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Nachfrage privater Haushalte am Gütermarkt

1.4 Preiselastizität der Nachfrage


1.4.1 Begriff der Elastizität
Sowohl für wirtschaftspolitische Entscheidungen des Staates, die eine Beeinflussung
der Gesamtnachfrage darstellen (z. B. Veränderungen bei der Umsatz- oder Einkom-
mensteuer), als auch für preispolitische Maßnahmen von Unternehmen genügt es oft
nicht, zu wissen, dass die nachgefragte Menge eines Gutes grundsätzlich von der Höhe
des Preises, vom Einkommen der Haushalte und anderen Faktoren abhängt. Als Ent-
scheidungsgrundlage sind vielmehr häufig Informationen darüber wichtig, in welchem
Ausmaß sich die Gesamtnachfrage nach einem Gut ändert, wenn sich beispielsweise
der Preis oder das Einkommen ändert. Eine Maßzahl für das Ausmaß einer solchen
Änderung ist die Elastizität.

Die Elastizität gibt an, um wie viel Prozent sich eine abhängige (= reagierende) Größe
ändert, wenn sich die unabhängige (= verursachende) Größe um 1 % ändert.

Die Elastizität einer Kurve darf nicht mit deren Steigung verwechselt werden. Die erste Ablei-
tung der Nachfragefunktion x = – 20p + 400 ergibt, dass die entsprechende Nachfragekurve
eine Steigung von – 20 hat. Das bedeutet, dass sich die nachgefragte Menge x als abhängige
Größe um 20 Mengeneinheiten verringert, wenn der Preis p als unabhängige Größe um eine
Geldeinheit steigt. Die Steigung der Nachfragekurve eignet sich aber aus folgenden Gründen
nur sehr eingeschränkt als Änderungsmaßstab.
1. Die Steigung hängt von den verwendeten Maßeinheiten ab. Die obige Nachfragefunktion
mit einer Steigung von – 20 könnte wie folgt interpretiert werden: Die Erhöhung des Preises
um einen Euro je Kilogramm geht mit einem Sinken der nachgefragten Menge um 20 kg
einher. Wird aber beispielsweise statt der Gewichtseinheit Kilogramm die Gewichtseinheit
Tonnen verwendet, so entspricht eine Preiserhöhung von einem Euro je Kilogramm einem
Sinken der nachgefragten Menge um 0,02 t. Das gleiche Änderungsverhalten ergibt also in
Abhängigkeit von der gewählten Maßeinheit (Dimension) einerseits die Zahl – 20 und an-
dererseits die Zahl – 0,02.
2. Das zugrunde liegende Ausgangsniveau der jeweiligen Änderung wird nicht berücksichtigt.
Eine Verringerung der Menge um 20 kg je Euro macht bei einer ursprünglichen nachgefragten
Menge von 500 kg nur 4 %, bei einem Ausgangsniveau von 50 kg hingegen 40 % aus. Wenn
das Ausgangsniveau nicht bekannt ist, macht daher die Aussage „die nachgefragte Menge ist
infolge der Preiserhöhung um 20 kg gesunken“ wenig Sinn, da die absoluten Änderungswerte
(Verringerung um 20 kg bei Preiserhöhung um 1,00 €) nur unzureichende Informationen über
das tatsächliche Änderungsverhalten der beiden Größen liefern.
Um diese Nachteile zu vermeiden, ist es sinnvoll, statt der absoluten die relativen (prozen-
tualen) Veränderungen der jeweiligen Größen zueinander ins Verhältnis zu setzen. Dies ge-
schieht durch die Messgröße der Elastizität.

1.4.2 Direkte Preiselastizität der Nachfrage


Eine Preiserhöhung für einen bestimmten Autotyp von 20.000,00 € um 200,00 € auf
1.5
Seite 32 20.200,00 €, wird die nachgefragte Menge kaum beeinflussen. Wird dagegen der Preis
eines Mountainbikes ebenfalls um 200,00 € von bisher 400,00 € auf jetzt 600,00 € erhöht,
wird die nachgefragte Menge spürbar sinken. Aus dieser Beobachtung lässt sich aber nicht
schließen, dass die Nachfrager nach Autos weniger stark auf Preisänderungen reagieren als
die Nachfrager nach Mountainbikes. Der Preis für das Auto wurde nur um 1 %, der Preis

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Preiselastizität der Nachfrage
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für das Mountainbike dagegen um 50 % erhöht. Bei einer Erhöhung des Autopreises
um 50 % würde die nachgefragte Menge bei Autos ebenfalls stark zurückgehen.

Vergleichbar sind Aussagen über Nachfragereaktionen bei verschiedenen Gütern nur


dann, wenn sie die durch eine prozentuale Preisänderung ausgelöste prozentuale Än-
derung der nachgefragten Menge berücksichtigen. Dieser Zusammenhang kommt in
der direkten Preiselastizität der Nachfrage zum Ausdruck.

Die direkte Preiselastizität der Nachfrage ist das Verhältnis zwischen der prozentualen
Änderung der nachgefragten Menge eines Gutes zur prozentualen Preisänderung dieses
Gutes. Sie gibt an, um wie viel Prozent sich die nachgefragte Menge eines Gutes ändert,
wenn sich der Preis dieses Gutes um 1 % ändert.

Beispiel zur Elastizitätsberechnung:


Angenommen, ein Lebensmittelmarkt hat für eine bestimmte Sorte Frischmilch einen Zu-
sammenhang zwischen der täglichen Absatzmenge und dem Preis festgestellt, wie er in der
folgenden linearen Nachfragekurve zum Ausdruck kommt.

Preis in €
p

A
1,25
E l > 1 (elastische Nachfrage)
1,00 Preis-
senkung ΔP
0,25 €
0,75 El = 1

0,50 B E l < 1 (unelastische Nachfrage)


Mengen-
0,25 erhöhung 40 l

ΔX C
0
20 40 60 80 100 120 140 160 180 200
Nachfragemenge in Liter
x

x · 100
prozentuale Änderung der Nachfragemenge x x p
Eldir = = = ·
prozentuale Preisänderung p · 100 p x
p

Dabei bedeuten: Eldir = direkte Preiselastizität der Nachfrage, p = ursprünglicher Preis,


p = Veränderung des Preises in €, x = ursprüngliche Nachfragemenge, x = Verände-
rung der Nachfragemenge in Stück o. Ä.

Das rechnerische Ergebnis der direkten Preiselastizität der Nachfrage ist im Normalfall ne-
gativ, weil bei normaler Nachfrageaktion eine Erhöhung des Preises zu einer Verringerung
der nachgefragten Menge führt (= negative Steigung der Nachfragekurve). Trotzdem wird die
direkte Preiselastizität der Nachfrage üblicherweise ohne Vorzeichen als absoluter Betrag
|Eldir| angegeben.

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Nachfrage privater Haushalte am Gütermarkt
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Berechnung der direkten Preiselastizität Berechnung der direkten Preiselastizität


der Nachfrage bei einer Preissenkung von der Nachfrage bei einer Preissenkung von
1,00 € auf 0,75 € 0,50 € auf 0,25 €

Preis Menge Preis Menge


vorher 1,00 € 40 l vorher 0,50 € 120 l
nachher 0,75 € 80 l nachher 0,25 € 160 l
Änderung (absolut) – 0,25 € + 40 l Änderung (absolut) – 0,25 € + 40 l
Änderung in Prozent – 25 % + 100 % Änderung in Prozent – 50 % + 33,3 %

Eldir = + 100 = 4 Eldir = + 33,3 = 0,66


– 25 – 50

Das Zahlenbeispiel zeigt, dass die direkte Preiselastizität der Nachfrage trotz gleicher
absoluter Preis- und Mengenänderungen in beiden Fällen verschieden ist. Wegen der
unterschiedlichen Ausgangspreise und -mengen unterscheiden sich die relativen (pro-
zentualen) Preis- und Mengenänderungen. Daraus ergibt sich, dass die direkte Preis-
elastizität der Nachfrage in jedem Punkt der linearen Nachfragekurve unterschiedlich
ist (vgl. Abb. S. 21). Entlang dieser Nachfragekurve nimmt die Elastizität alle Werte
zwischen unendlich und null an. Im Schnittpunkt mit der Preisachse (Punkt A) ist die
Preiselastizität unendlich groß, im Halbierungspunkt (Punkt B) ist sie gleich eins und
im Schnittpunkt mit der Mengenachse (Punkt C) ist sie gleich null.

Ist die prozentuale Änderung der nachgefragten Menge größer als die prozentuale
Preisänderung, so ergibt sich für die Elastizität ein Wert, der größer als 1 ist. In diesen
Fällen wird von einer elastischen Nachfrage gesprochen. Dies trifft hier für alle Punkte
der oberen Hälfte der Nachfragekurve zu (Strecke AB, vgl. Abb. S. 21). Ist die prozen-
tuale Änderung der nachgefragten Menge genau so hoch wie die prozentuale Preisän-
derung, so hat die Elastizität den Wert 1. Das trifft hier für den Halbierungspunkt der
Nachfragekurve zu (Punkt B). Ist die prozentuale Änderung der nachgefragten Menge
kleiner als die prozentuale Preisänderung, so ergibt sich für die Elastizität ein Wert, der
kleiner als 1 ist. In diesen Fällen wird von einer unelastischen Nachfrage gesprochen.
Das trifft hier für alle Punkte der unteren Hälfte der Nachfragekurve zu (Strecke BC,
vgl. Abb. S. 21).

Ist die prozentuale Mengenänderung größer als die prozentuale Preisänderung, liegt eine
elastische Nachfrage vor (Eldir > 1). Ist die prozentuale Mengenänderung kleiner als die
prozentuale Preisänderung, liegt eine unelastische Nachfrage vor (Eldir < 1).

Die folgenden Abbildungen zeigen Abschnitte von zwei Nachfragekurven, in denen


gleiche absolute Preisänderungen unterschiedliche Mengenänderungen nach sich zie-
hen. Die gleiche Preiserhöhung führt bei einem steileren Verlauf des Kurvenabschnitts
zu einem geringeren Rückgang der nachgefragten Menge als bei einem flacheren Ver-
lauf. Die Nachfrage ist in dem hier betrachteten Abschnitt der linken Nachfragekurve
unelastisch, während die Nachfrage in dem hier betrachteten Abschnitt der rechten
Nachfragekurve elastisch ist.

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Preiselastizität der Nachfrage
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Unelastische Reaktion: Bei Preisänderungen ver- Elastische Reaktion: Bei Preisänderungen verän-
ändert sich die nachgefragte Menge verhältnismä- dert sich die nachgefragte Menge verhältnismäßig
ßig wenig (z. B. lebensnotwendige Güter). stark (z. B Luxusgüter).

Ausgewählte Preiselastizitäten der Nach-


p
frage aufgrund empirischer
Untersuchungen
Lebensmittel
(allgemein) – 0,7 (unelastisch)
Fleischwaren – 1,3 (elastisch)
vollkommen
Bildung und unelastische
Unterhaltung – 2,9 (elastisch) Nachfrage
Kfz-Benutzung – 0,36 (unelastisch) El = 0
Körper - und
Gesundheitspflege + 0,3 (anomal)
Tabakwaren
– Erwachsene – 0,4 (unelastisch)
– Jugendliche – 1,2 (elastisch) x
Quellen: Woll, A., Allgemeine Volkswirtschaftslehre,
10. Aufl., München 1990, S. 114; Mankiw, N. G., Grund-
züge der Volkswirtschaftslehre, Stuttgart 1998, S. 78

p
Bei einer linearen Nachfragekurve mit
normalem Verlauf ist zwar die Steigung
konstant, die Preiselastizität aber in je-
dem Punkt unterschiedlich. Deshalb kann
aus der Steigung einer derartigen Nach- vollkommen
elastische
fragekurve nicht direkt auf die Höhe der Nachfrage
Preiselastizität geschlossen werden. Es El = ∞
gibt aber Nachfragekurven, die im gesam-
ten Verlauf eine konstante Preiselastizität
aufweisen.
• Eine Nachfragekurve, die parallel zur Preis-
achse (Ordinate) verläuft, hat an jeder
Stelle eine Elastizität von 0. Die Nachfrage x
ist in diesem Fall vollkommen unelastisch.

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Nachfrage privater Haushalte am Gütermarkt
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Trotz Preisänderungen bleibt die nachgefragte Menge konstant. Ein solches Nachfragever-
halten ist nur unterhalb einer bestimmten (einkommensabhängigen) Preisobergrenze z. B.
bei lebensnotwendigen Medikamenten oder bei sehr billigen Gütern (z. B. Streichhölzern)
denkbar.
• Eine Nachfragekurve, die parallel zur Mengenachse (Abszisse) verläuft, hat an jeder Stelle
eine Elastizität von unendlich. Die Nachfrage ist in diesem Fall vollkommen elastisch. Es
handelt sich dabei um einen theoretischen
Grenzfall. Zum gegebenen und jedem nied-
rigeren Preis würde eine unendliche Menge p
nachgefragt. Jede Preiserhöhung würde
dagegen die nachgefragte Menge auf null
sinken lassen.
• Eine Nachfragekurve in Form einer gleich-
seitigen Hyperbel, deren Asymptoten die isoelastische
Achsen sind, hat an jeder Stelle eine Elas- Nachfrage
tizität von 1. Die Nachfrage ist in diesem El = 1
Fall isoelastisch. Ein solches Nachfragever-
halten liegt dann vor, wenn sich bei einer
Preisänderung die nachgefragte Menge
genau in dem Umfang ändert, dass die Ge-
samtausgabe für das Gut, die sich aus der
Multiplikation von Preis und Menge ergibt, x
gleich bleibt.

Die praktische Bedeutung der direkten Preiselastizität der Nachfrage liegt u. a. darin,
1.6 dass sie Aussagen darüber zulässt, wie sich beispielsweise eine von mehreren Mineral-
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ölunternehmen gleichzeitig vorgenommene Benzinpreisänderung voraussichtlich auf
den Erlös der Unternehmen auswirken wird. Die mit dem Preis multiplizierte Nach-
fragemenge stellt nämlich einerseits die Ausgaben der Nachfrager und andererseits den
Erlös (Umsatz) der Anbieter dar.

Ausgaben der Nachfrager


= Erlös der Anbieter
= Preis (p) · Menge (x)

Ob als Folge einer bestimm-


ten Preisänderung für Ben-
zin die Ausgaben der Nach-
frager und damit die Erlöse
der Mineralölunternehmen
steigen, sinken oder gleich
bleiben, hängt vom Aus-
maß der durch die Preisän-
derung ausgelösten Nach-
frageänderung und somit
von der direkten Preiselas- Und wir Idioten haben noch nicht mal auf 2,00 € erhöht!
tizität der Nachfrage ab. Dieser Zusammenhang zwischen der Preiselas-
tizität der Nachfrage und den Ausgaben der Konsumenten wird im Fol-
genden anhand des Beispiels von S. 21 und der dort abgeleiteten Formel
Eldir = x · p aufgezeigt.
p x

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Nachfrage privater Haushalte am Gütermarkt
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Zusammenhang zwischen Preiselastizität der Nachfrage, Ausgaben der Nachfrager


1.7 und Erlösen der Anbieter
Seite 34
Elastizität Unelastische Nachfrage Elastische Nachfrage
Preis- Eldir = 1
änderung Eldir < 1 Eldir > 1
Konsumausgaben und Konsumausgaben und Konsumausgaben und
Preissenkung
Erlöse sinken Erlöse konstant Erlöse steigen
Konsumausgaben und Konsumausgaben und Konsumausgaben und
Preiserhöhung
Erlöse steigen Erlöse konstant Erlöse sinken

Für die Anbieter ist eine Preiserhöhung mit dem Ziel einer Erlössteigerung also nur
dann sinnvoll, wenn die Nachfrage unelastisch ist. Um Preiserhöhungen besser durch-
setzen zu können, versuchen die Unternehmen daher, durch absatzpolitische Maßnah-
men (z. B. Werbung, Service) die Nachfrageelastizität für die von ihnen angebotenen
Produkte zu verringern, indem sie dem Verbraucher das Gefühl der Unentbehrlich-
keit dieser Produkte vermitteln. Andererseits lässt sich für die Anbieter eine Ausdeh-
nung der Absatzmenge bei gleichzeitiger Erlössteigerung nur dann erreichen, wenn die
Nachfrage auf eine Preissenkung elastisch reagiert.

1.4.3 Indirekte Preiselastizität der Nachfrage


(Kreuzpreiselastizität)
Die Nachfrage nach einem Gut hängt u. a. auch von den Preisen anderer Güter ab. Für
1.8 die Anbieter von Autos ist es beispielsweise von Interesse, wie sich die Nachfrage nach
Seite 35
Autos ändert, wenn der Benzinpreis z. B. durch eine Erhöhung der Mineralölsteuer auf
Dauer steigt. Das Ausmaß der Nachfrageänderung nach einem Gut als Reaktion auf die
Preisänderung eines anderen Gutes lässt sich mit der indirekten Preiselastizität der
Nachfrage (Kreuzpreiselastizität) messen.

Die indirekte Preiselastizität der Nachfrage (Kreuzpreiselastizität) ist das Verhältnis zwi-
schen der prozentualen Änderung der nachgefragten Menge eines Gutes zur prozen-
tualen Preisänderung eines anderen Gutes. Sie gibt an, um wie viel Prozent sich die
nachgefragte Menge eines Gutes ändert, wenn sich der Preis eines anderen Gutes um
1 % ändert.

x1·100
prozentuale Änderung der Nachfragemenge für Gut 1 x1 x1 p2
ELindir = = = ·
prozentuale Preisänderung für Gut 2 p2 · 100 p2 x1
p2

Dabei bedeuten: Elindir = indirekte Preiselastizität der Nachfrage, p2 = ursprünglicher Preis des
Gutes 2, p2 = Veränderung des Preises p2 in Euro, x1 = ursprüngliche Nachfragemenge des
Gutes 1, x1 = Veränderung der Nachfragemenge von x1 in Stück o. Ä.

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Preiselastizität der Nachfrage
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Autos und Autoreifen sind Komplementärgüter. Sinkt der Preis für Autos, so nimmt die Kap.
1.2.3
Nachfrage nach Autoreifen zu (= Rechtsverschiebung der Nachfragekurve für Autorei-
fen). Preisänderung und Mengenänderung entwickeln sich entgegengesetzt. Daher ist
der Wert für Elindir bei Komplementärgütern negativ.
Butter und Margarine sind Substitutionsgüter. Steigt der Preis für Butter, so nimmt die Kap.
1.2.3
Nachfrage nach Margarine zu (= Rechtsverschiebung der Nachfragekurve für Marga-
rine). Preisänderung und Mengenänderung entwickeln sich gleichgerichtet. Daher ist
der Wert für Elindir bei Substitutionsgütern positiv. Je größer der Wert für Elindir, umso
stärker ist die Konkurrenz zwischen den beiden Substitutionsgütern.

1.4.4 Anwendungsfälle der Nachfrageelastizitäten im Überblick

Elastizität Definition/Wertebereich Anwendung


< 0 → Regelfall (normales Gut)
Eldir x · p
p x > 0 → VEBLEN-Effekt

Elastizitätsbereiche und Extremfälle


Eldir > 1 → elastische Nachfrage
Erlösminderung bei Preis-
erhöhung und umgekehrt
Eldir < 1 → unelastische Nachfrage
Direkte Preiselastizität der
Erlössteigerung bei Preis-
Nachfrage
erhöhung und umgekehrt
Eldir = 1 → isoelastische Nachfrage,
Erlös bleibt konstant bei Preis-
veränderung
Eldir = 0 → vollkommen starre
Nachfrage
Eldir = → vollkommen elastische
Nachfrage
Indirekte Preiselastizität der x1 p2 > 0 → Substitutionsgüter
Elindir = ·
Nachfrage (Kreuzpreis- p2 x1 < 0 → Komplementärgüter
elastizität) = 0 → indifferente Güter
Einkommenselastizität der x y > 0 → superiore Güter
Ely = ·
Nachfrage y x < 0 → inferiore Güter

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Nachfrage privater Haushalte am Gütermarkt
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Fragen zur Wiederholung zu Kapitel 1
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Fragen zur Wiederholung

Kapitel 1 Nachfrage privater Haushalte am Gütermarkt


Kapitel 1.2 Bestimmungsfaktoren der Nachfrage eines einzelnen Haushalts
1 Welche Annahmen liegen der Nachfragetheorie zugrunde?
2 Nennen Sie die wesentlichen Bestimmungsfaktoren der individuellen Nachfrage.
3 Was ist eine individuelle Nachfragekurve?
4 Wie verläuft die normale individuelle Nachfragekurve (Preis-Konsum-Kurve)?
5 Welche Änderung ergibt sich bei normalem Verlauf der individuellen Nachfragekurve
(Preis-Konsum-Kurve), wenn der Preis des Gutes sinkt?
6 Was sind Substitutionsgüter?
7 Wie ändert sich die nachgefragte Menge, wenn der Preis eines Substitutionsgutes steigt?
8 Welche Änderung ergibt sich bei der Nachfragekurve (Preis-Konsum-Kurve), wenn der
Preis eines Substitutionsgutes steigt?
9 Was sind Komplementärgüter?
10 Wie ändert sich die nachgefragte Menge, wenn der Preis eines Komplementärgutes steigt?
11 Welche Änderung ergibt sich bei der Nachfragekurve (Preis-Konsum-Kurve), wenn der
Preis eines Komplementärgutes steigt?
12 Wie ändert sich bei einer Einkommenserhöhung die nachgefragte Menge eines su-
perioren Gutes?
13 Welche Änderung ergibt sich bei der Nachfragekurve (Preis-Konsum-Kurve) eines supe-
rioren Gutes, wenn das Einkommen steigt?
14 Wie ändert sich bei einer Einkommenserhöhung die nachgefragte Menge eines inferi-
oren Gutes?
15 Welche Änderung ergibt sich bei der Nachfragekurve (Preis-Konsum-Kurve) eines infe-
rioren Gutes, wenn das Einkommen steigt?
16 Was sind Sättigungsgüter?
17 Wie können sich Änderungen der Bedürfnisstruktur und der Zukunftserwartungen auf
die individuelle Nachfragekurve auswirken?

Kapitel 1.3 Gesamtnachfrage (Marktnachfrage) für ein Gut


1 Was ist die Gesamtnachfrage (Marktnachfrage)?
2 Nennen Sie Bestimmungsfaktoren der Gesamtnachfrage.
3 Wann kommt es zu einer Bewegung auf der Gesamtnachfragekurve?
4 Welche Ursachen kann eine Rechtsverschiebung der Gesamtnachfragekurve haben?

Kapitel 1.4 Preiselastizität der Nachfrage


1 Was gibt die direkte Preiselastizität der Nachfrage an und wie wird sie berechnet?
2 Was ist unter elastischer, vollkommen elastischer, unelastischer, vollkommen unelasti-
scher und isoelastischer Nachfrage zu verstehen?
3 Wie wirkt sich bei elastischer Nachfrage eine Preiserhöhung auf den Erlös aus?
4 Was gibt die indirekte Preiselastizität der Nachfrage (Kreuzpreiselastizität) an und wie
wird sie berechnet?
5 Wie unterscheiden sich Komplementärgüter und Substitutionsgüter hinsichtlich der
indirekten Preiselastizität der Nachfrage (Kreuzpreiselastizität)?

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Nachfrage privater Haushalte am Gütermarkt
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Aufgaben und Probleme zur Erarbeitung


und Anwendung von Wissen

Kap. Kapitel 1 Nachfrage privater Haushalte am Gütermarkt


1.2.2
1.1 Individuelle Nachfrage
Ein Haushalt wird im Rahmen einer Marktanalyse über den geplanten Verbrauch von Er-
frischungsgetränken in Abhängigkeit vom Preis der Getränke befragt. Die Befragung ergibt
folgendes Ergebnis:
Preis je Einheit (p) 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 0
geplante Verbrauchsmengen in 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
einem bestimmten Zeitraum (xN)

1 Zeichnen Sie die durch die Befragung ermittelten Preis-Mengen-Kombinationen als Punkte
in ein Koordinatensystem ein.

2 Welche Annahmen müssen getroffen werden, wenn die als Punkte dargestellten Preis-
Mengen-Kombinationen zu einer stetigen Nachfragekurve (Preis-Konsum-Kurve) verbun-
den werden sollen?
3 Wie hoch ist im vorliegenden Fall die Sättigungsmenge?
4 Wie hoch ist im vorliegenden Fall der Prohibitivpreis?
5 Als Nachfragefunktion lässt sich der Zusammenhang zwischen Preis und Menge für den
vorliegenden Fall wie folgt darstellen: xN = 10 – p
Woran ist bei dieser Nachfragefunktion ersichtlich, dass ihr ein normales Nachfrageverhal-
ten zugrunde liegt?

1.2 Abhängigkeit der Nachfrage von den Preisen anderer Güter und vom Einkommen
Kap. 1 Einfluss der Preise anderer Güter: Fall 1
1.2.3
1.2.4 a) Erläutern Sie den in der Abb. 1 dargestellten Zusammenhang. Geben Sie an, um welche
Art von Gütern es sich bei x1 und x2 handelt, indem Sie die Beziehung zwischen diesen
beiden Gütern untersuchen.

Abb. 1 Abb. 2

b) Erläutern Sie den Unterschied zwischen den in Abb. 1 und Abb. 2 dargestellten Nachfra-
gekurven. Geben Sie an, wie sich eine Preiserhöhung für Tee auf die in Abb. 2 dargestellte
Nachfragekurve (Preis-Konsum-Kurve) für Kaffee, den Preis für Kaffee sowie die nachge-
fragte Menge nach Kaffee auswirkt.
c) Begründen Sie, wie sich eine Preissenkung für Tee auf die Nachfragekurve für Kaffee
(Abb. 2), den Preis für Kaffee sowie die nachgefragte Menge nach Kaffee auswirkt.

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