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Pädagogische Maturitätsschule

Pädagogische Hochschule Thurgau


Allgemeine Didaktik/ Grundformen des Lehrens

Planungs- und Analyseraster


In Anlehnung an: Teml, H. (1983). Unterricht gestalten – Lernen fördern. Materialien zum
schülerzentrierten Unterricht. Linz: Veritas

Oft ist es notwendig, die Kinder “geistig zu sammeln“ und für die kommende Arbeit vorzubereiten. Dies geschieht meist in
einer vom Lektionsinhalt unabhängigen Art und Weise. Es handelt sich in diesem Sinne um eine Art “Vorspann“
(F Stundeneröffnungsrituale).

Phase 1 EINSTEIGEN
Den Kindern soll in dieser Phase klar werden, welches die Zielrichtung ist und/oder es soll eine Fragehaltung und ein Prob-
lembewusstsein entstehen. Insbesondere beim Einstieg in neue Themen sollte auch versucht werden, die Kinder und Ju-
gendlichen allmählich mehr und mehr in die Planung einzubeziehen.
informierend konfrontierend partizipierend
Die Kinder erhalten die wichtigsten In- Die Kinder werden direkt mit dem Inhalt Die Interessen, Fragen, Erfahrungen der
formationen zur Lektion, damit sie den konfrontiert. Kinder werden aufgegriffen.
Sinn einsehen, das Thema für sie rele- - stoffliches Aufwärmen - zu Themen persönliche, gefühlsmäs-
vant wird und wenn möglich Interesse - problemhaltige, mehrdeutige, „frag- sige Äusserungen oder Erfahrungen
geweckt wird. Sie erfahren: würdige“ Situationen gestalten ermöglichen
- worum es geht; - Schwierigkeiten erleben lassen, so - Themenvorschläge aus dem Kreis der
- was sie danach können (Lehr-/Lern- dass Schülerinnen und Schüler nach Klasse aufgreifen
ziele); Lösungssuche drängen - Thema oder Planungsvorschlag mit
- wie der Unterricht abläuft. - Experiment zeigen den Kindern diskutieren
Unter Umständen können die Kinder - provokative Ansicht, Widerspruch, - ...
dazu Stellung nehmen, Änderungen vor- Vergleich vorstellen
schlagen, auswählen. - sinnliche Erfahrung machen lassen
- aktuellen Vorfall aufgreifen
- ...

Phase 2 BEREITSTELLEN
Diese Phase dient der inhaltlichen Vorbereitung für die nachfolgende aktive, selbstständige Auseinandersetzung mit dem
Thema. Es wird daher nur soviel direkt dargeboten, gemeinsam erarbeitet oder begleitet, als dies für das selbstständige
Arbeiten in der Phase 4 notwendig ist. Folglich kann diese Phase auch ganz entfallen, insbesondere wenn sie in einer voran-
gegangenen Unterrichtssequenz bereits durchgeführt wurde.
Die Lehrperson bleibt in diesem Teil des Lehr-/Lernprozesses mit den Kindern in unterschiedlicher Intensität in Kontakt; d.h.
kleinere selbsttätige Schritte der Kinder sind unter Umständen wichtig für das Begreifen eines Sachverhaltes, damit ist aber
noch nicht die (vergleichsweise länger dauernde) Eigenaktivität der Kinder gemeint.
darbietend erarbeitend begleitend
Die Lehrperson bietet den Kindern und Das Vorwissen, die Erfahrungen, Meinun- Die Lehrperson tritt eher in den Hinter-
Jugendlichen die notwendigen Inhalte gen der Kinder und Jugendlichen werden grund und “Stellvertreter“ übernehmen
direkt dar: in der Bereitstellungsphase gezielt ge- (für kurze Zeit) ihre Rolle.
- erzählen nutzt. Sie werden aktiv einbezogen. - Anschauungsmittel (reale Gegen-
- berichten - Lehrgespräch stände, Tiere, Pflanzen)
- erklären - Diskussion (Unterrichtsgespräch) - Veranschaulichungsmittel (Modelle, Bil-
- vorlesen - ... der, Video, DVD, ...)
- vorzeigen – nachmachen - Texte
- ... Hinweis: - ...
- gezielte Hilfestellung durch minimale
Anstösse, jedoch kein „Ratespiel“ (Ver- Hinweis:
meidung des Erarbeitungsmusters!) Es handelt sich im Unterschied zur Phase
4 um eine “kleinräumige“ Selbsttätigkeit.

- Juni 2008 -
Phase 3 ORGANISIEREN
Hier steht die Vorgehensweise im Zentrum. Entlang der Frage “Wer macht was, wie, mit wem, womit, wie lange?“ wird mit
einer knappen, klaren Arbeitsanweisung festgelegt, wie die nachfolgende Aktivität (Phase 4) aussieht. Die Anweisung muss
einerseits vollständig sein, andererseits methodisch passend eingesetzt werden, d.h. dass die Aufmerksamkeit aller Kinder
verlangt, das Verständnis überprüft wird und die Arbeitsanweisung in der Regel schriftlich vorliegt.
Was? Wie? Mit wem? Womit? Wie lange?
Die Kinder und Jugend- Die Kinder und Jugend- Die Kinder und Jugend- Die Kinder und Jugend- Die Kinder und Jugend-
lichen wissen, welche lichen wissen, in wel- lichen wissen, in wel- lichen wissen, welche lichen wissen, wie viel
Tätigkeiten sie ausfüh- cher Weise sie vorge- che Kommunikations- Hilfsmittel zur Verfü- Zeit für die Arbeit zur
ren müssen. Je nach hen können oder sollen und Interaktionsmög- gung stehen und wo sie Verfügung steht und an
Arbeitsanweisung (F (Schritte) und welches lichkeiten bestehen. Hilfe holen können. welchem Massstab die
Arbeitsauftrag vs. Ergebnis vorliegen F Sozialformen (KA, - Lernmaterialien Ergebnisse gemessen
Lernaufgabe) werden muss, wie HA, GA, PA, EA) (Texte, Arbeitskarten, werden (F Lernziel).
sie unterschiedlich ge- - konkrete Produkte Lernprogramme,
fordert. Beispiele für (Plakate, Folien, Hinweis: Lerngeräte, ...)
Tätigkeiten sind: Briefe, Werkstücke, Insbesondere für die - Anleitungen (mdl.
- lesen Ausstellung, ...) KA wird im Vorberei- oder schr.)
- zusammenfassen - Spiele (Pantomime, tungsformular mittels - Lernbetreuung (Tu-
- schreiben Rollenspiel, durchge- Symbolen (Kreis, Halb- tor, Experten, Lehr-
- bestimmen führtes Lernspiel, ...) kreis) die Anordnung person, ...)
- herstellen - Berichte (Darstellung der Klasse festgehal-
- diskutieren und Aufbereitung ge- ten. Hinweis:
... sammelter Informati- Es gilt das Prinzip der
onen) minimalen Hilfe (vgl.
- Notizen (Hefteinträge, Phase 4).
Stichwortsammlung,
Zusammenfassung,
Zettelnotizen, ...)

Phase 4 AKTIVITÄT
Die Kinder bearbeiten weitestgehend selbstständig ohne direktes Zutun der Lehrperson für sie bedeutsame Aufgaben
(F Arbeitsaufträge oder Lernaufgaben). Die Phase ist das Kernstück des Unterrichts und soll zeitlich möglichst umfangreich
ausfallen. Selbsttätigkeit ist durch die vorangehenden Phasen ermöglicht und wird jetzt umgesetzt. Gegebenenfalls unter-
stützen auch Lernmaterialien das selbstständige Tun und die Lehrperson leistet allenfalls F minimale Hilfe, d.h. sie übernimmt
in dieser Phase die Rolle der Lernberaterin.
Die Tätigkeiten der Kinder können beispielsweise folgenden Aufgabenkategorien zugeordnet werden:
Probleme klären / lösen Inhalte üben / anwenden kreativ tätig sein soziales Lernen
- Probleme und Schwierigkei- - Lösungen erproben - gestalten (zeichnen, wer- - Gefühle äussern
ten entdecken - Weiterführende Lernaufga- ken, …) - Werteinstellungen klären
- Problemsicht gewinnen ben lösen (Lerntransfer) - Theater spielen - sich kooperativ verhalten
- Informationen suchen - Fertigkeiten einüben - visualisieren - zuhören
- Lösungen suchen - Kenntnisse anwenden - musizieren - Gespräche / Diskussionen
- Hypothesen entwickeln - ... - tanzen führen
- ... - Texte schreiben - ...
- ...

Phase 5 ABSCHLIESSEN
Hier findet die Unterrichtssequenz einen vorläufigen Abschluss, auch wenn die Arbeit an dem konkreten Inhalt vielleicht zu
einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen wird. Im Wesentlichen geht es darum, zu überprüfen, ob die Ziele erreicht wur-
den. Das kann z.B. auch mit Hilfe von Lernkontrollen und / oder Gesprächen über den Unterrichtsverlauf geschehen, woraus
weitere Gestaltungsmassnahmen abgeleitet werden können.
vorstellen bewerten fördern rückmelden
- erarbeitete Ergebnisse den - Besprechungen der sachli- - individuelle Lernschwierig- - über den Unterricht spre-
Mitschülern anschaulich chen Qualität der Ergeb- keiten erheben chen, Lernprozesse reflek-
vorstellen, bzw. der Lehr- nisse (auch miteinander) - gezielte Übungen für spezi- tieren
person zeigen - Kontrollen (besonders auch elle Probleme - positive und negative Erfah-
- Einsichten herausstellen, Selbstkontrollen) - differenzierte Vorgangswei- rungen zurückmelden
Übersichten entwickeln - Fehler feststellen und korri- sen zur Erreichung der Ba- - Vorschläge für weitere Ar-
- ... gieren sisziele beit einbringen
- ... - ... - ...

- Juni 2008 -

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