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Thomas Auinger

Sprachphilosophie
Donald Davidson
Biographisches

06. März 1917 geboren in Springfield (Massachusetts).


• 1939/1940 erstmaliges Zusammentreffen mit seinem „Mentor“ W.V.O. Quine in Harvard.
• 1942-1945 Militärdienst bei der US-Navy.
• 1949 Doktorat in Philosophie (Dissertation über Platons Philebos).
• 1951-1967 an der Stanford University.
• 1967-1970 an der University of Princeton.
• 1970-1976 an der Rockefeller University.
• 1976-1981 an der University of Chicago.
• 1981-2003 Professor an der University of California, Berkeley.
• 1991 Hegel-Preis der Stadt Stuttgart.
• 1995 erhält er den Jean Nicod Prize.
• 30. Dezember 2003 gestorben in Berkeley (California).

Literaturempfehlung: Der Mythos des Subjektiven. Philosophische Essays, Stuttgart (Reclam) 1993.
Wahrheit und Interpretation, Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1990.
Donald Davidson

Die prinzipielle Frage:

„Unsere Erkenntnis der Welt ist direkt oder indirekt abhängig von verzwickten und heiklen
kausalen Sequenzen, die ausgehen von Ereignissen wie dem Vorbeihuschen eines
Kaninchens […], die von dort weiter fortschreiten durch das Nervensystem und schließlich
in Überzeugungen enden. An welcher Stelle dieser Kette von Ursachen und Wirkungen
stoßen wir auf die Sachen, die unseren Überzeugungen ihren spezifischen Inhalt und
unseren Worten ihre Bedeutung verleihen?“
(Bedeutung, Wahrheit und Belege [BWB], in: Der Mythos des Subjektiven,40)

Die prinzipielle Antwort: »Naturalismus minus Empirismus«


„Die Abhängigkeit der Bedeutungen und Überzeugungen von Reizmustern ist ein Element,
durch das Quines Erkenntnistheorie naturalistisch wird, und ebendadurch reiht sich Quine
auch in die empiristische Tradition ein. Zugleich ist es eine Vorstellung, die Quine meines
Erachtens allen ihren Verlockungen zum Trotz fallenlassen sollte. Gäbe er diese Vorstellung
wirklich auf, würde daraus zwar nicht die Preisgabe des Naturalismus folgen, aber es würde
den Verzicht auf das bedeuten, was nach der Absage an die ersten beiden Dogmen vom
Empirismus übrigbleibt.“ (BWB,41)
Donald Davidson
Überwindung des dritten Dogmas des Empirismus

„So erhalten wir anstelle des Analytisch/synthetisch-Dualismus den Dualismus von


Begriffsschema und empirischem Inhalt. Der neue Dualismus ist die Grundlage eines um
die unhaltbaren Dogmen der Analytisch/synthetisch-Unterscheidung und des
Reduktionismus verkürzten Empirismus – d.h. ihm ist die nicht zu verwirklichende Idee
kupiert worden, wonach wir empirischen Gehalt Satz für Satz eindeutig zuordnen können.
Ich möchte behaupten, daß sich dieser zweite Dualismus von Schema und Inhalt, von
ordnendem System und etwas, was darauf wartet, geordnet zu werden, weder
verständlich machen noch rechtfertigen läßt. Er ist seinerseits ein Dogma des
Empirismus, das dritte Dogma. Das dritte und vielleicht das letzte, denn wenn wir
dieses Dogma fallenlassen, ist nicht klar, ob überhaupt noch etwas Spezifisches übrigbleibt,
was Empirismus zu nennen ist.“ (Was ist eigentlich ein Begriffsschema?, in: Wahrheit und
Interpretation,269f.)

„Indem wir den Dualismus von Schema und Welt fallenlassen, verzichten wir nicht auf die
Welt, sondern stellen die unmittelbare Beziehung zu den Gegenständen wieder her, deren
Possen unsere Sätze und unsere Meinungen wahr oder falsch machen.“ (ebd.,282)
Donald Davidson

Tisch

Kind
Lehrer

Triangulation

„Diese einfache Dreiecksanordnung, die aus den zwei Akteuren und einem gemeinsam
beobachteten Gegenstand besteht, ist in der Tat grundlegend“. (BWB,45)

„…es kommt darauf an, daß zwei private Perspektiven konvergieren, um eine Stelle im
intersubjektiven Raum zu markieren.“ (Vorraussetzungen für Gedanken [VG], in: Der Mythos
des Subjektiven,12)
Donald Davidson

„Damit zwei Personen voneinander wissen können, daß sie – daß ihre Gedanken – in
einer solchen Beziehung stehen, ist erforderlich, daß es zwischen ihnen zur
Kommunikation kommt. Jede dieser beiden Personen muß mit der jeweils anderen
reden und von der anderen verstanden werden.
Wenn ich recht habe, sind Glauben, Beabsichtigen und die übrigen propositionalen
Einstellungen allesamt etwas Soziales“. (VG,15)

„Die Identifizierung der Gegenstände des Denkens beruht […] auf einer
sozialen Grundlage. Ohne ein Lebewesen, welches das andere beobachten kann,
könnte die Triangulation, durch die den betreffenden Gegenständen ihr Ort in einem
öffentlichen Raum zugewiesen wird, nicht stattfinden.“(Externalisierte
Erkenntnistheorie [EE], in: Der Mythos des Subjektiven,81)

„Ein Lebewesen, das nicht kommuniziert, können wir zwar als ein Wesen ansehen, das
auf eine objektive Welt reagiert; dagegen sind wir nicht berechtigt, ihm Gedanken
über unsere (oder sonst eine) Welt zuzuschreiben.“ (EE,82)
Donald Davidson
Von der proximalen zur distalen Kausaltheorie:

„Nach der proximalen Theorie […] haben Sätze die gleiche Bedeutung, wenn ihnen
die gleiche Reizbedeutung zukommt, also wenn Zustimmung und Ablehnung von den
gleichen Reizmustern ausgelöst werden. In einem solchen Fall können wir von
Reizsynonymie reden. Bei der Übersetzung von Sätzen, die keine Beobachtungssätze
sind, ist die Reizsynonymie nicht unmittelbar von sonderlichem Nutzen, doch im
Hinblick auf Beobachtungssätze leistet sie in etwa, was geleistet werden kann, und sie
liefert die Grundlage jeglicher Übersetzung überhaupt.
Die distale Theorie dagegen beruht in erster Linie auf gemeinsamen Ursachen, die
für den Sprecher wie für den Interpreten, für den Schüler wie für den Lehrer ins Auge
springen. Die gleichen Bedeutungen sind ihnen dann gemeinsam, wenn die gleichen
Ereignisse, Gegenstände oder Situationen Zustimmung oder Ablehnung bewirken oder
bewirken würden. Als radikaler Interpret gehe ich so vor, daß ich die sprachlichen
Reaktionen eines Sprechers zu Veränderungen in der Umwelt in Beziehung setze.
Nachdem ich einen kausalen Zusammenhang erschlossen habe, übersetze ich diese
sprachlichen Reaktionen sodann durch einen eigenen Satz, zu dessen Akzeptierung
oder Ablehnung ich durch dieselben Umweltveränderungen veranlaßt werde. Dies ist
die distale Theorie in ihrer schlichtesten Form“. (BWB,52f.)
Donald Davidson
Frage: Warum nicht beim „proximalsten“ Reiz bleiben?

„Warum soll man im Fall des Hundes etwa sagen, das Läuten der Glocke sei der
Reiz? Warum nicht die Luftschwingung in der Nähe der Ohren des Hundes – oder
sogar die Reizung seiner Nervenenden? Würde man dafür sorgen, daß die Luft in
derselben Weise vibriert, wie es sonst durch die Glocke bewirkt wird, würde das im
Hinblick auf das Verhalten des Hundes gewiß keinen Unterschied machen. Und wenn die
richtigen Nervenenden in der richtigen Weise aktiviert würden, ergäbe sich immer noch
kein Unterschied. Und wenn wir schon eine Entscheidung treffen müssen, dürfte die dem
Verhalten nächstliegende Ursache am ehesten Anspruch darauf haben, der Reiz genannt
zu werden, denn je weiter ein Ereignis in kausaler Hinsicht entfernt ist, desto eher besteht
die Möglichkeit einer Unterbrechung der Kausalkette. […] Warum kommt es uns aber so
natürlich vor, zu sagen, der Hund reagiere auf die Glocke […]?“ (VG,10f.)

Zusammengruppierung/klassifizierung – Ähnlichkeitsreaktionen – öffentliche Bezugnahme


Donald Davidson

Vorrang der distalen Theorie

„Die distale Bedeutungstheorie entfernt die Sinnesorgane sowie ihre unmittelbaren


Tätigkeiten und Äußerungen – wie etwa Empfindungen und Sinnesreizungen – aus
ihrer für die Bedeutung und Erkenntnis überaus wichtigen theoretischen
Stellung. Dies entspricht Quines Formulierung, sobald er der distalen Theorie zuneigt:
»Die einzigen Fixpunkte sind der gemeinsame Reiz und das Wort.« Der gemeinsame
Reiz ist natürlich etwas Distales, während die Reizungen der Sinnesorgane, die
nicht mehreren gemeinsam sein können, keine Fixpunkte darstellen. Mit dieser
Einsicht bestreiten wir nicht die kausale Rolle der Sinne, sondern nur eine bestimmte
erkenntnistheoretische Auffassung dieser Rolle. Eine distale Theorie ist ebenso
grundlegend kausal und in Einklang mit den Bekundungen der Wissenschaft
wie eine proximale Theorie. Der Unterschied liegt in der Wahl des angemessenen Orts
der relevanten Kausalfaktoren – außerdem auch in der Wahl einer erkenntnistheoretischen
Einstellung.“ (BWB,60)
Danke für ihre Aufmerksamkeit !

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