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Geologische und Bodenkundliche Verhältnisse eines

Landschaftsausschnittes der niederen Geest Schleswig-Holsteins


– Einführung in Landschaftsgenese und Bodenverhältnisse im
Raum Dörpstedt

Bernd Burbaum, LLUR


Gliederung

 Entstehung (Ausgangsmaterial, Prozesse, Bodentypen)


 Verbreitung (BÜK 250)
 Eigenschaften (Bodenarten, Humusgehalte, Wasser, Nährstoffe)
 Nutzung (traditionell, aktuell)
 Zoom in die Region Dörpstedt
Entstehung der Böden

Ausgangsmaterial der Bodenbildung in der Vorgeest:

• Sanderebenen: Schmelzwassersande der letzten Eiszeit (Alter


ca. 20.000 Jahre) mit sandiger Decke der ausgehenden letzten
Eiszeit (Alter ca. 15.000 bis -11.000 Jahre)

• eiszeitliche Rinnen: Talsande (Alter ca. 15.000 bis 11.000


Jahre)

• Moore: Torfe der Nacheiszeit (Alter ca. 11.000 Jahre bis heute)

• Auen: Auenablagerungen der Nacheiszeit (Alter ca. 11.000


Jahre bis heute)

• Dünen: Dünensande der ausgehenden letzten Eiszeit, sowie


junge Dünenbildungen der Rodungsphasen

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Entstehung der Böden

Karte der Bodenausgangs-


gesteine (LLUR 2016):

Bodenausgangsgesteine

Torf (Nieder- und Hochmoortorf)


litoraler Schluff (Vorland, Halligen)
mariner Sand
mariner Schluff bis Ton
brackischer Schluff bis Ton
tidal-fluviatiler Schluff bis Ton
Strand- und Strandwallsand
Auenablagerungen
Flugsand und Dünensand
Geschiebedecksand über Sandersand
Geschiebedecksand über saalezeitlichem Sand
Geschiebedecksand über saalezeitlichem Geschiebelehm
Beckenablagerungen, z.T. gestaucht und periglaziär überdeckt
Geschiebedecksand über weichelzeitlichen Sanden
Geschiebedecksand über weichselzeitlichem Geschiebelehm/-mergel
Decklehm über Geschiebelehm

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Entstehung der Böden, Klima

Niederschlag in SH

(LLUR Abt. 4)

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Entstehung der Böden

Relief:
Geomorphographische
Karte 1:20.000 (GMK 20)

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Entstehung der Böden

Bodentiere:

• Mikrofauna: Mikroorganismen
• Mesofauna: Milben, Fadenwürmer,
Springschwänze
• Makrofauna: Asseln, Tausendfüßler,
Käferlarven
• Megafauna: Maulwurf, Regenwurm
• Mensch (Bodenbearbeitung, Kalkung,
Düngung, Bodenauftrag, Rohstoffabbau,
Entwässerung...)

Vegetation:

• Bestandsabfall (Streu)
• Durchwurzelung

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Entstehung der Böden

Prozesse der Bodenbildung: entsprechende Bodentypen

• Humusanreicherung • Pararendzina (alle Bodentypen)

• Entkalkung (Entsalzung) • Regosol

• Gefügeentwicklung • alle Bodentypen

• Verwitterung / Verbraunung / • Braunerde


Mineralneubildung

• Tonverlagerung • Parabraunerde

• Sauerbleichung (Eisen- • Podsol


/Humusverlagerung)

• Nassbleichung (Eisen-/ • Pseudogley / Gley


Manganumlagerung) bei Stau-
und Grundwasserböden

• Moorwachstum / Moordegradation • Niedermoor / Hochmoor

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Entstehung der Böden / Bodentypen der
Vorgeest

Bodentypen der Bodentypen der Dünen:


Sanderebenen/Talsandgebiete:
• Lockersyroseme
• Braunerden • Regosole
• Podsole (häufig mit Orterde) • Podsole (häufig mit Ortstein)
• Gleye (z.T. mit Raseneisenstein) • Überlagerungsbodentypen
• Übergangsbodentypen (Gley-Podsole) (Regosol über Podsol)

Bodentypen der (An-)Moore: Bodentypen der Auen:

• Hochmoor • Auengleye (z.T. mit


• Niedermoor Raseneisenstein)
• Anmoorgley • Vega-Gleye
• Degradationsstadien: (z.B. Mulm- und • Gley-Vegen (braune Auenböden)
Erd-Niedermoor)

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Entstehung der Böden / Bodentypen

Lockersyrosem
Rohboden mit initialer Bodenbildung,
beginnende Humusanreicherung im
Oberboden

nur auf jungen Dünen vorkommend (im


Binnenland nur vereinzelt auftretend)

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Entstehung der Böden / Bodentypen

Regosol

junger Boden mit


Humusanreicherung

typischer Boden von jungen


Dünen im Binnenland

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Entstehung der Böden / Bodentypen

Braunerde
Boden mit Humusanreicherung im
Oberboden und Verbraunung
(Verwitterung, Mineralneubildung) im
Unterboden

typischer Boden im Osten der Vorgeest

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Entstehung der Böden / Bodentypen

Podsol
Boden mit Humusanreicherung im
Oberboden

Auswaschung von Humus-, Eisen-


und Aluminium aus dem Oberboden
(Sauerbleichung)

Anreicherung von Humus- Eisen- und


Aluminium im Unterboden (Ortstein)

typischer Boden alter Dünen und des


westlichem Teils der Vorgeest (häufig
aus Flugsand über Sandersand)

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Entstehung der Böden / Bodentypen

Gley Brauneisengley
Boden mit Humusanreicherung im
Oberboden

Nassbleichung bzw. Eisenausfällung im


Unterboden

ständiger Grundwassereinfluss im
unteren Profilteil

typischer Boden der tiefer gelegen


Sander- und Talsandflächen der
Vorgeest

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Entstehung der Böden / Bodentypen

Niedermoor Hochmoor
Boden mit Torfakkumulation durch
gehemmmten Abbau von Pflanzenresten

(Niedermoor: Seggen, Schilf- oder Bruchwald


Hochmoor: Torfmoos, Wollgras ...)

unterschiedliche Zersetzungsgrade, Anteile an


organischer Substanz und Vererdungsgrade
in Folge von Entwässerung

typischer Böden der Moorlandschaften der


Vorgeest

Beispiele:
Niedermoor: Rheider Au - Niederung
Hochmoor: Wildes Moor bei Schwabstedt

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Entstehung der Böden / Bodentypen

Auengley Gley-Vega
Böden mit Flusswasser-gesteuertem GW-
Stand und Überflutungen

Ausgangsmaterial: häufig an anderer Stelle


erodiertes Bodenmaterial, das in der Aue
transportiert und abgelagert wurde, daher
häufig tiefgründig humoser Boden

unterschiedlich starker GW-Einfluss

typische Böden der Auen (flussbegleitende


Niederungen)

z.B. Treene, Bollingstedter Au, Jerrisbek

Fotos: A. Mordhorst, CAU

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Verbreitung der Bodentypen

Informationsgrundlagen

 BÜK 250

 BK 25 / BK 50

 Bodenschätzung
Verbreitung der Bodentypen (BÜK 250)

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Verbreitung der Bodentypen (BK 25)

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Verbreitung der Bodentypen
(Bodenschätzung)

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Eigenschaften der Bodentypen

 Bodenart
 Humusgehalt
 Nährstoffspeicherung / -nachlieferung
 Wasserspeicherung / Grundwasseranschluss
Eigenschaften der Bodentypen (Vorgeest)
Bodentyp Bodenart Humus- Boden- Nährstoff- Wasser-
gehalt reaktion nachlieferung angebot
Locker- reiner sehr sauer sehr gering sehr gering
syrosem Sand gering
Regosol reiner gering sauer gering gering
Sand
Podsol reiner gering sauer gering gering bis
Sand bis hoch mittel
Braunerde Sand bis mittel schwach mittel gering bis
lehmiger sauer bis mittel
Sand sauer
Gley Sand bis hoch schwach gering bis hoch hoch,
lehmiger sauer bis Wasser-
Sand sauer überschuss
Nieder- Nieder- extrem schwach hoch
moor moortorf hoch sauer bis sehr hoch,
sauer Wasser-
Hochmoor Hochmoor extrem stark sauer gering überschuss
-torf hoch 22
Nutzung der Bodentypen

 Acker
 Grünland
 Ödland
 traditionell / heute
Nutzung der Bodentypen früher und
heute (Vorgeest)
Bodentyp traditionell heute
In den letzten 30 Jahren:
Locker- Ödland Ödland Verschiebung Richtung Ackerbau, jüngste
syrosem und (Forst) (Forst) Entwicklung wieder leichte Zunahme des
Regosol Grünlandanteils (Wirkung des DGLG?)
Podsol Grünland / Acker /
Acker Grünland
Braunerde Acker / Acker
Grünland
Gley Grünland Grünland /
Acker
Niedermoor Grünland Grünland /
Acker
Hochmoor Grünland / Grünland /
Ödland Ödland

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Zoom in die Region Dörpstedt

 Landschaft
 Relief
 Bodenkarte
 Bodenschätzung
 Probleme bei der Nutzung?
Zoom in die Region

Dörpstedt

Bodenausgangsgesteine

Torf (Nieder- und Hochmoortorf)


brackischer Schluff bis Ton
tidal-fluviatiler Schluff bis Ton

Flugsand und Dünensand


Geschiebedecksand über Sandersand
Geschiebedecksand über saalezeitlichem Sand
Geschiebedecksand über saalezeitlichem Geschiebelehm

Geschiebedecksand über weichelzeitlichen Sanden


Geschiebedecksand über weichselzeitlichem Geschiebelehm/-mergel

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Zoom in die Region (Relief)

Reliefeinheiten der GMK 20

blaue Farben:
Senkenbereiche

gelbe Farben:
flach geneigte Bereiche
mittlerer Höhenlage

rotbraune Farben:
stärker geneigte Bereiche
höher Lage

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Zoom in die Region (BÜK 250)

Leitbodentypen der BÜK 250

Braunerde-Podsol
Gley-Podsol
Pseudogley
Gley
Anmoorgley
Niedermoor
Hochmoor

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Zoom in die Region (Bodenschätzung)

aus der Bodenschätzung


abgeleitete Bodentypen
Braunerde, pseudovergleyt
Braunerde, vergleyt
Podsol-Braunerde
Podsol-Braunerde, vergleyt
Pseudogley-Braunerde
Gley-Braunerde
Parabraunerde
Pseudolgey-Parabraunerde
Podsol
Podsol, vergleyt
Gley-Podsol

Pseudogley
Gley-Pseudogley
Podsol-Pseudogley
Parabraunerde-Pseudogley
Gley
Podsol-Gley
Anmoorgley (stw. Moorpodsol)
Moorgley
Moor
Moor über min. Boden

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Zoom in die Region (Probleme bei der
Nutzung?)

• Wasser – mal zu viel – mal zu wenig?


räumlich (Gleye / Podsole) und zeitlich (Frühjahr / Sommer)

• Nährstoffarmut der Böden? (Podsole)

• Humusverluste auf nassen Böden? (Moore, Gleye)

• Winderosion? (Sandböden, insbesondere Podsole, stark


entwässerte Moore)

• Nitratverlagerung ins Grundwasser

• Verdichtung?

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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Kontakt: Bernd.Burbaum@llur.landsh.de

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