Sie sind auf Seite 1von 3

Lernen: "durch Erfahrung entstandene Verhaltensä nderungen und -mö glichkeiten, die Organismen

befähigen, aufgrund frü herer und weiterer Erfahrungen situationsange-messen zu reagieren. [...]
Menschl. L. ist eine ü berwiegend einsichtige, aktive, sozial vermittelte Aneignung von Kenntnissen."
Meyers Lexikonverlag (1997, 529)

"Der Vorgang des Lernens ist vielmehr grundlegend fü r jede Art von aktueller Anpassung, die sich als
Resultat von Erfahrungen bildet." Krech & Crutchfield (1992, Band 3, S. 7)

Nach Zimbardo kann man "Lernen als einen Prozess definieren, der zu relativ stabilen Verä nderungen
im Verhalten oder im Verhaltenspotential fü hrt und auf Erfahrung aufbaut." Zimbardo (1992, 227) :
"Lernen ist der Prozess, der zu einer relativ stabilen Verä nderung von Reiz-Reaktions-Beziehungen
fü hrt; er ist eine Folge der Interaktion des Organismus mit seiner Umgebung mittels seiner
Sinnesorgane." Zimbardo & Gerrig (1999, 229) "Lernen lä ßt sich an den Verbesserungen der
Leistungen ablesen." Zimbardo (1992, 227)

"Unter Lernen versteht man die hypothetischen Prozesse, die den Verhaltensä nderungen durch
Erfahrung entsprechen." Langfeldt (1996, 102)

"Lernen ist das Aufnehmen, Verarbeiten und Umsetzen von Informationen. Lernen ist ein lebenslanger
Prozess." Schilling (1997, 159)

"Unter Lernen verstehen wir den Erwerb, die Verä nderung oder den Abbau von Erlebens- und
Verhaltensweisen durch bestimmte Umwelterfahrungen." Schmitt (1999 a, 1)

"Lernen umfasst alle Verhaltensä nderungen, die aufgrund von Erfahrungen Zustande-kommen. Solche
Ä nderungen schließen nicht nur die Aneignung neuer Informationen ein, sondern auch die
Verä nderungen des Verhaltens, deren Ursachen unbekannt sind. Andererseits sind in dieser Definition
Verä nderungen ausgeschlossen, die aufgrund von Reifevorgä ngen (genetisch vorbestimmten
Ä nderungen), kü nstlichen chemischen Ä nderungen wie z. B. Konsequenzen der Einnahme von Drogen,
oder vorü bergehenden Verä nderungen, z. B. durch Ermü dung, entstehen." Lefrancois (1994, 3 f)

"Lernen ist der Vorgang, durch den eine Aktivitä t im Gefolge von Reaktionen des Organismus auf eine
Umweltsituation entsteht oder verä ndert wird. Dies gilt jedoch nur, wenn sich die Art der
Aktivitä tsä nderung nicht auf der Grundlage angeborener Reaktionstendenzen, von Reifung oder von
zeitweiligen organischen Zustä nden (z. B. Ermü dung, Drogen usw.) erklä ren läßt."  Hilgard & Bower
(1973, 16)
"Einige Definitionen des Lernens umgehen die mit der Leistung verbundenen Probleme, indem sie das
Lernen als eine Verä nderung im Zentralnervensystem begreifen." Hilgard & Bower (1973, 19) 
"Offenbar lernen wir einige Fertigkeiten blind und automatisch, wä hrend wir um das Verstä ndnis
mancher Situation hart ringen mü ssen, um sie dann schließlich meistern zu kö nnen." Hilgard &
Bower (1973, 22) 

„Unter Lernen verstehen wir alle nicht direkt zu beobachtenden Vorgä nge in einem Organismus, vor
allem in seinem zentralen Nervensystem (Gehirn), die durch Erfahrung (aber nicht durch Reifung,
Ermü dung, Drogen o.ä .) bedingt sind und eine relativ dauerhafte Verä nderung bzw. Erweiterung des
Verhaltensrepertoires zur Folge haben. Mit anderen Worten: Lernen ist eine erfahrungsbedingte
Verä nderung der Mö glichkeiten eines lebenden Systems, in einer Umwelt einen Zustand einnehmen zu
kö nnen“ (Tremel 1995, S. 97).

„Lernen ist also – anders als ‚Erziehung’ – ein wertneutraler Begriff. Es geht um die Kennzeichnung von
Ä nderungen (nicht wie beim Erziehungsbegriff um Verbesserungen) menschlicher
Verhaltensdispositionen, die durch Verarbeitung von Erfahrungen erklä rt werden kö nnen“ (Gudjons
2006, S. 210).

Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/Lerndefinitionen.shtml
© [werner stangl]s arbeitsblä tter
Der Lernstoff und seine Aufbereitung 13 Regeln aus der Lernbiologie von Frederic Vester

1. Lernziele kennen 
 Dem Lernenden mü ssen zu jedem Zeitpunkt Wert und Bedeutung eines Lernstoffs persö nlich
einsichtig sein. Nur dann werden Antrieb und Aufmerksamkeit geweckt, der Schü ler zum Lernen
motiviert, der Organismus auf »Aufnahme« gestimmt und der Inhalt sinnvoll gespeichert. Die
Information wird »tiefer- verankert, weil dann ü ber die kognitiven Verarbeitungsregionen der
Gehirnrinde hinaus z. B. auch das limbische System »emotional « mitbeteiligt ist. 

 2. Sinnvolles Curriculum 


 Lernstoff, dessen Nutzanwendung weder aus seiner Beziehung zur Wirklichkeit noch aus vor-
hergehenden Lerninhalten einsehbar ist, wird bereits schlecht im Gedä chtnis verankert (siehe oben).
Zum andern ist er spä ter wertlos, da er isoliert gespeichert und fü r weitere Gedankenverbindungen
dann nicht verfü gbar ist. Reihenfolge und Aufbau eines Themas oder Unterrichtsgebiets sind daher
nach realen Lernzielen und nach ihrer Verstä ndnisfolge zu gliedern und nicht nach historischen oder
fachsystematischen Gesichtspunkten. 

 3. Neugierde kompensiert Fremdeln 


 Wo Neugier, Faszination und Erwartung fehlen, wird die so wichtige Lernbereitschaft fü r einen
zunächst fremden Stoff nicht geweckt. Vielmehr lö st die Konfrontation mit dem Ungewohnten dann
ü ber das Zwischenhirn und den Sympathikusnerv eine direkte Stimulation von Cate-cholaminen - auch
in bestimmten Gehirnregionen - aus, was bei geringen Streßreizen vielleicht noch das Behalten, aber
nicht das Verstehen ermö glicht und bei stä rkeren Reaktionen zudem die Abwehrhaltung gegen den
Lernstoff zementiert. Die Konsolidierung und Verarbeitung der aufgenommenen Information kann
nicht mehr erfolgen. 

 4. Neues alt verpacken 


Unbekannt = feindlich = Streß. Die dadurch ausgelö ste negative Hormonlage blockiert wie oben
erwä hnt das Denken und Kombinieren und verhindert, daß sich der Stoff assoziativ verankert.
Vertraute »Verpackung« mildert dagegen die Abwehr gegen das Unbekannte und vermittelt darü ber
hinaus durch das Gefü hl des Wiedererkennens ein kleines Erfolgserlebnis, und der Trend geht in
Richtung lernpositiver Hormonlage. 

 5. Skelett vor Detail 


 Grö ßere Zusammenhä nge hä ngen selbstredend immer irgendwie mit der alltä glichen Erlebniswelt,
also mit Vertrautem zusammen. Eine solche Information ist daher im Gegensatz zu den Details nie
allzu fremd. Sie wird sich eher auf vielen Ebenen im Gehirn verankern kö nnen und ein
empfangsbereites Netz fü r spä ter angebotene Details bieten, so daß diese »saugend« aufgenommen
werden. 

 6. Interferenz vermeiden 


Zusatzwahrnehmungen ä hnlichen Inhalts stö ren oft das Abrufen der innerhalb des Ultrakurzzeit-
Gedä chtnisses kreisenden Erstinformation. Sie lassen diese ohne feste Speicherung abklingen und
verhindern so das Behalten. Besser ist es, die Erstinformation zunä chst ins Kurzzeit-Gedächtnis
abzurufen, d.h. an bekannten Gedankeninhalten zu verankern, und dann erst »Variationen ü ber das
Thema« anzubieten. 

 7. Erklärung vor Begriff 


 Durch eine Erklä rung von Tatsachen oder Zusammenhä ngen (ohne noch den zu erklä renden Begriff
zu nennen) werden entsprechend unserer fü nften Regel bereits bekannte Assoziationsmuster
geweckt, an denen dann der eigentliche neue Begriff - auf den man nun neugierig ist - fest verankert
werden kann.  (Muster : Erklä rung....... Dies bezeichnet man als .....[Schulbü cher werden so geschrieben])

 8. Zusätzliche Assoziationen 


 Durch veranschaulichende Begleitinformation und Beispiele erhä lt eine neue Information gleichsam
ein Erkennungssignal fü r das Gehirn. Operationale (anschauliche) Darstellung läßt weitere
Eingangskanä le und sonst nicht benutzte haptische (= anfassen) und motorische Gehirnregionen
mitschwingen. Das garantiert bessere Ü bergä nge ins Kurzzeit- und Langzeit-Gedächtnis und bietet
vielseitigere Mö glichkeiten, die Information spä ter abzurufen. 
 9. Lernspaß 
Spaß und Erfolgserlebnisse sorgen fü r eine lernpositive Hormonlage und damit fü r ein reibungs-loses
Funktionieren der Synapsen und des Kontaktes zwischen den Gehirnzellen. Daher werden mit
positiven Erlebnissen verknü pfte Informationen besonders gut verarbeitet und verstanden und
ebenfalls wieder vielseitig (und somit »anwendungsbereiter«) im Gedächtnis verankert. 

 10. Viele Eingangskanäle 


 Den Lernstoff ü ber mö glichst viele Eingangskanä le (Sehen, Hö ren, Anfassen, Lesen) anbieten,
einprä gen und verarbeiten. je mehr Wahrnehmungsfelder im Gehirn beteiligt sind, desto mehr
Assoziationsmö glichkeiten fü r das tiefere Verstä ndnis werden vorgefunden, desto grö ßer werden
Aufmerksamkeit und Lernmotivation, und desto eher findet man die gelernte Information wieder,
wenn man sie braucht. 
  
11. Verknüpfung mit der Realität 
 Den Lerninhalt mö glichst viel mit realen Begebenheiten verbinden, so daß er wie in Punkt 10
»vernetzt« verankert wird. Werden reale Erlebnisse angesprochen, so wird der Lerninhalt trotz
zusä tzlicher Information eingä ngiger (Aufnahme als »Muster« statt als »lineare Folge«). Bei der
anschließenden Verfestigung des Gelernten (Konsolidierung) wirkt dann die reale Umwelt als
unentgeltlicher und unbemerkter »Nachhilfelehrer«, weil sie das Gelernte zum Mitschwingen bringt. 

I2. Wiederholung neuer Information 


 Jeden Lernstoff in Abstä nden wiederholt aufnehmen. Wenn eine Information wiederholt ü ber das
Ultrakurzzeit - Gedä chtnis (aber nicht innerhalb der Zeitspanne des UKG (ca. 20 s.)) aufgenommen
wird, kann sie mit mehreren vorhandenen Gedächtnisinhalten assoziiert werden. Vorstellungen und
Bilder werden geweckt, die die vielen Wahrnehmungskanä le eines echten Erlebnisses teilweise
ersetzen und eine Einkanal - Information wenigstens innerlich zur Mehrkanal - Information machen,
quasi zu einem inneren Erlebnis. 

 13. Dichte Verknüpfung 


 Eine dichte Verknü pfung aller Fakten eines Unterrichts, eines Buches oder einer Aufgabe miteinander
stä rkt die Punkte 4, 5, 8, 10 und 11, vermittelt Erfolgserlebnisse und fö rdert das Behalten wie auch das
kreative Kombinieren ohne zusä tzlichen Aufwand. Eine solche Verknü pfung und Abstimmung gilt
natü rlich auch fü r diese dreizehn Punkte selbst. Man sollte sie fü r jeden praktischen Fall abwä gen und
mit dem jeweiligen Lerntyp in Einklang bringen.

Nachbemerkung :
 Informationen werden zuerst im Ultrakurzzeitgedä chtnis (UKG), dann, wenn sie weiter benö tigt
werden, im Kurzzeitgedä chtnis (KG) gespeichert, anschließend – falls erforderlich – ins
Langzeitgedächtnis (LG) ü bertragen. 
  
Information ---> UKG (20s) ---> KG (20 min.) ----> LG
Was bedeutet das nun speziell fü r unser Lernen? Bei Dingen, die wir selbst intensiv erleben, genü gt ja
oft eine einmalige Aufnahme zur permanenten Speicherung, das heißt, wir kö nnen uns ein Leben lang
daran erinnern. Beim Lernen dagegen, wo ein Stoff gewö hnlich nicht erlebt, sondern eben nur gehö rt
oder gelesen wird, ist das freilich schwieriger. Wie wir wissen, sollten wir alles zu Lernende, also jede
neue Information, mehrfach wiederholt aufnehmen. Sie muß wiederholt ü ber das Ultrakurzzeit -
Gedä chtnis angeboten werden. Offenbar muß dabei unser Gehirn die neue Information mit bereits
vorhandenen Gedächtnisinhalten assoziieren. Es muß Vorstellungen und Bilder zusammenbringen, um
die vielen Wahrnehmungskanä le eines echten Erlebnisses, wie sehen, hö ren, fü hlen, schmecken,
riechen, anfassen und sich bewegen, wenigstens teilweise zu ersetzen. Das heißt, wir mü ssen solche
Ein-Kanal-Informationen dann wenigstens innerlich zu Mehr – Kanal - Informationen machen - quasi
zu einem inneren Erlebnis. Und damit wird auch schon gleich der Weg fü r die spä tere
Wiederauffindung durch Assoziationen gebahnt: je mehr passende Assoziationen, je mehr
Mö glichkeiten einer vielfä ltigen Zuordnung schon da sind, um so weniger muß der Stoff gepaukt
werden, und um so besser ist er aus dem Langzeit - Gedä chtnis - selbst auf eine ungewohnte Anfrage
hin abrufbar.  entnommen aus : Frederic Vester, "Denken, Lernen, Vergessen" , Stuttgart 1975

Das könnte Ihnen auch gefallen