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O)tl· RICFI(1l

BURSCHENSCHAFTER OHNE STRACHE AM HHOENPLATZ (obenl. STRACHE (mit Klubobmännern Cap und Kopfl BEIM NAZI · OPfER· GEDENKEN IM PARLAMENT

Auf dem Weg zur Regierung sfähigkeit mü sse n be sti mmte

Fotos verhindert werden

Wenn alle untreu werden

H. C. Strache entsc huldi gte s ich be im Burschen-

sc haft e r-Gedenken mit e in er wichtigen "Ge heim- konfer e n z" der Rechtsparteien in Itali e n . Die hat in Wahrheit nie stattge fund en.

28 profil 20 • 16. M.li 2011

VON H ER BERT LACKNER

B

ci der Fackel flammendem Schein

zück ten s ie noch einmal die Säbel -

lind dann ab in die Bude zum Bier.

Sc hade . dass H. C. ni cht da war. Hcinz-Christian Stracllc hätte vorver-

_ gangenen Sonntag die ~Totenrcde" bei der

umstriucllcn GedenkfeiN der rechten Bur- sc hen sc haften am Heldenplatz halten sol-

len - u nd hatte er St ganz kurz vor Beginn

der Vera nSlaltung abgesagt: leider, ein i 11-

tcrnationaler Termin, der keinen Aufschub

dulde, eine Konferenz der europäischen

Rt'chtspartcien in It alien.

Eine Elltläuschung für die 200 angetre- tenen Burschen aller Altersgruppen, die einander wie jedes Jahr a l11 8. Mai versi- chenen . dass Deutsc hland am Zweiten

Wehkrieg nicht wi r klich sc huld und die

Befreiung 1945 in Wahrheit eine Nieder- lage gewesen sei. Die kurzfri stige Absage Stra ches am Son nt ag ersc hien etwas merkwürdig. zu- mal ta gs darauf durchsicke rte , dass der FPÖ -übmann sc hon am Mittwoch den per-

sönlic hen Po li zeischutz

abbestelh halle.

Hatte Stra che den BLI rschenschafter-Ter- min nur gesc h wä nzt. wei l die Fotos m it den bärbeißigen Recht sa u- ßen be i se in em Disco- Publikum gar nicht gut kommen? FPÖ-Gencralsekretä r Herben Kick!. Herr über

die blaue Agitprop·Ma·

schinerie, hielt sogleich stramm dagegen und

e rsti ckte Gerüc ht e im

Ke im : [n It alien h abe es

sich um einen ~wichti­ gen Termin~ gehandelt, den viel Vorbereitung sze it geflossen~

in

sei: HEs ist höchst erfreulich, da ss nicht s

davon d ur c hges ickert iSI. ··

Ganz geheim!

Der Bouleva rd apportierte dankbar. Die

J '[cutc" berichte-

te atemlos vom HAufbau einer freiheitlich-

patriotischen All ianz H , die heim Geheim-

treffen in Italien besprochen worden sei:

Wiener U-Bahn-Ze it ung

Schon im kommenden Jahr wolle man ein

europawe ite s

Volksbegehren

zum Asyl-

mi

ss brauch durch Wirtschafts fl ücht

linge "

s tanen. Laut

Heute " hätten die Lcga

Nord,

die Südtiroler Freiheitlichen

Recht s parteien in der EU ~ an dem "Ge-

und andere

hc:inltreflrn" teilgenommen. Da~ Tagblatt "Ö\tcrreich" wusste e~ wie im rn er genauer und schob noch den französischen Front

Na tional. den Vlaams Be lang und die rcc h tspo puli st ische dänische Vo lk sparte i

als Tci Inch merorga nisat ionen

Entgegen ~einen sonstigen Gepflogen- h<.:'iten gab sich Strache in"! Gespräch mit

Wir ha-

hen Diskretion vereinbart. Ich sage Ihnen nur: Ich habe in Ilalien wichtige Persön-

lichkeiten gctrolTen. mit dencn wir einige wichtigt' Schritte vereinbart haben, die wir bald präsentieren werden:'

Österreich" -Re porter wurden zwar

nach.

"Ös terreich " dazu eher wortkarg:

Di<:

etwas stutzig. als die Lc-Pen-Panei Front NatiollJI die Teilnahme an einer solc hen Konlcrel17 nicht bestätigen wollte, trotz- dem warfen sie sich ~tolz in Pose; ~,Öster­ reich' deckt auf: Mil wem sich Strache in Italien wirklich getrorfen haI." Das wäre nun tatsächlich interessam. Denn Strilche trJt" weder die von "Heute"

noch jene von "Ö~H.'ITcich" Jllgeführten Rech tspOpu listen-Organ isat ionen. profil-

Rcchercht

der die Sü dtiroler Freiheitlichen noch

Südtiroler Zweig der Lcga Nord von einem

'n

in Südtirol ergaben, dass we-

der

~olche ll Treflen wu<.;

lell oder gar daran

teilgenolllmen harren. Thoma~ Migge, pro- {j)·Mir.:1rbeiter in ROIll, schloss auch eine

Anwesenheit der

Italien

Gesamt" · Lega-Nord aus:

ste llt vor Kommunalwahlen. Da

wircljeder Schritt der Lega genau beob- achte!." Tatsächlich findet sich in keiner italienischen Zeitung auch nur eine Notiz

über das angeblich so hochrang ig besel7.-

te Rcchten-TrelTen.

Auch die FPÖ gab sic h im Laufe der Wo- che wndlillend zugeknöpft.H. C. Straclle selbst weihe in Moskau. um don nach

new Freunden i'U suchen. Das Büro von

Genera lsekretär Herben Kick) versprach profil ab Donnerstagmittag einen Rückruf des Che fs, der freilich bis Redaktions- 'ichlu ss Freitagabend nicht erfolgle. Von FPÖ-Pressesprecher Karl Heinz Grünsteidl kam auf die Anfrage von pro- fi! nur eine sehr dürr<.:" Stellungnahme:

'n

.,])<lS <l11t's ist Il<lch \·vie vor vertraulich." Und auf die Frage, ob CI' selbst wisse, was dort

be:-.prochen worden sei:

nen auch nirht sage n. Ich Will' nilllllllit.~

Aber wenig~t('ns Andreas Mölzer, als

On:, kann ich Ih-

FPÖ-Europaabgeorcfneter sc ir Jahren der wichtigste Verbindungsmann LU den an- deren europäischen Rechtsparteien, müss-

te mit von der Partie gewesen se in

war nicht dabei und auch nicht informiert", so Mölzer alll Donnerstag gegenüber pro-

Ich

fil. Spitzer Nachsatz: "Dieses Treffen mu ss "

sehr, sehr diskrel gewesen sein

Mölzer. er ist auch Herausgeber der

zur Zeit" und im -

mer noch so etwas wie der Chefideologe der Freiheitlichen, lässt in seinem jüngs- ten Leitartikel auch keinen Zweifel daran,

dass er Srraches Fernbleiben beim Bur-

schenschafte r-Auflauf für ein sc hnödes takti sc hes Manöver hält: Straches Helden - platZ-Absage werde nur ~jene Leitgeisti- gen Wortspender u nd Mundwerksbur- schen, die sich im Vorfeld maßlos e mpört hatten, mit Triumph erflillt.'n", schreibt Mölzer. Und dem P<lneichef ins Stamm- buch: "Oie Freiheitlichen werden keines- falls politisch akzeptiert werden, wenn sie ihren zentralen Inh<l!ten abschwören." Oie Geschichte wiederholt sich: Nach dem Rcgicrungseintritt der FPÖ im Feb- ruar 2000 hatte der rechte Parteiflügel ge- gen den von Susanne Ries s- Passe r einge- leiteten lug zur politischen Mi t te oppo- niert, was 2002 in den Putsch von Knittelfeld und 2005 in die Partei spaltung mündete. Seide M<l le war Strache im Bund mit den Rechten. Jetz! versucht er, sich

rechten Wochenschrifl

selbst als regierungsfähig zu stilis ieren , und Stößt damit se inerseit s auf den Wi- derstand des Burschenschafter-Flügels. Der Grund für diesen der FPÖ inhären- ten Konflikt ist das starke Auseinandcr- klaflell zwischen Funktionärsapparat und

Wähler sc

Hälfte der Funktionäre dem natiol1<1len Flügel zuzurechnen, aber nur fünf Prozent der Wähler", schätzi der Me inungsforsc her

Wolfgang Bachmayer (OGM-Inslitlltl. In Bezug auf die bl<lue Nationalratsrrak- tion stinullt Bachrnayers schätzung punkt- genau: 16 der 34 FPÖ-Abgeordneten ge- hören einer deutschnationalen Bursc hen - scha h an oder haben Kontakt zum Rcchtsextrcll1 ismus. Aber bierdunstige Burschenbuden oder

In

der FPÖ sind fast die

" üste' Wehrsport-Nazis schre cke n Str<lche~

junge Freunde aus der Disco und die von den Roten zu ihm überlaufenden Hackler aus der Vorsradt eher ab. In solcher Um-

gebung darf er sich nicht zu oft zeigen. will er bei den nächsten NationalJ'<ltsw<lhlen Nummer eins werden. Dem FPÖ-Obrnann ist das spc'itcstens bei der vergangenen BundespräsidentCll - wahl kldr geworden: Gegen seinen Willen hatte der rechte Parteiflügel in Kooperati-

on mit der

tionale Barbara Rosenkranz <lls Spitzen- kandidatin durchgesetzt. die gleich einmal lallt über die Abschafiung des NS-Verbots-

Kronen Zeitung·' die Ultrana-

"Dieses Treffen muss sehr, sehr diskret gewesen sem

.

"

Andre•• Mölzer, FPÖ-Chefideologe

gesetzes nachdachte lind s ich Zll keiner klaren Aussage über da~ Grauen in den Konzentrationslagern durchringen konn - te. Obwohl die ÖVP keinen Ka1ldidaten aufstellte, brachte es Roscnkral17 nur auf magere 15 ProLem der Stimmen. Auch die

FPÖ sack re im Umfeld der Ro~<:.'nkranz­

Auhritte in den Umfragen ab. Mit dem Kampf gegen da~ Vcrbot~ge­

setz und völkisc hem FeuerhüpfeIl an ho -

hen altgermanischen Feiertagen sind heu- te keine Wahlt.:n zu gewinnen - das weif~ Strache und hält sich zunehmend ferrr. wenn es ans Deutschtümeln geht. Die Be- treuung des ganz rechten Flügels überneh- men der Drille Na rionalral 'ipräs id ent Mar - tin Gra( Mitglied der rechtsradikalen Bur- sc hen schaft Olympia, und der Wiener

Klubchef .Johann Gudenus. Gudcnus schaltete vor wenigen Wochen in der ,.Kro- nen Zeitung" ei n ganzscitiges In scflIt ge- gen die Aufgabe des Ehrengrabs des Jagd- fliegers Walter Nowotny, cjne~ NaLis der erSlen SlUnde und Idols der ÖSlefrci(hi -

sc hell Rechten. Sollte die

RahJtt gegeben haben, koslett' die Anzei- '

gt

Krone '" keinen

rund 35.000 Euro.

Solches Denken ist Strache nicht grund-

des

1992 verstorbenen Neonazi-Anllihrers

Norben Burger. hatte selbst an Wchr~port­

übun gen leilgenommen Holocaust -Mahnmal und seneu re agit iert.

und gegen ein

sät71ich fremd: Er w<lr ein Vcrtrautt

'r

Wehrm<lcht

de-

~Wenn er sich heute nicht mit den Bur-

schenschJhern auf den Helclcnpl<lt7

ist das eine kühle str<ltegische Überlegung'·,

meint Meinullgsforscher ßachmayer. Eine, die aufzugehen scheinl: !.ilut ei-

ner Umfrage des

St<lndan f" in der Vorwo-

Iellt,

che hätten 43 Prozent der Österreicher nichts gegen eine RegierLlngsbelciligung eier StrJcht'-FPÖ . Was der ÖVP zu denken geben sollte: Laut dieswöchiger profil -U m - frage liegt der FPÖ-Obrmnn bei der likti- vell K<lnzler - Direktwahl mit 13 Prolent vor MichiH:'1 Spillcleleggcr. •

16. \tJi 2011 • prolil.W 29