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Anwendung und Verifizierung der Methode 135

Vom Erscheinungsbild unterscheiden sich die Sickenentwürfe deutlich


von denen unter zentrischer Normalkraft. Eine einfache Übertragbarkeit
ist somit nicht gegeben. Die Randbedingungen haben einen
erheblichen Einfluss auf die optimale Sickengeometrie.

11.3.2 Versickung einer rechteckigen Platte

11.3.2.1 Modellvorstellung
Auch diese Platte orientiert sich in ihren Abmaßen an den Standardformaten von
Konstruktionskatalogen und Sickenatlas. Sie ist 300x750mm groß und hat eine
Materialstärke von 1mm. Um eine direkte Vergleichsmöglichkeit mit bisherigen
Untersuchungen zu haben, wurde sie wieder translatorisch gelagert und mit einer
Normalkraft von 100N im Zentrum belastet.

1-3

1-3 1-3
750

Non-Design
Bereich

300 1-3

Abbildung 11.17: FEM-Modelle der rechteckigen Platte


136 Anwendung und Verifizierung der Methode

Für die Versickung wurden dieselben Parameter wie bei der quadratischen Platte
festgelegt:

Sickenhöhe 10mm

Sickenbreite ca. 50mm

Tabelle 11.6: Sickenparameter rechteckige Platte

Zur besseren Darstellung der Biegetrajektorien wurde zusätzlich ein gröberes Iso-
Modell erstellt.

11.3.2.2 Optimierung der rechteckigen Platte

Voruntersuchungen
Es liegt, wie bereits bei den anderen Platten beobachtet, eine Konfiguration vor, in
der bei der linearen Analyse zunächst ausschließlich Biegespannungen auftreten.

Während das Ausgangsmodell eine maximale Verschiebung von 8,0mm aufweist,


liegt das theoretische Optimum entsprechend bei 0,026mm.
Anwendung und Verifizierung der Methode 137

Bestimmung und Verifikation der Sickenorientierung


Die Sickenorientierung wird über die Biegetrajektorien des isotropen Modells
bestimmt.

isotropes Modell orthotropes Modell

Abbildung 11.18: Verifikation der Materialorientierung des orthotropen Modells

In diesem Falle sind über das gesamte Modell keine Unterschiede erkennbar. Die
bestimmte Sickenorientierung entspricht dem Optimalitätskriterium im vollen Maße.
Darüber hinaus haben die orthotropen Materialeigenschaften die maximale Ver-
schiebung auf 0,043mm reduziert.
138 Anwendung und Verifizierung der Methode

Manuelle und Automatische Umsetzung


Basierend auf den berechneten Sickenorientierungen wurden sowohl manuell als
auch automatisch Sickengeometrien erzeugt.

Manuell Automatisch Automatisch, manuell


korrigiert

Abbildung 11.19: Sickengeometrien für die rechteckige Platte unter Normalkraft

Auch die manuelle und automatische Umsetzung der Biegetrajektorien liegen wieder
nah beieinander. Leider schafft es der Algorithmus nicht, die offensichtlich sinnvolle
Quersicke in der Mitte komplett auszubilden. Parallel zu den Betrachtungen bei der
quadratischen Platte werden diese Schwachstellen auch wieder durch Untersuchung
z.B. der Dehnungsenergiedichten deutlich. Durch entsprechend geringfügige
manuelle Nacharbeit kann die maximale Verschiebung im Modell noch mal um über
50% verbessert werden.
Anwendung und Verifizierung der Methode 139

Nachkonstruktion im CAD
Das Ergebnis der automatisch erzeugten Sickengeometrie für dieses Modell wurde in
eine CAD-Konstruktion umgesetzt und nachgerechnet.

Abbildung 11.20: CAD-Umsetzung des automatischen


Entwurfs der rechteckigen Platte

Durch die einfache Geometrie der Sickenentwürfe war es möglich, bei der CAD
Konstruktion nahe am ursprünglichen Entwurf zu bleiben. So blieb auch die
maximale Verschiebung mit 0,16mm praktisch unverändert.

Auswertung
Wie zuvor bietet es sich an, die erhaltenen Sickenmuster mit bekannten
Sickenmustern aus der Literatur zu vergleichen.
Die Ergebnisse in Tabelle 11.7 zeigen ein ähnliches Bild, wie bei der quadratischen
Platte unter zentrischer Normalkraft:

Die CAD-Umsetzung weist die gleiche Steifigkeit wie der automatisch


erzeugte Entwurf auf.
Im Spannungsniveau liegen Entwurf und CAD-Modell relativ nah
zusammen.
Die neue Sickenmuster haben bezogen auf ihre Steifigkeit ein relativ
niedriges Spannungsniveau.
Das automatisch erzeugte Sickenmuster sowie das CAD-Pendant sind
deutlich steifer als die der Literatur entnommenen Entwürfe, jedoch
deutlich schlechter als das theoretische Optimum.
140 Anwendung und Verifizierung der Methode

th. Autom.
Ausgangs- orthotrop. Sicken-
optimale Entwurf, CAD Oehler
modell Optimum atlas
Sicken korr.

Bild

Max. Ver-
schiebung 8,0 0,026 0,043 0,16 0,16 0,87 1,19
[mm]

Verschieb-
307 1 2,1 6,1 6,1 33,5 45,8
ungsfaktor

Max. 1. HS
2 172 n.v. n.v. 109 128 97,4 226
[N/mm ]

Max. 1. HBS
2 172 n.v. n.v. 101 121 59,6 224
[N/mm ]

Max. 1.
HMS 0 n.v. n.v. 17,9 18,9 59,1 7,3
2
[N/mm ]

Max.
Membran-
0 n.v. n.v. 9,94 9,7 29,5 3,9
schub
2
[N/mm ]

Tabelle 11.7: Vergleich der mechanischen Eigenschaften für verschiedene


Sickenanordnungen der Haube

11.4 Optimierung einer Ölwanne

Dieses Beispiel gibt zwar nicht die Möglichkeit zu einem Vergleich mit der Literatur,
zeigt aber einige Effekte, Möglichkeiten und Grenzen bei der Anwendung auf
Schalenmodelle. Hier treten Geometrieeinflüsse und komplexe Beanspruchungsver-
teilungen auf, wie sie bei Platten nicht zu beobachten sind.

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