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eDOSSIER

107.2018
shop.page-online.de/
downloads

Total Shoppability –
E-Commerce & Content

Tools & Plug-ins für Shoppable


Content: E-Mags mit kaufbaren
Inhalten erstellen

Neue Technologien, neue Konzepte:


Von 360-Grad-Video bis VR-Headset
Shoptacles

Das PAGE eDossier 107.2018 enthält einen Beitrag aus PAGE 08.2016 (EVT Juli 2016) und PAGE 02.2018 (EVT Januar 2018)
im Originallayout. Im Text enthaltene Links wurden beim Erscheinen des eDossiers nicht mehr geprüft.
IMPRESSUM Redaktion PAGE, Borselstraße 28, 22765 Hamburg; info@page-online.de; Telefon: 040 85183-400, Fax: -449; www.page-online.de; Chefredakteurin/Publisher:
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086 PAGE 08.16 › WERKZEUG › Shoppable

Shopzines
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Mit einer neuen Generation von Tools lassen sich blasse E-Commerce-Seiten ohne Programmierkenntnisse in

WERKZEUG

● Die Kaufprozesse im Netz entwickeln sich fort­


während weiter – weg vom nüchternen, rein funk­
tiona­len Shop hin zur emotiona­len Customer Jour­
hübsche Magazine mit kaufbaren Inhalten verwandeln

ney. Unabdingbar für eine gelungene User Experi­


ence ist zum einen die ansprechen­de Inszenierung
der Inhalte, die über blo­ße Produktshots und -videos
hinausgeht und das Angebot in inspirierenden Kon­
texten zeigt, zum anderen die nahtlos verbundene
Be­stellmöglichkeit. Ziel ist natürlich, die Kunden da­
zu zu bewegen, mehr Zeit auf dem Shopping-Portal
zu verbringen, und die Konversionsrate zu steigern.
»Die zweidimensionale E-Commerce-Seite ist ein
Ding der Vergangenheit«, schrieb Paul S. Carroll, Vice
President Digital und Ecommerce Creative bei New
York & Company, kürzlich im Zmags-Blog (  https://
is.gd/retail2D  ). Um wettbewerbsfähig zu bleiben,
müssten Marken und Retailer »Shoppable Experi­
en­ces« schaffen. Und der Schlüssel hierzu ist die Ver­
schmelzung von Content und Commerce in soge­
nannten Shoppable Mags. Bestückt mit interaktiven
Bilder-Slidern, die auch Transaktionen zulassen, ku­
Ganz links: Braun ratierten Fotos und Videos zu
Hamburg hat den relevanten Themen und neus­
Shop durch redak­ ten Trends, ist hier alles Prä­
tionellen Content sen­tierte auch kaufbar – mit
und mithilfe des »Quick View«-Optionen und
Systems Styla aufge-­
»Jetzt kaufen«-Buttons.
wertet. Links: Seine
Shoppable Look-­
Content & Commerce
books produziert
Luxus-Retailer Bis vor Kurzem benötigten der­
Neiman Marcus mit artige »Rich Shoppable Expe­
Zmags Creator riences« noch die IT-Abtei­
088 PAGE 08.16 › WERKZEUG › Shoppable

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Mit diesen neuen Tools


lässt sich das Layout nach
Belieben wie bei einem
Printmagazin gestalten –
mit dem Unterschied, dass
alles, was der User sieht,
auch direkt kaufbar ist.
1

lung, um das Shop-Backend entsprechend zu pro­


grammieren, Agenturen, um das User Interface zu
gestalten, sowie eine Redaktion, um die Inhalte zu
erstellen. Mittlerweile gibt es eine neue Generation
webbasierter Tools, die alle drei Disziplinen ver­bin­
den. Mit ihnen kann man innerhalb des eigenen
Shop­systems ohne Programmierkenntnisse Shop­
pable Mags generieren. Das Layout lässt sich nach
Belieben wie bei einem Printmagazin gestalten – mit
dem Unterschied, dass alles, was der User sieht, auch 2
direkt kaufbar ist. Diese Cloud-Tools stehen über­
wiegend auf Software-as-a-Service(SaaS)-Basis zur
Verfügung, eine Installation ist nicht nötig. Bezahlt
wird entweder im Abomodell, pro Nutzung oder ab­
1 Der Editor

von Styla lässt


1 Styla Storytelling inklusive
hängig vom Volumen des Shops. sich einfach Die Content-Commerce-Lösung des Berliner
Gute Erfahrungen mit solch einer Content-Com­ bedienen, um Start-ups Styla richtet sich an (mittel-)große
merce-Lösung – und zwar mit Zmags Creator – hat zum Beispiel Retailer, zu seinen Kunden gehören unter an­
die US-amerikanische Luxuskaufhauskette Neiman einen Titel im derem Lodenfrey, SportScheck, Speedo oder OBI. Der
Marcus gemacht. Im Jahr bringt das Unternehmen Magazin­layout SaaS-basierte Editor erlaubt es, ein Shoppable Mag oder
auszutauschen
etwa 150 Lookbooks heraus, in denen es seine Mode­ einen Blog innerhalb eines Shops zu gestalten. Die ein­
2 Über die
kollektionen präsentiert. Um das Gewünschte zu be­ gepflegten Produkte erscheinen über die verbindende
zen­trale Widget
stellen, mussten die User bislang erst einmal die Sei­te Library kann
API automatisch auch im verwendeten Shopsystem. Da­
hinunterscrollen und befanden sich plötzlich inmit­ der User in bei lassen sich sowohl »Side View«- als auch »Quick
ten eines herkömmlichen Gridlayouts. Ein un­schö­ Zmags Creator View«-Elemente einbetten: Erstere erweitern die Pro­
ner Bruch, der die User Experience beeinträchtigte die Produkte duktansichten durch eine Fotogalerie, »Quick Views«
und die Conversion minderte. Da der Retailer ei­ne kaufbar machen bieten Detailansichten. Außerdem kann man YouTube-
maß­geschneiderte E-Commerce-Lösung nutzt, lie­ Videos, Instagram-Bilder und weitere Social-Media-
ßen ihn die zu erwartenden Kosten zögern, die Seiten In­halte integrieren. Für die Traffic-Analyse lässt sich
in Richtung »Shoppable Lookbook« auszubau­en. Ei­ Google Analytics nutzen. Styla bietet an, das Magazin­
nen Ausweg bot Zmags Creator. Damit erstellten die layout individuell an das Corporate Designs des Retailers
Neiman-Marcus-Designer in den ersten drei Mona­ anzupassen, damit dieser direkt darin arbeiten kann.
ten nach dem Umstieg 50 Lookbooks – eine er­heb­li­ Styla gibt es im Jahresabonnement ab circa 1000 Euro
che Vereinfachung und Beschleu­nigung der Pro­duk­ pro Monat, der genaue Preis wird für jeden Kunden nach
tionsprozesse. Auch die Kon­ver­sions­rate stieg nach dessen Anforderungen festgelegt.
Aussagen des Unternehmens von 3 auf 10 Prozent. ↗ www.styla.com/de
Neben dem Weg, den eigenen Shop mit redaktio­
nellen Beiträgen aufzuwerten, gibt es noch andere
Mög­lichkeiten, Content und Commerce zusammen­ 2 Zmags Creator Shoppable Mag
zubringen, zum Beispiel mit kuratierten Inhalten
oder Emp­fehlungsmarketing. Über eine Affiliate-Lö­
per Drag-and-drop
sung lassen sich die dargestellten Items direkt von Zmags Creator aus den USA, wie Styla eine
den Besuchern der Webseite oder des Blogs kaufen. Software-as-a-Service-Lösung, ermöglicht es,
Auch hierfür gibt es passende Tools beziehungsweise quasi auf Knopfdruck Shoppable Mags, wie
Plug-ins, über die sich entsprechende Funktionen zum Beispiel die Neiman-Marcus-Lookbooks, zu kreie­
integrieren lassen.  vd ren und für alle Plattformen zu publizieren. Eine Wid­
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Shopware Professional bietet nun ebenfalls einen Editor


zur Gestaltung von Shoppable Mags

get Library stellt alle nötigen Funktionen bereit, um


Bilder, Texte und andere Inhalte per Drag-and-drop
zu platzieren. Videos und Animationen lassen sich
ebenfalls einbinden. Neben Google Analytics unter­
stützt die Lösung auch Segment.io zur Auswertung
des Nutzerverhaltens. Zmags Creator ist im Abo ab
10 500 Dollar pro Jahr beziehbar. Alternativ lassen
sich mit der Digital-Publishing-Lösung Zmags Pu­
blicator (ab 5000 Dollar) Printkataloge und -maga­
zine in ein Shoppable Mag überführen.
↗ http://zmags.com

3Shopware Unbegrenzte
Erweiterungsmöglichkeiten
Die Open-Source-Alternative kommt vom
deutschen Shopsystemanbieter Shopware.
Gegenüber den anderen Lösungen hat sie
den Vorteil, dass mittlerweile 2000 Plug-ins für jede
Spezialanforderung zur Verfügung stehen, die aus
der Community heraus entwickelt wurden. Dank der
offenen API lässt sich das System beliebig erwei­
tern. Neben der kostenfreien Version stehen für kom­
mer­zielle Zwecke die kostenpflichtigen Professio­
nal-, Professional-Plus- und Enterprise-Editio­nen
zur Verfügung. Bei diesen sind zum Beispiel zahl­
reiche Premium-Plug-ins inbegriffen sowie ein Sup­
port extra für Entwickler.
Auch bei Shopware kann der User die Elemente
eines Shops, also beispielsweise Bilder-Slider, Text­
inhalte, YouTube-Videos oder iFrame-Inhalte, per
Drag-and-drop übernehmen. Ein Raster erleichtert
dabei die Positionierung, wobei die Inhalte respon­
siv für unterschiedliche Geräte angelegt werden. Die
aktuelle Version 5 ab Shopware Professional, be­sitzt
nun auch einen Editor fürs Storytelling im Sin­ne ei­
ner Magazingestaltung, mit dem sich die Produkt­
seiten in Abschnitte unterteilen und mit »Side View«-
Elementen sowie »Quick View«-Modulen an­rei­
chern lassen. Shopware Professional steht für knapp
1300 Euro zur Verfügung.
↗ https://de.shopware.com
090 PAGE 08.16 › WERKZEUG › Shoppable Content

4 5

4 Shoppable Per Klick


im Browser kaufen
Das gleichnamige New Yorker Start-up hat 4 Neben dem

mit Shoppable eine universell einsetzbare Widget für Publisher


Check-out-Technologie entwickelt, mit der bietet Shoppable
ein Browser-Plug-in
Publisher ihre Website in eine professionelle Shop­
für Nutzer an, die
ping-Plattform im Responsive Design transformie­ damit über viele
ren können. Die Inhalte lassen sich per Drag-and- Shops hinweg
drop in einem Content-Management-System kom­ einkaufen können
pilieren. Das Widget umfasst diverse APIs sowie ein
WordPress-Plug-in und unterstützt iFrames.
Ergänzt wird Shoppable durch eine kostenlose
Extension für Chrome. Hat sich der User über diese
bei Shoppable.com registriert, kann er Produk­te auf
beliebigen Webseiten über ein einziges Log-in kau­
4 Bei der App der
fen, ohne sich bei dem entsprechenden Shop an­ Social-Shopping-
melden zu müssen. Das funktioniert, da viele Retai­ Platt­form Piccing
ler bei dem Affiliate-Programm mitmachen (Ende kön­nen die User ein
2015 waren es 200). Für bis zu 250 Produkte auf ih-­ Produktfoto ankli-­
rer Seite bezahlen Publisher im Abo monatlich etwa cken und sehen so-­
30 Dollar, bei bis zu 1000 Produkten 250 Dollar. fort, wo es das Ge-
zeig­te zu kaufen gibt
↗ www.shoppable.com

5 Piccing Kaufvorschläge zu
jedem Foto
Bei Piccing handelt es sich um eine Social-
Shopping-Plattform, mit deren Technolo­
gie sich im Prinzip jedes Foto im Internet
»shoppable« machen lässt. Wer einen Account an­
legt und das Plug-in in seinen Browser übernimmt,
kann beim Surfen im Netz Bilder auswählen oder ei­
gene hochladen und auf diesen dargestellte Produk­
te »piccen«. Daraufhin gibt Piccing eine Übersicht
von Shops aus, die diesen Artikel anbieten. Zu den
Verena Dauerer, freie Technikredakteurin
Partnern des Start-ups gehören etwa Nordstrom,
in Berlin, schaut seit dem Testen dieser
Booking.com oder Swarovski. Das kostenlose Plug- Tools genauer hin bei »kaufbaren« Inhalten
in steht für Chrome, Opera, Firefox und Safari zur und wie diese präsentiert werden.
Verfügung. Die ebenfalls kostenlose Piccing-App ↗ www.designjournalisten.de
für iOS und Android funktioniert nach demselben
Prinzip: Die User können sich durch »gepiccte« Fo­
PAGE eDossier »E-Shop-Systeme für Designer«.
tos scrollen und damit gleich herausfinden, wo das Mietshops, Plattformen und Open-Source-
Produkt erhältlich ist.  vd Lösungen für den Einstieg in den E-Commerce:
↗ http://piccing.com ↗ www.page-online.de/PDDP1020
048 PAGE 02.18 › THEMEN › Total Shoppability

Surreale Sitcom
Unter dem Titel »Keeping up
with the Bakers« entwickelte das
Modelabel Ted Baker für seine
Spring/Summer-2017-Kampagne
eine interaktive 360-Grad-Video-
Serie. Der User kann das Haus
der Familie Baker erkunden oder
sie zum Beispiel in den Super­‑
markt begleiten und dabei innerhalb
des Videos Klamotten shoppen.
PAGE 02.18 049

Sofort
kaufen!
Total Shoppability: Wenn alles aus aller Welt auf allen
Kanälen jederzeit bestellbar ist, braucht es, um Kunden
zum Kauf zu verführen, viel mehr als »Buy now«-Buttons
050 PAGE 02.18 › THEMEN › Total Shoppability

● Der Prime Day ist laut Amazon »ein unglaubli­ Messaging-Start-up in New York, ist überzeugt davon,
cher Tag«. Dieses Schnäppchen-Event für Prime-Mit­ dass Chatbots die Zukunft der Interaktion zwischen
glieder gewinnt zunehmend an Bedeutung. Brian Marken und Konsumenten sind, weil es deren Kom­
Madden, Vice President of Audience Development mu­nikationsverhalten mit Freunden, Kollegen und
bei Hearst Digital Media, prophezeite im ­Juli auf ­Familie entspricht. In einem Interview auf Mar­Tech­­‑
­Digiday (  https://is.gd/PrimeDay  ): »In einigen Jah‑ Series sagte sie im September (  https://is.gd/klattBot  ):
­ren werden die Leute genauso ›Happy Prime Day‹­ »Wenn man genau weiß, was Kunden wollen, dann
wie ›Merry Christmas‹ sagen.« Halleluja. Jesus und kann man es ihnen verkaufen. Im Chat erzählt uns
Shopping sind also ungefähr gleich wichtig und müs­ der ­User präzise, was er braucht, sodass wir dies in
Handgezeichnetes
sen sich von nun an einen Heiligenschein teilen. Emotionalisieren: Burberry
Shop­pable Content rückübersetzen können.«
Brian Maddens Euphorie stimmt perfekt auf die reicherte ihre gleichnamige Die AR- und VR-Spezialisten sehen im Rahmen
Goldgräberstimmung ein, die sich derzeit rund um App mit AR-Illus und des Shoppability-Hypes ebenfalls ihre Stunde ge­
das Thema Shoppability entfaltet. Experten arbei­ten -Typo von Danny Sangra an kommen, darunter das Start-up ADVR, das Virtual-
weltweit fieberhaft daran, Waren auf allen Kanälen und Augmented-Reality-Anwendungen fürs Con­
noch schneller und einfacher kaufbar zu machen, tent Marketing entwickelt. Mitgründerin und Chief
was dank neuer Tools und künstlicher Intel­ligenz Product Officer My N. Tran meinte im Juli gegen­
auch immer besser umsetzbar ist. Ob Shop­pable User über der Huffington Post (  https://is.gd/VR_Popup  ):
Ge­nerated Content/Videos/Printmagazine/Schau­ xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
»VR ist der breakout star, weil sich damit persona­
fens­ter/Fashion-Shows et cetera – es gilt, den er­zeug‑ lisierte Pop-up-Shops on demand entwickeln las­
­ten Kaufimpuls direkt zu nutzen, sodass der User »Wir haben sen.« Der Vorteil gegenüber 2D-Shopping-Angebo­
mit so wenigen Klicks wie möglich das gewünschte
Produkt in den Warenkorb legt und bezahlt.
die Möglich- ten: Es gibt keinen trennenden Bildschirm mehr,
der User ist aktiver Teil der Erlebniswelt. Für die na­
Die ganze Welt ist inzwischen käuflich geworden. keit, die he Zukunft sieht sie auch Social Pop-ups kommen:
Etwa mit der App LIKEtoKNOW.it, die theoretisch Welt in die ein shared environment, »in dem wir uns mit Freun­
jeden Smartphone-Screen­shot shoppable macht, ob nächste den und Familie verbinden, um sie nach ihrer Mei­
Outfit-Bilder von Influencern auf Instagram oder Fo­
tos von Freunden. Hierfür analysiert sie den gewähl­
Phase des nung zu Farben oder Styles zu befragen«, erklärt My
N. Tran. Da derartigem VR-Content eine komplette
ten Screenshot und sucht passende Fotos aus einem Retailing Datenumgebung zugrunde liegt, ließen sich außer­
riesigen Datensatz mit getaggten Bildern von Produk­ zu führen« dem viel detailliertere Rückschlüsse auf die Vor-
ten, die sich dann innerhalb der App kaufen lassen. Jooman Park, lieben des Users ziehen als durch die Auswertung
Managing Director bei impulsiver Klicks auf Buttons.
Zauberformel: Content & Commerce eBay Australia
Um den Kaufimpuls zu erzeugen, setzen Marken im­ Rosarote Brille vs. Schwarzmalerei
mer mehr auf Content und reichern ihre Onlineshops Also eine ziemlich rosige Zukunft für Brands, Soft­
mit magazinartigen Beiträgen oder usergene­rierten
Inhalten an. Indem sie die Produkte in Kontexte ein­
»You mean wareentwickler und Content Creators. Konsumkri­
tiker würden wohl sagen, dass sie keine Lust haben,
binden und narrativ präsentieren, inspirieren sie den study me sich derart tief in den Kopf gucken zu lassen. Dass
User mittels Storytelling zum Kauf. Das britische like a fucking Werbevideos eh schon immer lästig waren, jetzt
Modelabel Ted Baker beispielsweise erzählte im mice or aber zusätzlich noch mit »Buy now«-Buttons nerven.
­Video »Mission Impeccable« eine Agentenstory –
drei Minuten großes Kino – und markierte mit ei­nem
monkey? No, Dass dieser irre Kaufrausch mitsamt Hin- und Her­
transport all der Klamotten, die nicht passen, die
Kreuz, was der User beim Zuschauen kaufen kann. thank you« Umwelt unnötig belastet. Dass es sie ankotzt, dass
Für Unternehmen eröffnen sich wunderbare Per­ User »Smoked einfach alles jederzeit käuflich ist. Sie würden alb­
spektiven. Franz Riedl, Geschäftsführer von Styla, Coconut« träumen, dass in den Nachrichten neben der Jacke
An­bieter der Content-Commerce-Software-Suite von Angela Merkel oder der Waffe eines Attentäters
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Styla, schrieb auf Ecommerce News ­(https://is.gd/ ein »Buy now« aufpoppt. Selbst schuld, würden die
riedl): »Mit Shoppable Content können Marken und Enthusiasten entgegnen. Einfach nicht genug im
Unternehmen genau erkennen, welche Stellen ih­ Netz von sich preisgegeben und zu wenig online ge­
res Angebots besonders gut funktionieren – und shoppt, sonst hätte die Datenanalyse klargestellt,
welche nicht. Mit diesen ­Daten lassen sich exakte dass der Albträumer Pazifist ist und eine Knopfleis­
Vorhersagen darüber treffen, was die Zielgruppe te vorn ohnehin nicht infrage kommt.
wirk­lich will, was gut performt und wo es noch Op­ Wie auch immer man zur wachsenden Shop­pa­
ti­mierungspotenzial gibt.« ­Dies ermög­licht natür­ bility steht – sie verändert auf jeden Fall unser Ein­
lich auch, Content zu individualisieren und maß­ kaufs- und Konsumverhalten und wirkt längst auch
geschneiderte Angebote zu integrieren. massiv aufs Offlineshopping zurück, worauf der
Handel sich einstellen muss. das »Migros-Magazin«
Der völlig gläserne User fasste im Juli in einem Artikel zur »Zukunft des De­
Auch Chatbot-Entwickler treiben das Durchleuch­ tailhandels« zehn Thesen des Trendforschers David
ten des Konsumenten voran. Caroline Klatt, Co- Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Ins­tituts,
Founder von Headliner Labs, einem KI- und Mobile- zusammen (  https://is.gd/detailhandel  ): »40 bis
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Sehen und gesehen werden


● Einen Blick in die Zukunft des Shoppings bot eBay
Australia 2016 zusammen mit der Kaufhauskette Myer.
Rund 12 500 Produkte ließen sich mit eBays Sight-
Search-Technologie durchstöbern, auswählen und in
den Warenkorb legen. Dafür wurden 15 000 VR-Head-
sets – shoptacles genannt – gratis verschickt, in die
man sein Smartphone schieben musste. Nach Down-
load der zugehörigen App wählte der Anwender zu-
nächst Themen, die ihn interessierten, dann baute sich
der für ihn maßgeschneiderte Store auf. Hielt er den
Blick auf einzelne Objekte gerichtet, schwebten sie ihm
ent­gegen. Fokussierte er dann das »Information«-
Icon, konnte er Details zu ihnen auf­rufen. Sah er gezielt
das Symbol »Add to Basket« an, wanderte der Artikel
in den Warenkorb.
Jooman Park, Managing Director bei eBay Australia
und New Zealand, kommentierte: »Durch diesen ers­ten
VR Department Store und das Beobachten der Reak­
tionen von Tausenden von Konsumenten haben wir die
Möglichkeit, die Welt in die nächste Phase des Retai-
In Kooperation mit Myer eröffnete eBay
ling zu führen.« Die unendliche Leichtigkeit des Shop-
Australia ein virtuelles Kaufhaus, in dem
pings – viele waren fasziniert, andere hatten eher den
der User mithilfe des VR-Headsets shop­‑
tacles per Auge navigiert und einkauft
Eindruck, es ginge weniger um das eigene Sehen als
um das Gesehenwerden: »Learn and personalize? You
mean study me like a fucking mice or monkey while I ­do
not have control over my behavioral data. Fuck no, thank
you«, kommentierte der User »Smoked Coconut« auf
Der New Yorker
YouTube das von eBay Australia hochgeladene Video
Pop-up-Store The Next
( h
  ttps://is.gd/eBayVR )  .
Big Thing von »Marie
Claire« will dem Kunden
im realen Laden den
Komfort des Online-
shoppings ermöglichen

Smarter shoppen
● Ein plakatives Beispiel für die Verzahnung von Con-
tent und Commerce ist der Pop-up-Concept-Store The
Next Big Thing, den »Marie Claire« kürzlich in Koopera-
tion mit Mastercard in New York eröffnete. Der Laden
präsentierte Innovationen aus Fashion, Beauty, Un-
terhaltung, Technologie sowie Wellness und umfasste
drei Zonen, die nach Rubriken des Magazins benannt
sind: @Work, @Play und @Peak. Inhaltlich war der von
der Agentur Sparks ( h   ttps://wearesparks.com )  ent-
wickelte Shop auch mit der »Marie Claire«-Oktober-
Ausgabe vernetzt, die einen Guide für Produkte und
Technologien zur Verbesserung des Alltags enthielt.
Touchscreens neben den Produkten boten den Kom­
fort und die Funktionen, die der Kunde vom Online-
shopping gewohnt ist. In der Umkleidekabine machte
ihm ein Smart Mirror von Oak Labs Vorschläge für er-
gänzende Accessoires. Zudem präsentierte die Kos-
metikmarke Clarins den von MemoMi entwickelten
Sensor Mirror Pro, der ein Foto vom Kunden erstellte
und ihm Produkte zur Gesichtspflege unterbreitete.
Mit einer Smartphone-App konnte man etwa einen
Termin mit einem Stylisten vereinbaren oder im ge-
samten Laden bargeldlos bezahlen. Wenn dieser dann
abends schloss, ließ sich obendrein dank eines Schau-
fenster-Screens im Vorbeigehen weitershoppen.
052 PAGE 02.18 › THEMEN › Shoppability

60 Prozent der Produkte haben in wenigen


Jahren keine Flächenberechtigung mehr. Was
nicht emotionalisierbar ist, verschwindet aus
den Regalen«. Zwar werde der stationäre Handel
nicht sterben, aber die heutigen Formate. »Die
Konsumenten erwarten im Laden immer mehr
diejenigen Qualitäten und Bequemlichkeiten,
die sie von ihren mobilen Geräten her kennen.«

Der (künstlich) intelligente Kunde


Dies bedeutet keinesfalls, dass man die Zukunft
des Onlineshoppings allzu rosarot malen sollte.
Die Personalisierungs-Zauberformel »Rück dei­
ne Daten rüber, dann bekommst du genau den
Content und die Produkte, die du willst« klingt
zwar nach ewigem Win-win und Friede-Freude­
Eierkuchen, aber wenn alles shoppable wird,
muss man – wie es zum Beispiel das Fashion-
Portal Oxosi tut (siehe ganz rechts) – wirklich
guten, echten Content liefern, damit der Kunde
noch Lust bekommt, auf »Buy now« zu klicken.
Außerdem zeichnet sich für Marken am Hori­
zont ein beunruhigendes Szenario ab. Richie
Kelly, CEO bei Adimo, einem Londoner Shoppa­
bility-Expertenteam, wies in einem Beitrag auf
campaign unter dem Titel »What will brands ­do
when AIs are doing the shopping?« darauf hin,
dass sich demnächst Siri, Alexa und Co um die
täglichen Einkäufe kümmern werden (  https://is.
gd/AIshopping  ): »Wenn Konsumenten­en­t­schei­­‑
dungen von den Verlaufsdaten (historical data
set) diktiert werden, wird es für Marken unglaub­
lich schwer, sich einen Weg in den Einkaufskorb
eines neuen Kunden zu bahnen. Die Chancen,
per KI ausgewählt zu werden, sind minimal.«
In dieser Entwicklung steckt für den Konsu­
menten ein tröstlicher Gedanke. Musste er sich
bisher manchmal fragen, ob er es statt mit einem
Menschen mit einem Chatbot zu tun hat, muss
der Chatbot sich nun bald fragen: Plaudere ich
gerade mit einem echten User oder vielleicht­­
mit einem intelligenten Kühlschrank? Immer­
hin könnten sie einander mit codierter Herzlich­
keit »Happy Prime Day« wünschen. Oder halt:
»Merry Christmas!«  Jutta Nachtwey [3454]

Jutta Nachtwey fragte sich am Ende


Homestorytelling
ihrer Recherche, was man dank ● Visueller Content in 3D – begehbar Das Konzept geht über die bisherigen
shoppender KI wohl demnächst in der und shoppable. So ließe sich der Concept Apartment-Store-Ansätze hinaus, denn
eigenen Tiefkühltruhe findet: Locken-
Store beschreiben, den die Modemarke Zandberg wählte für die private, per-
wickler statt Frühlingsrollen?
Talitha seit Mai in London betreibt. Der sönliche Atmosphäre auch viele Unikate
britische Interior ­Designer Hubert Zand‑ und Accessoires vom Flohmarkt, sodass
Shoppability: Videos und Links zu den vor- berg wurde beauftragt, eine »inno­vative der Raum eine ungewöhnliche Leben-
gestellten Beispielen finden Sie unter Lifestyle Experience« zu entwerfen – digkeit ausstrahlt – fast als wohne dort
Fotos: Ingrid Rasmussen

↗  www.page-online.de/shoppability-0218 ein Schlaf- und ein Wohnzimmer, in dem tatsächlich jemand. Erwirbt ein Kunde
es nicht nur die Talitha-Kleidungsstücke Objekte aus dieser glamourösen Home-
zu kaufen gibt, sondern das gesamte story, werden sie durch andere ersetzt.
PAGE Story »Pop-up-Stores«. Wie Marken
das Pop-up-Format mit neuen Funk- Sze­nario, darunter beispielsweise auch Auf diese Weise wandelt sich der Laden
tionen aufladen, lesen Sie in PAGE 07.17 Möbel und Haushaltsutensilien von ähn- permanent. Darüber hinaus stylt Zand-
↗  www.page-online.de/PEPA1707 lich gesinnten Brands. berg das Ambiente jede Saison neu.
PAGE 02.18 053

Win-Win-Win-Win
● Die Geschichten hinter den Dingen vermitteln – nur
so lässt sich eine Verbindung zwischen Konsument ­und
Designer herstellen, meinen Akin Adebowale und ­Kolade
Adeyemo, die Gründer von Oxosi. Dieses Online­format
für »Afromodernist Fashion« mit Sitz in New York setzt
auf die Verbindung von Shop und Magazin und sorgt
mit Interviews, Videos oder Fotoreportagen nicht nur
für Storytelling, sondern auch für den Aufbau einer
Com­munity. Der Name Oxosi nimmt Bezug auf die Kul-
tur der Yoruba in Nigeria und deren Gott Oshosi.
Das Projekt zeigt auf beeindruckende Weise, dass
sich Tradition und Moderne, Regionales und Globales
visuell spannend verschränken lassen. Denn die Vision
von Oxosi ist es, den afrikanischen Designern über ihre
jeweiligen regionalen Märkte hinaus neue Zielgruppen
zu erschließen. Umgekehrt ermöglicht Oxosi diesen den
Zugang zu neuen, hippen Klamotten, die anders ausse-
hen als der Einheitsbrei der global agierenden Mode-
ketten. Da Oxosi selbst von den Käufen auf der Seite
profitiert, könnte man das Win-Win-Win nennen. Weil
das Format zudem Kreativen ein attraktives Forum
bietet, sich einzubringen und die afromodernistische
Bewegung voranzutreiben, ist das Ganze wohl eher:
Win-Win-Win-Win.

Afromodernist Fashion:
Oxosi zeigt, dass die
Kombination von Content
und Commerce wahrhaft
Sinn machen kann. Aus den
Interviews, Videos und
Bildreportagen wird oft
direkt in denShop verlinkt
( h
  ttps://oxosi.com ) 

Im Londoner Concept Store


inszeniert Talitha rund um
ihre Kleider eine private Welt
mit ­vielen Unikaten. Kauft ­
der Kunde eines davon, wird es
gegen etwas anderes ausge-
tauscht, sodass sich die Räume
stetig wandeln

Talitha spielt die Vorteile des echten


Ladens durch die opulente Inszenierung
voll aus und macht die Marke auf sinn-
liche Weise und im Kontext erfahrbar.
Mitgründerin Kim Hersov erklärt: »Der
Kunde kann hier unsere ganze Welt ver-
stehen und alles an einem Ort kaufen.«
Frauen sollen sich wohlfühlen und Kleider
anprobieren, »als ob sie mit Freunden zu
Hause wären«. Bisher ist das Ganze eine
In-Store-Experience, Talitha denkt aber
darüber nach, das Format auch für das
Onlineshopping zu öffnen.
Inspiration pur!

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