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INFORMATIONSDIENST HOLZ

BAUDOKUMENTATION | SEPTEMBER 2020

Ökologische Mustersiedlung
Prinz-Eugen-Park in München
2 BAUDOKUMENTATION | IMPRESSUM, INHALT
ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG PRINZ-EUGEN-PARK | SEPTEMBER 2020

Impressum Inhalt

Seite

Herausgeber: 3 1 _ Einführung
Informationsverein Holz e.V.
4 2 _ Die ökologische Muster­siedlung
Franklinstr. 42
in München
40479 Düsseldorf
Tel. 0211 966 55 80 9 3 _ Die Mustersiedlung
info@informationsvereinholz.de in acht Dokumentationen
www.informationsdienst-holz.de
11 _ Baubeteiligte
Erschienen September 2020
12 _ WA11 Ost
ISSN 0466-2114
13 _
WA13
Autoren:
14 _
WA14 West
Sabine Djahanschah, Osnabrück
Annette Hafner, Bochum 15 _ WA14 Ost
Arnim Seidel, Düsseldorf
16 _
WA15 West

Redaktion: 17 _
WA15 Ost
Arnim Seidel, Düsseldorf
18 _
WA16 West

Gestaltung, Satz, Layout: 19 _


WA16 Ost
Schöne Aussichten:
Oliver Iserloh, Düsseldorf
Die Wortmarke
INFORMATIONSDIENST HOLZ
Planerstellung und Überarbeitung:
ist Eigentum des
die jeweiligen Architekten, Zeno Dietrich
Informationsverein Holz e.V., Düsseldorf
www.informationsvereinholz.de
Bilder:
Landeshauptstadt München _ 4, 9
Peter Villain _ 9
The Pk. Odessa Co.: Markus Lanz,
Sebastian Schels _ 10, 12-14, 16 li.u., 17, 18
Lukas Vallentin _ Titel, 15
Sebastian Kolm _ 16
Dressler Mayerhofer Rössler Architekten _ 19
BAUDOKUMENTATION | EINFÜHRUNG 3
ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG PRINZ-EUGEN-PARK | SEPTEMBER 2020

1_ Einführung

Wohnen gehört zu den Grundbedürfnissen des stofflichen Ressourceneinsatz. Trotz des im Sabine Djahanschah
Menschen. Daher ist bezahlbarer Wohnraum Holz gebun­denen CO2s geht es nach Effizienz­ Deutsche Bundesstiftung Umwelt
ein wichtiges Element des sozialen Zusammen- gesichtspunkten nicht darum, möglichst viel Leitung DBU-Referat:
halts, der jedoch gerade in Ballungsräumen Holz zu verbauen, sondern mit dem zur Ver­ Architektur und Bauwesen
zur Mangelware geworden ist. Dabei hat sich fügung­stehenden­Baustoff Holz möglichst
die Wohnfläche pro Kopf in den vergangenen viele Gebäude zu errichten.
40  Jahren mehr als verdoppelt. Steigende
Die Strategie der Konsistenz nutzt Stoffe und
Preise führen zur Verdrängung ins Umland
Leistungen aus Ökosystemen ohne sie zu zer-
mit allen umweltbelastenden Folgen von
stören. Die Natur wird als Vorbild genommen,
erhöhtem Flächenverbrauchs und Verkehrs­
um sinnvolle Kreisläufe in naturverträglichen
belastungen.
Stoffströmen zu organisieren. Doch Effizienz-
Eine Form, diese Spirale aufzuhalten, sind steigerung und der vermehrte Einsatz von
Konzept­vergaben der Kommunen. Die Ver- nachwachsenden Ressourcen werden in ihrer
gabe von Grundstücken sollte an ökologische umweltentlastenden Wirkung wenig nutzen,
und soziale Kriterien geknüpft werden. Viel zu wenn die beanspruchten Quadratmeter pro
oft vergeben die Städte Gestaltungschancen, Kopf an Wohn- sowie Infrastrukturflächen
die gerade bei der derzeitigen Nachfrage gut immer weiter steigen. Hier sind Suffizienz­
zu verhandeln und zu steuern wären. strategien ein zentraler Baustein, den Ressour-
cenverbrauch durch eine reduzierte Nachfrage
Die Stadt München hat mit dem Prinz-
zu senken.
Eugen-­Park als ökologische Mustersiedlung
die Chance­genutzt, über die Vergabe der Zukunftsfähige Lösungen sollten daher neue
Grundstücke die im Vorfeld entwickelten öko- attraktive Leitbilder des verdichteten Woh-
logischen und sozialen Ziele sicher zu stellen. nens in möglichst nutzungsgemischten und
Dabei fanden alternative Bauherrenmodelle lebenswerten Quartieren entwickeln. Gemein-
wie Baugruppen und eine Baugenossenschaft schaftlich genutzte Flächen im Clusterwohnen
besondere Berücksichtigung. Eine ergänzende und neue Dienstleistungsformen können
Unterstützung bei der Umsetzung der Holz- dabei der Vereinsamung entgegen wirken und
konstruktionen sicherte die Qualität. einen Mehrwert in allen Altersstufen bewirken.
Zusätzlich erbringen ökologisch optimierten
Ökologische Ziele sollten die drei zentralen
Freiflächen wichtige Biodiversitätsdienstleis-
Nachhaltigkeitsstrategien Effizienz, Konsis-
tungen.
tenz und Suffizienz beinhalten. Effizienz zielt
auf die angemessene Klimatisierung von
Gebäude und Quartieren mit minimiertem
Energie­verbrauch und möglichst geringem
4 BAUDOKUMENTATION | DIE ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG IN MÜNCHEN
ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG PRINZ-EUGEN-PARK | SEPTEMBER 2020

2 _ Die ökologische Mustersiedlung in München

Prof. Dr.-Ing. Das ehemalige Kasernengelände der Prinz- Eugen-Parks – im Lageplan farbig gekenn-
Annette Hafner Eugen-Kaserne wurde ab 2017 in ein Stadt- zeichnete Gebäude – eine ökologische Muster­
Ruhr-Universität Bochum quartier mit 1.800 Wohnungen umgewandelt. siedlung in Holzbauweise errichtet, die derzeit
Fakultät Bau- und Umwelt­ Dadurch entwickelte sich der neue Prinz- mit 566 Wohnungen die größte zusammen­
ingenieurwissenschaften Eugen-Park im Münchner Norden zu einem hängende Holzbausiedlung Deutschlands bil-
„Ressourceneffizientes Bauen“ lebenswerten Quartier, bei dem viel Wert det. Um den Bau einer solchen Mustersiedlung
auf die Beteiligung der Bewohner sowie auf anzustoßen, beschloss der Münchner Stadtrat
Gemeinschaftseinrichtungen, autoreduziertes­ eine Konzeptausschreibung mit detaillierten
Wohnen, eine gute Nahversorgung und Vorgaben, auch zur Konstruktion, sowie ein
vernetzte­Nachbarschaften gelegt wurde. spezielles Förderprogramm. Eine wesentliche
Voraussetzung für die erfolgreiche Einfüh-
Um neue Maßstäbe im Klimaschutz und in
rung der Holzbauweise war die frühzeitige
der nachhaltigen Stadtentwicklung zu setzen,
Einbindung und umfassende Information
Abbildung 1: nutzt die Landeshauptstadt München dieses
der politischen Entscheidungsträger durch
Lageplan Prinz-Eugen-Park Projekt, den modernen Holzbau etablieren.
Exkursionen zu Praxisbeispielen und Projekten
(Mustersiedlung rot) Dafür wurde im südlichen Bereich des Prinz-
von hoher Signalwirkung. Die Stadt München
setzt bei der nachhaltigen Stadtentwicklung
auf ein breit gefächertes Anforderungsprofil,
unterstützt sparsamen Wohnflächenverbrauch,
verbesserten Wärmeschutz und die Förderung
des Einsatzes nachwachsender Rohstoffe –
hier besonders der Holzbauweise im Geschoss­
wohnungsbau.

Zwei Quartiere der Mustersiedlung (WA13 und


WA14 West) sind für die städtischen Woh-
nungsbaugesellschaften vorgesehen, um ein-
kommensorientierten Wohnungsbau umzuset-
zen. Die Vergabe der restlichen Grundstücke
für die Baugemeinschaften (WA14 Ost, WA15
Ost/West, WA16 Ost) und die Baugenossen-
schaften (WA11 Ost und WA16 West) erfolgte
aufgrund der großen Nachfrage in einem zwei-
stufigen Verfahren als Konzeptausschreibung.
Die erste Stufe beinhaltete niederschwellige
Vergabekriterien, um den Aufwand der Bewer-
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ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG PRINZ-EUGEN-PARK | SEPTEMBER 2020

bung möglichst gering zu halten. Die zweite Für die Umsetzung der Holzbauweise hat das
Stufe erfolgte in einer Konzeptausschreibung Referat für Stadtplanung und Bauordnung
mit einer vorab bekannten Bewertungs­matrix. das ökologische Kriterium „Menge an nach­
Den Zuschlag erhielt das Konzept mit der wachsenden Rohstoffen“ eingeführt. Die
höchsten Punktzahl. In allen acht Baufeldern Bewerber verpflichteten sich in ihren Angebo-
der Mustersiedlung mussten entsprechende ten zum Einsatz bestimmter Mengen an Holz
Vorgaben umgesetzt und eine Mindestmenge beziehungsweise nachwachsender Rohstoffe,
an nachwachsenden Rohstoffen pro Wohn­ um ihre Chancen bei der Vergabe aufrechtzu-
fläche verbaut werden. erhalten. Die Definition der Holzbauweise und
die Parameter, die für die geplante Konzept-
Interessanterweise resultierten daraus ganz
ausschreibung geeignet sein könnten, wurden
unterschiedliche Entwürfe. Je nach Grundriss-
in einem von der Deutschen Bundesstiftung
konzeption, Brandschutzkonzept und Trag-
Umwelt geförderten Forschungsprojekt der
werk entstanden verschiedene Konstruktionen
Ruhr-Universität Bochum und der TU München
oder auch Aufbauten der Wände. Diese
in Kooperation mit dem Referat für Stadt­
sind in dem Buch „Wohnquartier in Holz –
planung und Bauordnung der Stadt München
Mustersiedlung in München“ (1) im Einzelnen
erarbeitet.
dargestellt.

Für einen sparsamen Wohnflächenverbrauch Vorgaben für die Planung und Förderung
verpflichteten sich die Bewerber, auch im Bei der Grundstücksvergabe wurden für die
freifinanzierten Eigentumswohnungsbau Gebäude Vorgaben zur Kohlenstoffspeiche-
bestimmte Wohnflächenobergrenzen ein­ rung aufgestellt, für deren Einhaltung die
zuhalten. Damit wurde das Ziel verfolgt, auch Stadt München Anreize durch ein Zuschuss­
im freifinanzierten Eigentumswohnungsbau programm bot. Als relevanter und leicht
mit dem vorhandenen Baurecht möglichst zu berechnender Indikator diente wieder
viele Wohnungen zu realisieren. das Kriterium „Menge an nachwachsenden
Rohstoffen“­, die in kg nawaros/m² Wohn­-
Die Bewerber verpflichteten sich außerdem
fläche gemessen wurde.
zu einem verbesserten Wärmeschutz der
Gebäude sowie zu baulichen Maßnahmen für Bei der Ausschreibung und Vergabe der
den Artenschutz. Als weitere Nachhaltigkeits- Grundstücke wurden die Gebäude in die
kriterien konnten spezielle Mobilitätskonzepte beiden Kategorien „kleine und große Wohn­
zur Reduzierung des motorisierten Individual­ gebäude“ eingeteilt. (2) Diese Unterscheidung
verkehrs sowie gemeinschaftsfördernde hatte deutlichen Einfluss auf die Förderung.
Maßnahmen wie Gemeinschaftsräume und Für die „kleinen Wohngebäude“, also bis
Dachgärten geltend gemacht werden. Gebäudeklasse 3, ist der Holzbau in Bezug auf
6 BAUDOKUMENTATION | DIE ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG IN MÜNCHEN
ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG PRINZ-EUGEN-PARK | SEPTEMBER 2020

die Baubestimmungen unproblematisch. Die fach­kundigen, von der Stadt München ein­
Brandschutzanforderungen ließen sich ohne berufenen Ratgeber­gremium vorzustellen.
Schwierigkeiten einhalten, weshalb auch die
Als Bauweisen standen prinzipiell der Holz­
Förderung niedriger ausfiel. In der Kategorie
rahmenbau, der Holzmassivbau sowie der
„große Wohngebäude“ wurden Geschoss­
Hybridbau zur Wahl. Die Entscheidung für
wohnungsbauten der Gebäudeklassen 4 und
die Holzbauweise hing stark von dem vor
5 zusammengefasst. Hier ist die Gesetzeslage
Grundstückskauf für das Gebäude zugesagten
für den Holzbau derzeit noch vergleichsweise
Anteil an nachwachsenden Rohstoffen ab.
unvorteilhaft. Insbesondere die Anforderun-
Die Mehrzahl der Projekte bewältigte das
gen an den Brandschutz sind traditionell nicht
höchste Anforderungsniveau der Ausschrei-
auf den Holzbau ausgelegt, so dass dieser bei
bung – eine Holzbauweise mit einem hohen
der Planung einen spürbar größeren Aufwand
Anteil an Massivholz und unterschiedlichen
verursacht als entsprechende mineralische
Anteilen an Holzrahmenbau. Das mit Abstand
Gebäude.
größte Projekt (WA13) setzte auf einen
Vorteile hat der Holzbau hingegen beim Hybrid­bau. Die Abbildung 2 zeigt je Baufeld
hohen Vorfertigungsgrad und der daraus einen schematischen Schnitt durch ein mehr­
resultie­renden kurzen Bauzeit. Um sicher­ geschossiges Gebäude und stellt dabei farblich
zustellen, dass diese Aspekte positiv zur die unterschiedlichen Konstruktionsarten
Geltung kommen, wurde von Anfang an Holzrahmenbau (hellrot), Massivholz (rot)
eine integrale Planung gefordert. So wurden­ und Stahlbetonbauweise (schwarz) dar.
der Brandschutz, das Tragwerk und der
Abbildung 2: Schallschutz entsprechend­frühzeitig in den Holzanteil und Bauweise
Systemschnitte durch Entwurfs­prozess einge­bunden. Die Planungs­ Die beiden städtischen Wohnbaugesellschaf-
die mehrgeschossigen teams waren verpflichtet, ihre Genehmi- ten erhielten die Auflage, mindestens ein
Holzbauten gungsplanung vor der Einreichung einem Gebäude in Hybridbauweise zu erstellen. Die

WA11
Ost WA15
Wogeno WA13 WA14 WA14 West WA16
Gewofag Ost WA15 WA16
West H2R West
GWG
Kaufmann Ost Kaden/Lager Ost
agmm
Dressler Mayerhofer Rösler
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ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG PRINZ-EUGEN-PARK | SEPTEMBER 2020

Hybridbauweise verbindet Holzbauelemente anspruchsvoll. Besonders hervorzuheben


mit der gewohnten mineralischen Bauweise, ist bei den Stadthäusern von WA14 Ost ein
so dass der Holzanteil und somit die Förderung Treppenhauskern aus Brettsperrholz, der damit
entsprechend geringer ausfiel. Diese Vorgabe den höchsten Holzanteil in der Konstruktion
wurde in WA13, dem größten aller Gebäude erbringt.
der Mustersiedlung, sehr direkt umgesetzt. Die
Die Kleinhaustypologien der Baufelder WA14
Außenwand entstand in Holzrahmenbauweise
bis WA16 sind bis Gebäudeklasse 3 eingestuft.
mit hohem Vorfertigungsgrad und der Innen-
Hier weisen die Gebäude einen hohen Holz-
bereich mit einem Tragskelett aus Stahlbeton
anteil auf. Aufgrund der Größe der Anlagen
und Trockenbauwänden. Das zweite Gebäude
wurden in Absprache mit der Feuerwehr
einer Wohnungsbaugesellschaft, WA14 West,
Brandabschnitte definiert und entsprechend
ist in der Planung unkonventioneller. Das Erd-
baulich umgesetzt.
geschoss beherbergt eine Kindertagesstätte
und ist in Stahlbeton gebaut. In den Ober­
Ökologische Betrachtung
geschossen kommen zu den Außenwänden
Um die Bedeutung des Baustoffes Holz
in Holzrahmenbauweise eine Tragstruktur aus
für den Klimaschutz und eine nachhaltige
Holzstützen sowie Holz-Beton-Verbunddecken
Stadtentwicklung zu belegen, wurden für
hinzu. Die Montage der oberen Geschosse
alle Gebäude der ökologischen Muster­
war konzeptrelevant und wurde tagesgenau
siedlung im Münchner­Prinz-Eugen-Park
geplant.
Ökobilanzen­berechnet. Die Ergebnisse
Die übrigen sechs Gebäude mussten einen sind im Buch: Wohnquartier in Holz –
wesentlich höheren Holzanteil aufweisen, um Mustersiedlung in München dargestellt.
beim Grundstückswettbewerb bestehen zu
Die Ergebnisse zeigen, dass über den gesam-
können. Gerade bei den Zeilenbauten mit
ten Lebenszyklus betrachtet, ein sehr guter
einem bis zu siebengeschossigen Kopfbau
energetischer Standard und auch die verwen-
(WA14 West, WA15 West und WA16 West)
deten Baustoffe von entscheidendem Einfluss
war dies eine Herausforderung für Tragwerk
sind. Insgesamt lässt sich mit dem verbauten
und Brandschutz. Deshalb kommt in den
Holz eine langfristig im Gebäude eingelagerte
Siebengeschossern Brettsperrholz auch als
Kohlenstoffmenge von über 12.500 t CO2 für
tragende Außenwand mit Brandschutz­
das gesamte Quartier umsetzen.
verkleidung zum Einsatz. In den Gebäuden
der Baugenossenschaften (WA11 Ost und Im Gebäude eingebaute Holzprodukte stellen
WA16 West) hingegen spielte die Grundriss- einen temporären biogenen Kohlenstoff­
flexibilität eine größere Rolle, sie verlangt ein speicher dar, der die Freisetzung des Kohlen-
Tragwerk mit möglichst wenigen tragenden stoffs bis zur Entsorgung des entsprechenden
Innenwänden. Aber auch die viergeschossi- Bauteils verzögert. Der Kohlenstoff wird erst
gen Stadthäuser (WA14 Ost, WA15 Ost und durch energetische Nutzung, also Verbren-
WA16 Ost) sind in Gebäudeklasse 4 einge- nung des Holzes, freigesetzt. Je länger man ein
ordnet und aufgrund ihres Holzanteils relativ Holzprodukt stofflich nutzt, desto dauerhafter
8 BAUDOKUMENTATION | DIE ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG IN MÜNCHEN
ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG PRINZ-EUGEN-PARK | SEPTEMBER 2020

Anmerkungen: bleibt die Speicherwirkung erhalten. Zusätzlich betreffen­der Kriterien wird die Optimierung
(1) Wohnquartier in Holz – lässt sich durch den Einsatz von Bauprodukten eines Gebäudes stets einen Kompromiss dar-
Mustersiedlung in München aus nachwachsenden Rohstoffen Material stellen.
Detailverlag, München aus endlichen Ressourcen wie Kunststoffe
Bei den Gebäuden im Prinz-Eugen-Park wurde
(nähere Informationen und Metall, aber auch aus mineralischen
das Optimum für jedes Baufeld unterschiedlich
s. Rückseite dieser Broschüre) Fraktionen­ersetzen. Dieser Austausch wird
definiert. Hierauf hatten die Vorgaben und
(2) Hafner, A. et al.: Substitution genannt. (3)
Wünsche der Bauherrn und der zu erreichen-
Methodenentwicklung zur
Ohne einen Nachweis der nachhaltigen de energetische Standard genauso großen
Beschreibung von Zielwerten
Waldbewirtschaftung (Zertifizierung nach Einfluss wie die Größe und Höhe des Objektes
zum Primär­energieaufwand
PEFC, FSC, Naturland oder regionale Vor­ bzw. die Gebäudeklasse, in die es nach Bauord-
und CO2-Äquivalent
kommen um München) war keine Förderung nung eingeordnet ist, sowie die damit verbun-
von Baukonstruktionen
der Holz­materialien möglich. Aus Sicht der denen Brandschutzanforderungen. Dennoch
zur Verknüpfung mit
Praxis ist grundsätzlich schon beim Einkauf der lassen die Berechnungen allgemeine Aussagen
Grundstücksvergaben und
Holzprodukte­– bereits bei der Preisanfrage, zu: Es zeigt sich, dass bei einem hohen
Qualitätssicherung bis zur
spätestens aber bei der Bestellung – auf eine energetischen Standard der Primärenergie-
Entwurfsplanung. Abschluss-
solche Zertifizierung zu achten. Ein späterer verbrauch der Konstruktion entscheidend zur
bericht über o.g.
Nachweis ist vielen Lieferanten aus der Holz- weiteren Optimierung der Ökobilanz eines
Forschungsvorhaben,
industrie nicht möglich. Für die Gebäude der Objektes beiträgt. Je besser der energetische
Deutsche Bundesstiftung
ökologischen Mustersiedlung war der Nach- Standard eines Gebäudes ist und je weniger
Umwelt, 2016.
weis einer nachhaltigen Holzbewirtschaftung Primär­energie für die Energieversorgung des
www.ruhr-uni-bochum.de/
für fast alle Massenbaustoffe aus nachwach- Gebäudes aufgewendet wird, desto mehr
reb/mam/content/2016_
senden Materialien möglich. Dieser Nachweis Einfluss hat die Konstruktion auf die Ökobilanz
dbu-abschlussbericht_
ist notwendig, um auf Gebäudeebene des Gebäudes.
az_31943-25_final_ge.pdf
sicherzustellen, dass die verwendeten Hölzer
(3) Hafner, A.; Rüter, S.; Ebert, S.;
nicht aus illegalen Abholzungen kommen. Fazit
Schäfer, S.; König, H.;
Nur so kann die positive Eigenschaft des Die Holzbausiedlung zeigt, dass eine Mindest-
Cristofaro, L.; Diederichs, S.;
Kohlen­stoffspeichers im Rahmen der natio­ menge an Holz bzw. Kohlenstoffspeicher in der
Kleinhenz, M.; Krechel, M.
nalen Berechnung im Kyoto-Protokoll nach­ Grundstücksvergabe berücksichtigt werden
(2017):
gewiesen werden. kann. Die Umsetzung ist gelungen. Das Quar-
Treibhausgas­bilanzierung
tier ist der lebende Beweis, dass es eingeführte
von Holzgebäuden – Da ein großer Kohlenstoffspeicher zum Errei-
Technologien gibt, die es ermöglichen, im
Umsetzung neuer Anforde­ chen von Klimaschutzzielen beiträgt, scheint
Bausektor Kohlenstoffspeicher anzulegen und
rungen an Ökobilanzen zunächst alles für eine möglichst großzügige
ressourcenschonend mit Blick auf Material
und Ermittlung empirischer Verwendung von Holz und Holzwerkstoffen zu
und Energie zu bauen. Alle Gebäude haben
Substitutionsfaktoren sprechen. Im Sinne einer ressourceneffizienten­
unterschiedliche Entwürfe, Konstruktionen
(THG-Holzbau). 148 S. Nutzung des Materials und des sinnvollen
und energetische Qualitäten. Jedes Bau-
Forschungsprojekt: Einsatzes von Holzkonstruktionen ist jedoch
feld hat sein eigenes Optimum zwischen
28W-B-3-054-01 für jede Bauaufgabe die Abwägung zwischen
Anforderungen,­Gestaltung und wirtschaftlich
Waldklimafonds. umfassendem Kohlenstoffspeicher und
Machbarem gefunden.
BMEL/BMUB. material­effizienter Verwendung von Holz
erneut zu treffen. Unter der Berücksichtigung
statischer, brandschutztechnischer, energeti-
scher, öko­nomischer und das Innenraumklima
BAUDOKUMENTATION | ACHT DOKUMENTATIONEN 9
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3 _ Die Mustersiedlung in acht Dokumentationen

WA11
Ost

WA14 WA14 WA15 WA15 WA16 WA16


WA13
West Ost West Ost West Ost
10 BAUDOKUMENTATION | ACHT DOKUMENTATIONEN
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Dipl.-Ing. Architekt Acht Projekte auf fünf Baufeldern Geschosswohnungs­bauten. Die drei Cluster
Arnim Seidel Die ökologische Mustersiedlung im verfügen jeweils über einen halb­privaten,
Informationsverein Holz, Prinz-Eugen-Park umfasst 566 Wohnungen,­ autofreien Wohn- und Erschließungshof mit
Düsseldorf die über acht individuelle Holzbauprojekte­ großem gemeinschaftlichen Nutzungs­angebot.
auf fünf Baufeldern verteilt sind. Sie setzen­ In der Summe stellt die Siedlung mit ihren
sich städtebaulich aus einer Blockhälfte maximal sieben­g­eschossigen Bauten derzeit­
(WA11 Ost), einem kompletten Block Deutschlands größte zusammen­hängende
(WA13) und drei Clustern (WA14, WA15, Holzbausiedlung dar.
WA16, jeweils West und Ost) zusammen.
Die einzelnen Gebäude der Siedlung
Die Siedlung bietet nicht nur Variationen
wurden­im Auftrag von Baugemeinschaften
verdichteter Flachbauten mit Atrium-
und -genossenschaften sowie städtischen
häusern, sondern auch Reihenhäuser,
Wohnungsbaugesellschaften errichtet.
mehrgeschossige Punkthäuser und
Diese Zusammensetzung sicherte ein breit
gefächertes­Programm für unterschiedlichste
Wohn­bedürfnisse verschiedener Einkommens­
gruppen und Haushaltsstrukturen: zur Miete
und im Eigentum, in verschiedenen Gebäude-
typen, für alle Haushaltsgrößen und auch alter-
native Wohnformen. Zur hohen Wohnqualität
der Siedlung trägt das vielfältige Angebot
gemeinschaftlich genutzter Flächen bei.

Das Quartier weist trotz vieler Gebäude­typen


eine gut strukturierte und deshalb nicht
beliebig wirkende Architektur auf. Obwohl
der Anteil an Holzaußenbekleidungen bei
etwa 85 % liegt, wird das Gesamtbild der
Siedlung nicht von diesem Baustoff dominiert.
Der „reine Holzbau“ ist in den Gebäuden­
unterschiedlich umgesetzt – von einem mine-
ralischen Erdgeschoss und Aufzugskernen
in Stahlbeton bis zur gesamten Tragstruktur
inklusive Aufzugsschächten in Massivholz.
BAUDOKUMENTATION | ACHT DOKUMENTATIONEN BAUBETEILIGTE 11
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Baubeteiligte

WA11 Ost WA13 WA14 West WA14 Ost


Bauherr: Bauherr: Bauherr: Bauherr:
WOGENO München eG, GEWOFAG Wohnen GmbH, GWG München, Henning Sames, Baugemeinschaft Team. GbR,
München München München München
Bauherrenvertretung: Generalunternehmer Generalübernehmer, Architektur:
Cohaus München GmbH, mit Planungsleistung: Bauphysik (Energie): ARGE ArchitekturWerkstatt
München B & O Gruppe, Bad Aibling müllerblaustein Holzbau GmbH, Vallentin GmbH, München;
Architektur: Architektur: Blaustein, Johannes Kaufmann Architektur,
Atelier 5, Pakula & Fischer Architekten Projektsteuerung: Reuthe (A)
Architekten und Planer AG, GmbH, Stuttgart (LP 1 – 4) Stephan Schütze; Tragwerksplanung:
Bern (CH) Architektur, Tragwerks­- Projektleitung Holzbau: Reiser Tragwerksplanung,
(LP 1 – 4, plus Leitdetails); planung, Bauphysik, Michael Frasch München
a + p Architekten Part mbB, Haus­technik, Architektur: Brandschutz:
München (LP 5 – 9) Landschaftsplanung: Rapp Architekten, FIRE & TIMBER .ING GmbH
Tragwerksplanung: AIC Ingenieurgesellschaft für Stefan Rapp, Daniel Maier, Leistungsphase 1 – 5 und 8 (AHO)
Indermühle Bauingenieure Bauplanung Chemnitz GmbH, Philipp Rudischhauser, Ulm (LP 1 – 5);
htl/sia, Thun (CH) Chemnitz (LP 5 – 9) A2freising
(Holzbau LP 1 – 4); architekten + stadt­planer,
Teuteberg Ingenieure GmbH, Kai Krömer, Freising (LP 6 – 8)
Baldham (Massivbau LP 1 – 6, Tragwerksplanung:
Holzbau LP 5 + 6) tragwerkeplus, Ulrich Schwenk,
Brandschutz: Reutlingen
FIRE & TIMBER .ING GmbH
Leistungsphase 1 – 5 und 8 (AHO)

WA15 West WA15 Ost WA16 West WA16 Ost:


Bauherr: Bauherr: Bauherr: Bauherr:
Planungsgemeinschaft München Baugemeinschaft Bürgerbauverein München Baugemeinschaft
GbR, München „gemeinsam größer“ II am BbvM eG, München Der kleine Prinz GbR, München
Bauherrenvertretung: Prinz-Eugen-Park GbR, München Architektur: Architektur:
Bauen in Gemeinschaft GmbH, Bauherrenvertretung: Kaden + Lager GmbH, dressler mayerhofer rössler,
München Conplan Projektentwicklungs­ Berlin (LP 1 – 5); architekten und stadtplaner
Architektur: gesellschaft mbH & Co. KG, Ernst. Architekten AG, gmbh, München
H2R Architekten und Stadtplaner Stefan Krieger, Stuttgart (LP 6 – 8) Tragwerksplanung:
BDA PartG mbB, München; Octavianne Hornstein, München Tragwerksplanung, lieb obermüller + partner,
Plan-Z Architekten PartG mbB, Architektur: Brandschutz, Bauphysik, Beratende Ingenieure mbB,
München agmm Architekten + Stadtplaner, Schallschutz: München
Tragwerksplanung, Patric F. C. Meier, Markus Borst, bauart Konstruktions Brandschutz:
Bauphysik, Brandschutz: München mit GmbH & Co. KG, München FIRE & TIMBER .ING GmbH
bauart Konstruktions Hable Architekten, München Leistungsphase 1 – 5 und 8 (AHO)
GmbH & Co. KG, München Tragwerksplanung,
Bauphysik, Brandschutz:
Planungsgesellschaft Dittrich
mbH, München
12 BAUDOKUMENTATION | ACHT DOKUMENTATIONEN WA11 OST
ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG PRINZ-EUGEN-PARK | SEPTEMBER 2020

WA11 Ost

Das winkelförmige Gebäude formt zusammen Brandschutzgründen gekapselt. Unterseitig


mit dem gegenüberliegenden Bauwerk eine ist das Holz der Decken zu sehen. Die Außen­
offene Blockrandbebauung. Die Wohnungen wandelemente wurden mit hinterlüfteter
werden über Laubengänge erschlossen. Holzfassade und mineralischer Dämmung
sowie Fensterelementen mit Dreischeiben­
Der Bauherr realisierte 82 Genossenschafts-
verglasung auf die Baustelle geliefert.
wohnungen mit ein bis fünf Zimmern.
Über die Lage des Laubengangs, die auf die
unterschiedliche Ausrichtung und Umgebung
reagiert, entsteht in den beiden Gebäude­
flügeln ein differenziertes Angebot an
Außenräumen, die den Wohnungen eigenen
Charakter verleihen.

Die in Holzbauweise konzipierten Wohnungen


in Holzbauweise stehen auf einem betonierten
Untergeschoss. Die Laubengänge bestehen
aus Betonfertigteilen, deren Stützen und
Deckenplatten sukzessive mit der Errichtung
des Holzbaus eingebaut wurden.

Der Holzbau definiert sich aus vorgefertigten


Wand- und Deckenelementen. Die Wand-
scheiben der Wohnungstrennwände sind aus
BAUDOKUMENTATION | ACHT DOKUMENTATIONEN WA13 13
ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG PRINZ-EUGEN-PARK | SEPTEMBER 2020

WA13

Zwei abgewinkelte Baukörper bilden einen Die Außenwände aus Holzrahmenbau-


Blockrand mit Innenhof. Das Raumprogramm Elementen sind nichttragend und geschoss-
der beiden fünfgeschossigen Mehrfamilien- weise an den Decken und Stützen befestigt.
häuser umfasst 181 Wohnungen für ein bis Ihre Außenbekleidung besteht aus einer
acht Personen. Im Erdgeschoss des drei­ Lärchen-Stülpschalung mit Vorvergrauungs­
stöckigen Gebäudeteils befinden sich eine lasur. Die Häuser wurden der Gebäudeklasse 5
Kindertagesstätte und ein Gemeinschaftsraum. zugerechnet. Aufgrund der Teilnutzung
als Kindertagesstätte erfolgte eine Einstufung
Die Grundrisse weisen ein Raster von 3,50 m
als Sonderbau.
auf, dem das Tragwerk und die Fassade
folgen. Das Konstruktionsprinzip mit einer
Holzhybridbauweise ist darauf ausgelegt, die
hohe Grundrissflexibilität mit einer möglichst
wirtschaftlichen­Bauweise zu vereinbaren.
Alle tragenden Elemente bestehen aus
Stahlbeton­, die Gebäudehülle hingegen ist
in Holzbauweise ausgeführt.
14 BAUDOKUMENTATION | ACHT DOKUMENTATIONEN WA14 WEST
ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG PRINZ-EUGEN-PARK | SEPTEMBER 2020

WA14 West

Das Baufeld weist vier kompakte Baukörper Treppenhäuser, Aufzugsschächte und das
auf, einen Sechsgeschosser zur Erschließungs- Untergeschoss bis zur Erdgeschoss-Oberkante
straße und drei Viergeschosser, die alle über bestehen aus Stahlbeton. Darüber sind alle
das Erdgeschoss und die darunterliegende vier Gebäudeteile in Holzhybridbauweise
Tiefgarage verbunden sind. Das Erdgeschoss errichtet. Die Decken werden als Holz-Beton-
nimmt eine Kindertagesstätte und die Erschlie- Verbunddecken mit sichtbarer Holzuntersicht
ßung der Wohnungen auf. auf Holz-Beton-Verbundträgern und dem
Erschließungskern gelagert. Die vertikalen
Das Projekt umfasst 45 geförderte und zwölf
Lasten aus den Holz-Beton-Verbundträgern
freifinanzierte Wohnungen sowie ein sechs-
tragen innenliegende, sichtbare Holzstützen
gruppiges Haus für Kinder. Die Aufgliederung
geschossweise ab. Tragende Innenwände
in vier Volumen sorgt für überschaubare
bestehen aus gekapseltem Brettsperrholz.
Nachbarschaften­und erhöht gleichzeitig
Als Wohnungstrennwand dient eine
die Tageslichtausnutzung der Wohnungen
zweischalige­Ausführung in Brettsperrholz.
und des Kinderhauses.
Die Außenwände bestehen aus nicht­-
tra­gen­den, geschossweise vorgefertigten
Holzrahmen­­elementen. Die Fassade ab
dem ersten Obergeschoss erhielt vertikale,
vor­vergraute und gestülpte Brettschuppen.
BAUDOKUMENTATION | ACHT DOKUMENTATIONEN WA14 OST 15
ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG PRINZ-EUGEN-PARK | SEPTEMBER 2020

WA14 Ost

Die Baugemeinschaft dieser Anlage mit Brettsperrholzelementen. Treppenhaus- und


36 Wohnungen greift das Konzept eines von Wohnungstrennwände sind aus Schallschutz-
Parkanlagen umflossenen urbanen Wohn­ gründen zweischalig ausgeführt. Die sicht­
clusters auf. Das Gelände verfügt über eine baren Holzdecken wurden zur Aussteifung der
dichte Bebauung mit drei Gebäudetypen, die Gebäude als Scheiben ausgebildet.
über Wohnwege vernetzt im Inneren einen
Die Gartenhofhäuser sowie das Atrium­
kleinen Platz bilden.
gebäude wurden in die Gebäudeklasse 3
Im Norden liegen acht winkelförmige Gar- eingestuft. Dementsprechend ließen sie sich
tenhofhäuser. Diese Kettenhausbebauung ohne Abweichung vom Bauordnungsrecht in
begleitet eine Atriumzeile, die durch fünf feuerhemmender Holzbauweise errichten.
zweigeschossige Baukörper mit Dachaufsätzen Für die beiden Stadthäuser der Gebäude-
gebildet wird. Für kollektive Aktivitäten ist klasse 4 wurden durch Abweichungsanträge
ein dreigeschossiger Turm auf der Südseite Reduzierungen der brandschutztechnisch
des Atriumhauses vorgesehen. Zur Straße wirk­samen Bauteilbekleidungen bis hin zu
bilden zwei viergeschossige Stadthäuser den sichtbaren Untersichten der Geschossdecken
markanten Abschluss des Baufeldes. erreicht.

Die Außenwände der beiden Stadthäuser


sind als Holzrahmenelemente konstruiert.
Die Innenwände und die Decken bestehen aus
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WA15 West

Eine private Gemeinschaft von 45 Bauherrn Abweichend vom Bauordnungsrecht wurden


realisierte ebenso viele Wohneinheiten in tragende und aussteifende Bauteile in den
drei Gebäuden: einem siebengeschossigen Obergeschossen der Mehrfamilienhäuser in
Kopfbau mit nördlich angeschlossenem Massivholzbauweise errichtet, deren Feuer­
fünfgeschossigen­Block sowie einer frei­ widerstand mindestens 90 Minuten beträgt.
stehenden dreigeschossigen Reihenhaus­ Um den Einsatz brennbarer Baustoffe zu
anlage. Diese Bauten bilden zusammen kompensieren, wurden die Brettsperrholz-
mit denen von WA15 Ost einen Innen­hof wände mit einer zusätzlichen, zweilagigen
über einer Tiefgarage, der vielfältigen Bekleidung aus Gipsfaserplatten ausgeführt.
Gemeinschafts­nutzungen dient. Bauteile wie Träger und Stützen sowie die
Decken wurden ohne brandschutztechnisch
wirksame Bekleidung­ausgeführt. Die Fas-
sade des Gebäudes besteht als hinterlüftete
Wandbekleidung aus vertikal angeordneten
Brettern, die durch eine Nut-und-Feder-
Verbindung eine geschlossene Fläche bilden.
Durch auskragende Stahlbleche ließ sich für
die normal ent­flamm­bare Außenbekleidung
die Gleich­wertigkeit zu üblichen B1-Fassaden
nachweisen.
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WA15 Ost

Zwei viergeschossige Punkthäuser sowie Den Erhalt von Sichtoberflächen bei den
zwölf zwei- bis dreigeschossige Atriumhäuser Decken ermöglicht eine Abweichung im
wurden im Auftrag einer Baugemeinschaft Brandschutznachweis mit zwei kompen­-
an der Erschließungsstraße errichtet. Letztere ­sa­to­rischen Maßnahmen: der Ausführung
formen einen Innenhof, der von einem auf der Treppenhauswände als Brandwand sowie
Stahlstützen stehenden Laubengang bestimmt Wohnungseingangstüren, die einen Rauch-
wird. Durch zwei Treppen und einen Fahrstuhl schutz sicherstellen. Dadurch entfällt das
erreichbar, bildet er eine geschwungene Weg- Kapsel­kriterium bei einer Feuerwiderstands-
anlage, die alle Wohnungen im Obergeschoss dauer F 60 B.
erschließt.

Die Wände und Decken der Gebäude wurden


in Holzrahmen- und Massivholzbauweise
ausgeführt. Ein einheitliches Raster über
alle Geschosse führt zu ökonomischen
Deckenquerschnitten, und deckengleiche
Träger sorgen für räumliche Flexibilität in
den Wohnungen.
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WA16 West

Im Auftrag einer neu gegründeten Genossen- Das tragende System des Holzbaus entspricht
schaft wurden drei kompakte Baukörper mit in den beiden niedrigeren Gebäuden einer
drei, fünf und sieben Geschossen realisiert. Schottenbauweise aus Massivholz, die Decken
Die Volumen des Fünf- und des Sieben­ spannen parallel zur Längsrichtung. Im sieben-
geschossers rücken voneinander ab, bleiben geschossigen Gebäude wird eine schach­
jedoch über einen Laubengang mit Brücken brettartige Lastabtragung der Brettsperrholz­
und Begegnungsflächen verbunden. decken durch Brettsperrholzwände gewählt.
Die Gebäude bieten eine hohe Varianz Die Außenwände in Holztafelbauweise sind
an Wohnungstypen und -größen. Der sich im Drei- und Fünfgeschosser nichttragend,
entlang des Fünfgeschossers orientierende­ im Sieben­geschosser hingegen werden
Lauben­gang sorgt für eine effiziente die Außenwände aus Brettsperrholz zur
Erschließung­von 86 Wohneinheiten über Last­abtragung­ eingesetzt.
nur vier Treppenhäuser.
Das dreigeschossige Gebäude ist in die
Gebäudeklasse 3, die beiden anderen sind in
die Gebäudeklasse 5 eingestuft. Die Ausfüh-
rung erfolgt in Holztafel- und Massivholz-
bauweise mit einem Feuerwiderstand von
30 und 90 Minuten. Die Außenwände in der
Gebäudeklasse 5 sind teilweise tragend und
daher mit einer Bekleidung aus Gipskarton-
feuerschutzplatten versehen. Die Decken sind
vorwiegend in sichtbarer Massivholzbauweise
aus Brettsperrholz ausgeführt.
BAUDOKUMENTATION | ACHT DOKUMENTATIONEN WA16 OST 19
ÖKOLOGISCHE MUSTERSIEDLUNG PRINZ-EUGEN-PARK | SEPTEMBER 2020

WA16 Ost

Eine überwiegend aus Familien bestehende Auf den Untergeschossen und der Tiefgarage
private Baugemeinschaft realisierte neben wurden beide Baukörpertypen oberhalb der
Gemeinschaftsräumen 39 Wohneinheiten in Kellerdecke mit tragenden Außenwänden in
zwei Haustypen: einer Clusterbebauung mit Holzrahmenbauweise und Massivholzdecken
24 zwei- und dreigeschossigen Atriumhäusern aus Brettsperrholz errichtet. Die Atriumhäuser
sowie zwei viergeschossigen Punkthäusern, sind der Gebäudeklasse 2 zugeordnet und
die zusammen 15 Geschosswohnungen auf- ließen sich ohne Abweichung vom Bauord-
nehmen. nungsrecht in feuerhemmender Holzbauweise
realisieren.
Die Flexibilität der Einzelhäuser bei gleich­
zeitiger maximaler Vereinheitlichung von Die beiden Punkthäuser verfügen über einen
Bauteilen­wurde eine zentrale Aufgaben­ aussteifenden Stahlbetonkern, an den der
stellung des Projektes. Neben den Wohn­ Holzbau mit tragenden und nichttragenden
bereichen ent­standen zusätzlich Gemein- Holzrahmenbaufassaden sowie Geschoss­
schaftsflächen in den Punkthäusern. Jedes decken aus Brettsperrholz anschließt. Für diese
Atriumhaus hat einen kleinen Privatgarten. Häuser der Gebäudeklasse 4 ließen sich über
Abweichungsanträge brandschutztechnische
Reduzierungen erreichen: die Massivholz­
decken blieben unterseitig unbekleidet und
die Holztafelbau-Außenwände wurden mit
geringeren Bekleidungsdicken ausgeführt.
DBU Bauband 4:

Wohnquartier in Holz –
Mustersiedlung in München

Parallel zu dieser Broschüre ist ein Buch erschienen, das weiterführend über
die politische und administrative Entwicklung der Mustersiedlung sowie
die praktischen Erfahrungen der Umsetzung berichtet und die Ökobilanzen
der Gebäude vergleichend erläutert. Ein umfangreicher Dokumentationsteil
stellt alle Bauten in Text, Bild und Zeichnung dar und vermittelt
über Fassaden­schnitte die konstruktiven Leitdetails zur Anregung und
Nachahmung für interessierte Dritte.

Sabine Djahanschah (Hrsg.)


120 Seiten mit zahlreichen Abbildungen,
Diagrammen und Zeichnungen
Format 22 x 28,3 cm

DETAIL Business Information GmbH Hardcover: EUR 49,90


Messerschmittstraße 4 ISBN 978-3-95553-527-8
80992 München
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ISSN 0466-2114 September 2020

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