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A.

Einführung:
Soweit spezifische Normen des HGB greifen, verdrängen sie das BGB (lex
specialis)
Subsidiär greift jedoch immer das BGB, soweit keine Abweichungen gegeben
sind
Anwendbar ist das Handelsrecht grundsätzlich nur, wenn wenigstens ein
Kaufmann beteiligt ist

B. Istkaufmann (§1 HGB)


I. Normzweck
Kaufmann iSd. §1 HGB ist, wer ein Handelsgewerbe betreibt (§1 I HGB).
Handelsgewerbe ist nach der Legaldefinition des §1 II HGB: „jeder
Gewerbebetrieb, es sei denn, dass das Unternehmen nach Art oder
Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb
nicht erfordert“.
Auf eine Eintragung in das Handelsregister kommt es dann von vornherein
nicht an.
II. VSS
1. Gewerbe
Gewerbe iSd. §1 HGB ist eine selbstständige, entgeltliche, auf eine
Vielzahl von Geschäften gerichtete, nach außen in Erscheinung
tretende Tätigkeit auf wirtschaftlichem Gebiet.
a) Selbstständigkeit
Ein Gewerbe setzt eine selbstständige Tätigkeit voraus.
§84 I 2 HGB: Selbstständig ist, wer im wesentlichen frei seine
Tätigkeit gestalten und seine Arbeitszeit bestimmen kann. Hierfür ist
die rechtliche Freiheit entscheidend, nicht hingegen die
wirtschaftliche Freiheit.
Selbstständig ist daher, wer über die Gestaltung, Einteilung und
Dauer der Tätigkeit entscheiden kann, ohne rechtlichen - insb.
Arbeitsvertraglichen – Einschränkungen zu unterliegen.

Indizien für Selbstständigkeit:


- Kein Arbeitsplan einzuhalten ist
- Keine Mindestarbeitszeit festgelegt ist
- Keine Weisungsabhängigkeit besteht
- Kosten u. Risiken der Geschäftstätigkeit selbst zu tragen (zb.
Eigene Geschäftsräume)
Indizien gegen Selbstständigkeit:
- Vereinbarung einer festen Vergütung
- Verpflichtung zur Abführung von Lohnsteuern u. Sozialabgaben
- Einbindung in eine fremde betriebliche Organisation
- Weisungsgebundenheit in Bezug auf die Gestaltung u. Dauer
der Tätigkeit
Die Geschäftsführung einer AG o. GmbH ist keine selbstständige,
sondern eine angestellte berufliche Tätigkeit.
b) Entgeltlichkeit
Ein Gewerbe setzt eine entgeltliche Tätigkeit am Markt voraus.
(§354 HGB) Ein Handeln in Gewinnerzielungsabsicht ist nicht
erforderlich.
Indizien für keine entgeltliche Tätigkeit:
- Bei rein karitativen Tätigkeiten (Verschenken von Altkleidern an
Bedürftige)
Die Tätigkeit muss auf eine unbestimmte Vielzahl von Geschäften
gerichtet sein. Es muss jedenfalls ein Mindestmaß an Kontinuität
bestehen.
Indizien für keine Vielzahl von Geschäften:
- Bei einzelnen Geschäften u. bloßen Gelegenheitsgeschäften
(Verkauf eines Stuhls auf dem „Flohmarkt“)
Bloße Unterbrechungen hindern die Annahme einer Vielzahl von
Geschäften nicht (Schließung der Eisdiele im Winter).
c) Außenbezug
Erforderlich ist eine nach außen, d.h. auf dem Mark in Erscheinung
tretende Tätigkeit.
Daran fehlt es bei wirtschaftlicher Tätigkeit im Privatbereich.
d) Tätigkeit auf wirtschaftlichem Gebiet
aa)Freiberufliche Tätigkeiten
Die Tätigkeit muss auf wirtschaftlichem Gebiet liegen.
Daran fehlt es bei freiberuflichen Tätigkeiten.

- Beispiel 1:
Beim Kauf eines DVD-Players kommt es dem
Interessenten weniger auf die Person des Verkäufers
als vielmehr auf den angebotenen Preis an.

- Beispiel 2:
Bei einem Apotheker steht nicht die höchstpersönliche
Leistungserbringung, sondern die wirtschaftliche
Tätigkeit des Ankaufs und Verkaufs von Arzneimitteln
im Vordergrund, sodass ein Gewerbe gegeben ist.

ba) Künstlerische und wissenschaftliche Tätigkeiten


Künstlerische und wissenschaftliche Tätigkeiten als solche
erfolgen nicht auf wirtschaftlichem Gebiet. Ein Sänger,
Schauspieler, Maler, Bildhauer, Musiker o. forschender
Wissenschaftler betreibt daher kein Gewerbe. Das ändert
sich aber dann, wenn eine solche Person ihre Werke auf dem
Markt gegen Entgelt anbietet.
e) Irrelevante Kriterien
aa)Gesetzes - oder sittenwidrige Tätigkeit (§7 HGB)
ba) Rechtswirksamkeit geschlossener Rechtsgeschäfte
ist irrelevant für den Begriff des Gewerbes.
ca)Gewinnerzielungsabsicht
Nach Rspr.: Ein Gewerbe setzt die Absicht der Erzielung
dauernder Überschüsse der Einnahmen über die Ausgaben
voraus. Da eine Gewinnerzielungsabsicht genüge, kommt es
nicht darauf an, ob tatsächlich ein Gewinn erwirtschaftet
werde.
Bei privaten Unternehmen besteht allerdings regelmäßig
Gewinnerzielungsabsicht, u. sei daher zu vermuten.
Bei Unternehmen der öffentlichen Hand sei dies eine Frage
des Einzelfalls.
Die Gewinnerzielungsabsicht ist kein notweniges Merkmal.

Indizien für keine Gewinnerzielungsabsicht:


- Bei Tätigkeiten mit dem Ziel bloßer Kostendeckung
- Oder zu gemeinnützigen Zwecken
2. Handelsgewerbe
a) Zweck
Wer ein Gewerbe betreibt, aber nicht im Handelsregister
eingetragen ist, trägt die Beweislast dafür, dass er kein Kaufmann
ist (und das HR nicht für ihn gilt). Die Prüfung des
Ausnahmetatbestands von §1 II HGB ist nur geboten, wenn eine
Widerlegung der Vermutung, wonach jeder Gewerbebetrieb ein
Handelsgewerbe ist, nahe liegt.
b) Feststellung
aa)In kaufmännischer Weise eingerichteter
Geschäftsbetrieb
Hierzu zählen insb. die kaufmännische Buchführung, die
Inventur -u. Bilanzaufstellung u. die Aufbewahrung der
geschäftlichen Korrespondenz. Hinzu kommen vor allem die
Firmenführung, die Beschäftigung kaufmännisch
ausgebildeten Personals und die kaufmännische Vertretung
etwa durch einen Prokuristen oder
Handlungsbevollmächtigten.
ba) Erforderlichkeit
Es kommt nicht darauf an, ob der Gewerbetreibende
tatsächlich einen kaufmännisch eingerichteten
Gewerbebetrieb führt, ob er also z.B. kaufmännisch Buch
führt oder nicht.
Maßgeblich ist allein, ob nach Art und Umfang des
Gewerbebetriebs ein in kaufmännischer Weise eingerichteter
Geschäftsbetrieb erforderlich ist.
Sie ist aufgrund von Gegenstand u. Größe des
Unternehmens zu beurteilen.

Von Bedeutung sind insoweit insb.:


- Umsatz, Beschäftigtenzahl, Höhe des investierten
Kapitals, Vielfalt der Produkte, Inanspruchnahme von
Kredit- o. Teilzahlungen, Anzahl u. Art der
Geschäftsabschlüsse, Umfang der
Geschäftskorrespondenz sowie die Anzahl der
Betriebsstätten u. deren Größe

Je vielgestaltiger die Geschäftstätigkeit u. je größer die Zahl


der Geschäftsabschlüsse, desto eher ist kaufmännische
Führung geboten u. damit Erforderlichkeit anzunehmen.
- Beispiel 1:
Für einen Optikermeister mit einem jährlichen Umsatz
von 85 000€ und 2000 Kunden ist, insb. wenn er
gegenüber den Krankenkassen ein kompliziertes
Abrechnungsverfahren einzuhalten hat, nach Art u.
Umfang des Gewerbebetriebs ein in kaufmännischer
Weise eingerichteter Geschäftsbetrieb erforderlich.

Anders liegt es bei einfach strukturierten Betrieben trotz


hoher Umsätze.
- Beispiel 2:
Für eine Bundeswehr-Kantine mit 250000€
Jahresumsatz, in der nur gleichförmige Geschäfte
gegen Barzahlung getätigt werden, ist nach Art und
Umfang ein in kaufmännischer Weise eingerichteter
Geschäftsbetrieb nicht erforderlich.

3. Betreiben des Handelsgewerbes


a) Maßgebliche Person
Kaufmann ist, wer ein Handelsgewerbe „betreibt“.
Dieses TBM ordnet ein Gewerbe einer bestimmten Person, dem Träger
des Gewerbes, zu. Eine solche Person kann eine natürliche Person,
aber auch eine juristische Person (z.B. GmbH u. AG) o. eine
rechtsfähige Gesellschaft (OHG u. KG) sein.
Ein Gewerbe ist der Person zuzuordnen, in deren Namen das Gewerbe
betrieben wird.
Bei Stellvertretung wirkt das geschlossene Rechtsgeschäft für u. gegen
den Vertretenen, sodass er das Gewerbe betreibt (z.B. AG, GmbH).
Wer als Vertreter in fremden Namen handelt, ist daher nicht Kaufmann
iSd. §1 HGB (und nicht Unternehmer iSd. §14 I BGB).
Unerheblich ist dagegen, ob die betreffende Person das einzelne
Geschäft für eigene o. fremde Rechnung tätigt. Daher kann auch ein
Handelsvertreter (§84 I 1 HGB) oder Kommissionär (§383 I HGB)
Kaufmann sein.
Die Gesellschafter (OHG u. KG) sind Kaufleute (haften nämlich
persönlich).
Die Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft, sowie Kommanditisten
sind dagegen keine Kaufleute (haften nicht persönlich).
b) Beginn
Das Betreiben eines Gewerbes beginnt – ebenso wie die Eigenschaft
als Unternehmer iSd. §14 I BGB - schon mit Vorbereitungsgeschäften.

- Beispiele:
Miete von Geschäftsräumen, Einstellung von
Personal, Eröffnung eines Bankkontos oder Abschluss
eines Unternehmenskaufvertrags.

III. Ende der Istkaufmannseigenschaft


Die Kaufsmannseigenschaft nach §1 HGB endet erst mit der vollständigen
Aufgabe des Geschäftsbetriebs oder mit Absinken zum Kleingewerbe.
Nicht dagegen mit versehentlicher Löschung im Handelsregister o. mit
Insolvenzeröffnung, sofern nur der Gewerbetreibende das
Handelsgewerbe weiter betreibt.
Ist ein Istkaufmann eingetragen, sein Gewerbebetrieb in der Folgezeit aber
zum Kleingewerbe herabgesunken gelten §§2,5 HGB.

C. Kannkaufmann (§§ 2, 3 HGB)


I. Kleingewerbetreibende (§ 2 HGB)
1. Normzweck
Gewerbetreibende, welche nicht unter den TB des §1II HGB fallen,
können gleichwohl die Kaufmannseigenschaft durch Eintragung der
Firma des Unternehmens in das Handelsregister erlangen (§2 S.1
HGB).
VSS
Kaufmannseigenschaft nach §2 S.1 HGB setzt voraus (a) ein
gewerbliches Unternehmen, dessen (b) Firma in das
Handelsregister eingetragen ist (c) auf Grund wirksamer Ausübung
des Wahlrechts durch den Unternehmensinhaber.
a) Gewerbliches Unternehmen
Keine Freiberufler, da diese kein gewerbliches Unternehmen
führen und damit kein Kannkaufmann sein können.
b) Eintragung der Firma in das Handelsregister
Also des Namens des Unternehmens im Handelsverkehr.
Ist die Eintragung erfolgt, aber noch nicht bekannt gemacht, gilt
für Dritte §15 HGB.
c) Wirksame Ausübung des Wahlrechts
Man spricht deswegen von Kannkaufmann, weil der
Gewerbetreibende zwar berechtigt, aber nicht verpflichtet ist, die
Eintragung in das Handelsregister herbeizuführen (§2 S.2 HGB).
Er hat daher ein Wahlrecht, wobei es ihm aufgrund seiner
Privatautonomie freisteht, sich für o. gegen die Eintragung zu
entscheiden.
Kannkaufmann unterscheidet sich hier wesentlich vom
Istkaufmann, da dieser nach §29 HGB zur Eintragung
verpflichtet ist u. hierzu vom Registergericht mit der Festsetzung
von Zwangsgeld angehalten werden kann (§14 HGB).
Die Ausübung des Wahlrechts nach§2 S.2 HGB erfolgt durch
einseitige, amtsempfangsbedürftige, auf Erlangung der
Kaufmannseigenschaft gerichtete WE, für die die allg. Regeln
(insb. §§104 ff. BGB) gelten.
Ist eine solche WE in Wirklichkeit gar nicht abgegeben o. ist sie
unwirksam, so greift §5 HGB ein.
2. Vorteile u. Nachteile einer Eintragung nach §2 S.1 HGB
Gegen die Eintragung in das Handelsregister spricht, dass mit der
Kaufmannseigenschaft zahlreiche Nachteile gegenüber der
Rechtsposition nach BGB verbunden sind.
- Beispiele:
Formfreiheit der Bürgschaftserklärung (§350 HGB),
Schweigen auf Antrag als Annahme des Antrags
(§362 HGB), umfangreiche
Rechnungslegungspflichten (§§238 ff. HGB), Verlust
von Mängelrechten bei Unterbleiben unverzüglicher
Mängelrüge (§377 HGB).

Dem stehen nur geringfügige Vorteile gegenüber.


- Beispiele:
Provisionsanspruch auch ohne Vereinbarung (§254 I
HGB), Erhöhung des gesetzlichen Zinssatzes (§352
HGB), erweiterter Gutglaubensschutz (§366 HGB),
erweitertes Zurückbehaltungsrecht (§§396 ff. HGB).
3. Ende der Kaufmannseigenschaft
Die Kaufmannseigenschaft nach §2 HGB endet, wenn entweder der
Gewerbetreibende den Betrieb vollständig einstellt o. das
Registergericht – wenn auch zu Unrecht- die Eintragung im
Handelsregister löscht.
II. Land – u. Forstwirtschaft (§ 3 HGB)
1. Normzweck
Ein land- o. forstwirtschaftliches Unternehmen kann nie Istkaufmann
iSd. §1 HGB sein.
2. VSS
Die Kaufmannseigenschaft nach §3 HGB (Kannkaufmann) hat
folgende VSS:
a) Land – u. forstwirtschaftliches Unternehmen
aa)Landwirtschaftliche Tätigkeit
Landwirtschaftliche Tätigkeit setzt eine organische Nutzung
von Grund und Boden zur Gewinnung von Nutzpflanzen
sowie Nutztieren u. deren Erzeugnisse voraus.
- Beispiele: Ackerbau, Gemüse- u. Obstanbau,
Viehzucht mit selbst erzeugtem Futter.
Ob der Grund u. Boden im Eigentum des Unternehmens
steht, ist unerheblich.
Gärtnereien u. Baumschulen betreiben nur dann
Landwirtschaft iSd. §3 HGB, wenn der Betrieb auf
Gewinnung u. die Züchtung von Pflanzen im Eigenanbau
gerichtet ist.
Keine landwirtschaftliche Tätigkeit ist der Weiterverkauf
lediglich angekaufter Produkte.
ba) Forstwirtschaft
Forstwirtschaft umfasst die Gewinnung von Waldprodukten
durch planmäßiges Auf- u. Abforsten sowie deren
Verwertung.
- Beispiel: Baumschule, sofern sie dem forstlichen
Bedarf an Nachwusch dient.
ca)Nebengewerbe
Ein solches Unternehmen ist im Hinblick auf §3 I u. II HGB
wie ein selbstständiges Unternehmen zu behandeln. Es
bestehen jeweils völlig selbstständige Eintragungs- u.
Löschungsoptionen für das Hauptgewerbe u. das
Nebengewerbe.
Das nebengewerblich betriebene Unternehmen muss:
(1) Dieselbe wirtschaftliche Grundlage wie das land- o.
forstwirtschaftliche Unternehmen (Hauptgewerbe) haben
u. infolgedessen von dem abhängig sein.
(2) Organisatorisch gegenüber dem Hauptbetrieb in der
Weise selbstständig sein, dass es vom Hauptbetrieb
jederzeit lösbar ist, u.
(3) Von demselben Inhaber betrieben werden wie der
Hauptbetrieb.
- Beispiel: Brauerei (Nebengewerbe) bei
landwirtschaftlichem Betrieb (Hauptgewerbe).
b) Erforderlichkeit eines kaufmännisch eingerichteten
Geschäftsbetriebs
Die zu §1 II HGB angestellten Erwägungen gelten hier auch.
c) Eintragung in das Handelsregister
Die zu §2 HGB angestellten Erwägungen gelten hier
entsprechend.
d) Wirksame Ausübung des Wahlrechts
Die zu §2 HGB angestellten Erwägungen gelten hier
entsprechend.

D. Kaufmann kraft Eintragung (§5 HGB)


I. Normzweck
Man spricht auch vom Fiktivkaufmann.
II. Anwendungsbereich
§5 HGB steht systematisch hinter §§1-3 HGB.
§2 HGB greift jedoch nur ein, wenn eine auf die Erlangung der
Kaufmannseigenschaft gerichtete WE vorliegt.
§5 HGB ist danach in zwei Fällen anwendbar, nämlich wenn:
(1) Irrtümlich von einer Eintragungspflicht iSd. §1 II iVm. §29 HGB
ausgegangen wird bzw. die Anmeldung zur Eintragung gänzlich
fehlt bzw. nichtig ist o.
(2) Nach Eintragung ein Gewerbebetrieb iSd. §1 II HGB zu einem
Kleingewerbe nach §2 HGB absinkt.
Denn in diesen Fällen fehlt es an der für die Eintragung nach §2 HGB
erforderlichen WE.
III. VSS
1. Eintragung einer Firma in das Handelsregister
Eine Firma – der Name eines Unternehmens im Handelsverkehr -
muss in das Handelsregister eingetragen sein.
Worauf diese Eintragung beruht, ist unerheblich.
§5 HGB ist auch anwendbar, wenn ein Geschäftsunfähiger o. ein
ohne die Zustimmung seines gesetzlichen Vertreters handelnder
Minderjähriger die Anmeldung beantragt (da diese von §§104ff.
geschützt sind).
2. Betreiben eines Gewerbes
Unter der eingetragenen Firma muss ein Gewerbe betrieben
werden.
Ein Gewerbe wird nicht betrieben, wenn jmd. Seinen
Geschäftsbetrieb aufgegeben hat o. Eingetragener u.
Gewerbetreibender nicht identisch sind.
§5 HGB ist auch dann nicht anwendbar, wenn eine freiberuflich
tätige, also kein Gewerbe betreibende Person zu Unrecht in das
Handelsregister eingetragen ist.
3. Zsmhang zw. Geltend gemachtem Anspruch u.
Rechtsgeschäftsverkehr
Der geltend gemachte Anspruch muss im Zsmhang mit dem
Rechtsgeschäftsverkehr stehen.
§5 HGB ist hingegen nicht auf Ansprüche nach §§677ff. BGB,
§§812ff. BGB und §§823ff. BB anzuwenden, soweit diese in
keinerlei Zsmhang mit dem Rechtsgeschäftsverkehr stehen.

E. Formkaufmann (§6 II HGB)


I. VSS
Es muss ein „Verein“ bestehen.
Gemeint sind damit Kapitalgesellschaften u. eingetragene
Genossenschaften, nicht aber oHG, KG o. GmbH u. Co. KG.
§6 II HGB erfasst nur die AG, KGaA, GmbH u. die eG.
Da Kapitalgesellschaften als juristische Person („Vereine“) erst mit
Eintragung in das Handelsregister entstehen, sind Vor-Gesellschaften
nicht Kaufmann kraft Rechtsform iSd. §6 II HGB. Sie können aber
Istkaufmann iSd. §1 HGB o. Handelsgesellschaft iSd. §6 I HGB sein.

F. Anwendbarkeit der Vorschriften über Kaufleute auf


Handelsgesellschaften (§6 I HGB)
I. VSS
Es muss eine Handelsgesellschaft gegeben sein.
Insoweit ist zw. Kapitalgesellschaften u. Handelsgesellschaften zu
unterscheiden.
Keine Handelsgesellschaften iSd. §6 I HGB sind:
- Verein iSd. §21 BGB
- Stiftung iSd. §80 BGB
- eingetragene Genossenschaft
- Partnerschaftsgesellschaft
- Öffentliche Körperschaften
1. Kapitalgesellschaften
Handelsgesellschaften kraft Gesetzes:
- AG, KGaA, GmbH u. SE
Es kommt nicht darauf an, ob die Gesellschaft ein Gewerbe betreibt.
Da AG, KGaA u. GmbH bereits Formkaufmann iSd. §6 II HGB sind, ist §6 I
HGB überflüssig.
Für eine Vor-Gesellschaft (Vor-AG, Vor-GmbH) gilt §6 I HGB nur, wenn sie
Handelsgesellschaft ist.
2. Personengesellschaften
Handelsgesellschaften: OHG u. KG
Nach §§105 II HGB können oHG o. KG aber auch als bloß Vermögen
verwaltende o. kleingewerbliche Gesellschaften Handelsgesellschaften sein,
wenn sie in das Handelsregister eingetragen sind.
Für eine kleingewerbliche oHG o. KG ergibt sich die Kaufmannseigenschaft
dann schon nach §2 S.1 HGB iVm. §1 HGB, sodass es auch insoweit keines
Rückgriffs auf §6 I HGB bedarf.
§6 I HGB hat daher nur für Vermögensverwaltungsgesellschaften Bedeutung.

G. Scheinkaufmann
I. VSS
1. Setzen des Rechtsscheins der Kaufmannseigenschaft
Der Rechtsschein der Kaufmannseigenschaft ist gesetzt, wenn ein
Auftreten im geschäftl. Verkehr gegeben ist (Kundgabe), das auf
die Kaufmannseigenschaft einer Person (o. Gesellschaft) schließen
lässt.
Diese Kundgabe als Erklärung gegenüber der Öffentlichkeit muss
den Eindruck erwecken, die VSS eines die Kaufmannseigenschaft
begründenden Tatbestands lägen vor.
- Kundgabe der Kaufmannseigenschaft kann durch
unterschiedliche Mittel geschehen: Bsp.:
Zeitungsanzeigen, Briefköpfe, mündliche Äußerungen
- Der Rechtsschein der Kaufmannseigenschaft kann
ausdrücklich gesetzt sein: Bsp.: Ein Nichtkaufmann
tut auf seinem Briefkopf kund, er sei Kaufmann, etwa
dadurch, dass er seiner Geschäftsbezeichnung den
Zusatz „e.K.“ (= eingetragener Kaufmann; §19 I Nr.1
HGB) beifügt.
- Der Rechtsschein der Kaufmannseigenschaft kann
auch konkludent gesetzt sein: Bsp.: Ein
Nichtkaufmann, der einem Angestellten Prokura (§48 I
HGB) erteilt, setzt konkludent den Rechtsschein, er sei
Kaufmann; denn die Erteilung von Prokura ist
Kaufleuten vorbehalten.
- Der Rechtsschein der Kaufmannseigenschaft kann
auch durch Unterlassen gesetzt sein - hierfür bedarf
es eines pflichtwidrigen Nichteinschreitens gegen das
Entstehen eines solchen Rechtsscheins. Bsp.: Ein
Nichtkaufmann weiß, dass sein Angestellter
gegenüber Lieferanten als „Prokurist“ auftritt,
unternimmt aber nichts hiergegen.
2. Zurechenbarkeit des Rechtsscheins
Der gesetzte Rechtsschein, dass eine bestimmte Person Kaufmann
ist, muss dieser Person zurechenbar sein.
Für die Zurechenbarkeit gilt aus Gründen des Verkehrsschutzes
grundsätzlich nicht das Verschuldensprinzip, sondern das
Veranlassungsprinzip. -STREIT-
3. Schutzwürdiges Vertrauen des Dritten auf die
Kaufmannseigenschaft
Der Dritte muss in seinem Vertrauen auf die Kaufmannseigenschaft
schutzwürdig sein. Die Lehre vom Scheinkaufmann schützt deshalb
nur gutgläubige Dritte.
Die Wirkung des Rechtsschein endet erst dann, wenn der Dritte
hiervon Kenntnis erhält o. infolge Zeitablaufs das Fortbestehen des
Rechtsscheins zweifelhaft u. deshalb dem Dritten eine Nachprüfung
der wahren Rechtslage zumutbar ist.
Dem Dritten schaden also Kenntnis o. grob fahrlässige Unkenntnis
von der Nichtkaufmannseigenschaft (vgl. §173 BGB).
4. Kausalität des Rechtsscheins für geschäftl. Disposition des
Dritten
Der gesetzte Rechtsschein muss kausal, d.h. ursächlich für
geschäftl. Dispositionen des Dritten sein.
II. Rechtsfolgen
Der Scheinkaufmann muss sich grds. so behandeln lassen, als wäre er
Kaufmann.
Es gelten also zu seinen Lasten grds. z.B. §§348, 350, 362, 377 HBG
u. §§29 II, 38 I ZPO.
III. Subsidiarität der Lehre vom Scheinkaufmann
IV. Schein-Nichtkaufmann
Ein Kaufmann kann den Rechtsschein setzen, er sei kein Kaufmann. Er
muss sich dann so behandeln lassen, als wäre er kein Kaufmann.
Das bloße Weglassen des Rechtsformzusatzes (z.B. e.K.) reicht nicht
aus.

H. Unternehmer (§14 I BGB)


I. VSS
1. Rechtssubjekte
Natürliche Person ist der Mensch.
Juristische Personen: Vereine (§§21ff. BGB), Stiftungen (§§80ff.
BGB) u. juristische Personen des öffentlichen Rechts (§89 BGB).
Sonderformen juristischer Personen des Privatrechts:
Aktiengesellschaft (AG), Gesellschaft mit beschränkter Haftung
(GmbH), Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), eingetragene
Genossenschaft (eG) u. Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit
(VVaG).
Rechtsfähige Personengesellschaft: §14 II BGB Legaldefinition:
offene Handelsgesellschaft (oHG), Kommanditgesellschaft (KG),
Partnerschaftsgesellschaft (PartGG) u. Gesellschaft bürgerlichen
Rechts (GbR).
2. Gewerbliche Tätigkeit
Der Begriff des Unternehmens setzt eine gewerbliche Tätigkeit voraus.
Ein Gewerbe erfordert eine auf Dauer angelegte, selbstständige
wirtschaftliche Betätigung, die darauf gerichtet ist, Produkte gegen
Entgelt abzusetzen.
Eine Gewinnerzielungsabsicht ist belanglos.
3. Selbstständige berufliche Tätigkeit
Gewerbetreibenden, freie Berufe, wissenschaftliche u. künstlerische
Tätigkeiten, sowie marktbezogene geschäftl. Tätigkeit der öffentlichen
Hand.
4. Zuordnung des Geschäfts zur gewerblichen o. selbstständigen
beruflichen Tätigkeit
Das Geschäft muss der gewerblichen o. selbstständigen beruflichen
Tätigkeit zuzuordnen sein („in Ausübung“).
- Bsp.: Kauft Rechtsanwalt R eine Flasche Wein, um
Mandanten in seiner Kanzlei zu bewirten, handelt er
als Unternehmer. Kauft R eine Flasche Wein zum
privaten Verzehr handelt er nicht als Unternehmer.
Unternehmerhandeln liegt bei einem Rechtsgeschäft im Zuge der
Aufnahme einer gewerblichen o. selbstständigen beruflichen Tätigkeit
(Existenzgründung) vor. (§513BGB)
- Bsp.: Miete von Geschäftsräumen, Einstellung von
Personal
Die Formulierung „in Ausübung“ macht lediglich deutlich, dass die
Tätigkeit im Zsmhang mit einer gewerblichen o. selbstständigen
beruflichen Tätigkeit stehen muss.
Bei Rechtsgeschäften, die sowohl gewerblich, handwerklich o.
selbstständigen beruflichen Zwecken als auch rein privaten Zwecken
dienen (z.B.: Architekt will einen PC sowohl beruflich als auch privat
nutzen), ist danach zu unterscheiden, ob die unternehmerische o.
private Zwecksetzung des (potenziellen) Geschäfts überwiegt.
Überwiegt die Privatsphäre = Verbraucher, wenn nicht dann =
Unternehmer

Handelsregister:
• Das Handelsregister ist ein amtliches Register, das gem. §8 I HGB von den
Gerichten elektronisch geführt wird
• Zweck des Handelsregisters ist es, wesentliche Informationen, die für den
Rechtsverkehr bedeutsam sind, publik zu machen
• Damit schützt das Handelsregister sowohl Vertragspartner und Gläubiger des
Kaufmanns als auch diesen selbst, der so schnell wichtige Informationen bekannt
geben kann

• Das Handelsregister dient grundsätzlich drei Zwecken:


–Publizität
–Kontrolle
–Beweis

• Eintragungspflichtig sind als solche durch das Gesetz gekennzeichnete Tatsachen


• Dies gilt bspw. für:
–Haftung bei Firmenfortführung (§25 II HGB)
–Firmenänderung (§31 HGB)
–Erteilung und Erlöschen der Prokura (§53 HGB)
–Wesentliche Angaben zur OHG (§§106, 107 HGB)

• Sind Tatsachen in das Handelsregister eingetragen und nach §10 HGB


bekanntgemacht worden, müssen Dritte diese grundsätzlich gegen sich gelten
lassen (§15 II 1 HGB)
• Eine Ausnahme besteht nur gem. §15 II 2 HGB

• Sind Tatsachen, die eintragungspflichtig sind, nicht in das Handelsregister


eingetragen, kann sich derjenige, der sie hätte eintragen lassen müssen, gegenüber
Dritten nicht auf sie berufen (§15 I HGB)
• Insoweit ergibt sich eine negative Publizität
• Der Verkehr wird dadurch geschützt, dass unterstellt wird, dass Tatsachen, die
nicht eingetragen sind, auch nicht existieren

• Überdies schafft §15 III HGB eine sog. positive Publizität


• Diese greift aber nur, soweit der Dritte gutgläubig ist, also nicht weiß, dass das
Handelsregister unrichtig ist
• Hiernach wirkt eine unrichtig bekanntgemachte Tatsache zu Gunsten Dritter
gegenüber demjenigen, in dessen Angelegenheiten die Bekanntmachung erfolgt
• §15 III HGB gilt nur für eintragungspflichtige, nicht auch für freiwillig eingetragene
Tatsachen
• Entscheidend ist die Bekanntmachung

• Rechtsfolge sowohl des §15 I HGB als auch des § 15 III HGB ist, dass sich jeder
Dritte auf die durch das Handelsregister abgebildete Rechtslage berufen darf
• Dies muss er aber nicht tun
• Er kann stattdessen auch die wahre Rechtslage gelten lassen
• Insoweit steht ihm ein Wahlrecht zu
• §§15 I, III HGB wirken jedenfalls immer nur gegen denjenigen, der die Eintragung
veranlasst hat, nie zu seinen Gunsten
Firma:

• Die Firma ist nach §17 I HGB der Name, unter dem der Kaufmann seine Geschäfte
tätigt
• Die Verwendung einer Firma ist allein Kaufleuten vorbehalten
• Die Firma muss nach §29 HGB zum Handelsregister angemeldet werden

–Firmeneinheit
• Grundsätzlich darf nur eine Firma für ein Unternehmen geführt
werden
• Dies führt dazu, dass juristische Personen oder Personenhandelsgesellschaften
immer nur eine Firma halten dürfen
• Es handelt sich um einheitliche Unternehmen, die deshalb nicht befugt sind,
Tätigkeiten unter verschiedenen Firmen zu betreiben
• Hingegen kann eine natürliche Person mehr als eine Firma führen

–Unterscheidbarkeit
• Die Firma muss sich klar von den anderen Kaufleuten
unterscheiden, §§18 I, 30 I HGB
• Entscheidend ist eine räumliche Abgrenzung
• Die Unterscheidbarkeit gilt nur für Kaufleute, die in der selben Gemeinde bestehen
• Dabei kommt es allerdings auf den Tätigkeitsbereich an
• Es gilt das Prioritätsprinzip, so dass die ältere Firma bestehen bleiben kann
• Eine Firma wird unzulässig, wenn sich kein sinnvolles Wort mehr bilden lässt (z. B.
A.A.A.A.A.A.A.‐GmbH, nicht aber auch bei 1, 2, 3‐GmbH)

–Irreführungsverbot
• §18 II HGB verbietet die Verwendung von Firmen, die geeignet sind, über
Geschäftsverhältnisse, die für die beteiligten Kreise wesentlich sind, zu täuschen
• Daher darf die Firma keine offensichtlich falschen oder irreführenden Teile
enthalten

-Firmenfortführung
• Die Fortführung ist nach §21 HGB zulässig, wenn sich der Name des Inhabers
ändert
• Ebenfalls fortgeführt werden darf die Firma, wenn das Handelsgeschäft von
Lebenden oder von Todes wegen erworben wird (§22 I HGB)
• Dies gilt selbst dann, wenn der Name des vormaligen Inhabers enthalten ist
• Erforderlich ist aber die Zustimmung des bisherigen Inhabers oder seiner Erben
• Maßgeblich ist, dass der Rechtsverkehr die Firma weiterhin erkennen kann
• Es muss ein Eindruck von Kontinuität entstehen
• Kleinere Veränderungen sind nicht relevant
• Entscheidend ist, dass der Firmenkern unangetastet bleibt
• Auch ein Nachfolgevermerk schützt nicht vor der Haftung, solange durch die Firma
eine Fortbestand des Unternehmens angedeutet wird

-Kein Ausschluss
• Früherer Inhaber und Erwerber können den Ausschluss der Haftung des Erwerbers
vereinbaren
• Dieser ist Dritten gegenüber aber nur wirksam, wenn er in das Handelsregister
eingetragen wird oder unverzüglich explizit dem Gläubiger bekannt gegeben wurde,
§25 II HGB

• Liegen die Voraussetzungen von §25 I, II HGB nicht vor, haftet der Erwerber nur,
wenn er gem. §25 III HGB die Haftung übernommen hat
• Die Forderungen des bisherigen Inhabers gelten auf den Erwerber als Erwerber
übergegangen, wenn dieser oder seine Erben der Firmenfortführung zugestimmt
haben
• §26 HGB regelt die Weiterhaftung des alten Inhabers
• Dieser steht grundsätzlich für die Forderungen gegen ihn weiterein, da sie ja
ursprünglich auch im Verhältnis zu ihm begründet wurden
• Alter und neuer Inhaber sind Gesamtschuldner, §421 BGB
• Der Ausgleich richtet sich nach §426 BGB und damit nach den Bestimmungen im
Innenverhältnis zwischen altem und neuem Inhaber
• Grundsätzlich hat der frühere Inhaber für sämtliche bis zur Übernahme des
Handelsgeschäfts begründeten Verbindlichkeiten für die Dauer von fünf Jahren
einzustehen

• Wird der Geschäftsbetrieb durch Erben fortgeführt, erklärt §27 I HGB die Regelung
des §25 HGB für anwendbar
• Daher gelten dieselben rechtlichen Grundlagen wie beim Erwerb unter Lebenden
• Die h. M. geht deshalb auch davon aus, dass die Fortführung des Firma erforderlich
ist
• Zudem entfällt die unbeschränkte Haftung, wenn der Betrieb innerhalb von drei
Monaten eingestellt wird

• Exkurs: Unternehmensveräußerung
–Unterscheide zwei Formen: Asset Deal und Share Deal
–Beim Asset Deal werden sämtliche Rechte, Sachen und sonstige Gegenstände, die
zu einem Unternehmen gehören, als solche verkauft und veräußert
–Es liegt mithin ein Vertrag über die jeweiligen Besitztümer des Unternehmens im
Einzelnen vor
–Dies kann jedoch Probleme bei der Vertragsübernahme und anderen nicht ohne
Weiteres zu übertragenden Rechten ergeben
–Im Gegensatz dazu zielt der Share Deal darauf ab, alle Anteile an einem
Unternehmensträger (Bsp. Aktien, Gesellschaftsanteile, etc.) zu erwerben
–Der Share Deal ist jedoch nur bei gesellschaftsrechtlich verfassten
Unternehmensträgern und damit nicht beim Einzelkaufmann möglich
–Bietet Vorteile, weil er leichter abzuwickeln ist
–Der Asset Deal lässt dagegen eine genauere Steuerung der veräußerten
Gegenstände zu
Prokura:

• Die Prokura ist eine besondere Vollmacht


• Dabei regeln die §§48 ff. HGB nur die Vertretungsmacht
• Soweit es um eine Stellvertretung geht, müssen die weiteren Voraussetzungen
(eigen Willenserklärung in fremdem Namen) §164 I 1 BGB entnommen werden
• Auch die sonstigen Rechtsfolgen ergeben sich aus §§164 ff. BGB
• Die Prokura kann nur vom Kaufmann selbst oder von seinem gesetzlichen Vertreter
erteilt werden (§48 I HGB)
• Gesetzliche Vertreter bestehen insbesondere bei Gesellschaften
• Ansonsten sind sie nur dann gegeben, wenn der Kaufmann geschäftsunfähig oder
beschränkt geschäftsfähig ist
• Eine lediglich rechtsgeschäftlich bevollmächtigte Person (auch ein Prokurist) darf
keine Prokura erteilen
• Auch Scheinkaufleute können Prokura erteilen
• Die Prokura ist grundsätzlich nach §49 I HGB unbeschränkt
• Die Parteien können darüber hinaus im Innenverhältnis Beschränkungen
vereinbaren
• Die Prokura gilt für alle Geschäfte, die in einem Handelsgewerbe anfallen
• Daher gilt sie auch für branchenfremde, sowie außergewöhnliche Geschäfte

Erteilung der Prokura:

• Die Prokura muss gem. §48 I HGB ausdrücklich erteilt werden


• Die Prokura muss gem. §53 I HGB in das Handelsregister eingetragen werden
• Die Prokura ist bereits mit ihrer Erklärung wirksam, unabhängig davon, wann und
ob sie in das Handelsregister eingetragen wird
• Die Erteilung ist eintragungspflichtige Tatsache gem. §15 HGB
• Als Prokurist kommen nach h.M. nur natürliche Personen in Betracht

• Die Prokura kann als Gesamtprokura erteilt werden


• Dabei kann der Prokurist nur zusammen mit einem anderen handeln
• Es wird zwischen echter Gesamtprokura (zwei oder mehr Prokuristen handeln
zusammen) und unechter Gesamtprokura (es ist mindestens eine
vertretungsberechtigte Person beteiligt, die nicht Prokurist ist) unterschieden

• Die Prokura wird durch den Tod des Kaufmanns nicht berührt (§52 III HGB)
• Sie erlischt aber wegen §52 II HGB beim Tod des Prokuristen
•Verliert der Kaufmann die Kaufmannseigenschaft, erlischt die Prokura ipso iure
• Dasselbe gilt bei der Veräußerung wegen §52 II HGB
• Die Prokura erlischt wegen §168 BGB, wenn das zu Grunde liegende
Rechtsverhältnis beendet wird
• Sie kann, auch wenn das Grundverhältnis (zumeist ein Arbeitsverhältnis) bestehen
bleibt, des Weiteren jederzeit widerrufen werden
• Sie kann durch den Prokuristen nicht auf Dritten übertragen werden (§52 II HGB)
• Der Prokurist kann die Prokura einseitig niederlegen
• Der Widerruf der Prokura ist nach §53 I HGB eintragungspflichtig

Handlungsvollmacht:

• Die Handlungsvollmacht ist weniger umfangreich als die Prokura gestaltet


• Sie unterliegt daher auch nicht denselben Beschränkungen wie die Prokura
• Insbesondere muss sie nicht vom Kaufmann selbst und nicht persönlich erteilt
werden
• Sie kann daher auch von jedem Bevollmächtigen ausgesprochen werden
• Sie muss nicht in das Handelsregister eingetragen werden
• Eine ungültige Prokuraerteilung kann als Handlungsvollmacht ausgelegt oder
umgedeutet werden
• Die Erteilungsvoraussetzungen richten sich nach §167 BGB
• Die Handlungsvollmacht kann deshalb formfrei, ausdrücklich oderkonkludent und
gegenüber dem Bevollmächtigten, einem Dritten oder der Allgemeinheit erteilt
werden
• Eine konkludente Bevollmächtigung ist vor allem in der Übertragung einer
bestimmten Position zu sehen
• An sich muss der Vollmachtgeber Kaufmann sein

Arten der Vollmacht:


–Generalhandlungsvollmacht: Alle Geschäfte eines
Handelsgewerbes (insoweit einer Prokura ähnlich)

–Arthandlungsvollmacht: Alle Geschäfte des Handelsgewerbes


einer bestimmten Art (Bsp.: Vollmacht zum Einkauf von
Rohstoffen, Vollmacht zur Abwicklung von Ein‐ und
Auszahlungen bei einer Bank)

–Spezialhandlungsvollmacht: Nur bestimmte, spezielle Geschäfte


einer Art (Vollmacht für die Vertretung an einem Tag, Vollmacht
zum Verkauf an einer bestimmten Verkaufsveranstaltung)

• Gem. §54 I HGB wird vermutet, dass die Vollmacht sämtliche Geschäfte umfasst,
die gewöhnlich in diesem Bereich anfallen
• Eingeschlossen sind nur die gewöhnlichen Geschäfte innerhalb des
Handelsgewerbes
• Dabei ist aber auf ein typisierendes Gewerbe und nicht auf das konkrete im
Einzelfall abzustellen
• Daher fallen alle privaten Geschäfte des Inhabers nicht unter § 54 I HGB
• Die Handlungsvollmacht erlischt, wenn das zu Grunde liegende Rechtsverhältnis
erlischt (§168 S. 1 BGB)
• Des Weiteren kann die Vollmacht widerrufen werden (§168 S. 2 BGB)
• Der Bevollmächtigende kann aber durch Rechtsgeschäft auf die Befugnis zum
Widerruf verzichten

Ladenangestellte:

• §56 HGB gewährt eine besondere Vertretungsmacht für Angestellte in Läden und in
offenen Warenlagern
• Diese gelten als ermächtigt zu Verkäufen und Empfangnahmen
• Oftmals haben diese Angestellten bereits Arthandlungsvollmacht gem. §54 I HGB
• Nach h. M. erstreckt sich die Vertretungsmacht über den Wortlaut hinaus nicht nur
auf das schuldrechtliche Geschäft (Kauf), sondern auch auf das sachenrechtliche
(Übereignung)
• Die Vorschrift dient dem Verkehrsschutz, damit Dritte den Angestellten eines
Ladengeschäfts uneingeschränkt vertrauen können
• Angestellt ist jeder, der mit Wissen und Wollen des Inhabers tätig wird
• Die Vertretungsmacht gilt nur für die gewöhnlichen Empfangnahmen und Verkäufe
• Außergewöhnliche Geschäfte werden nicht erfasst
• Maßstab sind jedoch nur „derartige“ Handelsgeschäfte, so dass ein typisierender
Maßstab zur Anwendung kommt

Handlungsgehilfe:

• Handlungsgehilfen sind nach der Legaldefinition des §59 HGB Personen, die zur
Leistung kaufmännischer Dienste gegen Entgeltangestellt sind
• Handlungsgehilfen sind deshalb immer Arbeitnehmer (§611a BGB)
• Somit kommen nur natürliche, nicht aber auch juristische Personen als
Handlungsgehilfen in Betracht
• Der Handlungsgehilfe unterliegt nach §§60, 61 HGB einem Wettbewerbsverbot
• Daher darf er weder ein eigenes Handelsgewerbe betreiben, noch im Handelszweig
des Kaufmanns Geschäfte machen

Handelsmakler:

• Der Handelsmakler ist in den §§93 ff. HGB geregelt


• Soweit keine Abweichungen dort normiert sind, finden die allgemeinen Vorschriften
der §§652 ff. BGB Anwendung
• Als Handelsmakler kommen nur die in §93 I HGB genannten Personen in Betracht
• Entscheidend ist, ob eines der dort genannten Güter vermakelt wird
• Nach §94 HGB muss der Handelsmakler eine Schlussnote über den Inhalt des
Geschäfts erstellen
• Diese muss enthalten:
–Parteien
–Gegenstand und Bedingungen des Geschäfts
–Gattung, Menge, Preis und Zeit der Lieferung
• Der Auftraggeber kann den Vertrag nur bei begründeten Einwendungen ablehnen
• §98 HGB regelt einen Schadensersatzanspruch gegenüber beiden Parteien des
Kaufvertrags
–Dies ist insoweit besonders, weil an sich nur ein Vertrag mit einer Seite besteht
–Nach Handelsrecht wird aber ein vertragsähnliches Verhältnis ebenso zur anderen
Seite konstruiert, auf dem der Anspruch aufbaut

Handelsvertreter:

• Das Recht der Handelsvertreter ist europarechtlich geprägt und in den §§84 ff.
HGB geregelt
• Der Handelsvertreter unterscheidet sich vom Handelsmakler dadurch, dass der
Handelsvertreter ständig mit dem Absatz für einen Kaufmann betraut ist
• Der Handelsmakler wird dagegen nur von Fall zu Fall tätig
• Der Handelsvertreter ist aber ebenfalls selbstständig (§84 I 2 HGB)
• Der Handelsvertreter muss nicht selbst Kaufmann sein, es genügt, dass ein
Gewerbe betrieben wird (§84 IV HGB)
• Auch der Unternehmer muss nicht Kaufmann sein
• Handelsvertreter können sowohl natürliche als auch juristische Personen oder
Personengesellschaften sein
• Der Handelsvertreter muss sich um die Vermittlung oder den Abschluss von
Geschäften bemühen und hat die Interessen des Unternehmers wahrzunehmen (§86
I HGB)
• Daher darf der Handelsvertreter dem Unternehmer keine Konkurrenz machen oder
einen Konkurrenten unterstützen
• Der Handelsvertreter gilt gem. §91 II HGB stets als bevollmächtigt zur
Entgegennahme von Mängelanzeigen, der Mitteilung, dass die Ware zur Verfügung
steht, sowie ähnlicher mangelbezogener Erklärungen
• Der Handelsvertretervertrag ist nach §89 HGB ordentlich kündbar, soweit er nicht
befristet ist
• Die Kündigungsfrist erhöht sich mit der Dauer des Vertrags

Vertragshändler:

• Gesetzlich nicht geregelt


• Der Vertragshändler arbeitet auf eigenen Namen und eigene Rechnung,
unterscheidet sich vom normalen Händler aber dadurch, dass er auf Dauer durch
einen Rahmenvertrag an einen Hersteller oder Großhändler gebunden ist
• Hauptpflichten des Vertragshändlers sind die Abnahme der zu verkaufenden Güter,
das Bemühen um den Absatz sowie das Konkurrenzverbot

Franchise:

• Ebenfalls durch das Gesetz nicht geregelt


• Selbstständige Unternehmer betreiben gleichartige Geschäftsbetriebe unter
einheitlichem Auftreten und Namen
• Der Franchisenehmer erhält vom Franchisegeber Know‐How, Ausstattung, Design,
etc. und entrichtet dafür ein Entgelt
• Der Franchisenehmer bleibt aber selbstständig
• Es liegt kein Anstellungsverhältnis vor

Handelsgeschäfte:

Kauf:

– Der Kauf ist grundsätzlich durch das BGB geregelt, §§433 ff. BGB
– Er kommt durch den Abschluss eines Kaufvertrags (§§145, 147 BGB) zu Stande
und verlangt vom Verkäufer die Übergabe und Übereignung der Kaufsache in
mangelfreiem Zustand (§433 I BGB) und vom Käufer die Abnahme sowie die
Zahlung des Kaufpreises (§433 II BGB)
– Kaufgegenstand können sowohl Sachen als auch Rechte (§453 BGB) sein

–Mängelrechte:
• Eine Sache ist mangelhaft, wenn sie:
– nicht der vereinbarten Beschaffenheit entspricht (§434 I 1 BGB)
– sich nicht für die vereinbarte Verwendung eignet (§434 I 2 Nr. 1 BGB)
– oder nicht die übliche Beschaffenheit aufweist oder sich nicht für die übliche
Verwendung eignet (§434 I 2 Nr. 2 BGB)
• Zudem muss der Mangel bei Gefahrübergang vorliegen
• Ebenfalls einen Sachmangel stellt es dar, wenn die vereinbarte Montage nicht
ordnungsgemäß durchgeführt wird (§434 II 1 BGB) oder die beiliegende
Montageanleitung fehlerhaft oder unverständlich ist (§434 II 2 BGB)
• Ein Sachmangel ist ebenfalls die Zuwenig‐oder Falschlieferung (§434 III BGB)
• Einem Sachmangel steht der Rechtsmangel nach §435 BGB gleich
• Ist die Sache mangelhaft, kann der Käufer
– Nacherfüllung verlangen (§437 Nr. 1 BGB)
– zurücktreten oder mindern (§437 Nr. 2 BGB)
– oder Schadensersatz verlangen (§437 Nr. 3 BGB)

• Nacherfüllung
– Die Nacherfüllung besteht nach der Wahl des Käufers entweder in der Beseitigung
des Mangels (Nachbesserung) oder in der Lieferung einer neuen Sache
(Nachlieferung)
– Der Verkäufer muss alle Kosten, Auslagen und Aufwendungen tragen (§439 II
BGB)
– Nach der Rspr. des BGH soll der Leistungsort aber gleichwohl beim Verkäufer
liegen, dieser muss die Sache mithin nicht beim Käufer abholen
– Zudem muss der Verkäufer die Kosten tragen, die durch den Ausbau der
mangelhaften und den Einbau der mangelfreien Sache entstehen (§439 III BGB)

• Anspruch auf Nacherfüllung, §439 I BGB


– Kaufvertrag
– Mangel
– Bei Gefahrübergang
– Kein Ausschluss der Mangelrechte
– Rechtsfolge:
• Nacherfüllung kann in der Beseitigung des Mangels (Nachbesserung) oder in der
Neulieferung der Sache (Nachlieferung) bestehen
• Wahlrecht das Käufers
• Möglichkeit zur Verweigerung nach §439 IV BGB

• Recht zum Rücktritt


- §437 Nr. 2 BGB verweist auf die allgemeinen Rücktrittsfolgen
- Daher ist für den Rücktritt erforderlich:
• Gegenseitiger Vertrag in Form des Kaufvertrags
• Pflichtverletzung durch Mangelhaftigkeit der Sache
• Fristsetzung
– Frist grundsätzlich nach §323 I BGB erforderlich
– Aber möglicherweise nach §§323 II, 326 V BGB entbehrlich
– Oder nach §440 BGB entbehrlich
• Kein Ausschluss der Mangelrechte
• Kein Ausschluss des Rücktrittsrechts, §323 VI BGB
• Keine Unerheblichkeit, §323 V 2 BGB
• Der Rücktritt darf nicht gem. §218 BGB ausgeschlossen sein

• Minderung
– Setzt nach §§437 Nr. 2, 441 BGB grundsätzlich dieselben Anforderungen voraus
wie der Rücktritt
– Dabei kann die Minderung allerdings auch bei einem unerheblichen Mangel erklärt
werden (§441 I 2 BGB)
– Bei der Minderung ist der Kaufpreis im Verhältnis des wahren zum mangelfreien
Wertes herabzusetzen
– geminderter Preis = Wert mangelhaft * Preis mangelfrei : Wert mangelfrei
– Minderung ist dann von Vorteil, wenn der Preis höher war als der reale Wert
– Ein zuvielgeleisteter Betrag ist nach §441 IV BGB zurückzugewähren
• Recht zur Minderung
– Kaufvertrag
– Mangel
– Fristsetzung
– Kein Ausschluss der Mangelrechte
– Kein Ausschluss des Rücktrittsrechts, §323 VI BGB
– Kein Ausschluss des Rücktrittsrechts, §218 BGB

• Schadensersatz
– §437 Nr. 3 BGB verweist auf §§280, 281, 283, 311a BGB sowie §284 BGB
– Daher kann Schadensersatz nebenund statt der Leistung ebenso wie der
Ersatz von Aufwendungen verlangt werden
– Die Abgrenzung zwischen Schadensersatz statt und neben der Leistung
erweist sich als komplex
– Richtigerweise wird Schadensersatz statt der Leistung geschuldet, wenn der
Schaden darauf beruht, dass die Leistung dauerhaft ausbleibt,
Schadensersatz neben der Leistung ist betroffen, wenn der Schaden nur auf
einer vorübergehenden Leistungsstörung beruht
– Als eine der häufigsten und wohl auch besten hat sich die Parallelüberlegung
entwickelt, ob der Schaden bei einer hypothetischen Nacherfüllung zum
letztmöglichen Zeitpunkt entfallen würde
– Ist dies der Fall, handelt es sich um Schadensersatz statt der Leistung
– Ist dies nicht der Fall, ist Schadensersatz neben der Leistung gegeben
– Die Abgrenzung ist entscheidend, um beurteilen zu können, ob die
zusätzlichen Voraussetzung der §§281, 283 BGB beachtet werden müssen

• Schadensersatz nach §§280 I, 433, 434, 437 Nr. 3, 440 BGB


– Kaufvertrag
– Mangel
– Kein Ausschluss der Mangelrechte
– Vertretenmüssen
– Schaden
– Rechtsfolge

• Schadensersatz nach §§280 I, III, 281, 433, 434, 437 Nr. 3, 440BGB
– Kaufvertrag
– Mangel
– Fristsetzung
– Kein Ausschluss der Mangelrechte
– Vertretenmüssen
– Schaden
– Rechtsfolge

• Schadensersatz nach §§280 I, III, 283, 433, 434, 437 Nr. 3, 440 BGB
– Kaufvertrag
– Mangel
– Nachträgliche Unmöglichkeit der Mangelbeseitigung
– Kein Ausschluss der Mangelrechte
– Vertretenmüssen
– Schaden
– Rechtsfolge

•Schadensersatz nach §§311a II 1, 433, 434, 437 Nr. 3, 440 BGB


– Kaufvertrag
– Mangel
– Anfängliche Unmöglichkeit der Mangelbeseitigung
– Kein Ausschluss der Mangelrechte
– Kenntnis oder Kennenmüssen der Unmöglichkeit
– Schaden
– Rechtsfolge

• Die Mängelrechte sind ausgeschlossen, wenn der Käufer den Mangel bei
Vertragsschluss kennt (§442 BGB)
• Ebenso sind die Rechte ausgeschlossen, wenn der Käufer den Mangel grob
fahrlässig verkennt und der Verkäufer den Mangel nicht arglistig verschwiegen oder
eine Garantie
übernommen hat

–Verbrauchsgüterkauf (§§474 ff. BGB)


• Bezieht sich nur auf den Kauf durch einen Verbraucher (§13 BGB)von einem
Unternehmer (§14 BGB) über eine bewegliche Sache
• Zum Gefahrübergang nach §447 BGB kommt es nur, wenn die Übergabe an eine
Person erfolgt, die der Verbraucher allein ausgewählt hat (§475 II BGB)
• Sind die Kosten des Ein‐und Ausbaus unverhältnismäßig hoch, kann der Verkäufer
seine Leistung auf einen angemessenen Betrag beschränken (§475 IV 2, 3 BGB)

• Die Mängelregelungen (§§433‐435, 437, 439‐443) dürfen nicht im Vorfeld


abbedungen werden (§476 I BGB)
• Der Verbraucher darf auf seine Mängelrechte erst verzichten, wenn ihm der Mangel
bekannt ist
• Nicht unerhebliche Probleme wirft die Mängelvermutung des §477 BGB auf
• Danach wird vermutet, dass ein Mangel, der sich innerhalb von sechs Monaten
zeigt, bereits bei Vertragsschluss vorhanden war
• Daher wird heute bei jedem Fehler innerhalb der ersten sechs Monate vermutet,
dass ein Mangel bei Gefahrübergang vorlag
• Etwas anderes gilt nur, wenn die Vermutung mit der Art des Mangels oder der
Sache unvereinbar ist

• Werkvertrag:
– Ist in den §§631 ff. BGB geregelt
– Der Werkunternehmer verspricht die Herstellung eines bestimmten Erfolgs
– Dieser kann körperlich (z. B. Reparatur eines Autos oder Erstellung eines
Gutachtens) oder unkörperlich (z. B. Auftritt eines Künstlers) sein
– Der Werkvertrag kann jederzeit gekündigt werden (§648 BGB), der Besteller
muss dann allerdings dennoch den Lohn abzüglich der ersparten
Aufwendungen des Unternehmers bezahlen
– Ansonsten kommt nur eine Kündigung aus wichtigem Grund (§648a BGB) in
Betracht
– Kein Werkvertrag, sondern ein sog. Werklieferungsvertrag liegt nach §650 BGB
vor, wenn die Herstellung einer neuen beweglichen Sachen geschuldet ist
– Im Grundsatz ist dann Kaufrecht anzuwenden
– Dies ist bspw. bei der Herstellung von Neuwagen, der Zubereitung von Essen oder
einer sonstigen Maßanfertigung der Fall

• Nacherfüllung, §§634 Nr. 1, 635 BGB


– Werkvertrag
– Mangel
– Bei Abnahme
– Kein Ausschluss der Mängelrechte
– Rechtsfolge:
• Nacherfüllung kann in der Beseitigung des Mangels (Nachbesserung) oder in der
Neuherstellung des Werks bestehen
• Wahlrecht das Unternehmers
• Möglichkeit zur Verweigerung nach §635 III BGB

• Recht zum Rücktritt


– §634 Nr. 3 BGB verweist auf die allgemeinen Rücktrittsregeln
– Daher ist für den Rücktritt erforderlich:
• Gegenseitiger Vertrag in Form des Werkvertrags
• Pflichtverletzung durch Mangelhaftigkeit des Werks bei Abnahme
• Fristsetzung
• Kein Ausschluss der Mangelrechte
• Kein Ausschluss des Rücktrittsrechts, §323 VI BGB
• Keine Unerheblichkeit, §323 V 2 BGB
• Der Rücktritt darf nicht gem. §218 BGB ausgeschlossen sein
– Rechtsfolge
• Rücktrittsrecht
• Erforderlich ist die Ausübung, §349 BGB
• Folge ist eine Rückabwicklung nach §§346 ff. BGB

• Schadensersatz nach §§280 I, 631, 633, 634 Nr. 4, 636 BGB


– Werkvertrag
– Mangel bei Abnahme
– Kein Ausschluss der Mangelrechte
– Vertretenmüssen
– Schaden
– Rechtsfolge
• Ersatz des Schadens nach §249 I BGB
• Regelmäßig Ersatz in Geld

• Schadensersatz nach §§280 I, III, 281, 631, 633, 634 Nr. 4, 636 BGB
– Werkvertrag
– Mangel bei Abnahme
– Fristsetzung
– Kein Ausschluss der Mangelrechte
– Vertretenmüssen
– Schaden
– Rechtsfolge

• Schadensersatz nach §§280 I, III, 283, 631, 633, 634 Nr. 4, 636 BGB
– Werkvertrag
– Mangel bei Abnahme
– Nachträgliche Unmöglichkeit der Mangelbeseitigung
– Kein Ausschluss der Mangelrechte
– Vertretenmüssen
– Schaden
– Rechtsfolge

• Schadensersatz nach §§311a II 1, 631, 633, 634 Nr. 4, 636 BGB


– Werkvertrag
– Mangel bei Abnahme
– Anfängliche Unmöglichkeit der Mangelbeseitigung
– Kein Ausschluss der Mangelrechte
– Kenntnis oder Kennen müssen der Unmöglichkeit
– Schaden
– Rechtsfolge

– Die Verjährung der Mängelrechte richtet sich nach §634a BGB


– Ein Haftungsausschluss ist nach §639 BGB unwirksam, wenn der
Werkunternehmer über den Mangel arglistig getäuscht oder eine Garantie
übernommen hat

– Ein zentraler Begriff des Werkrechts ist die Abnahme (§640 BGB)
– Nach §640 I 1 BGB ist der Besteller grundsätzlich zur Abnahme verpflichtet, soweit
das Werk vertragsgemäß hergestellt wurde
– Die Abnahme führt gem. §641 I 1 BGB zur Fälligkeit der Vergütung
– Nur soweit der Fehler schon bei Abnahme vorlag, sind die §§633 ff. BGB
anwendbar
– Der Abnahme steht es gem. §640 II BGB gleich, wenn der Unternehmer das
Werkfertigstellt und dem Besteller eine Frist setzt, soweit der Besteller nicht dann die
Abnahme unter Angabe von Gründen verweigert
– Soweit Mängel bestehen, kann gem. §641 III BGB ein Teil der Vergütung
zurückgehalten werden

• Bauvertrag, §§650a ff. BGB


– Die §§650a ff. BGB treten neben die allgemeinen Regeln zum Werkrecht
– Es handelt sich demnach nur um zusätzliche Vorschriften
– Der Bauvertrag ist nur anwendbar auf:
• Bauwerke
• Außenanlagen
• oder Teile von Bauwerken oder Außenanlagen
– Der Bauvertrag setzt zudem voraus:
• Herstellung
• Wiederherstellung
• Beseitigung oder
• Umbau
– Überdies kann nach §650a II BGB sogar die Instandhaltung unter bestimmten
Umständen hierzu zählen

Sonderregelungen des Handelsrechts:

– Das vierte Buch (§§343 ff. HGB) enthält zahlreiche Sonderregeln für
Handelsgeschäfte
– Diese sind kasuistisch und regeln lediglich spezifische Abweichungen vom BGB
– Ein vollständige Kodifikation ist nicht beabsichtigt
– Daher ist das BGB grundsätzlich auf alle Handelsgeschäfte anzuwenden
– Es wird nur punktuell modifiziert, soweit die §§343 ff. HGB Sondervorgaben
enthalten

Des Weiteren hat sich außerhalb des Gesetzes die Figur des „Kaufmännisches
Bestätigungsschreibens“ etabliert
• Dieses ist ein zu Gewohnheitsrecht verfestigter Handelsbrauch
• Dient dazu, bereits geschlossene Verträge noch einmal zu bestätigen
• Hat allerdings aus Beweisgründen konstitutive Wirkung
• Der Inhalt des Bestätigungsschreibens ist auch dann verbindlich, wenn er von dem
tatsächlich Vereinbarten abweicht
• Voraussetzungen:
– Vorherige Vertragsverhandlungen
– Abschluss der Verhandlungen
– Beiderseitiges Handelsgeschäft
– Zugang des Bestätigungsschreibens
– Kein unverzüglicher Widerspruch
– Guter Glaube des Absendenden
– Keine fundamentale Abweichung vom Vereinbarten

Sonderregeln für den Handelskauf, §§373‐381 HGB


• Zentral ist zunächst die in §377 HGB verortete Rügeobliegenheit
– Nach §377 I HGB muss der Käufer die Sache unverzüglich untersuchen und
dabei auffallende Fehler rügen
– Verstreicht die angemessene Frist ohne Rüge, gilt die Sache alsgenehmigt
– Daher stehen dann dem Käufer keine Mangelrechte mehr zu
– Entscheidend ist, ob bei einer Untersuchung der Mangel erkennbar gewesen
wäre (§377 II HGB)
– Zeigt sich später ein bislang versteckter Mangel, muss dieser nach §377 III
HGB ebenfalls unverzüglich gerügt werden, weil ansonsten auch dieser als
genehmigt gilt
– Es kommt aber nach §377 IV HGB nur auf die rechtzeitige Absendung, nicht
auf den Zugang an
– Wird der Mangel arglistig verschwiegen, greift §377 HGB gem. §377 V HGB
nicht
• Der Käufer muss, soweit er die Ware beanstandet diese zudem aufbewahren, §379
HGB
• Sonderregeln gelten zudem für den Annahmeverzug
– Sobald der Käufer in Annahmeverzug gerät, ist der Verkäufer berechtigt, die
Ware in einem öffentlichen Lager oder sonst sicher zu hinterlegen, §373 I
HGB
– Zudem kann die Ware auch nach Androhung öffentlich versteigert werden
(§373 II HGB), wobei Käufer und Verkäufer selbst bieten dürfen (§373 IV
HGB)
– Im Übrigen bleiben aber sämtliche Vorschriften des BGB zur Sanktionierung
eines Annahmeverzugs (§§293 ff. BGB) daneben anwendbar (§374 HGB)
• Zudem existiert in §375 HGB der Bestimmungskauf
– Ist eine Sonderform des Kaufs
– Steht inhaltlich der Wahlschuld nahe
– Allerdings von vornherein nur eine Sache geschuldet
– Diese darf aber durch den Käufer näher bestimmt werden

Gesellschaftsrecht:

Einführung:

• Deutscher Gesellschaftsbegriff:
• Mehrere Personen
• Gemeinsamer Zweck
• Willensübereinstimmung
• Jeder leistet einen Beitrag

• Verfassungsrechtliche Grundlage:
 Vereinigungsfreiheit, Art. 9 Abs. 1 GG
 Individuelles Recht, Vereine und Gesellschaften zu gründen
 Vereinigung wird über Art. 19 Abs. 3 GG geschützt
 Gesetzgeber muss geeignete Rechtsformen bereitstellen (Typenzwang und
Typenfixierung)
 Gesellschaftsrechtliche Regelungen zumeist als Inhalts-und
Schrankenbestimmungen zulässig

Personengesellschaften:
Persönliche Verbindung der Gesellschafter
- Mitgliederwechsel nur eingeschränkt möglich
- Gesellschafterwechsel als Änderung des Gesellschaftsvertrags
- Tod eines Gesellschafters führt zur Auflösung
- Rechtliche Verselbstständigung der Gesellschaft
- Gesamthandsvermögen der Gesellschafter
- Selbstorganschaft
- Persönliche Haftung der Gesellschafter

Kapitalgesellschaften:
- Kapitalbeteiligung
- I.d.R. leicht handelbare Gesellschaftsanteile
- Selbstständige juristische Person des Privatrechts
- Separates Vermögen der Gesellschaft
- Fremdorganschaft
- i.dR. auf das Gesellschaftskapital beschränkte Haftung

Innenverhältnis:
- Rechtsverhältnisse der Gesellschafter untereinander
- Gesellschaftsvertrag
- Geschäftsführung
- Gestaltung weitgehend dispositiv

Außenverhältnis:
- Rechtsverhältnisse der Gesellschafter/der Gesellschaft zu Dritten
- Vertragsverhältnisse mit Außenstehenden
- Vertretung
- Außerhalb der Vertragsgestaltung weitgehend zwingende Vorgaben

Gesellschaft:
- Gesellschaft ist jeder vertragliche Zusammenschluss von zwei oder mehr Personen
zur Förderung eines vereinbarten gemeinsamen Zwecks, vgl. §705 BGB.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR):

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts gehört zu der Gruppe der


Personengesellschaften und wird in der Umgangssprache mit GbR abgekürzt. Im
Gegensatz zur GmbH kann eine GbR ohne aufwändige Formalität von mehreren
Personen gegründet werden, die ein gemeinsames Ziel verfolgen und einen
bestimmten Zweck mit der Gesellschaft erfüllen wollen. Generell darf bei einer
Gesellschaft bürgerlichen Rechts kein Zweck erfüllt werden, der sich ausschließlich
im Handelsgewerbe bewegt. Das bedeutet, dass der Zweck der GbR nicht
kaufmännischer Natur sein darf. Sollte dies irgendwann doch der Fall sein, wird die
GbR automatisch in eine Offenen Handelsgesellschaft (OHG) umgewandelt. So
können beispielsweise auch Fahrgemeinschaften als Gesellschaften bürgerlichen
Rechts organisiert sein. Dennoch wird von juristischer Seite, obwohl nicht zwingend
notwendig, in den meisten Fällen ein Gesellschaftervertrag empfohlen. Wird dieser
aufgesetzt, muss er notariell beurkundet werden.

Die Haftung der GbR

Die GbR unterliegt dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), was dazu führt, dass die
GbR teilweise auch als BGB-Gesellschaft betitelt wird. Um eine GbR zu gründen,
bedarf es mindestens zwei Personen, wobei die Gesellschafter natürlicher oder auch
juristischer Natur sein können. Generell muss die Gründung einer Gesellschaft
bürgerlichen Rechts nicht öffentlich bekannt gegeben werden. Jeder, der sich an
einer GbR beteiligen will, sollte sich jedoch vorher die Gesamtsituation genauestens
ansehen, denn die Haftung bei einer GbR erstreckt sich weiter, als bei einer GmbH:
Jeder Gesellschafter einer GbR haftet für etwaige Verbindlichkeiten nämlich
persönlich und unbeschränkt. Das bedeutet, dass für Verbindlichkeiten sowohl das
Gesellschaftsvermögen als auch das Privatvermögen der Gesellschafter eingesetzt
wird. Die Haftung kann allerdings auch durch einen Vertrag im Vorhinein anderweitig
geregelt werden. Ohne weitere vertragliche Bestimmungen haften die Gesellschafter
jedoch gemeinsam.
Ein Eintrag in das Handelsregister ist aufgrund der persönlichen Haftbarkeit der
Gesellschafter nicht möglich. Die Eintragung als GbR ist somit auch nicht unbedingt
geeignet für Unternehmen mit hohem Risiko.

OHG:

Die Offene Handelsgesellschaft kann zu der Gruppe der Personengesellschaften


gezählt werden, wobei der Fokus jedoch ganz klar auf den Eigenschaften einer
Gesellschaft liegt. Die OHG stellt keine juristische Person dar, besitzt allerdings eine
gewisse Rechtsfähigkeit. So kann die OHG zum Beispiel Verbindlichkeiten eingehen
oder vor Gericht verklagt werden. Doch wie sieht es in Hinblick auf die Haftung aus?
Im Rahmen der Offenen Handelsgesellschaft haften die Gesellschafter den
Gläubigern der OGH gegenüber nicht nur mit dem eingelegten
Gesellschaftsvermögen, sondern darüber hinaus auch mit ihrem Privatvermögen
unbeschränkt und persönlich. Dies geht natürlich einher mit einem erhöhten Risiko
für die Gesellschafter, sodass diese Rechtsform inzwischen immer mehr von
haftungsbeschränkten Rechtsformen abgelöst wird.

Die Gründung einer OHG

Um eine Offene Handelsgesellschaft zu gründen, bedarf es mindestens zwei


Gesellschaftern, wobei dies natürliche Personen oder aber auch juristische Personen
sein können, wie beispielsweise Kommanditgesellschaften, eine Gesellschaft
bürgerlichen Rechts oder auch eine andere OHG. Handelt es sich bei den
Gesellschaftern um natürliche Personen, müssen es, bis auf wenige Ausnahmen,
Kaufmänner sein.

Die Gründung einer OHG erfolgt durch einen Gesellschaftervertrag, wobei die
Handelsgesellschaft dann bei dem jeweiligen Amtsgericht registriert und in das
Handelsregister eingetragen wird. Dabei müssen die vollständigen Namen und
Wohnorte der Gesellschafter, der Firmenname und der Sitz sowie die individuelle
Vertretungsmacht der einzelnen Gesellschafter angegeben werden.

Auflösung einer OHG

Die Auflösung einer OHG kann stattfinden, wenn der Gesellschaftsvertrag


abgelaufen ist, ein Beschluss der Gesellschafter darüber erfolgt, ein
Insolvenzverfahren über das Vermögen der Gesellschaft eröffnet wird oder ein
Gerichtsentscheid vorliegt. Ein Gesellschafter scheidet dann aus der OHG aus, wenn
er stirbt, sein Vermögen einem Insolvenzverfahren unterzogen wird, ihm gekündigt
wird, die Gesellschafterversammlung dies beschließt, durch die Kündigung durch
einen Privatgläubiger des Gesellschafters oder wenn ein im Gesellschaftsvertrag
vereinbarter Ausscheidungsgrund greift.

Kommanditgesellschaft (KG):

KG ist die Kurzform für Kommanditgesellschaft, welche zur Gruppe der


Personengesellschaften gehört und eine Sonderform der Offenen
Handelsgesellschaft (OHG) darstellt. Für eine KG gelten so grundsätzlich die
gleichen Gesetze wie für eine OHG. Der Unterschied zwischen diesen beiden
Rechtsformen besteht allerdings darin, dass es unterschiedliche Verhältnisse unter
den Gesellschaftern bezüglich ihrer Haftung gibt.

Eine Kommanditgesellschaft benötigt für ihre Gründung zwei Arten an


Gesellschaftern. Die Bezeichnung Kommanditgesellschaft ist eng verbunden mit dem
Wort "Kommanditist", was auch schon die erste Gesellschafterform einer
Kommanditgesellschaft beschreibt. Die Kommanditisten beteiligen sich an einer
Kommanditgesellschaft, indem sie mit ihrem Vermögen eine Einlage leisten. Die
Kommanditisten haften gegenüber Gläubigern dann auch nur bis zu der Höhe ihrer
Einlage und nicht mit ihrem Privatvermögen. Deshalb bedarf es bei der Gründung
einer KG auch mindestens einem sogenannten Komplementär. Dieser Gesellschafter
einer Kommanditgesellschaft haftet uneingeschränkt gegenüber den Gläubigern,
also notfalls auch mit seinem Privatvermögen.

Die Rechte innerhalb einer Kapitalgesellschaft

Da die Komplementäre somit ein weitaus höheres Risiko bei einer Gründung einer
KG eingehen, haben sie auch das alleinige Recht, das Unternehmen zu führen. Dies
bedeutet, dass sie intern das Sagen haben und die Kommanditgesellschaft auch
nach außen hin vertreten. Der Kommanditist hat keinerlei Pflicht zur Mitarbeit und
haftet auch nur maximal mit seiner getätigten Einlage. Allerdings ist er dadurch auch
von der Entscheidungs- und Kontrollebene des Unternehmens ausgeschlossen.
Generell können Kommanditisten aber auch zu Handlungsbevollmächtigten oder
Prokuristen ernannt werden.

Eine Kommanditgesellschaft kann ihr Eigenkapital durch die Aufnahme weiterer


Kommanditisten erhöhen, da durch diese Entscheidung auch mehr der sogenannten
Kommanditisteneinlagen in das Unternehmen kommen. Generell können nicht nur
Privatpersonen als Kommanditisten dienen, sondern zum Beispiel auch juristische
Personen.

GmbH:

Erstmalig im Jahr 1892 in Deutschland gesetzlich legitimiert, ist die Gesellschaft mit
beschränkter Haftung eine der geläufigsten Rechtsformen für die
Unternehmensgründung. Juristisch unterliegt sie neben dem Handelsgesetzbuch
(HGB) vielen weiteren Rechtsprechungen, die jeweils Teilbereiche einer GmbH
berühren. Hierzu zählen unter anderem das Umwandlungsgesetz und die
Insolvenzordnung. Die GmbH ist eine der beliebtesten Rechtsformen in Deutschland
und stellt eine eigene Rechtspersönlichkeit dar. Darüber hinaus wird diese
Rechtsform als juristische Person behandelt.

Zur Gründung einer GmbH ist mindestens eine natürliche Person notwendig. Als
Gesellschafter können neben weiteren natürlichen Personen, auch juristische
Personen sowie rechtsfähige Gesellschaften in den zur Gründung notwendigen
Gesellschaftervertrag Eingang finden. Hierunter würde beispielsweise die
Rechtsformen der OHG, der KG oder der GbR zählen. Der Gesellschaftervertrag ist
ein zentrales Element, will man eine GmbH gründen, denn die Gründung ist erst mit
der Eintragung in das Handelsregister rechtsgültig. Diese muss von einem Notar
bestätigt werden. Solange sich die Gesellschaft noch zwischen den Instanzen
bewegt, kann sie bereits unter GmbH i.G. firmieren, was so viel bedeutet wie „in
Gründung“.

Wer haftet bei einer GmbH gegenüber den Gläubigern?

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung haftet mit dem, vor der Gründung
hinterlegten Stammkapital. In Deutschland ist die unterste Grenze für eine solche
Einlage 25.000 Euro, wovon mindestens 12.500 Euro eingebracht werden müssen.
Das bedeutet, dass alle Forderungen und Verbindlichkeiten der GmbH nur auf die
Gesellschaft bezogen werden und die beteiligten Gesellschafter nicht persönlich mit
ihrem Privatvermögen haften. Was allerdings auf jeden Fall vorhanden sein muss, ist
die Organisation in zwei Organen. Zum einen muss ein Geschäftsführer und auf der
anderen Seite die Gesellschafterversammlung. Umfasst eine GmbH jedoch mehr als
500 Arbeiternehmen bedarf es darüber hinaus noch eines Aufsichtsrates.

Mit der im Volksmund als "Mini-GmbH" oder "UG (haftungsbeschränkt)"


bezeichneten Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) hat die GmbH zuletzt
auch noch eine abgespeckte Variante an die Seite gestellt bekommen. Um die
Gründung einer GmbH in Deutschland zu erleichtern, hat der deutsche Gesetzgeber
die, an die englische Limited (Ltd.) angelehnte Unternehmergesellschaft
(haftungsbeschränkt) ins Leben gerufen. Bei dieser Rechtsform reicht bereits ein
Stammkapital von einem Euro aus, um zu gründen.

GmbH & Co. KG:

Die Abkürzung GmbH & Co. KG steht für eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung
& Compagnie Kommanditgesellschaft, was in Deutschland eine Sonderform der
Kommanditgesellschaft (KG) darstellt. Die GmbH & Co. KG ist also eine
Personengesellschaft, bei der allerdings im Unterschied zur üblichen
Kommanditgesellschaft der persönlich haftende Gesellschafter keine natürliche
Person, sondern eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist.

GmbH & Co. KG und Haftung

Mit dieser gesellschaftsrechtlichen Konstruktion lassen sich die Haftungsrisiken für


die hinter der Gesellschaft stehenden Personen ausschließen oder zumindest stark
begrenzen. Bei dieser Sonderform der Kommanditgesellschaft ist die entsprechende
GmbH der persönlich haftende Gesellschafter, den man daher auch als
Komplementär-GmbH bezeichnet. Die anderen Rechtspersonen, also meist die
Gesellschafter der GmbH, werden als Kommanditisten bezeichnet.

Die Geschäftsführung wird normalerweise von der beteiligten GmbH übernommen,


wodurch sie dann auch die damit einhergehenden Befugnisse besitzt. Üblicherweise
ist der Kommanditist von der Geschäftsführung ausgeschlossen, da diese alleinig bei
der GmbH liegt. Was dem Kommanditisten allerdings zusteht, ist das Recht auf
Einspruch, wenn sogenannte außergewöhnliche Geschäfte stattfinden. Diese
Regelung innerhalb einer GmbH & Co. KG führt dazu, dass der Geschäftsführer der
Komplementär-GmbH auch der Geschäftsführer der GmbH & Co. KG ist.
Die Vorteile, die ein Unternehmen daraus zieht, wenn es die Rechtsform der GmbH
& Co. KG wählt sind unter anderem, dass einerseits die GmbH die Rolle des
persönlich haftenden Gesellschafters übernimmt, aber auch, dass das Unternehmen
mithilfe der Kommanditeinlagen über flexiblere Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung
verfügt. Auf der anderen Seite jedoch entsteht durch die Wahl einer GmbH & Co. KG
ein ziemlich großer Buchführungsaufwand, denn sowohl die GmbH als auch die KG
müssen Buch führen und Abschlüsse erstellen. Darüber hinaus ist natürlich auch die
Kreditwürdigkeit im Vergleich eingeschränkt, da durch die begrenzte Haftung der
GmbH & Co. KG der Bank gegenüber auch nur eine begrenzte Sicherheit gegeben
werden kann.

AG:

Die Bezeichnung AG ist die Kurzform für die Rechtsform der Aktiengesellschaft. So
handelt es sich bei der AG, wie auch bei einer GmbH um eine Kapitalgesellschaft.
Größere Unternehmen nutzen in der Regel die Rechtsform der AG, da bereits für die
Gründung ein Grundkapital von mindestens 50.000 Euro benötigt wird. Das
Entscheidende an dem Grundkapital einer AG ist, dass dieses in einzelne Aktien
zerlegt werden. Durch diese Zersplitterung wird eine Beteiligung an dieser
Unternehmensform bereits mit kleinen Beiträgen ermöglicht. Die Personen, welche
sich Aktien kaufen, werden als Aktionäre bezeichnet und sind durch den Kauf einer
Aktie am Grundkapital der AG beteiligt. So kann das finanzielle Risiko bei einer
Aktienvergabe verringert werden und zur gleichen Zeit die Möglichkeit, mittels Aktien
in hohem Umfang Eigenkapital erworben werden. Auch bei dem Fall, dass die
Aktiengesellschaft einmal zahlungsunfähig ist, würden die Gläubiger trotzdem nur
durch das Gesellschaftsvermögen haften. Aufgrund von offenen Verbindlichkeiten
findet eine Beschränkung auf das Gesellschafts-Kapital und das Privatvermögen der
Gesellschafter und somit bleibt das Vermögen unangerührt.

Die Organe der AG

Die Aufgabenverteilung innerhalb der AG ist klar definiert. Eine Aktiengesellschaft


setzt sich aus drei grundlegenden Organen zusammen: Die Hauptversammlung, der
Vorstand und der Aufsichtsrat. Die AG wird von dem Vorstand eigenverantwortlich
geleitet, welcher wiederum aus einer oder mehreren Personen bestehen kann. Der
Vorstand wird von dem zweiten Organ, dem Aufsichtsrat, bestellt und überwacht. Der
Aufsichtsrat prüft so beispielsweise den Jahresabschluss der AG. Die
Hauptversammlung ist das beschließende Organ einer AG und setzt sich aus allen
Aktionären einer Aktiengesellschaft zusammen. Hier werden, je nach Aktienanteil,
Stimmrechte für Beschlüsse und Satzungsänderungen vergeben.

Das Handeln mit den Aktien an der Börse ist übrigens nicht zwingend und wird meist
nur von großen AGs unternommen.

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