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Kapitel 9

Blogger – die neuen Influencer

von Heidi Schall und Clemens Müller, mit Johannes Knapp


und Carsten Knobloch

Inhalt

Interview Johannes Knapp, NewGadgets . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95


Interview Carsten Knobloch, Caschys Blog . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98

Mit den Bloggern ist in den letzten Jahren eine neue Gruppe von Influencern in
Erscheinung getreten, die heute in den Medien hohe Beachtung erfährt. Kaum eine
Nachrichtensendung kommt noch ohne Verweise auf sie aus. Bekannte Blogger wie
Sascha Lobo treten als Experten für Internet-Themen auf und Journalisten nutzen
Blogs aus dem Iran oder China sowie sogenannte Microblogs wie Twitter für die
Recherche. Denn hier verbreiten sich Augenzeugenberichte von aktuellen Ereig-
nissen schneller als durch jedes andere Medium. Was aber zeichnet die Blogger aus,
was unterscheidet sie von Journalisten und welchen Einfluss haben sie heute wirk-
lich? Über diese Themen haben wir mit zwei erfolgreichen Bloggern gesprochen.
Vorab aber ein paar kurze Anmerkungen zur Einordnung der Blogger als Influencer.
Der Begriff Blog ist die Kurzform von Web Log, zu Deutsch Internet-Tagebuch.
Daraus ergeben sich bereits die drei wesentlichen Kriterien eines Blogs:

– Persönliche Form,
– regelmäßige Einträge,
– öffentlicher Zugang über das Internet.

Anders als Journalisten etwa schreiben Blogger nicht für ein Medium, sondern
sind mit dem Medium nahezu identisch. Persönlicher Stil ist so ein wesentliches
Unterscheidungsmerkmal. Ein weiterer wichtiger Unterschied: Journalismus ist
eine Berufsbezeichnung, entsprechend professionell wird er betrieben. „Bloggen“
dagegen beschreibt zunächst nur die Form der Äußerungen. So sind viele Blogger
im „Hauptberuf“ Studenten, Unternehmensberater, Kommunikationsprofis etc. Nur

H. Schall (B)
selbständig, München, Deutschland
e-mail: heidischall@googlemail.com

R. Leinemann (ed.), IT-Berater und soziale Medien, Xpert.press, 93


DOI 10.1007/978-3-642-18410-9_9,  C Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2011
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wenige sind tatsächlich professionelle Blogger – sei es, weil bloggen für sie – z. B.
als Journalist – mittlerweile zu ihren täglichen Aufgaben gehört, sei es, weil der
eigene Blog mittlerweile so populär geworden ist, dass er Einnahmen abwirft.
Damit kommen wir zur Frage nach dem Einfluss eines Bloggers. Der eigene Blog
gibt dem einzelnen Blogger die Möglichkeit, persönliche Eindrücke, Meinungen
und Erfahrungen einfach und schnell mit anderen zu teilen. Der Einfluss hängt nun
davon ab wie der einzelne Blogger diese Möglichkeit nutzt und entwickelt– und
dabei gibt es natürlich große Unterschiede.
Um den Einfluss eines einzelnen Bloggers zu bewerten sind zwei Fragen
ausschlaggebend:

• Welches Publikum beeinflusst der Blogger?


• Wie stark ist sein Einfluss auf diese Gruppe?

Anders als bei professionellen Medien definieren Blogger zunächst meist keine
Zielgruppe, sondern beschäftigen sich eben mit jenen Themen, für die sie sich
persönlich interessieren. Ihre Leser sind also in der Regel „Gleichgesinnte“ – Men-
schen, die sich mit ähnlichen Themen und Fragen beschäftigen, die auf der Suche
nach Information und Diskussion zu diesem Thema sind. Innerhalb dieser Gruppe
ist der Blogger ein wichtiger Multiplikator und Meinungsbildner.
Neben der Reichweite bzw. der Leserzahl ist entscheidend, wie eng der Blog mit
seiner Zielgruppe verknüpft ist. Ein Blog, der oft kommentiert wird, auf dem Dis-
kussionen stattfinden, der verlinkt ist, der von anderen zitiert wird, steht in einer sehr
engen Beziehung mit seiner „Community“. Beiträge finden Beachtung und haben
damit Einfluss. Zur Bewertung der wichtigsten Blogs gibt es verschiedene Websites
und Rankings, wie etwa Alexa1 und Technorati2 oder die deutschen Seiten wikio3
oder deutscheblogcharts4 . Angesichts der Schnelllebigkeit der Blogosphäre sind
derartige Rankings allerdings oft nur von kurzer Dauer und können eine aktuelle
thematische Recherche nicht ersetzen.
Als Beispiele, wie Blogs funktionieren, wie sie sich entwickeln, welchen Einfluss
sie haben und wie man erfolgreich mit ihnen in Kontakt treten kann, haben wir mit
den Machern zweier sehr erfolgreicher Blogs gesprochen. Beide befassen sich mit
dem Bereich Consumer-Technologie, also mit Technik, Geräten und Trends für den
Massenmarkt. Aufgrund der großen Community der Interessierten an diesem Thema
ist dies ein Bereich, in dem sich eine sehr lebendige Blogger-Szene entwickelt

1 Serverdienst, der Daten über Webseitenzugriffe durch Web-Benutzer sammelt und darstellt http://
www.alexa.com/
2 Internationale Echtzeit-Internet-Suchmaschinen speziell für Weblogs und nutzergenerierte
Medien, erstellt eigenes Ranking http://technorati.com/
3 Informationsportal, auf dem aktuelle Meldungen aus Medien und Blogs zusammengestellt sind.
Erstellt auch ein Ranking der wichtigsten Blogs verschiedener Themenbereiche http://www.wikio.
de/blogs/top
4 Wöchentlich aktualisierte Liste der 100 meistverlinkten deutschsprachigen Blogs http://www.
deutscheblogcharts.de/
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hat. Carsten Knobloch von Caschys Blog und Johannes Knapp von NewGadgets.de
engagieren sich bereits seit einigen Jahren in der Blogosphäre, beide zählen zu den
aktiven, gut vernetzten Bloggern.
Johannes Knapp, Jahrgang 1986, studiert Informatik in Darmstadt und betreibt
seit Januar 2009 seinen eigenen Blog „NewGadgets.de“. Seine Schwerpunktthemen
sind Notebooks, Netbooks, Smartphones und andere neue Gadgets. Innerhalb der
ersten eineinhalb Jahre ist sein Projekt „NewGadgets.de“ bereits auf beachtliche
Resonanz gestoßen, wie einige Kernzahlen zeigen:

• Ca. 125.000 Unique Visitors pro Monat


• Ca. 312.500 Pageviews pro Monat
• Ca. 3,6 Millionen Youtube-Views (ca. 30.000 Views / Tag derzeit)
• 3.209 Youtube-Abonnenten (Stand Dezember 2010)

Carsten Knobloch, aka Caschy, betreibt seit 2005 „Caschys Blog“ (das ver-
wirrenderweise unter der URL www.stadt-bremerhaven.de zu finden ist). Seit
Februar 2010 ist er im Hauptberuf Digital Relationship Manager bei notebooks-
billiger.de. Sich selbst beschreibt er in der Rubrik „Über mich“ folgendermaßen:
„Carsten, Baujahr 1977, IT-Systemelektroniker / MCP 210 & 215 (XING-Profil).
Typischer Dortmunder Jung, der jetzt in seiner neuen Heimat Bremerhaven lebt.
Retrojunkie, Soft- & Hardwarefanatiker, Gerne-Basecap-Trager, Horrorfilm-Gut-
Finder und Borussia-Dortmund-Getaufter.“ In seinem Blog schreibt er über Internet,
Hardware, Software, mobile Kommunikation und den technischen Lifestyle. Die
Statistiken zu Caschys Blog können sich sehen lassen:

• Täglich über 20.000 Unique Visitors


• Über 15.000 Feed-Abonnenten
• Über 536.000 Visits und 900.000 Pageviews im Monat Juli 2010
• Pageviews und Visits sind öffentlich und werden anhand von Google Analytics
gemessen
• Seit Mitte 2008 in den Top 10 der Deutschen Blogcharts
• In den High Tech Charts von Wikio Platz 1, gesamt unter den Top 10
• Vertreten in den Top 50 der europäischen Top Blogs
• In den kumulierten Top 10 aller relevanten Blogcharts

Interview Johannes Knapp, NewGadgets

DARA: Wie bist du zum Bloggen gekommen?


Johannes: Eigentlich nur durch Zufall, es begann mit dem ersten ASUS Eee PC.
Da dieses preiswerte Gerät wirklich einmalig war (kleine Notebooks
kosteten normalerweise ein Vermögen) machte ich mich im Internet
auf die Suche nach mehr Informationen und musste feststellen, dass
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diese leider sehr fragmentiert waren, man musste sehr viele verschie-
dene Quellen durchforsten um an die damals noch raren Informationen
zu kommen. Ich entdeckte nach einigen Wochen einen Blog, der sich
komplett nur mit dem Eee PC beschäftigte. Erst war ich nur stiller
Leser, dann wurde ich zum aktiven Mitglied und suchte selbst nach
Informationen und fing an, über Neuigkeiten in der Szene zu bloggen.
Schließlich wurde ich Chefredakteur und schrieb dort regelmäßig bis
zu 15 Beiträge am Tag. Außerdem fing ich an, auf Messen und Presse-
konferenzen zu gehen, um noch mehr Informationen zu bekommen.
Da ich mich persönlich aber auch noch für andere Geräte interes-
sierte, wurde für mich das Thema Eee PC langsam aber sicher zu
einseitig. Ich berichtete immer mehr über die Konkurrenz, die natür-
lich auch fleißig neue Produkte im Netbookbereich entwickelte und
vorstellte. Nach rund 1 1/2 Jahren entschied ich mich im Januar 2009,
etwas Eigenes zu machen, und gründete NewGadgets.de, eine Seite,
die sich mit elektronischen Spielereien beschäftigt, also um fast alles
im IT-Bereich. Zuerst spezialisierte ich mich auf Netbooks, Subnote-
books, UMPCs, Tablet-PCs und Smartphones, seit 2010 sind noch die
Bereiche Home Entertainment, Kameras und Gaming dazugekommen.
DARA: Schreibt du eher über die Themen, die dich interessieren oder von
denen du erwartest, dass sie deine Leser interessieren?
Johannes: Hauptsächlich sind es Themen, die mich selbst sehr interessieren und
von denen ich auch etwas verstehe. Aber auch über Themen, die mir
neu sind, schreibe ich, ich muss nur dann vorher mehr recherchieren
und mich informieren. Meine Leser haben zudem die Möglichkeit mir
per Kontaktformular, Email oder Twitter Tipps für neue Beiträge zu
senden, dies wird auch regelmäßig getan und darüber freue ich mich
natürlich, denn auch wenn ich mich sehr intensiv mit der Materie
beschäftige, habe ich meine Augen auch nicht überall und übersehe
vielleicht auch manchmal etwas. Durch die Kommentarfunktion des
Blogs merkt man auch schnell, was die Leser interessiert. Ich freue
mich aber, dass ich viele Leser habe die so ticken wie ich und meine
Interessen teilen.
DARA: Wer sind deine Leser? Sind darunter auch Firmenvertreter aus PR/AR?
Johannes: Meine Leser sind vor allem männlich und technikbegeistert. Ich bin
froh, dass es nun auch immer mehr Leserinnen werden, denn Gadgets
sollten einfach alle interessieren und begeistern. Es sind alle Alters-
gruppen vertreten, von jungen Lesern, die ihr erstes Notebook von den
Eltern geschenkt bekommen haben, bis hin zu Senioren, die sich für
Gadgets interessieren. Unter meinen Lesern sind auch Mitarbeiter von
PR-Agenturen und auch Mitarbeiter großer IT-Firmen, was mich natür-
lich freut. Es ist auf jeden Fall wichtig, dass Firmen auf die Meinung
der Kunden (die am Ende ja z. B. die Produkte kaufen sollen) hören.
Kommentare im Blog spiegeln die Meinung der Kunden wider und sind
für Firmen sicherlich interessant.
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DARA: Ist das Bloggen ein rein privates Vergnügen oder hat es für dich auch
eine geschäftliche Seite? Wenn ja, wie gestaltet sich diese?
Johannes: Anfangs war es privates Vergnügen, aber nach einiger Zeit verbringt
man immer mehr Zeit mit dem Blog und auch die Messebesuche und
Pressekonferenzen werden mehr. Da ich nun mehrere Stunden und
sieben Tage die Woche mit dem Bloggen verbringe, ist es nun kein
privates Vergnügen mehr, sondern hat eine geschäftliche Seite erhal-
ten. Ich verkaufe Werbeplätze auf der Seite und muss mich nun auch
um die Vermarktung des Blogs kümmern.
DARA: Was ist für dich der Sinn und Zweck deines Blogs und deiner Arbeit
daran?
Johannes: Ich möchte den Lesern zeigen, was es alles für interessante Produkte
gibt, deshalb blogge ich nicht nur über die neusten Produkte, sondern
teste sie auch. In Videos und Erfahrungsberichten bekommen die Leser
dann einen Eindruck von dem Gerät und wie man damit arbeitet. Da
ich die Geräte manchmal über mehrere Wochen teste, kann ich ganz
gut über die Vor- und Nachteile im Alltag berichten, denn im All-
tag zählen Ergebnisse von Benchmark-Programmen oder Messwerte
nicht viel. Deshalb sind natürlich auch die Erfahrungsberichte bei mir
sehr subjektiv, was aber auch den Lesern gefällt, da es eine ehrliche
Meinung ist.
DARA: Wie unterscheidet sich deiner Meinung nach ein Blogger von Online-
Journalisten?
Johannes: Als Blogger kann ich einfach drauflos schreiben und darf bzw. muss
sogar subjektiv sein. Ich glaube, dass bei Online-Journalisten eher die
Objektivität bei der Berichterstattung zählt.
DARA: Würdest du dich selbst als einflussreich bezeichnen? Wenn ja, worin
besteht dein Einfluss?
Johannes: Ich werde beispielsweise von meinen Lesern mehrmals täglich um Rat
gefragt und bin meist direkt in die Kaufentscheidung involviert. Da
ich in einigen Bereichen bereits fast jedes Gerät selbst schon einmal
in den Händen hatte, kann ich auch gut die jeweiligen Vor- und Nach-
teile aufzeigen und somit die Entscheidung des Käufers erleichtern.
Meistens bekomme ich einfach eine Liste mit verschiedenen Geräten
und soll dem Leser dann sagen, welches Gerät er kaufen soll. Nach-
dem ich mich über seine Vorlieben informiert habe, fällt es mir meist
leicht ihm die Kaufentscheidung abzunehmen. Ich biete meinen Lesern
diesen Service gerne an, da ich ihnen gerne behilflich bin und auch
nicht möchte, dass sie am Ende nicht zufrieden mit ihrem Gerät sind.
DARA: Wie wichtig ist für dich die Interaktion mit deinen Lesern? Wie viel
Zeit widmest du der Diskussion in den Kommentaren?
Johannes: Ich verbringe insgesamt sicherlich 2-3 Stunden am Tag mit meinen
Lesern. Ich bekomme täglich eine Vielzahl an Emails, die ich auch alle
gerne beantworte, denn der Kontakt mit meinen Lesern ist mir wirk-
lich sehr wichtig. Ich habe auf der Seite auch alle meine Kontaktdaten
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veröffentlicht und somit können mich meine Leser über die gängigs-
ten Instant Messenger wie Skype und ICQ kontaktieren. Um noch
mehr mit den Lesern zu kommunizieren nutze ich auch Twitter und
Facebook. Ich bin ein sehr offener Mensch und zeige dies in meinem
Twitteraccount @NewGadgetsDe auch, denn ich veröffentliche regel-
mäßig meinen derzeitigen Standort, da ich sehr oft unterwegs bin. Es
ist auch schon oft vorgekommen, dass sich Leser dann treffen wollen
wenn ich schon in ihrer Stadt bin. Auch veröffentliche ich während
meinen Auslandsreisen gerne mal einen Bericht oder Bilder, wie es
dort so ist, um den Lesern auch andere Kulturen näherzubringen. Dabei
darf natürlich ein Besuch im örtlichen Computerladen nicht fehlen. So
konnte ich auf meiner Reise nach Taipei einige schöne Bilder von der
Besucherplattform des Taipei 101 veröffentlichen, also bloggen aus ca.
400m Höhe. Es muss also nicht immer nur Technik sein.
DARA: Wie sind bislang deine Erfahrungen mit Unternehmensvertretern?
Sprechen sie dich regelmäßig an oder passiert das eher selten? Und
welche Unternehmen tun dies vornehmlich?
Johannes: Anfangs musste ich mich selbst um den Kontakt mit Unterneh-
mensvertretern bemühen. Ich habe bemerkt, dass die Kommunikation
etwas schwergängiger ist wenn das Unternehmen sich nicht mit Web
2.0 beschäftigt.
DARA: Wenn Unternehmen dich ansprechen wollen, weil sie denken, ein für
dich interessantes Produkt/Lösung zu haben, was erwartest du von
Ihnen?
Johannes: Ich erwarte natürlich dass dieses Produkt wirklich interessant ist.
Ich lasse es mir dann auch gerne auf Messen und Pressekonferenzen
vorführen und schreibe dann auch darüber.
DARA: Welche Kriterien sind für dich entscheidend, ob du über ein Pro-
dukt/eine Firma schreibst?
Johannes: Es muss sich um ein interessantes Produkt handeln und es sollte aktu-
ell sein, da ich mich auf das Neuste vom Neusten konzentriere, um die
Early Adopter unter meinen Lesern mit den aktuellsten Informationen
versorgen zu können. Deshalb stelle ich auch regelmäßig Preproduc-
tion Samples vor, die erst Wochen / Monate später in den Handel kom-
men. Dafür müssen aber die Unternehmen auch kooperativ sein, leider
werde ich derzeit nur von wenigen Unternehmen mit Preproduction
Samples unterstützt.

Interview Carsten Knobloch, Caschys Blog


DARA: Wie bist du zum Bloggen gekommen?
Caschy: Ich habe mich schon von Kindesbeinen an für Technik interessiert und
an PCs gebastelt. Ich wollte nicht, dass all mein Wissen einfach verloren
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geht. So fing ich an zu bloggen: als eine Art Gedächtnisstütze für mich
und um mein Wissen mit anderen zu teilen.
DARA: Wie entscheidest du, worüber du schreibst? Wer oder was inspiriert dich?
Caschy: Ich entscheide subjektiv und aufgrund meiner persönlichen Interessen.
Es geht mir dabei weniger darum, mit Hype-Themen oder Nachrichten
Aufmerksamkeit zu generieren, sondern authentisch zu sein. Dazu gehört
auch mal ein witziges Video zwischendurch.
Inzwischen kenne ich viele meiner Leser persönlich. Dadurch habe
ich natürlich auch ein besseres Gespür dafür, was sie interessiert.
DARA: Schreibst du dann eher über die Themen, die dich interessieren oder von
denen du erwartest, dass sie deine Leser interessieren?
Caschy: Ich denke, es bedingt sich gegenseitig. Meine Leser sind auf meinem
Blog, weil wir gemeinsame Interessen haben. Meine Community ist sehr
aktiv und tauscht sich auch untereinander aus. Es kommt also gar nicht
immer nur auf mich und meine Interessen an.
DARA: Siehst du auch Recherche als eine deiner Aufgaben an? Wenn ja, wie und
wo recherchierst du?
Caschy: Ich bin seit den 1990ern in Foren und Newsgroups unterwegs und habe
Hunderte von Blogs auf dem Radar. Mittlerweile senden mir auch viele
Leser Themen zu. Bevor ich diese Hinweise verwerte, recherchiere ich
sie selbstverständlich auf den entsprechenden Seiten nach. Die Angabe
von Quellen ist mir extrem wichtig.
DARA: Wer sind deine Leser? Sind darunter auch Firmenvertreter aus PR/AR?
Caschy: Schüler, Büroangestellte, IT-Administratoren, Ärzte, Firmen- und
Pressevertreter: Das Publikum auf Caschys Blog ist sehr bunt. Und ich
behandle alle gleich. Eine Anfrage über XING ist für mich nicht anders
als eine über Facebook. Und ich duze jeden sofort (lacht). Damit müssen
die Leute leben, wenn sie mit Bloggern zu tun haben.
DARA: Ist das Bloggen ein rein privates Vergnügen oder hat es für dich auch eine
geschäftliche Seite? Wenn ja, wie gestaltet sich diese?
Caschy: Das Bloggen wirft jetzt durch Werbeeinnahmen etwas ab. Das ist schön.
Aber das war nicht meine Intention.
DARA: Was ist für dich der Sinn und Zweck deines Blogs und der Arbeit daran?
Caschy: Während es mir früher eher darum ging, mein Wissen zu teilen, liebe
ich mittlerweile den Austausch mit den Lesern. Es ist fantastisch, mit so
vielen verschiedenen Menschen in Kontakt zu kommen.
DARA: Aber auch viel Arbeit, oder?
Caschy: Ja, das ist es. Aber wie im richtigen Leben müssen die Online-
Freundschaften gepflegt werden.
DARA: Wie unterscheidet sich deiner Meinung nach ein Blogger von einem
Online-Journalisten?
Caschy: Ich denke, Online-Journalisten haben in der Regel mehr Druck, den
Erfolg ihres Tuns nachzuweisen. Entweder müssen sie als Angestellte
eines Verlages ihr Gehalt wieder erwirtschaften oder sie müssen sich als
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freie Online-Journalisten darüber finanzieren. Das ist bei den meisten


Bloggern nicht gegeben.
DARA: Würdest du dich selbst als einflussreich bezeichnen? Wenn ja, worin
besteht dein Einfluss?
Caschy: Ich kann zu 100 % hinter dem stehen, worüber ich berichte. Und nach
mehr als fünf Jahren, die mein Blog mittlerweile besteht, können die
Leser mich sehr gut beurteilen. Diese Authentizität führt denke ich dazu,
dass viele Menschen meiner Meinung in Sachen Hard- und Software ver-
trauen. In diesem Sinne habe ich sicher etwas Einfluss. Den möchte ich
aber nicht überbewerten.
DARA: Wurdest du von Lesern schon mal um Rat bei einer Kaufentscheidung
gefragt?
Caschy: Dutzende Male am Tag.
DARA: Welche Leser sind das? Private Nutzer oder Firmen?
Caschy: In der Regel sind es Privatanwender und kleine Unternehmen. Typischer-
weise kleine Anwaltskanzleien oder Arztpraxen, die Fragen zu Compu-
tern und Netzwerken haben oder Privatanwender, die sich ein Notebook,
Soundsystem, einen neuen Fernseher oder Computer anschaffen wollen.
DARA: Und gibst du offen Empfehlungen ab?
Caschy: Sofern es meine Zeit erlaubt, ja. Ich bekomme jeden Tag sehr viele
E-Mails, von denen ich zwar versuche, alle zu beantworten, aber es geht
leider nicht immer.
DARA: Wie wichtig ist für dich die Interaktion mit den Lesern? Wie viel Zeit
widmest du der Diskussion in den Kommentaren?
Caschy: Dadurch dass ich auch für notebooksbilliger.de online arbeite, ist es ein
fließender Übergang. Information, Kommunikation und Support fließen
hier nahtlos ineinander. Eigentlich kommuniziere ich den ganzen Tag.
DARA: Wie sind bislang deine Erfahrungen mit Unternehmensvertretern? Spre-
chen sie dich regelmäßig an oder passiert das eher selten? Und welche
Unternehmen tun dies vornehmlich?
Caschy: Kurioserweise wird die Ansprache durch Unternehmen weniger, je
größer das Blog wird. Ich werde relativ selten direkt von Unternehmen
angesprochen. Den meisten Kontakt zu Unternehmen haben in der Regel
die Hardware- und Mobilfunkblogs. Blogs, die über Software schreiben,
werden seltener angesprochen.
DARA: Wenn du Kontakt mit Unternehmen hast, wovon ist der geprägt und was
gefällt/missfällt dir daran?
Caschy: Es gibt Firmen, die es ganz gut machen. Sie antworten schnell, sind
auf verschiedenen Kanälen erreichbar und haben einen dedizierten
Ansprechpartner, der sich auch wirklich kümmert. Leider gibt es aber
auch immer noch viele Negativbeispiele. Am meisten ärgert es mich,
wenn die Ansprechpartner nicht wirklich weiterhelfen können, weil sie
entweder nicht qualifiziert oder nicht in der Lage sind, schnell den
richtigen Gesprächspartner oder die gewünschte Information zu finden.
Zudem finde ich es schade, wenn Unternehmen sich Social Media auf die
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Fahnen schreiben, es dann aber nicht leben. Als Blogger möchte ich ein
Unternehmen auch über Twitter, XING, Facebook und Co. kontaktieren
können und nicht nur durch einen Anruf bei der Pressestelle.
DARA: Wenn Unternehmen dich ansprechen wollen, weil sie denken ein für dich
interessantes Produkt/Lösung zu haben, was erwartest duvon ihnen?
Caschy: Die Zusammenarbeit mit Usern und der „Crowd“ ist für Unternehmen
sicher immer eine Herausforderung. Ein privater Blogger, der einen
positiven Testbericht schreibt, hat in der Regel keinen anderen Gegen-
wert als das private Vergnügen des Schreibens. Ich erwarte daher von
Unternehmen einen echten Mehrwert für mich und meine Leser. Das
Angebot des Unternehmens sollte aktuell und nach Möglichkeit exklusiv
auf mich und mein Blog zugeschnitten von einem realen Ansprechpart-
ner – und nicht per Massen-E-Mail – an mich herangetragen werden.
Ich z. B. verlose gerne Software, die ich teste. So wird es für die
Leser spannender. Das bedeutet aber auch, dass ich für einen Software-
test vom Unternehmen nicht nur eine Lizenz, sondern fünf bis sechs
benötige. Besonders angenehm und fruchtbar ist die Zusammenarbeit
mit Unternehmen, die sich auch aktiv durch Kommentare an meinem
Blog beteiligen. Dadurch besteht ein tieferes Verständnis füreinander.
DARA: Welche Kriterien sind für dich entscheidend, ob du über ein Produkt/eine
Firma schreibst? Und wie gehst du damit um, wenn du ein Produkt nicht
gut findest?
Caschy: Außer meinem persönlichen Interesse gibt es eigentlich keine weiteren
Kriterien. Wenn ich von einem Produkt nicht überzeugt bin, schreibe ich
nicht darüber, bin aber gerne bereit, dem Unternehmen mein Feedback
zu geben. Wenn ich davon überzeugt bin, schreibe ich ehrlich über seine
Stärken und Schwächen.

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