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Im Land der Trinker

Hausärztl iche Hilfe


bei Alkoholproblemen
Mit einem Verbrauch von 10 ,5 Litern reinem Alkohol pro Kopf ge- statt . Denn och b leibt riskan te r Alko -
hört Deutschland zur Spitzen gruppe der Alkoholkonsumenten. Von h olkon sum bei 75% der Betroffenen
un erk annt, da m an sich in de r Praxis
den mindestens zwei Millionen Alkoho labhängigen und den etwa
vo rw iege n d m it den Folgeschäden be-
zehn Millionen Menschen, die schädlichen Gebrauch von Alkohol
fasst und d ie eige nt lic he Ursache der
betreiben, finden sich 75% in der Praxis niedergelassener Ärzte. In Ges u n d he itss tö ru nge n auße n vo r
der überwiegenden Mehrzahl werden aber hier nur die alkoholbe- bleibt. So nimm t es n ich t Wund er, dass
dingten Folgeerkrankungen und nicht die zugrunde liegende Sucht es im Mittel zeh n Jahre dau ert , bis sic h
behandelt. Wie Sie das Grund problem angehen können, ohne den Alko ho labhä ng ige selbst in eine q ualifi-
zierte Suc h tbe ha n dl u ng begeben.
Patienten vor den Kopf zu stoßen, zeigt dieser Report .
Riskanter Gebrauch , Missbrauch und
_ Das Prob lem des Alko ho lm issbrauch s Suchtzentrum Hausarztpraxis Abhängigkeit
ist in den letzten Jah ren vor allem durch Es ist d avon auszuge h en , d ass unter Beim riskanten Alkoh olgebra uch besteht
jugend liche Komasä ufe r ve rs t ä r kt den Patien ten einer allgemeinärzt lichen akt ue ll noch kein e Ges un d he itssc hädi-
in den Blickpunkt der Öffe n t lic h ke it Praxis etwa 20% riskan ten Alko ho lko n - gung, jed och ist ei ne kü nftige Schädi-
geraten . Dabei spie len der viel h äu figere su m und 3,5 % Mi ssbrauch betreib en gung wa h rsche inlich. Die Grenzen für
riskante Konsum, der sc hä dlic he Ge- und dass 6-7% a lko h o lab h ä ngi g sin d . dies es Krite riu m liegen bei einem Kon -
brauch u nd die Alko ho lab hä ng igke it 75% d er Ab hä ngigen suc h en me hr als su m vo n rein em Alkohol von übe r
eine zwar weniger spekta ku lä re, abe r ein m al pro Jahr ein en n iedergelassen en 30 g/ di e bei d en Männ ern und üb er
hin sicht lich de r gesu n d he it lic he n Fol- Arzt auf. So m it fin de n 70% all er Kon- 20 g/ d ie bei d en Fra ue n . Beim schä d-
gen wahrscheinlich wich tigere Ro lle. tak te m it Such tk ra nk en in Arztpraxen lichen Alko holgebra uc h ode r Alkoho l-

12 MMW-Fortschr. Med. Nr.17 / 20 09 (151.Jg.)


RE PORLA KT U ELLE MEDIZI N !!I

missbrauch sind bereits körpe rliche und


psychische Folgeschäden eingetrete n.
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Dazu gehören vo r alle m Lebersch äde n. Folgen übermäßigen Alkoholkonsums
neurokognitive Defizite, Schädigung des
peripheren erve nsys tems, des He rz-
AgressivesVerhalten , Alkohol abhäng ig keit ,
muskels und des Knoche nma rks. Für die
Streitereien, Gewalt, Gedächtn isverlust
Definition de r Alkohola b hängig kei t Depression, Nervosität
müssen drei oder meh r der folge nden
Vorzeit iges Alte rn,
Kriterien gleichzeitig während der letz- Mund- und Rachentumoren Trinkernase
ten Monate erfüll t sein:
o Starkes Verlangen/Zwa ng, Alko ho l Häufige Erkältungen , Herzmuske lschwäche,
zu kons umieren reduzierte Infektabwehr, Herzversagen, Blutarmut,
e Verm inderte Kontrolle üb er den AI- erhöhtes Risiko einer
Lungenentzünd ung
Blut gerinnungs-
koh olgeb rauch störu ngen, Brustk rebs
e To leranzen twicklung
o Körpe rliches Entzug ssynd ro m Leberschäden
Vit aminmange l,
o Eine ng u ng auf den Alkoh olko nsum Blutungen, schw ere
o Anha lte nder Alko holko ns u m t rot z
Zitternde Hände,
kri bbelnde Finger,
M agenschleimhaut-
entzün dungen ,
schädlicher Folgen . Taubheit, Erbrechen, Durchfall,
ach diesen Krite rie n erfü lle n in Nervenschmerzen Mangelernährung
Deutschland etwa 6,4 Mio. Mensc hen
die Definition des riskanten Alko hol- Geschwülste Bauchspeicheldr üsen-
konsums, 2 Mio. betreiben eine n schäd- entzündung
lichen Geb rauch und etwa 2 Mio . sind Herabgesetzte Sensibilit ät ,
als alko holab hängig zu bezeich ne n . Da- Bei Männern:
Gefahr vermehrter Stürze
Erekt ionsst örungen
mit liegt der schädliche Gebrauc h vo n
Bei Frauen:
Alkoho l nach Nikotinabusus und Über- Risiko der Geburt
ernährung an d ritter Stelle der verme id- missgebildete r, zurück-
baren Krankheitsursachen. gebliebener und
Taube, kri bbelnde Zehen, stark unt ergewi chtl ger
Nervenschmerzen Kinde r
Der Hausarzt als - unbewusster-
Spezialist für Alkoholkranke
Wer mei n t, das Gros de r Alko ho lab-
hän gigen werde in Fach klin iken. Fach-
beratungsstellen ode r psych iatris che n dern wegen der zah lreiche n Folgeschä - über 70% der Alko ho lab hä ngigen in
Kliniken betr eut, der irrt. Tatsäc h lich den . So tret en En tzugs de lirien vo rwie- ihr em gan zen Leben noch kein en Kon-
befinden sich etwa dr ei Viertel der Al- gend in ch irurg ische n Abteilunge n vo n takt zu suc htspezifisc he r Hilfe hatten.
koholab hä ngigen bei n iederge lassene n Allgeme in kran ken hä usern auf, wo o pe- Bei der Verk ürzung der Latenzzeit
Ärzten und ein Drittel in Allge me in- rierte Pa tienten zu m erste n Ma l seit zw isc he n dem Beginn von schäd -
krankenhäusern in Beha nd lung, aller- Jahren eine unfreiwillige Absti ne nze pi- lichem Alkoholgebrauch bzw . Abhän-
dings in der Regel nicht unmit te lba r sode durchmach en . Eine repr äsentati ve gig keit und der Inanspruchnahme ei-
wegen der Alkoholabhängigkeit, so n- Erhe b ung in Deutschl an d zeig t, dass ner q ualifizierten Suchtberatung bzw.

Palmarerythem bei Leberschad en . Aszites und Caput medusae. Wernicke-Enzephalopathie.

MMW -f ortschr. Med . Nr. 171 2009 ('5" Jg.)


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I!! AKTUELLE MEDIZIN _ REPO RT

eines Ent zugs kommt dem Ha usar zt _ ' MUMM. t...


eine wichtige Rolle zu. Dur ch en tspre-
chende Frühe rke n n u n gsmaß n a h me n AUDIT-C-Fragebogen
mu ss er den Pati enten auf das Probl em Ein Glas Alkohol entspricht:
aufmerksa m ma ch en . Erschwe rend ist 0,33 Liter Bier, 0,25 Liter Wein oder Sekt, 0,02 Liter Spirituosen
allerdi ngs, dass Fragen na ch eine m AI-
koholproble rn wede r beim Pat ienten a) Wie oft trinken Sie Alkohol?

noch beim Arzt seh r be lieb t sind, da


o Nie 0 Etwa 1-mal pro Monat 0 2- 4-mal pro Monat 0 2-3- mal pro Woche

Fragen vo n Schuld un d Scha m sofo rt o a-rnal oder öfte r pro Woche


im Raum stehe n und dam it ein ausge-
b) Wenn Sie an einem Tag Alkohol trinken, wie viel alkoholhaltige Getränke
prägtes Abweh rverha lte n bis hin zu of- trinken Sie dann typischerweise?
fener Ablehnung wa hrsc he in lich ist.
o 1od er 2 0 3 oder 4 0 5 oder 6 0 7 oder 8 o 10 oder mehr
Strategien zur Früherkennung: c) Wie oft haben Sie an einem Tag mehr als 6 alkoholische Getränke getrunken?
indirekte ...
Die St rateg ien zur Frü he rken n u ng des
o Nie 0 Selten er als 1-ma l pro Monat 0 i -mal pro Mo nat

schädliche n Alkoho lgebrauc hs we rde n o 1-m al pro Woche 0 Täglich oder fa st t äglich
in in direk te und direkte An sätze ein -
gete ilt. Für di e Praxis eignen sich zu -
näch st vo r alle m di e indirekt en Ver - gege n ü be r d em Pati e nten an zuspre- Wie praktisch vorgehen?
fahren , da sie das Prob lem der Dissi- che n . Natürlich kan n man zu näc hs t Bei d er Früh erkennung von sc hä d-
mul at ion ode r Leug n ung aufse ite n des mi t offen en u n geri cht et en Frag en lich em Alko ho lgebra uc h un d Alkoho l-
Patien te n um geh en. Bereits bei der all- n ach dem Alko ho lko ns um beg in ne n . a b hä ng igkei t emp fie h lt sic h in der
gemeine n Ana mnese sind ge hä ufte Alle rd ings h ab en sich sta n da rd isierte Praxis fol gen des Vorge he n: Unte r Be-
Unfälle, ch irurg isc he Wu n dve rso r- dir ekte Verfahre n wie der Alcoho l Use ac h t ung typisch er kli nischer Zeichen
gungen und zah lreiche Arbeitsaus fälle, Identificati on Test (AUDIT) oder der und ty pi sch er Laborverände runge n
vor allem nach dem Woc he nende, ver- Lübecker Alko ho lab hä ng igke its - und wird der Hau sarzt de m Patien ten einen
dächtig für ein Alkoholproblem. -missbrauchs-Screening-Test (LAST) be- Scree ni ng-F ragebogen vo rlegen, z. B.
Dem erfa hrenen Arzt entgehe n auch sonders bewäh rt. Für d ie Praxis kommt den AUDIT-C. Bei einem Score von ~ 3
nicht unspezifische Veränderungen des vo r alle m der sogena n n te AUDIT-C- bei Frauen un d ~ 4 bei Männern sollte
Vegetativums, Beschwerden des Ma- Test, eine Kurzversion des AUDIT-Tests ma n auc h in der Ha usarz tp raxis die
gen -Darm-Trakts wie Refluxsösop hagi - infra ge (siehe Kaste n obe n). Gelegen heit zu einer Kurzintervention
tis, Dyspepsie, unkla re Durc hfa llerkran- Das Aus fü llen eines sch rift lic he n n utzen . Der gü ns t ige Einfluss ei nes
kung en sow ie aufgedunsenes Gesic h t, Frage boge ns wird von vielen Patienten ein fache n Beratu ngsgesp räch s ist grö -
Tremor oder glänze nde Haut der Füße. zu n äch st als we n ige r belastend em p- ße r, als allgemein ange no mmen wird.
Für den Patiente n vö llig un verfän g- funden als di e vo m Arzt vo rgebra ch te
lic h, fü r den Arzt a be r wegwei send Frage na ch eine m schä d lic he n Alko- Rückmeldung und Beratung
si n d t yp isch e La b or p ar am et er wi e h olkonsum . Denn och wird man auf Die einfac he Beratu ng gibt eine Rück-
GGT, Tra nsa m in ase n, m itt ler es Ery- der Basis der Antworten im Fragebo- meldung über das Screening-Ergebn is,
thro zyt en -ZeIIvo lum en (MC V), e r- gen auf da s Probl em früh er oder später informi ert über den Alkoho lgeha lt ver-
höhtes mittleres korpuskuläres Häm o- zu spr echen kommen müss en . Es liegt sch iede ne r Geträ nke und verde utlicht
glob in (MCH) und das Asialotrans fer- a n der gesc h ickte n Vor geh ensweise dem Patienten die Grenzwe rte eines un -
rin (CDT) a ls Hin weise a u f ei ne n des Arztes, wenn hi er Kon fro n tatio- schädliche n Alkoho lkons ums. Der Pati-
schädlic he n Alko ho lge bra uch. Zwa r n en , Etike tt ieru nge n und Sch u ldzu- ent sollte auf die Notwe nd igkeit zur Re-
gibt es keinen einze lne n Labor pa rame- weisu nge n ve rm iede n werd en so lle n . d uktion seines Alkoho lgebrauchs hinge-
te r zu r sic heren Id en ti fikati on eines Man ch e Pat ienten em pfinde n es aller- wiese n werden . Bei motivierten Pati -
riskan ten Alko ho lkonsums, jedoch ist dings auc h als erleic h te rn d, we n n sie ente n kann man in diesem Stadium be-
die Zusammensc ha u de r gena n n te n auf dieses un an gen ehme The ma ange - reits eine Art von vertraglich geregelten
Parame te r d urchaus aussagekräftig . sproche n we rde n . Mög liche rweise hilft Trinkli mits einführen . Die Vergabe von
für d ie Motivatio n a uc h ein Hin weis Terminen zur Verlaufskontrolle der al-
... und direkte Verfah ren auf de n Zusa m me n ha ng zwisch en ei- koh olspezifischen Laborparameter för-
Diese indirekten Verfahren so lle n di e n er der za h lreich en Ges u n d he itss tö - dert den Motivat ionsa ufbau und die An-
Dissimu latio n des Patiente n umgeh en, ru ngen , di e durch Alko ho l h erv o rge- bindung des Patien ten an die Praxis. Die
allerdings kom m t der Arzt n ich t da- rufen wer de n (s. Abb. 1), und dem Wiede reinbes te llung so llte übe r 3-6
rum herum, das Problem auc h dire kt schädliche n Alkoho lgebra uc h . Mona te hin weg mo natlic h erfolgen , da-

14 MMW-Fo rt schr. Med. Nr. 17 12 0 09 (151. Jg.)


.AKTUELlE MEDIZIN _ R EP O RT

nach genügen vier Termine in 12 Mo- bauen , gem ein sam fest -
nat en. Bei nicht erfolgter Reduktion des gelegte Ziele ve rein ba ren
Alkoho lkonsums sollte man die Behand- und eine dau erh afte An -
lung nicht abbrechen, sondern dem Pa- bindung des Patien ten an
tien ten weitere Unterstü tzung anbi eten . den Thera pe u ten bew ir-
Will sich kein Therapieerfolg einstellen, ken. Bei d er ä rz t lic he n
sollte man mit ihm die Überweisung an Kurz in te rventio n wird zu-
einen Suchtspezialisten besprechen. n ächst d er Statu s erho-
ben und verm itte lt durc h
Mot ivierende Ges prächsführung Fest legu ng de r Diag nose,
entscheidend Feststellung des Trinkver-
Das ther ap eutisch e Ziel mu ss bei h alt ens und Darleg ung
schä d lic he m Gebra uc h vo n Alkoh ol der individuellen und all-
die Reduzierung der Alkoho lme nge in geme ine n droh enden Fol-
den unsch ädlichen Ber ei ch, in spe- gen des erhö h te n Alko-
ziellen Fällen au ch di e vo lls tän d ige holk onsums.
Abst ine nz sein . Beim Vorli egen ein er Durch eine Bewertung
Alkoh olabhängigkeit ist da s Therapie- Bei der motivierenden Gesprächsführung sollte man des Alkoh olkonsums und
zie l grundsätzlich di e vo llstä n d ige vorwiegend mit Lob, nicht mit Tadel arbeiten. eine Darstellung der Dis-
Abst in enz, da das Rückfallrisiko bei kr epan z zwische n d en
kontrolliertem Trinken zu hoch ist. Als renden Aussag en und zu Argumenten langfri stigen Zielen und dem aktu ellen
besond ers erfo lgre ich hat sich di e zur Veränderung gebracht werden . Konsum verh alten soll en Verän de -
Tech n ik der moti vieren den Gespräch s- Der Wid erstand des Patienten, z.B. rungsbereit sch aft und Kompet en z des
führun g erwiese n. Hierunter ve rste h t durch Streit en , Leugn en , Bagatellisie- Patienten geförde rt werde n. In Abhä n-
man eine Ges p rächsfü h ru ng , bei der ren und Abwe iche n, mu ss vo m Arzt gigkeit vo m Erfolg dieser Maß na h me n
der Patie n t se lbst zu Erke n n t n isse n ange no m me n und als typisch e Persön- ist eine Weite rverm itt lung an such tspe -
kom m t und üb er di e vo n ih m selbst lichk eitseigen sch aft vo n Suchtkranken zifisc he Hilfsan geb ot e ode r eine am-
gefasste n Entsc hei d u nge n Verä n de - erkan nt werde n. Allerd ings ist da s Aus- bulante En tgiftu ng bzw. En twö h n ung
rungen erzielt . ma ß des Wide rsta ndes maß gebli ch be- vo rgese he n . We ite re Mitte l zu r Erzie-
Die Technik basiert auf folge n de n einflusst durch das Verha lte n des The - lung einer Verha lte nsände ru ng sind
Grundprinz ipien: rap euten : Je d irekt er und konfronta- das Füh ren eines Tagebuchs zu Trin k-
o Empathie ausdrücken durch aktives ti ver er vorge h t, desto größer ist der verha lte n, Risikosituationen und Fun k-
Zuhören, Reflektieren, Ein füh lsam keit Wide rstand. tionen des Alkoho ls. Der Arzt sollte ei-
bei gleichzeitige m Respekt und Akzep- n en Beh andlungsvert rag mit dem Pa-
tan z des Patiente n . Es wird vor wiegend Motivation zur Verhaltensänderung ti enten absc h ließen mit bes ti m m te n
mit den Prinz ipie n vo n Lob und nicht Die ärzt lic he Kurzinter vention zie lt Begr en zun gsr egeln , Tec h n ike n der
Tade l gear beite t. vo rwieg en d a u f Pati ent en mit ris - Verme idung von Alkoholkonsum . z. B.
e Diskr ep an z entwickeln du rch He- kantem Konsum und schäd lich em Ge- üb er eine vermi nde rte Verfügbarkeit.
rau sar beiten des Widerspru chs zwi- bra uch ab und auf Personen in einem
sche n dem Ist- und dem Sollzustand frühen Sta dium der Abhängigkeitsen t- Erfolgsaussichten
des Patien te n, z. B. du rch Gege n übe r- wicklung. Sie ist kein e Psychotherapie Mit der ärz t lic he n Kurzinter venti on
stellung der n egati ven Folgen des Trin- im enger en Sinn, so n de rn hat m ehr kann in etwa 50% der Fälle der Alkoho l-
ken s und der Ziele des Patienten. berat enden Charakte r, allerd ings ist sie kon sum deutlich redu ziert werden . Die
o Beweisfü h ru nge n ve rme ide n, z. B. mehr als ein ein fac he r Rat schlag. Mit Effekte dieser Kurzint ervention en waren
durch Form ulierunge n wie "we n n Sie in sgesamt vier Beratungseinheit en bis auch noch vier Ja hre dan ach in Studien
nich t so viel getru n ken hätt en , wäre es zu 60 Minute n Dauer soll sie Mot ivati - feststellbar. Nachde m der Alkoholkon-
nie so weit gekom me n". Diese kogn i- o n zu r Verha lte nsä n de ru ng bewirk en. sum in der ärztliche n Praxis de rart prä-
tive Dissonanz fü h rt n ich t zu r Verä n- Bei ge ringe m zeit liche m und fin anzi - valent ist, empfie h lt sich für de n Haus-
derungsmotivation, son dern nur zu m ellem Aufwa nd ist die ärztlic he Kurz in - arzt, eine n Kurs zur suchtmedizi nischen
Unbehagen und Widersta nd und da - tervention auch von Nich t-Such t-The - Gru ndversorgung zu absolvieren , um
mit häufig zu einem Therapieabbruch. rapeut en durc hfü hrbar. vor allem die psychologische n Erkennt-
Der Patien t soll nicht durch Tadel in Die m otivi er end e Ges p räc hsfü h - n isse üb er Suchtpersö nlic hke iten und
die Enge getrieben we rden, sondern run g h at das Ziel eine r Förde rung von d ie Tec h ni k d e r motivierenden
durch offene Fragen u nd Stehenlassen Verän de ru ngs be re itsc h aft, so ll Ver- Gesprächsfüh rung ken nenzu lernen.
des Wide rsp ruc hs zu se lbst mo tivie- t rau en in d ie Selbstwir ksa m keit au f- PROF. DR. H. S. FÜEßL •

16 MMW-Fortschr. Med. Nr. 17 /2009 (151.Jg.)