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Die beliebte Online-Grammatik als pdf-Book

Deutsche Grammatik 2.0


Lernergrammatik für Deutsch als Fremdsprache

Ulrich C. Mattmüller
Die beliebte Online-Grammatik als pdf-Book

Deutsche Grammatik 2.0


Lernergrammatik für Deutsch als Fremdsprache

Ulrich C. Mattmüller
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www.deutschegrammatik20.de

Dieses Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch
auszugsweise verboten. Unrechtmäßige Verbreitung in elektronischen Medien wird verfolgt und zur An-
zeige gebracht.

3. überarbeitete und erweiterte Fassung 2021

© Ulrich C. Mattmüller, Hauffstraße 6, D-71149 Bondorf


Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst.
Ernst Bloch – Tübinger Einleitung in die Philosophie
Vorwort zur 3. Fassung

Die Deutsche Grammatik 2.0 richtet sich an Lerner von Deutsch als Fremdsprache, die zumindest ele-
mentare Vorkenntnisse der deutschen Sprache besitzen. Sie orientiert sich in ihrer Darstellung daran, wie
grammatische Phänomene in aktuellen Lehrwerken des Deutschen als Fremdsprache dargestellt und im
Unterricht behandelt werden.

Die Deutsche Grammatik 2.0 soll dem Lerner beim selbständigen Vor- bzw. Nachbereiten des Deutschun-
terrichts als Nachschlagewerk dienen, das die wichtigsten grammatischen Erscheinungen der deutschen
Sprache in kleinen Lernschritten, mit wenig fachsprachlichen Ausdrücken und vielen leicht verständlichen
Beispielen darstellt und erklärt.

Die Deutsche Grammatik 2.0 verfolgt einen deskriptiven Ansatz. Sie beschreibt nicht nur die deutsche
Standardsprache wie sie heute besonders in den Medien zum Einsatz kommt und im Unterricht Deutsch
als Fremdsprache gelehrt wird, sondern bezieht auch Hinweise auf verschiedene Stil- und Sprachebenen
wie z. B. die Umgangssprache ein. Wo es sinnvoll erschien, wurden zudem kontrastive Hinweise zur engli-
schen Sprache gegeben.

Die Deutsche Grammatik 2.0 wurde von einem Deutschlehrer für Lerner des Deutschen als Fremdsprache
geschrieben. Weitergehende Ansprüche wie z. B. Wissenschaftlichkeit oder Vollständigkeit kann sie des-
halb nicht erfüllen.

Diese E-Book-Ausgabe im pdf-Format entspricht im Wesentlichen der Online-Version der Deutschen


Grammatik 2.0, stellt diese aber in übersichtlicher Weise zusammen und ergänzt sie durch umfangreichere
Wortlisten. Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis und ein Index erleichtern das Navigieren zum gesuchten
Thema.

Die Deutsche Grammatik 2.0 versteht sich als „Work-in-Progress“, das durch den engen Kontakt von Le-
sern und Autor ständig verbessert und weiterentwickelt werden soll. Deshalb freut sich der Autor über
Hinweise auf Ungenauigkeiten, schwer zu verstehende Erklärungen oder sonstige Verbesserungsvorschlä-
ge. Sie werden in den überarbeiteten Fassungen der Deutschen Grammatik 2.0 berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
Teil I: Die Verbformen (I)  11

Die Formen des Verbs - Einführung 12

Regelmäßige und unregelmäßige Verben und die Stammformen der Verben 15

Die Konjugation - Präsens 17

Die Konjugation - Präteritum 27

Die Konjugation - Perfekt 32

Die Konjugation - Plusquamperfekt 41

Die Konjugation - Futur I 43

Die Konjugation - Futur II 43

Übersicht: Alle Formen Indikativ Aktiv 46

Der Gebrauch der Tempora (Zeiten) 48

Der Imperativ 55

Das Partizip I 60

Das Partizip II 65

Der Infinitiv 72

Liste: Unregelmäßige Verben 76

Teil 2: Verbformen (II) - Spezielle Verben 85

Verben mit Präfix 86

Die Verben haben, sein und werden 94

Die Modalverben (I) 100

Die Modalverben (II): subjektive Bedeutung 118

Das Verb lassen 124

Das Verb brauchen 127

Weitere Verben mit Infinitiv ohne zu 129

Reflexive Verben 132

Verben mit Präpositionen 150

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Inhaltsverzeichnis

Verben, die nur in der 3. Person vorkommen 161

Verben mit obligatorischem es 162

Feste Nomen-Verb-Verbindungen (Funktionsverbgefüge) 164

Verben, die transitiv und intransitiv sein können 175

Teil III: Das Substantiv (Nomen) 184

Das Substantiv (Nomen) 185

Die Deklination des Substantivs 194

Der Gebrauch des bestimmten und des unbestimmten Artikels 206

Substantive mit Präposition 211

Teil IV: Artikelwörter und Pronomen 222

Demonstrativartikel und Demonstrativpronomen 223

Possessivartikel und Possessivpronomen 227

Das Personalpronomen 231

Die Indefinitpronomen 235

Teil V: Adjektive und Adverbien 239

Das Adjektiv 240

Die Kardinalzahlen 247

Die Ordinalzahlen 250

Komparativ und Superlativ 253

Adverbien 264

Adjektive (Adverbien) mit Präpositional- und Kasusergänzungen 277

Teil VI: Die Präpositionen 289

Die Präpositionen 290

Teil VII: Der einfache Satz 313

Der einfache Satz - Einführung 314

Das Verb und seine Ergänzungen 315

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Inhaltsverzeichnis

Verbergänzungen (I): Personen und Sachen 316

Die Bedeutung des Dativs 329

Verbergänzungen (II): Ort - lokale Ergänzungen 334

Verbergänzungen (III): Zeit - temporale Ergänzungen 341

Verbergänzungen (IV) Grund - kausale Ergänzungen 353

Verbergänzungen (V): Art und Weise - modale Ergänzungen 355

Nebensätze als Ergänzung 356

Übersicht: Fragewörter zu Verbergänzungen 372

Die Negation 374

Satzteilverbindung: und, oder, aber, sondern 377

Teil VIII: Verbformen (III) - Der Konjunktiv 378

Der Konjunktiv II 379

Konjunktiv I 392

Übersicht: Formen Konjunktiv I und II  406

Teil IX: Verbformen (IV) - Das Passiv 410

Das Passiv - Einführung 411

Die Zeitformen des Passivs (Tempus) 411

Die Passivumformung 418

Der Konjunktiv Passiv 421

Indikativ Passiv mit Modalverb 429

Konjunktiv Passiv mit Modalverb 432

Der Gebrauch des Passivs 434

Das Zustandspassiv  435

Passiversatz - Alternativen zum Passiv mit Modalverb 440

Das Gerundiv 442

Verschiedene Probleme bei der Passivumformung 444

Teil X: Attribute 447

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Inhaltsverzeichnis

Attribute 448

Relativsätze 456

Weitere Attributsätze 466

Fragewörter zu Attributen 468

Teil XI: Komplexe Sätze 470

Komplexe Sätze 471

Satzverbindung mit und 475

Satzverbindung mit oder 477

Satzverbindung mit aber, doch, jedoch, sondern 479

Kausale Verbindung: weil, da, zumal, denn, nämlich, wegen, auf Grund 482

Konsekutive Verbindung: sodass, deshalb, infolge 486

Finale Verbindung: damit, um zu, dazu, zu 490

Konzessive Verbindung: obwohl, aber, trotzdem, trotz 493

Konditionale Verbindung (I): wenn, falls, sofern, bei 496

Konditionale Verbindung (II): selbst wenn, außer wenn, es sei denn, je nachdem, sonst 499

Vergleichssätze mit je desto (umso) 504

Die temporale Satzverbindung - Einführung 506

Temporale Verbindung (I): wenn, als, sooft, sobald, sowie, dabei, bei 507

Temporale Verbindung (II): während, solange, währenddessen 510

Temporale Verbindung (III): seitdem, seit  513

Temporale Verbindung (IV): nachdem, danach, nach  515

Temporale Verbindung (V): bevor (ehe), davor, vorher, vor 518

Temporale Verbindung (VI): bis, bis dahin, bis zu 520

Modale Verbindung (I): (an)statt dass, (an)statt zu, als dass, stattdessen, (an)statt 522

Modale Verbindung (II): ohne dass, ohne zu, ohne 525

Modale Verbindung (III): indem, dadurch dass, dadurch, durch 527

Modale Verbindung (IV): während, aber, demgegenüber (adversativ) 530

Modale Verbindung (V): als ob, als wenn, wie wenn, als 533

Indirekte Fragesätze: W-Frage + auch immer (wie auch immer) 536

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Inhaltsverzeichnis

Nebensatz mit wie zur Einleitung der indirekten Rede 539

Teil XII: Wortposition und Redepartikeln 542

Die Wortposition 543

Die Redepartikeln (Modalpartikeln) 552

Liste: Redepartikeln und Signalfunktionen 554

Teil XIII: Anhang 556

Übersicht alle Verbformen 557

Teil XIV: Index 561

Index 562

Teil XV: Ausführliches Inhaltsverzeichnis 578

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Teil I: Die Verbformen (I)

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Die Formen des Verbs - Einführung

Die Formen des Verbs - Einführung


Stamm, Endung und Präfix
Ein Verb wird aus einem Stamm, einer Endung und einem oder zwei Präfixen (Vorsilben)
gebildet.

Präfix 1 Präfix 2 Stamm Endung


kommen komm -en
ankommen an- komm -en
hereinkommen her- ein- komm -en

Der Infinitiv
Der Infinitiv Aktiv ist die Grundform des Verbs. Diese Grundform findet man im Wörterbuch.
Verben schreibt man klein. Die meisten Verben haben die Infinitiv-Endung –en.

Endung –en komm-en, fahr-en, frag-en, mach-en, ..

Zum Infinitiv siehe auch im Kapitel: „Der Infinitiv“

Die Konjugation
Die Endung und bei einigen Verben auch der Stamm werden verändert, um Grammatikfor-
men zu bilden. Die Veränderung der Verbform nennt man die Konjugation. Bei der Konjugati-
on verändert man:

Konjugation
Person 1., 2. und 3. Person
Numerus Singular und Plural
Tempus Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II
Genus Verbi Aktiv und Passiv
Modus Indikativ, Konjunktiv und Imperativ

Person und Numerus


Das Verb richtet sich in Person und Numerus nach dem Nominativ des Satzes.

Der Nominativ ist entweder ein Nomen, ein Personalpronomen oder ein anderes Pronomen
im Singular oder Plural.

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Die Formen des Verbs - Einführung

Beispiel: Nominativ (= Nomen) + Verb


Singular das Kind fragt 3. Person Singular
Plural die Kinder fragen 3. Person Plural

Beispiel: Nominativ (= Personalpronomen) + Verb


Singular ich frage 1. Person Singular
Plural wir fragen 1. Person Plural

Wenn der Nominativ ein Personalpronomen ist, wird die Person doppelt ausgedrückt: durch
das Personalpronomen und durch die Verbendung.

Beispiel: Person => Personalpronomen + Verbendung


ich frage ich + -e = 1. Person Singular
du fragst du + -st = 2. Person Singular

Zum Personalpronomen siehe ausführlich im Kapitel: „Das Personalpronomen“

Tempus (Zeit)
Jedes Verb hat sechs Tempora (Zeitformen): Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt,
Futur I und Futur II.

Präsens ich frage


Präteritum ich fragte
Perfekt ich habe gefragt
Plusquamperfekt ich hatte gefragt
Futur 1 ich werde fragen
Futur II ich werde gefragt haben

Zu den Tempora siehe im jeweiligen Kapitel: „Präsens“, „Präteritum“, „Perfekt“, „Plusquamper-


fekt“, „Futur I“, „Futur II“.

Genus Verbi (Aktiv und Passiv)


Es gibt zwei Genera Verbi: Aktiv und Passiv. Das Genus Verbi zeigt, ob das Subjekt (Nomina-
tiv) eine Aktion selbst (aktiv) ausführt oder das (passive) Ziel dieser Aktion ist.

Viele, aber nicht alle Verben, kommen im Aktiv und im Passiv vor. Das Passiv bildet man mit
dem Hilfsverb werden und dem Partizip II.

fragen Aktiv Passiv


Präsens ich frage ich werde gefragt

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Die Formen des Verbs - Einführung

Zum Passiv siehe im Kapitel: „Das Passiv“

Modus
Im Deutschen gibt es drei Modi (Aussageformen): Indikativ, Konjunktiv und Imperativ.

Der Indikativ ist der Modus für einen Aussagesatz, der eine reale Handlung beschreibt.

Der irreale Konjunktiv II gibt an, dass eine Aktion nicht tatsächlich ausgeführt wird bzw. wur-
de, sondern nur einen Wunsch, eine Absicht darstellt.

Den Konjunktiv I benutzt man hauptsächlich in der indirekten Rede.

Beispiel: Konjunktiv - fragen


Person 3. Person Präsens Singular
Indikativ er fragt
Konjunktiv II er würde fragen
Konjunktiv I er frage

Zum Konjunktiv I und II siehe im Kapitel: „Der Konjunktiv“

Den Imperativ verwendet man für Aufforderungen an eine zweite Person im Singular oder
Plural.

Beispiel: Imperativ - fragen


Person 2. Person Singular 2. Person Plural
Indikativ du fragst ihr fragt
Imperativ Frag! Fragt!

Zum Imperativ siehe im Kapitel: „Der Imperativ“

Infinite Verbformen
Verbformen ohne Personenmarkierung nennt man infinite Verformen. Zu den infiniten Verb-
formen gehören neben dem Infinitiv, das Partizip I und das Partizip II. Partizipien verwendet
man zur Bildung von Verbformen, als Adjektive oder als Substantive.

Infinitiv fragen
Partizip I fragend
Partizip II gefragt

Zu den infiniten Verbformen siehe im jeweiligen Kapitel: „Der Infinitiv“, „Das Partizip I“, „Das
Partizip II“

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Regelmäßige und unregelmäßige Verben

Regelmäßige und unregelmäßige Verben


und die Stammformen der Verben
Bei der Konjugation kann man drei Haupttypen von Verben unterscheiden: regelmäßige
Verben, unregelmäßige Verben und Verben mit gemischter Konjugation.

Den Konjugationstyp erkennt man an den sogenannten Stammformen des Verbs. Diese un-
terscheiden sich durch die Veränderbarkeit des Stammvokals und durch ihre Endungen.

Als Stammformen bezeichnet man diejenigen Formen des Verbs, aus denen alle weiteren
Formen des Verbs abgeleitet werden können.

Im Unterricht Deutsch als Fremdsprache (DaF) werden als Stammformen häufig Infinitiv,
Präteritum(stamm) und Partizip II (Perfekt) gelernt.

Um wirklich alle weiteren Verbformen ableiten zu können, müssen allerdings zusätzlich auch
das Hilfsverb bei der Perfektbildung (sein oder haben) und die 2. Person Singular Präsens
(informell) gelernt werden, da bei dieser Form (und dann auch bei der 3. Person Singular)
ebenfalls ein Vokalwechsel auftreten kann.

Beispiel: Stammformen - unregelmäßiges Verb - lesen


Infinitiv 2. P. Sg. Präsens Präteritum Hilfsverb Partizip II
lesen (du) liest las hat gelesen

Regelmäßige Verben
Regelmäßige Verben verändern den Stammvokal nie und haben regelmäßige Endungen.

Beispiel: Stammformen - regelmäßiges Verb - fragen


Infinitiv 2. P. Sg. Präsens Präteritum Hilfsverb Partizip II
fragen (du) fragst fragte hat gefragt
=> Stammvokal: a

Unregelmäßige Verben
Unregelmäßige Verben können den Stammvokal ändern und haben im Präteritum und beim
Partizip II (Perfekt) teilweise andere Endungen als die regelmäßigen Verben.

Beispiel: Stammformen - unregelmäßiges Verb - fahren


Infinitiv 2. P. Sg. Präsens Präteritum Hilfsverb Partizip II
fahren (du) fährst fuhr ist gefahren
=> Stammvokal: a - ä - u - a

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Regelmäßige und unregelmäßige Verben

Gemischte Verben
Gemischte Verben ändern ebenfalls den Stammvokal, haben aber regelmäßige Endungen.

Beispiel: Stammformen - gemischtes Verb - denken


Infinitiv 2. P. Sg. Präsens Präteritum Hilfsverb Partizip II
denken (du) denkst dachte hat gedacht
=> Stammvokal: e - a

Verben mit zwei verschiedenen Stammformen


Verben mit einer Bedeutung
Bei einigen wenig benutzten unregelmäßigen und gemischten Verben kommt beim Präte-
ritum und beim Partizip II sowohl eine unregelmäßige als auch eine regelmäßige Form vor.
Welche Form gebraucht wird, ist regional verschieden.

Beispiel: unregelmäßiges Verb - weben


Infinitiv Präteritum(stamm) Partizip Perfekt Konjugation
weben wob gewoben unregelmäßig
webte gewebt regelmäßig

Eine Liste dieser Verben siehe: „Liste: Verben mit zwei Stammformen“

Verben mit zwei Bedeutungen


Die Verben mit einer Bedeutung muss man von den Verben unterscheiden, bei denen eine
regelmäßige bzw. unregelmäßige Variante mit verschiedener Bedeutung existiert.

Beispiel: Verb mit zwei Bedeutungen - schleifen


Infinitiv Präteritumstamm Partizip Perfekt Konjugation Bedeutung
schleifen schliff geschliffen unregelmäßig „glatt machen“
schleifte geschleift regelmäßig „hinter sich her ziehen“

Eine Liste der Verben mit regelmäßiger und unregelmäßiger Variante siehe: „Liste: Verben mit
regelmäßiger und unregelmäßiger Variante“

Listen aller unregelmäßigen und gemischten Verben finden sich hier: „Liste: Unregelmäßige
Verben“

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Die Konjugation: Präsens

Die Konjugation - Präsens


Der Indikativ Präsens Aktiv wird aus dem Infinitivstamm (Verbstamm) und der Personenen-
dung gebildet.

Indikativ Präsens Aktiv = Infinitivstamm + Personenendung

Beispiel: Indikativ Präsens Aktiv - fragen - 1. Person Singular


Person Infinitivstamm Personenendung
ich frag- -e

Beispielsatz: Indikativ Präsens Aktiv - fragen - 1. Person Singular


Ich frage den Lehrer.

Regelmäßige Verben
Regelmäßige Verben verändern den Stammvokal nicht.

Beispiel: regelmäßiges Verb - fragen


Numerus Person Verbstamm Personenendung
Singular ich frag- -e
du frag- -st
er, sie, es frag- -t
Plural wir frag- -en
ihr frag- -t
sie frag- -en
Singular/Plural Sie (formell) frag- -en

Unregelmäßige und gemischte Verben


Die Personenendungen der unregelmäßigen und gemischten Verben entsprechen den
Personenendungen der regelmäßigen Verben.

Einige unregelmäßige Verben ändern den Stammvokal in der 2. und 3. Person Präsens Sin-
gular.

Alle anderen Formen des Präsens sind bei allen Verben regelmäßig.

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Die Konjugation: Präsens

Beispiel: unregelmäßiges Verb - fahren


Person Verbstamm Personenendung
ich fahr -e
du fähr- -st Stammänderung
er, sie, es fähr -t Stammänderung
wir fahr- -en
ihr fahr- -t
sie fahr- -en

Viele unregelmäßige und alle gemischten Verben sind aber im Indikativ Präsens regelmäßig.
Die Unregelmäßigkeit dieser Verben kann man nur im Perfekt und Präteritum erkennen.

Beispiel: unregelmäßiges Verb mit regelmäßigem Präsens - kommen


Person Verbstamm Personenendung
ich komm- -e
du komm- -st ohne Stammänderung
er, sie, es komm- -t ohne Stammänderung

Beispiel: gemischtes Verb mit regelmäßigem Präsens - bringen


Person Verbstamm Personenendung
ich bring- -e
du bring- -st ohne Stammänderung
er, sie, es bring- -t ohne Stammänderung

Unregelmäßig im Präsens ist auch das gemischte Verb wissen. Wissen wechselt den Stamm-
vokal in allen Singularformen und verliert wie die Modalverben in der 1. und 3. Person
Singular die Personenendung.

Beispiel: gemischtes Verb mit unregelmäßigem Präsens - wissen


Person Verbstamm Personenendung
ich weiß --
du weiß- -t
er, sie, es weiß --
wir wiss -en
ihr wiss -t
sie wiss -en

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Die Konjugation: Präsens

Übersicht: Die Formen des Präsens


Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht der Konjugation der regelmäßigen, unregelmäßi-
gen und gemischten Verben im Indikativ Präsens Aktiv.

Die Konjugation - Präsens (Indikativ Aktiv)


Präsens = regelmäßig unregelmä- regelmäßig regelmäßig unregelmä-
ßig ßig
fragen fahren kommen bringen wissen
ich frage fahre komme bringe weiß
du fragst fährst kommst bringst weißt
er, sie, es fragt fährt kommt bringt weiß
wir fragen fahren kommen bringen wissen
ihr fragt fahrt kommt bringt wisst
sie fragen fahren kommen bringen wissen
Verb = regelmäßig unregelmä- unregelmä- gemischt gemischt
ßig ßig

Besonderheiten der regelmäßigen Konjugation im Prä-


sens
Bei bestimmten Endungen weist das Präsens regelmäßige Besonderheiten auf.

Verbendung -eln
Wenn das Verb auf –eln endet, verliert die 1. Person Singular ein –e. Alle anderen Formen
sind regelmäßig.

Übersicht: Konjugation Präsens - Verbendung -eln


sammeln
ich sammle
du sammelst
er, sie, es sammelt
wir sammeln
ihr sammelt
sie sammeln

Verbstammendung auf s-Laut


Wenn der Verbstamm mit einem s-Laut endet, verliert die 2. Person Singular das –s der Per-
sonenendung und ist deshalb identisch mit der 3. Person Singular.

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Die Konjugation: Präsens

Beispiel: 2. und 3. Person Singular - reisen


Singular
ich reis-e
du reis-t
er, sie, es reis-t

Die folgenden Stammendungen enthalten einen s-Laut: -s, -ss, -ß, -z, -tz, -x, -chs.

Übersicht: Konjugation Präsens - Stammendung -s-Laut


reisen essen heißen tanzen sitzen boxen wachsen
ich reise esse heiße tanze sitze boxe wachse
du reist isst heißt tanzt sitzt boxt wächst
er, sie, es reist isst heißt tanzt sitzt boxt wächst
wir reisen essen heißen tanzen sitzen boxen wachsen
ihr reist esst heißt tanzt sitzt boxt wachst
sie reisen essen heißen tanzen sitzen boxen wachsen
-s -ss -ß -z -tz -x -chs

Die e-Erweiterung
Bei bestimmten Endungen des Verbstamms wird zwischen dem Verbstamm und der Perso-
nenendung bei der 2. und 3. Person Singular und bei der 2. Person Plural ein -e- eingefügt.
Das eingefügte -e- bezeichnet man als e-Erweiterung.

Verbstammendung auf -d und -t


Eine erste Gruppe dieser Verben sind Verben, deren Verbstamm auf -d, oder -t endet.

Übersicht: Konjugation Präsens - Stammendung -d und -t


warten reden
ich warte rede
du wartest redest
er, sie, es wartet redet
wir warten reden
ihr wartet redet
sie warten reden
-t -d

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Die Konjugation: Präsens

Verbstammendung auf -d und -t mit Umlaut oder Ablaut


Wenn im Präsens aber der Verbstamm um- oder abgelautet (=verändert) wird, bleibt die
zweite Person Singular ohne e-Erweiterung.

Verben, deren Stamm auf –t endet, verlieren die Endung der dritten Person. Die zweite Person
Plural bekommt die e-Erweiterung.

Übersicht: Konjugation Präsens - Stammendung -d und -t mit Umlaut oder Ablaut


einladen raten gelten treten
ich lade ein rate gelte trete
du lädst ein rätst giltst trittst keine e-Erweiterung
er, sie, es lädt ein rät gilt tritt* -t => keine Persone-
nendung
wir laden ein raten gelten treten
ihr ladet ein ratet geltet tretet e-Erweiterung
sie laden ein raten gelten treten
-d / Umlaut -t / Umlaut -t / Ablaut -t / Ablaut

* Das zweite –t bei er tritt entsteht durch die Kürzung des Vokals.

Verbstammendung auf Konsonant + -m und -n


Die e-Erweiterung erhalten auch Verben, deren Verbstamm auf Konsonant plus –m oder –n
endet.

Übersicht: Konjugation Präsens - Stammendung Konsonant + -m und -n


atmen öffnen
ich atme öffne
du atmest öffnest
er, sie, es atmet öffnet
wir atmen öffnen
ihr atmet öffnet
sie atmen öffnen
Konsonant + -m Konsonant + -n

Das gilt aber nicht für Doppelkonsonant -m bzw. -n, die zur Kürzung des Vokals dienen und
auch nicht, wenn vor -m oder -n ein -l oder -r steht. Alle diese Verben werden im Präsens ohne
e-Erweiterung konjugiert.

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Die Konjugation: Präsens

Übersicht: Konjugation Präsens - Stammendung -mm, -nn, -rn, rm, -lm, -ln
kommen rennen lernen wärmen qualmen
ich komme renne lerne wärme qualme*
du kommst rennst lernst wärmst qualmst*
er, sie, es kommt rennt lernt wärmt qualmt
wir kommen rennen lernen wärmen qualmen*
ihr kommt rennt lernt wärmt qualmt*
sie kommen rennen lernen wärmen qualmen
-mm -nn -rn -rm -lm

*qualmen: 1. und 2. Person nur umgangssprachlich in der Bedeutung rauchen.

Zum Gebrauch des Präsens siehe im Kapitel: „Der Gebrauch des Präsens“

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Liste: Besonderheiten der regelmäßigen Konjugation im Präsens

Liste: Besonderheiten der regelmäßigen Konjugation im


Präsens
Verbendung –eln

sammeln ich sammle du sammelst er sammelt ihr sammelt


angeln ich angle du angelst er angelt ihr angelt
bügeln ich bügle du bügelst er bügelt ihr bügelt
handeln ich handle du handelst er handelt ihr handelt
klingeln ich klingle du klingelst er klingelt ihr klingelt
lächeln ich lächle du lächelst er lächelt ihr lächelt
schaukeln ich schaukle du schaukelst er schaukelt ihr schaukelt
segeln ich segle du segelst er segelt ihr segelt
stempeln ich stemple du stempelst er stempelt ihr stempelt
streicheln ich streichle du streichelst er streichelt ihr streichelt
verwandeln ich verwandle du verwandelst er verwandelt ihr verwandelt
wandeln ich wandle du wandelst er wandelt ihr wandelt
wechseln ich wechsle du wechselst er wechselt ihr wechselt
zweifeln ich zweifle du zweifelst er zweifelt ihr zweifelt

Verbstammendung auf s-Laut

-s
bremsen ich bremse du bremst er bremst ihr bremst
grinsen ich grinse du grinst er grinst ihr grinst
rasen ich rase du rast er rast ihr rast
reisen ich reise du reist er reist ihr reist
-ss
essen ich esse du isst er isst ihr esst
fassen ich fasse du fasst er fasst ihr fasst
lassen ich lasse du lässt er lässt ihr lasst
messen ich messe du misst er misst ihr messt
passen ich passe du passt er passt ihr passt

beißen ich beiße du beißt er beißt ihr beißt
gießen ich gieße du gießt er gießt ihr gießt

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Liste: Besonderheiten der regelmäßigen Konjugation im Präsens

heißen ich heiße du heißt er heißt ihr heißt


reißen ich reiße du reißt er reißt ihr reißt
schließen ich schließe du schließt er schließt ihr schließt
stoßen ich stoße du stößt er stößt ihr stoßt
-z
geizen ich geize du geizt er geizt ihr geizt
heizen ich heize du heizt er heizt ihr heizt
reizen ich reize du reizt er reizt ihr reizt
spreizen ich spreize du spreizt er spreizt ihr spreizt
tanzen ich tanze du tanzt er tanzt ihr tanzt
-tz
benutzen ich benutze du benutzt er benutzt ihr benutzt
putzen ich putze du putzt er putzt ihr putzt
schützen ich schütze du schützt er schützt ihr schützt
sitzen ich sitze du sitzt er sitzt ihr sitzt
-x
boxen ich boxe du boxt er boxt ihr boxt
-chs
wachsen ich wachse du wächst er wächst ihr wachst

Verbstammendung auf -d und -t

-t
arbeiten ich arbeite du arbeitest er arbeitet ihr arbeitet
beten ich bete du betest er betet ihr betet
fürchten ich fürchte du fürchtest er fürchtet ihr fürchtet
heiraten ich heirate du heiratest er heiratet ihr heiratet
reiten ich reite du reitest er reitet ihr reitet
retten ich rette du rettest er rettet ihr rettet
schreiten ich schreite du schreitest er schreitet ihr schreitet
streiten ich streite du streitest er streitet ihr streitet
verbreiten ich verbreite du verbreitest er verbreitet ihr verbreitet
verheiraten ich verheirate du verheiratest er verheiratet ihr verheiratet
warten ich warte du wartest er wartet ihr wartet

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Liste: Besonderheiten der regelmäßigen Konjugation im Präsens

-d
reden ich rede du redest er redet ihr redet
baden ich bade du badest er badet ihr badet
dulden ich dulde du duldest er duldet ihr duldet
gründen ich gründe du gründest er gründet ihr gründet
leiden ich leide du leidest er leidet ihr leidet
melden ich melde du meldest er meldet ihr meldet
schaden ich schade du schadest er schadet ihr schadet
schneiden ich schneide du schneidest er schneidet ihr schneidet

Verbstammendung auf -d und -t mit Um- bzw. Ablaut

Umlaut
-t
raten ich rate du rätst er rät ihr ratet
braten ich brate du brätst er brät ihr bratet
geraten ich gerate du gerätst er gerät ihr geratet
verraten ich verrate du verrätst er verrät ihr verratet
-d
einladen ich lade ein du lädst ein er lädt ein ihr ladet ein
ausladen ich lade aus du lädst aus er lädt aus ihr ladet aus
verladen ich verlade du verlädst er verlädt ihr verladet
Ablaut
gelten ich gelte du giltst er gilt ihr geltet
vergelten ich vergelte du vergiltst er vergilt ihr vergeltet
treten ich trete du trittst er tritt ihr tretet
austreten ich trete aus du trittst aus er tritt aus ihr tretet aus
eintreten ich trete ein du trittst ein er tritt ein ihr tretet ein

Verbstammendung auf Konsonant + -m oder –n

-m
atmen ich atme du atmest er atmet ihr atmet
widmen ich widme du widmest er widmet ihr widmet
-n

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Liste: Besonderheiten der regelmäßigen Konjugation im Präsens

öffnen ich öffne du öffnest er öffnet ihr öffnet


leugnen ich leugne du leugnest er leugnet ihr leugnet
rechnen ich rechne du rechnest er rechnet ihr rechnet
wappnen ich wappne du wappnest er wappnet ihr wappnet

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Die Konjugation: Präteritum

Die Konjugation - Präteritum


Das Präteritum wird mit dem Präteritumstamm und der Personenendung gebildet.

Präteritum = Präteritumstamm + Personenendung

Beispiele: Präteritum
Präsens Präteritum
Ich frage den Lehrer. Ich fragte den Lehrer.
Ich fahre nach Hause. Ich fuhr nach Hause.

Die Bildung des Präteritumstamms


Die Bildung des Präteritumstamms unterscheidet sich bei regelmäßigen, unregelmäßigen
und gemischten Verben bezüglich der Veränderung des Stammvokals und der Stammen-
dung.

Regelmäßige Verben
Die regelmäßigen Verben bilden den Präteritumstamm ohne Vokaländerung des Präsens-
stamms und der Stammendung –te.

Präteritumstamm regelmäßige Verben = Präsensstamm + -te

Beispiel: Präteritumstamm regelmäßiges Verb - fragen


Infinitiv Präsensstamm Vokaländerung Stammendung Präteritumstamm
fragen frag- -- -te fragte
Stammvokal: -a-

Unregelmäßige Verben
Die unregelmäßigen Verben bilden den Präteritumstamm durch die Änderung des Stamm-
vokals des Präsensstamms, aber ohne die Stammendung -te.

Präteritumstamm unregelmäßige Verben = Änderung Stammvokal des Präsensstamms

Beispiel: Präteritumstamm unregelmäßiges Verb - fahren


Infinitiv Präsensstamm Vokaländerung Stammendung Präteritumstamm
fragen fahr- fuhr- -- fuhr
Stammvokal: -a- Stammvokal: -u-

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Die Konjugation: Präteritum

Gemischte Verben
Gemischte Verben bilden den Präteritumstamm mit der Stammendung -te der regelmäßigen
Verben und der Änderung des Stammvokals wie bei den unregelmäßigen Verben.

Präteritumstamm gemischte Verben = Änderung Stammvokal des Präsensstamms + -te

Beispiel: Präteritumstamm gemischtes Verb - bringen


Infinitiv Präsensstamm Vokaländerung Stammendung Präteritumstamm
bringen bring- brach- -te brachte
Stammvokal: -i- Stammvokal: -a-

Zusammenfassung
Die folgende Übersicht fasst die Bildung des Präteritumstamms noch einmal zusammen.

Übersicht: Bildung des Präteritumstamms


Verb Vokaländerung Stammendung Beispiel
regelmäßig -- -te fragte-
unregelmäßig Vokaländerung -- fuhr-
gemischt Vokaländerung -te brachte-

Die Personenendungen des Präteritums


Die Personenendungen werden an den Präteritumstamm angehängt. Die Personenendun-
gen der 1. und 3. Person Singular entfallen.

Die Personenendungen in der 2. Person Singular und im Plural entsprechen den Personenen-
dungen im Präsens.

Personenendungen Präteritum
regelmäßiges Verb unregelmäßiges Verb gemischtes Verb
ich frag – te - -- fuhr - -- brach – te - --
du frag – te – st fuhr - st brach – te – st
er frag – te – -- fuhr - -- brach – te – --
wir frag – te – n* fuhr - en brach – te – n*
ihr frag – te – t fuhr - t brach – te – t
sie frag – te – n* fuhr - en brach – te – n*

* Beacht: Wenn zwei Vokale (e - e) zusammenkommen, entfällt ein Vokal.

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Die Konjugation: Präteritum

Übersicht: Die Formen des Präteritums


Die folgende Tabelle zeigt die Konjugation der regelmäßigen, unregelmäßigen und ge-
mischten Verben im Indikativ Präteritum Aktiv noch einmal in der Übersicht.

Die Konjugation - Präteritum (Indikativ Aktiv)


fragen fahren bringen
ich fragte fuhr brachte
du fragtest fuhrst brachtest
er fragte fuhr brachte
wir fragten fuhren brachten
ihr fragtet fuhrt brachtet
sie fragten fuhren brachten
=> regelmäßiges Verb => unregelmäßiges Verb => gemischtes Verb

Besonderheiten der regelmäßigen Konjugation im Prä-


teritum
Die e-Erweiterung
Wie beim Präsens muss bei bestimmten Endungen des Präteritumstamms eine e-Erweite-
rung eingefügt werden. Diese Endungen sind –d, –t, -m, -n. Bei regelmäßigen Verben gilt
dies für alle Personen.

Die e-Erweiterung im Präteritum ist auch für Muttersprachler teilweise schwer auszuspre-
chen. Deshalb werden die Präteritumformen im gesprochenen Deutsch oft durch das
Perfekt ersetzt.

Die e-Erweiterung beim Präteritum - regelmäßige Verben


warten reden atmen öffnen
ich wartete redete atmete öffnete
du wartetest redetest atmetest öffnetest
er, sie, es wartete redete atmete öffnete
wir warteten redeten atmeten öffneten
ihr wartetet redetet atmetet öffnetet
sie warteten redeten atmeten öffneten

Unregelmäßige Verben habe nur in der 2. Person Singular und Plural eine e-Erweiterung.
Die e-Erweiterung in der 2. Person Singular klingt sehr veraltet. Meist wird diese heute ohne
e-Erweiterung benutzt oder ebenfalls durch das Perfekt ersetzt.

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Die Konjugation: Präteritum

Die e-Erweiterung beim Präteritum - unregelmäßige Verben


raten einladen
ich riet lud ein
du riet(e)st lud(e)st ein
er, sie, es riet lud ein
wir rieten luden ein
ihr rietet ludet ein
sie rieten luden ein

Verben mit zwei Präteritum-Formen


Zu einigen Verben gibt es zwei Präteritum-Formen. Das hat unterschiedliche Gründe.

Verben mit zwei Stammformen


Bei einigen wenig benutzten unregelmäßigen und gemischten Verben kommt beim Präte-
ritum sowohl eine unregelmäßige als auch eine regelmäßige Form vor. Welche Form ge-
braucht wird, ist regional verschieden.

Beispiel 1: unregelmäßiges Verb mit zwei Stammformen - weben


unregelmäßig wob Sie wob einen Teppich.
regelmäßig webte Sie webte einen Teppich.

Beispiel 2: unregelmäßiges Verb mit zwei Stammformen - backen


unregelmäßig buk Der Bäcker buk das Brot.
regelmäßig backte Der Bäcker backte das Brot.

Eine Liste der Verben mit zwei Stammformen siehe: „Liste: Verben mit zwei Stammformen“

Verben mit regelmäßiger und unregelmäßiger Variante


Das Verb hängen, das man transitiv (mit der Bedeutung „Richtung“) und intransitiv (mit der
Bedeutung „Position“) benützen kann, hat eine regelmäßige und eine unregelmäßige Präter-
itumform.

Beispiel: Präteritum von hängen


„Richtung“ (transitiv) hängte Er hängte die Jacke in den Schrank.
„Position“ (intransitiv) hing Die Jacke hing im Schrank.

Ebenso zwei Bedeutungen und zwei Präteritum-Formen haben einige weitere Verben.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 30


Die Konjugation: Präteritum

bewegen
“veranlassen“ bewog Niemand weiß, was ihn zu dieser Tat bewog.
„Position verändern“ bewegte Er bewegte sich im Urlaub keinen Meter.
schaffen
„produzieren (Kunst)“ schuf Der Maler schuf ein großes Werk.
„erfolgreich beenden“ schaffte Er schaffte die Prüfung beim ersten Mal.
wiegen
„Gewicht messen“ wog Sie wog das Baby.
„hin und her bewegen“ wiegte Sie wiegte das Baby.

Eine Liste der Verben mit regelmäßiger und unregelmäßiger Variante siehe: „Liste: Verben
mit regelmäßiger und unregelmäßiger Variante“

Zum Gebrauch des Präteritums siehe im Kapitel: „Der Gebrauch von Präteritum und Perfekt“

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Die Konjugation: Perfekt

Die Konjugation - Perfekt


Das Perfekt bildet man mit dem Präsens der Hilfsverben haben oder sein und dem Partizip II
(Partizip Perfekt). (Zur Bildung des Partizips II siehe: „Das Partizip II“

Perfekt = Präsens haben/sein + Partizip II (Perfekt)

Beispiel: Formbildung Perfekt


Person (haben/sein) Präsens Partizip II
ich (sein) bin gefahren
ich (haben) habe gefragt

Beispielsätze: Perfekt (mit haben/sein)


Präsens Perfekt sein/haben
Ich fahre nach Hause. Ich bin nach Hause gefahren. sein
Ich frage den Lehrer. Ich habe den Lehrer gefragt. haben

Übersicht: Die Formen des Perfekts


Regelmäßige, unregelmäßige und gemischte Verben können das Perfekt mit den Hilfsver-
ben haben oder sein bilden.

Regelmäßige Verben im Perfekt


Das Hilfsverb ist haben oder sein. Das Hilfsverb sein kommt bei regelmäßigen Verben selte-
ner vor.

Die Konjugation - Perfekt (Indikativ Aktiv) - regelmäßige Verben


fragen reisen
ich habe gefragt ich bin gereist
du hast gefragt du bist gereist
er, sie, es hat gefragt er, sie, es ist gereist
wir haben gefragt wir sind gereist
ihr habt gefragt ihr seid gereist
sie haben gefragt sie sind gereist
Perfekt mit haben Perfekt mit sein

Unregelmäßige Verben im Perfekt


Das Hilfsverb ist haben oder sein. Das Hilfsverb sein kommt bei unregelmäßigen Verben häu-
figer vor als bei regelmäßigen.

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Die Konjugation: Perfekt

Die Konjugation - Perfekt (Indikativ Aktiv) - unregelmäßige Verben


schreiben fahren
ich habe geschrieben ich bin gefahren
du hast geschrieben du bist gefahren
er, sie, es hat geschrieben er, sie, es ist gefahren
wir haben geschrieben wir sind gefahren
ihr habt geschrieben ihr seid gefahren
sie haben geschrieben sie sind gefahren
Perfekt mit haben Perfekt mit sein

Gemischte Verben im Perfekt


Das Hilfsverb ist haben oder sein.

Die Konjugation - Perfekt (Indikativ Aktiv) - gemischte Verben


bringen rennen
ich habe gebracht ich bin gerannt
du hast gebracht du bist gerannt
er, sie, es hat gebracht er, sie, es ist gerannt
wir haben gebracht wir sind gerannt
ihr habt gebracht ihr seid gerannt
sie haben gebracht sie sind gerannt
Perfekt mit haben Perfekt mit sein

Die Bildung des Perfekts mit haben und sein


Am häufigsten kommt die Bildung des Perfekts mit haben vor. Die Perfektbildung mit sein ist
die Ausnahme.

Viele Verben, die das Perfekt mit sein bilden, gehören zu bestimmten Bedeutungsklassen
wie z. B. „Bewegungsverben“ oder „Positionsverben“.

Beispiele: Perfekt mit sein


„Bewegungsverben“ fahren, fallen, fliegen, gehen, kommen, laufen, rennen, springen, ..
„Positionsverben“ sitzen, stehen, bleiben, ..

Allerdings ist es für Deutschlerner oft nicht einfach die Verben den Bedeutungsklassen zuzu-
ordnen. Deshalb sollte die Perfektbildung mit sein zusammen mit dem Verb gelernt werden.

Beachte auch: Aus der Wahl des Hilfsverbs für ein Stammverb kann man nicht unbedingt auf

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 33


Die Konjugation: Perfekt

das Hilfsverb bei Verben mit Präfix schließen.

Beispiel: schlafen mit/ohne Präfix


schlafen Ich habe gut geschlafen. haben
einschlafen Ich bin gestern spät eingeschlafen. sein (!)
verschlafen Ich habe heute Morgen verschlafen. haben

Beispiel: gehen mit/ohne Präfix


gehen Ich bin nach Hause gegangen. sein
begehen Er hat sein 25-jähriges Jubiläum begangen. haben (!)
vergehen Die Zeit ist schnell vergangen. sein

Verben, die das Perfekt sowohl mit haben als auch mit
sein bilden
Normalerweise wird das Perfekt eines Verbs entweder mit haben oder mit sein gebildet. Es
gibt aber auch einige Verben, die das Perfekt sowohl mit haben als auch mit sein bilden kön-
nen. Dafür kann man folgende Gründe unterscheiden.

Regionale Varianten
Einige Verben weisen bei der Wahl des Hilfsverbs regionale Varianten auf, die beide als
sprachlich korrekt gelten.

Beispiele: Perfekt mit haben/sein - regionale Varianten (1)


Ich bin gesessen. Ich habe gesessen.
Sie ist gestanden. Sie hat gestanden.
Er ist im Bett gelegen. Er hat im Bett gelegen.
Der Mantel ist im Schrank gehangen. Der Mantel hat im Schrank gehangen.
=> (meist) im süddeutschen Sprachraum

Einige regionale Varianten gelten als rein umgangssprachlich.

Beispiel: Perfekt mit haben/sein - regionale Varianten (2)


standardsprachlich regionale Umgangssprache
Ich habe angefangen Ich bin angefangen.

Transitiver vs. intransitiver Gebrauch


Manche Verben kann man ohne Akkusativergänzung (intransitiv) oder mit Akkusativer-
gänzung (transitiv) benutzen. (Siehe dazu im Kapitel: „Verben, die sowohl transitiv als auch

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 34


Die Konjugation: Perfekt

intransitiv sind“)

Bei vielen dieser Verben wird bei transitivem Gebrauch das Perfekt mit haben gebildet, bei
intransitivem Gebrauch mit sein.

Beispiele: Verben - transitiver vs. intransitiver Gebrauch


Verb intransitiv transitiv
fahren Ich bin nach Hause gefahren. Er hat das Auto in die Garage ge-
fahren.
fliegen Ich bin nach Deutschland geflogen. Der Pilot hat das Flugzeug geflo-
gen.
starten Er ist in Stuttgart gestartet. Er hat den Motor gestartet.
brechen Der Arm ist gebrochen. Mein Bruder hat den Arm gebro-
chen.
heilen Die Wunde ist schnell geheilt. Der Arzt hat den Patienten geheilt.
schmelzen Das Eis ist geschmolzen. Die Sonne hat das Eis geschmolzen.
trocknen Die Straße ist getrocknet. Die Sonne hat die Straße getrock-
net.
abbrechen Der Ast ist abgebrochen. Peter hat sein Studium abgebro-
chen.
anspringen Der Motor ist angesprungen. Der Hund hat den Mann ange-
sprungen.
=> Perfekt mit sein => Perfekt mit haben

Beachte: Das gilt für viele Verben, die man sowohl intransitiv als auch transitiv gebrauchen
kann, aber nicht für alle. Siehe dazu im Kapitel: „Verben, die sowohl transitiv als auch intransi-
tiv sind“.

Zu den Verben, die das Perfekt sowohl mit sein als auch mit haben bilden, gehören auch die
Verben, die mit unterschiedlicher Bedeutung reflexiv (=transitiv) oder nicht reflexiv (=intran-
sitiv) verwendet werden:

Beispiele: reflexive vs. nicht reflexive Verbvariante => verschiedene Bedeutung


nicht reflexiv reflexiv
(s.) umziehen Ich bin letzte Woche umgezogen. Ich habe mich umgezogen.
„die Wohnung wechseln“ „die Kleidung wechseln“
(s.) irren Er ist durch die Stadt geirrt. Ich habe mich geirrt.
„den Weg nicht finden“ „einen Denkfehler machen“
=> Perfekt mit sein => Perfekt mit haben

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Die Konjugation: Perfekt

Wortposition beim Perfekt


Im Aussagesatz steht beim Perfekt das Hilfsverb (sein oder haben) in der normalen Verbposi-
tion (= Position 2). Das Partizip steht ganz am Ende des Satzes.

Das gilt auch für W-Fragen. Bei Satzfragen steht das Hilfsverb in Position 1, das Partizip II
ebenfalls am Satzende.

Im Nebensatz steht das Hilfsverb ganz am Ende des Satzes hinter dem Partizip II.

Wortposition beim Perfekt


Aussagesatz Peter ist ins Kino gegangen.
Peter ist gestern ins Kino gegangen.
Peter ist gestern um 8 ins Kino gegangen.
Peter ist gestern um 8 mit seiner Freundin ins Kino gegangen.
Fragesatz Wann ist Peter mit seiner Freundin ins Kino gegangen?
Ist Peter mit seiner Freundin ins Kino gegangen?
Nebensatz Peter sagt, dass er gestern um 8 mit seiner Freundin ins Kino ge-
gangen ist.
Peter kommt später, weil er noch schnell seine Freundin abgeholt
hat.

Zum Gebrauch des Perfekts siehe im Kapitel: „Der Gebrauch von Präteritum und Perfekt“

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Liste: Verben, die das Perfekt mit sein bilden

Liste: Verben, die das Perfekt mit sein bilden


unregelmäßige Verben

abbrechen* ist abgebrochen Der Ast ist bei einem Orkan abgebrochen.
anspringen* ist angesprungen Der Motor ist nicht angesprungen.
antreiben* ist angetrieben Am Ufer des Flusses ist eine Leiche angetrieben.
bersten ist geborsten Der Reaktor in Tschernobyl ist geborsten.
bleiben ist geblieben Ich bin gestern zu Hause geblieben.
brechen* ist gebrochen Der Ast ist bei einem Orkan gebrochen.
dringen ist gedrungen Ethische Fragen sind in das Bewusstsein der
Öffentlichkeit gedrungen.
erbleichen ist erblichen Sie ist vor Neid erblichen, als sie mein neues
Kleid gesehen hat.
erlöschen ist erloschen Das Feuer ist erloschen.
erschrecken* ist erschrocken Ich bin zu Tode erschrocken.
fahren* ist gefahren Mein Schwager ist nach Irland gefahren.
fallen ist gefallen Alle Äpfel sind vom Baum gefallen.
fliegen* ist geflogen Mein Großvater ist noch nie geflogen.
fliehen ist geflohen Die Menschen sind vor dem Vulkanausbruch
geflohen.
fließen ist geflossen Das Wasser ist durch die Straßen geflossen.
gedeihen ist gediehen Die Überlegungen einen neuen Bahnhof zu
bauen sind weit gediehen.
gehen ist gegangen Meine Freundin ist schon nach Hause gegan-
gen.
gelingen ist gelungen Der Kuchen ist mir dieses Mal gut gelungen.
genesen ist genesen Er ist von einer schweren Krankheit genesen.
geschehen ist geschehen Es ist nichts geschehen.
gleiten ist geglitten Die Finanzkrise ist den Politikern aus den Hän-
den geglitten.
kommen ist gekommen Meine Eltern sind gestern zu Besuch gekom-
men.
kriechen ist gekrochen Das Baby ist auf dem Boden gekrochen.
laufen ist gelaufen Ich bin 400 Meter in 50 Sekunden gelaufen.
misslingen ist misslungen Der erste Versuch ist misslungen.
quellen ist gequollen Der Teig ist nicht gequollen.

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Liste: Verben, die das Perfekt mit sein bilden

reißen* ist gerissen Das Seil ist gerissen.


reiten* ist geritten Sie ist stundenlang über die Felder geritten.
rinnen ist geronnen Die Milch ist geronnen.
schleichen ist geschlichen Sie hat sich in ihr Zimmer geschlichen.
schmelzen* ist geschmolzen Durch die Wärme ist das Eis geschmolzen.
schreiten ist geschritten Die Braut ist am Arm ihres Vaters in die Kirche
geschritten.
schwellen ist geschwollen Mein linker Fuß ist geschwollen.
schwinden ist geschwunden In unserer Gesellschaft ist der Glaube an Gott
geschwunden.
sein ist gewesen Ich bin in Berlin gewesen.
sinken ist gesunken Das Schiff ist in einem schweren Sturm gesun-
ken.
sprießen ist gesprossen Die neuen Triebe sind schnell gesprossen.
springen ist gesprungen Die Katze ist auf den Baum gesprungen.
steigen ist gestiegen Die Benzinpreise sind stark gestiegen.
sterben ist gestorben Mein Nachbar ist gestorben.
stoßen (auf )* ist gestoßen Die Forscher sind in der Nordsee auf Öl gesto-
ßen.
treten (auf )* ist getreten Er ist auf eine Wespe getreten.
umziehen* ist umgezogen Ich bin letzte Woche umgezogen.
wachsen ist gewachsen Das Bruttosozialprodukt ist jährlich um 3 Pro-
zent gewachsen.
wegziehen* ist weggezogen Mein Freund ist aus Stuttgart weggezogen.
weichen ist gewichen Er ist ihr nicht von der Seite gewichen.
werden ist geworden Mein Schulfreund ist später Schauspieler gewor-
den.
zerbrechen* ist zerbrochen Ihre Ehe ist schon nach zwei Jahren zerbrochen.
ziehen* ist gezogen Meine Freundin ist nach Berlin gezogen.

Die folgenden Verben bilden das Perfekt mit sein oder haben:

hängen* ist/hat gehangen Der Pullover ist (hat) im Schrank gehangen.


liegen ist/hat gelegen Er ist (hat) im Bett gelegen.
sitzen ist/hat gesessen Peter ist (hat) den ganzen Tag am Computer gesessen.
stehen ist/hat gestanden Das Auto ist (hat) vor der Garage gestanden.

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Liste: Verben, die das Perfekt mit sein bilden

regelmäßige Verben

abmagern ist abgemagert Durch ihre Diät ist sie stark abgemagert.
auftauchen ist aufgetaucht Im Prozess sind neue Beweise aufgetaucht.
aufwachen ist aufgewacht Ich bin heute zu spät aufgewacht.
auswandern ist ausgewandert Meine Großeltern sind aus Deutschland ausge-
wandert.
begegnen ist begegnet Er ist ihr zum ersten Mal in einem Supermarkt
begegnet.
entgleisen ist entgleist Der Zug ist entgleist.
erblinden ist erblindet Er ist im Alter von 12 Jahren erblindet.
erfolgen ist erfolgt Der Baubeginn ist erfolgt.
erkranken ist erkrankt Er ist an einer schweren Grippe erkrankt.
explodieren ist explodiert Die Gasleitung ist explodiert.
faulen ist gefault Das Obst ist gefault.
folgen ist gefolgt Der Polizist ist dem Taschendieb gefolgt.
glücken ist geglückt Das Experiment ist leider nicht geglückt.
heilen* ist geheilt Die Wunde ist schnell geheilt.
irren ist geirrt Er ist durch die ganze Stadt geirrt.
klettern ist geklettert Das Kind ist auf einen Baum geklettert.
kollabieren ist kollabiert Einige Menschen sind wegen der Hitze kolla-
biert.
landen* ist gelandet Das Flugzeug ist sicher gelandet.
passieren* ist passiert Es ist nicht passiert.
platzen ist platzen Mein Fahrradschlauch ist geplatzt.
reisen ist gereist Früher bin ich sehr gern gereist.
rollen* ist gerollt Der Ball ist auf die Straße gerollt.
rudern* ist gerudert Wir sind wegen des Sturms ans Ufer gerudert.
scheitern ist gescheitert Die große Koalition ist gescheitert.
schrumpfen ist geschrumpft Die Wirtschaft ist im letzten Jahr geschrumpft.
segeln* ist gesegelt Er ist alleine um die Welt gesegelt.
splittern ist gesplittert Das Holz ist gesplittert.
starten* ist gestartet Das Flugzeug ist planmäßig gestartet.
stranden ist gestrandet Die Flüchtlinge sind auf einer Insel gestrandet.
stürzen* ist gestürzt Meine Oma ist bei Glatteis gestürzt.
tanzen* ist getanzt Sie sind durch die Straßen getanzt.

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Liste: Verben, die das Perfekt mit sein bilden

trocknen* ist getrocknet Die Wäsche ist schnell getrocknet.


umkehren ist umgekehrt Der Bergsteiger ist vor dem Gipfel umgekehrt.
umknicken* ist umgeknickt Der Baum ist bei dem Sturm umgeknickt.
verarmen ist verarmt Die Bergbauern sind verarmt.
verblühen ist verblüht Die Blumen sind verblüht.
verdunsten ist verdunstet Das Wasser ist verdunstet.
vereinsamen ist vereinsamt Nach dem Tod seiner Frau ist er völlig verein-
samt.
verhallen ist verhallt Der Jubel ist noch nicht verhallt.
verjähren ist verjährt Die Straftat ist verjährt.
verreisen ist verreist Mein Mann ist geschäftlich verreist.
wandern ist gewandert Wir sind stundenlang gewandert.
wuchern ist gewuchert Das Unkraut ist stark gewuchert.
zurückkehren ist zurückgekehrt Mein Freund ist gestern aus dem Urlaub zurück-
gekehrt.
einkehren ist eingekehrt Jetzt ist Ruhe eingekehrt.

Die folgenden Verben bilden das Perfekt mit sein oder haben:

schimmeln ist/hat geschimmelt Das Brot ist (hat) geschimmelt.


schweben ist/hat geschwebt Sie sind (haben) wie auf einer Wolke geschwebt.
surfen ist/hat gesurft Das Kind ist (hat) tagelang im Internet gesurft.

gemischte Verben

rennen ist gerannt Die Kinder sind schnell nach Hause gerannt.
verbrennen* ist verbrannt Alle Papiere sind im Haus verbrannt.

* Beachte: Diese Verben haben eine transitive Verbvariante, die das Perfekt mit haben bildet.

Siehe dazu auch im Kapitel: „Verben, die transitiv und intransitiv sein können“

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Die Konjugation: Plusquamperfekt

Die Konjugation - Plusquamperfekt


Das Plusquamperfekt bildet man mit dem Präteritum der Hilfsverben haben oder sein und
dem Partizip II (Partizip Perfekt).

Plusquamperfekt = Präteritum haben/sein + Partizip II (Perfekt)

Beispiel: Formbildung Plusquamperfekt


Person (haben/sein) Präteritum Partizip II
ich (sein) war gefahren
ich (haben) hatte gefragt

Beispielsätze: Plusquamperfekt
Präsens Plusquamperfekt sein/haben
Ich fahre nach Hause. Ich war nach Hause gefahren. sein
Ich frage den Lehrer. Ich hatte den Lehrer gefragt. haben

Übersicht : Die Formen des Plusquamperfekts


Regelmäßige Verben

Die Konjugation - Plusquamperfekt (Indikativ Aktiv) - regelmäßige Verben


fragen (Perfekt mit haben) reisen (Perfekt mit sein)
ich hatte gefragt ich war gereist
du hattest gefragt du warst gereist
er, sie, es hatte gefragt er, sie, es war gereist
wir hatten gefragt wir waren gereist
ihr hattet gefragt ihr wart gereist
sie hatten gefragt sie waren gereist

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Die Konjugation: Plusquamperfekt

Unregelmäßige Verben

Die Konjugation - Plusquamperfekt (Indikativ Aktiv) - unregelmäßige Verben


schreiben (Perfekt mit haben) fahren (Perfekt mit sein)
ich hatte geschrieben ich war gefahren
du hattest geschrieben du warst gefahren
er, sie, es hatte geschrieben er, sie, es war gefahren
wir hatten geschrieben wir waren gefahren
ihr hattet geschrieben ihr wart gefahren
sie hatten geschrieben sie waren gefahren

Gemischte Verben

Die Konjugation - Plusquamperfekt (Indikativ Aktiv) - gemischte Verben


bringen (Perfekt mit haben) rennen (Perfekt mit sein)
ich hatte gebracht ich war gerannt
du hattest gebracht du warst gerannt
er, sie, es hatte gebracht er, sie, es war gerannt
wir hatten gebracht wir waren gerannt
ihr hattet gebracht ihr wart gerannt
sie hatten gebracht sie waren gerannt

Zum Gebrauch des Plusquamperfekts siehe im Kapitel: „Der Gebrauch des Plusquamper-
fekts“

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Die Konjugation: Futur I /II

Die Konjugation - Futur I


Das Futur I wird mit dem Präsens des Hilfsverbs werden und dem Infinitiv gebildet.

Futur I = Präsens werden + Infinitiv

Beispiel: Formbildung Futur I


Person Präsens werden Infinitiv
ich werde fragen
ich werde fahren

Beispielsätze: Futur I
Präsens Futur I
Ich frage den Lehrer. Ich werde den Lehrer fragen.
Ich fahre nach Hause. Ich werde nach Hause fahren.

Übersicht: Die Formen des Futurs I


Alle Formen des Futurs I sind regelmäßig.

Die Konjugation - Futur I (Indikativ Aktiv)


regelmäßige Verben unregelmäßige Verben gemischte Verben
ich werde fragen ich werde fahren ich werde bringen
du wirst fragen du wirst fahren du wirst bringen
er, sie, es wird fragen er, sie, es wird fahren er, sie, es wird bringen
wir werden fragen wir werden fahren wir werden bringen
ihr werdet fragen ihr werdet fahren ihr werdet bringen
sie werden fragen sie werden fahren sie werden bringen

Zum Gebrauch des Futurs I siehe im Kapitel: „Der Gebrauch des Futurs I“

Die Konjugation - Futur II


Das Futur II bildet man mit dem Präsens des Hilfsverbs werden, dem Partizip II (Partizip
Perfekt) und dem Infinitiv von haben oder sein. Die Wahl des Hilfsverbs haben oder sein
entspricht der Wahl beim Perfekt.

Futur II = Präsens werden + Partizip II (Perfekt) + Infinitiv haben/sein

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Die Konjugation: Futur I /II

Beispiel: Formbildung Futur II


Person Präsens werden Partizip II Infinitiv (haben/sein)
ich werde gefragt haben
ich werde gefahren sein

Beispielsätze: Futur II
Präsens Futur II
Ich frage den Lehrer. Ich werde den Lehrer gefragt haben.
Ich fahre nach Hause. Ich werde nach Hause gefahren sein.

Übersicht: Die Formen des Futurs II


Regelmäßige Verben

Die Konjugation - Futur II (Indikativ Aktiv) - regelmäßige Verben


fragen (mit haben) reisen (sein)
ich werde gefragt haben ich werde gereist sein
du wirst gefragt haben du wirst gereist sein
er, sie, es wird gefragt haben er, sie, es wird gereist sein
wir werden gefragt haben wir werden gereist sein
ihr werdet gefragt haben ihr werdet gereist sein
sie werden gefragt haben sie werden gereist sein

Unregelmäßige Verben

Die Konjugation - Futur II (Indikativ Aktiv) - unregelmäßige Verben


schreiben (mit haben) fahren (mit sein)
ich werde geschrieben haben ich werde gefahren sein
du wirst geschrieben haben du wirst gefahren sein
er, sie, es wird geschrieben haben er, sie, es wird gefahren sein
wir werden geschrieben haben wir werden gefahren sein
ihr werdet geschrieben haben ihr werdet gefahren sein
sie werden geschrieben haben sie werden gefahren sein

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Die Konjugation: Futur I /II

Gemischte Verben

Die Konjugation - Futur II (Indikativ Aktiv) - gemischte Verben


bringen (mit haben) rennen (mit sein)
ich werde gebracht haben ich werde gerannt sein
du wirst gebracht haben du wirst gerannt sein
er, sie, es wird gebracht haben er, sie, es wird gerannt sein
wir werden gebracht haben wir werden gerannt sein
ihr werdet gebracht haben ihr werdet gerannt sein
sie werden gebracht haben sie werden gerannt sein

Zum Gebrauch des Futurs II siehe im Kapitel: „Der Gebrauch des Futurs II“

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 45


Übersicht: Alle Verbformen Indikativ Aktiv

Übersicht: Alle Formen Indikativ Aktiv


Präsens

fragen fahren bringen


ich frage ich fahre ich bringe
du fragst du fährst du bringst
er, sie, es fragt er, sie, es fährt er, sie, es bringt
wir fragen wir fahren wir bringen
ihr fragt ihr fahrt ihr bringt
sie fragen sie fahren sie bringen
regelmäßiges Verb unregelmäßiges Verb gemischtes Verb

Präteritum

fragen fahren bringen


ich fragte ich fuhr ich brachte
du fragtest du fuhrst du brachtest
er, sie, es fragte er, sie, es fuhr er, sie, es brachte
wir fragten wir fuhren wir brachten
ihr fragtet ihr fuhrt ihr brachtet
sie fragten sie fuhren sie brachten
regelmäßiges Verb unregelmäßiges Verb gemischtes Verb

Perfekt

fragen fahren bringen


ich habe gefragt ich bin gefahren ich habe gebracht
du hast gefragt du bist gefahren du hast gebracht
er, sie, es hat gefragt er, sie, es ist gefahren er, sie, es hat gebracht
wir haben gefragt wir sind gefahren wir haben gebracht
ihr habt gefragt ihr seid gefahren ihr habt gebracht
sie haben gefragt sie sind gefahren sie haben gebracht
regelmäßiges Verb unregelmäßiges Verb gemischtes Verb

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Übersicht: Alle Verbformen Indikativ Aktiv

Plusquamperfekt

fragen fahren bringen


ich hatte gefragt ich war gefahren ich hatte gebracht
du hattest gefragt du warst gefahren du hattest gebracht
er, sie, es hatte gefragt er, sie, es war gefahren er, sie, es hatte gebracht
wir hatten gefragt wir waren gefahren wir hatten gebracht
ihr hattet gefragt ihr wart gefahren ihr hattet gebracht
sie hatten gefragt sie waren gefahren sie hatten gebracht
regelmäßiges Verb unregelmäßiges Verb gemischtes Verb

Futur I

fragen fahren bringen


ich werde fragen ich werde fahren ich werde bringen
du wirst fragen du wirst fahren du wirst bringen
er, sie, es wird fragen er, sie, es wird fahren er, sie, es wird bringen
wir werden fragen wir werden fahren wir werden bringen
ihr werdet fragen ihr werdet fahren ihr werdet bringen
sie werden fragen sie werden fahren sie werden bringen
regelmäßiges Verb unregelmäßiges Verb gemischtes Verb

Futur II

fragen fahren bringen


ich werde gefragt haben ich werde gefahren sein ich werde gebracht haben
du wirst gefragt haben du wirst gefahren sein du wirst gebracht haben
er, sie, es wird gefragt haben er, sie, es wird gefahren sein er, sie, es wird gebracht haben
wir werden gefragt haben wir werden gefahren sein wir werden gebracht haben
ihr werdet gefragt haben ihr werdet gefahren sein ihr werdet gebracht haben
sie werden gefragt haben sie werden gefahren sein sie werden gebracht haben
regelmäßiges Verb unregelmäßiges Verb gemischtes Verb

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Der Gebrauch der Tempora (Zeiten)

Der Gebrauch der Tempora (Zeiten)


Im Deutschen kann man sechs Tempora (Zeitformen) unterscheiden:

Präsens Er schreibt seine Diplomarbeit.


Präteritum Er schrieb seine Diplomarbeit.
Perfekt Er hat seine Diplomarbeit geschrieben.
Plusquamperfekt Er hatte seine Diplomarbeit geschrieben.
Futur I Er wird seine Diplomarbeit schreiben.
Futur II Er wird seine Diplomarbeit geschrieben haben.

Allerdings werden die Tempora nicht immer benutzt um eine bestimmte Zeitstufe auszudrü-
cken.

Zum Beispiel kann man Präsens für verschiedene Zeitstufen verwenden: Gegenwart, Ver-
gangenheit und Zukunft.

Durch das Futur kann man neben Zeit auch eine Vermutung ausdrücken.

Bei Perfekt und Präteritum variiert der Gebrauch in verschiedenen Situationen.

Der Gebrauch des Präsens


Grundbedeutung: Gegenwart
In seiner Grundbedeutung beschreibt das Präsens eine Aktion, die sich in der Gegenwart/
während der Sprechzeit („jetzt“) ereignet bzw. aktuell ist.

Beispiele: Präsens - Grundbedeutung Gegenwart


Ich telefoniere mit meiner Mutter.
Ich studiere in Stuttgart.

Neben seiner Grundbedeutung wird das Präsens aber auch in anderen Funktionen verwen-
det:

Zukunft (statt Futur)


In der deutschen Sprache wird sehr häufig anstelle des Futurs I Präsens verwendet, beson-
ders wenn klar ist, dass die Aktion erst in Zukunft passiert oder wenn die Zukunft im Satz
schon an anderer Stelle ausgedrückt wird.

Beispiele: Präsens - Bedeutung Zukunft


Ich fahre nach Italien. (Situation: Ich sitze jetzt im Cafe und spreche mit einem Freund.)
Ich gehe morgen mit meinem Freund ins Schwimmbad. („morgen“)

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Der Gebrauch der Tempora (Zeiten)

Historisches Präsens (statt Perfekt/Präteritum)


Das historische Präsens kann anstelle des Perfekts bzw. Präteritums benutzt werden, um
etwas, das in der Vergangenheit passiert ist, in die Gegenwart zu holen.

Beispiele: Präsens - Bedeutung Vergangenheit (historisches Präsens)


„Also, gestern, gehe ich auf der Königstraße spazieren. Plötzlich kommt da ein großer
Hund auf mich zu.“
Ein Mann lag am Strand. Plötzlich hört er ein lautes Geräusch. Er sieht, dass eine große
Welle kommt.

Allgemeine Aussagen
Allgemeine Aussagen werden immer durch Präsens ausgedrückt, auch wenn sie in der Ver-
gangenheit gemacht wurden.

Beispiele: Präsens - für allgemeine Aussagen


Galileo sagte, dass die Erde rund ist.
Vorher glaubten die Menschen, dass die Erde eine Scheibe ist.

Ausdruck von Gleichzeitigkeit


Durch Präsens kann Gleichzeitigkeit ausgedrückt werden - auch in der Vergangenheit.

Beispiele: Präsens - Bedeutung Gleichzeitigkeit


Er sagte, dass er sehr müde ist.
Ich dachte früher, dass ich zu dick bin.

Der Gebrauch von Präteritum und Perfekt


Grundbedeutung: Vergangenheit
In ihrer Grundbedeutung beschreiben das Präteritum und das Perfekt eine Aktion, die sich in
der Vergangenheit ereignet hat.

Beispiel: Präteritum/Perfekt - Grundbedeutung Vergangenheit


Präteritum Er kam gestern spät nach Hause.
Perfekt Er ist gestern spät nach Hause gekommen.

In der heutigen Umgangssprache wird normalerweise nicht zwischen Perfekt und Präteri-
tum unterschieden.

Das Perfekt kommt sehr häufig in der gesprochenen Sprache vor, wenn man über alltägliche
Dinge spricht.

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Der Gebrauch der Tempora (Zeiten)

In der gesprochenen Sprache klingen viele Präteritumformen fremd bzw. überformell.

Beispiel: Alltagssituation => typisch Perfekt


Ich habe mein Zimmer aufgeräumt und danach die Fenster ge- typisch=Perfekt
putzt.

Das Präteritum findet man dagegen oft in Zeitungsberichten über das aktuelle Geschehen.

Beispiel: Zeitungsbericht => typisch Präteritum


Der Minister eröffnete die Messe. Er begrüßte die Besucher und typisch=Präteritum
Aussteller und wünschte allen viel Erfolg.

Bei den Verben sein und haben und den Modalverben wird oft das Präteritum benutzt.

Beispiele: sein, haben, Modalverben => typisch Präteritum


Ich war gestern im Kino. typisch=Präteritum
Ich hatte keine Zeit, die Hausaufgaben zu machen. typisch=Präteritum
Ich konnte nicht kommen, weil ich Besuch hatte. typisch=Präteritum

Beachte: Es handelt sich hier um eine Beobachtung typischer Sprechgewohnheiten, die


auch von Region zu Region variieren, nicht um eine grammatische Regel.

Obligatorisches Perfekt
Das Perfekt ist nur obligatorisch, wenn man in der Gegenwart über eine Aktion spricht, die
kurz vorher beendet wurde und deren Bedeutung bis zur Gegenwart reicht.

Beispiel: obligatorisches Perfekt


Ich sehe, dass du schlecht geschlafen hast. (nicht: „schliefst“)

Perfekt zum Ausdruck von Abgeschlossenheit


Das Perfekt wird meist auch anstelle des Futurs II zum Ausdruck der Abgeschlossenheit
einer Aktion in der Zukunft benützt.

Beispiele: Perfekt = in der Zukunft abgeschlossene Aktion


Sobald ich mein Studium abgeschlossen haben werde, suche ich Futur II
mir eine Arbeit.
Sobald ich mein Studium abgeschlossen habe, suche ich mir eine Perfekt
Arbeit.
=> Perfekt statt Futur II

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Der Gebrauch der Tempora (Zeiten)

Obligatorisches Präteritum
Es gibt einige Verben mit Präposition oder Infinitiv-Ergänzung mit zu, die man nicht im Per-
fekt benutzt.

Zu diesen Verben gehören z. B. stammen aus, pflegen zu, drohen zu und scheinen zu.

Beispiel: obligatorisches Präteritum (bei bestimmten Verben)


Mein Vater stammte aus der Türkei. stammen aus
Mein Vater pflegte nach dem Essen einen Mittagsschlaf zu machen. pflegen zu
Die Wassermassen drohten die ganze Stadt zu überfluten. drohen zu
Es schien ihm in Deutschland zu gefallen. scheinen zu

Der Gebrauch des Plusquamperfekts


Grundbedeutung: Vorvergangenheit
In seiner Grundbedeutung beschreibt das Plusquamperfekt eine Aktion in der Vergangen-
heit, die sich vor einer anderen Aktion in der Vergangenheit ereignet hat.

Beispiel: Plusquamperfekt - Grundbedeutung Vorvergangenheit


Letzte Woche hat man ihn aus dem Krankenhaus entlassen. Er hatte sich vor zwei Wochen
das Bein gebrochen.

In der heutigen gesprochenen und teilweise auch in der geschriebenen Sprache wird das
Plusquamperfekt oft durch Perfekt oder Präteritum ersetzt.

Beispiel: Plusquamperfekt - Ersatz durch Perfekt


Letzte Woche hat man ihn aus dem Krankenhaus entlassen. Er hat sich vor zwei Wochen
das Bein gebrochen.

Temporalsätze mit nachdem


Eine normative Regel sagt, dass man bei Sätzen mit nachdem obligatorisch Vorzeitigkeit
verwenden muss.

Das bedeutet, wenn der Hauptsatz im Perfekt oder Präteritum steht, muss im Nebensatz
(=nachdem-Satz) Plusquamperfekt stehen.

Beispiel: Temporalsatz mit nachdem => Plusquamperfekt


Hauptsatz => Präteritum Nebensatz (vorzeitig) => Plusquamperfekt
Ich traf mich mit meiner Freundin, nachdem ich die Hausaufgaben gemacht
hatte.

Beachte: Normative Grammatikregeln sagen, wie eine Sprache sein soll. Normative Regeln

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Der Gebrauch der Tempora (Zeiten)

werden sowohl in der mündlichen als auch in der schriftlichen Gegenwartssprache häufig
nicht beachtet.

Der Gebrauch des Futurs I


Grundbedeutung: Zukunft
In seiner Grundbedeutung beschreibt das Futur I eine Aktion, die sich in der Zukunft ereig-
nen wird.

Beispiel: Futur I - Grundbedeutung Zukunft


Nächste Woche werde ich nach Berlin fahren.
Das Sommersemster wird am 15. April beginnen.

Das Futur I zur Bezeichnung von zukünftigen Ereignissen und Aktionen wird aber eher selten
benutzt. Oft, besonders im mündlichen Sprachgebrauch, wird das Futur I durch das Präsens
ersetzt.

Beispiele: Futur I - Ersatz durch Präsens


Futur I Nächste Woche werde ich nach Berlin fahren.
Präsens (oft:) Nächste Woche fahre ich nach Berlin.
Futur I Das Sommersemster wird am 15. April beginnen.
Präsens (oft:) Das Sommersemster beginnt am 15. April.

Vermutung

Das Futur I wird dagegen oft zum Ausdruck einer Vermutung über die Gegenwart (!) oder die
Zukunft benutzt.

Beispiel: Futur I - Bedeutung Vermutung


„Warum ist Martin heute nicht da?“ – „Er wird krank sein.“ (=Ich Vermutung über die
vermute, dass er krank ist.) Gegenwart
„Wann kommt Martin?“ – „Ich weiß es nicht, aber ich denke, er Vermutung über die
wird gleich kommen.“ (=Ich vermute, dass er gleich kommt/kom- Zukunft
men wird.)

Wenn das Futur I zum Ausdrücken einer Vermutung verwendet wird, wird die Vermutung
häufig durch Wörter und Ausdrücke betont, die den Grad einer Vermutung ausdrücken.

Beispiele für solche Wörter und Ausdrücke sind: wohl, vielleicht, wahrscheinlich, mit ziemlicher
Wahrscheinlichkeit, sicher, mit ziemlicher Sicherheit, bestimmt, usw.

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Der Gebrauch der Tempora (Zeiten)

Beispiel: Futur I - betonte Vermutung


„Warum ist Martin heute nicht da?“ - „Er Vermutung über die Gegenwart
wird wohl krank sein.“
„Wann kommt Martin?“ – „Er wird wohl Vermutung über die Zukunft
morgen wieder kommen.“

Absichtserklärung
Mit dem Futur I wird auch häufig die Absicht ausgedrückt etwas in Zukunft zu tun bzw. zu
erledigen.

Beispiel: Futur I - Bedeutung Absichtserklärung


Nächste Woche werde ich mit dem Lernen für die Prüfung anfangen.

Aufforderung
Das Futur I wird auch zum Ausdruck einer (strengen) Aufforderung in Frageform eingesetzt,
die häufig durch Adverbien betont wird.

Im Gegensatz zu seiner Frageform entspricht dieser Gebrauch des Futurs I von der Bedeu-
tung aber einem (betonten) Imperativ.

Beispiel: Futur I - Bedeutung strenge Aufforderung


Wirst du jetzt (endlich mal) ruhig sein? Futur I
Sei (endlich mal) ruhig Imperativ

Drohung
Das Futur I kann auch eine Drohung ausdrücken.

Beispiel: Futur I - Bedeutung Drohung


Du wirst dich erkälten.
Sie wird sich noch wundern.
Ich werde es deinem Vater sagen.

Der Gebrauch des Futurs II


Grundbedeutung: abgeschlossene Aktion in der Zukunft
In seiner Grundbedeutung beschreibt das Futur II eine Aktion, die in Zukunft abgeschlossen
(beendet) sein wird.

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Der Gebrauch der Tempora (Zeiten)

Beispiel: Futur II - Grundbedeutung abgeschlossene Aktion in der Zukunft


In zwei Jahren werde ich mein Studium abgeschlossen haben.

Das Futur II zur Bezeichnung einer Aktion, die in der Zukunft abgeschlossen sein wird, wird
eher selten benutzt. Meist wird das Futur II durch das Perfekt ersetzt

Beispiel: Futur II - Ersatz durch Perfekt


Futur II In zwei Jahren werde ich mein Studium abgeschlossen haben.
Perfekt (oft:) In zwei Jahren habe ich mein Studium abgeschlossen.

Vermutung
Wie das Futur I wird das Futur II häufig benutzt, um eine Vermutung auszudrücken. Das
Futur II drückt eine Vermutung über die Vergangenheit(!) aus.

Beispiel: Futur II - Bedeutung Vermutung


Wo ist Martin? – Er wird nach Hause gegangen sein. (=Ich vermute, dass er nach Hause
gegangen ist.)

Weitere Beispiele: Futur II - Bedeutung Vermutung


Warum kommt Karla nicht? Sie wird unseren Termin => Ich vermute, dass sie
vergessen haben. unseren Termin vergessen
hat.
Warum sieht Thomas heute Er wird gestern zu viel Alko- => Ich vermute, dass er ges-
so schlecht aus? hol getrunken haben. tern zu viel Alkohol getrun-
ken hat.
Warum hat die S-Bahn Ver- Es wird einen Unfall gege- => Ich vermute, dass es
spätung? ben haben. einen Unfall gegeben hat.

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Der Imperativ

Der Imperativ
Der Imperativ richtet sich immer an einen oder mehrere Gesprächspartner, also an eine
zweite Person.

Deshalb unterscheidet man einen formellen und einen informellen Imperativ. Mit dem Im-
perativ sagt man dem Gesprächspartner, was er machen soll.

Formeller Imperativ
Der formelle Imperativ wird mit dem Infinitiv und der höflichen Anrede Sie gebildet. Nur das
Verb sein bildet einen unregelmäßigen formellen Imperativ

Formeller Imperativ = Infinitiv + Sie

Beispiele: formeller Imperativ


machen Machen Sie!
fragen Fragen Sie!
warten Warten Sie!
arbeiten Arbeiten Sie!
lesen Lesen Sie!
sprechen Sprechen Sie!
sein Seien Sie!

Der informelle Imperativ im Singular


Der informelle Imperativ Singular wird aus der 2. Person Präsens gebildet, indem das Perso-
nalpronomen und die Personenendung weggelassen werden.

Informeller Imperativ Singular = 2. Person Präsens - Personalpronomen - Personenen-


dung

Regelmäßige Verben
Bei regelmäßigen Verben entspricht der Imperativ dem Stamm des Infinitivs.

Beispiel: informeller Imperativ Singular regelmäßiges Verb - machen


Infinitiv 2. Person Singular Präsens Imperativ
machen du mach-st Mach!

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Der Imperativ

Imperativendung -e
Einige regelmäßige Verben haben bei bestimmten Stammendungen die Imperativendung
-e.

Zu diesen Verben gehören alle Verben mit e-Erweiterung sowie die Verben mit den Stam-
mendungen -el und -ig.

Beispiele: e- Erweiterung
Infinitiv 2. Person Singular Präsens Imperativ
warten du wartest Warte!*
rechnen du rechnest Rechne!
reden du redest Rede!*
atmen du atmest Atme!
öffnen du öffnest Öffne!

Beispiele: Stammendung –el


Infinitiv 2. Person Singular Präsens Imperativ
klingeln du klingelst Klingle!*
sammeln du sammelst Sammle!*

Beispiele: Stammendung -ig


Infinitiv 2. Person Singular Präsens Imperativ
entschuldigen du entschuldigst Entschuldige!*

*Bei diesen Formen wird in der Umgangssprache häufig der Infinitivstamm als Imperativ
verwendet.

Unregelmäßige Verben
Bei unregelmäßigen Verben lässt man ebenfalls bei der 2. Person Präsens Singular die Perso-
nenendung und das Personalpronomen weg.

Unregelmäßige Verben mit Umlaut im Präsens haben aber beim Imperativ keinen Umlaut.

Beispiel: informeller Imperativ Singular unregelmäßige Verben


Infinitiv 2. Person Singular Präsens Imperativ
lesen du liest Lies!
fahren du fährst Fahr!

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Der Imperativ

Sonderformen der Hilfsverben


Bei den Hilfsverben entsprechen die Imperativformen dem Verbstamm. Beim Hilfsverb sein
entfällt die Endung -n.

Beispiele: informeller Imperativ Singular Hilfsverben


Infinitiv 2. Person Singular Präsens. Imperativ
sein du bist Sei!
haben du hast Hab!
werden du wirst Werd(e)!*

Der informelle Imperativ im Plural


Der informelle Imperativ Plural entspricht bei allen Verben der 2. Person Präsens Plural ohne
das Personalpronomen.

Informeller Imperativ Plural = 2. Person Präsens Plural - Personalpronomen

Beispiele: informeller Imperativ Plural - regelmäßige Verben


Infinitiv 2. Person Präsens Plural Imperativ
machen ihr macht Macht!
fragen ihr fragt Fragt!

Beispiele: informeller Imperativ Plural - Verben mit e-Erweiterung im Präsens


Infinitiv 2. Person Präsens Plural Imperativ
warten ihr wartet Wartet!
reden ihr redet Redet!
rechnen ihr rechnet Rechnet!
atmen ihr atmet Atmet!

Beispiele: informeller Imperativ Plural - Verben mit der Stammendung –el


Infinitiv 2. Person Präsens Plural Imperativ
klingeln ihr klingelt Klingelt
sammeln ihr sammelt Sammelt!

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Der Imperativ

Beispiele: informeller Imperativ Plural - Verben mit der Stammendung -ig


Infinitiv 2. Person Präsens Plural Imperativ
entschuldigen ihr entschuldigt Entschuldigt!
verteidigen ihr verteidigt Verteidigt!

Beispiele: informeller Imperativ Plural - unregelmäßige Verben


Infinitiv 2. Person Präsens Plural Imperativ
lesen ihr lest Lest!
fahren ihr fahrt Fahrt!

Beispiele: informeller Imperativ Plural - Hilfsverben


Infinitiv 2. Person Präsens Plural Imperativ
sein ihr seid Seid!
haben ihr habt Habt!
werden ihr werdet Werdet!

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Der Imperativ

Übersicht: Informeller Imperativ


Infinitiv Imperativ Singular Imperativ Plural
regelmäßige Verben machen Mach! Macht!
fragen Frag! Fragt!
wählen Wähl! Wählt!
aufmachen Mach auf! Macht auf!
besuchen Besuch! Besucht!
Präsens mit e-Erwei- antworten Antworte! Antwortet!
terung
warten Warte!* Wartet!
atmen Atme! Atmet!
öffnen Öffne! Öffnet!
rechnen Rechne! Rechnet!
reden Rede!* Redet!
einladen Lade ein!* Ladet ein!
Stammendung -el klingeln Klingle! Klingelt!
sammeln Sammle! Sammelt!
Stammendung -ig entschuldigen Entschuldige!* Entschuldigt!
verteidigen Verteidige!* Verteidigt!
unregelmäßige lesen Lies! Lest!
Verben (2. P. Präsens
sprechen Sprich! Sprecht!
ohne Umlaut)
essen Iss! Esst!
unregelmäßige fahren Fahr! Fahrt!
Verben (2. P. Präsens
laufen Lauf! Lauft!
mit Umlaut)
schlafen Schlaf! Schlaft!
Hilfsverben sein Sei! Seid!
haben Hab! Habt!
werden Werd! Werdet!

*Bei diesen Formen wird in der Umgangssprache häufig das –e am Ende weggelassen.

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Das Partizip I

Das Partizip I
Die Bildung des Partizips I
Das Partizip I wird mit dem Infinitiv und der Endung – d gebildet.

Partizip I = Infinitiv + -d

Beispiele: Partizip I - regelmäßig


Infinitiv Partizip I
singen singend
gehen gehend
tanzen tanzend

Die einzige unregelmäßige Form des Partizips I ist das Partizip I von sein. Es lautet seiend.

Beispiel: Partizip I - unregelmäßig


Infinitiv Partizip I
sein seiend

Der Gebrauch des Partizips I


Das Partizip I kann man als Adverb oder Attribut verwenden.

Partizip I als Adverb


Wie alle anderen Adverbien bekommt das Partizip I als Adverb keine Endung.

Beispielsätze: Partizip I als Adverb


Ein Mann geht singend durch den Park.
Ein Kind sitzt schreiend im Kinderwagen.
Eine Frau liegt schlafend auf der Wiese.

Partizip I als Attribut


Als Attribut bekommt das Partizip I dieselbe Endung wie das Adjektiv.

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Das Partizip I

Beispiel: Partizip I als Attribut - Adjektivendungen


Adjektiv Partizip I
ein großer Mann ein singender Mann
eine schöne Frau eine tanzende Frau
ein schnelles Auto ein fahrendes Auto

Wie das Adjektiv kann das Partizip I in allen Kasus vorkommen.

Beispielsätze: Partizip I als Adjektiv - Kasus


Nominativ Eine tanzende Frau lächelte ihn an.
Akkusativ Er sah einen schlafenden Mann auf einer Parkbank.
Dativ Sie springt aus dem fahrenden Bus.
Genitiv Er sah die Gesichter lachender Kinder.

Auch das Partizip I reflexiv gebrauchter Verben kann als Attribut verwendet werden.

Beispiel: reflexives Partizip als Adjektivattribut


ein sich bewegendes Objekt

Erweiterte Partizipialattribute
Da Partizipien von einem Verb gebildet werden, können die Partizipien die Ergänzungen des
Verbs behalten und mit diesen ein erweitertes Attribut bilden.

Beispiel: erweitertes Attribut mit Partizip 1


der Autoverkehr
der zunehmende Autoverkehr
der stark zunehmende Autoverkehr
der in Städten und Dörfern stark zunehmende Autoverkehr
der in Städten und Dörfern seit vielen Jahren stark zunehmende Autoverkehr

Durch erweiterte Partizipialattribute kann ein deutscher Satz sehr lang und komplex werden.
Besonders in wissenschaftlichen Fachtexten ist das oft der Fall.

Nominalisierung
Man kann das Partizip I nominalisieren.

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Das Partizip I

Beispiele: nominalisiertes Partizip I


Infinitiv Partizip I Nomen
tanzen tanzend der Tanzende (mask.), die Tanzende (fem.), die Tanzenden (Pl.)
studieren studierend der Studierende (mask.), die Studierende (fem.), die Studieren-
den (Pl.)

Beispielsätze: nominalisiertes Partizip I


Nominativ Die Tanzenden hatten viel Spaß.
Akkusativ Er beobachtete die Tanzenden.
Dativ Er sprach mit den Tanzenden.
Genitiv Einige der Tanzenden waren völlig erschöpft

Zur Deklination des Partizips I als Nomen siehe auch im Kapitel: „Die Deklination nominali-
sierter Adjektive“

Bedeutung des Partizips I


Das Partizip I hat aktive Bedeutung und ist gleichzeitig.

Adverbiales Partizip I: Gleichzeitigkeit Präsens


Ein Mann geht singend durch den Park. Ein Mann geht durch den Park und singt.
Ein Kind sitzt schreiend im Kinderwagen. Ein Kind sitzt im Kinderwagen und schreit.
Eine Frau liegt schlafend auf der Wiese. Eine Frau liegt auf der Wiese und schläft.

Adverbiales Partizip I: Gleichzeitigkeit Präteritum


Ein Mann ging singend durch den Park. Ein Mann ging durch den Park und sang.
Ein Kind saß schreiend im Kinderwagen. Ein Kind saß im Kinderwagen und schrie.
Eine Frau lag schlafend auf der Wiese. Eine Frau lag auf der Wiese und schlief.

Attributives Partizip I: Gleichzeitigkeit Präsens


Ich höre einen singenden Mann. Ich höre einen Mann, der singt.
Er sieht eine tanzende Frau. Er sieht eine Frau, die tanzt.
Sie springt aus dem fahrenden Bus. Sie springt aus dem Bus, der fährt.

Attributives Partizip I: Gleichzeitigkeit Präteritum


Ich hörte einen singenden Mann. Ich hörte einen Mann, der sang.
Er sah eine tanzende Frau. Er sah eine Frau, die tanzte.
Sie sprang aus dem fahrenden Bus. Sie sprang aus dem Bus, der fuhr.

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Das Partizip I

sein + Partizip I
Im Gegensatz zum Englischen kann man im Deutschen mit sein + Partizip I normalerweise
keine Verbform bilden.

Eine Kombination Partizip I + sein ist nur bei einigen Partizip-I-Formen möglich, die ihre ver-
bale Bedeutung verloren haben und im heutigen Deutsch als Adjektive/Adverbien interpre-
tiert werden.

Beispiele: Partizip-I-Formen ohne verbale Bedeutung


spannend Der Film ist spannend.
unterhaltend Die Fernsehsendung ist unterhaltend.
anstrengend Die Arbeit war anstrengend.
anwesend Der Chef ist heute nicht anwesend.

Nicht möglich ist aber:

Beispiele:
**Der Mann ist singend.**
**Die Frau ist tanzend.**
**Der Mann ist arbeitend.**

** kennzeichnet ungrammatische Sätze.

Die englische Verlaufsform -ing wird im Deutschen z. B. durch das Adverb gerade ausdrückt:

Beispiel: gerade
Sie essen gerade.
Der Mann arbeitet gerade.

Eine zweite, weit verbreitete Struktur, die der englischen Verlaufsform ähnlich ist, ist am +
nominalisierter Infinitiv.

Statt der Präposition am kann man auch beim benutzen. Diese Formen gelten im Deutschen
aber als rein umgangssprachlich.

Beispiele: am/beim + nominalisierter Infinitiv


Sie sind am Essen. / Sie sind beim Essen.
Der Mann ist am Arbeiten. / Der Mann ist beim Arbeiten.

Eine dritte Variante ist die Konstruktion dabei sein zu + Infinitiv.

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Das Partizip I

Beispiele: dabei sein zu + Infinitiv


Sie sind dabei zu essen.
Der Mann ist dabei zu arbeiten.

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Das Partizip II

Das Partizip II
Das Partizip II wird auch als Partizip Perfekt bezeichnet.

Die Bildung des Partizips II


Bei der Bildung des Partizips II lassen sich drei Gruppen von Verben unterscheiden: regelmä-
ßige Verben, unregelmäßige Verben und gemischte Verben.

Regelmäßige Verben
Regelmäßige Verben bilden das Partizip II mit der Endung -t. Der Stammvokal verändert sich
nicht.

Stammverben haben zusätzlich das Präfix ge-, trennbare Verben das Infix -ge-

Partizip II regelmäßiges Verb = (ge-) + Verbstamm (ohne Vokaländerung) + -t

Beispiele: Partizip II - regelmäßige Verben


Verb Infinitiv Partizip II
Stammverb fragen gefragt
trennbares Präfix (ab-) abfragen abgefragt
nicht trennbares Präfix (be-) befragen befragt

Eine eigene Gruppe der regelmäßigen Verben bilden die Verben mit der Endung -ieren. Sie
bilden das Partizip II wie Verben mit nicht trennbarem Präfix ohne -ge-.

Beispiel: Partizip II - Endung –ieren


Verbendung Infinitiv Partizip II
–ieren studieren studiert

Partizipien regelmäßiger Verben mit der Stammendung -d, -t, -m, -n bekommen eine e-
Erweiterung und deshalb die Endung -et.

Zur e-Erweiterung siehe auch im Kapitel „Die e-Erweiterung bei Verbstammendung auf -d
und -t“

Beispiel: Partizip II - e-Erweiterung


Verbendung Infinitiv Partizip II
-d reden geredet
-t arbeiten gearbeitet
-m atmen geatmet
-n rechnen gerechnet

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Das Partizip II

Unregelmäßige Verben
Unregelmäßige Verben haben beim Partizip II immer die Endung –en. Der Stammvokal än-
dert sich bei manchen Verben.

Stammverben haben zusätzlich das Präfix ge-, trennbare Verben das Infix -ge-.

Partizip II unregelmäßiges Verb = (ge)- + Verbstamm (mit/ohne Vokaländerung) + -en

Beispiele: Partizip II - unregelmäßige Verben


Verb Infinitiv Partizip II Vokaländerung
Stammverb fahren gefahren (- Vokaländerung)
Stammverb schreiben geschrieben (+ Vokaländerung)
Trennbares Präfix abfahren abgefahren (- Vokaländerung)
Trennbares Präfix abschreiben abgeschrieben (+ Vokaländerung)
Nicht trennbares Präfix verfahren verfahren (- Vokaländerung)
Nicht trennbares Präfix verschreiben verschrieben (+ Vokaländerung)

Gemischte Verben
Gemischte Verben bilden das Partizip II mit der Endung –t. Der Stammvokal verändert sich.

Stammverben haben zusätzlich das Präfix ge-, trennbare Verben das Infix -ge-.

Partizip II gemischtes Verb = (ge)- + Verbstamm (mit Vokaländerung) + -t

Beispiele: Partizip II - gemischte Verben


Verb Infinitiv Partizip II Vokaländerung
Stammverb bringen gebracht (+ Vokaländerung)
Trennbares Präfix beibringen beigebracht (+ Vokaländerung)
Nicht trennbares Präfix verbringen verbracht (+ Vokaländerung)

Verben mit zwei Partizip-II-Formen


Zu einigen Verben gibt es zwei Partizip-II-Formen. Das hat unterschiedliche Gründe.

Verben mit zwei Stammformen


Bei einigen wenig benutzten unregelmäßigen und gemischten Verben kommt beim Partizip
II sowohl eine unregelmäßige als auch eine regelmäßige Form vor. Welche Form gebraucht
wird, ist regional verschieden.

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Das Partizip II

Beispiel: unregelmäßiges Verb mit zwei Stammformen - weben


unregelmäßig gewoben Sie hat einen Teppich gewoben.
regelmäßig gewebt Sie hat einen Teppich gewebt.

Eine Liste der Verben mit zwei Stammformen siehe: „Liste: Verben mit zwei Stammformen“

Verben mit regelmäßiger und unregelmäßiger Variante


Das Verb hängen, das man transitiv (mit der Bedeutung „Richtung“) und intransitiv (mit der
Bedeutung „Position“) benützen kann, hat ein regelmäßiges und ein unregelmäßiges Partizip
II.

Beispiel: Partizip II von hängen


transitiv („Richtung“) gehängt Ich habe die Jacke in den Schrank gehängt.
intransitiv („Position)“ gehangen Die Jacke ist (hat) im Schrank gehangen.

Ebenso zwei Bedeutungen und zwei Partizipien haben einige weitere Verben.

schleifen
„glatt machen“ geschliffen Das Wasser hat die Steine glatt geschliffen.
„hinter sich herziehen“ geschleift Er hat den Sack hinter sich her geschleift.
bewegen
“veranlassen“ bewogen Niemand weiß, was ihn zu dieser Tat bewogen hat.
„Position verändern“ bewegt Er hat sich im Urlaub keinen Meter bewegt.
schaffen
„produzieren (Kunst)“ geschaffen Der Maler hat ein großes Werk geschaffen.
„erfolgreich beenden“ geschafft Er hat die Prüfung beim ersten Mal geschafft.
scheren
„Schafe rasieren“ geschoren Im Frühling hat man die Schafe geschoren.
„sich kümmern“ geschert Er hat sich nicht um seine Kinder geschert.
wiegen
„Gewicht messen“ gewogen Sie hat das Baby gewogen.
„hin und her bewegen“ gewiegt Sie hat das Baby gewiegt.

Eine Liste der Stammformen der Verben mit regelmäßiger und unregelmäßiger Variante
siehe: „Liste: Verben mit regelmäßiger und unregelmäßiger Variante“

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Das Partizip II

Umgangssprachliche Partizipien
Bei einigen regelmäßigen Verben werden in der Umgangssprache unregelmäßige Partizipi-
en gebildet. Standardsprachlich ist das regelmäßige Partizip II.

Beispiele: Partizip II - umgangssprachlich vs. standardsprachlich (1)


Verb umgangssprachlich standardsprachlich
streifen gestriffen gestreift
winken gewunken gewinkt
niesen genossen geniest
schalten geschalten geschaltet
falten gefalten gefaltet
schimpfen geschumpfen geschimpft
speisen gespiesen gespeist
=> unregelmäßig => regelmäßig

Zu dem unregelmäßigen Verb scheinen wird in der Umgangssprache gelegentlich ein regel-
mäßiges Partizip II gebildet. Standardsprachlich ist das unregelmäßige Partizip II.

Beispiele: Partizip II - umgangssprachlich vs. standardsprachlich (2)


Verb umgangssprachlich standardsprachlich
scheinen gescheint geschienen
=> regelmäßig => unregelmäßig

Bei dem unregelmäßigen Verb heißen tritt in der Umgangssprache gelegentlich eine Varian-
te des unregelmäßigen Partizips II auf.

Beispiele: Partizip II - umgangssprachlich vs. standardsprachlich (3)


Verb umgangssprachlich standardsprachlich
heißen gehießen geheißen
=> unregelmäßig => unregelmäßig

Der Gebrauch des Partizips II


Bildung von Verbformen
Das Partizip II wird zur Bildung von Verbformen benutzt.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 68


Das Partizip II

Beispiele: Partizip II - Bildung von Verbformen


Perfekt Ich habe mein Studium abgeschlossen.
Passiv Das Studium wurde abgeschlossen.
Konjunktiv II Ich hätte das Studium nicht so schnell abgeschlossen.
Futur II Nächstes Jahr werde ich mein Studium abgeschlossen haben.

Partizip II als Adverb


Das Partizip II kann auch als Adverb verwendet werden. Wie alle anderen Adverbien be-
kommt das Partizip II als Adverb keine Endung.

Beispiele: Partizip II - als Adverb


Ein Mann lag verletzt auf dem Boden.
Ich trinke Bier am liebsten eisgekühlt.

Partizip II als Attribut


Als Attribut bekommt das Partizip II dieselben Endungen wie ein Adjektiv.

Beispiele: Partizip II - als Attribut


Adjektiv Partizip II
ein schwieriges Studium ein abgeschlossenes Studium
ein neuer Supermarkt ein geöffneter Supermarkt
eine aktuelle Studie eine gestern veröffentlichte Studie

Wie das Adjektiv kann das Partizip II in allen Kasus vorkommen.

Beispielsätze: Partizip II - als Attribut - Kasus


Nominativ Ein falsch geparktes Auto wurde abgeschleppt.
Akkusativ Wir suchen einen geöffneten Supermarkt.
Dativ Mit einem abgeschlossenen Studium findet man leicht eine Arbeit.
Genitiv Der Autor der gestern veröffentlichten Studie ist Professor in Köln.

Erweiterte Partizipialattribute mit Partizip II


Da Partizipien von einem Verb gebildet werden, können die Partizipien die Ergänzungen des
Verbs behalten und mit diesen ein erweitertes Attribut bilden.

Durch erweiterte Partizipialattribute kann ein deutscher Satz sehr lang und komplex werden.
Besonders in wissenschaftlichen Fachtexten ist das oft der Fall.

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Das Partizip II

Beispiel: erweitertes Attribut mit Partizip II


eine Studie
eine veröffentlichte Studie
eine von der Europäischen Union veröffentlichte Studie
eine letzte Woche von der Europäischen Union veröffentlichte Studie
eine letzte Woche von der Europäischen Union in Brüssel veröffentlichte Studie

Nominalisierung des Partizips II


Man kann das Partizip II auch als Nomen verwenden.

Beispiele: nominalisiertes Partizip II


Infinitiv Partizip II Nomen
verletzen verletzt der Verletzte, die Verletzte, die Verletzten (Pl.)
anklagen angeklagt der Angeklagte, die Angeklagte, die Angeklagten (Pl.)

Das nominalisierte Partizip II kann in allen Kasus vorkommen.

Beispielsätze: nominalisiertes Partizip II


Nominativ Der Verletzte wurde ins Krankenhaus gebracht.
Akkusativ Der Arzt untersuchte den Verletzten.
Dativ Die Krankenschwester sprach mit dem Verletzten.
Genitiv Die Frau des Verletzten wurde informiert.

Zur Deklination des Partizips II als Nomen siehe: „Fragen zu Verben mit Präposition“.

Die Bedeutung des Partizips II


Das Partizip II hat meist passive Bedeutung. Das Partizip II kann aber auch zustandspassivi-
sche oder aktive Bedeutung haben.

Beispiele: Bedeutung des Partizips II


passive Bedeutung die bei dem Erdbeben zerstörten Häuser = die Häuser, die bei dem
Erdbeben zerstört wurden.
zustandspassivische das seit drei Monaten geschlossene Geschäft = das Geschäft, das
Bedeutung seit frei Monaten geschlossen ist.
aktive Bedeutung der gerade angekommene Zug = der Zug, der gerade angekom-
men ist.

Das Partizip II ist in der aktiven und passiven Bedeutung vorzeitig.

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Das Partizip II

Beispiele: vorzeitiges Partizip II


passive Be- Er sieht viele bei dem Erd- = Er sieht viele Häuser, die bei dem Erdbe-
deutung beben zerstörte Häuser. ben zerstört wurden.
aktive Be- Er geht zu dem gerade = Er geht zu dem Zug, der gerade ange-
deutung angekommenen Zug. kommen ist.

In der zustandspassivischen Bedeutung ist das Partizip II gleichzeitig.

Beispiel: gleichzeitiges Partizip II


Gegenwart
Er steht vor dem seit drei Monaten ge- = Er steht vor dem Geschäft das seit drei
schlossenen Geschäft. Wochen geschlossen ist.
Vergangenheit
Er ging zu dem seit drei Monaten geschlos- = Er ging zu dem Geschäft, das seit drei
senen Geschäft. Monaten geschlossen war (ist).*

*Hier ist auch Präsens zum Ausdruck von Gleichzeitigkeit möglich.

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Der Infinitiv

Der Infinitiv
Die Formen des Infinitivs
Im Deutschen gibt es vier Infinitive: Infinitiv Präsens Aktiv und Passiv sowie Infinitiv Perfekt
Aktiv und Passiv.

Infinitiv Präsens Aktiv


Die meisten Verben haben beim Infinitiv Präsens Aktiv die Endung –en. Einige Verben haben
als Endung nur ein -n, das sind die Verben mit der Stammendung -er und –el.

Infinitiv Präsens Aktiv = Verbstamm + -(e)n

Beispiele: Infinitiv Präsens Aktiv


Verbendung -en mach-en, komm-en
Verbendung -n ärger-n, sammel-n

Infinitiv Perfekt Aktiv


Der Infinitiv Perfekt Aktiv wird mit dem Infinitiv (Präsens Aktiv) von haben bzw. sein und dem
Partizip II gebildet.

Infinitiv Perfekt Aktiv = Partizip II + sein/haben

Beispiele: Infinitiv Perfekt Aktiv


Infinitiv Präsens Aktiv Infinitiv Perfekt Aktiv Perfekt sein/haben
machen gemacht haben haben
kommen gekommen sein sein

Infinitiv Präsens Passiv


Bei passivfähigen Verben können auch passive Infinitive gebildet werden.

Der Infinitiv Präsens Passiv wird mit dem Partizip II und dem Infinitiv (Präsens Aktiv) von wer-
den gebildet.

Infinitiv Präsens Passiv = Partizip II + werden

Beispiele: Infinitiv Präsens Passiv


Infinitiv Präsens Aktiv Infinitiv Präsens Passiv
machen gemacht werden
fragen gefragt werden

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Der Infinitiv

Infinitiv Perfekt Passiv


Den Infinitiv Perfekt Passiv bildet man mit dem Partizip 2, worden und dem Infinitiv (Präsens
Aktiv) von sein.

Infinitiv Perfekt Passiv = Partizip II + worden + sein

Beispiele: Infinitiv Perfekt Passiv


Infinitiv Präsens Aktiv Infinitiv Perfekt Passiv
machen gemacht worden sein
fragen gefragt worden sein

Übersicht: Alle Infinitive


Alle Infinitive von machen lauten:

Infinitiv Aktiv Passiv


Präsens machen gemacht werden
Perfekt gemacht haben gemacht worden sein

Der Gebrauch des Infinitivs


Bildung von Verbformen
Die Infinitive des Verbs verwendet man zur Bildung von Verbformen mit und ohne Modal-
verb.

Verbformen ohne Modalverb

Beispiele*: Verbformen mit Infinitiv Präsens Aktiv


Futur I er wird fragen
Konjunktiv II er würde fragen

Beispiele: Verbformen mit Infinitiv Perfekt Aktiv


Futur II mit sein er wird gefahren sein
Futur II mit haben er wird gefragt haben

Beispiel: Verbform mit Infinitiv Präsens Passiv


Futur I Passiv er wird gefragt werden

Beispiel: Verbform mit Infinitiv Perfekt Passiv

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Der Infinitiv

Futur II Passiv er wird gefragt worden sein

Verbformen mit Modalverb


Den Infinitiv Präsens Aktiv verwendet man auch zur Bildung der aktiven Formen mit Modal-
verb.

Beispiele: Aktiv mit Modalverb


Präsens er will fragen
Präteritum er wollte fragen

Den Infinitiv Präsens Passiv verwendet man auch zur Bildung des Passivs mit Modalverb.

Beispiele: Passiv mit Modalverb


Präsens er muss gefragt werden
Präteritum er musste gefragt werden

* Die Beispiele in diesem Abschnitt sind unvollständig. Alle Formen siehe jeweils in den
entsprechenden Kapiteln.

Ergänzungssätze mit zu + Infinitiv


Der Infinitiv + zu kann einen Ergänzungssatz zu einem Verb bilden. Ergänzungsätze mit zu +
Infinitiv nennt man auch Infinitivsätze (mit zu).

Beispiele: Infinitivsatz mit zu


Ich habe versprochen, sie morgen zu besuchen.
Er glaubt, krank zu sein.

Zu den Infinitivsätzen mit zu: „Verb mit Präposition und Pronominaladverb“

Attributsätze mit zu + Infinitiv


Infinitivsätze mit zu können auch Attributsätze sein.

Beispiel: Infinitivsatz als Attribut


Die Schwierigkeit, nach dem Studium eine Arbeit zu finden, wird von vielen Studenten
unterschätzt.

Mehr Beispiele für Infinitivsätze als Attribut: „Weitere Attributsätze“

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Der Infinitiv

Satzverbindungen mit zu + Infinitiv

Beispiele: Satzverbindungen mit + zu + Infinitiv


um zu Ich lerne jeden Tag, um meine Deutschprüfung zu bestehen.
(an)statt zu (An)statt die Hausaufgaben zu machen, geht er lieber mit seinen
Freunden ins Kino.
ohne zu Er ging ins Ausland, ohne sich zu verabschieden.

Mehr zur Satzverbindung mit um zu: „Finale Verbindung: damit, um zu, dazu, zu“
Mehr zur Satzverbindung mit (an)statt zu: „Modale Verbindung (I): (an)statt dass/zu“
Mehr zur Satzverbindung mit ohne zu: „Modale Verbindung (II): ohne dass/zu“

Nominalisierter Infinitiv
Der Infinitiv kann mithilfe des neutralen Artikels das nominalisiert werden.

Beispiele: nominalisierte Infinitive


Infinitiv Nomen Beispiel
essen das Essen Das Essen in der Mensa schmeckt mir nicht.
gehen das Gehen Das Gehen fällt meinem Opa schwer.
schreiben das Schreiben Das Schreiben einer Textproduktion auf Deutsch
macht mir viele Probleme.

Am + nominalisierter Infinitiv
Eine Struktur, die der englischen Verlaufsform (progressive form) ähnlich ist und deren Be-
deutung entspricht, ist am + nominalisierter Infinitiv. Diese Form gilt im Deutschen aber als
umgangssprachlich.

Beispiele: am + Infinitiv
Ich bin am Arbeiten. =Ich arbeite gerade/im Moment.
Sie sind am Essen. =Sie essen gerade/im Moment.

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Liste: Unregelmäßige Verben

Liste: Unregelmäßige Verben


Infinitiv 2. Person Prä- Präteri- Partizip II Hilfs- Konjunk-
sens tumstamm verb tivstamm
backen (1) du bäckst buk gebacken hat büke
befehlen du befiehlst befahl befohlen hat befähle,
beföhle
beginnen du beginnst begann begonnen hat begänne,
begönne
beißen du beißt biss gebissen hat bisse
bergen du birgst barg geborgen hat bärge
bersten du birst barst geborsten ist bärste
bewegen (4) du bewegst bewog bewogen hat bewöge
biegen du biegst bog gebogen hat böge
bieten du bietest bot geboten hat böte
binden du bindest band gebunden hat bände
bitten du bittest bat gebeten hat bäte
blasen du bläst blies geblasen hat bliese
bleiben du bleibst blieb geblieben ist bliebe
bleichen du bleichst blich geblichen hat bliche
braten du brätst briet gebraten hat briete
brechen du brichst brach gebrochen ist (2) bräche
dingen (1) du dingst dang gedungen hat dänge
dreschen du drischst drosch gedroschen hat drösche,
dräsche
dringen du dringst drang gedrungen ist dränge
empfangen du empfängst empfing empfangen hat empfinge
empfehlen du empfiehlst empfahl empfohlen hat empföhle,
empfähle
empfinden du empfindest empfand empfunden hat empfände
erbleichen du erbleichst erblich erblich ist erbliche
erklimmen du erklimmst erklomm erklommen hat erklömme
erlöschen (du erlischst) erlosch erloschen ist erlösche
(3)
erschrecken du erschrickst erschrak erschrocken ist erschräke
essen du isst aß gegessen hat äße

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Liste: Unregelmäßige Verben

fahren du fährst fuhr gefahren ist (2) führe


fallen du fällst fiel gefallen ist fiele
fangen du fängst fing gefangen hat finge
fechten du fichtst / focht gefochten hat föchte
fechtest
finden du findest fand gefunden hat fände
flechten du flichtst / flocht geflochten hat flöchte
flechtest
fliegen (1) du fliegst flog geflogen ist (2) flöge
fliehen du fliehst floh geflohen ist flöhe
fließen (du fließt) (3) floss geflossen ist flösse
fressen du frisst fraß gefressen hat fräße
frieren du frierst fror gefroren hat fröre
gären (1) (du gärst) (3) gor gegoren hat göre
geben du gibst gab gegeben hat gäbe
gebären du gebierst gebar geboren hat gebäre
gedeihen du gedeihst gedieh gediehen ist gediehe
gehen du gehst ging gegangen ist ginge
gelingen (du gelingst) gelang gelungen ist gelänge
(3)
gelten du giltst galt gegolten hat gälte, gölte
genesen du genest genas genesen ist genäse
genießen du genießt genoss genossen hat genösse
geschehen (du geschiehst) geschah geschehen ist geschähe
(3)
gewinnen du gewinnst gewann gewonnen hat gewänne,
gewönne
gießen du gießt goss gegossen hat gösse
gleichen du gleichst glich geglichen hat gliche
gleiten du gleitest glitt geglitten ist glitte
glimmen (1) (du glimmst) glomm geglommen hat glömme
(3)
graben du gräbst grub gegraben hat grübe
greifen du greifst griff gegriffen hat griffe
haben du hast hatte gehabt hat hätte
halten du hältst hielt gehalten hat hielte

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Liste: Unregelmäßige Verben

hängen (4) du hängst hing gehangen ist/hat hinge


(2)

hauen (1) du haust hieb gehauen hat hiebe


heben du hebst hob gehoben hat höbe, hübe
heißen du heißt hieß geheißen hat hieße
helfen du hilfst half geholfen hat hälfe, hülfe
klingen du klingst klang geklungen hat klänge
kneifen du kneifst kniff gekniffen hat kniffe
kommen du kommst kam gekommen ist käme
kriechen du kriechst kroch gekrochen ist kröche
küren (1) du kürst kor gekoren hat köre
laden du lädst lud geladen hat lüde
lassen du lässt ließ gelassen hat ließe
laufen du läufst lief gelaufen ist liefe
leiden du leidest litt gelitten hat litte
leihen du leihst lieh geliehen hat liehe
lesen du liest las gelesen hat läse
liegen du liegst lag gelegen ist/hat läge
lügen du lügst log gelogen hat löge
meiden du meidest mied gemieden hat miede
melken (1) du melkst molk gemolken hat mölke
messen du misst maß gemessen hat mäße
misslingen (du misslingst) misslang misslungen ist misslänge
(3)
nehmen du nimmst nahm genommen hat nähme
pfeifen du pfeifst pfiff gepfiffen hat pfiffe
preisen du preist pries gepriesen hat priese
quellen (du quillst) (3) quoll gequollen ist quölle
raten du rätst riet geraten hat riete
reiben du reibst rieb gerieben hat riebe
reißen du reißt riss gerissen hat risse
reiten du reitest ritt geritten ist (2) ritte
riechen du riechst roch gerochen hat röche

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Liste: Unregelmäßige Verben

ringen du ringst rang gerungen hat ränge


rinnen (du rinnst) (3) rann geronnen ist ränne, rönne
rufen du rufst rief gerufen hat riefe
saufen du säufst soff gesoffen hat söffe
saugen (1) du saugst sog gesogen hat söge
schaffen (4) du schaffst schuf geschaffen hat schüfe
schallen (1) (du schallst) (3) scholl geschallt hat schölle
scheiden du scheidest schied geschieden ist (2) schiede
scheinen du scheinst schien geschienen hat schiene
schelten du schiltst schalt gescholten hat schölte
scheren (4) du scherst schor geschoren hat schöre
schieben du schiebst schob geschoben hat schöbe
schießen du schießt schoss geschossen hat schösse
schinden (1) du schindest schund geschunden hat schünde
schlafen du schläfst schlief geschlafen hat schliefe
schlagen du schlägst schlug geschlagen hat schlüge
schleichen du schleichst schlich geschlichen ist schliche
schleifen (4) du schleifst schliff geschliffen hat schliffe
schließen du schließt schloss geschlossen hat schlösse
schlingen du schlingst schlang geschlungen hat schlänge
schmeißen du schmeißt schmiss geschmissen hat schmisse
schmelzen (du schmilzt) schmolz geschmolzen ist (2) schmölze
(3)
schnauben (1) du schnaubst schnob geschnoben hat schnöbe
schneiden du schneidest schnitt geschnitten hat schnitte
schreiben du schreibst schrieb geschrieben hat schriebe
schreien du schreist schrie geschrie(e)n hat schrie
schreiten du schreitest schritt geschritten ist schritte
schweigen du schweigst schwieg geschwiegen hat schwiege
schwellen (du schwillst) schwoll geschwollen ist schwölle
(3)
schwimmen du schwimmst schwamm geschwommen ist/hat schwömme,
schwämme
schwinden du schwindest schwand geschwunden ist schwände
schwingen du schwingst schwang geschwungen hat schwänge

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Liste: Unregelmäßige Verben

schwören du schwörst schwor, geschworen hat schwöre,


schwur schwüre
sehen du siehst sah gesehen hat sähe
sein du bist war gewesen ist wäre
sieden (1) du siedest sott gesotten hat sötte
singen du singst sang gesungen hat sänge
sinken du sinkst sank gesunken ist sänke
sinnen du sinnst sann gesonnen hat sänne, sönne
sitzen du sitzt saß gesessen ist/hat säße
speien du speist spie gespie(e)n hat spie
spinnen du spinnst spann gesponnen hat spönne,
spänne
sprechen du sprichst sprach gesprochen hat spräche
sprießen (du sprießt) (3) spross gesprossen ist sprösse
springen du springst sprang gesprungen ist spränge
stechen du stichst stach gestochen hat stäche
stehen du stehst stand gestanden ist/hat stände, stün-
de
stehlen du stiehlst stahl gestohlen hat stähle
steigen du steigst stieg gestiegen ist stiege
sterben du stirbst starb gestorben ist stärbe, stürbe
stieben (1) (du stiebst) (3) stob gestoben hat stöbe
stinken du stinkst stank gestunken hat stänke
stoßen du stößt stieß gestoßen ist (2) stieße
streichen du streichst strich gestrichen hat striche
streiten du streitest stritt gestritten hat stritte
tragen du trägst trug getragen hat trüge
treffen du triffst traf getroffen hat träfe
treiben du treibst trieb getrieben hat triebe
treten du trittst trat getreten hat träte
triefen (1) du triefst troff getroffen hat tröffe
trinken du trinkst trank getrunken hat tränke
trügen (du trügst) (3) trog getrogen hat tröge
tun du tust tat getan hat täte

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Liste: Unregelmäßige Verben

verderben du verdirbst verdarb verdorben hat verdärbe,


verdürbe
verdrießen du verdrießt verdross verdrossen hat verdrösse
vergessen du vergisst vergaß vergessen hat vergäße
verlieren du verlierst verlor verloren hat verlöre
verschleißen du verschleißt verschliss verschlissen hat verschlisse
verzeihen du verzeihst verzieh verziehen hat verziehe
wachsen du wächst wuchs gewachsen ist wüchse
wägen (1) du wägst wog gewogen hat wöge
waschen du wäschst wusch gewaschen hat wüsche
weben (1) du webst wob gewoben hat wöbe
weichen du weichst wich gewichen ist wiche
weisen du weist wies gewiesen hat wiese
werben du wirbst warb geworben hat würbe
werden du wirst wurde geworden ist würde
werfen du wirfst warf geworfen hat würfe
wiegen (4) du wiegst wog gewogen hat wöge
winden du windest wand gewunden hat wände
wringen du wringst wrang gewrungen hat wränge
ziehen du ziehst zog gezogen hat zöge
zwingen du zwingst zwang gezwungen hat zwänge

(1) Diese Verben werden auch mit einer regelmäßigen Stammform gebraucht. Siehe: „Liste:
Verben mit zwei Stammformen“

(2) Diese Verben haben eine transitive Variante, die das Perfekt mit haben bildet. Siehe dazu
im Kapitel: „Verben, die transitiv und intransitiv sein können“

(3) Die Formen der 2. Person lassen sich bei diesen Verben nur theoretisch bilden, machen
aber von der Bedeutung her keinen Sinn.

(4) Diese Verben haben eine regelmäßige Bedeutungsvariante. Siehe: „Liste: Verben mit
regelmäßiger und unregelmäßiger Variante“

Liste: Gemischte Verben


brennen du brennst brannte gebrannt hat brennte
bringen du bringst brachte gebracht hat brächte
denken du denkst dachte gedacht hat dächte

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Liste: Unregelmäßige Verben

kennen du kennst kannte gekannt hat kennte


nennen du nennst nannte genannt hat nennte
rennen du rennst rannte gerannt ist rennte
senden (1) du sendest sandte gesandt hat sendete
wenden (1) du wendest wandte gewandt hat wendete
wissen du weißt wußte gewusst hat wüßte

Liste: Modalverben
dürfen du darfst durfte gedurft hat dürfte
können du kannst konnte gekonnt hat könnte
möchten du möchtest
mögen du magst mochte gemocht hat möchte
müssen musst musste gemusst hat müsste
sollen sollst sollte gesollt hat sollte
wollen willst wollte gewollt hat wollte

Liste: Verben mit zwei Stammformen


Verben mit unregelmäßiger und regelmäßiger Stammform

backen du bäckst buk gebacken hat büke


backte (gebackt) backte
dingen du dingst dang gedungen hat dänge
dingte gedingt dingte
gären (du gärst) (3) gor gegoren hat göre
gärte gegärt gärte
glimmen (du glimmst) glomm geglommen hat glömme
(3)
glimmte (geglimmt) glimmte
hauen du haust hieb gehauen hat hiebe
haute gehaut haute
küren du kürst kor gekoren hat köre
kürte gekürt kürte
melken du melkst molk gemolken hat mölke

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Liste: Unregelmäßige Verben

melkte gemelkt melkte


saugen du saugst sog gesogen hat söge
saugte gesaugt saugte
schallen (du schallst) (3) scholl geschallt hat schölle
schallte geschallt schallte
schinden du schindest schund geschunden hat schünde
schindete geschindet schindete
schnauben du schnaubst schnob geschnoben hat schnöbe
schnaubte geschnaubt schnaubte
sieden du siedest sott gesotten hat sötte
siedete gesiedet siedete
stieben (du stiebst) (3) stob gestoben hat stöbe
stiebte gestiebt stiebe
triefen du triefst troff getroffen hat tröffe
triefte getrieft triefte
wägen du wägst wog gewogen hat wöge
wägte gewägt wägte
weben du webst wob gewoben hat wöbe
webte gewebt webte

Verben mit gemischter und regelmäßiger Stammform

senden* du sendest sandte gesandt hat sendete


sendete gesendet
wenden du wendest wandte gewandt hat wendete
wendete gewendet

*nur in der Bedeutung schicken

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Liste: Unregelmäßige Verben

Verben mit regelmäßiger und unregelmä-


ßiger Variante
bewegen bewog bewogen hat “veranlassen“
bewegte bewegt „Position verändern“
hängen hing gehangen hat „Position“
hängte gehängt „Richtung“
schleifen schliff geschliffen hat „glatt machen“
schleifte geschleift „hinter sich herziehen“
schaffen schuf geschaffen hat „produzieren (Kunst)“
schaffte geschafft „erfolgreich beenden“
scheren schor geschoren hat „Schafe rasieren“
scherte geschert „sich kümmern“
wiegen wog gewogen hat „Gewicht messen“
wiegte gewiegt „hin und her bewegen“

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Teil 2: Verbformen (II) - Spe-
zielle Verben

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Verben mit Präfix

Verben mit Präfix


Ein Verbpräfix (Vorsilbe) ist eine Silbe, die vor dem Verb steht, und mit diesem ein neues Verb
bildet.

Beispiel: Verbpräfixe
Präfix Verb neues Verb
auf- machen aufmachen
be- suchen besuchen

Einige Präfixe können vom Verbstamm getrennt werden. Andere Präfixe sind nicht trennbar.

Beispiel: trennbares vs. nicht trennbares Präfix


trennbares Präfix auf- aufmachen Er macht das Fenster auf.
nicht trennbares Präfix be- besuchen Ich besuche meinen Freund.

Trennbare und nicht trennbare Präfixe unterscheiden sich durch die Betonung.

Trennbare Präfixe werden betont, sodass der Wortakzent auf dem Präfix liegt.

Nicht trennbare Präfixe werden nicht betont. Der Wortakzent liegt auf dem Verbstamm.

Beispiele: Wortakzent - trennbares vs. nicht trennbares Präfix


auf-mach-en trennbar Wortakzent auf dem Präfix
be-such-en nicht trennbar Wortakzent auf dem Verbstamm

Eine dritte Gruppe von Präfixen kann trennbar oder nicht trennbar sein.

Beispiel: Wortakzent - trennbares und nicht trennbares Präfix


um-fallen trennbar Wortakzent auf dem Präfix
um-geb-en nicht trennbar Wortakzent auf dem Verbstamm

Beispielsätze: trennbares und nicht trennbares Präfix - um-


um-fallen trennbar Ich falle fast vor Müdigkeit um.
um-geb-en nicht trennbar Der Wald umgibt den westlichen Teil der Stadt.

Verben mit trennbarem Präfix (trennbare Verben)


Verben mit trennbarem Präfix nennt man trennbare Verben.

Bei trennbaren Verben wird im Präsens und Präteritum das Präfix vom Stamm getrennt.

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Verben mit Präfix

Die Konjugation - Präsens und Präteritum - trennbares Verb


Präsens Präteritum
ich mache auf ich machte auf
du machst auf du machtest auf
er macht auf er machte auf
wir machen auf wir machten auf
ihr macht auf ihr machtet auf
sie machen auf sie machten auf

Beim Partizip II (Perfekt) steht -ge- zwischen Präfix und Verbstamm.

Trennbares Verb - Partizip II


Infinitiv Präfix -ge- Verbstamm Endung Partizip II
aufmachen auf- ge- mach- -t aufgemacht

Alle Zeitformen lauten:

Trennbares Verb - alle Zeitformen


Präsens Er macht das Fenster auf.
Präteritum Er machte das Fenster auf.
Perfekt Er hat das Fenster aufgemacht.
Plusquamperfekt Er hatte das Fenster aufgemacht.
Futur 1 Er wird das Fenster aufmachen.
Futur 2 Er wird das Fenster aufgemacht haben.

Bei Fragesätzen im Präsens und Präteritum und beim Imperativ wird das Präfix ebenfalls
getrennt.

Fragesätze und Imperativ mit trennbarem Verb


Satzfrage Macht(e) er das Fenster auf?
W-Frage Warum macht(e) er das Fenster auf?
Imperativ Mach das Fenster auf!

Keine Trennung des Präfixes vom Verbstamm erfolgt beim Infinitiv, im Nebensatz und beim
Partizip I.

Infinitiv, Nebensatz und Partizip I - trennbares Verb


Infinitiv Der Zug sollte pünktlich abfahren.
Nebensatz Er sah, dass der Zug abfährt.
Partizip I ein abfahrender Zug.

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Verben mit Präfix

Nicht getrennt ist das Präfix auch beim Infinitiv mit zu. Zu steht zwischen Präfix und Verbstamm.

Infinitiv mit zu - trennbares Verb


Infinitiv mit zu Er versuchte, pünktlich abzufahren.

Die folgenden Präfixe sind trennbar:

Übersicht: trennbare Präfixe


ab-, an-, auf-, aus-, auseinander-, bei-, ein-, empor-, entgegen-, entlang-, entzwei-, fern-,
fest-, fort-, für-, gegen-, gegenüber-, heim-, hinterher-, hoch-, los-, mit-, nach-, neben-,
nieder-, vor-, weg-, weiter-, wieder-, zu-, zurecht-, zurück-, zusammen-, da-, hin-, her-

Trennbare Kombinationen mit zwei Präfixen


Kombinationen von zwei trennbaren Präfixen sind ebenfalls trennbar.

Beide Präfixe werden gemeinsam vom Verb getrennt,

Kombination: trennbar + trennbar = trennbar (beide Präfixe zusammen)

Beispiel: trennbares Präfix + trennbares Präfix - hereinkommen


trennbares Präfix trennbares Präfix Stammverb
her- ein- kommen

Beispielsatz: trennbares Präfix + trennbares Präfix - hereinkommen


Er kommt herein.

Es gibt die folgenden Kombinationen von zwei trennbaren Präfixen:

Übersicht: Kombinationen von zwei trennbaren Präfixen


herab-, heran-, herauf-, heraus-, herbei-, herein-, hernieder-, herüber-, herum-, herunter-,
hervor-, herzu-, hinab-, hinan-, hinauf-, hinaus-, hinein-, hinüber-, hinunter-, hinweg-,
hinzu-, vorab-, voran-, vorauf-, voraus-, vorbei-, vorweg-, vorher-, vorüber-

Bei Kombinationen mit da- werden ebenfalls beide Präfixe zusammen getrennt.

Kombinationen: da- + trennbar = trennbar (beide Präfixe zusammen)

Beispiel: trennbares Präfix (da-) + trennbares Präfix - dagegensprechen


trennbares Präfix trennbares Präfix Stammverb
da- gegen- sprechen

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 88


Verben mit Präfix

Beispielsatz: trennbares Präfix (da-) + trennbares Präfix - dagegensprechen


Es spricht nichts dagegen, den Vertrag zu unterschreiben.

Es gibt die folgenden Kombinationen von da und trennbaren Präfixen:

Übersicht: Kombinationen von da- und trennbaren Präfixen


dabei-, dafür-, dagegen-, daher-, dahin-, dahinter-, daneben-, daran-, darauf-, darein-,
darüber-, darunter-, davon-, davor-, dazu-, dazwischen-

Wenn ein trennbares Präfix vor einem nicht trennbaren Präfix steht, bleibt das trennbare
Präfix trennbar.

Kombination trennbar + nicht trennbar = trennbar (beim 1.Präfix)

Beispiel: trennbares Präfix + nicht trennbares Präfix - vorbereiten


trennbares Präfix nicht trennbares Präfix Stammverb
vor- be- reiten

Beispielsatz: trennbares Präfix + nicht trennbares Präfix - vorbereiten


Sie bereitet sich auf die Prüfung vor.

Es gibt die folgenden Kombinationen von trennbaren und nicht trennbaren Präfixen

Übersicht: Kombinationen von trennbaren und nicht trennbaren Präfixen


vorbe-, vorent-, vorver-, nachbe-, nachver-

Verben mit nicht trennbarem Präfix (nicht trennbare Ver-


ben)
Verben mit nicht trennbarem Präfix heißen nicht trennbare Verben.

Bei nicht trennbaren Verben wird das Präfix nie vom Verbstamm getrennt.

Die Konjugation - nicht trennbares Verb - Präsens


ich besuche
du besuchst
er besucht
wir besuchen
ihr besucht
sie besuchen

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 89


Verben mit Präfix

Alle Zeitformen lauten:

Nicht trennbares Verb - alle Zeitformen


Präsens Ich besuche meinen Freund.
Präteritum Ich besuchte meinen Freund.
Perfekt Ich habe meinen Freund besucht.
Plusquamperfekt Ich hatte meinen Freund besucht.
Futur 1 Ich werde meinen Freund besuchen.
Futur 2 Ich werde meinen Freund besucht haben.

Das Präfix wird auch bei Fragesätzen und beim Imperativ niemals getrennt.

Fragesätze und Imperativ mit nicht trennbarem Verb


Satzfrage Besuchst du deinen Freund?
W-Frage Warum besuchst du deinen Freund nicht?
Imperativ Besuch deinen Freund!

Die 5 wichtigsten nicht trennbaren Präfixe sind:

Übersicht: nicht trennbare Präfixe (I)


be-, ent-, er-, ver-, zer-

Außerdem sind folgende Präfixe nicht trennbar:

Übersicht: nicht trennbare Präfixe (II)


hinter-, miss-, fehl-, a-, de(s)-, dis-, ge-, im-, in-, non-, re-, un-

Nicht trennbare Kombinationen mit zwei Präfixen


Wenn ein nicht trennbares Präfix vor einem trennbaren Präfix steht, sind beide Präfixe nicht
trennbar.

Kombination: nicht trennbar + trennbar = nicht trennbar

Beispiel: nicht trennbares Präfix + trennbares Präfix - verabschieden


nicht trennbares Präfix trennbares Präfix Stamm/Infinitiv
ver- ab- schieden

Beispielsatz: nicht trennbares Präfix + trennbares Präfix - verabschieden


Sie verabschiedet sich von ihrer Familie.

Es gibt die folgenden Kombinationen von nicht trennbaren und trennbaren Präfixen:

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Verben mit Präfix

Übersicht: Kombinationen von nicht trennbaren und trennbaren Präfixen


beauf-, beab-, beein-, benach-, bevor-, verab-, veran-, veraus-, verein-, verun-

Präfixe, die sowohl trennbar als auch nicht trennbar sind


Fünf Präfixe können sowohl trennbar als auch nicht trennbar sein.

Übersicht: Präfixe, die sowohl trennbar als auch nicht trennbar sind
durch-, über-, unter-, um-, wider-

Beispiel: Präfix durch- trennbar vs. nicht trennbar


durchschneiden trennbar Er schneidet das Band durch.
durchqueren nicht trennbar Er durchquerte den Park.

Formbildung und Satzstruktur entsprechen jeweils den trennbaren bzw. nicht trennbaren
Verben.

durchschneiden durchqueren
ich schneide durch ich durchquere
du schneidest durch du durchquerst
er schneidet durch er durchquert
wir schneiden durch wir durchqueren
ihr schneidet durch ihr durchquert
sie schneiden durch sie durchqueren
=> trennbar => nicht trennbar

Weitere Beispiele:

Beispiele: Präfix trennbar vs. nicht trennbar


trennbar nicht trennbar
durchfallen Er fällt bei der Prüfung durchque- Auf seinem Weg durchquert
sicher durch. ren er den Park.
überkochen Die Suppe kocht über. überfallen Der Bankräuber überfällt
eine Bank.
umziehen Wir ziehen nächste Woche umgeben Ein Gartenzaun umgibt das
um. Haus.
untergehen Das Schiff ging bei einem unterschrei- Er unterschreibt das Anmel-
Sturm unter. ben deformular.
widerspie- Das Wasser spiegelt die widerrufen Der Zeuge widerruft seine
geln Bäume wider. Aussage.

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Verben mit Präfix

Manchmal gibt es zwei orthografisch gleiche Verben mit verschiedener Bedeutung. Eines der
Verben ist trennbar, das andere nicht trennbar.

Im Infinitiv unterscheiden sich diese Verben nur durch den Wortakzent.

Wortakzent - umschreiben
umschreiben (trennbar) umschreiben (nicht trennbar)
„verändern, neu schreiben“ „ein Wort mit anderen Worten erklären“
Der Journalist schreibt den Text um. Der Lehrer umschreibt das Wort.

Entsprechend unterscheidet sich auch die Bildung des Partizips II (Perfekt).

Partizip II - umschreiben
umschreiben trennbar umgeschrieben Der Journalist hat den Text umge-
schrieben.
umschreiben nicht trennbar umschrieben Der Lehrer hat das Wort umschrie-
ben.

Weitere Beispiele orthografisch gleicher Verben mit verschiedener Bedeutung:

Beispiele: Verb trennbar vs. nicht trennbar


Verb trennbar nicht trennbar
durchlaufen Er läuft seine Sportschuhe schnell Bei seinem Praktikum durchläuft
durch, weil er täglich joggt. er alle Abteilungen der Firma.
durchreisen Wir reisen hier nur durch. Wir durchreisen viele Länder.
durchschauen Der Lehrer schaut alle Tests noch Er durchschaut den Trick.
einmal durch.
durchschneiden Er schneidet das Band durch. Die neue Straße durchschneidet
den Park.
übersetzen Er setzte mit dem Boot ans ande- Er übersetzte das Buch von Her-
re Ufer über. mann Hesse.
übertreten Mein Nachbar tritt zum Christen- Ein Krimineller übertritt das
tum über. Gesetz.
überwerfen Weil es kalt wird, wirft sie sich Er überwirft sich mit seinem Chef.
schnell eine Jacke über.
überziehen Weil es kalt wird zieht sie sich Mein Freund überzieht jeden
schnell eine Jacke über. Monat sein Konto.
umfahren Der Autofahrer fährt den Baum Der Autofahrer umfährt den
um. Baum.
untergraben Der Gärtner gräbt das Laub unter. Der schlechte Lohn untergräbt
die Motivation der Mitarbeiter.

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Liste: Präfixe

Übersicht: Präfixe
Trennbare Präfixe

ab-, an-, auf-, aus-, auseinander-, bei-, ein-, empor-, entgegen-, entlang-, entzwei-, fehl-,
fern-, fest-, fort-, gegenüber-, heim-, hinterher-, hoch-, los-, mit-, nach-, neben-, nieder-,
vor-, weg-, weiter-, zu-, zurecht-, zurück-, zusammen-, da-, hin-, her-

Kombination trennbar + trennbar = trennbar

herab-, heran-, herauf-, heraus-, herbei-, herein-, hernieder-, herüber-, herum-, herunter-,
hervor-, herzu-, hinab-, hinan-, hinauf-, hinaus-, hinein-, hinüber-, hinunter-, hinweg-,
hinzu-, vorab-, voran-, vorauf-, voraus-, vorbei-, vorweg-, vorher-, vorüber-

Kombination trennbar + nicht trennbar = trennbar (1.Präfix)

vorbe-, vorent-, vorver-, nachbe-, nachver-

Kombinationen mit da- = trennbar (beide Präfixe)

dabei-, dafür-, dagegen-, daher-, dahin-, dahinter-, daneben-, daran-, darauf-, darein-,
darüber-, darunter-, davon-, davor-, dazu-, dazwischen-

Nicht trennbare Präfixe (Verben)


Die 5 häufigsten nicht trennbaren Präfixe sind:

be-, ent-, er-, ver-, zer-

außerdem nicht trennbar:

hinter-, miss-, a-, de(s)-, dis-, ge-, im-, in-, non-, re-, un-

Kombination nicht trennbar + trennbar = nicht trennbar

beauf-, beab-, beein-, benach-, bevor-, verab-, veran-, veraus-, verein-, verun--

Präfixe, die sowohl trennbar als auch nicht trennbar sind

durch-, über-, unter-, um-, wider-

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Die Verben haben, sein und werden

Die Verben haben, sein und werden


Die Verben sein, haben und werden kann man als Vollverben, als Hilfsverben, als Funktions-
verb und in einigen speziellen Konstruktionen benutzen.

Vollverb Das Verb wird wie ein normales Verb benutzt.


Hilfsverb Das Verb benutzt man um Verbformen zu bilden.
Funktionsverb Das Verb ist Teil einer festen Nomen-Verb- bzw. Adjektiv-Verb-
Verbindung.
Spezielle Konstruk- Die Verben sein und haben bilden in Verbindung mit zu Gramma-
tionen tikkonstruktionen, die in ihrer Bedeutung Modalverben entspre-
chen.

Das Verb sein


Das Verb sein wird als Vollverb, als Hilfsverb, als Funktionsverb und in der Verbindung mit zu
verwendet.

sein als Vollverb


Als Vollverb hat sein zahlreiche Bedeutungen.

Beispiele: sein als Vollverb


Ich bin Student.
Das Wetter ist kalt.
Es ist 15.00 Uhr. (Uhrzeit)

sein als Hilfsverb


Das Verb sein wird bei zahlreichen Formen des Indikativs und Konjunktivs Aktiv und Passiv
als Hilfsverb zur Formbildung gebraucht.

Beispiele: sein als Hilfsverb*


Er ist nach Hause gefahren. Indikativ Perfekt Aktiv
Ich wäre nicht nach Hause gefahren. Konjunktiv 2 Vergangenheit Aktiv mit sein
Mein Vater ist gestern operiert worden. Indikativ Perfekt Passiv

* Die Beispiele sind unvollständig.

Funktionsverb
In Verbindung mit Adjektiven/Adverbien, Substantiven und Präpositionen dient sein auch
als Funktionsverb.

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Die Verben haben, sein und werden

Beispiele: sein als Funktionsverb:


Die Katastrophenhelfer sind pausenlos im Einsatz. im Einsatz sein
Die Tankstelle ist 24 Stunden in Betrieb. in Betrieb sein
Das Gesetz ist seit Anfang August in Kraft. in Kraft sein

sein zu
Die Konstruktion mit sein zu plus Infinitiv wird als Ersatzform für das Passiv mit Modalverben
benützt.

Beispiele: sein zu + Infinitiv


Die Krankheit ist nicht zu heilen. Die Krankheit kann nicht geheilt werden.
Der Antrag ist vollständig auszufüllen. Der Antrag muss vollständig ausgefüllt werden.

Das Verb haben


Das Verb haben wird als Vollverb, als Hilfsverb, als Funktionsverb und in der Verbindung mit
zu verwendet.

Vollverb
Als Vollverb hat haben zahlreiche Bedeutungen.

Beispiele: haben als Vollverb


Ich habe kein Geld.
Paula hat einen Bruder und zwei Schwestern.

Hilfsverb
Das Verb haben wird bei zahlreichen Formen des Indikativs und Konjunktivs Aktiv und beim
Passiv mit Modalverb als Hilfsverb zur Formbildung gebraucht.

Beispiele: haben als Hilfsverb*


Sie hat den Lehrer nicht gefragt. Indikativ Perfekt Aktiv
Ich hätte den Lehrer gefragt. Konjunktiv 2 Vergangenheit Aktiv mit haben
Das Kind hat operiert werden müssen. Indikativ Perfekt Passiv mit Modalverb

* Die Beispiele sind unvollständig.

Funktionsverb
In Verbindung mit Adjektiven/Adverbien, Substantiven und Präpositionen dient haben auch
als Funktionsverb.

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Die Verben haben, sein und werden

Beispiele: haben als Funktionsverb


Meine Schwester hat Angst vor großen Hunden. Angst haben vor
Ich habe die Möglichkeit, den Job zu wechseln. die Möglichkeit haben
Er hat es eilig nach Hause zu kommen. es eilig haben
Du hast recht. recht haben

haben zu
Die Konstruktion mit haben zu plus Infinitiv bedeutet „müssen“.

Beispiel: haben zu + Infinitiv


Alle Teilnehmer haben pünktlich zu erschei- =Alle Teilnehmer müssen pünktlich erschei-
nen. nen.
Vor der Abgabe des Entwurfs haben wir =Vor der Abgabe des Entwurfs müssen wir
noch einiges zu ändern. noch einiges ändern.

Das Verb werden


Das Verb werden wird als Vollverb, als Hilfsverb und als Funktionsverb verwendet.

Vollverb
Als Vollverb bedeutet werden „einen bestimmten Zustand erreichen“ bzw. „eine bestimmte
Eigenschaft bekommen“.

Beispiele: werden als Vollverb:


Er wird Lehrer.
Das Wetter wird morgen besser.

Eine Variante des Vollverbs werden ist werden zu, das die Bedeutung hat „sich zu etwas entwi-
ckeln“.

Beispiele: werden zu
Er wurde zu einem Verräter. auch: Er wurde ein Verräter.
Der Wind wurde zu einem Sturm. auch: Der Wind wurde ein Sturm.

Hilfsverb
Das Verb werden wird bei zahlreichen Formen des Indikativs und Konjunktivs Aktiv und Passiv
als Hilfsverb zur Formbildung gebraucht.

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Die Verben haben, sein und werden

Beispiele: werden als Hilfsverb*


Ich werde nächstes Jahr zum Studium nach Indikativ Futur 1 Aktiv
Frankreich gehen.
Er wird am Magen operiert. Indikativ Präsens Passiv
Ich würde gerne in Deutschland studieren. Konjunktiv 2 mit würde Aktiv Gegenwart
Wenn ich gefragt würde, würde ich nein Konjunktiv 2 Passiv Gegenwart
sagen.

* Die Beispiele sind unvollständig.

Funktionsverb
In Verbindung mit Adjektiven/Adverbien oder Substantiven dient werden auch als Funktions-
verb.

Beispiele: werden als Funktionsverb:


Ihm wird die Ehre zuteil, die Olympischen Spiele zu eröffnen. zuteil werden
Die Mannschaft wurde den eigenen Ansprüchen nicht gerecht. gerecht werden
Die Polizei konnte der Situation Herr werden. Herr werden

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Die Verben haben, sein und werden

Übersicht: Alle Formen Indikativ Aktiv - sein, haben, wer-


den
Präsens

sein haben werden


ich bin ich habe ich werde
du bist du hast du wirst
er, sie, es ist er, sie, es hat er, sie, es wird
wir sind wir haben wir werden
ihr seid ihr habt ihr werdet
sie sind sie haben sie werden

Präteritum

sein haben werden


ich war ich hatte ich wurde
du warst du hattest du wurdest
er, sie, es war er, sie, es hatte er, sie, es wurde
wir waren wir hatten wir wurden
ihr wart ihr hattet ihr wurdet
sie waren sie hatten sie wurden

Perfekt

sein haben werden


ich bin gewesen ich habe gehabt ich bin geworden
du bist gewesen du hast gehabt du bist geworden
er, sie, es ist gewesen er, sie, es hat gehabt er, sie, es ist geworden
wir sind gewesen wir haben gehabt wir sind geworden
ihr seid gewesen ihr habt gehabt ihr seid geworden
sie sind gewesen sie haben gehabt sie sind geworden

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Die Verben haben, sein und werden

Plusquamperfekt

sein haben werden


ich war gewesen ich hatte gehabt ich war geworden
du warst gewesen du hattest gehabt du warst geworden
er, sie, es war gewesen er, sie, es hatte gehabt er, sie, es war geworden
wir waren gewesen wir hatten gehabt wir waren geworden
ihr wart gewesen ihr hattet gehabt ihr wart geworden
sie waren gewesen sie hatten gehabt sie waren geworden

Futur I

sein haben werden


ich werde sein ich werde haben ich werde werden
du wirst sein du wirst haben du wirst werden
er, sie, es wird sein er, sie, es wird haben er, sie, es wird werden
wir werden sein wir werden haben wir werden werden
ihr werdet sein ihr werdet haben ihr werdet werden
sie werden sein sie werden haben sie werden werden

Futur II

sein haben werden


ich werde gewesen sein ich werde gehabt haben ich werde geworden sein
du wirst gewesen sein du wirst gehabt haben du wirst geworden sein
er, sie, es wird gewesen sein er, sie, es wird gehabt haben er, sie, es wird geworden sein
wir werden gewesen sein wir werden gehabt haben wir werden geworden sein
ihr werdet gewesen sein ihr werdet gehabt haben ihr werdet geworden sein
sie werden gewesen sein sie werden gehabt haben sie werden geworden sein

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Die Modalverben

Die Modalverben (I)


Einführung Modalverben
Es gibt fünf Modalverben: können, wollen, müssen, sollen und dürfen.

Modalverben = können, wollen (möchten), müssen, sollen dürfen

Mögen/möchten
Bei der Form möchten handelt es ich ursprünglich um den Konjunktiv II des Verbs mögen.

Im Unterricht Deutsch als Fremdsprache wird möchten aber normalerweise als Modalverb
betrachtet, was der Funktion im aktuellen Sprachgebrauch entspricht.

Das Modalverb möchten existiert dann allerdings nur im Präsens als höflichere Variante von
wollen.

Regional, umgangssprachlich und als Anglizismus wird auch mögen gelegentlich als Modal-
verb benutzt. Standardsprachlich ist aber der Gebrauch des Adverbs gern oder von möchten.

Beispiel: mögen als Modalverb


umgangssprachlich standardsprachlich
Ich mag singen. Ich singe gern.
Ich mag heute ins Kino gehen. Ich möchte heute (gern) ins Kino gehen.

Modalverben und Vollverben


Modalverben benutzt man normalerweise zusammen mit einem anderen Verb (=Vollverb).

Das Modalverb wird konjugiert und das Vollverb steht im Infinitiv.

Beispiel: Modalverb mit Vollverb


Personalpronomen konjugiertes Modalverb Vollverb im Infinitiv
ich kann singen

Inhaltlich entspricht das zweite Verb (Vollverb) einer Akkusativ-Ergänzung (Frage: was?).

Im Gegensatz zu Vollverben („normale Verben“) können Modalverben ein zweites Verb ohne
einen Infinitiv mit zu ergänzen.

Beispiel: Modalverb + Vollverb (ohne zu)


Ich kann (?) Was kannst du? Ich kann singen.

Beispiel: Vollverb + Vollverb (mit zu)


Ich beginne (?) Was beginnst du? Ich beginne zu studieren.

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Die Modalverben

Modalverb ohne Vollverb


In Dialogen wird eine Wiederholung des Vollverbs oft weggelassen:

Beispiele: Modalverb ohne Vollverb - keine Wiederholung des Vollverbs


Kommst du morgen zu mir? Ich kann nicht. =Ich kann nicht kommen.
Gehst du zu der Party? Ich darf nicht. =Ich darf nicht gehen.

Wenn man die Bedeutung des Vollverbs aus dem Kontext verstehen kann, wird das Modal-
verb ebenfalls oft weggelassen:

Beispiele: Modalverb ohne Vollverb - Vollverb aus dem Kontext klar


Kontext unklar Ich möchte nächste Woche (?) arbeiten? heiraten? wegfahren?
Kontext klar Ich möchte nach Hause. => gehen

Weitere Beispiele: Modalverb ohne Vollverb - Vollverb aus dem Kontext klar
Ich muss morgen zum Arzt. (=gehen)
Sie kann sehr gut Englisch. (=sprechen)
Wir dürfen zu unserer Oma. (=gehen/fahren)
Er will das Buch. (=haben)
Du sollst nach Hause. (=gehen/kommen)

Modalverbähnliche Verben
Neben den Modalverben existieren noch einige Verben, die wie die Modalverben mit einem
zweiten Verb ohne Infinitiv mit zu kombiniert werden können, normalerweise aber eine
andere Ergänzung haben.

Beispiel: lernen
Was lernst du?
Ich lerne meine Vokabeln. => Verb + Akkusativ
Ich lerne singen. => Verb + Verb 2

Zu dieser Gruppe gehören einerseits mögen und lassen und andererseits die Verben sehen,
stehen, fühlen, helfen, hören, bleiben, gehen, fahren, kommen, lernen, lehren.

Zum Verb lassen siehe im Kapitel: „Das Verb lassen“

Zu den weiteren Verben mit Infinitivanschluss ohne zu siehe im Kapitel: „Weitere Verben mit
Infinitiv ohne zu“

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Die Modalverben

Die Konjugation der Modalverben


Das Präsens der Modalverben
Alle Modalverben außer sollen (und möchten) ändern im Präsens Singular den Stammvokal.

Modalverben - Vokalwechsel im Präsens Singular


können wollen müssen dürfen sollen möchten
ich kann ich will ich muss ich darf ich soll ich möchte
=>Vokalwechsel =>kein Vokalwechsel

Im Gegensatz zu Vollverben haben die Modalverben in der 1. und 3. Person Singular keine
Personenendung.

Modalverb vs. Vollverb - 1. und 3. Person Singular


fragen (Vollverb) können (Modalverb)
1. Person Singular ich frage ich kann
3. Person Singular er, sie, es fragt er, sie, es kann
1. + 3. Person Sg. => mit Personenendung => ohne Personenendung

Die folgende Übersicht zeigt alle Formen der Modalverben im Präsens.

Modalverben - Konjugation Präsens


können wollen sollen müssen dürfen
ich kann ich will ich soll ich muss ich darf
du kannst du willst du sollst du musst du darfst
er, sie, es kann er, sie, es will er, sie, es soll er, sie, es muss er, sie, es darf
wir können wir wollen wir sollen wir müssen wir dürfen
ihr könnt ihr wollt ihr sollt ihr müsst ihr dürft
sie können sie wollen sie sollen sie müssen sie dürfen

möchten - Konjugation Präsens


möchten
ich möchte
du möchtest
er, sie, es möchte
wir möchten
ihr möchtet
sie möchten

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Die Modalverben

Das Präteritum der Modalverben


Der Präteritumstamm der Modalverben wollen und sollen wird regelmäßig gebildet.

Der Präteritumstamm von können, müssen und dürfen wechselt den Stammvokal.

Modalverben - Vokalwechsel im Präteritumstamm


wollen sollen können müssen dürfen
wollte sollte konnte musste durfte
=>kein Vokalwechsel =>Vokalwechsel

Die Personenendungen der Modalverben im Präteritum entsprechen den Endungen der


Vollverben.

Die folgende Übersicht zeigt alle Formen der Modalverben im Präteritum.

Modalverben - Konjugation Präteritum


können wollen sollen müssen dürfen
ich konnte ich wollte ich sollte ich musste ich durfte
du konntest du wolltest du solltest du musstest du durftest
er, sie, es konnte er, sie, es wollte er, sie, es sollte er, sie, es musste er, sie, es durfte
wir konnten wir wollten wir sollten wir mussten wir durften
ihr konntet ihr wolltet ihr solltet ihr musstet ihr durftet
sie konnten sie wollten sie sollten sie mussten sie durften

Das Perfekt der Modalverben


Modalverb mit Vollverb
Wenn das Modalverb mit Vollverb benützt wird, bildet man das Perfekt der Modalverben
standardsprachlich mit dem Präsens des Hilfsverbs haben, dem Infinitiv des Modalverbs und
dem Infinitiv des Vollverbs („zweimal Infinitiv“).

Perfekt Modalverb + Vollverb = Präsens von haben + Infinitiv Vollverb + Infinitiv Mo-
dalverb

Beispiel: Perfekt - Modalverb mit Vollverb - müssen/arbeiten


Personalpronomen Präsens haben Infinitiv Vollverb Infinitiv Modalverb
ich habe arbeiten müssen

Die folgende Übersicht zeigt alle Formen der Modalverben im Perfekt.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 103


Die Modalverben

Modalverben - Konjugation Perfekt


ich habe arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
du hast arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
er, sie, es hat arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
wir haben arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
ihr habt arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
sie haben arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)

Im Folgenden einige Beispielsätze:

Beispielsätze: Perfekt - Modalverb mit Vollverb


Präsens Perfekt
Ich muss arbeiten. Ich habe arbeiten müssen.
Mein Bruder kann gut Fußball spielen. Mein Bruder hat gut Fußball spielen kön-
nen.
Ich will im Sommer nach Australien reisen. Ich habe im Sommer nach Australien rei-
sen wollen.
Paula möchte nach Italien fahren. Paula hat nach Italien fahren wollen.*

*Das Modalverb möchten ist eine höfliche Variante von wollen und existiert nur im Präsens.
In allen anderen Zeiten, also auch im Perfekt, wird möchten durch wollen ersetzt.

In der gesprochenen Sprache hört man auch die Perfekt-Variante mit dem Partizip II des
Modalverbs

Beispiel: Perfekt - Modalverb mit Vollverb - umgangssprachliche Variante


Präsens Perfekt (umgangssprachlich)
Ich muss arbeiten. Ich habe arbeiten gemusst.

Modalverb ohne Vollverb


Wenn das Modalverb ohne Vollverb gebraucht wird, benutzt man auch standardsprachlich
das Partizip II des Modalverbs.

Perfekt Modalverb (ohne Vollverb) = Präsens von haben + Partizip II Modalverb

Beispiel: Perfekt - Modalverb ohne Vollverb - müssen


Personalpronomen Präsens haben Infinitiv Vollverb Partizip II Modalverb
ich habe -- gemusst

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Die Modalverben

Beispiel: Perfekt - Modalverb ohne Vollverb


Präsens Perfekt
Anna wollte zu ihrer Schwester. Anna hat zu ihrer Schwester gewollt.
Anna muss zum Arzt. Anna hat zum Arzt gemusst.

Das Plusquamperfekt der Modalverben


Standardsprachlich wird das Plusquamperfekt bei den Modalverben mit dem Präteritum des
Hilfsverbs haben, dem Infinitiv des Modalverbs und dem Infinitiv des Vollverbs („zweimal
Infinitiv“) gebildet.

Plusquamperfekt Modalverb + Vollverb = Präteritum von haben + Infinitiv Vollverb +


Infinitiv Modalverb

Beispiel: Plusquamperfekt - Modalverb mit Vollverb - müssen


Personalpronomen Präteritum haben Infinitiv Vollverb Infinitiv Modalverb
ich hatte arbeiten müssen

Die folgende Übersicht zeigt alle Formen der Modalverben im Plusquamperfekt.

Modalverben - Konjugation Plusquamperfekt


ich hatte arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
du hattest arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
er, sie, es hatte arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
wir hatten arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
ihr hattet arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
sie hatten arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)

Im Folgenden einige Beispielsätze:

Beispielsätze: Plusquamperfekt - Modalverb mit Vollverb


Präsens Plusquamperfekt
Ich muss arbeiten. Ich hatte arbeiten müssen.
Mein Bruder kann gut Fußball spielen. Mein Bruder hatte gut Fußball spielen
können.
Ich will im Sommer nach Australien reisen. Ich hatte im Sommer nach Australien reisen
wollen.
Paula möchte nach Italien fahren. Paula hatte nach Italien fahren wollen.*

*Das Modalverb möchten ist eine höfliche Variante von wollen und existiert nur im Präsens. In

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 105


Die Modalverben

allen anderen Zeiten, also auch im Plusquamperfekt, wird möchten durch wollen ersetzt.

Zum Gebrauch des Plusquamperfekts der Modalverben ohne Vollverb vgl. den Abschnitt:
„Perfekt der Modalverben - Modalverb ohne Vollverb“

Futur I der Modalverben


Futur I der Modalverben wird mit dem Präsens des Hilfsverbs werden, dem Infinitiv des Voll-
verbs und dem Infinitiv des Modalverbs („zweimal Infinitiv“) gebildet.

Futur I Modalverb + Vollverb = Präsens von werden + Infinitiv Vollverb + Infinitiv Mo-
dalverb

Beispiel: Futur I - Modalverb - müssen


Personalpronomen Präsens von werden Infinitiv Vollverb Infinitiv Modalverb
ich werde arbeiten müssen

Die folgende Übersicht zeigt alle Formen der Modalverben im Futur I.

Modalverben: Konjugation Futur I


ich werde arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
du wirst arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
er, sie, es wird arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
wir werden arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
ihr werdet arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
sie werden arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)

Im Folgenden einige Beispielsätze:

Beispielsätze: Futur I - Modalverb mit Vollverb


Präsens Futur I
Paul muss am Samstag arbeiten. Paul wird am Samstag arbeiten müssen.
Er kann das Auto nicht bezahlen. Er wird das Auto nicht bezahlen können.
Sie darf nicht zu der Party gehen. Sie wird nicht zu der Party gehen dürfen.

Das Futur II der Modalverben


Futur II der Modalverben wird mit dem Präsens des Hilfsverbs werden , dem Infinitiv des
Hilfsverbs haben, dem Infinitiv des Vollverbs und dem Infinitiv des Modalverbs („dreimal
Infinitiv“) gebildet

Futur II Modalverb + Vollverb = Präsens von werden + Infinitiv von haben + Infinitiv
Vollverb + Infinitiv Modalverb

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 106


Die Modalverben

Beispiel: Futur II Modalverb - müssen


Personalprono- Präsens von Infinitiv von Infinitiv Voll- Infinitiv Modal-
men werden haben verb verb
er wird haben arbeiten müssen

Die folgende Übersicht zeigt alle Formen der Modalverben im Futur II.

Modalverben: Konjugation Futur II


ich werde haben arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
du wirst haben arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
er, sie, es wird haben arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
wir werden haben arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
ihr werdet haben arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)
sie werden haben arbeiten müssen (können, wollen, sollen, dürfen)

Allerdings macht die Bildung der vierteiligen Verbform für das Futur II auch Deutschen
Schwierigkeiten und wird normalerweise selten benutzt.

Im Folgenden einige Beispielsätze:

Beispielsätze: Futur II - Modalverb mit Vollverb


Präsens Futur II
Paul muss am Samstag arbeiten. Paul wird am Samstag haben arbeiten müssen.
Er kann das Auto nicht bezahlen. Er wird das Auto nicht haben bezahlen können.
Sie darf nicht zu der Party gehen. Sie wird nicht zu der Party haben gehen dürfen.

Wortposition
Das Modalverb steht im Aussagesatz in der Position 2. Das Vollverb steht am Ende des Satzes.
Das gilt auch für W-Fragen.

In Satzfragen steht das Modalverb in Position 1, das Vollverb am Satzende.

Im Nebensatz steht das Modalverb am Ende des Satzes. Mit Modalverben kann man keinen
Imperativ bilden.

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Die Modalverben

Wortposition des Modalverbs


Aussagesatz Peter möchte ins Kino gehen.
Peter möchte morgen ins Kino gehen.
Peter möchte morgen um 8 ins Kino gehen.
Peter möchte morgen um 8 mit seiner Freundin ins Kino gehen.
Fragesatz Wann möchte Peter mit seiner Freundin ins Kino gehen?
Möchte Peter mit seiner Freundin ins Kino gehen?
Nebensatz Peter sagt, dass er morgen mit seiner Freundin ins Kino gehen möchte.

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Die Modalverben

Übersicht: Alle Formen Indikativ Aktiv - Modalverben


Präsens
können wollen sollen müssen dürfen
ich kann ich will ich soll ich muss ich darf
du kannst du willst du sollst du musst du darfst
er, sie, es kann er, sie, es will er, sie, es soll er, sie, es muss er, sie, es darf
wir können wir wollen wir sollen wir müssen wir dürfen
ihr könnt ihr wollt ihr sollt ihr müsst ihr dürft
sie können sie wollen sie sollen sie müssen sie dürfen

Zu Konjugation von möchten siehe: „möchten - Konjuagtion Präsens“.

Präteritum
können wollen sollen müssen dürfen
ich konnte ich wollte ich sollte ich musste ich durfte
du konntest du wolltest du solltest du musstest du durftest
er, sie, es konnte er, sie, es wollte er, sie, es sollte er, sie, es musste er, sie, es durfte
wir konnten wir wollten wir sollten wir mussten wir durften
ihr konntet ihr wolltet ihr solltet ihr musstet ihr durftet
sie konnten sie wollten sie sollten sie mussten sie durften

Perfekt mit Vollverb


ich habe (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
du hast (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
er, sie, es hat (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
wir haben (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
ihr habt (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
sie haben (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen

Perfekt ohne Vollverb


ich habe gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft
du hast gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft
er, sie, es hat gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft
wir haben gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft
ihr habt gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft
sie haben gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 109


Die Modalverben

Plusquamperfekt mit Vollverb


ich hatte (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
du hattest (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
er, sie, es hatte (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
wir hatten (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
ihr hattet (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
sie hatten (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen

Plusquamperfekt ohne Vollverb


ich hatte gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft
du hattest gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft
er, sie, es hatte gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft
wir hatten gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft
ihr hattet gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft
sie hatten gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft

Futur I mit/ohne Vollverb


ich werde (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
du wirst (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
er, sie, es wird (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
wir werden (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
ihr werdet (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
sie werden (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen

Futur II mit Vollverb


ich werde haben (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
du wirst haben (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
er, sie, es wird haben (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
wir werden haben (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
ihr werdet haben (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen
sie werden haben (arbeiten) können/wollen/sollen/müssen/dürfen

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 110


Die Modalverben

Futur II ohne Vollverb


ich werde gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft haben
du wirst gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft haben
er, sie, es wird gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft haben
wir werden gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft haben
ihr werdet gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft haben
sie werden gekonnt/gewollt/gesollt/gemusst/gedurft haben

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Die Modalverben

Die Bedeutung der Modalverben


Die Modalverben können, wollen, müssen, sollen und dürfen verändern (modifizieren) die
Bedeutung des Vollverbs.

Beispiele: Bedeutung der Modalverben


ohne Modalverb mit Modalverb Bedeutung
wollen/möchten* => Wunsch
Peter geht ins Kino. Peter will (möchte) ins Kino = Es ist (nur) ein Wunsch, ins
gehen. Kino zu gehen. (Es ist nicht
sicher, ob er wirklich geht)
müssen => Notwendigkeit
Peter macht die Haus- Peter muss die Hausaufgaben = Peter (oder eine andere
aufgaben. machen. Person) meint, dass es notwen-
dig ist, die Hausaufgaben zu
machen
dürfen => Erlaubnis
Peter geht zu der Party. Peter darf zu der Party gehen. = Peter hat die Erlaubnis (von
seinen Eltern) zu der Party zu
gehen.
können => Fähigkeit
Peter spielt Gitarre. Peter kann Gitarre spielen. = Peter hat die Fähigkeit Gitar-
re zu spielen.
sollen => Rat
Peter raucht weniger. Der Arzt sagt, Peter soll weni- = Der Arzt gibt Peter den Rat,
ger rauchen. weniger zu rauchen.

*Im Präsens Indikativ wird häufig möchten als Variante von wollen benutzt.

Diese Beispiele sind typische Bedeutungsvarianten der Modalverben. Die Bedeutungsvariati-


on der Modalverben ist aber sehr groß.

Teilweise überschneiden sich die Bedeutungen. Der Kontext einer Äußerung ist wichtig, um
die Bedeutung zu verstehen.

Die folgende Seite gibt einen Überblick über die wichtigsten Bedeutungsvarianten der Mo-
dalverben.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 112


Die Modalverben

Übersicht: Bedeutungsvarianten der Modalverben


können
Fähigkeit Ich kann schwimmen.
Möglichkeit Im Bodensee kann man schwimmen.
Erlaubnis Du kannst bis 24.00 Uhr bei der Party bleiben. (=dürfen)
Höfliche Frage Kann ich Ihnen helfen?

wollen
Wunsch Ich will im Sommer nach Italien fahren.
Plan, Absicht Wir wollen nächste Woche heiraten.

dürfen
Erlaubnis Du darfst mit deiner Freundin zu der Party gehen.
Recht Mit 18 Jahren darf man in Deutschland wählen.
Höfliche Frage Darf ich Ihnen helfen?
Moralische Pflicht (nur negativ) Man darf zu alten Leuten nicht unhöflich sein.

müssen
Objektive oder subjektiv emp- Ich muss die Präsentation für meinen Chef fertig ma-
fundene Pflicht chen.
Moralische Pflicht (nur positiv) Man muss alten Leuten helfen.
Gesetzliche Pflicht An einer roten Ampel muss man anhalten.
Notwendigkeit Der Patient muss sofort operiert werden.

sollen
Empfehlung Peter soll weniger rauchen.
Moralische Pflicht (positiv) Man soll alten Leuten helfen.
Moralische Pflicht (negativ) Man soll Kinder nicht schlagen.
Aufgabe/Auftrag Ich soll für meine Oma Getränke kaufen.
Direkte Aufforderung Sie sollen aufstehen!
Höfliche Frage Soll ich Ihnen helfen?

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Die Modalverben

Probleme der Bedeutung von Modalverben


Die Bedeutungsspanne der Modalverben
Die Bedeutungsspanne der Modalverben ist so groß, dass sie je nach Kontext zu Unklarhei-
ten führen kann.

Zum Beispiel sind in dem Modalverb wollen die Bedeutungen „Wunsch“, „Absicht“ oder
„Plan“ enthalten.

Diese Bedeutungen haben einen gemeinsamen Bedeutungskern, denn eine „Absicht“ oder
ein „Plan“ ist der Wunsch etwas ganz Bestimmtes zu machen.

Trotzdem gibt es einen Unterschied in der Bedeutung, der durch das Modalverb nicht diffe-
renziert wird.

Beispiel: Modalverb => Bedeutung nicht differenziert


Modalverb Alternative Formulierungen
Ich will eine Weltreise machen. Wunsch Ich würde gern eine Weltreise machen.
Ich will eine Weltreise machen. Plan Ich beabsichtige eine Weltreise zu machen.
=> Bedeutung nicht differenziert => Bedeutung differenziert

Überschneidungen in den Bedeutungen der Modalverben


Die Bedeutungen der Modalverben überschneiden sich teilweise.

Zum Beispiel kann das Modalverb können „Fähigkeit“ oder „Erlaubnis“ bedeuten. Das Modal-
verb dürfen hat ebenfalls die Bedeutung „Erlaubnis“.

Das heißt in der Bedeutung „Erlaubnis“ kann das Modalverb können durch dürfen ersetzt
werden. Das gilt aber nicht in der Bedeutung „Fähigkeit“.

Beispiel: Modalverben => Bedeutung überschneidet sich (nicht)


können dürfen
Erlaubnis Du kannst bis 12 bei der Party blei- = Du darfst bis 12 bei der Party
ben. bleiben.
Fähigkeit Mein Freund kann gut Gitarre spie- -- (nicht möglich)
len.

Eine „moralische Pflicht“ kann man durch müssen oder sollen ausdrücken. Der Bedeutungs-
unterschied ist in diesem Kontext minimal.

Eine „gesetzliche Pflicht“ kann man dagegen nur durch müssen ausdrücken.

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Die Modalverben

Beispiel: Modalverben => Bedeutung überschneidet sich (nicht)


müssen sollen
moralische Pflicht Man muss alten Leuten helfen. = Man soll alten Leuten helfen.
gesetzliche Pflicht An einer roten Ampel muss man -- (nicht möglich)
anhalten.

Unterschiede beim Gebrauch


Durch die Modalverben müssen oder sollen kann man eine moralische Pflicht ausdrücken.
Müssen und sollen haben in diesem Kontext die gleiche Bedeutung.

Eine positive moralische Pflicht („Was man tun soll“) drückt man mit sollen, eine negative
moralische Pflicht („Was man nicht tun soll“) mit nicht sollen aus.

Beispiel: moralische Pflicht - sollen


moralische Pflicht (+) moralische Pflicht (-)
Was soll man tun? Was soll man nicht tun?
=> Man soll alten Leuten helfen. => Man soll zu alten Leuten nicht unhöflich sein.

Mit Hilfe von müssen kann man ebenfalls eine positive moralische Pflicht ausdrücken. Eine
negative moralische Pflicht wird aber mit nicht dürfen ausgedrückt.

Beispiel: moralische Pflicht - müssen/dürfen


moralische Pflicht (+) moralische Pflicht (-)
Was muss man tun? Was darf man nicht tun?
=> Man muss alten Leuten helfen. => Man darf zu alten Leuten nicht unhöflich sein.

Beachte: Das gilt nur für den Kontext, in dem müssen eine moralische Pflicht ausdrückt, nicht
aber für andere Bedeutungen von müssen.

Beispiel: Negation von müssen (andere Bedeutungen)


Pflicht (+) Pflicht (-)
Peter muss die 12. Klasse wiederholen Maria muss die 12. Klasse nicht wiederholen.

Übersetzungsfehler
Viele Missverständnisse entstehen auch durch die falsche wörtliche Übersetzung aus ande-
ren Sprachen z. B. aus dem Englischen.

Beispiel: Modalverb - falsche wörtliche Übersetzung aus anderen Sprachen


Englisch falsche wörtliche Übersetzung richtige Übersetzung
You mustn’t smoke. [Du musst nicht rauchen.] Du darfst nicht rauchen.
I will go to Berlin.* [Ich will nach Berlin fahren.] Ich werde nach Berlin fahren.

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Die Modalverben

* Will ist im Englischen das Hilfsverb werden, nicht das Modalverb wollen.

Ersatzformen für Modalverben


Haben zu
Eine formelle Variante von müssen ist haben zu. Diese Variante wird meist nur in der Amts-
sprache oder zur besonderen Betonung benützt.

Beispiel: haben zu - Amtssprache


normaler Sprachstil Amtssprache
Alle Verkehrsteilnehmer müssen die Ver- Alle Verkehrsteilnehmer haben die Ver-
kehrsregeln beachten. kehrsregeln zu beachten.

Beispiel: haben zu - Betonung


unbetont betont
Du musst machen, was ich sage. Du hast zu machen, was ich sage.

Haben zu ist auch bei Passivsätzen möglich.

Beispiel: haben zu in Passivsätzen


Die Verkehrsregeln müssen von allen Ver- Die Verkehrsregeln haben von allen Ver-
kehrsteilnehmern beachtet werden. kehrsteilnehmern beachtet zu werden.

Ersatzformen für das Passiv mit Modalverb


Die Ersatzformen für das Passiv mit Modalverb sein zu + Infinitiv, sich lassen und –bar werden
im Kapitel „Passiversatz - Alternativen zum Passiv mit Modalverb“ behandelt.

Umschreibungen von Modalverben


Die Bedeutungsvarianten der Modalverben werden normalerweise mit bestimmten lexikali-
schen Umschreibungen erklärt.

Zum Beispiel bedeutet dürfen eine „Erlaubnis“. Zusätzlich werden weitere Wörter und Ausdrü-
cke genannt, die diesen Umschreibungen entsprechen.

Zum Beispiel: „erlauben“, „erlaubt sein“, „genehmigen“, „gestattet sein“, „befugt sein“, etc..

Auf der folgenden Seite findet sich eine Übersicht über die wichtigsten Bedeutungen der
Modalverben und ihre Umschreibungen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 116


Die Modalverben

können
Fähigkeit fähig sein, die Fähigkeit haben, in der Lage sein, imstande sein,
vermögen
Möglichkeit möglich sein, die Möglichkeit besteht
Erlaubnis erlaubt sein, erlauben, die Erlaubnis haben, die Erlaubnis geben
formelle Erlaubnis genehmigen, die Genehmigung haben, gestatten, gestattet sein
gesetzliche Erlaub- befugt sein, die Befugnis haben, die Bewilligung haben
nis, Recht

wollen
Wunsch wünschen, den Wunsch haben, Lust haben, den (festen) Willen
haben, gelüsten
Plan, Absicht beabsichtigen, vorhaben, die Intention haben

dürfen
Erlaubnis erlaubt sein, erlauben, die Erlaubnis haben, die Erlaubnis geben,
genehmigen, die Genehmigung haben, gestatten, gestattet sein,
gesetzliche Erlaub- befugt sein, die Befugnis haben, die Bewilligung haben
nis, Recht

müssen
objektive Pflicht bestehen auf
subjektiv empfun- sich gezwungen sehen, gezwungen sein
dene Pflicht
moralische Pflicht verpflichtet sein, die Pflicht haben
gesetzliche Pflicht vorgeschrieben sein
Notwendigkeit notwendig sein, nötig sein, erforderlich sein, unumgänglich sein

sollen
Empfehlung, Rat ratsam sein, empfehlenswert sein, es wäre gut/besser, raten, emp-
fehlen
moralische Pflicht verpflichtet sein, die Pflicht haben
Aufgabe/Auftrag den Auftrag haben, beauftragt sein, die Aufgabe haben
direkte Aufforde- auffordern, (Imperativ), aufgefordert sein
rung

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Die Modalverben: subjektive Bedeutung

Die Modalverben (II): subjektive Bedeu-


tung
Neben ihrer normalen Bedeutung, die auch als objektive Bedeutung bezeichnet wird, haben
die Modalverben weitere Bedeutungen, die auch als subjektive Bedeutungen bezeichnet
werden.

In der subjektiven Bedeutung verliert das Modalverb seine objektive Bedeutung und wird
vom Sprecher benutzt, um eine Vermutung auszudrücken oder um sich von einer fremden
Behauptung zu distanzieren.

Beispiel: Subjektive und objektive Bedeutung der Modalverben


Objektives Modal- Bedeutung Subjektives Modal- Bedeutung (=Ver-
verb verb mutung)
Er muss nächste Er hat die Aufgabe Er muss krank sein. Ich bin sicher, dass
Woche eine Prüfung (Pflicht) nächste er krank ist.
machen. Woche eine Prüfung
zu machen.
Er kann gut Gitarre Er ist fähig gut Gi- Er kann krank sein. Ich vermute, dass er
spielen. tarre zu spielen. vielleicht krank ist.

Subjektive Bedeutung (I): Vermutung


Zum Ausdruck einer Vermutung kann man müssen, können, dürfen und mögen sowie teil-
weise die Formen des Konjunktivs II und die Negation dieser Modalverben benutzen.

Der Grad der Sicherheit der Vermutung nimmt von müssen („ganz sicher“) bis nicht können
(„unmöglich“) ab.

Mithilfe von Adverbien lässt sich die subjektive Bedeutung der Modalverben umschreiben.

Beispiel: Umschreibungen der subjektiven Modalverben


Modalverb Beispiel Umschreibung
müssen Er muss bald kommen. Ich bin sicher, dass er bald kommt.
müssen (Konjunktiv)* Er müsste bald kommen. Sehr wahrscheinlich kommt er bald.
dürfen (Konjunktiv) Er dürfte bald kommen. Wahrscheinlich kommt er bald.
können Er kann bald kommen. Vielleicht kommt er bald.
können (Konjunktiv) Er könnte bald kommen. Vielleicht kommt er bald.
mögen** Er mag bald kommen. Vielleicht kommt er bald.
nicht* dürfen (Kon- Er dürfte nicht mehr Er kommt wahrscheinlich nicht mehr.
junktiv) kommen.
nicht können Er kann nicht mehr kom- Ich bin sicher, dass er nicht mehr
men. kommt.

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Die Modalverben: subjektive Bedeutung

*Die Wahl des Konjunktivs bzw. der Negation ist festgelegt und nicht bei jedem Modalverb
möglich.
** Der Gebrauch von mögen ist in der gesprochenen Sprache selten.

Umschreibungen der subjektiven Bedeutung (I) - Vermutung


Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Umschreibungen der subjek-
tiven Bedeutung „Vermutung“ der Modalverben.

Umschreibungen der subjektiven Bedeutung der Modalverben (I) - Vermutung


Modalverb subjektive Bedeutung Umschreibungen
müssen „Gewissheit“ sicher: sicherlich, mit Sicherheit, gewiss, mit
Gewissheit, überzeugt sein, es besteht kein
Zweifel, zweifelsfrei, ohne Zweifel, zweifellos,
bestimmt, klar sein, feststehen, Kombination
mit Adverb: ganz
müsste „hohe Wahrschein- sehr wahrscheinlich: ziemlich sicher, mit ho-
lichkeit“ her Wahrscheinlichkeit, aller Wahrscheinlich-
keit nach, allem Anschein nach, Kombination
mit Adverb: fast, sehr, ziemlich
dürfte „Wahrscheinlichkeit“ wahrscheinlich: mit Wahrscheinlichkeit,
annehmen, glauben, so wie es aussieht,
offenbar, offensichtlich, einiges / vieles spricht
dafür, vermuten, es wird vermutet, es scheint,
scheinbar, anscheinend, dem Anschein nach
kann / könnte / „Möglichkeit“ vielleicht: es kann (schon) sein, möglicherwei-
mögen se, es ist möglich, es ist nicht ausgeschlossen,
es ist denkbar, es wäre denkbar, unter Um-
ständen, für möglich halten, wohl
dürfte nicht „negative Wahrschein- wahrscheinlich nicht
lichkeit“
kann nicht „negative Gewissheit“ sicher nicht: es ist unmöglich: auf keinen Fall,
keinesfalls, es ist unvorstellbar

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Die Modalverben: subjektive Bedeutung

Subjektive Bedeutung (II): Distanzierung von einer Be-


hauptung
Mit sollen und wollen kann man - ähnlich wie mit der indirekten Rede - die Aussagen anderer
Personen wiedergeben.

Man distanziert sich dabei vom Inhalt der Aussage. Mit wollen gibt man eine eigene Behaup-
tung einer Person wieder; mit sollen eine fremde Behauptung über eine Person.

Beispiel: Distanzierung durch subjektive Modalverben


Direkte Rede Peter sagt: „Ich bin sehr reich.
Distanzierung durch:
Indirekte Rede Peter sagt, dass er sehr reich sei.
Modalverb wollen Peter will sehr reich sein.
(=Peter behauptet, dass er sehr reich ist.)
Modalverb sollen Peter soll sehr reich sein.
(=Jemand behauptet, dass Peter sehr reich ist.)

Umschreibungen der subjektiven Bedeutung (II)


Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Umschreibungen der subjek-
tiven Bedeutung „Distanzierung“ der Modalverben:

Umschreibungen der subjektiven Bedeutung der Modalverben (II) - Distanzierung


Modalverb subjektive Bedeutung Umschreibungen
sollen „fremde Behauptung jemand behauptet: es heißt, es wird behauptet,
über eine Person“ ich habe gehört, angeblich, anscheinend, offen-
sichtlich, offenbar, es sieht so aus (als ob), wohl,
nach Aussage von
wollen „eigene Behauptung er/sie (selbst) behauptet: vorgeben, angeblich,
einer Person“ versichern, so tun als ob + Konj. II, nach eigener
Aussage, nach eigenen Angaben

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 120


Die Modalverben: subjektive Bedeutung

Vergleich der Zeitformen bei objektiven und subjektiven


Modalverben
Bei den subjektiven Modalverben unterscheidet man nur die beiden Zeitformen Gegenwart
und Vergangenheit.

Subjektive Modalverben - Gegenwart


Die Gegenwartsform wird wie beim objektiven Modalverb mit dem Infinitiv des Vollverbs
gebildet.

Subjektives Modalverb - Gegenwart


Modalverb objektiv Modalverb subjektiv
Präsens Er muss die Prüfung schreiben. Gegenwart Er muss krank sein.

Subjektive Modalverben - Vergangenheit


Die Vergangenheitsform unterscheidet sich von den Vergangenheitsformen des objektiven
Modalverbs. Sie wird mit Partizip II und dem Infinitiv von haben bzw. sein gebildet.

Subjektives Modalverb - Vergangenheit


Modalverb objektiv Modalverb subjektiv
Präteritum Er musste die Prü-
fung bestehen.
Perfekt Er hat die Prüfung Vergangenheit Er muss die Prüfung
bestehen müssen. bestanden haben.
Plusquamperfekt Er hatte die Prüfung
bestehen müssen.

Subjektive Modalverben - Bedeutung der Zeitformen


Vermutung über die Gegenwart bzw. Vergangenheit
Die Gegenwartsform der subjektiven Modalverben müssen, können, dürfen und mögen drückt
eine Vermutung über die Gegenwart aus, die Vergangenheitsform eine Vermutung über die
Vergangenheit.

Beispiele: Subjektives Modalverb - Vermutung Gegenwart bzw. Vergangenheit


Gegenwart Er muss krank sein. =Ich bin sicher, dass er krank ist.
Vergangenheit Er muss krank gewesen sein. =Ich bin sicher, dass er krank gewe-
sen ist.

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Die Modalverben: subjektive Bedeutung

Distanzierung von einer Behauptung über die Gegenwart bzw. Vergan-


genheit
Die Gegenwartsform der subjektiven Modalverben wollen und sollen drückt eine Distanzie-
rung von einer eigenen oder fremden Behauptung über die Gegenwart aus, die Vergangen-
heitsform eine Distanzierung von einer eigenen oder fremden Behauptung über die Vergan-
genheit.

Beispiele: Subjektives Modalverb - Distanzierung Gegenwart bzw. Vergangenheit


Gegenwart Er will sehr reich sein. Er behauptet, dass er sehr reich ist.
Vergangenheit Er will sehr reich gewesen sein. Er behauptet, dass er sehr reich gewe-
sen ist.

Subjektive Modalverben - Passiv


Vermutungen und Distanzierungen mit subjektiven Modalverben können auch im Passiv
stehen.

Beispiel: Vermutung mit subjektivem Modalverb Gegenwart


aktiv Man dürfte den Flughafen Wahrscheinlich eröffnet man den Flugha-
bald eröffnen. fen bald.
passiv Der Flughafen dürfte bald Wahrscheinlich wird der Flughafen bald
eröffnet werden. eröffnet.

Beispiel: Vermutung mit subjektivem Modalverb Vergangenheit


aktiv Man muss das Auto gestoh- Ich bin sicher, dass man das Auto gestoh-
len haben. len hat.
passiv Das Auto muss gestohlen Ich bin sicher, dass das Auto gestohlen
worden sein. worden ist.

Beispiel: Distanzierung mit subjektivem Modalverb Gegenwart


aktiv Peter soll 10.000 Euro im Jemand behauptet, dass Peter 10.000 Euro
Monat verdienen. im Monat verdient.
passiv Peter soll entlassen wer- Jemand behauptet, dass Peter entlassen-
den. wird.

Beispiel: Distanzierung mit subjektivem Modalverb Vergangenheit


aktiv Peter soll früher 10.000 Euro Jemand behauptet, dass Peter früher
im Monat verdient haben. 10.000 Euro im Monat verdient hat.
passiv Peter soll entlassen worden Jemand behauptet, dass Peter entlassen
sein. worden ist.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 122


Die Modalverben: subjektive Bedeutung

Doppeldeutigkeit bei Modalverben


In der Vergangenheit unterscheiden sich wie oben gezeigt die subjektive und objektive Form
der Modalverben.

Beispiel: Subjektives vs. objektives Modalverb - Vergangenheit


objektiv Bedeutung subjektiv Bedeutung
Peter hat ein Haus Peter hatte den Peter will ein Haus Peter behauptet,
kaufen wollen. Wunsch ein Haus zu gekauft haben. dass er ein Haus
kaufen gekauft hat.

In der Gegenwart sind die Formen gleich. Das heißt den Satz in der Gegenwart kann man
subjektiv oder objektiv interpretieren.

Wie man den Satz verstehen muss, kann man häufig nur aus dem Kontext erkennen.

Beispiel: Subjektives vs. objektives Modalverb - Gegenwart


Peter will ein Haus kaufen. objektiv Peter hat den Wunsch ein Haus zu kaufen.
subjektiv Peter behauptet, dass er ein Haus kauft.
=> (potentiell) doppeldeutig

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Das Verb lassen

Das Verb lassen


Funktion und Bedeutung
Das Verb lassen kann als Vollverb oder wie ein Modalverb mit einem zweiten Verb im Infinitiv
verwendet werden. Die Bedeutung von lassen ändert sich entsprechend. Sich lassen dient in
der 3. Person auch als Passiversatzform.

Funktion und Bedeutung


Lassen als Vollverb
Als Vollverb hat lassen verschiedene Bedeutungen: 1. (etwas) lassen = (etwas) nicht mehr
tun, 2. zurücklassen, 3. .. (Weitere Bedeutungen von lassen siehe ggf. im Wörterbuch.)

Beispiel: lassen als Vollverb - Bedeutung 1: (etwas) nicht mehr tun


Ich lasse das Rauchen. =Ich rauche nicht mehr.
Er lässt das Trinken. =Er trinkt nicht mehr.

Beispiel: lassen als Vollverb - Bedeutung 2: zurücklassen


Ich lasse meinen Regenschirm zu Hause. =Ich nehme meinen Regenschirm nicht mit.

Lassen modalverbähnlich
Auch bei modalverbähnlicher Verwendung hat lassen verschiedene Bedeutungen: 1. veran-
lassen, 2. erlauben, 3. .. (Weitere Bedeutungen von lassen siehe ggf. im Wörterbuch.)

Beispiel: lassen modalverbähnlich - Bedeutung 1: veranlassen


Ich lasse mein Fahrrad reparieren. =Ich veranlasse, dass mein Fahrrad repariert
wird.
Der Lehrer lässt die Schüler einen Test sch- =Der Lehrer veranlasst die Schüler einen
reiben. Test zu schreiben.

Beispiel: lassen modalverbähnlich - Bedeutung 2: erlauben


Die Mutter lässt die Kinder bis spät Die Mutter erlaubt, dass die Kinder bis spät
abends fernsehen. abends fernsehen.
= Die Kinder dürfen bis spät abends fernsehen
Mein Vater lässt mich nicht zu der Mein Vater erlaubt mir nicht, dass ich zu der Party
Party gehen. gehen.
=Ich darf nicht zu der Party gehen

Beachte: In der Bedeutung 1 (veranlassen) kann lassen auch reflexiv verwendet werden.

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Das Verb lassen

Beispiel: lassen modalverbähnlich - Bedeutung 1: veranlassen - reflexiv vs. nicht reflexiv


nicht reflexiv Die Eltern lassen das Kind operieren.
reflexiv Mein Großvater lässt sich operieren.

Die reflexive Verwendung muss man von der Passiversatzform unterscheiden.

Beispiel: lassen - reflexiv vs. Passiversatz


Mein Großvater lässt sich operieren. Der Tumor lässt sich operieren.
=Mein Großvater veranlasst, dass er operiert wird. =Der Tumor kann operiert werden.
=> reflexiv => Passiversatz

Zu den Passiversatzformen siehe: „Passiversatz - Alternativen zum Passiv mit Modalverb“

Das Perfekt von lassen


Lassen als Vollverb
Das Perfekt des Vollverbs lassen wird mit dem Präsens des Hilfsverbs haben und dem Partizip
II gebildet.

Perfekt lassen (I) = Präsens haben + Partizip II (lassen)

Beispiel 1: Perfekt von lassen - Vollverb


Präsens Ich lasse das Rauchen.
Perfekt Ich habe das Rauchen gelassen.

Beispiel 2: Perfekt von lassen - Vollverb


Präsens Ich lasse meinen Regenschirm zu Hause.
Perfekt Ich habe meinen Regenschirm zu Hause gelassen.

Lassen modalverbähnlich
Bei allen anderen Verwendungen benützt man den Infinitiv des Vollverbs und den Infinitiv
von lassen (“zweimal Infinitiv”).

Perfekt lassen (II) = Präsens haben + Infinitiv (Vollverb) + Infinitiv (lassen)

Beispiel 1: Perfekt von lassen - modalverbähnlich


Präsens Ich lasse mein Fahrrad reparieren.
Perfekt Ich habe mein Fahrrad reparieren lassen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 125


Das Verb lassen

Beispiel 2: Perfekt von lassen - modalverbähnlich


Präsens Die Mutter lässt die Kinder bis spät in die Nacht fernsehen.
Perfekt Die Mutter hat die Kinder bis spät in die Nacht fernsehen lassen.

IWenn lassen wie ein Modalverb verwendet wird, ist in der gesprochenen Sprache auch die
Verwendung des Partizips II von lassen verbreitet, allerdings nicht bei allen Verben.

Beispiel: Perfekt von lassen - modalverbähnlich - umgangssprachlich


Präsens Das Kind lässt die Tasse fallen.
Perfekt (I) Das Kind hat die Tasse fallen lassen. Standardsprache
Perfekt (II) Das Kind hat die Tasse fallen gelassen. Umgangssprache

Passiversatz
Das Perfekt der Passiversatzform sich lassen wird ebenfalls mit dem Infinitiv des Vollverbs und
dem Infinitiv von lassen gebildet.

Beispiel: Perfekt von sich lassen - Passiversatzform


Präsens Das Auto lässt sich reparieren.
Perfekt Das Auto hat sich reparieren lassen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 126


Das Verb brauchen

Das Verb brauchen


Das Verb brauchen kann man als Vollverb oder wie ein Modalverb mit einem zweiten Verb im
Infinitiv verwendet werden.

Funktion und Bedeutung


Brauchen als Vollverb
Als Vollverb hat brauchen die Bedeutung benötigen, haben müssen.

Beispiel: brauchen als Vollverb


Ich brauche einen neuen Computer.
= Ich benötige einen neuen Computer./Ich muss einen neuen Computer haben.

Brauchen modalverbähnlich
Nicht brauchen zu + Infinitiv
Die modalverbähnliche Verwendung von brauchen ist standardsprachlich nur mit Negation
und zu korrekt und hat die Bedeutung nicht müssen.

Beispiel: nicht brauchen zu


Der Student braucht die Prüfung nicht zu machen.
=Der Student muss die Prüfung nicht machen.

Allerdings wird brauchen in der gesprochenen Sprache auch häufig ohne zu benutzt.

Beispiel: nicht brauchen zu - Umgangssprache


Der Student braucht die Prüfung nicht zu machen. Standardsprache
Der Student braucht die Prüfung nicht machen. gesprochene Sprache

Nur brauchen zu + Infinitiv


In Kombination mit dem einschränkenden Adverb nur kann brauchen zu auch nicht negiert in
der Bedeutung von müssen verwendet werden.

Beispiel 1: nur brauchen zu


Wenn es dir warm ist, brauchst du nur das Fenster zu öffnen.
=Wenn es dir warm ist, musst du nur das Fenster öffnen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 127


Das Verb brauchen

Beispiel 2: nur brauchen zu


Du brauchst nur etwas zu sagen, dann helfe ich dir.
=Du musst nur etwas sagen, dann helfe ich dir.

Beachte: Wenn man in den Sätzen mit nur brauchen zu + Infinitiv nur weglässt, werden die
Sätze ungrammatisch.

Das Perfekt von brauchen


Brauchen als Vollverb
Das Perfekt des Vollverbs brauchen wird mit dem Präsens des Hilfsverbs haben und dem
Partizip II gebildet.

Perfekt brauchen (I) = Präsens haben + Partizip II (brauchen)

Beispiel: Perfekt von brauchen - Vollverb


Präsens Ich brauche einen neuen Computer.
Perfekt Ich habe einen neuen Computer gebraucht.

Brauchen modalverbähnlich
Das Perfekt von nicht brauchen zu wird mit dem Präsens des Hilfsverbs haben, dem Infinitiv
des Vollverbs und dem Infinitiv von brauchen gebildet (“zweimal Infinitiv”).

Perfekt nicht brauchen zu = haben + Infinitiv (Vollverb) + Infinitiv (brauchen)

Beispiel: Perfekt nicht brauchen zu - modalverbähnlich


Präsens Der Student braucht die Prüfung nicht zu machen.
Perfekt Der Student hat die Prüfung nicht zu machen brauchen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 128


Weitere Verben mit Infinitivanschluss ohne zu

Weitere Verben mit Infinitiv ohne zu


Bei einigen weiteren deutschen Verben kann man wie bei den Modalverben ein Verb im
Infinitiv ohne zu ergänzen.

Zu dieser Gruppe von Verben gehören sehen, hören, helfen, gehen, fahren, kommen, bleiben,
lernen, lehren.

Beispiele: Verben mit Infinitiv ohne zu


sehen Ich sehe den Bus kommen.
hören Ich höre meine Nachbarin Klavier spielen.
helfen Ich helfe meiner Freundin aufräumen.
gehen Ich gehe nachher einkaufen.
fahren Ich fahre mit dem Auto einkaufen.
kommen Maria kommt mich am Wochenende besuchen.
bleiben Der Student bleibt im Wohnheim wohnen.
lernen Peter lernt kochen.
lehren Der Gesangslehrer lehrt singen.

Bei einigen dieser Verben wird dieser Infinitivanschluss ohne zu auch häufig durch alterna-
tive Konstruktionen mit einem dass-Satz oder einer Präposition mit nominalisiertem Verb
ersetzt.

Beispiele: Infinitiv ohne zu vs. dass-Satz


Infinitiv ohne zu dass-Satz
Ich sehe den Bus kommen. Ich sehe, dass der Bus kommt.
Ich höre meine Nachbarn streiten. Ich höre, dass meine Nachbarn streiten.

Beispiele: Infinitiv ohne zu vs. Präposition + nominalisiertes Verb


Infinitiv ohne zu Präposition + nominalisiertes Verb
Ich helfe meiner Freundin aufräumen. Ich helfe meiner Freundin beim Aufräumen.
Ich gehe nachher einkaufen. Ich gehe nachher zum Einkaufen.
Meine Frau fährt einkaufen. Meine Frau fährt zum Einkaufen.

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Weitere Verben mit Infinitivanschluss ohne zu

Die Bildung des Perfekts bei Verben mit Infinitivan-


schluss ohne zu
Die Verben mit Infinitivanschluss ohne zu unterscheiden sich nach der Art der Perfektbil-
dung.

Das Perfekt wird entweder (wie bei den Modalverben) mit dem Infinitiv oder (wie bei den
Vollverben) mit dem Partizip II gebildet.

Bei den Verben hören und helfen sind beide Varianten der Perfektbildung möglich, sodass
sich drei Gruppen unterscheiden lassen

Gruppe 1: Perfekt mit zweimal Infinitiv


Das Verb sehen bildet das Perfekt mit dem Präsens des Hilfsverbs haben und zweimal Infinitiv.

Perfekt sehen = Präsens haben + Infinitiv (Verb 1) + Infinitiv (sehen)

Beispiel: Perfekt von sehen => 2x Infinitiv


Präsens Perfekt:
Ich sehe den Bus kommen. Ich habe den Bus kommen sehen.
Perfekt => 2x Infinitiv

In diese Gruppe gehört auch das Verb lassen. (Siehe im Kapitel: „Das Perfekt von lassen“.)

Gruppe 2: Perfekt zweimal Infinitiv o d e r Partizip II


Bei den Verben hören und helfen gilt auch die Variante mit dem Präsens des Hilfsverbs haben,
dem Infinitiv des Modalverbs und dem Partizip II des Vollverbs als korrekt.

Perfekt hören, helfen (I) = Präsens haben + Infinitiv (Verb 1) + Infinitiv (hören, helfen)

Perfekt hören, helfen (II) = Präsens haben + Infinitiv (Verb 1) + Partizip II (hören, helfen)

Beispiel: Perfekt von hören, helfen


Präsens Perfekt
Ich höre meine Nachbarin Klavier Ich habe meine Nachbarin Klavier spielen hören.
spielen. Ich habe meine Nachbarin Klavier spielen gehört.
Ich helfe meiner Freundin aufräu- Ich habe meiner Freundin aufräumen helfen.
men. Ich habe meiner Freundin aufräumen geholfen.
Perfekt => 2x Infinitiv o d e r Infinitiv + Partizip II

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 130


Weitere Verben mit Infinitivanschluss ohne zu

Gruppe 3: Perfekt mit Partizip II


Bei allen anderen Verben, die mit einem zweiten Verb ohne Infinitiv mit zu kombiniert
werden, bleibt das zweite Verb im Infinitiv und das erste Verb bildet das Partizip Perfekt. Das
Hilfsverb richtet sich nach dem ersten Verb.

Perfekt Verben ohne zu = Präsens haben/sein + Infinitiv (Verb 1) + Partizip II (Verb 2)

Beispiel: Perfekt von anderen Verben mit Infinitivanschluss ohne zu => Infinitiv +Partizip II
Präsens Perfekt
Ich gehe einkaufen. Ich bin einkaufen gegangen.
Meine Frau fährt einkaufen. Meine Frau ist einkaufen gefahren.
Maria kommt mich besuchen. Maria ist mich besuchen gekommen.
Der Student bleibt zu Hause wohnen. Der Student ist zu Hause wohnen geblieben.
Peter lernt kochen. Peter hat kochen gelernt.
Mein Nachbar lehrt singen. Mein Nachbar hat singen gelehrt.
Perfekt => 2x Infinitiv o d e r Infinitiv + Partizip II

Übersicht: Perfekt bei Infinitivanschluss ohne zu

Übersicht: Perfekt bei Infinitivanschluss ohne zu


Verb Perfekt mit Infinitiv Perfekt mit Partizip II
sehen Ich habe den Bus kommen sehen. --
lassen* Ich habe mein Fahrrad reparieren --
lassen.
hören Ich habe meine Nachbarin Kla- Ich habe meine Nachbarin Kla-
vier spielen hören. vier spielen gehört.
helfen Ich habe meiner Freundin aufräumen Ich habe meiner Freundin aufräumen
helfen. geholfen.
gehen -- Ich bin einkaufen gegangen.
fahren -- Meine Frau ist einkaufen gefahren.
kommen -- Maria ist mich besuchen gekommen.
bleiben -- Der Student ist zu Hause wohnen
geblieben.
lernen -- Peter hat kochen gelernt.
lehren -- Der Gesangslehrer hat singen ge-
lehrt.

*Zum Verb lassen siehe ausführlich im Kapitel: „Das Verb lassen“

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Reflexive Verben

Reflexive Verben
Reflexive Verben sind Verben, die ein Reflexivpronomen als Ergänzung haben (können).

Beispiel: reflexives Verb


sich beeilen Ich beeile mich. 1. Person Singular
Sie beeilt sich. 3. Person Singular (feminin)

Das Reflexivpronomen steht im Akkusativ oder Dativ und ist mit dem Personalpronomen
identisch, außer in der 3. Person Singular und Plural. In der dritten Person lautet das Reflexiv-
pronomen sich.

Reflexivpronomen vs. Personalpronomen


Akkusativ Dativ
Reflexivpronomen Personalpronomen Reflexivpronomen Personalpronomen
mich mich mir mir
dich dich dir dir
sich ihn, sie, es sich ihm, ihr, ihm
uns uns uns uns
euch euch euch euch
sich sie sich ihnen

Die folgende Übersicht zeigt die Konjugation reflexiver Verben mit dem Reflexivpronomen
im Akkusativ bzw. Dativ.

Reflexive Verben - Konjugation


sich beeilen sich widersprechen
ich beeile mich ich widerspreche mir
du beeilst dich du widersprichst dir
er beeilt sich er widerspricht sich
wir beeilen uns wir widersprechen uns
ihr beeilt euch ihr widersprecht euch
sie beeilen sich sie widersprechen sich
=> Reflexivpronomen im Akkusativ => Reflexivpronomen im Dativ

Man kann zwischen echten reflexiven Verben und reflexiv gebrauchten Verben unterschei-
den.

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Reflexive Verben

Echte reflexive Verben


Echte reflexive Verben werden immer reflexiv gebraucht. Sie können nie ohne das Reflexiv-
pronomen vorkommen.

Beispiel: echtes reflexives Verb - sich beeilen


reflexiv Ich beeile mich
nicht reflexiv -- (nicht möglich)

Reflexiv gebrauchte Verben


Reflexiv gebrauchte Verben kann man reflexiv und nicht reflexiv verwenden. Bei reflexivem
Gebrauch bezieht sich das Reflexivpronomen auf dieselbe Person oder Sache wie der Nomi-
nativ des Satzes.

Reflexiv gebrauchte Verben ohne Bedeutungsänderung


Bei manchen Verben bleibt Bedeutung des Verbs bei reflexiver bzw. nicht reflexiver Verwen-
dung gleich.

Beispiel: reflexiv gebrauchte Verben ohne Bedeutungsänderung - (sich) waschen


reflexiv Ich wasche mich. „waschen“
nicht reflexiv Ich wasche die Wäsche. „waschen“

Reflexiv gebrauchte Verben mit Bedeutungsänderung


Manche Verben ändern bei reflexivem Gebrauch die Bedeutung.

Beispiel 1: reflexiv gebrauchtes Verb mit Bedeutungsänderung - (sich) verlassen (auf )


reflexiv Ich verlasse mich auf meinen Mann. „vertrauen“
nicht reflexiv Ich verlasse meinen Mann. „weggehen“

Bei manchen Verben ist die Variante mit bzw. ohne Reflexivpronomen schwer zu unterschei-
den oder wird umgangssprachlich mit gleicher Bedeutung benützt:

Beispiel 2: reflexiv gebrauchtes Verb mit Bedeutungsänderung - (sich) fürchten (vor)


reflexiv Ich fürchte mich vor einem Gewitter. „Angst haben“
nicht reflexiv Die Meteorologen fürchten ein Unwetter. „befürchten“*
*Sie befürchten ein Unwetter. Das heißt aber nicht, dass sie persönlich Angst davor haben.

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Reflexive Verben

Beispiel 3: reflexiv gebrauchtes Verb mit Bedeutungsänderung - (sich) treffen (mit)


reflexiv Ich treffe mich nachher mit meiner Freundin.* „absichtlich treffen“
nicht reflexiv Ich habe heute in der Stadt meinen Chef getroffen. „zufällig treffen“
* Umgangssprachlich auch: Ich treffe nachher meine Freundin.

Reflexiv gebrauchte Verben mit mehreren Varianten


Einige reflexiv gebrauchte Verben haben mehrere Varianten mit bzw. ohne Bedeutungsände-
rung.

Beispiel 1: reflexiv gebrauchtes Verb mit/ohne Bedeutungsveränderung - (sich) legen


reflexiv Ich lege mich auf das Bett. „legen“
reflexiv Der Wind legt sich. „aufhören“
nicht reflexiv Ich lege das Buch auf den Schreibtisch. „legen“

Beispiel 2: reflexiv gebrauchtes Verb mit/ohne Bedeutungsveränderung - (sich) anziehen


reflexiv Ich ziehe mich an. „anziehen“
nicht reflexiv Ich ziehe das Baby an. „anziehen“
nicht reflexiv Ich ziehe eine Schraube an. „festmachen“
reziprok Plus und Minus ziehen sich an. „physikalisch“

Übersicht: Typen von reflexive Verben


Folgende Tabelle zeigt noch einmal die verschiedenen Typen von reflexiven Verben in einer
Übersicht:

Übersicht: Typen von reflexiven Verben


Verb reflexiv nicht reflexiv Bedeutung
echt reflexiv Ich beeile mich. --
reflexiv gebraucht Ich wasche mich. Ich wasche das Auto. gleich
reflexiv gebraucht Ich verlasse mich auf Ich verlasse meinen verschieden
meinen Mann. Mann.

Der Kasus des Reflexivpronomens


Das Reflexivpronomen kann im Akkusativ oder im Dativ stehen. Der Kasus des Reflexivprono-
mens ist von Verb abhängig.

Meist steht das Reflexivpronomen im Akkusativ.

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Reflexive Verben

Beispiele: Reflexivpronomen im Akkusativ


sich beeilen Ich beeile mich.
sich erholen Im Urlaub möchte ich mich erholen.
sich erkälten Hast du dich erkältet.

Bei wenigen Verben mit einer zusätzlichen Akkusativergänzung oder einem Ergänzungssatz
(Komplementsatz) steht das Reflexivpronomen im Dativ.

Beispiele: Reflexivpronomen im Dativ


sich etwas verbitten Ich verbitte mir die negativen Kommentare.
sich etwas einbilden Ich bilde mir ein, dass ich alles richtig gemacht habe

Bei wenigen Verben ist der Kasus des Reflexivpronomens nicht erkennbar, weil das Reflexiv-
pronomen nur in der 3. Person vorkommt.

Beispiele: Reflexivpronomen nur 3. Person


sich bewölken Der Himmel hat sich bewölkt.
sich belaufen auf Die Schulden belaufen sich auf 100 Milliarden Euro.

Einige reflexiv gebrauchte Verben können nur mit Akkusativ oder mit Dativ und Akkusativ
gebraucht werden.

Beispiel: waschen - nicht reflexiv => (+Dativ) + Akkusativ


(+Dativ) +Akkusativ
Ich wasche die Haare.
Ich wasche dem Baby die Haare.

Entsprechend steht bei reflexivem Gebrauch das Reflexivpronomen im Akkusativ bzw. im


Dativ.

Beispiel: waschen - reflexiv gebraucht => (+Dativ) + Akkusativ


(+Dativ) +Akkusativ
Ich wasche mich.
Ich wasche mir die Haare.

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Reflexive Verben

Weitere Beispiele: Reflexivpronomen im Dativ/Akkusativ


nur Reflexivpronomen Reflexivpronomen und Akkusativ
Ich wasche mich. Ich wasche mir die Haare.
Du rasierst dich. Du rasierst dir den Bart.
Du ziehst dich an. Du ziehst dir eine Jacke an.
Ich trockne mich ab. Ich trockne mir das Gesicht ab.
=> Reflexivpronomen = Akkusativ => Reflexivpronomen = Dativ

Reflexivpronomen nach Präposition


Bei einigen Verben kann das Reflexivpronomen nach einer Präposition stehen.

Beispiel: Reflexivpronomen nach Präposition


nachdenken über (sich) Du denke zu viel über dich nach.

Wenn das Reflexivpronomen nach einer Präposition steht, ist der Kasus des Reflexivprono-
mens von der Präposition abhängig. Präpositionen mit festen Kasus behalten ihren Kasus.
Auch bei Wechselpräpositionen ist der Kasus festgelegt und muss mit dem Verb gelernt
werden.

Beispiele: Reflexivpronomen nach Präposition - Kasus


behalten für (sich) für + Akkusativ Du solltest diese Informati-
on für dich behalten.
nachdenken über (sich) Wechselpräposition über Du denke zu viel über dich
hier: + Akkusativ nach.
zweifeln an (sich) Wechselpräposition an Ich zweifle immer an mir.
hier: + Dativ
achten auf (sich) Wechselpräposition auf Du solltest mehr auf dich
hier: + Akkusativ achten.

Die vollständige Konjugation mit dem Reflexivpronomen nach einer Präposition zeigt die
folgende Tabelle.

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Reflexive Verben

Reflexivpronomen nach Präposition


über sich nachdenken an sich zweifeln
ich denke über mich nach ich zweifle an mir
du denkst über dich nach du zweifelst an dir
er, sie, es denkt über sich nach er, sie, es zweifelt an sich
wir denken über uns nach wir zweifeln an uns
ihr denkt über euch nach ihr zweifelt an euch
sie denken über sich nach sie zweifeln an sich
=> Präposition + reflexiver Akkusativ => Präposition + reflexiver Dativ

Zustandsreflexiv
Einige obligatorisch reflexive Verben haben eine adjektivische Variante, die mit dem Verb
sein und Partizip II gebildet wird. Diese Variante wird auch als Zustandsreflexiv bezeichnet.

Beispiel: Zustandsreflexiv (sein + Partizip II)


reflexiv Ich interessiere mich für Politik.
Zustandsreflexiv Ich bin interessiert an Politik.

Reflexive Verben können keine passive Verbform bilden. Einige echte reflexive Verben haben
aber eine nicht reflexive Variante mit gleicher Bedeutung, die an die Passivkonstruktion nor-
maler Verben erinnert bei der ebenfalls Subjekt und Objekt vertauscht werden.

Beispiel: reflexives Verb und nicht reflexive Variante


reflexives Verb nicht reflexive Variante
Er interessiert sich für Politik Politik interessiert ihn.
normales Verb aktiv normales Verb passiv
Er macht Politik. Politik wird von ihm gemacht.

Weitere Beispiele: reflexives Verb, Zustandsreflexiv und nicht reflexive Variante (I)
reflexives Verb Zustandsreflexiv nicht reflexive Vari-
ante
sich interessieren für Ich interessiere mich Ich bin interessiert Politik interessiert
für Politik an Politik mich.
sich freuen über Ich freue mich über Ich bin erfreut über Sein Brief freut
seinen Brief seinen Brief. mich.
sich wundern über Er wundert sich Er ist verwundert Ihr Verhalten wun-
über ihr Verhalten über ihr Verhalten. dert ihn.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 137


Reflexive Verben

sich ärgern über Ich ärgere mich Ich bin verärgert Mein Nachbar är-
über meinen Nach- über meinen Nach- gert mich.
barn. barn

In allen Varianten hat das Verb die gleiche Bedeutung. Das System ist aber nicht immer voll-
ständig. Bei manchen Verben fehlt eine Varianten.

Weitere Beispiele: reflexives Verb, Zustandsreflexiv und nicht reflexive Variante (II)
Beispiele: reflexives Verb Zustandsreflexiv nicht reflexive Vari-
ante
sich stören an Mein Großvater -- Der Lärm der Kinder
stört sich an dem stört meinen Groß-
Lärm. vater.
sich kümmern um Er kümmert sich -- Seine Kinder küm-
nicht um seine mern ihn nicht.
Kinder.
sich erholen Ich erhole mich. Ich bin erholt. --
sich aufregen Er hat sich über sei- -- Sein Chef regt ihn
nen Chef aufgeregt. auf.

Position des Reflexivpronomens


Wenn der Nominativ in Position 1 steht, steht das Reflexivpronomen direkt hinter dem Verb.

Beispiele: Position Reflexivpronomen (I) - Nominativ in Position 1


Er beeilt sich.
Er musste sich heute Morgen sehr beeilen.
Er hat sich heute Morgen sehr beeilt.
Nominativ in Position 1 => Reflexivpronomen direkt hinter dem Verb

Wenn der Nominativ nicht in Position 1 steht, steht das Reflexivpronomen vor oder hinter
dem Nominativ.

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Reflexive Verben

Beispiele: Position Reflexivpronomen (II) - Nominativ nicht in Position 1


Reflexivpronomen vor dem Nominativ Reflexivpronomen hinter dem Nominativ
Heute Morgen musste der Lehrer sich sehr Heute Morgen musste sich der Lehrer sehr
beeilen. beeilen.
Er hat gesagt, dass der Lehrer sich heute Er hat gesagt, dass sich der Lehrer heute
Morgen beeilen musste. Morgen beeilen musste.
Weil der Lehrer sich heute Morgen beeilen Weil sich der Lehrer heute Morgen beeilen
musste, hat er seine Brille vergessen. musste, hat er seine Brille vergessen.
Nominativ nicht in Position 1 => Reflexivpronomen vor oder hinter dem Nominativ

Das Reflexivpronomen steht aber immer hinter dem pronominalen Nominativ.

Beispiele: Position Reflexivpronomen (III) - pronominaler Nominativ


Heute Morgen musste er sich sehr beeilen.
Er hat gesagt, dass er sich heute Morgen beeilen musste.
Weil er sich heute Morgen beeilen musste, hat er seine Brille vergessen.
pronominaler Nominativ=> Reflexivpronomen hinter dem pronominalen Nominativ

Das Reflexivpronomen steht unbetont nicht in Position 1 im Satz.

Reziproke Verben
Bei einigen Verben kann das Reflexivpronomen eine wechselseitige Beziehung von zwei
Personen bezeichnen.

Diese wechselseitige Beziehung nennt man reziprok. An einer reziproken Beziehung sind
immer mindestens zwei Personen beteiligt.

Deshalb stehen das Verb und das reziproke Pronomen immer im Plural.

Beispiele: reziprokes Reflexivpronomen


wechselseitige Beziehung reziprokes Reflexivpronomen
Peter liebt Anna. Anna liebt Peter. Anna und Peter lieben sich.
Peter lernt Anna kennen. Anna lernt Peter Anna und Peter lernen sich kennen.
kennen.

Einige reflexive Verben mit Präposition kann man ebenfalls reziprok gebrauchen. Die Präpo-
sition fällt dann weg.

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Reflexive Verben

Beispiele: reziprokes Reflexivpronomen (Verben mit Präposition)


wechselseitige Beziehung reziprokes Reflexivpronomen
Peter unterhält sich mit Anna. Anna unter- Peter und Anna unterhalten sich.
hält sich mit Peter
Peter streitet (sich) mit Anna. Anna streitet Peter und Anna streiten sich.
(sich) mit Peter.
Peter trennt sich von Anna. Anna trennt Peter und Anna trennen sich.
sich von Peter.
=> Verb mit Präposition => Verb ohne Präposition

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Liste: Reflexive Verben

Liste: Reflexive Verben


Echte reflexive Verben
Reflexivpronomen im Akkusativ

sich ärgern über Mein Freund ärgert sich über seinen Vermieter.
sich aufregen über Ich rege mich über meine Schwester auf.
sich auskennen Er kennt sich hier noch nicht gut aus.
(sich) ausruhen* Nach der Arbeit muss ich (mich) eine Stunde ausruhen.
sich bedanken bei + für Sie bedankt sich bei ihrem Nachbarn für die Hilfe.
sich beeilen Ich muss mich beeilen, weil mein Zug gleich kommt.
sich befassen mit Das Parlament befasst sich mit dem neuen Gesetz.
sich befinden Das Rathaus befindet sich am Marktplatz.
sich begnügen mit Der Sportler begnügt sich nicht mit dem zweiten Platz.
sich benehmen Die Schüler benehmen sich schlecht.
sich besinnen auf Die Mannschaft muss sich auf ihre Qualitäten besinnen.
sich betrinken Er betrinkt sich jedes Wochenende.
sich bewähren Das neue Automodell muss sich im Straßenverkehr bewähren.
sich bewerben bei + um Der Student bewirbt sich bei vielen Universitäten um einen
Studienplatz.
sich bücken Meine Oma kann sich nicht mehr gut bücken.
sich distanzieren von Der Minister distanziert sich von seiner Aussage.
sich eignen für Die Ausrüstung eignet sich nicht für das Hochgebirge.
sich entschließen zu Die Studentin entschließt sich dazu, das Studium abzubrechen.
sich entsinnen an Ich kann mich nicht an den Namen entsinnen.
sich erholen Im Urlaub sollten sich die Menschen erholen.
sich erkälten Im Herbst erkälten sich viele Leute.
sich erkundigen bei + Der Tourist erkundigt sich bei der Information nach dem Weg.
nach
sich freuen auf/über Die Kinder freuen sich auf die Ferien.
sich gedulden Die Autofahrer, die im Stau stehen, müssen sich gedulden.
sich getrauen Er getraut sich nicht, mit seinem Chef zu sprechen.
sich interessieren für Die Bürger interessieren sich immer weniger für Politik.
sich irren Ich habe mich im Tag geirrt.
sich konzentrieren auf Die Firma konzentriert sich auf ihre Stammkunden.

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Liste: Reflexive Verben

sich kümmern um Er kümmert sich nicht um seine Kinder.


sich nähern Das Flugzeug nähert sich der Landung in Stuttgart.
sich räuspern Der Professor räuspert sich beim Sprechen ständig.
sich schämen Das Kind schämt sich für seine schlechten Noten.
sich sehnen nach Ich sehne mich nach Ruhe.
sich sträuben gegen Die Studenten stäuben sich gegen die Erhöhung der Studien-
gebühren.
(sich) streiten mit* Meine Freundin streitet (sich) jeden Tag mit ihrem Mann.
sich verhalten Die Kinder verhalten sich schlecht.
sich verirren Vier Wanderer haben sich im Gebirge verirrt.
sich verlieben in Mein Bekannter ist in seine Chefin verliebt.
sich verspäten Die S-Bahn hat sich wieder einmal verspätet.
sich wehren Die Arbeiter wehren sich gegen die Kündigungen.
sich weigern Die Angestellten weigern sich Überstunden zu machen.
sich wundern über Ich wundere mich über gar nichts.

* In einzelnen Fällen kann man das Reflexivpronomen weglassen.

Reflexivpronomen im Dativ

sich etwas anmaßen Du maßt dir an über andere zu bestimmen.


sich etwas aneignen Ich eigne mir Deutschkenntnisse an.
sich etwas ausdenken Du denkst dir ein Spiel aus.
sich etwas einbilden Ich bilde mir nichts auf meine guten Noten ein.
sich etwas verbitten Ich verbitte mir die negativen Kommentare zu meiner Arbeit.

Reflexivpronomen nur 3. Person

sich auswirken auf Die Wirtschaftskrise wirkt sich negativ auf die Zahl der Arbeits-
plätze aus.
sich belaufen auf Die Schulden belaufen sich auf 100 Milliarden Euro.
sich bewahrheiten Die Prognose hat sich nicht bewahrheitet.
sich bewölken Der Himmel hat sich plötzlich bewölkt.
sich ereignen Auf der Autobahn hat sich ein schwerer Unfall ereignet.
sich erstrecken über Die Region erstreckt sich über 50 000 Quadratkilometer.
sich jähren Der Tag der Katastrophe jährt sich zum zehnten Mal.

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Liste: Reflexive Verben

Reflexiv gebrauchte Verben ohne Bedeutungsänderung


Reflexivpronomen im Akkusativ

reflexiv nicht reflexiv


sich abtrocknen Ich trockne mich mit abtrocknen Mein Vater trocknet
dem Handtuch ab. das Geschirr ab.
sich anziehen Du solltest dich anziehen Ich ziehe das Baby
warm anziehen heute warm an.
sich duschen* Ich dusche (mich) duschen Ich dusche meinen
zweimal täglich. Hund.
sich fragen Er fragt sich, ob er fragen Der Schüler fragt
die Prüfung schafft. den Lehrer.
sich kämmen Der Junge kämmt kämmen Die Mutter kämmt
sich nie. das Kind.
sich kratzen Die Katze kratzt sich kratzen Die Katze hat mich
am Rücken. gekratzt.
sich nennen Er nennt sich Pro- nennen Der Student nennt
fessor. seinen Namen.
sich rasieren Ich muss mich rasie- rasieren Der Friseur rasiert
ren. einen Kunden.
sich schminken Sie schminkt sich schminken Der Maskenbildner
stundenlang. schminkt die Schau-
spielerin.
sich töten Ein Mann hat sich töten Ein Mann hat seine
getötet. Frau getötet.
sich verabschieden Er verabschiedet verabschieden Er verabschiedet
von sich. seine Freunde.
sich verpflichten zu Er hat sich zur Rück- verpflichten Die EU verpflichtet
zahlung des Geldes ihre Mitgliedsstaa-
verpflichtet. ten zur Zahlung.
sich verteidigen Er kann sich vor verteidigen Die Armee vertei-
Gericht nicht selbst digt das Land.
verteidigen.
sich waschen Ich wasche mich. waschen Ich wasche die
Wäsche.

* Bei dem Verb duschen ist die nicht-reflexive Verwendung ungewöhnlich. Bei reflexiver
Verwendung kann das Reflexivpronomen im Akkusativ wegfallen:

Reflexivpronomen im Dativ

reflexiv nicht reflexiv

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 143


Liste: Reflexive Verben

sich abgewöhnen Ich möchte mir das abgewöhnen Er muss dem Hund
Rauchen abgewöh- das Bellen abge-
nen. wöhnen.
sich beibringen Ich habe mir beibringen Der Lehrer bringt
Deutsch selbst bei- den Schülern Ma-
gebracht. thematik bei.
sich gönnen Du gönnst dir keine gönnen Er gönnt ihm den
Pause. Sieg.
sich schaden Du schadest dir mit schaden Autofahren schadet
deiner Aussage. der Umwelt.
sich verschaffen Du hast dir durch verschaffen Er hat ihm einen Ar-
deine Arbeit Res- beitsplatz verschafft.
pekt verschafft.
sich verzeihen Sie verzeiht sich nie, verzeihen Sie verzeiht ihm nie.
dass sie ihre Famili-
en verlassen hat.
sich widersprechen Du widersprichst dir widersprechen Er widerspricht dem
in jedem Satz. Lehrer immer.
sich wünschen Ich wünsche mir wünschen Ich wünsche dir viel
Gesundheit. Glück.

Reflexivpronomen nach Präposition

reflexiv nicht reflexiv


über sich (Akk) Du denkst zu viel nachdenken über Ich denke über mei-
nachdenken über dich nach. ne Arbeit nach.
von sich (Dat) spre- Du sprichst immer sprechen von Er spricht nur von
chen nur von dir. seiner neuen Freun-
din.
an sich (Dat) zwei- Manchmal zweifle zweifeln an Ich zweifle an ihm.
feln ich an mir.

Reflexiv gebrauchte Verben mit Bedeutungsänderung


Reflexivpronomen im Akkusativ

reflexiv nicht reflexiv


sich abheben von Du möchtest dich abheben (=Geld) Ich habe heute 300
(=sich unterschei- wohl von der Masse Euro abgehoben.
den) abheben.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 144


Liste: Reflexive Verben

aufhalten (=da sein, Ich halte mich vier aufhalten (=stop- Ich möchte Sie nicht
bleiben) Wochen in den USA pen, behindern) lange aufhalten.
auf.
sich aussprechen Er hat sich mit seiner aussprechen (=sa- Der Schüler spricht
(=sich versöhnen) Frau ausgesprochen. gen) das Wort falsch aus.
sich bemühen um Der Student bemüht bemühen (=arbei- Er bemühte seinen
(=Arbeit investieren) sich um einen Prak- ten lassen) Onkel, um den Job
tikumsplatz. zu bekommen.
sich berufen auf Er beruft sich auf berufen (=einstel- Die Kommission
das Gesetz. len) berief drei neue
Professoren.
sich beschweren bei Er beschwert sich beschweren (=etwas Er beschwerte die
+ über bei seinem Chef Schweres auf etwas Papiere mit einem
über einen Kollegen. stellen) Stein, (damit sie
nicht davonflogen.)
sich einladen Er hat sich einfach einladen (=eine Ich habe meine
(=selbst einladen) selbst zu der Party andere Person) Freunde eingeladen.
eingeladen
sich einlassen auf Der Chef lässt sich einlassen (=herein Pünktlich um 15.00
(=akzeptieren) auf keine Diskussion lassen) Uhr wurden die Zu-
ein. schauer eingelassen.
sich einsetzen für Die Bürger setzen einsetzen (=einbau- Der Glaser hat ein
(=engagieren) sich für den Erhalt en) neues Fenster ein-
des alten Gebäudes gesetzt.
ein.
sich einstellen auf Ich muss mich einstellen (=instal- Man muss die Ma-
(=anpassen) auf das Leben in lieren) schine neu einstel-
Deutschland einstel- len.
len.
sich entschuldigen Die Studentin ent- entschuldigen Ich kann sein Verhal-
bei für (=um Verzei- schuldigt sich bei (=verzeihen) ten nicht entschul-
hung bitten) ihrem Professor für digen.
das Zuspätkommen.
sich erinnern an Ich erinnere mich an erinnern (=noch mal Ich erinnere meinen
(=nicht vergessen den letzten Urlaub. sagen) Chef an die Gehalts-
haben) erhöhung.
sich fürchten vor Ich fürchte mich vor fürchten(=etwas Die Meteorologen
(=Angst haben) einem Gewitter. Negatives kommen fürchten einen
sehen, befürchten) Orkan.
sich gewöhnen an Ich habe mich an gewöhnen an (=ver- Wir müssen die Kin-
(=vertraut werden) das deutsche Essen traut machen) der an Pünktlichkeit
gewöhnt. gewöhnen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 145


Liste: Reflexive Verben

sich herausstellen Der neue Mitarbei- herausstellen Wir haben das Sofa
als (=sich zeigen als) ter hat sich als faul (=nach draußen herausgestellt.
herausgestellt. stellen)
sich hüten vor (=“die Hüten Sie sich vor hüten (=aufpassen Die Großmutter
Finger weglassen“) Investitionen in auf ) hütet die Kinder.
Aktien.
sich machen an Wir machen uns an machen Wir machen Pause.
(=beginnen) die Arbeit.
sich stören an (=be- Der Nachbar stört stören (=belästigen) Die Kinder stören
lästigt werden) sich am Lärm der den Nachbarn.
Kinder.
sich täuschen in Ich habe mich in dir täuschen (= die Un- Die Politiker haben
(=sich irren) getäuscht. wahrheit sagen) die Menschen ge-
täuscht.
sich treffen mit Ich habe mich treffen (=zufällig) Ich habe gestern in
(=absichtlich) gestern mit meiner der Stadt meinen
Freundin getroffen. Chef getroffen.
sich umziehen (=die Nach dem Sport umziehen (=die Ich bin letzte Woche
Kleidung wechseln) muss ich mich um- Wohnung wechseln) umgezogen.
ziehen.
sich verlassen auf Sie verlässt sich auf verlassen (=wegge- Sie verlässt ihren
(=vertrauen) ihren Mann. hen) Mann.
sich verschlucken Das Kind hat sich verschlucken (=hin- Das Kind hat eine
(=falsch schlucken) beim Trinken ver- unter schlucken) Kugel verschluckt.
schluckt.
sich verstehen auf Er versteht sich auf verstehen Ich habe verstan-
(=gut können) das Verkaufen. den, was du gesagt
hast.
sich verstehen mit Maria versteht
(=gut vertragen) sich gut mit ihrer
Schwester.
sich vertiefen in Sie vertieft sich in vertiefen (=tiefer Das Flussbett muss-
(=intensiv benutzen) ihre Bücher. machen) te vertieft werden.
sich wenden an Für Beschwerden wenden (=umdre- In einer Einbahnstra-
(=sich richten an) müssen Sie sich an hen) ße darf man nicht
den Kundenservice wenden.
wenden.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 146


Liste: Reflexive Verben

Reflexivpronomen im Dativ

reflexiv nicht reflexiv


sich etwas heraus- Du nimmst dir herausnehmen Er nimmt den Com-
nehmen (=ein Recht heraus über mich zu (=nehmen aus) puter aus der Tasche
beanspruchen) bestimmen. heraus.
sich leisten (=kau- Du leistest dir viele leisten (=Einsatz Die Studenten müs-
fen) Dinge, obwohl du bringen) sen viel leisten.
kein Geld hast.
sich etwas merken Ich kann mir keine merken (=bemer- Er hat gemerkt, dass
(=im Kopf spei- Namen mehr mer- ken) sein Geld fehlt.
chern) ken.
sich etwas vorstel- Ich kann mir nicht vorstellen (=präsen- Darf ich Ihnen mei-
len vorstellen, dass tieren) ne Frau vorstellen?
das Wetter morgen
besser ist.

Reflexivpronomen nach Präposition

reflexiv nicht reflexiv


auf sich (Akk) achten Du solltest mehr achten (=respektie- Viele Menschen
(=aufpassen) auf dich achten und ren) achten die Politiker
nicht so viel trinken. nicht mehr.
an sich (Dat) arbei- Ich habe viel an mir arbeiten Er hat viel gearbei-
ten (=sich verbes- gearbeitet. tet.
sern)
an sich (Akk) brin- Er hat das Kunst- bringen Der Kellner bringt
gen (=unberechtigt werk an sich ge- den Kaffee.
nehmen) bracht.
auf sich (Akk) neh- Du hast viele Mühen nehmen Sie hat Urlaub ge-
men (=sich belasten auf dich genommen. nommen.
mit)
für sich (Akk) behal- Du musst diese behalten (=nicht Du kannst das Buch
ten (=nicht weiter- Information für dich zurückgeben) behalten.
sagen) behalten.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 147


Liste: Reflexive Verben

Reflexivpronomen nur 3. Person

reflexiv nicht reflexiv


sich abzeichnen Die Pleite der Firma abzeichnen (=kopie- Die Kunststudentin
(=vorhersehbar sein) zeichnete sich ab. ren) zeichnet das Bild ab.
sich drehen um In seinem Vortag drehen (=die Rich- Ich drehe den
(=gehen um, Thema dreht es sich um tung ändern) Schlüssel im Tür-
sein) den Klimawandel. schloss.
sich ergeben aus Aus der Analyse ergeben (geben) Seine Aussage er-
(=folgen) ergibt sich, dass die gibt keinen Sinn.
Firma pleite ist.
sich legen (=aufhö- Der Wind hat sich legen Ich lege das Buch ins
ren) gelegt. Regal.
sich verbieten (=mo- Medizinische Ver- verbieten Mein Vater verbietet
ralisch unangemes- suche an Menschen mir zu der Party zu
sen sein) verbieten sich. gehen.
sich zusammenset- Die Gruppe setzt zusammensetzen Wir müssen uns
zen aus (=bestehen sich aus acht Teil- (=treffen) demnächst zusam-
aus) nehmern zusammen mensetzen.

Reflexivpronomen nach Präposition (nur 3. Person)

reflexiv nicht reflexiv


um sich greifen Eine Grippe-Epide- greifen (nach) (=mit Das Baby greift nach
(=sich verbreiten) mie greift um sich. den Händen) dem Topf auf dem
Herd.
vor sich gehen Man weiß nicht, was gehen Sie geht nach Hause.
(=passieren) in diesem Land vor
sich geht.

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Liste: Reflexive Verben

Reziproke Verben

sich lieben Anna und Peter lieben sich.


sich küssen Sie haben sich heimlich geküsst.
sich mögen Maria und Peter mögen sich nicht.
sich hassen Die Nachbarn hassen sich.
sich kennen Wir kennen uns seit vielen Jahren.
sich kennen lernen Sie haben sich im Flugzeug kennen gelernt.
(sich) streiten Meine Geschwister streiten sich dauernd.
sich treffen Wir treffen uns am Bahnhof.
sich trennen Mein Bruder und seine Frau trennen sich.
sich unterhalten Der Professor und die Studenten unterhalten sich.

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Verben mit Präposition

Verben mit Präpositionen


Die erste Ergänzung einer „Person“ oder „Sache“ ist bei jedem Verb der Nominativ. Die zweite
Ergänzung ist bei vielen Verben der Akkusativ.

Beispiel: Verb + Akkusativ - sehen +Akkusativ


„Person“ Ich sehe einen Mann.
„Sache“ Ich sehe einen Baum.

Einige Verben haben statt eines Akkusativs eine obligatorische Präpositionalergänzung. Sie
können nicht ohne diese Präpositionalergänzung verwendet werden. Die Präposition muss
mit dem Verb zusammen gelernt werden

Beispiel: Verb + Präposition - warten + auf (+Akkusativ)


„Person“ Ich warte auf meinen Bruder.
„Sache“ Ich warte auf einen Brief.

Die Präpositionalergänzung verlangt („regiert“) einen bestimmten Kasus. Im Beispiel oben ist
das der Akkusativ. Es kann aber auch der Dativ sein. .(Siehe dazu auch unten: „Der Kasus der
Präpositionen“)

Beispiel: Verb + Präposition - warnen vor (+Dativ)


„Person“ Ich warne meinen Freund vor dem Mann.
„Sache“ Ich warne meinen Freund vor der Gefahr.

Es gibt auch Verben mit zwei Präpositionen. Bei Verben ohne Präposition benützt man hier
oft Akkusativ und Dativ.

Beispiel: Verb + Dativ + Akkusativ - zeigen


„Person“ + „Sache“ Ich zeige meinem Gast die Stadt.

Beispiel: Verb + Präposition + Präposition - sich bedanken + bei (+Dat) + für (+Akk)
„Person“ + „Sache“ Sie bedankt sich bei ihrer Freundin für das Geschenk.

Verben mit Präpositionen weisen insgesamt sehr verschiedene Ergänzungstypen auf.

Sie brauchen oft nicht nur eine oder zwei Präpositionen, sondern zusätzlich ein Reflexivpro-
nomen.

Einige kombinieren auch Kasus ohne Präposition (Akkusativ oder Dativ) und Präpositionalka-
sus.

Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Ergänzungstypen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 150


Verben mit Präposition

Übersicht: Ergänzungstypen von Verben mit Präposition


Verb + Präposition warten auf (+ Akk) Ich warte auf einen Brief.
Reflexives Verb + Präposi- sich interessieren für (+ Ich interessiere mich für
tion Akk) Sport.
Verb + Akkusativ + Präpo- warnen + Akk + vor (+ Dat) Ich warne meinen Freund vor
sition der Gefahr.
Verb + Dativ + Präposition danken + Dat + für (+Akk) Ich danke meinem Freund für
seine Hilfe.
Verb + zwei Präpositionen reden mit (+Dat) über Ich rede mit meinem Freund
(+Akk) über den Urlaub.
Reflexives Verb + zwei Prä- sich bedanken bei (+Dat) Ich bedanke mich bei meiner
positionen für (+Akk) Freundin für das Geschenk.

Daneben treten verschiedene weitere Typen mit jeweils wenigen Beispielen auf. (Reflexive
Verben mit Präposition werden im Kapitel „Reflexive Verben“ ausführlicher behandelt.)

Zu Ergänzungstypen siehe auch im Kapitel: „Ergänzungen und Kasus“

Präpositionen mit gleicher Bedeutung, die man alterna-


tiv verwenden kann
Einige Verben haben zwei Präpositionen mit gleicher Bedeutung, die man alternativ verwen-
den kann.

Beispiel: Präposition alternativ verwendbar (I)


sprechen von + Dativ* Er spricht von seinem Erlebnis.
sprechen über + Akkusativ* =Er spricht über sein Erlebnis.

*Beachte den unterschiedlichen Kasus der Präpositionen.

Beispiel: Präposition alternativ verwendbar (II)


sich bewerben um + Akkusativ Er bewirbt sich um einen Arbeitsplatz.
sich bewerben für + Akkusativ =Er bewirbt sich für einen Arbeitsplatz.

Präpositionen mit unterschiedlicher Bedeutung, die sich


ausschließen
Einige Verben haben zwei Präpositionen mit unterschiedlicher Bedeutung, die nicht zusam-
men in einem Satz vorkommen können.

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Verben mit Präposition

Beispiel: Präpositionen mit unterschiedlicher Bedeutung (I)


sich freuen über (+ (etwas Gegenwärti- Sie freut sich über den Brief von ihren
Akkusativ) ges oder Vergange- Eltern.
nes)
sich freuen auf (+ (etwas Zukünftiges) Er freut sich auf den Urlaub.
Akkusativ)

Die Bedeutungsunterschiede sind manchmal nicht leicht zu verstehen.

Beispiel: Präpositionen mit unterschiedlicher Bedeutung (II)


leiden an + Dativ (an einer schweren Er leidet an Krebs.
Krankheit)
leiden unter + Akku- (unter bestimmten Er leidet unter starken Schmerzen.
sativ Symptomen)

Manchmal ähnelt der Bedeutungsunterschied der Beziehung von Aktiv und Passiv.

Beispiel: Präpositionen mit unterschiedlicher Bedeutung (III)


riechen an + Dativ (aktiv die Nase be- Er riecht an der Blume.
nützen)
riechen nach (passiv einen Ge- Hier riecht es nach Abgasen.
ruch wahrnehmen)

Beispiel: Präpositionen mit unterschiedlicher Bedeutung (IV)


warten mit + Dativ (aktiv etwas verzö- Der Lehrer wartet mit dem Beginn des
gern) Unterrichts.
warten auf + Akku- (nichts tun) Die Schüler warten auf den Beginn des
sativ Unterrichts.

Der Kasus der Präpositionen


Die Präposition, die fest zum Verb gehört, regiert einen Kasus. Präpositionen, die einen fes-
ten Kasus haben, behalten diesen Kasus.

Beispiele: Präpositionen mit festem Kasus


für + Akkusativ danken für Ich danke dir für deinen Rat.
nach + Dativ fragen nach Er fragt nach dem Weg.

Wechselpräpositionen bekommen abhängig vom Verb eine feste Präposition. Die Präpositi-
on und der Kasus müssen mit dem Verb zusammen gelernt werden.

Die Wechselpräpositionen an, auf und in können sowohl mit dem Akkusativ als auch mit

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 152


Verben mit Präposition

dem Dativ vorkommen.

Beispiele: Wechselpräpositionen mit festem Kasus (in Verbindung mit Verb) (I)
an + Akkusativ denken an Ich denke oft an dich.
an + Dativ arbeiten an Paul arbeitet an seiner Masterarbeit.
auf + Akkusativ warten auf Er wartet auf den Zug.
auf + Dativ bestehen auf Der Chef besteht auf seiner Meinung.
in + Akkusativ verlieben in Er hat sich in seine Chefin verliebt.
in + Dativ bestehen in Seine Aufgabe besteht in der Auswahl der
Bewerber.
an, auf, in => Akkusativ oder Dativ

Die Wechselpräpositionen unter, vor und zwischen werden immer mit dem Dativ verwendet,
wenn sie von einem Verb regiert werden.

Beispiele: Wechselpräpositionen mit festem Kasus (in Verbindung mit Verb) (II)
unter + Dativ leiden unter Die Schüler leiden unter dem Leistungsdruck.
vor + Dativ: fliehen vor Die Menschen fliehen vor der Hungersnot.
zwischen + Dativ unterscheiden Man kann beim Aussehen nicht zwischen Deut-
zwischen schen und Schweizern unterscheiden.
unter, vor, zwischen => Dativ

Die Wechselpräposition über wird immer mit dem Akkusativ verwendet, wenn sie von einem
Verb regiert wird.

Beispiele: Wechselpräpositionen mit festem Kasus (in Verbindung mit Verb) (III)
über + Akkusativ lachen über Sie hat über seinen Witz gelacht.
über => Akkusativ

Mit den Wechselpräpositionen hinter und neben verbinden sich keine Verben.

Wie die Wechselpräpositionen bekommt auch als in Verbindung mit bestimmten Verben
einen festen Kasus.

Beispiele: als mit festem Kasus (in Verbindung mit Verb)


als + Nominativ arbeiten als Er arbeitet als Lehrer.
als + Akkusativ (an)sehen als Der Chef sieht in als einen fleißigen Mitar-
beiter (an).

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Verben mit Präposition

Fragen bei Verben mit Präposition


Bei Fragen nach der Präpositionalergänzung unterscheidet man wie bei den Verben ohne
Präposition ebenfalls „Personen“ und „Sachen“:

Beispiel: Verb ohne Präposition


Ich sehe den Mann. Person Wen siehst du?
Ich sehe einen Baum. Sache Was siehst du?

Beispiel: Verb mit Präposition


Ich warte auf den Mann. Person Auf wen wartest du?
Ich warte auf den Bus. Sache Auf was* wartest du? / Worauf wartest du?

*Die Fragen mit Präposition + was (Beispiel: auf was?) gelten als umgangssprachlich.

Die Frage mit wo- wird gebildet durch wo-(r)-Präposition. Ein –r- zwischen wo- und der Prä-
position braucht man, wenn die Präposition mit einem Vokal beginnt:

wo(r)- + Präposition
Verb + Präposition wor- Verb + Präposition wo-
warten auf worauf? warnen vor wovor?
sich kümmern um worum? sich interessieren für wofür?
freuen über worüber? erzählen von wovon?
leiden unter worunter? einladen zu wozu?
sich erinnern an woran? fragen nach wonach?
bestehen in worin? helfen gegen wogegen?
=> wor- + Vokal => wo- + Konsonant

Verb mit Präposition und Pronominaladverb


Bei der Pronominalisierung fester präpositionaler Ergänzungen muss man ebenfalls zwi-
schen Personen und Sachen unterscheiden.

Personen werden mit Präposition plus Personalpronomen pronominalisiert.

Beispiel: Pronominalisierung - Person


Wartest du auf den Mann? Ja, ich warte auf ihn.
Person => Präposition + Personalpronomen

Sachen werden mit Pronominaladverbien pronominalisiert. Pronominaladverbien bildet


man mit da- + (-r-) + Präposition.

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Verben mit Präposition

Beispiel: Pronominalisierung - Sache


Wartest du auf die Pause? Ja, ich warte darauf./Ja, darauf warte ich.
Sache => Pronominaladverb

Wenn die Ergänzung keine Person oder Sache bezeichnet, sondern eine Aktion, benutzt man
das Pronominaladverb mit einem Nebensatz als Ergänzung.

Beispiele: Pronominaladverb + Nebensatz als Ergänzung


dass- Satz Ich warte darauf, dass das Geld von meinem Vater kommt.
Indirekte Frage Ich interessiere mich dafür, wie viel der Kurs kostet.
Infinitivsatz Er hofft darauf, die Prüfung zu bestehen.

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Liste: Verben mit Präposition

Liste: Verben mit Präposition


abhängen von Die Finanzierung des Studiums hängt bei vielen
Studenten von den Eltern ab.
abheben sich von Er möchte sich von der Masse abheben.
abmelden von Der Teilnehmer hat sich von dem Kurs abgemeldet.
achten auf +Akk Dicke müssen mehr auf ihre Ernährung achten.
anfangen mit Das Semester hat mit einer Ansprache des Direktors
angefangen.
antworten auf +Akk Der Schüler antwortet dem Lehrer auf seine Frage.
arbeiten an +Dat Sie arbeitet seit zwei Jahren an ihrer Doktorarbeit.
ärgern sich über +Akk Mein Freund ärgert sich über seinen Vermieter.
aufhalten sich mit Der Chef hält sich nicht mit langen Reden auf.
aufhören mit Meine Frau möchte mit dem Rauchen aufhören.
aufpassen auf +Akk Die Großmutter passt auf die Kinder auf.
aufregen sich über +Akk Ich rege mich über meine Schwester auf.
aufwachen an +Dat Wir sind an einem lauten Geräusch aufgewacht.
ausgeben für Er gibt sein ganzes Geld für seine Hobbys aus.
ausschließen von Der Student wurde von der Prüfung ausgeschlossen.
aussehen nach Das Wetter sieht nach Regen aus.
auswirken sich auf +Akk Die Wirtschaftskrise wirkt sich negativ auf die Ar-
beitsplätze aus.
bedanken sich bei + für Sie bedankt sich bei ihrem Nachbarn für die Hilfe.
befassen sich mit Das Parlament befasst sich mit dem neuen Gesetz.
begnügen sich mit Der Sportler begnügt sich nicht mit dem zweiten
Platz.
belaufen sich auf +Akk Die Schulden belaufen sich auf 100 Milliarden Euro.
bemühen sich um Der Student bemüht sich um einen Praktikumsplatz.
berichten von Der Mitarbeiter berichtet dem Chef von den Proble-
men.
berufen sich auf +Akk Er beruft sich auf das Gesetz.
beschweren sich bei + über Er beschwert sich bei seinem Chef über einen Kolle-
+Akk gen.
besinnen sich auf +Akk Die Mannschaft muss sich auf ihre Qualitäten besin-
nen.
bestehen auf +Dat Die Firma besteht auf der Kündigung des Mitarbei-
ters.

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Liste: Verben mit Präposition

bestrafen für Der Vater bestraft das Kind für sein schlechtes Ver-
halten.
betrügen um Der Ex-Mitarbeiter hat die Firma um viel Geld betro-
gen.
bewegen zu Sie konnte ihn nicht zum Heiraten bewegen.
bewerben sich bei + um/ Peter bewirbt sich bei Siemens um (für) ein Prakti-
für kum.
bezahlen mit Sie können den Einkauf nicht mit der Kreditkarte
bezahlen.
bitten um Darf ich dich um einen Gefallen bitten?
bringen um Ein Betrüger hat eine alte Frau um ihre Ersparnisse
gebracht.
danken für Ich danke dir für das Geschenk.
denken an +Akk Er denkt nur an den Urlaub.
denken von Ich denke nichts Schlechtes von ihr.
distanzieren sich von Der Minister distanziert sich von seiner Aussage.
drängen zu Sie drängte ihn zum Heiraten.
drehen sich um In seinem Vortag dreht es sich um den Klimawandel.
eignen sich für Die Ausrüstung eignet sich nicht für das Hochgebir-
ge.
einladen zu Thomas hat uns zu seinem Geburtstag eingeladen.
einlassen sich auf +Akk Der Chef lässt sich auf keine Diskussion ein.
einsetzen sich für Die Bürger setzen sich für den Erhalt des alten Ge-
bäudes ein.
einstellen sich auf +Akk Ich muss mich auf das Leben in Deutschland einstel-
len.
entschließen sich zu Sie haben sich zum Kauf des Hauses entschlossen.
entschuldigen sich bei +für Die Schülerin entschuldigt sich beim Lehrer für das
Zuspätkommen.
ergeben sich aus Aus der Analyse ergibt sich, dass die Firma pleite ist.
erinnern sich an +Akk Er erinnert sich nicht an seinen ersten Schultag.
erkennen an +Dat Ich habe dich an deiner Stimme erkannt.
erkundigen sich bei +nach Der Tourist erkundigt sich bei der Information nach
dem Weg.
erstrecken sich über +Akk Die Region erstreckt sich über 50 000 Quadratkilo-
meter.
erzählen von Der Großvater erzählt den Kindern vom Krieg.

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Liste: Verben mit Präposition

erziehen zu Die Eltern sollten die Kinder zu Toleranz erziehen.


fliehen vor Die Menschen mussten vor dem Vulkanausbruch
fliehen.
fragen nach Die Touristen fragen einen Passanten nach dem
Weg.
freuen sich auf +Akk Die Kinder freuen sich auf die Ferien.
freuen sich über +Akk Die Kinder freuen sich über die Geschenke.
führen zu Der Trainer führte die Mannschaft zur Weltmeister-
schaft.
fürchten sich vor Ich fürchte mich vor einem Gewitter.
gelten für Das Gesetz gilt für alle.
gewöhnen sich an +Akk Ich habe mich an das deutsche Essen gewöhnt.
glauben an +Akk Die Mannschaft glaubte nicht an den Sieg.
gratulieren zu Wir gratulieren dir zum Geburtstag.
halten für Ich halte ihn für einen fleißigen Mann.
halten zu Er hat in jeder Situation zu seiner Frau gehalten.
hängen an +Dat Die Kinder hängen sehr am Großvater.
helfen bei Meine Tante hilft meiner Schwester bei den Haus-
aufgaben.
helfen gegen Das Medikament hilft gegen Schmerzen.
hindern an +Dat Der Autofahrer hinderte den LKW am Überholen.
hoffen auf +Akk Die Menschen hoffen auf eine Besserung ihrer Situ-
ation.
hüten sich vor Hüten Sie sich vor Investitionen in Aktien.
informieren über +Akk Die Presse informierte die Öffentlichkeit über den
Skandal.
interessieren sich für Die Bürger interessieren sich immer weniger für
Politik.
konzentrieren sich auf +Akk Die Firma konzentriert sich auf ihre Stammkunden.
kümmern sich um Er kümmert sich nicht um seine Kinder.
lachen über +Akk Die Leute lachen über den Witz.
machen zu Das Ölgeschäft hat ihn zu einem reichen Mann
gemacht.
machen sich an +Akk Wir machen uns an die Arbeit.
nennen nach Die Eltern nennen das Kind nach dem Großvater.
passen zu Der schwarze Pullover passt nicht zu der blauen
Hose.

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Liste: Verben mit Präposition

raten zu Der Vater rät seinem Sohn zu einer Ausbildung.


rechnen mit Die Fahrgäste müssen mit Verspätungen rechnen.
rechnen zu Man rechnet ihn zu den besten Spielern der Welt.
reden mit +über Wir reden mit unserem Lehrer über den Ausflug.
+Akk
reden von Er redet nur noch von dieser Frau.
retten vor Der Bademeister hat das Kind vor dem Ertrinken
gerettet.
riechen nach Die Luft riecht nach Abgasen.
schicken an +Akk Ich schicke einen Brief an meine Eltern.
schließen von +auf Vom Aussehen kann man nicht auf die Intelligenz
+Akk schließen.
schmecken nach Das Essen schmeckt nach nichts.
schreiben an +Akk Ich schreibe einen Brief an meine Eltern.
sehnen sich nach Ich sehne mich nach Ruhe.
sein aus Der Tisch ist aus Holz.
stören sich an +Dat Der Nachbar stört sich am Lärm der Kinder.
stören bei Mein kleiner Bruder stört mich immer beim Lernen.
sträuben sich gegen Die Studenten sträuben sich gegen die Studienge-
bühren.
streiten sich mit* +über Meine Freundin streitet jeden Tag mit ihrem Mann
+Akk über Geld.
suchen nach Sie sucht nach einem Mann.
täuschen sich in +Dat Ich habe mich in dir getäuscht.
teilnehmen an +Dat Dieses Jahr werden mehr Leute am Berlin-Marathon
teilnehmen.
treffen sich mit Ich habe mich gestern mit meiner Freundin getrof-
fen.
überreden zu Meine Freundin hat mich zu einem Kinobesuch
überredet.
überzeugen von Der Angeklagte konnte das Gericht von seiner Un-
schuld überzeugen.
verabschieden sich von Peter hat sich von seinen Freunden verabschiedet.
verkaufen an +Akk Der Konzern hat die Firma an einen Investor ver-
kauft.
verlangen von Die Universität verlangt von den Studenten
Deutschkenntnisse.

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Liste: Verben mit Präposition

verlassen sich auf +Akk Sie verlässt sich auf ihren Mann.
verlieben sich in +Akk Mein Bekannter ist in seine Chefin verliebt.
vermieten an Der Hausbesitzer vermietet seine Wohnungen nicht
an Studenten.
verpflichten sich zu Er hat sich zur Rückzahlung des Geldes verpflichtet.
versichern gegen Man muss das Haus gegen Feuer versichern.
verstehen sich mit Maria versteht sich gut mit ihrer Schwester.
verstehen sich auf +Akk Er versteht sich auf das Verkaufen.
verteilen unter +Dat Der Verwalter verteilte das Erbe unter den Verwand-
ten.
vertiefen sich in +Akk Sie vertieft sich in ihre Bücher.
verwechseln mit Ich habe den Mann mit meinem Nachbarn verwech-
selt.
vorbereiten auf +Akk Der Lehrer bereitet die Schüler auf die Prüfung vor.
warten auf +Akk Die Studenten warten auf die S-Bahn.
wenden sich an +Akk Für Beschwerden müssen Sie sich an den Kunden-
service wenden.
werden aus Aus ihm wird nie ein guter Lehrer.
wundern sich über +Akk Ich wundere mich über gar nichts.
zahlen an +Akk Der Täter muss seine Strafe an einen gemeinnützi-
gen Verein zahlen.
zählen auf +Akk Der Trainer kann auf alle Spieler zählen.
zählen zu Sie zählt zu den besten Studenten ihres Jahrgangs.
zusammen- sich aus Die Gruppe setzt sich aus acht Teilnehmern zusam-
setzen men.
zusehen bei Die Kinder sehen den Bauarbeitern bei der Arbeit zu.
zweifeln an +Dat Sie hat nie an ihrem Erfolg gezweifelt.

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Verben, die nur in der 3. Person vorkommen

Verben, die nur in der 3. Person vorkom-


men
Die meisten Verben können in allen drei Personen im Singular und im Plural vorkommen.

Bei einigen Verben kann man die zweite und dritte Person zwar theoretisch bilden, auf Grund
der Bedeutung des Verbs ergibt aber nur die 3. Person einen Sinn.

Beispiel: Verb (nur 3. Person) vs. Verb (alle Personen)

Singular kommen dauern


1. Person ich komme --
2. Person du kommst --
3. Person er, sie, es kommt dauert
Plural
1. Person wir kommen --
2. Person ihr kommt --
3. Person sie kommen dauern
=> alle Personen => nur 3. Person

Weitere Verben, die nur in der dritten Person einen Sinn ergeben, sind z. B.: passieren, ge-
schehen, sich ereignen, stimmen, usw. ..

Im Gegensatz zu den Verben mit obligatorischem es (siehe im folgenden Kapitel) kommen


diese Verben aber in allen drei Genera (maskulin, feminin, neutral) und im Plural vor.

Beispiel: Verb (nur 3. Person)


maskulin Wie lange dauert der Kurs? Er dauert vier Wochen.
feminin Wie lange dauert die Prüfung? Sie dauert fünf Stunden.
neutral Wie lange dauert das Semester? Es dauert sechs Monate.
PluraL Wie lange dauern die Ferien? Sie dauern zwei Wochen.

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Verben mit obligatorischem es

Verben mit obligatorischem es


Einige Verben und Ausdrücke erfordern ein obligatorisches es. Dazu gehören z. B. die „Wetter-
verben“. Bei diesen Verben steht es immer im Nominativ.

Beispiele: obligatorisches es (I) - Verben mit es „Wetterverben“


regnen Heute regnet es.
schneien Gestern hat es geschneit.
winden An der Küste windet es stark.
blitzen, donnern Bei einem Gewitter blitzt und donnert es.
ziehen Durch das Fenster zieht es.
hageln Wenn es hagelt, ist die Ernte in Gefahr.
nieseln Es regnet nicht richtig, es nieselt nur leicht.
stürmen An der Küste stürmt es oft.

Einige weitere Verben, meist mit Präposition, benötigen ebenfalls es. Dabei steht es entweder
im Nominativ oder im Akkusativ.

Beispiele: obligatorisches es (II) - Verben mit es (es im Nominativ)


jucken Es juckt mich in der Nase.
ankommen auf Es kommt darauf an, wie viel Geld ich habe.
fehlen an Es fehlt ihm an Deutschkenntnissen.
gehen um In dem Text geht es um das Thema „alternative Energien“.
mangeln an Nach der Katastrophe mangelt es an Medikamenten für die Bevöl-
kerung.
eilen mit Es eilt nicht mit der Bestellung.
klappen mit Ich hoffe, dass es mit meiner Prüfung klappt.
sich handeln um Bei diesem Tier handelt es sich um ein Insekt.

Beispiele: obligatorisches es (III) - Verben mit es (es im Akkusativ)


es anlegen auf Der Schüler legt es darauf an, dass er vom Lehrer bestraft wird.
es versuchen mit Klavierspielen macht mir keinen Spaß, jetzt versuche ich es mit
Gitarrespielen.

Ebenso einige Ausdrücke mit Adjektiv und Verb:

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Verben mit obligatorischem es

Beispiele: obligatorisches es (IV) - Ausdrücke mit Adjektiv und Verb


es sich leicht (schwer) Thomas macht es sich leicht, wenn er sagt, dass ihn das nicht
machen interessiert.
es gut (schlecht) meinen Der Chef meint es gut mit den Mitarbeitern.
es geht gut (schlecht) Mir geht es schlecht.
es weit bringen Thomas hat es weit gebracht, er ist der Chef von 500 Mitarbei-
tern.

Feste verbale Ausdrücke:

Beispiele: obligatorisches es (V) - feste verbale Ausdrücke


es gibt In Deutschland gibt es viel Industrie. =„vorhanden sein“
es abgesehen ha- Die Einbrecher hatten es auf die Diaman- =„haben wollen“
ben auf ten abgesehen.
es heißt Es heißt, dass die Firma vor der Pleite steht. =„man sagt“
es gilt Jetzt gilt es alle Kräfte zu mobilisieren. =„man muss“

Die Verben werden, bleiben und sein werden in Verbindung mit „Wetteradjektiven“ mit es
benutzt. Das Verb werden auch bei Zeitveränderung.

Beispiele: obligatorisches es (VI) - werden, bleiben, sein mit Wetteradjektiven


werden Es wird warm. (kalt, neblig, heiß, ...) Wetter
bleiben In den nächsten Tagen bleibt es kalt. Wetter
(warm, windig, ...)
sein* Hier ist es sehr heiß. (kalt, sonnig, schattig, Wetter
stürmisch, ...)
werden Es wird Frühling. (Tag, Nacht, Weihnachten, Zeitveränderung
...)

*Beachte:

„Wetter“ „Körpergefühl“
Es ist hier kalt. Es ist mir kalt.
Hier ist es kalt. Mir ist (es) kalt.
(immer mit es) (ohne es möglich, wenn es nicht in Position 1 steht)

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Feste Nomen-Verb-Verbindungen

Feste Nomen-Verb-Verbindungen (Funkti-


onsverbgefüge)
Einige Verben gehen mit bestimmten Nomen eine feste Verbindung ein.

Das Verb verliert in diesen Verbindungen seine eigentliche Bedeutung.

Die Bedeutung der Nomen-Verb-Verbindung wird durch das Nomen bestimmt.

Beispiel: Bedeutung Funktionsverbgefüge - Kritik üben


Nomen Kritik „kritisieren“
Verb üben „trainieren“
Funktionsverbgefüge Kritik üben „kritisieren“
Gesamtbedeutung => kritisieren

Das Verb wird nur zur Bildung der grammatischen Formen benützt.

Die Konjugation - Funktionsverbgefüge (Präsens)


ich übe Kritik
du übst Kritik
er, sie, es übt Kritik
wir üben Kritik
ihr übt Kritik
sie üben Kritik

Zu den Nomen-Verb-Verbindungen gehören oft Artikel oder Präpositionen. Man findet


folgende Strukturen:

Struktur von Funktionsverbgefügen


Präposition Artikel Nomen Funktionsverb Präposition Bedeutung
Sport treiben Sport machen
Kritik üben an kritisieren
in Zweifel ziehen (be)zweifeln
zur Verfügung stehen haben, es gibt
den Tod finden sterben
die/eine Wahl treffen wählen
in der Kreide stehen (metaph.) schulden

Das Nomen der festen Verbindung entspricht einer Akkusativ- bzw. Präpositionalergänzung

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Feste Nomen-Verb-Verbindungen

(mit bzw. ohne Artikel) des Verbs.

Beispiele: Nomen der festen Verbindung = Akkusativ- oder Präpositionalergänzung


Nomen = Akkusativ- den Tod finden, einen Mord begehen, sich eine Krankheit zuzie-
ergänzung hen
Nomen = Präpositi- zur Verfügung stehen, zur Anklage bringen, zur Wahl stehen
onalergänzung

Die Verwendung des Artikels ist bei vielen Funktionsverbgefügen festgelegt. Es gibt keine
Regel für den Gebrauch des Artikels.

Beispiele: Artikelgebrauch bei Funktionsverbgefügen


ohne Artikel Kritik üben
mit bestimmtem Artikel die Frechheit besitzen, den Tod finden
Kontraktion Artikel + Präposition zum Abschluss bringen, zur Verfügung stehen

Häufig kommen aber auch Funktionsverbgefüge vor, bei denen der bestimmte, der unbe-
stimmte oder kein Artikel stehen kann.

Beispiele: Funktionsverbgefüge mit/ohne Artikel


bestimmter Artikel unbestimmter Artikel kein Artikel
die Wahl treffen eine Wahl treffen (-)
die Antwort geben eine Antwort geben Antwort geben
unter dem Verdacht stehen (-) unter Verdacht stehen
die Hoffnung haben (-) Hoffnung haben

Bei vielen Nomen-Verb-Verbindungen kann auch der Numerus des Nomens (Singular bzw.
Plural) nicht verändert werden.

Beispiele: Funktionsverbgefüge Nomen immer im Singular


Singular Plural
Sport treiben (-)
Kritik üben an (-)
in Zweifel ziehen (-)
zur Verfügung stehen (-)

Allerdings ist es bei anderen möglich Singular oder Plural zu verwenden.

Beispiele: Funktionsverbgefüge Nomen im Singular oder Plural


Singular Plural
eine Antwort geben Antworten geben

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Feste Nomen-Verb-Verbindungen

einen Antrag stellen Anträge stellen


eine Entscheidung treffen Entscheidungen treffen

Die Bedeutung der Nomen-Verb-Verbindungen


Häufig aber nicht immer gibt es ein einfaches Verb bzw. ein Adjektiv plus sein oder werden
mit der gleichen Bedeutung wie die Nomen-Verb-Verbindung.

Beispiele: Bedeutung Nomen-Verb-Verbindung (I)


Nomen-Verb-Verbindung Bedeutung/einfaches Verb
Kritik üben an kritisieren
die/eine Frage stellen fragen
eine Entscheidung treffen entscheiden

Allerdings kann das einfache Verb ein zusätzliches oder ein anderes Präfix erhalten oder es
kann reflexiv sein.

Beispiele: Bedeutung Nomen-Verb-Verbindung (II)


Nomen-Verb-Verbindung Bedeutung/Verb
Einfluss nehmen auf beeinflussen
in Zweifel ziehen bezweifeln
Abschied nehmen sich verabschieden

Nicht immer kann man das Verb direkt aus dem Nomen ableiten.

Beispiele: Bedeutung Nomen-Verb-Verbindung (III)


Nomen-Verb-Verbindung Bedeutung/Verb
Platz nehmen sich setzen (nicht: „platzieren“ oder „platzen“!)
in Kauf nehmen akzeptieren (nicht: „kaufen“!)

Ab und zu gibt es auch gar kein einfaches Verb mit der gleichen Bedeutung.

Beispiele: Bedeutung Nomen-Verb-Verbindung (IV)


Nomen-Verb-Verbindung Bedeutung/Verb
Sport treiben --

Manchmal gibt es ein Verb, das aus dem Nomen abgeleitet werden kann, aber das Verb hat
eine andere Bedeutung.

Beispiele: Bedeutung Nomen-Verb-Verbindung (V)

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 166


Feste Nomen-Verb-Verbindungen

Nomen-Verb-Ver- Bedeutung direkt abgeleitetes (andere!) Bedeu-


bindung Verb tung
(etwas) in Betracht (etwas) erwägen, betrachten „etwas anschauen“
ziehen überlegen

Manche Nomen-Verb-Verbindungen können auch metaphorisch sein. Diese bezeichnet


man als Redewendungen oder idiomatische Ausdrücke.

Beispiele: Bedeutung Nomen-Verb-Verbindung (VI)


Nomen-Verb-Verbindung Verb/Bedeutung
(etwas) auf den Tisch bringen über etwas (Unangenehmes) sprechen
(etwas) durch die Blume sagen etwas diplomatisch ausdrücken

Manche Nomen-Verb-Verbindungen kann man wörtlich (keine feste Verbindung Verb +


AKK) und metaphorisch verstehen.

Beispiele: Bedeutung Nomen-Verb-Verbindung (VII)


eine Rolle spielen im Theater eine Person spielen wörtliche Bedeutung
wichtig sein metaphorische Bedeutung

Bestimmte Nomen-Verb-Verbindungen weichen orthografisch ab und enthalten veraltete


Grammatik.

Beispiele: Bedeutung Nomen-Verb-Verbindung (VIII)


Nomen-Verb-Verbindung Verb
zustande kommen --
zustande (zuwege) bringen schaffen
zugute kommen profitieren
abhanden kommen wegkommen, verlieren

Die „Restbedeutung“ der Funktionsverben


Die Bedeutung der festen Nomen-Verb-Verbindungen findet man in den Nomen. Allerdings
kann man in den Funktionsverben eine Restbedeutung des Verbs erkennen.

Grundsätzlich kann man zwischen aktiver und passiver Restbedeutung der Funktionsverben
unterscheiden.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 167


Feste Nomen-Verb-Verbindungen

Beispiel: Bedeutung des Funktionsverbs - aktiv


Funktionsverbgefüge Beispiel Bedeutung => Aktiv
eine Antwort geben Der Schüler gab keine Der Schüler antwortete
Antwort. nicht.
Hilfe leisten Sie leistete ihrer Nachbarin Sie half ihrer Nachbarin.
Hilfe.
einen Antrag stellen auf Er stellt einen Antrag auf Er beantragt die Zulassung
Zulassung zum Studium. zum Studium.

Beispiel: Bedeutung des Funktionsverbs - passiv


Funktionsverbgefüge Beispiel Bedeutung* => Passiv
zur Sprache kommen Das Problem kam zur Spra- Über das Problem wurde
che.* gesprochen.
Zustimmung finden Der Vorschlag der Bun- Dem Vorschlag der Bun-
deskanzlerin fand keine deskanzlerin wurde nicht
Zustimmung.* zugestimmt.
unter Anklage stehen Der Täter stand wegen Der Täter wurde wegen ver-
versuchten Mordes unter suchten Mordes angeklagt.
Anklage.*

*Beachte: Die Form des Verbs ist Aktiv (!), die Bedeutung ist Passiv.

Funktionsverben mit aktiver Bedeutung können zusätzlich weitere Bedeutungen ausdrü-


cken, z. B. den Beginn einer Handlung oder die Dauer einer Handlung.

Beispiel: Bedeutung des Funktionsverbs - aktiv (Beginn einer Handlung)


Funktionsverbgefüge Beispiel Bedeutung/aktiv (“Beginn“)
in Bewegung geraten Das Auto geriet von alleine Das Auto begann sich von
in Bewegung. alleine zu bewegen.
in Abhängigkeit geraten Das Land geriet in Abhän- Das Land begann von sei-
gigkeit von seinem Nach- nem Nachbarland abhängig
barland. zu sein.
zu einer Meinung gelangen Er gelangte zu einer ande- Er begann eine andere Mei-
ren Meinung. nung zu bekommen.

Beispiel: Bedeutung des Funktionsverbs - aktiv (Dauer einer Handlung)


Funktionsverbgefüge Beispiel Bedeutung/aktiv (“Dauer“)
im Streit liegen Sie liegen im Streit mit Sie streiten ständig mit
ihren Nachbarn. ihren Nachbarn.
in Betrieb sein Die Maschine ist in Betrieb. Die Maschine läuft im Mo-
ment.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 168


Liste: Funktionsverbgefüge

Liste: Funktionsverbgefüge
sich in Abhängigkeit befinden von abhängig sein
in eine/die/ Abhängigkeit geraten von abhängig werden
Pl.
in Abhängigkeit bringen abhängig machen
ein/das/Pl. Abkommen treffen mit/ vereinbaren
über
auf Ablehnung stoßen abgelehnt werden
Abschied nehmen von sich verabschieden
Abstand nehmen von sich distanzieren
zur Abstimmung stellen wählen lassen
in Angriff nehmen beginnen
in Angst versetzen Angst machen
Angst haben vor sich fürchten vor
Angst bekommen vor beginnen Angst zu
haben
Anklage erheben gegen anklagen
einen/den/ Anschlag verüben ein Attentat ma-
Pl. chen
zu Ansehen gelangen Ehre bekommen
zur Ansicht gelangen eine Meinung
bekommen
einen/den/ Anspruch erheben auf beanspruchen
Pl.
in Anspruch nehmen benutzen
einen/den/ Antrag (auf ) stellen beantragen
Pl.
eine/die/- Antwort geben auf antworten
Ärger einbringen Ärger bringen
zur Aufführung bringen aufführen
zur Aufführung kommen aufgeführt werden
un- Aufsicht stellen beginnen zu be-
ter aufsichtigen
un- Aufsicht stehen beaufsichtigt
ter werden
in Auftrag gehen produziert werden

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 169


Liste: Funktionsverbgefüge

eine/die/ Auskunft erteilen Auskunft geben


Pl.
Beachtung finden beachtet werden
un- Beobachtung stellen beginnen zu kont-
ter rollieren
un- Beobachtung stehen beobachtet wer-
ter den
einen/den/ Beruf ausüben Beruf machen
Pl.
Beschwerde einlegen bei/ sich beschweren
gegen
einen/Pl. Besuch abstatten besuchen
in Betracht ziehen überlegen
in Betrieb nehmen starten
in Bewegung setzen bewegen
in Bewegung kommen bewegt werden
Beweis führen beweisen
Bezug nehmen auf sich beziehen auf
Dank abstatten danken
zur Diskussion stellen diskutieren lassen
zur Diskussion stehen diskutiert werden
Druck ausüben auf Druck machen
un- Druck setzen Druck machen
ter
Einfluss nehmen auf beeinflussen
Einsicht bekommen in (Dokumente) se-
hen dürfen
Einsicht geben in (Dokumente) se-
hen lassen
eine/die Einwilligung geben] erlauben
zur Entscheidung bringen entscheiden lassen
zur Entscheidung kommen entschieden wer-
den
eine/die/ Entscheidung treffen über entscheiden
Pl.
eine/die Entwicklung nehmen sich entwickeln

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 170


Liste: Funktionsverbgefüge

eine/die/ Entwicklung auslösen Entwicklung star-


Pl. ten
einen/Pl. Erfolg verzeich- bei erfolgreich sein
nen
in Erfüllung gehen sich erfüllen
eine/die Erlaubnis geben erlauben
in Erwägung ziehen überlegen
eine/die/ Frage anschnei- ein Thema anspre-
Pl. den chen
eine/die/ Frage stellen an fragen
Pl.
in Frage kommen möglich sein
Frieden stiften Frieden machen
eine/die/ Frist einräumen Frist geben
Pl.
in Gang kommen beginnen
in Gang bringen Funktion starten
auf einen/den/ Gedanken bringen eine Idee geben
Pl.
Gefallen finden bewundert werden
zu Gehör bringen hören lassen
zu Gehör kommen gehört werden
ein/das/Pl. Geschäft abschlie- Geschäft machen
ßen
ein/das/Pl. Gespräch führen sprechen
Handel (be)treiben mit handeln
Hilfe leisten bei helfen
sich die/Pl. Hoffnung machen auf hoffen
ein/das Interesse bekunden an Interesse zeigen
in Kauf nehmen akzeptieren
Kenntnis bekommen informiert werden
in Kenntnis setzen informieren
eine/die/ Konsequenz ziehen aus konsequent sein
Pl.
un- Kontrolle stellen kontrollieren
ter

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Liste: Funktionsverbgefüge

un- Kontrolle stehen kontrolliert werden


ter
in Kraft setzen (Gesetz) in Funkti-
on bringen
in Kraft treten (Gesetz) gültig
werden
sich eine/die/ Krankheit zuziehen krank werden
Pl.
einen/Pl. Krieg führen mit/ Krieg machen
gegen
Kritik üben an kritisieren
auf Kritik stoßen kritisiert werden
ein/das Lob ernten gelobt werden
Maß nehmen bei messen
die/eine/ Maßnahme ergreifen Maßnahme durch-
Pl. führen
eine/die/ Meinung durchset- mit seiner Mei-
Pl. zen nung “gewinnen”
eine/die/ Mitteilung machen mitteilen
Pl.
einen/den/ Mord begehen morden
Pl.
Mut haben zu mutig sein
(sich) Mut machen zu ermutigen
zur Neige gehen zu Ende gehen
Neugier wecken neugierig machen
in Ordnung bringen ordnen
in Ordnung halten geordnet lassen
in Ordnung kommen geordnet werden
einen/den/ Plan aufgeben nicht weiterverfol-
Pl. gen
Platz nehmen sich setzen
eine/die/ Prüfung ablegen Prüfung machen
Pl.
Rache nehmen an sich rächen
das Rauchen einstellen nicht mehr rau-
chen

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Liste: Funktionsverbgefüge

eine/die/ Rede halten reden


Pl.
Rücksicht nehmen auf berücksichtigen
Schaden anrichten Schaden verursa-
chen
einen/den/ Schaden zufügen einen Schaden
Pl. verursachen
eine/die Schuld tragen an schuldig sein
in Sorge versetzen besorgt machen
einen/den/ Spaziergang machen spazieren gehen
Pl
Sport treiben Sport machen
zum Stehen bringen stoppen
Stellung nehmen zu Meinung sagen
eine/die Stimme abgeben wählen
in Streit geraten beginnen zu strei-
ten
ein/das/Pl Studium abschlie- Studium beenden
ßen
eine/die/Pl Überlegung anstellen überlegen
Urteil fällen über urteilen
eine/die/Pl Verabredung treffen mit verabreden

einen/den Verdacht hegen Verdacht haben


zur Verfügung stehen haben, da sein
zur Verfügung stellen geben
einen/den Verlauf nehmen verlaufen
zur Vernunft bringen jemanden vernünf-
tig machen
ein/das Versprechen geben versprechen
ein/das/Pl Versprechen halten Versprechen reali-
sieren
in Verzug geraten Zeit verlieren
eine/die/Pl Vorbereitung treffen vorbereiten
Vorschub leisten unterstützen
Vorsorge treffen vorsorgen
zum Vortrag bringen vortragen, reden

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Liste: Funktionsverbgefüge

zum Vortrag kommen vorgetragen wer-


den
die/eine Wahl treffen wählen
Wert legen auf wichtig sein
einen/Pl Witz reißen über Witz machen
das Wort erteilen Sprecherlaubnis
geben
in Wut versetzen wütend machen
in Wut geraten wütend werden
in Zweifel ziehen bezweifeln

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Transitive und intransitive Verben

Verben, die transitiv und intransitiv sein


können
Transitive und intransitive Verben
Einstellige Verben haben nur einen Nominativ als Ergänzung für Personen und Sachen,
zwei- und dreistellige Verben haben zwei bzw. drei solche Ergänzungen. (Siehe dazu im
Kapitel: „Einstellige und mehrstellige Verben“)

Einstellige Verben werden auch als intransitive Verben bezeichnet, mehrstellige Verben, die
eine Akkusativergänzung haben, als transitive Verben.

Beispiel: schlafen + Nominativ


Das Baby schläft seit zwei Stunden.
schlafen => intransitiv

Beispiel: fragen + Nominativ + Akkusativ


Der Schüler fragt den Lehrer.
fragen => transitiv

Verben, die transitiv und intransitiv sein können


In einigen Fällen kann dasselbe Verb transitiv und intransitiv sein. Dabei ändert sich die
Bedeutung mehr oder weniger stark.

Beispiel: fahren - transitiv/intransitiv


intransitiv Ich fahre nach Berlin. („reisen“)
transitiv Ich fahre das Auto in die Garage („das Auto bewegen“)

Beispiel: kochen - transitiv/intransitiv


intransitiv Die Suppe kocht. („eine Temperatur von 100 Grad erreicht haben“)
transitiv Ich koche eine Suppe. („zubereiten“)

Beispiel: ziehen - transitiv/intransitiv


intransitiv Ich ziehe nach Berlin. („den Wohnort wechseln“)
transitiv Ich ziehe den Stecker aus der Steckdose. („herausziehen“)

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Transitive und intransitive Verben

Beispiel: abbrechen
intransitiv Bei einem Sturm brechen viele Äste ab. („kaputt gehen“)
transitiv (1) Der Sturm bricht viele Äste ab. („kaputt machen“)
transitiv (2) Peter bricht sein Studium ab. („ohne Abschluss beenden“ =>
metaphorisch: „brechen“))

Transitive und intransitive Verbvarianten mit gleichen Formen


Manche dieser Verben haben keine unterschiedlichen Formen für die transitive bzw. intransi-
tive Verbvariante.

Beispiel 1: kochen
Präsens Perfekt
intransitiv Die Suppe kocht. Die Suppe hat gekocht. regelmäßig
Perfekt mit haben
transitiv Er kocht eine Suppe. Er hat eine Suppe gekocht. regelmäßig
Perfekt mit haben

Beispiel 2: backen
Präsens Perfekt
intransitiv Das Brot bäckt (backt) im Das Brot hat im Ofen ge- unregelmäßig
Ofen. backen. Perfekt mit haben
transitiv Der Bäcker bäckt (backt) Der Bäcker hat das Brot unregelmäßig
das Brot. gebacken. Perfekt mit haben

Transitive und intransitive Verbvarianten mit verschiedenen Formen


Einige dieser Verben unterscheiden durch die Perfektbildung mit haben bzw. sein und/oder
durch regelmäßige bzw. unregelmäßige Konjugation zwischen transitiver und intransitiver
Verwendung.

Beispiel 1: erschrecken
Präsens Perfekt
intransitiv Mein Freund erschrickt. Mein Freund ist erschro- unregelmäßig
cken. Perfekt mit sein
transitiv Ich erschrecke meinen Ich habe meinen Freund regelmäßig
Freund. erschreckt. Perfekt mit haben

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 176


Transitive und intransitive Verben

Beispiel 2: umknicken
Präsens Perfekt
intransitiv Der Baum knickt um. Der Baum ist umgeknickt. regelmäßig
Perfekt mit sein
transitiv Der Wind knickt den Der Wind hat den Baum regelmäßig
Baum um. umgeknickt. Perfekt mit haben

Beispiel 3: schmelzen
Präsens Perfekt
intransitiv Das Eis schmilzt. Das Eis ist geschmolzen. unregelmäßig
Perfekt mit sein
transitiv Die Sonne schmilzt das Die Sonne hat das Eis unregelmäßig
Eis. geschmolzen. Perfekt mit haben

Einen Überblick über wichtige Verben mit transitiven und intransitiven Varianten gibt die
Liste am Ende dieses Kapitels: „Liste: Verben, die transitiv und intransitiv sein können“

Transitive und intransitive Verben, die ähnlich lauten


Einige transitive und intransitive Verben lauten ähnlich, unterscheiden sich aber durch eine
Änderung des Stammvokals und/oder ein Präfix.

Beispiel 1: liegen/legen (=unterschiedlicher Stammvokal)


Präsens Perfekt
intransitiv Das Buch liegt auf dem Das Buch hat auf dem unregelmäßig
(liegen) Tisch Tisch gelegen. Perfekt mit haben
transitiv Ich lege das Buch auf den Ich habe das Buch auf regelmäßig
(legen) Tisch. den Tisch gelegt. Perfekt mit haben

Beispiel 2: erlöschen/löschen (= intransitives Verb mit Präfix)


Präsens Perfekt
intransitiv Das Feuer erlischt. Das Feuer ist erloschen. unregelmäßig
(erlöschen) Perfekt mit sein
transitiv Die Feuerwehr löscht das Die Feuerwehr hat das regelmäßig
(löschen) Feuer. Feuer gelöscht. Perfekt mit haben

Weitere Beispiele für transitive und intransitive Verben, die ähnlich lauten, finden sich
ebenfalls in der Liste am Ende dieses Kapitels: „Liste: Verben, die transitiv und intransitiv sein
können“

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 177


Liste: Transitive und intransitive Verben

Liste: Verben, die transitiv und intransitiv sein können


Transitive und intransitive Verben, die gleich lauten

Präsens Perfekt
abbrechen
intransitiv Bei einem Sturm brechen viele Äste Bei einem Sturm sind viele Äste
ab. („brechen“) abgebrochen.
transitiv Der Sturm bricht viele Äste ab. Der Sturm hat viele Äste abgebro-
(„brechen lassen“) chen.
transitiv Peter bricht sein Studium ab. Peter hat sein Studium abgebro-
(„ohne Abschluss beenden“) chen.
anfahren
intransitiv Der Fahrschüler fährt zu schnell an. Der Fahrschüler ist zu schnell ange-
(„beginnen zu fahren“) fahren.
transitiv Das Auto fährt den Radfahrer an. Das Auto hat den Radfahrer ange-
(„fahren gegen, verletzen“) fahren.
anspringen
intransitiv Der Motor springt an. Der Motor ist angesprungen.
(„starten“)
transitiv Der Hund springt den Mann an. Der Hund hat den Mann angesprun-
(„anspringen“) gen.
antreiben
intransitiv Am Strand treibt viel Plastikmüll an. Am Strand ist viel Plastikmüll ange-
(„antreiben“) trieben.
transitiv Das Meer treibt viel Plastikmüll an. Das Meer hat viel Plastikmüll ange-
(„antreiben“) trieben.
transitiv Der Chef treibt die Mitarbeiter zu Der Chef hat die Mitarbeiter zu
mehr Leistung an. („(+) motivieren, mehr Leistung angetrieben.
(-) unter Druck setzen“)
backen
intransitiv Das Brot bäckt (backt) im Ofen. Das Brot hat im Ofen gebacken.
(„backen“)
transitiv Der Bäcker bäckt (backt) das Brot. Der Bäcker hat das Brot gebacken.
(„backen“)
brechen
intransitiv Sein Arm bricht bei einem Sturz. Sein Arm ist bei einem Sturz ist
(„gebrochen werden“) gebrochen.
transitiv Er bricht bei einem Sturz seinen Er hat bei einem Sturz seinen Arm
Arm. („brechen“) gebrochen.

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Liste: Transitive und intransitive Verben

erschrecken
intransitiv Mein Freund erschrickt. Mein Freund ist erschrocken.
(„erschrecken“)
transitiv Ich erschrecke meinen Freund. Ich habe meinen Freund erschreckt.
(„erschrecken“)
transitiv- Ich erschrecke mich. Ich habe mich erschreckt.
reflexiv) („erschrecken“)
fahren
intransitiv Ich fahre nach Berlin. („reisen“) Ich bin nach Berlin gefahren.
transitiv Ich fahre das Auto in die Garage. Ich habe das Auto in die Garage
(„fahren“) gefahren.
fliegen
intransitiv Ich fliege nach Deutschland. Ich bin nach Deutschland geflogen.
(„fliegen“)
transitiv Der Pilot fliegt das Flugzeug. Der Pilot hat das Flugzeug geflogen.
(„fliegen“)
frieren
intransitiv Das Wasser friert im Eimer. Das Wasser im Eimer ist gefroren.
(„zu Eis werden“)
intransitiv Ich friere. („Kälte fühlen“) Ich habe gefroren.
transitiv Die Kälte friert das Wasser im Eimer. Die Kälte hat das Wasser im Eimer
(„zu Eis machen“) gefroren.
hängen
intransitiv Das Hemd hängt im Schrank. Das Hemd ist(hat) im Schrank ge-
(„hängen - Position“) hangen.
transitiv Ich hänge das Hemd in den Schrank. Ich habe das Hemd in den Schrank
(„hängen“) gehängt.
heilen
intransitiv Die Wunde heilt schneller, als ich Die Wunde ist schneller geheilt, als
gedacht habe. („gesund werden“) ich gedacht habe.
transitiv Der Arzt heilt den Patienten. Der Arzt hat den Patienten geheilt.
(„gesund machen“)
(s.) irren
intransitiv Er irrt durch die Stadt. Er ist durch die Stadt geirrt.
(„den Weg nicht finden“)
transitiv Ich irre mich nie. Ich habe mich nie geirrt.
(reflexiv) („einen Denkfehler machen“)
landen

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Liste: Transitive und intransitive Verben

intransitiv Das Flugzeug landet auf dem Frank- Das Flugzeug ist auf dem Frankfur-
furter Flughafen. („landen“) ter Flughafen gelandet.
transitiv Der Pilot landet das Flugzeug sicher. Der Pilot hat das Flugzeug sicher
(„landen lassen“) gelandet.
passieren
intransitiv Das Unglück passiert am Sonntag. Das Unglück ist am Sonntag pas-
(„sich ereignen“) siert.
transitiv Er passiert die Grenze ohne Kontrol- Er hat die Grenze ohne Kontrolle
le. („durchgehen, vorbeigehen“) passiert.
reißen
intransitiv Das Seil reißt. („kaputtgehen“) Das Seil ist gerissen.
transitiv Der Wolf reißt viele Schafe. Der Wolf hat viele Schafe gerissen.
(„(Tiere) töten“)
reiten
intransitiv Sie reitet viele Stunden. („reiten“) Sie ist viele Stunden geritten.
transitiv Sie reitet ein Maultier. („reiten“) Sie hat ein Maultier geritten.
rollen
intransitiv Der Ball rollt auf die Straße. („rollen“) Der Ball ist auf die Straße gerollt.
transitiv Er rollt den Ball. („rollen lassen“) Er hat den Ball gerollt.
rudern
intransitiv Er rudert gern. („rudern“) Als Jugendlicher ist er gern geru-
dert.
transitiv Er rudert das Boot ans Ufer. („ru- Er hat das Boot ans Ufer gerudert.
dern“)
schmelzen
intransitiv Das Eis schmilzt. („schmelzen“) Das Eis ist geschmolzen.
transitiv Die Sonne schmilzt das Eis. Die Sonne hat das Eis geschmolzen.
(„schmelzen lassen“)
schwimmen
intransitiv Er schwimmt viel. („schwimmen“) Er ist früher viel geschwommen.
transitiv Er schwimmt einen neuen Weltre- Er hat einen neuen Weltrekord ge-
kord. („schwimmend erreichen“) schwommen.
starten
intransitiv Das Flugzeug startet in Frankfurt. Das Flugzeug ist in Frankfurt gestar-
(„Reise beginnen“) tet.
transitiv Der Pilot startet die Motoren. Der Pilot hat die Motoren gestartet.
(„starten lassen“)

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Liste: Transitive und intransitive Verben

stecken
intransitiv Der Schlüssel steckt im Schloss. Der Schlüssel hat im Schloss ge-
(„stecken - Position“) steckt.
transitiv Er steckt den Schlüssel in das Er hat den Schlüssel in das Schloss
Schloss. („stecken - Richtung“) gesteckt.
stoßen (auf)
intransitiv Die Goldsucher stoßen auf eine Die Goldsucher sind auf eine Gold-
(+Präp) Goldmine. („finden“) mine gestoßen.
transitiv Der Mann stößt den Jungen. Der Mann hat den Jungen gesto-
(„stoßen, schubsen“) ßen.
stürzen
intransitiv Das Kind stürzt beim Fahrradfahren. Das Kind ist beim Fahrradfahren
(„fallen“) gestürzt.
transitiv Das Volk stürzt den Diktator. Das Volk hat den Diktator gestürzt.
(„Herrschaft beenden“)
transitiv (re- Alle stürzen sich auf das Essen. Alle haben sich auf das Essen ge-
flexiv +Präp) („sehr schnell gehen“) stürzt.
treten
intransitiv Er tritt mir auf den Fuß. Er ist mir auf den Fuß getreten.
(„treten“)
transitiv Er tritt den Mann mit dem Fuß. Er hat den Mann mit dem Fuß ge-
(„mit dem Fuß „schlagen“) treten.
trocknen
intransitiv Die Wäsche trocknet in der Sonne. Die Wäsche ist in der Sonne ge-
(„trocken werden“) trocknet.
transitiv Die Sonne trocknet die Wäsche. Die Sonne hat die Wäsche getrock-
(„trocknen lassen“) net.
(s.) umkehren
intransitiv Er kehrt um. („zurückgehen“) Er ist umgekehrt.
transitiv Der Trend kehrt sich um. Der Trend hat sich umgekehrt.
(reflexiv) („sich ändern“)
umknicken
intransitiv Der Baum knickt bei dem Sturm um. Der Baum ist bei dem Sturm umge-
(„umknicken“) knickt.
transitiv Der Sturm knickt den Baum um. Der Sturm hat den Baum umge-
(„umknicken lassen“) knickt.
(s.) umziehen
intransitiv Ich ziehe nächste Woche um. Ich bin letzte Woche umgezogen.
(„die Wohnung wechseln“)

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Liste: Transitive und intransitive Verben

transitiv Ich ziehe mich um. Ich habe mich umgezogen.


(reflexiv) („die Kleidung wechseln“)
verbrennen
intransitiv Die Briefe verbrennen. Die Briefe sind verbrannt.
(„verbrennen“)
transitiv Er verbrennt ihre Briefe. Er hat alle ihre Briefe verbrannt.
(„verbrennen lassen“)
wegfahren
intransitiv Meine Eltern fahren über das Wo- Meine Eltern sind über das Wochen-
chenende weg. (“verreisen“) ende weggefahren.
transitiv Er fährt das Auto weg. Er hat das Auto weggefahren.
(„ein Fahrzeug wegbewegen“)
wegziehen
intransitiv Mein Freund zieht aus Stuttgart Mein Freund ist aus Stuttgart weg-
weg. („umziehen“) gezogen.
transitiv Er zieht mir den Stuhl weg. („weg- Er hat mir den Stuhl weggezogen.
nehmen“)
zerbrechen
intransitiv Die Ehe zerbricht schon nach zwei Die Ehe ist schon nach zwei Jahren
Jahren. („kaputt gehen“) zerbrochen.
transitiv Er zerbricht das Glas. Er hat das Glas zerbrochen.
(„kaputt machen“)
ziehen
intransitiv Ich ziehe nach Berlin. („umziehen“) Ich bin nach Berlin gezogen.
transitiv Ich ziehe den Stecker aus der Steck- Ich habe den Stecker aus der Steck-
dose. („herausziehen“) dose gezogen.

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Liste: Transitive und intransitive Verben

Transitive und intransitive Verben, die ähnlich lauten

Präsens Perfekt
fallen intransitiv Der Baum fällt. Der Baum ist gefallen.
fällen transitiv Der Förster fällt den Baum. Der Förster hat den Baum
gefällt.
erlöschen intransitiv Das Feuer erlischt. Das Feuer ist erloschen.
löschen transitiv Die Feuerwehr löscht das Die Feuerwehr hat das Feu-
Feuer. er gelöscht.
liegen intransitiv Das Buch liegt im Regal. Das Buch ist (hat) im Regal
gelegen.
legen transitiv Ich lege das Buch in das Ich habe das Buch in das
Regal. Regal gelegt.
ertrinken intransitiv Der Mann ertrinkt. Der Mann ist ertrunken.
ertränken transitiv Der Mörder ertränkt den Der Mörder hat den Mann
Mann. ertränkt.
sinken intransitiv Der Benzinpreis sinkt. Der Benzinpreis ist gesun-
ken.
senken transitiv Die Ölkonzerne senken den Die Ölkonzerne haben den
Benzinpreis. Benzinpreis gesenkt.
sitzen intransitiv Das Baby sitzt im Kinderwa- Das Baby ist (hat) im Kinder-
gen. wagen gesessen.
setzen transitiv Er setzt das Baby in den Er hat das Baby in den Kin-
Kinderwagen. derwagen gesetzt.
stehen intransitiv Das Regal steht an der Das Regal ist (hat) an der
Wand. Wand gestanden.
stellen transitiv Er stellt das Regal an die Er hat das Regal an die
Wand. Wand gestellt.
schwimmen intransitiv Die Bäume schwimmen im Die Bäume sind im Wasser
Wasser. geschwommen.
schwemmen transitiv Der Fluss schwemmt die Der Fluss hat die Bäume ans
Bäume ans Ufer. Ufer geschwemmt.

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Teil III: Das Substantiv (No-
men)

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 184


Das Substantiv - Genus

Das Substantiv (Nomen)


Der größte Teil des Wortschatzes besteht aus Substantiven. Substantive schreibt man groß
(mit großen Anfangsbuchstaben).

Man nennt das Substantiv auch Nomen (Plural: Nomen, Nomina). Substantive bezeichnen
Personen und Sachen (Konkreta) oder abstrakte Begriffe (Abstrakta).

Beispiele: Konkreta und Abstrakta


Konkreta Personen Mann, Frau, Kind, Lehrer, Student, Professor, Chef, ..
Sachen Auto, Buch, Haus, Geld, Wasser, Zeitung, Berg, Blume, Baum, ..
Abstrakta Begriffe Glück, Spaß, Freude, Angst, Alter, Krankheit, Schmerz, Liebe, ..

Das Substantiv verändert Kasus (Plural: Kasus), Numerus (Plural: Numeri) und Genus (Plural:
Genera). Man unterscheidet drei Genera, zwei Numeri und vier Kasus.

Das Substantiv
3 Genera Maskulinum, Neutrum, Femininum
2 Numeri Singular, Plural
4 Kasus Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv

Das Genus
Im Deutschen kann man im Singular drei Genera unterscheiden: maskulines, neutrales und
feminines Genus. Im Plural gibt es keine formale Unterscheidung der drei Genera.

Das Genus des Substantivs ist meist nur an dem zum Substantiv gehörenden Artikelwort
erkennbar. Deshalb sollten Substantive mit dem bestimmten Artikel gelernt werden.

Bestimmter Artikel und Genus


Singular Plural
maskulin der die
neutral das die
feminin die die

Beispiele: Substantive mit bestimmtem Artikel


Singular Plural
maskulin der Tisch die Tische
neutral das Buch die Bücher
feminin die Uhr die Uhren

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 185


Das Substantiv - Genus

Die Zuordnung des Genus bzw. des Artikels zu einem Substantiv folgt in den meisten Fällen
keiner erkennbaren Regel.

Beispiele: Genus der Substantive


der Stuhl, Tisch, Sessel, ..
das Regal, Bild, Sofa, ..
die Uhr, Kommode, Lampe, ..

Regelmäßiges Genus
Einige Substantive haben aber ein regelmäßiges Genus. Ein regelmäßiges Genus ist entwe-
der vom natürlichen Geschlecht der Personen abhängig, die durch das Substantiv bezeichnet
werden oder von einer bestimmten Endung des Substantivs.

Regelmäßiges Genus abhängig vom natürlichen Geschlecht


Substantive, die Personen bezeichnen, bekommen normalerweise das natürliche Geschlecht
dieser Personen, das oft zusätzlich durch eine Endung des Nomens markiert wird.

Beispiele: natürliches Genus bei Personen


maskulin (ohne Endung) der Mann, der Vater, der Onkel, ..
feminin (ohne Endung) die Frau, die Mutter, die Tante. ..
maskulin (mit Endung) der Lehrer, der Student, der Professor, ..
feminin (mit Endung) die Lehrerin, die Studentin, die Professorin, ..

Eine Ausnahme bildet das Substantiv das Mädchen.

Ausnahme: das Mädchen


natürliches Geschlecht Beispiel grammatisches Genus
maskulin der Junge maskulin
feminin das Mädchen neutral (!)

Regelmäßiges Genus abhängig von der Endung des Substantivs


Einige Substantive haben ein regelmäßiges Genus, das von der Endung des Substantivs
abhängig ist.

Wörter mit den Endungen -ig, -ling, -ismus sind maskulin.

Beispiele: regelmäßiger Artikel - der


-ig der König, Honig, Essig, ..
-ling der Feigling, Schmetterling, Prüfling, ..
-ismus der Sozialismus, Kapitalismus, Buddhismus, ..

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 186


Das Substantiv - Genus

Substantive mit den Endungen –chen (Diminutiv), -ma, -ment, -um sind neutral

Beispiele: regelmäßiger Artikel - das


-chen das Mädchen, Häuschen, Gärtchen, ..
-ma das Thema, Dogma, Rheuma, ..
-ment das Parlament, Dokument, Fundament, ..
-um das Museum, Gymnasium, Studium, .. (Ausnahme: der Reichtum)

Substantive mit den Endungen -heit, -ung, -keit, -ei, -schaft, -ion sind feminin.

Beispiele: regelmäßiger Artikel - die


-heit die Freiheit, Neuheit, Klugheit
-ung die Zeitung, Bildung, Verantwortung
-keit die Aufmerksamkeit, Wachsamkeit, Nebensächlichkeit
-ei die Polizei, Bäckerei, Metzgerei
-schaft die Wissenschaft, Mannschaft, Verwandtschaft
-ion die Religion, Region, Tradition

Die folgende Tabelle zeigt die regelmäßigen Endungen in der Übersicht.

Regelmäßiger Artikel - Endungen


der -ig, -ling, -ismus
das -chen, -ma, -ment, -um
die -heit, -ung, -keit, -ei, -schaft, -ion

Das Genus bei Komposita


Bei Nomen, die aus zwei Nomen zusammengesetzt sind (Nominalkomposita), bestimmt das
Grundwort den Artikel.

Beispiele: Nominalkomposita (aus zwei Nomen)


das Frühlingsfest der Frühling das Fest
der Arbeitsplatz die Arbeit der Platz
die Kaffeetasse der Kaffee die Tasse
Bestimmungswort Grundwort

Das gilt auch bei Komposita, die aus mehr als zwei Wörtern gebildet werden.

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Das Substantiv - Genus

Beispiele: Nominalkomposita (aus drei Nomen)


das Fußballspiel der Fuß der Ball das Spiel
der Haustürschlüssel das Haus die Tür der Schlüssel
Bestimmungswort Bestimmungswort Grundwort

Genus bei geographischen Namen


Keinen Artikel haben Namen von Städten und Ländern.

Beispiele: Städte- und Ländernamen ohne Artikel


Städte Berlin ist die Hauptstadt von Deutschland.
Freiburg ist eine Universitätsstadt in Baden-Württemberg.
Länder Deutschland ist ein Industrieland.
Korea liegt in Ostasien.
Brasilien ist das größte Land Südamerikas.

Bei den Ländernamen gibt es aber einige Ausnahmen.

Ländernamen mit Artikel


der Iran, Irak, Jemen, Kongo (aber: die Republik Kongo), Libanon, Niger,
Oman, Senegal, Sudan, Tschad, Vatikan
die (Singular) Dominikanische Republik, Elfenbeinküste, Demokratische Republik
Kongo, Republik Kongo (aber: der Kongo), Mongolei, Schweiz, Slowakei,
Ukraine, Türkei, Zentralafrikanische Republik
die (Plural) Bahamas, Färöer Inseln, Kapverdischen Inseln, Komoren, Malediven, Nie-
derlande, Philippinen, Salomonen, Seychellen, USA, Vereinigten Arabi-
schen Emirate, Vereinigten Staaten (von Amerika) =die USA

Beispielsätze: Ländernamen mit Artikel


Die Schweiz ist ein Nachbarland von Deutschland.
Der Senegal liegt in Westafrika.
Mein Bruder fährt in die Türkei.

Länder- und Städtenamen, die keinen Artikel haben, werden mit dem neutralen Artikel ge-
braucht, wenn man ihnen ein Attribut zuweist („sekundärer Artikelgebrauch“).

Beispiele: sekundärer Artikelgebrauch bei Städte- und Ländernamen ohne Artikel.


Das Berlin der 20er-Jahre
Das schön gelegene Stuttgart
Das Paris von Haussmann

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Das Substantiv - Numerus

Das alte Japan


Das Deutschland der 50er-Jahre

Alle anderen geographischen Namen haben einen Artikel.

Beispiele: geographische Namen mit Artikel


Flüsse der Rhein, die Donau, der Nil, der Amazonas, die Wolga, ..
Berge die Zugspitze, der Feldberg, das Matterhorn, der Eiger, ..
Seen der Bodensee, der Chiemsee, der Viktoriasee, ..

Geografische Namen, die sich aus einem Grundwort und einem Bestimmungswort zusam-
mensetzen (Komposita), erhalten den Artikel des Grundworts.

Beispiele: zusammengesetzte geographische Namen mit Artikel


Feldberg das Feld + der Berg der Feldberg
Zugspitze der Zug + die Spitze die Zugspitze

Alle anderen Artikel geographischer Namen folgen keiner erkennbaren Regel. Sie müssen
mit dem geographischen Namen gelernt werden.

Der Numerus - Singular und Plural


Singular
Der Singular bezeichnet typischerweise genau ein Exemplar einer Person oder Sache. Der
Plural bezeichnet zwei, oder mehr Exemplare einer Person oder Sache.

Beispiele: Singular und Plural


Singular Plural
der Mann, ein Mann zwei, drei, viele Männer
das Buch, ein Buch zwei, drei, viele Bücher
die Frau, eine Frau zwei, drei, viele Frauen

Eine Untergruppe der Sachen bilden die Stoff- oder Materialbezeichnungen.

Sie kommen normalerweise nur im Singular vor, da man sie nicht ohne ein „Hilfswort“ zählen
kann.

Wenn zu Stoff- oder Materialbezeichnungen eine grammatische Pluralform existiert, hat sie
die Bedeutung „Arten von“, „Sorten“.

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Das Substantiv - Numerus

Beispiele: Stoff- und Materialbezeichnungen - Singular und Plural


mit Hilfswort ohne Hilfswort
Singular Plural Singular Plural
das, ein Glas Wasser zwei Gläser Wasser das Wasser (die Wässer)
das, ein Glas Wein zwei Gläser Wein der Wein (die Weine)

Den grammatischen Plural der Stoff- und Materialbezeichnungen benützt man nur, wenn
man explizit über verschiedene Arten bzw. Sorten spricht.

Beispiel: Gebrauch von Stoff- und Materialbezeichnungen - Wein/Weine


mit Hilfswort ohne Hilfswort
Singular Plural Singular Plural
Ich habe ein Glas Ich habe drei Gläser Ich habe viel Ich habe drei französische
Wein getrunken. Wein getrunken. Wein getrunken. Weine probiert.*

*=verschiedene französische Weinsorten z. B. Bordeaux, Burgunder, Beaujolais, ..

Ähnliches gilt für abstrakte Begriffe, allerdings gibt es bei abstrakten Begriffen keine Hilfs-
wörter zum Zählen und nicht alle abstrakten Begriffe haben einen Plural.

Beispiel: Glück (ohne Plural)


Singular Plural
das Glück -- (kein Plural)
Ich wünsche dir viel Glück für die Prüfung. --

Beispiel: Angst (mit Plural)


Singular Plural
die Angst die Ängste
Während der Mathe-Prüfung habe ich viel Sie hat viele Ängste.
Angst gehabt.
=> große Angst vor der Mathe-Prüfung => verschiedene Arten von Angst: Angst
vor Prüfungen, vor Krankheit, vor Tieren, ..

Plural
Die Pluralbildung im Deutschen folgt bei den meisten Substantiven keiner Regel.

Bei deutschen Wörtern gibt es vier häufig vorkommende Pluralendungen und einen Plural-
typ ohne Endung.

Zusätzlich zur Pluralendung kann der Stammvokal umgelautet werden.

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Das Substantiv - Numerus

Pluralbildung - Endungen und Umlautung


ohne Umlaut mit Umlaut
Endung –n die Lampe – die Lampen -- „n-Plural“
Endung -en der Staat – die Staaten --
Endung –e der Tisch – die Tische der Stuhl – die Stühle „e-Plural“
Endung – er das Bild – die Bilder das Glas – die Gläser „r-Plural“
Endung –s das Auto – die Autos -- „s-Plural“
keine Endung der Lehrer – die Lehrer der Boden – die Böden

Für die Zuordnung eines Wortes zum Pluraltyp gibt es keine Regel.

Beachte: Neben diesen Haupttypen gibt es verschiedene weitere Typen der Pluralbildung,
die meist nur bei wenigen Substantiven vorkommen.

Regelmäßiger Plural
Einige deutsche Substantive mit bestimmten Suffixen bilden einen regelmäßigen Plural.

Regelmäßiger Plural bei deutschen Wörtern


Pluraltyp 1: - (e)n
-ei die Bäckerei die Bäckereien
-heit die Freiheit die Freiheiten
-keit die Eitelkeit die Eitelkeiten
-schaft die Mannschaft die Mannschaften
-ung die Zeitung die Zeitungen
-in die Lehrerin die Lehrerinnen
Pluraltyp 2: –e
-ig der König die Könige
-ich der Teppich die Teppiche
-ling der Feigling die Feiglinge
-nis die Kenntnis die Kenntnisse
-sal das Schicksal die Schicksale
Pluraltyp 5: keine Endung
-chen das Mädchen die Mädchen
-lein das Tischlein die Tischlein

Auch einige Fremdwörter mit bestimmten Suffixen bilden den Plural regelmäßig.

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Das Substantiv - Kasus

Übersicht: regelmäßiger Plural bei Fremdwörtern (I)


Pluraltyp 1: - (e)n
-(t)ät die Universität die Universitäten
-(i)on die Nation die Nationen
-ik die Kritik die Kritiken
-ie die Theorie die Theorien

Außerdem folgende maskuline Substantive, die männliche Personen bezeichnen:

Übersicht: regelmäßiger Plural bei Fremdwörtern (II)


Pluraltyp 1: - (e)n
-and der Doktorand die Doktoranden
-ant der Praktikant die Praktikanten
-at der Kandidat die Kandidaten
-ent der Absolvent die Absolventen
-et der Athlet die Athleten
-ist der Jurist die Juristen
-oge der Pädagoge die Pädagogen
-nom der Ökonom die Ökonomen
-or der Doktor die Doktoren
-soph der Philosoph die Philosophen

Der Kasus - Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv


Der Kasus wird durch eine Veränderung des Artikels und (manchmal) eine Endung markiert.

Beispiel: Kasus - Mann


Nominativ der Mann
Akkusativ den Mann
Dativ dem Mann
Genitiv des Mannes

Die Wahl des Kasus ist von anderen Wortarten abhängig: Verben, Substantive, Adjektive und
Präpositionen können einen Kasus regieren.

Das heißt, diese Wortarten bestimmen, welchen Kasus sie als Ergänzung bekommen.

Der Nominativ wird verwendet als:

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Das Substantiv - Kasus

Übersicht: Der Gebrauch des Nominativs


erste Verbergänzung Der Schüler schläft.
Der Lehrer schreibt einen Satz.
zweite Verbergänzung Michael wird ein guter Arzt.
Er ist ein fleißiger Student.
Apposition Herr Müller, der Lehrer meiner Tochter, ist ein sympathischer
Mensch.
in Vergleichen Ein schlechtes Examen ist besser als ein abgebrochenes Studi-
um.

Der Akkusativ wird verwendet als:

Übersicht: Der Gebrauch des Akkusativs


zweite Verbergänzung Ich kaufe einen Pullover.
Mein Bruder hat mir einen Brief geschrieben.
temporale Verbergän- Mein Freund hat letzten Monat Examen gemacht.
zung - Zeitpunkt
temporale Verbergän- Ich bleibe einen Monat in Deutschland.
zung - Zeitraum
Präpositionalergän- Ich suche ein Geschenk für meinen Vater.
zung Wir machen einen Spaziergang durch den Park.
feste Präpositionaler- Ich warte auf den Bus.
gänzung eines Verbs Sie hat sich in ihren Professor verliebt.
Apposition Ich kenne Herrn Müller, den Lehrer meiner Tochter, aus meiner
Studienzeit.
in Vergleichen Ich finde einen schlechten Arbeitsplatz besser als gar keinen
Arbeitsplatz.

Der Dativ wird verwendet als:

Übersicht: Der Gebrauch des Dativs


zweite Verbergänzung Ich helfe meiner Mutter.
dritte Verbergänzung Mein Bruder hat mir einen Brief geschrieben.
Präpositionalergän- Ich fahre mit meinem Vater nach München.
zung Am Wochenende fahre ich zu meiner Freundin.
feste Präpositionaler- Er arbeitet an seiner Diplomarbeit.
gänzung eines Verbs Meine Schwester fürchtet sich vor großen Hunden.
Apposition Ich habe mit Herrn Müller, dem Lehrer meiner Tochter, gespro-
chen.
in Vergleichen Ich helfe lieber meinem Vater als meinem Bruder.

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Die Deklination des Substantivs

Der Genitiv wird verwendet als:

Übersicht: Der Gebrauch des Genitivs


zweite Verbergänzung Wir gedenken der Toten.
dritte Verbergänzung Man beschuldigt ihn des Mordes.
Präpositionalergän- Ich bleibe wegen meiner Krankheit im Bett.
zung Mein Kollege arbeitet trotz seiner Erkältung.
Attribut Das Haus meines Großvaters ist sehr alt.
Die Rede des Präsidenten hat den Leuten gefallen.

Die Deklination des Substantivs


Die Veränderung von Kasus und Numerus nennt man die Deklination des Substantivs.

Die Veränderung des Kasus kann man meist nur an dem Artikelwort erkennen, von dem das
Substantiv begleitet wird.

Zu den Artikelwörtern gehören z. B. der bestimmte Artikel, der unbestimmte Artikel, der
Possessivartikel und der Demonstrativartikel.

Beispiele: Artikelwörter
bestimmter Artikel der, die, das
unbestimmter Artikel ein, eine, ein
Possessivartikel mein, meine, mein
Demonstrativartikel dieser, diese, dieses

Bei der Deklination der Substantive unterscheidet man im Deutschen zwei Deklinationsty-
pen: 1. Die Deklination mit dem bestimmten Artikel und 2. die Deklination mit dem unbe-
stimmten Artikel.

Alle Artikelwörter folgen einem dieser beiden Deklinationstypen.

Siehe dazu auch im Kapitel: „Artikelwörter und Pronomen“.

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Die Deklination des Substantivs

Die Deklination mit dem bestimmten Artikel


Die Deklination mit dem bestimmten Artikel lautet:

Die Deklination - bestimmter Artikel


Singular maskulin neutral feminin
Nominativ der Mann das Kind die Frau
Akkusativ den Mann das Kind die Frau
Dativ dem Mann dem Kind der Frau
Genitiv des Mannes des Kindes der Frau
Plural
Nominativ die Männer die Kinder die Frauen
Akkusativ die Männer die Kinder die Frauen
Dativ den Männern den Kindern den Frauen
Genitiv der Männer der Kinder der Frauen

Die Deklinationsendungen
Im Singular haben nur maskuline und neutrale Substantive im Genitiv eine Endung. Die
Endung lautet -s bzw. -es.

Im Plural sind die Formen des Substantivs in allen Kasus gleich – außer im Dativ Plural.

Im Dativ Plural bekommen alle Substantive die Endung -n, aber nur wenn sie nicht sowieso
die Pluralendung -(e)n haben.

Die e-Erweiterung beim Genitiv


Standardsprachlich haben maskuline und neutrale Substantive im Genitiv Singular die En-
dung -s bzw. -es.

Beispiel: Genitiv mit Endung -s bzw. -es


-s das Auto die Autos
-es das Haus des Hauses

Die Endung -s ohne e-Erweiterung ist als Normalfall anzusehen. Die e-Erweiterung bekom-
men Substantive, die auf einen s-Laut enden.

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Die Deklination des Substantivs

Beispiel: Genitiv mit e-Erweiterung (I) - Endung -s-Laut


-s das Haus des Hauses
-ss der Fluss des Flusses
-ß das Maß des Maßes
-z der Tanz des Tanzes
-tz der Witz des Witzes

Bei der Endung -nis wird zusätzlich zur e-Erweiterung das -s verdoppelt.

Beispiel: Genitiv mit e-Erweiterung (II) - Endung -nis


-nis das Ergebnis des Ergebnisses

Bei Substantiven mit den Endungen -sch und -st, bei vielen einsilbigen Wörtern und in ver-
schiedenen weiteren Fällen kann die e-Erweiterung vorkommen.

Beispiel: Genitiv mit e-Erweiterung (III) - fakultative e-Erweiterung


-sch der Tisch des Tisch(e)s
-st das Fest des Fest(e)s
einsilbige Nomen der Mann des Mann(e)s
das Kind des Kind(e)s

Wegfall der Genitivendung


Das Weglassen der Genitivendung kommt umgangssprachlich immer häufiger vor, gilt aber
standardsprachlich nur in bestimmten Fällen als korrekt.

Sekundärer Artikelgebrauch bei Namen


Namen von Personen und Städten werden normalerweise ohne Artikel gebraucht.

Es gibt aber auch Gebrauchsweisen mit Artikel (=“sekundärer Artikelgebrauch“).

In diesen Fällen wird im Genitiv das -s meist weggelassen.

Beispiel: Wegfall der Genitivendung bei sekundärem Artikelgebrauch - Personenname


Goethe studierte in Leipzig. ohne Artikel (normal)
Der junge Goethe studierte in Leipzig. sekundärer Artikelgebrauch
Die Lehrer des jungen Goethe(s) lobten sekundärer Artikelgebrauch im Genitiv
sein Talent.

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Die Deklination des Substantivs

Beispiel: Wegfall der Genitivendung bei sekundärem Artikelgebrauch - Städtename


Berlin ist die Hauptstadt von Deutschland. ohne Artikel (normal)
Die Touristen machen einen Spaziergang sekundärer Artikelgebrauch
durch das alte Berlin.
Die meisten Häuser des alten Berlin(s) wur- sekundärer Artikelgebrauch im Genitiv
den im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Namen von Monaten, Wochentagen, Kunstepochen, Produkten, o.ä.


Namen von Monaten, Wochentagen, Kunstepochen, Produkten, o. ä. haben einen Artikel.
Trotzdem wird beim Genitiv häufig die Endung -s weggelassen.

Beispiel: Wegfall der Genitivendung bei Namen von Monaten, usw.


der Januar - des Januar(s) Er hat am letzten Sonntag des Januar(s)
Geburtstag.
der Montag - des Montag(s) Im Lauf des Montag(s) muss ich mit mei-
nem Chef sprechen.
der Jugendstil - des Jugendstil(s) Wien gilt als die Geburtsstadt des
Jugendstil(s).

Veraltete Form des Dativs Singular


Früher hatte der Dativ Singular der maskulinen und neutralen Substantive die Endung -e.

Beispiele: veraltete Dativendung -e


Singular maskulin neutral
Nominativ der Mann das Kind
Dativ (veraltet) dem Manne dem Kinde

Diese Endung ist im modernen Deutsch verloren gegangen. Sie hat sich nur in bestimmten
Ausdrücken erhalten und z. B. in den Formen nach Hause und zu Hause. Manchmal findet
sich diese Form auch noch in älterer Literatur.

Die Deklination mit dem unbestimmten Artikel


Den unbestimmten Artikel gibt es nur im Singular. Die Unbestimmtheit eines Substantivs
wird im Plural nicht markiert. Manche Grammatiken verwenden hierfür den Begriff „Nullarti-
kel“.

Die Deklination mit dem unbestimmten Artikel lautet:

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Die Deklination des Substantivs

Die Deklination - unbestimmter Artikel


Singular maskulin neutral feminin
Nominativ ein Mann ein Kind eine Frau
Akkusativ einen Mann ein Kind eine Frau
Dativ einem Mann einem Kind einer Frau
Genitiv eines Mannes eines Kindes einer Frau
Plural
Nominativ Männer Kinder Frauen
Akkusativ Männer Kinder Frauen
Dativ Männern Kindern Frauen
Genitiv Männer Kinder Frauen

Die Deklination mit dem negativen unbestimmten Arti-


kel kein
Die Negation des unbestimmten Artikels heißt kein. Sie wird im Singular gleich dekliniert
wie der unbestimmte Artikel, aber im Gegensatz zum unbestimmten Artikel gibt es einen
Plural.

Die Deklination - negativer unbestimmter Artikel


Singular maskulin neutral feminin
Nominativ kein Mann kein Kind keine Frau
Akkusativ keinen Mann kein Kind keine Frau
Dativ keinem Mann keinem Kind keiner Frau
Genitiv keines Mannes keines Kindes keiner Frau
Plural
Nominativ keine Männer, Kinder, Frauen
Akkusativ keine Männer, Kinder, Frauen
Dativ keinen Männern, Kindern, Frauen
Genitiv keiner Männer, Kinder, Frauen

Zur Deklination des Substantivs mit weiteren Artikelwörtern siehe im Teil IV: „Artikelwörter
und Pronomen“

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Die Deklination des Substantivs

Die n-Deklination
Einige maskuline Substantive haben eine abweichende Deklination. Diese nennt man n-
Deklination, weil diese Substantive in allen Kasusformen außer im Nominativ Singular die
Endung -(e)n haben.

Die Deklination - n-Deklination


n-Deklination mit bestimmtem Artikel mit unbestimmtem Artikel
Singular Plural Singular Plural
Nominativ der Student die Studenten ein Student Studenten
Akkusativ den Student(en) die Studenten einen Student(en) Studenten
Dativ dem Student(en) den Studenten einem Student(en) Studenten
Genitiv des Studenten der Studenten eines Studenten Studenten

Die n-Deklination ist eine absterbende Grammatikform. Die Endungen im Singular werden
heute in der gesprochenen Sprache oft weggelassen. Alle Substantive, die zur n-Deklination
gehören sind maskulin.

Zur n-Deklination gehören z. B. Nomen mit der Endung -e, die männliche Personen oder
Tiere bezeichnen.

Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht über Nomen, die zur n-Deklination gehören.

Maskuline Substantive der n-Deklination


Nomen mit der Endung –e der Bote, der Erbe, der Experte, der Junge, der Kollege, der
Kunde, der Neffe, der Sklave, der Zeuge, ..
Nationalitätenbezeichnun- der Franzose, der Grieche, der Russe, der Türke, der Chinese,
gen mit der Endung –e der Afghane, ..
Tierbezeichnungen mit der der Affe, der Falke, der Hase, der Löwe, der Ochse, der Rabe,
Endung –e ..
außerdem der Bär, der Bauer, der Christ, der Fürst, der Held, der Herr,
der Mensch, der Nachbar, der der Prinz, ..

Auch viele Fremdwörter, die männliche Personen bezeichnen und bestimmte Endungen
haben, gehören zur n-Deklination.

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Die Deklination des Substantivs

Endungen von maskulinen Fremdwörtern, die zur n-Deklination gehören


-ad der Kamerad -ist der Journalist
-and der Doktorand -oge der Pädagoge
-ant der Praktikant -nom der Ökonom
-at der Kandidat -soph der Philosoph
-ent der Absolvent -graf der Fotograf
-et der Athlet

Die gemischte Deklination


Einige maskuline Substantive haben eine gemischte Deklination.

Diese Substantiv haben wie die Nomen der n-Deklination in allen Kasusformen außer im
Nominativ Singular die Endung –(e)n, aber zusätzlich im Genitiv Singular die Endung –s wie
die „normalen“ maskulinen Nomen.

Gemischte Deklination
mit bestimmtem Artikel mit unbestimmtem Artikel
Singular Plural Singular Plural
Nominativ der Name die Namen ein Name Namen
Akkusativ den Namen die Namen einen Namen Namen
Dativ dem Namen den Namen einem Namen Namen
Genitiv des Namens der Namen eines Namens Namen

Beispielsätze: gemischte Deklination


Nominativ Der Name meiner Freundin ist Maria.
Akkusativ Ich habe den Namen des Mannes vergessen.
Dativ Sie hat sich unter dem Namen ihres Mannes angemeldet.
Genitiv Die Bedeutung des Namens kenne ich nicht.

Bei allen Substantiven, die zur gemischten Deklination gehören, existieren besonders in
der gesprochenen Sprache Doppelformen für den Nominativ Singular mit bzw. ohne die
Endung -n.

Beispiel: gemischte Deklination - Nominativ Singular


Standardsprache gesprochene Sprache auch
der Name der Namen
ein Name ein Namen

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Die Deklination des Substantivs

Die folgenden Nomen gehören zur gemischten Deklination.

Nomen der gemischten Deklination


der Buchstabe(n), der Friede(n), der Funke(n), der Name(n), der Gedanke(n), der
Glaube(n), der Wille(n)

Die Deklination von das Herz


Eine besondere Deklination hat das Substantiv das Herz.

Deklination - das Herz


mit bestimmtem Artikel mit unbestimmtem Artikel
Singular Plural Singular Plural
Nominativ das Herz die Herzen ein Herz Herzen
Akkusativ das Herz die Herzen ein Herz Herzen
Dativ dem Herzen den Herzen einem Herzen Herzen
Genitiv des Herzens der Herzen eines Herzens Herzen

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Liste: n-Deklination und gemischte Deklination

Liste: Nomen der n-Deklination und der gemischten


Deklination
n-Deklination
a. abhängig von folgenden Endungen

Endung Beispiele
-ad der Kamerad, ..
-and der Diplomand, der Doktorand, der Konfirmand, ..
-ant der Demonstrant, der Elefant, der Fabrikant, der Praktikant, ..
-at der Automat, der Diplomat, der Kandidat, der Soldat, ..
-ent der Absolvent, der Dozent, der Patient, der Student, ..
-et der Athlet, der Komet, der Planet, ..
-graf der Fotograf, der Stenograf, der Tomograf , ..
-ist der Journalist, der Polizist, der Spezialist, der Tourist, ..
-it der Favorit, der Jesuit, der Satellit, ..
-nom der Agronom, der Astronom, der Ökonom, ..
-oge der Archäologe, der Biologe, der Geologe, der Pädagoge, ..
-soph der Anthroposoph, der Philosoph, ..

b. männliche Nationalitätenbezeichnungen

Beispiele: Nationalitätenbezeichnungen
auf -e der Chinese, der Franzose, der Russe, der Türke, ...
außerdem der Ungar

c. unregelmäßig

der Affe der Fink der Junggeselle der Pate


der Architekt der Fürst der Knabe der Pilot
der Bär der Gatte der Kollege der Prinz
der Bauer der Gefährte der Kommilitone der Rabe
der Bote der Genosse der Komplize der Rebell
der Bube der Geselle der Kunde der Riese
der Bulle der Graf der Laie der Schimpanse
der Bursche der Hase der Lotse der Schöffe

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Liste: n-Deklination und gemischte Deklination

der Chaot der Heide der Löwe der Sklave


der Coyote der Held der Mensch der Zar
der Depp der Herr der Nachbar der Zeuge
der Drache der Hirte der Nachkomme
der Erbe der Idiot der Narr
der Experte der Insasse der Neffe
der Falke der Junge der Ochse

Gemischte Deklination (Genitiv +s):

der Buchstabe(n)
der Friede(n)
der Funke(n)
der Gedanke(n)
der Glaube(n)
der Name(n)
der Wille(n)

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Die Deklination nominalisierter Adjektive

Die Deklination nominalisierter Adjektive


Aus vielen Adjektiven kann man ein Nomen bilden, indem man an das Adjektiv ein -e hängt
und den maskulinen oder femininen Artikel hinzufügt.

Beispiele: nominalisierte Adjektive


Adjektiv Nomen (maskulin) Nomen (feminin)
krank der Kranke die Kranke
jugendlich der Jugendliche die Jugendliche
erwachsen der Erwachsene die Erwachsene

Die Deklination nominalisierter Adjektive entspricht der Adjektivdeklination.

Beispiele: Deklination nominalisierter Adjektive


Adjektiv nominalisiertes Adjektiv
Nominativ der kranke Mann der Kranke
Akkusativ den kranken Mann den Kranken

Beispielsätze: Deklination nominalisierter Adjektive


Nominativ: Der Kranke wird heute Nachmittag operiert.
Akkusativ: Der Arzt untersucht den Kranken.
Dativ: Der Arzt unterhält sich mit dem Kranken.
Genitiv: Die Frau des Kranken kommt zu Besuch.

Alle Formen nominalisierter Adjektive lauten:

Die Deklination - nominalisierte Adjektive (I)


mit bestimmtem Artikel mit unbestimmtem Artikel
Singular maskulin feminin maskulin feminin
Nominativ der Kranke die Kranke ein Kranker eine Kranke
Akkusativ den Kranken die Kranke einen Kranken eine Kranke
Dativ dem Kranken der Kranken einem Kranken einer Kranken
Genitiv des Kranken der Kranken eines Kranken einer Kranken
Plural
Nominativ die Kranken Kranke
Akkusativ die Kranken Kranke
Dativ den Kranken Kranken
Genitiv der Kranken Kranker

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Die Deklination nominalisierter Adjektive

Neutrale Nomen kommen nur als Abstraktionen im Singular mit bestimmtem Artikel vor.

Beispiele: nominalisierte Adjektive - neutrale Nomen


Ich glaube an das Gute im Menschen.
Das Gute hat über das Böse gesiegt.

Die Deklination - nominalisierte Adjektive (II) - neutrale Nomen


Singular
Nominativ das Gute
Akkusativ das Gute
Dativ dem Guten
Genitiv des Guten

Dem Deklinationstyp der nominalisierten Adjektive folgen auch nominalisierte Partizipien.

Die Deklination - nominalisierte Partizipien


mit bestimmtem Artikel mit unbestimmtem Artikel
Singular maskulin feminin maskulin feminin
Nominativ der Verletzte die Verletzte ein Verletzter eine Verletzte
Akkusativ den Verletzten die Verletzte einen Verletzten eine Verletzte
Dativ dem Verletzten der Verletzten einem Verletzten einer Verletzten
Genitiv des Verletzten der Verletzten eines Verletzten einer Verletzten
Plural
Nominativ die Verletzten Verletzte
Akkusativ die Verletzten Verletzte
Dativ den Verletzten Verletzten
Genitiv der Verletzten Verletzter

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Der Gebrauch des bestimmten und des unbestimmten Artikels

Der Gebrauch des bestimmten und des


unbestimmten Artikels
Der bestimmte und der unbestimmte Artikel als Artikel-
wort
Der Gebrauch des bestimmten oder unbestimmten Artikels als Artikelwort ist abhängig
vom Sprecher.

Man benützt den unbestimmten Artikel, wenn man zum ersten Mal über eine Thema bzw.
eine neue Sache spricht oder wenn man eine Sache definiert, in ein System einordnet.

Beispiele: Artikelgebrauch (I) - Gebrauch des unbestimmten Artikels


Der Sprecher benützt den Singular Plural
unbestimmten Artikel, ..
wenn er zum ersten Mal Ich möchte ein Buch kau- Ich möchte Bücher* kaufen.
über eine Thema, eine neue fen.
Sache spricht.
wenn er eine Sache defi- Das ist ein Buch. Das sind Bücher.*
niert, in ein System einord-
net.

*Beachte: Im Plural gibt es keinen unbestimmten Artikel.

Man benützt den bestimmten Artikel bei bestimmten, nicht zählbaren Nomen im Singular,
wenn es eine Sache nur einmal gibt oder wenn ein Thema bzw. eine Sache dem Sprechpart-
ner bekannt ist.

Beispiele: Artikelgebrauch (II) - Gebrauch des bestimmten Artikels


Der Sprecher benützt den Singular Plural
bestimmten Artikel, ..
bei bestimmten, nicht zähl- Mit dem Geld von meiner --
baren Nomen im Singular Tante kaufe ich mir ein
Auto.
wenn es eine Sache nur Das Brandenburger Tor --
einmal gibt. steht in Berlin.
Der Kölner Dom ist 157
Meter hoch.
wenn ein Thema oder eine Ich möchte das Auto kau- Ich möchte die Autos
Sache dem Sprechpartner fen. kaufen.
bekannt ist.

Keinen Artikel benützt man normalerweise bei unbestimmten, nicht zählbaren Nomen im
Singular, Namen von Personen und Berufsbezeichnungen, Städte- und den meisten Länder-

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Der Gebrauch des bestimmten und des unbestimmten Artikels

namen*.

Beispiele: Artikelgebrauch (III) - kein Artikelgebrauch


unbestimmte, nicht zählba- Ich brauche Geld.
re Nomen im Singular Peter trinkt gern Bier.
Susi isst zum Frühstück Obst.
Personen Herr Müller ist unser Lehrer.
Friedrich Schiller ist in Marbach geboren.
Peter kommt heute Nachmittag zu mir.
Berufe Ich möchte Ingenieur werden.
Herr Schmidt ist Abteilungsleiter in einer großen Automo-
bilfirma.
Frau Müller arbeitet nachmittags als Verkäuferin.
Städtenamen Berlin ist die Hauptstadt von Deutschland.
Freiburg ist eine Universitätsstadt in Baden-Württemberg.
Die Olympischen Spiele 1972 fanden in München statt.
Ländernamen Deutschland ist ein Industrieland.
Korea liegt in Ostasien.
Brasilien ist das größte Land Südamerikas.

Bei Ländernamen gibt es einige Ausnahmen: siehe im Kapitel „Genus bei geographischen
Namen“

Zu den Personennamen gehören auch die Anrede Herr und Frau, das Wort Familie als Teil
eines Namens und akademische Titel.

Beispiele: Teile von Personennamen ohne Artikel


Herr Müller, Frau Müller, Familie Müller, Dr. Müller, Professor Müller

Der Gebrauch von Personennamen mit Artikel gilt als umgangssprachlich, kommt in der
Umgangssprache aber häufig vor.

Beispiele: Personennamen mit/ohne Artikel - Umgangssprache vs. Standardsprache


Standardsprache Umgangssprache
Peter hat gesagt, dass Anna krank ist. Der Peter hat gesagt, dass die Anna krank ist
Herr Müller ist heute krank. Der Herr Müller ist heute krank.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 207


Der bestimmte und der unbestimmte Artikel als Pronomen

Der bestimmte und der unbestimmte Artikel als Prono-


men
Neben dem Gebrauch als Artikelwort kann man den bestimmten und den unbestimmten
Artikel auch als Pronomen anstelle des Nomens benutzen.

Beispiele: bestimmter/unbestimmter Artikel - Artikelwort vs. Pronomen


als Artikelwort als Pronomen
bestimmter Artikel Wie heißt der Mann? Der* heißt Peter Müller.
unbestimmter Artikel Hast du einen Mann gesehen? Ja, ich habe einen gesehen.
=> mit Nomen => ohne Nomen

*Beachte: Der Gebrauch des bestimmten Artikels als Pronomen gilt als umgangssprachlich,
als standardsprachlich gilt das Personalpronomen.

Beispiel: bestimmter Artikel (pronominal) vs. Personalpronomen


Frage Antwort (pronominal)
Wie heißt der Mann? Der heißt Peter Müller. bestimmter Artikel umgangssprachlich
Er heißt Peter Müller. Personalpronomen standardsprachlich

Der bestimmte Artikel als Pronomen


Die Deklination des bestimmten Artikels als Pronomen lautet:

Die Deklination - bestimmter Artikel als Pronomen


Singular maskulin neutral feminin Plural
Nominativ der das die die
Akkusativ den das die die
Dativ dem dem der denen
Genitiv dessen dessen deren deren

Beispiele: bestimmter Artikel als Pronomen - Nominativ


Singular
Ist der Arzt hier? Ja, der ist hier.
Ist die Ärztin hier? Ja, die ist hier.
Ist das Medikament hier? Ja, das ist hier.
Plural
Sind die Ärzte hier? Ja, die sind hier.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 208


Der bestimmte und der unbestimmte Artikel als Pronomen

Beispiele: bestimmter Artikel als Pronomen - Akkusativ


Singular
Hast du den Arzt gefragt? Ja, den habe ich gefragt.
Hast du die Ärztin gefragt? Ja, die habe ich gefragt.
Hast du das Medikament genommen? Ja, das habe ich genommen.
Plural
Hast du die Ärzte gefragt? Ja, die habe ich gefragt.

Beispiele: bestimmter Artikel als Pronomen - Dativ


Singular
Hast du mit dem Arzt gesprochen? Ja, mit dem habe ich gesprochen.
Hast du mit der Ärztin gesprochen? Ja, mit der habe ich gesprochen.
Bist du mit dem Baby beim Arzt gewesen? Ja, mit dem bin ich beim Arzt gewesen.
Plural
Hast du mit den Ärzten gesprochen? Ja, mit denen habe ich gesprochen.

Beispiele: bestimmter Artikel als Pronomen - Genitiv*


Singular
Wird er auch des Mordes angeklagt? Nein, dessen wird er nicht angeklagt.
Ist sie sich des Fehlers bewusst? Ich glaube, dass sie sich dessen bewusst ist.

*Der Genitiv kommt als Pronomen nur bei den wenigen Verben oder Adjektiven mit Genitiv
vor.

Der unbestimmte Artikel als Pronomen


Die Endungen des unbestimmten und des negativen unbestimmten Artikels als Pronomen
entsprechen sich. Der unbestimmte Artikel als Pronomen lautet im Plural welche-.

Die Deklination - unbestimmter Artikel als Pronomen


Singular maskulin neutral feminin Plural
Nominativ einer ein(e)s eine welche
Akkusativ einen ein(e)s eine welche
Dativ einem einem einer welchen
Genitiv* (eines) (eines) (einer) (welcher)

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Der bestimmte und der unbestimmte Artikel als Pronomen

Die Deklination - negativer unbestimmter Artikel als Pronomen


Singular maskulin neutral feminin Plural
Nominativ keiner kein(e)s keine keine
Akkusativ keinen kein(e)s keine keine
Dativ keinem keinem keiner keinen
Genitiv* (keines) (keines) (keiner) (keiner)

*Der Genitiv kommt sehr selten als Pronomen vor.

Beispiele*: (negativer) unbestimmter Artikel als Pronomen - Nominativ


Singular
Ist hier ein Arzt? Ja, hier ist einer./Nein, hier ist keiner.
Ist hier eine Ärztin? Ja, hier ist eine./Nein, hier ist keine.
Ist hier ein Krankenhaus? Ja, hier ist eins./Nein, hier ist keins.
Plural
Sind hier Ärzte? Ja, hier sind welche./Nein, hier sind keine.

Beispiele: (negativer) unbestimmter Artikel als Pronomen - Akkusativ


Singular
Gibt es hier einen Arzt? Ja, hier gibt es einen./Nein, hier gibt es keinen.
Gibt es hier eine Ärztin? Ja, hier gibt es eine./Nein, hier gibt es keine.
Gibt es hier ein Krankenhaus? Ja, hier gibt es eins./Nein, hier gibt es keins.
Plural
Gibt es hier Ärzte? Ja, hier gibt es welche./Nein, hier gibt es keine.

Beispiele: (negativer) unbestimmter Artikel als Pronomen - Dativ


Singular
Hast du mit einem Arzt gesprochen? Ja, ich habe mit einem gesprochen./Nein, ich
habe mit keinem gesprochen.
Hast du mit einer Ärztin gesprochen? Ja, ich habe mit einer gesprochen./Nein, ich
habe mit keiner gesprochen.
Bist du in einem Krankenhaus gewesen? Ja, ich bin in einem gewesen./Nein, ich bin in
keinem gewesen.
Plural
Hast du mit Ärzten gesprochen? Ja, ich habe mit welchen gesprochen./Nein,
ich habe mit keinen gesprochen.

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Substantive mit Präposition

Substantive mit Präposition


Wie bei Verben und Adjektiven gibt es auch Substantive mit einer festen Präposition.

Beispiel: Substantiv mit fester Präposition


der Ärger über (+ Akk) Der ständige Ärger über meinen Chef macht mich krank.
das Interesse an (+Dat) Viele Jugendliche haben kein Interesse an der Politik.
die Flucht vor (+Dat) Viele Menschen sind auf der Flucht vor dem Hunger.

Für die Wahl der Präposition(en) gibt es keine Regel. Die Präposition muss mit dem Substan-
tiv gelernt werden.

Einige Substantive haben zwei Präpositionen, die man mit gleicher Bedeutung alternativ
verwenden kann.

Beispiel: Präpositionen alternativ verwendbar (I)


(das) Interesse an (+Dat) Man muss das Interesse an Sport bei Kindern früh wecken.
(das) Interesse für (+Akk) Man muss das Interesse für Sport bei Kindern früh wecken.

Beispiel: Präpositionen alternativ verwendbar (II)


(der) Kontakt zu (+Dat) Ich habe einen guten Kontakt zu meinen Nachbarn.
(der) Kontakt mit (+Dat) Ich habe einen guten Kontakt mit meinen Nachbarn.

Einige Substantive haben zwei Präpositionen mit unterschiedlicher Bedeutung, die nicht
zusammen in einem Satz vorkommen können.

Beispiel: Präpositionen mit unterschiedlicher Bedeutung (I)


(die) Freude auf (+Akk) Die Freude auf den Urlaub erleichtert die Arbeit.
(=Zukunft)
(die) Freude über (+Akk) Die Freude über die Geschenke war groß.
(=Vergangenheit/Gegenwart)

Beispiel: Präpositionen mit unterschiedlicher Bedeutung (II)


(die) Entscheidung über Die Entscheidung über den Antrag fällt nächste Woche.
(+Akk)
(die) Entscheidung für Die Entscheidung für die Familie bringt Frauen Nachteile bei
(+Akk) der Karriere.
(die) Entscheidung gegen Der Minister traf eine Entscheidung gegen eine erneute
(+Akk) Kandidatur.

Beachte: Manchmal ändert die Präposition zusätzlich die Bedeutung des Substantivs. Die
Bedeutungsveränderung ist nicht immer leicht zu verstehen.

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Substantive mit Präposition

Beispiel: Bedeutungsänderung des Substantivs


(die) Sorge um (+Akk) Die Sorge um die Kinder lässt die Mutter nicht schlafen.
(=Angst haben um) (=Die Mutter hat Angst um die Kinder.)
(die) Sorge für (+Akk) Die Sorge für die Kinder übernimmt bei der Scheidung oft
(= s. kümmern um) die Mutter. (=Die Mutter kümmert sich um die Kinder.)

Wenige Substantive haben zwei Präpositionen, die zusammen in einem Satz vorkommen
können.

Beispiel: Substantiv mit zwei Präpositionen


die Erhöhung um + auf Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 3% auf 19% ist für
viele Familien eine Belastung.

Die Funktion der Präpositionen


Die festen Präpositionen des Substantivs fungieren als Attribut eines Nomens und ermögli-
chen es, aus einer Verbalkonstruktion eine komplexe(re) Nominalkonstruktion zu machen.

Beispiel: Verbalkonstruktion vs. Nominalkonstruktion


Ich ärgere mich ständig über meinen Chef. Das macht mich krank. => verbal
Der ständige Ärger über meinen Chef macht mich krank. => nominal

Der Kasus der Präpositionen


Die Präposition, die fest zu einem Substantiv gehört, regiert einen Kasus.

Präpositionen mit festem Kasus


Präpositionen, die einen festen Kasus haben, behalten diesen Kasus.

Beispiele: Präpositionen mit festem Kasus


für (+Akk) (die) Voraussetzung für Sie brachte gute Voraussetzungen für eine
Karriere mit.
von (+Dat) (die) Abhängigkeit von Die Industrieländer wollen die Abhängig-
keit vom Erdöl verringern.

Wechselpräpositionen
Wechselpräpositionen bekommen abhängig vom Substantiv eine feste Präposition. Die Prä-
position und der Kasus müssen mit dem Substantiv zusammen gelernt werden.

Die Wechselpräposition an kann als feste Präposition eines Substantivs sowohl mit Akkusativ
als auch mit Dativ vorkommen.

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Substantive mit Präposition

Beispiele: Wechselpräposition an
an (+Akk) (die) Bindung an Die Bindung an die Familie ist in meinem
Heimatland stark.
an (+Dat) (der) Bedarf an Der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräf-
ten steigt weiter.
an => Akkusativ oder Dativ

Die Wechselpräpositionen vor und zwischen werden als feste Präposition eines Substantivs
immer mit dem Dativ verwendet.

Beispiele: Wechselpräpositionen vor und zwischen


vor (+Dat) (die) Flucht vor Viele Menschen befinden sich auf der
Flucht vor einer Hungersnot.
zwischen (+Dat) (die) Feindschaft zwischen Die Feindschaft zwischen den Nachbarn
dauert schon viele Jahre.
vor, zwischen => Dativ

Die Wechselpräpositionen auf, über und in werden als feste Präposition eines Substantivs
immer mit dem Akkusativ verwendet.

Beispiele: Wechselpräpositionen auf, in und über


auf (+Akk) (die) Rücksicht auf Aus Rücksicht auf die Familie wechselte
er den Job.
in (+Akk) (der) Einblick in Die Bürger bekamen Einblick in die Unter-
lagen.
über (+Akk) (die) Enttäuschung über Sie weinte aus Enttäuschung über ihre
Prüfungsergebnisse.
auf, in, über => Akkusativ

Mit den Wechselpräpositionen unter, hinter und neben verbinden sich keine Substantive.

Substantiv vs. Verb vs. Adjektiv mit Präposition


Manchmal gibt es zu dem Substantiv mit Präposition ein passendes Verb und/oder Adjektiv
mit Präposition. Das System ist aber unvollständig.

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Substantive mit Präposition

Beispiele: Substantiv, Verb und Adjektiv mit Präposition


Substantiv Verb Adjektiv
(der) Ärger über (+Akk) sich ärgern über verärgert über
(das) Interesse an (+Dat) sich interessieren für interessiert an
(die) Hoffnung auf (+Akk) hoffen auf --
(der) Preis für (+Akk) -- --

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Liste: Substantive mit Präposition

Liste: Substantive mit Präposition


die Abhängigkeit von Die Industrieländer wollen die Abhängig-
keit vom Erdöl verringern.
die Ähnlichkeit mit/zu (zwi- Die Ähnlichkeit mit seinem Bruder ist ver-
schen) blüffend.
die Alternative zu Es gibt keine Alternative zu diesem Vorge-
hen.
das Angebot an + Dat Das Angebot an Studienplätzen ist zu
gering.
der Angriff auf + Akk Der Angriff auf die Truppe erfolgte aus dem
Hinterhalt.
der Anlass zu Der Anlass zu dieser Feier ist das 50-jährige
Firmenjubiläum.
der Anteil an + Dat Der Anteil an Frauen in der Chefetage
steigt nur langsam.
die Antwort auf + Akk Die Antwort auf meine Frage ist er mir
schuldig geblieben.
die Arbeit an + Dat Die Arbeit an ihrer Doktorarbeit dauerte
drei Jahre.
der Ärger über + Akk Aus Ärger über seinen Chef hat er gekün-
digt.
die Aufregung über + Akk Ich verstehe die Aufregung über diese
Sache nicht.
die Auseinandersetzung mit Die Demonstranten wollen keine Auseinan-
dersetzung mit der Polizei.
die Ausnahme von Es gibt keine Ausnahme von dieser Regel.
der Bedarf an + Dat Der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften
steigt weiter.
die Bedingung für Die Firmen sprachen über die Bedingun-
gen für eine Übernahme.
das Bedürfnis nach Im Urlaub haben viele Leute das Bedürfnis
nach Ruhe.
die Begegnung mit Die Begegnung mit dem Präsidenten war
ein einmaliges Erlebnis für sie.
die Begründung für Ich verstehe die Begründung für die Absa-
ge nicht.
die Bekanntschaft mit Bei seinem Praktikum machte er Bekannt-
schaft mit vielen interessanten Leuten.
die Bemerkung über + Akk Er machte eine negative Bemerkung über
seine Chefin.

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Liste: Substantive mit Präposition

das Bemühen um Das Bemühen um eine friedliche Lösung ist


gescheitert.
die Bereitschaft zu Die Verhandlungspartner zeigten keine
Bereitschaft zu Kompromissen.
der Bericht über + Akk Der Bericht über die wirtschaftliche Lage
fällt dieses Jahr schlecht aus.
die Betroffenheit über + Akk Die Betroffenheit über das Unglück war
den Leuten anzumerken.
der Beweis für Der Staatsanwalt konnte den Beweis für
eine Schuld des Angeklagten nicht liefern.
die Bindung an + Akk Die Bindung an die Familie ist in meinem
Heimatland sehr stark.
die Debatte über + Akk Die Debatte über die Steuererhöhung ver-
lief turbulent.
der Einblick in + Akk Die Bürger bekamen keinen Einblick in die
Unterlagen.
der Eindruck auf + Akk Der Eindruck auf die Zuschauer war sehr
stark.
der Einfluss auf + Akk Das Geld hatte keinen Einfluss auf die Ent-
scheidung.
der Einsatz für Der Einsatz des Mitarbeiters für die Firma
wurde gelobt.
die Entschuldigung für Die Entschuldigung für sein Verhalten kam
prompt.
die Enttäuschung über + Akk Sie weinte aus Enttäuschung über ihre
Prüfungsergebnisse.
die Erinnerung an + Akk Die Erinnerung an das schreckliche Un-
glück quält die Menschen noch heute.
die Erklärung für Ich habe keine Erklärung für sein Verhalten.
die Erlaubnis zu Die Eltern gaben die Erlaubnis zum Heira-
ten.
die Erziehung zu Die Erziehung zu Selbständigkeit ist Teil der
Aufgabe der Schule.
die Fähigkeit zu Vielen Schülern fehlt die Fähigkeit zu logi-
schem Denken.
die Feindschaft mit/zu (zwi- Die Feindschaft zwischen den Nachbarn
schen) dauert schon viele Jahre.
die Flucht vor Viele Menschen befinden sich auf der
Flucht vor der Hungersnot.
die Frage nach Er verstand die Frage nach dem Weg nicht.

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Liste: Substantive mit Präposition

die Furcht vor Aus Furcht vor dem Verlust seines Arbeits-
platzes beging er Selbstmord.
der Gedanke an + Akk Sie verschwendeten keinen Gedanken an
eine Niederlage.
der Gegensatz zu Im Gegensatz zu meiner Schwester bin ich
faul.
der Gehalt an + Dat Der Gehalt an Vitaminen ist hoch.
die Gelegenheit zu Der Gefangene nützte die Gelegenheit zur
Flucht.
die Gemeinsamkeit mit Das Leben in Deutschland hat viele Ge-
meinsamkeiten mit meinem Heimatland.
die Grenze zu Die Regierung ließ die Grenze zum Nach-
barland schließen.
der Griff nach Der Griff nach der Macht ist gescheitert.
der Grund für Ich kenne den Grund für seine Eifersucht
nicht.
die Grundlage für Die Grundlage für den Vertrag hat sich
geändert.
der Hass auf + Akk Der Hass auf die Nachbarn ist immer noch
groß.
die Herrschaft über + Akk In diesem Jahr erlangte er die Herrschaft
über das Reich.
die Hilfe bei Die Hilfe beim Bau des neuen Krankenhau-
ses kam aus dem Ausland.
der Hinweis auf + Akk Der Hinweis auf den Mörder kam aus der
Bevölkerung.
die Hoffnung auf + Akk Die Hoffnung auf eine Lösung des Prob-
lems ist geschwunden.
das Interesse an + Dat/für Viele junge Leute haben kein Interesse an
Politik.
die Klage über + Akk Der Bürgermeister musste sich viele Klagen
über den Verkehr anhören.
die Klarheit über + Akk Jetzt habe ich endlich Klarheit über meine
Zukunft.
der Kontakt mit/zu Er hat seit langem keinen Kontakt mehr zu
seiner Familie.
die Kontrolle über + Akk Die Armee erlangte die Kontrolle über die
Region.
die Konzentration auf + Akk Die Konzentration auf die Prüfung ist ein
wichtiger Erfolgsfaktor.

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Liste: Substantive mit Präposition

die Kraft zu Meine Großmutter hat keine Kraft mehr


zum Arbeiten.
die Kritik an + Dat Die Kritik an der Regierung wächst.
die Liebe zu Aus Liebe zu ihren Kindern kehrte sie
zurück.
der Mangel an + Dat Aus Mangel an Beweisen wurde er frei
gesprochen.
die Nachfrage nach Daimler verzeichnet eine steigende Nach-
frage nach teuren Automobilen.
der Neid auf + Akk Europa schaut mit Neid auf die hohen
Wachstumsraten in den USA.
der Preis für Der Preis für diese Maßnahme ist zu hoch.
die Reaktion auf + Akk Die Förderung von Biokraftstoffen ist eine
Reaktion auf steigende Ölpreise.
das Recht auf + Akk Das Grundgesetz garantiert das Recht auf
freie Meinungsäußerung.
der Respekt vor + Dat Ich habe Respekt vor meinem Lehrer.
die Rücksicht auf + Akk Aus Rücksicht auf seine Familie wechselte
er den Job.
der Ruf nach Der Ruf nach einer Änderung der Pläne
wird immer lauter.
die Scheidung von Die Scheidung von seiner dritten Frau kam
ihn teuer.
die Scheu vor Kinder haben keine Scheu vor Experimen-
ten.
die Schuld an + Dat Der Fahrer trägt die Schuld an dem Unfall
alleine.
der Schutz vor + Dat Das Frauenhaus dient zum Schutz der Frau-
en vor gewalttätigen Ehemännern.
das Streben nach Das Streben nach Glück ist eine menschli-
che Eigenschaft.
die Suche nach Die Suche nach Erdöl geht trotz der Katast-
rophe weiter.
die Teilnahme an + Dat Er wurde zur Teilnahme an diesem Kurs
verpflichtet.
die Trauer über + Akk Die Trauer über seinen Tod dauerte viele
Jahre.
der Überblick über + Akk Der Mann hatte keinen Überblick über
seine Finanzen.

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Liste: Substantive mit Präposition

die Übersicht über + Akk Der Lehrer verteilt eine Übersicht über das
Lernprogramm.
die Untersuchung über + Akk Der Ausschuss veranlasste eine Untersu-
chung über den Verbleib der Gelder.
die Ursache für Die Ursache für den Unfall konnte nicht
ermittelt werden.
das Urteil über + Akk Ich möchte mir kein Urteil über ihn erlau-
ben.
die Verantwortung für Der Bürgermeister trägt die Verantwortung
für die Katastrophe.
der Vergleich mit/zu (zwi- Im Vergleich mit meiner Freundin bin ich
schen) arm.
das Verhältnis mit/zu (zwi- Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinen
schen) Eltern.
das Verständnis für Meine Eltern haben kein Verständnis für
meinen Berufswunsch.
der Verstoß gegen Dieser Verstoß gegen die Geschwindig-
keitsbegrenzung kostet 30 Euro.
der Verzicht auf + Akk Die Bankmanager wurden zum Verzicht auf
ihre Prämien aufgefordert.
die Voraussetzung für Sie brachte gute Voraussetzungen für eine
Karriere mit.
die Vorbereitung auf + Akk Das Studienkolleg übernimmt die Vorberei-
tung auf das Studium.
die Vorstellung von Er hatte keine Vorstellung vom Leben in
Deutschland.
der Wille zu Der Mannschaft fehlte der Wille zum Sieg.
die Wirkung auf + Akk Ihre Wirkung auf Männer war unbeschreib-
lich.
der Wunsch nach Die Menschen haben den Wunsch nach
Freiheit.
die Zufriedenheit mit Die Zufriedenheit der Kunden mit der
Firma ist groß.
der Zusammenhang mit Die Polizei ermittelt im Zusammenhang mit
der Katastrophe.
die Zuständigkeit für Das Ministerium übernahm die Zuständig-
keit für diese Aufgabe.
der Zwang zu In Deutschland wird über den Zwang zu
Deutschkursen diskutiert.

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Liste: Substantive mit Präposition

der Zweifel an + Dat Das Gericht hatte Zweifel an der Glaubwür-


digkeit des Zeugen.

Mehr als 1 Präposition

die Angst um Die Angst um ihren Arbeitsplatz machte


den Mitarbeitern große Sorgen.
vor + Dat Aus Angst vor seinem Chef schwieg er.
der Anspruch an + Akk Die geschieden Ehefrau hat finanzielle An-
sprüche an den Ehemann.
auf + Akk Die Kranken haben einen Anspruch auf die
Unterbringung in einem Krankenhaus.
die Bitte um Die Bitte um eine Versetzung in eine andere
Abteilung wurde abgelehnt.
an + Akk Die Bitte an die Zuschauer Ruhe zu bewah-
ren war erfolglos.
die Entscheidung für Die Entscheidung für den Stellenwechsel
fiel ihm nicht leicht.
gegen Die Entscheidung gegen den Stellenwech-
sel fiel ihm nicht leicht.
über + Akk Die Entscheidung über die Reform wurde
vertagt.
die Forderung nach Die Forderung nach Freiheit wurde unüber-
hörbar.
an + Akk Die Gläubiger mussten ihre Forderungen an
die bankrotte Firma abschreiben.
die Freude auf + Akk Die Freude auf den Urlaub erleichtert die
Arbeit. (=Zukunft)
über + Akk Die Freude über die Geschenke war groß.
(=Vergangenheit/Gegenwart)
die Sorge für Die Sorge für die Kinder übernahmen die
Großeltern.
um Die Sorge um ihre Kinder ließ sie nicht
schlafen.
die Spende an + Akk Die Spende an den Politiker beeinflusste die
Entscheidung.
für Die Firma machte eine Spende für ein neu-
es Krankenhaus.

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Liste: Substantive mit Präposition

für - gegen

die Demonstration für/gegen Die Demonstration gegen die Entlassun-


gen verlief friedlich.
der Kampf für/gegen Der Kampf gegen die Entlassungen verlief
friedlich.
der Protest für/gegen Der Protest gegen die Entlassungen verlief
friedlich.

um - auf

die Abnahme um + auf (+ Die Abnahme der Steuereinnahmen um 5


Akk) Prozent auf 300 Milliarden Euro war nicht
erwartet worden.
der Anstieg um + auf (+ Der Anstieg der Steuereinnahmen um 5
Akk) Prozent auf 300 Milliarden Euro war nicht
erwartet worden.
die Erhöhung um + auf (+ Die Erhöhung der Steuern um 5 Prozent auf
Akk) 25 Prozent führte zu Protesten.
die Senkung um + auf (+ Die Senkung der Steuern um 5 Prozent auf
Akk) 15 Prozent wurde begrüßt.
die Steigerung um + auf (+ Die Steigerung der Steuereinnahmen um
Akk) 5 Prozent auf 300 Milliarden Euro war nicht
erwartet worden.
die Vermehrung um + auf (+ Die Vermehrung der Steuereinnahmen um
Akk) 5 Prozent auf 300 Milliarden Euro war nicht
erwartet worden.
die Verminderung um + auf (+ Die Verminderung der Steuereinnahmen
Akk) um 5 Prozent auf 300 Milliarden Euro war
nicht erwartet worden.
die Zunahme um + auf (+ Die Zunahme Steuereinnahmen um 5
Akk) Prozent auf 300 Milliarden Euro war nicht
erwartet worden.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 221


Teil IV: Artikelwörter und
Pronomen

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 222


Demonstrativartikel und Demonstrativpronomen

Zum bestimmten und unbestimmten Artikel siehe im Kapitel: „Die Deklination des Substan-
tivs“

Demonstrativartikel und Demonstrativ-


pronomen
Dieser, diese, dieses
Der Demonstrativartikel diese- entspricht in seiner Funktion dem bestimmten Artikel. Des-
wegen wird er in der Umgangssprache oft durch den bestimmten Artikel ersetzt.

Beispiele: Demonstrativartikel diese- vs. bestimmter Artikel


Demonstrativartikel bestimmter Artikel
Dieser Pullover gefällt mir nicht. Der Pullover gefällt mir nicht.
Was kostet diese Tasche? Was kostet die Tasche?
Ich möchte gern dieses Brot. Ich möchte gern das Brot.

Grundsätzlich stellt der Demonstrativartikel diese- eine zusätzliche Betonung des Artikels
dar. Die Endungen des Demonstrativartikels entsprechen den Endungen des bestimmten
Artikels.

Die Deklination - dieser, diese, dieses


Singular maskulin neutral feminin
Nominativ dieser Mann dieses Kind diese Frau
Akkusativ diesen Mann dieses Kind diese Frau
Dativ diesem Mann diesem Kind dieser Frau
Genitiv dieses Mannes dieses Kindes dieser Frau
Plural
Nominativ diese Männer, Kinder, Frauen
Akkusativ diese Männer, Kinder, Frauen
Dativ diesen Männern, Kindern, Frauen
Genitiv dieser Männer, Kinder, Frauen

Der Demonstrativartikel kann pronominal (ohne Nomen) als Demonstrativpronomen ver-


wendet werden. Die Deklination entspricht dem Demonstrativartikel.

Beispiele: Demonstrativpronomen diese-


Welches Brot möchten Sie? - Geben Sie mir dieses da.
Wie finden Sie diesen Pullover? - Ich nehme lieber diesen.
Mit welchem Bus bist du gekommen? - Mit diesem.

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Demonstrativartikel und Demonstrativpronomen

Jener, jene, jenes


Selten benutzt wird heute auch der Demonstrativartikel jener, jene, jenes. Er klingt veraltet
bzw. überformell. Er wird zur Gegenüberstellung zweier Personen oder Sachen benützt. In
der Umgangssprache wird jener oft durch den bestimmten Artikel plus andere ersetzt.

Beispiel: jener vs. bestimmter Artikel + andere


veraltet/überformell Ich möchte nicht diesen Pullover, sondern jenen.
Umgangssprache Ich möchte nicht den Pullover, sondern den anderen.

Die Deklination von jener entspricht der Deklination von dieser.

Derselbe, dieselbe, dasselbe


Das zusammengesetzte Pronomen derselbe entspricht grammatisch* der Verbindung des
bestimmten Artikels mit dem Adjektiv gleich.

Beispiel: -selbe vs. bestimmter Artikel + gleich


Er sagt dasselbe wie mein Vater.
Er sagt das gleiche wie mein Vater.

*Beachte aber evtl. den Bedeutungsunterschied (s. u.).

Wenn derselbe als Artikelwort gebraucht wird, wird der erste Teil von derselbe (der-) wie der
bestimmte Artikel dekliniert, der zweite Teil (-selbe) wie das Adjektiv.

Die Deklination - derselbe, dieselbe, dasselbe


Singular maskulin neutral feminin
Nominativ derselbe Mann dasselbe Kind dieselbe Frau
Akkusativ denselben Mann dasselbe Kind dieselbe Frau
Dativ demselben Mann demselben Kind derselben Frau
Genitiv desselben Mannes desselben Kindes derselben Frau
Plural
Nominativ dieselben Männer, Kinder, Frauen
Akkusativ dieselben Männer, Kinder, Frauen
Dativ denselben Männern, Kindern, Frauen
Genitiv derselben Männer, Kinder, Frauen

Der Unterschied zwischen derselbe und der gleiche


Wenn sich derselbe bzw. der gleiche auf Sachen beziehen, haben sie unterschiedliche Bedeu-
tung: Derselbe bezeichnet die Identität der Sache, der gleiche bezeichnet die Identität der Art

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Demonstrativartikel und Demonstrativpronomen

der Sache.

Beispiel: derselbe vs. der gleiche


Identität der Sache Sie trägt heute denselben Pullover wie gestern.
Identität der Art der Sache Sie trägt den gleichen Pullover wie ich.

In allen anderen Fällen ist die Bedeutung gleich. Der Bedeutungsunterschied von derselbe
und der gleiche wird auch von vielen Muttersprachlern nicht wahrgenommen.

Derjenige, diejenige, dasjenige


Derjenige hat die gleiche Deklination wie derselbe, wird aber nur in Verbindung mit dem
Relativpronomen gebraucht.

Dabei kann derjenige (diejenige, dasjenige) als Artikelwort oder als Pronomen verwendet
werden.

Beispiel: der-, die-, dasjenige - Artikelwort vs. Pronomen


Artikelwort Diejenigen Abiturienten, die studieren wollen, können ein Stipendium
bekommen, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen.
Pronomen Meine Frau ist bei uns diejenige, die besser verdient.

Siehe dazu auch im Kapitel: „Relativsätze mit wer, wen, wem, wessen“

Solcher, solche, solches


Solch- ist ein Demonstrativartikel, der mit dem unbestimmten Artikel kombiniert wird. Die
Bedeutung von ein- solch- ist ein- .. wie dies-.

Beachte den Bedeutungsunterschied zum Demonstrativartikel dies-.

Beispiele: dies- / solch-


dies- Peter hat ein neues Haus. Dieses Haus habe ich noch nie gesehen.
= Das Haus habe ich noch nie gesehen.
ein- solch- Peter hat ein neues Haus. Ein solches Haus habe ich noch nie gesehen.
= Ein Haus wie dieses habe ich noch nie gesehen.

In der Umgangssprache wird solch- häufig durch so ein- ersetzt.

Beispiele: ein- solch- / so ein-


ein- solch- Peter hat ein neues Haus. Ein solches Haus habe ich noch nie gesehen.
so ein- Peter hat ein neues Haus. So ein Haus habe ich noch nie gesehen.

Solch- wird nur in Verbindung mit dem unbestimmten Artikel (ein, kein) oder unbestimmten

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Demonstrativartikel und Demonstrativpronomen

Zahlwörtern (einige, mehrere, etc.) benutzt.

Solch- kann ohne Deklination vor dem unbestimmten Artikel stehen oder mit Deklination
nach dem unbestimmten Artikel oder einem unbestimmten Zahlwort.

Beispiele: Position von solch-


vor unbestimmtem Artikel* Peter hat ein neues Haus. So(lch) ein Haus habe ich
noch nie gesehen.
nach unbestimmtem Artikel Peter hat ein neues Haus. Ein solches Haus habe ich
noch nie gesehen.
nach unbestimmtem Zahlwort Peter hat ein neues Haus. Er hat mehrere solche Häu-
ser.

*Die Stellung vor dem unbestimmten Artikel klingt gehobener und wird umgangssprachlich
meist durch so (ein-) ersetzt.

Wenn solch- nach dem unbestimmten Artikel steht, wird es wie ein Adjektiv dekliniert.

Beispiele: Deklination - solch- vs. Adjektiv


Nominativ ein solches Haus ein schönes Haus
Akkusativ einen solchen Mantel einen neuen Mantel
Dativ mit einem solchen Auto mit einem alten Auto

Solch- kann auch wie ein Pronomen stellvertretend für ein Nomen benutzt werden.

Beispiele: solch - Pronomen


Willst du einen solchen Mann? Nein, einen solchen will ich auf keinen Fall.
=Willst du so einen Mann? Nein, so einen will ich auf keinen Fall.

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Possessivartikel und Possessivpronomen

Possessivartikel und Possessivpronomen


Der Possessivartikel
Der Possessivartikel hat einen Doppelcharakter als Artikelwort und Pronomen. Einerseits wird
er wie die anderen Artikelwörter als Begleiter eines Nomens (Artikelwort) verwendet. Ande-
rerseits verweist er gleichzeitig (pronominal !) auf eine bestimmte (grammatische) Person.

Beispiel: Possessivartikel - Doppelcharakter


mein Computer Artikelwort (zu Computer): maskulin Nominativ Singular
Pronomen: 1. Person Singular

Die folgende Tabelle zeigt die Personen, auf die die Possessivartikel verweisen.

Possessivartikel - Personen
Person Possessivartikel Personalpronomen
Singular
1. Person mein- ich
2. Person (informell) dein- du
2. Person (formell) Ihr- Sie
3. Person (maskulin) sein- er
3. Person (feminin) ihr- sie
3. Person (neutrum) sein- es
Plural
1. Person unser- wir
2. Person (informell) euer- ihr
2. Person (formell) Ihr- Sie
3. Person ihr- sie

Der Possessivartikel zeigt den „Besitzer“ bzw. die „Zugehörigkeit“ einer Sache bzw. einer
Person an.

Beispiele: Possessivartikel
der Computer mein Computer Sache = Besitzer
der Vater mein Vater Person = Zugehörigkeit

Die Endung des Possessivartikels richtet sich nach dem Genus des Nomens, zu dem der Pos-
sessivartikel gehört. Die Endungen im Singular entsprechen dem unbestimmten Artikel.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 227


Possessivartikel und Possessivpronomen

Beispiele: Possessivartikel vs. unbestimmter Artikel


Nominativ Singular Possessivartikel unbestimmter Artikel
maskulin mein Computer ein Computer
neutral mein Buch ein Buch
feminin meine Tasche eine Tasche

Die Endungen im Plural entsprechen dem bestimmten Artikel.

Beispiele: Possessivartikel vs. bestimmter Artikel


Nominativ Plural Possessivartikel bestimmter Artikel
Plural meine Computer / meine die Computer, die Bücher,
Bücher / meine Taschen die Taschen

Die Possessivartikel für alle Personen lauten im Nominativ:

Deklination - alle Possessivartikel - Nominativ


Singular Plural
Singular der das die die
ich mein Computer mein Buch meine Tasche meine Computer
du dein Computer dein Buch deine Tasche deine Computer
Sie Ihr Computer Ihr Buch Ihre Tasche Ihre Computer
er sein Computer sein Buch seine Tasche seine Computer
sie ihr Computer ihr Buch ihre Tasche ihre Computer
es sein Computer sein Buch seine Tasche seine Computer
Plural
wir unser Computer unser Buch uns(e)re Tasche* uns(e)re Computer
ihr euer Computer euer Buch eu(e)re Tasche* eu(e)re Computer
Sie Ihr Computer Ihr Buch Ihre Tasche Ihre Computer
sie ihr Computer ihr Buch ihre Tasche ihre Computer

*Bei den Formen uns(e)re Tasche / eu(e)re Tasche wird das –e oft weggelassen.

Die vollständige Deklination des Possessivartikels mein- lautet:

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 228


Possessivartikel und Possessivpronomen

Die Deklination - Possessivartikel - mein-


Singular maskulin neutral feminin
Nominativ mein Computer mein Buch meine Tasche
Akkusativ meinen Computer mein Buch meine Tasche
Dativ meinem Computer meinem Buch meiner Tasche
Genitiv meines Computers meines Buches meiner Tasche
Plural
Nominativ meine Computer
Akkusativ meine Computer
Dativ meinen Computern
Genitiv meiner Computer

Entsprechend werden die Possessivartikel für alle anderen Personen (dein, Ihr, sein, ihr, sein,
unser, euer, ihr) dekliniert.

Beispielsätze: Possessivartikel mein-


Nominativ Das ist mein Computer.
Akkusativ Ich habe meinen Computer im Media-Markt gekauft.
Dativ Ich habe die Diplomarbeit mit meinem Computer geschrieben.
Genitiv Die Festplatte meines Computers ist kaputt.

Das Possessivpronomen
Das Possessivpronomen wird ohne Nomen (pronominal) verwendet.

Beispiele: Possessivpronomen vs. Possessivartikel


Gehört der Computer dir? Ja, das ist mein Computer. Ja, das ist meiner.
Ich habe für meinen Com- Mein Computer hat auch Meiner hat auch so viel
puter 500 Euro bezahlt. so viel gekostet. gekostet.
Possessivartikel Possessivpronomen

Das Genus und der Numerus des weggelassenen Nomens wird durch die Endung des Pos-
sessivpronomens markiert.

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Possessivartikel und Possessivpronomen

Beispiel: Nominativendungen des pronominalen Possessivpronomens


maskulin mein Computer der meiner
neutral mein Buch das mein(e)s
feminin meine Tasche die meine
Plural meine Computer die meine

Die Deklination des Possessivpronomens lautet:

Die Deklination - Possessivpronomen


maskulin neutral feminin Plural
Nominativ meiner mein(e)s meine meine
Akkusativ meinen mein(e)s meine meine
Dativ meinem meinem meiner meinen

Der Genitiv des Possessivpronomens wird nicht pronominal (ohne Nomen) benutzt.

Entsprechend werden die Possessivpronomen für alle anderen Personen (dein, Ihr, sein, ihr,
sein, unser, euer, ihr) dekliniert.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 230


Das Personalpronomen

Das Personalpronomen
Das Deutsche unterscheidet drei grammatische Personen, die im Singular und im Plural vor-
kommen.

Grammatische Personen
1. Person bezeichnet den Sprecher bzw. die Sprecher (Plural).
2. Person bezeichnet die Person bzw. die Personen, mit der bzw. mit denen
man spricht.
3. Person bezeichnet eine Person bzw. Personen oder eine Sache bzw. Sa-
chen, über die man spricht.

Grammatische Personen werden durch die Personalpronomen ausgedrückt.

Personalpronomen
Singular Plural
1. Person ich wir
2. Person informell du ihr
formell Sie Sie
3. Person maskulin er
sie (keine Genusun-
feminin sie
terscheidung)
neutral es

2. Person - formelle und informelle Anrede


Bei der zweiten Person wird zwischen formeller (Sie) und informeller (du) Anrede unterschie-
den.

Die formelle Anrede (Sie) unterscheidet nicht zwischen Singular und Plural - sie ist unabhän-
gig davon, ob man mit einer oder mit mehreren Personen spricht.

Die Verwendung formeller bzw. informeller Anrede ist ein komplexes kulturelles Phänomen.

Grundsätzlich gilt:

2. Person - Verwendung formeller bzw. informeller Anrede


Informelle Anrede Formelle Anrede
in der Familie und in der gesamten Ver- alle Personen, die man nicht kennt. (Fremde,
wandtschaft Unbekannte)
unter jungen Leuten (Jugendliche, junge alle Personen, mit denen man nicht aus-
Erwachsene) drücklich die informelle Anrede vereinbart
hat.

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Das Personalpronomen

unter Angehörigen derselben sozialen unter Angehörigen derselben sozialen


Gruppe (mit niedrigerem Sozialstatus): Gruppe (mit höherem Sozialstatus): Mana-
Schüler, Studenten, Arbeiter, Personen aus ger, Politiker, Ärzte, Juristen, ..
demselben Dorf, ..
(meist) in festen Gruppen mit (halb)priva-
tem Charakter z. B. im Sportverein

3. Person Singular
Bei der dritten Person Singular unterscheidet man, ob es sich um eine männliche oder weibli-
che Person oder um eine maskuline, feminine oder neutrale Sache handelt:

3. Person Singular
Personen Sachen
Herr Müller er der Tisch er
Peter er das Buch es
Frau Müller sie die Tasche sie
Anna sie

Das Pronomen sie/Sie


Die Personalpronomen der 2. Person Singular und Plural formell, 3. Person Singular feminin
und 3. Person Plural sind phonetisch identisch, die formellen Formen unterscheiden sich aber
durch die Großschreibung.

Das Pronomen sie/sie


2. Person Singular formell Sie
2. Person Plural formell Sie
3. Person Singular feminin sie
3. Person Plural sie

Verb und Personalpronomen


Durch das Personalpronomen und durch die Endung des Verbs wird die Person doppelt aus-
gedrückt:

Beispiele: doppelte ausgedrückte Person


Personalpronomen Verbendung
ich frag-e ich (= 1. Person Singular) -e (= 1. Person Singular)
du frag-st du (=2. Person Singular) -st (= 2. Person Singular)

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Das Personalpronomen

Die Verbendungen der Personen sind teilweise identisch. Es gibt z. B. im Präsens nur vier
verschiedene Endungen (-e, -st, -t, -en).

Verbendungen im Präsens
Singular Plural
1. Person ich frage wir fragen
2. Person informell du fragst ihr fragt
formell Sie fragen Sie fragen
3. Person maskulin er fragt sie fragen
feminin sie fragt
neutral es fragt

Der Kasus des Personalpronomens


Die Kasusformen des Personalpronomens lauten:

Personalpronomen - Kasus
Nominativ Akkusativ Dativ Genitiv
Singular ich mich mir meiner
du dich dir deiner
Sie Sie Ihnen Ihrer
er ihn ihm seiner
sie sie ihr ihrer
es es ihm seiner
Plural wir uns uns unser
ihr euch euch eurer
Sie Sie Ihnen Ihrer
sie sie ihnen ihrer

Der Kasus des Personalpronomens ist abhängig vom Verb bzw. von der Präposition, zu dem
das Nomen gehört, das vom Pronomen vertreten wird.

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Das Personalpronomen

Beispiele: Kasus des Personalpronomens


Nominativ Ist das dein Nachbar? Ja, das ist er.
Akkusativ Kennst du den Mann? Ja, ich kenne ihn.
Dativ Hilfst du der Frau? Ja, ich helfe ihr.
Präposition mit Akkusativ Wartest du auf deinen Ja, ich warte auf ihn.
Freund?
Präposition mit Dativ Sprichst du mit deinem Ja, ich spreche mit ihm.
Chef?

Weitere Beispielsätze:

Beispiele: Personalpronomen im Nominativ


Ich heiße Peter.
Mein Nachbar kommt aus Deutschland. Er ist freundlich.
Kommen Sie auch aus Deutschland?

Beispiele: Personalpronomen im Akkusativ


Kennst du die Frau? – Ja, ich kenne sie.
Hast du das Buch gelesen? – Nein, ich habe es nicht gelesen.
Ich möchte euch zu meiner Party einladen.
Wir haben dich gestern in der Stadt gesehen, aber du hast uns nicht gesehen.

Beispiele: Personalpronomen im Dativ


Hast du mit deiner Chefin gesprochen? – Ja, ich habe mit ihr gesprochen.
Schreibst du deiner Mutter? – Ja, ich schreibe ihr.
Kann ich Ihnen helfen?

Da es nur sehr wenige Verben mit Genitivergänzung gibt, kommen Personalpronomen im


Genitiv kaum vor.

Beispiel: Personalpronomen im Genitiv - gedenken + Gen


Wir wollen die Toten nicht vergessen. Deshalb gedenken wir ihrer an diesem Tag.

Zu Verben mit Genitiv siehe in der Liste: „Verben und ihre Ergänzungen“

Zur Wortposition der Personalpronomen siehe im Kapitel: „Die Wortposition“.

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Die Indefinitpronomen

Die Indefinitpronomen
Man/einer
Man bezeichnet allgemeine, unbestimmte Personen im Singular oder Plural.

Im Singular bedeutet man ungefähr „eine Person“, „jemand“; im Plural „die Leute“, „alle Leu-
te“. Das Verb steht aber immer im Singular.

Beispiele: Bedeutung von man


Bedeutung = Singular Wenn man Gesundheitsprobleme hat,
Verb = Singular sollte man zum Arzt gehen.
Bedeutung = Plural In Deutschland spricht man Deutsch.
Verb = Singular

Man darf nicht mit „Mann“ (der Mann) verwechselt werden. Im Akkusativ und Dativ wird
statt man einen bzw. einem benützt.

Die Deklination von man


Nominativ man
Akkusativ einen
Dativ einem
Genitiv (---)

Beispiele: Deklination von man


Nominativ In Deutschland spricht man Deutsch.
Nominativ – Dativ Wenn man kein Deutsch versteht, kann einem das viele Probleme
machen.
Akkusativ Wenn die Deutschen einen nicht kennen, sind sie oft distanziert.

Wenn man sich auf eine unbestimmte Person im Singular bezieht, kann man durch den
unbestimmten Artikel als Pronomen (einer, eine, ein(e)s) ersetzt werden.

Allerdings nur bei der ersten Erwähnung. Danach muss das Personalpronomen benutzt
werden.

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Die Indefinitpronomen

Beispiele: man vs. eine(r)


man einer, eine
Wenn man Gesundheitsprobleme hat, Wenn einer Gesundheitsprobleme hat, sollte
sollte man zum Arzt gehen. er zum Arzt gehen.
Wenn eine Gesundheitsprobleme hat, sollte
sie zum Arzt gehen.
Wenn man kein Deutsch versteht, kann Wenn einer kein Deutsch versteht, kann ihm
einem das viele Probleme machen. das viele Probleme machen.
Wenn eine kein Deutsch versteht, kann ihr
das viele Probleme machen.

Jemand/niemand
Statt man in der Bedeutung Singular kann man auch jemand als Indefinitpronomen verwen-
den.

Bei der zweiten Erwähnung wird das maskuline Personalpronomen der 3. Person Singular
verwendet.

Beispiele: man / jemand


man jemand
Wenn man Gesundheitsprobleme hat, Wenn jemand Gesundheitsprobleme hat,
sollte man zum Arzt gehen. sollte er zum Arzt gehen.
Wenn man kein Deutsch versteht, kann Wenn jemand kein Deutsch versteht, kann
einem das viele Probleme machen. ihm das viele Probleme machen.

Jemand wird wie ein Artikelwort dekliniert, verliert aber in der gesprochenen Sprache im
Dativ und Akkusativ oft die Endung. Die Negation von jemand ist niemand.

Die Deklination von jemand/niemand


Nominativ jemand niemand
Akkusativ jemand(en) niemand(en)
Dativ jemand(em niemand(em)
Genitiv jemandes niemandes

Beispielsätze: Deklination von jemand


Nominativ Jemand hat mir ein Geschenk gebracht.
Akkusativ Ich habe in der Disco jemand(en) kennen gelernt.
Dativ Ich habe mit jemand(em) darüber gesprochen.
Genitiv* Ich habe jemandes Bekanntschaft gemacht.

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Die Indefinitpronomen

*Statt des Genitivs wird meist die Präposition von benützt.

Beispiel: Präposition von statt Genitiv von jemand


Genitiv Ich habe jemandes Bekanntschaft gemacht.
von Ich habe die Bekanntschaft von jemand gemacht.

Irgendwer/irgendjemand
Ähnlich wie jemand ist irgendwer. Der Unterschied besteht darin, dass man durch irgendwer
betont, dass man die Person nicht kennt.

Bei jemand bleibt offen, ob man die Person kennt, aber z.B. den Namen nicht sagen möchte
oder ob man die Person nicht kennt.

Statt irgendwer kann man auch die Kombination irgendjemand benutzen.

Die Deklination von irgendwer/irgendjemand


Nominativ irgendwer irgendjemand
Akkusativ irgendwen irgendjemand(en)
Dativ irgendwem irgendjemand(em)
Genitiv (---) irgendjemandes

Beispiele: Die Deklination von irgendwer und irgendjemand


Nominativ Irgendwer (irgendjemand) hat mir ein Geschenk gebracht.
Akkusativ Ich habe auf der Straße irgendwen (irgendjemanden) gefragt.
Dativ Ich habe mit irgendwem (irgendjemandem) darüber gesprochen.
Genitiv* Ich habe irgendjemandes Bekanntschaft gemacht.

*Statt des Genitivs wird meist von benützt:

Beispiel: Präposition von statt Genitiv von irgendjemand


Genitiv Ich habe irgendjemandes Bekanntschaft gemacht.
von Ich habe die Bekanntschaft von irgendjemand(irgendwem) ge-
macht.

Etwas/nichts
Etwas und seine Negation nichts werden für unbestimmte, unbekannte Sachen bzw. Tatsa-
chen benützt.

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Die Indefinitpronomen

Beispiele: etwas/nichts
Nominativ Ich habe das Auto zur Reparatur gebracht. Etwas war nicht in Ord-
nung.
Akkusativ Ich habe das Auto in die Werkstatt gebracht, aber sie haben nichts
gefunden.

Das Indefinitpronomen nichts muss man von der Negation nicht unterscheiden. (siehe im
Kapitel: „Der Unterschied zwischen nicht und nichts“)

Zum Reflexivpronomen siehe im Kapitel: „Reflexive Verben“


Zum Relativpronomen siehe im Kapitel: „Relativsätze“

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Teil V: Adjektive und Ad-
verbien

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Das Adjektiv

Das Adjektiv
Ein Adjektiv beschreibt, wie eine Sache oder eine Person ist.

Die meisten Adjektive kann man attributiv (als Ergänzung zu einem Nomen) oder adverbial
(als Ergänzung zu einem Verb) benützen.

Bei attributiver Verwendung erhält das Adjektiv eine Adjektivendung. Bei adverbialer Ver-
wendung bleibt das Adjektiv ohne Endung.

Beispiele: Adjektiv - attributiv vs. adverbial


attributiv adverbial
Er ist ein guter Sänger. Er singt gut.
Peter hat ein schnelles Auto. Peter fährt immer schnell.
Anna ist eine gute Köchin. Anna kann gut kochen.
In der Prüfung gab es nur leichte Aufgaben. Man konnte die Aufgaben leicht lösen.
=> mit Endung => ohne Endung

Bei attributiver Verwendung steht das Adjektiv vor dem Nomen und bekommt eine Endung.

Die Adjektivendung ist abhängig von Kasus, Genus und Numerus und von der Art des Arti-
kelworts.

Beispiel: attributives Adjektiv - Endungen


Nominativ Singular neutral das rote Hemd ein rotes Hemd
Akkusativ Singular maskulin den roten Mantel einen roten Mantel
Dativ Plural den roten Jacken roten Jacken
bestimmter Artikel unbestimmter Artikel

Wenn mehrere Eigenschaften durch Adjektive aufgezählt werden, bekommen alle Adjektive
eine Endung.

Beispiele: mehrere Adjektive


unbestimmter Artikel ein schöner, neuer, roter Mantel
bestimmter Artikel der schöne, neue, rote Mantel

Wenn ein Adjektiv als Ergänzung („adverbial“) zu einem anderen Adjektiv verwendet wird,
bekommt es keine Endung.

Beispiel: adverbiales Adjektiv als Ergänzung zu einem (anderen) Adjektiv


ein falsch geparktes Auto => Das Adjektiv falsch ist hier Adverb zum Adjektiv geparkt.

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Das Adjektiv

Die Adjektivdeklination
Bei der Adjektivdeklination kann man drei Typen unterscheiden: Die Deklination mit dem
bestimmten Artikel, die Deklination mit dem unbestimmten Artikel und die Deklination
ohne Artikel.

Die Adjektivdeklination mit dem bestimmten Artikel


Die Adjektivdeklination mit dem bestimmten Artikel lautet:

Die Adjektivdeklination mit dem bestimmten Artikel


Singular maskulin neutral feminin
Nominativ der rote Mantel das rote Hemd die rote Jacke
Akkusativ den roten Mantel das rote Hemd die rote Jacke
Dativ dem roten Mantel dem roten Hemd der roten Jacke
Genitiv des roten Mantels des roten Hemdes der roten Jacke

Plural maskulin/neutral/feminin
Nominativ die roten Mäntel/Hemden/Jacken
Akkusativ die roten Mäntel/Hemden/Jacken
Dativ den roten Mänteln/Hemden/Jacken
Genitiv der roten Mäntel/Hemden/Jacken

Beispielsätze: Adjektivdeklination mit dem bestimmten Artikel - maskulin


Nominativ Der rote Mantel gefällt mir.
Akkusativ Ich nehme den roten Mantel.
Dativ In dem roten Mantel siehst du gut aus.
Genitiv Die Farbe des roten Mantels ist sehr modern.

Beispielsätze: Adjektivdeklination mit dem bestimmten Artikel - neutral


Nominativ Das weiße Hemd steht dir.
Akkusativ Wie findest du das weiße Hemd?
Dativ Bei dem weißen Hemd gefällt mir der Kragen nicht.
Genitiv Der Schnitt des weißen Hemdes ist zu eng.

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Das Adjektiv

Beispielsätze: Adjektivdeklination mit dem bestimmten Artikel - feminin


Nominativ Die blaue Jacke ist sehr günstig.
Akkusativ Ich kaufe die blaue Jacke.
Dativ Mit der blauen Jacke gehe ich zum Skifahren.
Genitiv Die Kapuze der blauen Jacke ist sehr warm.

Beispielsätze: Adjektivdeklination mit dem bestimmten Artikel - Plural


Nominativ Die grauen Mäntel sind im Sonderangebot.
Akkusativ Ich finde die grauen Mäntel altmodisch.
Dativ Von den grauen Mänteln gefällt mir keiner.
Genitiv Die Knöpfe der grauen Mäntel sind zu groß.

Nach folgenden Wörtern wird das Adjektiv ebenfalls wie mit dem bestimmtem Artikel dekli-
niert:

Die Adjektivdeklination wie mit dem bestimmten Artikel


„d-Artikelwörter“ dieser, derselbe, derjenige
„j-Artikelwörter“ jener, jeder, jeglicher
Fragepronomen welcher
unbestimmtes Zahlwort manche

Nach dem Possessivartikel im Plural entspricht die Deklination des Adjektivs der Deklination
nach dem bestimmten Artikel im Plural.

Die Adjektivdeklination mit dem Possessivartikel im Plural


Nominativ meine roten Mäntel/Hemden/Jacken
Akkusativ meine roten Mäntel/Hemden/Jacken
Dativ meinen roten Mänteln/Hemden/Jacken
Genitiv meiner roten Mäntel/Hemden/Jacken

Das gilt auch für den negativen unbestimmten Artikel kein- und alle, beide, sämtliche.

Die Adjektivdeklination mit kein- alle, beide, sämtliche


Nominativ keine, alle, beide, sämtliche roten Mäntel/Hemden/Jacken
Akkusativ keine, alle, beide, sämtliche roten Mäntel/Hemden/Jacken
Dativ keinen, allen, beiden, sämtlichen roten Mänteln/Hemden/Jacken
Genitiv keiner, aller, beider, sämtlicher roten Mäntel/Hemden/Jacken

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Das Adjektiv

Die Adjektivdeklination mit dem unbestimmten Artikel


Die Adjektivdeklination mit dem unbestimmten Artikel lautet:

Die Adjektivdeklination mit dem unbestimmten Artikel


Singular maskulin neutral feminin
Nominativ ein großer Mann ein großes Kind eine große Frau
Akkusativ einen großen Mann ein großes Kind eine große Frau
Dativ einem großen Mann einem großen Kind einer großen Frau
Genitiv eines großen Man- eines großen Kindes einer großen Frau
nes

Plural maskulin/neutral/feminin
Nominativ große Männer/Kinder/Frauen
Akkusativ große Männer/Kinder/Frauen
Dativ großen Männern/Kindern/Frauen
Genitiv großer Männer/Kinder/Frauen

Beispielsätze: Adjektivdeklination mit dem unbestimmten Artikel - maskulin


Nominativ Ein roter Mantel passt gut zu einer schwarzen Hose.
Akkusativ Ich suche einen roten Mantel.
Dativ Die Kombination eines schwarzen Pullovers mit einem roten Man-
tel ist sehr schick.
Genitiv Statt eines roten Mantels trägt sie eine lila Jacke.

Beispielsätze: Adjektivdeklination mit dem unbestimmten Artikel - neutral


Nominativ Ein weißes Hemd passt zu jeder Hose.
Akkusativ Ich brauche ein weißes Hemd.
Dativ Was passt zu einem weißen Hemd?
Genitiv Im Büro ist das Tragen eines weißen Hemdes erwünscht.

Beispielsätze: Adjektivdeklination mit dem unbestimmten Artikel - feminin


Nominativ Eine graue Jacke passt zu fast allem.
Akkusativ Eine graue Jacke kann man überall tragen.
Dativ Mit einer grauen Jacke machst du nichts falsch.
Genitiv Unter einer grauen Jacke kann man bunte Farben tragen.

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Das Adjektiv

Beispielsätze: Adjektivdeklination mit dem unbestimmten Artikel - Plural


Nominativ Schwarze Mäntel sind zeitlos elegant
Akkusativ Schwarze Mäntel trug man früher nur bei Beerdigungen.
Dativ Bei uns finden Sie eine große Auswahl an schwarzen Mänteln.
Genitiv Auch die Herren können aus einer großen Auswahl schwarzer
Mäntel wählen.

Diesem Deklinationstyp folgen auch:

Die Adjektivdeklination wie mit dem unbestimmten Artikel


Possessivartikel im Singular mein, dein, sein, ihr (Ihr)
negativer unbestimmter Artikel im Singular kein
Fragepronomen was für ein?

Die Adjektivdeklination ohne Artikel


Die Adjektivdeklination ohne Artikel kommt nur bei bestimmten Nomen vor, z. B. bei „nicht-
zählbaren“ Nomen.

Die Adjektivdeklination ohne Artikel


Singular maskulin neutral feminin
Nominativ deutscher Wein deutsches Bier deutsche Wurst
Akkusativ deutschen Wein deutsches Bier deutsche Wurst
Dativ deutschem Wein deutschem Bier deutscher Wurst
Genitiv deutschen Weines deutschen Bieres deutscher Wurst

Plural maskulin/neutral/feminin
Nominativ deutsche Weine/Biere/Würste
Akkusativ deutsche Weine/Biere/Würste
Dativ deutschen Weinen/Bieren/Würsten
Genitiv deutscher Weine/Biere/Würste

Beispielsätze: Adjektivdeklination ohne Artikel - maskulin (der Wein)


Nominativ Deutscher Wein schmeckt gut.
Akkusativ Mein Vater trinkt gern deutschen Wein.
Dativ Der Klimawandel verhilft deutschem Wein zu mehr Geschmack.
Genitiv Die Produktion deutschen Weines hat in den letzten Jahren wie-
der zugenommen.

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Das Adjektiv

Beispielsätze: Adjektivdeklination ohne Artikel - neutral (das Bier)


Nominativ Deutsches Bier wird nach dem deutschen Reinheitsgebot ge-
braut.
Akkusativ China und die USA importieren immer mehr deutsches Bier.
Dativ Weltweit gibt es eine starke Nachfrage nach deutschem Bier.
Genitiv Der Absatz deutschen Bieres ist in Deutschland seit Jahren rück-
läufig.

Beispielsätze: Adjektivdeklination ohne Artikel - feminin (die Wurst)


Nominativ Deutsche Wurst erfreut sich im In- und Ausland großer Beliebt-
heit.
Akkusativ Die Briten lieben deutsche Wurst.
Dativ Selbst in Vietnam sind viele begeistert von deutscher Wurst.
Genitiv Eine Firma aus Bayern beliefert den afrikanischen Markt täglich mit
rund fünf Tonnen deutscher Wurst.

Beispielsätze: Adjektivdeklination ohne Artikel - Plural


Nominativ Deutsche Kinder kommen mit sechs Jahren in die Schule.
Akkusativ Manche ausländische Kinder kennen nur wenige deutsche Kinder.
Dativ Übergewicht kommt bei ausländischen Kindern häufiger vor als
bei deutschen Kindern.
Genitiv Eltern deutscher Kinder schicken ihre Kinder meist auf ein Gym-
nasium.

Der Deklination des Adjektivs ohne Artikel folgen auch folgende unbestimmte Zahlwörter:

Die Adjektivdeklination wie ohne Artikel


unbestimmte Zahlwörter andere, einige, folgende, mehrere, ver-
schiedene, viele, wenige

Beispielsätze: Adjektivdeklination ohne Artikel Plural – unbestimmte Zahlwörter


Nominativ Verschiedene Leute haben mir das erzählt.
Akkusativ Ich habe verschiedene Leute nach ihrer Meinung dazu gefragt.
Dativ Ich habe das von verschiedenen Leuten gehört.
Genitiv Ich habe die Meinungen verschiedener Leute dazu gehört.

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Das Adjektiv

Besonderheiten der Adjektivdeklination


Adjektive mit der Endung -el und -er
Adjektive mit der Endung -el verlieren bei der Deklination das -e- im Stamm.

Beispiele: Adjektivdeklination Endung –el


Adjektiv dunkel
Nominativ bestimmter Artikel der dunkle Mantel
Nominativ unbestimmter Artikel ein dunkler Mantel
Akkusativ bestimmter Artikel den dunklen Mantel

Adjektive mit der Endung -er verlieren ebenfalls das -e- im Stamm, aber nur wenn die En-
dung auf einen Doppelvokal folgt.

Beispiele: Adjektivdeklination Endung –er (I) nach Doppelvokal


Adjektiv teuer
Nominativ bestimmter Artikel der teure Mantel
Nominativ unbestimmter Artikel ein teurer Mantel

Beispiele: Adjektivdeklination Endung –er (II) nach Doppelkonsonant


Adjektiv bitter
Nominativ bestimmter Artikel die bittere Schokolade
Nominativ unbestimmter Artikel eine bittere Schokolade

Stammveränderung
Das einzige Adjektiv, das den Stamm verändert, ist hoch.

Beispiele: Adjektivdeklination mit Stammveränderung - hoch


Adjektiv hoch
Nominativ bestimmter Artikel das hohe Haus
Nominativ unbestimmter Artikel ein hohes Haus

Adjektive mit der Stammendung –a


Adjektive mit der Stammendung –a haben keine Adjektivendung.

Beispiele: Adjektivdeklination ohne Adjektivendung - rosa


Adjektiv rosa
Nominativ bestimmter Artikel der rosa Mantel
Nominativ unbestimmter Artikel ein rosa Mantel

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Die Kardinalzahlen

Die Kardinalzahlen
0 = null 10 = zehn 20 = zwanzig 30 = dreißig
1 = eins 11 = elf 21 = einundzwanzig 31 = einunddreißig
2 = zwei 12 = zwölf 22 = zweiundzwanzig 32 = zweiunddreißig
3 = drei 13 = dreizehn 23 = dreiundzwanzig 33 = dreiunddreißig
4 = vier 14 = vierzehn 24 = vierundzwanzig 40 = vierzig
5 = fünf 15 = fünfzehn 25 = fünfundzwanzig 50 = fünfzig
6 = sechs 16 = sechzehn 26 = sechsundzwanzig 60 = sechzig
7 = sieben 17 = siebzehn 27 = siebenundzwanzig 70 = siebzig
8 = acht 18 = achtzehn 28 = achtundzwanzig 80 = achtzig
9 = neun 19 = neunzehn 29 = neunundzwanzig 90 = neunzig

100 = (ein)hundert 110 = (ein)hundertzehn


101 = (ein)hunderteins 120 = (ein)hundertzwanzig
102 = (ein)hundertzwei 121 = (ein)hunderteinundzwanzig
103 = (ein)hundertdrei 130 = (ein)hundertdreißig
104 = (ein)hundertvier 140 = (ein)hundertvierzig
105 = (ein)hundertfünf 150 = (ein)hundertfünfzig
106 = (ein)hundertsechs 160 = (ein)hundertsechzig
107 = (ein)hundertsieben 170 = (ein)hundertsiebzig
108 = (ein)hundertacht 180 = (ein)hundertachtzig
109 = (ein)hundertneun 190 = (ein)hundertneunzig

200 = zweihundert 1001 = (ein)tausendeins


300 = dreihundert 1002 = (ein)tausendzwei
400 = vierhundert 10 000 = zehntausend
500 = fünfhundert 100 000 = (ein)hunderttausend
600 = sechshundert 1 000 000 = eine Million
700 = siebenhundert 2 000 000 = zwei Millionen
800 = achthundert 1 000 000 000 = eine Milliarde
900 = neunhundert 2 000 000 000 = zwei Milliarden
1000 = (ein)tausend 1 000 000 000 000 = eine Billion

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Die Kardinalzahlen

Die Deklination der Kardinalzahlen


Die Zahl eins entspricht bei attributivem Gebrauch dem unbestimmten Artikel und wird
auch entsprechend dekliniert.

(Siehe im Kapitel „Die Adjektivdeklination mit dem unbestimmten Artikel“).

Beachte aber die unterschiedliche Betonung

Beispiele: unbestimmter Artikel vs. Kardinalzahl


unbestimmter Artikel Wir haben ein Auto. „Auto“ = betont
Kardinalzahl Wir haben ein Auto. „ein“ = betont

Alle anderen Zahlen verbinden sich logischerweise mit einem Plural und werden nicht dekli-
niert.

Beispiele: Kardinalzahlen mit Plural


Mein Nachbar hat drei Autos.
Meine Schwester hat vier Kinder.
Stuttgart hat 590 000 Einwohner.

Eine Ausnahme sind die Zahlen zwei und drei, die im Genitiv dekliniert werden können. Oft
wird aber statt des Genitivs die Präposition von benutzt.

Beispiele: deklinierte Kardinalzahlen zwei und drei im Genitiv


Genitiv Die Diplomarbeiten zweier (dreier) Studenten bekamen einen Preis.
von + Dativ Die Diplomarbeiten von zwei (drei) Studenten bekamen einen Preis.

Für die anderen Zahlen greift man meist besser auf die Präposition von zurück.

Beispiele: Kardinalzahlen > drei


Genitiv --
von + Dativ Die Diplomarbeiten von fünf Studenten bekamen einen Preis.

Veraltet klingt der pronominale Dativ der Zahlen zwei und drei. Die Dativ-Endung wird heute
meist weggelassen.

Beispiel: pronominaler Dativ der Kardinalzahlen zwei und drei


Dativ (alt) Ich weiß nicht, was meine alten Mitschüler heute machen. Ich habe nur
mit zweien (dreien) noch Kontakt.
Dativ Ich weiß nicht, was meine alten Mitschüler heute machen. Ich habe nur
mit zwei (drei) noch Kontakt.

Die Zahlwörter Million, Milliarde, Billion, usw. sind feminin und folgen der Deklination femi-
niner Substantive.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 248


Die Kardinalzahlen

Beispiele: Deklination Zahlwörter - Million


Nominativ Eine Million ist viel Geld.
Akkusativ Die Firma braucht eine Million, um ihre Schulden zu bezahlen.
Dativ Mit einer Million würde ich eine eigene Firma aufmachen.

Die Nominalisierung der Kardinalzahlen


Zahlwörter können mit dem Artikel die und Großschreibung nominalisiert werden. Der Plu-
ral wird mit der Endung -en gebildet.

Beispiele: nominalisierte Kardinalzahlen


Zahl Zahlwort Singular Plural
0 null die Null die Nullen
1 eins die Eins die Einsen
2 zwei die Zwei die Zweien
3 drei die Drei die Dreien

Beispielsätze: nominalisierte Kardinalzahlen


Mein Bruder hat eine Eins in der Abschlussprüfung.
Die Drei ist eine Primzahl.
Meine Freundin hat zwei Fünfen im Zeugnis.
Eine Million ist eine Zahl mit sechs Nullen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 249


Die Ordinalzahlen

Die Ordinalzahlen
Die Ordinalzahlen von 1 bis 19 werden mit dem bestimmten Artikel, der Kardinalzahl und
der Endung -te gebildet.

Ab 20 lautet die Endung -ste. Ordinalzahlen werden zur Unterscheidung von Kardinalzahlen
mit einem Punkt markiert.

Die Formbildung der Ordinalzahlen


Ordinalzahl 1 - 19 bestimmter Artikel + Kardinalzahl + -te
Ordinalzahl ab 20 bestimmter Artikel + Kardinalzahl + -ste

Beispiele: Formbildung Ordinalzahlen


bestimmter Artikel Kardinalzahl -te Ordinalzahl
der, die, das zwei -te der, die, das zweite
der, die, das zwanzig -ste der, die, das zwanzigste

Bei den Ordinalzahlen 1 bis 19 treten Unregelmäßigkeiten auf. Alle anderen Ordinalzahlen
werden regelmäßig gebildet.

Unregelmäßige Ordinalzahlen
Kardinalzahl Ordinalzahl
eins erste
drei dritte
sieben siebte
acht achte (ein –t!)

Alle Ordinalzahlen lauten:

Ordinalzahlen
der, die das, ...
1. = erste 11. = elfte 21. =einundzwanzigste
2. = zweite 12. = zwölfte 22.= zweiundzwanzigste
3. = dritte 13. = dreizehnte 30. = dreißigste
4. = vierte 14. = vierzehnte 31. = einunddreißigste
5. = fünfte 15. = fünfzehnte 40. = vierzigste
6. = sechste 16. = sechzehnte 50. = fünfzigste
7. = siebte 17. = siebzehnte 60. = sechzigste
8. = achte 18. = achtzehnte 70. = siebzigste

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 250


Die Ordinalzahlen

9. = neunte 19. = neunzehnte 80. = achtzigste


10. = zehnte 20. = zwanzigste 90. = neunzigste

100. = (ein)hundertste 100 000. = (ein)hunderttausendste


101. = (ein)hundert(und)erste 1 000 000. = (ein)millionste
200. = zweihundertste 2 000 000. = zweimillionste
1000. = (ein)tausendste 1 000 000 000. = einmilliardste
1001. = (ein)tausend(und)erste 2 000 000 000. = zweimilliardste
1002. = (ein)tausend(und)zweite 1 000 000 000 000. = einbillionste
10 000. = zehntausendste 2 000 000 000 000. = zweibillionste

Die Deklination der Ordinalzahlen


Ordinalzahlen werden wie Adjektive dekliniert. Sie werden häufig mit dem bestimmten
Artikel verwendet.

Beispiele: Deklination der Ordinalzahlen nach bestimmtem Artikel


Nominativ Heute ist der erste Tag an meinem neuen Arbeitsplatz.
Akkusativ Er hat bei der Olympiade den dritten Platz belegt.
Dativ Sie ist mit dem vierten Mann verheiratet.
Genitiv Die Tochter des zweiten Mannes ist eine Schauspielerin.

Die Frage nach einer Ordinalzahl heißt der, die, das wievielte. Sie wird wie die Ordinalzahlen
dekliniert.

Beispiele: Deklination Fragewort der wievielte


Nominativ Der wievielte (Tag) ist heute?
Akkusativ Den wievielten Platz hat er belegt?
Dativ Mit dem wievielten Mann ist sie verheiratet?
Genitiv Die Tochter ihres wievielten Mannes ist Schauspielerin?

Zeitangaben mit Ordinalzahlen


Ordinalzahlen werden auch gebraucht, um das Datum und das Jahrhundert zu benennen.

Beim Datum steht auf die Frage der wievielte bzw. welcher Tag der Nominativ und auf die
Frage wann die Präposition am mit Dativ.

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Die Ordinalzahlen

Beispiel: Datumsangaben
Nominativ Der wievielte ist heute? Der erste Januar.
Welcher Tag ist heute? Der erste erste.
am + Dativ Wann ist der Termin? Am ersten Januar.
Am ersten ersten.

Jahrhundertangaben schreibt man mit Zahlen oder mit Buchstaben.

Beispiel: Jahrhundertangaben - Orthografie


Jahrhundert mit Zahl mit Buchstaben
1901 – 2000 das 20. Jahrhundert das zwanzigste Jahrhundert
1801 – 1900 das 19. Jahrhundert das neunzehnte Jahrhundert

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Komparativ und Superlativ

Komparativ und Superlativ


Komparativ und Superlativ verwendet man, um die Eigenschaften von Personen, Sachen
oder Aktionen zu vergleichen.

Der Komparativ drückt aus, dass eine Eigenschaft bei einer Person oder Sache im Vergleich
zu anderen Personen oder Sachen in höherem oder geringerem Maß vorhanden ist.

Der Superlativ drückt aus, dass eine Eigenschaft bei einer Person oder Sache im Vergleich zu
anderen Personen oder Sachen in höchstem oder geringstem Maß vorhanden ist.

Beispiel: Thomas: 1,85m / Peter: 1,78m / Andreas: 1,70m


Eigenschaft Größe
Adjektive groß – klein
Komparativ größer – kleiner
Superlativ am größten – am kleinsten

Beispielsätze: Komparativ
Thomas ist größer als Peter und Andreas.
Peter ist kleiner als Thomas.
Peter ist größer als Andreas.
Andreas ist kleiner als Peter und Thomas.

Beispielsätze: Superlativ
Thomas ist am größten.
Andreas ist am kleinsten.

Die regelmäßige Form des Komparativs und des Super-


lativs
Die Grundform eines Adjektivs heißt Positiv. Aus dieser Form werden der regelmäßige Kom-
parativ und der Superlativ mit Hilfe der Endungen -er bzw. -(e)ste(n) gebildet.

Formbildung Komparativ und Superlativ - regelmäßig


Positiv -- (keine Endung) schön
Komparativ -er schöner
Superlativ ste(n) am schönsten/der schönste

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Komparativ und Superlativ

Beispiele: Komparativ und Superlativ - regelmäßig


Positiv Komparativ Superlativ
langsam langsamer am langsamsten/der langsamste
schnell schneller am schnellsten/der schnellste
lustig lustiger am lustigsten/der lustigste
freundlich freundlicher am freundlichsten/der freundlichste

Adjektive mit den Endungen -el und -er , die im Positiv ein -e- verlieren, bilden den Kompa-
rativ ohne -e- (wie den Positiv) und den Superlativ mit -e-.

Beispiele: Komparativ und Superlativ - Adjektive mit den Endungen -el und -er
Wortstamm Positiv Komparativ Superlativ
dunkel dunkle dunkler am dunkelsten/der dunkelste
teuer teure teurer am teuersten/der teuerste

Die e-Erweiterung beim Superlativ


Wenn das Adjektiv auf -d oder -t oder einen s-Laut (-s, -sch, -ß, -x, -z) endet, bekommt der
Superlativ eine e-Erweiterung.

Die e-Erweiterung beim Superlativ (I)


Endung Positiv Komparativ Superlativ
-d wild wilder am wildesten
-t weit weiter am weitesten
-s mies mieser am miesesten
-sch frisch frischer am frischesten
-ß heiß heißer am heißesten
-tz spitz spitzer am spitzesten

Bei Adjektiven, die auf Vokal oder Doppelvokal (Diphthong) enden, ist der Superlativ -esten
o d e r -sten.

Die e-Erweiterung beim Superlativ (II)


Endung Positiv Komparativ Superlativ
Doppelvokal: -eu neu neuer am neu(e)sten
Vokal: -oh [o:] froh froher am froh(e)sten

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Komparativ und Superlativ

Unregelmäßige Komparative und Superlative


Wenige Komparative und Superlative sind ganz unregelmäßig.

Komparativ und Superlativ - unregelmäßig


Positiv Komparativ Superlativ
gut besser am besten
viel mehr am meisten
gern lieber* am liebsten*

*In Süddeutschland hört man auch oft die regelmäßigen Formen gerner bzw. am gernsten.

Komparativ und Superlativ mit Umlaut


Bei einigen häufig gebrauchten einsilbigen Adjektiven wird der Stammvokal im Komparativ
und Superlativ umgelautet.

Komparativ und Superlativ - mit Umlaut


Positiv Komparativ Superlativ
alt älter am ältesten
kurz kürzer am kürzesten
arm ärmer am ärmsten
dumm dümmer am dümmsten
groß größer am größten
jung jünger am jüngsten
klug klüger am klügsten
lang länger am längsten
scharf schärfer am schärfsten
schwach schwächer am schwächsten
stark stärker am stärksten
warm wärmer am wärmsten

Dabei kommt es manchmal zu orthografischen Unregelmäßigkeiten.

Komparativ und Superlativ - mit Umlaut - orthografische Unregelmäßigkeiten


Positiv Komparativ Superlativ
hoch höher am höchsten
nah näher am nächsten

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Komparativ und Superlativ

Manchmal existieren zwei Formen mit bzw. ohne Umlaut.

Komparative und Superlative - mit/ohne Umlaut


Positiv Komparativ Superlativ
gesund gesunder/gesünder am gesundesten/am gesündesten
fromm frommer/frömmer am frommsten/am frömmsten
blass blasser/blässer am blassesten/am blässesten

Komparativ ohne -e
Wenn das Adjektiv auf unbetontes -e endet, fällt das -e- des Komparativs weg. Der Superla-
tiv ist regelmäßig.

Komparative und Superlative - -e (unbetont)


Positiv Komparativ Superlativ
müd(e)* müder am müdesten
feig(e)* feiger am feigsten
trüb(e)* trüber am trübsten

*Im gesprochenen Deutsch wird das unbetonte -e beim Positiv häufig weggelassen.

Fehlende Komparativ- und Superlativformen


kein Komparativ, nur Superlativ
Einige Adjektive, die von lokalen Adverbien abgeleitet sind, haben keinen Komparativ, aber
einen Superlativ.

kein Komparativ
lokales Adverb Adjektiv Komparativ Superlativ
oben ober- -- oberst-
unten unter- -- unterst-

Beispiele: Positiv und Superlativ bei Adjektiven, die von lokalen Adverbien abgeleitet sind
Positiv Das obere Stockwerk.
Superlativ Das oberste Stockwerk.

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Komparativ und Superlativ

Weitere abgeleitete Adjektive ohne Komparativ


Adverb Adjektiv Komparativ Superlativ
vorne vorder- -- vorderst-
hinten hinter- -- hinterst-
außen äußer- -- äußerst-
innen inner- -- innerst-

nur Komparativ, kein Superlativ


Einige zusammengesetzte Adjektive haben nur einen Komparativ, aber keinen Superlativ.

kein Superlativ
Adjektiv Komparativ kein Superlativ
langfristig längerfristig (kein Superlativ)

Beispiel: zusammengesetztes Adjektiv


Bei längerfristiger Abwesenheit sollte man das Gas abstellen.

Der Gebrauch des Komparativs und Superlativs


Komparativ und Superlativ als Adverb und Adjektiv
Komparativ und Superlativ können sowohl adverbial als auch adjektivisch gebraucht wer-
den. Bei adverbialem Gebrauch bekommen Superlativ und Komparativ keine Endung. Der
Superlativ wird mit am verwendet.

Komparativ und Superlativ - adverbial


Positiv Peter fährt schnell.
Komparativ Tom fährt schneller.
Superlativ Martin fährt am schnellsten.

Bei adjektivischem Gebrauch bekommen Komparativ und Superlativ die Adjektivendung.


Der Superlativ wird mit dem bestimmten Artikel verwendet.

Komparativ und Superlativ in adjektivischer Position


Positiv Peter hat ein schnelles Auto.
Komparativ Tom hat ein schnelleres Auto.
Superlativ Martin hat das schnellste Auto.

Eine Ausnahme ist das Adverb gern, das nur adverbial verwendet werden kann.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 257


Komparativ und Superlativ

Beispiele: gern - (nur) adverbial


Positiv Peter tanzt gern.
Komparativ Tom tanzt lieber.
Superlativ Martin tanzt am liebsten.

Die Vergleichswörter wie und als


Komparative und Superlative verwendet man, um Personen oder Sachen zu vergleichen.

Der Komparativ wird mit dem Vergleichswort als benutzt.

Komparativ + als

Beispiel 1: Peter (18 Jahre), Tom (21 Jahre), Martin (24 Jahre)
Tom ist älter als Peter.
Martin ist älter als Peter und Tom.
Tom ist jünger als Martin.
Peter ist jünger als Tom und Martin.

Beispiel 2: 1kg Äpfel: 1,59 Euro, 1kg Bananen 1,99 Euro, 1 kg Orangen 2,59 Euro
Die Bananen sind teurer als die Äpfel.
Die Orangen sind teurer als die Äpfel und die Bananen.
Die Bananen sind billiger als die Orangen.
Die Äpfel sind billiger als die Bananen und die Orangen.

Wenn zwei Personen oder Sachen in einem Vergleich gleich sind, verwendet man den Posi-
tiv und die Vergleichswörter so wie, die man häufig mit genau betont.

Positiv + wie

Beispiel 1: Peter (18 Jahre) und Alexander (18 Jahre)


Peter ist so alt wie Alexander.
Peter ist genauso alt wie Alexander.

Beispiel 2: 1kg Äpfel 1,59 Euro und 1kg Birnen 1,59 Euro
Die Äpfel sind so teuer wie die Birnen.
Die Äpfel sind genauso teuer wie die Birnen.

In der Umgangssprache wird der Komparativ häufig auch mit dem Vergleichswort wie be-

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 258


Komparativ und Superlativ

nutzt. Dies gilt als stilistisch schlecht.

Beispiel: Komparativ mit wie = Umgangssprache


Umgangssprache Seine Frau ist viel älter wie er.
Standardsprache Seine Frau ist viel älter als er.

Vergleichssätze mit als und wie


Ein einfacher Vergleich mit als oder wie kann zu einem Vergleichssatz erweitert werden.

Beispiel: Vergleichssatz mit als


einfacher Vergleich Er ist größer als sein Bruder.
Vergleichssatz Er ist größer, als du ihn mir beschrieben hast.

Beispiel: Vergleichssatz mit wie


einfacher Vergleich Er ist genauso groß wie sein Bruder.
Vergleichssatz Er ist genauso groß, wie du ihn mir beschrieben hast.

Man kann einfache Vergleiche auch als verkürzte Vergleichssätze mit identischen Verb auf-
fassen.

Beispiel: einfacher Vergleich/verkürzter Vergleichssatz


einfacher Vergleich Er arbeitet schneller als du.
= verkürzter Vergleichssatz Er arbeitet schneller, als du arbeitest.

Der Kasus nach den Vergleichswörtern als und wie


Die Wahl des Kasus nach den Vergleichswörtern als bzw. wie ist davon abhängig, in welchem
Kasus der gesamte Vergleich steht, also von der Funktion innerhalb des Satzes.

Beispiele: Kasus nach als (I)


Nominativ Ein kleiner Balkon ist besser als kein Balkon.
Akkusativ Ich finde einen kleinen Balkon besser als keinen Balkon.

Beispiele: Kasus nach als (II)


Nominativ Ein schlechtes Examen ist besser als ein abgebrochenes Studium.
Akkusativ Ich finde einen schlechten Arbeitsplatz besser als gar keinen Arbeitsplatz.
Dativ Ich helfe lieber meinem Vater als meinem Bruder.

Das gilt auch für das Vergleichswort wie.

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Komparativ und Superlativ

Beispiel: Kasus nach wie (I)


Nominativ Ein kleiner Balkon ist genauso schlecht wie kein Balkon.
Akkusativ Ich finde einen kleinen Balkon genauso schlecht wie keinen
Balkon.

Beispiele: Kasus nach wie (II)


Nominativ Ein schlechtes Examen ist genauso schlecht wie ein abgebroche-
nes Studium.
Akkusativ Ich finde einen schlechten Arbeitsplatz genauso schlecht wie
keinen Arbeitsplatz.
Dativ Ich helfe meinem Vater genauso gern wie meinem Bruder.

Bei Verben mit mehreren Personenergänzungen ist der Kasus eines verkürzten Vergleichs
nach als bzw. wie von der Bedeutung abhängig.

Beispiel: Verb mit Nominativ und Akkusativ


Ich kenne Anna.
Ich kenne Anna besser als du. =Ich kenne Anna besser als du (sie kennst).
Ich kenne Anna besser als dich. =Ich kenne Anna besser als (ich) dich (kenne).

Beispiel: Verb mit Nominativ und Dativ


Ich helfe Anna.
Ich helfe Anna lieber als du. =Ich helfe Anna lieber als du (ihr hilfst).
Ich helfe Anna lieber als dir. =Ich helfe Anna lieber als (ich) dir (helfe).

Verstärkung und Einschränkung des Superlativs


Verstärkung des Superlativ mit „aller-“
Den Superlativ kann man mit dem Präfix aller- verstärken.

Beispiel: Verstärkung des Superlativs mit aller-


Sie ist die allerschönste Frau, die ich kenne.
Er ist der allerbeste Mann, den ich kenne.

Superlativ in Kombination mit Ordinalzahlen


In Kombination mit den Ordinalzahlen kann man Rangfolgen von Superlativen ausdrücken.

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Komparativ und Superlativ

Beispiele: Kombination Ordinalzahl + Superlativ


der längste Fluss der zweitlängste Fluss der drittlängste Fluss
die größte Stadt die zweitgrößte Stadt die drittgrößte Stadt
das höchste Haus das zweithöchste Haus das dritthöchste Haus

Eingeschränkter Superlativ
Wenn man den absoluten Superlativ für unpassend hält oder nicht weiß, ob der absolute
Superlativ zutrifft, kann man einen eingeschränkten Superlativ bilden.

Beispiel: eingeschränkter Superlativ


absolut Superlativ Sie ist die schönste Frau der Welt.
eingeschränkter Superlativ Sie ist eine der schönsten Frauen der Welt.

Die Form des eingeschränkten Superlativs wird mit dem unbestimmten Artikel, dem Genitiv
Plural und dem Superlativ gebildet.

Formbildung eingeschränkter Superlativ


Artikel unbestimmt Artikel Genitiv Plural Superlativ Nomen Genitiv Plural
eine der schönsten Frauen
einer der bekanntesten Autoren
eines der besten Hotels

Den eingeschränkten Superlativ kann man auch mit gehören zu formulieren.

Beispiele: eingeschränkter Superlativ - gehören zu (Singular)


Sie ist eine der schönsten Frauen der Welt. =Sie gehört zu den schönsten Frauen der
Welt.
Das Matterhorn ist einer der höchsten =Das Matterhorn gehört zu den höchsten
Berge der Schweiz. Bergen der Schweiz.
Stuttgart ist eine der schönsten Städte in =Stuttgart gehört zu den schönsten Städ-
Deutschland. ten in Deutschland.
„Das Parfüm“ ist eines der besten deut- =„Das Parfüm“ gehört zu den besten deut-
schen Bücher. schen Büchern.

Da der unbestimmte Artikel keinen Plural hat, muss man im Plural immer die Struktur mit
gehören zu wählen.

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Komparativ und Superlativ

Beispiele: eingeschränkter Superlativ - gehören zu (Plural)


Das Matterhorn, die Jungfrau und der Eiger gehören zu den höchsten Bergen der
Schweiz.
Stuttgart, Hamburg und München gehören zu den schönsten Städten von Deutschland.
„Das Parfüm“ und „Die Blechtrommel“ gehören zu den besten deutschen Romanen.

Besonderheiten beim Gebrauch des Komparativs und


Superlativs
Kein Komparativ und Superlativ bei „absoluten“ Adjektiven
Zu einigen Adjektiven, die Absolutheit oder Totalität ausdrücken, kann man weder einen-
Komparativ noch einen Superlativ bilden.

Beispiele: „absolute“ Adjektive


tot, schwanger, kinderlos, ..

Zu diesen Adjektiven gehören auch Adjektive, die schon eine höchste bzw. niedrigste Stufe
bezeichnen

Beispiele: Adjektive, die schon eine höchste bzw. niedrigste Stufe bezeichnen
optimal, absolut, ideal, maximal, minimal, total, extrem, einzig, ..

Allerdings werden auch diese Adjektive als Stilmittel zur Betonung oder in der Umgangs-
sprache oft gesteigert.

Beispiel: Umgangssprache
Umgangssprache Bei dieser Übung werden die Muskeln am optimalsten trainiert.
Standardsprache Bei dieser Übung werden die Muskeln optimal trainiert.

Beispiel: Stilmittel – Betonung


Betonung In der Wüste ist die Hitze am extremsten.

Nicht vergleichender Gebrauch des Komparativs (absoluter Komparativ)


Der Komparativ kann auch verwendet werden, ohne einen direkten Vergleich auszudrücken.
Dies wird als absoluter Komparativ bezeichnet.

Der Komparativ dient hier nicht zur Steigerung, sondern zur Abschwächung einer Eigen-
schaft.

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Komparativ und Superlativ

Beispiel: absoluter Komparativ zur Abschwächung einer Eigenschaft


Sie ist eine alte Frau.
Sie ist eine ältere Frau.
=Sie ist eine nicht (ganz) so alte Frau.

Weitere Beispiele von nicht vergleichenden absoluten Komparativen:

Beispiele: absoluter Komparativ


Sie lebt in einer größeren Stadt = einer nicht (ganz) so großen Stadt
Er geht nächsten Monat auf eine längere Reise. = eine nicht (ganz) so lange Reise

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Adverbien

Adverbien
Da man (fast) alle Adjektive auch als Adverb benutzen kann, bilden die adverbial gebrauch-
ten Adjektive die größte und wichtigste Gruppe der Adverbien.

Daneben gibt es aber auch „echte“ Adverbien, die man nicht als Adjektive benützen kann.

Zu diesen Adverbien gehören z. B. die temporalen und lokalen Adverbien, die als Verber-
gänzung anstelle einer nominalen Orts- bzw. Zeitergänzung mit Präposition stehen.

Beispiele: temporale und lokale Adverbien


Ergänzung Nomen mit Präposition Adverb
Ortsergänzung Ich studiere an der Fachhochschule. Ich studiere hier.
Zeitergänzung Ich fahre am Sonntag. Ich fahre morgen.

Modale Adverbien modifizieren die Bedeutung eines anderen Wortes.

Beispiel: modales Adverb - sehr


Adverb modifiziert ein anderes Adverb Der Mann singt sehr gut.
Adverb modifiziert ein Adjektiv Der Mann ist ein sehr guter Sänger.

Zu den Adverbien gehören aber auch z. B. satzverbindende Adverbien, die im Kapitel Satz-
verbindung (siehe: „Adverbiale Satzverbindung“) behandelt werden oder Pronominaladver-
bien (siehe im Kapitel: „Verb mit Präposition und Pronominaladverb“).

Lokale Adverbien
Lokale Adverbien lassen sich den drei Arten von Ortsergänzungen (wo, wohin, woher) zuord-
nen.

Häufig werden die Adverbien mit Präpositionen oder anderen Adverbien kombiniert, um
das System zu vervollständigen.

Beispiele: lokale Adverbien


Wo steht der Stuhl? Er steht da.
Wohin soll ich den Stuhl stellen? Stell ihn dahin.
Woher hast du den Stuhl geholt? Von da.

Die wichtigsten lokalen Adverbien bzw. Kombinationen aus Adverb und Präposition/Adverb
sind:

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 264


Adverbien

Wichtige lokale Adverbien


wo? wohin? woher?
hier nach hier*/hierhin/hierher von hier
da nach da*/dahin von da/daher
dort nach dort*/dorthin von dort/dorther
draußen nach draußen/hinaus/heraus von draußen/hinein/herein
drinnen nach drinnen/hinein/herein von drinnen/hinaus/heraus
außen nach außen von außen
innen nach innen von innen
drüben nach drüben/hinüber von drüben/herüber
oben nach oben/hinauf/herauf von oben/herunter/hinunter
unten nach unten/hinunter/herunter von unten/herauf/hinauf
vorn(e) nach vorn(e) von vorn(e)
hinten nach hinten von hinten
links nach links von links
rechts nach rechts von rechts
nebenan nach nebenan von nebenan
überall überallhin überallher
irgendwo irgendwohin irgendwoher
anderswo anderswohin anderswoher
nirgendwo/nirgends nirgendwohin nirgendwoher

*Diese Formen gelten als umgangssprachlich.

Attributiver Gebrauch lokaler Adverbien


Lokale Adverbien können auch attributiv zu einem Nomen gebraucht werden.

Im Gegensatz zum Adjektiv stehen sie hinter dem Nomen und ersetzen ein präpositionales
Attribut.

Beispiel: lokales Adverb attributiv


präpositionales Attribut Das Haus in der Königstraße gehört mei-
nem Vater.
(lokales) Adverb als Attribut Das Haus hier gehört meinem Vater.

Zur Unterscheidung von hin und her


Grundsätzlich bedeutet hin eine Bewegung vom Sprecher weg und her eine Bewegung in
Richtung des Sprechers.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 265


Adverbien

Bedeutung von hin bzw. her


hin Bewegung vom Sprecher weg
her Bewegung in Richtung des Sprechers

Hin und her und ihre Kombinationen mit Präpositionen (herauf, hinauf, etc.) kommen nor-
malerweise nicht isoliert vor, sondern als Verbpräfixe. Die Präfixe sind trennbar.

Beispiele: Präfixe hin- bzw her- (+ Präposition)


hin- hinfahren, hineinfahren, hinunterfahren
her- herkommen, hereinkommen, herunterkommen

Die Wahl des Präfix ist von der Perspektive des Sprechers abhängig.

Beispiel: Sprecherperspektive
Die Mutter sagt zum Vater: „Schick bitte die Die Mutter ist wie der Vater unten und die
Kinder hinauf.“ Kinder sollen nach oben gehen. (von der
Mutter weg)
Die Mutter sagt zum Vater: „Schick bitte die Die Mutter ist oben und der Vater soll die
Kinder herauf.“ Kinder nach oben schicken. (zu der Mutter)

Wenn es keine Sprecherperspektive gibt, sind beide Formen möglich.

Beispiel: keine Sprecherperspektive


Ein Auto fuhr langsam den Berg hinunter/herunter.

Die komplizierte Unterscheidung von hin und her wird in der Umgangssprache durch eine
Verkürzung der Formen aufgehoben. Die verkürzte Form lautet r- + Präposition.

Beispiel: verkürzte Form r- + Präposition


Die Mutter sagt zum Vater: „Schick die unabhängig von der Sprecherperspektive
Kinder rauf.“

Alle verkürzten Formen lauten:

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 266


Adverbien

hin-/her- + Präposition => verkürzte Formen


hin her verkürzte Form
hinauf herauf rauf
hinein herein rein
hinaus heraus raus
hinunter herunter runter
hinüber herüber rüber
hinan* heran ran

*veraltet

Zur Unterscheidung von außen/draußen bzw. innen/drinnen


Außen bzw. innen bezeichnen die äußere bzw. innere Seite einer Sache.

Beispiele: außen / innen


Der Mantel ist außen schwarz und innen grau.
Der Apfel ist außen rot und innen weiß.

Draußen bzw. drinnen bezeichnen eine Sache außerhalb bzw. innerhalb eines Bezugsrau-
mes.

Beispiele: draußen / drinnen


Ich warte draußen.
Der Unterricht findet heute draußen statt. Drinnen ist es zu warm.

Temporale Adverbien
Temporale Adverbien beschreiben meist einen Zeitpunkt oder eine Wiederholfrequenz.

Beispiele: temporale Adverbien


Zeitpunkt (wann?) Wann fährst du nach Berlin? - Morgen.
Frequenz (wie oft?) Wie oft fährst du nach Berlin? – Zweimal jährlich.

Die folgende Übersicht zeigt Beispiele für häufig vorkommende temporale Adverbien.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 267


Adverbien

Temporale Adverbien (I) - Zeitpunkt (wann?)


jetzt, nun, momentan*, gerade, heutzutage, gegenwärtig*, inzwischen, mittlerweile, ..
bald, zukünftig*, demnächst, ..
neulich, kürzlich, vorher, vorhin, (so)eben, früher, damals, ..
heute, morgen, übermorgen, gestern, vorgestern
anfangs, zuerst, zunächst, ..
anschließend*, später, dann, danach, endlich, schließlich, zuletzt, nachher, ..
morgens, vormittags, mittags, nachmittags, abends, nachts
montags, dienstags, mittwochs, donnerstags, freitags, samstags, sonntags

* Diese temporalen Adverbien können auch als Adjektiv verwendet werden.

Beachte den Unterschied zwischen morgen und morgens.

Beispiel: morgen vs. morgens


morgen Ich habe morgen einen Termin. = am nächsten Tag
morgens Ich habe morgens einen Termin. = am Morgen

Temporale Adverbien (II) - Frequenz (wie oft?)


immer, nie, stets, ständig*, ewig*, bisweilen, häufig*, manchmal, mitunter, zeitweise, oft,
selten*, ..
einmal, zweimal, dreimal, mehrmals, ..
stündlich*, täglich*, wöchentlich*, monatlich*, jährlich*

Attributiver Gebrauch temporaler Adverbien


Temporale Adverbien können auch attributiv zu einem Nomen gebraucht werden. Im Ge-
gensatz zum Adjektiv stehen sie wie ein präpositionales Attribut hinter dem Nomen.

Beispiel: temporales Adverb attributiv


präpositionales Attribut Für die Party am Samstag muss ich noch einkaufen.
temporales Adverb als Attribut Für die Party übermorgen muss ich noch einkaufen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 268


Adverbien

Adjektive zu lokalen und temporalen Adverbien


Zu einigen lokalen und temporalen Adverbien kann man ähnlich lautende Adjektive bilden.
Häufig werden dazu die Suffixe –ig bzw. -lich verwendet.

Lokale Adverbien/Adjektive

Lokale Adverbien/Adjektive
Adverb Adjektiv Adverb Adjektiv
hier hiesig- hinten hinter-
dort dortig- links link-
außen äußer- rechts recht-
innen inner- mitten mittler-
oben ober- diesseits diesseitig-
unten unter- jenseits jenseitig-
vorne vorder-

Temporale Adverbien/Adjektive

Temporale Adverbien/Adjektive
Adverb Adjektiv Adverb Adjektiv
heute heutig- nachts nächtlich-
gestern gestrig- jetzt jetzig-
morgen morgig- bald baldig-
morgens morgendlich- damals damalig-
vormittags vormittäglich- ehemals ehemalig-
mittags mittäglich- einmal einmalig-
nachmittags nachmittäglich- oft häufig-
abends abendlich- stets, immer ständig-

Modale Adverbien
Modale Adverbien modifizieren die Bedeutung eines anderen Wortes, meist eines Adjektivs
oder eines anderen Adverbs. Sie können häufig nicht alleine stehen. Die Bedeutungsmodifi-
kation kann verschiedene Richtungen einnehmen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 269


Adverbien

Beispiele: modale Adverbien - Bedeutung


Bedeutung Adverb Beispiel
Verstärkung sehr Er singt sehr gut.
Abschwächung ziemlich Er singt ziemlich gut.
Negation nicht Er singt nicht gut.
Vermutung wahrscheinlich Er singt wahrscheinlich gut.
Hinzufügung auch Er singt auch gut.

Weitere Beispiele für modale Adverbien sind:

Modale Adverbien
Verstärkung sehr, außerordentlich, besonders, überaus, äußerst, ungewöhnlich,
extrem, total*, super*
Abschwächung ziemlich, einigermaßen, fast, kaum, beinahe, nur
Negation nicht, gar nicht, überhaupt nicht, keinesfalls, keineswegs
Vermutung wahrscheinlich, wohl, vielleicht, möglicherweise, bestimmt, sicher,
vermutlich, anscheinend, sicherlich, zweifellos, zweifelsohne,
Hinzufügung auch, außerdem, zusätzlich, ferner, ebenfalls, zudem

* umgangssprachlich

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Adverbien

Pronominaladverbien
Formbildung
Pronominaladverbien werden mit den Adverbien da-, wo-, hier-, mit oder ohne Fugen-r und
einer Präposition gebildet. Deshalb werden sie auch als Präpositionaladverbien bezeichnet.

Bildung Pronominaladverbien
Adverb (-r-) Präposition Pronominaladverb
da- (-r-) auf darauf
wo- (-r-) auf worauf
hier- auf hierauf

Das Vorkommen des Fugen-r bei Pronominaladverbien, die mit da- und wo- gebildet wer-
den, ist davon abhängig, ob die Präposition mit einem Vokal oder einem Konsonanten
beginnt. Wenn die Präposition mit einem Konsonanten beginnt, fällt das Fugen-r weg.

Fugen-r bei Pronominaladverbien


Vokal Konsonant
darauf (da-r-auf ) dafür (da-für)
=> mit Fugen-r => ohne Fugen-r

Pronominaladverbien mit da-/wo- mit Fugen-r


da- daran, darauf, daraus, darin, darüber, darunter
wo- woran, worauf, woraus, worin, worüber, worunter

Pronominaladverbien da-/wo- ohne Fugen-r


da- dabei, dadurch, dafür, dagegen, dahinter, damit, danach, daneben, davon,
davor, dazu, dazwischen
wo- wobei, wodurch, wofür, wogegen, wohinter, womit, wonach, woneben,
wovon, wovor, wozu, wozwischen

Bei Zusammensetzungen mit hier gehört -r- zum Wortstamm.

Pronominaladverbien hier-
hier- hieran, hierauf, hieraus, hierbei, hierdurch, hierfür, hiergegen, hierhinter,
hierin, hiermit, hiernach, hierneben, hierüber, hierunter, hiervon, hiervor,
hierzu, hierzwischen

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Adverbien

Gebrauch als Pronomen


Ersatz einer lokalen, temporalen oder modalen Ergänzung
Pronominaladverbien werden pronominal anstelle einer lokalen, temporalen oder modalen
Ergänzung verwendet.

Beispiel: Pronominaladverb anstelle einer lokalen Ergänzung


Stellst du das Sofa vor den Schrank?
Ja, ich stelle es vor den Schrank. lokale Ergänzung
Ja, ich stelle es davor. Pronominaladverb

Beispiel: Pronominaladverb anstelle einer temporalen Ergänzung


Hörst du beim Lernen Musik?
Ja, beim Lernen höre ich immer Musik. temporale Ergänzung
Ja, dabei höre ich immer Musik. Pronominaladverb

Beispiel: Pronominaladverb anstelle einer modalen Ergänzung


Kannst du die Tür mit diesem Schlüssel öffnen?
Ja, mit diesem Schlüssel kann ich die Tür öffnen. modale Ergänzung
Ja, damit kann ich die Tür öffnen. Pronominaladverb

Ersatz einer festen Präpositionalergänzung


Pronominaladverbien können auch pronominal anstelle einer festen Präpositionalergän-
zung eines Verbs, Nomens oder Adjektivs/Adverbs verwendet werden.

Beispiel: Pronominaladverb anstelle eines Verbs mit fester Präposition


Wartest du auf die Pause?
Nein, ich warte nicht auf die Pause. feste Präposition
Nein, darauf warte ich nicht. Pronominaladverb

Siehe dazu auch im Kapitel: „Verb mit Präposition und Pronominaladverb“

Beispiel: Pronominaladverb anstelle eines Nomens mit fester Präposition


Hast du Angst vor dem Fliegen?
Nein, ich habe keine Angst vor dem Fliegen. feste Präposition
Nein, davor habe ich keine Angst. Pronominaladverb

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Adverbien

Beispiel: Pronominaladverb anstelle eines Adjektivs/Adverbs mit fester Präposition


Bist du gut in Mathematik?
Nein, ich bin nicht gut in Mathematik. feste Präposition
Nein, darin bin ich nicht gut. Pronominaladverb

Bezug auf einen vorhergehenden Satz


Pronominaladverbien können sich auch auf ganze Sätze beziehen.

Beispiel: Bezug des Pronominaladverbs auf einen vorhergehenden Satz


Sie hat die Prüfung nicht bestanden. Damit hat sie nicht gerechnet.
Er hatte ihren Geburtstag vergessen. Darüber war sie sehr enttäuscht.
Sie hat einen sehr viel älteren Mann ge- Dafür hatten ihre Eltern überhaupt kein
heiratet. Verständnis.

Bezug auf einen nachfolgenden Nebensatz


Wenn eine präpositionale Verbergänzung keine Person oder Sache bezeichnet, sondern
eine Aktion, benutzt man das Pronominaladverb im Hauptsatz als Verweis auf einen nach-
folgenden Nebensatz als Ergänzung (Komplementsatz).

Beispiel: Bezug des Pronominaladverbs auf einen folgenden Nebensatz mit dass
warten auf [+Aktion] Ich warte darauf, dass mein Chef kommt.
warten auf [+Person] Ich warte auf meinen Chef.
warten auf [+Sache] Ich warte auf einen Anruf meines Chefs.

Siehe dazu auch im Kapitel: „Verb mit Präposition und Pronominaladverb“

Gebrauch von wo- als Relativpronomen


Pronominaladverbien mit wo-(r)- werden nach unbestimmten Zahlwörtern, nach nominali-
sierten Superlativen und nach das als Relativpronomen benutzt, wenn das Verb des Relativ-
satzes ein Verb mit Präposition ist.

Pronominaladverbien mit wo-(r) als Relativpronomen


unbestimmtes Zahlwort Alles, woran ich mich erinnern kann, ist der Name der Stadt.
nominalisierter Superlativ Das Interessanteste, worüber wir sprachen, war das Essen.
das Das, worüber wir uns unterhalten haben, war interessant
für mich.

Siehe dazu auch im Kapitel: „Relativsätze mit was und wo-“

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Adverbien

Umgangssprachlicher Gebrauch der Pronominaladverbien


Verkürzung dar- zu dr-
Die Pronominaladverbien mit dar- werden in der gesprochenen Sprache häufig zu dr- ver-
kürzt.

Umgangssprachliche Verkürzung von dar- zu dr-


dar- dr-
daran dran
darauf drauf
daraus draus
darüber drüber
darunter drunter

Achtung: drin ist die Verkürzung des lokalen Adverbs drinnen, nicht von darin.

Verdoppelung mit da
In der Umgangssprache werden die verkürzten Pronominaladverbien oft durch da am Satz-
anfang verdoppelt.

Dabei wird das verkürzte Pronominaladverb auch häufig ans Satzende gestellt.

Beispiel: umgangssprachliche Verdoppelung des verkürzten Pronominaladverbs


Standardsprache Darauf habe ich keine Lust.
Umgangssprache (1) Da drauf habe ich keine Lust.
Umgangssprache (2) Da habe ich keine Lust drauf.

Weitere Beispielsätze: Pronominaladverbien umgangssprachlich


dran Da denk ich gerne dran.
drauf Da freu ich mich schon drauf.
draus Da mach ich mir nichts draus.
drüber Da hat er sich sehr drüber gefreut.
drunter Da war nichts für mich drunter.

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Adverbien

Aufspaltung der Pronominaladverbien


Besonders in der norddeutschen Umgangssprache werden nicht verkürzbare Pronominalad-
verbien gerne in zwei Teile aufgespalten.

Beispiel: Umgangssprachliche Aufspaltung des Pronominaladverbs


Standardsprache Dafür interessiere ich mich nicht.
(Norddeutsche) Umgangssprache Da interessiere ich mich nicht für.

Satzadverbien
Lokale, temporale oder modale Adverbien dienen als lokale, temporale bzw. modale Ergän-
zungen zu einem Verb.

Im Gegensatz dazu beziehen sich Satzadverbien auf die Aussage des ganzen Satzes. Sie kom-
mentieren den Satzinhalt aus der Sicht des Sprechers.

Beispiel: Satzadverb - leider


Unkommentierte Aussage Ich habe keine Zeit.
Kommentierte Aussage Ich habe leider keine Zeit.
=> Es tut dem Sprecher leid, dass er keine Zeit hat.

Beispiel: Satzadverb - vielleicht


Unkommentierte Aussage Peter kommt später.
Kommentierte Aussage Vielleicht kommt Peter später.
=> Der Sprecher ist sich nicht sicher, ob Peter kommt (oder nicht).

Häufig verwendete Satzadverbien sind z. B.:

Satzadverbien (I)
anscheinend, hoffentlich, leider, offensichtlich, sicher, vielleicht, wahrscheinlich.

Satzadverbien mit -weise


Satzadverbien sind auch die meisten Adverbien, die mithilfe des Suffixes -weise aus Adjekti-
ven gebildet werden.

Beispiel: Satzadverb dummerweise


Unkommentierte Aussage Ich habe meinen Reisepass vergessen.
Kommentierte Aussage Dummerweise habe ich meinen Reisepass
vergessen.
=> Der Sprecher findet es dumm, dass er seinen Reisepass vergessen hat.

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Adverbien

Häufig vorkommende Satzadverbien mit -weise sind:

Satzadverbien (II) - -weise


dummerweise, erfreulicherweise, freundlicherweise, glücklicherweise, klugerweise, mög-
licherweise, praktischerweise, richtigerweise, überraschenderweise

Adverbiale Ausdrücke mit Präposition und Nomen als Satzadverbien


Auch adverbiale Ausdrücke mit Präposition und Nomen können als Satzadverbien verwen-
det werden.

Beispiel: Satzadverb - mit Sicherheit


Unkommentierte Aussage Das Paket kommt morgen.
Kommentierte Aussage Das Paket kommt mit Sicherheit morgen.
=> Der Sprecher ist sich sicher, dass das Paket morgen kommt.

Häufig verwendete adverbiale Ausdrücke sind:

Satzadverbien (III) - adverbiale Ausdrücke


ohne (jeden) Zweifel, mit (absoluter) Sicherheit), (ganz) ohne (jede) Frage, ..

Satzverbindende Satzadverbien
Zu den Satzadverbien gehören auch die satzverbindenden Wörter, bei denen das Verb nicht
in Endposition steht.

Beispiel: Satzadverb deshalb


Ich bin krank. Deshalb kann ich nicht kommen.
Ich bin krank. Trotzdem gehe ich zur Arbeit.

Weitere satzverbindende Satzadverbien und adverbiale Ausdrücke sind z. B.:

Satzadverbien (IV) - satzverbindende Satzadverbien


allerdings, daher, darum, deswegen, infolgedessen, sonst, aus diesem Grund, ..

Satzverbindende Adverbien werden ausführlich im Kapitel Komplexe Sätze behandelt: „Kom-


plexe Sätze“

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Die Rektion der Adjektive und Adverbien

Adjektive (Adverbien) mit Präpositional-


und Kasusergänzungen
Adjektive bzw. Adverbien können wie Verben eine feste Verbindung mit einer Präposition
eingehen oder einen Kasus direkt regieren.

Beispiel: Adjektive (Adverbien)


mit Präposition wichtig für Das Thema ist wichtig für die Prüfung.
mit Kasus ähnlich + Dativ Du bist deinem Bruder ähnlich.

Adjektive (Adverbien) mit Präposition


Adjektive bzw. Adverbien mit Präposition kommen recht häufig vor.

Beispiele: Adjektive mit Präposition


freundlich zu Er ist immer freundlich zu alten Leuten.
reich an Süddeutschland ist reich an Wald.
verliebt in Er ist in seine Nachbarin verliebt.
abhängig von Studenten sind finanziell abhängig von ihren Eltern.
eifersüchtig auf Sie ist eifersüchtig auf ihre Nachbarin.

Einige Adjektive haben zwei Präpositionen die man mit gleicher Bedeutung alternativ verwen-
den kann.

Beispiel: Präpositionen alternativ verwendbar (I)


misstrauisch gegen (+Akk)* Er ist misstrauisch gegen seine Frau.
misstrauisch gegenüber (+Dat)* =Er ist misstrauisch gegenüber seiner Frau.

*Beachte den unterschiedlichen Kasus der Präpositionen.

Beispiel: Präpositionen alternativ verwendbar (II)


böse auf (+Akk)* Ich bin böse auf meinen Bruder.
böse mit (+Dat)* =Ich bin böse mit meinem Bruder.

Einige Adjektive haben zwei Präpositionen mit unterschiedlicher Bedeutung, die nicht zusam-
men in einem Satz vorkommen können.

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Die Rektion der Adjektive und Adverbien

Beispiel: Präpositionen mit unterschiedlicher Bedeutung (I)


gut in Ich bin gut in Mathematik.
gut für Sport ist gut für die Gesundheit.
gut gegen Das Medikament ist gut gegen Husten.

Manchmal hat ein Adjektiv Präpositionen mit gleicher und mit unterschiedlicher Bedeu-
tung.

Beispiel: Präpositionen mit gleicher und unterschiedlicher Bedeutung


böse auf (Person) Ich bin böse auf meinen Bruder.
böse mit (Person) =Ich bin böse mit meinem Bruder.
böse über (Sache) Mein Vater ist böse über meine schlechte Note.

Sehr wenige Adjektive haben zwei Präpositionen, die zusammen in einem Satz vorkommen
können.

Beispiel: Adjektiv mit zwei Präpositionen


einig +mit +über Wir sind mit unserem Geschäftspartner über den Preis einig.

Der Kasus der Präpositionen


Die Präposition, die fest zum Adjektiv gehört, regiert einen Kasus. Präpositionen, die einen
festen Kasus haben, behalten diesen Kasus.

Beispiel: Präpositionen mit festem Kaus


für + Akkusativ dankbar für Ich bin dankbar für deine Hilfe.
bei + Dativ beliebt bei Die Lehrerin ist bei ihren Schülern beliebt.

Wechselpräpositionen bekommen je nach Adjektiv einen festen Kasus. Die Präposition und
der Kasus müssen zusammen mit dem Adjektiv gelernt werden.

Die Wechselpräpositionen an und in können sowohl mit dem Akkusativ als auch mit dem
Dativ vorkommen.

Beispiele: Wechselpräpositionen an und in


an + Dativ beteiligt Die Partei ist an der Regierung beteiligt.
an + Akkusativ gewöhnt Die Deutschen sind an das schlechte Wetter gewöhnt.
in + Dativ erfahren Er ist noch nicht so erfahren in seinem Beruf.
in + Akkusativ verliebt Er ist verliebt in seine Nachbarin.
an, in => Akkusativ oder Dativ

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Die Rektion der Adjektive und Adverbien

Die Wechselpräpositionen auf und über bekommen immer den Akkusativ, wenn sie von
einem Adjektiv regiert werden.

Beispiele: Wechselpräpositionen über und auf


über + Akkusativ glücklich Er ist glücklich über seine Examensnoten.
auf + Akkusativ eifersüchtig Sie ist eifersüchtig auf ihre Nachbarin.
auf, über => Akkusativ

Die Wechselpräposition vor bekommt immer den Dativ.

Beispiele: Wechselpräposition vor


vor + Dativ sicher Im Haus sind wir sicher vor dem Gewitter.
vor => Dativ

Mit den Wechselpräpositionen unter, hinter, zwischen und neben verbindet sich kein Adjek-
tiv.

Adjektiv vs. Verb mit Präposition


Adjektive mit Präposition sind oft vom Partizip eines Verbs abgeleitet.

Die Verben, von denen das Partizip abgeleitet ist, haben manchmal, aber nicht immer die
gleiche Präposition. Die Präposition muss mit dem Adjektiv gelernt werden.

Beispiele: Adjektiv vs. Verb mit Präposition


Adjektiv Verb
beschäftigt mit sich beschäftigen mit => gleiche Präposition
begeistert von sich begeistern für => andere Präposition

Beispielsätze: Adjektiv vs. Verb mit Präposition (I)


Adjektiv beschäftigt mit Die Schüler sind mit den Hausaufgaben beschäftigt.
Verb sich beschäftigen mit Die Schüler beschäftigen sich mit den Hausaufgaben.

Beispielsätze: Adjektiv vs. Verb mit Präposition (II)


Adjektiv begeistert von Er ist begeistert von Sport.
Verb sich begeistern für Er begeistert sich für Sport.

Präposition vs. Komplementsatz


Statt einer Präposition des Adjektivs kann auch ein Komplementsatz (mit Pronominalad-
verb) stehen.

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Die Rektion der Adjektive und Adverbien

Beispiel: Adjektiv mit Präposition vs. indirekte Frage


neugierig auf
Präposition Ich bin neugierig auf das Prüfungsergebnis meines Freundes.
indirekte Frage Ich bin neugierig darauf, welches Prüfungsergebnis mein Freund hat.

Beispiel: Adjektiv mit Präposition vs. Infinitivsatz mit zu


beschäftigt mit
Präposition Die Kinder sind mit den Hausaufgaben beschäftigt.
Infinitivsatz Die Kinder sind damit beschäftigt, die Hausaufgaben zu machen.

Beispiel: Adjektiv mit Präposition vs. dass- Satz


angewiesen auf
Präposition Er ist auf die Unterstützung seiner Eltern angewiesen.
dass-Satz Er ist darauf angewiesen, dass seine Eltern ihn unterstützen.

Adjektive, die einen Kasus direkt regieren


Einige Adjektive können anstelle einer Präposition direkt einen Kasus regieren. Adjektive mit
Dativ kommen häufiger vor.

Beispiele: Adjektive + Dativ


ähnlich sein Du bist deinem Bruder sehr ähnlich.
willkommen sein Du bist mir immer willkommen.

Adjektive mit Genitiv oder Akkusativ gibt es nur wenige.

Beispiele: Adjektive + Genitiv


fähig sein Er ist dieser Tat nicht fähig.
verdächtig sein Er ist des Mordes verdächtig.

Beispiele: Adjektive mit Akkusativ


gewohnt Wir sind den kalten Winter in Deutschland gewohnt.
wert Das ist den Ärger nicht wert.
leid Ich bin den ewigen Ärger mit den Nachbarn leid.

Weitere Adjektiven, die einen Kasus direkt regieren, siehe in der folgenden Liste.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 280


Liste: Rektion der Adjektive und Adverbien

Liste: Rektion der Adjektive/Adverbien


Adjektive mit Präposition

abhängig von Dat Während des Studiums bin ich abhängig von
meinen Eltern.
ähnlich in Dat Die Geschwister sind in ihrem Aussehen sehr
ähnlich.
angemessen für Akk Die Bezahlung ist für diese Aufgabe angemes-
sen.
angenehm für Akk Die Temperaturen sind angenehm für mich.
angewiesen auf Akk Meine Großmutter ist auf Unterstützung ange-
wiesen.
arm an Dat Deutschland ist arm an Rohstoffen.
aufgelegt zu Dat Er ist heute nicht zum Spaßen aufgelegt.
bedacht auf Akk Er ist immer auf Rücksichtnahme bedacht.
bedeutsam für Akk Diese Station war bedeutsam für seine weitere
Karriere.
bedeutungslos für Akk Der Test ist bedeutungslos für die Endnote.
befreundet mit Dat Ich bin seit vielen Jahren mit ihm befreundet.
begeistert von Dat Er ist begeistert von Sport.
behilflich bei Dat Der Busfahrer ist der alten Frau beim Ausstei-
gen behilflich.
beliebt bei Dat Die Fernsehsendung ist bei den Zuschauern
sehr beliebt.
berechtigt zu Dat Der Studentenausweis berechtigt zu verbillig-
tem Eintritt.
bereit zu Dat Der Zug ist zur Abfahrt bereit.
beschäftigt mit Dat Die Kinder sind mit den Hausaufgaben be-
schäftigt.
beschämt über Akk Die Mannschaft ist über ihr schlechtes Ergeb-
nis beschämt.
besessen von Dat Er ist besessen von seiner Idee.
besorgt um Akk Die Angestellten sind um ihre Arbeitsplätze
besorgt.
beteiligt an Dat Die Partei ist an der Regierung beteiligt.
betroffen von Dat Ganz Norddeutschland war von dem Unwetter
betroffen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 281


Liste: Rektion der Adjektive und Adverbien

beunruhigt über Akk Der Patient ist beunruhigt über das Ergebnis
der Untersuchung.
bezeichnend für Akk Dieses Verhalten ist bezeichnend für ihn.
blass vor Dat Sie wurde blass vor Neid.
charakteristisch für Akk Diese Kleidung ist charakteristisch für diese
Region.
dankbar für Akk Ich bin dir dankbar für deine Hilfe.
eifersüchtig auf Akk Sie ist eifersüchtig auf ihre Nachbarin.
eingebildet auf Akk Meine Nachbarin ist schrecklich eingebildet
auf ihre Kinder.
einverstanden mit Dat Die Eltern sind mit der Hochzeit einverstanden.
empfänglich für Akk Die Menschen sind empfänglich für Propagan-
da.
entfernt von Dat Er lebt weit entfernt von seiner Familie.
entscheidend für Akk Das Spiel ist entscheidend für die Zukunft des
Trainers.
entschlossen zu Dat Die Regierung ist zum Handeln entschlossen.
entsetzt über Akk Die Menschen waren über seine Taten entsetzt.
enttäuscht von Dat Die Bürger sind enttäuscht von den Politikern.
erfahren in Dat Er ist noch nicht so erfahren in seinem Beruf.
erfreut über Akk Die Arbeiter sind erfreut über die Lohnerhö-
hung.
erkrankt an Dat Viele Menschen sind an der Grippe erkrankt.
erstaunt über Akk Der Lehrer war über die Fähigkeiten seiner
Schüler erstaunt.
fähig zu Dat Er war zu dieser Tat nicht fähig.
fern von Dat Er lebt fern von seiner Heimat.
fertig mit Dat Ich bin fertig mit den Prüfungen.
frei von Dat Das Wasser ist jetzt frei von Schadstoffen.
freundlich zu Dat Die Leute sind nicht immer freundlich zu Frem-
den.
froh über Akk Sie ist froh über ihren Erfolg.
geeignet für Akk Die Kleidung ist für das Fahrradfahren geeig-
zu Dat net.
=Die Kleidung ist zum Fahrradfahren geeignet.
gerührt von Dat Die Zuhörer waren von ihrem Schicksal ge-
rührt.

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Liste: Rektion der Adjektive und Adverbien

geschickt in Dat Sie ist geschickt im Nähen.


gespannt auf Akk Wir sind auf den neuen Film gespannt.
gewöhnt an Akk Nach zwei Jahren bin ich an das deutsche
Essen gewöhnt.
gleichbedeutend mit Dat Das neue Pressegesetz ist gleichbedeutend mit
einem Angriff auf demokratische Grundrechte.
gleichgültig gegen Akk Viele Menschen sind gleichgültig gegen ihre
gegenüber Dat Nachbarn.
Viele Menschen sind gleichgültig gegenüber
ihren Nachbarn.
glücklich mit Dat Ich bin nicht ganz glücklich mit meiner neuen
über Akk Aufgabe.
Ich bin nicht ganz glücklich über meine neue
Aufgabe.
gezwungen zu Dat Viele Mitarbeiter sind gezwungen den Wohn-
ort zu wechseln.
immun gegen Akk Die Viren sind immun gegen Antibiotika.
interessant für Akk Das Angebot scheint interessant für mich.
interessiert an Dat Ich bin interessiert an dem Angebot.
misstrauisch gegen Akk Die Menschen sind misstrauisch gegen Frem-
gegenüber Dat de.
=Die Menschen sind misstrauisch gegenüber
Fremden.
nachteilig für Akk Seine unordentliche Kleidung war nachteilig
für den Bewerber.
neidisch auf Akk Sie ist immer neidisch auf ihre Nachbarin.
nett zu Dat Er ist immer nett zu alten Leuten.
neugierig auf Akk Ich bin neugierig auf ihren neuen Freund.
nötig für Akk Die Leistungsnachweise sind für die Zwischen-
prüfung nötig.
notwendig für Akk Die Leistungsnachweise sind für die Zwischen-
prüfung notwendig.
nützlich für Akk Freiwillige soziale Arbeit ist nützlich für die
Gesellschaft.
offen für Akk Der Chef ist immer offen für neue Ideen.
passend für Akk Das Angebot ist passend für mich.
reich an Dat Deutschland ist reich an Industrie.
schädlich für Akk Rauchen ist schädlich für die Gesundheit.
schmerzlich für Akk Die Erkenntnis war schmerzlich für ihn.

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Liste: Rektion der Adjektive und Adverbien

schuld(ig) an Dat Er Autofahrer war an dem Unfall schuld.


sicher vor Dat Im Haus sind wir sicher vor dem Gewitter.
stolz auf Akk Die Eltern sind stolz auf die Leistung ihres
Kindes.
streng gegen Akk Der Großvater war immer sehr streng gegen
gegenüber Dat Kinder.
=Der Großvater war immer sehr streng gegen-
über Kindern.
traurig über Akk Sie war traurig über ihre schlechten Noten.
überzeugt von Dat Der Mitarbeiter ist überzeugt von seiner Idee.
unabhängig von Dat Nach dem Studium bin ich endlich unabhän-
gig von meinen Eltern.
verantwortlich für Akk Der Mann war für die Organisation verantwort-
lich.
verbunden mit Dat Das duale Studium ist mit einem Praktikums-
platz in einer Firma verbunden.
vergleichbar mit Dat Das Leben in Deutschland ist vergleichbar mit
meinem Heimatland.
verhasst bei Dat Der strenge Lehrer ist bei den Schülern ver-
hasst.
verheiratet mit Dat Mein Vater ist seit dreißig Jahren mit meiner
Mutter verheiratet.
verliebt in Akk Sie ist in ihren Nachbarn verliebt.
verpflichtet zu Dat Der Ehemann ist zur Zahlung des Unterhalts
verpflichtet.
verrückt nach Dat Mein kleiner Bruder ist verrückt nach Schoko-
lade.
verständlich für Akk Seine Erklärungen waren gut verständlich für
die Zuhörer.
verständnisvoll gegen Akk Die Eltern sollten verständnisvoll gegen ihre
gegenüber Dat Kinder sein.
Die Eltern sollten verständnisvoll gegenüber
ihren Kindern sein.
vertraut mit Dat Er ist seit vielen Jahren mit seiner Aufgabe
vertraut.
verwandt mit Dat Er ist mit mir verwandt.
voll von Dat Die Straßen waren voll von Menschen.
vorteilhaft für Akk Das Praktikum war vorteilhaft für den Bewer-
ber.
wichtig für Akk Das Thema ist wichtig für die Prüfung.

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Liste: Rektion der Adjektive und Adverbien

wütend auf Akk Die Demonstranten waren wütend auf den


Bürgermeister.
zornig auf Akk Die Demonstranten waren zornig auf den
Bürgermeister.
zufrieden mit Dat Ich bin sehr zufrieden mit meiner neuen Woh-
nung.
zurückhaltend gegen Akk Die Menschen sind zurückhaltend gegen
gegenüber Dat Fremde.
=Die Menschen sind zurückhaltend gegenüber
Fremden.
zuständig für Akk Für die Arbeitserlaubnis ist das Ausländeramt
zuständig.

Mehr als 1 Präposition

bekannt für Akk Er ist bekannt für sein Talent.


mit Dat Er ist mit vielen Leuten bekannt.
böse auf Akk Ich bin böse auf meinen Bruder.
mit Dat =Ich bin böse mit meinem Bruder.
zu Dat Er war immer böse zu seinen Kindern.
über Akk Mein Vater ist böse über meine schlechte
Note.
einig in Dat Die Regierung ist sich in dieser Sache einig.
mit + über Dat Wir sind mit dem Käufer über den Preis einig.

gut für Akk Entspannung ist gut für mich.


in Dat Ich bin gut in Englisch.
zu Dat Sie ist immer gut zu den Kindern.
schlecht für Akk Mein Übergewicht ist schlecht für mich.
in Dat Ich bin schlecht in Mathematik.
zu Dat Sie war schlecht zu ihren Kindern.

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Liste: Rektion der Adjektive und Adverbien

Adjektive mit Dativ

abträglich Der Fehler war seiner Karriere abträglich.


ähnlich Er ist seinem Bruder sehr ähnlich.
angeboren Dieses Talent ist ihr angeboren.
angemessen Der Preis ist der Leistung angemessen.
angenehm Dieses Klima ist mir angenehm.
begreiflich Sie machte ihm begreiflich, dass es sich ändern muss.
behilflich Der Taxifahrer ist der Kundin beim Aussteigen behilflich.
bekannt Sein Name ist mir bekannt.
beschwerlich Die weite Reise ist meinen Eltern zu beschwerlich.
bewusst Er ist sich seiner Verantwortung bewusst.
böse Ich bin ihm nicht mehr böse.
dankbar Ich bin meinem Lehrer dankbar.
dienlich Der Kompromiss ist der Rettung des Euro dienlich.
egal Das ist mir egal.
eigen Ein großes Talent ist ihm eigen.
einerlei Das ist mir einerlei.
ergeben Sie waren dem König treu ergeben.
förderlich Der Auslandsaufenthalt war seiner Karriere förderlich.
fremd Selbstkritik ist ihm fremd.
gefährlich Zu laute Musik kann dem Gehör gefährlich werden.
geheuer Sein Verhalten ist mir nicht geheuer.
geläufig Diese Sprache ist mir nicht geläufig.
gemeinsam Allen ihren Geschwistern ist das blonde Harr gemeinsam.
gewachsen Der Herausforderer war dem Weltmeister nicht gewachsen.
gleich Seine Meinung ist mir gleich.
gleichgültig Seine Meinung ist mir gleichgültig.
hinderlich Kinder sind der Karriere einer Frau oft hinderlich.
klar Das ist mir nicht klar.
lästig Die Hausaufgaben sind mir lästig.
lieb Diese Angewohnheit ist ihm lieb.
möglich Es ist mir möglich zu kommen.
nahe Er ist mir nahe.
neu Das war mir neu.

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Liste: Rektion der Adjektive und Adverbien

nützlich Meine Deutschkenntnisse sind mir nützlich.


peinlich Sein Verhalten war mir peinlich.
recht Ich gebe dir recht.
schädlich Meine schlechten Noten könnten mir bei einer Bewerbung schäd-
lich sein.
schlecht Mir ist heute ganz schlecht.
schuldig Das bist du mir schuldig.
sympathisch Die neue Lehrerin ist mir nicht sympathisch.
treu Sie war ihm immer treu.
übel Mir ist heute übel.
überlegen Die deutsche Fußballmannschaft war dem Gegner überlegen.
unbegreiflich Seien Taten sind mir unbegreiflich.
unerträglich Seine Launen sind mir unerträglich.
unheimlich Dieser Mann ist mir unheimlich.
unterlegen Die deutsche Fußballmannschaft war dem Gegner unterlegen.
unverständlich Sein Einwand ist mir unverständlich.
verbunden Ich fühle mich meinem Heimatland immer noch verbunden.
verhasst Der Trainer ist den Fußballfans verhasst.
verständlich Sein Einwand ist mir nicht verständlich.
wichtig Viel Freizeit ist mir wichtig.
willkommen Du bist mir immer willkommen.
zugetan Der Chef ist dem neuen Mitarbeiter sehr zugetan.
zuträglich Der Auslandsaufenthalt war seiner Karriere zuträglich.
zuwider Ihre Arroganz ist mir zuwider.

Adjektive + Akkusativ

gewohnt Wir sind den kalten Winter in Deutschland gewohnt.


wert Das ist den Ärger nicht wert.
leid Ich bin den ewigen Ärger mit den Nachbarn leid.

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Liste: Rektion der Adjektive und Adverbien

Adjektive mit Genitiv

bedürftig Kinder sind der Liebe der Eltern bedürftig.


bewusst Ich bin mir meines Fehlers bewusst.
fähig Er ist dieser Tat nicht fähig.
gewiss Sie ist sich seiner Unterstützung gewiss.
sicher Sie ist sich seiner Unterstützung sicher.
überdrüssig Er war des Lebens überdrüssig.
verdächtig Er war des Mordes verdächtig.
würdig Er ist ihrer nicht würdig.

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Teil VI: Die Präpositionen

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 289


Die Präpositionen

Die Präpositionen
Präpositionen gehören immer zu einem Nomen. Sie stehen vor dem Nomen. Es gibt nur
wenige Postpositionen, die nach dem Nomen stehen. Wenige Präpositionen können als
Präposition oder als Postposition gebraucht werden.

Beispiele: Präposition/Postposition
Präposition Er fährt auf der Straße.
Postposition Er fährt die Straße entlang.
Präposition/Postposition nach meiner Meinung / meiner Meinung nach

Einige Präpositionen haben einen festen Kasus, andere Präpositionen wechseln den Kasus.
Diese Präpositionen heißen Wechselpräpositionen.

Beispiele: Präposition mit festem Kasus vs. Wechselpräposition


Akkusativ ohne meine Tasche
Dativ mit meiner Tasche
Akkusativ oder Dativ in meine Tasche (Akkusativ) – in meiner Tasche (Dativ)
Genitiv wegen meiner Tasche

Manche Präpositionen verschmelzen mit dem Artikel. Einige dieser Verschmelzungen gelten
als umgangssprachlich.

Beispiele: Verschmelzung Präposition/Artikel


Artikel + Präposition Verschmelzung Artikel + Präposition Verschmelzung
an dem am zu dem zum
in dem im hinter das hinters*
von dem vom vor das vors*

*Diese Verschmelzungen gelten als umgangssprachlich.

Einige Präpositionen gehen eine feste Verbindung mit einem Verb, einem Adjektiv oder
einem Nomen ein.

Beispiele: feste Verbindung von Präpositionen


Verb + Präposition warten auf Ich warte auf den Bus.
Nomen + Präposition Angst vor Ich habe Angst vor Hunden.
Adjektiv + Präposition böse auf Ich bin böse auf meinen Bruder.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 290


Die Präpositionen

Präpositionen mit Akkusativ


Die wichtigsten Präpositionen mit Akkusativ sind durch, für, gegen, ohne, um, und bis.

Präpositionen mit Akkusativ (I): durch, für, gegen, ohne, um, bis

Beispiele: Präpositionen mit Akkusativ (I)


Ich gehe durch den Park.
Meine Schwester kauft ein Geschenk für unseren Vater.
Die Arbeiter protestieren gegen den Abbau von Arbeitsplätzen.
Ich muss die Bewerbung bis nächsten Montag abschicken.*
Ohne einen guten Studienabschluss bekommt man schwer eine interessante Arbeit.
Wir machen einen Spaziergang um den See.

*Die Präposition bis wird oft in gleicher Bedeutung zusammen mit der Präposition zu + Dativ
verwendet.

Beispiel: bis vs. bis zu


Ich muss die Bewerbung bis nächsten Montag abschicken. bis + Akkusativ
Ich muss die Bewerbung bis zum nächsten Montag abschicken. zu + Dativ

Weitere Akkusativpräpositionen sind à, je, pro und per.

Präpositionen mit Akkusativ (II): à, je, pro, per

Beispiele: Präpositionen mit Akkusativ (II)


Ich möchte vier Eintrittskarten à 10 Euro. (veraltet, heute meist zu oder zu je)
=Ich möchte vier Eintrittskarten zu (je) 10 Euro.
Die Tomaten kosten 2 Euro je Kilo. (=pro)
Die Tomaten kosten 2 Euro pro Kilo. (=je)
Die Verletzten wurden per Hubschrauber gerettet. (=mit, durch)

Die Präposition wider (=gegen) ist veraltet und kommt heute meist nur noch in festen Verbin-
dungen vor.

Präpositionen mit Akkusativ (III): wider

Beispiele: Präpositionen mit Akkusativ (III) - wider


wider besseres Wissen Wider besseres Wissen wurden die Häuser nicht gegen Hoch-
wasser geschützt.
wider alle Erwartungen Wider alle Erwartungen gewann Deutschland die Weltmeister-
schaft.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 291


Die Präpositionen

Liste: Präpositionen mit Akkusativ


á Ich möchte vier Eintrittskarten à 10 Euro.
bis Ich muss die Bewerbung bis nächsten Montag abschicken.
durch Ich gehe durch den Park.
für Meine Schwester kauft ein Geschenk für unseren Vater.
gegen Die Arbeiter protestieren gegen den Abbau von Arbeitsplätzen.
je Die Tomaten kosten 2 Euro je Kilo.
ohne Ohne einen guten Studienabschluss bekommt man schwer eine interes-
sante Arbeit.
per Die Verletzten wurden per Hubschrauber gerettet.
pro Die Tomaten kosten 2 Euro pro Kilo.
um Wir machen einen Spaziergang um den See.
wider Wider besseres Wissen wurden die Häuser nicht gegen Hochwasser ge-
schützt.

Präpositionen mit Dativ


Die wichtigsten Präpositionen mit Dativ sind ab, aus, bei, mit, nach, seit, von und zu.

Präpositionen mit Dativ (I): ab, aus, bei, mit, nach, seit, von, zu

Beispiele: Präpositionen mit Dativ (I)


Ab nächster Woche haben wir Ferien.
Peter kommt aus der Schweiz.
Anna wohnt noch bei ihren Eltern.
Ich fahre jeden Morgen mit der S-Bahn.
Nach dem Deutschunterricht gehe ich in die Mensa.
Maria lernt seit zwei Jahren Deutsch.
Vom Bahnhof ist es nicht weit zur Stadtmitte.
An Weihnachten fahre ich zu meinem Bruder.

Weitere Dativpräpositionen sind außer, dank, entgegen, entsprechend, gegenüber, gemäß,


(mit)samt, nebst, zuliebe und zufolge.

Präpositionen mit Dativ (II): außer, dank, entgegen, entsprechend, gegenüber, gemäß,
(mit)samt, nebst, zuliebe, zufolge

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 292


Die Präpositionen

Beispiele: Präpositionen mit Dativ (II)


Außer meinem kleinen Bruder sind alle meine Geschwister verheiratet.
Dank seinem Fleiß hat er das Studium schnell abgeschlossen.
Entgegen meinem Plan bin ich nicht nach Köln gefahren.
Entsprechend meinem Plan bin ich nach Köln gefahren.
Gegenüber dem Bahnhof ist ein großes Einkaufszentrum.
Gemäß meinem Wunsch hat mich mein Chef nach Brasilien versetzt.
Sie hat ihren Mann (mit)samt ihren Kindern verlassen.
Nebst ihrem Engagement in Deutschland hat die Deutsche Bank ihre internationale
Präsenz verstärkt.

Als Postpositionen nachgestellt werden immer zuliebe und zufolge.

Beispiele: Postpositionen - zuliebe und zufolge


Meinen Eltern zuliebe habe ich ihn nicht geheiratet.
Seinen Aussagen zufolge war er zur Tatzeit zu Hause.

Nachstellen kann man auch entsprechend, gegenüber und gemäß.

Beispiele: Präposition/Postposition - entsprechend, gegenüber und gemäß


(Entsprechend) meinem Plan (entsprechend) bin ich nach Köln gefahren.
(Gegenüber) dem Bahnhof (gegenüber) ist ein großes Einkaufszentrum.
(Gemäß) meinem Wunsch (gemäß) hat mich mein Chef nach Brasilien versetzt.

In der Umgangssprache werden auch viele Präpositionen mit Genitiv mit dem Dativ be-
nutzt.

Beispiel: Präposition mit Genitiv/Dativ - wegen


wegen + Genitiv wegen + Dativ
wegen des schlechten Wetters wegen dem schlechten Wetter
Standardsprache Umgangssprache

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 293


Die Präpositionen

Liste: Präpositionen mit Dativ


ab Ab nächster Woche haben wir Ferien.
aus Peter kommt aus der Schweiz.
außer Außer meinem kleinen Bruder sind alle meine Geschwister verheiratet.
bei Anna wohnt noch bei ihren Eltern.
dank Dank seinem Fleiß hat er das Studium schnell abgeschlossen.
entgegen Entgegen meinem Plan bin ich nicht nach Köln gefahren.
entsprechend Entsprechend meinem Plan bin ich nach Köln gefahren.
gegenüber Gegenüber dem Bahnhof ist ein großes Einkaufszentrum.
gemäß Gemäß meinem Wunsch hat mich mein Chef nach Brasilien versetzt.
mit Ich fahre jeden Morgen mit der S-Bahn.
(mit)samt Sie hat ihren Mann (mit)samt ihren Kindern verlassen.
nach Nach dem Deutschunterricht gehe ich in die Mensa.
nebst Nebst ihrem Engagement in Deutschland hat die Deutsche Bank ihre
internationale Präsenz verstärkt.
seit Maria lernt seit zwei Jahren Deutsch.
von Vom Bahnhof ist es nicht weit zur Stadtmitte.
zu An Weihnachten fahre ich zu meinem Bruder.
zufolge Seinen Aussagen zufolge war er zur Tatzeit zu Hause.
zuliebe Meinen Eltern zuliebe habe ich ihn nicht geheiratet.

Präpositionen mit Akkusativ oder Dativ


Einige Präpositionen wechseln in lokaler Funktion den Kasus. Deshalb werden sie auch als
Wechselpräpositionen bezeichnet.

Bei den Wechselpräpositionen steht bei der Frage wo? der Dativ, bei der Frage wohin? der
Akkusativ.

Beispiel: Wechselpräposition - auf


wo? Wo ist das Buch? Auf dem Tisch. Dativ
wohin? Wohin legst du das Buch? Auf den Tisch. Akkusativ

Es gibt neun Wechselpräpositionen.

Wechselpräpositionen: in, auf, vor, hinter, unter, über, neben, an, zwischen

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 294


Die Präpositionen

Beispiele: Wechselpräpositionen
Wo? Wohin?
auf dem Tisch auf den Tisch
in der Tasche in die Tasche
vor dem Regal vor das Regal
hinter der Tür hinter die Tür
unter dem Bett unter das Bett
über dem Tisch über den Tisch
neben dem Schrank neben den Schrank
an dem Fenster an das Fenster
zwischen dem Fenster und der Tür zwischen das Fenster und die Tür

Beachte: Wenn Wechselpräpositionen temporal oder in einer festen Verbindung gebraucht


werden, haben sie einen festen Kasus.

Temporaler Gebrauch der Wechselpräpositionen


Wechselpräpositionen, die temporal verwendet werden, erfordern fast alle den Dativ.

Beispiele: Wechselpräpositionen - temporaler Gebrauch mit Dativ


Ich schreibe die Prüfung im September.
Das Studium beginnt am fünfzehnten Oktober.
Das Geschäft bleibt zwischen dem ersten und dem fünfzehnten Juli geschlossen.
Ich muss meine Masterarbeit vor dem ersten Oktober abgeben.

Eine Ausnahme ist die Präposition über.

Beispiele: Wechselpräposition - temporaler Gebrauch mit Akkusativ - über


Ich fahre über das Wochenende nach Berlin.
Wir fahren über die Feiertage in Urlaub.

Wechselpräpositionen in fester Verbindung mit einem Verb


In fester Verbindung mit einem Verb ist der Kasus der Wechselpräpositionen vom Verb ab-
hängig.

Beispiel 1: feste Verbindung Verb/Wechselpräpositionen - an


denken an = Akkusativ Ich denke oft an dich.
teilnehmen an = Dativ Ich nehme an dem Kurs nicht teil.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 295


Die Präpositionen

Beispiel 2: feste Verbindung Verb/Wechselpräpositionen - auf


warten auf = Akkusativ Ich warte auf einen Brief von meinem Vater.
bestehen auf = Dativ Er besteht auf sofortiger Bezahlung.

Liste: Wechselpräpositionen
an Dativ Es hat an der Tür geklingelt.
Akkusativ Kannst du bitte mal an die Tür gehen?
auf Dativ Im Sommer frühstücken wir gerne auf dem Balkon.
Akkusativ Stellst du bitte die Pflanzen auf den Balkon?
hinter Dativ Hinter dem Sofa steht ein Regal.
Akkusativ Peter hat das Regal hinter das Sofa gestellt.
in Dativ Ich habe viele Dinge in meiner Handtasche.
Akkusativ Ich stecke den Schlüssel in meine Handtasche.
neben Dativ Neben der Tür steht ein Papierkorb.
Akkusativ Die Putzfrau hat den Papierkorb neben die Tür gestellt.
über Dativ Über dem Tisch hängt eine Lampe.
Akkusativ Wir haben die Lampe über den Tisch gehängt.
unter Dativ Unter dem Weihnachtsbaum liegen Geschenke.
Akkusativ Die Eltern haben die Geschenke unter den Weihnachts-
baum gelegt.
vor Dativ Das Auto steht vor der Garage.
Akkusativ Ich fahre das Auto vor die Garage.
zwischen Dativ Zwischen dem Haus und dem Gartenzaun steht ein Baum.
Akkusativ Wir pflanzen den Baum zwischen das Haus und den Gar-
tenzaun.

Präpositionen mit Genitiv


Präpositionen mit Genitiv sind die zahlenmäßig größte Gruppe der Präpositionen.

Allerdings werden viele Präpositionen mit Genitiv in der gesprochenen Sprache selten ver-
wendet.

Sie kommen aber in schwierigeren Texten häufig vor. Die wichtigsten Genitivpräpositionen
sind (an)statt, trotz, während und wegen.

Präpositionen mit Genitiv (I): (an)statt, trotz, während, wegen

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 296


Die Präpositionen

Beispiele: Präpositionen mit Genitiv (I)


(An)statt eines Spaziergangs machten wir eine Fahrradtour.
Trotz des schlechten Wetters gehen wir spazieren.
Während der Hausaufgaben hört sie immer Musik.
Wegen des schlechten Wetters blieben wir zu Hause.

Häufig in Texten kommen folgende Genitivpräpositionen vor:

Präpositionen mit Genitiv (II): angesichts, anhand, anlässlich, anstelle, aufgrund, infolge,
kraft, laut, mangels, mithilfe, mittels, zwecks

Es gibt auch einige lokale Präpositionen mit Genitiv, die häufig mit Hilfe eines Suffixes gebil-
det werden.

Lokale Präpositionen mit Genitiv (III)


-lich nördlich, südlich, westlich, östlich, seitlich
-halb außerhalb, innerhalb, oberhalb, unterhalb
-seits abseits, beid(er)seits, diesseits, jenseits, längs(seits)
-- inmitten, seitlich, unweit

Weitere Genitivpräpositionen sind:

Weitere Präpositionen mit Genitiv (IV)


-lich abzüglich, ausschließlich, ausweislich, bezüglich, einschließlich,
hinsichtlich, rücksichtlich, vorbehaltlich, zuzüglich
-s ausgangs, betreffs, eingangs, seitens
exklusive, in puncto, inklusive
aufseiten, zu(un)gunsten, zulasten

Viele Präpositionen mit Genitiv werden heute oft mit dem Dativ verwendet. Das gilt beson-
ders für die Genitivpräpositionen, die auch in der gesprochenen Sprache häufig vorkom-
men.

Beispiel: Präposition mit Genitiv/Dativ - wegen


wegen + Genitiv wegen + Dativ
Wegen meines Mannes habe ich den Ur- Wegen meinem Mann habe ich den Ur-
laub verschoben. laub verschoben.
Standardsprache Umgangssprache

Bei Präpositionen, die standardsprachlich mit dem Genitiv und umgangssprachlich mit dem

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 297


Die Präpositionen

Dativ gebraucht werden, steht das Personalpronomen immer im Dativ.

Beispiel: wegen + Personalpronomen => Dativ


Ich habe mich über meinen Mann geärgert. Wegen ihm habe ich den Urlaub verschoben.

Viele Präpositionen mit Genitiv sind von Nomen abgeleitet, mit denen man sie nicht ver-
wechseln sollte.

Beispiele: Präposition mit Genitiv vs. Nomen


Präposition Nomen Präposition Nomen
trotz der Trotz laut der Laut
dank der Dank mangels der Mangel
infolge die Folge inmitten die Mitte
kraft die Kraft

Liste: Präpositionen mit Genitiv


(an)statt (An)statt eines Spaziergangs machten wir eine Fahrradtour.
abseits Abseits der Touristenströme findet man immer noch unberührte Natur.
abzüglich Abzüglich der Mehrwertsteuer kostet das Auto 25 000 Euro.
angesichts Angesichts der fehlenden finanziellen Mittel beschloss er sein Studium
abzubrechen.
anhand Anhand der Bewerbungsunterlagen prüft die Universität, ob der Bewer-
ber auf das Studienkolleg gehen muss.
anlässlich Anlässlich der Demonstrationen kam es am 1. Mai zu Verkehrsbehinde-
rungen.
anstelle Anstelle seines Vaters nahm er die Schuld auf sich.
aufgrund Aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse wurde der Bewerber abge-
lehnt.
aufseiten Das Glück war aufseiten des Gegners.
ausgangs Ausgangs der Kurve verließ den Läufer die Kraft.
ausschließlich Der Preis des Autos ausschließlich (der) Mehrwertsteuer beträgt 25 000
Euro.
außerhalb Früher befanden sich die Toiletten oft außerhalb der Wohnung.
ausweislich Ausweislich der Meinungsumfragen zum Thema ist eine Mehrheit der
Deutschen gegen die Todesstrafe.
beid(er)seits Beid(er)seits der Straße stehen große Bäume.
betreffs Ihr Antrag betreffs der Anerkennung eines Kinderfreibetrags wird abge-
lehnt.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 298


Die Präpositionen

bezüglich Bezüglich seiner Fähigkeiten schien er für diese Tätigkeit wenig geeig-
net.
dank Dank seines Fleißes hat er die Prüfung bestanden.
diesseits Diesseits des Flusses wird eine Fabrik gebaut.
eingangs Eingangs der Kurve verließ den Läufer die Kraft.
einschließlich Der Preis des Autos einschließlich (der) Mehrwertsteuer beträgt 30 000
Euro.
exklusive Der Preis des Autos exklusive (der) Mehrwertsteuer beträgt 25 000 Euro.
hinsichtlich Hinsichtlich seiner Fähigkeiten schien er für diese Tätigkeit wenig geeig-
net.
in puncto In puncto Sauberkeit und Ordnung ist die Schweiz vorbildlich.
infolge Infolge seiner schweren Verletzungen verstarb der Motorradfahrer noch
am Unfallort.
inklusive Der Preis des Autos inklusive (der) Mehrwertsteuer beträgt 30 000 Euro.
inmitten Inmitten einer großen Menschenmenge fühlte sie sich ganz allein.
innerhalb Innerhalb geschlossener Ortschaften darf nur mit 50 km/h gefahren
werden.
jenseits Jenseits der Grenze ist das Einkaufen deutlich billiger.
kraft Kraft seiner großen Sachkenntnis ist er der richtige Mann für diese Auf-
gabe.
längs(seits) Längs der Autobahn findet man zahlreiche touristische Attraktionen.
laut Laut eines Berichts der Berliner Zeitung tritt der Minister zurück.
mangels Mangels eindeutiger Beweise wurde der Angeklagte freigesprochen.
mithilfe Mithilfe eines Freundes gelang ihm die Flucht.
mittels Mittels eines Schweißgeräts war der Tresor geöffnet worden.
nördlich Deutschland liegt nördlich der Schweiz.
oberhalb Er hat Schmerzen oberhalb des Knies.
östlich Österreich liegt östlich der Schweiz.
rücksichtlich Rücksichtlich ihrer Fähigkeiten und Lernmotivation sind Schüler sehr
verschieden.
seitens Seitens der Regierung war keine Stellungnahme zu hören.

seitlich Früher hatten die Hausangestellten einen eigenen Eingang seitlich des
Gebäudes.
südlich Italien liegt südlich der Schweiz.
trotz Trotz des schlechten Wetters gehen wir spazieren.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 299


Die Präpositionen

unterhalb Sie spürt starke Schmerzen oberhalb des Knies.


unweit Der Zoo liegt unweit des Bahnhofs.
vorbehaltlich Das Gesetz wurde vorbehaltlich der Zustimmung des Bundesrates ver-
abschiedet.
während Während der Hausaufgaben hört sie immer Musik.
wegen Wegen des schlechten Wetters blieben wir zu Hause.
westlich Frankreich liegt westlich der Schweiz.
zugunsten Er hat zugunsten seiner Geschwister auf das Haus verzichtet.
zulasten Alle zusätzlichen Kosten gehen zulasten des Käufers.
zuungunsten Zuungunsten des Angeklagten sprach auch, dass er einschlägig vorbe-
straft war.
zuzüglich Das Auto kostet 25 000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.
zwecks Zwecks seiner Ausbildung zog er nach Süddeutschland um.

Die Funktionen der Präpositionen


Präpositionen dienen entweder als Ergänzungen des Verbs oder als Attribute zu einem
Nomen.

Beispiele: Präposition als Verbergänzung


lokal wohin? Ich fahre in die Berge.
temporal wann? Nach dem Urlaub wechsle ich meinen Arbeitsplatz.
kausal warum? Wegen meiner Chefin habe ich gekündigt.
modal wie? Das Team arbeitet mit großer Anstrengung an dem Projekt.

Beispiele: Präposition als Attribut


lokal welches Buch? Das Buch in meiner Tasche gehört meiner Schwester.
temporal welcher Termin? Den Termin am nächsten Freitag muss ich leider absa-
gen.
kausal welches Fest? Das Fest anlässlich des Firmenjubiläums war ein großer
Erfolg.
modal welche Reise? Die Reise mit meiner Freundin muss ich verschieben.

Der Unterschied ist nicht immer leicht zu verstehen. Und kann zu Missverständnissen füh-
ren.

Manche Sätze sind grammatisch zweideutig – man kann die Präposition als Attribut oder als
Verbergänzung verstehen.

Meist wird die Bedeutung aber durch den Kontext oder das Weltwissen klar.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 300


Die Präpositionen

Beispiel: Verbergänzung oder Attribut?


Beispielsatz: Der Mann möchte die Hose im Schaufenster anprobieren.
interpretiert als Wo möchte der Mann die Hose anprobie- im Schaufenster
Verbergänzung ren?
interpretiert als Welche Hose möchte der Mann anprobie- die Hose im Schau-
Attribut ren? fenster
Weltwissen => die Hose im Schaufenster (Attribut)

Die Bedeutung der Präpositionen


Viele Präpositionen haben mehrere Bedeutungen. Das heißt sie können lokale, temporale,
modale oder weitere Bedeutungen haben.

Beispiel: mehrere Bedeutungen der Präposition - in


lokal (1) Position (wo?) Das Buch ist in der Tasche.
lokal (2) Richtung (wohin?) Ich stecke das Buch in die Tasche.
temporal (1) Zukünftiger Zeitpunkt In zwei Wochen beginnt mein Urlaub.
temporal (2) Allgemeiner Zeitpunkt Im Frühjahr blühen die Bäume.
temporal (3) Zeitdauer (=innerhalb) Er hat das Buch in zwei Monaten geschrieben.

Außerdem kommen Präpositionen in festen Verbindungen mit Verben, Nomen und Adjekti-
ven und in Funktionsverbgefügen vor, in denen sie keine Bedeutung haben.

Beispiel: Vorkommen der Präposition in festen Verbindungen - in


mit Verb Er hat sich in seine Nachbarin verliebt.
mit Nomen Das Praktikum hat mir einen Einblick in die Praxis gegeben.
mit Adjektiv Ich bin noch nicht sehr erfahren in meiner Arbeit.
in Funktionsverbgefüge Das neue Gesetz tritt am 1. Oktober in Kraft.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 301


Liste zum Gebrauch der Präpositionen

Liste: Gebrauch der Präpositionen

à Akk vor Preis- Ich möchte vier Karten á zehn Euro. veraltet,
und heute:
Mengen- zu (je),
angaben für (je)
ab Dat lokal Startpunkt Der Zug fährt ab Hauptbahnhof. = von
Dat tempo- Anfangs- Ab 1. Januar habe ich einen neuen = von ...
ral punkt Job. an
Dat vor Ab 18 darf man in Deutschland wäh-
Zahlen: len.
Minimum
abseits Gen lokal Abseits der Hauptstraßen wohnt man
ruhiger.
abzüg- Gen modal Abzüglich der Anzahlung kostet das Gegen-
lich Auto noch 3000 Euro. teil:
zuzüg-
lich
an Dat lokal Position Der Schreibtisch steht am Fenster.
Akk lokal Richtung Ich stelle den Schreibtisch ans Fenster.
Dat tempo- Zeitpunkt Am Montag beginnt der Deutschkurs.
ral
Dat tempo- Datum Ich habe am 1. Januar Geburtstag.
ral
ange- Gen kausal Grund Angesichts der Wirtschaftskrise muss = we-
sichts die Bundesbank die Zinsen senken. gen
anläss- Gen tempo- zeitlicher Anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit
lich ral Grund machen meine Großeltern eine Kreuz-
kausal fahrt.
anstatt Gen Ersatz Anstatt nach Mexiko fahre ich nach = statt
Spanien.
auf Dat lokal Position Das Buch liegt auf dem Schreibtisch.
Akk lokal Richtung Ich lege das Buch in das Regal.
Dat tempo- Gleichzei- Auf der Tagung habe ich viele Kolle- = wäh-
ral tigkeit gen getroffen. rend
Akk Zahlen- Auf zwei Einwohner von Deutschland
verhältnis kommt ein Auto.
Akk kausal Grund Auf einen Einspruch der Bundeskanz- = auf
(fakultativ: lerin (hin) wurde das Gesetz geändert. Grund
hin)

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 302


Liste zum Gebrauch der Präpositionen

aus Dat lokal Bewe- Der Student nimmt das Buch aus
gung aus seiner Tasche.
etwas
Dat kausal Grund Aus Angst vor der Prüfung meldete er = Ne-
sich krank. bensatz
mit weil
Dat Material Der Schreibtisch ist aus Holz.
außer Dat Einschrän- Außer meinem Freund ist bei der Prü- = bis
kung fung niemand durchgefallen. auf, mit
Aus-
nahme
von
Dat Addition Außer meinem Freund sind (auch) = ne-
(fakulta- (noch) drei andere Studenten bei der ben
tiv: auch Prüfung durchgefallen.
noch)
Dat lokal Der Feind war außer Sichtweite. = au-
ßerhalb
außer- Gen lokal Die Dusche befindet sich außerhalb
halb des Hotelzimmers.
Gen tempo- Sie rufen außerhalb der Sprechzeit an.
ral
aus- Gen modal Die Kosten ausschließlich der Steuern = exklu-
schließ- betragen 500 Euro. sive
lich
bei Dat lokal ungenaue Beim Bahnhof gibt es einen Super- = an
Position markt.
Dat lokal Position Ich war gestern bei meinem Freund.
bei Na- Er arbeitet bei Daimler.
men und
Personen
Dat lokal nahe Posi- Potsdam liegt bei Berlin. = in der
tion Nähe
von
Dat tempo- Gleichzei- Er hört beim Lernen gern Musik. = wäh-
ral tigkeit rend
Dat tempo- Zeitpunkt Bei(m) Beginn des Unterrichts müssen
ral alle Schüler da sein.
Dat kondi- Bedin- Bei schlechtem Wetter bleiben wir zu = Ne-
tional gung Hause. bensatz
mit
wenn

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 303


Liste zum Gebrauch der Präpositionen

binnen Dat tempo- Begrenzte Ich muss die Hausarbeit binnen einer = inner-
ral Zeitdauer Woche abgeben. halb
bis Akk lokal Endpunkt Der Zug fährt bis (nach) Hamburg.
(fakultativ:
nach)
Akk lokal betonter Ich gehe bis zum Bahnhof mit dir.
Endpunkt Die Mutter brachte das Kind bis in die
(obliga- Schule.
torisch:
zweite
Präpositi-
on)
Akk tempo- Endpunkt Bis nächste Woche muss ich 300 Voka-
ral beln lernen.
Akk Zahlen: Morgen steigt die Temperatur auf bis
Endpunkt/ zu 30 Grad.
Grenze Die Prüfung dauert drei bis vier Stun-
den.
dank Dat positiver Dank seinem Fleiß hat er die Prüfung
Grund bestanden.
dies- Gen lokal „auf dieser Diesseits des Flusses soll ein neuer Gegen-
seits Seite“ Stadtteil gebaut werden. teil:
jenseits
durch Akk lokal Bewe- Wir machen einen Spaziergang durch
gung den Park.
Akk Ursache Die Stadt wurde durch ein Erdbeben = von
(Person zerstört.
oder Sa- Er erfuhr von seiner Entlassung durch
che) den Personalchef.
ein- Gen modal Die Rechnung muss einschließlich der = inklu-
schließ- Steuer bezahlt werden. sive
lich
entge- Dat Gegensatz Entgegen meinem Vorschlag kaufte vgl.:
gen mein Chef die Firma nicht. aber
entlang Akk lokal Parallelität Wir gehen eine lange Straße entlang. Postpo-
der Rich- sition
tung (auch
mit Da-
tiv vor-
oder
nach-
gestellt)

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 304


Liste zum Gebrauch der Präpositionen

exklusi- Gen modal Die Kosten exklusive der Steuern be- = aus-
ve tragen 500 Euro. schließ-
lich
fern Gen lokal Das Leben fern der Heimat ist nicht
immer leicht.
für Akk Zweck Ich muss noch für das Wochenende
(final) einkaufen.
Akk Bezugs- Für seinen Vater war er ein Versager.
person
Akk Vergleich Für die kurze Zeit ihres Aufenthalts = im
spricht sie schon gut Deutsch. Ver-
gleich
zu, ver-
glichen
mit
Akk Ersatz Er ist für ihn ins Gefängnis gegangen. = statt,
anstelle
von
Akk tempo- Zeitdauer Er arbeitete für einige Jahre im Aus- vgl.:
ral land. (=einige Jahre lang) lang
Akk vor Preis- Ich möchte vier Karten für (je) zehn = zu
und Euro.
Mengen-
angaben
gegen Akk lokal Ziel Er ist gegen einen Baum gefahren.
Akk tempo- ungenaue Ich komme gegen 10 zu dir. = unge-
ral Zeitanga- fähr um
be
Akk Gegen- Gegen gestern ist das Wetter heute = im
satz/Ver- schön. Gegen-
gleich satz
(Ver-
gleich)
zu
gegen- Dat lokal Gegen- Gegenüber der Universität liegt das
über seite Krankenhaus.
Dat Gegen- Gegenüber seiner Schwester ist er faul. = im
satz/Ver- Gegen-
gleich satz
(Ver-
gleich)
zu

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Liste zum Gebrauch der Präpositionen

Dat Verhältnis Alten Menschen gegenüber sollte


zu Perso- man höflich sein.
nen Gegenüber alten Menschen sollte man
(vor- oder höflich sein.
nachge-
stellt)
gemäß Dat Überein- Den Anweisungen des Chefs gemäß
stimmung wurde der unpünktliche Mitarbeiter
(vor- oder entlassen.
nachge- Gemäß den Anweisungen des Chefs
stellt) wurde der unpünktliche Mitarbeiter
entlassen.
hinter Dat lokal Position Hinter dem Sofa steht ein Regal.
Richtung Sie stellen das Regal hinter das Sofa.
in Dat lokal Position Das Buch steht im Regal.
Akk lokal Richtung Ich stelle das Buch ins Regal.
Dat tempo- begrenzte Der Zug fährt in fünf Stunden von = inner-
ral Zeitdauer Stuttgart nach Hamburg. halb,
binnen
Dat tempo- Zeitpunkt: In drei Wochen beginnt mein Urlaub.
ral Zukunft
Dat tempo- allge- Im Sommer fahren wir immer nach
ral meiner Spanien.
Zeitpunkt
infolge Gen kausal Grund Infolge seiner schweren Krankheit
konnte er sechs Wochen nicht arbei-
ten.
inklusi- Gen modal Die Rechnung muss inklusive der = ein-
ve Steuer bezahlt werden. schließ-
lich
inmit- Gen lokal zentrale Er redete inmitten einer großen Men-
ten Position schenmenge.
inner- Gen lokal Innerhalb von Wohngebieten darf nur Gegen-
halb mit 30 km gefahren werden. teil:
außer-
halb
Gen tempo- begrenzte Die Rechnung muss innerhalb eines = bin-
ral Zeitdauer Monats bezahlt werden. nen, in
(tempo-
ral 1)

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Liste zum Gebrauch der Präpositionen

je AKK Relation Die Tomaten kosten 2 Euro je Kilo. = pro


von Men-
genanga-
ben
jenseits Gen lokal „auf der Die Stadt liegt jenseits des Flusses. Gegen-
anderen teil:
Seite“ dies-
seits
kraft Gen Instru- Kraft seiner großen Sachkenntnis ist er = durch
mental der richtige Mann für diese Aufgabe. Amts-
sprache
längs Gen lokal Parallelität Längs der Straße stehen viele schöne = ent-
Häuser. lang
laut Gen Quellen- Laut eines Berichts im Internet ist
angabe Michael Jackson gestorben.
man- Gen kausal „weil ... Mangels Selbstbewusstseins machen
gels fehlt“ viele Frauen keine Karriere.
mit Dat Instru- Ich schreibe lieber mit Bleistift als mit
mental Kugelschreiber.
Dat „zusam- Ich fahre mit meiner Freundin in
men“ Urlaub.
Dat tempo- Zeitpunkt Mit Beginn des Semesters gelten die = von ...
ral neuen Studiengebühren. ab
Dat Altersan- Er hat mit 18 Jahren den Führerschein = tem-
gabe gemacht. poraler
Neben-
satz mit
wenn /
als
Dat Konditio- Mit etwas weniger Angst hätte sie die =
nal Prüfung vielleicht bestanden. kondi-
tionaler
Neben-
satz mit
wenn
mittels Gen Instru- Mittels eines Spezialwerkzeugs musste = mit
mental der Verletzte aus dem Auto befreit (Fach-
werden. spra-
che)
nach Dat lokal Richtung Gehen Sie bitte nach rechts!
Der Außenminister reist nach Indien.
Dat tempo- Vorzeitig- Nach dem Deutschunterricht gehen
ral keit wir essen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 307


Liste zum Gebrauch der Präpositionen

Dat Reihenfol- Nach meinem Bruder Peter ist meine


ge Schwester die zweitälteste.
Dat Quellen- Nach Goethe entstehen Farben aus = laut
angabe der Mischung von Helligkeit und
Finsternis.

neben Dat lokal Position Der Büroschrank steht neben dem


Schreibtisch.
Akk lokal Richtung Ich stelle den Büroschrank neben den
Schreibtisch.
Addition Neben seinem Studium arbeitet er = außer
(fakulta- (auch) (noch) in einer Computer-Firma.
tiv: (auch
noch)
nördlich Gen lokal Deutschland liegt nördlich der Alpen.
ober- Gen lokal höhere Er hat Schmerzen oberhalb des Knies. Gegen-
halb Position teil:
unter-
halb
ohne Akk Negation Ich fahre ohne meine Freundin in Gegen-
Urlaub. teil: mit
östlich Gen lokal Deutschland liegt östlich des Rheins.
per Akk „auf diese Er schickt ihm die Informationen per = mit,
Art“ Email. durch
pro Akk Relation Die Tomaten kosten 2 Euro pro Kilo. = je
von Men-
genanga-
ben
(mit) Dat Betonung Sie verließ ihren Mann (mit)samt den = mit
samt für „zu- Kindern. (betont)
sammen“
seit Dat tempo- Zeitdauer Sie ist seit sechs Monaten in Deutsch-
ral bis zur land.
Gegen-
wart
seitens Gen „von die- Seitens des Parlaments gibt es kein auch:
ser Seite“ Problem mit einer Steuererhöhung. von
Seiten
(Amts-
spra-
che)
seitlich Gen lokal Der Schalter befindet sich seitlich der
Maschine.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 308


Liste zum Gebrauch der Präpositionen

(an)statt Gen Ersatz Statt nach Mexiko fahre ich nach


Spanien.
südlich Gen lokal Italien liegt südlich der Alpen.
trotz Gen Gegen- Trotz des schlechten Wetters gehen = Ne-
grund wir spazieren. bensatz
(konzes- mit
siv) obwohl
über Dat lokal Position Die Lampe hängt über dem Schreib-
tisch.
Akk Richtung Ich hänge die Lampe über den
Schreibtisch.
Akk Geogra- Wir fahren über die Schweiz nach
phisch: Italien.
Zwischen-
station
Akk tempo- Begrenzte Die letzten zwei Monate (über) war ich
ral Zeitdauer im Ausland.
(fakultativ
nachge-
stellt)
um Akk lokal Die Gäste sitzen um den Tisch.
Akk tempo- Uhrzeit Der Unterricht beginnt um 9.00 Uhr.
ral (wann?)
Akk tempo- unbe- Um 1900 wanderte sein Großvater = unge-
ral stimmter nach Amerika aus. fähr
Zeitpunkt
um ... Gen kausal Grund Um der Gesundheit willen hat er auf- = we-
willen gehört zu rauchen. gen
unge- Gen Konzessiv Ungeachtet zahlreicher Proteste wur- geho-
achtet (vor- oder de der neue Bahnhof gebaut. bener
nachge- Zahlreicher Proteste ungeachtet wur- Stil
stellt) de der neue Bahnhof gebaut. = trotz
unter Dat lokal Position Unter dem Schreibtisch steht ein
Papierkorb.
Akk lokal Richtung Ich stelle den Papierkorb unter den
Schreibtisch.
Dat tempo- Die Fahrt nach Berlin dauert unter = weni-
ral sechs Stunden. ger als
Partitiv Unter 500 Studenten hatte sie das
beste Examen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 309


Liste zum Gebrauch der Präpositionen

unter- Gen lokal niedrigere Er hat Schmerzen unterhalb des Gegen-


halb Position Bauchnabels. teil:
ober-
halb
unweit Gen lokal nahe Posi- Unweit des Bahnhofs liegt der Stadt- = in der
tion park. Nähe
von Dat lokal Herkunft Ich komme von der Uni.
Ich komme von Peter.
Die Hose ist von H&M.
Dat Anfangs- Von Frankfurt (an) war der Zug voll.
punktvon Vom Hotel (aus) hatten wir eine schö-
.. (an) ne Aussicht.
von .. (aus)
zweite
Präpositi-
on fakul-
tativ
Dat tempo- Zeitdau- Von morgen an arbeite ich wieder.
ral er mit
Anfangs-
punkt
von .. (an)
Dat modal Qualität Er ist ein Mann von großer Intelligenz.
Dat Material Das Bett war von Holz gemacht. heute
meist:
aus
Dat Urheber Sie wurde häufig von ihrem Mann
beim geschlagen.
Passiv
Dat Partitiv Von 500 Studenten hatte sie das beste = unter
Examen.
vor Dat lokal Position Der Schreibtisch steht vor dem Fens-
ter.
Akk lokal Richtung Ich stelle den Schreibtisch vor das
Fenster.
Dat tempo- Zeitpunkt: Vor zwei Jahren habe ich im Urlaub
ral Vergan- meine Frau kennen gelernt.
genheit
Dat tempo- Nachzei- Ich dusche jeden Morgen vor dem = Ne-
ral tigkeit mit Frühstück. bensatz
Endpunkt mit
bevor
Dat tempo- Zeitpunkt: Vor Ende dieser Woche kommt er nicht
ral Zukunft zurück.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 310


Liste zum Gebrauch der Präpositionen

Dat kausal Grund Vor lauter Angst konnte er nicht mehr = aus
sprechen.
wäh- Gen tempo- Gleichzei- Während der Hausaufgaben hört sie = Ne-
rend ral tigkeit immer Musik. bensatz
mit
wäh-
rend
bzw.
wenn
wegen Gen kausal Grund Wegen des schlechten Wetters blieben = Ne-
wir zu Hause. bensatz
mit weil
westlich Gen lokal Frankreich liegt westlich des Rheins.
wider Akk Er hat einen Verstoß wider die Ver- veraltet:
kehrsordnung begangen. gegen
zeit Gen tempo- „die Zeit seines Lebens wohnte er in sei-
ral gesamte nem Heimatdorf.
Zeit“
zu Dat lokal Richtung Wir gehen zum Supermarkt.
Dat tempo- Zeitpunkt Meine Diplomarbeit muss (bis) zum
ral (meist mit 30. Juni fertig sein.
bis)
Dat Zweck Peter besucht einen Kurs zur Vorberei- = Ne-
(Final) tung auf die Prüfung. bensatz
mit
um zu,
damit
Dat mit Ordi- Sie fuhren zu zweit auf dem Fahrrad.
nalzahlen Sie fahren zu viert in Urlaub.
Dat vor Preis- Ich möchte vier Karten zu zehn Euro. = á, für
und
Mengen-
angaben
Dat Konseku- Er sieht seinem Bruder zum Verwech-
tiv seln ähnlich.
zufolge Dat Quellen- Einer Pressemeldung zufolge ist der
angabe Präsident zurückgetreten.
(meist
nachge-
stellt)

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 311


Liste zum Gebrauch der Präpositionen

zuguns- Gen „zum Vor- Er hat zugunsten seines Bruders auf Gegen-
ten teil von“ sein Erbe verzichtet. teil:
zuun-
guns-
ten
zuliebe Dat „aus Liebe Seiner Frau zuliebe hat er mit dem
zu“ Trinken aufgehört.
zuzüg- Gen modal „plus“ Zuzüglich der Steuern kostet das Auto Gegen-
lich 15 000 Euro. teil:
abzüg-
lich
zwecks Gen final: Zwecks einer Ausbildung können = Ne-
Zweck Männer vom Militärdienst zurückge- bensatz
stellt werden. mit
um zu,
damit
zwi- Dat lokal Position Zwischen dem Schreibtisch und dem
schen Regal steht ein Sessel.
Akk lokal Richtung Ich stelle den Sessel zwischen den
Schreibtisch und das Regal.
Dat Zahlen: Die Studenten sind zwischen 18 und
obere und 25 Jahren alt.
untere
Grenze

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 312


Teil VII: Der einfache Satz

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 313


Der einfache Satz

Der einfache Satz - Einführung


Man unterscheidet drei Satzarten: Aussagesatz, Fragesatz und Imperativsatz.

Der Fragesatz hat zwei Formen: die W-Frage mit einem Fragewort in Position 1 und die Satz-
frage mit dem Verb in Position 1.

Die Satzarten werden durch Satzzeichen am Ende des Satzes markiert.

Übersicht: Satzarten
Satzarten Beispiel Satzzeichen
Aussagesatz Ich gehe in die Schule. Punkt
Fragesatz (W-Frage) Wann gehst du in die Schule? Fragezeichen
Fragesatz (Satzfrage) Gehst du in die Schule? Fragezeichen
Imperativsatz Geh in die Schule! Ausrufezeichen

Es gibt einfache und komplexe Sätze. Ein einfacher Satz besteht aus einem Verb und seinen
Ergänzungen.

Ein komplexer Satz besteht aus mehreren Verben und ihren Ergänzungen, die miteinander
verbunden sind.

Beispiele: einfacher/komplexer Satz


Einfacher Satz Ich gehe in die Schule.
Komplexer Satz Ich gehe in die Schule, weil ich viel lernen möchte.
Komplexer Satz Ich gehe in die Schule, weil ich viel lernen und danach studieren
möchte.
Komplexer Satz Ich gehe in die Schule, weil ich viel lernen und danach studieren
möchte, um später einen guten Beruf zu finden.

(Zu komplexen Sätzen siehe im Kapitel: „Komplexe Sätze“)

Fragesätze
Eine W-Frage fragt nach einem Teil des Satzes bzw. einer Ergänzung des Verbs.

Beispiele: Fragesätze - W-Frage


Ich fahre morgens mit dem Fahrrad zur Schule. Wann fährst du zur Schule?
Ich fahre morgens mit dem Fahrrad zur Schule. Wie fährst du zur Schule?
Ich fahre morgens mit dem Fahrrad zur Schule. Wohin fährst du mit dem Fahrrad?

Eine Satzfrage fragt nach der Richtigkeit des ganzen Satzes. Die Antwort lautet ja oder nein.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 314


Das Verb und seine Ergänzungen

Beispiele: Fragesätze - Satzfrage


Fährst du mit dem Fahrrad zur Uni? Ja, (ich fahre mit dem Fahrrad zur Uni.)
Fährst du mit dem Fahrrad zur Uni? Nein, (ich fahre nicht mit dem Fahrrad zur Uni.)

Auf eine negative Satzfrage lautet die Antwort doch oder nein.

Beispiele: Fragesätze - negative Satzfrage


Fährst du heute nicht zur Uni? Doch, (ich fahre zur Uni.)
Fährst du heute nicht zur Uni? Nein, (ich fahre nicht zur Uni.)

Das Verb und seine Ergänzungen


Ein Verb beschreibt typischerweise eine Aktion bzw. eine Situation. Das Verb alleine kann
aber eine Information nicht vollständig kommunizieren. Der Hörer braucht weitere Informa-
tionen über die Umstände der Aktion/Situation.

Er möchte z. B. wissen, wer die Aktion ausgeführt hat, wann die Aktion stattgefunden hat,
wo sie sich ereignet hat, usw. Diese weiteren Informationen werden in der Grammatik als
Ergänzungen des Verbs realisiert.

Das Verb bestimmt, welche Ergänzungen grammatisch und von der Bedeutung zu ihm pas-
sen. Deshalb sagt man: „Das Verb regiert den Satz.“ Die passenden Ergänzungen nennt man
die Rektion des Verbs.

Man kann die Ergänzungen in 5 Hauptgruppen unterteilen: Ergänzungen für Personen und
Sachen, Ergänzungen des Orts, Ergänzungen der Zeit, Ergänzungen des Grundes und Ergän-
zungen der Art und Weise.

Die Ergänzungen beantworten die Fragen die im Zusammenhang mit einer Aktion bzw.
Situation wichtig sind.

Übersicht: Ergänzungen
Information über Fragen
Personen (und Sachen) wer? was? wen? wem?
Ort wo? wohin? woher?
Zeit wann? wie lange?
Grund warum? wozu?
Art und Weise wie?

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 315


Verbergänzungen (I): Personen und Sachen

Verbergänzungen (I): Personen und Sa-


chen
Einstellige und mehrstellige Verben
Ein deutscher Satz besteht mindestens aus einem Verb und aus einer Information über eine
Person oder Sache, die die vom Verb beschriebene Aktion/Situation verursacht hat.

Dieser Verursacher (Urheber) einer Aktion/Situation wird auch als das Subjekt (manchmal
auch als das Agens) bezeichnet.

Das Subjekt steht im Nominativ. Verben, die als Personenergänzung nur ein Subjekt haben,
heißen einstellige Verben.

Beispiel einstelliges Verb - schlafen


Das Baby schläft.
Verb Nominativ (Subjekt)
schläft das Baby

Es gibt nur wenige Verben, bei denen man den Verursacher der Aktion nicht bestimmen
kann. Diese Verben bekommen ein unpersönliches „Ersatz“-Subjekt mit es.

Beispiel einstelliges Verb mit unpersönlichem Subjekt: regnen


Es regnet.
Verb Nominativ (Subjekt)
regnet es

Viele Verben brauchen neben dem Subjekt noch eine weitere Information darüber, welche
Personen oder Sachen an dieser Aktion bzw. Situation beteiligt sind, damit der Satz vollstän-
dig ist.

Beispiel: unvollständiger Satz vs. vollständiger Satz - zweistelliges Verb


unvollständiger Satz Ich sehe
vollständiger Satz Ich sehe einen Mann.

Verben, bei denen zwei Informationen zu Personen oder Sachen benötigt werden, nennt
man zweistellige Verben. Die zweite Information über Personen und Sachen wird traditio-
nell als direktes Objekt bezeichnet.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 316


Verbergänzungen (I): Personen und Sachen

Beispiel zweistelliges Verb - sehen


Ich sehe einen Mann.
Verb Nominativ (Subjekt) direktes Objekt
sehe ich einen Mann

Es gibt auch Verben, die drei Informationen über Personen und Sachen benötigen, damit
der Satz vollständig ist.

Beispiel: unvollständiger Satz vs. vollständiger Satz - dreistelliges Verb


unvollständiger Satz Ich gebe
unvollständiger Satz Ich gebe das Buch
vollständiger Satz Ich gebe das Buch meinem Freund.

Diese Verben nennt man dreistellige Verben. Die dritte Information über Personen und Sa-
chen wird traditionell als indirektes Objekt bezeichnet.

Beispiel dreistelliges Verb - geben


Ich gebe das Buch meinem Freund.
Verb Nominativ (Subjekt) direktes Objekt indirektes Objekt
gebe ich das Buch meinem Freund

Ergänzungen und Kasus


Die vom Verb benötigten Ergänzungen werden grammatisch durch verschiedene Kasus
realisiert.

Die Verbindung von Verb und Kasus wird auch als Rektion des Verbs bezeichnet. Das Subjekt
steht immer im Nominativ.

Hauptergänzungstypen
Das direkte Objekt steht typischerweise im Akkusativ und das indirekte Objekt typischerwei-
se im Dativ, so dass sich folgende Hauptergänzungstypen ergeben:

Hauptergänzungstypen
einstelliges Verb Nominativ + Verb
zweistelliges Verb Nominativ + Verb + Akkusativ
dreistelliges Verb Nominativ + Verb + Dativ + Akkusativ

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 317


Verbergänzungen (I): Personen und Sachen

Beispiele: Hauptergänzungstypen
Nominativ Verb Dativ Akkusativ
einstelliges Verb Das Baby schläft.
zweistelliges Verb Ich sehe das Baby.
dreistelliges Verb Ich gebe dem Baby die Flasche.

Von diesen Hauptergänzungstypen gibt es aber viele Abweichungen.

Ergänzungstypen bei zweistelligen Verben


Bei zweistelligen Verben kann die zweite Ergänzung für Personen und Sachen neben dem
Akkusativ auch durch den Dativ, durch eine Präpositionalergänzung und in seltenen Fällen
durch Nominativ oder Genitiv realisiert werden.

Die wichtigsten Ergänzungstypen bei zweistelligen Verben


Ergän- 1. Ergän- 2. Ergän- Beispiel
zungstyp* zung zung
Haupttyp Nominativ Akkusativ Ich sehe einen Mann.
Variante 1 Nominativ Dativ Ich helfe meinem Bruder.
Variante 2 Nominativ Präposition Ich warte auf den Bus.
Ausnahme 1 Nominativ Nominativ Er ist ein guter Sportler.
Ausnahme 2 Nominativ Genitiv Alte Menschen bedürfen oft der Pflege.

*Der am häufigsten vorkommende Ergänzungstyp wird als Haupttyp bezeichnet, öfter vor-
kommende Ergänzungstypen als Variante und (sehr) selten vorkommende Ergänzungsty-
pen als Ausnahmen.

Ergänzungstypen bei zweistelligen Verben


Bei dreistelligen Verben ist die Situation noch komplexer, da sich logischerweise mehr Kom-
binationsmöglichkeiten ergeben.

Die wichtigsten Ergänzungstypen bei dreistelligen Verben sind:

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 318


Verbergänzungen (I): Personen und Sachen

Die wichtigsten Ergänzungstypen bei dreistelligen Verben


1. Ergän- 2. Ergän- 3. Ergän- Beispiel
zung zung zung
Haupttyp Nominativ Dativ Akkusativ Ich schreibe meinem Vater
einen Brief.
Variante 1 Nominativ Akkusativ Präposition Er bittet den Professor um
einen Rat.
Variante 2 Nominativ Dativ Präposition Ich danke dir für das Ge-
schenk.
Variante 3 Nominativ Präposition Präposition Sie redet mit ihrem Freund
über den Film.
Ausnahme 1 Nominativ Akkusativ Akkusativ Der Lehrer lehrt mich die
Grammatik.
Ausnahme 2 Nominativ Akkusativ Genitiv Die Polizei verdächtigt ihn
des Mordes.

Da es keine Regel für die Wahl der Ergänzung gibt, muss man lernen, welches Verb zu wel-
chem Ergänzungstyp gehört. Das heißt, man muss das Verb mit seinen Ergänzungen lernen.

Im Anhang zu diesem Abschnitt findet sich eine Liste wichtiger Verben und ihrer Ergänzun-
gen: „Liste: Verben und ihre Ergänzungen“.

Fragen und Ergänzungen


Wenn man eine Ergänzung des Verbs erfragen möchte, muss man zwischen Personen und
Sachen unterscheiden.

Fragen nach einer Person unterscheiden sich in allen Kasus. Die Frage nach einer Sache
lautet im Nominativ und Akkusativ was.

Übersicht: Fragen im Nominativ und Akkusativ


Fragen im Nominativ
Peter läuft. Wer läuft? Wer = Person
Der Motor läuft. Was läuft? Was = Sache
Fragen im Akkusativ
Ich suche meinen Bruder. Wen suchst du? Wen = Person
Ich suche meinen Schlüssel. Was suchst du? Was = Sache

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 319


Verbergänzungen (I): Personen und Sachen

Der Dativ und der Genitiv unterscheiden nicht zwischen Personen bzw. Sachen. Die Frage
lautet wem bzw. wessen.

Fragen im Dativ und Genitiv


Fragen im Dativ
Das Buch gehört meinem Wem gehört das Buch? Wem = Person
Freund.
Das Parlament hat dem Wem hat das Parlament zugestimmt? Wem = Sache
Gesetz zugestimmt
Fragen im Genitiv
Wir gedenken der Toten. Wessen gedenken wir? Wessen = Person
Er wird des versuchten Wessen wird er angeklagt? Wessen = Sache
Mordes angeklagt.

Eine Unterscheidung zwischen Personen und Sachen findet sich auch bei den Fragen nach
präpositionalen Ergänzungen plus Akkusativ bzw. Dativ.

Allerdings gelten die Fragen mit Präposition plus was als umgangssprachlich.

Fragen mit Präposition


Präposition mit Akkusativ
Ich warte auf meinen Pro- Auf wen wartest du? Präposition + wen = Per-
fessor. son
Ich warte auf die Pause. Auf was wartest du?*/ Präposition + was = Sache
Worauf wartest du? Wo(r)-+ Präposition**
Präposition mit Dativ
Ich gehe mit meiner Freun- Mit wem gehst du ins Kino? Präposition + wem = Per-
din ins Kino. son
Ich schreibe mit dem Blei- Mit was schreibst du?* Präposition + was = Sache
stift. Womit schreibst du? Wo(r)- + Präposition

*Gilt als umgangssprachlich.

**Fragen mit wo(r)- zu Verben mit Präposition siehe im Kapitel: „Fragen bei Verben mit Prä-
position“.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 320


Liste: Verben und ihre Ergänzungen

Liste: Verben und ihre Ergänzungen


Reflexive Verben siehe im Kapitel: „Reflexive Verben“

Einstellige Verben: (nur Nominativ)

arbeiten Sie arbeitet sehr viel.


atmen Der Patient atmet nur noch schwach.
aufstehen Er steht jeden Morgen um 6.00 Uhr auf.
blühen Die Obstbäume blühen im Frühjahr.
bluten Die Wunde blutet stark.
brennen Die Lampe brennt.
funktionieren Der automatische Türöffner funktioniert nicht mehr.
gehen* Die Uhr geht wieder.
gelten Der Reisepass gilt 10 Jahre.
husten Sie hustet seit zwei Wochen stark.
laufen Der Motor läuft mit 2000 Umdrehungen in der Minute.
leben * Er lebt noch.
lügen Meine Nachbarin lügt ständig.
platzen Der Luftballon ist geplatzt.
schlafen Ich schlafe gut.
schwitzen Ich schwitze, wenn ich schnell laufe.
stehen* Die Uhr steht.
steigen Die Benzinpreise steigen immer weiter.
sterben Mein Nachbar ist gestorben.
stimmen Deine Rechnung stimmt nicht.

*Diese Verben haben eine andere Bedeutung, wenn sie mit lokalen Ergänzungen gebraucht
werden.

Zweistellige Verben
Nominativ + Akkusativ

ändern Der Architekt muss den Plan noch einmal ändern.


aufräumen Ich muss mein Zimmer aufräumen.
beachten Die Passagiere müssen die Sicherheitsvorschriften beachten.
bedienen Der Kellner bedient die Gäste.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 321


Liste: Verben und ihre Ergänzungen

begrüßen Der Redner begrüßte das Publikum.


behandeln Der Arzt behandelt die Patienten.
bekommen Martin hat einen Studienplatz in Medizin bekommen.
bemerken Er hat den Unfall nicht bemerkt.
besichtigen Die Touristen besichtigen das Schloss.
bestellen Sie hat das Buch im Internet bestellt.
brauchen Die Kinder brauchen neue Schuhe.
entlassen Die Firma entlässt viele Mitarbeiter.
erfinden Der Forscher hat ein neues Gerät erfunden.
essen Ich esse einen Apfel.
führen Der Führer führt die Touristen durch die Stadt.
haben Mein Bruder hatte einen Unfall.
halten Die Mutter hält das Baby im Arm.
holen Maria holt den Kuchen beim Bäcker.
hören Ich höre eine CD von Michael Jackson.
kaufen Wir kaufen einen neuen Teppich.
kochen Der Koch kocht eine Suppe.
lesen Der Student liest ein Buch.
mieten Wir möchten eine größere Wohnung mieten.
nehmen Mein Großvater nimmt seine Medikamente regelmäßig.
öffnen Ich öffne die Tür.
ordnen Ich muss meine Bewerbungsunterlagen ordnen.
packen Peter packt seinen Koffer.
pflegen Die Enkelin pflegt ihren Großvater.
rauchen Ich rauche eine Zigarette.
reparieren Der Mechaniker kann das Auto nicht mehr reparieren.
suchen Eine ältere Dame sucht einen Mann.
trinken Anna trinkt einen Orangensaft.
unterschreiben Wir müssen den Vertrag unterschreiben.
verbessern Alexander hat seine Noten in Mathematik verbessert.
vergessen Monika hat den Termin vergessen.
verkaufen Karl verkauft seinen alten Computer.
verlassen Sie verlässt ihren Mann.
verlieren Ich habe meinen Schlüssel verloren.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 322


Liste: Verben und ihre Ergänzungen

verstehen Ich kann dich nicht verstehen.


wählen Das Parlament wählt den Bundeskanzler.
wechseln Der Fußballer wechselt den Verein.

Nominativ + Dativ

ähneln Mein kleiner Bruder ähnelt meiner Großmutter.


ausweichen Das Auto musste dem Radfahrer ausweichen.
begegnen Ich bin dieser Frau früher schon einmal begegnet.
beistehen Deutschland wird den Erdbebenopfern beistehen.
bekommen Das Essen ist mir schlecht bekommen.
bleiben* Dir bleibt noch eine letzte Chance.
fehlen Meine Familie fehlt mir.
folgen Ich kann der Argumentation von Peter nicht folgen.
gefallen Der Pullover gefällt mir sehr gut.
gehorchen Die Kinder müssen dem Lehrer gehorchen.
gehören Das teure Auto gehört meinem Nachbarn.
gelingen Der Kuchen ist dir gut gelungen.
genügen Die Auskunft genügt mir nicht.
glauben Die Frau glaubt ihrem Mann nicht.
liegen* Mathematik liegt meiner Freundin nicht besonders.
missfallen Der neue Freund von Maria missfällt ihrem Vater.
misslingen Die Zeichnung ist mir total misslungen.
nützen Deine Hilfe hat mir leider nicht genutzt.
passen Meine Hose passt mir nicht mehr.
passieren Mir ist ein kleiner Unfall passiert.
schaden Rauchen schadet der Gesundheit.
schmecken Gemüse schmeckt vielen kleinen Kindern nicht.
schmerzen Mit schmerzt der Kopf.
stehen* Dein neues Kleid steht dir sehr gut.
vertrauen Der Chef vertraut dem neuen Mitarbeiter nicht.
weh tun Nach der Arbeit tun mir alle Knochen weh.
widersprechen Der Sohn widerspricht seinem Vater.
zuhören Er hört dem Professor aufmerksam zu.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 323


Liste: Verben und ihre Ergänzungen

zustimmen Das Parlament hat der Steuerreform zugestimmt.


zuwenden Er hat sich einem neuen Forschungsthema zugewendet.

*Diese Verben haben eine andere Bedeutung, wenn sie mit lokalen Ergänzungen gebraucht
werden.

Nominativ + Präposition
Beachte: Einige dieser Verben regieren alternativ mehrere verschiedene Präpositionen (mit
ihnen ändert sich auch die Verbbedeutung). Im Folgenden wird jeweils nur eine Präposition
beispielhaft genannt.

[Zu Verben mit Präposition siehe im Kapitel: „Verben mit Präpositionen“]

abhängen von Die Finanzierung des Studiums hängt bei vielen Studenten von
den Eltern ab.
achten auf Dicke müssen mehr auf ihre Ernährung achten.
anfangen mit Das Semester hat mit einer Ansprache des Direktors angefangen.
arbeiten an Sie arbeitet seit zwei Jahren an ihrer Doktorarbeit.
aufhören mit Meine Frau möchte mit dem Rauchen aufhören.
aufpassen auf Die Großmutter passt auf die Kinder auf.
aufwachen an Wir sind an einem lauten Geräusch aufgewacht.
aussehen nach Das Wetter sieht nach Regen aus.
bestehen auf Die Firma besteht auf der Kündigung des unpünktlichen Mitarbei-
ters.
denken an Er denkt nur an den Urlaub.
fliehen vor Die Menschen mussten vor dem Vulkanausbruch fliehen.
gelten für Das Gesetz gilt für alle.
glauben an Die Mannschaft glaubte nicht an den Sieg.
halten für Ich halte ihn für einen fleißigen Mann.
hängen an Die Kinder hängen sehr am Großvater.
helfen gegen Das Medikament hilft gegen Schmerzen.
hoffen auf Die Menschen hoffen auf eine Besserung ihrer Situation.
lachen über Die Leute lachen über den Witz.
passen zu Der schwarze Pullover passt nicht zu der blauen Hose.
rechnen mit Die Fahrgäste müssen mit Verspätungen rechnen.
reden von Er redet nur noch von dieser Frau.
riechen nach Die Luft riecht nach Abgasen.
schmecken nach Das Essen schmeckt nach nichts.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 324


Liste: Verben und ihre Ergänzungen

sein aus Der Tisch ist aus Holz.


suchen nach Sie sucht nach einem Mann.
teilnehmen an Dieses Jahr werden mehr Leute am Berlin-Marathon teilnehmen.
warten auf Die Studenten warten auf die S-Bahn.
werden aus Aus ihm wird nie ein guter Lehrer.
zählen auf Der Trainer kann auf alle Spieler zählen.
zweifeln an Sie hat nie an ihrem Erfolg gezweifelt.

Nominativ + Nominativ

bleiben Er bleibt ein schlechter Mensch.


sein Er ist ein guter Sportler.
werden Er wird ein guter Arzt.

Nominativ + Genitiv

bedürfen Das Betreten des Parks bedarf einer Erlaubnis.


gedenken Wir gedenken der Toten des Zweiten Weltkriegs.

Dreistellige Verben
Nominativ + Dativ + Akkusativ

abnehmen Der Kellner nimmt der Dame den Mantel ab.


anbieten Der Gastgeber bietet den Gästen einen Aperitif an.
beantworten Die Studenten beantworten dem Professor die Frage.
beschreiben Der Passant beschreibt den Touristen den Weg zum Bahnhof.
beweisen Die Polizei beweist dem Täter den Mord.
bringen Der Postbote bringt mir das Paket von meinen Eltern.
empfehlen Ich kann dir ein gutes Hotel empfehlen.
entziehen Die Polizei entzieht dem Betrunkenen den Führerschein.
erklären Der Lehrer erklärt den Schülern die deutsche Grammatik.
erlauben Der Vater erlaubt der Tochter eine Reise.
erzählen Der Großvater erzählt den Enkeln eine Geschichte.
geben Die Mutter gibt dem Baby die Flasche.
leihen Mein Freund leiht mir sein Fahrrad.
liefern Die Firma liefert den Kunden die Waren innerhalb einer Woche.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 325


Liste: Verben und ihre Ergänzungen

mitteilen Die Firma teilt ihrem Mitarbeiter die Entlassung mit.


rauben Die Diebe haben dem Mann den Geldbeutel geraubt.
reichen Kannst du mir bitte das Salz reichen?
sagen Ich habe ihm meine Meinung gesagt.
schenken Mein Bruder schenkt meiner Schwester ein Buch zum Geburtstag.
schicken Meine Mutter schickt meinem Bruder ein Paket mit Lebensmitteln.
schreiben Ich schreibe meiner Mutter einen Brief.
senden Ich habe der Universität die Unterlagen per Email gesendet.
stehlen Jemand hat mir meinen Computer gestohlen.
tragen Er trägt ihr den Koffer.
überlassen Ich überlasse meinem Freund im Urlaub mein Zimmer.
verbieten Der Vater verbietet den Kindern das Rauchen.
verkaufen Mein Nachbar hat mir sein altes Auto verkauft.
verschreiben Der Arzt verschreibt dem Patienten einen Hustensaft.
verschweigen Die Frau hat dem Arbeitgeber ihre Schwangerschaft verschwie-
gen.
versprechen Er hat mir einen neuen Mantel versprochen.
verweigern Er hat seinem Gegner den Handschlag verweigert.
verzeihen Sie verzeiht ihrem Mann den Seitensprung.
vorstellen Er stellt seinen Eltern seine neue Freundin vor.
wegnehmen Die Mutter nimmt den Kindern das Feuerzeug ab.
wünschen Er wünscht seiner Freundin eine gute Reise.
zeigen Ich zeige meinen Freunden die Stadt.

Nominativ + Akkusativ + Präposition

ausgeben für Er gibt sein ganzes Geld für seine Hobbys aus.
ausschließen von Man hat den Studenten wegen Abschreibens von der Prüfung
ausgeschlossen.
besetzen mit Die Firma hat die neue Stelle mit einem Fachmann besetzt.
bestrafen für Der Vater bestraft das Kind für sein schlechtes Verhalten.
betrügen um Der Ex-Mitarbeiter hat die Firma um viel Geld betrogen.
bewegen zu Sie konnte ihn nicht zum Heiraten bewegen.
bezahlen mit Sie können den Einkauf nicht mit der Kreditkarte bezahlen.
bitten um Darf ich dich um einen Rat bitten?

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 326


Liste: Verben und ihre Ergänzungen

bringen um Ein Betrüger hat eine alte Frau um ihre Ersparnisse gebracht.
drängen zu Sie drängte ihn zum Heiraten.
einladen zu Thomas hat dich zu seinem Geburtstag eingeladen.
erinnern an Die Pflegerin erinnert die Großmutter an den Arzttermin.
erkennen an Ich habe dich an deiner Stimme erkannt.
erziehen zu Die Eltern sollten die Kinder zu Toleranz erziehen.
fragen nach Die Touristen fragen einen Passanten nach dem Weg.
führen zu Der Trainer führte die Mannschaft zur Weltmeisterschaft.
hindern an Der Autofahrer hinderte den LKW am Überholen.
informieren über Die Presse informierte die Öffentlichkeit über den Skandal.
machen zu Das Ölgeschäft hat ihn zu einem reichen Mann gemacht.
nennen nach Die Eltern nennen das Kind nach dem Großvater.
retten vor Der Bademeister hat das Kind vor dem Ertrinken gerettet.
schicken an Ich schicke einen Brief an meine Eltern.
schreiben an Ich schreibe einen Brief an meine Eltern.
stören bei Mein kleiner Bruder stört mich immer beim Lernen.
überreden zu Meine Freundin hat mich zu einem Kinobesuch überredet.
überzeugen von Der Angeklagte konnte das Gericht von der Richtigkeit seiner
Aussage überzeugen.
verkaufen an Der Konzern hat die Firma an einen Investor verkauft.
verlangen von Die Universität verlangt von den Studenten einen Nachweis der
Deutschkenntnisse.
vermieten an Der Hausbesitzer vermietet seine Wohnungen nicht an Studenten.
versichern gegen Man muss das Haus gegen Feuer versichern.
verteilen unter Der Verwalter verteilte das Erbe unter den Verwandten.
verwechseln mit Ich habe den Mann mit meinem Nachbarn verwechselt.
vorbereiten auf Der Lehrer bereitet die Schüler auf die Prüfung vor.
zahlen an Der Täter muss seine Strafe an eine gemeinnützige Organisation
zahlen.

Nominativ + Dativ + Präposition

antworten auf Der Schüler antwortet dem Lehrer auf seine Frage.
berichten von Der Mitarbeiter berichtet dem Chef von den Problemen.
danken für Ich danke dir für das Geschenk.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 327


Liste: Verben und ihre Ergänzungen

erzählen von Der Großvater erzählt den Kindern vom Krieg.


gratulieren zu Wir gratulieren dir zum Geburtstag.
helfen bei Meine Tante hilft meiner Schwester bei den Hausaufgaben.
raten zu Der Vater rät seinem Sohn zu einer Ausbildung.
zusehen bei Die Kinder sehen den Bauarbeitern bei der Arbeit zu.

Nominativ + Präposition + Präposition

reden mit über Wir reden mit unserem Lehrer über den Ausflug.
schließen von auf Vom Aussehen kann man nicht auf die Intelligenz schließen.
werfen mit nach Die Kinder werfen mit Steinen nach der Katze.

Nominativ + Akkusativ + Akkusativ

abfragen Der Lehrer fragt (hört) die Schüler die Vokabeln ab.
(abhören)
angehen Das geht dich nichts an.*
kosten Die Reparatur meines Autos hat mich 3000 Euro gekostet.
lehren Er lehrte ihn das Malen.**
heißen Sie hat ihn einen Betrüger geheißen.
nennen Sie hat ihn einen Dummkopf genannt.
schimpfen Er schimpfte ihn einen Dummkopf.

* Nur mit Indefinitpronomen nichts bzw. etwas als zweitem Akkusativ.


** Heute oft mit Dativ und Akkusativ

Nominativ + Akkusativ + Genitiv

anklagen Man klagt ihn des Betrugs an.


beschuldigen Man beschuldigt ihn der Steuerhinterziehung.
bezichtigen Man bezichtigte ihn einer Affäre mit einer Schauspielerin.
überführen Man konnte ihn des Verbrechens mit Hilfe seiner Fingerabdrücke
überführen.
verdächtigen Man verdächtigt ihn des Mordes.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 328


Die Bedeutung des Dativ

Die Bedeutung des Dativs


Der Dativ stellt ein besonderes Problem dar, weil er verschiedene Bedeutungen hat. Bei
zweistelligen Verben mit Dativ entspricht der Dativ einem direkten Objekt, das normaler-
weise meist durch Akkusativ ausgedrückt wird.

Beispiele: Dativ als direktes Objekt


begegnen Ich bin dieser Frau früher schon einmal begegnet.
gehorchen Die Kinder müssen dem Lehrer gehorchen.
widersprechen Der Sohn widerspricht seinem Vater.

Bei einigen Verben mit Dativ kann im Nominativ keine Person stehen. Bei diesen Verben
erscheint der Dativ häufig als das „logischere Subjekt“.

Das heißt der Satz ist leichter zu verstehen, wenn man ein anderes Verb benutzt, bei dem
die Person im Nominativ steht.

Beispiele: Dativ als „logischeres Subjekt“ (I)


Verb mit Dativ anderes Verb
passieren Mir ist ein Unfall passiert. Ich hatte einen Unfall.
bleiben Mir bleibt noch eine Chance. Ich habe noch eine Chance.
gelingen Der Kuchen gelingt mir nie. Ich kann nicht gut Kuchen backen.
schmecken Gemüse schmeckt mir. Ich mag Gemüse.
gehören Das Auto gehört mir. Ich besitze das Auto.

Das gilt auch z. B. für das Verb gefallen, auch wenn hier eine Person im Nominativ stehen
kann.

Beispiele: Dativ als „logischeres Subjekt“ (II) - gefallen


Verb mit Dativ anderes Verb
gefallen Das Buch gefällt mir. Ich finde das Buch gut.
Meine Nachbarin gefällt mir. Ich finde meine Nachbarin hübsch.

Bei dreistelligen Verben kann der Dativ direktionale Bedeutung „(hin) zu“ haben, die manch-
mal - aber nicht immer - auch durch eine Präposition ausgedrückt werden kann.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 329


Die Bedeutung des Dativ

Beispiele: Dativ direktionale Bedeutung


Verb mit Dativ Verb mit Präposition
schreiben Ich schreibe meinem Vater einen Ich schreibe einen Brief an meinen
Brief. Vater.
schicken Ich schicke meinem Freund ein Ich schicke ein Paket an meinen
Paket. Freund.
zeigen Ich zeige meiner Mutter die Stadt. (-)
geben Ich gebe meinem Bruder das Geld. (-)

Einige Dative haben possessive Bedeutung. Sie können durch ein Possessivpronomen oder
durch einen attributiven Genitiv ersetzt werden.

Beispiele: Dativ possessive Bedeutung


Verb mit Dativ possessiv
schmerzen Dem Kranken schmerzt das Bein. Das Bein des Kranken schmerzt.
kürzen Der Chef kürzt den Arbeitern die Der Chef kürzt die Löhne der Ar-
Löhne. beiter.

Bei manchen von diesen Verben könnte man den Dativ auch direktional mit der Bedeutung
„(weg) von“ verstehen.

Beispiel: Dativ possessive/direktionale Bedeutung - stehlen


Verb mit Dativ Die Diebe haben dem Mann den Geldbeutel gestohlen.
possessiv Die Diebe haben den Geldbeutel des Mannes gestohlen.
direktional Die Dieb haben den Geldbeutel von dem Mann gestohlen.

Der Dativ kann auch die Bedeutung der Präposition für haben.

Beispiele: Dativ Bedeutung für


Verb mit Dativ für
bauen Ich baue meiner Mutter ein Haus. Ich baue ein Haus für meine Mutter.
kaufen Ich kaufe meiner Mutter ein Auto. Ich kaufe ein Auto für meine Mutter.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 330


Liste: Die Bedeutung des Dativs

Liste: Die Bedeutung des Dativs


Zweistellige Verben
Der Dativ als direktes Objekt

ähneln Mein kleiner Bruder ähnelt meiner Großmutter.


ausweichen Das Auto musste dem Radfahrer ausweichen.
begegnen Ich bin dieser Frau früher schon einmal begegnet.
beistehen Deutschland wird den Erdbebenopfern beistehen.
folgen Ich kann der Argumentation von Peter nicht folgen.
gehorchen Die Kinder müssen dem Lehrer gehorchen.
glauben Die Frau glaubt ihrem Mann nicht.
vertrauen Der Chef vertraut dem neuen Mitarbeiter nicht.
widersprechen Der Sohn widerspricht seinem Vater.
zuhören Er hört dem Professor aufmerksam zu.
zustimmen Das Parlament hat der Steuerreform zugestimmt.
zuwenden Er hat sich einem neuen Forschungsthema zugewendet.

Der Dativ als logisches Subjekt

bekommen Das Essen ist mir schlecht bekommen.


bleiben Uns bleibt noch eine letzte Chance.
fehlen Meine Familie fehlt mir.
gefallen Das Buch gefällt mir.
gehören Das teure Auto gehört meinem Nachbar.
gelingen Der Kuchen ist mir gut gelungen.
genügen Die Auskunft genügt mir nicht.
liegen Mathematik liegt meiner Freundin nicht besonders.
missfallen Der neue Freund von Maria missfällt ihrem Vater.
misslingen Die Zeichnung ist mir total misslungen.
nützen Deine Hilfe hat mir leider nicht genutzt.
passen Das Hemd passt mir nicht mehr.
passieren Mir ist ein Unfall passiert.
schaden Das Rauchen schadet der Gesundheit.
schmecken Gemüse schmeckt vielen kleinen Kindern nicht.

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Liste: Die Bedeutung des Dativs

schmerzen Mir schmerzt der Rücken.


stehen Dein neues Kleid steht dir sehr gut.
weh tun Nach der Arbeit tun mir alle Knochen weh.

Dreistellige Verben
Direktionale Bedeutung

abgewöhnen Er muss dem Hund das Bellen abgewöhnen.


anbieten Der Gastgeber bietet den Gästen einen Aperitif an.
beantworten Die Studenten beantworten dem Professor die Frage.
beibringen Der Lehrer bringt den Schülern Mathematik bei.
beschreiben Der Passant beschreibt den Touristen den Weg zum Bahnhof.
beweisen Die Polizei beweist dem Täter den Mord.
bringen Der Postbote bringt mir das Paket von meinen Eltern.
empfehlen Ich kann dir ein gutes Hotel empfehlen.
erklären Der Lehrer erklärt den Schülern die deutsche Grammatik.
erlauben Der Vater erlaubt der Tochter eine Reise.
erzählen Der Großvater erzählt den Enkeln eine Geschichte.
geben Ich gebe meinem Bruder das Geld.
gönnen Er gönnt ihm den Sieg.
liefern Die Firma liefert den Kunden die Waren innerhalb einer Woche.
leihen Mein Freund leiht mir sein Fahrrad.
mitteilen Die Firma teilt ihrem Mitarbeiter die Entlassung mit.
reichen Kannst du mir bitte das Salz reichen?
sagen Ich habe ihm meine Meinung gesagt.
schenken Mein Bruder schenkt meiner Schwester ein Buch zum Geburtstag.
schicken Ich schicke meinem Freund ein Paket.
schreiben Ich schreibe meinem Vater einen Brief.
senden Ich habe der Universität die Unterlagen per Email gesendet.
überlassen Ich überlasse meinem Freund im Urlaub mein Zimmer.
verbieten Der Vater verbietet den Kindern das Rauchen.
verkaufen Mein Nachbar hat mir sein altes Auto verkauft.
verschaffen Er hat ihm einen Arbeitsplatz verschafft.
verschreiben Der Arzt verschreibt dem Patienten einen Hustensaft.

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Liste: Die Bedeutung des Dativs

verschweigen Die Frau hat dem Arbeitgeber ihre Schwangerschaft verschwie-


gen.
versprechen Er hat mir einen neuen Mantel versprochen.
verweigern Er hat seinem Gegner den Handschlag verweigert.
verzeihen Sie verzeiht ihrem Mann den Seitensprung.
vorstellen Er stellt seinen Eltern seine neue Freundin vor.
wünschen Er wünscht seiner Freundin eine gute Reise.
zeigen Ich zeige meinen Freunden die Stadt.

antworten auf Der Schüler antwortet dem Lehrer auf seine Frage.
berichten von Der Mitarbeiter berichtet dem Chef von den Problemen.
danken für Ich danke dir für das Geschenk.
erzählen von Der Großvater erzählt den Kindern vom Krieg.
gratulieren zu Wir gratulieren dir zum Geburtstag.
helfen bei Meine Tante hilft meiner Schwester bei den Hausaufgaben.
raten zu Der Vater rät seinem Sohn zu einer Ausbildung.
zusehen bei Die Kinder sehen den Bauarbeitern bei der Arbeit zu.

Die possessive Bedeutung des Dativs

abnehmen Der Kellner nimmt der Dame den Mantel ab.


entziehen Die Polizei entzieht dem Betrunkenen den Führerschein.
kürzen Der Chef kürzt den Arbeitern die Löhne.
operieren Der Arzt operiert dem Kranken das Bein.
rauben Die Diebe haben dem Mann den Geldbeutel geraubt.
schmerzen Dem Kranken schmerzt das Bein.
schneiden Der Gärtner schneidet dem Baum die Äste.
stehlen Jemand hat meinem Freund das Fahrrad gestohlen.
tragen Er trägt der Frau den Koffer.
waschen Die Mutter wäscht dem Kind die Haare.
wegnehmen Die Mutter nimmt den Kindern das Feuerzeug weg.

Der Dativ in der Bedeutung „für“

bauen Ich baue meiner Mutter ein Haus.


kaufen Ich kaufe meiner Mutter ein Auto.

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Verbergänzungen (II): Ort - lokale Ergänzungen

Verbergänzungen (II): Ort - lokale Ergän-


zungen
Man kann drei Arten von lokalen Ergänzungen (Ortsergänzungen) unterscheiden.

Lokale Ergänzungen
„wo-Ergänzung“ beschreibt einen Ort.
„wohin-Ergänzung“ beschreibt eine Bewegung vom Sprecher weg.
„woher-Ergänzung“ beschreibt eine Bewegung zum Sprecher.

Die Wahl der lokalen Ergänzung wird vom Verb bestimmt.

Beispiele: Verben + lokale Ergänzungen


Verb Ortsergänzung Beispiel
sein wo? Wo bist du? In der Schule.
gehen wohin? Wohin gehst du? In die Schule.
kommen (hier:) woher? Woher kommst du? Aus der Schule.

Die lokale Ergänzung wird durch ein Nomen mit Präposition oder durch ein Adverb ausge-
drückt.

Beispiele: lokale Ergänzungen => Präposition/Adverb


Wo studierst du?
Nomen mit Präposition Ich studiere an der Fachhochschule.
Adverb Ich studiere hier.

Die Wahl der Präposition wird von der Art der lokalen Ergänzung und von der Zugehörigkeit
des Nomens zu einer Bedeutungsgruppe bestimmt. Man kann die folgenden Bedeutungs-
gruppen unterscheiden:

Personen
In diese Gruppe gehören alle Namen (Vornamen, Familiennamen, Firmennamen) und Berufs-
bezeichnungen.

Lokale Ergänzungen - Personen


Wo bist du? Wohin gehst du? Woher kommst du?
bei Peter zu Peter von Peter
bei zu von

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 334


Verbergänzungen (II): Ort - lokale Ergänzungen

Beispiele: lokale Ergänzungen - Personen


Wo bist du? Wohin gehst du? Woher kommst du?
bei Herrn Schmidt zu Herrn Schmidt von Herrn Schmidt
bei Siemens zu Siemens von Siemens
beim Arzt zum Arzt vom Arzt

Abgegrenzte Orte
Zu den abgegrenzten Orten zählen alle Gebäude, aber z. B. auch Parks, Zoos, und ähnliche,
gegenüber der Umgebung abgegrenzte Einrichtungen. Man kann zwei Arten von Ortsanga-
ben unterscheiden:

Die genaue Ortsangabe bezieht sich auf das Innere des Ortes. Das heißt „in der Schule“ be-
deutet „innerhalb des Schulhauses“, „in die Schule“ bedeutet „in das Schulhaus hinein“ und
„aus der Schule“ bedeutet „aus dem Schulgebäude heraus“.

Die ungenaue Ortsangabe ist bedeutungsneutraler. Sie schließt die genaue Ortsangabe ein.
Das heißt „an/bei der Schule“ kann sowohl „in der Schule“ als auch „irgendwo vor, hinter, ne-
ben der Schule“ bedeuten. „zur Schule“ kann sowohl „in das Schulgebäude hinein“ als auch
„irgendwohin in Richtung der Schule“ bedeuten, „von der Schule“ kann sowohl „aus dem
Schulgebäude heraus“ als auch „irgendwoher aus Richtung der Schule“ bedeuten.

Lokale Ergänzungen - abgegrenzte Orte (Gebäude, etc.)


Wo bist du? Wohin gehst du? Woher kommst du?
a. genau in der Schule in die Schule aus der Schule
in in aus
b. ungenau an/bei der Schule zur Schule von der Schule
an/bei zu von

Bei Ämtern, Einrichtungen, die früher Ämter waren (die Post), und sonstigen Orten, die
Autorität ausstrahlen, wird bei der genauen Ortsangabe bei den Fragen wo bzw. wohin
auch die Präposition auf benützt. Die Präposition auf („nach oben“) spiegelt hier noch den
Respekt wider, den die Menschen früher vor bestimmten Institutionen hatten bzw. zeigen
mussten.

Lokale Ergänzungen - abgegrenzte Orte (Ämter, etc.)


Wo bist du? Wohin gehst du? Woher kommst du?
a. genau auf dem Arbeitsamt auf das Arbeitsamt aus dem Arbeitsamt
auf auf aus
b. ungenau am/beim Arbeitsamt zum Arbeitsamt vom Arbeitsamt
an/bei zu von

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 335


Verbergänzungen (II): Ort - lokale Ergänzungen

Ebenso: die Post, das Rektorat, das Personalbüro, das Rathaus, das Gericht, etc.

Nicht abgegrenzte Orte


Zu den nicht abgegrenzten Orten zählen z. B. Plätze und Straßen, aber z. B. auch Berge. Für
nicht abgegrenzte Orte gilt Ähnliches wie für die abgegrenzten Orte. Die genaue Ortsanga-
be bezieht sich auf das Innere des Ortes, die ungenaue Ortsangabe ist bedeutungsneutraler
und beinhaltet die genaue Ortsangabe. „Auf dem Schlossplatz“ bedeutet „innerhalb des
Schlossplatzes“ - also ein Punkt innerhalb des Vierecks, das der Platz auf einem architekto-
nischen Plan darstellt. Während „am Schlossplatz“ sowohl „auf dem Schlossplatz“ als auch
„irgendwo neben, hinter, am Rand des Schlossplatzes“ bedeuten kann.

Lokale Ergänzungen - nicht abgegrenzte Orte (Plätze, etc.)


Wo bist du? Wohin gehst du? Woher kommst du?
a. genau auf dem Schloss- auf den Schlossplatz vom Schlossplatz
platz
auf auf von
b. ungenau am/beim Schloss- zum Schlossplatz vom Schlossplatz
platz
an/bei zu von

Länder- und Städtenamen


Bei Ländernamen muss man zwischen Ländern mit und Ländern ohne Artikel unterscheiden.
(Liste der Ländernamen mit Artikel siehe im E-Book: Listen zur Deutschen Grammatik 2.0)

Bei Ländernamen mit Artikel verändert sich die Präposition bei der Frage wohin. Städte-
namen haben keinen Artikel, die Wahl der Präposition entspricht den Ländernamen ohne
Artikel.

Lokale Ergänzungen - Länder- und Städtenamen


Wo bist du? Wohin gehst du? Woher kommst du?
Städtenamen in Stuttgart nach Stuttgart aus Stuttgart*
Ländernamen ohne in Deutschland nach Deutschland aus Deutschland*
Artikel
in nach aus
Ländernamen mit in der Schweiz in die Schweiz aus der Schweiz*
Artikel
in in aus

*regional- und umgangssprachlich auch: von Deutschland, von Stuttgart, von der Schweiz

Eine Ausnahme sind Länder mit Artikel, die Inseln sind.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 336


Verbergänzungen (II): Ort - lokale Ergänzungen

Lokale Ergänzungen - Ländernamen - Inseln


Wo bist du? Wohin gehst du? Woher kommst du?
die Philippinen (Pl.) auf den Philippinen auf die Philippinen von den Philippinen
auf auf von

Ausnahme: „Hause“
Eine häufig verwirrende Ausnahme bildet der alte Dativ „Hause“ als lokale Ergänzung. „Hau-
se“ bedeutet hier nicht „das Haus“, sondern „der Ort, wo ich wohne“ Das kann tatsächlich ein
Haus sein, ist aber meistens (nur) eine Wohnung oder ein Zimmer.

Lokale Ergänzungen - „Hause“


„Hause“ Wo bist du? Wohin gehst du? Woher kommst du?
zu Hause nach Hause von zu Hause

Übersicht: Präpositionen und lokale Ergänzungen


Übersicht: Präpositionen und lokale Ergänzungen
Wo? Wohin? Woher?
Personen bei zu von
Gebäude
a. genau in (auf ) in (auf ) aus
b. ungenau an/bei zu von
Plätze
b. genau auf auf von
a. ungenau an/bei zu von
Länder/Städte
ohne Artikel in nach aus
mit Artikel in in aus
bei, in, an, auf zu, in, auf, nach aus, von
Inseln auf auf von
„Hause“ zu Hause nach Hause von zu Hause

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 337


Verbergänzungen (II): Ort - lokale Ergänzungen

Präpositionen und Kasus bei lokalen Ergänzungen


Präpositionen mit festen Kasus behalten ihren Kasus immer. Nur die Wechselpräpositionen
wechseln den Kasus. Bei der Frage wo steht bei Wechselpräpositionen der Dativ, bei der Fra-
ge wohin der Akkusativ.

Beispiel: lokale Ergänzung - Wechselpräpositionen


wo? in der Schule + Dativ
wohin? in die Schule + Akkusativ

Beispiel: lokale Ergänzung - Präpositionen mit festem Kasus


wo? beim Arzt + Dativ (bei + Dativ)
wohin? zum Arzt + Dativ (!) (zu + Dativ!)

Lokale Ergänzungen mit Wechselpräpositionen und Po-


sitionsverben
Man kann die folgenden Positions- bzw. Richtungsverben unterscheiden.

Positionsverben und Richtungsverben


wo? (Position) wohin? (Richtung)
liegen legen
stehen stellen
sitzen setzen
hängen hängen
stecken stecken

In Verbindung mit den Wechselpräpositionen werden die Positionsverben mit Dativ und die
Richtungsverben mit Akkusativ benützt.

Beispiele: lokale Ergänzungen mit Wechselpräpositionen


wo? (Position) wohin? (Richtung)
Das Buch liegt auf dem Regal. Ich lege das Buch auf das Regal.
Der Computer steht unter dem Tisch. Ich stelle den Computer unter den Tisch.
Ich sitze auf dem Stuhl. Ich setze mich auf den Stuhl.
Die Jacke hängt an der Garderobe. Ich hänge die Jacke an die Garderobe.
Der Schlüssel steckt im Schloss. Ich stecke den Schlüssel in das Schloss.
=> Wechselpräposition + Dativ = >Wechselpräposition + Akkusativ

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 338


Verbergänzungen (II): Ort - lokale Ergänzungen

Weitere Beispiele: Positions-/Richtungsverben und Wechselpräpositionen


Wo liegt, steht, hängt? Wohin stelle lege, hänge ich?
Das Heft liegt in der Schublade. Ich lege das Heft in die Schublade.
Das Buch liegt auf dem Tisch. Ich lege das Buch auf den Tisch.
Der Stuhl steht am Schreibtisch. Ich stelle den Stuhl an den Schreibtisch.
Der Tisch steht neben dem Fenster. Ich stelle den Tisch neben das Fenster.
Der Sessel steht vor dem Regal. Ich stelle den Sessel vor das Regal.
Das Sofa steht hinter dem Tisch. Ich stelle das Sofa hinter den Tisch.
Die Lampe hängt über dem Tisch. Ich hänge die Lampe über den Tisch.
Der Bleistift liegt unter dem Buch. Ich lege den Bleistift unter das Buch.
Das Bild hängt zwischen dem Regal und Ich hänge das Bild zwischen das Regal
dem Schrank. und den Schrank.

Die Bedeutung der Wechselpräpositionen


Die Wechselpräpositionen in, auf, vor, hinter, neben, zwischen, über, unter definieren die exakte
Position zweier Objekte zueinander.

Wenn die exakte Position aber uninteressant oder nicht genau zu bestimmen ist, kann man
alle anderen Präpositionen durch die ungenauere Positionsangabe an ersetzen.

Beispiel: Wechselpräposition - an
Wo steht der Stuhl? Am Tisch. „irgendwo da“ = auf, neben, vor, hinter, unter, zwischen

Positions- und Richtungsangaben mit Wechselpräpositionen


genaue Position bzw. Richtung in, auf, neben, vor, hinter, unter, über, zwischen
ungenauere Position bzw. Richtung an

Die Bedeutung von liegen und stehen bzw. legen und stellen
Die Verben liegen und stehen beschreiben eine Position.

Beispiele: Position - liegen, stehen


liegen beschreibt eine waagrechte Position. Das Buch liegt auf dem Regal.
stehen beschreibt eine senkrechte Position. Das Buch steht auf dem Regal.

Anmerkung: Bei einem Buch sind beide Positionsverben möglich. Ein dickes Buch liegt oder
steht. Ein dünnes Buch, ein Bleistift oder ein Heft können normalerweise nicht stehen.

Die Verben legen und stellen beschreiben eine Positionsveränderung (Richtung).

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 339


Verbergänzungen (II): Ort - lokale Ergänzungen

Beispiele: Positionsveränderung (Richtung) - legen, stellen


legen beschreibt eine Veränderung in eine Ich lege das Buch auf das Regal.
waagrechte Position.
stellen beschreibt eine Veränderung in eine Ich stelle das Buch auf das Regal.
senkrechte Position.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 340


Verbergänzungen (III): Zeit - temporale Ergänzungen

Verbergänzungen (III): Zeit - temporale Er-


gänzungen
Man kann drei Hauptarten von Zeitergänzungen (temporalen Ergänzungen) unterscheiden.

Temporale Ergänzungen (Zeitergänzungen)


Zeitpunkt Wann?
Zeitdauer Wie lange?
Häufigkeit Wie oft?

Zeitpunkt
Die Angabe eines Zeitpunkts wird durch ein Nomen mit oder ohne Präposition oder durch
ein Adverb ausgedrückt. Die Frage nach einem Zeitpunkt lautet wann.

Beispiele: Zeitpunkt
Wann fährst du nach Hause?
Nomen ohne Präposition Ich fahre nächste Woche nach Hause.
Nomen mit Präposition Ich fahre am Sonntag nach Hause.
Adverb Ich fahre morgen nach Hause.

Zeitpunktangaben mit Präposition


Die Uhrzeit, das Datum, Tageszeiten, Namen für Zeiteinheiten, Jahreszeiten und Feiertage
werden mit Präposition angegeben. Die Wechselpräpositionen an und in werden mit Dativ
gebraucht.

Zeitpunktangaben mit Präposition (I)


Uhrzeit um um acht, um fünfzehn Uhr, um viertel nach sieben
Datum am am 25. Januar
Tageszeit am am Morgen, am Vormittag, am Mittag, .. (aber: in der Nacht*)
Tag am am Montag, am Dienstag, am Sonntag, am Wochenende, ...
Monat im im Januar, im Februar, im März, ...
Jahreszeit im im Frühling, im Sommer, im Herbst, im Winter
Feiertag an an Weihnachten, an Ostern, an Silvester, ...
*Ausnahme

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 341


Verbergänzungen (III): Zeit - temporale Ergänzungen

Beispielsätze: Zeitpunktangaben mit Präposition (I)


Uhrzeit um Der Deutschunterricht beginnt um neun Uhr.
Datum am Ich habe am 24. Dezember Geburtstag.
Tageszeit am Wir haben auch am Nachmittag Unterricht.
Tag am Am Dienstag habe ich einen Termin beim Zahnarzt.
Monat im Im Juli haben wir Ferien.
Jahreszeit im Im Herbst beginne ich mit meinem Studium.
Feiertag an An Weihnachten fliege ich nach Hause.

Nomen, die einen bestimmten Zeitpunkt bzw. Zeitabschnitt bezeichnen, bekommen die
Präposition in.

Nomen, die eine (zeitlich begrenzte) Aktion bezeichnen und die oft von Verben abgeleitet
sind, die Präposition bei.

Zeitpunktangaben mit Präposition (II)


Nomen zur Bezeichnung in im Urlaub, in den Ferien, in der Arbeitszeit, in der
eines Zeitpunkts Mittagspause
Nomen (für zeitlich be- bei beim Essen, bei der Arbeit, beim Arbeiten, beim
grenzte Aktion) Sport
Anfang, Beginn, Ende an/zu Am Ende der Ferien, am (zu) Beginn der Woche

Beispielsätze: Zeitpunktangaben mit Präposition (II)


Nomen zur Bezeichnung in In den Ferien sind viele Geschäfte geschlossen.
eines Zeitpunkts
Nomen (für zeitlich be- bei Die Kinder stören bei der Arbeit im Home-Office.
grenzte Aktion)
Anfang, Beginn, Ende an/zu Am Ende der Ferien gibt es immer lange Staus

Sowohl in als auch bei können durch während ersetzt werden, allerdings klingt während
etwas gehobener.

Beispielsätze: in/bei vs. während


in/während In den Ferien sind viele Geschäfte geschlossen.
=Während der Ferien sind viele Geschäfte geschlossen.
bei/während Die Kinder stören bei der Arbeit im Home-Office.
=Die Kinder stören während der Arbeit im Home-Office.

Während fordert standardsprachlich den Genitiv, wird aber in der Umgangssprache meist mit
Dativ benutzt.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 342


Verbergänzungen (III): Zeit - temporale Ergänzungen

Beispiel: während + Genitiv/Dativ


+ Genitiv Während der Ferien sind viele Geschäfte geschlossen. standardsprachlich
+ Dativ Während den Ferien sind viele Geschäfte geschlossen. umgangssprachlich

Zeitpunktangaben ohne Präposition


Jahreszahlen werden standardsprachlich ohne Präposition angegeben.

Zeitpunktangaben ohne Präposition


Jahreszahl -- 1980, 2015, 1945, ..

Beispielsätze: Zeitpunktangaben ohne Präposition - Jahreszahlen


Jahreszahl -- Ich bin 1980 geboren.
Jahreszahl -- Die Olympischen Spiele fanden 2008 in Peking statt.

Eine gehobenere Variante zur Angabe von Jahreszahlen ist im Jahr bzw. im Jahre.

Beispiel: im Jahr(e)
Jahreszahl Die Olympischen Spiele fanden 2008 in Peking statt.
im Jahr(e) + Jahreszahl Die Olympischen Spiele fanden im Jahr(e) 2008 in Peking statt.

In Analogie zum Englischen verbreitet sich die Jahresangabe mit Präposition in immer mehr,
besonders im Wirtschaftsleben. Sie gilt aber als nicht standardsprachlich.

Beispiel: Jahreszahl mit Präposition in


In 2019 erzielte der Konzern einen Gewinn von 2,7 Milliarden. nicht standardsprachlich
2019 erzielte der Konzern einen Gewinn von 2,7 Milliarden. standardsprachlich

Zeitpunktangaben mit dies- und nächst-


Zeitpunktangaben mit dies- und nächst- kommen mit und ohne Präposition vor.

Angaben eines Zeitpunkts mit dies- und nächst- ohne Präposition stehen im Akkusativ (tem-
poraler Akkusativ), bei den Wechselpräpositionen in und an steht der Dativ.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 343


Verbergänzungen (III): Zeit - temporale Ergänzungen

Beispiele: Zeitpunktangaben mit dies- und nächst-


Wann beginnt das Studium? ohne Präposition* mit Präposition*
der Monat diesen Monat in diesem Monat
das Jahr dieses Jahr in diesem Jahr
die Woche diese Woche in dieser Woche
der Montag nächsten Montag am nächsten Montag
Akkusativ (in, an) + Dativ

*Beachte: Die Bedeutung ändert sich durch den Gebrauch mit oder ohne Präposition nicht.

Das Artikelwort dies- folgt der Deklination der bestimmten Artikelwörter. Die Adjektive
letzt-, nächst- und, kommend- folgen der Adjektivdeklination.

Deklination dies- und nächst-


dies- = Artikelwort nächst- = Adjektiv
ohne Präposition mit Präposition ohne Präposition mit Präposition
diesen Montag an diesem Montag nächsten Montag am nächsten Montag
diese Woche in dieser Woche nächste Woche in der nächsten Woche
diesen Januar in diesem Januar nächsten Januar im nächsten Januar
diesen Winter in diesem Winter nächsten Winter im nächsten Winter
dieses Jahr in diesem Jahr nächstes Jahr im nächsten Jahr
Akkusativ (in, an) + Dativ Akkusativ (in, an) + Dativ
=>Deklination wie bestimmter Artikel =>Deklination wie Adjektiv

Fragewort welch- als Variante von wann


Mit dem Fragewort welch- und der passenden Präposition kann man Varianten des Frage-
wortes wann bilden. Welch- wird dann wie ein bestimmtes Artikelwort dekliniert.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 344


Verbergänzungen (III): Zeit - temporale Ergänzungen

Variante von wann => Präposition + welch-


Präposition Präposition + welch-
Uhrzeit um um welche Uhrzeit?
Datum an an welchem Datum? an welchem Tag?
Tag an an welchem Tag?
Woche in in welcher Woche?
Monat in in welchem Monat?
Jahreszeit in in welcher Jahreszeit?
Feiertag an an welchem Feiertag?
Jahr -- in welchem Jahr?

Zeitpunkte in der Vergangenheit und Zukunft


Bei der Angabe von Zeitpunkten in der Vergangenheit und Zukunft muss man zwischen den
Namen für Zeiteinheiten und den Zeiteinheiten selbst unterscheiden.

Zeiteinheiten und Namen für Zeiteinheiten


Zeiteinheiten Namen für Zeiteinheiten
Sekunde
Minute (=60 Sekunden)
Stunde (=60 Minuten)
Morgen, Vormittag, Mittag, ..
Tag (=24 Stunden) Montag, Dienstag, Mittwoch, ..
Woche (=7 Tage) Osterwoche, Pfingstwoche, ..
Monat (=4 Wochen) Januar, Februar, März, ..
Frühling, Sommer, Herbst, Winter
Jahr (=12 Monate) Jahr 2000, Jahr 2001, ..

Die Namen für Zeiteinheiten können für die Vergangenheit und die Zukunft mit derselben
Präposition benutzt werden.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 345


Verbergänzungen (III): Zeit - temporale Ergänzungen

Zeitpunkte in der Vergangenheit und Zukunft (I) - Namen für Zeiteinheiten


Vergangenheit Zukunft*
Am Nachmittag war ich in der Stadt. Am Nachmittag gehe* ich in die Stadt.
Am Montag war ich beim Arzt. Am Montag gehe ich zum Arzt.
Im März habe ich mein Studium abge- Im März schließe ich mein Studium ab.
schlossen.
Im Sommer war ich in Italien. Im Sommer fahre ich nach Italien.
An Silvester habe ich meine Freunde be- An Silvester besuche ich meine Freunde.
sucht.
Im Jahr 2000 war der Winter sehr kalt. Im Jahr 2100 wird es keinen Winter mehr
geben.
in/an in/an

*Beachte: Für die Zukunft wird im Deutschen häufig das Präsens als Verbform benützt.

Bei den Zeiteinheiten selbst benützt man vor für die Vergangenheit und in für die Zukunft.

Zeitpunkte in der Vergangenheit und Zukunft (II) - Zeiteinheiten


Vergangenheit Zukunft
Vor fünf Minuten ist mein Zug abgefahren In fünf Minuten fährt mein Zug.
Vor vier Stunden ist er in München ange- In vier Stunden kommt er in München an.
kommen.
Vor drei Tagen ist sie nach Österreich In drei Tagen fährt sie nach Österreich.
gefahren.
Vor einer Woche ist mein Bruder gekom- In einer Woche fährt mein Bruder wieder
men. zurück.
Vor einem Monat habe ich meine Familie In einem Monat besuche ich meine Fami-
besucht. lie.
Vor einem Jahr habe ich mein Studium In einem Jahr beende ich mein Studium.
begonnen.
vor in

Zeitraum
Bei der Angabe eines Zeitraums (einer Zeitdauer) ohne Anfangs- und Endpunkt lautet die
Frage wie lange.

Bei Angabe des Anfangs- und/oder Endpunkts kann man außer wie lange auch folgende
Varianten benützen:

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 346


Verbergänzungen (III): Zeit - temporale Ergänzungen

Zeitraum - wie lange?


ohne Anfangs-/Endpunkt Wie lange?
Anfangs- und Endpunkt Wie lange? Von wann bis wann?
nur Anfangspunkt (in der Vergangenheit) Wie lange? Seit wann?
nur Anfangspunkt (in der Gegenwart/Zukunft) Wie lange? Ab wann? Von wann an?
nur Endpunkt Wie lange? Bis wann?

Zeitraum ohne Anfangs-/Endpunkt


Ein Zeitraum ohne Anfangs-/Endpunkt wird durch ein Nomen mit einem Zahladjektiv ange-
geben.

Beispiele: Zeitraum ohne Anfangs-/Endpunkt => Nomen + Zahladjektiv


Wie lange hat die Fahrt gedauert? Drei Stunden.
Wie lange wohnst du schon in Deutschland? Vier Jahre.

Wenn das Nomen mit dem unbestimmten Artikel als Zahlwort eins benutzt wird, stehen der
unbestimmte Artikel und das Nomen im Akkusativ.

Beispiele: Zeitraum ohne Anfangs-/Endpunkt => Nomen + Zahlwort eins


Wie lange hat die Fahrt gedauert? Einen Tag.
Wie lange wohnst du schon in Deutschland? Einen Monat.
Wie lange? => Akkusativ

Zeitraum mit Anfangs- und/oder Endpunkt


Ein Zeitraum mit Anfangs- und/oder Endpunkt wird durch eine Präposition mit Nomen oder
Adverb angegeben.

Beispiele: Zeitraum mit Anfangs- und/oder Endpunkt


Frage Präposition Präposition + No- Präposition + Ad-
men verb
Von wann bis wann? von (+Dativ) - bis vom Frühling bis von heute bis über-
(+Akkusativ) (zum) Herbst* morgen

Seit wann? seit (+Dativ) seit letzter Woche seit gestern

Ab wann? ab (+Dativ) ab nächster Woche ab morgen


von (+Dativ) an von nächster Woche von morgen an
an
Bis wann? bis (+Akkusativ) bis nächsten Monat bis morgen

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 347


Verbergänzungen (III): Zeit - temporale Ergänzungen

*Besonders wenn ein Adjektiv zum Nomen kommt, wird die Präposition bis oft durch bis zu
ersetzt. Beachte den Kasuswechsel, da zu eine Präposition mit Dativ ist.

Häufigkeit (Frequenz)
Die Frage nach der Häufigkeit lautet wie oft (auch: wie häufig).

Zur Angabe von Frequenzen werden Adverbien und verschiedene Kombinationen von Ad-
verbien mit Nomen, Präpositionen und/oder dem Artikelwort jede- verwendet.

Beispiele: Frequenzangaben
einmal in der Stunde einmal pro Stunde (einmal) stündlich jede Stunde einmal
einmal am Tag einmal pro Tag (einmal) täglich jeden Tag einmal
viermal im Monat viermal pro Monat viermal monatlich jeden Monat viermal
zweimal im Jahr zweimal pro Jahr zweimal jährlich jedes Jahr zweimal

Angaben der Häufigkeit mit dem Artikelwort jede- stehen im Akkusativ.

Beispiele: jede- + Akkusativ


Wie oft besuchst du deine Eltern?
der Monat jeden Monat
das Jahr jedes Jahr
die Woche jede Woche

Unterbrochene Frequenzen werden mit dem Artikelwort jede- plus Ordinalzahl oder mit alle
plus Kardinalzahl angegeben.

Beispiele: unterbrochene Frequenzen


jeden zweiten Tag = alle zwei Tage
jede dritte Woche = alle drei Wochen
jeden zweiten Monat = alle zwei Monate
jedes vierte Jahr = alle vier Jahre
=> jede- + Ordinalzahl => alle + Kardinalzahl

Für unbestimmte Frequenzangaben gebraucht man die Adverbien (fast) nie, selten, manch-
mal, gelegentlich, häufig, oft, meistens, (fast) immer, etc.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 348


Die Uhrzeit und das Datum

Die Uhrzeit
Die Uhrzeit wird immer mit der Konstruktion es ist eingeleitet. Die Frage nach der Uhrzeit
lautet: Wie spät ist es? bzw. Wie viel Uhr ist es?

Beispiel: Uhrzeit
Wie spät ist es? 8.00 Uhr (Es ist) acht(Uhr).
Wie viel Uhr ist es? 8.00 Uhr (Es ist) acht (Uhr).

Es gibt eine offizielle Variante und gesprochene Varianten der Uhrzeiten.

Die offizielle Uhrzeit


8.00: Es ist acht Uhr. 20.00: Es ist zwanzig Uhr.
8.05: Es ist acht Uhr fünf. 20.05: Es ist zwanzig Uhr fünf.
8.10: Es ist acht Uhr zehn. 20.10: Es ist zwanzig Uhr zehn.
8.15: Es ist acht Uhr fünfzehn. 20.15: Es ist zwanzig Uhr fünfzehn.
8.20: Es ist acht Uhr zwanzig. 20.20: Es ist zwanzig Uhr zwanzig.
8.25: Es ist acht Uhr fünfundzwanzig. 20.25: Es ist zwanzig Uhr fünfundzwanzig.
8.30: Es ist acht Uhr dreißig. 20.30: Es ist zwanzig Uhr dreißig.
8.35: Es ist acht Uhr fünfunddreißig. 20.35: Es ist zwanzig Uhr fünfunddreißig.
8.40: Es ist acht Uhr vierzig. 20.40: Es ist zwanzig Uhr vierzig.
8.45: Es ist acht Uhr fünfundvierzig. 20.45: Es ist zwanzig Uhr fünfvierzig.
8.50: Es ist acht Uhr fünfzig. 20.50: Es ist zwanzig Uhr fünfzig.
8.55: Es ist acht Uhr fünfundfünfzig 20.55: Es ist zwanzig Uhr fünfundfünfzig.
9.00: Es ist neun Uhr. 21.00: Es ist einundzwanzig Uhr.

Natürlich kann in der gesprochenen Sprache jeder die Uhrzeit so angeben, wie er möchte. Es
gibt aber einige typische Varianten. Grundsätzlich wird in der gesprochenen Sprache nur bis
12 gezählt.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 349


Die Uhrzeit und das Datum

Die Uhrzeit - Umgangssprache (Beispiel)


8.00/20.00: (Es ist) acht.
8.05/20.05: (Es ist) fünf nach acht.
8.10/20.10: (Es ist) zehn nach acht.
8.15/20.15: (Es ist) Viertel nach acht.
8.20/20.20: (Es ist) zwanzig nach acht. / zehn vor halb neun.
8.25/20.25: (Es ist) fünf vor halb neun.
8.30/20.30: (Es ist) halb neun.
8.35/20.35: (Es ist) fünf nach halb neun.
8.40/20.40: (Es ist) zwanzig vor neun. / zehn nach halb neun.
8.45/20.45: (Es ist) Viertel vor neun.
8.50/20.50: (Es ist) zehn vor neun.
8.55/20.55: (Es ist) fünf vor neun.
9.00/21.00: (Es ist) neun.

In Süddeutschland benutzt man auch die folgenden Varianten.

Beispiel: Uhrzeit - umgangssprachliche Variante Süddeutschland


8.15/20.15: (Es ist) Viertel neun.
8.45/20.45: (Es ist) drei viertel neun.

Beachte den Unterschied bei den Fragen wann bzw. wie spät.

Fragen wann bzw. wie spät


Wie spät ist es? Wann kommst du?
Es ist zwei Uhr. Um zwei Uhr.
=> ohne Präposition => mit Präposition

Beachte auch den Unterschied zwischen ein und eins.

ein vs. eins


Wie spät ist es? Wann kommst du?
Es ist ein Uhr. Um ein Uhr.
Es ist eins. Um eins.

Beachte die Groß- bzw. Kleinschreibung von Viertel bzw. viertel.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 350


Die Uhrzeit und das Datum

Groß- bzw. Kleinschreibung - Viertel vs. viertel


Viertel vor/nach => groß viertel/drei viertel => klein
Es ist Viertel nach acht. Es ist (drei) viertel neun.
Wir treffen uns um Viertel nach acht. Wir treffen uns um (drei) viertel neun.

Das Datum
Die Frage nach dem Datum lautet Welcher Tag ist heute? bzw. Der wievielte ist heute? Für die
Antwort benützt man die Ordinalzahl plus den Monatsnamen oder zwei Ordinalzahlen.

Welcher Tag? = der + Ordinalzahl + Ordinalzahl/Monat

Beispiel: Datum - Tag und Monat


Welcher Tag ist heute? / Der wievielte ist heute?
10.02. Heute ist der zehnte zweite. Heute ist der zehnte Februar.
30.01. Heute ist der dreißigste erste. Heute ist der dreißigste Januar.

Wenn zusätzlich der Wochentag genannt wird, wird er vor die Datumsangabe gestellt und
durch ein Komma getrennt.

Welcher Tag? = Wochentag [Komma] der + Ordinalzahl + Ordinalzahl/Monat

Beispiel: Datum - Wochentag, Tag und Monat


Welcher Tag ist heute? / Der wievielte ist heute?
10.02. Heute ist Montag, der zehnte Zweite. Heute ist Montag, der zehnte Februar.
30.01. Heute ist Freitag, der dreißigste Erste. Heute ist Freitag, der dreißigste Januar.

Die Frage nach dem Datum ist auch mit haben plus Akkusativ möglich. Die Antwort steht
entsprechend im Akkusativ.

Welchen Tag? = Wochentag [Komma] den + Ordinalzahl + Ordinalzahl/Monat

Beispiel: Datum
Welchen Tag haben wir heute? Den wievielten haben wir heute?
Montag, 10.02. (Heute haben wir) Montag, den zehnten Februar.
Freitag, 30.01. (Heute haben wir) Freitag, den dreißigsten Januar.

Für Terminangaben mit dem Datum wird die Präposition an plus Dativ verwendet.

Wann?/(Am wievielten?) = am + Ordinalzahl + Ordinalzahl/Monat

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 351


Die Uhrzeit und das Datum

Beispiel: Datum - Terminangabe (wann?/am wievielten?)


Wann ist der Termin? / Am wievielten ist der Termin?
10.02. Der Termin ist am zehnten Februar.
30.01. Der Termin ist am dreißigsten Januar.

Wenn der Wochentag genannt wird, wird er nach der Präposition und vor die Datumsanga-
be gestellt und durch ein Komma getrennt. Die Datumsangabe steht im Dativ.

Wann? = am + Wochentag [Komma] dem (Dativ) + Ordinalzahl + Ordinalzahl/Monat

Beispiel: Datum - Terminangabe mit Wochentag (I) - Dativ


Wann ist der Termin?
Montag, 10.02. Der Termin ist am Montag, dem zehnten Zweiten.
Freitag, 30.01. Der Termin ist am Freitag, dem dreißigsten Ersten.

Häufig wird anstelle des Dativs auch die Variante mit dem Akkusativ gewählt.

Wann? = am + Wochentag [Komma] den (Akkusativ) + Ordinalzahl + Ordinalzahl/Monat

Beispiel: Datum - Terminangabe mit Wochentag (II) - Akkusativ


Wann ist der Termin?
Montag, 10.02. Der Termin ist am Montag, den zehnten Zweiten.
Freitag, 30.01. Der Termin ist am Freitag, den dreißigsten Ersten.

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Verbergänzungen (IV) Grund - kausale Ergänzungen

Verbergänzungen (IV) Grund - kausale Er-


gänzungen
Kausale Ergänzungen antworten auf die Frage warum.

Kausale Ergänzungen im engeren Sinn


Kausale Ergänzungen mit wegen
Die Angabe eines Grundes kann durch die Präposition wegen realisiert werden. Die Frage
nach einem Grund lautet warum.

Beispiel: kausale Ergänzung - wegen (Präposition)


Warum geht Frau Schulz heute nicht zur Frau Schulz geht wegen ihrer Krankheit
Arbeit? heute nicht zur Arbeit.

Varianten von warum sind weshalb, weswegen, wieso.

Angaben des Grundes mit wegen entsprechen einem Nebensatz mit weil.

Beispiele: wegen (Präposition) - weil (Nebensatz)


wegen (Präposition) = weil (Nebensatz)
Warum geht Frau Schulz Frau Schulz geht wegen Frau Schulz geht nicht zur
heute nicht zur Arbeit? ihrer Krankheit heute nicht Arbeit, weil sie krank ist.
zur Arbeit.
Warum gehen Herr und Herr und Frau Müller gehen Herr und Frau Müller gehen
Frau Müller nicht spazieren? wegen des starken Regens nicht spazieren, weil es
nicht spazieren. stark regnet.

Kausale Ergänzungen mit aus


Die Präposition aus hat in Verbindung mit Wörtern für Gefühlsausdrücke ebenfalls kausale
Bedeutung.

Beispiele: kausale Ergänzung - durch (Präposition)


aus = weil
Er tötete seinen Nachbar aus Eifersucht*. Er tötete seinen Nachbar, weil er eifersüch-
tig war.
Aus Angst* vor schlechten Noten beging Der Schüler beging Selbstmord, weil er
der Schüler Selbstmord. Angst vor schlechten Noten hatte.

Beachte: Diese Ausdrücke werden immer ohne Artikel gebraucht.

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Verbergänzungen (IV) Grund - kausale Ergänzungen

Kausale Ergänzungen im weiteren Sinn


Im weiteren Sinn gehören auch folgende präpositionale Ergänzungen zu den kausalen
Ergänzungen:

Konzessive Ergänzungen
Konzessive Ergänzungen mit der Präposition trotz benennen einen Gegengrund.

Beispiele: konzessive Ergänzung - trotz (Präposition)


trotz =Gegengrund
Frau Schulz geht trotz ihrer Krankheit = Weil Frau Schulz krank ist, sollte sie nicht
heute zur Arbeit. zur Arbeit gehen.
Herr und Frau Müller gehen trotz des star- = Weil es stark regnet, sollten Herr und
ken Regens spazieren. Frau Müller nicht spazieren gehen.

Finale Ergänzungen
Finale Ergänzungen mit der Präposition zu benennen den Zweck bzw. das Ziel einer Hand-
lung.

Beispiele: finale Ergänzung - zu (Präposition)


zu =Zweck, Ziel
Frau Schulz bleibt zur Erholung heute zu = Weil sie sich erholen möchte (muss),
Hause. bleibt Frau Schulz heute zu Hause.

Die Präposition durch


Ergänzungen mit der Präpositionen durch können kausal (Grund - warum) oder instrumental
(Art und Weise - wie) interpretiert werden.

Beispiele: kausale Ergänzung - durch (Präposition)


durch =Grund
Durch sein schlechtes Benehmen ärgerte = Weil er sich schlecht benahm, ärgerte er
er die anderen Gäste. die anderen Gäste.

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Verbergänzungen (V): Art und Weise - modale Ergänzungen

Verbergänzungen (V): Art und Weise -


modale Ergänzungen
Modale Ergänzungen antworten auf die Frage wie.

Eine modale Ergänzung wird typischerweise durch ein Adverb bzw. ein adverbial gebrauch-
tes Adjektiv realisiert.

Beispiele: modale Ergänzungen - Adverbien


Wie singt er? Er singt gut.
Wie fährt Peter? Peter fährt immer schnell.
Wie kann Anna kochen? Anna kann gut kochen.
Wie konnte man die Aufgabe lösen? Man konnte die Aufgaben leicht lösen.

Es gibt auch einige Präpositionen mit modaler Bedeutung. Die wichtigste modale Präpositi-
on ist mit.

Die Präposition mit hat zwei Bedeutungen: mit Hilfe/mittels und zusammen mit. Mit ist eine
Präposition mit Dativ.

Beispiele: modale Ergänzungen - Präposition mit (Bedeutung)


Wie bist du nach Deutschland gekommen?
Ich bin mit dem Flugzeug nach Deutsch- = mit Hilfe/mittels
land gekommen
Ich bin mit meiner Freundin nach Deutsch- = zusammen mit
land gekommen

Eine fachsprachliche Variante von mit ist mittels. Mittels ist eine Präposition mit Genitiv.

Beispiele: modale Ergänzungen - Präposition mittels


Mittels eines Spezialwerkzeugs musste der Verletzte aus dem Auto befreit werden.
= Mit einem Spezialwerkzeug musste der Verletzte aus dem Auto befreit werden.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 355


Nebensätze als Ergänzung

Nebensätze als Ergänzung


Zu vielen Verben kann man anstelle einer Ergänzung für Personen oder Sachen einen Ne-
bensatz ergänzen.

Der Nebensatz ergänzt dann statt einer Person oder einer Sache eine Aktion. Diese Möglich-
keit ist von der Bedeutung des Verbs abhängig.

Beispiel: dass-Satz als Akkusativergänzung - sehen


sehen – Mann (Person) Ich sehe einen Mann. sehen + Akkusativ
sehen – Baum (Sache) Ich sehe einen Baum. sehen + Akkusativ
sehen – arbeiten (Aktion) Ich sehe, dass mein Nachbar im Gar- sehen + dass
ten arbeitet.

Nebensätze, die anstelle einer anderen Ergänzung für Personen oder Sachen eines Haupt-
satzes stehen, nennt man Komplementsätze.

Zu den Komplementsätzen gehören dass-Sätze, Infinitivsätze mit zu und indirekte Fragesät-


ze.

(Zu dass-Sätzen, Infinitivsätzen mit zu und indirekten Fragesätzen als Attributsätze siehe im
Kapitel: „Weitere Attributsätze“)

Die Möglichkeit einen Komplementsatz zu ergänzen ist vom Verb abhängig. (Siehe dazu
unten in den Kapiteln „Verben mit Infinitivsatz oder dass-Satz als Ergänzung 1“ bzw. „Indirek-
te Fragesätze“)

Komplementsatz vs. subordinierter Nebensatz


Im Unterschied zu subordinierten Nebensätzen ist der Hauptsatz ohne den Komplement-
satz unvollständig.

Beispiel: subordinierter Nebensatz mit weil


vollständiger Hauptsatz Ich kaufe ein Buch.
+ Nebensatz (weil) Ich kaufe ein Buch, weil ich für die Prüfung lernen muss.

Beispiel: Komplementsatz mit dass


unvollständiger Hauptsatz Ich sehe .. (-> was?)
+ Nebensatz (dass) Ich sehe, dass mein Nachbar im Garten arbeitet.

Sowohl in subordinierten Nebensätzen als auch in Komplementsätzen steht das Verb am


Ende.

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Nebensätze als Ergänzung

Dass-Sätze
Dass-Sätze stehen anstelle einer Nominativ-, Akkusativ- oder Präpositionalergänzung, wenn
diese Ergänzung keine Person oder Sache, sondern eine Aktion (ein Ereignis) beschreibt.

Beispiel: dass-Satz als Nominativergänzung


Nominativ = Person Mein neuer Chef gefällt mir nicht.
Nominativ = Sache Das Auto gefällt mir nicht.
Nominativ = Aktion Dass mein Kollege immer zu spät kommt, gefällt mir nicht.

Beachte: Wenn der dass-Satz als Nominativergänzung nicht in Position 1 steht, steht dort es
als Platzhalter für den dass-Satz. (siehe dazu auch: „Korrelat es in dass- Sätzen“)

Beispiel: dass-Satz als Nominativergänzung - in Position 1 vs. nicht in Position 1


dass-Satz in Position 1 Dass mein Kollege immer zu spät kommt, gefällt mir nicht.
dass-Satz nicht in Position 1 Es gefällt mir nicht, dass mein Kollege immer zu spät kommt.
=> es in Position 1

Beispiel: dass-Satz als Akkusativergänzung


Akkusativ = Person Ich sehe einen Mann.
Akkusativ = Sache Ich sehe einen Baum.
Akkusativ = Aktion Ich sehe, dass mein Nachbar im Garten arbeitet.

Wenn der dass-Satz anstelle einer festen Präpositionalergänzung steht, wird die Präposition
im Hauptsatz mit da(r)- markiert.

Beispiel: dass-Satz als Präpositionalergänzung


Präp.erg. = Person Ich warte auf meinen Freund.
Präp.erg. = Sache Ich warte auf den Bus.
Präp.erg. = Aktion Ich warte darauf, dass der Bus endlich kommt.

Die Verbindungen von da(r)- mit Präpositionen bezeichnet man auch als Pronominaladver-
bien.

Das Pronominaladverb fungiert hier als Korrelat (Platzhalter), das darauf verweist, dass die
erwartete Information im Nebensatz steht.

Zu Pronominaladverbien siehe auch in den Kapiteln: „Pronominaladverbien“und „Verb mit


Präposition und Pronominaladverb“.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 357


Nebensätze als Ergänzung

Der Unterschied zwischen dass und damit


Von deutschen Muttersprachlern wird in der Umgangssprache häufig dass falsch anstelle
von damit benutzt.

Beispiel: dass vs. damit


falsch (Umgangssprache) Ich esse weniger, dass ich abnehme.
richtig (Standardsprache) Ich esse weniger, damit ich abnehme.

Damit-Sätze sind subordinierte Nebensätze. Der Hauptsatz ist ohne den Nebensatz vollstän-
dig. Der Nebensatz (damit-Satz) liefert eine für die Vollständigkeit des Hauptsatzes nicht
notwendige Zusatzinformation. Hier das „Ziel“ bzw. den „Grund“.

Beispiel: damit - nicht notwendige Zusatzinformation


vollständiger Hauptsatz Ich esse weniger.
+ nicht notwendige Zusatzinformation Ich esse weniger, damit ich abnehme.

Dass-Sätze sind Komplementsätze. Der Hauptsatz ist ohne den Komplementsatz unvollstän-
dig. Der Nebensatz (dass-Satz) liefert eine für die Vollständigkeit des Hauptsatzes notwendi-
ge Zusatzinformation.

Beispiel: dass - notwendige Zusatzinformation


unvollständiger Hauptsatz Ich sehe
+ notwendige Zusatzinformation Ich sehe, dass mein Nachbar im Garten arbeitet.

Infinitivsätze mit zu
Infinitivsätze können wie dass-Sätze anstelle einer Nominativ-, Akkusativ- oder Präpositio-
nalergänzung stehen, wenn diese Ergänzung keine Person oder Sache, sondern eine Aktion
(ein Ereignis) beschreibt.

Beispiel: Infinitivsatz als Nominativergänzung


Nominativ = Person Mein neuer Chef gefällt mir nicht.
Nominativ = Sache Meine Arbeit gefällt mir nicht.
Nominativ = Aktion Viele Überstunden zu machen, gefällt mir nicht.

Beachte: Wenn der Infinitivsatz als Nominativergänzung nicht in Position 1 steht, steht dort
es als Platzhalter für den Infinitivsatz. (Siehe dazu auch: „Korrelat es in Infinitivsätzen mit zu“)

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 358


Nebensätze als Ergänzung

Beispiel: Infinitivsatz als Nominativergänzung - in Position 1 vs. nicht in Position 1


Infinitivsatz in Position 1 Viele Überstunden zu machen, gefällt mir nicht.
Infinitivsatz nicht in Position 1 Es gefällt mir nicht, viele Überstunden zu machen.
=> es in Position 1

Beispiel: Infinitivsatz als Akkusativergänzung


Akkusativ = Person Monika hat ihren Ex-Freund schon vergessen.
Akkusativ = Sache Monika hat ihren Schlüssel vergessen.
Akkusativ = Aktion Monika hat vergessen, die Blumen zu gießen.

Wenn der Infinitivsatz anstelle einer festen Präpositionalergänzung steht, wird die Präpositi-
on im Hauptsatz wie bei einem dass-Satz mit da(r)- markiert.

Beispiel: Infinitivsatz als Präpositionalergänzung


Präp.erg. = Person Ich warte auf meinen Freund.
Präp.erg. = Sache Ich warte auf den Bus.
Präp.erg. = Aktion Ich warte darauf, endlich nach Hause gehen zu können.

Die Position von zu


Beim Infinitiv Präsens Aktiv steht zu am Ende des Nebensatzes unmittelbar vor dem Verb.
Bei trennbaren Verben wird zu zwischen Präfix und Verbstamm eingefügt. Bei Modalverben
steht zu zwischen den beiden Verben.

Beispiele: Position von zu (I)


Stammverb Ich habe ihr versprochen, morgen zu kommen.
nicht trennbar Ich habe ihr versprochen, sie morgen zu besuchen.
trennbar Ich habe ihr versprochen, mein Zimmer aufzuräumen.
mit Modalverb Er glaubt, die Prüfung bestehen zu können.

Beim Infinitiv Perfekt Aktiv, beim Infinitiv Präsens Passiv und Infinitiv Perfekt Passiv steht zu
vor dem Hilfsverb am Ende des Satzes.

Beispiele: Position von zu (II)


Infinitiv Perfekt Aktiv Er behauptet, den Mann gesehen zu haben.
Infinitiv Präsens Passiv Er behauptet, schlecht bezahlt zu werden.
Infinitiv Perfekt Passiv Er behauptet, geschlagen worden zu sein.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 359


Nebensätze als Ergänzung

Gleichzeitige und vorzeitige Infinitivsätze


Die Handlung im Infinitivsatz ist entweder gleichzeitig oder vorzeitig zur Handlung des
Hauptsatzes. Gleichzeitige und vorzeitige Infinitivsätze kommen im Aktiv und im Passiv vor.

Gleichzeitige Infinitivsätze
Gleichzeitige Infinitivsätze im Aktiv werden mit dem Infinitiv Präsens Aktiv und zu gebildet.

Beispiel: Infinitiv Präsens Aktiv - kennen


Infinitiv Präsens Aktiv kennen

Beispiel: Infinitivsatz Aktiv gleichzeitig


Hauptsatz Infinitivsatz (Aktiv)
Präsens Er behauptet, den Mann zu kennen.
Präteritum Er behauptete, den Mann zu kennen.
Perfekt Er hat behauptet, den Mann zu kennen.
Plusquamperfekt Er hatte behauptet, den Mann zu kennen.
=> gleichzeitig

Gleichzeitige Infinitivsätze im Passiv werden mit dem Infinitiv Präsens Passiv und zu gebil-
det.

Beispiel: Infinitiv Präsens Passiv - bezahlen


Infinitiv Präsens Passiv bezahlt werden

Beispiel: Infinitivsatz Passiv gleichzeitig


Hauptsatz Infinitivsatz (Passiv)
Präsens Er behauptet, schlecht bezahlt zu werden.
Präteritum Er behauptete, schlecht bezahlt zu werden.
Perfekt Er hat behauptet, schlecht bezahlt zu werden.
Plusquamperfekt Er hatte behauptet, schlecht bezahlt zu werden.
=> gleichzeitig

Gleichzeitige Infinitivsätze entsprechen einem dass-Satz auf einer Zeitstufe, die zum Haupt-
satz gleichzeitig ist.

Beachte: Gleichzeitigkeit wird oft durch das Präsens ausgedrückt. ( Siehe dazu: „Der Ge-
brauch des Präsens“)

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 360


Nebensätze als Ergänzung

Beispiel: dass-Satz Aktiv gleichzeitig


Hauptsatz dass-Satz (Aktiv)
Präsens Er behauptet, dass er den Mann kennt.
Präteritum Er behauptete, dass er den Mann kennt.
Perfekt Er hat behauptet, dass er den Mann kennt.
Plusquamperfekt Er hatte behauptet, dass er den Mann kennt.
=> gleichzeitig (Präsens)

Vorzeitige Infinitivsätze
Vorzeitige Infinitivsätze im Aktiv werden mit dem Infinitiv Perfekt Aktiv und zu gebildet.

Beispiel: Infinitiv Perfekt Aktiv - sehen


Infinitiv Perfekt Aktiv gesehen haben

Beispiel: Infinitivsatz Aktiv vorzeitig


Hauptsatz Infinitivsatz (Aktiv)
Präsens Er behauptet, den Mann gesehen zu haben.
Präteritum Er behauptete, den Mann gesehen zu haben.
Perfekt Er hat behauptet, den Mann gesehen zu haben.
Plusquamperfekt Er hatte behauptet, den Mann gesehen zu haben.
=> vorzeitig

Vorzeitige Infinitivsätze im Passiv werden mit dem Infinitiv Perfekt Passiv und zu gebildet.

Beispiel: Infinitiv Perfekt Passiv - schlagen


Infinitiv Perfekt Passiv geschlagen worden sein

Beispiel: Infinitivsatz Passiv vorzeitig


Hauptsatz Infinitivsatz (Passiv)
Präsens Er behauptet, geschlagen worden zu sein.
Präteritum Er behauptete, geschlagen worden zu sein.
Perfekt Er hat behauptet, geschlagen worden zu sein.
Plusquamperfekt Er hatte behauptet, geschlagen worden zu sein.
=> vorzeitig

Vorzeitige Infinitivsätze entsprechen einem dass-Satz auf einer Zeitstufe, die zum Hauptsatz
vorzeitig ist.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 361


Nebensätze als Ergänzung

Beispiel: dass-Satz Aktiv vorzeitig


Hauptsatz dass-Satz (Aktiv)
Präsens Er behauptet, dass er den Mann gesehen hat.
Präteritum Er behauptete, dass er den Mann gesehen hatte.*
Perfekt Er hat behauptet, dass er den Mann gesehen hatte.*
Plusquamperfekt Er hatte behauptet, dass er den Mann gesehen hatte.*
=> vorzeitig

*In der aktuellen gesprochenen und teilweise auch in der geschriebenen Sprache wird das
Plusquamperfekt oft durch das Perfekt ersetzt, um Vorzeitigkeit auszudrücken. (Siehe dazu
auch: „Der Gebrauch des Plusquamperfekts“)

Das “Subjekt” des Infinitivsatzes


Infinitivsätze haben keinen Nominativ (kein Subjekt). Viele Infinitivsätze mit zu können aber
auf die Verkürzung eines dass-Satzes zurückgeführt werden, in dem der Nominativ (das
Subjekt) weggelassen wurde.

Das weggelassene Subjekt des dass-Satzes hat eine identische Personenangabe als Bezugs-
wort im Hauptsatz. Das Subjekt des Infinitivsatzes “versteckt” sich sozusagen im Bezugswort
des Hauptsatzes.

Oft aber nicht immer handelt es sich beim Bezugswort um den Nominativ (das Subjekt) des
Hauptsatzes.

Beispiel (1): Bezugswort im Hauptsatz = Nominativ (ich)


Infinitivsatz Ich habe versprochen, sie morgen zu besuchen. (=>ich)
dass-Satz Ich habe versprochen, dass ich sie morgen besuche.

Beispiel (2): Bezugswort im Hauptsatz = Nominativ (er)


Infinitivsatz Er glaubt, krank zu sein. (=>er)
dass-Satz Er glaubt, dass er krank ist.

Wenn es im Hauptsatz neben dem Nominativ weitere Ergänzungen gibt, kann das Bezugs-
wort im Hauptsatz aber auch eine Personenangabe als Akkusativ-, Dativ- oder Präpositional-
ergänzung sein.

Beispiel (3): Bezugswort im Hauptsatz = Akkusativ (den Lehrer)


Infinitivsatz Ich bitte den Lehrer (darum), die Grammatik zu erklären.
dass-Satz Ich bitte den Lehrer (darum), dass er die Grammatik erklärt.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 362


Nebensätze als Ergänzung

Beispiel (4): Bezugswort im Hauptsatz = Dativ (dir)


Infinitivsatz Ich rate dir, zum Arzt zu gehen.
dass-Satz Ich rate dir, dass du zum Arzt gehst.

Beispiel (5): Bezugswort im Hauptsatz = Präpositionalphrase (von seinem Chef)


Infinitivsatz Er forderte von seinem Chef, den Lohn sofort auszuzahlen.
dass-Satz Er forderte von seinem Chef,, dass er den Lohn sofort auszahlt.

Wenn es im Hauptsatz keine Personenangabe als Bezugswort gibt, entspricht der Infinitiv-
satz einem dass-Satz mit unpersönlichem Subjekt.

Beispiel (6): kein Bezugswort im Hauptsatz = unpersönliches Subjekt


Infinitivsatz Bei manchen Krankheiten ist es notwendig, sie mit neuen Metho-
den zu bekämpfen.
dass-Satz Bei manchen Krankheiten ist es notwendig, dass man sie mit neu-
en Methoden bekämpft.

Auf welches Bezugswort im Hauptsatz sich das (weggelassene) Subjekt des Infinitivsatzes
bezieht, ist von der Bedeutung (vom Kontext) abhängig.

Beispiel 1a: bitten - Bezugswort des Infinitivsatzes = Nominativ des Hauptsatzes


Infinitivsatz Ich bitte den Lehrer (darum), früher nach Hause gehen zu dürfen. (=>ich)
dass-Satz Ich bitte den Lehrer (darum), dass ich früher nach Hause gehen darf.
Bezugswort = Nominativ

Beispiel 1b: bitten - Bezugswort des Infinitivsatzes = Akkusativ des Hauptsatzes


Infinitivsatz Ich bitte den Lehrer (darum), die Grammatik zu erklären. (=>Lehrer)
dass-Satz Ich bitte den Lehrer (darum), dass er die Grammatik erklärt.
Bezugswort = Akkusativ

Beispiel 2a: versprechen - Bezugswort des Infinitivsatzes = Nominativ des Hauptsatzes


Infinitivsatz Der Vater verspricht seiner Tochter, ein Auto zu kaufen. (=>Vater)
dass-Satz Der Vater verspricht seiner Tochter, dass er ein Auto kauft.
Bezugswort = Nominativ

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 363


Nebensätze als Ergänzung

Beispiel 2b: versprechen - Bezugswort des Infinitivsatzes = Dativ des Hauptsatzes


Infinitivsatz Der Vater verspricht seiner Tochter, zu der Party gehen zu dürfen. (=>Tochter)
dass-Satz Der Vater verspricht seiner Tochter, dass sie zu der Party gehen darf.
Bezugswort = Dativ

Beispiel 3a: fordern - Bezugswort des Infinitivsatzes = Nominativ des Hauptsatzes


Infinitivsatz Paul forderte von seinem Chef, im Home-Office arbeiten zu dürfen. (=>Paul)
dass-Satz Paul forderte von seinem Chef, dass er im Home-Office arbeiten darf.
Bezugswort = Nominativ

Beispiel 3b: fordern - Bezugswort des Infinitivsatzes = Präpositionalphrase des Hauptsatzes


Infinitivsatz Er forderte von seinem Chef, den Lohn sofort auszuzahlen. (=>Chef )
dass-Satz Er forderte von seinem Chef, dass er den Lohn sofort auszahlt.
Bezugswort = Präpositionalphrase

Bei einigen Verben mit Dativ ist ein Bezug des (weggelassenen) Subjekts des Infinitivsatzes
auf den Nominativ des Hauptsatzes von der Bedeutung her nicht möglich, wenn der Dativ
nicht reflexiv ist - was normalerweise der Fall ist, da diese Verben eine Aktion beschreiben,
die sich (normalerweise) an eine andere Person richtet..

Beispiel 4a: erlauben - Bezugswort des Infinitivsatzes = Nominativ des Hauptsatzes


Infinitivsatz Der Vater erlaubt Monika, zu der Party zu gehen.
dass-Satz -- [Der Vater erlaubt Monika, dass er ..]
Bezugswort = Nominativ => nicht möglich

Beispiel 4a: erlauben - Bezugswort des Infinitivsatzes = Dativ des Hauptsatzes


Infinitivsatz Der Vater erlaubt Monika, zu der Party zu gehen.
dass-Satz Der Vater erlaubt Monika, dass sie zu der Party geht.
Bezugswort = Dativ => möglich

Weitere Verben bei denen ein Bezug auf den Nominativ (normalerweise) nicht möglich ist:
befehlen, empfehlen, ermahnen, raten, ..

Verben mit Infinitivsatz oder dass-Satz als Ergänzung


Bei vielen Verben ist die Verkürzung eines dass-Satzes zu einem Infinitivsatz möglich, wenn
der Hauptsatz eine identische Personenangabe als Bezugswort des (weggelassenen) Sub-
jekts des Infinitivsatzes enthält. (siehe im Kapitel oben)

Wenige Verben werden aber ausschließlich mit einem Infinitivsatz oder einem dass-Satz
benützt.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 364


Nebensätze als Ergänzung

Verben mit dass-Satz


Verben, die die Aussage einer dritten Person wiedergeben („indirekte Rede“) oder eine äuße-
re Wahrnehmung beschreiben, werden ausschließlich mit einem dass-Satz verwendet.

Auch wenn es ein identisches Bezugswort gibt, ist keine Verkürzung des dass-Satzes zu ei-
nem Infinitivsatz möglich..

Beispiel: indirekte Rede


dass-Satz Er sagt, dass er nächste Woche in den Urlaub fliegt.
Infinitivsatz --

Zu diesen Verben gehören z. B.: sagen, erzählen, antworten, berichten, ..

Beispiel: Wahrnehmung
dass-Satz Er bemerkte, dass er sehr schmutzig war.
Infinitivsatz --

Zu diesen Verben gehören z. B.: bemerken, beobachten, erfahren, erkennen, entdecken, fest-
stellen, fühlen, hören, merken, riechen, sehen, schmecken, ..

Weitere Verben, die ausschließlich mit einem dass-Satz verwendet werden, sind z. B. wissen
und stimmen.

Beispiel: wissen
dass-Satz Er weiß, dass er noch viel lernen muss.
Infinitivsatz --

Verben mit Infinitivsatz


Die Verben pflegen zu, drohen zu, scheinen zu und nicht brauchen zu werden immer mit einem
Infinitivsatz gebraucht.

Beispiel: Verben mit Infinitivsatz


pflegen zu Mein Großvater pflegte jeden Morgen um fünf Uhr aufzustehen.
drohen zu Das Schiff drohte unterzugehen.
scheinen zu Er scheint sich nicht für seine Kinder zu interessieren.

Beachte den Bedeutungsunterschied der gleichlautenden Verben mit anderer Ergänzungs-


struktur.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 365


Nebensätze als Ergänzung

Beispiel: Verben ohne Infinitivsatz


pflegen + AKK Meine Großmutter pflegte meinen Großvater fünf Jahre lang.
drohen + DAT Er drohte seinen Mitarbeitern mit der Entlassung.
scheinen Die Sonne scheint im Winter nicht so stark.

Indirekte Fragesätze
Indirekte Fragesätze stehen wie dass-Sätze oder Infinitivsätze anstelle einer Nominativ-,
Akkusativ- oder Präpositionalergänzung, wenn diese Ergänzung keine Person oder Sache,
sondern eine Aktion (ein Ereignis) beschreibt.

Das Verb steht im indirekten Fragesatz am Ende.

Beispiel: indirekter Fragesatz als Nominativergänzung


Nominativ = Person Mein neuer Chef gefällt mir nicht.
Nominativ = Sache Meine Arbeit gefällt mir nicht.
Nominativ = Aktion Wie er das gemacht hat, gefällt mir nicht.

Beachte: Wenn der indirekte Fragesatz als Nominativergänzung nicht in Position 1 steht,
steht dort es als Platzhalter für den indirekten Fragesatz. (Siehe dazu auch: „Korrelat es in
Indirekten Fragesätzen“)

Beispiel: indirekter Fragesatz als Nominativergänzung - in Position 1 vs. nicht in Position 1


indirekter Fragesatz in Position 1 Wie er das gemacht hat, gefällt mir nicht.
indirekter Fragesatz nicht in Position 1 Es gefällt mir nicht, wie er das gemacht hat.
=> es in Position 1

Beispiel: indirekter Fragesatz als Akkusativergänzung


Akkusativ = Person Ich verstehe den Lehrer nicht.
Akkusativ = Sache Ich verstehe die Grammatik nicht.
Akkusativ = Frage Ich verstehe nicht, warum sie diesen Mann geheiratet hat.

Wenn der indirekte Fragesatz anstelle einer festen Präpositionalergänzung steht, wird die
Präposition wie bei den dass-Sätzen und Infinitivsätzen im Hauptsatz mit da(r)- markiert.

Beispiel: indirekter Fragesatz als Präpositionalergänzung


Präp.erg. = Person Der Arzt fragt den Mann nach seiner Frau.
Präp.erg. = Sache Der Arzt fragt den Mann nach seinen Schmerzen.
Präp.erg. = Aktion Der Arzt fragt den Mann danach, wie es ihm geht.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 366


Nebensätze als Ergänzung

Weitere Beispiele: indirekter Fragesatz als Präpositionalergänzung


sich interessieren für Die Polizei interessiert sich dafür, woher das Geld stammt.
sich erkundigen nach Der Tourist erkundigt sich danach, wann das Museum öffnet.
sich informieren über Die Schüler informieren sich darüber, welche Unterlagen sie
für die Bewerbung brauchen.

Verben, die einen indirekten Fragesatz als Ergänzung haben können, gehören meist zum
Bedeutungsfeld „fragen“.

Beispiele: „fragen“-Verben mit indirektem Fragesatz (W-Frage)


fragen Maria fragt, wann der Zug abfährt.
überlegen Ich überlege, was ich heute Abend anziehe.
verstehen Ich verstehe nicht, warum sie ihn verlassen hat.
untersuchen Die Wissenschaftler untersuchen, wie sich der Mensch entwickelt hat.

Manche Verben können auch eine Satzfrage (Ja-Nein-Frage) als Ergänzung haben. Bei einer
Satzfrage beginnt der indirekte Fragesatz mit ob.

Beispiele: „fragen“-Verben mit indirektem Fragesatz (Satzfrage)


fragen Maria fragt, ob du morgen zu der Party kommst.
überlegen Ich überlege auch, ob ich morgen zu der Party gehe.
untersuchen Die Wissenschaftler untersuchen, ob sich das Klima verändert hat.

Höfliche Frage und indirekter Nebensatz


Direkte Fragen werden aus Gründen der Höflichkeit oft durch einen zusätzlichen Fragesatz
eingeleitet. Die eigentliche Frage steht dann in einem indirekten Fragesatz.

Beispiele: höfliche W-Frage mit indirektem Fragesatz


Direkte W-Frage Indirekte Frage mit einleitendem Fragesatz
Wie spät ist es? Wissen Sie, wie spät es ist?
Wann fährt der Zug ab? Können Sie mir sagen, wann der Zug abfährt?

Beispiele: höfliche Satzfrage mit indirektem Fragesatz


Direkte Satzfrage Indirekte Frage
Ist Peter verheiratet? Weißt du, ob Peter verheiratet ist?
Hat der Zug Verspätung? Können Sie mir sagen, ob der Zug Verspätung hat?

Man kann die indirekte Frage auch mit einem Aussagesatz einleiten. Dann steht am Ende
des Satzes ein Punkt.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 367


Nebensätze als Ergänzung

Beispiele: Einleitung der indirekten Frage mit Aussage- bzw. Fragesatz


Fragesatz Können Sie mir sagen, wann der Zug abfährt? Fragezeichen
Aussagesatz Ich möchte wissen, wann der Zug abfährt. Punkt

Es als Platzhalter (Korrelat) bei Komplementsätzen


Unter bestimmten Umständen kann bei Komplementsätzen im Hauptsatz zusätzlich es als
„Platzhalter“ (Korrelat) für den Komplementsatz stehen.

Das heißt, dass der Nominativ bzw. der Akkusativ sowohl durch es als auch durch den Kom-
plementsatz ausgedrückt wird.

Es kann in allen Arten von Komplementsätzen vorkommen. Das Vorkommen von es ist vom
Verb des Hauptsatzes abhängig. Eine Regel dafür gibt es nicht. Das Korrelat muss mit dem
Verb gelernt werden.

Korrelat es in dass- Sätzen

Beispiel: es als Platzhalter in dass-Sätzen


dass-Satz (Nominativ) Es ist für mich wichtig, dass meine Eltern mich unterstützen.
dass-Satz (Akkusativ) Ich bedaure (es), dass meine Eltern mich nicht unterstützen
können.

Wenn es Platzhalter für einen Nominativ ist, dann steht es in Position 1 (vor dem Verb) oder
im Satz (nach dem Verb).

Wenn es in Position 1 steht, ist es obligatorisch.

Beispiel: Position von es (Nominativ) - Position 1


Position 1 Es ist für mich wichtig, dass meine Eltern mich unterstützen.
es => obligatorisch

Wenn eine andere Ergänzung in Position 1 steht, ist es meist fakultativ.

Beispiel: Position von es (Nominativ) - Position im Satz


Position im Satz Für mich ist (es) wichtig, dass meine Eltern mich unterstützen.
es => (meist) fakultativ

Wenn es Platzhalter für einen Akkusativ ist, dann steht es immer im Satz und ist meist fakul-
tativ.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 368


Nebensätze als Ergänzung

Beispiel: Position von es (Akkusativ) - Position im Satz


Position im Satz Ich bedaure (es), dass meine Eltern mich nicht unterstützen können.
es => (meist) fakultativ

Wenn der dass-Satz in Position 1 steht, fällt es immer weg.

Beispiel: dass-Satz in Position 1


dass-Satz (Nominativ) Dass meine Eltern mich unterstützen, ist für mich wichtig.
dass-Satz (Akkusativ) Dass meine Eltern mich nicht unterstützen können, bedaure ich.
=> kein es

Korrelat es in Infinitivsätzen mit zu

Beispiel: es als Platzhalter in Infinitivsätzen


Infinitivsatz (Nominativ) Es ist für mich wichtig, eine gute Note zu schreiben.
Infinitivsatz (Akkusativ) Ich bedaure es jetzt, nicht mehr gelernt zu haben.

Wenn es Platzhalter für einen Nominativ ist, dann steht es in Position 1 (vor dem Verb) oder
im Satz (nach dem Verb).

Wenn es in Position 1 steht, ist es obligatorisch.

Beispiel: Position von es (Nominativ) - Position 1


Position 1 Es ist für mich wichtig, eine gute Note zu schreiben.
es => obligatorisch

Wenn eine andere Ergänzung in Position 1 steht, ist es meist fakultativ.

Beispiel: Position von es (Nominativ) - Position im Satz


Position im Satz Für mich ist (es) wichtig, eine gute Note zu schreiben.
es => (meist) fakultativ

Wenn es Platzhalter für einen Akkusativ ist, dann steht es immer im Satz und ist meist fakul-
tativ.

Beispiel: Position von es (Akkusativ) - Position im Satz


Position im Satz Ich bedaure (es) jetzt, nicht mehr gelernt zu haben.
es => (meist) fakultativ

Wenn der Infinitivsatz in Position 1 steht, fällt es immer weg.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 369


Nebensätze als Ergänzung

Beispiel: Infinitivsatz in Position 1


Infinitivsatz (Nominativ) Eine gute Note zu schreiben, ist für mich wichtig.
Infinitivsatz (Akkusativ) Nicht mehr gelernt zu haben, bedaure ich jetzt.
=> kein es

Korrelat es in indirekten Fragesätzen

Beispiel: es als Platzhalter in indirekten Fragesätzen


indirekter Fragesatz (Nominativ) Es ist mir unklar, warum sie diesen Mann geheiratet hat.
indirekter Fragesatz (Akkusativ) Sie versteht (es) nie, warum er sie verlassen hat.

Wenn es Platzhalter für einen Nominativ ist, dann steht es in Position 1 (vor dem Verb) oder
im Satz (nach dem Verb).

Wenn es in Position 1 steht, ist es obligatorisch.


Beispiel: Position von es (Nominativ) - Position 1
Position 1 Es ist mir unklar, warum sie diesen Mann geheiratet hat.
es => obligatorisch

Wenn eine andere Ergänzung in Position 1 steht, ist es meist fakultativ.

Beispiel: Position von es (Nominativ) - Position im Satz


Position im Satz Mir ist (es) unklar, warum sie diesen Mann geheiratet hat.
es => (meist) fakultativ

Wenn es Platzhalter für einen Akkusativ ist, dann steht es immer im Satz und ist meist fakul-
tativ.

Beispiel: Position von es (Akkusativ) - Position im Satz


Position im Satz Sie versteht (es) nie, warum er sie verlassen hat.
es => (meist) fakultativ

Wenn der indirekte Fragesatz in Position 1 steht, fällt es immer weg.

Beispiel: indirekter Fragesatz in Position 1


indirekter Fragesatz (Nominativ) Warum sie diesen Mann geheiratet hat, ist mir unklar.
indirekter Fragesatz (Akkusativ) Warum er sie verlassen hat, versteht sie nie.
=> kein es

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 370


Nebensätze als Ergänzung

Korrelat es in Komplementsätzen
Die folgende Übersicht fasst das Vorkommen des Korrelats es in dass-Sätzen, Infinitivsätzen
mit zu und indirekten Fragesätzen zusammen.

Übersicht: Korrelat es in Komplementsätzen


Hauptsatz vor Komplementsatz Komplementsatz vor Hauptsatz
es in Position 1 im Satz -- (kein es)
Nominativ obligatorisch (meist) fakultativ -- (kein es)
Akkusativ -- (nicht möglich) (meist) fakultativ -- (kein es)

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 371


Übersicht: Fragewörter zu Verbergänzungen

Übersicht: Fragewörter zu Verbergänzun-


gen
Zu den Ergänzungen im Satz gehören folgende Fragen:

Personen und Sachen:


Nominativ:
Wer? (Person) Wer läuft? Peter.
Was? (Sache) Was läuft? Der Motor.

Akkusativ:
Wen? (Person) Wen besuchst du? Meinen Bruder.
Was? (Sache) Was suchst du? Meinen Schlüssel.

Dativ:
Wem? (Person) Wem gehört das Buch? Meinem Freund.
Wem? (Sache) -- --

Genitiv:
Wessen? (Person) Wessen gedenken wir? Der Toten.
Wessen? (Sache) Wessen wird er angeklagt? Des versuchten Mordes.

Präposition mit Akkusativ:


Präposition + wen? (Per- Auf wen wartest du? Ich warte auf meinen Pro-
son) fessor.
Präposition + was? (Sache) Auf was wartest du?* Ich warte auf die Pause.
Wo(r)-+ Präposition Worauf wartest du?

Präposition mit Dativ:


Präposition + wem? (Per- Mit wem gehst du ins Kino? Mit meiner Freundin.
son)
Präposition + was? (Sache) Mit was schreibst du?* Mit dem Bleistift.
Wo(r)- + Präposition Womit schreibst du?

*Gilt als umgangssprachlich.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 372


Übersicht: Fragewörter zu Verbergänzungen

Zeit
Zeitpunkt
Wann? Wann hast du Geburtstag? Im Mai.
Präp. + welche In welchem Monat hast du
Geburtstag?

Zeitraum
wie lange? Wie lange arbeitest du? Drei Stunden.
mit Anfangs- und Endpunkt
Von wann bis wann? Von wann bis wann arbei- Von 13.00 Uhr bis 16.00 Uhr.
test du?
mit Anfangspunkt
Seit wann? Seit wann arbeitest du? Seit 13.00 Uhr.
mit Endpunkt
Bis wann? Bis wann arbeitest du? Bis 16.00 Uhr.
Ab wann? Ab wann arbeitest du wie- Ab nächster Woche.
der?

Häufigkeit/Frequenz
Wie oft? Wie oft gehst du ins Kino? Einmal pro Monat.

Ort
Wo? Wo wohnst du? In Stuttgart.
Wohin? Wohin fährst du? Nach München.
Woher? Woher kommst du? Aus Berlin.

Grund
Warum? = Weshalb?/Wes- Warum arbeitest du nicht? Wegen meiner Krankheit.
wegen?/Wieso?

Art und Weise


Wie? Wie fährst du? Mit dem Auto.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 373


Die Negation

Die Negation
Die Negation eines Satzes bzw. eines Satzteils lautet nicht.

Beispiele: Negation nicht


Peter raucht. Seine Frau raucht nicht.
Peter kommt aus Stuttgart. Seine Frau kommt nicht aus Stuttgart.

Eine Ausnahme bilden Substantive mit dem unbestimmten Artikel oder ohne Artikel. Sie
werden mit dem negativen unbestimmten Artikel kein verneint.

Beispiele: Negation kein-


unbestimmter/ohne Artikel Negation
Peter kauft einen Pullover. Ich kaufe keinen Pullover.
Peter kauft Bücher. Ich kaufe keine Bücher.
Peter hat Geld. Ich habe kein Geld.

Die Verneinung des unbestimmten Artikels mit nicht ist nur möglich, wenn man den unbe-
stimmten Artikel auch als das Zahlwort eins verstehen kann und dieses betonen möchte.

Beispiel: Negation - Zahlwort eins betont


Hast du fünf Euro? Nein, ich habe nicht einen Euro.

Die Position von nicht


Die Position von nicht im Satz hängt von der Betonung ab.

Unbetonte Positionen
Wenn die Negation nicht betont ist, steht nicht bei temporalen (Zeit) und kausalen (Grund)
Ergänzungen und Ergänzungen im Akkusativ oder Dativ am Ende des Satzes vor der Satz-
klammer.

Beispiele: unbetonte Negation - Negation am Satzende (I)


temporale Ergänzung Ich komme morgen nicht.
Ich kann morgen nicht kommen.
kausale Ergänzung Ich arbeite wegen meiner Krankheit nicht.
Ich kann wegen meiner Krankheit nicht arbeiten.
Akkusativ Ich besuche meinen Bruder nicht.
Ich kann meinen Bruder nicht besuchen.
Dativ Ich helfe meiner Schwester nicht.
Ich will meiner Schwester nicht helfen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 374


Die Negation

Das ändert sich auch nicht, wenn mehrere Ergänzungen im Satz vorkommen.

Beispiele: unbetonte Negation - Negation am Satzende (II)


temporale Ergänzung Ich komme morgen wegen eines wichtigen Termins nicht.
Ich kann morgen wegen eines wichtigen Termins nicht kommen.
kausale Ergänzung Ich arbeite wegen meiner Krankheit leider nicht.
Ich kann wegen meiner Krankheit leider nicht arbeiten.
Akkusativ Ich besuche meinen Bruder in den Ferien nicht.
Ich kann meinen Bruder in den Ferien nicht besuchen.
Dativ Ich helfe meiner Schwester am Wochenende nicht.
Ich will meiner Schwester am Wochenende nicht helfen.

Bei unbetonter Negation von lokalen (Ort) und modalen Ergänzungen, festen Präpositionen
und sein + Adjektiv/Adverb steht nicht direkt vor diesen Ergänzungen.

Beispiele: unbetonte Negation - Negation vor bestimmten Ergänzungen


lokale Ergänzung Ich fahre nicht nach Berlin.
modale Ergänzung Ich fahre nicht mit dem Auto.
Verb + feste Präposition Ich warte nicht auf den Zug. (warten auf )
sein + Adjektiv Ich bin nicht sportlich.

Das ändert sich auch nicht, wenn mehrere Ergänzungen im Satz vorkommen.

lokale Ergänzung Ich fahre morgen mit meiner Freundin wegen des schlechten
Wetters nicht nach Berlin.
modale Ergänzung Ich fahre wegen der hohen Kosten nicht mit dem Auto.
Ich fahre wegen der hohen Kosten nicht mit dem Auto nach
Berlin.
Verb + feste Präposition Ich warte hier mit meinen Freunden nicht auf den Zug.
sein + Adjektiv Ich bin wegen meiner Gesundheitsprobleme schon immer
nicht sportlich.

Betonte Positionen
Alle anderen Positionen von nicht sind betonte Positionen, die eine Korrektur durch sondern
erfordern.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 375


Die Negation

Beispiel: betonte Negation


Zeit Ich komme nicht morgen, sondern am Wochenende.
Akkusativ Ich besuche nicht meinen Bruder, sondern meine Schwester.
Dativ Ich helfe nicht meiner Schwester, sondern meinem Vater.
modale Ergänzung Ich fahre nicht mit meiner Schwester, sondern mit meinem Vater.

Bei mehreren Ergänzungen steht die unbetonte Negation in Richtung des Satzendes, aber
vor lokalen Ergänzungen.

Beispiel: mehrere Ergänzungen


unbetont Ich fahre morgen wegen des schlechten Wetters mit meiner Freun-
din nicht nach Berlin.
betont Ich fahre wegen des schlechten Wetters mit meiner Freundin nicht
morgen nach Berlin, sondern am Freitag.
betont Ich fahre morgen wegen des schlechten Wetters nicht mit meiner
Freundin nach Berlin, sondern allein.

Der Unterschied zwischen nicht und nichts


Nichts ist die Negation von etwas. Wenn etwas eine obligatorische Ergänzung ist - das heißt,
wenn der Satz ohne etwas unvollständig ist - lautet die Negation nichts.

Beispiel: etwas = obligatorisch


etwas nichts
Hast du gestern in der Stadt etwas ge- (Ja, ich habe etwas gekauft.)
kauft? Nein, ich habe nichts gekauft.
kaufen + Akkusativ => etwas = Akkusativ = obligatorisch

Wenn etwas keine obligatorische Ergänzung ist, lautet die Negation nichts oder nicht.

Beispiel: etwas = nicht obligatorisch


etwas nichts/nicht
Hast du im Lotto (etwas) gewonnen? Nein, ich habe nichts gewonnen.
Nein, ich habe nicht gewonnen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 376


Satzteilverbindung: und, oder, aber, sondern

Satzteilverbindung: und, oder, aber, son-


dern
Mit Hilfe der Verbindungswörter (Konjunktionen) und, oder, aber, sondern kann man inner-
halb eines Satzteils (einer Ergänzung) zwei Wörter oder Wortgruppen verbinden.

Mit und werden zwei oder mehr Wörter aneinandergereiht.

Beispiele: und
Nominativ Ich und mein Bruder übernehmen die Firma meines Vaters.
Akkusativ Ich besuche meine Eltern und meine Großeltern.

Oder drückt aus, dass es zwei alternative Möglichkeiten gibt, die sich gegenseitig ausschlie-
ßen.

Beispiele: oder
Nominativ Ich oder mein Bruder übernehmen die Firma meines Vaters.
Akkusativ Ich besuche meine Eltern oder meine Großeltern.

Mit aber wird ein Gegensatz ausgedrückt.

Beispiele: aber
Adverb Der Lehrer ist streng, aber gerecht.
Akkusativ Ich habe einen Bleistift, aber keinen Kugelschreiber.

Ein Spezialfall von aber ist sondern. Sondern steht bei einem direkten Gegensatz, wenn der
erste Teil des Gegensatzes negiert ist.

Beispiele: sondern
lokale Ergänzung Er wohnt nicht in Berlin, sondern in Leipzig.
Adverb Sie ist nicht dick, sondern schlank.
Akkusativ Er liebt nicht Anna, sondern Maria.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 377


Teil VIII: Verbformen (III) -
Der Konjunktiv

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 378


Der Konjunktiv II

Der Konjunktiv II
Im Gegensatz zum Indikativ, wo es sechs Zeitformen gibt, kann man im Konjunktiv II nur
zwei Zeitformen unterscheiden: Konjunktiv II Gegenwart und Konjunktiv II Vergangenheit.

Der Konjunktiv II Gegenwart


Der Konjunktiv II Gegenwart hat zwei Formen. Eine Form wird mit dem Hilfsverb werden, die
andere aus dem Präteritumstamm gebildet.

Beispiel: Konjunktiv II Gegenwart - kommen


Konjunktiv II mit Hilfsverb werden ich würde kommen
Konjunktiv II aus Präteritumstamm ich käme

Die Formen können alternativ benutzt werden. In der gesprochenen Sprache wird häufig
der Konjunktiv II mit würde verwendet.

Der Konjunktiv II Gegenwart mit dem Hilfsverb werden


Die Form des Konjunktivs II mit dem Hilfsverb werden bildet man mit dem Konjunktiv II von
werden und dem Infinitiv.

Konjunktiv II (mit werden) = Konjunktiv II von werden + Infinitiv

Beispiel: Konjunktiv II Gegenwart (mit werden) - machen


Präsens Konjunktiv II Gegenwart
ich mache ich würde machen

Alle Personen des Konjunktivs II mit dem Hilfsverb werden lauten:

Konjunktiv II Gegenwart (mit werden)


Singular
ich würde machen
du würdest machen
er, sie, es würde machen
Plural
wir würden machen
ihr würdet machen
sie würden machen

Das gilt für alle Verben.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 379


Der Konjunktiv II

Übersicht: Konjunktiv II Gegenwart (mit werden)


Indikativ Konjunktiv II (würde)
sein ich bin ich würde sein Hilfsverb
haben ich habe ich würde haben Hilfsverb
werden ich werde ich würde werden Hilfsverb
machen ich mache ich würde machen regelmäßiges Verb
kommen ich komme ich würde kommen unregelmäßiges Verb
bringen ich bringe ich würde bringen gemischtes Verb
können ich kann ich würde können Modalverb

Konjunktiv II aus dem Präteritumstamm


Die zweite Konjunktiv-II-Form wird aus dem Präteritumstamm und der Konjunktivendung
gebildet. Unregelmäßige Verben mit umlautfähigem Stammvokal haben zusätzlich einen
Umlaut.

Konjunktiv II Gegenwart (aus Präteritumstamm) = Präteritumstamm (+ Umlaut) +


Konjunktivendung

Beispiel: Bildung Konjunktiv II Gegenwart aus Präteritumstamm - regelmäßiges Verb -


machen
Person Präteritumstamm Umlaut Konjunktivendung
ich macht- (-) -e
=> ich machte

Beispiel: Bildung Konjunktiv II Gegenwart aus Präteritumstamm - unregelmäßiges Verb -


kommen
Person Präteritumstamm Umlaut Konjunktivendung
ich kam- a -> ä -e
=> ich käme

Die Formen für alle Personen lauten:

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 380


Der Konjunktiv II

Übersicht: Konjunktiv II Gegenwart (aus Präteritumstamm)


machen kommen
ich machte ich käme
du machtest du käm(e)st
er, sie, es machte er, sie, es käme
wir machten wir kämen
ihr machtet ihr käm(e)t
sie machten sie kämen
regelmäßiges Verb unregelmäßiges Verb

Die Hilfsverben sein, haben und werden gehören zu den unregelmäßigen Verben.

Übersicht: Konjunktiv II Gegenwart (aus Präteritumstamm) - Hilfsverben


sein haben werden
ich wäre ich hätte ich würde
du wärest du hättest du würdest
er, sie, es wäre er, sie, es hätte er, sie, es würde
wir wären wir hätten wir würden
ihr wäret ihr hättet ihr würdet
sie wären sie hätten sie würden

Bei gemischten Verben treten zwei Varianten auf, und zwar Konjunktiv II mit Umlaut und
Konjunktiv II mit Vokalwechsel beim Präteritumstamm.

Beispiel: Bildung Konjunktiv II Gegenwart aus Präteritumstamm - gemischtes Verb mit


Umlaut – bringen
Person Präteritumstamm Umlaut Konjunktivendung
ich bracht- a -> ä -e
=> ich brächte

Bei den gemischten Verben mit Vokalwechsel wird statt des Stammvokals des Präteritums
der Stammvokal des Infinitivs benutzt.

Konjunktiv II gemischte Verben mit Vokalwechsel – Beispiel: kennen


Person Präteritumstamm Vokalwechsel Konjunktivendung
ich kannt- a -> e -e
=> ich kennte

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 381


Der Konjunktiv II

Die Formen für alle Personen lauten:

Übersicht: Konjunktiv II Gegenwart (aus Präteritumstamm) - gemischte Verben


bringen kennen
ich brächte ich kennte
du brächtest du kenntest
er, sie, es brächte er, sie, es kennte
wir brächten wir kennten
ihr brächtet ihr kenntet
sie brächten sie kennten
gemischtes Verb mit Umlaut gemischtes Verb mit Vokalwechsel

Weitere Beispiele für gemischte Verben:

Weitere Beispiele: gemischte Verben


mit Umlaut mit Vokalwechsel
Präteritum Konjunktiv II Infinitiv Konjunktiv II
ich dachte ich dächte ich brannte ich brennte
ich wusste ich wüsste ich nannte ich nennte
ich rannte ich rennte

Bei den Modalverben gibt es ebenfalls zwei Varianten. Die Modalverben können, müssen
und dürfen ersetzen den Vokal des Präteritumstamms durch den Stammvokal des Infinitivs.

Beispiel: Bildung Konjunktiv II Gegenwart aus Präteritumstamm - Modalverb - können


Person Präteritumstamm Stammvokal Infinitiv Konjunktivendung
ich konnt- ö -e
=> ich könnte

Die Modalverben wollen und sollen bilden den Konjunktiv II aus dem Präteritumstamm.

Beispiel: Bildung Konjunktiv II Gegenwart aus Präteritumstamm - Modalverb - wollen


Person Präteritumstamm Umlaut Konjunktivendung
ich wollt- (-) -e
=> ich wollte

Die Formen für alle Personen lauten:

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 382


Der Konjunktiv II

Übersicht: Konjunktiv II Gegenwart (aus Präteritumstamm) - Modalverben


können wollen
ich könnte ich wollte
du könntest du wolltest
er, sie, es könnte er, sie, es wollte
wir könnten wir wollten
ihr könntet ihr wolltet
sie könnten sie wollten
Ebenso: müssen, dürfen Ebenso: sollen

Veraltete Formen des Konjunktivs II


Einige unregelmäßige Verben haben Konjunktiv-II-Formen, die aus dem Prätritumstamm
mit Vokalwechsel und Umlaut gebildet werden.

Diese Formen gelten üblicherweise als veraltet. Heute werden diese Formen oft durch die
Form ohne Vokalwechsel oder durch den Konjunktiv II mit „würde“ ersetzt.

Veralteter Konjunktiv II Gegenwart


Präteritum Konjunktiv II (veraltet) Konjunktiv II (aktuell)
ich half ich hülfe ich hälfe ich würde helfen
du halfst du hülf(e)st du hälf(e)st du würdest helfen
er, sie, es half er, sie, es hülfe er, sie, es hälfe er würde helfen
wir halfen wir hülfen wir hälfen wir würden helfen
ihr halft ihr hülf(e)t ihr hälf(e)t ihr würdet helfen
sie halfen sie hülfen sie hälfen sie würden helfen
Vokalwechsel + Umlaut nur Umlaut mit würde

Identität von Konjunktiv II und Präteritum


Bei der Konjunktiv II-Form, die aus dem Präteritum gebildet wird, ergibt sich bei regelmäßi-
gen Verben eine Identität von Präteritum und Konjunktiv II.

Die folgende Übersicht zeigt die vollständige Identität des Präteritums und der Konjunktiv
II-Formen bei regelmäßigen Verben.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 383


Der Konjunktiv II

Identität von Konjunktiv II und Präteritum - regelmäßige Verben


Präteritum Konjunktiv II
ich machte ich machte = Indikativ Präteritum
du machtest du machtest = Indikativ Präteritum
er, sie, es machte er, sie, es machte = Indikativ Präteritum
wir machten wir machten = Indikativ Präteritum
ihr machtet ihr machtet = Indikativ Präteritum
sie machten sie machten = Indikativ Präteritum

Bei unregelmäßigen und gemischten Verben unterscheiden sich Konjunktiv II und Präteri-
tum immer.

Keine Identität von Konjunktiv II und Präteritum - unregelmäßige/gemischte Verben


kommen bringen kennen
Präteritum Konj. II Präteritum Konj. II Präteritum Konj. II
ich kam käme brachte brächte kannte kennte
du kamst käm(e)st brachtest brächtest kanntest kenntest
er, sie, es kam käme brachte brächte kannte kennte
wir kamen kämen brachten brächten kannten kennten
ihr kamt käm(e)t brachtet brächtet kanntet kenntet
sie kamen kämen brachten brächten kannten kennten
unregelmäßig gemischt mit Umlaut gemischt + Vokalwechsel

Die Hilfsverben sein, haben und werden gehören zu den unregelmäßigen Verben. Deshalb
unterscheiden auch sie immer zwischen Konjunktiv II und Präteritum.

Keine Identität von Konjunktiv II und Präteritum - Hilfsverben


sein haben werden
Präteritum Konj. II Präteritum Konj. II Präteritum Konj. II
ich war wäre hatte hätte wurde würde
du warst wärest hattest hättest wurdest würdest
er, sie, es war wäre hatte hätte wurde würde
wir waren wären hatten hätten wurden würden
ihr wart wäret hattet hättet wurdet würdet
sie waren wären hatten hätten wurden würden

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 384


Der Konjunktiv II

Bei den Modalverben können, müssen und dürfen unterscheiden sich alle Formen von Präter-
itum und Konjunktiv II. Bei den Modalverben wollen und sollen entsprechen alle Formen des
Konjunktivs II den Formen des Präteritums.

(Keine) Identität von Konjunktiv II und Präteritum - Modalverben


können wollen
Präteritum Konjunktiv II Präteritum Konjunktiv II
ich konnte ich könnte ich wollte ich wollte
du konntest du könntest du wolltest du wolltest
er, sie, es konnte er, sie, es könnte er, sie, es wollte er, sie, es wollte
wir konnten wir könnten wir wollten wir wollten
ihr konntet ihr könntet ihr wolltet ihr wolltet
sie konnten sie könnten sie wollten sie wollten
=> alle Formen unterscheiden sich => alle Formen sind identisch
Ebenso: müssen, dürfen Ebenso: sollen

Der Konjunktiv II Vergangenheit


Die Vergangenheitsform des Konjunktivs II wird mit dem Konjunktiv II der Hilfsverben haben
bzw. sein und dem Partizip II gebildet.

Konjunktiv II Vergangenheit = Konjunktiv II von haben/sein + Partizip II

Beispiele: Konjunktiv II Vergangenheit - machen/kommen


Person Konjunktiv II Hilfsverb Partizip II
ich hätte gemacht
ich wäre gekommen

Alle Formen des Konjunktivs II Vergangenheit lauten:

Übersicht: Konjugation - Konjunktiv II Vergangenheit


Perfekt Konjunktiv II Perfekt Konjunktiv II
Vergangenheit Vergangenheit
ich habe gemacht hätte gemacht bin gekommen wäre gekommen
du hast gemacht hättest gemacht bist gekommen wär(e)st gekommen
er, sie, es hat gemacht hätte gemacht ist gekommen wäre gekommen
wir haben gemacht hätten gemacht sind gekommen wären gekommen
ihr habt gemacht hättet gemacht seid gekommen wär(e)t gekommen
sie haben gemacht hätten gemacht sind gekommen wären gekommen
Perfekt mit haben Perfekt mit sein

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 385


Der Konjunktiv II

Beim Konjunktiv II kann man nicht zwischen verschiedenen Vergangenheitsformen unter-


scheiden, Der Konjunktiv II hat im Gegensatz zum Indikativ nur eine Form für die Vergan-
genheit.

Vergangenheit - Indikativ vs. Konjunktiv II


Indikativ Konjunktiv II
Präteritum ich machte
Perfekt ich habe gemacht ich hätte gemacht Vergangenheit
Plusquamperfekt ich hatte gemacht

Wie beim Konjunktiv II Gegenwart gibt es eine zweite Form des Konjunktivs Vergangenheit
mit dem Konjunktiv II Gegenwart des Hilfsverbs werden, dem Partizip II und dem Infinitiv
des Hilfsverbs sein bzw. haben.

Konjunktiv II Vergangenheit (mit werden) = Konjunktiv II Gegenwart von werden +


Partizip II + Infinitiv von haben/sein

Beispiele: Konjunktiv II Vergangenheit - machen/kommen


Person Konjunktiv II werden Partizip II Infinitiv
ich würde gemacht haben
ich würde gekommen sein

Die Bildung der Vergangenheitsformen des Konjunktivs II mit dem Hilfsverb werden gilt als
stilistisch weniger gut.

Vergleiche die Form auch mit dem Futur II Indikativ.

Beispiele: Futur II Indikativ vs. Konjunktiv II Vergangenheit (werden)


Futur II Indikativ Konjunktiv II Vergangenheit (werden)
machen ich werde gemacht haben ich würde gemacht haben
kommen ich werde gekommen sein ich würde gekommen sein

Die Formen des Konjunktivs II Vergangenheit mit dem Hilfsverb werden für alle Personen
zeigt die folgende Übersicht.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 386


Der Konjunktiv II

Übersicht: Die Formen des Konjunktivs II Vergangenheit - mit Hilfverb werden


machen kommen
ich würde gemacht haben ich würde gekommen sein
du würdest gemacht haben du würdest gekommen sein
er, sie, es würde gemacht haben er, sie, es würde gekommen sein
wir würden gemacht haben wir würden gekommen sein
ihr würdet gemacht haben ihr würdet gekommen sein
sie würden gemacht haben sie würden gekommen sein
Perfekt mit haben Perfekt mit sein

Die Formen des Konjunktivs II Vergangenheit mit bzw. ohne werden noch einmal im Ver-
gleich zeigt diese Übersicht.

Übersicht: Vergleich Konjunktivs II Vergangenheit mit/ohne werden


ohne werden mit werden ohne werden mit werden
ich hätte gemacht würde gemacht wäre gekommen würde gekom-
haben men sein
du hättest gemacht würdest ge- wär(e)st gekommen würdest gekom-
macht haben men sein
er, sie, es hätte gemacht würde gemacht wäre gekommen würde gekom-
haben men sein
wir hätten gemacht würden ge- wären gekommen würden gekom-
macht haben men sein
ihr hättet gemacht würdet gemacht wär(e)t gekommen würdet gekom-
haben men sein
sie hätten gemacht würden ge- wären gekommen würden gekom-
macht haben men sein
Perfekt mit haben Perfekt mit sein

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 387


Der Konjunktiv II

Übersicht: Der Formenbestand des Konjunktivs II


Zusammenfassend noch einmal die Formen des Konjunktivs II Gegenwart und Vergangen-
heit mit und ohne Hilfsverb werden.

Übersicht: Die Formen des Konjunktivs II


Konjunktiv II ohne werden mit werden
Gegenwart ich machte ich würde machen
Vergangenheit ich hätte gemacht ich würde gemacht haben
Gegenwart ich käme ich würde kommen
Vergangenheit ich wäre gekommen ich würde gekommen sein

Der Gebrauch des Konjunktivs II


Wunschsätze
Durch den Konjunktiv II und gern kann man einen Wunsch ausdrücken.

Beispiele: Wunschsatz
Ich hätte gern zwei Brötchen.
Ich würde gern in Urlaub fahren.
Ich würde mir gern ein neues Auto kaufen.

Im ersten Satz kann man gern nicht weglassen. Der zweite und dritte Satz klingen ohne gern
unvollständig. Da das Verb im irrealen Konjunktiv II steht, erwartet der Zuhörer die Erwäh-
nung eines Grundes, der gegen die Realisierung des Wunsches spricht. Wenn man diesen
„Gegengrund“ mit aber ergänzt, kann man gern weglassen.

Beispiele: Wunschsatz ohne gern


Ich würde (gern) in Urlaub fahren, aber ich habe keine Zeit.
Ich würde mir (gern) ein neues Auto kaufen, aber ich habe kein Geld.

Irreale Bedingungssätze
Dieselbe Verbindung von „Wunsch“ und „Gegengrund“ wird oft auch als irrealer Bedin-
gungssatz mit wenn und Konjunktiv II ausgedrückt.

Beispiele: irrealer Bedingungssatz


Wenn ich Zeit hätte, würde ich in Urlaub fahren.
Wenn ich Geld hätte, würde ich mir ein neues Auto kaufen.

[Zu irrealen Bedingungssätzen siehe auch im Kapitel: „Reale und irreale Bedingungssätze
mit wenn“}

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 388


Der Konjunktiv II

Höfliche Bitte
Eine weitere Verwendungsmöglichkeit des Konjunktivs II findet man in höflichen Bitten, die
man als Fragen formuliert.

Der Konjunktiv ist hier nicht obligatorisch, aber der Satz ist noch etwas höflicher als ohne
Konjunktiv.

Beispiele: höfliche Bitte mit/ohne Konjunktiv II


mit Konjunktiv ohne Konjunktiv
Würden Sie mir bitte den Stuhl geben? Geben Sie mir bitte den Stuhl?
Könntest du mir vielleicht morgen bei mei- Kannst du mir vielleicht morgen bei mei-
nem Referat helfen? nem Referat helfen?
Dürfte ich Ihnen eine Frage stellen? Darf ich Ihnen eine Frage stellen?

Aufforderung
Weniger höflich als eine höfliche Bitte, aber höflicher als eine direkte Aufforderung ist eine
Aufforderung mit wenn und Konjunktiv II. Ungewöhnlich ist hier, dass der Nebensatz ohne
Hauptsatz verwendet wird.

Beispiele: Aufforderung mit wenn und Konjunktiv II


Aufforderungssatz mit wenn Direkte Aufforderung
Wenn Sie bitte das Rauchen einstellen Stellen Sie bitte das Rauchen ein!
würden.
Wenn Sie bitte das Fenster öffnen würden. Öffnen Sie bitte das Fenster!

Irreale Wunschsätze
Irreale Wunschsätze werden auch als „unerfüllbare Wunschsätze“ bezeichnet. Das heißt der
Wunsch, der in diesem Satz ausgedrückt wird, ist oder erscheint nicht realisierbar.

Wie bei den Aufforderungssätzen steht der Nebensatz ohne Hauptsatz. Der Nebensatz kann,
muss aber nicht mit wenn eingeleitet werden.

Beispiele: irrealer Wunschsatz


Wenn er doch endlich kommen würde! (Wenn er doch endlich käme!)
Würde er doch endlich kommen! (Käme er doch endlich!)

Irreale Vergleichssätze mit als ob


Bei irrealen Vergleichssätzen kann man ebenfalls den Konjunktiv II benutzen. In der gespro-
chenen Sprache wird der Konjunktiv II aber häufig durch den Indikativ ersetzt.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 389


Der Konjunktiv II

Beispiel: irrealer Vergleichssatz mit als ob


Konjunktiv II Indikativ
Er tut so, als ob er mich nicht verstehen Er tut so, als ob er mich nicht versteht.
würde.
Du siehst aus, als ob du im Urlaub gewe- Du siehst aus, als ob du im Urlaub gewe-
sen wär(e)st. sen bist.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 390


Übersicht: Konjunktiv II Aktiv

Übersicht: Die Formen des Konjunktivs II Aktiv


Regelmäßiges Verb: machen

Gegenwart Vergangenheit
ich machte würde machen hätte gemacht würde gemacht haben
du machtest würdest machen hättest gemacht würdest gemacht haben
er, sie, es machte würde machen hätte gemacht würde gemacht haben
wir machten würden machen hätten gemacht würden gemacht haben
ihr machtet würdet machen hättet gemacht würdet gemacht haben
sie machten würden machen hätten gemacht würden gemacht haben

Unregelmäßiges Verb: fahren

Gegenwart Vergangenheit
ich führe würde fahren wäre gefahren würde gefahren sein
du führest würdest fahren wär(e)st gefahren würdest gefahren sein
er, sie, es führe würde fahren wäre gefahren würde gefahren sein
wir führen würden fahren wären gefahren würden gefahren sein
ihr führet würdet fahren wär(e)t gefahren würdet gefahren sein
sie kämen würden fahren wären gefahren würden gefahren sein

Gemischtes Verb: bringen

Gegenwart Vergangenheit
ich brächte würde bringen hätte gebracht würde gebracht haben
du brächtest würdest bringen hättest gebracht würdest gebracht haben
er, sie, es brächte würde bringen hätte gebracht würde gebracht haben
wir brächten würden bringen hätten gebracht würden gebracht haben
ihr brächtet würdet bringen hättet gebracht würdet gebracht haben
sie brächten würden bringen hätten gebracht würden gebracht haben

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 391


Der Konjunktiv I

Konjunktiv I
Konjunktiv I Gegenwart
Der Konjunktiv I für die Gegenwart wird mit dem Präsensstamm und der Konjunktivendung
gebildet.

Konjunktiv I Gegenwart = Präsensstamm + Konjunktivendung

Beispiel: Konjunktiv I Gegenwart – machen


Person Präsensstamm Konjunktivendung
ich mach- -e
=>ich mache

Dabei ergibt sich in einigen Formen eine Identität von Indikativ Präsens und Konjunktiv
I. Die 1. Person Singular und die 1. und 3. Person Plural des Konjunktivs I entsprechen der
Form des Indikativ Präsens.

Übersicht: Identität von Konjunktiv I Gegenwart und Indikativ Präsens


Indikativ Präsens Konjunktiv I Gegenwart Identität
ich mache ich mache = Indikativ Präsens
du machst du machest
er, sie, es macht er, sie, es mache
wir machen wir machen = Indikativ Präsens
ihr macht ihr machet
sie machen sie machen = Indikativ Präsens

Das einzige unregelmäßige Verb im Konjunktiv I Gegenwart ist sein.

Konjunktiv I Gegenwart unregelmäßig - sein


Indikativ Konjunktiv I
ich bin ich sei
du bist du sei(e)st
er, sie, es ist er, sie, es sei
wir sind wir seien
ihr seid ihr seiet
sie sind sie seien

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 392


Der Konjunktiv I

Konjunktiv I Vergangenheit
Der Konjunktiv I für die Vergangenheit wird mit dem Konjunktiv I Gegenwart der Hilfsver-
ben sein oder haben und dem Partizip II gebildet.

Konjunktiv I Vergangenheit = Konjunktiv I Gegenwart von haben/sein + Partizip II

Beispiele: Konjunktiv I Vergangenheit


Verb Person Konjunktiv I Hilfsverb Partizip II
machen ich habe gemacht
kommen ich sei gekommen

Dabei ergibt sich bei den Verben, die das Perfekt mit haben bilden, teilweise eine Identität
von Indikativ Perfekt und Konjunktiv 1.

Die 1. Person Singular und die 1. und 3. Person Plural des Konjunktivs I Vergangenheit ent-
sprechen der Form des Indikativ Perfekt.

Übersicht: Identität von Konjunktiv I Vergangenheit und Indikativ Perfekt


Indikativ Perfekt Konjunktiv I Vergangenheit Identität
ich habe gemacht ich habe gemacht = Indikativ Perfekt
du hast gemacht du habest gemacht
er, sie, es hat gemacht er, sie, es habe gemacht
wir haben gemacht wir haben gemacht = Indikativ Perfekt
ihr habt gemacht ihr habet gemacht
sie haben gemacht sie haben gemacht = Indikativ Perfekt
=> Perfekt mit haben

Verben, die das Perfekt mit sein bilden, unterscheiden sich im Konjunktiv I immer vom Indi-
kativ Perfekt.

Übersicht: Keine Identität von Konjunktiv I Vergangenheit und Indikativ Perfekt


Indikativ Perfekt Konjunktiv I Vergangenheit
ich bin gekommen ich sei gekommen
du bist gekommen du sei(e)st gekommen
er, sie, es ist gekommen er, sie, es sei gekommen
wir sind gekommen wir seien gekommen
ihr seid gekommen ihr seiet gekommen
sie sind gekommen sie seien gekommen
=> Perfekt mit sein

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 393


Der Konjunktiv I

Konjunktiv I Futur I
Der Konjunktiv I Futur I wird mit dem Konjunktiv I von werden und dem Infinitiv gebildet.

Konjunktiv I Futur I = Konjunktiv I Gegenwart von werden + Infinitiv

Beispiel: Konjunktiv I Futur I


Person Konjunktiv I Hilfsverb Infinitiv
ich werde machen

Dabei ergibt sich teilweise eine Identität von Indikativ und Konjunktiv 1 des Futurs I.

Die 1. Person Singular und die 1. und 3. Person Plural des Konjunktivs I Futur I entsprechen
der Form des Indikativs Futur I.

Übersicht: Identität von Konjunktiv I Futur I und Indikativ Futur I


Indikativ Futur I Konjunktiv I Futur I Identität
ich werde machen ich werde machen = Indikativ Futur I
du wirst machen du werdest machen
er, sie, es wird machen er, sie, es werde machen
wir werden machen wir werden machen = Indikativ Futur I
ihr werdet machen ihr werdet machen = Indikativ Futur I
sie werden machen sie werden machen = Indikativ Futur I

Konjunktiv I Futur II
Der Konjunktiv I Futur II wird mit dem Konjunktiv I von werden, dem Partizip II und dem Infinitiv
des Hilfsverbs sein bzw. haben gebildet.

Konjunktiv I Futur II = Konjunktiv I Gegenwart von werden + Partizip II + haben/sein

Beispiel: Konjunktiv I Futur II


Person Konjunktiv I werden Partizip II haben/sein
ich werde gemacht haben
ich werde gekommen sein

Dabei ergibt sich teilweise eine Identität von Indikativ und Konjunktiv 1 des Futurs II.

Die 1. Person Singular und alle Formen des Plurals des Konjunktivs I Futur II entsprechen der
Form des Indikativs Futur II.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 394


Der Konjunktiv I

Übersicht: Identität von Konjunktiv I Futur II und Indikativ Futur II


Indikativ Futur II Konjunktiv I Futur II Identität
ich werde gemacht haben werde gemacht haben = Indikativ Futur II
du wirst gemacht haben werdest gemacht haben
er, sie, es wird gemacht haben werde gemacht haben
wir werden gemacht haben werden gemacht haben = Indikativ Futur II
ihr werdet gemacht haben werdet gemacht haben = Indikativ Futur II
sie werden gemacht haben werden gemacht haben = Indikativ Futur II

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 395


Übersicht: Konjunktiv I Aktiv

Übersicht: Die Formen des Konjunktivs I Aktiv


Regelmäßiges Verb: machen

Gegenwart Vergangenheit Futur I Futur II


ich mache habe gemacht werde machen werde gemacht haben
du machest habest gemacht werdest machen werdest gemacht haben
er, sie, es mache habe gemacht werde machen werde gemacht haben
wir machen haben gemacht werden machen werden gemacht haben
ihr machet habet gemacht werdet machen werdet gemacht haben
sie machen haben gemacht werden machen werden gemacht haben

Unregelmäßiges Verb: fahren

Gegenwart Vergangenheit Futur I Futur II


ich fahre sei gefahren werde fahren werde gefahren sein
du fahrest sei(e)st gefahren werdest fahren werdest gefahren sein
er, sie, es fahre sei gefahren werde fahren werde gefahren sein
wir fahren seien gefahren werden fahren werden gefahren sein
ihr fahret sei(e)t gefahren werdet fahren werdet gefahren sein
sie fahren seien gefahren werden fahren werden gefahren sein

Gemischtes Verb: bringen

Gegenwart Vergangenheit Futur I Futur II


ich bringe habe gebracht werde bringen werde gebracht haben
du bringest habest gebracht werdest bringen werdest gebracht haben
er, sie, es bringe habe gebracht werde bringen werde gebracht haben
wir bringen haben gebracht werden bringen werden gebracht haben
ihr bringet habet gebracht werdet bringen werdet gebracht haben
sie bringen haben gebracht werden bringen werden gebracht haben

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 396


Die indirekte Rede

Der Gebrauch des Konjunktivs I: Die Indirekte Rede


Am häufigsten wird der Konjunktiv I in der indirekten Rede verwendet. Indirekte Rede be-
deutet, dass eine Aussage (direkte Rede) durch eine andere Person wiedergegeben wird.

Beispiel: indirekte Rede


direkte Rede Thomas: „Ich habe Hunger.“
indirekte Rede Anna: „Thomas sagt, er habe Hunger.“

Die Aussage einer anderen Person kann auch mit dem Indikativ wiedergegeben werden
und in der gesprochenen Sprache wird dies meist auch gemacht.

Beispiel: indirekte Rede mit Konjunktiv I bzw. Indikativ


Konjunktiv I Thomas sagt, dass er Hunger habe.
Indikativ Thomas sagt, dass er Hunger hat.

Durch den Gebrauch des Konjunktivs I wird aber zusätzlich grammatisch markiert, dass sich
der Sprecher bzw. der Schreiber eines Satzes von der wiedergegebenen Äußerung distan-
ziert; dass er möglicherweise nicht ganz sicher ist, ob diese Aussage zutrifft.

Satzarten
Aussagesätze, Fragesätze oder Aufforderungssätze können in indirekte Rede umgeformt
werden.

Übersicht : Umformung indirekte Rede - Satzarten


Direkte Rede Indirekte Rede
Aussagesatz Thomas sagt: „Ich Thomas sagt, er habe Hunger.
habe Hunger.“
W-Frage Maria fragt: „Wohin Maria fragt, wohin Thomas fahre.
fährt Thomas?“
Ja/Nein-Frage Maria fragt: „Hat Maria fragt, ob Thomas Urlaub habe.
Thomas Urlaub?“
Aufforderungssatz Thomas sagt zu Thomas sagt zu Maria, sie solle (möge) die
Maria: „Mach bitte Tür zumachen.
die Tür zu.“

Die Wiedergabe von indirekten Aussagesätzen ist mit einem Hauptsatz oder mit einem
Nebensatz mit dass möglich.

Beispiel: indirekte Rede mit Hauptsatz bzw. Nebensatz


Hauptsatz Thomas sagt, er habe Hunger.
Nebensatz Thomas sagt, dass er Hunger habe.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 397


Die indirekte Rede

Zu Nebensätzen mit wie zur Einleitung der indirekten Rede siehe im Kapitel: „Nebensatz mit
wie zur Einleitung der indirekten Rede“

Die Umformung von direkter in indirekte Rede


Verb und Pronomen
Bei der Umformung von direkter Rede in die indirekte Rede wird das Verb vom Indikativ in
den Konjunktiv I und die Pronomen, die sich auf den Sprecher beziehen, von der ersten in
die dritte Person gesetzt.

Übersicht : Umformung indirekte Rede - Verb und Pronomen


Verb und Personal- Thomas: „Ich bin neu in der Thomas sagt, er sei neu in der
pronomen Stadt.“ Stadt.
Possessivpronomen Thomas: „Meine Frau ist hier Thomas sagt, seine Frau sei hier
geboren.“ geboren.
Reflexivpronomen Thomas: „Ich kenne mich in der Thomas sagt, er kenne sich in
Stadt noch nicht gut aus.“ der Stadt noch nicht gut aus.
Direkte Rede Indirekte Rede

Das gilt für alle Kasus.

Übersicht : Umformung indirekte Rede - Kasus


Nominativ Thomas: „Ich bin neu in der Thomas sagt, er sei neu in der
Stadt.“ Stadt.
(Nominativ) + Akku- Thomas: „Meine Frau kritisiert Thomas sagt, seine Frau kriti-
sativ mich manchmal.“ siere ihn manchmal.
(Nominativ) + Dativ „Meine Frau schimpft manch- Thomas sagt, seine Frau
mal mit mir.“ schimpfe manchmal mit ihm.
Direkte Rede Indirekte Rede

Beachte: Pronomen, die sich nicht auf den Sprecher beziehen, bleiben unverändert.

Beispiel: nicht umgeformtes Pronomen - sie (3.P Sg. fem.)


Thomas: „Ich besuche meine Mutter, weil Thomas sagt, er besuche seine Mutter ,
sie krank ist.“ weil sie krank sei.
Direkte Rede Indirekte Rede

Tempus
Alle Vergangenheitsformen des Indikativs (Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt) werden in
Konjunktiv I Vergangenheit umgewandelt.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 398


Die indirekte Rede

Übersicht : Umformung indirekte Rede - Tempus (I)


Indikativ direkte Rede indirekte Rede Konjunktiv I
Perfekt Aktiv Thomas: „Ich bin vor Thomas sagt, er sei Vergangenheit Aktiv
zwei Monaten hier- vor zwei Monaten
her gekommen.“ hierher gekommen.
Präteritum Aktiv Thomas: „Bis dahin Thomas sagt, er Vergangenheit Aktiv
lebte ich in Nord- habe bis dahin in
deutschland.“ Norddeutschland
gewohnt.
Plusquamperfekt Thomas: „Als kleines Thomas sagt, als Vergangenheit Aktiv
Aktiv Kind war ich mit kleines Kind sei er
meinen Eltern in mit seinen Eltern in
den USA gewesen.“ den USA gewesen.
Direkte Rede Indirekte Rede

Präsens, Futur I und Futur II Indikativ werden in die entsprechenden Konjunktiv-I-Formen


umgewandelt.

Übersicht : Umformung indirekte Rede - Tempus (II)


Indikativ direkte Rede indirekte Rede Konjunktiv I
Präsens Aktiv Thomas: „Ich Thomas sagt, er Präsens Aktiv
komme aus Nord- komme aus Nord-
deutschland.“ deutschland.
Futur I Aktiv Thomas: „Meine Frau Thomas sagt, seine Futur I Aktiv
wird ab Januar mit Frau werde ab Janu-
dem Baby zu Hause ar mit dem Baby zu
bleiben.“ Hause bleiben.
Futur II Aktiv Thomas: „Ich werde Thomas sagt, er Futur II Aktiv
meine Promotion in werde seine Promo-
zwei Jahren abge- tion in zwei Jahren
schlossen haben.“ abgeschlossen
haben.
Direkte Rede Indirekte Rede

Passiv in der indirekten Rede


Alle Vergangenheitsformen des Indikativs Passiv (Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt) wer-
den in Konjunktiv I Passiv Vergangenheit umgewandelt.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 399


Die indirekte Rede

Übersicht : Umformung indirekte Rede - Passiv (I) Vergangenheit


Indikativ direkte Rede indirekte Rede Konjunktiv I
Perfekt Passiv Thomas: „Meine Thomas sagt, seine Vergangenheit
Frau ist gestern Frau sei gestern Passiv
operiert worden.“ operiert worden.
Präteritum Passiv Thomas: „Meine Thomas sagt, seine Vergangenheit
Frau wurde gestern Frau sei gestern Passiv
operiert.“ operiert worden.
Plusquamperfekt „Meine Frau war Thomas sagt, seine Vergangenheit
Passiv letztes Jahr schon Frau sei letztes Jahr Passiv
einmal operiert schon einmal ope-
worden.“ riert worden.

Direkte Rede Indirekte Rede

Präsens, Futur I und Futur II Indikativ Passiv werden in die entsprechenden Konjunktiv-I-
Formen des Passivs umgewandelt.

Übersicht : Umformung indirekte Rede - Passiv (II) Präsens, Futur I und Futur II
Indikativ direkte Rede indirekte Rede Konjunktiv I
Präsens Passiv Thomas: „Meine Thomas sagt, seine Präsens Passiv
Frau wird heute Frau werde heute
operiert.“ operiert.
Futur I Passiv Thomas: „Meine Thomas sagt, seine Futur I Passiv
Frau wird über- Frau werde über-
nächste Woche nächste Woche
operiert werden.“ operiert werden.
Futur II Passiv Thomas: „Meine Thomas sagt, seine Futur II Passiv
Frau wird operiert Frau werde operiert
worden sein.“ worden sein.
Direkte Rede Indirekte Rede

Möchten
Aus dem Modalverb möchten wird in der indirekten Rede wollen.

Übersicht : Umformung indirekte Rede - möchten


Thomas: „Ich möchte nur zwei Jahre hier Thomas sagt, er wolle nur zwei Jahre hier
bleiben“ bleiben.
möchten => wollen
Direkte Rede Indirekte Rede

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 400


Die indirekte Rede

Konjunktiv II
Wenn in der direkten Rede bereits ein irrealer Konjunktiv II steht, wird dieser nicht umge-
wandelt.

Übersicht : Umformung indirekte Rede - Konjunktiv II


Thomas: „Ich würde gern ins Ausland ge- Thomas sagt, er würde gern ins Ausland
hen.“ gehen.
Konjunktiv II => Konjunktiv II
Direkte Rede Indirekte Rede

Zeitangaben
Zeit- und Ortsangaben müssen bei Bedarf umgewandelt werden. Bei Zeitangaben kann
dann zusätzlich ein Wechsel des Tempus nötig sein.

Z. B. ist keine Umwandlung der Zeitangabe nötig, wenn die Aussage am selben Tag wieder-
gegeben wird. Wenn die Aussage aber zu einer späteren Zeit wiedergegeben wird, muss
man die Zeitangabe und das Tempus ändern.

Übersicht : Umformung indirekte Rede - Konjunktiv II


Zeit (Wiedergabe Thomas: „Ich bin heute in Stutt- Thomas sagt, er sei heute in
am selben Tag) gart.“ Stuttgart.“.
(= keine Umwandlung))
Zeit (Wiedergabe Thomas: „Ich bin heute in Stutt- Indirekt: Thomas sagte, er sei
am nächsten Tag) gart.“ gestern in Stuttgart gewesen.“
(=Umwandlung)
Direkte Rede Indirekte Rede

Nebensätze
Wenn ein Satz in der direkten Rede mit einem Nebensatz beginnt, entfällt die Einleitung der
indirekten Rede mit dass.

Übersicht : Umformung indirekte Rede - Nebensatz


direkte Rede indirekte Rede
Thomas: „Wenn ich Geld habe, fahre ich in Thomas sagt, wenn er Geld habe, fahre er
Urlaub.“ in Urlaub.
Direkte Rede Indirekte Rede

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 401


Die indirekte Rede

Ersetzungsregel
Die Ersetzungsregel besagt, dass die Konjunktiv-I-Formen, die mit Formen des Indikativs
Präsens identisch sind, durch die Konjunktiv-II-Form ersetzt werden. Wenn die Konjunktiv-
II-Form mit dem Präteritum identisch ist, wird diese durch die Konjunktiv-II-Form mit würde
ersetzt.

Beispiele: Ersetzungsregel - Ersetzung identischer Konjunktivformen


Präsens Konjunktiv 1 Präteritum Konjunktiv 2 K 2 „würde“
ich frage = frage fragte = fragte würde fragen
ich fahre = fahre fuhr führe würde fahren

Wenn die Konjunktiv-I-Form nicht mit dem Präsens Indikativ identisch ist, findet keine Erset-
zung statt.

Beispiele: Ersetzungsregel - keine Identität K I/Präsens => keine Ersetzung (I)


Präsens Konjunktiv 1 (Präteritum) (Konjunktiv 2) (K 2 „würde“)
du fragst fragest (fragtest =) (fragtest) (würdest fragen)
er fragt frage (fragte =) (fragte*) (würde fragen)

Beispiele: Ersetzungsregel - keine Identität K I/Präsens => keine Ersetzung (I)


Präsens Konjunktiv 1 (Präteritum) (Konjunktiv 2) (K 2 „würde“)
du fährst fahrest (fuhrst) (führest) (würdest fahren)
er fährt fahre (fuhr) (führe) (würde fahren)

Die Konjunktiv-Form mit würde gilt bei Modalverben als umständlich und es wird empfoh-
len, diese Formen zu vermeiden, auch wenn Konjunktiv II und Präteritum identisch sind.

Beispiele: Ersetzungsregel - Modalverben


Präsens Konjunktiv 1 Präteritum Konjunktiv 2 K 2 „würde“
wir wollen = wollen wollten = wollten (würden wollen)
sie wollen = wollen wollten = wollten (würden wollen)

In der gesprochenen Sprache spielt diese Ersetzungsregel keine Rolle. Auch in den Medien
findet sie immer weniger Anwendung. Heute kann man beim Gebrauch der Formen in der
indirekten Rede oft keine Systematik mehr erkennen, sodass man alle möglichen Konjunk-
tiv- und Indikativformen findet. Trotzdem wird die Anwendung dieser Regel in manchen
Deutschprüfungen noch verlangt.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 402


Die indirekte Rede

Übersicht: Ersetzungsregel

Präsens Konjunktiv 1 Präteritum Konjunktiv 2 K 2 „würde“


ich frage = frage fragte = fragte würde fragen
du fragst fragest fragtest = fragtest würdest fragen
er, sie, es fragt frage fragte = fragte würde fragen
wir fragen = fragen fragten = fragten würden fragen
ihr fragt fraget fragtet = fragtet würdet fragen
sie fragen = fragen fragten = fragten würden fragen

Präsens Konjunktiv 1 Präteritum Konjunktiv 2 K 2 „würde“


ich fahre = fahre fuhr führe würde fahren
du fährst fahrest fuhrst führest würdest fahren
er, sie, es fährt fahre fuhr führe würde fahren
wir fahren = fahren fuhren führen würden fahren
ihr fahrt fahret fuhrt führet würdet fahren
sie fahren = fahren fuhren führen würden fahren

Präsens Konjunktiv 1 Präteritum Konjunktiv 2 K 2 „würde“


ich gehe = gehe ging ginge würde gehen
du gehst gehest gingst gingest würdest gehen
er, sie, es geht gehe ging ginge würde gehen
wir gehen = gehen gingen = gingen würden gehen
ihr geht gehet gingt ginget würdet gehen
sie gehen = gehen gingen = gingen würden gehen

Präsens Konjunktiv 1 Präteritum Konjunktiv 2 K 2 „würde“


ich muss müsse musste müsste (würde müssen)
du musst müssest musstest müsstest (würdest müssen)
er, sie, es muss müsse musste müsste (würde müssen)
wir müssen = müssen mussten müssten (würden müssen)
ihr müsst müsset musstet müsstet (würdet müssen)
sie müssen = müssen mussten müssten (würden müssen)

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 403


Die indirekte Rede

Präsens Konjunktiv 1 Präteritum Konjunktiv 2 K 2 „würde“


ich will wolle wollte wollte (würde wollen)
du willst wollest wolltest wolltest (würdest wollen)
er, sie, es will wolle wollte wollte (würde wollen)
wir wollen = wollen wollten = wollten (würden wollen)
ihr wollt wollet wolltet = wolltet (würdet wollen)
sie wollen = wollen wollten = wollten (würden wollen)

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 404


Der Gebrauch des Konjunktivs I: Weitere Anwendungen

Der Gebrauch des Konjunktivs I: Weitere Anwendungen


In Sätzen, die eine Vermutung, eine Forderung oder einen Wunsch ausdrücken, kann zur
Betonung der „Noch-Nicht-Realität“ der Aussage der Konjunktiv I benutzt werden.

In der Alltagssprache geschieht dies aber selten. Meist wird der Indikativ verwendet.

Beispiele: Gebrauch Konjunktiv I (I)


mit Konjunktiv I ohne Konjunktiv I
Vermutung Er vermutet, dass sie verheiratet sei. Er vermutet, dass sie verheiratet ist.
Forderung Er verlangte, dass sie ihn heirate. Er verlangte, dass sie ihn heiratet.
Wunsch Er wünschte sich, dass sie ihn hei- Er wünschte sich, dass sie ihn heira-
rate. tet.

Den Konjunktiv I findet man auch in alten Kochrezepten. Heute wird er aber meist durch an-
dere Formen wie z. B. die formelle Variante des Imperativs oder durch den Infinitiv ersetzt.

Beispiele: Gebrauch Konjunktiv I (II)


Konjunktiv I Man wasche die Kartoffeln und gebe sie in kaltes Wasser.
Imperativ Waschen Sie die Kartoffeln und geben Sie sie in kaltes Wasser.
Infinitiv Die Kartoffeln waschen und in kaltes Wasser geben.

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Der Konjunktiv: Übersicht über die Formen

Übersicht: Formen Konjunktiv I und II


Konjunktiv I und II Gegenwart
Präsens Konjunktiv 1 Präteritum Konjunktiv 2 K 2 („würde“)
ich bin sei war wäre würde sein
du bist sei(e)st warst wär(e)st würdest sein
er, sie, es ist sei war wäre würde sein
wir sind seien waren wären würden sein
ihr seid sei(e)t wart wär(e)t würdet sein
sie sind seien waren wären würden sein

ich habe habe* hatte hätte würde haben


du hast habest hattest hättest würdest haben
er, sie, es hat habe hatte hätte würde haben
wir haben haben* hatten hätten würden haben
ihr habt habet hattet hättet würdet haben
sie haben haben* hatten hätten würden haben

ich fahre fahre* fuhr führe würde fahren


du fährst fahrest fuhrst führest würdest fahren
er, sie, es fährt fahre fuhr führe würde fahren
wir fahren fahren* fuhren führen würden fahren
ihr fahrt fahret fuhrt führet würdet fahren
sie fahren fahren* fuhren führen würden fahren

ich gehe gehe* ging ginge würde gehen


du gehst gehest gingst gingest würdest gehen
er, sie, es geht gehe ging ginge würde gehen
wir gehen gehen* gingen gingen* würden gehen
ihr geht gehet gingt ginget würdet gehen
sie gehen gehen* gingen gingen* würden gehen

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 406


Der Konjunktiv: Übersicht über die Formen

ich frage frage* fragte fragte* würde fragen


du fragst fragest fragtest fragtest* würdest fragen
er, sie, es fragt frage fragte fragte* würde fragen
wir fragen fragen* fragten fragten* würden fragen
ihr fragt fraget fragtet fragtet* würdet fragen
sie fragen fragen* fragten fragten* würden fragen

* Diese Konjunktivformen sind identisch mit der Präsens- bzw. der Präteritumform.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 407


Der Konjunktiv: Übersicht über die Formen

Konjunktiv I und II Gegenwart - Modalverben


Präsens Konjunktiv 1 Präteritum Konjunktiv 2 K 2 („würde“)
ich muss müsse musste müsste würde müssen
du musst müssest musstest müsstest würdest müssen
er, sie, es muss müsse musste müsste würde müssen
wir müssen müssen* mussten müssten würden müssen
ihr müsst müsset musstet müsstet würdet müssen
sie müssen müssen* mussten müssten würden müssen

ich will wolle wollte wollte* würde wollen


du willst wollest wolltest wolltest* würdest wollen
er, sie, es will wolle wollte wollte* würde wollen
wir wollen wollen* wollten wollten* würden wollen
ihr wollt wollet wolltet wolltet* würdet wollen
sie wollen wollen* wollten wollten* würden wollen

ich kann könne konnte könnte würde können


du kannst könnest konntest könntest würdest können
er, sie, es kann könne konnte könnte würde können
wir können können* konnten könnten würden können
ihr könnt könnet konntet könntet würdet können
sie können können* konnten könnten würden können

ich darf dürfe durfte dürfte würde dürfen


du darfst dürfest durftest dürftest würdest dürfen
er, sie, es darf dürfe durfte dürfte würde dürfen
wir dürfen dürfen* durften dürften würden dürfen
ihr dürft dürfet durftet dürftet würdet dürfen
sie dürfen dürfen* durften dürften würden dürfen

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 408


Der Konjunktiv: Übersicht über die Formen

ich soll solle sollte sollte* würde sollen


du sollst sollest solltest solltest* würdest sollen
er, sie, es soll solle sollte sollte* würde sollen
wir sollen sollen* sollten sollten* würden sollen
ihr sollt sollet solltet solltet* würdet sollen
sie sollen sollen* sollten sollten* würden sollen

* Diese Konjunktivformen sind identisch mit der Präsens- bzw. der Präteritumform.

Konjunktiv I und II Vergangenheit


Perfekt Konjunktiv 1 Konjunktiv 2
ich bin gefahren sei gefahren wäre gefahren
du bist gefahren sei(e)st gefahren wär(e)st gefahren
er, sie, es ist gefahren sei gefahren wäre gefahren
wir sind gefahren seien gefahren wären gefahren
ihr seid gefahren sei(e)t gefahren wär(e)t fahren
sie sind gefahren seien gefahren wären fahren

ich habe gefragt habe gefragt* hätte gefragt


du hast gefragt habest gefragt hättest gefragt
er, sie, es hat gefragt habe gefragt hätte gefragt
wir haben gefragt haben gefragt* hätten gefragt
ihr habt gefragt habet gefragt hättet gefragt
sie haben gefragt haben gefragt* hätten gefragt

ich habe gemusst/müssen** habe gemusst/müssen* hätte gemusst/müssen


du hast gemusst/müssen habest gemusst/müssen hättest gemusst/müssen
er, sie, es hat gemusst/müssen habe gemusst/müssen hätte gemusst/müssen
wir haben gemusst/müssen haben gemusst/müssen* hätten gemusst/müssen
ihr habt gemusst/müssen habet gemusst/müssen hättet gemusst/müssen
sie haben gemusst/müssen haben gemusst/müssen* hätten gemusst/müssen

* Diese Konjunktivformen sind identisch mit der Perfektform.

** Wenn das Modalverb alleine steht, wird das Perfekt mit dem Partizip 2 gebildet. Wenn das
Modalverb mit einem Vollverb benutzt wird, steht der Infinitiv. Vgl. im Kapitel: „Perfekt der
Modalverben“

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 409


Teil IX: Verbformen (IV) -
Das Passiv

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 410


Die Formen des Passivs

Das Passiv - Einführung


Das Passiv ermöglicht es im einfachen Satz eine zweite an der Verbhandlung beteiligte Per-
son zum Hauptthema des Satzes zu machen.

Beispiel: Passiv - Thema


Aktiv Passiv
Der Schüler fragt den Lehrer. Der Lehrer wird von dem Schüler gefragt.

Der Nominativ des Aktivsatzes beschreibt meist den Urheber bzw. Verursacher der im Verb
beschriebenen Aktion. Im Passivsatz wird der Urheber der Aktion als präpositionale Ergän-
zung mit von ausgedrückt.

Beispiel: Passiv - Urheber


Aktiv Passiv
Der Schüler fragt den Lehrer. Der Lehrer wird von dem Schüler gefragt.

Da jeder Satz einen Nominativ braucht, ermöglicht das Passiv den Urheber einer Aktion
wegzulassen, wenn dieser nicht bekannt oder nicht wichtig ist.

Beispiel: Passiv - unbekannter Urheber


Aktiv Passiv
(?) stahl das Geld. (?=unbekannter Urheber) Das Geld wurde gestohlen.

Das Passiv wird auch als Vorgangspassiv bzw. werden-Passiv bezeichnet. Der Urheber bzw.
Verursacher einer Aktion wird auch als Agens bezeichnet.

Die Zeitformen des Passivs (Tempus)


Der Infinitiv Passiv
Die Grundform des Passivs wird mit dem Infinitiv des Hilfsverbs werden und dem Partizip II
gebildet. Die Grundform des Passivs nennt man Infinitiv Passiv.

Infinitiv Passiv = Partizip II + Infinitiv von werden

Beispiel: Infinitiv Passiv von fragen


Partizip II gefragt
Infinitiv von werden werden
Infinitiv Passiv gefragt werden

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Die Formen des Passivs

Zur Bildung der Passivformen wird das Hilfsverb werden konjugiert.

Präsens Passiv
Das Präsens Passiv wird mit dem Präsens des Hilfsverbs werden und dem Partizip II gebildet.

Präsens Passiv = Präsens von werden + Partizip II

Beispiel: Formbildung - Präsens Passiv


Person Präsens von werden Partizip II (Perfekt)
er wird gefragt

Beispielsatz: Präsens Passiv


Aktiv Der Schüler fragt den Lehrer.
Passiv Der Lehrer wird von dem Schüler gefragt.

Alle Formen des Präsens Passiv lauten:

Konjugation: Präsens Passiv


fragen
ich werde gefragt
du wirst gefragt
er, sie, es wird gefragt
wir werden gefragt
ihr werdet gefragt
sie werden gefragt
Sie (formell) werden gefragt

Präteritum Passiv
Das Präteritum Passiv wird mit dem Präteritum des Hilfsverbs werden und dem Partizip II
gebildet.

Präteritum Passiv = Präteritum von werden + Partizip II

Beispiel: Formbildung - Präteritum Passiv


Person Präteritum von werden Partizip II (Perfekt)
er wurde gefragt

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 412


Die Formen des Passivs

Beispielsatz: Präteritum Passiv


Aktiv Der Schüler fragte den Lehrer.
Passiv Der Lehrer wurde von dem Schüler gefragt.

Alle Formen des Präteritums Passiv lauten:

Konjugation: Präteritum Passiv


fragen
ich wurde gefragt
du wurdest gefragt
er, sie, es wurde gefragt
wir wurden gefragt
ihr wurdet gefragt
sie wurden gefragt
Sie (formell) wurden gefragt

Perfekt Passiv
Das Perfekt Passiv wird mit dem Präsens des Hilfsverbs sein, dem Partizip II und worden
gebildet.

Perfekt Passiv = Präsens von sein + Partizip II + worden

Beispiel: Formbildung - Perfekt Passiv


Person Präsens von sein Partizip II (Perfekt) worden
er ist gefragt worden

Beispielsatz: Perfekt Passiv


Aktiv Der Schüler hat den Lehrer gefragt.
Passiv Der Lehrer ist von dem Schüler gefragt worden.

Alle Formen des Perfekts Passiv lauten:

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 413


Die Formen des Passivs

Konjugation: Perfekt Passiv


fragen
ich bin gefragt worden
du bist gefragt worden
er, sie, es ist gefragt worden
wir sind gefragt worden
ihr seid gefragt worden
sie sind gefragt worden
Sie (formell) sind gefragt worden

Plusquamperfekt Passiv
Das Plusquamperfekt Passiv wird mit dem Präteritum des Hilfsverbs sein, dem Partizip II und
worden gebildet.

Plusquamperfekt Passiv = Präteritum von sein + Partizip II + worden

Beispiel: Formbildung - Plusquamperfekt Passiv


Person Präteritum von sein Partizip II (Perfekt) worden
er war gefragt worden

Beispielsatz: Plusquamperfekt Passiv


Aktiv Der Schüler hatte den Lehrer gefragt.
Passiv Der Lehrer war von dem Schüler gefragt worden.

Alle Formen des Plusquamperfekts Passiv lauten:

Konjugation: Plusquamperfekt Passiv


fragen
ich war gefragt worden
du warst gefragt worden
er, sie, es war gefragt worden
wir waren gefragt worden
ihr wart gefragt worden
sie waren gefragt worden
Sie (formell) waren gefragt worden

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 414


Die Formen des Passivs

Futur I Passiv
Das Futur I Passiv wird mit dem Präsens des Hilfsverbs werden, dem Partizip II und dem
Infinitiv des Hilfsverbs werden gebildet. Das Partizip II mit dem Infinitiv des Hilfsverbs werden
bezeichnet man auch als Infinitiv Passiv.

Futur I Passiv = Präsens von werden + Partizip II + werden

Beispiel: Formbildung - Futur I Passiv


Person Präsens von werden Partizip II Infinitiv von werden
er wird gefragt werden

Beispielsatz: Futur I Passiv


Aktiv Der Schüler wird den Lehrer fragen.
Passiv Der Lehrer wird von dem Schüler gefragt werden.

Alle Formen des Futurs I Passiv lauten:

Konjugation: Futur I Passiv


fragen
ich werde gefragt werden
du wirst gefragt werden
er, sie, es wird gefragt werden
wir werden gefragt werden
ihr werdet gefragt werden
sie werden gefragt werden
Sie (formell) werden gefragt werden

Futur II Passiv
Das Futur II Passiv wird mit dem Präsens des Hilfsverbs werden, dem Partizip II, worden und
dem Infinitiv des Hilfsverbs sein gebildet.

Futur II Passiv = Präsens von werden + Partizip II + worden + sein

Beispiel: Formbildung - Futur II Passiv


Person Präsens von werden Partizip II worden sein
er wird gefragt worden sein

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Die Formen des Passivs

Beispielsatz: Futur II Passiv


Aktiv Der Schüler wird den Lehrer gefragt haben.
Passiv Der Lehrer wird von dem Schüler gefragt worden sein.

Alle Formen des Futurs II Passiv lauten:

Konjugation: Futur II Passiv


fragen
ich werde gefragt worden sein
du wirst gefragt worden sein
er, sie, es wird gefragt worden sein
wir werden gefragt worden sein
ihr werdet gefragt worden sein
sie werden gefragt worden sein
Sie (formell) werden gefragt worden sein

Kurzübersicht: Die Formen des Passivs


Alle Formen des Passivs lauten in der 3. Person Singular:

Übersicht: Passiv - alle Zeitformen (3. Person Singular)


Aktiv Passiv
Präsens Der Schüler fragt den Lehrer. Der Lehrer wird gefragt.*
Präteritum Der Schüler fragte den Lehrer. Der Lehrer wurde gefragt.
Perfekt Der Schüler hat den Lehrer gefragt. Der Lehrer ist gefragt worden.
Plusquam- Der Schüler hatte den Lehrer Der Lehrer war gefragt worden.
perfekt gefragt.
Futur I Der Schüler wird den Lehrer fragen. Der Lehrer wird gefragt werden.
Futur II Der Schüler wird den Lehrer ge- Der Lehrer wird gefragt worden
fragt haben. sein.

*Die Täterangabe „von dem Schüler“ wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit weggelassen.

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 416


Die Formen des Passivs

Übersicht: Alle Formen Indikativ Passiv - fragen

Präsens Präteritum
ich werde gefragt ich wurde gefragt
du wirst gefragt du wurdest gefragt
er wird gefragt er wurde gefragt
wir werden gefragt wir wurden gefragt
ihr werdet gefragt ihr wurdet gefragt
sie werden gefragt sie wurden gefragt

Perfekt Plusquamperfekt
ich bin gefragt worden ich war gefragt worden
du bist gefragt worden du warst gefragt worden
er ist gefragt worden er war gefragt worden
wir sind gefragt worden wir waren gefragt worden
ihr seid gefragt worden ihr wart gefragt worden
sie sind gefragt worden sie waren gefragt worden

Futur I Futur II
ich werde gefragt werden ich werde gefragt worden sein
du wirst gefragt werden du wirst gefragt worden sein
er wird gefragt werden er wird gefragt worden sein
wir werden gefragt werden wir werden gefragt worden sein
ihr werdet gefragt werden ihr werdet gefragt worden sein
sie werden gefragt werden sie werden gefragt worden sein

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 417


Die Passivumformung

Die Passivumformung
Aktivsatz mit Akkusativ
Ein Passivsatz entsteht durch die Umformung eines Aktivsatzes mit Nominativ und Akkusa-
tiv. Der Nominativ, der Akkusativ und das Verb des Aktivsatzes verändern ihre Form dabei
folgendermaßen:

Beispiel: Passivumformung
Aktiv Passiv
Der Schüler fragt den Lehrer Der Lehrer wird (von dem Schüler) gefragt.
Nominativ: der Schüler von + Dativ: von dem Schüler
Akkusativ: den Lehrer Nominativ: der Lehrer
Verb im Aktiv: fragt Verb im Passiv: wird gefragt

Die Umformungsregel von Aktiv nach Passiv lautet:

Übersicht: Passivumformung
Aktiv Passiv
Nominativ => von + Dativ
Akkusativ => Nominativ
Verb im Aktiv => Verb im Passiv

Aktivsatz mit Akkusativ und Dativ


Wenn der Aktivsatz zusätzlich zum Akkusativ einen Dativ enthält, bleibt der Dativ unverän-
dert.

Beispiel: Passivumformung mit Akkusativ und Dativ


Aktiv Passiv
Der Mann schenkte der Frau ein Buch Der Frau wurde von dem Mann ein Buch
geschenkt.

Aktivsatz ohne Akkusativ


Man kann auch Passiv bilden, wenn es im Aktivsatz keinen Akkusativ gibt. Der Passivsatz hat
dann keinen Nominativ.

Das Verb des Passivsatzes steht im Singular. Man nennt diese Sätze auch subjektlose Passiv-
sätze.

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Die Passivumformung

Beispiel: Passivumformung ohne Akkusativ


Aktiv Passiv
Aktivsatz (nur) mit Er arbeitet. Von ihm wird gearbeitet.
Nominativ
Aktivsatz mit Nomi- Der Arzt hilft der Der Frau wird von dem Arzt geholfen.
nativ und Dativ Frau.
Aktivsatz mit Nomi- Eine Frau schimpft Von einer Frau wird über die Politiker ge-
nativ und Präposi- über die Politiker. schimpft.
tion
=> subjektlose Passivsätze*

*Subjektlose Passivsätze sind stilistisch meist nicht empfehlenswert.

Aktivsatz mit man


Wenn ein Passivsatz aus einem Aktivsatz mit man abgeleitet wird, enthält der Passivsatz nie
eine Agensangabe mit von + Dativ.

Beispiel: Passivumformung Aktivsatz mit man


Nominativ man Aktiv Passiv
+Akkusativ Man fragt den Lehrer. Der Lehrer wird gefragt.
+Akkusativ + Dativ Man schenkt der Frau ein Der Frau wird ein Buch
Buch. geschenkt.
+Dativ Man hilft der Frau. Der Frau wird geholfen.
+Präposition Man schimpft über die Über die Politiker wird ge-
Politiker. schimpft.
nur Nominativ Man arbeitet. Es wird gearbeitet.

Temporaler Akkusativ im Aktivsatz


Nicht jeder Akkusativ im Aktivsatz wird in einen Nominativ des Passivsatzes umgewandelt.
Der Akkusativ bleibt unverändert, wenn er sich nicht auf eine Person bzw. Sache bezieht,
sondern auf Zeit (temporaler Akkusativ).

Beispiel: Temporaler Akkusativ im Aktivsatz


Aktiv Passiv
Die Frauen wuschen den ganzen Tag Von den Frauen wurde den ganzen Tag
Wäsche. Wäsche gewaschen.
Die Kinder spielten den ganzen Nachmit- Von den Kindern wurde den ganzen Nach-
tag. mittag gespielt.

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Die Passivumformung

Passivumformung: es
In Passivkonstruktionen kann in Position 1 es stehen. Wenn der Aktivsatz nur aus einem
unpersönlichen Nominativ (man) und einem Verb besteht, ist es im Passivsatz als Nominati-
versatz obligatorisch.

Beispiel: Passivumformung es (I) - man + Verb


Aktiv Passiv
Man arbeitet. Es wird gearbeitet.
=> es = obligatorisch

In allen anderen Sätzen kann man auch eine andere Ergänzung in Position 1 stellen, dann ist
es überflüssig, stilistisch meist schlecht und sollte wegfallen.

Beispiel: Passivumformung es (II)


Aktiv Passiv
Man diskutierte lange über die Gesetzesän- (Es wurde lange über die Gesetzesände-
derung. rung diskutiert.)
Über die Gesetzesänderung wurde lange
diskutiert.
Lange wurde über die Gesetzesänderung
diskutiert.

Trotzdem kann es Gründe geben es zu benutzen. Dann gilt Folgendes: Wenn der Aktivsatz
einen Akkusativ enthält, hat der Passivsatz einen Nominativ. Die Verbform richtet sich dann
nach dem Nominativ.

Beispiel: Passivumformung es - Singular vs. Plural (I)


Aktiv (mit Akkusativ) Singular Passiv Singular
Man eröffnet ein neues Restaurant. Es wird ein neues Restaurant eröffnet.
Ein neues Restaurant wird eröffnet.
Aktiv (mit Akkusativ) Plural Passiv Plural
Man eröffnet viele neue Restaurants. Es werden viele neue Restaurants eröff-
net.
Viele neue Restaurants werden eröffnet.

Wenn der Aktivsatz keinen Akkusativ enthält, hat der Passivsatz keinen Nominativ. Das Verb
steht immer im Singular.

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Der Konjunktiv Passiv

Beispiel: Passivumformung es - Singular vs. Plural (II)


Aktiv (ohne Akkusativ) nur Singular Passiv nur Singular
Man diskutiert über die Gesetzesänderung. Es wird über die Gesetzesänderung disku-
tiert.
Über die Gesetzesänderung wird diskutiert.
Man arbeitet sonntags nicht. Es wird sonntags nicht gearbeitet.
Sonntags wird nicht gearbeitet.

Der Konjunktiv Passiv


Konjunktiv II Passiv
Gegenwart
Der Konjunktiv II Passiv für die Gegenwart wird mit dem Konjunktiv II Gegenwart von wer-
den und dem Partizip II gebildet.

Konjunktiv II Passiv Gegenwart = Konjunktiv II Gegenwart von werden + Partizip II

Beispiel: Formbildung - Konjunktiv II Passiv Gegenwart


Person Konjunktiv II Gegenwart werden Partizip II
er würde gefragt

Beispielsatz: Konjunktiv II Passiv Gegenwart


Aktiv Der Schüler würde den Lehrer fragen.
Passiv Der Lehrer würde von dem Schüler gefragt.

Alle Formen des Konjunktivs II Passiv Gegenwart lauten:

Konjugation: Konjunktiv II Passiv Gegenwart


fragen
ich würde gefragt
du würdest gefragt
er, sie, es würde gefragt
wir würden gefragt
ihr würdet gefragt
sie würden gefragt
Sie (formell) würden gefragt

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Der Konjunktiv Passiv

Vergangenheit
Der Konjunktiv II Passiv für die Vergangenheit wird mit dem Konjunktiv II Gegenwart von
sein, dem Partizip II und worden gebildet.

Konjunktiv II Passiv Vergangenheit = Konjunktiv II Gegenwart von sein + Partizip II +


worden

Beispiel: Formbildung - Konjunktiv II Passiv Vergangenheit


Person Konjunktiv II Gegenwart sein Partizip II worden
er wäre gefragt worden

Beispielsatz: Konjunktiv II Passiv Vergangenheit


Aktiv Der Schüler hätte den Lehrer gefragt.
Passiv Der Lehrer wäre von dem Schüler gefragt worden.

Alle Formen des Konjunktivs II Passiv Vergangenheit lauten:

Konjugation: Konjunktiv II Passiv Vergangenheit


fragen
ich wäre gefragt worden
du wär(e)st gefragt worden
er, sie, es wäre gefragt worden
wir wären gefragt worden
ihr wär(e)t gefragt worden
sie wären gefragt worden
Sie (formell) wären gefragt worden

Futur I
Der Konjunktiv II Passiv Futur I wird mit dem Konjunktiv II Gegenwart von werden, Partizip II
+ werden gebildet.

Konjunktiv II Passiv Futur I = Konjunktiv II Gegenwart von werden + Partizip II + wer-


den

Beispiel: Formbildung - Konjunktiv II Passiv Futur I


Person Konjunktiv II Gegenwart werden Partizip II werden
er würde gefragt werden

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Der Konjunktiv Passiv

Beispielsatz: Konjunktiv II Passiv Futur I


Aktiv Der Schüler würde den Lehrer fragen.
Passiv Der Lehrer würde von dem Schüler gefragt werden.

Alle Formen des Konjunktivs II Passiv Futur I lauten:

Konjugation: Konjunktiv II Passiv Futur I


fragen
ich würde gefragt werden
du würdest gefragt werden
er, sie, es würde gefragt werden
wir würden gefragt werden
ihr würdet gefragt werden
sie würden gefragt werden
Sie (formell) würden gefragt werden

Beachte: Die Form würde werden klingt durch das doppelte Hilfsverb unschön, deshalb wird
der Infinitiv von werden meist weglassen. Dann entspricht die Form dem Konjunktiv II Passiv
für die Gegenwart.

Beispiel: Konjunktiv II Passiv Futur I vs. Konjunktiv II Passiv Gegenwart


Konjunktiv II Passiv Der Lehrer würde von dem Schüler gefragt.
Gegenwart
Konjunktiv II Passiv Der Lehrer würde von dem Schüler gefragt (werden).
Futur I

Futur II
Der Konjunktiv II Passiv Futur II wird mit dem Konjunktiv II Gegenwart von werden, Partizip II,
worden und dem Infinitiv des Hilfsverbs sein gebildet.

Konjunktiv II Passiv Futur II = Konjunktiv II Gegenwart von werden + Partizip II + wor-


den + sein

Beispiel: Formbildung - Konjunktiv II Passiv Futur II


Person Konjunktiv II Gegenwart werden Partizip II worden sein
er würde gefragt worden sein

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Der Konjunktiv Passiv

Beispielsatz: Konjunktiv II Passiv Futur II


Aktiv Der Schüler würde den Lehrer gefragt haben.
Passiv Der Lehrer würde von dem Schüler gefragt worden sein.

Alle Formen des Konjunktivs II Passiv Futur II lauten:

Konjugation: Konjunktiv II Passiv Futur II


fragen
ich würde gefragt worden sein
du würdest gefragt worden sein
er, sie, es würde gefragt worden sein
wir würden gefragt worden sein
ihr würdet gefragt worden sein
sie würden gefragt worden sein
Sie (formell) würden gefragt worden sein

Konjunktiv I Passiv
Gegenwart
Der Konjunktiv I Passiv für die Gegenwart wird mit dem Konjunktiv I Gegenwart von werden
und dem Partizip II gebildet.

Konjunktiv I Passiv Gegenwart = Konjunktiv I Gegenwart von werden + Partizip II

Beispiel: Formbildung - Konjunktiv I Passiv Gegenwart


Person Konjunktiv I Gegenwart werden Partizip II
er werde gefragt

Beispielsatz: Konjunktiv I Passiv Gegenwart


Aktiv Der Schüler frage den Lehrer.
Passiv Der Lehrer werde von dem Schüler gefragt.

Alle Formen des Konjunktivs I Passiv Gegenwart lauten:

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 424


Der Konjunktiv Passiv

Konjugation: Konjunktiv I Passiv Gegenwart


fragen
ich werde gefragt
du werdest gefragt
er, sie, es werde gefragt
wir werden gefragt
ihr werdet gefragt
sie werden gefragt
Sie (formell) werden gefragt

Vergangenheit
Der Konjunktiv I Passiv für die Vergangenheit wird mit dem Konjunktiv I Gegenwart von sein,
dem Partizip II und worden gebildet.

Konjunktiv I Passiv Vergangenheit = Konjunktiv I Gegenwart von sein + Partizip II +


worden

Beispiel: Formbildung - Konjunktiv I Passiv Vergangenheit


Person Konjunktiv I Gegenwart sein Partizip II worden
er sei gefragt worden

Beispielsatz: Konjunktiv I Passiv Vergangenheit


Aktiv Der Schüler habe den Lehrer gefragt.
Passiv Der Lehrer sei von dem Schüler gefragt worden.

Alle Formen des Konjunktivs I Passiv Vergangenheit lauten:

Konjugation: Konjunktiv I Passiv Vergangenheit


fragen
ich sei gefragt worden
du sei(e)st gefragt worden
er, sie, es sei gefragt worden
wir seien gefragt worden
ihr sei(e)t gefragt worden
sie seien gefragt worden
Sie (formell) seien gefragt worden

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 425


Der Konjunktiv Passiv

Futur I
Der Konjunktiv I Passiv Futur I wird mit dem Konjunktiv I Gegenwart von werden und dem
Infinitiv Passiv gebildet Partizip II + werden).

Konjunktiv I Passiv Futur I = Konjunktiv I Gegenwart von werden + Partizip II + werden

Beispiel: Formbildung - Konjunktiv I Passiv Futur I


Person Konjunktiv I Gegenwart werden Partizip II werden
er werde gefragt werden

Beispielsatz: Konjunktiv I Passiv Futur I


Aktiv Der Schüler werde den Lehrer fragen.
Passiv Der Lehrer werde von dem Schüler gefragt werden.

Alle Formen des Konjunktivs I Passiv Futur I lauten:

Konjugation: Konjunktiv I Passiv Futur I


fragen
ich werde gefragt werden
du werdest gefragt werden
er, sie, es werde gefragt werden
wir werden gefragt werden
ihr werdet gefragt werden
sie würden gefragt werden
Sie (formell) werden gefragt werden

Beachte: Die Form werde werden klingt durch das doppelte Hilfsverb unschön, deshalb wird
der Infinitiv von werden meist weglassen. Dann entspricht die Form dem Konjunktiv I Passiv
für die Gegenwart.

Beispiel: Konjunktiv I Passiv Futur I vs. Konjunktiv I Passiv Gegenwart


Konjunktiv I Passiv Der Lehrer werde von dem Schüler gefragt.
Gegenwart
Konjunktiv I Passiv Der Lehrer werde von dem Schüler gefragt (werden).
Futur I

Futur II
Der Konjunktiv I Passiv Futur II wird mit dem Konjunktiv I Gegenwart von werden, Partizip II,
worden und dem Infinitiv des Hilfsverbs sein gebildet.

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Der Konjunktiv Passiv

Konjunktiv I Passiv Futur II = Konjunktiv I Gegenwart von werden + Partizip II + wor-


den + sein

Beispiel: Formbildung - Konjunktiv I Passiv Futur II


Person Konjunktiv I Gegenwart werden Partizip II worden sein
er werde gefragt worden sein

Beispielsatz: Konjunktiv I Passiv Futur II


Aktiv Der Schüler werde den Lehrer gefragt haben.
Passiv Der Lehrer werde von dem Schüler gefragt worden sein.

Alle Formen des Konjunktivs I Passiv Futur II lauten:

Konjugation: Konjunktiv I Passiv Futur II


fragen
ich werde gefragt worden sein
du werdest gefragt worden sein
er, sie, es werde gefragt worden sein
wir werden gefragt worden sein
ihr werdet gefragt worden sein
sie werden gefragt worden sein
Sie (formell) werden gefragt worden sein

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Der Konjunktiv Passiv

Übersicht: Die Formen des Konjunktivs Passiv

Konjunktiv II Konjunktiv I
Gegenwart
ich würde gefragt ich werde gefragt
du würdest gefragt du werdest gefragt
er würde gefragt er werde gefragt
wir würden gefragt wir werden gefragt
ihr würdet gefragt ihr werdet gefragt
sie würden gefragt sie werden gefragt
Vergangenheit
ich wäre gefragt worden ich sei gefragt worden
du wär(e)st gefragt worden du sei(e)st gefragt worden
er wäre gefragt worden er sei gefragt worden
wir wären gefragt worden wir seien gefragt worden
ihr wär(e)t gefragt worden ihr seiet gefragt worden
sie wären gefragt worden sie seien gefragt worden
Futur I
ich würde gefragt (werden) ich werde gefragt (werden)
du würdest gefragt (werden) du werdest gefragt (werden)
er würde gefragt (werden) er werde gefragt (werden)
wir würden gefragt (werden) wir werden gefragt (werden)
ihr würdet gefragt (werden) ihr werdet gefragt (werden)
sie würden gefragt (werden) sie werden gefragt (werden)
Futur II
ich würde gefragt worden sein ich werde gefragt worden sein
du würdest gefragt worden sein du werdest gefragt worden sein
er würde gefragt worden sein er werde gefragt worden sein
wir würden gefragt worden sein wir werden gefragt worden sein
ihr würdet gefragt worden sein ihr werdet gefragt worden sein
sie würden gefragt worden sein sie werden gefragt worden sein

Deutsche Grammatik 2.0 - www.deutschegrammatik20.de 428


Passiv mit Modalverb

Indikativ Passiv mit Modalverb


Beim Indikativ Passiv mit Modalverb wird bei der Zeitform des Aktivs der Infinitiv Aktiv
durch den Infinitiv Passiv ersetzt.

Aktiv vs. Passiv mit Modalverb - Zeitformen


Aktiv Passiv
Präsens Der Schüler muss den Lehrer fragen. Der Lehrer muss gefragt werden.
Präteritum Der Schüler musste den Lehrer Der Lehrer musste gefragt werden.
fragen.
Perfekt Der Schüler hat den Lehrer fragen Der Lehrer hat gefragt werden
müssen. müssen.
Plusquam- Der Schüler hatte den Lehrer fragen Der Lehrer hatte gefragt werden
perfekt müssen. müssen.
Futur I Der Schüler wird den Lehrer fragen Der Lehrer wird gefragt werden
müssen. müssen.
Futur II* Der Schüler wird den Lehrer haben Der Lehrer wird haben gefragt wer-
fragen müssen. den müssen.*

* Die Passivformen für Futur II mit Modalverb sind hier nur der Vollständigkeit halber aufge-
führt. In der Regel wird man auf das Aktiv ausweichen, um solche komplexen Verbformen zu
vermeiden.

Passiv mit Modalverb im Nebensatz


Normalerweise wird bei Nebensätzen der Verbteil, der im Hauptsatz in Position 2 steht, ganz
ans Ende des Satzes gestellt. Das gilt auch für das Präsens und Präteritum des Passivs mit
Modalverb.

Beispiel: Passiv mit Modalverb im Nebensatz (I) - Präsens + Präteritum


Hauptsatz Nebensatz
Präsens Der Lehrer muss gefragt Der Vater sagt, dass der Lehrer gefragt
werden. werden muss.
Präteritum Der Lehrer musste gefragt Der Vater sagte, dass der Lehrer gefragt
werden. werden musste.

Bei allen anderen Zeitformen wird beim Passiv mit Modalverb aber das Hilfsverb (haben
bzw. werden) nicht ans Satzende, sondern an den Anfang der mehrteiligen Verbform ge-
stellt.

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Passiv mit Modalverb

Beispiel: Passiv mit Modalverb im Nebensatz (II) - andere Zeitformen


Hauptsatz Nebensatz
Perfekt Der Lehrer hat gefragt werden müs- Der Vater sagte, dass der Lehrer hat
sen. gefragt werden müssen.
Plusquam- Der Lehrer hatte gefragt werden Der Vater sagte, dass der Lehrer hat-
perfekt müssen. te gefragt werden müssen.
Futur I Der Lehrer wird gefragt werden Der Vater sagt, dass der Lehrer wird
müssen. gefragt werden müssen.
Futur II* Der Lehrer wird haben gefragt wer- Der Vater sagt, dass der Lehrer wird
den müssen. haben gefragt werden müssen.*

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Passiv mit Modalverb

Übersicht: Die Formen des Indikativs Passiv mit Modal-


verb

Präsens Präteritum
ich muss gefragt werden ich musste gefragt werden
du musst gefragt werden du musstest gefragt werden
er muss gefragt werden er musste gefragt werden
wir müssen gefragt werden wir mussten gefragt werden
ihr müsst gefragt werden ihr musstet gefragt werden
sie müssen gefragt werden sie mussten gefragt werden

Perfekt Plusquamperfekt
ich habe gefragt werden müssen ich hatte gefragt werden müssen
du hast gefragt werden müssen du hattest gefragt werden müssen
er hat gefragt werden müssen er hatte gefragt werden müssen
wir haben gefragt werden müssen wir hatten gefragt werden müssen
ihr habt gefragt werden müssen ihr hattet gefragt werden müssen
sie haben gefragt werden müssen sie hatten gefragt werden müssen

Futur I Futur II
ich werde gefragt werden müssen ich werde haben gefragt werden müssen
du wirst gefragt werden müssen du wirst haben gefragt werden müssen
er wird gefragt