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Hauptzerstörungsursachen
Tag für Tag schwinden Wälder weltweit. Davon sind längst nicht nur die tropischen Regenwälder
Lateinamerikas, Afrikas oder Asiens betroffen. Auch in den Wäldern Kanadas, Skandinaviens,
Russlands, Osteuropas, stehen die Kettensägen nicht still.
So wurde in Brasilien in den letzten vierzig Jahren eine Regenwaldfläche von der doppelten Größe
Frankreichs vernichtet und von der ursprünglichen Waldfläche Asiens sind inzwischen weniger als
30 Prozent übrig. Allein in Indonesien wird jährlich eine Fläche von der Größe der Schweiz
abgeholzt. Und die Geschwindigkeit der Zerstörung nimmt zu: Wurden in den 1980er-Jahren in
Indonesien etwa 1 Million Hektar pro Jahr zerstört, waren es in den 90er-Jahren schon 1,7
Millionen Hektar und seit 1996 beträgt die jährliche Zerstörungsrate etwa 2 Millionen Hektar.
Zwischen 1985 und 1997 wurden so etwa 17 Prozent des indonesischen Waldes abgeholzt.
Insgesamt sind von der ursprünglichen Waldfläche Asiens inzwischen weniger als 30 Prozent übrig,
in Afrika ist die Situation kaum besser.
Was sind nun aber die Ursachen für das nahezu unaufhaltsam voranschreitende Verschwinden der
Wälder?
Hauptzerstörungsursachen
- Holzeinschlag
- Papier- und Zellstoffproduktion
- Landwirtschaft
- Agroenergie
- Infrastruktur-/Entwicklungsprojekte
- Förderung/Ausbeutung von Bodenschätzen
- Mangelnde Regierungsführung
Holzeinschlag
Eine Ursache der Zerstörung ist der Holzeinschlag zur Gewinnung von Bau- und Brennmaterial,
aber auch für die Produktion von Möbeln, Bodenbelägen, Papier und andere Produkte. Seit einigen
Jahren wird der illegale Holzeinschlag und -handel besonders thematisiert, weil einige
Umweltschützer glaubten, man sollte wenigstens das abstellen, was unstrittig ungesetzlich ist.
Für Gartenmöbel, Parkettfußböden und Terrassenbeläge werden beispielsweise exotische Hölzer
wie Teak, Meranti, Mahagoni, Merbau und viele andere mehr verwendet, die in tropischen
Regenwäldern wachsen. In holzproduzierenden Ländern wie Kamerun und Indonesien ist
Schätzungen zufolge die Mehrheit des Holzeinschlags illegal. In manchen Ländern Südostasiens
wird von der Weltbank eine illegale Abholzungsrate von bis zu 90 Prozent angenommen.
Illegal ist der Einschlag von geschützten Baumarten, die Abholzung unerlaubt großer Mengen oder
in Schutzgebieten, die rechtswidrige Inbesitznahme von Waldgebieten oder die Ausfuhr von Holz
trotz Exportverboten.
Das Beispiel Merbau.
Merbau kann in 80 Jahren bis zu 50 Meter hoch wachsen. In Südostasien war Merbau weit
verbreitet, durch massive Einschläge wird Merbau mittlerweile jedoch als gefährdete Art gelistet.
Als sich von 1998 bis 2001 in Indonesien die Ausfuhr von Merbau mehr als verzehnfacht hatte,
beschloss die Regierung ein Exportverbot. Trotzdem schreitet die Ausbeutung von Merbau nahezu
ungehindert voran und ist seit der Verkündung des Verbots lediglich um die Hälfte zurückgegangen.
Skrupellosen Holzhändlern gelingt es durch Korruption und Umgehung der Gesetze, das illegal
geschlagene Holz außer Landes zu schaffen und in anderen Staaten weiterverarbeiten zu lassen.
Papier- und Zellstoffproduktion
Eine weitere wesentliche Ursache der weltweiten Waldzerstörung ist der immense Papierverbrauch
in den Industriestaaten. Während ein Afrikaner im Durchschnitt 6,5 kg Papier pro Jahr verbraucht,
liegt der jährliche Konsum in Deutschland bei etwa 250 kg pro Kopf. Dieser Wert wird nur noch
von Finnland und dem Spitzenreiter USA mit 300 Kilogramm pro Kopf übertroffen.
Außer aus den heimischen und den Wäldern Kanadas und Skandinaviens kommt das dafür
benötigte Holz vermehrt aus tropischen Regionen. Auf gigantischen ehemaligen Regenwaldgebieten
werden Plantagen mit schnell wachsenden Bäumen wie Eukalyptus angelegt, um den Nachschub
des Rohstoffes Holz bzw. der Fasern sicherzustellen. Einige Beispiele: In Chile wurde ein Drittel
des natürlichen Waldes in Papierplantagen umgewandelt; in Indonesien beträgt die Fläche von
Papierplantagen weit über eine Million Hektar; in Brasilien besitzen Papierfabriken annähernd zwei
Millionen Hektar Plantagen und jährlich kommen etwa 100.000 Hektar neu hinzu. Ein ähnliches
Bild bietet sich in China, Thailand, Australien, Südafrika und Uruguay und vielen weiteren Staaten.
Landwirtschaft
Auch die Landwirtschaft trägt ihren Teil zur Zerstörung der Wälder durch einen enormen
Flächenbedarf für den Anbau von Futter- und Nutzpflanzen sowie für Viehweiden bei. Von 2000 bis
2006 wurde etwa in Brasilien eine Fläche von der Größe Griechenlands gerodet. Brasilien holzt
Flächen für Zuckerrohr und Baumwolle ab und hat sich zum wichtigsten Produzenten der
eiweißreichen Sojabohne entwickelt. Diese wird nur in geringem Maße für den heimischen Markt
verwendet, sondern zum weitaus größten Teil nach Europa exportiert, da es hier als Viehfutter zur
Fleischproduktion benötigt wird.
Durch die immer weitere Ausdehnung der Sojaanbauflächen – derzeit etwa 22 Millionen Hektar –
werden zugleich Infrastrukturprojekte und der Straßenbau vorangetrieben, um so die Erschließung
neuer Flächen zu ermöglichen. Für die nächsten Jahre hat die brasilianische Regierung die
Verfünffachung der Zuckerrohrplantagen und eine Ausweitung der Sojaanbauflächen auf 60
Millionen Hektar geplant. Letztlich werden in Brasilien also Wälder gerodet, um den Europäern
ihren Fleischkonsum zu ermöglichen.
Agroenergie
Durch die sich abzeichnende Verknappung fossiler Energieträger sowie die Absicht, die durch ihre
Verbrennung hervorgerufene Klimabelastung zu vermeiden, erleben Agrotreibstoffe wie Palmöl
oder Ethanol aus Zuckerrohr einen regelrechten Boom. Im Bestreben weiterhin (auto-)mobil zu
sein, zugleich aber weniger CO2 auszustoßen, soll die Klimabilanz der Autos durch die
Beimischung eben solcher so genannter „Bio"treibstoffe aufgebessert werden.
Malaysia und Indonesien sind bereits heute die weltweit größten Produzenten und Exporteure von
Palmöl, das bislang vor allem in der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie verwendet wird. Das
Palmöl wird in großflächigen Plantagen angebaut für die Regenwald abgeholzt wird. Auf über 4
Millionen Hektar in Sarawak und Sabah auf Borneo wachsen immer mehr Malaysias Ölpalmen.
Indonesien will die derzeitige Plantagenfläche von circa 7 Millionen Hektar auf 26 Millionen
Hektar im Jahr 2026 ausweiten. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden bereits 12 Millionen Hektar
Regenwald gerodet, wobei zunächst das Holz der Bäume zu Geld gemacht und anschließend die
Fläche für Plantagen bereitet wird.
Entwicklungs-/Infrastrukturprojekte
Eines der wichtigsten Paradigmen unserer Zeit ist Wohlstand, der wiederum nur durch
fortwährendes wirtschaftliches Wachstum erreicht werden kann. Und weil nicht nur der Westen in
Wohlstand leben soll, sondern auch die Staaten der sogenannten 'Dritten Welt' in den Genuss
“westlicher Zivilisation” kommen sollen, gibt es eine enorme Nachfrage nach Rohstoffen, die diese
Maschine am Laufen halten sollen. Die nach Rohstoff gierenden Gesellschaften der Industrie- und
der Schwellenländer setzen auch alles daran, ihren Hunger gestillt zu bekommen und lassen sich die
Waren aus den letzten Winkel der Erde liefern. Im Namen wirtschaftlicher Entwicklung werden
etwa Straßen durch die Regenwälder gebaut, um - wie in Brasilien - das Soja so schnell und
kostengünstig wie möglich zu den großen Häfen bringen zu können und um vermeintlich
rohstoffreiche Gebiete zu erschließen.
Ein besonders beliebtes Beispiel, “Entwicklungsländern” auf eine höhere Zivilisationsstufe zu
verhelfen, ist der Bau von Staudämmen und Wasserkraftwerken im Regenwald - die letztendlich der
Exportindustrie dienen müssen.
Aktuell ist der Bau eines Staudamms in Malaysia geplant, der nicht nur die indigene Bevölkerung
der Penan, Kelabit und Kenyah vertreiben, sondern auch Teile des Mulu Nationalparks - eines
UNESCO-Welterbes - überfluten würde.
Projekte mit ähnlich gravierenden Folgen sind in Laos, Burma und Brasilien geplant.
Förderung/Ausbeutung von Bodenschätzen
Viele Rohstoffe und Bodenschätze, die wir für unseren Lebensstil für unentbehrlich halten, lagern
im Boden tropischer Regenwälder.
Nahezu das komplette Gebiet des Regenwaldes Ecuadors ist bereits in Konzessionen zur
Erdölförderung unterteilt. Noch bis Sommer 2009 läuft die Frist für einen Vorschlag der Regierung
Ecuadors, im Yasuni-Nationalpark das Erdöl nicht zu fördern und für diese Form des
Regenwaldschutzes von Industrieländern entschädigt zu werden. Sollte dieser Vorschlag nicht
angenommen werden und die Regierung Ecuadors letztlich doch die Fördergenehmigungen erteilen,
bedeutet dies nicht nur das Ende für eine der artenreichsten Waldregionen der Erde, sondern auch
für mehrere indigene Völker.
Auch die peruanische Regierung hat für mehrere Regionen, die von indigenen Völkern bewohnt
werden, Förderkonzessionen erteilt.
Ein weiteres aktuelles Beispiel für die Zerstörung von Wäldern für die Rohstoffgewinnung ist der
illegale Bauxitabbau eines großen britischen Konzerns im indischen Orissa, gegen den sich die
lokale Bevölkerung zur Wehr setzt.
Mangelnde Regierungsführung
Seit einigen Jahren ist einer der Grundsätze internationaler Entwicklungspolitik die Förderung guter
Regierungsführung (Good Governance). Denn tatsächlich hat mangelnde Regierungsführung
vielfältige negative Auswirkungen – auch auf den Wald.
Fehlende staatliche Strukturen, zu wenig Geld und Personal und mangelnder (Durchsetzungs-)
Wille befördern vielerorts die Waldzerstörung zugunsten kurzfristiger Gewinne oftmals der
Regierung nahestehender Unternehmer oder aber der schwarzen Kassen von
Regierungsverantwortlichen.
Multinationale Holz-, Papier- und Agrarkonzerne nutzen diese Schwächen ebenso wie die oftmals
unklaren Landrechtsverhältnisse, um eigene Interessen durchzusetzen und den Ertrag zu steigern.
Überbordende Bürokratie und Korruption sind weitere Auswüchse mangelnder Regierungsführung
und erleichtern den Zugang zu den Wäldern und deren Ausbeutung.
Die betroffene lokale und indigene Bevölkerung wird weder in die Entscheidungen zur
Waldnutzung eingebunden noch profitiert sie von den Gewinnen, die die Ausbeutung der Rohstoffe
des Waldes abwirft. Für sie bleibt - und das ist durch unzählige Beispiele dokumentert - nach der
'Ernte' meist ein zerstörter Lebens- und Wirschaftsraum.
Folgen der Waldzerstörung
Ob die Zerstörungsursache (illegaler) Holzeinschlag, die Anlage von Plantagen oder die Förderung
von Erdöl ist (siehe 7 Ursachen der Zerstörung), ist beinahe nebensächlich, angesichts der Folgen,
die sich nach dem Waldverlust einstellen.
Und die Geschwindigkeit der Zerstörung nimmt noch zu: Wurden in den 1980er-Jahren in
Indonesien etwa 1 Million Hektar pro Jahr zerstört, waren es in den 90er-Jahren schon 1,7
Millionen Hektar und seit 1996 beträgt die jährliche Zerstörungsrate etwa 2 Millionen Hektar.
Zwischen 1985 und 1997 wurden so etwa 17 Prozent des indonesischen Waldes abgeholzt.
Insgesamt sind von der ursprünglichen Waldfläche Asiens inzwischen weniger als 30 Prozent übrig,
in Afrika ist die Situation kaum besser.
Wenn Wald zerstört oder auch nur in seiner Zusammensetzung verändert wird, dann ist das ein mehr
oder wenig verheerender Eingriff in ein natürliches System mit Auswirkungen auf
- die Biodiversität
- den Wasserkreislauf
- das Klima
- die Schutzfunktionen des Waldes
- den Wald als Wirtschaftsraum
- den Wald als Kulturraum
- die Ernährungssouveränität
- Migrationsbewegungen.
Nach unserer Auffassung sind diese Aspekte für ein zukunftfähiges Miteinander von Natur und
Mensch wesentlich und wenn sie verschlechtert oder gar ausser Funktion genommen werden
(müssen), dann sollte dies keinesfalls ohne Voraussicht und eine breite Diskussion geschehen.
Denn die Auswirkungen dieser Zerstörungswut sind von ungeheuerem Ausmaß auf...
...die Biodiversität
Obwohl die tropischen Regenwälder nur 6 Prozent der Landoberfläche einnehmen, lebt in ihnen die
Hälfte aller bekannten Arten, darunter stark bedrohte Arten wie Orang Utans, Tiger und
Waldnashörner. Diese und unzählige weitere Tier- und Pflanzenarten sind durch die Abholzungen
akut vom Aussterben bedroht.
Viele Arten in den Wäldern sind noch völlig unbekannt. Schätzungen zufolge soll es auf der Erde
zwischen 5 und 30 Millionen Arten geben, von denen wiederum zwei Drittel in den Wäldern
vermutet werden. Durch Abholzungen werden die komplexen Vernetzungen und
Lebensgemeinschaften des zusammenhängenden Ökosystems Wald in großer Zahl zerstört.
Die oftmals übriggelassenen „Waldinseln“ werden von den Abholzern als Beitrag zur Artenvielfalt
und schonender Umgang mit der Natur vermarktet, können aber niemals gleichwertiger Ersatz eines
intakten Ökosystems sein. Der Verlust der Artenvielfalt betrifft längst nicht nur die Liebhaber von
Vögeln, Insekten oder Orchideen. Biologische Vielfalt trägt zu unserer Ernährung bei und wird zur
Herstellung vieler Produkte genutzt. Allein zur Herstellung von Medikamenten werden 10.000 bis
20.000 Pflanzenarten verwendet.
...den Wasserkreislauf
Sowohl für die lokalen als auch die globalen Wasserkreisläufe sind Wälder unersetzlich. Allein der
Amazonasregenwald dient als Reservoir für 16 Prozent des Süßwassers der Erde.
Durch die Zerstörung der Wälder ist nicht nur vielerorts die Wasserversorgung gefährdet, sondern
es breiten sich wüstenähnliche Verhältnisse auch in Regionen aus, in denen sie aufgrund
klimatischer Verhältnisse nicht vorkommen sollten, wie zum Beispiel in Elfenbeinküste. Diese vom
Menschen gemachten Wüsten sind unfruchtbar und die Böden so stark geschädigt, dass Pflanzen
dort kaum wieder wachsen können.
...das Klima
Wälder spielen im Kohlenstoffkreislauf eine zentrale Rolle und sind unter anderem auch deswegen
bedeutsam für das Klima.
Eingebunden in pflanzliche Biomasse und Bodenhumus enthalten Landökosysteme viermal so viel
Kohlenstoff, wie die Erdatmosphäre in Form von CO2 enthält. Die größte Speicherkapazität haben
ungenutzte Urwälder. Ihre Kohlenstoffspeicherkapazität wird von Wirtschaftswäldern oder
Plantagen nicht annähernd erreicht.
Neben der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Öl trägt die großflächige Zerstörung
von Wäldern maßgeblich zum Klimawandel bei. Zwischen 20 und 30 Prozent der durch Menschen
verursachten CO2-Belastung der Atmosphäre stammen aus großflächiger Waldzerstörung
hauptsächlich in den Tropen und Subtropen, aber auch in den nördlichen Nadelwäldern.
Indonesiens Platz 3 in der Liste der Länder mit dem höchsten CO2-Ausstoss ist vor allem auf die
Brandrodung der dortigen Torfregenwälder zurückzuführen.
Stabile und artenreiche Waldökosysteme haben eine größere Chance, sich dem Klimawandel
anzupassen als Baummonokulturen.
Grundsätzlich ist aber zu befürchten, dass Ökosysteme mit langen Reproduktionszyklen (wie es
Wälder nun einmal sind), sich nur schwer den zu erwartenden Klimaveränderungen anpassen
können und großflächig absterben werden. Artenreiche Waldsysteme verfügen aber immerhin über
eine höhere Anpassungsfähigkeit.
...die Schutzfunktionen des Waldes
Das Ökosystem Wald stellt natürliche Schutzfunktionen zur Verfügung, die wir oft als
selbstverständlich ansehen. Die Kostbarkeit dieser Funktionen nehmen wir meist erst zur Kenntnis,
wenn sie nach der Zerstörung des Waldes künstlich und teuer ersetzt werden müssen.
Ist der Wald zerstört, kann er kein Wasser mehr filtern: Trinkwasser muss teuer aufbereitet werden.
Der Regen fließt schneller ab: Hochwasser nehmen zu. In bergigen Regionen ist Wald ein
natürlicher Schutz vor Schnee- oder Gerölllawinen. Ist der Wald gerodet, rutschen Berghänge ab.
Künstliche Verbauungen können die Schutzfunktionen des Waldes nur ungenügend ersetzen, sie
sind aufwändig und sehr teuer.
Ohne das schützende Kronendach wird durch Regenfälle die Humusschicht weggespült (Erosion)
und die Nährstoffe werden aus dem Boden ausgewaschen. Gerade im tropischen Regenwald geht
dies besonders schnell, weil wegen des schnellen Abbaus der organischen Substanz
(Mineralisierung) die Humusschicht besonders dünn ist. Innerhalb kurzer Zeit verarmt der Boden so
stark, dass nichts mehr auf ihm wachsen kann. Wiederaufforstungen sind dann nicht mehr oder nur
mit sehr hohem Aufwand möglich.
...den Wald als Wirtschaftsraum
Viele Millionen Menschen weltweit sind von Wäldern als Wirtschaftsraum abhängig. Durch
Abholzung wird ihnen alles was sie zum Leben brauchen genommen: Nahrungsmittel wie Früchte,
Pilze, Tiere, Bau- und Brennmaterial und ihren Lebensraum.
Weder die Subsistenzwirtschaft der um und im Wald lebenden – zumeist kleinbäuerlichen –
Bevölkerung, noch die jagende und sammelnde Lebensweise nomadischer Völker wird von
Regierungen und Konzernen als wertvoll und lebenswert anerkannt. Diese Menschen und ihre
Lebensweise werden nicht nur als nutzlos betrachtet, nein, in ihrer Nutzlosigkeit „besetzen“ sie
auch noch wertvolles Land, das für vermeintlich sinnvollere Zwecke verwendet werden könnte.
Also werden sie vertrieben und der Wald umgewandelt.
Seit 1985 verloren in Brasilien über 5 Millionen Menschen zugunsten von landwirtschaftlichen
Flächen, Entwicklungsprojekten etc. unter Zwang ihr Land und die Vereinten Nationen erwarten in
den nächsten Jahren die Vertreibung von 5 Millionen Indigenen von ihrem angestammten Land im
indonesischen West-Kalimantan, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen. Entgegen den
Versprechen der Plantagenbetreiber schaffen diese Plantagen nur in geringem Umfang Arbeitsplätze
für die ansässige Bevölkerung. Da die Plantagen keinen Lebensraum für Mensch und Tier bieten,
drohen der Bevölkerung Armut und Hunger.
Weil der Wald zerstört ist und sie kein Land mehr haben, auf und von dem sie leben können, sind
viele Menschen gezwungen, in die Städte abzuwandern, wo sie ihr Dasein in Slums fristen.
...den Wald als Kulturraum
Für im und vom Wald lebende indigene Völker stellt der Wald weit mehr als nur einen
Wirtschaftsraum dar.
Vor allem anderen ist er für sie Kultur- und Lebensraum, mit dem sie seit Generationen tief
verwurzelt sind.
Ihre Zugehörigkeit zum Wald zeigt sich über ihre Sprache, Kunst, Religion bis hin zur
Kindererziehung.
Durch die Abholzung der Wälder verändert sich ihr Lebensraum und damit ihr Sozialgefüge
grundlegend oder wird gar völlig zerstört. Dies zwingt sie, ihre traditionelle Lebensweise zu
verändern oder ganz aufzugeben (Sesshaftwerdung, Abwanderung in Städte, Umsiedlung in
Reservate). Langfristig geraten durch diese erzwungenen Veränderungen ihre Traditionen und
Sprache in Vergessenheit – ganze Kulturen werden zerstört.
...die Ernährungssouveränität
Die Zerstörung der Wälder als Wirtschafts- und Kulturraum hat massive Auswirkungen auf die
Ernährungssouveränität der betroffenen Bevölkerung. Der Wald als Heimat von Tieren und
Pflanzen, die für viele Menschen auf dem täglichen Speiseplan stehen, geht verloren.
Neben den Verlusten durch die Waldzerstörung kommen ungeklärte Landrechtsfragen und die
Konkurrenz für landwirtschaftliche Flächen durch den Anbau von Energie- und Futterpflanzen für
den Export hinzu. Brasilien etwa produziert auf 22 Millionen Hektar, der Hälfte der gesamten
Ackerfläche des Landes, Soja - hauptsächlich für den europäischen Markt.
Die indonesische Regierung hat beschlossen, die Fläche für den Anbau von Ölpalm-Plantagen von
derzeit rund sechs Millionen Hektar bis 2020 auf zwanzig Millionen Hektar zu erweitern. Für diese
Flächen muss natürlicher Regenwald weichen und die ansässige Bevölkerung gleich mit.
Während für den westlichen Bedarf an Futtermitteln und „Bio“-Treibstoffen platzt geschaffen wird,
steht die heimische Bevölkerung vor dem Nichts. Die UNO hat sich in ihren Millenium
Development Goals das Ziel gesetzt, den Anteil der Hungernden von 1990 bis 2015 zu halbieren.
Allerdings ist die Zahl der Hungernden mittlerweile auf 925 Millionen Menschen gestiegen. Wenig
verwunderlich angesichts einer weltweiten Politik, die Wälder als Wirtschaftsraum zerstören und
durch den Anbau von Energie- und Futterpflanzen auf riesigen Flächen für die Märkte der
Industriestaaten zu einer Verknappung und Verteuerung von Nahrungsmitteln führt.
...Migrationsbewegungen
Die Abholzung der Wälder vernichtet Lebensraum und –grundlage vieler Menschen und hat
nachhaltigen Einfluß auf das Klima.
Sowohl die unmittelbare Zerstörung ihres Lebensraumes wie auch die langfristigen Folgen der
Entwaldung durch ein sich veränderndes Klima, unfruchtbare Böden, Wüstenbildung zwingt viele
Menschen, ihre Heimat zu verlassen – sie werden zu Umwelt- beziehungsweise Klimaflüchtlingen.
Die Regierung Papua Neuguineas ließ bereits 2005 die fast tausend Bewohner der Pazifikinseln
Carteret vor dem steigenden Meeresspiegel evakuieren.
Im Sudan breitet sich die Wüste immer weiter aus. In den letzten 40 Jahren ist sie um hundert
Kilometer in den Süden des Landes vorgedrungen. Bedingt durch massive Abholzung, ausbleibende
Regenfälle und Bodenerosion wird das Land im nördlichen Sudan unfruchtbar. In einer Region mit
rund 30 Millionen Bewohnern gehen die Getreideernten zurück. Millionen Menschen könnten so
gezwungen sein, auf der Suche nach einem Auskommen abzuwandern. Bereits heute sind im Sudan
durch Kriege und Vertreibungen über 5 Millionen Menschen auf der Flucht.
Genaue Zahlen zum Umfang von Klimaflucht liegen nicht vor, Schätzungen zufolge dürfte sie aber
die Zahl der offiziellen Flüchtlinge (20 Millionen) bereits übersteigen. Prognosen gehen von bis 200
Millionen Klimaflüchtlingen in den nächsten 30 Jahren aus, sollte es nicht gelingen, den
Klimawandel einzudämmen oder geeignete Anpassungsstrategien zu entwickeln.