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Unterrichtsmaterial für Grundschulen

Unterrichtsmaterial für Grundschulen


Basismaterial Grundschule

Balu und Shira

Der kleine Tiger Balu ist erst wenige Stundehn auf der Welt. Eng an die große Tigermutter
gekuschelt liegt er neben seiner Schwester Shira gut geschützt im dichten Gebüsch. Sein
Zuhause ist jetzt der Dschungel in Indien. Hohe Bäume, Büsche, Gras – andere Tiere gibt es
viele, aber Menschen leben hier nicht. Die Tigermutter ist erschöpft von der Geburt, aber sie
beobachtet ihre Umgebung von ihrem Versteck aus genau: sie hat gute Augen und Ohren und
eine noch bessere Nase, die ihr sagt, wenn Gefahr droht.

Balu braucht seine Mama, denn er ist winzig klein, kaum größer als ein Meerschweinchen
und wiegt nur einen Kilo. Er kann noch nicht sehen, nicht laufen und auch seine Zähne
müssen erst noch wachsen. Balu gibt ein leises Mauzen von sich. Er kann noch nicht einmal
fauchen oder knurren. Noch sind seine Pfoten für den kleinen Körper viel zu groß.
Bis er ein großer Tiger wird, wird es mindestens zwei Jahre dauern. So lange wird er
gemeinsam mit seiner Schwester bei seiner Mama bleiben und alles nach und nach von ihr
lernen, was ein Tiger wissen muss.

Mit ihrer langen rauen Zunge leckt die Tigerin über das Fell ihrer Jungen. Sie hält ihre Kinder
sehr sauber, aber gleichzeitig massiert sie so die Bäuche ihrer Kinder, die sich an ihrer Milch
satt getrunken haben.

Vier Wochen später: Balu und Shira können jetzt gut sehen, laufen und die ersten
nadelspitzen Milchzähne sind gewachsen. Mit zehn Tagen haben die Tigerkinder zum ersten
Mal ihre Augen geöffnet, und wie Menschenbabys haben sie zuerst das Krabbeln und dann
das Laufen gelernt.

Blau legt die Ohren zurück und tapst seine Schwester mit der Pfote an. Die beiden
Tigerkinder sind allein – gut versteckt unter einem Busch. Sie verhalten sich still. Die Mutter
hat Hunger, sie ist in der Nähe, auf der Suche nach Beute – sie hofft auf schnelles Jagdglück,
denn lange kann sie ihre Kinder nicht allein lassen. Die Tigerin hat seit vier Tagen nichts
gefressen. Sie kann mehrere Tage ohne Futter leben, aber jetzt braucht sie Fleisch, denn die
Aufzucht der Jungen kostet viel Kraft. Und die Tigerbabies brauchen ihre Milch, um zu
wachsen.

Balu ist neugierig – er ist drei Monate alt und mutiger als seine Schwester Shira. Eng an den
Bode gedrückt schleicht er durchs Gras; ein Kaninchen frisst nur wenige Meter von ihm
entfernt. Zwei schnelle Galoppsprünge, aber natürlich ist das Kaninchen längst weg. Balu
spielt Jagen. Noch ist er viel zu klein und zu ungeschickt, um Beute zu machen. Aber er weiß,
wie gut Fleisch schmeckt. Mit zwei Monaten hat er das erste Mal frisches Fleisch probiert.
Wenn seine Mama Beute mit nach Hause bringt, frisst jetzt die ganze Familie. Aber noch
immer trinken die jungen auch die Milch der Mutter.

Ein halbes Jahr ist Balu jetzt alt, und darf er zusammen mit Shira die Mutter zur Jagd. Aber
noch immer müssen die Tigerkinder versteckt bleiben, wenn die Tigerin die Verfolgung der
Beute aufnimmt. Aber sie warten ungeduldig, bis die Mutter zurück kommt. Oft kommt sie
ohne Fleisch, denn ihre Jagd ist nicht jedes Mal erfolgreich. Dann versuchen die Tigerkinder
selbst, Beute zu machen, aber meistens kehren sie mit knurrenden Mägen zurück.
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Auf der Suche nach Futter ist die Tigerfamilie weit gelaufen – bis an den Rand des Reviers
der Tigerin. Die Mutter ist nervös, sie bringt ihre Jungen tiefer in den Wald. Ein unbekannter
Geruch liegt in der Luft. Und plötzlich ertönt ein ohrenbetäubender Lärm.

Menschen. Da, wo gerade noch das Revier der Tigerin war, fällen sie Bäume, um aus dem
Land ein Feld zu machen und eine Weide für ihre Kühe und Ziegen.

Als Balu und Shira ein Jahr alt sind und fast so groß wie ihre Mutter haben die Menschen im
Tigerland ein Dorf gebaut. Sie brauchen das neue Land, um ihre Familien ernähren zu
können. Aber die Tigerin und ihre Jungen brauchen das Land auch. Nur in einem großen
Revier, in dem viele Beutetiere leben, können sie satt werden.

Und die junge Tiger haben viel Hunger. Seit Tagen hatten sie Pech bei der Jagd. Ihre Mutter,
die das Dorf und seine Umgebung am liebsten meiden würde, wittert Fleisch. Und sie weiß:
sie muss jagen, damit ihre Kinder überleben. Der Hunger ist größer als die Angst, und die
Ziegenherde der Menschen ist so nah, dass sie die Tiere sehen kann.

Die Menschen im Dorf sind erschrocken: eine ihrer Ziegen ist von einem Tiger gerissen
worden. Und sie wissen: der Tiger wird wiederkommen – und das bedeutet Gefahr für Tiere
und Menschen. Die Dorfbewohner haben Angst.

Balu und Shira fürchten die Menschen. Sie spüren, dass ihnen Gefahr droht. Es dauert nicht
mehr lange, dann sind sie erwachsen und müssen sich ein eigenes Revier suchen. Aber nicht
nur Rande des alten Reviers entstehen jetzt neue Dörfer.

Aber es gibt auch andere Menschen, die ins Tigerland kommen – Menschen, die die Tiger
schützen wollen, den Dschungel, in dem Balu, Shira und Mutter leben zum Schutzgebiet
erklären, in denen Tiger nicht gejagt werden dürfen, denn Tiger sind selten geworden – auch
in Indien.

Wie könnte die Geschichte von Balu und Shira weitergehen?


(Recherche: Susanna Stubbe, uripress; wissenschaftliche Beratung: Dr. med. vet. Meinolf Nieder, Tierarzt)

Ein Besuch bei den Tigern im Zoo Safaripark

Langsam rollt der große Bus durch den Wald. Die Kinder der Klasse 2a sind gespannt. „Wo
sind denn jetzt die Tiger“, ruft Valentina. „Da“, ruft Paul, und die Junge Mädchen drängeln
sich an seinem Fenster. Nur wenige Schritt von der schmalen Straße entfernt schleicht der
König des Dschungels geduckt durch das hohe Gras. Sein gestreiftes Fell ist wie ein
Tarnanzug im Wald. Man sieht ihn kaum. Der Bus stoppt, und ganz langsam geht die riesige
Raubkatze über Strasse. Tiger haben Vorfahrt im Zoo Safaripark. Cara, die Tigerin weiß das.

Langsam setzt sich der Bus in Bewegung. „Wetten, dass ich den nächsten Tiger zuerst sehe“,
ruft Alina. „Wetten, ich“, krakelt Simon, dann stutzt er und ruft: „Da vorne, ist das auch ein
Tiger? Er hat Shirin gesehen. Dunkle Streifen hat sie wie Cara, aber ihr Fell ist schneeweiß.

Shirins Vorfahren stammen aus Indien wie Caras – und sie gehört zur gleichen Rasse wie die
braune Tigerin: Bengaltiger, man nennt sie auch Königstiger. „So weiß wie mein Albino-
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Kaninchen“ sagt Nadine. Aber Shirin ist kein Albino. Sie hat blaue Augen, keine roten, und
ihre Fellfarbe ist eine seltene Ausnahme.

Cara lässt sich neben Shirn ins Grast fallen und reibt ihren Kopf an der Schulter der weißen
Tigern. „Guck mal, Freundinnen“, staunt Valentina. Ja, das sind Shirin und Cara.

In der Natur hat jeder Tiger sein eigenes großes Revier. Im Zoo Safaripark leben sie in
Gruppen zusammen. Sie brauchen kein großes eigenes Revier, denn jagen müssen sie hier
nicht. Sie werden gefüttert. Alle zwei Tage fressen sie ein großes Stück Fleisch.

Und bei den Tigergruppen ist es nicht anders als in der Klasse 2a. Es gibt Tiger, die sich
mögen, und es gibt Tiger, die sich lieber aus dem Weg gehen. Dafür gibt es hier genug Platz,
denn der Tigerwald ist riesengroß. Manchmal gibt es auch Streit und fast so etwas wie eine
kleine Klopperei – so wie auf dem Schulhof auch. Nur, dass es im Safaripark keine Lehrer
gibt, die Aufsicht haben, sondern Tierpfleger und Tierpflegerinnen, die im Auto im Tigerwald
aufpassen. Und meistens reicht schon eine laute Ermahnung, und der Streit ist beendet.

Zank gibt es heute nicht im Tigergehege. Dafür Badespaß. Mit einem riesigen Satz landet ein
Tiger im Wasserbecken, nur der Kopf guckt noch raus. Mit der Schwanzspitze schlägt der
Tiger aufs Wasser. „Komm, los, fangt mich“, will er den anderen sagen. Cara schleicht sich
geduckt an, wird immer schneller, stößt sich mit den Hinterbeinen ab, springt auf den Tiger
im Wasser zu. Doch der reagiert blitzschnell: ein Sprung und er ist auf dem Trockenen, ein
zweiter Satz und er sitzt oben auf einem Felsen und schüttelt das Wasser aus seinem dichten
Fell. Genau so wie sich Cara gerade im Spiel verhalten hat, verhält sich ein Tiger in der Natur
bei der Jagd nach Beute. Beutetiere zu erlegen haben die Tiger im Safaripark nie gelernt. Sie
spielen jagen – und wie das geht, wissen sie von Natur. „Instinkt nennt man das“, erklärt die
Lehrerin, Frau Paulmann den Kindern, die dem Tiger gespannt zugeschaut haben.

„Fast wie bei unserer Katze zu Hause“, sagt Saskia. Und sie hat Recht. Tiger gehören zur
Familie der Katzen, sie sind die größten Katzen, die es überhaupt gibt. Aber es gibt einen
großen Unterschied: unsere Katzen sind Haustiere, und Tiger Wildtiere, auch die Tiger im
Safaripark. Aber ähnlich wie die Katzen zu Hause leben die Tiger in der Obhut des Menschen
– aber natürlich nicht im selben Haus.

Fragen & Antworten

Die Kinder der Klasse 2a haben heute viel über Tiger gelernt und Tiger erlebt. Trotzdem
haben sie nach ihrem Besuch in Stukenbrock haben sie noch viele Fragen:

Warum leben die Tiger hier und nicht in Freiheit?


Das Zuhause der Tiger ist Indien. In Indien leben viele Menschen, und es werden immer
mehr. Die Menschen brauchen immer mehr Land. Das Land, in dem Tiger ungestört leben
und jagen könne, wird immer weniger. Es gibt also nicht mehr genug Platz für die Tiger.
Die Tiger, die ihr in Stukenbrock gesehen habt, sind in Zoos oder Parks geboren.

Warum hält man Tiger in Zoos oder Parks?


Die Leute vom Zoo Safaripark möchten, dass viele Menschen die Tiger sehen und erleben,
wie schön diese Tiere sind. Wenn viele Menschen Tigerfreunde werden, gelingt es vielleicht,
die Tiger in freier Wildbahn zu schützen.
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Sind denn Tiger gar nicht böse?


Kein Tier ist böse. Ein Tiger hat messerscharfe Krallen und riesig große Reißzähne. Er
braucht seine „Waffen“, um Beute zu machen und sein Revier zu verteidigen. Wenn er das
nicht tut, kann er nicht überleben. Aber: Tiger sind auch misstrauisch. Und sie greifen an,
wenn sie sich unsicher fühlen. Tiger wissen nicht, dass Menschen auch ihre Freunde sein
können. Deshalb würden sie entweder vor Menschen weglaufen oder angreifen, wenn sie sich
bedroht fühlen.

Haben die Tiger im Safaripark auch Angst vor Menschen?


Die Tiger im Safaripark kennen die Menschen, die sie füttern und die auf sie aufpassen und
haben keine Angst vor ihnen. Die Menschen, die hier arbeiten wissen: Tigergebiet ist und
bleibt Tigergebiet. Kein Tierpfleger darf deshalb im Tigerwald aussteigen. Und kein
Tierpfleger darf im Tigerhaus eine Tigerbox betreten. Er darf das erst dann tun, wenn der
Tiger draußen ist, um sauber zu machen zum Beispiel. Weil alle sich daran halten, wissen die
Tiger, dass ihnen keine Gefahr droht.

Was fressen die Tiger?


Unsere Tiger fressen alle zwei Tage abends im Tigerhaus. Jeder Tiger geht dazu in seine
eigene große Box, und jedes Tier bekommt 7 Kilo Rindfleisch und manchmal auch
Vitamintabletten oder –pulver. Die Tierpfleger schneiden dazu eine Tasche ins Fleisch. So
bekommen die Tiger Vitamine.

Was ist, wenn ein Tiger krank ist?


Wenn ein Tiger krank ist, kommt der Tierarzt und schaut sich das Tier genau an. Es bleibt
dann im Tigerhaus oder im Vorgehege – das sind die großen Käfige vor den Raubtierhäusern
– so eine Art Garten für die Tiger. Oft kann der Arzt sehen, was dem Tier fehlt. Kann er das
nicht, muss der Tiger eine Narkose bekommen, um richtig untersucht zu werden. Das
Narkosemittel, das den Tiger einschlafen lässt, ist in einer Spritze, die mit einem Pusterohr
abgeschossen wird.

Habt ihr noch mehr Fragen zu unseren Tigern? Schreibt an den Zoo Safaripark, -Stichwort „
Tiger“ -, Mittweg 16, 33758 Schloß Holte-Stukenbrock oder schickt uns eine e-mail.

(Recherche: Susanna Stubbe, uripress; wissenschaftliche Beratung: Dr. med. vet. Meinolf Nieder, Tierarzt)