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Die Beziehung zwischen Goethe und Schiller ist einzigartig in der

Weltgeschichte.
Sie näherten sich einander von verschiedenen Seiten. Goethe kam
von der Seite Herders und allem, was mit der Einheit von Geist und
Natur verbunden werden konnte, während Schiller von der
kantischen Philosophie und dem Dualismus kam. Außerdem waren
Goethes und Schillers Naturen grundlegend verschieden.
Beide Männer waren tief in der Qualität und konnten sich nur mit
Mühe finden. Und so waren diese beiden großen Genies zu Beginn
ihrer persönlichen Begegnungen ganz und gar nicht in der Lage,
einander zu verstehen.
Es war nach einer Sitzung der Gesellschaft für wissenschaftliche
Forschung im Jahre 1794 - wahrscheinlich im Juli -, als Goethe und
Schiller auf dem Heimweg über den gerade gehörten Vortrag zu
diskutieren begannen. Schiller sagte, dass er nur eine Masse von
isolierten und unzusammenhängenden Eindrücken habe; woraufhin
Goethe bemerkte, dass er sich für sich selbst eine andere Form der
Naturbeobachtung vorstellen könne. Daraufhin entwickelte er seine
Ansichten über die Beziehung aller Lebewesen - wie das ganze
Pflanzenreich als in ständiger Entwicklung befindlich zu betrachten
sei. Mit ein paar charakteristischen Strichen zeichnete Goethe die
Urpflanze, wie sie ihm erschien, auf ein Blatt Papier. "Aber das ist
doch keine Wirklichkeit", wandte Schiller ein, "das ist doch nur eine
Idee." "Nun, wenn das eine Idee ist", erwiderte Goethe, "dann sehe
ich Ideen mit meinen Augen." In dieser Begegnung lässt sich das
Wesen ihres Denkens erkennen. Goethe sah den Geist in der Natur.
Für ihn war das, was der Geist intuitiv erfasst, so real wie das
Sinnliche; für ihn umschließt die Natur den Geist.
Sie arbeiteten so zusammen, dass der Rat des einen immer einen
fruchtbaren Einfluss auf den anderen hatte.
Diese beiden suchten ihre Taten in der Sphäre des Schönen, des
Kunstwerkes. Sie strebten eine Widerspiegelung der höheren
Wirklichkeit, der Natur in der Natur, im Leben durch den schönen
Schein an.
Es lag eine Art von Bescheidenheit, aber verbunden mit einer
wirklichen Größe, in der Beziehung, in der sie zueinanderstanden.
Sie wurden erst durch die Vervollständigung ihrer getrennten
Naturen zu einem Ganzen, und dadurch entstand etwas von neuer
Größe.
Schiller und Goethe geben uns ein Beispiel, wie sich die Größe
gegen das Alltägliche wehren kann, und zeigen uns, was die wahre
Haltung und Haltung einer Freundschaft sein soll, die auf dem
Geistigen ruht. Und beide waren Suchende nach der Wahrheit,
Schiller im Herzen der Menschen, Goethe in der ganzen Natur.

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