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Wahrnehmung und Beobachtung im Pflegeprozess

Wahrnehmung

1. Definition

Prozess der Aufnahme und Verarbeitung von sensorischen Informationen und Reizen durch
Sinnesorgane

2. Grundlagen

◎ Entwicklung stufenförmig, bereits im Mutterleib

◎ Bis 12. SSW bildet sich sensorische Basis:


○ vibratorisch (Vibration)
○ vestibulär (Gleichgewicht)
○ somatisch (Körper)

◎ Konzept der basalen Stimulation


○ Prof. Dr. Fröhlich
○ C. Bienstein

3. Formen/Arten
1 Schmecken = gustatorische Wahrnehmung, Geschmackssinn
◼ Reizaufnahme durch Zunge
◼ Wahrgenommenes:
◼ Geschmack, Gestalt/Konsistenz

2 Sehen
= visuelle/optische Wahrnehmung, Gesichtssinn
◼ Reizaufnahme durch Auge
◼ Wahrgenommenes:
◼ Gestalt, Größe, Farben, Helligkeit, Kontrast, Formen, Räumlichkeit

3 Hören
= akustische/auditive Wahrnehmung, Gehörsinn
◼ Reizaufnahme durch Ohr
◼ Wahrgenommenes:
◼ Geräusche, Töne, Wörter, Laute, Klänge, Rhythmen (auch Entfernung)

4 Tasten
= taktile/haptische Wahrnehmung, Tastsinn
◼ Reizaufnahme durch Haut
◼ Wahrgenommenes:
◼ Berührung, Härtegrad, Temperatur, Druck

5 Riechen
= olfaktorische Wahrnehmung, Geruchssinn
◼ Reizaufnahme durch Nase
◼ Wahrgenommenes:
◼ Duftreize
◼ Stark mit Emotionen verbunden!

6 andere

◎ Kinästhetisch
○ Körperhaltung und Bewegungsabläufen

◎ Vestibulär ○ Lageänderungen und die Bewegungskoordination

◎ Trigeminal ○ Partner der olfaktorischen und gustatorischen Wahrnehmung

4. Wahrnehmungsprozess/kette
◎ Verarbeitung des über Sinnesorgane gewonnenen Informationsmaterials
◎ unbewusst, beiläufig, zufällig
◎ Subjektiver Prozess

Geprägt von:
Erwartungen
Vorwissen
Aktivität des Nervensystems
Reizinformation aus der Umwelt
Kontext

Die wahrnehmungskette

1 Umwelt
2 Medium (licht)
3 Rezeptoren
4 sinnesnerven
5 sensorische zentren
6 Reaktion

◎ Es entsteht ein aktiv konstruiertes (mentales) Bild der Wirklichkeit


◎ Ein Glied der Kette gestört = Widerspruch zwischen Reiz und ausgelöster Wahrnehmung
Wahrnehmungsstörung

◎ Kette arbeitet störungsfrei, aber Wahrnehmungsprozess entspricht nicht Realität


Wahrnehmungstäuschung

6. Wahrnehmungsgesetze/organisation
◎ Beispiele: ○ Reizabhängigkeit
○ Kontextabhängigkeit
○ Erfahrungsabhängigkeit
○ Bewertung
○ Gesetz der Nähe
○ Gesetz der Geschlossenheit

Reizabhängigkeit
◎ Die Wahrnehmung wird beeinflusst, wie stark der entsprechende Reiz ist, ob er die
individuelle Reizschwelle überschreitet und ob er ein Sinnesorgan direkt anspricht.

Filtereffekte
◎ Informationen in kleinere Einheiten zerlegt, getrennt verarbeitet (verstärkt,
abgeschwächt, bewertet) und in verschiedenen Gehirnarealen wieder zusammengeführt

◎ Beispiel: Halo-Effekt („Überstrahlung“)

Bewertung

◎ manche Sinneseindrücke werden mit Emotion (Angst, Freude, Schreck ...) verknüpft

◎ Diese Bewertung beeinflusst die Lenkung der Aufmerksamkeit auf bestimmte Sinnesreize

Kontextabhängigkeit

◎ Dinge werden nicht alleinstehend wahrgenommen, sondern in einer Einheit mit ihrer
Umgebung

Erfahrungsabhängigkeit

◎ Die Wahrnehmung erfolgt innerhalb des Gehirns durch einen Vergleich des Reizes mit
bereits abgespeicherten Erfahrungen.
◎ So entstehen unterschiedliche Interpretationen

Gesetz der Nähe

◎ Objekte, die dicht beeinander liegen, werden als Einheit betrachtet

Gesetz der Ähnlichkeit


◎ Ähnlich aussehende Gegenstände werden als zusammengehörig betrachtet

Aufmerksamkeit als Prozess = Steuerung->Aufmerksamkeit als Ergebnis = Bewusstsein

7. Aus Patientensicht
◎ Unterliegen Wahrnehmungsgesetzen (Emotionen, Erfahrungen, Wissen)
◎ Emotion ... Angst
◎ Erfahrung ... Schmerz
◎ Wissen ... Wenn ich schreie, lässt man von mir ab

9. Zusammenfassung

◼ ist eine Abfolge von physiologischen Schritten und kognitiven Prozessen

◼ spiegelt nicht einfach die Natur der physikalischen Welt wider, sondern ist Ergebnis einer
gefilterten Verarbeitung der physikalischen Welt durch unser Wahrnehmungssystem

◼ ist ein komplexer Prozess der Informationsgewinnung durch die Verarbeitung von Reizen,
die allerdings subjektiv erfolgt

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