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(Schule) (Wohnort)

Facharbeit in
Mathematik

Spiralen

vorgelegt von
Maximilian Löber

20xx
(Schule) (Wohnort)
Facharbeit im Leistungskurs Mathematik
Jahrgangsstufe 12. Schuljahr 20xx/20xx

Fachlehrer: StR Schuldt


Fach: Mathematik (Leistungskurs)
Themenstellung: 14.02.20xx
Abgabe: 28.03.20xx

Thema der Facharbeit:

Spiralen
Von Galaxien über Frischhaltefolie bis zu Schneckenhäusern. Spiralen existieren in Natur und
Technik. Beschreiben und vergleichen Sie insbesondere archimedische und logarithmische
Spirale.
Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITENDES ......................................................................................................................................... 1
1.1 ÜBERBLICK ........................................................................................................................................... 1
1.2 HISTORISCHES ...................................................................................................................................... 1
1.3 EINFÜHRUNG IN POLARKOORDINATEN ................................................................................................. 2
1.4 VERSCHIEDENE SPIRALTYPEN .............................................................................................................. 3

2 DIE ARCHIMEDISCHE SPIRALE.......................................................................................................... 5


2.1 DEFINITION ........................................................................................................................................... 5
2.2 TANGENTENWINKEL ............................................................................................................................. 6
2.3 FLÄCHE................................................................................................................................................. 6
2.4 BOGENLÄNGE ...................................................................................................................................... 8
2.5 WEITERE EIGENSCHAFTEN ................................................................................................................... 9

3 DIE LOGARITHMISCHE SPIRALE..................................................................................................... 10


3.1 DEFINITION ......................................................................................................................................... 10
3.2 KONSTANZ DES TANGENTENWINKELS ................................................................................................ 11
3.3 BOGENLÄNGE ..................................................................................................................................... 12
3.4 FLÄCHE .............................................................................................................................................. 13

4 VERGLEICH BEIDER SPIRALEN ....................................................................................................... 14


5 NACHWORT............................................................................................................................................. 15
6 ANHANG ......................................................................................................................................................I
7 QUELLENNACHWEIS ............................................................................................................................ II
7.1 LITERATURVERZEICHNIS ...................................................................................................................... II
7.2 BILDNACHWEIS .................................................................................................................................... II
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 1 – Einleitendes

1 Einleitendes

1.1 Überblick

Das Phänomen der Spirale scheint in den Naturwissenschaften ein Schattendasein zu führen
und wird bestenfalls im Praxisbezug untersucht. Tatsächlich jedoch finden sich Spiralen ver-
schiedener Art in vielen Bereichen der Natur, in der Technik und in der Kunst. Beispiele sind
• auf biologischem Gebiet: Schneckenhäuser, die Anordnung von Pflanzenblättern oder
auch nur der Wirbel im Haar des Menschen,
• in der Technik: Spiralfedern, die Datenspur einer CD oder so genannte Spiralturbinen,
• in der Kunst: die Spirale als Symbol von mystischer Dimension in nahezu allen Kultu-
ren oder als beliebter Ausdruck von Verwirrung in Comics,
um nur einige zu nennen. Selbst in den Sprachgebrauch hat es der Begriff der Spirale ge-
schafft: Wir sprechen von der Spirale der Gewalt, Wirtschaftstheoretiker benutzen den Aus-
druck Lohn-Preisspirale.
Die mathematische Auseinandersetzung mit dem Phänomen ist also lohnenswert, um einer-
seits praktische Anwendungen bewältigen zu können, aber auch, weil es sich um ein recht
unkonventionelles Thema der Mathematik handelt, das den ein oder anderen verblüffenden
Zusammenhang offenbart. In der Tat lassen sich mit dem Wissen um die Eigenschaften ver-
schiedener Spiralarten Probleme angehen, die auf den ersten Blick mit jenen überhaupt nichts
zu tun haben.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen zwei besonders bedeutungsvolle Spiraltypen: die archi-
medische und die logarithmische Spirale, die nach eingehender Untersuchung miteinander
verglichen werden. Vorerst werden jedoch der geschichtliche Hintergrund geklärt und die
Voraussetzung für eine mathematische Diskussion von Spiralen geschaffen. Dabei liegt die
Beschränkung auf grundlegenden Elementen des polaren Koordinatensystems. Die Erschlie-
ßung der Eigenschaften beider Spiralarten soll weniger mit den bewiesenen Formeln aus der
Analysis erfolgen, sondern eher auf elementarer Ebene mit allgemeineren Methoden ablaufen.

1.2 Historisches

Im Folgenden soll der Blick auf die Beschäftigung mit Spiralen in der Mathematikgeschichte
gerichtet werden.

Diese lässt sich zurückverfolgen bis zu Archimedes, der im 3. Jh. v. Chr. die Abhandlung
„Über Spiralen“ veröffentlichte. Darin definierte er die Spirale, die heute nach ihm benannt
ist. Des Weiteren fasste er sie als eine arithmetische Reihe auf und machte Angaben zur Kon-
struierbarkeit. Obwohl es bis zu den ersten Begriffen zur Differentialrechnung noch lange hin
war, bestimmte Archimedes schon zu seiner Zeit die Tangentenlage seiner Spirale. Selbst die
eingeschlossene Fläche der ersten Spiralwindung bestimmte er mithilfe einzelner Sektoren.
Damit griff er auch wesentliche Elemente aus der Integralrechnung voraus. Allein zur Rekti-
fikation, d.h. zur Bestimmung der Bogenlänge des Spiralastes, schrieb er nichts. Natürlich
waren Spiralen nur ein Gebiet unter vielen, mit denen sich Archimedes befasste, man nenne
nur die von ihm erfundenen Hebelgesetze und die Überlegungen zur Kreiszahl π – dennoch
prägte er entscheidend die Untersuchungen späteren Mathematiker zu diesem Thema. Vom
16. bis zum 18. Jahrhundert kamen schließlich neue Erkenntnisse und Methoden in Zusam-
menhang mit Kurven, Koordinaten und Variablen auf. So gelang Isaac Barrow 1670 die Rek-

1
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 1 – Einleitendes

tifikation der archimedischen Spirale dank eines schon zuvor vorgenommenen Vergleichs mit
einer Parabel.1

Die logarithmische Spirale wurde zuerst in einer Zeichnung Albrecht Dürers (1471-1528)
gesichtet. Obgleich er ihre Eigenschaft kannte, sich dem Ursprung asymptotisch zu nähern,
wusste er diese nicht zu definieren. Dies geschah erst durch René Descartes (1596-1650) und
zwar über Proportionalität von Radius und Bogenlänge. Er war es auch, der die Konstanz des
Tangentenwinkels feststellte. Fast zeitgleich gelang es Torricelli, die logarithmische Spirale
über eine Gleichung in Polarkoordinaten zu definieren. Zudem bestimmte er sowohl ihre Bo-
genlänge als auch die von ihr umschlossene Fläche.2

1.3 Einführung in Polarkoordinaten

Anhand der allgemeinen Definition von Spiralen, die Proportionalität von Winkel und Radius,
wird deutlich, dass sich für ihre mathematische Beschreibung die kartesischen Koordinaten,
wie sie aus dem Schulunterricht bekannt sind, wenig eignen. Zudem kann man nicht von einer
Funktion sprechen, da keine eindeutige Zuordnung gegeben ist. Es würden in einem kartesi-
schen System bei einer Spirale sogar jedem x-Wert unendlich viele y-Werte zugeordnet, da
sich die Spirale bis ins unendliche fortsetzt. Folglich scheiden nahezu alle in der Oberstufe
bekannten Mittel zur Kurvendiskussion aus.
Durch die Einführung eines neuen Koordinatensystems jedoch lässt sich die Spiralkurve mit
einer Gleichung beschreiben und es ergeben sich neue Mittel, um die Kurve auf verschiedene
Kriterien wie Bogenlänge oder Flächeninhalt zu untersuchen.
In diesem System mit so genannten Polar-
koordinaten kann jeder Punkt mit dem
Winkel zur Polarachse und mit einem Ra-
dius, also der Entfernung zum Ursprung,
beschrieben werden.
In Abb. 1.3.1 besitzt der Punkt P den Ab-
stand r zum Ursprung O, wobei die Strecke
OP den Winkel φ mit der senkrechten Po-
larachse einschließt.
Der Winkel wird für gewöhnlich im Bo-
genmaß angegeben und nimmt in mathe-
matischer Richtung, also gegen den Urzei- Abb. 1.3.1: Polarkoordinaten
gersinn, zu.
Da sowohl φ als auch r gerichtete Größen sind, können sie negative Werte annehmen. Doch
weil Streckenlängen immer positiv sein müssen, legt man für fest:
r ∈ IR ; P1 (− r ; ϕ ) = P2 ( r ; ϕ + π ) 3
oder anders formuliert: P ′(−r ; ϕ ) ist die Punktspiegelung von P(r ; ϕ ) an O.

1
vgl. HEITZER, Spiralen. 1998, S. 36-50
2
ebd. S.52-59
3
STEINBERG, Polarkoordinaten. 1993, S. 20

2
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 1 – Einleitendes

Nun lassen sich polare und kartesische Koordinaten in-


einander umwandeln. Wie aus Abb. 1.3.2 ersichtlich,
lässt sich dies mit Hilfe der trigonometrischen Funktio-
nen realisieren:
x = r cos ϕ
y = r sin ϕ
−1
⎛ y⎞ y
ϕ = ⎜ tan ⎟ = arctan
⎝ x⎠ x
r = x2 + y2

Abb. 1.3.2: Beziehung zwischen polaren


und kartesischen Koordinaten

Durch die Periodizität des Polarwinkels4 lassen sich gleiche Punkte mit demselben Radius mit
unendlich vielen verschiedenen Winkeln beschreiben, deren Differenz jedoch ein Vielfaches
von 2π sein muss. Dennoch oder gerade aus diesem Grund können im polaren Koordinaten-
system selbst Kurven durch Funktionen beschrieben werden, die die Polarachse (und auch
Gerade, die durch den Pol geht) mehrmals schneiden. 5

1.4 Verschiedene Spiraltypen

„Eine Spirale ist eine ebene Kurve, die aus unendlich vielen Windungen um einen festen
Punkt besteht und aus höchstens zwei Ästen zusammengesetzt ist, bei denen der Abstand vom
Mittelpunkt streng monoton vom Drehwinkel abhängt“.6

Dies ist eine von mehreren in der Mathematikgeschichte aufgekommenen Definitionen. Es sei
auf Spiralgleichungen hingewiesen, die trigonometrische Funktionen enthalten, also keine
strenge Monotonie aufweisen und somit nicht unter diese Definition fallen würden.
Von der oben genannten Definition ausgehend lassen sich diverse Abhängigkeiten des Radius
vom Drehwinkel erzeugen, die Spiralgraphen unterschiedlichster Formen zur Folge haben.
Folgende Spiralen wurden allesamt mit der Ortslinienfunktion der Euklid Dynageo-Software
erzeugt. Auf die Vorgehensweise wird im Kapitel Archimedische Spirale und im Anhang
noch konkret eingegangen.
Der blass gezeichnete Spiralast umfasst den Bereich -. Mit dessen Einbeziehung geht auch
die Monotonie auf dem gesamten Definitionsbereich verloren und folglich fallen derartige
Spiralen streng genommen nicht mehr in die obige Definition. Dennoch soll der zweite Ast
Erwähnung finden, da er Charakteristika einiger Spiralen gut herausstellt. Aus demselben
Grund besitzt der konstante Vorfaktor a der abgebildeten Kurven unterschiedliche Werte. Er
ermöglicht eine „Skalierung“ der Spiralen, sodass man einen aussagekräftigen Bildausschnitt
erhält. Des Weiteren wird der Intervall [-6π; 6π] für φ verwendet, falls dies der entsprechende
Definitionsbereich zulässt.

4
infolge der Periodizität der trigonometrischen Funktionen, in denen φ enthalten ist
5
vgl. HEITZER, Spiralen. 1998, S.161
6
HEITZER, Spiralen. 1998, S.12

3
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 1 – Einleitendes

Exponent von a und r ungerade – Symmetrie Exponent von a und r gerade – Punktsym-
zur Orthogonalen der Polarachse; D = metrie zum Ursprung; D = +
Archimedische Spi- Fermatsche Spirale
rale

r = aϕ r 2 = a 2ϕ

a = 0,5 a = 1,7

r 3 = a 3ϕ r 4 = a 4ϕ

a = 2,3 a = 2,6

Exponent von φ gerade – Symmetrie zur Po- Exponent von φ ungerade – Symmetrie zur
larachse; D = Orthogonalen der Polarachse; D =
Galileische Spirale

r = aϕ 2 r = aϕ 3

a = 0,038 a = 0,003

Ungerader negativer Exponent in φ – Symmet- Gerader negativer Exponent in φ – Symmet-


rie zur Orthogonalen der Polarachse D = * rie zur Polarachse D = +
Hyperbolische Spi- Lituus
rale

r=
a a2
r2 =
ϕ ϕ

a=5 a = 8,44

Logarithmische Spirale

r = r0 e aϕ

a = 0,5

4
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 2 – Die archimedische Spirale

2 Die Archimedische Spirale

2.1 Definition

Das Programm Euklid Dynageo stellt eine gute Möglichkeit dar, sich auf anschauliche Art
und Weise dem Thema zu nähern. Dazu ist die Spirale als die Bahn jenes Punktes zu verste-
hen, der sich mit konstanter Geschwindigkeit auf einem Halbstrahl von dessen Endpunkt aus-
gehend bewegt, der zugleich mit konstanter Geschwindigkeit um ein festes Zentrum rotiert.

Es gilt:
r (t ) = v ⋅ t und ϕ (t ) = ω ⋅ t 7
Nun lässt sich t aus beiden Gleichungen per
Gleichsetzung eliminieren, so dass gilt:
r ϕ v
= ⇒r= ϕ
v ω ω
Abb. 2.1.1: kinematische Erzeugung einer archimedi- Damit ergibt sich eine direkte Abhängigkeit
schen Spirale
des Radius vom Drehwinkel und zwar eine
Proportionalität, dessen Proportionalitätsfak-
v
tor ist und in der Literatur auch als a be-
ω
zeichnet wird.

Die archimedische Spirale besteht also aus


einer Kurve, die im Ursprung beginnt und
sich unendlich fortsetzend mit wachsendem
Abstand r um jenen windet. Dies ist der Fall
für φ ∈ +. Wie sieht der Graph aber für nega-
tive Winkel aus? Es entsteht ein zweiter Spi-
ralast, der mit dem ersten eine Symmetrie an
der Orthogonalen der Polarachse aufweist.
Diesen zweiten Ast sah Archimedes zwar
+
Abb. 2.1.2: Archimedische Spirale in nicht vor, er findet aber in neueren Spiralde-
finitionen Erwähnung.

Für die archimedische Spirale gilt also:


r (ϕ ) = aϕ mit ϕ ∈ IR und a≠0

Charakteristisch für diese Spiralform ist der konstante Windungsabstand, der sich mit
d = r (2π ) = 2π a bestimmen lässt. Für wachsende a wird die Spirale also gestreckt, für klei-
ner werdende a gestaucht. Für a = 0 sind alle Radien 0, somit besteht die Spirale nur aus ei-
nem Punkt. Für negative a wird die Spirale am Ursprung punktgespiegelt, da der Radius für
positive φ negativ wird und sich somit auf der „anderen Seite“ des Ursprungs befindet.

7
Formeln zitiert nach HEITZER, Spiralen. 1998, S. 74

5
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 2 – Die archimedische Spirale

2.2 Tangentenwinkel

Aus dem vorangegangenen Kapitel geht hervor, dass die archimedische Spirale die Bahn ei-
nes Punktes ist, der eine Radial- und eine lineare Geschwindigkeit besitzt. Folglich ist seine
Geschwindigkeit die Resultierende beider Vektoren. So lässt sich die schon erwähnte Abbil-
dung (hier Abb. 2.2.1) unter einem neuen
Aspekt sehen: Die parallel zum Radius ge-
richtete Komponente ist v0, senkrecht dazu
die vom Radius abhängige Drehgeschwin-
digkeit ω0r(t).
Es gilt:
ω r (t )
tan γ = 0 = ω 0 t = ϕ ⇒ γ = arctan ϕ 8
v0
Abb. 2.2.1: Das Geschwindigkeitsparallelogramm eines
Punktes auf der archimedischen Spirale

2.3 Fläche

Ähnlich wie bei der Herleitung des Integrationsbegriffes zur Flächenberechnung unter Funk-
tionsgraphen kann auch die von der ersten Spiralumdrehung eingeschlossene Fläche mit Hilfe
von Ober- und Untersummen berechnet werden.
Im polaren Koordinatensystem dienen allerdings Kreisstücke und nicht Rechtecke zur Nähe-
rung des gesuchten Flächeninhalts.

1
AKreisstück = α ⋅ r 2
2
ϕb
Das Intervall [0; φb] sei in n gleich große Kreissegmente unterteilt. Dann ist α = und
n
r = f (ϕ ) = aϕ .

1 ϕb 2 ⎛ ϕb ⎞ 1 ϕb 2 ⎛ ϕb ⎞ 1 ϕ ⎛ ϕ ⎞
Un = ⋅ ⋅ f ⎜ 0 ⋅ ⎟ + ⋅ ⋅ f ⎜1 ⋅ ⎟ + ... + ⋅ b ⋅ f 2 ⎜ (n − 1) ⋅ b ⎟
2 n ⎝ n ⎠ 2 n ⎝ n ⎠ 2 n ⎝ n ⎠
2 2 2
1 ϕb ⎛ ϕ ⎞ 1 ϕ ⎛ ϕ ⎞ 1 ϕ ⎛ ϕ ⎞
= ⋅ ⋅ ⎜0 ⋅ a ⋅ b ⎟ + ⋅ b ⋅ ⎜1 ⋅ a ⋅ b ⎟ + ... + ⋅ b ⋅ ⎜ (n − 1) ⋅ a ⋅ b ⎟
2 n ⎝ n ⎠ 2 n ⎝ n ⎠ 2 n ⎝ n ⎠
a 2ϕ b
( )
3
0 + 1 + ... + (n − 1)
2
= 3
2n
a 2ϕ b n (n − 1)(2n − 1)
3
= ⋅
2n 3 6
Analog dazu die kann die Obersumme bestimmt werden, welche sich von der Untersumme
nur durch den Zusatz des größten Kreissegments unterscheidet.

8
in Anlehnung an HEITZER, Spiralen. 1998, S.75

6
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 2 – Die archimedische Spirale

a 2ϕ b
3

On =
2n 3
(
1 + 4 + ... + n 2 )
a 2ϕ b n(n + 1)(2n + 1)
3

= ⋅
2n 3 6

Für wachsende n, das heißt für eine zunehmende Zahl von Kreissegmenten, nähert sich die
Untersumme von unten, die Obersumme von oben der gesuchten Spiralfläche an.

a 2ϕ b ⎛ (n − 1)(2n − 1) ⎞
3

lim U n = lim⎜ ⎟
n →∞ 12 n → ∞
⎝ n2 ⎠
a 2ϕ b
3
⎛ 3⎞
= lim⎜ 2 − ⎟
12 n→∞⎝ n⎠
a 2ϕ b
3

= = lim On
6 n →∞

Nun lässt sich der Flächeninhalt einer archimedischen Spirale berechnen.


Für φa = 0 und φb = 2π (die erste Windung) beträgt dieser also:
8π 3 4 3
AersteWindung = = π
6 3
Dieses Ergebnis bestätigt Archimedes allgemeine Flächenformel, die da lautet:
„Die Fläche, die gebildet wird von der Spirale erster Umdrehung und der ersten Strecke auf
der Leitlinie, ist gleich dem dritten Teile des Inhalts des ersten Kreises.“9
Der Radius des von ihm angesprochenen Kreises wäre r = 2π . Seine Fläche
AKreis = π ⋅ (2π ) = 4π 3 = 3 ⋅ AersteWindung
2

Allgemein gilt für die Flächenberechnung im Intervall [φa; φb] mit 0 ≤ ϕ a ≤ ϕ b ≤ 2π :


A[ω = Aω − Aω
a ;ωb ] b a

a ϕb a 2ϕ a
2 3 3

= −
6 6

( )
2
a
= ϕb 3 − ϕ a 3
6

Da ab der zweiten Windung der Flächeninhalt unter der ersten Windung nochmals, und damit
doppelt, einbezogen wird, muss für Flächen mit Intervallsgrenzen größer 2π eine entspre-
chende Subtraktion von Teilflächen durchgeführt werden.

9
zitiert nach Archimedes: Werke. 1983, S.45 erwähnt in HEITZER, Spiralen. 1998, S.40

7
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 2 – Die archimedische Spirale

2.4 Bogenlänge 10

Nun kann man zu der Annahme gelangen, dass


die Bogenlänge wieder mit Unter- und Ober-
summe einzuschachteln ist. Dieses Verfahren
führt jedoch zu einem falschen Ergebnis aus dem
einfachen Grund, dass „durch die gewählte ‚Nä-
herung’ nicht mit Sicherheit eine Ober- und eine
Untersumme gebildet wurden.“11 Aus der Grafik
2.4.1 ist dies tatsächlich nicht eindeutig erkenn-
bar. Ein einfacher empirischer Versuch mit einer
auf die Spirallinie gelegten Schnur widerlegt das
Ergebnis einer Ober-/Untersummennäherung,
dass nämlich die Bogenlänge der ersten Win-
dung halb so groß ist wie der Umfang des Krei- Abb. 2.4.1: vermeintliche Einschachtelung der
12
ses mit dem größten Radius des untersuchten Bogenlänge
Spiralstückes. Sie ist tatsächlich etwas größer.
Stattdessen muss ein anderes Verfahren zum Einsatz kommen. Die Spirallinie kann durch die
Summe ihrer Sekantenstücke angenähert werden. Für wachsende Sekantenzahl ist es möglich,
die Bogenlänge beliebig genau anzunähern.
Analog zur Flächenberechnung teilt man den Winkel φ in n gleich große Teilwinkel, deren
Spiralpunkte die Sekantenschnittpunkte darstellen.

i −1
s R
i i n 2π
R
n n Abb. 2.4.2 Dreiecke durch Sekanten

In dem abgebildeten Dreieck gilt nach dem Kosinus-Satz:


2 2
⎛ i −1 ⎞ ⎛ i ⎞ ⎛ i −1 ⎞ ⎛ i ⎞ ⎛ϕ ⎞
s 2 n ,i = ⎜ R⎟ + ⎜ R⎟ − 2 ⎜ R ⎟ ⎜ R ⎟ cos ⎜ ⎟
⎝ n ⎠ ⎝n ⎠ ⎝ n ⎠⎝n ⎠ ⎝n⎠
⎛ (i − 1) i ⎞
2 2
⎛ i −1⎞ ⎛ i ⎞ ⎛ϕ ⎞
= R⎜ ⎟ +⎜ ⎟ − 2⎜ 2 ⎟ cos ⎜ ⎟
⎝ n ⎠ ⎝n⎠ ⎝ n ⎠ ⎝n⎠

Für wachsende n nähert sich die Summe der Sekanten von unten der Bogenlänge. Da sich in
diesem Fall die „hochzählende“ Variable i nicht mehr ausklammern lässt, ist die Einführung
des Summenzeichens sinnvoll. Damit ergibt sich
1
n ⎡⎛ i − 1 ⎞ 2 ⎛ i ⎞ 2 ⎛ (i − 1) i ⎞ ⎛ ϕ ⎞⎤ 2
s = lim R ∑ ⎢⎜ ⎟ +⎜ ⎟ − 2⎜ 2 ⎟ cos ⎜ ⎟⎥ . (1)
n→∞
i =1 ⎢
⎣⎝ n ⎠ ⎝ n ⎠ ⎝ n ⎠ ⎝ n ⎠⎥⎦

Im Gegensatz zur Flächenberechnung lässt sich die Bogenlänge anhand von (1) nicht elemen-
tar bestimmen. Stattdessen kann mit Hilfe eines Computers die Summe für möglichst große n
berechnet werden. Für n = 6144 zum Beispiel ergibt sich für φ = 2π also für die erste Win-

10
Dieses Kapitel ist eng angelehnt an den gleichnamigen Abschnitt in HEITZER, Spiralen. 1998 (S.88)
11
zitiert nach HEITZER, Spiralen. 1998, S. 88
12
Abb. entnommen der Url: http://www.muehe.muc.kobis.de/awgruch/Werke.htm (04.3.2006

8
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 2 – Die archimedische Spirale

dung eine Länge von 3,38314 R. Um diese Länge ins Verhältnis zum Kreisumfang mit dem-
selben Radius zu setzen rechnet man

3,383041 ⋅ R
≈ 0,5384 .
2πR

Das heißt, „die erste Windung einer archimedischen Spirale hat etwa die 0,53843-fache Boge-
länge des Kreises mit dem größten Radius.“13

Dies ist allerdings eine Näherungslösung für einen Spezialfall (Intervall [0; 2π]). Mit einer
algebraischen Lösung ließen sich auch ohne Hilfe von leistungsfähigen Rechnern Spiralbögen
ausrechnen, zudem über beliebigen Intervallen. An dieser Stelle soll ausnahmsweise direkt
auf die Formel aus der Analysis zur Bestimmung der Bogenlänge für Kurven in polaren Ko-
ordinaten zurückgegriffen werden. Deren Herleitung gestaltet sich eher allgemein und steht
nicht in direktem Zusammenhang mit der archimedischen Spirale, weswegen hier darauf nicht
explizit eingegangen werden kann.
ϕ1 2
⎛ dr ⎞
Es gilt: s[ϕ ;ϕ ] = ∫ r + ⎜⎜ ⎟⎟ dϕ (2) 14
2
1 2
ϕ0
⎝ dϕ ⎠
1 ϕ 1 ϕ

= r ′ = (aϕ ) = a erhält man aus (2): s[ϕ ;ϕ ] = ∫ a 2ϕ 2 + a 2 dϕ = a ∫ ϕ 2 + 1 dϕ
dr
Mit
dϕ 1 2
ϕ ϕ
0 0

Die Lösung dieses komplizierten Integrals lässt sich z.B. mit Derive bestimmen:

( )
ϕ
⎡ϕ 1 ⎤1
s[ϕ ;ϕ ] = a ⎢ 1 + ϕ 2 + ln ϕ + 1 + ϕ 2 ⎥
1 2
⎣2 2 ⎦ ϕ0

2.5 Weitere Eigenschaften

Die archimedische Spirale besitzt weitere besonders für den Bereich der Geometrie interes-
sante Aspekte. Mit ihr können zwei der drei klassischen Probleme der Antike gelöst werden:
Die Dreiteilung eines beliebigen gegebenen Winkels und die Quadratur des Kreises (d.h. die
Konstruktion eines flächengleichen Quadrats zu einem gegebenen Kreis). In der modernen
Mathematik spielen solche Konstruktionsprobleme eine kleinere Rolle, weswegen hier auch
nicht weiter darauf eingegangen wird.
Ein weiterer Punkt ist die Transzendenz15 der archimedischen Spirale. Diese Eigenschaft be-
sitzt sie aufgrund der transzendenten Kreiszahl π in der Funktionsgleichung und damit in der
Länge des Radius. Die Zugehörigkeit zu den transzendenten Kurven hat die archimedische
Spirale mit der logarithmischen Spirale gemein, die im folgenden Kapitel behandelt wird.

13
HEITZER, Spiralen. 1998, S. 90
14
STEINBERG, Polarkoordinaten. 1993, S.35
15
„Eine reelle Zahl (oder allgemeiner: eine komplexe Zahl) x heißt transzendent, wenn sie nicht als Lösung einer
algebraischen Gleichung beliebigen (endlichen) Grades für n ≥ 1 mit ganzzahligen oder allgemein algebraischen
Koeffizienten ak auftreten kann, wobei an ≠ 0 gelten soll. Andernfalls handelt es sich um eine algebraische Zahl.
Jede transzendente Zahl ist überdies irrational.“ (nach Wikipedia „Transzendente Zahl“ 20.3.2006)

9
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 3 – Die logarithmische Spirale

3 Die logarithmische Spirale

3.1 Definition

In Dürers Aufzeichnungen16 findet man eine Kurve, dessen Windungsabstand sich mit jeder
halben Drehung in mathematisch negativer Richtung verdoppelt, in mathematisch positiver
Richtung halbiert. Zu dieser Erkenntnis gelangt man durch ausmessen einzelner Punkte –
Als Bezug dient der Startpunkt r0 (in Dürers Abbildung als a bezeichnet):
( ) ( )
P 0(0; r 0 ), P1 π ; 12 r 0 , P 2 2π ; 14 r 0 , … für positive Winkel
und P−1 (− π ; 2r 0 ), P− 2 (− 2π ;4r 0 ) , … für negative Winkel.

Daraus ergibt sich die Funktionsgleichung


z
⎛1⎞
r ( zπ ) = ⎜ ⎟ r 0 , z∈Z (3)17
⎝2⎠
Dürer kannte aber nur jene Punkte, die ein Vielfaches von π als Winkel haben. Über die da-
zwischen liegenden Punkte machte er – auch aufgrund fehlender mathematischer Werkzeuge
– keine Aussage. Da jedoch das Verhältnis der Radien zweier mit fester Winkeldifferenz auf-
einander folgender Punkte laut Dürer immer gleich ist, lassen sich die entsprechenden Punkte
mithilfe des geometrischen Mittels berechnen, da es sich schließlich um eine geometrische
Folge handelt.
( )= r (0 )r (− π ) = r 02r 0 = ()
1
π 1 − 18
r −
2 2
2
r0
Mit dem Verfahren lassen sich immer mehr Punkte finden, die zwischen bekannten Punkten
liegen. Daraus lässt sich ableiten, dass die Gleichung (3) auch in definiert ist. Außerdem
kann man die Basis durch einen beliebigen Faktor ersetzten, durch den die Spirale gestaucht
beziehungsweise gestreckt wird, sodass man
r (ϕ ) = k π r 0
ϕ

(4) 19
erhält.
Es muss k ≠ 0 ∧ k ≠ 1 und r 0 ≠ 0 sein, damit r nicht konstant ist; andernfalls entstünde nicht
charakteristische Spiralform, sondern ein Kreis bzw. ein Punkt.
Mit einem Basiswechsel von k zu e erhält man aus (4)
( )r
ϕ

r (ϕ ) = e ln k π
0
ln k ϕ
= e π r0
ln k
π
ist konstant und sei a als konstanter Faktor. Er darf nicht aus den genannten Gründen nicht
0 sein.
Die Funktionsgleichung für die logarithmische Spirale lautet also:
r (ϕ ) = r 0 e aϕ a ≠ 0
Da die Exponentialfunktion keine Nullstellen hat, wird der Ursprung nie erreicht, er ist asym-
ptotischer Punkt für ϕ → −∞ .

16
Dürer A. Albrecht Dürer’s Unterweisung der Messung. 1909
17
HEITZER, Spiralen. 1998, S.111
18
ebd. S.113
19
vgl. HEITZER, Spiralen. 1998, S.113. – Es ist unerheblich, ob π im Argument der Funktion oder als Nenner
unter φ steht. In beiden Fällen sorgt es dafür, dass das eingesetzte π des Winkels nicht mit in die Gleichung ein-
bezogen wird.

10
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 3 – Die logarithmische Spirale

In Analogie zur ersten Konstruktion der archimedischen Spirale kann man sich der logarith-
mischen Spirale auch kinematisch nähern. Wieder rotiert ein Punkt auf einem Halbstrahl um
ein Zentrum. Diesmal bewegt er sich jedoch gleichzeitig mit exponentiell zunehmender Ge-
schwindigkeit auf dem Strahl nach außen.

3.2 Konstanz des Tangentenwinkels

Zeichnet man eine Reihe von Geraden mit


gleicher Winkeldifferenz durch den Ursprung
und verbindet deren Schnittpunkte mit einer
logarithmischen Spirale um den gleichen
Ursprung, so erhält man eine Reihe von
Dreiecken. Diese Dreiecke besitzen alle den
gleichen Winkel im Ursprung und per Defi-
nition die gleichen Seitenverhältnisse.20 Da-
mit sind sie sich ähnlich. Erhöht man nun die
Anzahl der Geraden und damit die Anzahl
der Sekanten, nähert sich der Sekantenwinkel
dem Tangentenwinkel.21 In jedem Punkt der
logarithmischen Spirale ist folglich der Win-
kel zwischen Tangente und Radius gleich.
Damit ist die Konstanz des Tangentenwin-
kels bei der logarithmischen Spirale gezeigt.
Mithilfe der trigonometrischen Sätze könnte Abb. 3.2.1: Messung des Sekantenwinkels
man nun die Winkel an der Kurve (53° in
Abb. 3.2.1) in Abhängigkeit von Drehwinkel oder Radius bestimmen. Allerdings erhält man
auf diese Weise recht lange Terme, die letztendlich wie in der Herleitung des Umfangs einer
archimedischen Spirale nicht auflösbar sind und in der Betrachtung unendlich kleiner Winkel
nur Näherungslösungen liefern.
Eine alternative konstruktive Lösung bietet die Betrachtung der sich überlagernden Ge-
schwindigkeiten, deren Resultante mit ihrer Richtung die Richtung und damit den Winkel der
Tangente angibt.22
1. Geschwindigkeit senkrecht zum Radius: v⊥ (t ) = ω0 r (t ) (physikalische Definition
der Bahngeschwindigkeit)
2. Geschwindigkeit parallel zum Radius: v|| (t ) = r&(t ) (Geschwindigkeit ist Änderung
einer Länge)

v ⊥ (t ) ω 0 r (t )
Es gilt γ (t ) = = . (5) 23
v|| (t ) r&(t )
Per Definition ist r (t ) = r0 e aω 0t und r&(t ) = r0 aω0 e aω 0t (Ableitung nach der Kettenregel).
v (t ) ω 0 r0 e aω 0t 1
Aus (5) ergibt sich tan γ (t ) = ⊥ = = = konstant .
v|| (t ) aω r e aω 0t a
0 0

20
Die Punkte auf der log. Spirale mit gleicher Winkeldifferenz haben die gleichen Radiusverhältnisse.
21
Siehe Herleitung des Differentialbegriffes
22
vgl. HEITZER, Spiralen. 1998, S.121
23
Siehe auch Abb. 2.2.1 auf S. 6 bei der Tangentenbestimmung der archimedischen Spirale

11
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 3 – Die logarithmische Spirale

3.3 Bogenlänge24

Während bei der Winkelbestimmung, eine aufwändige Infinitesimalrechnung umgangen wer-


den konnte, bleibt für die Berechnung der Bogenlänge nur eine Näherung durch Summen.
Dazu muss auf die obige Abbildung zurückgegriffen werden. Die Spiralkurve lässt sich durch
Polygonzüge nähern. Dabei kann man sich den Umstand der Ähnlichkeit der dabei entstehen-
den Dreiecke zu Nutze machen.
1

Es sei K = e −2π |a| der Verkleinerungsfaktor pro Windung und k = K 2 der Verkleinerungs-
faktor pro Teilwinkel. Dann existiert für jeweils für Radius, Höhe und Gegenkathete eine
geometrische Folge:
R i = R0 k i
pi = p 0 k i
hi = h0 k i
Die Bogenlänge lässt sich somit ausdrücken
als Summe aller Gegenkatheten, die im Üb-
rigen immer kleiner werden, von denen es 2π
jedoch unendlich viele gibt. Es handelt sich n
um die Konvergenz einer arithmetischen
Folge gegen 0. Gleichzeitig läuft der Winkel
am Pol gegen 0. Dieser Aspekt wird weiter
unten berücksichtigt.
Abb. 3.3.1: ähnliche Dreiecke unter dem Spiralbogen

j j
s n (R0 ) = lim ∑ pi = lim ∑ p 0 k i
j →∞ j →∞
i =0 i =0
j +1
per Definition (Summe der Elemente einer k −1
= p 0 lim
geometrischen Folge): j →∞ k −1
1
Grenzwertberechnung: = p0
1− k
1 + k 2 − 2k cos 2nπ
Anwendung des Kosinussatzes: = R0
1− k
2 1

Grenzwertbildung für n und Ersetzten von k 1 + K n − 2 K n cos 2nπ


durch K: s(R0 ) = R0 lim 1
n→∞
1− K n
Gesetzt 1n = x , Einbeziehung des Nenners in
1 + K 2 x − 2 K x cos 2nπ
die Wurzel (Erhalt einer undeterminierten = R0 lim
Form „ 00 “): n →∞ 1 − 2K x + K 2 x
Anwendung der Regel von de l’Hospital25
2
und zwar zweifach, d.h. Grenzwertbestim- ⎛ 2π ⎞
= R0 1 + ⎜ ⎟
mung des Bruches aus den zweiten Ableitun- ⎝ ln K ⎠
gen der Zähler- und Nennerfunktion:

24
Dieses Kapitel ist eng an den Abschnitt 5.5.1 Polygonzüge aus HEITZER, Spiralen. 1998 angelehnt; die For-
meln sind im Original übernommen
f f′
25
Satz 4: Aus lim f ( x ) = lim g ( x) = 0 folgt: lim ( x) = lim ( x) (dtv-Atlas zur Mathematik, S.326)
x →∞ x →∞ x →∞ g x →∞ g ′

12
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 3 – Die logarithmische Spirale

1
−2π |a| = R0 1 +
Substitution von K = e : a2
(Bogenlänge einer logarithmischen Spirale)

Aus dem Ergebnis wird eine neue Eigenschaft der logarithmischen Spirale klar: die Proporti-
onalität von Bogenlänge und Radius.

3.4 Fläche 26

Die Näherung durch einen Polygonzug ist ebenfalls zur Berechnung der Fläche unter dem
Spiralbogen geeignet. Dazu wird der Winkel für eine Umdrehung 2π in n Dreiecke gleicher
Größe aufgeteilt, deren außen liegende Katheten der Polygonzug ist. Grundseite sei R, die
Höhe h von R. Dank der Ähnlichkeit dieser Größen kann man abermals die Summe der im-
mer kleiner werdenden Dreiecke bilden.
j
1 Rh j
An ( R0 ) = lim ∑ Ri hi = 0 0 lim ∑ k 2i
i =0 2 2 j →∞ i = 0
j →∞

per Definition (Summe der Elemente einer R0 h0 k 2 j+2 − 1


= lim
geometrischen Folge): 2 j →∞ k − 1
Grenzwertberechnung und Substitution von 1 sin 2nπ
h0 = R1 sin 2nπ : = R0 R1
2 1− k 2
1 2 k sin 2nπ
Substitution von R1 = R0 ⋅ k : = R0
2 1− k 2
1

Grenzwertbildung für n und Ersetzten von k 1 2 K 2 sin 2nπ


A( R0 ) = R0 lim
durch K: 2 n →∞
2
1− K n
Gesetzt 1n = x , Einbeziehung des Nenners in
1 2 K x sin (2π x )
die Wurzel (Erhalt einer undeterminierten = R0 lim
Form „ 00 “): 2 x →0 1 − K 2x
Einfache Anwendung der Regel von π ⎞
2⎛
L’Hopital und anschließende Grenzwertbe- = R0 ⎜⎜ ⎟⎟
stimmung: ⎝ 2 ln K ⎠
2 1
= R0
Substitution von K = e −2π |a| : 4a
(Fläche unter einer logarithmischen Spirale)

So gilt für die Fläche unter dem Bogen einer logarithmischen Spirale zwischen den begren-
zenden Radien Ri und Ra:

(
A(Ra ) − A(Ri ) = Ra − Ri
2 2
) 41a

26
Dieses Kapitel ist eng an den Abschnitt 5.5.1 Polygonzüge aus HEITZER, Spiralen. 1998 angelehnt; die For-
meln sind im Original übernommen

13
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 4 – Vergleich beider Spiralen

4 Vergleich beider Spiralen


Nach der genauen Betrachtung beider Kurven sollen ihre Eigenschaften hier noch einmal ge-
genübergestellt werden.
Da im Allgemeinen das kartesische Koordinatensystem vertrauter ist, kann es hilfreich sein,
dies bei der Betrachtung der Partikularitäten der archimedischen und logarithmischen Spirale
mit einzubeziehen. Trägt man beispielsweise Winkel und Radius an der x- und y-Achse ab,
erhält man folgende Graphen für die Spiralfunktionsgleichungen:

In dieser Darstellungsform finden sich die


Abhängigkeiten wieder. Während bei der
(II) archimedischen Spirale Winkel und Radi-
us direkt Proportional sind (entspricht I)
wächst letzterer bei der logarithmischen
Spirale exponentiell zum Winkel (ent-
(I) spricht II).
Der konstante Faktor beträgt der Einfach-
heit halber 1, er würde jedoch bei I die
Steigung verändern, bei II auch den
Schnittpunkt mit der y-Achse.
Merkmale der Graphen:
I: konstante Steigung, keine Asymptote,
Radius ist 0 für φ = 0, Punktsymmetrie
II: phi-Achse als Asymptote, Radius wird
nie 0, geht im positiven Bereich gegen
Abb. 4.1: „Spiralen“ in kartesischen Koordinaten Unendlich mit stark anwachsenden Ra-
dien; keine Symmetrieeigenschaften
Auffällig ist, dass es im kartesischen System die gleichen Merkmale sind, die logarithmische
von archimedischer Spirale unterscheiden, allerdings werden sie im weniger vertrauten pola-
ren Koordinatensystem nicht gut sichtbar.
Dass die Ursprungsgerade im Gegensatz zur archimedischen Spirale Punktsymmetrie auf-
weist liegt an der Konversion des Winkels zu einer Achse und der Problematik des negativen
Radius. Einige Spiraldefinitionen beschränken sich sowieso nur auf den positiven Bereich. In
diesem Fall würde die archimedische Spirale als Kurve, die in einem Punkt beginnt und sich
bis ins Unendliche fortsetzt auch besser zur Geltung kommen als Gegenstück zur logarithmi-
schen Spirale, die nach außen wie nach innen nie endet.
Weitere Charakteristika, die man gegenüber stellen kann, sind die Konstanz des Windungsab-
stands auf der einen und die Konstanz des Tangentenwinkels auf der anderen Seite. Auch
wenn die Eigenschaften nichts als die Konstanz gemeinsam haben, lassen sie es doch zu, bei-
de Spiralarten klar voneinander zu trennen.
Zum Abschluss lassen sich beide Spiralen als eine Folge von Punkten auffassen. Bei der ar-
chimedischen Spirale ist dies eine arithmetische Folge, da die Differenz zweier aufeinander
folgender Punkte konstant ist; dagegen handelt es sich bei der logarithmischen Spirale um
eine geometrische Folge, die sich durch die Konstanz des Verhältnisses zweier aufeinander
folgender Punkte auszeichnet. Allerdings ist auch eine Gemeinsamkeit zu nennen, nämlich
dass beide Kurven transzendenter Natur sind. Dies liegt an der Kreiszahl π, aber auch an der
eulerschen Zahl e.

14
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 4 – Vergleich beider Spiralen

Der Übersichtlichkeit halber sind die Ergebnisse des Vergleichs nochmals in einer Tabelle
untergebracht:

Archimedische Spirale Logarithmische Spirale


Radius wächst proportional zum Winkel Radius wächst exponentiell zum Winkel
Besteht aus zwei beginnenden, aber nie en- Ein nach außen wie innen nie endender Ast
denden Ästen
Keine Konvergenz Ursprung ist asymptotischer Punkt
Symmetrie zur Orthogonalen der Polachse Keine Symmetrieeigenschaften
Konstanz des Windungsabstands Konstanz des Tangentenwinkels
Punkte bilden eine arithmetische Folge Punkte bilden eine geometrische Folge
transzendente Kurve transzendente Kurve

5 Nachwort
„Merkwürdig ist es immer, daß alle diejenigen, die diese Wissenschaft ernstlich
studieren, eine Art Leidenschaft dafür fassen.“
Gauß27 an Bólyai28

Ist es wirklich verwunderlich, dass einem Dinge Freude umso mehr Freude bereiten, je einge-
hender man sich mit ihnen beschäftigt? Nein, und nicht anders verhält es sich mit der Mathe-
matik, zu deren umfassender Auseinandersetzung wir im Rahmen der Facharbeit „gezwun-
gen“ wurden. Denn während ich vor knapp sechs Wochen auf mich allein gestellt vor einem
unverständlichen Buch saß und meine Themenwahl fast bereut hätte, kann ich heute von einer
gewissen Freude an der Arbeit mit Spiralen sprechen zu einem Zeitpunkt, an dem ich das Ge-
fühl habe, dass die schwierige Materie klar und übersichtlich vor mir ausgebreitet liegt. Diese
Tatsache lässt mich ein letzten Endes doch positives Fazit aus der Aufgabe Facharbeit ziehen.
Abschließen möchte ich nun mit der Feststellung, dass eine solche Arbeit den Blick für be-
stimmte Phänomene, in meinem Fall Spiralen, im Alltag schärft. Seit der Themenvergabe
fühle ich mich von solchen nahezu umringt.

27
Gauß, Carl Friedrich (1777-1855), deutscher Mathematiker, Astronom und Physiker
28
Bólyai, Farkas (1775-1856)

15
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 6 – Anhang

6 Anhang

Konstruktionsschritte für Dynageo


Die Idee ist es, mit der Spur des Schnittpunktes eines Kreises und einer Kreisachse eine Spira-
le zu erhalten, indem man den Radius des Kreises und den Winkel der Achse zur horizontalen
Achse variieren lässt, und zwar die eine Größe in Abhängigkeit zur anderen. In Klammern
sind die von mir benutzten Zahlen aufgeführt, die lediglich einen Vorschlag darstellen.

Archimedische Spirale

1. Man erstellt zuerst einen Regler, der den Winkel φ angeben soll und zwar im Grad-
maß, da die Software kein Bogenmaß kennt. (-720 bis 720, Schrittweite 10, Name:
„phi“)
2. Ein zweiter Regler soll die Konstante a angeben. (-3 bis 3, Schrittweite 0,1 Name „a“)
3. Nun erstellt man einen Kreis mit festgelegtem Radius, der da wäre: a*(phi*3,14/180).
In der Klammer steht die Umrechnung in das Bogenmaß mithilfe von π
ϕ Bogen = ϕ Grad ⋅ 180π °
4. Der Kreis soll nun eine Polarachse bekommen, dazu erstellt man eine Halbgerade, de-
ren Anfang im Kreismittelpunkt liegt und deren Punkt an die Kreislinie gebunden ist
(Funktion: mit Linie verbinden). Dann muss sie noch waagerecht ausgerichtet werden.
5. Nun wird der eigentliche Halbstrahl mit dem Punkt konstruiert, dessen Spur die Spira-
le darstellen wird. Dieser soll mit der Polarachse den Winkel φ einschließen. Da die
Software nur die Konstruktion einer Geraden mit festem Winkel anbietet, muss man
sich eines Tricks bedienen: Man konstruiert eine Gerade, die mit der Polarachse den
Wert des Reglers (phi) einschließt. Nun bildet man die Schnittpunkte dieser Geraden
mit der Kreislinie. Die Gerade selber wird nun unsichtbar gemacht und ein Halbstrahl
konstruiert mit den Punkten Ursprung und Schnittpunkt der unsichtbaren Geraden mit
der Kreislinie, der also auf der Geraden liegt; der zweite entstehende Schnittpunkt
wird nicht mehr benötigt und kann gelöscht werden.
6. Zum Schluss bleibt noch die Ortslinienaufzeichnung des mit dem Regler (phi) zu be-
wegenden Schnittpunkts. Dazu muss man lediglich das Ortslinien-Tool auf den Punkt
anwenden und den Regler (phi) ein wenig bewegen.
7. Für phi<0 zeigt Dynageo nur einen Punkt an, was daran liegt, dass es nur positive Ra-
dien kennt. Lösbar ist das Problem mit einem zweiten Kreis, der auf die gleiche Art
und Weise konstruiert wird, aber als Radius -a*(phi*3,14/180) erhält. Dieser Kreis
komplettiert die Spiralkurve für den negativen Bereich.

Logarithmische Spirale

- Die Vorgehensweise ist identisch. Allerdings besteht eine andere Abhängigkeit von
Winkel und Radius. Der Radius des konstruierten Kreises muss nun
2,718^(a*phi*2*3,14/180) lauten, d.i. a⋅ϕ ⋅ π
e Grad 180°
- Das Problem des negativen Radius besteht diesmal nicht, sodass ein Kreis zur Kon-
struktion ausreicht.

i
Facharbeit Mathematik
Maximilian Löber Kapitel 7 – Quellennachweis

7 Quellennachweis
7.1 Literaturverzeichnis

1. HEITZER, J.: Spiralen – ein Kapitel phänomenaler Mathematik. Klett, Leipzig 1998
2. STEINBERG, G.: Polarkoordinaten. Metzler, Hannover 1993
3. REINHARDT, F.: dtv-Atlas zur Mathematik – Tafeln und Texte, Band 2. dtv, München 1990

7.2 Bildnachweis

1. Abbildung 2.4.1: „bild_8.jpg“


URL: http://www.muehe.muc.kobis.de/awgruch/Werke.htm (04.3.2006)
2. Abbildungen 2.1.1, 2.1.2, 2.2.1., 2.4.2, 3.2.1, 3.2.2. erzeugt mit Euklid DynaGeo Vers. 2.7c
3. Abbildung 4.1 erzeugt mit Derive 5 (5.02)
4. Abbildungen 1.3.1 und 1.3.2 erzeugt mit Word 2003

ii
„Ich versichere, dass ich die Arbeit selbstständig verfasst, bei ihrer Anfertigung keine anderen
als die angegebenen Hilfsmittel benutzt und die Stellen der Arbeit, die ich im Wortlaut oder
im wesentlichen Inhalt anderen Werken entnommen habe, mit genauer Angabe der Quelle
kenntlich gemacht habe.“

(Wohnort), den 26.03.2006

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