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Mechanische

Verbindungsmittel
Martin Czysch
Abteilung Qualitätssicherung
Tel.-Nr.: 0203 3781 498
E-Mail: czysch@slv-duisburg.de
Einführung in die EN 1090-2
Mechanische Verbindungsmittel

EN 15048-1
Garnituren für nicht planmäßig vorgespannte
Schraubenverbindungen
für den Metallbau

EN 14399-1
Hochfeste planmäßig vorspannbare
Schraubenverbindungen für den
Metallbau

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EN 15048-1
Garnituren, nicht planmäßig vorgespannt

Mechanische Eigenschaften der Komponenten


einer Garnitur

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EN 15048-1
Garnituren, nicht planmäßig vorgespannt

Mechanische Eigenschaften der Garnitur

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EN 15048-1
Garnituren, nicht planmäßig vorgespannt

Kennzeichnung der Schrauben/Muttern


Schrauben oder Stiftschrauben nach dieser Europäischen
Norm sind zu kennzeichnen mit:
− der Festigkeitsklasse nach EN ISO 898-1 oder
EN ISO 3506-1,
− dem Zeichen des Herstellers der Garnitur und
− dem Sonderkennzeichen „SB“ (für Structural Bolting).

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EN 15048-1
Garnituren, nicht planmäßig vorgespannt

Kennzeichnung der Scheiben

Scheiben ohne besondere Kennzeichnung dürfen verwendet


werden, da diese von untergeordneter Bedeutung für die
Scher- oder Zugfestigkeit der Garnituren sind.
Ausnahme:
Scheiben mit 300 HV – 370 HV:

Kennzeichnung H

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EN 15048-1
Garnituren, nicht planmäßig vorgespannt

Lieferbedingungen
Garnituren sind nach einer der folgenden
Alternativen zu liefern:
a) Schrauben, Muttern und Scheiben werden von einem
einzigen Hersteller geliefert. Die Elemente einer Garnitur
müssen in einem Paket zusammengepackt sein, das mit
der Los-Nummer der Garnitur und dem Kennzeichen des
Herstellers beschriftet ist.

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EN 15048-1
Garnituren, nicht planmäßig vorgespannt

Lieferbedingungen
b) Schrauben, Muttern und Scheiben werden von einem
einzigen Hersteller geliefert. Jede Komponente muss in
separaten Paketen verpackt sein, die mit der
Herstellungslos-Nummer der Komponenten und dem
Kennzeichen des Herstellers beschriftet sind. Die
Komponenten einer Garnitur sind innerhalb der
Liefermenge eines Gewinde-Nenndurchmessers frei
austauschbar.

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EN 15048-1
Garnituren, nicht planmäßig vorgespannt

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EN 15048-1
Garnituren, nicht planmäßig vorgespannt

Jede Garnitur muss


mindestens „handfest“ angezogen
werden
Unter dem Begriff „handfest“ kann im Allgemeinen der
Zustand verstanden werden, der von einer Person mit einem
Schraubenschlüssel normaler Größe ohne Verlängerung
erreicht werden kann. Er kann auch als der Arbeitspunkt
angesetzt werden, an dem ein Schlagschrauber zu hämmern
beginnt.

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EN 15048-1
Garnituren, nicht planmäßig vorgespannt

Jede Garnitur muss


mindestens „handfest“ angezogen
werden
Die verbundenen Teile sind so zusammenzuziehen, dass sie
eine weitgehend flächige Anlage erreichen.
Zwischenlagen dürfen eingesetzt werden:
Wenn im mittigen Bereich der Verbindung ein Anliegen der
Kontaktflächen erreicht wird und kein Kontaktstoß festgelegt
ist, dürfen bis zu 4 mm große Spalte zwischen den Kanten
verbleiben.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

EN 14399-1
Hochfeste planmäßig vorspannbare
Schraubenverbindungen für den
Metallbau–

Teil 1: Allgemeine Anforderungen

Teil 2: Prüfung der Eignung zum Vorspannen

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

EN 14399-1
Teil 3: System HR –Garnituren aus
Sechskantschrauben und -muttern

Teil 4: System HV –Garnituren aus


Sechskantschrauben und -muttern

Teil 5: Flache Scheiben

Teil 6: Flache Scheiben mit Fase


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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

EN 14399-1
Teil 7: System HR –Garnituren aus Senkschrauben
und Muttern
Teil 8: System HV –Garnituren aus Sechskant-
Passschrauben und Muttern
Teil 9: System HR oder HV –Direkte Kraftanzeiger
für Garnituren aus Schrauben und Muttern
Teil 10: System HRC –Garnituren aus Schrauben
und Muttern mit kalibrierter Vorspannung

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Einleitung
Es werden unterschiedliche Systeme (HR und HV) für die
Garnituren aus Schrauben, Muttern und Scheiben benutzt,
siehe Tabelle 1. Beide Systeme sind gut bewährt und die
Entscheidung für eines der beiden Systeme bleibt den
verantwortlichen Sachverständigen im Metallbau über-
lassen.

Die Systeme HRC und DTI werden durch den deutschen


nationalen Anhang ausgeschlossen.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Einleitung

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Einleitung
Für die Funktion der Garnitur ist es jedoch wichtig,
Verwechslungen der Komponenten beider Systeme zu
vermeiden.

Aus diesem Grund sind die Schrauben und Muttern der


beiden Systeme jeweils in einem eigenen Teil dieser
Europäischen Norm genormt und die Kennzeichnung der
Komponenten desselben Systems erfolgt einheitlich.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Einleitung
Vorgespannte Schraubenverbindungen reagieren sehr
empfindlich auf Unterschiede in der Herstellung und
Schmierung. Es ist deshalb wichtig, dass die Garnitur von
einem einzigen Hersteller geliefert wird, der stets für die
Funktion der Verbindung verantwortlich ist.

Aus dem gleichen Grund ist es wichtig, dass das Aufbringen


von Überzügen auf die Komponenten unter der Aufsicht des
Herstellers erfolgt.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

k-Klassen K2

Anspruchsvollste Klasse

Spezifischer Wert wird für das jeweilige Los bei jeder


Lieferung vom Hersteller mitgeliefert

Es gilt: 0,10 ≤ km ≤ 0,23


Vk ≤ 0,10

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

k-Klassen K1

Hersteller garantiert, dass seine individuellen Prüfwerte ki


innerhalb eines zulässigen Streubandes liegen

Keine Statistik für jedes Los erforderlich

Es gilt: 0,10 ≤ ki ≤ 0,16

Vereinfacht wird mit ki = 0,13 gerechnet

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

k-Klassen K0

Einfachste Klasse

Hersteller stellt lediglich sicher, dass die Garnitur überhaupt


geschmiert ist

Für vorgespannte Verbindungen in Deutschland nicht


relevant

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig voll vorgespannter Schrauben

Fp,C Vorspannkraft

Mr,i = km * d * Fp,C

Mr,i Anzugsmoment

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Lieferbedingungen
Die Garnituren sind nach einer der folgenden Alternativen zu
liefern:

a) Schrauben, Muttern und Scheiben werden von einem


einzigen Hersteller geliefert. Die Elemente einer Garnitur
sind in einem Paket zusammengepackt, das mit der Los-
Nummer der Garnitur und dem Kennzeichen des
Herstellers beschriftet ist.

Dies gilt insbesondere für Garnituren entsprechend k-Klasse K2

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Lieferbedingungen
b) Schrauben, Muttern und Scheiben werden von einem
einzigen Hersteller geliefert. Jede Komponente ist in
separaten Paketen verpackt, die mit der Herstellungslos-
Nummer der Komponenten und dem Kennzeichen des
Herstellers beschriftet sind.

Die Komponenten einer Garnitur sind innerhalb der Liefer-


menge eines Gewinde-Nenndurchmessers frei austauschbar

Nicht für die K-Klasse K2 zugelassen!!!

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hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Kennzeichnung
Alle Komponenten, die in Garnituren für hochfeste
Schraubenverbindungen im Metallbau verwendet werden
und die für das Vorspannen geeignet sind, sind mit dem
Herstellerzeichen des Herstellers der Garnitur und mit dem
Buchstaben H zu kennzeichnen.

Zusätzliche Buchstaben, die das System kennzeichnen


(z. B. R für HR oder V für HV), sind bei Schrauben und
Muttern dem Buchstaben H hinzuzufügen.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Kennzeichnung
Alle Komponenten einer Garnitur müssen mit dem gleichen
Herstellerzeichen gekennzeichnet werden.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

HR
Die Garnituren aus Schrauben und Muttern, …., wurden so
gestaltet, dass sie ein Vorspannen auf mindestens
0,7 fub × As, in Übereinstimmung mit DIN EN 1993-1-8
(Eurocode 3) erlauben, und dass sie ihr Verformungs-
vermögen vorwiegend durch plastische Verlängerung der
Schraube erreichen.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

HV
Die Garnituren aus Schrauben und Muttern, …., wurden so
gestaltet, dass sie ein Vorspannen auf mindestens
0,7 fub × As , in Übereinstimmung mit DIN EN 1993-1-8
(Eurocode 3) erlauben, und dass sie ihr Verformungs-
vermögen vorwiegend durch plastische Verformung der
gepaarten Gewinde erreichen.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

HR Beispiel :
EN 14399-3 - M20 x 100 – 10.9/10 - HR

min ls = 41,5
max lg = 54

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

HV Beispiel :
EN 14399-4 - M20 x 100 – 10.9/10 - HV

min ls = 59,5
max lg = 67

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

HR + HV - Zugehörige Scheiben
Garnituren aus Schrauben und Muttern, die diesem
Dokument entsprechen, müssen mit Scheiben nach
EN 14399-6 oder nach EN 14399-5 (nur unter der Mutter)
verbaut werden.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Länge der Schrauben


Die Schraubenlänge muss so gewählt werden, dass nach
dem Anziehen die folgenden Anforderungen an den
Gewindeüberstand des Schraubengewindes über die Mutter
und an die Gewindelänge erfüllt sind.

Die Länge des Gewindeüberstandes muss mindestens einen


Gewindegang betragen, gemessen von der Mutternaußen-
seite zum Schraubenende.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Länge der Schrauben

Bei nicht planmäßig vorgespannten Schrauben muss


mindestens ein vollständiger Gewindegang
(zusätzlich zum Gewindeauslauf) zwischen der Auflagefläche
der Mutter und dem gewindefreien Teil des Schrauben-
schaftes sein.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Länge der Schrauben

Bei planmäßig vorgespannten Schrauben nach EN 14399-3


(HR) müssen mindestens vier vollständige Gewindegänge
(zusätzlich zum Gewindeauslauf) zwischen der Auflagefläche
der Mutter und dem gewindefreien Teil des Schrauben-
schaftes sein.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Länge der Schrauben

!
Bei planmäßig vorgespannten Schrauben nach
EN 14399-4 (HV) muss die Klemmlängen mit den in Tabelle
A.1 von EN 14399-4:2005 festgelegten übereinstimmen.

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

„nicht planmäßig vorgespannt“

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

Jede Garnitur muss


mindestens „handfest“ angezogen
werden

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EN 14399-1 ff
hochfeste Garnituren, planmäßig vorspannbar

„planmäßig voll vorgespannt“

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig voll vorgespannter Schrauben

Allgemeines
Sofern nichts anderes festgelegt wird, ist für den Nennwert
der Mindestvorspannkraft Fp,C anzusetzen:
fub: Zugfestigkeit
As : Spannungsquerschnittsfläche

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig voll vorgespannter Schrauben

Sofern keine Einschränkungen hinsichtlich der Anwen-


dung vorliegen, kann jedes der in Tabelle 20 angege-
benen Anziehverfahren eingesetzt werden. Die k-Klasse
der Garnituren (Kalibrierung im Anlieferungszustand)
muss Tabelle 20 entsprechen.

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig voll vorgespannter Schrauben

Die Referenz-Drehmomente Mr,i , für die


Mindestvorspannkraft Fp,C werden für jede Schraube-
Mutter-Kombination bestimmt:
a) Werte, basierend auf einer nach EN 14399 deklarierten
k-Klasse:
1) Mr,2 = km * d * Fp,C mit km für k-Klasse K2.
2) Mr,1 = km * d * Fp,C mit km für k-Klasse K1.
b) Werte, ermittelt nach Anhang H:
1) Mr,test = Mm, wobei Mm nach der für das
einzusetzende Anziehverfahren maßgebenden
Vorgehensweise bestimmt wird.

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig voll vorgespannter Schrauben

Kombiniertes Vorspannverfahren
Das Anziehen mittels kombiniertem Vorspannverfahren
besteht ebenfalls aus zwei Schritten:

1. Anziehschritt:
Der Drehschrauber wird auf ein Anziehmoment von etwa
0,75 Mr,i eingestellt, wobei Mr,i = Mr,2 oder Mr,1 oder Mr,test
entspricht.
Dieser erste Anziehschritt muss für alle Schrauben in
einer Verbindung vollständig durchgeführt sein, bevor mit
dem zweiten Anziehschritt begonnen wird;
Sofern nichts anderes festgelegt wird, darf
Mr,1 = 0,13 d Fp,C vereinfachend angesetzt werden.

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig voll vorgespannter Schrauben

Kombiniertes Vorspannverfahren
Das Anziehen mittels kombiniertem Vorspannverfahren
besteht ebenfalls aus zwei Schritten:

2. Anziehschritt:
Ein festgelegter Weiterdrehwinkel wird auf den gedrehten
Teil der Garnitur aufgebracht.
Die Lage der Mutter relativ zum Schraubengewinde muss
nach dem ersten Anziehschritt mittels Markierkreide oder
Markierfarbe gekennzeichnet werden, so dass der
Weiterdrehwinkel der Mutter relativ zum
Schraubengewinde in diesem zweiten Anziehschritt leicht
bestimmt werden kann.

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig voll vorgespannter Schrauben

Kombiniertes Vorspannverfahren
Der zweite Anziehschritt muss in Übereinstimmung mit den in
Tabelle 21 angegebenen Werten durchgeführt werden,
sofern nichts anderes festgelegt wird.

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig voll vorgespannter Schrauben

Beispiel:
Fpc aus Tab 19 1090-2 für M16 10.9
Fpc = 110 kN

Kombiniertes Vorspannverfahren für Klasse K2 und K1


zugelassen
Mr2 = km · d · Fpc bsp: km = 0,13; bei K1 kann vereinfacht
0,13 verwendet werden
Mr2 = 229 Nm
Im ersten Anziehschritt 75 %

1. Anziehschritt: 172 Nm

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig voll vorgespannter Schrauben

Beispiel:
2. Anziehschritt:

Weiterdrehwinkel von 60°, 90° oder 120° abhängig vom


Verhältnis der Schraube zur Bauteildicke

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig voll vorgespannter Schrauben

Kombiniertes Vorspannverfahren

Markierung z. B. nach einer ¼ Drehung

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig voll vorgespannter Schrauben
K-Faktor
0,13
Voranziehmoment
8.8 1090 10901,1 gem. 1090 gem. 1090 (75%)
Maße Fpc Ma nach 1090 Ma 1090 *1,1 0,75*Ma
12 47 73 81 55
16 88 183 201 137
20 137 356 392 267
22 170 486 535 365
24 198 618 680 463
27 257 902 992 677
30 314 1225 1347 918
36 458 2143 2358 1608

K-Faktor
0,13
Voranziehmoment
10.9 1090 10901,1 gem. 1090 gem. 1090 (75%)
Maße Fpc Ma nach 1090 Ma 1090 *1,1 0,75*Ma
12 59 92 101 69
16 110 229 252 172
20 172 447 492 335
22 212 606 667 455
24 247 771 848 578
27 321 1127 1239 845
30 393 1533 1686 1150
36 572 2677 2945 2008

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig nicht voll vorgespannter Schrauben

Allgemeines
Nationaler Anhang DIN EN 1993-1-8 NA
Für die Vorspannung als Qualitätssicherungsmaßnahme und
für nicht vollvorgespannte Verbindungen der Kategorie E darf
eine Vorspannkraft von bis zu
fyb: Streckgrenze
As : Spannungsquerschnittsfläche

angesetzt werden.
Diese kann mit folgenden Vorspannverfahren aufgebracht
werden:

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig nicht voll vorgespannter Schrauben

Drehimpulsverfahren
(EN 1993-1-8 NA.A.2)

Die Garnituren müssen mit Hilfe eines vorher auf geeignete


Art und Weise eingestellten Impuls- oder Schlagschraubers
angezogen werden.

Soll die Regelvorspannkraft Fp,C* nach Spalte 2 von Tabelle


NA.A.1 bzw. Tabelle NA.A.2 vorgespannt werden, so muss
der Schrauber auf den um 10 % höheren Vorspannkraftwert
Fv,DI nach Spalte 3 von Tabelle Na.A.1 bzw. Spalte 4 von
Tabelle Na.A.2 eingestellt werden

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig nicht voll vorgespannter Schrauben

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig nicht voll vorgespannter Schrauben

Modifiziertes Drehmomentverfahren
(EN 1993-1-8 NA.A.3)

Das Vorspannen der Garnituren erfolgt nach


DIN EN 1090-2 8.5.3 mit folgenden Modifizierung:

Der erste Anziehschritt kann beliebig gewählt werden. Soll


auf die Regelvorspannkraft Fp,C* nach Spalte 2 von Tabelle
NA.A.1 bzw. Tabelle NA.A.2 vorgespannt werden, so muss
im zweiten Anziehschritt das in Spalte 4 dieser Tabellen
angegebene Anziehmoment MA aufgebracht werden.

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig nicht voll vorgespannter Schrauben

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig nicht voll vorgespannter Schrauben

Modifiziertes kombiniertes Vorspannverfahren


(EN 1993-1-8 NA.A.4)

Das Vorspannen der Garnituren erfolgt nach DIN EN 1090-2


8.5.4 mit folgenden Modifizierung:

Das im ersten Anziehschritt aufzubringende Anziehmoment


MA,MKV ist in Spalte 5 von Tabelle NA.A.2 zu entnehmen.
Das Anziehen kann mit Hilfe eines der vorigen
beschriebenen Verfahren erfolgen.

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig nicht voll vorgespannter Schrauben

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig nicht voll vorgespannter Schrauben

Modifiziertes kombiniertes Vorspannverfahren


(EN 1993-1-8 NA.A.4)

Der im zweiten Anziehschritt aufzubringende Weiterdreh-


winkel ist Tabelle NA.A.3 zu entnehmen.

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Einführung in die EN 1090-2
Anziehen planmäßig nicht voll vorgespannter Schrauben

K-Faktor
0,13
Voranziehmoment
8.8 1993-1-8 NA 1090aus Tab NA.A.1 10901,1 gem. 1090 1993-1-8 NA gem. 1090 (75%)
Maße Fpc* Fpc Ma* Ma nach 1090 Ma 1090 *1,1 0,75*Ma* 0,75*Ma
12 35 47 70 73 81 55
16 70 88 170 183 201 137
20 110 137 300 356 392 267
22 130 170 450 486 535 365
nicht vorgesehen
24 150 198 600 618 680 463
27 200 257 900 902 992 677
30 245 314 1200 1225 1347 918
36 355 458 2100 2143 2358 1608

K-Faktor
0,13
Voranziehmoment Voranziehmoment
10.9 1993-1-8 NA 1090aus Tab NA.A.2 10901,1 gem. 1090 aus Tab NA.A.2 gem. 1090 (75%)
Maße Fpc* Fpc Ma* Ma nach 1090 Ma 1090 *1,1 0,75*Ma* 0,75*Ma
12 50 59 100 92 101 70 69
16 100 110 250 229 252 170 172
20 160 172 450 447 492 300 335
22 190 212 650 606 667 450 455
24 220 247 800 771 848 600 578
27 290 321 1250 1127 1239 900 845
30 350 393 1650 1533 1686 1200 1150
36 510 572 2800 2677 2945 2100 2008

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Mechanische Verbindungsmittel

Kontrolle und Prüfung planmäßig vorgespannter


Verbindungen
Abnahmekriterien und Korrektur gem. QM-Plan z. B.:
Kontrolle vor dem Anziehen
Sichtprüfung (100 %) vor dem Beginn des Vorspannens, nach dem
Verschrauben (ausgerichtetes Bauwerk)
- Typ und Festigkeitsklasse, Garniturenlos,
- Klemmlänge, Überstand
- richtige Montage (Mutter, Scheiben)
- Nennwert der Mindestvorspannkraft Fp,C
- Anziehverfahren,
- k-Klasse (Kalibrierung im Anlieferzustand)
- Spalte, Dickenunterschied in der gleichen Lage
- Kalibrierung des Anziehgerätes (Gerätenummer)
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Einführung in die EN 1090-2
Mechanische Verbindungsmittel

Kontrolle und Prüfung planmäßig vorgespannter


Verbindungen
− Drehmomentverfahren: ± 4 %

− Jedes Anziehgerät ist nach EN ISO 6789 zu warten; im Falle


von pneumatischen Anziehgeräten ist das Gerät jedes Mal,
wenn Schlauchlängen geändert werden, zu überprüfen.

− Bei Anziehgeräten, die im ersten Anziehschritt des kombinierten


Vorspannverfahrens eingesetzt werden, gelten diese
Anforderungen geändert auf ± 10 % Genauigkeit und jährliche
Wiederholungen.

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Einführung in die EN 1090-2
Mechanische Verbindungsmittel

Kontrolle und Prüfung planmäßig vorgespannter


Verbindungen
Kontrolle während und nach dem Anziehen
Kombiniertes Vorspannverfahren:
EXC2:
- 5 % beim zweiten Anziehschritt (Winkel)

EXC3 und EXC4:


- 5 % beim ersten Anziehschritt (0,75 x Mr)
- 10 % beim zweiten Anziehschritt (Winkel)

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Einführung in die EN 1090-2
Mechanische Verbindungsmittel

Kontrolle und Prüfung planmäßig vorgespannter


Verbindungen
Kontrolle während und nach dem Anziehen
(alle Anziehverfahren mit Ausnahme HRC)
sofern nichts anderes festgelegt wird, muss die Kontrolle mit
Hilfe eines sequentiellen Stichprobenplans ….. durchgeführt
werden,

EXC2 und EXC3: sequentieller Typ A

EXC4: sequentieller Typ B

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Mechanische Verbindungsmittel

Kontrolle und Prüfung planmäßig vorgespannter


Verbindungen
Kontrolle während und nach dem Anziehen
EXC2 und EXC3: sequentieller Typ A ;
min. 5, max. 16 Verbindungen

Rückweisungsbereich

Annahmebereich

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Einführung in die EN 1090-2
Mechanische Verbindungsmittel

Kontrolle und Prüfung planmäßig vorgespannter


Verbindungen
Kontrolle während und nach dem Anziehen
EXC4: sequentieller Typ B
min. 14, max. 40 Verbindungen
Rückweisungsbereich

Annahmebereich

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Einführung in die EN 1090-2
Mechanische Verbindungsmittel

Kontrolle und Prüfung planmäßig vorgespannter


Verbindungen
Kontrolle während und nach dem Anziehen
(alle Anziehverfahren mit Ausnahme HRC)
bei der Kontrolle des abschließenden Anziehens ist die gleiche
Garnitur für die Überprüfung zu verwenden, sowohl in Bezug auf
zu geringes Anziehen und, falls erforderlich, auf Überanziehen;

ergibt die Kontrolle eine „Rückweisung“, müssen alle Garnituren in


der Schrauben-Untergruppe überprüft werden, und Korrektur-
maßnahmen müssen erfolgen. Falls das Kontrollergebnis bei
Anwendung des sequentiellen Typs A negativ ist, kann die
Kontrolle auf den sequentiellen Typ B erweitert werden;

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Einführung in die EN 1090-2
Mechanische Verbindungsmittel

Kontrolle und Prüfung planmäßig vorgespannter


Verbindungen
Kontrolle während und nach dem Anziehen
zusätzlich beim kombinierten Vorspannverfahren:
Bei EXC3 und EXC4 muss der erste Anziehschritt vor dem
Markieren unter Verwendung der gleichen Anziehbe-
dingungen wie zum Erreichen des 75 %-Zustandes überprüft
werden. ± 10 % Genauigkeit des Anziehgerätes
ausreichend.

Eine Schraube, die sich beim Aufbringen des Kontrollan-


ziehmoments um mehr als 15° weiterdreht, wird als
fehlerhaft bewertet und muss erneut angezogen werden..

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Mechanische Verbindungsmittel

Kontrolle und Prüfung planmäßig vorgespannter


Verbindungen
Kontrolle während und nach dem Anziehen zusätzlich beim
kombinierten Vorspannverfahren:
Vor Beginn des zweiten Anziehschritts müssen die Markierungen aller
Muttern relativ zu den Schraubengewinden einer Sichtprüfung
unterzogen werden. Fehlende Markierungen sind zu ergänzen.

Nach dem zweiten Anziehschritt müssen die Markierungen anhand der


folgenden Anforderungen kontrolliert werden:
a) ist der Drehwinkel um mehr als 15° kleiner als der festgelegte Wert,
muss der Drehwinkel korrigiert werden;
b) ist der Drehwinkel um mehr als 30° über dem festgelegten Wert, oder
tritt Schrauben- oder Mutternversagen auf, muss die Garnitur durch
eine neue ersetzt werden.

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