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Die Skopostheorie nach Reiß/Vermeer: Ein Überblick

von Lisa Rüth

1. Einleitung – Skopos der Arbeit


Die Skopostheorie gehört unter der Vielzahl translationswissenschaftlicher Theorien und
Modelle zu den kontroversesten Ansätzen. Die Debatte, die sie seinerzeit innerhalb der
Translationswissenschaft auslöste, kann jedoch nicht nachvollzogen werden, ohne einen
Blick auf den Status quo zum Zeitpunkt ihres Erscheinens zu werfen. Allein schon durch
die materiell gebotenen Einschränkungen der vorliegenden Arbeit konzentriert sich dieser
einführende Überblick jedoch in erster Linie auf die Geschichte und Entwicklung der
Translationswissenschaft in Deutschland und auf einige wenige ausgewählte Ansätze.
Erst im Anschluss an diesen einführenden Überblick wird die Theorie von Reiß/Vermeer
vorgestellt. Begrifflichkeiten, wissenschaftliche Grundlagen und zentrale Aspekte der
Skopostheorie werden erörtert, wobei der Versuch unternommen wird, die Standpunkte
von Reiß/Vermeer deutlich herauszuarbeiten und zu denen anderer
Translationswissenschaftler in Bezug zu setzen. Ausgewählten kritischen Stimmen zur
Skopostheorie ist schließlich ein eigenes Kapitel gewidmet, gefolgt von einer
abschließenden kurzen Ausführung zur Entwicklung der Skopostheorie in ihrem weiteren
Verlauf bis heute.
Im Sinne der Skopostheorie darf eine Skoposangabe an dieser Stelle nicht fehlen: Der
Skopos dieser Ausführung ist es, Studierenden der Translationswissenschaft und
verwandten Disziplinen einen umfassenden Überblick über die Skopostheorie zu
verschaffen, der als Einstieg in die Thematik hilfreich sein und das Interesse am Gebiet
der Translationswissenschaft fördern soll.

2. Überblick über die Geschichte der Translationswissenschaft in


Deutschland
Die Translationswissenschaft wird allgemein als noch sehr junge Disziplin bezeichnet,
die sich Mitte des 20. Jahrhunderts herauszubilden begann. Doch bereits lange vor dieser
Zeit beschäftigten sich Übersetzer nicht nur mit dem bloßen Akt des Übersetzens, sondern
verfassten entsprechende Abhandlungen, die sich mit den verschiedensten Aspekten des
Übersetzens befassten. Die bekanntesten Akteure dieser vorwissenschaftlichen Periode 1
sind der für seine Reden bekannte römische Politiker und Anwalt Cicero (106 –
43 v. Chr.), welcher laut Stolze als „wichtigste[r] Übersetzer der klassischen Zeit“
bezeichnet werden kann, Hieronymus (348 – 420), der Verfasser der Vulgata, und
schließlich Martin Luther (1483 – 1546), der in seinem Sendbrief vom Dolmetschen aus
dem Jahre 1530 seine angeblich zu freie Übersetzung heiliger Schriften mit den Worten,

1
Die Bezeichnung dieser Phase des Translationsdiskurses als vorwissenschaftlich ist der
einführenden Vorlesung zur Translationswissenschaft von Holger Siever im WS 2007/08 am FTSK
entnommen.
man müsse dem Volk „aufs Maul schauen“, verteidigte (Stolze 2008: 17-20). Bereits im
19. Jahrhundert forderte Friedrich Schleiermacher (1768 – 1834), der „Stammvater der
Hermeneutik“ (Siever 2008: 99):
Ueberall [sic] sind Theorien bei uns an der Tagesordnung, aber noch ist keine von festen Ursätzen
ausgehende, folgegleich und vollständig durchgeführte, Theorie der Übersetzungen erschienen
[…]: nur Fragmente hat man aufgestellt und doch, so gewiß es eine Alterthumswissenschaft gibt,
so gewiß muß es eine Uebersetzungswissenschaft geben (Schleiermacher 1814: 104, zit. bei Siever
2008: 14, Anmerkung übernommen).
Doch nach dieser Forderung Schleiermachers sollte es noch fast 150 Jahre dauern, bis
eine nachhaltige wissenschaftliche Erforschung des Themengebiets der Translation
begann. Während sich in der vorwissenschaftlichen Periode Übersetzer mit der
Translation auseinandersetzten, waren es nun Linguisten, die sich mit den Problemen des
Übersetzens beschäftigten (Siever 2008: 14). Es überrascht daher nicht, dass die ersten
bedeutenden translationstheoretischen Ansätze deutscher Wissenschaftler mit Begriffen
wie linguistische Übersetzungstheorie, Translationslinguistik und linguistisch orientierte
Translationswissenschaft eindeutig der Disziplin der Sprachwissenschaft zugeordnet
werden. Bedeutende Vertreter der Translationslinguistik sind u.a. Otto Kade, Gert Jäger,
Albrecht Neubert, Jörn Albrecht, Werner Koller und Wolfram Wills (ibid.: 45-46). In der
Translationslinguistik dominierte die Trennung zwischen Fach- und Literaturübersetzen.
Man ging von Sinn- und Funktionsgleichheit des Ausgangs- und des Zieltextes und
folglich von einem statischen Textbegriff, von Sprache als Code 2 und damit einer
Systematisierbarkeit der Übersetzungsverfahren aus. Die zentralen Begriffe der
Translationslinguistik sind Äquivalenz und Invarianz. Der Begriff der Äquivalenz
entstammt der formalen Logik und
meint in der Logik […] eine umkehrbar eindeutige Zuordnung zwischen zwei Ausdrücken. Diese
Kennzeichnung als umkehrbar eindeutig ist wichtig […], denn hier haben wir bereits den
Kernpunkt, der eine Übertragung des Äquivalenzbegriffs in die Übersetzungstheorie so
problematisch macht. Eine Viele-zu-Eins-Entsprechung z. B. ist nicht umkehrbar eindeutig (ibid.:
82, Hervorhebung übernommen).
Ein weiteres Problem des Äquivalenzbegriffs liegt in der Tatsache, dass es keine
einheitliche, in der Translationswissenschaft allgemein anerkannte und mit ihm eindeutig
assoziierte Definition gibt. So weit die einzelnen Definitionen des Begriffs auseinander
liegen – man vergleiche lediglich die Definitionen Neuberts und Albrechts – so stark
divergieren die Bewertungen des Begriffs an sich. Prunç wählte 2001 den Titel Im
Gestrüpp der Äquivalenzbeziehungen für ein Kapitel, in dem er u.a. auf die Theorien
Kollers, Wilss' und Reiß' einging, Snell-Hornby bezeichnete Äquivalenz 1986 als
„Illusion“ (zit. bei Stolze 2008: 103), für Horn-Helf bildet der Terminus das „Kernstück
aller Übersetzungstheorie“ (1999: 73) und Kußmaul schrieb, der Begriff stifte nur
Verwirrung und sei daher fallen zu lassen (Siever 2008: 82).
Der zweite zentrale Begriff der Translationslinguistik, der Begriff der Invarianz, wurde
einheitlicher definiert. Jumpelt definiert ihn ähnlich wie Albrecht, welcher Invarianz als

2
Der Begriff wurde aus der Kommunikationswissenschaft entnommen, ebenso das ursprünglich für
technische Zwecke entworfene Kommunikationsmodell der US-amerikanischen Wissenschaftler Shannon
und Weaver. Dieses Modell wurde von Kade und Neubert übernommen und für die Zwecke der
Translationswissenschaft bearbeitet (Stolze 2008: 50-51).
tertium comparationis, als das, was bei einer Übersetzung unverändert bleiben soll,
versteht (Siever 2008: 47, 62). Im Hinblick auf unsere Fragestellung erscheint besonders
interessant, dass auch Albrecht bei der Beantwortung der Frage, „was beim Übersetzen
invariant gehalten werden soll“ (Albrecht 1990: 75), den Zweck der Übersetzung als das
entscheidende Kriterium erachtet (Siever 2008: 62, Panasiuk 2005: 160).
Neben den hier angesprochenen, sog. äquivalenztheoretischen Ansätzen, die Übersetzen
in erster Linie als Finden von Äquivalenzen definieren, gehört noch eine zweite Gruppe
mit textlinguistischen/texttypologischen Ansätzen in das Paradigma der
Translationslinguistik. Die wichtigste Vertreterin dieser Strömung ist Katharina Reiß,
deren Theorien auf der Annahme basieren, die Struktur des Textes beeinflusse die
Übersetzung. Folglich müssen sich die Wahl der Übersetzungsmethode und die
Entscheidung, welche Komponente invariant gehalten werden sollte, nach dem Texttyp
richten. Ausgehend vom Bühlerschen Organonmodell und oft Bezug nehmend auf die
Theorie der Stylistique comparée stellte sie deshalb 1971 ein Textsortenmodell vor, das
im Laufe der Jahre erweitert und abgeändert wurde und welches die verschiedenen Über-
setzungsmethoden nach Reiß schematisch darstellt. Laut Stolze ist die „über-
setzungsrelevante Texttypologie nicht präskriptiv als Anweisung zum Übersetzen zu
verstehen, sondern vielmehr als deskriptiv im Sinne einer Beschreibung der möglichen
übersetzerischen Reaktion auf Texte“ (Stolze 2008: 112-116).
Neben den hier kurz angesprochenen translationslinguistischen Ansätzen finden sich auch
weitere Strömungen, die zur Entwicklung der Translationswissenschaft entscheidende
Beiträge leisteten. Dazu gehören die Vertreter hermeneutischer Ansätze, die sich an der
Romantik und Schleiermacher orientieren, wie etwa Güttinger und Friedrich, Stolze,
Paepcke, Apel und Kloepfer, und dekonstruktivistischer Theorien, allen voran Derida, der
u.a. Walter Benjamins Essay Die Aufgabe der Übersetzers aus dem Jahre 1923 aufgreift
(Siever 2008: 147). Da das Thema der Arbeit, die Skopostheorie, jedoch in erster Linie
als Gegensatz zur Translationslinguistik zu sehen ist, kann auf diese Ansätze in dieser
Arbeit nicht näher eingegangen werden.

3. Skopostheorie – Die Neuorientierung


1978 veröffentlichte der am damals noch Angewandte Sprachwissenschaft lautende Fach-
bereich in Germersheim tätige Hans Vermeer im Fachblatt Lebende Sprachen den Aufsatz
Ein Rahmen für eine allgemeine Translationstheorie. Mit dieser Publikation legte er den
Grundstein für einen neuen, funktionsorientierten Ansatz der Translationswissenschaft
(Dizdar 1998: 104), der besonders bei Vermeers Kollegen in Germersheim auf positive
Resonanz stieß (Siever 2008: 163). Gemeinsam mit Katharina Reiß erweiterte Vermeer
seine in Lebende Sprachen vorgestellte Theorie in dem 1984 publizierten Werk
Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie. Dabei greifen Reiß/Vermeer zurück
auf den von Otto Kade als Oberbegriff für Übersetzen und Dolmetschen geprägten Begriff
Translation (Reiß/Vermeer 1991: 6) und orientieren sich insbesondere an Eugene Nidas 3
Konzept der dynamischen Äquivalenz (Siever 2008: 157). Von der „Linguistik als

3
Prunç sieht Nida als den Begründer der Translationswissenschaft als eigene wissenschaftliche
Disziplin (2001: 107).
Leitdisziplin“ wenden sich Reiß/Vermeer bewusst ab, da „von ihr keine Antwort auf die
entscheidenden Fragen zu erwarten sei“ (Prunç 2001: 161). Mit der Grundlegung einer
allgemeinen Translationstheorie emanzipierte sich die Translationswissenschaft nicht nur
von der Linguistik, sondern wartete, unter Berücksichtigung der zu Beginn der 1980er
Jahre vorherrschenden translationswissenschaftlichen Ansätze und Paradigmen, mit
neuen Sichtweisen auf. So unterscheiden Reiß/Vermeer nicht zwischen Fach- und Litera-
turübersetzen, sondern verstehen ihren Ansatz als allgemein gültige Translationstheorie.
Translation wird nicht mehr nur als bloße Transkodierung verstanden, sondern als Hand-
lung. 4

3.1. Übersetzen als Handlung


Die Translation als Sondersorte einer Handlungstheorie zu klassifizieren ist eine der
Kernpunkte der Theorie von Reiß/Vermeer. Anders als bei einer allgemeinen Handlung
sei im Falle der Translation jedoch mit dem Ausgangstext bereits eine Aktion gegeben,
auf die nun reagiert wird (Reiß/Vermeer 1991: 95).
Jedwede Handlung ist zielgerichtet. Ihr liegt eine Motivation zugrunde, die, vereinfacht
ausgedrückt, darin besteht, „dass das angestrebte Ziel höher eingeschätzt wird als der
bestehende Zustand“ (ibid.: 95). Die Motivation eines Menschen wird in vielerlei
Hinsicht durch die unterschiedlichsten Komponenten beeinflusst. Da Translation als
Sondersorte des Handels eingestuft wird, „muss auch eine Translation immer eine
persönliche Leistung sein bei aller Objektivität, die ihr natürlich zukommen soll“
(Vermeer 1994: 34, Hervorhebung übernommen). Wer handelt, trifft eine Entscheidung.
Übersetzen ist folgerichtig ein Entscheidungsprozess, bei dem „der Translator eine
eigenständige Position einnimmt: […] [Der Translator] entscheidet letzten Endes, ob,
was, wie übersetzt/gedolmetscht wird“ (Reiß/Vermeer 1991: 87). Diese Aufwertung der
Position des Translators vom Sprachmittler zum „Ko-Autor“ (Siever 2008: 155) ist ein
wesentliches Merkmal handlungstheoretischer Ansätze 5 und steht in starkem Kontrast zu
der in der Translationslinguistik vorherrschenden Auffassung, Translation sei nichts
weiter als eine „codebasierte Ersetzungsoperation“ (ibid.: 241, Vermeer 1994: 33). Auch
wenn die Gleichsetzung von Translation und Handlung eine Aufwertung der Rolle des
Translators bewirkte und dies zu begrüßen ist, liegt in dieser Gleichstellung der beiden
Begriffe „die zentrale Schwäche“ handlungstheoretischer Ansätze wie der Skopostheorie.
Berücksichtigt man die beim Übersetzen ablaufenden Prozesse des Verstehens und der
Textproduktion, wird diese Gleichsetzung, so positiv sie sich auf das Berufsbild des
Übersetzers auswirkt, in Frage gestellt, da der Begriff des Handelns in dieser Hinsicht
nicht weit genug reicht und um den Aspekt der Interpretation erweitert werden muss
(Siever 2008: 241-242). Reiß/Vermeer berücksichtigen diesen Aspekt, jedoch „nicht
4
Wie auch bei Justa Holz-Mänttäri, deren Translatorisches Handeln: Theorie und Methode fast
gleichzeitig mit der Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie erschien. Reiß/Vermeer hierzu in
der 2. Auflage ihres Werkes (219): „Die dort vorgestellte Theorie vom ,translatorischen Handeln’ kann
heute mit der in unserem Buch vorgestellten Translationstheorie zu einer umfassenden Theorie vereinigt
werden.“
5
Diese Auffassung ist jedoch nicht neu. Bereits der Frühromantiker Novalis hob die Kreativität des
Übersetzers hervor und schrieb 1789: „Er [der Übersetzer] muß der Dichter des Dichters seyn“ (Siever
2008: 98, 158).
systematisch […], obwohl er immer wieder (implizit und explizit) zur Erklärung in
Anspruch genommen wird“ (ibid.: 159). 6

3.2. Zusammenfassung der allgemeinen Translationstheorie


Die handlungs- und funktionalorientierte Grundlegung einer allgemeinen
Translationstheorie gliedert sich in eine Basistheorie und spezielle Theorien. 7 Auf Seite
119 ihrer Publikation geben Reiß/Vermeer selbst eine Zusammenfassung ihrer
Basistheorie. Die dort in Kurzform aufgelisteten Regeln werden in diesem Kapitel
dargestellt.
(1) Ein Translat ist skoposbedingt.
Wenn Übersetzen Handeln ist, jedem Handeln eine Motivation zugrunde liegt und somit
jedes Handeln auf die Erfüllung eines Zwecks abzielt, muss als logische Schlussfolgerung
gelten: Die „Dominante aller Translation ist deren Zweck“ (Reiß/Vermeer 1991: 96, Her-
vorhebung hinzugefügt). Reiß/Vermeer verlagern somit den Fokus vom Ausgangstext auf
den Zweck der Handlung. Der Ausgangstext ist entthront. Alle Entscheidungen, beispiels-
weise im Hinblick auf die Strategie der Übersetzung, sind dem Zweck unterzuordnen
(ibid.: 100). Die Neuerungen, die diese Theorie vorstellte, sollten durch die Verwendung
eines neuen, spezifischen Terminus hervorgehoben werden: „Als Skopos (von griech.
skopos, das Ziel, pl. Skopoi) versteht man die Zielvorgabe/das Ziel einer Translation“ 8
(Prunç 2001: 163, Hervorhebung übernommen). Dieser Zweck steht nicht von Anfang an
fest. Der Skopos eines Translats muss nicht mit dem des Ausgangstextes übereinstimmen
und auch innerhalb des Textes können unterschiedliche Skopoi festgelegt werden, sei es
für einzelne Textteile oder aber unterschiedliche Skopoi für denselben Text. Folgerichtig
gibt es nicht nur die eine Übersetzung eines Textes. Vielmehr müssen sich mehrere
Translate desselben Ausgangstextes gemäß ihrer Skoposvorgaben unterscheiden
(Reiß/Vermeer 1991: 101-104). Die Wahl des Skopos unterliegt jedoch Einschränkungen.
Der Skopos muss sinnvoll und begründbar, d.h. situationsadäquat innerhalb einer Kultur,
sein (ibid.: 97). Für die Festlegung des Skopos muss der intendierte Rezipient bekannt
sein, da Situationsadäquatheit innerhalb einer (Sub-)Kultur für anonyme Adressaten nicht
gewährleistet werden kann. Reiß/Vermeer formulieren daher als Unterpunkt zur
Skoposregel die soziologische Regel: Der Skopos ist rezipientenabhängig (ibid.: 101).
Diesbezüglich weist Dizdar (1998: 105) explizit darauf hin, dass die soziologische Regel
nicht gleichzusetzen ist mit einer zielkulturgerechten Übersetzung. Der Skopos kann auch
gezielt gegen die Konventionen der Zielkultur verstoßen wollen.
Siever merkt in seiner Habilitationsschrift an, dass die Überlegung, die Überset-
zungsstrategie vom Zweck des Zieltextes abhängig zu machen, bereits vor Reiß/Vermeer
angestellt wurde. Schleiermacher unterscheide unter Berücksichtigung des Adressaten
„vier Bestimmungen des Werkes“ und auch der Weltbund der Bibelgesellschaften trenne,

6
Siehe hierzu auch Kapitel 3.5.
7
Prunç (2001: 162) verweist auf Nord, die den ersten, theoretischen Teil der Grundlegung Vermeer
zuschreibt, während Reiß ihr Textsortenmodell an diesen Teil anfügte.
8
In Skopos und Translationsauftrag (1990a) grenzt Vermeer die Begriffe Zweck, Ziel, Funktion und
Skopos erstmals voneinander ab. Diese Einteilung wird in der vorliegenden Arbeit nicht berücksichtigt.
je nach Zweck, fünf Übersetzungstypen (2008: 159). Auch Reiß/Vermeer selbst (1991:
96) verweisen in der Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie auf ähnliche
Überlegungen zur Zielgerichtetheit u.a. von Stern (1974, 1975), Nida (1969, 1977) und
Hirsch (1967).
(2) Ein Translat ist ein Informationsangebot in einer Zielkultur und -sprache über ein
Informationsangebot in einer Ausgangskultur und -sprache.
Bereits früh in der Geschichte der Translationswissenschaft stellte man fest, dass es nicht
möglich ist, alle Aspekte des Ausgangstextes in das Translat zu übertragen (Reiß/Vermeer
1991: 35). Bei der Form der Übersetzung, die Christiane Nord als Wort-für-Wort-Überset-
zung bezeichnet, werden Sprachkonventionen der Zielsprache, Situation und Textfunktio-
nen in einem Maße vernachlässigt, das die Verständlichkeit der Übersetzung nicht mehr
gewährleistet. Wirkungstreue Translationen verlangen nach semantisch teils äußerst freier
Wiedergabe bis hin zur Produktion eines Textes in der Zielsprache, welcher mit dem Aus-
gangstext kaum noch Gemeinsamkeiten aufweist. Ob dies im Extremfall noch als Trans-
lation bezeichnet werden kann, wie Reiß/Vermeer dies tun, ist strittig. 9 Alle Aspekte in
das Translat zu übertragen ist jedoch nicht nur ein translatorisches Problem, sondern
beginnt viel früher: Bevor der Translator mit der Übersetzung beginnt, tritt er als
Rezipient des Ausgangstextes in Erscheinung, interpretiert diesen gemäß seiner Situation
und weist ihm eine begründbare Funktion zu (ibid.: 57). Diese Betrachtung, Translation
als zweistufiger Vorgang (AT → TRL, TRL → ZT), steht in starkem Kontrast zu der
Sichtweise insbesondere translationslinguistischer Wissenschaftler, die das Konzept eines
einstufigen Vorgangs (AS → ZS) vertreten (ibid.: 41-42). Die Funktionszuweisung ist
nach der Interpretation die wichtigste Komponente. Die Verarbeitungskriterien des
Rezipienten der bekannten Harry-Potter-Heptalogie von J. K. Rowling werden
beispielsweise entscheidend dadurch beeinflusst, welchem literarischen Genre (Kinder-
und Jugendliteratur oder Erwachsenenliteratur) er diese zuordnet, ob er sie als Bildungs-
oder Entwicklungsromane sieht oder sie für eine Geschichte über Freundschaft, den
Kampf des Guten gegen das Böse oder als okkultistische Propaganda, als „globales Lang-
zeitprojekt zur Veränderung der Kultur“ 10, einordnet. Der Text als solcher existiert also
nicht,
sondern wird als je der und der Text rezipiert und, z. B. durch einen Translator interpretiert, in je
eigener Weise tradiert. [...] Es ist nicht möglich, Translation als Transkodierung toute simple
der/einer Bedeutung [...] eines Textes zu verstehen. Translation setzt Verstehen eines Textes, damit
Interpretation des Gegenstandes „Text“ in einer Situation voraus. Damit ist Translation nicht nur
an Bedeutung, sondern an Sinn/Gemeintes [...], also an Textsinn-in-Situation, gebunden (ibid.: 58).
Da auch der Zieltextrezipient interpretiert, ist ein Translat ein Informationsangebot über
ein fremdsprachiges Informationsangebot (ibid.: 46).
Reiß/Vermeer weisen ausdrücklich darauf hin, dass mehrere Arten von Informationsange-
boten über Texte zu finden sind und diese unterschieden werden müssen. Ein Kommentar
unterscheidet sich beispielsweise von einer Translation dadurch, dass ersterer
erläuternden Charakter besitzt und sowohl Objekt- als auch Metasprache verwendet. Im
Beispiel Reiß/Vermeer vermerken, dass es verschiedene Sorten von
Informationsangeboten über ein Informationsangebot gibt ist der Hauptsatz als meta-, der
9
Vergleiche hierzu Kapitel 3.6.
10
Aussage der Soziologin Gabriele Kuby (Spiegel Online 2003)
Nebensatz als objektsprachlich zu verstehen. Ein Translat, im Gegensatz zum
Kommentar, ist immer zwischensprachlich und -kulturell und ist nicht zwangsläufig als
Translation oder Informationsangebot über ein fremdsprachiges Informationsangebot
gekennzeichnet (ibid.: 79-80).
(3) Ein Translat bildet ein Informationsangebot nicht umkehrbar eindeutig ab.
„Das spezifizierende Merkmal für das Informationsangebot ,Translation’ ist zunächst für
eine allgemeine Theorie im Oberbegriff als Translation enthalten. Dieser heißt ,Transfer’“
(Reiß/Vermeer 1991: 88).
Transfer bezeichnet die Übertragung eines Zeichens als Teil eines Zeichengefüges in ein
anderes Zeichen, ebenfalls Teil eines (anderen) Zeichengefüges. Die Klassifikation und
Denomination als Zeichen erfolgt unabhängig von der Komplexität (Wort, Satz etc.).
Transfer kann inner-, außersprachlich oder zwischen inner- und außersprachlichen
Elementen geschehen. Als Beispiele seien die Transkription einer Podiumsdiskussion
(innersprachlich), das Malen oder Zeichnen eines Gebäudes (außersprachlich) und das
Berichten über ein Geschehen (außer-/innersprachlich) vermerkt. Dieser Transfer läuft
regelmäßig ab, da jedes Zeichen Element eines größeren Gefüges ist und nicht isoliert
betrachtet und verwendet werden darf. Der Transfer folgt einer Strategie, die die Wahl
eines geeigneten Zeichens für das Zielgefüge einschließt. Auf die Translation bezogen
müssen sprach- und kulturspezifische Umstände beim Transfer berücksichtigt werden.
Ein Transfer muss regelhaft sein, d.h. nachvollziehbar, verständlich, geordnet und
„(innerhalb tolerierter Vagheitsgrenzen) umkehrbar“ 11 (ibid.: 88-89). Inwieweit der
Transfer bei einer Translation umkehrbar ist, richtet sich nach dem Skopos. Wir
unterscheiden zwischen nicht umkehrbarem Transfer (z.B. Paraphrasierungen), teilweise
umkehrbarem Transfer (sog. freie Übersetzungen) und imitierendem Transfer, der unter
Berücksichtigung des Skopos eine größtmögliche Nähe zum Ausgangstext sucht.
Letztgenannten definieren Reiß/Vermeer als „Translation im Sinne u n s e r e s heutigen
kulturspezifischen Verständnisses“ (ibid.: 94, Hervorhebung übernommen).
(4) Ein Translat muss in sich kohärent sein.
Reiß/Vermeer bezeichnen diese Art der Kohärenz, die sich auf den Rezipienten bezieht,
als intratextuelle Kohärenz. Sie greifen den Gedanken von Hirsch auf, Kohärenz schließe
einen hermeneutischen Zirkel ein, und erläutern: Der Rezipient interpretiert einzelne Ele-
mente eines Textes, z.B. Wörter, Sätze oder Absätze, anhand ihrer Einbettung in den Ge-
samttext. Dieser wiederum setzt sich aus eben diesen einzelnen Elementen zusammen.
Um intratextuelle Kohärenz zu erreichen, muss der sprichwörtliche rote Faden in einem
Text zu finden sein. Kohärenz bedeutet folglich nicht, mit etwas einverstanden zu sein,
sondern zu glauben, etwas verstanden zu haben und es interpretieren zu können
(Reiß/Vermeer 1991: 109-112).
(5) Ein Translat muss mit dem Ausgangstext kohärent sein.
Diese Art der Kohärenz (intertextuelle Kohärenz) bezieht sich auf das Verhältnis von
Translat und Ausgangstext und ist abhängig vom Skopos des Translats und dem
11
Der Autorin dieser Arbeit ist bewusst, dass diese Aussage einen Widerspruch zur Regel, ein
Translat bilde ein Informationsangebot nicht eindeutig umkehrbar ab, darstellt. Vergleiche hierzu auch
Kapitel 3.6.
Verständnis und der Interpretation des Ausgangstextes von Seiten des Translators, ggf.
nach Rücksprache mit dem Ausgangstextproduzenten. Kohärent müssen sein
• die vom Ausgangstextproduzenten in den Text eingearbeitete Nachricht,
• die vom Translator als Rezipient des Textes interpretierte Nachricht,
• die vom Translator als Ko-Autor in das Translat eingearbeitete Nachricht
(Reiß/Vermeer 1991: 114-115).
(6) Diese fünf Regeln sind untereinander hierarchisch geordnet.

3.3. Äquivalenz vs. Adäquatheit


Wie in Kapitel 3.2 dargelegt, wenden sich Reiß/Vermeer vom statischen Textbegriff der
Translationslinguistik, die von monofunktionalen Texten ausgeht, ab. Aus dieser Abkehr
von „der Illusion“ der Funktionskonstanz, wie es Prunç (2001: 165) formuliert, ziehen
Reiß/Vermeer die entsprechenden Konsequenzen und nehmen Abstand vom Begriff der
Äquivalenz im Sinne der Translationslinguistik (Siever 2008: 161). Äquivalenz wird neu
definiert als „Relation zwischen einem Ziel- und einem Ausgangstext, die in der
jeweiligen Kultur auf ranggleicher Ebene die gleiche kommunikative Funktion erfüllen
(können)“ 12 (Reiß/Vermeer 1991: 139-140).
An erster Stelle steht jedoch nicht der linguistisch geprägte Begriff der Äquivalenz,
sondern die Adäquatheit. Adäquatheit bezieht sich auf den Zieltext (Siever 2008: 161)
und beschreibt „das Verhältnis zwischen den Mitteln des sprachlichen Ausdrucks und
dem Skopos“ (Horn-Helf 1999: 72). Diese Definition schließt die Möglichkeit des
Funktionswechsels mit ein. Äquivalenz wird neu definiert als „Sondersorte von
Adäquatheit, nämlich Adäquatheit bei Funktionskonstanz zwischen Ausgangs- und Ziel-
text“ (Reiß/Vermeer 1991: 140).
Eine Übersetzung des 1668 erschienenen Romans Der Abentheuerliche Simplicissimus
Teutsch von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen mit dem Skopos, die Über-
setzung solle sich an französische Kinder des 21. Jahrhunderts richten und für diese gut
verständlich sein, kann, um das Kriterium der Skoposadäquatheit zu erfüllen, nicht
äquivalent sein.
Die Neubewertung der Begriffe Adäquatheit und Äquivalenz bewirkt, dass „die unlös-
baren Dilemmata, in die Translatoren durch die rigiden, miteinander konkurrierenden
Äquivalenzpostulate unweigerlich gedrängt wurden, […] durch eine sinnvolle und
erfüllbare Forderung ersetzt [werden]“ (Prunç 2001: 169).
3.4. Bewertung einer Translation nach der Skopostheorie
Übersetzen ist Handeln (Reiß/Vermeer 1991: 95). Zu einem Handlungsakt gehört nicht
nur die Aktion selbst, sondern auch die Reaktion, bei Reiß/Vermeer „Rückkoppelung“
(ibid.: 106) genannt. Durch eine Reaktion signalisiert der Rezipient einer Nachricht, dass
er diese erhalten hat. Die Art der Reaktion lässt erkennen, wie die Nachricht

12
Vergleiche hierzu Prunç (2001: 168): „Da ein Text stets Sprache in Situation ist, kann das Reiß +
Vermeersche Äquivalenzkonzept im Bezug auf einzelne Textelemente am ehesten mit dem
Äquivalenzbegriff der Stylistique comparée verglichen werden“ (Hervorhebung übernommen).
aufgenommen wurde. „Eine Aktion gilt dann als ,geglückt’, wenn die Rückkoppelung
keinen Protest enthält“ (ibid.: 106). Es muss betont werden, dass der Protest auch zu
einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann. Die Zeitspanne zwischen Aktion und Protest ist
dabei unerheblich. Zwischen dem Erscheinen eines Buches und der Rezension oder
zwischen einer Handlung und einem entsprechenden Gerichtsurteil können Jahre liegen.
So wurde der Einsatz von Wahlcomputern bei der Bundestagswahl 2005 erst im März
2009 vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt, wenn auch von
inoffizieller Seite schon viel früher protestiert worden war (Tagesschau Online 2009).
Solange allerdings kein Protest erfolgt, wird jedwede Aktion als geglückt angesehen.
Eine Handlung kann auch nur in Teilen glücken und auch ein gezieltes Nicht-Reagieren
ist eine Art von Reaktion (Reiß/Vermeer 1991: 106), wie in folgender Situation 13: Nach
einem kostspieligen Abendessen in einem feinen Restaurant fragt M seine Freundin F:
„Willst du mich heiraten?“ F sagt nichts. Ihre (verbale) Reaktion bleibt gezielt aus. 14 Auch
dies ist eine Art von Rückkoppelung, da davon auszugehen ist, dass F M verstanden hat.
Um adäquat reagieren zu können, muss der Rezipient den Produzenten verstanden haben.
Voraussetzungen für das Verständnis der Botschaft sind:
(1) ähnliche und/oder komplementäre Erfahrung(en) wie der Partner,
(2) ähnliche Enkulturation(en),
(3) ähnliche (aktuelle) Disposition (Reiß/Vermeer 1991: 107). 15
Zudem muss der Rezipient die Botschaft als in sich kohärent (intratextuelle Kohärenz)
und als kohärent mit seiner eigenen Situation (des Rezipienten) ansehen. Er muss sie in
seine aktuelle Situation mit seinem aktuellen Wissensstand einordnen können.
Protest als Reaktion kann sich gegen vielerlei Aspekte einer Nachricht wenden. Protest
gegen ein Translat/eine Translation selbst (nicht zu verwechseln mit dem Inhalt der
Nachricht) kann sich nur auf den Skopos und die Art des Transfers der Information
beziehen, beispielsweise auf nicht skoposadäquaten Transfer. 16 Beispiel: Die
Erkenntnisse eines wissenschaftlichen Beitrags sollen für die Leser einer großen
fremdsprachigen Tageszeitung zusammengefasst und verständlich präsentiert werden.
Enthält die Übersetzung eine Vielzahl fachspezifischer Ausdrücke, die nicht als
Allgemeinwissen vorauszusetzen sind, richtet sich der Protest gegen die nicht
skoposadäquate Translation (ibid.: 109). Während in linguistisch geprägten Ansätzen der
Ausgangstext als Maß der Dinge und somit auch als Vorgabe für die Bewertung einer
Übersetzung gilt, nimmt bei Reiß/Vermeer die Skoposadäquatheit diese Rolle ein. Insbe-
sondere Vermeer vermeidet jedoch eine absolutierende Haltung: „I do not believe that
things are simply either ’right’ or ’wrong’, they are different for different people and
different purposes in different situations etc.“ (Vermeer 2007: 100). Im Interview mit der
studentischen Zeitschrift für Translationswissenschaft trapriori (Juni 2009/01) bemerkte
Vermeer, dass er „ohnehin nie von Übersetzungsfehlern sprechen“ würde. Nach seinem

13
Dieses Beispiel ist dem Vortrag Gender Kommunikation – von Missverständnissen zur
Verständigung zwischen Männern und Frauen der Dipl.-Pädagogin Marion Bredebusch im WS 2007/08
am FTSK entnommen.
14
Mögliche Skopoi Fs: Erstaunen, Ablehnen wollen des Antrages, aber M nicht verletzen wollen etc.
15
Siehe hierzu auch Kapitel 3.5.
16
Siehe hierzu auch Kapitel 3.3.
Verständnis müsse zwar jede Übersetzung ihrem Zweck „annähernd genügen“, doch
bezieht er die Bewertung der Übersetzungsleistung auf die Person des Translators: „Wenn
jemand übersetzt und wirklich ernsthaft daran arbeiten will, dann ist sein
Übersetzungsergebnis für ihn ja das Beste, was er leisten kann.“ Die Entscheidung für
oder gegen eine bestimmte Übersetzung müsse jedoch begründbar sein (Vermeer 2009:
78).

3.5. Aufgaben und Kompetenzen des Translators


Die Polyfunktionalität des Ausgangstextes und die handlungsorientierte prospektiv-
funktionale Ausrichtung der Skopostheorie erweitern das Aufgabengebiet des
Translators: Er ist kein einfacher Sprachmittler, der lediglich transkodiert, sondern wird
zum Ko-Autor. Er handelt und trifft somit Entscheidungen:
Nehme ich den Auftrag an? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? Wenn nein, warum nicht?
Welche Funktion soll das Translat erfüllen, und für wen erstellte ich es? Wie gehe ich vor? (Dizdar
1998: 105)
Der Translator ist ein eigenständiger Experte, zu dessen Pflichten es gehört, den
Auftraggeber über eventuelle Bedenken hinsichtlich der Vorgaben oder des Skopos zu
informieren. Beharrt der Auftraggeber trotz der Einwände seitens des Translators auf
seinen Vorgaben, obliegt es dem Translator, zu entscheiden, ob er den Auftrag
nichtsdestoweniger annimmt oder nicht. Als Experte muss er diese Entscheidung sich
selbst gegenüber verantworten können (ibid.: 106). Der Übersetzer nimmt im
Faktorenmodell nach Reiß „als alles entscheidender Faktor die zentrale Stellung im Über-
setzungsprozeß ein“ (Reiß/Vermeer 1999: 149). Er ist hinsichtlich translatorischer
Kompetenz, Verständnis des Ausgangstextes, Qualitätsvorstellungen, Übersetzungs-
strategie etc. aber eine variable Größe – jede Übersetzung wird in diesen Punkten von den
persönlichen Eigenschaften und Kompetenzen des Translators beeinflusst (ibid.: 149).
Der Translator ist nicht nur Translator, sondern auch Zieltextrezipient. 17 Der Ausgangs-
textproduzent drückt sich in einer bestimmten Art und Weise aus, damit der intendierte
Rezipient genau das versteht, was er verstehen soll. Der Produzent kann die Wirkung
seiner Äußerung auf nicht intendierte Rezipienten nur bedingt abwägen. Der Translator
in seiner Eigenschaft als Rezipient kann Teil der Menge intendierter Rezipienten sein,
dies ist aber nicht zwingend erforderlich. Er ist jedoch Experte. Folgerichtig kann von
ihm verlangt werden, dass er den Ausgangstext so versteht, wie der Produzent bzw. der
Auftraggeber es intendieren. Ob er dies „will, steht auf dem Blatt seiner Ethik“ (Vermeer
2000: 48, Hervorhebung übernommen). Ob er dies kann, bestimmt seine Kompetenz. Als
Experte muss der Translator laut Vermeer (1994: 41-42) in der Lage sein, zu erkennen
und zu verstehen, für welche Zielgruppe seine Übersetzung gedacht ist 18 und in welcher
Situation sich die intendierten Rezipienten befinden. Er muss eintauchen in die Welt des
Produzenten, des Rezipienten und in seine eigene. Dies setzt sprachliche und kulturelle
Kenntnisse auf hohem Niveau voraus, der Translator muss bi- oder plurikulturell sein.
Diese Forderung bekräftigt Vermeer noch einmal im Jahre 1996:

17
Siehe hierzu auch Kapitel 3.2.
18
Vgl. Kapitel 3.2.
Es stimmt also nicht, daß Übersetzen und Dolmetschen einfachhin heißt, einen Text in eine andere
Sprache zu übertragen […]. Dolmetscher und Übersetzer (Translatoren) sollten die (idio-, dia- und
parakulturellen 19) Unterschiede im menschlichen Gesamtverhalten kennen und bei ihrer Tätigkeit
(skoposadäquat) berücksichtigen. Sie sollten, so können wir kurz sagen, die ,Kulturen’ kennen, in
denen Texte jeweils verfaßt und rezipiert werden (27).

3.6. Der übersetzerische Glaubenskrieg – Kritik an der Skopostheorie


Die in der Skopostheorie dargelegten Standpunkte stehen in starkem Gegensatz zu den
bis dato dominierenden Ansätzen der Translationslinguistik und der gängigen
Vorstellungen von Translation. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Reiß/Vermeer sich
mit harscher Kritik seitens ihrer wissenschaftlichen Kollegen konfrontiert sahen. Siever
(2008: 160) bringt es in seiner Habilitation auf den Punkt: „Die Auseinandersetzung um
die Skopostheorie trug zeitweise Züge eines übersetzerischen Glaubenskrieges.“
So sieht die Vertreterin des hermeneutischen Übersetzungsflügels Radegundis Stolze die
Theorie „stark vom Ökonomiestreben der modernen Informationsgesellschaft beeinflußt,
wo für zweckfreie Äußerungen kaum noch Raum ist.“ (1992: 195) Tatsächlich grenzt
Vermeer in seinem 1988 erstmals veröffentlichten Aufsatz Handlungstheorie und
Translation die nicht-intentionale von der intentionalen Interaktion ab, wobei er nur
letztgenannte als Handlung versteht (51).
Auch Schreiber kritisiert den Zweckbegriff, allerdings hinsichtlich seiner Dominanz.
Zwar sei Übersetzen eine zweckabhängige Tätigkeit, doch führe die „Verabsolutierung
des Übersetzungszwecks“ bei Reiß/Vermeer zu einer Ausweitung des
Übersetzungsbegriffes, die nicht tragbar sei (1993: 21). Er verweist hierbei auf Kelletat,
der 1987 unter der Überschrift Die Rückschritte der Übersetzungstheorie Kritik übt an
eben dieser Ausweitung, die Übersetzung und Adaption, Bearbeitung und Nachdichtung
nicht voneinander abgrenzt (Kelletat 1987: 41-42). In diesem Zusammenhang weist
Koller auf den Fall der Nobelpreisträgerin Doris Lessing hin, deren Werke über
Zentralafrika für sowjetische Zeitungen „‚kreativ’ […] ‚übersetzt’“ wurden (Koller 2002:
52). 20 Auch eine solche Adaption ist im Sinne der Skopostheorie eine Übersetzung. Sie
wird „vom Rezipienten als hinreichend kohärent mit seiner Situation interpretiert“
(Reiß/Vermeer 1991: 112) und folgt der Forderung der Skopostheorie nach Ausrichtung
auf die Zielkultur, auch wenn keine Kohärenz mit dem Ausgangstext vorliegt.
Immer wieder angegriffen wurde die dominante Rolle, die der Kultur in der
Skopostheorie eingeräumt wird. 21 Schreiber stellt dieser Dominanz entgegen, dass
kultureller Transfer zwar ein „Teilproblem bestimmter Übersetzungstypen“, der
gemeinsame Nenner jedweder Übersetzung jedoch der sprachliche Prozess sei (1993: 21).

19
Als Parakultur wird die Kultur einer Gesamtgesellschaft bezeichnet, wobei der Begriff
Gesamtgesellschaft nicht genauer definiert wird. Jede Parakultur unterteilt sich in Diakulturen, bspw. die
Diakultur der Berufsgruppe der Übersetzer innerhalb der Parakultur der Mitteleuropäer. Idiokultur sieht
Vermeer als die Kultur des Individuums und aller Konventionen, die das Verhalten des Individuums
beeinflussen (Prunç 2001: 176-178).
20
Lessing in ihrem Werk Walking in the Shade (1997: 174) dazu: „my real unforgivable naivety“
(zit. bei Koller 2002: 52).
21
„Translation [ist] nicht nur ein sprachlicher, sondern immer auch ein kultureller Transfer“
(Reiß/Vermeer 1991: 4). Zur Rolle der Kultur bei Vermeer vgl. Prunç (2001: 174-178).
Auch Koller kritisiert, dass „bei H. J. Vermeer alles, was mit Übersetzen zu tun hat,
kulturbedingt und kulturrelativ ist“, während Koller selbst die Kultur, wie auch Schreiber,
lediglich als wichtigen Faktoren einordnet (2002: 47).
Auch auf einer weiteren Ebene stoßen Aussagen Vermeers bezüglich der Kultur auf
Kritik. Seine Einteilung in und Definition von Para-, Dia- und Idiokultur degradiere das
Individuum zu einem passiven Objekt, so Prunç (2007: 157). Des Weiteren habe man als
Übersetzer selten solch intime Einblicke in die Welt des Ausgangstextproduzenten, dass
man sich mit seiner Idiokultur vertraut machen könne.
Auch die Aufwertung der Rolle des Translators stieß auf Kritik. So wirft Koller (2002:
48-51) Reiß/Vermeer vor, den Übersetzer selbst auf den durch die Entthronung des
Ausgangstextes verwaisten Thron zu setzen. Er stellt den Übersetzer als Alleinherrscher
dar, der sich in der Wahl des Skopos vielleicht an einen Übersetzungsauftrag hält, sonst
aber nach Belieben waltet und verwaltet. Kollers Kritik ist in Bezug auf die Frage, wer
denn den Skopos bestimme, von einem translationslinguistischen Standpunkt aus
nachvollziehbar. Der Skopos kann vom Translator festgelegt werden, allerdings sind auch
der Autor des AT und der Auftraggeber denkbar, denen der Translator beratend in seiner
Eigenschaft als Experte zur Seite steht. Koller übersieht, dass die Freiheiten, die
Reiß/Vermeer dem Translator einräumen, nicht als Aufforderung zur translatorischen
Anarchie zu verstehen sind, sondern mit Verantwortung einhergehend dem Translator
skoposadäquate, bewusste und begründbare Entscheidungen abverlangen (Dizdar 1998:
106), auch wenn „jede Translation immer eine individuelle und in gewissem Grad sub-
jektive Arbeit ist“ (Vermeer 1990b: 112).
Neben den eben vorgestellten Beispielen für ,glaubenstechnisch’ bedingte Kritik, die vor
allem von Vertretern der Translationslinguistik vorgebracht wurde und wird, beziehen
sich Kritiker wie Kelletat (1987) und Zybatow (2004) auf die Skopostheorie an sich. So
erhebt die Theorie zwar den Anspruch, eine allgemeine Translationstheorie für alle Fälle
zu sein, und spricht auch immer wieder Literaturübersetzungen an, doch die Frage, ob es
überhaupt eine allgemeine Translationstheorie geben kann, die sowohl fürs Übersetzen
als auch fürs Dolmetschen, für alle Sprachen, Kulturen und Textsorten gültig ist, ist
umstritten (Zybatow 2004: 265-266). Insbesondere die Frage, ob alle Forderungen und
Bewertungskriterien, die die Skopostheorie aufstellt, auch für Literaturübersetzungen
erfüllbar sind, muss häufig verneint werden (Kelletat 1987: 43-48, Schreiber 1993: 23,
Zybatow 2004: 266).
Zybatow weist des Weiteren darauf hin, dass ein Widerspruch vorliegt, wenn nur zwei
Absätze nach der Aussage, jede Translation sei ein kultureller Transfer, ein fünfstufiges
Modell präsentiert wird, das Translationen mit oder ohne Transfer des kulturellen
Hintergrundes eines Textes unterscheidet (Reiß/Vermeer 1991: 120, Zybatow 2004: 264).
Eine ähnlicher Widerspruch liegt vor, wenn zum einen als dritte Regel der allgemeinen
Translationstheorie angeführt wird, ein Translat bilde ein Informationsangebot nicht
umkehrbar eindeutig ab, zum anderen auf Seite 93 drei Transfersorten und ihre Beispiele
in der Translation aufgelistet werden: nicht umkehrbarer, teilweise umkehrbarer und
imitierender Transfer.
Eine zusätzliche Angriffsfläche für Kritiker der Skopostheorie bot der Schreib- und
Präsentationsstil der Autoren, denn auch für die Translationswissenschaft gilt: „Häufig
reicht schon ein von fachlichen Gewohnheiten abweichender Präsentationsstil, um Vor-
eingenommenheit gegenüber dem Dargebotenen zu wecken.“ (Jakobs 1998: 200) So übt
Kelletat in seinem Beitrag harsche Kritik am Aufbau und Stil der Arbeit. Reiß und
Vermeer hätten „auf Stringenz der Gedankenführung und Klarheit der Diktion recht groß-
zügig verzichtet“ (1987: 37) und ließen an den entscheidenden Stellen klare Ansagen oft
vermissen (ibid.: 39-40).

4. Schlussbemerkung
Seit der Veröffentlichung des ersten Aufsatzes Ein Rahmen für eine allgemeine
Translationstheorie 1978 in Lebende Sprachen und dem Erscheinen der Grundlegung
einer allgemeinen Translationstheorie 1984 hat sich die Translationswissenschaft
eingehend mit dem Ansatz von Reiß/Vermeer auseinandergesetzt. Nicht ohne Grund
sprach Wills 1988 von einer „handlungstheoretische[n] Wende“ (28, zit. bei Siever 2008:
71). Die Einführung neuer Begrifflichkeiten, neuer Sichtweisen, Aspekte und
Definitionen stieß nicht nur auf vehemente Kritik, sondern gab der
Translationswissenschaft in erster Linie neue und entscheidende Impulse:
Vielleicht liegt die Vehemenz der Anfeindungen – besonders gegen die Skopostheorie – genau
darin begründet: dass nicht einfach nur alte theoretische Schlachten mit altbekannten Argumenten
neu inszeniert wurden, sondern neue Argumente eingeführt wurden, um neue Erkenntnisse zu
gewinnen. Umwälzende Herausforderungen scheinen auch in der Wissenschaft Aggressionen und
Ängste um die Bewahrung von liebgewordenen Besitzständen zu wecken (Siever 2008: 364).
Weitere funktionale Theorien, besonders Justa Holz-Mänttäris Translatorisches Handeln
und Christiane Nords Funktionales Übersetzen, haben das handlungsorientierte Konzept
um neue Gesichtspunkte erweitert und bereichert. Wie Siever (2008: 163) darlegt, hat
auch Vermeer seine Skopostheorie, besonders im Hinblick auf kognitions- und
kulturwissenschaftliche Aspekte, kontinuierlich weiterentwickelt. Elemente dieser Art in
eine handlungsorientierte Theorie einzubauen ist problematisch, weshalb Vermeer selbst
nun von einer „translatologischen holistischen Prozeßtheorie“ (Vermeer 2003: 241, zit.
bei Siever 2008: 163) spricht.
Der Skopos, den Vermeer seit rund dreißig Jahren mit seiner Theorie verfolgt, „es sollte
eigentlich die Vorstellung allgemein werden, dass es beim Übersetzen nicht darum geht,
Wörter zu übersetzen, sondern dass man sich fragen muss: Wozu übersetze ich, was und
für wen?“ (Vermeer 2009: 76), blieb jedoch unverändert: „Ich glaube, für eine Theorie
des Übersetzens braucht man nur einen halben Bierdeckel: Für wen, wozu, deiner
Meinung nach. Punkt“ (ibid: 78).

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Spiegel Online: „Harry up!“ 07.11.2003. Online:


http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,272905,00.html. 27.07.2009.

Tagesschau Online: „Karlsruhe erklärt Wahlcomputer für verfassungwidrig.“


03.03.2009. Online: http://www.tagesschau.de/inland/wahlcomputer128.html.
27.07.2009

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