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Schaffhauser Nachrichten - Schaffhauser Intelligenzblatt - Die Nummer 1 der Region 14.05.

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14.05.2011

Büsingen:«Ein Ort mit vielen Kuriositäten»

Gunnar Lang, Büsingen: Schnelle Antworten aus Schaffhausen.Bild G. Eiglsperger


BÜSINGEN:«EIN ORT MIT VIELEN KURIOSITÄTEN»

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Die besondere Situation Büsingens ist immer wieder Thema in den deutschen
Medien. Zum Beispiel in der «Giessener Allgemeinen Zeitung», deren
Mitarbeiter Markus Becker sich umgesehen hat.

BÜSINGEN/DÖRFLINGEN Das Büro des Büsinger Bürgermeisters


Gunnar Lang ist es jedenfalls nicht, das den Journalisten Markus Becker
beeindruckt hat. Es sei eine «bescheiden ausgestattete Amtsstube»,
stellt er in der «Giessener Allgemeinen Zeitung» fest, und man könne
zum Schluss kommen, «dass dort ausser den üblichen
Verwaltungsakten einer deutschen Behörde tagtäglich nichts Besonderes
passiert. Aber: «Als Bürgermeister einer deutschen Exklave in der
Schweiz mit entsprechender EU-Aussengrenze gibt es permanent
Sonderregelungen sowohl in politischen als auch in wirtschaftlichen
Belangen zu beachten».

Entvölkerung

Das Erstaunen des Gastes wird dann beim Verlassen des Rathauses
offensichtlich, denn siehe da: «Zwei Telefonhäuschen sowohl der
Deutschen Telekom und der Schweizer Swisscom stehen einträchtig
nebeneinander.» An der Poststelle fallen dem Berichterstatten zwei
verschiedene Postleitzahlen auf – «eine fünfstellige D- und eine
vierstellige CH-Kennung». Und: «Büsingen ist deutsches Hoheitsgebiet
und zählt zum Landkreis Konstanz – trotzdem steht auf dem
Autokennzeichen ‹BÜS›, noch eine dieser Ausnahmeregelungen.» Mit
Bürgermeister Lang erwandert der Journalist den Exklavenweg, und die
zwei sinnieren über den besonderen Status. Trotz verschiedener
Versuche, Büsingen an die Schweiz anzugliedern, sei die Gemeinde bis
heute deutsch geblieben – endgültig 1967 festgelegt in einem bilateralen
Staatsvertrag, der den rechtlichen Status seither regle, ist zu lesen. Und:
«Es gibt aber immer noch viele Verschwörungstheorien und Leute, die
an der Rechtmässigkeit weiter zweifeln», erläutert Lang und ergänzt:
«Solche Unbelehrbaren wird es immer geben.» Weit mehr Sorgen macht
dem Bürgermeister laut der «Giessener Allgemeinen Zeitung» die
Einwohnerentwicklung, denn seit 2004 ein Abkommen zwischen der
Schweiz und der Europäischen Union die Personenfreizügigkeit
garantiert, habe sich die Bevölkerungsstruktur wesentlich verändert.
Zitiert wird wiederum Gunnar Lang: «Weil die schweizerische
Einkommenssteuerbelastung geringer ist, haben sich die meist ohnehin
in der Schweiz erwerbstätigen Büsinger auch für einen dortigen
Hauptwohnsitz entschieden und sind weggezogen.» Markus Becker
thematisiert indessen nicht nur den Sonderstatus von Büsingen, er geht

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auch dem Verhältnis der Exklavengemeinde zur Nachbargemeinde


Dörflingen nach. Und findet was? Zwei Gemeinden, die ausgezeichnet
miteinander kooperieren, wie auch Dörflingens Gemeindepräsident Pentti
Aellig festhält. Es ist allerdings keineswegs selbstverständlich, dass über
die EU-Aussengrenze hinweg Zweckverbände perfekt funktionieren, wie
etwa jener der Feuerwehren. Oder die Kooperation zwischen den
Schulen. Büsingen und Dörflingen führen gemeinsam fünfte und sechste
Primarschulklassen. Für Aellig wird dadurch eine optimale Auslastung
der Schulanlagen und Lehrerkontingente möglich, aber, vielleicht noch
wichtiger: «Und das Schöne ist, dass die soziale Bindung beider
Gemeinden dadurch noch enger geworden ist und laufend neue
Freundschaften entstanden sind.»

Beidseits willkommen

Da erstaunt nicht, dass sich Gunnar Lang der Schweiz manchmal näher
fühlt als Deutschland, wie seine Aussage belegt: «Nach meiner
Erfahrung erhalte ich bei einem wichtigen Anliegen schneller eine
Antwort aus Schaffhausen als von der Landesregierung aus Stuttgart,
ganz zu Schweigen von Berlin. Der direkte Draht zu den angrenzenden
Schweizer Kantonen Schaffhausen, Zürich und Thurgau ist besser.»
Sogar den gegenseitigen Sticheleien ist Markus Becker nachgegangen,
dem «langsamen Schweizer» oder dem «obrigkeitsgläubigen
Deutschen». Für Pentti Aellig sind dies allerdings bloss «die üblichen
Neckereien», und Gunnar Lang stellt fest: «Die Schweizer freuen sich,
wenn wir sie besuchen, vor allem an unseren Feiertagen.» (er.)

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