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CH-D Wirtschaft 3/2018

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Hendrik Blankenstein
Master in Betriebsökonomie mit
Spezialisierung in Steuerrecht, Partner
DEUTSCHE TÖCHTER
hendrik.blankenstein@taxpartner.ch
SCHWEIZER UNTERNEHMEN:
Bettina Beverungen
LLB (Hons) in Taxation and Law, STEUERPRÜFUNGEN IN
DEUTSCHLAND
Verrechnungspreis-Expertin,Senior Advisor
bettina.beverungen@taxpartner.ch

Tax Partner AG
CH-8001 Zürich
www.taxpartner.ch

Technologie / Knowhow, da das deutsche die meisten Arten von Transaktionen


Tochterunternehmen diese immateriellen keine Vertragspflicht. Dennoch ist die
Wirtschaftsgüter als Teil seiner lokalen Abwesenheit eines gruppeninternen
Geschäftstätigkeiten nutzt. Vertrages nicht hilfreich bei einer BP,
Gruppeninterne Verrechnungen von da dieser – bei einer vertragsmäßigen
Leistungen einer Schweizer Muttergesell- Abrechnung – den Einklang zwischen
schaft an eine deutsche Tochtergesell- der legalen Realität und dem Verhal-
schaft werden oft als Teil einer deutschen ten der Vertragsparteien und somit die
Betriebsprüfung („BP“) geprüft. Untenste- tatsächliche Transaktion darlegt. Eine
hend gehen wir auf einige Kernpunkte ein, nicht schriftlich geregelte Vereinbarung
die bei der Verteidigung der Weiterbelas- zwischen nahestehenden Personen
tungen ggf. mit einbezogen werden können. lässt daher nicht automatisch den Rück-
schluss ziehen, dass die Transak­ tion
2 Verrechnung von Dienstleistungen nicht fremdüblich ist bzw. die Bepreisung
der Transaktion nicht im Einklang mit
Hendrik Blankenstein 2.1 Häufige Ansatzpunkte der BP dem Fremdvergleichsgrundsatz statt-
Folgende Punkte werden häufig als Teil findet, sondern bedeutet lediglich, dass
einer BP hinterfragt: das Verhalten aller involvierten Parteien
– Duplikation von Dienstleistungen: Ein ausschlaggebend ist.
allgemeiner Ansatzpunkt der BP ist
sicherzustellen, dass keine Leistungs- 2.2 Fazit
verdoppelung vorliegt, d. h. dass keine Im Prinzip besteht die entgeltfähige Ver-
Leistungen von der Schweizer Mutter- rechenbarkeit einer Dienstleistung dann,
gesellschaft eingekauft werden, die wenn die Tätigkeit dem jeweiligen Kon-
auch durch die deutsche Tochter selbst zernunternehmen einen wirtschaftlichen
erbracht werden. Häufig sehen wir Fäl- oder kommerziellen Wert verschafft, der
le, in denen die lokalen Dienstleistungen seiner Geschäftsposition förderlich ist.
ergänzend zu den durch die Muttergesell- Dies lässt sich feststellen, indem man
schaft erbrachten Dienstleistungen erfol- prüft, ob ein unabhängiges Unternehmen
gen. Ratsam wäre, unterjährig konkrete unter vergleichbaren Verhältnissen bereit
Beispiele für den Nutzen der Dienstleis- gewesen wäre, diese Tätigkeit zu vergüten,
tungen zu sammeln und zu belegen. wenn sie von einem unabhängigen Unter-
Bettina Beverungen – Standort des Managements: Gerade bei nehmen ausgeübt worden wäre, oder ob
mittelständischen Gruppen mit Haupt- es diese Tätigkeit im eigenen Unterneh-
tätigkeiten in der Schweiz und Deutsch- men als Eigenleistung erbracht hätte.
1 Einführung land ist das Gruppenmanagement oft Oftmals sind die obengenannten Punkte
in beiden Gesellschaften vertreten. Die durch die Anwendung dieses Ansatzes
Als eine Schweizer Gruppe mit Nieder- Weisungsbefugnisse und eigenverant- sowie mit der Untermauerung durch spe-
lassungen u. a. in Deutschland gibt es wortliche Kontrolle des deutschen Ma- zifische Beispiele eines wirtschaftlichen
typischerweise mehrere gruppeninter- nagements kann evtl. Auswirkungen auf Nutzens verteidigbar. Die Höhe des Ge-
ne Leistungs- und Lieferbezüge, die die Transaktion haben mit der Folge, winnaufschlages (bei der Wahl der Kos-
an das deutsche Tochterunternehmen dass evtl. ein größerer Teil der Gesamt- tenaufschlagsmethode) wird meistens
weiterbelastet werden. Viele Schweizer wertschöpfung und die hiermit verbun- nicht hinterfragt.
Mutter­gesellschaften verrechnen sowohl dene Vergütung dem deutschen Unter-
Dienstleistungen (häufig auf einer Kosten­ nehmen zuzuordnen ist. 3 Verrechnung von Lizenzen
aufschlagsbasis auf hierfür angefallene – Verrechnung von Dienstleistungen nicht
Kosten, plus einen fremdüblichen Ge- im Einklang mit dem Vertrag: Deutsch- 3.1 Häufige Ansatzpunkte der BP
winnaufschlag), als auch entgeltfähige land legt grossen Wert auf gruppenin- Folgende Punkte werden häufig als Teil
Lizenzen für die Unternehmensmarke / terne Verträge. Allerdings besteht für einer BP hinterfragt:
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– Markenlizenzierung und Rückhalt im deutsche Finanzverwaltung davon aus, einer umsatzbasierten Lizenz) dem lega-
Konzern: Die Lizenzierung von Marken- dass ein ordentlicher und gewissenhaf- len Eigentümer bzw. der Schweizer Mut-
rechten und Konzernnamen an aus- ter Geschäftsführer eine Lizenz nur bis tergesellschaft zugeordnet werden.
ländische, verbundene Unternehmen zu der Höhe zahlen würden, bei der für Die gruppeninterne Allokation die-
ist häufig ein Fokus der deutschen BP. ihn ein angemessener Betriebsgewinn ser Erträge wird regelmäßig als Teil einer
Diese Entwicklung ist insbesondere mit aus dem lizenzierten Produkt verbleibt. deutschen BP kritisch hinterfragt und es
Blick auf den Konzernnamen relevant, da Die Kombination einer erstellten Daten- wird oft davon ausgegangen, dass das
die Finanzverwaltung die steuerliche Ab- bankstudie sowie einer innerbetrieb- deutschen Unternehmen zu hohe Lizen-
zugsfähigkeit von Lizenzgebühren für die lichen Finanzanalyse sollte ein erster zen zahlt oder selbst einen Teil der Wert-
Nutzung des Firmennamens regelmäßig Ansatzpunkt zur Verteidigung der Höhe schöpfung unternimmt, welches ebenfalls
als nicht vergütungsfähigen Rückhalt der Lizenz bilden. nach der Meinung der BP zu niedrigeren
im Konzern betrachtet. Konzern- und –Abwesenheit eines Lizenzvertrages: Lizenzsätzen führen sollte. Auch in ­ihren
Markennamen stellen allerdings nicht Selbige Kommentare wie unter 2.1 Annahmen beruft sich die BP auf die
ausschließlich einen Rückhalt im Kon- gelten auch für die Abwesenheit eines Anleitung der aktualisierten Verrech-
zern dar und sind unter Umständen ­Lizenzvertrages. nungspreisleitlinien.
verrechenbar. Erfahrungsgemäß wir der Bei allen Lizenzzahlungen in die Schweiz Es ist daher vorteilhaft und emp-
Rückhalt im Konzern bei Inbound-Fällen, sollte die mögliche Anwendung der fehlenswert, die wertschöpfenden Funk-
wie z. B. bei der Inbound-Lizenzierung deutschen Lizenzschranke in Betracht tionen hinsichtlich eines immateriellen
einer Schweizer Marke an eine deutsche ­gezogen werden. Wirtschaftsgutes, bestehend aus der Ent-
Tochter, sehr weit ausgelegt. Gegensätz- wicklung, der Verbesserung, dem Erhalt,
liches ist bei Outbound-Fällen der Fall. 3.2 Fazit dem Schutz und der Verwertung immate-
Dieser gegensätzliche Ansatz sowie ver- Im Prinzip besteht eine verrechnungs­ rieller Werte festzustellen und die Verant-
schiedene Rechtsprechungen können fähige Lizenz, wenn einem immateriellen wortungsaufteilung im Hinblick auf diese
bei der Verteidigung einer entgeltlichen Wirtschaftsgut eine gewisse Werthaltig- Funktionen zwischen der Schweizer Mut-
Markenlizenz genutzt werden. keit zugeordnet werden kann und es von tergesellschaft und der deutschen Toch-
– Gegenrechnung von Werbe- und Marke­ einem oder mehreren Gruppenunter- ter als Teil der bei einer BP eingereichten
tingkosten: Je nach Branche ist es nicht nehmen genutzt wird. Entscheidend ist Verrechnungspreisdokumentation zu be-
unüblich, dass lokale Werbe- und Mar- hierbei die Bestimmung des oder der Un- schreiben, um den jeweiligen Wertschöpf­
ketingfunktionen übernommen und ternehmen, die einen Anspruch auf eine ungsbeitrag hinsichtlich des lizenzierten
die hiermit verbundenen Kosten von Beteiligung an den Erträgen des immate- Wirtschaftsgutes zu erläutern und somit
der Lizenznehmerin getragen werden. riellen Wirtschaftsgutes haben. die Allokation der Vergütung zu verteidigen.
­Typischerweise dienen die Werbe- und Um eine einheitliche Vorgehensweise Werden immaterielle Wirtschafts-
Marketingaktivitäten der Förderung bei der Bestimmung der gruppeninternen güter nicht weiter lizenziert, sondern im
des Produktabsatzes in Deutschland. Allokation der Erträge zu g ­ ewährleisten, Zuge von Unternehmensumstrukturie-
Oft wird von der BP argumentiert, dass enthalten die aktualisierten Verrech- rungen übertragen, sind weitere Regeln
es sich hierbei um den Erhalt bzw. die nungspreisleitlinien eine Schritt-für- zu beachten. Auch hierbei spielt die Ana-
Verbesserung der Marke als Ganzes Schritt Anleitung. Der Startpunkt dieser lyse der Wertschöpfungsbeiträge der rele-
handelt und somit das deutsche Un- Anleitung ist die Etablierung des oder vanten Gruppenunternehmen eine Rolle.
ternehmen einen Teil des Wertschöp- der Unternehmen mit einem legalen Viele Länder haben sogenannte Business
fungsbeitrages übernimmt. Es wird ar- ­Eigentum an dem relevanten, immateri- Restructuring Regeln, wobei insbeson-
gumentiert, dass aufgrund dessen keine ellen Wirtschaftsgut. Die Ermittlung des dere die Verlagerung von immateriellen
volle Lizenz an die Schweiz zahlbar ist Anspruchs auf eine Beteiligung an den Wirtschaftsgütern besteuert wird. Dies-
bzw. das deutsche Unternehmen für die Erträgen erfolgt allerdings auf der Basis bezüglich gibt es in Deutschland zwei Be-
Erbringung von Werbe- und Marketing- des Wertschöpfungsbeitrages (d.  h. der sonderheiten: Deutschland hat spezielle
dienstleistungen für die Schweizer Mut- tatsächlichen Verantwortung) des jeweili- Funktionsverlagerungsvorschriften, nach
tergesellschaft zu vergüten ist. gen Gruppenunternehmens – d. h. auf der denen eine etwaige Funktionsverlagerung
– Anpassungen der Höhe der Lizenz: Sei- Basis der Substanz der Transaktion. Nur dem Grunde und gegebenenfalls der Höhe
tens der BP wird oft auch als pauscha- sofern der legale Eigentümer (üblicher- nach festgestellt werden muss. Ferner
les Argument genannt, dass die Entgelte weise die Schweizer Muttergesellschaft) können Änderungen einer Geschäftsstra-
der Lizenz zu hoch sind. Hierbei beruft auch alle wertschöpfenden Funktionen tegie inkl. einer Funktionsverlagerung,
sich die BP häufig auf die nicht allge- hinsichtlich des immateriellen Wirt- einen außergewöhnlichen Geschäftsvor-
­
mein zugängliche Lizenzkartei des Bun- schaftsgutes ausführt, kann die Ganzheit fall darstellen, welcher zeitnah zu doku-
desamtes für Steuern. Ferner geht die des Ertrages (üblicherweise in der Form mentieren ist.

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