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Studiengebühren zeigen Wirkung

In der Diskussion um Für und Wider von Studiengebühren wird Irrtum: Je höher die Studiengebühren,
oft behauptet, ihre Einführung würde den Zugang zum Studi- ­desto weniger Menschen studieren.
um verengen und keine positiven Wirkungen entfalten. Diese
Behauptungen lassen sich allerdings empirisch in keiner Weise ƒƒ Deutschland hat auch mit gebührenfreien Studiengängen
halten. zuletzt eine Studienanfängerquote von nur etwa 37 % und
eine Abschlussquote von knapp 20 % erreicht und liegt da-
mit weit unterhalb des Durchschnitts der OECD-Länder, wo
Irrtum: Nur Reiche können sich Studien­ insgesamt 54 % der jungen Menschen ein Studium aufneh-
gebühren leisten. men und über 36 % einen akademischen Abschluss errei-
chen.
ƒƒ Die größten Probleme sozialer Selektivität bestehen in ƒƒ Die Einführung von Studiengebühren an vielen deutschen
Deutschland weit vor dem Studium, am Beginn des Bil- Hochschulen hat nicht, wie befürchtet, zu einem Rückgang
dungsweges. So sind die privaten Kosten für frühkindliche der Studienanfängerquote geführt. Das Gegenteil ist der
Betreuung und Bildung hierzulande höher als die für ein Fall: Zwischen 2008 und 2010 ist diese Quote sogar von 39
Studium. auf 46 % gestiegen. Der Anstieg in den Ländern mit mode-
ƒƒ Bei der Einführung von Studiengebühren ist Sozialverträg- raten Studiengebühren war dabei genauso hoch wie in den
lichkeit eine unabdingbare Voraussetzung, damit niemand, Ländern ohne Studiengebühren.
der für ein Hochschulstudium qualifiziert und motiviert ist, ƒƒ Trotz Studiengebühren werden in vielen Ländern, z. B. in
aus finanziellen Gründen davon ausgeschlossen wird. den USA, Großbritannien und den Niederlanden, weit höhe-
ƒƒ Auch nach Einführung von Studiengebühren in einigen re Beteiligungsquoten an hochschulischer Bildung erreicht.
Bundesländern ist dort der Anteil der BAföG-Empfänger ƒƒ Die im internationalen Vergleich geringe Studierendenquo-
konstant geblieben. Der Anteil von Studierenden niedriger te erklärt sich zum Teil aus dem System der betrieblichen
oder mittlerer sozialer Herkunft ist ebenfalls nicht zurück- Berufsausbildung, das über 60 % der Jugendlichen den
gegangen. Negative Auswirkungen auf die soziale Zusam- Einstieg ins Arbeitsleben ermöglicht.
mensetzung der Studierendenschaft lassen sich also nicht ƒƒ Hemmend auf das Studienverhalten wirken vor allem über-
beobachten. lange Studienzeiten und schlechte Studienbedingungen.
ƒƒ Erfahrungen aus anderen Ländern mit Studiengebühren
belegen: Vor allem intelligente und flexible Stipendien-,
Zuschuss- und Darlehensmodelle ermöglichen eine hohe Strategiepapier des „Netzwerks Berlin“ von SPD-Politi­
Bildungsbeteiligung junger Menschen aus sozial benach- kern, unter der Überschrift „Wir wollen unsere Hochschu­
teiligten Familien. Studierende haben in diesen Ländern len besser machen“, 2003:
grundsätzlich die Möglichkeit, zinsgünstige Kredite aufzu-
nehmen und die Studiengebühren erst nach dem Studium „Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen ein
zurückzuzahlen, wenn sie selbst aufgrund ihrer Qualifikati- System nachgelagerter Studiengebühren entwickeln, bei dem
on überdurchschnittlich gut verdienen. Eine anteilige Kre- Studierende ihre finanziellen Beiträge nach Abschluss des Stu-
ditfinanzierung sollte niemanden von einem Hochschulstu- diums und Aufnahme eines Berufs in angemessener Höhe an
dium abhalten. die Hochschulen entrichten. Dies stärkt nicht nur die Finanz-
ƒƒ Abschreckend wirken allerdings überlange Studienzeiten kraft der Hochschulen, sondern auch die Dienstleistungsbezie-
aufgrund teilweise katastrophaler Studienbedingungen, hungen zwischen Studierenden und Lehrenden.“
was zu erheblichen finanziellen Mehrbelastungen und ent-
gangener Lebensarbeitszeit führt. ■■■
ƒƒ Die Einführung des Bachelor als Regelabschluss sowie
Qualitätsverbesserungen, wie sie durch Studiengebühren „Bildung auf einen Blick“ – OECD-Indikatoren 2010
erzielt werden können, führen zu kürzeren Studienzeiten
und einem früheren Eintritt in eine Berufstätigkeit. „In allen OECD-Ländern bringen Investitionen in Ausbildungen
im Tertiärbereich einen erheblichen finanziellen Vorteil.“
Irrtum: Durch die Einführung von Studien­ ƒƒ Auch der Blick ins Ausland bestätigt die Befürchtung nicht.
gebühren hat sich die Situation an den So liegt der Anteil der staatlichen Hochschulausgaben in
den USA trotz erheblich höherer Studiengebühren genauso
Hochschulen nicht verbessert. hoch wie in Deutschland. Auch dort kommen die von den
ƒƒ In Bundesländern mit Studiengebühren hat sich die finan- Studierenden geleisteten Beiträge zusätzlich den Hoch-
zielle Situation der Hochschulen deutlich verbessert. So schulen zugute.
stehen den baden-württembergischen Hochschulen aus
Studiengebühren jährlich 130 Mio. € zusätzlich zur Ver-
fügung, was einer Steigerung ihrer Mittel um knapp 10 % Aus Studiengebühren finanzierte Maßnahmen an deut­
entspricht. schen Hochschulen (Auswahl):
ƒƒ Hieraus sind bereits zahlreiche Maßnahmen zur Verbesse-
rung von Studium und Lehre finanziert worden (siehe Kas- ƒƒ Tutorien, Mentorenprogramme, zusätzliche Lehrveranstal-
ten). Studiengebühren bieten auch beste Chancen für eine tungen, Einsatz innovativer Lehr- und Lernmethoden
Verringerung der viel zu hohen Studienabbrecherquoten. ƒƒ Verbesserung der technischen Ausstattung in Veranstal-
ƒƒ Studiengebühren können aber nur dann ihre positive Wir- tungsräumen und Laboren, bessere Ausstattung mit Bü-
kung auf die Qualität des Hochschulstudiums entfalten, chern, elektronischen Medien sowie weiteren Lehr- und
wenn sie in voller Höhe den Hochschulen zugute kommen Lernmaterialien
und nicht zu einer Reduzierung der staatlichen Mittel füh- ƒƒ verbesserter Service für die Studierenden durch bessere
ren. Beratung und längere Öffnungszeiten von Serviceeinrich-
tungen
ƒƒ spezifische Maßnahmen für bestimmte Studierendengrup-
Irrtum: Studiengebühren bedeuten den pen, etwa für Studierende mit Kind oder ausländische Stu-
Rückzug des Staates aus der Hochschul­ dierende

finanzierung.
ƒƒ Die Einführung von Studiengebühren bedeutet keine Redu-
zierung der Wissenschaftshaushalte in gleicher Höhe – und
darf dies auch nicht zur Folge haben.
ƒƒ Anlass zu dieser Sorge gibt es nicht: Niedersachsen, Ba-
den-Württemberg, Bayern und Hamburg haben trotz Stu-
diengebühren deutlich überdurchschnittliche staatliche Mit-
telzuweisungen pro Studierendem.

Publikationen kompakt:
ƒƒ Hochschulfinanzierung
Bildung schafft Zukunft – 4 Forderungen der Wirtschaft ƒƒ Hochschulpolitik
für moderne und wettbewerbsfähige Hochschulen ƒƒ Quartäre Bildung
Beschluss des gemeinsamen Präsidiums von BDA und BDI,
Januar 2009
Ansprechpartner
Deutschland muss „Bildungsrepublik“ werden
Beschluss des gemeinsamen Präsidiums von BDA und BDI, BDA | DIE ARBEITGEBER
September 2008 Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Bildung schafft Zukunft Bildung | Berufliche Bildung


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April 2008 bildung@arbeitgeber.de

Eckpunkte einer investitionsorientierten Hochschulfinan­ Die jeweils neueste Ausgabe und weitere
zierung Hinweise zu diesem Thema finden Sie unter
Positionspapier von BDA, BDI, IW Köln und Stifterverband für www.arbeitgeber.de
die Deutsche Wissenschaft, 2008

Dezember 2010