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Trend Ganztagsschule: Pro und Contra

Die richtige Schule zu finden, ist für Kinder und Eltern ein wachsendes Problem.
Schule ist erst einmal Ländersache und damit von Bundesland zu Bundesland
verschieden und immer abhängig von der jeweiligen Landesregierung. Entsprechend
vielfältig sind nach der Grundschule die weiterführenden Schulformen und
Bezeichnungen quer durch die Republik: Hauptschule, Realschule, Regionalschule,
Regelschule, Sekundarschule, Mittelschule, Oberschule, Realschule plus, erweiterte
Realschule, Gesamtschule, Förderschule, Gymnasium und berufsbildende Schule.
Andererseits gibt es aber einen gemeinsamen bundesweiten Trend – hin zu mehr
Ganztagsschulen für Grundschüler und die der sogenannten Sekundarstufe I von der
fünften bis zur zehnten Klasse. Haben 2002 rund 10 % der Schüler eine
Ganztagsschule besucht, waren es 2014 bereits knapp 36 %. Auch in 2016 nahm die
Zahl der Ganztagesschüler nochmal zu und stieg auf 42,5 %. Nach einer aktuellen
Umfrage aus 2019 sprechen sich 78 % für einen Ausbau des Systems der
Ganztagsschulen aus.
Was Ganztagsschule bedeutet
Prinzipiell gibt es die Ganztagsschule für jede Schulform, egal ob Grund-, Haupt- oder
Realschule bzw. Gymnasium. Doch die Ganztagsschule gibt es nicht. Per Definition
der deutschen Kultusministerkonferenz im Oktober 2003 sind Schulen, die im Primar-
oder Sekundarbereich I über den Vormittagsunterricht hinaus an mindestens drei
Tagen in der Woche ein ganztägiges Angebot haben, das täglich mindestens sieben
Zeitstunden umfasst, Ganztagsschulen. Das bedeutet: Wo Ganztagsschule draufsteht,
ist nicht unbedingt eine Schule drin, die tatsächlich jeden Tag der Schulwoche eine
Ganztagsbetreuung bietet. Und weil eben jedes Bundesland seine eigene
Ganztagsschulpolitik verfolgt, gibt es einige wichtige Unterschiede bei den
Unterrichtsformen, Betreuungskonzepten und auch den Kosten für die Eltern. Einzig
gleich ist, dass niemand Anspruch auf den Besuch einer Ganztagsschule hat.
Dass es kein einheitliches Ganztagsschulkonzept gibt, hat verschiedene Gründe, aber
im Kern geht es um Kosten, Chancengleichheit und die Frage, in welchem Maß Eltern
oder Staat für die Bildung der Kinder verantwortlich sind – oder sein sollen.
Die wichtige Frage, ob Schüler einer Ganztagsschule – unabhängig von der Schulform
– bessere oder schlechtere Leistungen als an einer Halbtagsschule erbringen, ist
bislang nicht geklärt, denn die Unterschiede von Schule zu Schule sind zu vielfältig, um
sie vergleichen zu können. Die Entscheidung für oder gegen den Besuch einer
Ganztagsschule ist daher in erster Linie abhängig von individuellen Ansichten,
Wünschen und Bedürfnissen des Schülers und seiner Eltern.
Die wichtigsten Argumente im Überblick
Pro
 Entlastung der Eltern, vor allem für Berufstätige und Alleinerziehende
 Betreuung und Hilfe bei den Hausaufgaben durch Lehrer und Erzieher
 durchgängige Aufsicht der Schüler
 geregeltes Mittagessen und mancherorts Ernährungskunde beim gemeinsamen
Kochen
 intensiveres Zusammenleben der Schüler fördert Verständnis und Integration
 verstärkte Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern
 Schüler mit Migrationshintergrund lernen schneller Deutsch
 gemeinsame Freizeitgestaltung
 Freizeitangebote, zu denen manche Schüler sonst keinen Zugang haben
 außerschulische Kooperation zu Betrieben, Vereinen, Musikschulen
 nach Schülerbedürfnissen angepasster Stundenplan
Contra
 der Einfluss der Eltern auf die Erziehung nimmt ab
 Schüler haben weniger Zeit mit der Familie
 höhere Kosten für die Eltern
 weniger Zeit für persönliche Entwicklung und Hobbys des Kindes
 die physische und psychische Belastung des Kindes durch lange Schultage
steigt
 Hausaufgaben und Lernen daheim bleiben bestehen – wenn auch mit weniger
Umfang
 die Selbstständigkeit der Schüler nimmt durch Dauerbetreuung ab
 Extrakosten durch schulische Zusatzangebote (Ausflüge, Veranstaltungen etc.)
 Gruppendruck stresst einzelne Schüler – Stichwort Mobbing
 negative „Klassenbildung“ in Ganztags- und Nichtganztagsschüler einer Schule
 Arbeitszeiten und Anforderungen an das Schulpersonal steigen
 Personalmangel (Lehrer, Erzieher, Betreuer) führt zu Unterrichtsausfall
Entscheidungshilfe
Um das spezielle Angebot einer Schule mit Ihren Vorstellungen abzugleichen,
empfehlen sich Informationstage oder das direkte Gespräch mit der Schulleitung. Dort
erfahren Sie auch, welche Kosten auf Sie zu kommen, denn das Mehr an Schule gibt
es selten umsonst. Viele Informationen bietet auch die Website der Schule, und die
Erfahrungen anderer Eltern sind ebenfalls oft hilfreich.
Aktuell gibt es rund zehntausend Ganztagsschulen in Deutschland – ob auch in Ihrer
Nähe zeigt, der Finder des Bundesministeriums für Bildung und Forschung oder weiß
das für Sie zuständige Schulamt.

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