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Selbstvollendung – Robert S.

de Ropp
Schlüssel zu einem sinnvollen Leben Sphinx-Verl. 1990
Self Completion – Keys to the meaningful Life ( Gateways Inc. 1988 )

Selbstvollendung ist für alle, die sich auf der spirituellen Suche befinden, die Frage nach
dem Sinn des eigenen Lebens ernst nehmen, ein höchst empfehlenswertes Schlüsselwerk.
Robert S. de Ropp legt überzeugend dar, warum diese Suche oft so beschwerlich erscheint
und wie man sich dabei vor Selbsttäuschung schützen kann. Angesichts der verwirrenden
Vielfalt von Möglichkeiten bei dieser Suche ist de Ropps Werk ein unvergleichlicher,
demaskierender Wegweiser, in dem er seine lebenslangen Erfahrungen auf brillante Weise
klar und leicht verständlich zusammenfaßt.
Ob es sich um die Darlegung der kosmischen Ordnung handelt, die Selbstbehauptung
gegenüber einer spirituellen Schule oder die Frage, wie man den für sich gefundenen Weg
in die Praxis umsetzt, immer leitet de Ropp seine Leser zu eigenen Einsichten und
Erkennen. Mit einleuchtender aber auch desillusionierender Klarheit und Logik ist eine
außergewöhnliche, spirituelle Orientierungshilfe und praktische Wegbeschreibung
gegeben, die dem verheißungsvollen Titel und dem hochpreisenden Geleitwort des ebenso
fachkundigen E.J. Gold vollauf gerecht werden kann:
»Niemand, der sich auf dem spirituellen Pfad befindet – gleichgültig unter welchem
Vorzeichen oder in welcher praktischen Richtung – wird um dieses Buch herumkommen.«
»Jeder, der von sich bekundet, in der (spirituellen) Arbeit zu stehen, wird es mindestens
dreimal lesen, ... und das nicht mechanisch, um sich nur ein paar Anregungen zu holen. ...
'Gnoti seauton' – wen Selbst-Vollendung und die darin enthaltenen Gedanken kalt lassen,
der könnte in seinem Leben dem Tode näher stehen, als er dies wahrhaben möchte. ... Der
Leser aber möge gewarnt sein: Es könnte noch nicht zu spät sein für ihn, sich für das
Leben zu entscheiden und die dazugehörigen Verantwortungen zu übernehmen. Das Lesen
dieses Buches geschieht jedenfalls auf eigene Gefahr.« – E.J. Gold –
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Robert S. de Ropp, geboren 1913 in London, studierte Biologie und arbeitete lange als
Wissenschaftler. Zu seinen spirituellen Lehrern gehörten Gurdjieff und Ouspensky, von
denen er sich jedoch löste, um seinen eigenen Weg zu gehen. In den Sechziger Jahren
wurde de Ropp zu einer Leitfigur der Gegenkultur und sein bedeutendes Werk, Das
Meisterspiel (The Master Game, 1968), zu einem internationalen Bestseller, Insider- und
Kultwerk seiner Zeit.
Er verließ seinen Körper 1987, wenige Tage nach Fertigstellung dieses Buches, das seine
Erkenntnisse als wahres Meisterwerk essentiell vereint. Seine durchweg beachtenswerten
Werke sind zwar vergriffen, jedoch werden sie zu jenen wahrhaft Suchenden finden, die
für unbequeme, demaskierende Erkenntnisse und deren Anwenden wirklich bereit sind.

»Das Leben selbst ist es, das dem Menschen Fragen stellt. Er hat nicht zu fragen,
er ist vielmehr der vom Leben befragte, der dem Leben zu antworten – das Leben
zu verantworten hat.« – Geleitzitat von Viktor Frankl –

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© Buch-Rezension & Zusammenfassung: A. Ron Weide, Astrologische Akademie Avalon, 2006


Ausgangsbasis
Die durchschnittlichen Menschen leben in einem kaum bewußten, hypnoseähnlichen Trott
mit dem einzigen Ziel, die animalischen Gelüste zu befriedigen und materiell vermeintlich
sicher zu leben. Der reifer werdende Mensch, immer mehr am Wesentlichen interessiert,
wird jedoch erkennen, daß er unfertig ist und sich seiner geistigen Entwicklung, einer
spirituellen Charakterarbeit – der Selbstvollendung – widmen.
Der derzeitige Stand der menschlichen Entwicklung ist kritisch. Die Menschheit hat in ihrer
sich steigernden materiellen Gebundenheit und Selbstvergessenheit dieses Entwicklungs-
abschnittes (Kali-Yuga) – als Ausweg und Chance aber auch Gratwanderung mit
beträchtlichen Gefahren – Gehirn und Denkvermögen unverhältnismäßig schnell weiter-
entwickelt. [Anm.: Gen-Manipulation durch ver(w)irrte "Götter"?] Im derzeitigen Stadium
könnte sich die Menschheit kollektiv selbst zerstören, was wohl kaum im Sinne des
Lebensprinzips, der Evolution sein kann.
Die Menschen sind offenkundig unvollendete Wesen und es liegt an ihnen, ihre eigene
Evolution – ab einem gewissen Grad nun bewußt und selbst – zu vollenden. Mit dem
gewonnenen Wissen über diesen Prozeß werden sie zu Gnostikern und müssen handeln,
denn Wissen ohne Anwendung ist bedeutungslos, nutzlos.

Entwicklungsstufen und Praxis der Selbstvollendung


Stufe 1: "In Gefangenschaft"
Die Masse der Menschheit ist an "der Arbeit", dem "Großen Werk", der Selbstvollendung,
herzlich wenig interessiert. Sie lebt auf eine Weise, die ihrer geistigen Herkunft unwürdig
ist, in der Befriedigung animalischer Gelüste, in Angst, Eitelkeit, Ablenkungen und
Vergnügungen, in dümmlichen Sportveranstaltungen, Geschicklichkeits- und Glücksspielen,
Gewinnsucht, Verlustangst, eintöniger täglicher Arbeit, in Alltagsträumen und Hoffnungen.
Die Masse gehorcht bei allem, was sie tut und läßt, Mächten und Gesetzmäßigkeiten, über
die sie keinerlei Kontrolle hat, sie meist nicht einmal kennt. Sobald sie aufhört einer Macht
zu gehorchen, wird sie – meist unbemerkt – einer anderen Macht ausgeliefert sein.
Die Menschen glauben einen freien Willen zu haben, in Wirklichkeit dämmern sie aber in
hypnose-ähnlicher Trance. Sie glauben frei zu sein, sind aber Marionetten, Sklaven. Sie
glauben, daß sie ein "Ich" hätten, sind aber nur eine Ansammlung kleiner "Ichs" mit
verschiedenen widersprüchlichen, meist unklaren Bedürfnissen und Absichten. In diesem
Trance-Zustand des "wachen Schlafes" reisen die meisten wie auf einem Narrenschiff. Der
Kapitän schläft, der Steuermann ist betrunken und der Navigator hat vergessen, wohin die
Fahrt eigentlich gehen soll. Jeder Narr an Bord kann den Steuermann beiseite stoßen und
versuchen, das Schiff selbst zu steuern. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich,
wenn das Schiff einen Eisberg rammt. Es ist erstaunlich, daß es sich überhaupt noch über
Wasser hält. – Woody Allen: »Es ist klar, warum die Menschheit keine Antwort auf die
Frage findet: Warum konnte das Nazi-Reich entstehen. – Es ist die falsche Frage! Die
richtige Frage müßte lauten: Warum passiert so etwas nicht viel häufiger?« *
Demnach sind die meisten nur "Schläfer", die unbewußt Dienst auf einer "Tretmühle" tun
– ahnungslos, blind im Kreis herumtappend – und dies auch noch normal und richtig finden.

[*Anm.: Die dramatische Zuspitzung der Weltlage in den letzten Jahren bestätigt die düstere Einschätzung von
Woody Allen. Seelenkranke 'Mächtige' (allen voran in Woody's Heimat!) übertreffen – mit explosionsartig
entwickelter Technologie, Waffen- und Medien-Gewalt – nicht nur frühere Diktaturen, sondern sogar die
finstersten "Orwell-Staat"-Visionen schon jetzt bei weitem! Der kollektiv wahnsinnige, kranke, unbewußte
Zustand weiter Teile der Menschheit fordert schnelles geistiges Entwickeln und Entscheiden der Bereiten.]

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Stufe 2: "Aufbruch, Suche und Verirren"
»Wenn Menschen sich das Ziel setzen, sich weiterzuentwickeln,
begeben sie sich in eine fremde Erlebniswelt mit vielerlei Gesetzen und Gefahren.«

Wenn Menschen – aus welchem Grund auch immer – die Tretmühle verlassen, gehen sie ein
für sie noch nicht überschaubares Wagnis ein. Sie verlieren ihre traumwandlerische,
vermeintliche Sicherheit ihres gewohnten engen Bezugsrahmens und begeben sich in neue,
oft bedrohlich empfundene Erfahrungsdimensionen.

Der zentrale Begriff dieser Stufe ist die "Phantasiearbeit" bzw. "Scheinarbeit" oder
"Pseudo-Anstrengung". Damit wird ausgedrückt, daß viele Menschen, die sich auf den
Weg der Arbeit eingelassen haben, diesen nur halbherzig und unkritisch gehen, so daß sie in
dieser Phase das Ziel "Meisterschaft" und "Befreiung" noch nicht erreichen.

Der Grund für die Scheinarbeit ist im folgenden Zusammenhang zu erkennen:


Unsere Fähigkeit zum Selbstbetrug ist sehr ausgeprägt und besteht weiter, auch nachdem
wir – wie wir meinen – die Arbeit begonnen haben. Anstatt die wirkliche Arbeit aufzu-
nehmen, verirren wir uns jedoch in der Phantasiearbeit. Dieser Zustand ist hinderlicher als
der vorhergehende. Die Phantasiearbeit hat die Tendenz, die wirkliche Arbeit zu ersetzen.
Die Phantasiearbeit lockt allgegenwärtig, unauffällig, gut getarnt. Sie verbreitet sich wie
eine höchst ansteckende Seuche und entwickelt ständig neue Formen der Täuschung und
Verführung. Sie bringt die echte Arbeit zum Stillstand und bietet statt dessen Träume. Viele
sind froh, daß sie wenigstens diese Träume haben. Die Träume ersparen es den Träumern,
ernsthaft Anstrengungen zu unternehmen, um zu erwachen. Denn sie träumen, daß sie
bereits wach seien. Schließlich gehen alle Inspiration und Motivation verloren und aller
Enthusiasmus und alle hohen Ziele geraten in Vergessenheit.
Jenseits dieses "Waldes" verlockender aber auch erschreckender Irrlichter, Umwege und
Sackgassen schimmert manchmal zwischen den Bäumen das ursprüngliche Ziel, der "Berg
der Macht" und der "Berg der Befreiung" durch. Wenn ein Reisender einmal einen dieser
Berge erblickt hat, kann er Mut fassen weiterzusuchen, um den Weg zum Fuße des Berges
zu finden. Der Berg kann aber nur selten gesehen werden, und ein Blick auf ihn ist leicht
vergessen. Wenn der Reisende aber erst einmal vergessen hat, wo er eigentlich hin wollte,
dann hat er sich auch schon wieder verirrt. Da der Wald ein finsteres, bedrohliches Gebiet
ist, sind Suchende oft schlechter dran als vorher (zumindest subjektiv). Im Wald können die
Sklaven keine Zuflucht mehr zu ihren alten Lieblings-Wahnvorstellungen nehmen. Sie
haben gelegentliche Einblicke in die wahre Welt gehabt, und diese Einblicke haben ihren
Schlaf gestört. Sie sind jetzt weder zufrieden in ihrer Sklaverei, noch sind sie wirklich frei.
Sklaven, die aus der Tretmühle entkommen sind und sich im Wald verirrt haben, nehmen
Zuflucht vor ihrer elenden Lage in der Phantasie-Arbeit. Sie träumen, daß sie bereits "in der
Arbeit" seien, aber sie sind es nicht. Sie haben ihr Eintrittsgeld nicht bezahlt. Sie haben nicht
ihre Träume und Illusionen geopfert und sind nicht bereit, ihre unbewußten, mechanischen
Angewohnheiten zu bemerken und aufzulösen (»Krisen schaffen Entwicklung«).
Sie sind genauso Sklaven wie zuvor, als sie noch in der Tretmühle waren, aber die große
Illusion, daß sie "in der Arbeit" seien, verhindert, daß sie dies erkennen. Sie haben den
Zustand erreicht, den man den "Zweiten Schlaf" nennt, aus dem es sehr schwierig ist, zu
erwachen. Alle, die im Zweiten Schlaf sind, träumen, daß sie bereits erwacht seien.

Die Phantasie-Arbeit beruht im Wesentlichen auf acht verschiedenen Fallen:

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1. Falle: Denk- und Redesyndrom
Die betroffenen Menschen denken über die Arbeit nach. Aber über die Arbeit nachdenken
und über sie reden wird keine besseren Ergebnisse hervorbringen, als wenn man etwa ein
Kind zur Welt bringen will und nur über Sex redet.
Wo wird lieber geredet, als in Gruppen?! Dort finden sich die Theoretiker ein und reden
endlos miteinander, ohne sich wirklich mit den eigenen Schwächen zu konfrontieren. Durch
subtiles mentales Abgrenzen und Ausweichen vermeiden Sie echte Erkenntnisprozesse –
und sie haben nicht die geringste Bereitschaft, sich wirklich einzulassen oder etwas zu
ändern. Dieser Zustand ist schlimmer als nutzlos, weil sich die Beteiligten "in der Arbeit"
wähnen. Tatsächlich hingegen wissen die meisten nicht einmal, was die Arbeit ist.

2. Falle: Anhängersyndrom
Diese bildhaft treffend auch "Glasige-Augen-Syndrom" bezeichnete Falle verführt zu
fanatischer Verehrung und blindem Glauben an eine Lehre oder einen Lehrer. Ihre
Anhänger verursachen unbemerkt, unbeabsichtigt viele Katastrophen, weil sie alles
eigenständige Denken, sogar ihr natürliches Gewissen verkümmern lassen und jegliche
Verantwortung auf ihren Guru abwälzen. Leichtgläubigkeit und Beeinflußbarkeit sind die
Schwächen dieser Menschen, die zu marionettenhaften Fanatikern werden.

3. Falle: Syndrom des falschen Messias


Als dazugehörender Gegenpol zu den blinden Anhängern glauben jene selbst ein Messias,
ein Meister zu sein. Massiv dem Ego-Trip verfallen, wollen Sie Anhänger haben, je mehr
desto besser. Dies unterscheidet jene von echten Meistern, die nie versuchen, um Jünger zu
buhlen. Ganz im Gegenteil, sie lassen sich nicht als Guru, MahaRishi, usw. feiern. Vielmehr
mahnen sie, daß der Pfad hart und schmal ist, und daß es ungefährlicher sei, friedlich
weiterzuschlafen, als voreilig halb aufzuwachen. Eingebildete, selbsternannte Guruspieler
halten – wenn auch oft sehr subtil – ihre Jünger abhängig und unmündig, oder erzwingen
sogar totalen Gehorsam, und verhindern selbständiges Denken und Handeln. Das Verhalten
eines echten Meisters ist genau das Gegenteil, er fordert seine Schüler zu Selbständigkeit,
Eigenverantwortung und wachsamer, vorurteilsfreier Prüfbereitschaft auf.

4. Falle: Organisationssyndrom
Oft erstarren Hierarchien in immer strengere Orthodoxie, bis echte Arbeit unmöglich wird,
und schließlich nur noch die Phantasie-Arbeit gefördert wird. Die Schüler betrügen sich
gemeinsam selbst, denn sie glauben, wenn sie erst einmal zu dieser Organisation gehören,
hätten sie schon ein gutes Stück Arbeit erreicht. Die gruppendynamische, kollektive
Selbstbestätigung erschwert erheblich, diese häufigste Falle zu erkennen und zu verlassen.
Gelegentlich demaskieren und erschüttern wahre Meister die scheinheiligen Gefängnisse
solcher geistig toten Organisationen und fördern so das Sich-Befreien der Bereiten.
("Des Kaisers neue Kleider")

5. Falle: Syndrom der persönlichen Erlösung


Diese Falle hat einen verhängnisvollen Irrtum zur Grundlage. Diejenigen, die an ihm leiden,
bilden sich ein, daß das persönliche Selbst, das sogenannte Ego, entweder errettet oder
verdammt werden kann. Doch die wirkliche Erlösung beinhaltet eine Befreiung vom

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persönlichen Selbst und von den engen Grenzen des Ego. Die echte Arbeit beinhaltet den
friedvollen Kampf, sich von dieser Illusion des abgegrenzten Ego zu trennen, die Enge des
Ego zu überwinden, und letztendlich in der Einheit mit dem höheren Selbst aufzugehen.

6. Falle: Syndrom der Überanstrengung


Mit übereifrigem, maßlosem "Gipfelstürmer-Wahn" sind die Betroffenen der Überzeugung,
daß die Arbeit mit einer furchtbar intensiven Super-Anstrengung zu erzwingen sei.
Die Falle ist so raffiniert, weil die dahinter stehende Idee so nahe an der Wahrheit liegt. Die
Arbeit erfordert in der Tat eine Menge Anstrengung und Einsatz. Aber mit überspannter,
verkrampfter Kraftmeierei lassen sich keine Fortschritte erreichen, im Gegenteil. Mit der
wachsamen, gelassen-spannungsgeladenen Geschmeidigkeit eines Aikido-, TaiChi- oder
Yoga-Schülers gilt es, bei der Arbeit Gleichgewicht und Bewußtsein zu behalten. Dieses
Anstrengen gleicht eher der Geschicklichkeit eines Seiltänzers oder Jongleurs, als einem
Akt heroischer Tollkühnheit.
Die Überanstrengungs-Falle beruht auf einem wesentlichen Mißverständnis über das Wesen
der Arbeit. Die Arbeit erfordert ein stetes Angehen gegen Identifikationen. Identifikation
bedeutet, vollkommen einzutauchen in das, was man tut unter Verlust der objektiven
Wahrnehmung. Auf eher spielerische Weise gilt es, sich zu bemühen, und nicht aus
verbissener Anstrengung unbemerkt einen neuen weiteren Ego-Trip zu machen. So
vermeidet man auch, nach überharter Anstrengung oder Askese erst einmal eine
vermeintliche Erholung zu brauchen, und sich wiederum in altgewohnten Seichtigkeiten zu
suhlen. Um das Ziel zu erreichen, bedarf es keiner einzelnen Höchstleistungen, sondern
möglichst kontinuierlicher Bereitschaft, konsequent weiterzugehen, weiter zu arbeiten. Man
braucht Ausdauer, Beständigkeit und Geduld, ein stetes Sich-Bemühen der kleinen Schritte.

7. Falle: Syndrom des sonntäglichen Kirchenganges


Diese offensichtlichere Falle steht in enger Verbindung zur Organisations-Falle. Die
betroffenen Menschen ersetzen die wirkliche Arbeit an sich selbst durch die regelmäßige,
eher gewohnheitsmäßige Teilnahme an Versammlungen ihrer Organisation. Weil sie
regelmäßig hingehen, haben sie das Gefühl, dazuzugehören und sich sicher sein zu können,
daß sie "in der Arbeit" seien. In Versammlungen machen sie mit, produzieren sich so, wie
sie meinen, daß es von ihnen erwartet wird und sie vor sich und anderen als "auf dem Weg"
ausweist. Sobald sie die Versammlung verlassen, vergessen sie ihre Arbeit.
Anfangs haben ihnen diese Treffen und gemeinsamen Aktivitäten vielleicht wirklich helfen
können. Aber in Gewohnheitstrott und Äußerlichkeiten erstarrt, haben sie irgendwann den
ursprünglichen, tieferen Sinn vergessen und ihre Motivation verloren.

8. Falle: Syndrom des Guru-Fangens


Diejenigen, die in diese Falle gehen, verbringen ihr Leben damit, von einem Guru zum
nächsten zu wechseln. Sie erwarten, daß der Guru ihnen 'das Geheimnis' offenbart und
können nicht glauben, daß sich 'Geheimnisse' resonanzmäßig von selbst offenbaren bzw.
schützen. Nur beständige Arbeit am Ego transzendiert auflösend dessen Mauern und gibt
den Blick auf jegliche Geheimnisse frei. Doch zu dieser Arbeit sind die betroffenen
Menschen nicht in der Lage, oder nicht bereit. Wenn der Guru nicht alles auf einem
silbernen Tablett präsentieren kann oder will, ist er wohl offensichtlich selbst ahnungslos
oder ein Betrüger, und muß einem neuen Guru weichen, oder sogar bekämpft werden.

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Aus dieser Scheinarbeit der Phantasie resultiert nicht nur das sichere Verhindern der
echten Arbeit, sondern – besonders durch verblendete Fanatiker der 2., 3. und 8. Falle –
auch niederste, pervertierte Gewalt, bis hin zu Folter, Inquisition und Völkermord.

Stufe 3: "Weg der Selbst-Meisterschaft"


Neben unerläßlichem Durchschauen trügerischer, oft verlockend bequemer Scheinwege, die
jedem Sucher immer wieder bestens getarnt begegnen, gilt es um so konsequenter das Ziel
zu erkennen. Einfache, klare Ziel-Definitionen können entscheidend motivieren und stützen:

 Ich bin 'Sklave' (meiner Schwächen, Begierden, etc.) – mein Ziel ist, Meister zu werden.
 Ich lebe in einer Traumwelt – mein Ziel ist, in wirklicheres Sein zu erwachen.
 Ich bin in (Selbst-)Täuschung verstrickt – mein Ziel ist, Wahrheit zu erkennen.
 Ich sehne mich nach Geliebt-, Angenommen- u. Verstandenwerden – mein Ziel ist,
diese Qualitäten selbst zu entwickeln und geben zu können.
 Ich bin 'Viele' – mein Ziel ist, Eins zu werden.
 Ich bin ein getrenntes Ego – mein Ziel ist, bewußt in Liebe Grenzen aufzulösen.

Halte Wache an der Pforte der Wahrnehmung


Die zentrale, unbequeme Wahrheit ist, daß der 'schlafende', unbewußte Mensch sich selbst
nicht kennt. Daher kann er sich auch nicht beherrschen, nicht sein eigener Herr sein. Die
Arbeit muß daher mit einer intensiven Phase der Selbstbeobachtung beginnen. Doch wie
kann ich mich selbst beobachten, wenn ich doch noch eine Ansammlung verschiedenster
Persönlichkeitsteile bin? Ich kann einen inneren Beobachter schaffen, der den Sinn für das
Wesentliche behält. Die anderen Teile haben ihre eigenen Ziele: Der eine will das Geld-
Spiel, der andere das Erotik-Spiel, noch ein anderer das Wissenschafts- oder vielleicht auch
das Berühmtheits- oder Macht-Spiel.
Der Beobachter hat die Aufgabe, die Reaktionen meines 'Viele-Ichs' neutral ohne
Identifikationen zu beobachten. Wenn ich denke, muß der Beobachter wertungsfrei meine
Ideologien ausblenden und rational sein können. Wenn ich fühle, muß er von den Gefühls-
schwankungen unabhängig wertungsfrei mein Handeln beobachten können. Ich kann also
eine Metaprogrammierung durchführen, wie sie auch Robert A. Wilson in seinem Werk
Cosmic Trigger beschreibt: »Zu lernen, sich an den unsichtbaren Esel zu erinnern, der uns
umherträgt – der Selbst-Programmierer –, ist der erste Schritt eines Erwachens aus dem
konditionierten, mechanischen hin zum wahren, objektiven Bewußtsein. ... Der Meta-
programmierer lernt ständig mehr und ist in steigendem Maße fähig zu erkennen, wie es von
selbst arbeitet. So entwickeln wir uns in Richtung 'Intelligenz-studiert-Intelligenz'«. Wir
sind dann mehr und mehr befähigt, unsere eigene Entwicklung bewußt voranzutreiben.

Energiequelle ist das CHI, eine lebens-spezifische Energieform (vgl. TaiChi, ChiGong).
Chi gibt dem Menschen Kraft, absichtlich seine Aufmerksamkeit zu konzentrieren. Mit
genügend Vorrat an Chi können wir objektiv wahrnehmen, Identifikation vermeiden. Ohne
genügend Chi werden wir zum Spielball unserer Sinneseindrücke, Gefühle und Träume.

 Sammle und konzentriere Chi – dein Leben hängt davon ab !

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Der Beobachter ist der Vorläufer des inneren Meisters und muß in schwächeren,
unbewußteren Phasen, wenn das Chi-Niveau zu niedrig ist, dafür sorgen, daß das
Steuerruder nicht aus seinen Händen gerät. Der Beobachter weiß: Es gibt kein legitimes
Lebensziel, das nicht mit größerer Gewißheit erreicht werden kann, wenn man erwacht ist.
»Erwachtsein ist alles«.

Wir können nur dann von uns behaupten, daß wir die Arbeit aufgenommen haben, wenn wir
einen Beobachter ins Leben gerufen haben und ihn als kommissarischen, stellvertretenden
Chef mit genügend Macht (Chi, Vitalität, Liebe, Geduld) ausstatten, so daß er die anderen
Stimmen in uns überzeugen, zähmen und ordnen kann.

Dauerhafte Ergebnisse sind die Früchte von steter und intensiver praktischer Arbeit.
Macht wird durch Praxis erworben, durch ständiges nicht nachlassendes Bemühen, Tag für
Tag, Woche für Woche. Viele Menschen meinen, sie können Meister werden, indem sie ein
mal in der Woche zu einem Treffen gehen, ein paar Übungen machen oder sich einmal im
Jahr an einer Art heroischer Aktivität beteiligen, die sie als eine Super-Anstrengung sehen.
All dies gehört zur Arbeit der Phantasie und kann nur in Selbstbetrug enden. Die wirkliche
Arbeit macht konstant wiederholte Bemühungen erforderlich, ein nie endendes Ringen und
Sichbefreien von Identifikation.

Nur ein höherer Wille kann der Arbeit einen festen Untergrund geben.
Da unsere Psyche aus unterschiedlichsten Stimmen besteht, existiert auch kein beständiger,
konzentrierter Wille. Unser Boot ('Bruder Esel') wird heute hierhin, morgen dahin getrieben.
Der von uns geschaffene innere Beobachter hat noch keinen eigenen Willen.
Es gibt jedoch die Möglichkeit, einen höheren Willen zu entwickeln. Der höhere Wille führt
vom Schlaf zum Erwachen und von Schwäche zur Stärke. Er besteht aus drei Komponenten:

Der Wille zur Macht. Dieser Wille kann mißbräuchlich entarten, daß er nach außen auf
andere Menschen, auf äußere Verhältnisse gerichtet wird. Es gilt jedoch, sich selbst zu
beherrschen, und nicht Andere – auch nicht subtil oder "wohlwollend, gut-meinend".
Der Wille zur Wahrheit. Dieser Wille kann durch Leichtgläubigkeit verdrängt werden,
durch den "Willen zu glauben". Denn Selbst-prüfen erfordert Mühe, Ausdauer und Geduld;
Selbst-erfahren erfordert Mut, Gelassenheit und Lebenskraft (Chi).
Der Wille zur Selbsttranszendenz. Er kann – falsch verstanden – von blinden Fanatikern
gegen alles vermeintlich "Nichttranszendente", triviale Weltliche gerichtet werden,
selbstzerstörerisch oder sogar bis hin zur Zerstörung ganzer Welten. Es geht jedoch um
bereitwillige Selbst-Vollendung, nicht um zwanghaftes, gewalttätiges Bekehren außen. Auch
beim eigenen inneren Wandel gilt, nicht bei der Asche (dem 'Kreuz') stehenzubleiben,
sondern den Phönix (den 'Christos') darüberhinaus auferstehen zu lassen.

Der höhere Wille führt den Menschen auf den "Sonnenpfad", der für den Menschen
Anstrengung bedeutet. Wer dem Sonnenpfad folgt, schwimmt gegen den Strom, der abwärts
in Richtung zunehmender Unordnung (Entropie) fließt.
Wenn der höhere Wille den Menschen nicht aktivieren kann, so gerät der Mensch auf den
"Mondpfad". Dies zeigt sich in seiner – oft hartnäckig geleugneten – Willenlosigkeit und
Schwäche, in der er den Weg des geringsten Widerstandes geht. Auch auf der körperlichen
Ebene offenbart sich dies. Meist ernähren sich jene nachlässig und unbewußt (z.B. nicht
vegetarisch), meiden körperliche Aktivität (Sport, Yoga). Stattdessen rauchen sie und setzen
sich sonstigen schädigenden, schwächenden Einflüssen aus – oft trotz besseren Wissens.

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Körper pflegen [Hierfür gibt es im Bio-, Öko- & Naturheilbereich reichlich Informationen.]

Das Fundament aller geistigen Prozesse ist der irdische Körper, in dem und durch den sich
das Geistige ausdrückt. Wer Materie, das Körperliche und somit auch seinen eigenen
Körper vernachlässigt, übersieht, daß der eigene Körper jenes 'Vehikel' ist, das er zur Zeit
bewohnt, und der sein ganz persönliches Werkzeug ist, um diese Ebene spüren, erfahren
und in ihr bewußt und kreativ handeln zu können – und er ist erforderlich und wichtiges
Hilfsmittel für die Tranformation.
[Literatur-Hinweis: Hierzu sei das optimal ergänzende Werk von E.J. Gold empfohlen:
Die menschliche biologische Maschine als Apparat der Transformation – Sphinx, 1989]

 Nicht nur ein gesunder, sondern ein super-gesunder Lebenswandel ist erforderlich !

Gefühle zügeln
Das Verhalten unseres Gefühlswesens läßt sich anschaulich mit einem Pferd vergleichen.
Dieses Pferd, jene 'animalische' Kraft im Gehirn, die unsere Emotionen erzeugt, ist ein
schwieriges Wesen, das nur schwer zu bändigen ist. Es ist nervös, störrisch, irrational und
hat die Neigung zu plötzlichen panischen Anfällen, zu impulsiven Handlungen, zu
Äußerungen von Wut, Angst, Eifersucht und Haß. Dieses Verhalten wird noch zusätzlich
verkompliziert durch die enge Verbindung der Emotionen mit dem Sexualtrieb. Im
menschlichen Gehirn liegt das Sexualzentrum so eingebunden, daß fast jede Emotion von
ihm beeinflußt wird. Setzt man das Sexualzentrum (z.B. chemisch) außer Kraft, so verliert
der Mensch auch fast jeden Antrieb.

Für die Zwecke der Arbeit ist die Kooperation mit dem "Pferd" (Emotionalkörper)
unerläßlich. Ein rein intellektuelles Herangehen an die Arbeit wäre völlig ergebnislos. Das
Pferd kann das gesprochene Wort nicht verstehen – es reagiert auf Gesten und bestimmte
Stimmlagen. Dafür reagiert es aber sehr schnell. Ein zorniges Wort, eine bedrohliche Geste,
und das Pferd schlägt aus und bäumt sich auf. Leider überträgt sich die Panik auch auf den
Wagenlenker – den Verstand.
Unbeholfene Versuche der Bändigung wurden z.B. von der Christlichen Kirche
unternommen. Das Ignorieren, Unterdrücken oder brutale Zwingen des Pferdes ( z.B.
erzwungene Enthaltsamkeit ) brachte nichts als Heuchelei, Leid, Gewalt und Perversion.

Das erfolgreiche Verfahren ist ein liebevoller, einfühlsamer und positiv bestätigender
Umgang mit dem eigenen Gefühl, um es zunächst zu beruhigen. Wenn es erst einmal ruhig
ist, kann ich leichter und klarer auf den Grund der Seele schauen, der durch die Wellen
zunächst unsichtbar war.
Generell darf der Beobachter nicht in Identifikation mit dem Gefühl verfallen. Wenn er
bewußt behält: "Es fühlt Emotionen", statt "Ich fühle Emotionen", so ist ein echter Schritt in
der Arbeit getan.

Wesens-Essenz erkennen
Ein weiterer Schritt zur Selbstvollendung ist die Analyse des eigenen Charakters. Ich muß
erkennen, welche Teile meiner Persönlichkeit essentieller Natur sind, und welche Teile nur
durch unbewußte, 'falsche', ggf. fremdgesteuerte Gewöhnung bestehen: Die Persona.

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Die Persona (Masken, Rollen) muß abgetrennt werden und darf keine gebieterischen
Einflüsse mehr auf mein Verhalten haben. Die Eigenheiten der Essenz hingegen müssen
beachtet werden; diese können beachtliche Einflüsse haben: Wie manche Menschen
bestimmten Veranlagungen nicht ausweichen können, so können andere der Suche nach der
Meisterschaft nicht widerstehen. Folglich können die Aspekte der Essenz ganz wesentlich
Entscheidungen und Lebensweg bestimmen.
Da sowohl die Persona an der Arbeit interessiert sein kann ( man möchte ein großer Lehrer
werden ... und endet in der Phantasieanstrengung), als auch die Essenz, ist es unerläßlich,
diese beiden Kräfte in sich zu unterscheiden, um nicht der Phantasiearbeit zu verfallen.

 Lerne deine Persona von der Essenz zu unterscheiden und zu lösen !

Je genauer der eigene Grundtyp wertungsfrei erkannt wird, desto weniger Reibungsverluste
durch einseitiges, widersprüchliches oder wesensfremdes Verhalten werden entstehen. Der
eigene individuelle Typ muß berücksichtigt aber auch balancierend gefordert werden. (Bsp.:
Introvertierte sollten keine Höchstleistungen im Extrovertierten suchen). Die erworbene
Persönlichkeit kann durch Eitelkeiten, Stolz usw. dazu antreiben, sich in eine ungünstige
Richtung zu verwickeln. Wer jedoch in der Arbeit voranschreitet, lernt sich von dem
hinderlichen Einfluß der künstlichen, oft nutzlosen Programme der Persona zu befreien.

Aktivität beschränken
Jede Handlung zieht einen Rattenschwanz an Folgen nach sich. Da wir in bestimmtem Maß
noch-nicht-bewußten, nicht steuerbaren Gesetzen (Zusammenhängen) unterliegen, sollten
wir uns immer bestmöglich achtsam, behutsam, aufmerksam verhalten [denken/nicht-
denken, sprechen/schweigen, handeln/unterlassen – vgl. N. Eichler: Erleuchtung ist gratis].
Durch "zufällige", unbewußte Aktivitäten, die nicht auf das Erreichen jener höheren Ziele
der Selbstvollendung ausgerichtet sind, verstrickt sich der Unachtsame immer mehr statt
sich zu entwickeln. Ziel- und planlose Aktivitäten – oft angetrieben von unreifen, wirren
Impulsen, Spleens, Begierden, usw. – sind weder für einen selbst noch für andere dienlich.
Sie sind nicht nur wegen unabsehbarer Verwicklungen hinderlich, sondern vor allem auch
verhängnisvoll, weil sie den Vorrat an Chi verschwenden und erschöpfen.

 Ersetze 'zufälliges', unwillkürliches Geschehen durch absichtliches Tun und Lassen!

So beleuchtet sollte auch die Berufswahl überdacht werden: Behindert oder bereichert ein
Beruf das Leben und meine Möglichkeiten in der Arbeit fortzuschreiten?

Gleichgewicht zwischen Panikzone und Faulenzzone


Der ernsthaft an sich Arbeitende muß lernen, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich
weder zu Panik-Attacken, noch zu Faulenz-Orgien hinreißen zu lassen. Statt dessen mögen
Wachsamkeit, Konzentration und Gelassenheit das emotionale Leben prägen, damit man
weder den Mund zu voll nimmt, sich vergaloppiert, noch in Trägheit versinkt. In diesem
Zustand kommt eine Freude auf, die etwas Spielerisches hat. Das Leben macht Spaß, wird
als großes, erhabenes Spiel erfahrbar. Dieser Zustand des Gleichgewichts ist so erfüllend,
daß er sich von selbst verstärkt. Das gilt für die Arbeit grundsätzlich und ist ein
motivierender, hilfreicher Aspekt, warum es sinnvoll ist, so intensiv und ausdauernd auf die
Arbeit zu bestehen. Gewiß ist es mühevoll, aber die Mühe trägt Früchte, die unvergleichlich
sind.

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Triaden erkennen
Erkenne in allen Dingen und Handlungen das "Spiel der Drei". Die drei Kräfte sind: Die
Kraft der Bejahung, die Kraft der Verneinung und die Kraft der Versöhnung (Ausgleich).
( These – Antithese – Synthese )
Triaden können zerstörerisch oder schöpferisch sein. Schöpferische Triaden erzeugen
höhere Ordnungsebenen, zerstörerische Triaden bringen mehr Unordnung. Schöpferische
Triaden sind schwerer zu handhaben, zerstörerische Triaden fallen leicht und laufen von
selbst ab. Diese Triaden finden sich auch in der Persönlichkeitsentwicklung und sind hier –
in komplexeren Systemen – besonders schwierig bewußt einzusetzen.

Aussicht
Diese unbequemen Hinweise eines bewußten Erkennens, Handelns und Seins beachtend und
verwirklichend, kann es gelingen, den inneren Meister zu erkennen – und in ihn hinein zu
erwachen.
Das Lebensmotto vieler Menschen (Schläfer) jedoch lautet: »Sag mir, was ich tun soll; es
darf aber nichts anderes sein, als das, was ich von dir hören will.« Es zeigt auf, das jeder
von uns Puffer mit sich herumträgt. Diese Puffer sind dazu da, sich widersprechende Seiten
des Egos voneinander zu isolieren, damit der Status-Quo erhalten bleiben kann. Speziell
zwei häufig verkörperte 'Puffer-Rollen' charakterisiert de Ropp, die es bei sich zu erkennen
und zu überwinden gilt:

Der Tramp (im Menschen) akzeptiert keine klaren Standpunkte, keine Nähe und Berührung.
Er läßt nicht zu, daß der Mensch sich voll einbringt, schon gar nicht in Belangen der Arbeit.
Da ihm Beständigkeit, Verantwortungsbereitschaft und Tiefgang fehlen, bleibt er weit-
gehend unbelehrbar und verhindert, daß der Mensch irgendwelche dauerhaften echten
Fortschritte machen kann.
Der Fanatiker (im Menschen) hingegen erfüllt die ihm aufgetragenen Aufgaben im
Übermaß und bedrängt dabei oft auch seine Mitmenschen. Die fanatische Schwärmerei
macht ihn auch deswegen so gefährlich, weil er die Lehren unbewußt umbiegt, damit sie
ihm passen. Dabei wähnt er sich übersicher, den Lehren und Regeln perfekt zu folgen.
Kritik oder Zweifel beweisen ihm lediglich, daß er wiedereinmal der Unverstandene ist.
Menschen, die von ihrem Fanatismus beherrscht sind, zeigen sich als dogmatische,
unbelehrbare, rechthaberische Besserwisser oder es sind verbitterte, von der
"unverständigen Menschheit" enttäuschte, einsame Eigenbrödler. Im schlimmsten Fall sind
es Inquisitoren, die mit Fackel und Schwert ihre persönlichen Wahnvorstellungen von Recht
und Ordnung ausleben.
[Anm.: Während Fanatiker als "verführte Verführer" mit der scheinheiligen Rechfertigung,
daß »der Zweck die Mittel heilige«, im Namen des Guten die Welt mit Krieg und jeglichen
Greueltaten überhäufen, kümmert dies die Tramps wenig; »Was geht's mich an?!« ist ihr
unverbindliches Motto – zumindest solange sie nicht unmittelbar selbst betroffen sind.]

Der Tramp und der Fanatiker sind zwei typische der zahlreichen Facetten, deren sich unser
psychisches Puffersystem abschottend bedient. Sie können auch einander abwechseln, oder
gleichzeitig nebeneinander um Einfluß ringen, was sich besonders widersprüchlich und
spannungsgeladen äußern kann. Hat der Sucher endlich eine Falle der Phantasie-Arbeit oder
einen Puffermechanismus erkannt und aufgelöst, werden andere schwerer zu
durchschauende nachrücken – und seine Achtsamkeit weiter trainieren.

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Spirituelle Kreise und Schulen
Eine wesentliche Funktion einer effektiven Gruppe ist, ihren Mitgliedern zu ermöglichen,
die eigenen "blinden Flecken" zu sehen. Das hohe Maß an notwendiger Erkenntnis-
bereitschaft, Klarheit und Offenheit ist das Ergebnis genügend großer Bereitschaft, sich der
Wirklichkeit zu stellen, statt Zuflucht in Phantasien zu nehmen. Unreife Gruppenmitglieder
jedoch vergeuden ihre Zeit mit dem Austausch von Platitüden über die Arbeit, in nutzlosen
Spekulationen, liebenswürdigem Geplauder, in verstiegenem Theoretisieren und in der
Produktion ungeheurer Mengen von pseudo-esoterischem oder mystischem 'Blabla'.

Wann auch immer ein Sucher für sich entscheidet, die Zeit bzw. er sei reif
für die transformatorische Arbeit, das Große Werk, die Losung wird lauten:

>>> Ich beginne JETZT <<<

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© Buch-Rezension & Zusammenfassung: A. Ron Weide, Astrologische Akademie Avalon, 2006

'erlesene' Literatur-Empfehlungen:

Eugene J. Gold: Die menschliche biologische Maschine


als Apparat der Transformation (1989, Sphinx)
The Human Biological Machine
as a Transformational Apparatus (1985, Gateways Inc.)

Robert S. de Ropp: Das Meisterspiel (1978, Knaur)


The Master Game (1968, Dell Publishing)

Norbert A. Eichler: Die Erleuchtung ist gratis (1989, Rowohlt)


Ein westlicher Weg zur Vollkommenheit

Joseph S. Benner: Das unpersönliche Leben (ca. 1917)


(10. Aufl. 1995, Dem Wahren Schönen Guten)

Henk. Leene: Die sieben Gemeinden in Asien (1973 Rosenkreuz)


[spirituelle, transformatorische Bedeutung der Symbolik der Sendschreiben
an die sieben Gemeinden (Chakren) in der 'Offenbarung des Johannes']

TIBET Das Tibetanische Totenbuch ("Bardo Thödol")


Ein Weisheitsbuch der Menschheit (zB. kommentierte Ausgabe
von Lama Kazi Dawa-Samdup & W.Y. Evans-Wentz)

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