
adaquate Verursachung verstanden, bei der zwischen Ur-
wird adäquate
sache und Wirkung ein mathemathisches Gleichungsverhaltnis
Gleichungsverhältnis
verlangt wird. Und gerade diese Bedingung scheint in der Tat
9- Die Reflexion der Tauschabstraktion
9.
Veranderung, dem Postulat des Stillstandes
der Negation der Veränderung,
entflie6en, dem die Veranderung
zu entfließen, Veränderung eingepaih
eingepaßt werden muK muß.
Eben die Forderung, daG daß etwas, das geschieht, seine adaquate
adäquate Die Tauschabstraktion ist dem Warentausch als solchem eigen-
Ursache haben muG, muß, stellt den Vorgang gegen den Hintergrund tümlich, sie ist daher unabhangig
tumlich, unabhängig von seinem Entwicklungs-
des Nichtgeschehens und begreift ihn als Verletzung desselben, ökonomischen Hintergrund,
grad, geschichtlichen Zeitpunkt, okonomischen
die aufgewogen werden muG. muß. Auch verlangt diese Aufwiegung Veränderung fahig.
usw. Auch ist sie in sich selbst keiner Veranderung fähig. Was
gegenüber andern Vorgangen.
seine Isolierung gegeniiber Vorgängen. Die ganz andere ändert ist hingegen ihre Bedeutung fiir
sich andert für die Gesellschaft der
Frage, wie diese gesellschaftlich determinierten kategorialen Warenbesitzer und Warenproduzenten. Woran liegt es z. B.,
Formen objektiven Erkenntniswert haben konnen, können, wird spater
später daß sich die Abstraktheit des Tausches erst im klassischen Zeit-
daG
erwogen werden. - menschlichen
alter Griechenlands im mensch Bewußtsein zu spiegeln
lichen Bewu6tsein
Die Analyse, die hier angedeutet wurde, miiGte müßte ein dreifaches beginnt? Warum findet ein begriffliches Denken in den Formen
Resultat
Resulta t zeitigen:
zei ti gen: Ägypten oder
der Tauschabstraktion sich nicht schon im Alten Agypten
1. Sie mii6te
müßte Rechenschaft von der Warenabstraktion geben. Mesopotamien vor, oder im Neolithikum oder gar bei den »na-
Das heiGt,
heißt, sie wiirde
würde darlegen, welches die Wurzel der Abstrak- turwüchsigen Gemeinwesen«, zwischen denen ein Warenaus-
turwiichsigen
tion ist: die unumgangliche
unumgängliche Trennung in der Zeit von Tausch- tausch sich urspriinglich
ursprünglich anbahnt?
hand lung und Gebrauchshandlung. Sie wurde
handlung würde Ferner
ferner zeigen, drängt sich dem Bewugtsein
Die Tauschabstraktion drangt Bewußtsein auf in dem
da6
daß die aus dieser Trennung flie6ende fließende Abstraktion bewirkt, Maß, wie sie in Erscheinung tritt. In der »einfachen Wert-
Mag,

120
120 121
121
form« 10, in einzelnen zufälligen
zufalligen Tauschverhältnissen
Tauschverhiiltnissen ist das lich privater Handelsherr oder» Tyrann« mit usurpierter Kö-
oder »Tyrann« Ko-
hoheren Stufe, im »entfalte-
noch gar nicht der Fall. Auf einer höheren nigsmacht gewesen ist - garantiert das Gewicht und den Fein-
ten Wertausdruck« des indirekten Tauschs, tritt eine Warenart Münzen und verspricht, Miinzen,
gehalt der Miinzen Münzen, die einen gewissen
allen übrigen
ubrigen gegenüber,
gegenuber, deren Austausch sie vermittelt. Ob- Verschlei~ erlitten haben, durch vollwertige zu ersetzen. Mit
Verschleiß
gleich diese als »besondere Äquivalentform«
Aquivalentform« fungierende Ware andern Worten, hier wird das Postulat der materiellen Unver-
noch keine von ihrer gebrauchswerten »Naturalgestalt« ver- änderlichkeit des Aquivalents
anderlichkeit Äquivalents auf unbegrenzte Zeit formell an-
schiedene »Wertgestalt« annimmt, tritt das Besondere ihrer erkannt und als gesellschaftliches Postulat von empirisch-physi-
Funktion doch in dem Postulat hervor, daß da~ sie während
wahrend der kalischen Eigenschaften dieses oder jenes Metalls ausdrücklich
ausdrucklich
Zeit, da sie in dieser Weise fungiert, als frei von jeder materiel- unterschieden.
len Veränderung
Veranderung unterstellt werden muß.muB. Dieses Postulat ent- Hier hat sich das bisherige Verhältnis,
Verhaltnis, in dem die Wertform der
springt zweifellos nicht ihrem Gebrauchswert. Andrerseits wird Ware ihrer Naturalform untergeordnet war, umgekehrt: die
die zum Äquivalent
Aquivalent dienende Ware so gewählt, da~ sie ihm
gewahlt, daß gesellschaftliche Wertform bedient sich einer bestimmten und
Moglichkeit entspricht. Auf diese Weise erscheint der in
nach Möglichkeit besonderen Naturalform zu ihren funktionellen Zwecken.
begrundete Charakter dann fürs
der Wertform begründete furs allgemeine Be- Selbstredend bedeutet das nicht, daß da~ die ersten Münzherren
Munzherren die
wu~tsein dennoch wieder an die Besonderheit ihres bestimmten
wußtsein wahre Natur ihrer Schöpfung
Schopfung erkannt und die Wertform und
Gebrauchswerts geknüpft.
geknupft. Die Wertform ist hier also noch von die Tauschabstraktion verstanden haben mussen. müssen. Sie haben die
der Naturalform verdeckt, obgleich oder gerade weil sie der Tauschabstraktion nicht geschaffen, sie haben lediglich den
letzteren einen fetischhaften Glanz verleiht. Das ist erst recht praktischen Blick dafür
dafur gehabt, wie auf der bereits erreichten
Äquivalentform an die
der Fall, wenn sich diese besondere Aquivalentform Entwicklungsstufe die von der Tauschabstraktion erzeugten
Edelmetalle heftet. Zwar versehen die letzteren diese Funktion Anforderungen technisch erfullt konnen. Das ist, falls
erfüllt werden können.
Ma~stabe und erhalten also für
bereits in internationalem Maßstabe fur ihre die ökonomischen
okonomischen Voraussetzungen erfüllt blo~e Sache
erfullt sind, bloße
Aquivalentform eine praktisch allgemeine und universelle Gel-
Äquivalentform des Kaufmannsverstandes. Dies andertändert aber nichts an der wich-
tung. Dennoch behalten sie viele Jahrhunderte lang in dieser da~ jedermann, der Munzen
tigen Tatsache, daß Münzen in der Tasche tragt
trägt
Rolle noch ihre rohe Metallform als Barren, Klumpen oder und ihren Gebrauch versteht, ganz bestimmte begriffliche Ab-
Körner,
Korner, müssen
mussen jedesmal gesägt
gesagt oder zusammengeschmolzen, straktionen im Kopfe haben muß, mu~, mag er sich dessen bewu~t
bewußt
gewogen, auf ihren Reingehalt geprüft
gepriift werden usw., kurz ihrer sein oder nicht. Denn er behandelt diese MtinzenMünzen faktisch, als
metallischen Naturalform gemäß gemii~ behandelt werden. Gerade unzerstorbaren und ungeschaffenen Substanz
ob sie aus einer unzerstörbaren
diese physikalischen Operationen sind indes für fur das, was der beständen,
bestanden, einer Substanz, tiber die die Zeit keine Macht hat. Nur
über
Markt verlangt, lastige
lästige Hindernisse und Unvollkommenheiten, Münzen eine solche Behandlung gestatten, sind sie von
wenn die Munzen
die früher spater dort, wo reiche Kaufleute so machtig
fruher oder später mächtig und der Art, wie sie der Markt verlangt. Der Geldbesitzer mag sich
kapitalstark geworden sind, daß da~ sie internationalen Kredit be- von seinen neuartigen Begriffen nur ungenügend
ungenugend Rechenschaft
konnen, durch Münzprägung
anspruchen können, Munzpragung behoben werden. geben, und es mag ihm vollstandig
vo1lständig entgehen, daß da~ und wodurch
Dieser höchst
hochst bedeutsame Zeitpunkt wurde zum ersten Mal in Geldstücke und iiberhaupt
sie von der physischen Natur seiner Geldstucke überhaupt
der Geschichte um urn etwa 680 v. d. Z. in Lydien und Ionien er- der wahrnehmbaren Welt abweichen. Ein deutliches Bewußt- Bewufh-
reicht. sein von ihnen zu gewinnen, sie zu benennen, ihre inneren Ver-
Die geprägte Münze ist sichtbar gewordene Wertform. Denn
gepragte Miinze haltnisse Widersprüche zu bestimmen und ihre Gegensatz-
hältnisse und Widerspruche Gegensätz-
hier ist einem Naturstoff
N aturstoff in aller Form aufgestempelt, daß da~ er lichkeit zur Sinnenwelt und gleichwohl Verbundenheit mit ihr zu
nicht zum Gebrauch, sondern nur noch zum Austausch be- erfassen, das ist nicht mehr Sache des Kaufmannswitzes, sondern
munzpragende Autorität
stimmt ist. Die münzprägende Autoritat - ob diese nun anfäng-
anfang- das Werk der Philosophen gewesen, die in Ionien, Suditalien
Süditalien und
10
10 für clas
VgJ. fur das Folgencle
Folgende die Marxsche Analyse cler
der Wertform in »Das Kapi- Griechenland im 6. und 5. Jahrhundert v. d. Z. aufzutreten be-
tal« I, MEW 23, S. 63 H.ff. gro~erem oder geringerem Abstand
ginnen, mit ihrem Wirken in größerem

122 12 3
der Einfuhrung
Einführung des Geldes in den Poleis folgend. Was aber diese dingliche Formeigentumlichkeit
Formeigentümlichkeit der Tauschobjekte und noch
Geister zu ihrer ungeheuren Denkanstrengung angestachelt hat, weniger der Naturobjekte, wie die Vulgarmaterialisten
Vulgärmaterialisten aller
bloße Einfuhrung
das sind nicht die blo£e Einführung des Geldes und Ausdehnung Zeiten meinen. Aber obgleich die Abstraktion keine andere ge-
des Hande1s
Handels gewesen, sondern die Klassenkampfe
Klassenkämpfe und okono-
ökono- sonderte Existenz besitzt als in unserem Denken, so entspringt
mischen Krisenwirkungen, die beide im Innern der griechischen sie doch nicht
nich t unserem Denken oder aus unserm Denken, wie
Staatswesen uberall
überall im Gefolge hatten. die Idealisten glauben. Was der Kantschen Theorie ihre mehr
als idealistische Bedeutung verleiht, ist die Einsicht, daB daß der
Ursprungsvorgang der Kategorien die Zeit einschliefh,
einschließt, und die-
10.
JO. Ergebnisse se Wahrheit hat sich schlieBlich
schließlich durch alle Hullen
Hüllen und Schalen
des Idealismus sozusagen hindurchgebissen und zuerst in He-
Hieraus ergeben sich die Grundzuge
Grundzüge einer
emer gesellschaftlichen gels dialektischer Methode und endlich in Marx' Geschichtsma-
Erklarung
Erklärung des reinen Verstandes: terialismus Erfullung
Erfüllung gefunden. In GemaBheit
Gemäßheit mit diesem hat
I. Die Erklarung
Erklärung verfahrt
verfährt nach dem Prinzip, im gesellschaftli- sich uns hier ergeben, daBdaß die abstrakten Begriffsformen, wel-
chen Sein nach dem Abstraktionsvorgang zu suchen, aus wel- che in allen Epochen entwickelter Warenproduktion vorherr-
chem das Gedankenphanomen
Gedankenphänomen des abstrakten Verstandes resul- schen, aus der zwischenmenschlichen Sphare
Sphäre des »gesellschaft-
tiert. Wir glauben, diesen Vorgang in dem gefunden zu haben, lichen Seins« entspringen, also aus bestimmten Produktionsver-
was wir die Tauschabstraktion genannt haben. Dieselbe ist die haltnissen,
hältnissen, die ihrerseits durch einen bestimmten Entwicklungs-
unmittelbare Wirkung der zur Moglichkeit
Möglichkeit eines jeden Aus- grad der Produktivkrafte
Produktivkräfte bedingt sind.
tauschaktes unerla£Jichen
unerläßlichen zeitlichen Fernhaltung von Ge- 2. Auf Grund unserer Identifizierung der Verstandeskategorien
brauchshandlungen von der zu vollziehenden Tauschhandlung. mit Formelementen der Tauschabstraktion ergibt sich die Defi-
Was die Abstraktion bewirkt, ist die Tatsache dieser Fernhaltung. nition dieser Kategorien. Sie sind Widerspiegelungen der For-
Die Abstraktion ist also die Wirkung menschlichen Tuns, nicht men, auf denen gesellschaftlicher Nexus aus bloBem bloßem Waren-
menschlichen Denkens. Tatsachlich
Tatsächlich findet sie statt »hinter dem tausch beruht. Der Nexus einer Gesellschaft von Warenprodu-
Rücken der Menschen«, sozusagen im Blindpunkt des menschli-
Rucken zen ten ist abstrakt, wei!
zenten weil Produktion und Konsumtion hier Pri-
chen Bewu£tseins,
Bewußtseins, namlich
nämlich dort, wo ihr Denken und Trachten vattatigkei
vattätigkei ten sind. Der abstrakte Verstand ist die abstrakte
eben von ihrem Tauschhandel in Anspruch genom genommenmen ist. Die Gesellschaft als theoretisches Subjekt. Die Scheidung zwischen
Abstraktion ist also Wirkung eines faktischen, raumzeitlichen, Kopfarbeit und Handarbeit, die hier herrscht, wurzelt in der
geschichtlichen, dem gesellschaftlichen Sein, nicht dem Be- Trennung der Vergesellschaftung von Produktion und Konsum-
wu£tsein
wußtsein angehorigen
angehörigen Vorgangs. Freilich dem gesellschaftli- ausgedrückt, in der Trennung von Natur und Ge-
tion, anders ausgedruckt,
chen Sein angehorig,
angehörig, nicht dem naturlichen!
natürlichen! Denn das bedeu- sellschaft. Wo Produktion und Konsumtion gemeinschaftliche
tet, daB
daß die Abstraktion nur furfür Menschen Wirksamkeit besitzt, Verrichtungen der Individuen sind, wie in den »naturwuchsigen
»naturwüchsigen
namlich
nämlich nur fur
für Wesen, fur
für die das zugrundeliegende Tun den Gemeinwesen«, bildet das Verhaltnis
Verhältnis der Menschen zur Natur
Sinn der Tauschhandlung oder das dabei verwendete Gold den eine untrennbare Einheit mit ihren Beziehungen untereinan-
Sinn des Geldes hat, also nicht z. B. fur
für den Hund, der seinen der. Hier ist auch das Denken der Menschen ein kollektiver
Herrn auf den Markt begleitet. Die Abstraktion existiert also oder kooperativer Vorgang. Die Privatpersonen von warenpro-
uberhaupt
überhaupt nur fur
für uns, d. i. nirgend anders als in unserem Den- duzierenden Gesellschaften dagegen denken unabhangig
unabhängig von-
ken, als eine historische und gesellschaftliche, allen Waren-
Waren-undund einander, jedoch gleichwohl in denselben identischen Formen
Geldhandlern
Geldhändlern gemeinsame Bestimmtheit des Denkens. Durch des abstrakten Nexus. Ihr Denken ist also nach wie vor ge-
erfolgreiche Reflexion kann dieselbe abgesondert werden. Die sellschaftlich der Form nach, aber es ist jetzt reine Kopfarbeit,
Existenz der Abstraktion in abgesonderter Form ist somit ab- fu£end
fußend auf einer von den Tatigkeiten
Tätigkeiten in Produktion und Kon-
strakte menschliche Denkform, nichts andres, nicht z. B. eine sumtion, d. h. von der Handarbeit in jeder Gestalt abgehobenen

12 4
124 I25
Basis. Nur in dem MaBe,
Maße, in dem diese Trennung zwischen Ver-
verschwi~de.t, kann
gesellschaftung und Produktion verschwindet, ~ann auch die d~e
menschliche Leistung, und in ihrer ersten rohen, an den Geld-
Scheidung zwischen Kopf- und Handarbeit
HandarbeIt in m ihren
Ihren wesentli-
wesentlI- gebrauch geknupften
geknüpften Stufe eine Leistung, die sich den Waren-
chen Erscheinungen verschwinden. . besitzern nach und nach aufdrangt,
aufdrängt, nicht von ihnen gesucht
3. Der private Verstandestrager
Verstandes träger agiert in seiner theoretischen
t?eoretischen wird. Aber in dieser wie in der nachfolgenden, yom vom Klassen-
Eigenschaft als Reprasentant Gesellsch~ft ... Seine
Repräsentant der Gesellschaft. S~me .Kopfar-
Kopfar- kampf angespornten Denkleistung der Philosophen sind die
Allgemem~ultIgk~It. - Der
beit hat potentielle gesellschaftliche Allgemeingultigkeit. Formen, nach denen diese nun freilich
Freilich bewuBt
bewußt suchen, in ferti-
~estlIl~mt sich
Umfang der »Gesellschaft« in diesem Satz bestimmt du~ch
sIch durch ger Gestalt stets vorgegeben. Es besteht hier durchaus keine Er-
einen Rekurs auf die Geldfunktion. Geld ist, Ist, seiner
semer Funktion
FunktIOn findungsfreiheit. Ferner, diese Formen beziehen sich, ihrem Ur-
nach betrachtet, immer nur eines. Zwar gibt es verschiedene sprung nach, auf die Tauschhandlung, also auf einen in Raum
Wahrungen
Währungen verschiedener Lander Länder nebeneinander, aber sofern und Zeit tatsachlich
tatsächlich stattfindenden Vorgang; denn es ist eben
jede dieser Wahrungen
Währungen in ihrem Lande wirksam als Geld fun- f~n­ die Trennung dieses Vorgangs von aller Gebrauchshandlung,
giert, mussen inei~ander umrechenbar sein.
müssen sie ex definitione ineinander sem. was die Abstraktion bewirkt. Freilich bleibt fur für die Reflexion
Daher ist der Umfang der Geldfunktion oder der Umfang der nichts von der okonomischen
ökonomischen Bedeutung des Ursprungsvorgan-
Gesellschaft, deren Nexus sie befordert,
befördert, formell jederzeit unbe- ges erhalten. Alles was sich von demselben in seiner Abstrak-
schränkt, selbst in ihren Anfangen,
schrankt, Anfängen, und obwohl es der gesamten Prozeß einer zeitlichen Ortsver-
tionsform abzeichnet, ist der ProzeB
Geschichte der Warenproduktion bedarf, um diese logisch-ab- logisch-a~­ anderung
änderung quantifizierbarer Substanzen, die dadurch keine ma-
strakte Universalitat ökonomisch konkret zu machen. Fur
Universalität okonomisch Für die 'terielle Veranderung
·terielle Veränderung erfahren. Vorausgesetzt also, daBdaß die Phi-
Verstandestatigkeit,
Verstandestätigkeit, die sich nur auf das Formelle
Formell.e des ?~~el.l­
gesell- losophen die Tauschabstraktion adaquat adäquat reflektieren, eine
gründet, gilt die abstrakte Universalitat
schaftlichen Nexus griindet, UmversalItat in m Leistung, die in der Antike vor Demokrit keinem ganz gelun-
Gesellschaf~snatu: des
Antizipation der konkreten. - Aus der Gesellschaftsnatur d~s
müssen sich ihre Formen dafur
gen war, mussen dafür erweisen, daB
daß sie ein
Verstandes erklart
erklärt sich ferner
Ferner die logische Autonomie des indi- mdl- Bewegungsschema der genannten Art ergeben. Dieses abstrakte
Verstandesträgers, sein librum arbitrium; denn jeder
viduellen Verstandestragers, gehört zur Immanenz des abstrakten Ver-
Bewegungsschema gehort
einzelne Verstandestrager verfügt allein uber
Verstandesträger verfiigt über die notigen
nötigen for- standes, ungeachtet der Grenzuberschreitung
Grenzüberschreitung ins Empirische.
vollständi~ zu machen.
mellen Bedingungen, um seine Urteile vollstandig mac~e~.
Freilich ist es wahr, daB
daß es in der Natur Bewegungsvorgange
Bewegungsvorgänge
Daher vermag der abstrakte Verstand die kollektive Autoritat Autontat von absolut unveranderlichen
unveränderlichen Dingen nicht gibt. Dennoch
von vorhergehenden Gesellschaften zu entthronen.
entthronen.. .. taugt dieses Schema als Mindestbegriff dessen, was uberhaupt
überhaupt
4. Haben die »zu uns« gehorigen Verstandesbe~nffe objektive
gehörigen Verstandesbegriffe noch einen Naturvorgang darstellt, und es kann versucht wer-
Realitat
Realität fur außermenschliche Natur? Was ist
für die auBermenschliche Ist unsere Ant- den, wie es in der Antike geschehen ist, aus ihm als Baustoff ein
wort auf diese Frage, wie mathematische Naturwissens~haft
Naturwissenschaft theoretisch zusammenhangendes
zusammenhängendes Bild des Weltganzen zu ent-
moglich
möglich sei? Erwachst
Erwächst nicht aus unserer gesellschaftlichen
gesellschaftlI.chen werfen, als Triumph einer Klasse von Sklavenhaltern, die ein
Theorie des reinen Verstandes vielleicht die Gefahr, daB daß wir an Interesse daran hatte, sich der Moglichkeit
Möglichkeit von Naturerkennt-
die Stelle des bisherigen subjektiven einen neuen soziologischen nis aus andern Quellen als denen der Handarbeit zu versichern.
Tatsächlich gibt es keinen zureichenden
Idealismus setzen? - Tatsachlich In der Antike bestand furfür eine solche Leistung eine gesellschaft-
Grund, die objektive Realitat
Realität der Verstandesbegriffe zu be- b~­ liche Notwendigkeit lediglich im Sinne der Erhaltung der Klas-
zweifeln. Denn obwohl diese Begriffe »zu uns« geho- senherrschaft der Besitzer der Produktionsmittel. In der Neu-
ren, nämlich Gesellschaftsprodukte und nicht Naturprodukte
ren namlich zeit wurde eine theoretische N aturerkenntnis zur gesellschaftli-
Naturerkenntnis
sind,
sind werden sie doch nicht von uns gemacht. Es ist bereits be- chen Notwendigkeit um der Produktion selbst willen. Zu den
tont
tont' worden, daB
daß die Abstraktion, der sie entspringen, blind- ~lind­ Elementen ihrer Begrundung
Begründung gehorte
gehörte Galileis Definition des
wirkende Funktion des Warenverkehrs ist, also menschlichen Tragheitsprinzips
Trägheitsprinzips in Begriffen des Bewegungsschemas der
Tuns, nicht menschlichen Denkens. Nur ihre Reflexion ist Tauschabstraktion. Dasselbe wurde dadurch abermals zum ge-
danklichen Baustoff der Naturtheorie, und zwar diesmal fur für die
126
12 7
hypothetische Konstruktion spezifischer N aturerscheinungen
Naturerscheinungen Tat in ibrem
ihrem BewuBtsein
Bewußtsein eingefangen, in dem Sinne namlich,nämlich,
als »zusammengesetzte Bewegung'(.
Bewegung". Die Natur im Sinne der da~ sie durch ibr
daß ihr gesellscbaftlicbes
gesellschaftliches Sein zu notwendig falschem
klassischen Mechanik kann ebenso wie die der antiken Kosmo- BewuBtsein
Bewußtsein verurteilt ist. Und das trifft selbst auf die Naturwis-
logie als N atur in Waren
Natur form bezeichnet werden.
Warenform senscbaft
senschaft der Bourgeoisie zu, auf die Natur in Warenform. In
5. Doch die Frage nach der Moglichkeit
Möglichkeit theoretischer N aturer- dieser Wissenschaft werden, und zwar erfolgreich, die Grundla-
kenntnis, so wichtig sie ist, umfa~t
umfaßt nur einen Teil, und zwar gen zu den technischen Erfindungen erstellt, von denen die ka-
»gro~en Grundfrage« nach dem
einen untergeordneten Teil der »großen pitalistische Produktion furfür ihren Profit, d. h. fur
für ihre Existenz,
Verhaltnis
Verhältnis von Denken und Sein. In der gesamten Tradition der abhangt.
abhängt. Es ist aber vollstandig
vollständig unmoglich,
unmöglich, auf Grund jener na-
abstrakten Philosopie bildet die letztere das Kernstuck
Kernstück der star- turwissenschaftlichen Grundlagen die Wirkungen vorauszube-
ren metaphysischen, fetischartigen Entgegensetzungen, die rechnen, welcbe
welche die Anwendung dieser Erfindungen in der
Gro~teil des heutigen philosophischen Denkens noch
auch den Großteil Okonomie
ökonomie der Gesellschaft erzeugen wird. Die burgerliche
bürgerliche Na-
in ihrem Bann halten. Das »Sein« wird auf die eine Seite ge- turwissenschaft ist also in der Tat seinsblind. Es gibt im Kapita-
»Denken« oder »Bewußtsein«
stellt, das "Denken« »Bewu~tsein« auf die andere; einen lismus zwischen den naturwissenschaftlichen Erkenntnisbegrif-
Dbergang
übergang yom vom einen zum andren gibt es nicht. Wenn z. B. fen und den Kategorien der gesellschaftlicben
gesellschaftlichen Okonomie
ökonomie keine
Denkbegriffe, also logische Prinzipien, abgeleitet werden sol- gedanklichen Vemittlungen. Die in der abstrakten Philosophie
len, so nur aus anderen Denkbegriffen, einfacheren logischen gahnende,
gähnende, mit ihren Denkmitteln unuberbruckbare
unüberbrückbare Kluft zwi-
Prinzipien, aber auf keinen Fall aus dem Sein. Eine Seinsablei- schen Sein und BewuBtsein
Bewußtsein hat also Realitat,
Realität, aber keine ewige
tung von Denkprinzipien gilt als absolute Unmoglichkeit.
Unmöglichkeit. Was , und unabanderliche
unabänderliche und nicht fur für solche zeitlose Wesenheiten
hat sich uns aber in der vorstehenden Analyse ergeben? DaB Daß wie »das Sein« und »das BewuBtsein«.
Bewußtsein«. Ihre Realitat
Realität griindet
gründet
der Begriff der Substanz, also ein reiner Denkbegriff, dem kein sich auf die in der Form der Warenproduktion herausgebildete
wahrnehmbares Phanomen
Phänomen jemals physisch gleichkommt, luk- lük- Scheidung zwischen Kopf- und Handarbeit. Die Trennung der
kenlos als notwendiges Resultat aus raumzeitlichen, zum gesell- Vergesellschaftung yom vom ProduktionsprozeB
Produktionsprozeß ist die Wurzel.
schaftlichen (freilich nicht zum naturlichen)
natürlichen) Sein gehorigen
gehörigen Eben sie hat aber cine
eine ganz bcstimmte,
bestimmte, nach der Entwicklung
F ak toren hervorgeht. Hier schein t also das
das»»absolu
absolu ttUnmögliche«
U nmogliche« der Produktivkrafte
Produktivkräfte bemessene geschichtliche Bedingtheit.
zur Tatsache geworden zu sein. Entsprechendes ergibt sich, wenn 6. Tatsachlich
Tatsächlich hat die Alleinherrschaft der Warenform uber über den
die obige Antithese in umgekehrter Richtung erwogen wird, gesellschaftlichen Nexus seit dem Ende des 19. Jahrhunderts be-
namlich
nämlich daB
daß es unmoglich
unmöglich sei, jemals yom Bewu~tsein zum Sein
vom Bewußtsein trachtliche
trächtliche EinbuBe
Einbuße erfahren. Mit der Entwicklung der Metho-
Bewu~tsein anstatt
zu gelangen, wonach also das menschliche Bewußtsein den mechanisierter Massenproduktion hat die Vergesellschaf-
unseres Hilfsmittels zur Bewaltigung
Bewältigung des Seins im Gegenteil tung der Arbeit in wachsenden Teilen des kapitalistischen Pro-
unser Gefangnis
Gefängnis sei, das uns yom
vom Sein trennt. Unsere Antwort duktionsprozesses einen solchen Grad erreicht, daß da~ etwas qua-
hierauf ist, daB
daß auch hier wiederum das gesellschaftliche Sein litativ Neues ins Dasein getreten ist. 1m Im FlieBbandbetrieb
Fließbandbetrieb und
die vermittelnde Rolle zwischen Denken und Sein oder Subjekt auch schon in seinen Vorformen, vollends aber jetzt durch die
und Objekt spielt, daBdaß aber das gesellschaftliche Sein eben im Automatisierung greifen im ArbeitsprozeB
Arbeitsprozeß selbst okonomische
ökonomische
genauen Blindpunkt der von der Warenform determinierten Prinzipien Platz, welche die Moglicbkeit
Möglichkeit einer ganzlich
gänzlich ande-
Denkweise steht. Die Einheit mit dem Sein ist Okonomie.
ökonomie. Um ren Gesellschaftsform eroffnen.
eröffnen. Freilich ist die Abschaffung des
die wirkliche Bedeutung, den Wahrheitsgehalt jener Vorstellung Kapitalismus notwendige Voraussetzung, urn um diese Moglichkeit
Möglichkeit
von unserer Gefangenschaft im BewuBtsein
Bewußtsein zu verstehen, muß mu~ wirklich werden zu lassen. Das Ergebnis der heteronomen Exi-
Bewu~tseins herangezogen wer-
der Klassencharakter dieses Bewußtseins stenz dieser neuen Prinzipien, ihrer Existenz innerhalb des Ka-
den. In all ihrer Philosopbie
Philosophie und Wissenschaft besitzt die Bour- pitalismus, ist die monopolistische Entwicklung des letzteren.
geoisie (und Entsprechendes gilt furfür die Antikc)
Antike) nicbt
nicht das Mit- Die offizielle Wissenschaft von dem modernen gesellschaftli-
tel, den gesellschaftlichen ProzeB
Prozeß zu beberrschen.
beherrschen. Sie ist in der Arbeitsprozeß ist die von Fr. W. Taylor begriindete
chen ArbeitsprozeB begründete wis-

128 12 9
senschaftliche Betriebsokonomie,
Betriebsökonomie, in der der mechanisierte Ar- Kritische Studien zur Philo sophie
Philosophie
beitsproze6
beitsprozeß unter dem Gesichtswinkel des kapitalistischen Pro-
fitinteresses, d. h. genau unter dem verkehrten Gesichtspunkt Herausgegeben von Karl Heinz Haag, Herbert Marcuse, Oskar
betrachtet wird. Daraus ergibt sich die Aufgabe einer Kritik Negt und Alfred Schmidt
dieser biirgerlichen
bürgerlichen Betriebswissenschaft mit dem Ziel, die dar-
in verschleierten gesellschaftlich-synthetischen Formelemente
des modernen Arbeitsprozesses blo6zulegen.
bloßzulegen. Wenn die von uns
würden wir erwarten, in diesen
befolgte Denkweise richtig ist, wiirden
Formelementen zugleich die Grundlage der nachklassischen
Mechanik vorzufinden. In einer nach diesen Formelementen
organisierten Gesellschaft wiirden
würden sich daher vom Arbeitsplatz Carlo Ascheri
aus fur
für ein geschultes Bewu6tsein
Bewußtsein die Prinzipien des gesell- Feuerbachs Bruch mit der Spekulation
schaftlichen Nexus und die Formgrundlage der naturwissen- Einleitung zur kritischen Ausgabe von Feuerbach: Notwendig-
schaftlichen Denkweise verstehen lassen. keit einer Veranderung
Veränderung (1842). Mit einem Vorwort von Karl
Lowith.
Löwith.

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