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Gedichtvergleich

Reisegedicht – Reisesegen

Es ist ein Segen keine Geld Sorgen in seinem Leben zu haben. In vielen Fällen kann Geld eine
Türe für Dinge öffnen, wie es keine andere Sache kann. Egal ob es Bekleidung, Essen,
Trinken Hobbys oder Reisen sind. Auf den letzten Aspekt bezieht sich der Künstler Joachim
Ringelnatz, welcher von 1883 bis 1934 lebte, in seinem Gedicht mit dem Titel Reisegedicht.
Im Werk bezieht der Autor sich auf den wirtschaftlichen Faktor des Reisens und im
Besonderen auf den der Kosten. Bezahlt wird lediglich für Erfahrungen und der
Befriedigungen des Triebes für das Entdecken neuer Orte.
Der oben genannte Segen kommt im zweiten Gedicht von Ulla Hahn, welche 1934 geboren
wurde, in dem Titel Reisesegen zum Ausdruck. Hier ist nun allerdings kein materieller Segen
gemeint, sondern mehr einer der mit Nähe, Zuneigung und Lieb zu tun hat. Der Reisesegen
bezieht sich hierbei auf einen Lebensgefährten des Lyrischen Ichs, mit der er die Hindernisse
des Lebens und einer Beziehung überstehen soll.
Das Gedicht von Ringelnatz hat vier Strophen mit je vier Versen. Das Reimschema sind
durchgehende Kreuzreime (abab) in allen 4 Strophen und das Reimschema beläuft sich auf
einen Jambus. Hierbei ist noch zu erwähnen, dass sich die Kadenzen zwischen einer
weibliche und einer männlichen regelmäßig in jedem Vers abwechseln.
Das Werk von Ulla Hahn ist Reim und Strophenlos. Es besteht hier kein durchgehendes
Metrum und die Betonung der einzelnen Silben gehen über die Strophengrenzen hinaus.
Somit wird ein vorantreibendes Gefühl assoziiert, welches sich mit dem vom lyrischen Ich
geäußerten Imperativ deckt. Zudem sind durch das nicht vorhandene Metrum keine
Kadenzen im Werk erkennbar.
Nun kommen wir zur Interpretation des ersten Gedichts. Das lyrische Ich in dem Werk
,,Reisegedicht” bringt durch eine Hyperbel (V.1-2: ,,Es gibt der ... zu preisen”) zum Ausdruck
wie sehr es seine Heimat liebt. Trotzdem muss es verreisen, da es eine Sehnsucht verspürt
(V.6: ,,Folgt seiner Sehnsucht in die Weite”) zu gehen um Länder, Kulturen und Sitten
kennenzulernen. Diese Sehnsucht ist entstanden, weil schon lange keine Reise mehr
sattgefunden hat (V.5: ,,Meine Reisekoffer frisch entstaubt”) und bringt durch eine
Repetition (V.4: ,,Adieu! Adieu!) zum Ausdruck wie stark diese ist. Reisen mit dem Zug
kommt heutzutage selten vor. Zumeist reisen die Menschen mit dem Auto, Bus, Flugzeug
oder in großen Gruppen sogar mit dem Bus. Daher ist erkennbar, dass das Reisen hier aus
einer früheren Zeit stammt (V.3: ,,Um zehn Uhr vierzig geht mein Zug”). Das dies hier keine
modernen Züge sind kann aus Vers Neun entnommen werden, weil in der Neuzeit keine
Züge mehr mit Kohle zum Einsatz kommen. Die Erlaubnis des Koffers (V. 7-8: ,, Und hat mir
… unterwegs begleite”) sie zu begleiten, weist auf eine Personifikation und daraufhin, dass
das lyrische Ich Einsam ist und alleine reisen muss. Zudem symbolisiert es eine rechte
Unsicherheit zu gehen, da sie Bestätigung bei einer Sache sucht, die kein Urteilsvermögen
besitzt. Der wirtschaftliche Aspekt spielt in dem Werk die Größte Rolle. Das Gedicht stellt
eine Art Checkliste dar, für was es alles Geld ausgeben muss beziehungsweise was es alles
benötigt wird für die Reise. Beispiele hierfür wären Zugticket (V.3), Reisekoffer (V.5), Kohle
und Benzin (V.9) und Ansichtskarten (V.12). Das lyrische Ich weiß das es ohne Hilfsmittel
(V.9-10: ,,Und Sehnsucht, Kohle … Fremdes treiben) nicht weitkommt. Es sieht die
Sehnsucht ähnlich wie Kohle und Benzin. Während nämlich Kohle für den Zug und Benzin für
das Auto benötigt werden, assoziiert es die Sehnsucht als Treibstoff für sich selbst weg von
seinem geliebten zu Hause zu gehen. In der letzten Strophe hat es dann den Punkt erreicht
wo es losgeht und sich von seinem zu Hause verabschiedet (V.13). Es hat allerdings keine
Stadt oder Ort als Ziel, sondern die reine Erfüllung seiner Sehnsucht (V.15). Was ihm aber
klar ist, ist dass er zurück zu einer geliebten Heimat kommen wird.
Kommen wir nun zur Interpretation des Werks ,,Reisesegen”. Das Fahren (Z.1) auf der
Straße (Z.4) wirkt hier vorerst wie eine Physische Reise mit dem Auto oder Bus. Allerdings
benutzt man hier die Reiße als Symbol für eine Beziehung. Mit dem Zitat (Z.1-2: ,,Spring
nicht ab”) drückt das Lyrische Ich aus, dass ihr Lebensgefährte in der Reise der Beziehung
diese nicht beenden soll. Grund dafür sind die Hindernisse (Z.2-4: ,,weils zu schnell …
Straßen eben) die durch Symbole einer physischen Reise dargestellt werden. Das lyrisch Ich
meint das es noch eine Chance gibt, da die Basis für eine gesunde Beziehungen noch da ist
(Z.4: noch fest reißende Flüsse sind). Es ist der Meinung das sich ihr Lebensgefährte nicht
der Aufgabe und den Hindernissen einer Beziehung stellen möchte und appelliert an ihn, die
Fortschritte in der Beziehung nicht wegzuwerfen (Z.5-7: ,,Weils dir schöner … der Zeit). Das
lyrische Ich sagt das sie beide zusammen alles schaffen können und ihr Verhältnis wieder in
die richtige Spur bekommen (V. 8-9: ,,Glaub mir wir... Richtung vorwärtskommen). Die Angst
des Lebensgefährten ist überflüssig, da das lyrische Ich durch eine Metapher mit dem Ziel
das Ende der Beziehung meint und dieses niemals erreicht werden wird (Z.9-10: ,, Hab keine
Angst … ans Ziel).

Die beiden Gedichte unterscheiden sich in Inhaltlichen sowie in Formellen Merkmalen.


Während es in dem ,,Reisegedicht” sich um eine Reise zur Befriedigung der Sehnsucht mit
der Aufzählung aller wirtschaftlicher Mittel handelt, geht es in ,,Reisesegen” um die
Geborgenheit einer Beziehung in der einer um den anderen kämpft. Was allerdings
zusammenpasst ist, dass jede Partei unglücklich ist. Das Reisegedicht ist unglücklich, weil er
seine Heimat verlässt und Sehnsucht in die Ferne hat. Das lyrische Ich das um seinen
Lebenspartner kämpft ist unglücklich, weil sein Partner abgeneigt von der Beziehung ist und
der Lebensgefährte ist unglücklich in der Beziehung. Formell sind dies auch 2 völlig
unterschiedliche Gedichte. Während das erste Gedicht in Versen und Strophen strukturiert
ist, ein Metrum besitzt, ein Reimschema hat und Kadenzen vorhanden sind, ist das zweite
Gedicht Strukturlos in einer Art kurzen Fließtext geschrieben, besitzt kein Metrum, kein
Reimschema, und keine Kadenzen. Der einzige sprachliche Punkt ist das beide sich an
rhetorischen Mitteln bedienen, während das erste Werk sich eher an Mitteln bedient
welche Begriffe bestärken und das zweite Werk an Mitteln bedient, welche den Sinn des
kompletten Gedichts verändert.
Meiner Meinung nach haben die Autoren zwei komplett unterschiedliche Gedichte verfasst
zu unterschiedlichen Epochen. Sie vermitteln allerdings beide eine gute Message an den
Leser. Einerseits, das wenn man Sehnsucht verspürt auch mal seine Heimat loslassen muss
und andererseits, um eine Beziehung zu kämpfen, wenn sie einem wichtig ist. Die Sehnsucht
und die Liebe sind auch Zwei Themen, die in der Gesellschaft immer einen hohen
Stellenwert haben werden, weshalb diese Gedichte Zeitlos sind.

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