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Deutsch- Polen Mara

1 3. Rahmenthema: Die Wurzeln unserer Identität


1.1 Kernmodul: Die Frage nach der deutschen Identität
1.1.1 A: Nation – Begriff und Mythos (z. B. Herfried Münkler, Benedict Anderson)
➔ Nationen sind nichts naturgegebenes, sondern in einer langen Geschichte entstanden

Nationale Identitäten:
Den einen Weg zur Nationsbildung gab es nicht, sondern es kamen viele unterschiedliche Faktoren
zsm, bis eine große Gruppe von Menschen davon überzeugt war, einer Gemeinschaft anzugehören.
Nation =geistiges Prinzip
1. Sprache: Muttersprache, die alle Sprechen können
2. Kultur: nicht definierbar, wird sich jedoch oft drauf bezogen
3. Herkunft/ Ethnie: Glaube an gemeinsame Abstammung -> Rassismus wird zum Problem
4. Bürgerschaft: Definition, wer Bürger ist und wer nicht
5. Gemeinsame Geschichte: oft Rückbezug auf geschichtliche Ereignisse
6. Religion: gemeinsame Religion oder Abstoßen anderer (Polen: nur Katholiken sind echte P)
7. Territorium: Grenzen
8. Normen und Werte: gemeinsame Werte, die propagiert werden
Nationale Symbole: zur Veranschaulichung, wofür der Staat steht
- Einigung mehrerer Meinungen unter einem Symbol durch Interpretationsspielraum
o Mehrere Ansichten führen zum Gemeinschaftsgefühl
o Z. B. Flaggen, Wappen, Nationalfarben, Hymnen, Feiertage

Problem von Nationalismus:


- Immer Exklusion und Inklusion von Menschen
o Chauvinistische Stereotypen werden gebildet

Mythos
- Sinnstiftende, bedeutungsinvestierende Erzählung
- Mythos bildet keine Wirklichkeit ab
Nationenmythos:
- Nationen sind nicht naturgegeben
- Konstruktion zur Legitimation
- Dient zur Deutung der Welt

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Subjektivistische Definition Objektivistische Definition Dekonstruktivistischer Zugang


-beruht auf subjektives -natürliche Größe des -Ergebnis komplizierter
Zugehörigkeitsgefühl der menschlichen Prozesse, in denen sich
Mitglieder/ Überzeugung der Zusammenlebens Gruppen der Gesellschaft zsm
Mitglieder Kriterien: gemeinsame fanden
-bildet sich seit frz.- Revolution Sprache, Kultur, Tradition, -„vorgestellte Gemeinschaft“
heraus Geschichte, Territorium etc. -„gedachte Ordnung“
- (Hagen Schulze) - (Hans-Ulrich Wehler) - (Benedict Anderson)
Verknüpfung von Friedrich Meinecke

Hagen Schulz NUR DAS GEFÜHL ZÄHLT!


Nation entsteht durch Wunsch des Zusammenlebens, der Solidargemeinschaft,
Nationalbewusstsein
Merkmale: gemeinsame Geschichte/ Vergangenheit
Gleiche Vorstellungen und Nationalbewusstsein, Sprache und Religion sind egal
Bsp.: Schweiz hat unterschiedliche Sprachen, ist eine Nation. Deutschland hat unterschiedliche
Religionen, ist aber eine Nation.

Friedrich Meinecke DA, WO ICH GEBOREN WURDE


Nation entsteht durch gemeinsame Kultur oder politische Geschichte
Blutsverwandtschaft
Kulturnation: Nation durch Kultur, Literatur Religion
Staatsnation: Nation durch gemeinsame politische Geschichte/ Verfassung

Benedict Anderson NATIONEN SIND AUSGEDACHT


Nation ist eine vorgestellte politische Gemeinschaft (weil sich die meisten Mitglieder nicht
kennen)
Auszeichnend sind Sprache, Kultur, Gemeinschaftsgefühl, Rechtshaftigkeit

Hans- Ulrich Wehler


Nation= Ordnung wird durch Traditionen und Ethnien nationalistisch
Nationalismus erhebt die Nation erst zur Rechtfertigungsinstanz
Merkmale: Kultur, Sprache, Nahrung = also eigenes Herrschaftssystem und Solidaritätsverständnis

Ulrich Baumgärtner
In-Groups: gemeinsame Gruppe, Identifikation, eigenes Wertesystem
Out-Groups: ALLE anderen

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1.1.2 C: Deutscher Sonderweg (z. B. Helmuth Plessner, Karl Dietrich Bracher, Hans-Ulrich
Wehler) und transnationale Geschichtsschreibung (z. B. Sebastian Conrad, Jürgen
Osterhammel)
Der deutsche Sonderweg
• Besagt, dass sich die Entwicklung demokratischer Strukturen in DE wesentlich vom
europäischen Regelfall unterschiede, der bps. von Frankreich und GB repräsentiert werde.
• DE eigener, besonderer Weg in die Moderne (u.a. antidemokratisch, antiliberal,
antirevolutionär, antiaufklärerisch)
• Positive Deutung bis 1945: vorteilhafte Abweichung von Geschichte des westlichen Europas
(Verstärkung dieser Idee durch gescheiterte Idee durch Revolution 48 und
Nationalstaatsbildung 1871 (Revolution von oben))
• Negative Deutung nach 1945: unvorteilhafte Abweichung von Geschichte des westlichen
Europas aufgrund bestimmter historischer Gegebenheiten (z. B. späte
Nationalstaatsgründung, blockierte Parlamentarisierung, antiliberal)
= Abweichung mündet letztendlich im Nationalsozialismus
• Heute: Infragestellung der Sonderwegsthese
Kritik des dt. Sonderwegs
- Für Historiker lässt sich aus den negativen Traditionen des dt. Sonderwegs der
Nationalsozialismus nicht direkt ableiten
- Die dt. Vergangenheit seit Reichsgründung kann nicht als bloße Vorgeschichte des
Nationalsozialismus aufgefasst werden

Transnationale Geschichtsschreibung
„inter“ = zwischen, „International“ = (Handel) zwischen Staaten
- Staaten agieren miteinander: z .B. Internationaler Schüleraustausch zwischen Pl und DE
„trans“ = über hinweg, „transnational“ = man guckt von oben, ohne Staaten
- Staaten haben keine Bedeutung: z. B. FridaysForFuture
Im 19 Jhd.: die Menschen identifizieren sich mit Nationalstaat, welcher sich um die Menschen
kümmert
Im 20. Jhd: Probleme können nicht mehr national gelöst werden
➔ Es werden Widersprüche auch im globalen Zusammenhang gezeigt, obwohl die Menschen
früher im lokal begrenzten Verhältnissen lebten und dachten

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1.2 Pflichtmodul 1: Das deutsch-polnische Verhältnis im 19. und 20. Jahrhundert


1.2.1 Theoriebezug: A und C, Perspektive: national und europäisch
1.2.2 Die Herausbildung der Nationalstaaten Deutschland und Polen
Deutsche Nationalstaatsbildung
Deutsche Identität
Heiliges Römisches Reich als „Flickenteppich“ -> bestand aus vielen einzelnen Fürstentürmen,
Königreichen etc.
1806-1815: unter napoleonischer Fremdherrschaft
o Wunsch: eigener Nationalstaat
1815: Wiener Kongress= Gründung des dt. Bundes
- Deutscher Bund: Preußen und Österreich gehören nur teilweise dem Bund an, deutsch war
kein Bestandteil des Bundes= Identifikation über Zugehörigkeit zu deutschen Einzelstaaten
1817: Wartburgfest:
- Forderung nach eigener Verfassung und Nationalstaat= Volk feiert sich selbst
1832: Hambacher Fest:
- Wunsch= Identifikation durch Zugehörigkeit zu deutschen Nationalstaat
1848: Märzrevolution & Paulskirchenverfassung
- erste freie gewählte Vertretung tagt= Versuch deutsche Einheit politisch zu begründen
1871: Gründung „zweiten deutschen Kaiserreichs“
- Reichsgründung von „oben“
- erfüllt den Wunsch nach eigenem deutschen Nationalstaat= Identifizierung über
Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiser(reich)
1914-1918: erster Weltkrieg
- Siegermächte: Frankreich, Italien, Großbritannien, USA
1918-1933: Weimarer Republik
- Wegfall monarchischen Staatsoberhaupt, ein Machtvakuum entstanden. Suche nach neuen
Identifizierungsmöglichkeiten
1918-1945: Aufstieg des Nationalsozialismus
1833: Formung des NS-Staates: Adolf Hitler an die Macht
- Nationalsozialistische Rassenideologie bietet klare Identifikationspunkte
- deutsche Identität wird über Zugehörigkeit einer vermeintlichen „deutschen Rasse“
begründet
1939-1945: zweiter Weltkrieg
1945: in 4 Besatzungszonen unterteilt
1949: Gründung Bundesrepublik Deutschland und DDR
1990: Beitritt der DDR zur BRD (Einigung)
- 1949-1990: geteiltes Deutschland= zerrissene Identität vieler= zwei Staaten mit
unterschiedlichen Ideologien, aber eigentlich eine Nation

= Rheinbund bis 1815. Deutscher Bund bis 1871- deutsches Kaiserreich bis 1919- Weimarer Republik
bis 1934

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-1789: Beginn der französischen Revolution und Aufstieg Napoleons


- 1804 Krönung Napoleon Bonapartes zum Kaiser der Franzosen (Republik)
Napoleon hat sich zum Kaiser gekrönt, um aller Welt zu
zeigen, dass er und Frankreich den Platz an der Spitze o Errichtet Militärdiktatur
beanspruchen. Er will, dass ganz Europa unter französischer o sorgt für Sozialreform
(gewinnt so die unteren
Herrschaft steht und die Errungenschaften der frz.
Schichten)
Revolution sollen verbreitet werden: Überall sollen frz.
o zentralisiert die Verwaltung
Gesetze, Maße und Gewichte, Geld und Sitten gelten. Und
o modernisiert die Justiz
so beginnt der Kaiser mit der Umgestaltung eines ganzen o bringt Volkabstimmungen
Kontinents. ins Volk
-1806/07 Napoleon beherrscht Kontinentaleuropa. Seinen Armeen
gelingt es, Österreich und Russland und später auch Preußen zu
besiegen. Das römische Reich deutscher Nation ist ein Flickenteppich von Gebieten und ist teilweise
besetzt oder in kleine Teilstaaten zerlegt
-England verteidigt sich standhaft gegen Napoleon! Es ist eine Insel und die stärkste Macht auf den
Meeren (unangreifbar). Doch Napoleon plant eine Kontinentalsperre= England soll wirtschaftlich
ausgehungert werden und somit soll der Handel zum Festland nicht mehr möglich sein. Dies ist aber
nicht umsetzbar.
-Nur ein Herrscher widersetzt sich Napoleon noch: Alexander 1. Von Russland
➢ Russlandfeldzug 1812= Napoleon stellt ein riesiges Heer mit 600.000 Soldaten auf, doch die
russische Armee stellt sich nicht dem Kampf und vernichtet alles, was Franzosen nützen
könnte (Felder werden verbrannt, Brücken vernichtet, Wege abgebrochen, Städte
angezündet, Dörfer entvölkert) = Taktik der verbrannten Erde
➢ Die Soldaten Napoleons verhungern, erfrieren und finden keinen Unterschlupf und so kehren
nur noch 30.000 Männer zurück
-(1813-1815) Befreiungskriege: In Deutschland erheben sich die Länder und gerade die jungen Leute
fühlen ein neues Nationalbewusstsein und wollen die Freiheit erkämpfen. Unterstützer: Österreich,
England, Schweden= Napoleon hat die bestehende Ordnung zerschlagen und den Grundbaustein für
eine deutsche Nation geschaffen.
-1813 Völkerschlacht bei Leipzig: Die Verbündeten besiegen das neu aufgestellte Heer Napoleons
➢ Napoleon muss ein halbes Jahr später abdanken und wird er auf die Insel Elba ins Exil
verbannt
➢ Die Siegermächte setzten in Frankreich Ludwig den 18. an die Macht
-(1. 3.1815) Rückkehr Napoleons: Napoleon regiert 100 Tage
-(18.06.1815) Schlacht von Waterloo: es gelingt englischen und preußischen Truppen die Franzosen
endgültig zu schlagen
➢ Napoleon muss nochmal abdanken und wird auf die Insel St. Helena ins Exil verbannt und
1821 stirbt er
Somit wollen die Sieger Europa neu ordnen = Wienerkongress

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Wiener Kongress
1814/15
Napoleon hockt auf Insel Elba im Exil und Europa benötigt eine neue Ordnung. Die Sieger (England,
Russland, Preußen, Österreich) laden alle Fürsten nach Wien ein und wird vom österreichischen
Kanzler Fürst Klemens von Metternich geleitet.
Ziel: alte Ordnung von vor der Revolution wiederherzustellen

1. Ergebnis: Restauration/ Wiederherstellung


2. Ergebnis: Gründung des deutschen Bundes
o Deutschland wird neu geordnet
o Wird kein Nationalstaat, sondern bleibt ein Flickenteppich
3. Ergebnis: Gleichgewicht der Mächte
o Frankreich wird verkleinert, damit es die Vormachtstellung verliert
o Kein Staat soll im Übergewicht sein
4. Ergebnis: Fürstenbündnis gegen Bürger
- Damit die neue Ordnung nicht durcheinander gebracht wird durch Diktatoren,
Revolutionen etc. geben die Großmächte eine Garantie ab: sie schließen die heilige
Allianz:
Heilige Allianz: Der Zar von Russland (Alexander I.), der Kaiser von Österreich (Franz I.)
und der König von Preußen (Friedrich Wilhelm III.)
- Ziel: Sicherung der auf dem Wiener Kongress erreichten europäischen
Ordnung, Sicherung der bestehenden Monarchien und Abwehr
demokratischer Bestrebungen = gegenseitige Treue und Solidarität
- Alle europäischen Staaten außer Großbritannien und dem Vatikan schlossen
sich der Allianz an
- brach nach der Revolution 48 zusammen, da die Staaten eigene
außenpolitischen Interessen hatten (Bsp: Dualismus zwischen Preußen
und Österreich)

Konflikt: viele Menschen waren unzufrieden mit Ergebnissen des Wiener Kongress durch keinen
einheitlichen deutschen Nationalstaat, keine Freiheitsrechte, keine politische Mitbestimmung
Entstehung der Burschenschaft aus Studenten zur Überwindung der deutschen Kleinstaaterei:

Burschenschaften (seit 1815)


Verbreitet bei Studenten:
o Liberalismus= wollen freiheitliche Verfassung
o Nationalismus= wollen ein geeintes Deutschland
o Viele Studenten haben an Befreiungskriegen gegen Napoleon Bonaparte von 1813-1815
teilgenommen= großes Nationalgefühl
Ziele:
o Geeintes Deutschland
o Volksvertretung
o Konstitutionelle Monarchie
o Bürgerrechte

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Der Deutsche Bund (ab dem Wiener Kongress bis 1866, Prager Frieden)
Es ist ein Zusammenschluss der Herrscher. Jedes Land ist selbstständig und die Fürsten sprechen sich
nur untereinander höchstens ab. Deutschland ist ein Flickenteppich!
Grund für Flickenteppich: Europäischen Frieden sichern durch Mächtegleichgewicht.

-Fürsten sind zufrieden, weil jeder seine eigene Politik hat.


-Bürger sind unzufrieden, sie wollen einen Nationalstaat !!!(wie Frankreich und England):
Probleme
Kein Nationalstaat o Flickenteppich
o Jeder Staat entscheidet selbst, deshalb passiert im Bundestag wenig
o Entscheidungen trifft der Bundestag in Frankfurt (Kaiser von
Österreich, also Klemens von Metternich führt Vorsitzt)
Kein liberaler o Keine neue Gesellschaftsordnung. Auch die deutschen Bürger
Verfassungsstaat möchten mitreden können
o Doch im Vertrag steht: „der Souverän ist nicht das Volk, sondern der
Fürst“
o Gefährlich! Bürger die mehr Rechte fordern, werden ganz gezielt
verfolgt und Presse wird vom Staat zensiert.
Keine o Deutschland ist rückständig: keine Eisenbahnen und große Fabriken
Wirtschaftseinheit/ wie in England
Zolleinheit o Zoll: jeder Staat im Bund hatte einen Zoll, es gab sogar
unterschiedliche Maße= keine Gleichheit, teuer Handel im Bund
= Bürger empfinden den dt. Bund als schwach und der Nationalismus wurde immer stärker!!
Doch die Aufgaben des deutschen Bundes wurden eingehalten:
o Sicherheit Deutschlands wahren
o Mächtegleichgewicht in Europa wahren
➢ Der Frieden, den der dt. Bund sichern sollte, hielt fast 50 Jahre an (länger als DDR)
Hauptproblem: Dualismus zwischen Preußen und Österreich.
• prallen oft aufeinander, weil sie unterschiedliche politische Ziele haben
• Wettstreit um die Hegemonie (Vorherrschaft)
• Formell führt Österreich den Bund an, doch Preußen will mindestens ebenbürtig sein
Preußen Österreich
Will kleindeutsches Konzept: Will großdeutsche Lösung
➢ will ein kleines Deutschland, zudem ➢ das gesamte österreichische
Österreich nicht dazu gehört. Staatsgebiet soll im dt. Bund
➢ Will Hegemonie (Vorherrschaft auf ausgenommen werden
deutschen Gebieten
➢ Will unbedingt einheitliches Zollgebiet
schaffen, weil es selbst sehr zersplittert ist
(Bund endet schließlich durch zweiten Einigungskrieg zwischen Preußen mit seinen norddeutschen
Verbündeten und Italien gegen Österreich mit den süddeutschen Verbündeten und den meisten
deutschen Mittelstaaten. Preußen gewinnt! 23. August 1866 Prager Friedensvertrag= kein dt. Bund
mehr und Österreich scheidet offiziell aus Deutschland aus.)

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Wartburgfest 1817
Versammlung von 500 deutschen Studenten und Professoren an der Wartburg, bei der für ein geeintes
Deutschland mit Verfassung protestiert wurde. Es wurden patriotische Reden für ein geeintes Deutschland
gehalten.
Hintergrund:
• Wiener Kongress 1815 und Restauration
• Ideen des Nationalismus und Liberalismus vor allem bei Studenten
• Burschenschaften entstehen= neue Ideen sind hier weit verbreitet
Themen:
• Gleichheit vor dem Gesetz, Rede- und Pressefreiheit, Recht auf politische Vereinigung,
konstitutionelle Monarchie
• Radikale Ablehnung der bestehenden Obrigkeit und Abgrenzung und Intoleranz gegenüber
„undeutschen“ (Bücherverbrennung)
Folge:
• Polizeiliche Verfolgung der Teilnehmer als Reaktion der Fürsten

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Karlsbader Beschlüsse 1819


Beschlüsse zur Unterdrückung der liberal-nationalen Bewegung
Hintergrund: Wiener Kongress und Restauration sind gegen Nationalstaat und Liberalismus
Wartburgfest = Misstrauen der Monarchen gegenüber national- liberalen Bewegungen
• Vertreter wichtiger deutscher Staaten treffen sich unter Leitung Metternichs
• Bundestag in Frankfurt stimmt Beschlüssen einstimmig zu
Beschluss Erklärung
Verbot der Burschenschaften neigen oft zu revolutionären Bewegungen=
Gefahr für Herrscher
Entlassung von bestimmten Professoren Durch die Professoren mit national-liberaler
Gesinnung kommen die Studenten in Kontakt
mit revolutionären Ideen
Überwachung von Universitäten Unis waren oft Ausgangspunkt der Ideen
Zensur Presse wird streng kontrolliert, um
Verbreitung zu verhindern
➢ National-liberale Bewegung wurde stark verlangsamt
(durch Julirevolution 1830 wurde alles wieder „wachgerüttelt“ und in DE wurde wieder eine Welle
ausgelöst)

Vormärz
Epoche zwischen Julirevolution 1830 in Frankreich und der Märzrevolution 1848
- Neue Impulse für die deutsche liberale, demokratische und nationale Bewegung
Julirevolution 1830 in Frankreich: löst in DE neue Politikbegeisterung aus
- DE Volk will eine gewählte Vertretung, gemeinsame Verfassung
• Kampf zwischen dem Volk, welches die Idee des Nationalismus, Liberalismus und Sozialismus
hat VS. die Politik der Restauration, d. h. die Wiederherstellung der alten Macht des Adels
• Forderung nach Freiheit und Einheit der Deutschen
• Entwicklung des deutschen Nationalbewusstseins
• Monarchie soll gestürzt und ggf. eine Demokratie ersetzt werden

Polenbegeisterung:
- Viele Deutsche nahmen die Novemberrevolution 1830 und den russisch-polnischen Krieg als
Vorbild
o DE sollte auch so liberal, und mit Solidarität handeln
o Viele deutsche unterstützten Polen mit materiellen Gaben im Kampf
o Polen wurde als Freiheitskämpfer anzusehen
- Es bildeten sich Polenvereine
o Es war politisches Statement, wenn man da Mitglied war
o Unterstützen zsm den Freiheitssinn und Solidarität
o Forderten Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit
o Durch die Presse wurden sie immer größer und bekannter

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Hambacher Fest 1832


Revolutionäre Kundgebung mit 30.000 Teilnehmern gegen die Restauration und für nationale
Einheit, Freiheit und Volkssouveränität
Polenbegeisterung erreichte Höhepunkt
Hintergrund:
Durch Julirevolution 1830 wurde die liberal-nationale Welle neu angefacht.
Die Unruhen entfalten sich in den einzelnen Bundestaaten ganz unterschiedlich. So müssen in einigen
Staaten die Herrscher Zugeständnisse machen und Reformen bewilligen, in anderen werden sie
wiederum gewaltsam vertrieben.

Beschluss Erklärung
Nationale Einheit Aus dem Flickenteppich soll ein Nationalstaat
werden
Freiheit Mehr Freiheit für Bürger, Pressefreiheit soll
zugelassen werden
Volkssouveränität Die Bürger sollen mehr politische
Mitspracherechte erhalten
Bedeutung: Erstarken der national-liberalen Kräfte
Mut zu öffentlichen Demonstrationen

Weitere national-liberalen Unruhen:


• Erstürmung der Frankfurter Hauptwache 1830 durch revolutionäre Studenten
• Protest der Göttinger Sieben 1837: Nach der Zurücknahme der zuvor erlassenen Verfassung
durch Monarchen von Hannover protestieren dagegen 7 Professoren und werden deswegen
entlassen.
Folgen:
• Die Karlsbader Beschlüsse wurden bestärkt, Aktivisten wurden unterdrückt, verhaftet, des
Landes verwiesen
Tausende Liberalisten fliehen nach Amerika und in die Schweiz

Märzrevolution 1848/49
In den letzten Jahrzehnten entstand eine vorrevolutionäre Stimmung, da die traditionellen
politischen und sozialen Strukturen immer weniger den Anforderungen der Zeit und den
Vorstellungen fortschrittlicher Menschen entsprachen.
Ursachen
1) politische Krise:
- Führende Bürger drängen im Vormärz auf mehr pol. Mitsprache (Partizipation)
- Zunehmendes Selbstbewusstsein
- Wunsch nach positiver Freiheit (Verfassung) & nationaler Einheit (Nationalstaat)
- Erwartung nicht erfüllt worden -> Partizipationskrise
- Führt zur Legitimationskrise -> Unterdrückung, Bevormundung des Obrigkeitsstaates
2) Wirtschaftliche Krise
- Traditionelle Handwerksbetriebe leiden unter stetiger Konkurrenz -> Folge ist
Überangebot -> Arbeitslosigkeit steigt
- Modernisierungskrise -> gewerblicher Wettbewerb wird durch internationale Konkurrenz
verschärft (technische und industrielle Überlegenheit anderer Firmen)
3) Soziale Krise
- Starker Bevölkerungswachstum -> Abwanderung in die Städte -> zu wenig Arbeitsplätze ->
Menschen verarmen
- Zwei Missernten in den Jahren 1846/47 führen zu großer Hungersnot -> drastischer
Preisanstieg

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➔ Pauperismus und soziale Frage


Ziele:
- Politische Ziele: Verfassung + nationale Einheit
- Soziale Ziele: Behebung Massenarmut
Ablauf
- Die Februarrevolution in Frankreich 1848:
Zugute der Arbeiterschichten: Sturz der Monarchie = Frankreich wurde eine Republik

- Märzforderungen 1848
Forderungen Erklärung
Bürgerliche Rechte Die deutschen Staaten sind noch sehr autoritär
geprägt, z. B. durch Pressezensur oder wenige
Rechte für Bürger.
Verfassung Eine Verfassung würde Ordnung, Sicherheit und
weniger Macht für die Monarchen bedeuten.
Einigung Deutschlands Flickenteppich der deutschen Staaten soll ein
Nationalstaat mit eigener Regierung, Armee
und möglichst gleicher Gesetzgebung werden.
Volksbewaffnung
Meinungs- und Pressefreiheit
Gerichtsverhandlungen
Höhere Löhne und niedrigere Nahrungspreise
- Volksversammlungen, Demonstrationen, Unruhen und Kämpfe März 1848:
o Aufstände in Wien und Metternichs Flucht Straßenkämpfe in Wien zwischen Studenten
und Arbeitern. Sie fordern Rücktritt Metternichs (Symbolfigur der Restauration) und er
floh nach Großbritannien.
o Barrikadenkämpfe in Berlin, König lenkt ein Der preußische König Friedrich Wilhelm IV
stellte sich zunächst gegen eine Verfassung. Die Nachricht vom Sturz Metternichs führte
am 18. März 1848 zu einer Massenkundgebung vor dem Berliner Schloss. Als das Militär
gegen die Demonstranten gewaltsam einschritt kam es zu blutigen Barrikadenkämpfen
mit dem Militär, bei den 303 Menschen starben. In den Morgenstunden des 19. März
1848 ordnete Friedrich Wilhelm IV. den Abzug der Truppen an. Er musste sich vor den
Opfern verbeugen. Vorerst hatte die Revolution gesiegt. Der preußische Monarch sah
sich gezwungen, den Forderungen der Bürger nachzugeben.

- Zugeständnisse und konstitutionelle Versprechungen einiger Staaten


- Preußischer König Friedrich Wilhelm bewilligt eine verfassungsgebende
Nationalversammlung
18. Mai 1848: Erste frei gewählte deutsche Volksvertretung tagt in Frankfurt am Main

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Die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, eröffnet am 18. Mai 1848


➢ Fraktionen mit unterschiedlichen Vorstellungen und Zielen prallen aufeinander
Paulskirchen Parlament:
- Heinrich von Gagern = Vorsitzender; 586 Abgeordnete („Professorenparlament“)
- Ziel: Schaffung einer Verfassung
- Anfänglich große Meinungsverschiedenheiten
- Fraktionsbildung:
- Links: radikale Demokraten; Hauptziel: republikanische Staatsform
- Mitte: Liberale; zahlenmäßig am stärksten, Hauptziel: konstitutionelle Monarchie
- Rechts: Konservative; kleine Gruppe, Hauptziel: Monarchie ohne Parlament

Themen:
o Kleindeutsch oder großdeutsch? Sollen beide Großmächte, Preußen und Österreich
Deutschland angehören? Was geschieht mit deren anderen Gebieten?
o Zentralismus oder Föderalismus? Sollte es einen Einheitsstaat mit starker
Zentralgewalt oder einen Staatenbund mit selbstständigen Einzelstaaten geben?
o Monarchie oder Republik? Soll es eine konstitutionelle oder parlamentarische
Monarchie oder eine Republik werden?
o Auch blieb fraglich. ob die Großmächte Preußen und Österreich sowie andere
deutsche Fürsten ihre Macht an eine gesamtstaatliche Regierung abtreten würden.

27. März 1849: Verabschiedung der „Verfassung des Deutschen Reiches“

28. März 1849: Verkündung der Paulskirchenverfassung


o Konstitutionelle Monarchie
o Schwächung der Selbstständigkeit der deutschen Territorien
→ Gesamtdeutsche Zentralgewalt für Außenpolitik, Heer & Gesetzgebung
o Kleindeutsche Lösung: preußischer König als Kaiser des deutschen
Nationalstaats ohne Österreich
o Preußischer König Friedrich Wilhelm IV. wird zum Kaiser gewählt
o
3. April: Doch Friedrich Wilhelm IV. lehnt die Kaiserkrone ab und löst die Versammlung auf
= viele deutsche Staaten erkennen die Reichsverfassung nicht an. Er wollte die Krone nicht
von Revolutionären übergeben bekommen und sah sich als „Gottes Gnaden“
= Scheitern der Nationalversammlung und der Revolution

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Scheitern der Nationalversammlung


Die Verfassung wurde zwar von 28 deutschen Staaten anerkannt. Sie scheiterte jedoch am Veto der
Großmächte Preußen und Österreich, die durch die Konterrevolution erstarkt waren. Als
König Friedrich Wilhelm IV. die ihm angebotene Kaiserkrone ablehnte, war
die Nationalversammlung – und die Revolution 1848/49 – gescheitert.

Warum scheiterte die Revolution?


- Überforderung, einen einheitlichen deutschen Nationalstaat (Einheit) und liberale
Verfassung mit der Garantie von Grundrechten (Freiheit) zu schaffen ->fehlende
Erfahrungen
- Ablehnung der Kaiserkrone durch den preußischen König
- Ansehens- und Vertrauensverlust der Nationalversammlung in die Bevölkerung (geringe
Akzeptanz
- Der größte Teil der Landbevölkerung wandte sich nach Erfüllung ihrer Forderungen von
der Revolution ab und blieb königstreu
- Spaltung /Unterschiedliche Ziele:
o Intellektuelle Bürger: einheitliches Staatssystem sowie kein sozialer Umsturz
o Arbeiter und Handwerker: Verbesserung der sozialen Bedingungen
- Territoriale Zersplitterung Deutschlands und Fehlen eines Zentrums machten ein
koordiniertes Vorgehen der Revolutionäre nicht möglich (es gab kein zentrales
Machtzentrum zum Stürmen)
- Mangelnde Autorität der Paulskirche gegenüber den Regierungen in Preußen und
Österreich
- Reaktionäre Kräfte erholten sich. Vor allem Militär und Adel standen dem alte System
loyal gegenüber
- Die Verhandlungsdauer war sehr lang, als Ergebnisse vorlagen, konnten sich reaktionäre
Kräfte bereits wieder festigen
- Fehlende Führungspersönlichkeit neutraler Meinung
- Die Paulskirche selbst verfügte über keine eigene Verwaltung, Finanzen und
bewaffneten Kräfte

Ergebnisse:
- Weiterhin Deutscher Bund
- Die freiheitlichen Bestrebungen der Demokraten wurden weiter unterdrückt
-politische Verfolgung der Revolutionäre
- Weiterhin monarchische Ordnung
- Verlangen der Bürger nach deutscher Einigung wurde erst 1871 durch Bismarck erfüllt

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Warum ist die Revolution doch nicht gescheitert und was hat sie verändert und historisch-
politisch bewirkt?
- Europa wuchs zum Kommunikationsraum zusammen, erstmals ein gesamteuropäischer
Informationsaustausch
- Viele soziale Gruppen, auch Frauen, wurden politisiert
- Aus den Fraktionen in der Paulskirche entstanden politische Gruppierungen, aus denen
später die Parteien hervorgingen
- Bildung eines deutschen Nationalbewusstseins: aus der bereits bestehenden
Kulturnation mehr und mehr eine Willensnation, aus der 1871 der deutsche
Nationalstaat entstand
- Religionsfreiheit wurde weitgehend hergestellt
- Industrialisierung: Bürgertum konzentriert sich auf Durchsetzung des technologischen
und wirtschaftlichen Wandels (Doppelrevolution 48: auch technologischer Fortschritt)
- hatte zwar keine sichtbaren Erfolge, weil sie ihre Ziele nicht durchsetzen konnten, aber
Revolutionen bewirken auch beim Scheitern immer Veränderungen (die
Wiederherstellung des monarchischen Absolutismus im traditionellen Sinne war nicht
mehr möglich)
- die deutschen hatten erstmalig Anspruch auf politische Mündigkeit erhoben
- setzte einen politischen Emanzipationsprozess in Gang
Einige Punkte aus dem heutigen Grundgesetz stammen aus der Versammlung

= im wiederbegründeten dt. Bund blieb der Wunsch nach nationaler Einigung weiter lebendig.
Allerdings zogen sich viele politisch enttäuschte Bürger ins Privatleben zurück oder wanderten aus.

Otto von Bismarck: Ministerpräsident von Preußen


- Will unbedingt die kleindeutsche Lösung verwirklichen
- Konservativ und monarchisch, richtete seine Politik gegen das Parlament
- Rücksichtlose Außenpolitik. War bereit alle 3 Kriege zu führen, um seine Interessen
durchzusetzen

Reichseinigungskriege
1964 Deutsch-dänischer Krieg:
- Dänische Verfassung wird geändert, was Schleswig dichter an Dänemark binden sollte
- Gehört laut Vertrag aber zum deutschen Bund
-Bismarck sieht dies als Verfassungsbruch (und hat durch diesen Verfassungsbruch das Recht,
militärisch gegen Dänemark vorzugehen)
-Armeen Preußens und Österreichs besiegten schnell die dänischen Truppen
- Holstein, Schleswig, Lauenburg werden unter Verwaltung aufgeteilt
1866 Österreich-Preußischer Krieg (Deutscher Krieg)
- Gemeinsame Verwaltung von Holstein und Schleswig löst Probleme zwischen Österreich und
Preußen aus
- Bismarck (pro Preußen) zettelt Konflikt mit Österreich an, um mehr außenpolitische
Erfolge zu haben
- Kleine dt. Staaten unterstützen aber Österreich VS. Preußen und Italien (Angriffsbündniss)
- Friedensschluss nach 7 Wochen
- es wird der Norddeutsche Bund gegründet (wird dominiert von Preußen, dt. Bund aufgelöst?)
- kleindeutsche Lösung scheint möglich

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- allerding andere europäische Mächte dagegen


▪ Russland will Preußen nicht mehr stärke, GB will keine neue Großmacht,
Frankreich gegen nationale Einigung

1870 Deutsch-Französischer Krieg


- Frankreich wird von Bismarck provoziert
- Spanische Thronfolge ungeklärt, Bismarck bietet Fürsten aus Preußen an
▪ Für Frankreich nicht hinnehmbar und fordert Preußens Verzicht auf den
spanischen Thron
- Offene Provokation durch Verfälschung eines Briefes lässt Frankreich den Krieg erklären
(19. Juli 1868)
- Doch Frankreich scheint Aggressor zu sein (rechtswidriger militärischer Angriff auf ein
fremdes Staatsgebiet)
▪ Süddeutsche Staaten sehen sich bedroht und schließen sich Preußen an
▪ Schlacht von Sedan wird von Preußen gewonnen
➔ 1871 Gründung des neuen dt. Kaiserreich (siehe unten)
➔ Deutsche Einigung erreicht

1871 Reichsgründung
Motive für Reichsgründung
1. Wunsch nach Nationalstaat
2. Wollen Rolle in Europa spielen: Großmachtpolitik betreiben
3. Einheitlichen Binnenmarkt OHNE Zölle

➔ Otto von Bismarck spielte eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des deutschen
Reiches
o durch ihn wird es ein Macht-, Obrigkeits- und Militärstaat
o Liberale blieben außen vor
Reichsverfassung:
- =>konstitutionelle Monarchie
- =>Monarch hat die alleinige Souveränität
- =>Kanzler vom Monarchen abhängig
- =>Reichstag und Bundestag
Dennoch: kein Minderheitenschutz, fehlende Grundrechte
➔ Ab 1871 mit Bismarck als Reichskanzler

Aber: Text und Realität weit auseinander


o Nicht der Bundesrat der dt. Fürsten war der Souverän, sondern ab 1890 Kaiser
Wilhelm II.
- Männerwahlrecht für Reichstagswahlen
o Plan war, dass Bauern konservativ wählen
o Durch Industrialisierung aber mehr Arbeiter, die sozialdemokratisch wählten ->
Sozialdemokraten werden verfolgt
- Parteien waren nicht vorhersehbar, etablierten sich trotzdem

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Kampf gegen Reichsfeinde


- Bismarck kämpfte gegen Gruppen die angeblich die nationale Einheit gefährden (wollte seine
Machtposition aufrechterhalten)
- Sozialistengesetze:
=>Verbot von sozialistischen Parteien + Propaganda
=>Lücke: Sozialdemokraten konnten weiterhin zur Wahl antreten und bekamen in Folge immer mehr
Stimmen
➔ Nationalismus verliert die liberale und demokratische Ausrichtung

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Nationalstaatsbildung Polen:
Polen: Königsreich mit Adelsrepublik
- Adelsrepublik mit Einstimmigkeitsprinzip (Gesetzesbeschluss nur ohne Gegenstimme)
o König machtlos, Adel viel Macht= mächtigste Familien wählten in Abständen ein
Parlament
o Viel Korruption, oft keine Gesetze verabschiedet
- Chaotischer Zustand: Preußen, Österreich und Russland greifen ins politische Geschehen ein
Polnische Teilungen
schrittweise Aufteilung des polnischen Staatsgebiets zwischen Österreich, Preußen und Russland
- Schwächung der Adelsrepublik durch Krieg gegen Schweden
➔ KEIN polnischer Staat mehr
Die Erste 1772
-Russischer Handlanger saß auf dem polnischen Thron
-Er wollte eine Staatsreform durchsetzen, was die russische Kaiserin Katharina II. nicht wollte
(Einstimmigkeitsprinzip wäre weg)
-Russische Kaiserin organisierte Widerstand -> es folgte ein Bürgerkrieg
-Russland, Preußen und Österreich schritten militärisch ein und teilten Polen unter sich auf ->
Polen verlor 30 % des Territoriums
Die Zweite 1793
-Polnischer Reichstag wollte Verfassung verabschieden nach Vorbild der frz. Revolution
o Würde Einstimmigkeitsprinzip weg machen und Gewaltenteilung schaffen
-russische Zarin fühlte sich durch die angestrebte Verfassung provoziert
=>organisierte den Widerstand des Adels, welcher russische Truppen ins Land rief
=>polnische Patrioten unterliegen der Übermacht
-Russland und Österreich vereinbaren die zweite Teilung
Die Dritte 1795
-verbliebende bewaffnete Kräfte Polens versuchen gegen Teilung und Untergang ihres Landes
vorzugehen
=>der Aufstand wird von russisch-preußischen Truppen niedergeschlagen
-Die drei Mächte nehmen den Aufstand zum Anlass um das restliche Gebiet Polens unter sich
aufzuteilen
=>die dritte polnische Teilung bedeutete das Ende des Staates Polen
→ 18% Österreich, 60% Russland, 20% Preußen, die restlichen 2% bildete das
Königtum Warschau als Königreich Polen
→ keine Auslöschung der polnischen Nation/Identität
- nach Aufteilung unter den drei Mächten war Polen eine „Nation ohne Staat“

Verfassung 1791
- zentrale Aspekte der französischen Revolution
- Beschneidung der Privilegien des Adels
- Aufhebung Einstimmigkeitsprinzip
- spricht dem Bürgertum Rechte zu
- Volkssouveränität
- Polens Nachbarn sahen in dieser Verfassung eine Bedrohung ihres Herrschaftssystems
- Symbol für Hoffnung
- letzter Versuch die Unabhängigkeit noch zu retten

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1815 Wiener Kongress: Polen wurde in vier Gebiete aufgeteilt


- östliche und südöstliche Gebiete = Russland
- Zentralpolen wurde „Königreich Polen“ = Kongresspolen
- Posen, Westpreußen, Danzig = zu Preußen
- Galizien = Österreich/ Ungarn (Habsburger Monarchie??)

1830-1864: Aufstände
- Wunsch nach eigenem Nationalstaat -> Aufstände scheitern
1830 Novemberaufstand
- in Polen begannen Offiziere und Studenten (Intellektuelle) einen Aufstand, weil das Gerücht
aufkam, dass russische Truppen gegen Belgien und Frankreich eingesetzt werden sollen und
Polen zu einer Militärverwaltung werden sollte
- Unzufriedenheit mit Kongresspolen
- die Bewegung hatte sich radikalisiert, wurde jedoch bis September 1831 niedergeschlagen
- Die Bewegung stieß in DE auf große Sympathien = Polenbegeisterung
1846: polnischer Aufstand fand in der Provinz Posen noch viel deutsche Unterstützung (Anschlag auf
2 russische Statthalter -> fanden sie blöd -> sagten, dass alle Polen zur Armee müssten -> Aufstände -
> wurde zerschlagen) Ende der Polenbegeisterung
=>1848/49 wurden aus denselben nationalen Zielen konkurrierende Bestreben
=>deutschem Nationalgefühl in der Paulskirche war die Unabhängigkeitsbewegung Polen ein
Dorn im Auge
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- Posendebatte im Juli 1848 stimmte die Mehrheit gegen eine Soldiaritätsresolution mit den
nationalen Zielen Polens
polnischer Aufstand 1863/64 war aussichtslos=>Hinrichtungen + Deportationen nach Syrien
- Aufstand im russischen Gebiet
o Bauern passiv, ging eher von Intellektuellen aus
o Grund waren unzureichende Lockerungen im Gebiet
- Proteste niedergeschlagen, Anführer getötet
- Nach 15 Monaten brach Besetzung Warschaus ab
o Hinrichtung/ Deportation der Revolutionäre
o Schulsystem geschwächt, Bildung heruntergefahren
o Viele Flüchtlinge

1914-1918: erster Weltkrieg


1919: Versailler Vertrag =Die 2. polnische Republik
- Deutsches Reich und Österreich-Ungarn hatten den ersten Weltkrieg verloren und Russland
war mit den Bürgerkriegen beschäftigt
=>Polen erlangt durch Unterstützung der Westmächte die volle staatliche Souveränität
zurück
- November 1918 übernimmt Pilsudski als Staatsoberhaupt die Macht
- Anerkennung Polen als unabhängiger Staat im Versailler Vertrag

1920/21: Vergrößerung Polens


- Polnisch-sowjetische kriege
1921: Verfassung der Republik Polens
1926: Staatsstreich unter Pitsudski -> autoritäre Staatsform
1939-1945: zweiter Weltkrieg
1944/45: Machtübernahme durch kommunistische Partei (PPR)
- Folge: Errichtung der „Volksdemokratie“
1989: Gründung der demokratischen Republik Polens -> Loslösung aus dem Ostblock
„Organische Arbeit“
- Begriff von polnischen Positivisten: Die damit bezeichnete Ideologie verlangt den Einsatz der
Kräfte der Nation zu sinnvoller Arbeit anstelle von fruchtlosen Aufständen.
- Prinzipien: u. a. Bildung der Massen, Steigerung des ökonomischen Potentials der Polen
o Dadurch sollte aus den niedrigeren polnischen Klassen eine moderne Nation
entstehen und der Erfolg der Germanisierungs- bzw. Russifizierungspolitik der
Teilungsmächte verhindert werden.
▪ Nationalismus der Polen wurde gestärkt
- Zur Modernisierung und Stärkung des polnischen teils
o Wurde auch im österreichischen und russischen Teil übernommen

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1.2.3 Konfliktfeld Nationalstaat (u. a. Germanisierung [z. B. Schulpolitik], nationale


Stereotype, Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg)

(Unterschiedliche Definitionen von Staatsbürgern)


- In Demokratie für Wahlrecht wichtig
Deutschland: Abstammungsprinzip
Frankreich: theoretische Bekennung zu Frankreich
Polen: polnisch sprechen

Germanisierung
- Dt. Kaiserreichgründung 1871 führte zu Spannungen zwischen den Deutschen und Polen:
Nationalitätenkonflikt
- Nationalstaat war zunehmend rassistisch und hatte das Ziel der ethnischen Homogenität
• „Lebensraumpolitik“ als Vertreibungsstrategie:
- nicht-Deutsche Polen (Einwanderer aus Russland/ Österreich) mussten Preußen verlassen:
zunächst Zulassungsbeschränkungen und später Massenausweisungen von Polen aus dem
Kaiserreich
• Schulaufsichtsgesetz:
o Deutsch als einzige Unterrichtssprache, polnische Sprache in Schule und Öffentlichkeit
verboten
o Deutsch als einzige Amtssprache
➔ Ziel: den polnischen Generationen ihre Identität nehmen
• Enteignungsgesetz: =>polnischen Besitz enteignen
• Ansiedlungsgesetz: um dt. Bauern und Arbeiter dort anzusiedeln, indem die Grundstücke der
Polen aufgekauft wurden
• Unterdrückung katholische Kirche
➔ Polen ihre Identität nehmen und die polnische Sprache aus dem öffentlichen Raum
verdrängen
➔ gescheitert, da Polen sich nicht eingedeutscht fühlen, sondern verstoßen
➔ Germanisierung führte zu einem verstärkten Nationalismus bzw. zu einer verstärkten
Nationalisierung
Von Polen: Bildung der organischen Arbeit
o Entgegenwirken Germanisierung
o Entwicklung polnischer Parallelgesellschaft
Preußische politik gegenüber Polnischer Bevölkerung
- Alle internationalen Verträge nicht eingehalten
- Permanente Überwachung von Versammlungen -> keine Entfaltung und Vertrauen
- Verbot von Theateraufführungen -> Kultur verdrängt, Identität wird nicht geschützt
- Pl. Sprache vor Gericht verboten -> Unterdrückung der Identität
➔ Polen fühlen sich nicht heimatlich, Wurzeln gehen verloren
- Kein Angebot für polnische Bürger sich zu integrieren
-Kinder fühlen sich in der Schule nicht zugehörig, weil die Muttersprache nicht
gesprochen wird

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Nationale Stereotype
Aus Stereotypen entstehen Feinbilder -> Bereitschaft zum Krieg wird erhöht -> Feinbildpropaganda
-> größere Differenz zwischen den Nationen

Deutsche Sicht: Polnische Sicht:


-Die Deutschen sind: überlegen, produktiv, -Die Polen sind: edel, gut
gebildet -Die deutschen sind: grausam, schlecht,
-Die Polen sind: dumm, faul, chaotisch, nicht protestantisch
wirtschaftsfähig, katholisch

Grenzziehung nach dem ersten WK


- Deutschland trägt die alleinige Kriegsschuld (nach Vertrag)
- Neuer Staat Polen wird gegründet: aus den Territorien der Verliererstaaten des 1.
Weltkrieges
- Es soll keine Vormachtstellung in Europa geben
- Staaten nach Nationalität einteilen, um Kriege zu verhindern
- Prodeutsch, da sonst FR gestärkt werden würde (Hegemonie verhindern)
- Grenzen zwischen Deutschen und Polen stark diskutiert, Bsp: Oder-Neiße-Grenze
- DE:
o Bestehen auf die Gebiete, weil sie ursprünglich schon deren Gebiet war (VW: von
germanischen Stämmen besiedelt)
o Keine klare Unterscheidung von Polen und deutschen oder anderen Ethnien mehr
möglich
o Wirtschaftlich wichtig für Land (Kartoffelanbau aus den Gebieten-> Verlust= Hunger
- Polen: Grenze an Danzig sperrt Zugang zum Meer und damit wirtschaftliche Probleme

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Deutsch- Polen Mara

Die Oder-Neiße Grenzen


- Als Friedensgrenze = Voraussetzung für ein friedliches Verhältnis zu Polen
- Oder- Neiße- Grenze ablehnen, da sie für das pol Volk völkerrechtlich und staatenrechtlich
unhaltbar wäre
- Sorge, dass die Grenze als Propaganda für Chauvinismus genutzt wird
- Polen wollen festhalten am Gebiet

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1.2.4 Nationalsozialismus: deutsche und polnische Erfahrungen (u. a. NS-Rassenideologie,


Vernichtungskrieg, Heimatarmee, Warschauer Aufstände)
Nationalismus
-Identifikation mit historischem & kulturellem Erbe einer Nation
Identifikationsbildung durch Abgrenzung:
• In Groups: Zugehörigkeit einer Nation
• Out Groups: Minderheiten
Positiv: Negativ:
-Man bekennt sich auf das, was das Volk zsm -Übertriebener Stolz führt zur Herabsetzung
hält anderer Völker (Nationalsozialismus)
-Patriotismus (Liebe zum Vaterland) = Ausgrenzung „anderer“ nationalen
Minderheiten
Formen des Nationalismus:
Patriotismus: Liebe zum Vaterland mit zulässiger Kritik
Nationalismus: erhöhte Verbundenheit zum Vaterland ohne Kritik
Chauvinismus: Überlegenheit des Vaterlandes, andere Menschen/ Nationen sind abwertend

NS-Rassenideologie:
• Arier seien in der Rassenpyramide an der Spitze
• Ziel: einheitliches DE (Minderheiten sollen vertrieben werden, damit sich Arier vermehren
können
• Führerstaat und antiparlamentarisch, antikommunistisch, antipluralistisch (bunte
Gesellschaft)
• Antisemitismus: Juden werden als Rasse betrachtet und angefeindet= starker Judenhass=
sie haben laut Hitler schlechte Eigenschaften und haben Schuld an allem
• Rassenhygiene: kranke und schwache werden Umgebracht, damit Geld für Gesunde bleibt
• Rassismus, Extremismus, Militarismus (Männer= Soldaten, Frauen= nur Mütter)
• Rassenlehre
o Überlegene Rasse= Arier
• Jugenderziehung
• Lebensraumpolitik
• Chauvinismus: Der Glaube daran, dass die eigene Gruppe/ Geschlecht höhergestellt ist

Sozialdarwinismus (auch in NS-Ideologie):


➢ Das Recht des Stärkeren, den Schwächeren auszumerzen
• Keine Moral, kein Mitleid!
• Starke Rasse setzt sich gegen schwache Rasse durch (Arier gegen Juden)
• Darwins Theorie wird missverstanden: Volksgemeinschaft nur Arier
• NS: Glaube an einen Kampf ums Dasein der verschiedenen Rassen

Deutsche und polnische Erfahrungen!!

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Deutsch- Polen Mara

Nationalismus in Polen nach dem Ersten Weltkrieg


-Nationalstaatsbildung so nicht möglich wie in DE
-einziges grenzübergreifendes Band zwischen Polen: kath. Kirche
-Germanisierung führt in (preußischen) Teilen Polens zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls
+ Aufkommen des Integralen Nationalismus
Probleme:
1. Leben in den Teilungsgebieten ist sehr verflochten mit der jeweiligen Politik der
Teilungsmächte
o Kaum noch Gemeinsamkeiten zu anderen Teilungsgebieten Polens
o Wachsende Entfremdung der polnischen Bevölkerung zwischen den
Teilungsgebieten
o Stolz auf eigene Teilungsmacht
2. Unterschiedliche Sozioökonomische Entwicklungsgeschwindigkeiten
o Klare Differenz zwischen Westen & Osten
Westen: höheres Einkommen, hochwertigere Häuser und Lebensmittel, bessere
Lebenserwartung
Osten: kaum Einkommen, heruntergekommene Wohneinheiten, niedrige
Lebensbedingungen, schlechte Nahrung (wenig Fleisch)

Vernichtungskrieg:
• Ziel: Eroberung neuen Lebensraum im Osten
o Polenfeldzug + Massenermordung polnischer Intellektueller
• Deutsch-sowjetischer-Krieg
o Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion
o Physikalische Auslöschung der jüdischen Elite und Juden selbst
o Eroberung von Kolonial- und Lebensraum
o Unterwerfung der slawischen Bevölkerung

Besatzungspolitik in Polen
-Schaffung einer rassischen, geistigen Einheit der Deutschen
• Generelle Eindeutschung
• Vergrößerung des dt. Lebensraum im Osten
• Abschiebung von nicht eindeutschbaren Fremdvölkern in das polnische Gebiet: alle
Polen wurden ausgesiedelt oder ins KZ deportiert und in den leeren Dörfern sollten
Deutsche angesiedelt werden
• restlose Beseitigung des Polentums
Politische Intellektuelle wurden ermordet, um die pol. Führungsschicht zu schwächen
• Fast alle pol. Schulen wurden geschlossen= Bildung sei in Polen überflüssig
Die SS suchte im großen Stil nach „nordischem Blut“
• Die pol. Kinder, die arisch aussahen, wurden eingedeutscht, den pol. Familien entzogen und
in Militärwaisenhäusern aufgezogen

Aufstand im Warschauer Ghetto/ Heimatarmee 19. April 1943


Ende 1940 entstand der große abgetrennte Wohnbezirk für Juden. 100 000 Polen wurden
umgesiedelt und Juden hin deportiert. Es waren untermenschliche Bedingungen: total überfüllt,
katastrophale hygienische Verhältnisse, Unterversorgung, Epidemien etc. Die Mauer war 18 km lang
und 3,5 m hoch.
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Doch es gab eine Wiederstandbewegung: einige Bewohner organisierten verzweifelt Sprengstoff,


bauten Bunker, bildeten Kämpfe aus =alles mit sehr primitiven Mitteln. Die SS rückte am 19.April
1943 vor und stieß auf heftig militärischen Widerstand. Doch die Juden waren chancenlos, waren
aber dennoch ihren Mördern mit Mute der Verzweiflung entgegengetreten.

Warschauer Aufstand Sommer 1944


Die Westalliierten rückten von Frankreich durch DE bis nach Warschau vor trafen auf pol.
Widerstand:
o Die pol. Heimatarmee wurde im Untergrund aufgestellt mit 45.000 Soldaten, aber sehr
schlecht bewaffnet
o Ziel: Widerstand zu geben, um später bei den Friedensgesprächen mitwirken zu können
o Zeit: 1.August bis 3.Oktober 1944
o Doch die erhoffte sowjetische Unterstützung für polen blieb aus und Hitler nutzte die
Gelegenheit und ordnete die völlige Zerstörung Warschaus an.
o Historiker vermuten, dass Josef W. Stalin nicht mit der lästigen polnischen
Unabhängigkeitsbewegung zu tun haben wollte

Zwangsmigration von Deutschen und Polen


1) 1944/45: fliehen vor roter Armee = hoher Verlust an Zivilbevölkerung
2) „wilde“ Vertreibungen= gewaltige Rachetaten der Nationalsozialisten, Potsdamer Konferenz
sollte Vertreibungen in geordneten Rahmen lenken
3) 3,2 Mio. Deutsche mussten aus polnischen Territorien fliehen, Millionen von Polen waren
gezwungen aus den Ostgebieten nach Westen zu gehen, bzw. wurden deportiert oder
vertrieben

1.2.5 Das deutsch-polnische Verhältnis nach dem Zweiten Weltkrieg (u. a. Görlitzer
Abkommen, Hirtenbrief der polnischen Bischöfe 1965, Warschauer Vertrag 1970/72,
Partnerschaftsvertrag 1991)

Görlitzer Abkommen
• der Grenzverlauf war nach dem 2. Weltkrieg von den Alliierten festgelegt worden
=>deutscher Gebietsverlust
• die DDR wollte diese Grenze nicht anerkennen
• unter sowjetischen Druck stimmte sie dann schließlich der Oder-Neiße-Grenze zu
• im Görlitzer Vertrag am 6. Juli 1950 stimmten dann beide Staaten der von den Allierten
festgelegten Grenze zu
=>erst später auch von BRD anerkannt
• als Friedens- und Freundschaftsgrenze bezeichnet

Stuttgarter Schuldbekenntnis 18./ 19. November 1945


-die (nach dem 2. Weltkrieg gebildete) evangelische Kirche in DE bekennt zum ersten Mal eine
Mitschuld evangelischer Christen an den Verbrechen des Nationalsozialismus (Anlass war der Besuch
des ökumenischen Rates der Kirche (Weltkirchenrat), die sich bereit zeigten, sich mit den Deutschen
zu versöhnen. Diese erwarteten dazu ein glaubwürdiges Schuldbekenntnis!) =nur unter 10% der

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Deutsch- Polen Mara

Pastoren haben den Auftrag durchgeführt und das Bekenntnis vorgelesen. Die meisten waren starke
Nazis
Vor hist. Kontext: Nach Kriegsende war die Lebenssituation in großen Teilen Europas schwer und die
meisten dt. kümmerten sich ums Überleben: eine Rückbesinnung auf das eigene Verhalten in der NS-
Zeit fand zunächst nicht statt= hatten andere Probleme. Zusätzlich gab es Proteste aufgrund
„Entwürdigung des Volkes“

Hirtenbrief pol. Bischöfe an die Deutschen 18. November 1965


= Versöhnungsinitiative
-schildert die Besatzung währen des 2. Weltkriegs: traumatische Erfahrungen galten als Erklärung für
das anhaltende Misstrauen der Polen gegenüber Deutschland
-Sie gewähren Vergebung und bitten um Vergebung
-Stellen die Deutschen nicht nur als Täter dar, sondern auch als Opfer
-„strecken ihre Hände zu den Deutschen aus“ und laden nach Polen ein
In Polen: stieß auf Unverständnis: sie lebten inmitten der erlittenen Kriegsverluste und Zerstörungen
und konnten den Deutschen nicht verzeihen. Und die Kirche ist nicht berechtigt in die Außenpolitik
einzugreifen
-Brief als Symbolwirkung, um Versöhnung auf religiöser Ebene
Antwort:
- freudiges Empfanges des Briefes
=>große Dankbarkeit
-Einladung zu einem Treffen
-Zugabe der Taten
=>Erhöhung des Verständnisses bzw. Wirkung der Entschuldigung

Kniefall Willy Brandt 7.12.1970


-besuchte Warschau, um dort den Warschauer Vertrag zu unterzeichnen, der das Verhältnis der BRD
und Polen regelt. Teil des Staatsbesuches war eine Kranzniederlegung am Ehrenmahl fürs
Warschauer Ghetto. Dort sank er unerwartet auf die Knie= eine Bitte um Vergebung für die
deutschen Verbrechen des 2. Weltkrieges

Warschauer Vertrag 1970/71


• vorher Kniefall Willy Brandt vor dem Denkmal für ermordete Juden im Warschauer Getto
=>wurde als Schuldeingeständnis gesehen
→ teilweise Unzufriedenheit in Deutschland
• Anerkennung Oder-Neiße-Grenzen als Friedens- und Freundschaftsgrenze
=>großer Schritt für die Einigung Europas

Partnerschaftsvertrag 1991
-vom polnischen Ministerpräsident Krystof Bielecki und Bundeskanzler Helmut Kohl unterzeichnet
-Deutsche Regierung erhofft sich durch den Vertrag an der neuen Ostgrenze Stabilität zu schaffen
und Polen auf den Weg zur Demokratie und Marktwirtschaft zu unterstützen
= leidvolle Kapitel der Vergangenheit abschließen + freundschaftliche Beziehungen anknüpfen
Probleme:
- Ältere Polen sind skeptisch, weil sie noch die nationalsozialistische Besatzung im
Hinterkopf haben

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- Dt. Bevölkerung reagiert teilweise ablehnend, weil sie die zeit der Vertreibung noch vor
Augen haben
Inhalte:
- Oberstes Ziel ist es den Frieden zu wahren
- Deutsche und polnische Minderheiten erhalten besondere Schutzrechte
- Jugendaustausch, Städtepartnerschaft, Kooperationen werden besonders gefördert
- Dt. Regierung wolle Polen bei Eintritt in die EU unterstützen
- Verurteilung von Judenhass, Antisemitismus etc.
= die dt. Wirtschaft profitierte vom Vertrag, weil im Osten nun ein großer Markt zur Verfügung stand

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1.3 Rezeption
Unterschiedliche Sichtweise auf Vergangenheit insbesondere 2. WK
Deutschland:
- Aufarbeitung der NS-Zeit, Verbrechen etc. ist fest in Politik und Gesellschaft verankert
- Häufig liegt der Schwerpunkt des Gedenkens nur auf jüdischen Opfern -> Kritik von
Polen, denn auch viele pol. Opfer
- Deutsche erwarten Aufarbeitung im gleichen Maße von anderen Staaten wie Polen ->
keine Vergleichbarkeit
- Deutsche scheinen Verantwortung teilen zu wollen
Polen:
- Erinnerung immer geprägt von der zeit der pol. Unterdrückung durch DE
- Kritik daran, Verantwortung auf Polen übertragen zu wollen: Polen als Opfer

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