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11 Geotechnik
Prof. Dr.-Ing. habil. Dietrich Franke

1 Technisches Regelwerk. . . . . . . . . 11.2 4.7 Sicherheit gegen


1.1 Allgemeines. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11.2 Aufschwimmen (GZ 1A) . . . . . . . . 11.55
1.2 Allgemeine Regelungen für 4.8 Zulässige Ausmittigkeit der re-
Sicherheitsnachweise . . . . . . . . . . . 11.2 sultierenden charakteristischen
Beanspruchung (GZ 2). . . . . . . . . . 11.55
2 Erkundung und Untersuchung 4.9 Verschiebungen in der Sohlfläche
des Bodens als Baugrund . . . . . . . 11.8 und Verdrehungen (GZ 2) . . . . . . . 11.55
2.1 Ziele geotechnischer Untersuch- 4.10 Setzungen (GZ 2). . . . . . . . . . . . . . 11.55
ungen; erforderliche Unterlagen . . . 11.8
2.2 Geotechnischer Bericht . . . . . . . . . 11.8 5 Pfahlgründungen . . . . . . . . . . . . . 11.63
2.3 Baugrunderkundung . . . . . . . . . . . . 11.9 5.1 Pfahlarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11.63
2.4 Baugrunduntersuchung im Labor . . 11.13 5.2 Einwirkungen und
2.5 Benennung und Klassifizierung Beanspruchungen. . . . . . . . . . . . . . 11.63
von Böden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11.15 5.3 Pfahlwiderstände . . . . . . . . . . . . . . 11.63
2.6 Erdbau. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11.16
s.
2.7 Eigenschaften von Böden . . . . . . . . 11.19 6 Stützkonstruktionen. . . . . . . . . . . 11.67
2.8 Mittlere bodenmechanische B 6.1 Stützmauern . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11.67
Kennwerte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11.23
u 6.2 Stützwände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11.68
c
3 Ansatz des Erddrucks in bau- h
7 Standsicherheit von Böschungen
technischen Berechnungen. . . . . . 11.24
und Geländesprüngen. . . . . . . . . . 11.76
3.1 Allgemeines zur Berechnung
7.1 Allgemeine Forderungen. . . . . . . . . 11.76
des Erddrucks . . . . . . . . . . . . . . . . . 11.24
7.2 Berechnung der Standsicherheit. . . 11.76
3.2 Neigungswinkel des Erddrucks. . . . 11.25
7.3 Hilfsmittel für die Festlegung der
3.3 Aktiver Erddruck. . . . . . . . . . . . . . . 11.27
Böschungsneigung . . . . . . . . . . . . . 11.82
3.4 Erdruhedruck. . . . . . . . . . . . . . . . . . 11.34
7.4 Kräfte in Zuggliedern, Dübeln,
3.5 Passiver Erddruck . . . . . . . . . . . . . . 11.35
Pfählen und Steifen. . . . . . . . . . . . . 11.83
3.6 Verdichtungserddruck. . . . . . . . . . . 11.38
7.5 Vernagelte Wände . . . . . . . . . . . . . 11.84
3.7 Silodruck. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11.38
7.6 Verformungen bei Böschungen
3.8 Zwischenwerte des Erddrucks. . . . . 11.39
und Geländesprüngen. . . . . . . . . . . 11.86
3.9 Ansatz des Erddrucks in
bautechnischen Berechnungen . . . . 11.39
8 Baugrube, Verankerung und
4 Flachgründungen . . . . . . . . . . . . . 11.44 Wasserhaltung . . . . . . . . . . . . . . . 11.87
4.1 Einwirkungen und Be- 8.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11.87
anspruchungen (GZ1B und GZ 2). . 11.44 8.2 Nichtverbaute Baugruben und
4.2 Ansatz des stützenden Gräben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11.88
Erddrucks (GZ 1B, GZ 2). . . . . . . . 11.44 8.3 Grabenverbau. . . . . . . . . . . . . . . . . 11.89
4.3 Vergleich des einwirkenden und 8.4 Schlitzwände und Bohrpfahlwände . 11.90
aufnehmbaren Sohldrucks . . . . . 11.44 8.5 Injektionswände und Frostwände. . . 11.92
4.4 Grundbruchsicherheit (GZ 1B). . . . 11.49 8.6 Trägerbohlwände. . . . . . . . . . . . . . . 11.95
4.5 Gleitsicherheit (GZ 1B) . . . . . . . . . 11.54 8.7 Verankerungen und Absteifungen. . 11.97
4.6 Kippen (GZ 1B) . . . . . . . . . . . . . . . 11.54 8.8 Wasserhaltung . . . . . . . . . . . . . . . . 11.100
@-11.2 Geotechnik

1 Technisches Regelwerk
1.1 Allgemeines
Die übergeordnete Norm in Europa ist der Eurocode (EC), der einem neuen Sicherheitskonzept
entspricht. Für die Aufgaben in der Geotechnik ist der EC 7 Teil 1 (DIN EN 1997-1) „Entwurf und
Bemessung in der Geotechnik, Teil 1: Allgemeine Regeln“ maßgebend. Außerdem ist der EC 1 zu
beachten, der allgemeine Grundlagen enthält.
Zur Anwendung in der Bundesrepublik Deutschland gilt bis Ende 2008 DIN 1054: 2005-01. Die
Regelungen dieser Fassung berücksichtigen die Forderungen von EC 1 und EC 7. Damit wird in der
Geotechnik der Übergang zum Teilsicherheitskonzept erreicht.
Für die nachgeordneten Berechnungsnormen DIN 4017 und DIN 4085 liegen neue Fassungen, für
DIN 4019 und 4084 letzte Entwürfe vor der Verabschiedung vor. Sie bilden die Grundlage für die-
ses Kapitel, das damit dem neuesten Stand der Normung entspricht.
Für DIN EN 1997-7: 2004-11 und die Ergänzungsnorm DIN 1054: 2007 läuft gegenwärtig noch die
Kalibrierungsphase.
Bis 31. März 2010 sollen alle nationalen Normen zurückgezogen sein.
Alle für das hier behandelte Gebiet wichtigen Normen, Richtlinien und die Empfehlungen der Deut-
schen Gesellschaft für Geotechnik (DGGT) sind am Ende des Buches im Normen- und Literatur-
verzeichnis zusammengestellt.
Begriffe und Regelungen nach dem neuen Sicherheitskonzept sind im Abschnitt 1.2 dargestellt.

1.2 Allgemeine Regelungen für Sicherheitsnachweise

1.2.1 Grundlegende Anforderungen


Die Entwurfsverfasser müssen über die notwendige Sachkunde und Erfahrung verfügen. Ggf. ist ein
geotechnischer Fachplaner heranzuziehen.
Nach dem neuen Sicherheitskonzept ist nachzuweisen, dass die Grenzzustände der Tragfähigkeit
(GZ 1) und der Gebrauchstauglichkeit (GZ 2) mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen sind.
Die Sicherheit ist rechnerisch nachgewiesen, wenn die Grenzzustandsbedingungen nicht verletzt
sind. Dazu sind die jeweils ungünstigsten Mechanismen, Kombinationen und hydraulischen Bedin-
gungen zu untersuchen. Wenn ein unterer und ein oberer charakteristischer Wert ausgewiesen ist, ist
jeweils der ungünstigere in der Berechnung zu verwenden.
In einfachen Fällen, z.B. bei Flachgründungen sowie bei Böschungen und beim Verbau von Bau-
gruben und Gräben nach DIN 4124, darf auf Tabellenwerte zurückgegriffen werden. In schwierigen
Fällen kann die Anwendung der Beobachtungsmethode zweckmäßig sein.
Zufällige Abweichungen von streuenden Einwirkungen, von Beanspruchungen infolge von Einwir-
kungen und von Widerständen sind durch Teilsicherheitsbeiwerte und sonstige Sicherheitselemente,
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z.B. Bemessungswasserstände, abzudecken, um das geforderte Sicherheitsniveau zu erreichen.

1.2.2 Geotechnische Kategorien (GK)


Die Mindestanforderungen an Umfang und Qualität geotechnischer Untersuchungen, Berechnungen
und Überwachungsmaßnahmen richten sich nach der Geotechnischen Kategorie, in die die Bau-
maßnahme nach DIN 4020 (10.90) entsprechend ihrer Schwierigkeit einzuordnen ist.

GK 1 umfasst einfache Baumaßnahmen mit geringer Schwierigkeit bei einfachen und übersicht-
lichen Baugrundverhältnissen. Die Nachweise können mit vereinfachten Verfahren aufgrund von
Erfahrungen erbracht werden.
Technische Regelwerke @-11.3

GK 2 umfasst Baumaßnahmen mit mittlerem Schwierigkeitsgrad im Hinblick auf Bauwerke und


Baugrund. Es sind eine ingenieurmäßige Bearbeitung und rechnerische Nachweise für Standsicher-
heit und Gebrauchstauglichkeit auf der Grundlage von geotechnischen Kenntnissen und Erfahrun-
gen erforderlich. Es ist ein geotechnischer Entwurfsbericht zu erstellen.
GK 3 umfasst Baumaßnahmen mit hohem Schwierigkeitsgrad, die nicht in die Kategorien GK 1
bzw. GK 2 eingeordnet werden können. Bauwerke oder Baumaßnahmen, bei denen die Beobach-
tungsmethode angewendet werden soll, sind, abgesehen von begründeten Ausnahmen, der geotech-
nischen Kategorie GK 3 zuzuordnen. Sie erfordern eine ingenieurmäßige Bearbeitung und einen
rechnerischen Nachweis der Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit auf der Grundlage von zu-
sätzlichen Untersuchungen und von vertieften geotechnischen Kenntnissen und Erfahrungen in dem
jeweiligen Spezialgebiet. Es ist ein geotechnischer Entwurfsbericht zu erstellen.
Die Baumaßnahme ist zu Beginn der Planung einer geotechnischen Kategorie zuzuordnen. Diese
Zuordnung ist zu ändern, wenn spätere Befunde das erfordern. Das kann sowohl die Zuordnung zu
einer höheren als auch die Zuordnung zu einer niedrigeren geotechnischen Kategorie bedeuten.
Es ist nicht notwendig, eine gesamte Baumaßnahme in ein und dieselbe geotechnische Kategorie
einzuordnen. Es darf dies für einzelne Bauphasen oder Bauabschnitte unterschiedlich vorgenommen
werden.
Detaillierte Angaben über die Zuordnung zu den geotechnischen Kategorien finden sich in DIN
1054 in den besonderen Abschnitten über Flachgründungen, Pfahlgründungen, Verankerungen,
Stützbauwerke, über besondere Nachweise bei hydraulischen Einflüssen und den Nachweis der
Gesamtstandsicherheit.

1.2.3 Grenzzustände (GZ)


Man unterscheidet Grenzzustände der Tragfähigkeit (GZ 1) und Grenzzustände der Gebrauchstaug-
lichkeit (GZ 2).
GZ 1:
GZ 1A ist der Grenzzustand des Verlustes der Lagesicherheit. Er betrifft die Sicherheit gegen Auf-
schwimmen, die Sicherheit gegen Abheben und die Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch.
Bei diesem Nachweis treten nur Einwirkungen, aber keine Widerstände auf.
GZ 1B betrifft das Versagen von Bauwerken und Bauteilen und dient der Bemessung. Dazu werden
in der Grenzzustandsbedingung die Bemessungswerte der Beanspruchungen den Bemessungswer-
ten der Widerstände gegenübergestellt, unabhängig davon, ob der Grenzzustand im Bauwerk oder
im Baugrund auftritt.
Bei der Berechnung im GZ 1B wird im Allgemeinen wie folgt vorgegangen:
1. Entwurf des Bauwerks und Festlegung des statischen Systems
2. Ermittlung der charakteristischen Werte der Einwirkungen
3. Ermittlung der charakteristischen Beanspruchungen in Form von Schnittgrößen oder Spannungen
in maßgebenden Schnitten durch das Bauwerk und in Berührungsflächen zwischen Bauwerk und
Baugrund, getrennt nach Ursachen
4. Ermittlung der charakteristischen Widerstände des Baugrunds, z.B. Erdwiderstand (passiver Erd-
druck), Grundbruchwiderstand, Pfahlwiderstand oder Herausziehwiderstand von Ankern durch
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Berechnung, Probebelastung oder auf Grund von Erfahrungswerten


5. Ermittlung der Bemessungswerte der Beanspruchungen durch Multiplikation der charakteristi-
schen Beanspruchungen mit den Teilsicherheitsbeiwerten für Einwirkungen
6. Ermittlung der Bemessungswerte der Widerstände des Baugrunds durch Division der charakteri-
stischen Widerstände mit den Teilsicherheitsbeiwerten für Bodenwiderstände sowie Ermittlung
der Bemessungswiderstände der Bauteile, z.B. widerstehende Druck-, Zug-, Querkräfte, Biege-
momente oder Spannungen nach den Regeln der jeweiligen Bauartnormen, insbesondere nach
DIN 1045-1, DIN 18 800-1, DIN 18 800-2 und E DIN 1052
7. Nachweis der Einhaltung der Grenzzustandsbedingung mit den Bemessungswerten der Bean-
spruchungen und den Bemessungswerten der Widerstände.
@-11.4 Geotechnik

GZ 1C betrifft die Gesamtstandsicherheit von Bauwerk und Baugrund. Dazu werden die Grenzzu-
standsbedingungen mit Bemessungseinwirkungen, Bemessungswerten für die Scherfestigkeit im
Boden und gegebenenfalls Bemessungswiderständen von mittragenden Bauteilen gegenübergestellt.
Dieser Grenzzustand tritt immer im Baugrund, gegebenenfalls auch zusätzlich in mittragenden
Bauteilen auf.
Unter bestimmten Bedingungen dürfen die Nachweise auch geführt werden:
- durch Wahl der Abmessungen auf Grund normativer Festlegung, z.B. nach DIN 4124
- durch Verwendung aufnehmbarer Sohldrücke bei Flachgründungen
- durch Anwendung der Beobachtungsmethode.
GZ 2:
Grenzzustände der Gebrauchstauglichkeit beziehen sich im Regelfall auf einzuhaltende Verfor-
mungen bzw. Verschiebungen. Im Einzelfall können auch weitere Kriterien maßgebend sein. Bei
Nachweisen für die Grenzzustände der Gebrauchstauglichkeit sind Größe, Dauer und Häufigkeit der
Einwirkungen zu berücksichtigen. Die Nachweise sind mit charakteristischen Werten der Einwir-
kungen zu führen.
Sofern für die Aufstellung der Grenzzustandsbedingungen für GZ 1B Verformungen zusammen mit
charakteristischen Schnittgrößen ermittelt werden, kann auf die Berechnungsschritte 2. bis 4. für die
Nachweise im GZ 1B zurückgegriffen werden.
Die Nachweise dürfen auch geführt werden:
- durch Hinweise auf belegbare Erfahrungen
- durch Verwendung aufnehmbarer Sohldrücke bei Flachgründungen
- durch Einführung zusätzlicher Anpassungsfaktoren K < 1 für Bodenwiderstände mit dem Ziel,
die zu erwartenden Verschiebungen zu verringern
- durch Anwendung der Beobachtungsmethode.

1.2.4 Beobachtungsmethode
Sie ist eine Kombination der üblichen geotechnischen Untersuchungen und Berechnungen mit der
laufenden messtechnischen Kontrolle des Bauwerks und des Baugrunds während der Bauausfüh-
rung und gegebenenfalls auch während dessen Nutzung, wobei kritische Situationen durch die An-
wendung geeigneter technischer Maßnahmen beherrscht werden müssen. Die durch gezielte Beob-
achtung ausgewählter Zustände gewinnbaren Erkenntnisse dienen der Überprüfung der bei den Be-
rechnungen getroffenen Voraussetzungen und Annahmen und zeigen das Eintreten unzulässiger
Zustände so rechtzeitig an, dass geeignete Gegenmaßnahmen getroffen werden können.
Die Beobachtungsmethode sollte in Fällen angewendet werden, in denen die Voraussage des Bau-
grundverhaltens allein aufgrund von vorab durchgeführten Baugrunduntersuchungen und rechneri-
schen Nachweisen nicht mit ausreichender Zuverlässigkeit möglich ist.
Hierzu zählen insbesondere:
Bauwerke mit hohem Schwierigkeitsgrad
- Bauwerke mit ausgeprägter Bauwerk-Baugrund-Wechselwirkung, wie z.B. Mischgründungen,
Gründungsplatten, nachgiebig verankerte Stützwände
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- Bauwerke mit erheblicher und veränderlicher Wasserdruckeinwirkung, z.B. Uferwände im


Tidegebiet
- Baugrubenwände bei angrenzender Bebauung
- Baumaßnahmen, bei denen Porenwasserdrücke die Standsicherheit herabsetzen können
- Baumaßnahmen an Hängen.
Die Beobachtungsmethode schließt Maßnahmen ein, die vor Beginn und während der Bauausfüh-
rung ergriffen werden. Sie kann zur Optimierung der Bemessung und des Bauablaufs genutzt wer-
den.
Die Methode ist nicht anwendbar, wenn sich das Versagen nicht durch rechtzeitig erkennbare und
messbare Anzeichen ankündigt.
Technische Regelwerke @-11.5

1.2.5 Einwirkungen, Beanspruchungen und Widerstände


Einwirkungen werden unterschieden nach
- Gründungslasten aus dem aufliegenden Bauwerk
- grundbauspezifische Einwirkungen: Nach DIN 1054 sind dies Kräfte, die sich aus dem Zu-
sammenwirken von Baugrund und Bauwerk ergeben. Dazu zählen Überlagerungsdruck infolge
Eigenlast des Bodens, Erddruck, Druck von Stützflüssigkeit, Wasserdruck, Seitenreibungs-
kräfte durch Baugrundverformungen und Sohlreibungskräfte,
- dynamische Einwirkungen: Sie werden in der Regel durch statische Ersatzlasten berücksichtigt.
Die Möglichkeit gleichzeitig auftretender Einwirkungen wird durch besondere
Einwirkungskombinationen berücksichtigt.
- Regelkombination EK 1: Ständige sowie während der Funktionszeit des Bauwerks regelmäßig
auftretende Einwirkungen
- Seltene Kombination EK 2: Einwirkungen EK 1 zuzüglich seltener oder einmalig planmäßig
auftretender Einwirkungen
- Außergewöhnliche Kombination EK 3: EK 1 zuzüglich einer außergewöhnlichen Einwirkung,
die sich z.B. bei Katastrophen oder Unfällen ergeben kann.
Widerstände aus dem Zusammenwirken mit einem Bauwerk ergeben sich nach den Regeln der
entsprechenden Bauartnormen.
Widerstände von Boden und Fels ergeben sich aus der Scherfestigkeit oder der Steifigkeit direkt
oder aus den durch diese erzeugten Einflüssen, wie Grundbruchwiderstand, Sohlreibung, stützenden
Erddruck, Eindring- bzw. Herausziehwiderstand.
Bezüglich des Sicherheitsanspruchs bei den Widerständen werden verschiedene Sicherheitsklassen
(SK) unterschieden:
SK 1: Zustände während der Funktionszeit des Bauwerks
SK 2: Zustände, die während der Bauzeit, der Reparatur oder anderer Baumaßnahmen neben dem
Bauwerk eintreten, z.B. Baugrubenkonstruktionen
SK 3: Zustände, die während der Funktionszeit des Bauwerks einmalig oder voraussichtlich nie
eintreten.
Charakteristische Werte und Bemessungswerte
Charakteristische Werte sind aus sorgfältig durchgeführten Untersuchungen gewonnene, mögliche
Streuungen berücksichtigende, vorsichtig festgelegte Mittelwerte.
Um mögliche Streuungen zu berücksichtigen, werden die charakteristischen Werte je nachdem, ob
sie günstig oder ungünstig wirken, mit Hilfe besonderer Teilsicherheitsbeiwerte abgemindert oder
erhöht. Die so veränderten Werte sind Bemessungswerte.
Lastfälle (LF)
LF 1: Regel-Kombination EK 1 in Verbindung mit dem Zustand der SK 1. Der LF 1 entspricht der
„ständigen Bemessungssituation“ nach DIN 1055.
Bei Gründungen: Abgesehen von Bauzuständen ist dieser Lastfall maßgebend für alle ständigen und
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vorübergehenden Bemessungssituationen des aufliegenden Tragwerks.


LF 2: Seltene Kombination EK 2 in Verbindung mit dem Zustand der SK 1 oder EK 1 in Verbin-
dung mit SK 2. Der LF 2 entspricht der „vorübergehenden Bemessungssituation“ nach DIN 1055.
Bei Gründungen: Maßgebend für vorübergehende Beanspruchungen der Gründung in Bauzuständen
des aufliegenden Tragwerks.
LF 3: Außergewöhnliche Kombination EK 2 in Verbindung mit dem Zustand der SK 2 oder EK 2
in Verbindung mit SK 3. Der LF 3 entspricht der „außergewöhnlichen Bemessungssituation“ nach
DIN 1055.
Bei Gründungen: Maßgebend für außergewöhnliche Bemessungssituationen des aufliegenden
Tragwerks, soweit sich diese ungünstig auf die Gründung auswirken.
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Sofern Gründungslasten und grundbauspezifische Einwirkungen gleichzeitig auftreten, ist sinnge-


mäß zu verfahren.
Die angegebenen Lastfälle enthalten die wesentlichen Kombinationen von Einwirkungen mit Si-
cherheitsklassen für Widerstände. Für andere Kombinationen dürfen in begründeten Fällen Zwi-
schenstufen eingeschaltet werden. Für den Extremfall, dass EK 3 und SK 3 zusammentreffen, kann
es in begründeten Fällen angemessen sein, alle Teilsicherheitsbeiwerte gleich 1 zu setzen.
Durch die Einführung der Lastfälle bei geotechnischen Bauwerken, im Boden eingebetteten Bau-
werken, Grundbaukonstruktionen für vorübergehende Zwecke und bei Erdbauwerken werden die
repräsentativen Werte der unabhängigen Einwirkungen unmittelbar bestimmt. Damit erübrigt sich
eine Untersuchung des gleichzeitigen Auftretens von Einwirkungen mit Hilfe von Kombinations-
beiwerten.

1.2.6 Teilsicherheitsbeiwerte
Ansatz der Teilsicherheitsbeiwerte für Einwirkungen und Beanspruchungen
Teilsicherheitsbeiwerte siehe Tafel 11.7a.
Beim Nachweis der Auftriebssicherheit und der Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch (GZ
1A) sowie beim Nachweis der Gesamtstandsicherheit (GZ 1C) sind die charakteristischen Werte der
Einwirkungen Fk unmittelbar mit dem Teilsicherheitsbeiwert für Einwirkungen JF zu multiplizieren,
um damit Bemessungswerte zu erhalten.
Beim Nachweis der bodenmechanisch bzw. felsmechanisch bedingten Abmessungen und beim
Nachweis der von der Materialfestigkeit abhängigen Abmessungen von Bauwerken und von Bau-
teilen (GZ 1B) sind die Einwirkungen stets mit ihren charakteristischen Werten in die Berechnung
einzuführen. Erst bei der Aufstellung der Grenzzustandsbedingungen sind die mit charakteristischen
Einwirkungen Fk ermittelten charakteristischen Beanspruchungen in Form von Schnittgrößen oder
Spannungen mit dem Teilsicherheitsbeiwert JF für Einwirkungen in Bemessungswerte der Bean-
spruchungen umzurechnen.
Eine Unterscheidung von ständigen Einwirkungen in „günstig“ oder „ungünstig“ wirkend, ist im
GZ 1B im Allgemeinen nicht erforderlich.
Sofern bewusst größere Verschiebungen und Beanspruchungen des Bauwerks in Kauf genommen
werden, darf in begründeten Fällen, der Teilsicherheitsbeiwert JG im Fall des Erd- und Wasser-
drucks angemessen herabgesetzt werden. Die Herabsetzung darf jedoch höchstens einer Umstufung
des LF 1 nach LF 2 bzw. des LF 2 nach LF 3 entsprechen.
Ansatz der Teilsicherheitsbeiwerte für Widerstände
Teilsicherheitsbeiwerte siehe Tafel 11.7b.
Beim Nachweis der bodenmechanisch bedingten Abmessungen und beim Nachweis der von Mate-
rialfestigkeit abhängigen Abmessungen von Bauwerken und Bauteilen (GZ 1B) sind die mit cha-
rakteristischen Werten der Bodenkenngrößen ermittelten Bodenwiderstände bzw. Bauteilwiderstän-
de mit dem Teilsicherheitsbeiwert für Widerstände in Bemessungswerte umzurechnen.
Beim Nachweis der Gesamtstandsicherheit sind die charakteristischen Werte der Scherfestigkeit mit
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den Teilsicherheitsbeiwerten JM und Jc bzw. Jcu für Widerstände in Bemessungswerte der Scherfe-
stigkeit umzurechnen.
Soweit beim Nachweis der Standsicherheit von konstruktiven Böschungssicherungen die Material-
festigkeit von Zuggliedern in Anspruch genommen wird, ist für die Ermittlung des Bemessungswi-
derstands die Gleichung Rd =Rk /JR in Verbindung mit den Teilsicherheitsbeiwerten für den Grenz-
zustand GZ 1B anzuwenden.
Sofern bei der Prüfung von Bodennägeln und flexiblen Bewehrungselementen ein vergleichbarer
Aufwand wie bei Verpressankern betrieben wird, dürfen die Teilsicherheitswerte angemessen her-
abgesetzt werden.
Sofern bewusst größere Verschiebungen des Bauwerks in Kauf genommen werden, darf in begrün-
deten Fällen der Teilsicheitsbeiwert für den passiven Erddruck herabgesetzt werden.
Technische Regelwerke @-11.7

Tafel 11.7a Teilsicherheitsbeiwerte für Einwirkungen und Beanspruchungen


Einwirkungen bzw. Beanspruchungen Formel- Lastfall
zeichen LF 1 LF 2 LF 3
GZ 1A: Verlust der Lagesicherheit
Günstige ständige Einwirkungen JG,stb 0,95 0,95 0,95
Ungünstige ständige Einwirkungen JG,dst 1,05 1,05 1,00
Ungünstige veränderliche Einwirkungen JQ,dst 1,50 1,30 1,00
Strömungskraft bei günstigem Untergrund JH 1,35 1,30 1,20
Strömungskraft bei ungünstigem Untergrund JH 1,80 1,60 1,35
GZ 1B: Versagen von Bauwerk und Bauteilen
Beanspruchungen aus ständigen Einwirkungen allgemein a JG 1,35 1,25 1,10
Beanspruchungen aus ständigen Einwirkungen aus Erdruhedruck J E0g 1,20 1,10 1,00
Beanspruchungen aus günstigen ständigen Einwirkungen b
JG,inf 1,00 1,00 1,00
Beanspruchungen aus ungünstigen veränderlichen Einwirkungen JQ 1,50 1,30 1,10
GZ 1C: Verlust der Gesamtstandsicherheit
Ständige Einwirkungen JG 1,00 1,00 1,00
Ungünstige veränderliche Einwirkungen JQ 1,30 1,20 1,10
GZ 2: Gebrauchstauglichkeit
Ständige Einwirkungen JG 1,00
Ungünstige veränderliche Einwirkungen JQ 1,00
a b
Einschließlich ständigem und veränderlichem Wasserdruck Nur im Sonderfall nach 8.3.4 (2).

Tafel 11.7b Teilsicherheitsbeiwerte für Widerstände


Widerstand Formel- Lastfall
zeichen LF 1 LF 2 LF 3
GZ 1B: Versagen von Bauwerken und Bauteilen
Bodenwiderstände
Passiver Erddruck (Erdwiderstand) und Grundbruchwiderstand J Ep, J Gr 1,40 1,30 1,20
Gleitwiderstand J Gl 1,10 1,10 1,10
Pfahlwiderstände
aus Probebelastung, Druck J Pc 1,20 1,20 1,20
aus Probebelastung, Zug J Pt 1,30 1,30 1,30
Erfahrungswerte, Druck und Zug JP 1,40 1,40 1,40
Verpressankerwiderstände
Stahlzuglied JM 1,15 1,15 1,15
Herausziehwiderstand des Verpresskörpers JA 1,10 1,10 1,10
GZ 1C: Verlust der Gesamtstandsicherheit
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Scherfestigkeit
Reibungsbeiwert tan M’ des dränierten Bodens und tan Mu des JM 1,25 1,15 1,10
undränierten Bodens
Kohäsion c’ des dränierten Bodens und Scherfestigkeit cu des
undränierten Bodens Jc, Jcu 1,25 1,15 1,10
Herausziehwiderstände
Boden- bzw. Felsnägel, Ankerzugpfähle J N, J Z 1,40 1,30 1,20
Verpresskörper von Verpressankern JA 1,10 1,10 1,10
Flexible Bewehrungselemente JB 1,40 1,30 1,20
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4 Flachgründungen

4.1 Einwirkungen und Beanspruchungen (GZ 1B und GZ 2)


Bemessungswerte der resultierenden Normal- und Tangentialkomponente Nd ; Td in Höhe der
Sohlfläche: Nd = NG,k˜JG + NQ,k˜JQ
Td = TG,k˜JG + TQ,k˜JQ
NG,TG … ständiger Anteil der charakteristischen Einwirkungen
NQ,TQ … veränderlicher Anteil der charakteristischen Einwirkungen
J… Sicherheitsbeiwert nach Abschn. 1.2
Bei nicht achsparallelem Kraftangriff zu einer Symmetrieachse ergibt sich Td Tdx2  Tdy2 .

4.2 Ansatz des stützenden Erddrucks (GZ 1B und GZ 2)


Bei Berücksichtigung der Bodenreaktion vor dem Bauwerk darf der stützende Erddruck als
Widerstand mit Ep,d = Ep,k / JEp berücksichtigt werden (Ep,k nach Abschn. 3.5).
Weiterhin ist beim Ansatz von Ep zu beachten:
— Der Ansatz von Ep muss unter Beachtung der Gleichgewichtsbedingungen am Bauwerk er-
folgen. Es ist zu überprüfen, inwieweit der Baukörper überhaupt Verschiebungen und Ver-
drehungen erfahren darf, die zur Mobilisierung des stützenden Erddrucks erforderlich sind.
— Beim Ansatz von Ep im Lastfall LF1 ist die dauerhafte Wirkung dieser Kraft sicherzustellen.
— Bei Bauzuständen oder zeitlich begrenzten Aufgrabungen, die zu einem vorübergehenden
Ausfall der Bodenreaktion führen, darf im GZ 1B beim Nachweis der Gleitsicherheit und
Grundbruchsicherheit der Lastfall 2 zugrunde gelegt werden.
Beim Nachweis der Grundbruchsicherheit darf Ep nicht als Widerstand, sondern muss als
Bodenreaktion Bk wie eine charakteristische Einwirkung mit Bk d 0,5˜Ep,k angesetzt werden (siehe
Abschn. 4.4.1).

4.3 Vergleich des einwirkenden und aufnehmbaren Sohldrucks


In einfachen Regelfällen darf bei Flachgründungen ein Vergleich des einwirkenden mit dem
aufnehmbaren Sohldruck als Ersatz für die Nachweise im GZ 1B und GZ 2 geführt werden. Eine
ausreichende Sicherheit ist vorhanden, wenn der einwirkende charakteristische Sohldruck kleiner
als der aufnehmbare Sohldruck ist: Vvorh d Vzul
4.3.1 Größe und Verteilung des vorhandenen charakteristischen Sohldrucks Vvorh
4.3.1.1 Allgemeines
Die Bemessung von Flachgründungen muss sicherstellen, dass
— das Fundament durch die Beanspruchungen im Gebrauchszustand nicht zerstört wird,
— die unter Gebrauchslast auftretenden Baugrundsetzungen sowie die sich daraus ergebenden
Verschiebungen und Verdrehungen ein für den Bestand und die Funktionssicherheit des
Bauwerks zulässiges Maß nicht überschreiten.
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Grundlage dafür ist die Kenntnis der aus dem aufgehenden Bauwerk in die Gründung eingetragenen
Lasten und der sich daraus ergebenden Reaktionskraft des Baugrunds, des Sohldrucks. Die sich aus
der Bauwerk ergebenden Lasten für die Gründung werden in der statischen Berechnung ermittelt.

Vereinfachte Ermittlung der Sohldruckverteilung nach DIN 1054:


— Beim Nachweis mit zulässigen Sohlpressungen darf eine gleichmäßige Verteilung des
Sohldrucks angenommen werden (siehe Abschnitt 4.3.1.2).
— Bei der Ermittlung der Schnittkräfte und der Setzungsberechnung darf von einer geradlinigen
Verteilung des Sohldrucks ausgegangen werden (siehe Abschnitt 4.3.1.2).
Flachgründungen @-11.45

— Bei biegeweichen Gründungsplatten und -balken kann nach DIN Fachbericht 130 [11.1]
vorgegangen werden (siehe Abschn. 4.3.1.3).

Abschätzung des Verformungsverhaltens von Gründungskörpern:


Die Bauwerkssteifigkeit ergibt sich aus der Steifigkeit der Gründung und des Überbaus. Vor allem
Letztere ist schwer erfassbar, da dabei der zeitliche Ablauf der Lasteintragung und das Kriechen des
Betons berücksichtigt werden müssen. Beide lassen sich nur abschätzen. Bei Stahlbetonbauteilen ist
außerdem bedeutungsvoll, ob mit einer gerissenen Zugzone gerechnet werden muss.
Eb ˜ b ˜ d 3
Die Steifigkeit eines reinen Betonbalkens mit dem E-Modul Eb ist E b ˜ I b .
12
Dieser Wert wird wegen des Einflusses des Kriechens meist nur zur Hälfte angesetzt. Die
Steifigkeit eines Hochhauses beschreibt das Ersatzflächenmoment I. Entsprechend dem
Steinerschen Satz erhält man
n nc
¦ I0  ¦ A ˜ y
2
I

wobei n die Geschosszahl und n' die Anzahl der mitwirkenden Geschosse (0 d n' d n) ist; bei
Skelettbauten ist in der Regel n' = 0, nur sehr steife Kellergeschosse wirken mit.
Das Steifigkeitsverhältnis Ks bzw. die Systemsteifigkeit erhält man aus folgenden Gleichungen:
Eb ˜ I
 Balken mit der Breite b, der Länge l und dem Flächenmoment I: Ks
Es ˜ l 3 ˜ b
3
Eb § d ·
 Plattenstreifen mit der Breite b = 1, der Länge l und der Dicke d: Ks ˜¨ ¸
12 ˜ E s © l ¹
Diese Gleichungen sind gültig unter der Voraussetzung, dass die Dicke der zusammendrückbaren
Schicht mindestens die Hälfte der Länge der kürzeren Fundamentseite beträgt.
Ks = 0 entspricht einem schlaffen oder sehr biegeweichen, Kso f einem starren Fundament. Die
Grenze zwischen schlaffen und starren Fundamenten ist etwa Ks = 0,1. Systeme mit Ks = 1 sind
schon als starr anzusehen. Bei der Berechnung ist zu unterscheiden, ob ein ebenes oder ein
räumliches System vorliegt. Ebene Systeme bilden Hochbauten in Querwandbauweise. Sie
verhalten sich in der Querrichtung nahezu starr.
4.3.1.2 Sohldruckermittlung bei Annahme einer gleichmäßigen oder geradlinigen
Verteilung
In einfachen Fällen wird der Einfluss der Verformungseigenschaften von Bauwerk und Gründung
ganz außer Acht gelassen und eine gleichmäßige oder geradlinige Sohldruckverteilung
angenommen.
Der Sohldruck an den Rändern bzw. Eckpunkten von Fundamenten ist nach den Angaben in
folgender Tabelle zu berechnen. Greift die resultierende Sohldruckkraft außerhalb der 1. Kernfläche
an, kommt es in bestimmten Bereichen zum „Klaffen“ der Sohlfuge.
Die charakteristischen Sohlspannungen unter dem Fundament erhält man zu:

1. gleichmäßige Spannungsverteilung 1) e
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

V
V V
Ac V
Bei ausmittigem Lastangriff wird die rech- b´
nerische Ersatzfläche A´= a´˜ b´ (siehe Abschnitt b
4.4.1) als wirksame Sohlfläche zugrunde gelegt.
@-11.46 Geotechnik

2. geradlinige Spannungsverteilung 2a) ex d bx /6 2b) bx /6 d ex d bx /3


x einachsige Ausmittigkeit ey= 0 (bzw. ex =0):
b V § 6 ˜ ex ·
a) ex d x : V 1, 2 ¨1 r ¸ bx/2 e bx/2 e c
6 bx ˜ by ¨© bx ¸¹
bx b 2 ˜V
b)  ex d x : V max V min 0!
6 3 3 ˜ c ˜ by V2 V1 V max
Im ebenen Fall (Streifenfundament) ist by = 1 zu
3˜c
setzen.

x zweiachsige Ausmittigkeit ey z 0 und exz 0:


e ey 1
c) x  d : 2d)
bx by 6
V §¨ 12 ˜ ex ˜ y 12 ˜ ey ˜ x ·¸
V ( x , y) 1r r V max
bx ˜ by ¨© bx2 by2 ¸¹ y

und für die vier Eckpunkte zu ex V


ey
x x
V §¨ 6 ˜ ex 6 ˜ ey ·¸

by
klaffende
V 1...4 1r r
bx ˜ by ¨© bx by ¸¹ Fuge
y
2 2
ex e y 1 § ex · § ey · 1 bx
d)  ! und ¨ ¸  ¨¨ ¸¸ d :
bx by 6 © bx ¹ © by ¹ 9
P ˜V
V max mit P nach Seite 4.35
bx ˜ by

4.3.1.3 Ermittlung der Sohldruckverteilung mit verbesserten Annahmen


Für die Berechnung der Sohldruckverteilung stehen u.a. das Bettungszahlverfahren und das
Steifezahlverfahren zur Verfügung. Als Mangel des Bettungszahlverfahrens ist anzusehen, dass
bei diesem Modell die Spannungsausbreitung im Boden unberücksichtigt bleibt. Die Anwendung
des Bettungszahlverfahrens und des Steifezahlverfahrens ist mit umfangreicher Rechenarbeit
verbunden und bedingt die Nutzung entsprechender Rechenprogramme. Die
Berechnungsergebnisse sind erheblich von den gewählten Eingangsgrößen wie Steifezahlen
Bettungszahlen sowie den vorhandenen Steifigkeiten abhängig und setzen diesbezügliche Erfahrung
voraus. Die Nutzung dieser Verfahren sollte entsprechenden Fachleuten vorbehalten bleiben.

Sohldruckverteilung bei einem biegsamen Fundament


Größe und Verteilung des Sohldrucks ergeben sich aus der Forderung, dass die Verformungen der
Fundamentsohle mit den Baugrundsetzungen identisch sind. Die Setzungen sind abhängig von der
Steifigkeit des Bauwerks und der Nachgiebigkeit des Baugrunds. Die Verteilung der Schnittgrößen
im Fundamentkörper reagiert sehr empfindlich gegenüber Veränderungen der Sohldruckverteilung,
ihrer zuverlässigen Ermittlung kommt daher eine große Bedeutung zu.
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Die lastverteilende Wirkung der Bauwerkssteifigkeit nimmt mit der Nachgiebigkeit des
Untergrunds zu. Die Konzentration des Sohldrucks unter den Lastangriffspunkten ist umso
ausgeprägter, die Biegebeanspruchung der Fundamentplatte umso geringer, je weicher die Platte
und je unnachgiebiger der Baugrund ist. Die Nachgiebigkeit des Baugrunds nimmt bei gleicher
Bodenbeschaffenheit mit zunehmender Dicke der zusammendrückbaren Schicht zu.

Sohldruckverteilung bei einem starren Fundament


In diesem Sonderfall kann der Sohldruck V mit Hilfe der nachstehenden Gleichungen von
Boussinesq berechnet werden.
Flachgründungen @-11.47

a) mittig belastetes Rechteckfundament


4 ˜V m
bx/2 V ( x, y )
­ª § ½
2 ˜ x · º ª §¨ 2 ˜ y ·¸ º °
2 2
° « »
2
® «  ¨ ¸ » ˜ 
¸ ¾
 1 ¨ ¸ 1
x ¨
y °̄«¬ © bx ¹ »¼ «¬ © by ¹ »¼ °¿

by
V (x,y) V
mit V m
bx ˜ by
bx
e=0

b) ausmittig belastetes, in Querrichtung starres Streifenfundament


8˜e˜ x
1
bx/2 ex bx/2 ex e1 bx 2 ˜V m bx2 V
ed : V ( x) ˜ mit V m
4  2 bx
§ 2˜ x ·
V V 1  ¨¨ ¸¸
© bx ¹
V (x) bx
V (x) e! :
4
x x x*
1
2˜e1 x* 2 ˜V m 2 ˜ e1 2 ˜ V m 2 ˜ e1  x *
V ( x) ˜ ˜
 § x* ·
2  2 ˜ e1  x *
ex d bx/4 ex > bx/4 1  ¨¨ ¸¸
© 2 ˜ e1 ¹
V
mit V m
4 ˜ e1

An den Rändern treten rechnerisch unendlich große Sohldrücke auf. Diese können in Wirklichkeit
vom Boden nicht aufgenommen werden. Im Baugrund kommt es am Fundamentrand infolge
Plastifizierung und Scherverformung zum Abbau der Randspannungen, verbunden mit einer
Spannungsumlagerung in den mittleren Fundamentbereich.
4.3.2 Aufnehmbarer Sohldruck Vzul für einfache Fälle
Voraussetzungen für die Anwendung der folgenden aufnehmbaren Sohldrücke Vzul:

— Die Fundamentform muss einem Streifenfundament entsprechen.


— Die Geländeoberfläche und die Schichtgrenzen müssen annähernd waagerecht verlaufen.
— Der für den Nachweis zugrunde gelegte Baugrund darf bis in eine Tiefe
d = 2 u Fundamentbreite, mindestens aber bis in 2 m Tiefe nicht an Tragfähigkeit verlieren.
— Der Baugrund darf nicht überwiegend dynamisch beansprucht werden. In bindigem Boden
entsteht kein nennenswerter Porenwasserüberdruck.
— Für die Neigung der resultierenden charakteristischen Beanspruchung in der Sohlfläche muss
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

tan G E = Hk/Vk d 0,2 gelten.


— Bei ausmittigem Lastangriff e der Resultierenden in der Sohlfläche darf nur die wirksame
Fundamentbreite bž= b  2 ˜ e in Rechnung gestellt werden (siehe auch Abschn. 4.4.1).
— Das zu untersuchende Bauteil befindet sich nicht im Lastausbreitungsbereich benachbarter
Bauwerke.
— Für die Ermittlung des aufnehmbaren Sohldrucks ist die kleinste vorhandene Einbindetiefe d
maßgebend. Bei Einbindetiefen dvorh > 2 m darf der aufnehmbare Sohldruck Vzul um
(dvorh  2) ˜JBoden erhöht werden (dvorh ist in der Einheit m einzusetzen).
— Der Nachweis der zulässigen Ausmittigkeit und der Kippnachweis sind erfüllt.
@-11.48 Geotechnik

I) Aufnehmbarer Sohldruck Vzul bei nichtbindigem Baugrund


x Basiswert des aufnehmbaren Sohldrucks Vzul(B)
Die Anwendung setzt eine ausreichend dichte Lagerung mit folgenden Anforderungen voraus:
Bodenart nach Ungleich- Lagerungs- Verdich- Spitzenwiderstand
DIN 18196 förmigkeit dichte tungsgrad Drucksonde
SE,GE,SU,GU,GT Ud3 D t 0,30 Dpr t 95 % qs t 7,5 MN/m²
SE,GE,SU,GU,GT,GW,SI,SW U>3 D t 0,45 Dpr t 98 % qs t 7,5 MN/m²

Vzul(B) in Abhängigkeit der Einbindetiefe d und der wirksamen Fundamentbreite bž:


Vzul(B,G) (Basiswert für Grundbruch) bzw.
Vzul(B,S) (Basiswert für Setzung) in kN/m²
700 d = 2,0m
d = 1,5m
600
d = 1,0m
500 d = 0,5m
400
d = 2,0m
300 d = 1,5m
d = 1,0m
200 d = 0,5m
0,3m d d < 0,5m
100
0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 Fundamentbreite bž in m
Bei mittiger Belastung ergeben sich bei Anwendung von Vzul(B,G) auf Grundlage der
Grundbruchsicherheit bei 1,5 m breiten Fundamenten Setzungen in der Größenordnung von 2 cm.
Die Setzungen nehmen mit zunehmender Fundamentbreite ungefähr proportional zu. Die
Sohldrücke Vzul(B,S), die auf Grundlage zulässiger Setzungen ermittelt wurden, ergeben bei einer
Fundamentbreite von 1,5 m ungefähr eine Setzung von 1 cm und bei breiteren Fundamenten in der
Regel eine maximale Setzung von 2 cm. Die i.d.R. geringeren aufnehmbaren Sohldrücke bei
Beachtung der Setzungen sind zugrunde zu legen, wenn die Verformungen begrenzt werden sollen.
x Aufnehmbarer Sohldruck Vzul in nichtbindigem Boden
 zur Gewährleistung der Grundbruchsicherheit: Vzul(G) = Vzul(B,G)˜(1+VL+VGAG)˜FA
 bei zusätzlicher Setzungsbegrenzung: Vzul(S) = Vzul(B,S)˜(1+VL+VG)
Die Parameter VL und VG zur Vergrößerung bzw. AG und FA zur Abminderung ergeben sich zu:
a) Abminderung AG des Sohldrucks Vzul(B,G) in Abhängigkeit der Lage des Grundwasserspiegels
Der Sohldruck muss mit AG verringert werden, wenn die Grundbruchsicherheit zugrunde gelegt
wird und der Abstand u zwischen Gründungssohle und Grundwasserspiegel geringer als die
wirksame Fundamentbreite bž ist.
Fall 1: Der Grundwasserspiegel befindet sich im Abstand u t bž unter der Gründungssohle:
AG = 1
Fall 2: Der Grundwasserspiegel befindet sich im Bereich zwischen u < bž und der Gründungssohle
(u = 0): AG = 0,4 (1u/bž)
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Fall 3: Der Grundwasserspiegel liegt in Höhe Gründungssohle bzw. darüber und es gilt d > 0,8 m
bzw. d > bž: AG = 0,6
b) Erhöhung V des Sohldrucks Vzul infolge dichter Lagerung oder Geometrie
Die Erhöhung mit V darf nach folgenden Kriterien erfolgen, wenn die wirksame Fundamentbreite
bž t 0,5 m und die Einbindetiefe d t 0,5 m sind.
 Eine Erhöhung von Vzul(B) um VG = 0,2 ist bei Rechteckfundamenten mit dem Verhältnis
Länge/ Breite až/bž < 2 oder Kreisfundamenten möglich, wobei Vzul(B,G) auf Grundlage der
Grundbruchsicherheit nur bei einer Einbindetiefe d > 0,6 ˜ bž erhöht werden darf.
Flachgründungen @-11.49

 Eine Erhöhung von bis zu 50 % mit VL = 0,5 für Vzul(B) ist möglich, wenn der Boden bis in eine
Tiefe von 2 u Fundamentbreite eine dichte Lagerung aufweist, die bei Einhaltung folgender
Voraussetzungen vorliegt:
Bodenart nach Ungleich- Lagerungs- Verdich- Spitzenwiderstand
DIN 18 196 förmigkeit dichte tungsgrad Drucksonde
SE, GE, SU, GU, GT Ud3 D t 0,50 Dpr t 98% qs t 15 MN/m²
SE, GE, SU, GU, GT, GW, SI U > 3 D t 0,65 Dpr t 100% qs t 15 MN/m²

c) Abminderung FA von Vzul(B,G) bei nicht lotrechtem Angriff der Resultierenden in der Sohlfläche
Die sich auf die Grundbruchsicherheit beziehenden Sohldrücke Vzul(B,G) und gegebenfalls nach
Punkt a) oder b) korrigierten Werte sind bei nicht lotrechter Beanspruchung abzumindern.
Fall 1: Bei einem Seitenverhältnis až/bž > 2 und Angriff der charakteristischen horizontalen
Beanspruchung Hk parallel zur langen Fundamentseite: FA = (1Hk/Vk )
Fall 2: Falls Fall 1 nicht zutreffend, gilt: FA= (1Hk/Vk )²
Bei setzungsempfindlichen Bauwerken ist zu überprüfen, ob der abgeminderte Sohldruck Vzul(G) auf
Grundlage der Grundbruchsicherheit nicht kleiner als der aufnehmbare Sohldruck unter Beachtung
der Setzungen Vzul(S) wird. Der kleinere Wert für Vzul ist dem Nachweis zugrunde zu legen.

II) Aufnehmbarer Sohldruck Vzul in kN/m² bei bindigem Baugrund


x Basiswert des aufnehmbaren Sohldrucks Vzul(B)
in Abhängigkeit der Einbindetiefe d und der wirksamen Fundamentbreite bž (bei bž > 2 m siehe
Unterpunkt a)
Die Ermittlung von Vzul(B) nach folgender Tabelle erfolgt für die jeweiligen Bodengruppen in
Abhängigkeit der Konsistenz oder der einaxialen Druckfestigkeit nach DIN 18 136. Bei weichen
Böden bzw. Unterschreitung der einaxialen Druckfestigkeit darf die folgende Tabelle zur
Ermittlung von Vzul nicht angewandt werden.

Schluff gemischtkörniger tonig schluffiger Boden Ton


UL SU, ST,Boden
GU, GT UM , TL, TM TA
Druckfestigkeit t120 120 300 >700 120 300 >700 120 300 >700
einaxial in kN/m² 300 700 300 700 300 700
Konsistenz steif steif halbfest fest steif halbfest fest steif halbfest fest
d = 0,5 m 130 150 220 330 120 170 280 90 140 200
d = 1,0 m 180 180 280 380 140 210 320 110 180 240
d = 1,5 m 220 220 330 440 160 250 360 130 210 270
d = 2,0 m 250 250 370 500 180 280 400 150 230 300

Innerhalb der Tabelle darf geradlinig interpoliert werden. Die Einhaltung der gegebenen Sohldrücke
Vzul(B) führt bei mittig belasteten Fundamenten zu Setzungen zwischen 2 bis 4 cm.
x Aufnehmbarer Sohldruck Vzul in bindigem Boden
Vzul = Vzul(B)˜(1+VA)
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

a) Abminderung A des Sohldrucks bei einer Fundamentbreite bž > 2 m


Bei Fundamentbreiten von 2 m < bžd 5 m gilt: A = 0,1˜( bž/2 m1) mit bž in m
b)Vergrößerung V des Sohldrucks
Bei Rechteckfundamenten mit dem Verhältnis Länge/Breite až/bž < 2 und Kreisfundamenten
dürfen die ermittelten Werte um 20 % mit V = 0,2 erhöht werden.

4.4 Grundbruchsicherheit 1) (GZ 1B)


Bei Bauwerken an einem Geländesprung oder einer Böschung kann anstelle des Grundbruch-
nachweises der Gelände- oder Böschungsbruchnachweis maßgebend sein. Anstelle des
1)
Nach DIN 4017 (03.2006).
@-11.50 Geotechnik

Grundbruchnachweises darf für einfache Regelfälle auch der Vergleich der einwirkenden und
aufnehmbaren Sohlpressungen nach Abschn. 4.3 erfolgen.
4.4.1 Grundbruchnachweis bei homogenem Boden unterhalb der Sohlfläche
Grundbruchfigur bei ausmittiger und geneigter Beanspruchung Qk in der Sohlfläche:

b

eb

Qk G N
k

Tk Epk d J 1,k

J2,k , MN , ck

Grundbruchwiderstand
Die Berechnung des Grundbruchwiderstands nach folgenden Formeln darf für nichtbindige Böden
mit D > 0,2 und U d 3, oder D > 0,3 und U > 3, sowie für bindige Böden mit Ic > 0,5 durchgeführt
werden. Für Flachgründungen mit d/b d 2 (für d/b > 2 liegen die Ergebnisse auf der sicheren Seite,
sofern mit d/b = 2 gerechnet wird) ergibt sich unter der Annahme einer gleichmäßigen
Sohlspannungsverteilung:
a) die mittlere charakteristische Grundbruchspannung Vg
Vg,k = bž˜J2,k˜Nb0˜Qb˜ib˜Ob˜[b + d˜J1,k˜Nd0˜Qd˜id˜Od˜[d + ck˜Nc0˜Qc˜ic˜Oc˜[c
b) der charakteristische Grundbruchwiderstand Rn,k
Rn,k = Až˜Vg,k
c) der Bemessungswert des Grundbruchwiderstands Rn,d normal zur Sohlfläche
Rn,d = Rn,k /JGr mit JGr nach Abschn. 1.2
d) Nachweis im GZ 1B
Nd d Rn,d Nd siehe Abschn. 4.1 , zum Ansatz von Ep siehe Abschn. 4.2
Bei bindigen Boden kann eventuell der Nachweis der Anfangsstandfestigkeit mit Mu,k und cu,k
maßgebend sein. Für die ständigen und veränderlichen Einwirkungen ist der maßgebende Fall für
den Nachweis durch Kombination zu untersuchen, insbesonders sind die Kombinationen (Nk(max)
und Tk(max)) und (Nk(min) und Tk(max)) zu beachten.

Ermittlung der Parameter in der Grundbruchgleichung


J1,k Wichte des Bodens oberhalb der Gründungssohle in Ausweichrichtung
J2,k Wichte des Bodens innerhalb der Grundbruchfigur bis in Höhe Gründungssohle
d Einbindetiefe unter Geländeoberfläche in Ausweichrichtung

x Rechnerische Ersatzfläche Až und rechnerische Sohlbreite bž bei rechteckförmigem Grundriss:


Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

ea Prinzipielles Vorgehen:
Die rechnerische Ersatzfläche Až ist so zu bilden, dass die
Beanspruchung Qk im Schwerpunkt dieser Fläche angreift
(für ea = eb = 0 gilt až = a und bž = b).
b
eb

Q
až = a  2˜ea und bž = b  2˜eb Beachte: b d a und bž d až
Až = až˜bž

a

Bei Aussparungen in der Sohlfläche, die nicht mehr als 20 % der Gesamtfläche betragen, darf die
äußere umrissene Fläche zugrunde gelegt werden.
Flachgründungen @-11.51

x Tragfähigkeitsbeiwerte N (Nb0 nach Meyerhof, Nd0 nach Prandtl und Nc0 nach Caquot)
Nb0 = (Nd0  1) ˜ tanM k; Nd0 = eS˜tan M ˜ tan2(45° + M k /2); Nc0 = (Nd0  1) / tanM k

M k in ° 0 5 10 15 20 22,5 25 27,5 30 32,5 35 37,5 40 42,5


Nb0 0,0 0,0 0,3 0,8 2,0 3,0 4,5 7 10 15 23 34 53 83
Nd0 1,0 1,6 2,5 3,9 6,4 8,2 10,7 14 18 25 33 46 64 92
Nc0 5,1 6,5 8,3 11,0 14,8 17,4 20,7 25 30 37 46 58 75 99

x Lastneigungsbeiwerte i
— Sonderfall: Greift die resultierende charakteristische Beanspruchung Qk normal zur
Gründungssohle an, dann gilt ib = id = ic = 1.
— Die Lastneigung ergibt sich zu tan _G _ = Tk/ Nk.
— Bei einer Lastneigung _G _ t M k der Resultierenden Qk ist bei nichtbindigem Boden der
Gleitsicherheitsnachweis nach Abschn. 4.5 maßgebend.
— Der Lastneigungswinkel G ist positiv, wenn der Richtungssinn des sich verschiebenden
Gleitkörpers mit der Tangentialkomponente T der angreifenden Beanspruchung Q gleich ist,
andernfalls negativ. Im Zweifelsfall sind beide Fälle zu untersuchen.

Definition Lastneigungswinkel G :
G
G
Q Q
N N
T T

a) für Mu,k = 0 und cu,k z 0


id 1; ic 0,5  0,5 1  Tk / A´˜c u,k
b) für M k > 0 und ck t 0 (mit M k und G in °)
ib id ic
G>0 (1– tan G) m+1 *)
(1– tan G) m

G<0 (1– 0,04 G)0,64+0,028 M (1– 0,0244 G)0,03+0,04 M (id ˜ Nd0 – 1)/(Nd0 – 1)
*)
Formel gilt nur für Streifenfundament oder Tk in Richtung bž.
Definition des Winkels Z :
m = ma˜cos²Z + mb˜sin²Z
Nk
mit mb = [2+(bž/až)]/[1+(bž/až)]
für Tk in Richtung bž
ma = [2+(až/bž)]/[1+(až/bž)] Z bž
für Tk in Richtung až
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Tk


x Formbeiwerte Q mit bž d až
Grundrissform Qb Qd Q c (M k z 0) Q c (M k = 0)
Streifen 1,0 1,0 1,0 1,0
Rechteck 1  0,3˜bž/až 1 + sinM k ˜bž/až (Qd˜Nd0  1)/(Nd0  1) 1 + 0,2˜bž/až
Kreis 0,7 1 + sinM k (Qd˜Nd0  1)/(Nd0  1) 1,2
@-11.52 Geotechnik

x Sohlneigungsbeiwerte [
— Sonderfall: Bei horizontaler Gründungssohle (D = 0) gilt [ = 1.
— Der Sohlneigungswinkel D ist positiv, wenn der Richtungssinn des sich verschiebenden
Gleitkörpers mit der Horizontalkomponente Nh der angreifenden Normalkomponente N gleich
ist, andernfalls negativ. Im Zweifelsfall sind beide Fälle zu untersuchen.

N N
T
T +D
-D

N
Q [b [ d [c
E M k > 0; c k t 0 e 0,045˜D˜tan M
G
d M u,k = 0; cu,k t 0  1 1 0,068 D
D

x Geländeneigungsbeiwerte O
— Sonderfall: Bei horizontaler Geländeoberfläche (E = 0) gilt O = 1.
Voraussetzungen für die Anwendbarkeit der Beiwerte O:
— Die lange Fundamentseite a verläuft etwa parallel zur Böschungskante.
— Die resultierende Horizontalkomponente der Einwirkungen greift etwa parallel zur kürzeren
Fundamentseite b an.
— E < Mk

Ob Od O c
 0,0349˜E˜tan M
M k > 0; c k t 0 (1 0,5˜tan E)6
(1 tan E) 1,9
(Nd0˜e 1)/(Nd01)
Mu,k = 0; cu,k t 0  1 0,4˜tan E

E ist in ° in die Formeln einzusetzen.


x Berücksichtigung von Bermen
Bei einer Berme sind zwei Vergleichsuntersuchungen erforderlich:
a) E = 0 und dž = d
b) E z 0 und dž = d + 0,8˜s˜tan E
Der ungünstigere Fall ist
maßgebend.

d
E
0,8s
s
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

x Berücksichtigung einer Bodenreaktion:


Der stützende Erddruck infolge Bodenreaktion darf parallel zur Sohlfläche mit Ep,k(mob) d 0,5˜Ep,k
wie eine charakteristische Einwirkung angesetzt werden, wobei Ep,k(mob) immer kleiner als die
Tangentialkomponente der anderen charakteristischen Einwirkungen Tk sein muss (siehe auch
Abschn. 4.2).

Ausweichrichtung beim Grundbruch


Bei Annahme homogenen Bodens und freier Beweglichkeit des Baukörpers ergibt sich in
Abhängigkeit des Lastangriffs von Q:
Flachgründungen @-11.53

b/2 e b/2 b/2


b/2 b/2
Q
Q Q G

Bei mittiger lotrechter Lasteintragung ist ein Ausweichen nach beiden Seiten möglich.
Bei Bauteilen, die durch Abstützungen o.Ä. am seitlichen Ausweichen gehindert werden, wird ein
lotrechtes Einsinken erzwungen. Die Berechnung hat dann wie für einen lotrecht mittig belasteten
Gründungskörper zu erfolgen.

Abschätzung der Grundbruchfigur


bei lotrechter mittiger Beanspruchung eines Streifenfundaments sowie D = E = 0 und c = 0:

b/2 b/2 l

Q
l = F1˜b d
ds= F2˜b
ds

M k in ° 0 5 10 15 20 22,5 25 27,5 30 32,5 35 37,5 40 42,5


F1 1,0 1,3 1,6 2,0 2,5 2,9 3,3 3,7 4,3 5,0 5,8 6,8 8,0 9,6
F2 0,7 0,8 0,9 1,0 1,2 1,2 1,4 1,5 1,6 1,7 1,9 2,1 2,4 2,6
Weicher bindiger Boden unterhalb der Deckschicht
Bei Vorhandensein eines gesättigten bindigen Bodens (2) unter einer festeren Deckschicht (1) mit
M1 > 25° und einem Abstand d1 d 2b unterhalb der Gründungssohle ist ein zusätzlicher
Grundbruchnachweis unter Berücksichtigung des Durchstanzens zu erbringen.
§ b· § b·
b 2 ˜ ¨1  ¸ ˜ N c ˜ cuk ,2  ¨ 3  2 ¸ ˜ A* ˜  ˜ k ,1 ˜ d1
Rn ,k a ˜ b ˜ ©
a¹ © a¹
Q § b · B ˜O*
¨3  2 ˜ ¸ ˜ e 1
© a¹
d
Nc = (2+S )˜(1+ 0,2˜b/a); O = d1/a + d1/b
d1 tragfähiger Boden (1) starre Fundamente mit Mk,1 in °:
B*=1,66˜10-6˜Mk,133,02˜10-4˜Mk,12+1,38˜10-2˜Mk,1
A*=1,11˜10-6˜Mk,132,01˜10-4˜Mk,12+9,17˜10-3˜Mk,1
weicher bindiger Boden (2)
schlaffe Lasteinleitung mit Mk,1 in °:
B*=3,92˜10-7˜Mk,137,97˜10-5˜Mk,12+3,98˜10-3˜Mk,1
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

A*=2,61˜10-7˜Mk,135,31˜10-5˜Mk,12+2,66˜10-3˜Mk,1
4.4.2 Grundbruchnachweis bei geschichtetem Boden unterhalb der Sohlfläche
Möglichkeiten:
— unter Ansatz eines Ersatzbodens mit gemittelten Parametern M k , ck und J k entsprechend den
Anteilen (M k, ck…Gleitflächenanteile, J k…Flächenanteil am Grundbruchkörper) der jeweiligen
Schicht an der Grundbruchfigur, wobei die Abweichung der Reibungswinkel M der einzelnen
Schicht vom arithmetischen Mittelwert nicht mehr als 5° betragen darf.
— mittels besonderer Untersuchungen, z.B. Nutzung grafischer Verfahren oder Probebelastungen.
@-11.54 Geotechnik

4.5 Gleitsicherheit (GZ 1B)


Die Gefahr des Gleitens besteht entlang der Sohlfläche oder einer darunter befindlichen
Schnittfläche im Baugrund (z.B. bei Fundamenten mit Sporn oder bei in Gleitrichtung ansteigender
Sohlfläche) nach DIN 1054, falls der Bemessungswert der parallel zu dieser Fläche angreifenden
Kräfte Td in Verschiebungsrichtung größer als der Bemessungswert der widerstehenden Kräfte (Rt,d
und Ept,d) ist.

Nachweis: Td d Rt,d + Ept,d

x Bestimmung des Bemessungswertes des Gleitwiderstandes Rt,d:


Rt,d Rt,d = Rt,k / JGl mit JGl nach Abschn. 1.2
a) Schnittebene in Höhe der Sohlfläche
 nichtbindiger oder konsolidierter bindiger Boden: Rt,k = NK ˜ tan G s,k
 bindiger wassergesättigter Boden mit M u = 0: Rt,k = A ˜ cu,k
b) Schnittebene im Boden unterhalb der Sohlfläche Rt,k = Nk ˜ tan M k + A˜ck
Nk normal zur betrachteten Schnittebene gerichtete charakteristische Beanspruchung (siehe
Abschn. 4.1) aus der ungünstigsten Kombination ständiger und veränderlicher Ein-
wirkungen
M k, ck, cu,k charakteristische Scherparameter
A für die Kraftübertragung maßgebende Sohlfläche
G s,k Erfahrungswerte für den Sohlreibungswinkel G s,k: bei Sohlflächen aus Ortbeton und
Fertigteilen im Mörtelbett G s,k = M k mit G s,k d 35° und bei Fertigteilen G s,k = 2˜M k /3
Ept,d Bemessungswert des passiven Erddrucks Ept,d = Ept,k/JEp parallel zur Sohlfläche (siehe
Abschn. 3.5 und Abschn. 4.2). Bei ausreichend tiefer Einbindung des Fundaments in den
Baugrund wird eine Verdrehung durch eine beidseitige Bodenreaktion verhindert, wobei
ept,k(mob) d 0,5˜ept,k einzuhalten ist.

4.6 Kippen (GZ 1B)


Bei ausmittiger Beanspruchung ist der Nachweis ausreichender Kippsicherheit erfüllt, wenn Qk aus
den ständigen und veränderlichen Einwirkungen in den Lastfällen LF 1 und LF 2 höchstens ein
Klaffen der Sohlfuge bis zum Schwerpunkt der Sohlfläche verursacht, das heißt, Qk nicht außerhalb
der 2. Kernfläche liegt. Im Lastfall LF 3 darf bei erfülltem Grundbruchnachweis der Nachweis
gegen Kippen entfallen. Die maßgebende Lage von Qk mit der größten Ausmittigkeit ergibt sich aus
der ungünstigsten Kombination ständiger und veränderlicher Einwirkungen. Der stützende
Erddruck ist nicht anzusetzen, da nur Einwirkungen berücksichtigt werden.

Für rechteckförmige Sohlflächen gilt:


Nachweis, dass Qk sich innerhalb
ex Begrenzung 1.Kernfläche der 1. Kernfläche befindet:
Begrenzung 2.Kernfläche ex e y 1
 d
bx by 6
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Q
6(by/6)
ey

by

Nachweis, dass Qk nicht außerhalb


der 2. Kernfläche liegt:
2 2
6(bx/6) § ex · § ey · 1
¨ ¸  ¨¨ ¸¸ d
© bx ¹ © by ¹ 9
bx
Flachgründungen @-11.55

Für kreisförmige Sohlflächen mit dem Radius r gilt:


1. Kernfläche bis re = 0,25 ˜ r und 2. Kernfläche bis re = 0,59 ˜ r.

Für Baukörper, bei denen kleine Belastungsänderungen eine erhebliche Vergrößerung der
Exzentrizität der resultierenden Kraft in der Sohlfläche nach sich ziehen, sind besondere
Untersuchungen erforderlich.

4.7 Sicherheit gegen Aufschwimmen (GZ 1A)


Bei nicht verankerten Konstruktionen ist folgender Nachweis zu führen:
Ak˜J G,dst + Qk˜JQ,dst d Gk˜J G,stb + Fs,k˜JG,stb

mit den charakteristischen Werten


Ak hydrostatische Auftriebskraft an der Unterseite der Gründung
Qk ungünstige veränderliche Einwirkungen in vertikaler Richtung
Gk unterer Wert der günstigen ständigen Einwirkungen
Fs,k eventuell zusätzlich einwirkende Scherkraft

Die Sicherheitsbeiwerte J für den GZ 1A können dem Abschn. 1.2 entnommen werden.
Die Vertikalkomponente des aktiven Erddrucks kann als ständig günstige Einwirkung mit
Fs,k = Eav,k = 0,8˜Eah,k ˜ tan G a
berücksichtigt werden. Bei Dauerbauwerken muss bei Berücksichtigung von Scherkräften am
vertikalen Bauwerksrand z.B. Eav,k nachgewiesen werden, dass der Nachweis gegen Aufschwimmen
auch ohne Berücksichtigung der Scherkräfte für den Lastfall LF 3 erfüllt ist.

4.8 Zulässige Ausmittigkeit der resultierenden charakteristischen


Beanspruchung (GZ 2)
Damit keine klaffende Fuge auftritt, sind die Fundamentabmessungen so zu wählen, dass Qk aus
den ständigen Einwirkungen in der Sohlfläche innerhalb der 1. Kernfläche liegt (siehe Abb. in
Abschn. 4.6). Es sind nur Einwirkungen, aber keine Widerstände zu berücksichtigen.

4.9 Verschiebungen in der Sohlfläche und Verdrehungen (GZ 2)


Der Nachweis unzuträglicher Verschiebungen in der Sohlfläche gilt unter folgenden beiden
Bedingungen als erbracht:
wenn das Gleichgewicht der charakteristischen Kräfte parallel zur Sohle bei vollständiger
Inanspruchnahme des Gleitwiderstandes eine Bodenreaktion erfordert, für die weniger als 30 % des
charakteristischen passiven Erddrucks erforderlich ist (gilt nur bei mindestens steifen bindigem
Boden oder nichtbindigem Boden mit mitteldichter Lagerung);
oder Erfüllung des Gleitsicherheitsnachweises ohne Berücksichtigung des stützenden Erddrucks.
In allen anderen Fällen sind gesonderte Untersuchungen erforderlich.

Bei Einhaltung der zulässigen Ausmittigkeit nach Abschn. 4.8 kann angenommen werden, dass bei
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Einzel- und Streifengründungen keine unzulässigen Verdrehungen des Bauwerks auftreten.

4.10 Setzungen 1) (GZ 2)


Definition: Setzung ist die lotrechte Verschiebung der Bodenteilchen infolge statischer
Spannungszunahme in Richtung der Schwerkraft. (Für Senkungen, Sackungen und Erdfall sind
andere Ursachen maßgebend. Deren Berechnung kann nicht nach Abschnitt 4.10.1 bis 4.10.3
erfolgen.)

1)
Nach E DIN 4019 (10.2003).
@-11.56 Geotechnik

4.10.1 Gesamtsetzung s
s0 Sofortsetzung infolge Anfangsschubverformung
0 t und/oder Sofortverdichtung
s1 Konsolidationssetzung (Primärsetzung) infolge

s0
Auspressen von Porenwasser und Porenluft
s2 Kriechen (Sekundärsetzung) infolge plastischen

¦s
s1
Fließens bei bindigen Böden, wobei dieser
Vorgang stark zeitabhängig ist s2 = f (t)
t Zeit

s2
s Gesamtsetzung 6 s = s0 + s 1 + s 2

4.10.2 Ermittlung der Gesamtsetzung 6 s (Zeit tof) infolge lotrechter Belastung


4.10.2.1 Berechnungsmöglichkeiten
 mit Hilfe des Druck-Stauchung-Diagramms aus Laborversuchen oder mit Hilfe lotrechter
Spannungen unter Ansatz eines mittleren Zusammendrückungsmoduls Esm bzw. eines
spannungsabhängigen Steifemoduls Es =f (V) (indirekte Berechnung nach Abschn. 4.10.2.4)
 mit Hilfe einer Setzungsformel (direkte Berechnung nach Abschn. 4.10.2.5).
4.10.2.2 Vorgehen bei der Setzungsberechnung
Im Fall, dass die Setzungen bei der Bemessung des Tragwerks berücksichtigt werden, sind diese
aufgrund
 vorsichtig geschätzter charakteristischer Mittelwerte
 oder als Bemessungswerte der kleinsten und größten zu erwartenden Setzungen zu
ermitteln.
Die Berechnung ist abhängig vom Verformungsverhalten (starr/schlaff) des Gründungskörpers
(siehe auch Abschnitt 4.3).
a) Schlaffer Gründungskörper
Bei einem schlaffen Gründungskörper bildet sich eine Setzungsmulde aus. Die Berechnung kann
nach Abschn. 4.10.2.4 oder 4.10.2.5 erfolgen. Die Ermittlung der Setzung unter einem beliebigen
Punkt innerhalb und außerhalb der Belastungsfläche ist mit Hilfe der lotrechten Spannungen (siehe
Abschn. 4.10.2.4) möglich.
b) Starrer Gründungskörper
Es erfolgt eine gleichmäßige Setzung der Gründungssohle bei mittiger Belastung und
oberflächenparalleler Schichtung des Bodens bzw. eine Verkantung der Sohle bei ausmittiger
Lasteintragung.

Berechnung der Setzungen:


x Bei gleichmäßiger Sohldruckverteilung kann die Setzungsermittlung mit Hilfe der lotrechten
Spannungen (siehe Abschn. 4.10.2.4) bzw. den Setzungsbeiwerten f (siehe Abschn. 4.10.2.5) unter
den kennzeichnenden Punkten (k.P.) in der Gründungssohle (siehe nachfolgende Abb.) wie für ein
schlaffes Fundament durchgeführt werden, da die Setzung unter diesen Punkten bei einem schlaffen
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

und bei einem starren Gründungskörper übereinstimmt.


x Bei trapezförmiger Sohldruckverteilung kann bei der Berechnung
 mit Hilfe der lotrechten Spannungen zunächst die Setzungsmulde wie für einen schlaffen
Gründungskörper ermittelt werden. Danach kann durch das Festlegen einer Ausgleichsebene
(siehe folgende Abbildung) die Setzung des starren Fundaments näherungsweise bestimmt
werden.
 Bei Anwendung einer Setzungsformel können die Setzungen der Eckpunkte infolge der
ausmittigen Lasteintragung mit zusätzlichen Beiwerten fx und fy z.B. nach Kany ermittelt werden,
falls keine klaffende Sohlfuge auftritt.
Flachgründungen @-11.57

Festlegen der Ausgleichsebene bei kennzeichnende Punkte (k.P.) bei rechteckigem Grundriss:
einachsiger Ausmittigkeit:
V1(l) V1(r)
0,74˜a/2

0,74˜b/2
k.P.
k.P. k.P. V1

sr

s
s
sm´
sl

sm
a Setzung:
starres Fundament
( sl  sm  sr ) schlaffes Fundament
Ausgleichsebene sm´ |
3
4.10.2.3 Parameter zur Setzungsberechnung
V0 Sohldruck unter dem Fundament bei Annahme einer geradlinigen Verteilung (siehe
Abschn. 4.3.1.2)
V1 setzungswirksamer Sohldruck unter Berücksichtigung der Vorbelastung in Höhe der
Gründungssohle (siehe Abschn. 4.10.5.2)
Vz lotrechte Spannung infolge Auflast in einer beliebigen Tiefe z (siehe Abschn. 4.10.5.3)
Vü lotrechte Spannung infolge Eigenlast (siehe Abschn. 4.10.5.4)
i Spannungseinflusswert nach Abschn. 4.10.5.3

Grenztiefe ts
a) Tiefe, bei der das Spannungsverhältnis Vz /Vü = 0,2 erreicht wird
b) Schichtgrenze, falls sich eine nachgiebige Schicht über einer unnachgiebigen befindet;
kleinerer Wert der Bedingung nach a) oder b) ist für die Festlegung von ts maßgebend.
(Sonderfall: Liegt eine sehr weiche Schicht unterhalb der Grenztiefe ts, so ist diese
entsprechend tiefer anzunehmen.)
Bei ausmittiger Belastung ist der Mittelwert des lotrechten Sohldruckanteils für die Berechnung der
Grenztiefe ts maßgebend.
4.10.2.4 Berechnung mit Hilfe lotrechter Spannungen
Setzungsberechnung bei Annahme eines mittleren konstanten Steifemoduls Esm über die
gesamte Grenztiefe ts :
a) Ermittlung des mittleren Steifemoduls Esm
 Esm für Vorentwürfe nach EAU [11.2] oder Vorgehensweise nach Fußtext der Tafel S. 11.23
 Esm-Bestimmung anhand des Druck-Stauchungs-Diagramms
 Esm ist auch durch Rückrechnung aus Setzungsbeobachtungen bestimmbar.
Bei Wiederbelastung ist in der Regel der Zusammendrückungsmodul größer als bei
Erstbelastung.
Bei alleiniger Bestimmung von Esm durch Kompressionsversuche im Labor sind zur
Berücksichtigung von Modellfehlern und Probestörungen eventuell Korrekturfaktoren durch den
Sachverständigen für Geotechnik festzulegen.
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

b) Ermittlung der Gesamtsetzung 6 s = s, falls bei der Ermittlung von Esm die Anteile aus
Sofortsetzung und Kriechen mit erfasst wurden (Erläuterung der Variablen siehe 4.10.2.3):
z t
s z ts
1 A
Esm z ³0 Esm z ³0
s V z d z H z dz A

Näherungsweise ist die Berechnung von A mit der Kepler´schen Fassregel möglich:
t
6
t

A s ˜ (V z( z 0 )  4 ˜ V z( z ts / 2 )  V z ( z ts ) ) s ˜ (V 0  V v ) ˜ i(z 0)  4 ˜ i(z ts/2)  i(z ts )
6
mit i nach Abschn. 4.10.5.3
@-11.58 Geotechnik

Genauere Setzungsermittlung bei Vorliegen der Druck-Stauchung-Beziehung aus einem


Kompressionsversuch oder bei Zugrundelegung eines spannungsabhängigen Steifemodul-
ansatzes:
— Bestimmung der lotrechten Spannungen infolge Eigenlast Vü und infolge Auflast Vz
jeweils in der Tiefe z = 0; z = ts/2; z = ts ;
bei homogenem Boden gilt: V ü(i) V v  z ˜ J Boden
V z(i) (V 0  V v ) ˜ i(i) mit i(i) f (a , b, z ) nach Abschn. 4.10.5.3
— Ermittlung der Stauchung 'Hz(i)
Zeichnerische Lösung durch Abgreifen der Stauchung 'Hz(i) aus Druck-Stauchungs-Diagramm
oder Berechnung mit Hilfe eines spannungsabhängigen Steifemodulansatzes
v ˜  ref  /  ref nach Ohde mit Vref = 1 bar; Q und w siehe Abschn. 2.8:
w
Es
1
§  ü(i) ·v
w 1 :  z(i) 1 ¨ ¸ ;
¨  ü(i)   ¸
© z(i) ¹
(1 w ) (1 w )
a 1 (0,01 ü(i) )  (0,01(  ü(i)   z(i) ))
w z 1 :  z(i) 1  e mit a ˜
v (1 - w)
Alle Spannungen sind in der Einheit einzusetzen. kN/m2
— Ermittlung der Setzung mit Hilfe der Kepler´schen Fassregel
z ts
ts
s ³  dzz A mit A
6
˜ ( 'z(z 0)  4 ˜ ' z(z ts /2)  'z(z ts ) )
z 0
Vv V1=V0-Vv
(in Höhe Gründungs-
sohle gilt z=0)

Vü Vz 0 Hz
d

'Hz(z=0)
Vz(z=0)=V1˜i(z=0
ts/2

AH

Vz(z=ts/2)=V1˜i(z=ts/2) 'Hz(z=ts/2)
ts/2

E* 'Hz(i)
A* B* C* Vz(i)=V1˜i(i)
Vü(i) D*
Vz(z=ts)=V1˜i(z=ts) 'Hz(z=ts)
z z

lotrechte Spannungsverteilung im Baugrund


V0
Vv V 1=V 0-V v
Vü(i) Vz(i)
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

A* B* C* V

D*
'Hz(i)

Esm = tanE
E*

H E

Druck-Stauchungs-Diagramm aus Kompressionsversuch


Flachgründungen @-11.59

4.10.2.5 Berechnung mit Hilfe einer Setzungsformel


Bei gleichmäßig verteilter Belastung auf einer rechteckförmigen schlaffen Fundamentfläche A = a˜b
mit a t b ergeben sich die Setzungen für die Grenztiefe z = ts (bei starren Fundamenten unter k.P.):
V1 ˜ b ˜ f
s mit f = fk für den kennzeichnenden Punkt (k.P.); f =f1 für den Eckpunkt nach Kany.
Esm
z/b a/b = 1 a/b = 1,5 a/b = 2,0 a/b = 3,0 a/b = 4,0 a/b = 5,0
f1 fk f1 fk f1 fk f1 fk f1 fk f1 fk
0,75 0,18 0,42 0,18 0,46 0,18 0,48 0,18 0,51 0,18 0,52 0,18 0,53
1,00 0,23 0,49 0,23 0,54 0,23 0,57 0,24 0,61 0,24 0,63 0,24 0,64
1,25 0,27 0,54 0,28 0,60 0,28 0,64 0,28 0,69 0,28 0,71 0,28 0,73
1,50 0,30 0,58 0,32 0,65 0,32 0,70 0,33 0,75 0,33 0,79 0,33 0,81
1,75 0,33 0,61 0,35 0,69 0,36 0.74 0,37 0,81 0,37 0,85 0,37 0,87
2,00 0,35 0,64 0,38 0,73 0,39 0,78 0,40 0,85 0,40 0,90 0,40 0,93
2,25 0,37 0,66 0,40 0,76 0,42 0,82 0,43 0,89 0,43 0,94 0,44 0,98

4.10.3 Setzungen infolge Kriechens


Setzungen sk infolge Kriechen müssen zeitabhängig betrachtet werden.
tpk=H ²˜JW/(k˜Es) und W = t/ tpk
für W > 1 gilt näherungsweise: sk (t) = CD˜h0˜log (W)/(1+e0)
CD Kriechbeiwert des Bodens t betrachteter Zeitraum
h0 Ausgangshöhe der kriechfähigen Schicht tpk Primärkonsolidierungszeit
e0 Anfangsporenzahl k Durchlässigkeitsbeiwert
H H = h0 einseitig dräniert Es Steifemodul des Bodens
H = h0/2 zweiseitig dräniert JW Wichte des Wassers

4.10.4 Grenzwerte für Verformungen


Bei Ausbildung einer Setzungsmulde gilt nach Skempton:

li
l 1/750 Grenze für setzungsempfindliche Maschinen
D 1/500 Sicherheitsgrenze zur Vermeidung jeglicher
'si Risse
1/300 Grenze für erste Risse in tragenden Wänden
1/250 Sichtgrenze für die Schiefstellung hoher
Verdrehung: D = 'si/li starrer Bauwerke
1/150 erhebliche Risse in tragenden Wänden
Sicherheitsgrenze für Ziegelwände h/l < 1/4
Schadensgrenze für Bauwerke allgemein
1/10 Schiefer Turm von Pisa
's
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Die angegebenen Werte gelten für Muldenlagerung. Bei Sattellagerung ist die zulässige Setzung zu
halbieren.
Die messtechnische Überprüfung (siehe DIN 4107) der rechnerischen Setzungsprognose ist
während der Bauausführung besonders dann empfehlenswert, wenn das zu errichtende Bauwerk
oder die vorhandene Nachbarbebauung sehr setzungsempfindlich ist oder erhebliche Schäden durch
unzulässige Setzungen zu erwarten sind.
@-11.60 Geotechnik

4.10.5 Bestimmung der lotrechten Spannungen Vz infolge lotrechter Auflast und


VÜ infolge Eigenlast des Bodens im elastisch isotropen Halbraum
4.10.5.1 Mittlerer Sohldruck V0 unter dem Gründungskörper
Ermittlung von V0 unter Annahme einer geradlinigen Spannungsverteilung (siehe Abschn. 4.3.1.2).

4.10.5.2 Setzungswirksamer Sohldruck V1 infolge Auflast


Erfolgt nach dem Aushub der Baugrube keine Entspannung des Bodens (infolge Wegfall der
Vorbelastung) vor dem Aufbringen der Auflast V0, so ergibt sich der setzungswirksame Sohldruck
V1 zu: V1 = V0  Vv . Bei einer Aushubtiefe d ergibt sich Vv zu Vv = JBoden˜ d.
Bei überkonsolidierten Böden und/oder Entspannung des Baugrunds ist Vv = 0 zu setzen und der
Steifemodul für Wiederbelastung für V1 d Vv anzusetzen.
4.10.5.3 Lotrechte Spannungen Vz im Baugrund infolge Auflast bei rechteckförmigem
Grundriss
a) Spannungen Vz unter dem kennzeichnenden Punkt infolge gleichmäßiger Flächenlast V1:
Vz = ik˜V1 in einer beliebigen Tiefe z mit ik nach Tafel 11.61a
b) bei geradliniger Verteilung des setzungswirksamen Sohldrucks V1 sind die Spannungen Vz unter
dem Eckpunkt eines schlaffen Gründungskörpers in einer beliebigen Tiefe z
Vz = i1˜V1 mit i1 nach Tafel 11.61b
 Eine trapezförmige Sohldruckfigur ist in Rechtecke und rechtwinklige Dreiecke zu zerlegen,
damit die Ermittlung der lotrechten Spannungen Vz mit i1 nach Tafel 11.61b, 11.60a und
11.60b durch Superposition der Spannungsanteile erfolgen kann.
 Die Spannungen unter einem beliebigen Punkt innerhalb oder außerhalb der Belastungsfläche
können durch Superposition der Spannungsanteile gewonnen werden (siehe folgende
Abbildung).
c) Spannungen unterhalb eines schlaffen Gründungskörpers unter anderen Voraussetzungen:
 bei gleichmäßiger Flächenbelastung und beliebigem Grundriss nach Newmark siehe [11.3]
 bei kreis- oder rechteckförmigem Grundriss und Einzel- oder Streifenbelastung siehe [11.3].

Spannungseinflusswerte i1 unter dem Eckpunkt einer dreieckförmigen Belastungsfläche


nach Jelinek

Tafel 11.60a Für V1 = 0 Tafel 11.60b Für V1 = Vmax


Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.
Flachgründungen @-11.61

Tafel 11.61a Spannungseinflusswerte ik unter


dem kennzeichnenden Punkt einer
rechteckförmigen Belastungsfläche
nach Kany 1)

Tafel 11.61b
Spannungseinflusswerte i1 unter
dem Eckpunkt einer rechteckförmigen
Belastungsfläche nach Steinbrenner 1)

Tafeln 11.60a, 11.60b, 11.61a und 11.61b gelten für schlaffe Gründungskörper im elastisch
isotropen Halbraum bei rechteckförmigem Grundriss.
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Beispiel für die Spannungsermittlung unter einem Punkt P außerhalb der Belastungsfläche A:

A2 A3
A A4
a

A1
y +a

y+a

= _ _ +
y
y
y

P
b x b+x b+x x x

1) Die linke Skala ist für die linke Kurvenschar und die rechte Skala für die rechte Kurvenschar zu benutzen.
@-11.62 Geotechnik

4.10.5.4 Lotrechte Spannungen Vü infolge Eigenlast des Bodens


Vü = Vv + JBoden˜ z
in einer beliebigen Tiefe z mit Vv = J Boden ˜ d bei erstbelastetem Boden, falls keine Entspannung des
Bodens vor Aufbringen der Auflast erfolgt (siehe auch Erläuterungen zu V1).

Beispiel: Ermittlung der Setzung für ein Einzelfundament


geg.:
b=2m — gleichmäßige Sohlspannungsverteilung V0 = 285 kN/m
— starres Verformungsverhalten des Fundaments
— Abmessung der Sohlfläche A = 2 m ˜ 4 m
k.P. — Einbindetiefe d = 2 m
— Wichte des Bodens J k = 17,5 kN/m³

z — mittlerer Steifemodul Esm = 10 MPa

Annahmen: Bei schnellem Baufortschritt kann sich der Boden beim Aushub infolge des
Wegfalls der Bodenauflast in Höhe Baugrubensohle kaum entspannen.
Die Vorbelastung beträgt V v = d˜J k = 2 ˜ 17,5 = 35 kN/m2 .
Die setzungswirksame Spannung V1 beträgt somit:
V1 = V0  Vv = 285  35 = 250 kN/m2.

Lsg.: Berechnung der Setzung unter kennzeichnendem Punkt k.P., da starres Fundament.

1. Ermittlung der Grenztiefe ts bei Vz /Vü = 0,2 durch Probieren


mit a = 4 m und b = 2 m

z a/b z/b ik Vz = ik ˜ V1 Vü = J ˜ z+Vv Vz / Vü


m Tafel 11.61a kN/m² kN/m²
0 2 0 1 250 35 7,14
3 2 1,5 0,2082 52,1 87,5 0,59
4 2 2 0,1475 36,9 105 0,35
6 2 3 0,0823 20,6 140 0,15
5,2 2 2,6 0,1024 25,50 126 0,20

2. Ermittlung der Setzung für den Grenzzustand GZ 2


2.1 Setzungsberechnung mit Hilfe der lotrechten Spannungen
AH Vz unter dem kennzeichnenden Punkt k.P. mit ik nach Tafel 11.61a:
0 Vz(0)/Esm bei z = 0 Vz (o) = V1˜ik(o) = 250 ˜ 1 = 250 kN/m2
bei z = ts/2 Vz (m) = V1˜ik(m) = 250 ˜ 0,242 = 60,5 kN/m2
bei z = ts Vz (u) = V1˜ik(u) = 250 ˜ 0,102 = 25,5 kN/m2
ts/2 Vz(m)/Esm
Setzung s, falls keine Korrektur von Esm erforderlich
s = AH = ts˜(Vz (o) + 4˜Vz (m) + Vz (u))/6/Esm
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

= 5,2˜(250 + 4 ˜ 60,5 + 25,5)/6/10 000


ts Vz(u)/Esm s = 0,045 m = 4,5 cm
z
2.2 Setzungsberechnung mit Hilfe einer Setzungsformel
fk | 0,86 für z/b = ts/b = 2,6 (mit fk aus Abschn. 4.10.2.5)
s = V1˜b˜f /Esm = 250 ˜ 2 ˜ 0,86/10 000 = 0,043 m = 4,3 cm
Pfahlgründungen @-11.63

5 Pfahlgründungen
5.1 Pfahlarten
Pfähle übertragen die Belastung über die Pfahlmantelfläche und den Pfahlfuß in den Baugrund. Es
wird in axial belastete Druck- oder Zugpfähle und in horizontal belastete Pfähle unterschieden. Für
die Nachweise nach DIN 1054 wird unterteilt in Verdrängungspfähle (Verdichtung des umgeben-
den Bodens beim Einbau), Bohrpfähle und verpresste Mikropfähle. Nach der Herstellungsart Unter-
scheidung in Fertig- und Ortpfähle.
Ortbetonpfähle Ausbetonieren des Bohrlochs. Stützung des Bohrlochs durch Verrohrung oder
Stützflüssigkeit. Unterscheidung in Bohr-, Ortramm-, Pressrohr- und Rüttelpfähle.
Verbundpfähle sind eine Kombination aus Fertig- und Ortpfahl. Dabei wird die Kraftübertragung
zum umgebenden Erdreich durch Verpressen mit Beton oder Zementmörtel erreicht.
Vorschriften/Regelwerke:
Empfehlungen des Arbeitskreises „Pfähle“ EA-Pfähle der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik,
Ernst & Sohn, 2007; Normen über Ausführung spezieller geotechnischer Arbeiten (Spezialtiefbau):
DIN EN 1536 (06.99) – Bohrpfähle
DIN EN 12 699 (05.01) – Verdrängungspfähle
DIN EN 14 199 (08.01) – Pfähle mit kleinen Durchmessern (Minipfähle)
DIN EN 12 794 (06.97) – Vorgefertigte Gründungspfähle aus Beton

5.2 Einwirkungen und Beanspruchungen


Neben den Einwirkungen aus den Gründungslasten sind u.a. folgende grundbauspezifische Einwir-
kungen zu berücksichtigen:
Seitendruck
Biegebeanspruchung aus Seitendruck ist zu berücksichtigen bei Vertikalpfählen als Folge von hori-
zontalen Bodenbewegungen und bei Schrägpfählen als Folge von Setzungen und Hebungen des
Bodens. In weichen, bindigen Böden ist der Seitendruck mit den charakteristischen Bodenkenngrö-
ßen für folgende Fälle zu untersuchen, wobei der kleinere Wert maßgebend ist:
– resultierender Erddruck aus der Differenz der Erddrücke, die auf gegenüberliegende Flächen
des im Boden eingebetteten Bauteils wirken,
– Fließdruck infolge Vorbeifließens des Bodens bei voll ausgeschöpfter Scherfestigkeit.
Negative Mantelreibung
Schubkräfte auf die Mantelflächen sind als ständige Einwirkungen anzusetzen, wenn sich der Bo-
den relativ zum Pfahl überwiegend vertikal bewegt. Charakteristischer Wert der negativen Mantel-
reibung (cu,k undrainierte Kohäsion, VV effektive Vertikalspannung, M’k Reibungswinkel, K0 Erdru-
hedruckbeiwert):
W n,k c u,k für bindige Böden W n,k V V' ˜ K 0 ˜ tan M ' k für nichtbindige Böden
Die Bemessungswerte der Beanspruchungen, d.h. axial bzw. horizontal auf den Pfahl wirkende
Kräfte, sind aus den charakteristischen Einwirkungen zu ermitteln und den Bemessungswerten der
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Widerstände gegenüberzustellen.

5.3 Pfahlwiderstände
Die nachfolgenden Angaben zur Ermittlung der Pfahlwiderstände gelten für Einzelpfähle. Bei Pfäh-
len in Pfahlgruppen und bei Pfahl-Platten-Gründungen ist teilweise mit abweichendem Wider-
stands-Setzungs-Verhalten zu rechnen.
5.3.1 Axiale Pfahlwiderstände
Pfahlwiderstand R des in axialer Richtung belasteten Einzelpfahls ist Funktion der Pfahlkopfset-
zung s, Anteile: Fußwiderstand Rb(s) (nur bei Druckpfählen) und Mantelwiderstand RS(s). Die Wi-
derstands-Setzungs(Hebungs)-Linie soll aufgrund statischer Probebelastungen oder von Erfahrun-
gen mit vergleichbaren Verhältnissen ermittelt werden (DIN 1054). Liegen keine Erfahrungen mit
@-11.64 Geotechnik

vergleichbaren Verhältnissen vor und sind Probebelastungen nicht möglich, darf der charakteristi-
sche Pfahlwiderstand aus Erfahrungswerten bestimmt werden. Aus der Arbeitslinie des Einzelpfahls
erhält man den Widerstand im GZ1 bei der Setzung s1. Wird kein Grenzwert des Widerstands fest-
gestellt, gilt: s1 0,1 ˜ Db (Db Pfahlfußdurchmesser).
5.3.1.1 Bohrpfähle, charakteristische axiale Pfahlwiderstände (Erfahrungswerte)
Zur Ermittlung des axialen Pfahlwiderstands R1,k(s) Widerstands-Setzungs-Linie nach folgendem
Ansatz konstruieren: R1,k ( s ) Rb1,k ( s )  RS1,k ( s ) q b1,k ˜ Ab  ¦ qS1,k,i ˜ AS,i
Ab Pfahlfußfläche AS,i Pfahlmantelfläche der Schicht i
qb1,k Pfahlspitzenwiderstand qs1,k,i Pfahlmantelreibung in der Schicht i
R1,k(s) Pfahlwiderstand Rb1,k(s) Pfahlfußwiderstand (base)
RS1,k(s) Pfahlmantelwiderstand (shaft)
sg 0,1 ˜ DS bzw. sg 0,1 ˜ Db Grenzsetzung sg s1 DS Pfahlschaftdurchmesser
s sg 0,5 ˜ RS,k ( s )  0,5 d 3,0 cm RS,k in MN, bei Zug ssg,zug 1,3 ˜ ssg
Anforderungen für Ansatz der Tabellenwerte:
– Einbindetiefe der Pfähle in den Baugrund: min-
destens 5 m bzw. mit größer dem 5fachen Pfahl-
schaftdurchmesser DS
– Einbindetiefe in tragfähige Schicht t 2,5 m.
Voraussetzungen für Anwendung der Erfahrungs-
werte des Pfahlspitzenwiderstands:
– Mindestmächtigkeit der tragfähigen Schicht
unterhalb Pfahlfuß: dreifacher Pfahlfußdurch-
messer bzw. 1,5 m
– Für diesen Bereich ist qc t 10 MN/m2 bzw. cu,k
t 0,10 MN/m2 nachzuweisen.
Andernfalls ist der Nachweis gegen Durchstanzen
zu führen und es ist zu untersuchen, inwieweit der
darunterliegende Boden das Setzungsverhalten be-
einflusst.
Pfahlspitzenwiderstand qb,k in MN/m2 nach DIN 1054 Tab. B.1, B.2 und B.5
s/Ds Nichtbindiger Boden bindiger Boden Fels
2) 2 3) 2
Oder bei qc in MN/m bei cu in MN/m bei qu,k4) MN/m2
s/Db1) 10 15 20 25 0,1 0,2 0,5 5 20
0,02 0,70 1,05 1,40 1,75 0,35 0,90
0,03 0,90 1,35 1,80 2,25 0,45 1,10 1,5 5 10
0,1 (=sg) 2,00 3,00 3,50 4,00 0,80 1,50
Zwischenwerte geradlinig interpolieren. Bohrpfähle mit Fußverbreiterung: Werte auf 75 % ab-
mindern.
Bruchwert der Pfahlmantelreibung qs,k in MN/m2 nach DIN 1054 Tab. B.3 bis B.5
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Nichtbindiger Boden bindiger Boden Fels


bei qc2) in MN/m2 bei cu3) in MN/m2 bei qu,k4) MN/m2
0 5 10 15 0,025 0,1 0,2 0,5 5 20
0,00 0,04 0,08 0,12 0,025 0,04 0,06 0,08 0,5 0,5
1)
Bezogene Pfahlkopfsetzung: s Pfahlkopfsetzung, Ds Pfahlschaftdurchmesser, Db Pfahlfuß-
durchmesser.
2)
Spitzenwiderstand Drucksonde DIN 4094 (Spitzenquerschnittsfläche 10 cm2).
3)
Undrainierte Kohäsion des Bodens.
4)
Einaxiale Druckfestigkeit nach Empfehlungen des AK Versuchstechnik im Fels der DGGT.
Pfahlgründungen @-11.65

Sind Verformungen der Pfahlgründung für das Gesamttragwerk von Bedeutung, ist unter Vorgabe
charakteristischer aufnehmbarer Setzungen s2,k der Nachweis des GZ2 unter Benutzung der Pfahl-
widerstands-Setzungs-Linien zu führen (siehe DIN 1054).
Es ist der Nachweis E 2,d E 2,k d R2,d R2,k zu erbringen (siehe Abschnitt 1).

5.3.1.2 Gerammte Verdrängungspfähle, charakteristische axiale Pfahlwiderstände (Erfah-


rungswerte)
Erfahrungswerte für die Berechnung der axialen Tragfähigkeit von Verdrängungspfählen sind für
den GZ 1B nur für nichtbindige Böden und Fertigteilpfähle aus Stahlbeton oder Spannbeton ange-
geben. Andernfalls ist der Nachweis für den Grenzzustand GZ 2 mit den entsprechenden Erfah-
rungswerten für Pfahlmantelreibung und Pfahlspitzenwiderstand zu führen.
Charakteristische Pfahlwiderstände für den Grenzzustand GZ 1B dürfen wie folgt ermittelt werden:
R1,k Rb1,k  RS1,k q b1,k ˜ Ab  ¦ qS1,k,i ˜ AS,i
Die Anwendung der Erfahrungswerte für den GZ 1B ist auf Fertigverdrängungspfähle aus Stahlbe-
ton oder Spannbeton mit Durchmessern DS = 0,2 bis 0,5 m beschränkt. Folgende Anforderungen an
die Bodenschicht sind nachzuweisen:
– Der Baugrund besteht aus nichtbindigen Böden.
– Die Mächtigkeit der tragfähigen Schicht unterhalb der Pfahlfußfläche entspricht mindestens dem
3fachen des Pfahlfußdurchmessers und ist größer als 1,5 m.
– Der Spitzenwiderstand der Drucksonde ist in diesem Bereich qc t 7,5 MN/m2.
Charakteristischer Pfahlspitzenwiderstand qb1,k und charakteristische Pfahlmantelreibung qs1,k von
Fertigteilpfählen aus Stahl- oder Spannbeton in nichtbindigem Boden für den Grenzzustand
GZ1B nach Tabelle C.1 und C.2 der DIN 1054
Bruchwert der Pfahlmantelreibung qs1,k Pfahlspitzenwiderstand qb1,k
bei mittlerem Spitzenwiderstand bei mittlerem Spitzenwiderstand
der Drucksonde qc in MN/m2 der Drucksonde qc in MN/m2
2,5 7,5 15 t 25 7,5 15 t 25
0,023 0,07 0,130 0,170 2,0 5,0 12,0
Zwischenwerte dürfen geradlinig interpoliert werden.
Für gerammte Fertigteilverdrängungspfähle aus Stahl- oder Spannbeton kann ein gesonderter
Nachweis der Pfahltragfähigkeit im GZ 2 entfallen. Die zu erwartenden Setzungen liegen i.d.R.
unter 1,5 cm.
Für die Anwendung der Erfahrungswerte zum Nachweis des Grenzzustandes GZ 2 sind folgende
Anforderungen an den Boden nachzuweisen:
– ausreichend tragfähiger nichtbindiger Boden, Spitzenwiderstand der Drucksonde von qct10
MN/m2,
– annähernd halbfester bindiger Boden mit IC|1,0 bzw. cut150 kN/m2.
Die Pfahlwiderstände für den GZ2 dürfen um 25 % erhöht werden, wenn
– nichtbindiger Boden mit qct15 MN/m2,
– halbfester bindiger Boden mit ICt1,0 bzw. cut200 kN/m2 ansteht.
Charakteristische Pfahlwiderstände R2,k in kN von gerammten Verdrängungspfählen für den
Grenzzustand GZ2 nach Tabelle C.3 und C.4 DIN 1054
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Holz Stahl- und Spannbeton


Einbindetiefe in den Pfahlfußdurchmesser Seitenlänge
tragfähigen Boden Db in cm aS in cm
in m 15 20 25 30 35 20 25 30 35 40
3,0 100 150 200 300 400 200 250 350 450 550
4,0 150 200 300 400 500 250 350 450 600 700
5,0 - 300 400 500 600 - 400 550 700 850
6,0 - - - - - - - 650 800 1000
@-11.66 Geotechnik

Charakteristische Pfahlwiderstände R2,k in kN von gerammten Verdrängungspfählen aus Stahl


für den Grenzzustand GZ2 nach Tabelle C.5 in DIN 1054
Einbindetiefe in den Stahlträgerprofile 1) Stahlrohr-2) und Stahlkastenprofile3)
tragfähigen Boden Breite oder Höhe in cm D bzw. a in cm
in m 30 35 35 bzw. 30 40 bzw. 35 45 bzw. 40
3,0 - - 350 450 550
4,0 - - 450 600 700
5,0 450 550 550 700 850
6,0 550 650 650 800 1000
7,0 600 750 700 900 1100
8,0 700 850 800 1000 1200
Zwischenwerte geradlinig interpolieren.
1)
Breite I-Träger mit Breite : Höhe ca. 1:1, z.B. HEB-Profile.
2)
Werte für Pfähle mit geschlossener Spitze. Für offene Pfähle 90% des Tabellenwerts anset-
zen, wenn fester Bodenpfropfen innerhalb des Pfahls mit Sicherheit vorhanden.
3)
D äußerer Durchmesser des Stahlrohrpfahls oder mittlerer Durchmesser eines zusammenge-
setzten, radialsymmetrischen Pfahls, aS mittlere Seitenlänge von annähernd quadratischen
oder flächeninhaltsgleichen rechteckigen Kastenpfählen.
5.3.1.3 Verpresste Mikropfähle (Erfahrungswerte)
Wenn keine Probebelastungen an verpressten Mikropfählen (DS d 0,3 m) ausgeführt werden kön-
nen, darf im Ausnahmefall der charakteristische, axiale Pfahlwiderstand im GZ 1B wie folgt be-
rechnet werden: R1,k ¦ qS1,k,i ˜ AS,i
AS,i Nennwert der Pfahlmantelfläche der Schicht i
qs1,k,i Pfahlmantelreibung in der Schicht i

Charakteristische Werte der Pfahlmantelreibung qs1,k bei verpressten Mikropfählen nach Tabelle
D.1 der DIN 1054
Bodenart qs1,k in MN/m2
Mittel- und Grobkies4) 0,20
Sand und Kiessand4) 0,15
Bindiger Boden5) 0,10
4)
Lagerungsdichte (DIN 18 126) D t 0,4 bzw. Spitzenwiderstand der Drucksonde
qc t 10MN/m2
5)
Konsistenzzahl (DIN 18 122-1) IC t 1,0 bzw.
Scherfestigkeit im undrainierten Zustand cu t 150 kN/m2.
5.3.2 Pfahlwiderstände quer zur Pfahlachse
Ermittlung des charakteristischen Querwiderstands eines Einzelpfahls, zahlenmäßig durch den Bet-
tungsmodul kS beschrieben, aufgrund von Probebelastungen oder Erfahrungen mit vergleichbaren
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Probebelastungen. Ansatz des Querwiderstands bei Pfählen mit Schaftdurchmesser DS t 0,3m bzw.
Kantenlänge aS t 0,3m zulässig.
ES,k
Für Ermittlung der Schnittgrößen gilt für die Bettungsmoduln der Schichten: k S,k
DS
kS,k Bettungsmodul (charakteristischer Wert), ES,k Steifemodul (charakteristischer Wert),
DS Pfahldurchmesser, bei DS > 1,0m ist DS = 1,0m anzusetzen.
Anwendung dieser Beziehung für Horizontalverschiebungen d 2,0cm oder 0,03·DS (kleinerer Wert
maßgebend). Größe und Verteilung von kS,k längs des Pfahls aus Probebelastung, wenn keine Erfah-
rungen vorliegen und Verformungen der Pfahlgründung für Tragverhalten des Bauwerks von Be-
deutung sind.
Stützkonstruktionen @-11.67

6 Stützkonstruktionen

6.1 Stützmauern
6.1.1 Allgemeines
Grundprinzipien für die Ausbildung der Entwässerung
— In die Hinterfüllung sollte so wenig Wasser wie möglich eindringen (u.a. anströmendes
Schichtenwasser durch schräg zum Mauerfuß verlegte Drainagen bzw. Niederschlagswasser an
der Geländeoberfläche sammeln und abführen).
— Stauendes Wasser an der Rückseite von Gewichts- und Winkelstützmauern ist durch sorgfältige
Ausbildung der Drainage zu vermeiden, da dadurch eine zusätzliche Belastung der Mauer
infolge Wasserdruck auftritt.
6.1.2 Gewichtsmauern
Belastung:
— Nichtverankerte Gewichtsmauern auf nachgiebigem Baugrund
werden i.d.R. durch den aktiven Erddruck belastet (siehe
Abschn. 3).
— Bei lagenweisem Einbau mit Verdichtung ist zusätzlich ein
Konsole Verdichtungserddruck zu berücksichtigen.
Erdstatische Nachweise:
— Nachweis der Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit wie bei
Flachgründungen nach Abschn. 4.

6.1.3 Winkelstützmauern
Belastung:
— Bei Winkelstützmauern sind nach DIN 4085 für den
B Standsicherheitsnachweis und die Bemessung der Mauer
unterschiedliche Erddruckansätze maßgebend.
— Für den Nachweis der Standsicherheit kann bei Austritt

Ea der Gegengleitfläche GGF an der Geländeoberfläche


GGF ersatzweise der oberflächenparallele Ansatz des aktiven
90° Erddrucks Ea in der lotrechten Ebene AB erfolgen.
-a Erdstatische Nachweise:
— Nachweis der Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit
A
wie bei Flachgründungen nach Abschn. 4.

6.1.4 Stützmauern nach dem Verbundprinzip


sind unter anderen:
— bewehrte Erde (i.d.R. flächenhafte Bewehrung mit Geotextilien)
— Bodenvernagelung (siehe Abschn. 7)
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

— Raumgitterstützwände (i.d.R. aus Stahlbetonfertigteilen).


Nachweis der Tragfähigkeit:
— Nachweis der äußeren Standsicherheit wie bei Gewichtsmauern
— Nachweis der inneren Standsicherheit für den Verbundkörper
durch Überprüfung möglicher Bruchmechanismen innerhalb des
Verbundkörpers und Nachweis gegen Versagen von Bauteilen.

Bodenvernagelung
@-11.68 Geotechnik

6.2 Stützwände
6.2.1 Übersicht zu den Nachweisen
Für Stützwände sind folgende Nachweise immer zu führen:
– Versagen des Erdwiderlagers bzw. Nachweis ausreichender Einbindetiefe (GZ 1B) nach
Abschn. 6.2.3
– Nachweis der Vertikalkräfte nach Abschn. 6.2.4
– Versagen des Materials (GZ 1B) nach Abschn. 6.2.6.
Zusätzlich sind bei verankerten Stützwänden folgende Nachweise erforderlich:
– Aufbruch des Verankerungsbodens (GZ 1B) bei Ankerplatten und -wänden
– Versagen in der tiefen Gleitfuge (GZ 1B) nach Abschn. 8.7
– ausreichende Lastaufnahme durch Verpressanker oder Zugpfähle (GZ 1B) nach Abschn. 8.7
– Geländebruchsicherheit (GZ 1C) nach Abschn. 7; dieser Nachweis ist nur erforderlich, wenn
besondere Gegebenheiten, z.B. Vorhandensein eines Bodens mit geringer Tragfähigkeit
unterhalb des Wandfußes, die Ausbildung eines Geländebruchs fördern.
Bei Vorhandensein von Grundwasser können eventuell folgende Nachweise erforderlich sein:
– Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch (GZ 1A) siehe Abschn. 8.8
– Auftriebssicherheit (GZ 1A) siehe auch Abschn. 4.7.
Zum Nachweis der Gebrauchstauglichkeit siehe Abschn. 6.2.5.
6.2.2 Berechnungsalgorithmus
Zur Ermittlung der Einbindetiefe für ungestützte oder einfach gestützte Wände stehen zwei
verschiedene Verfahren zur Verfügung.
Ver- Algo- Charakterisierung Einschränkungen
fahren rithmus
I S.11.72 Ermittlung Einbindetiefe t für Ausnutzungsgrad P = 1 veränderliche Auflasten
II S.11.73 Ermittlung Ausnutzungsgrad P
für eine vorgegebene Einbindetiefe t
1) Annahme zur Auflagerung
Wahl der Auflagerung, frei aufgelagert/eingespannt, im Einbindebereich siehe Abschn. 6.2.3.1.
2) Ermittlung des Erddrucks
Ermittlung der charakteristischen horizontalen Einwirkungen Fh,k infolge des belastenden
Erddrucks eh,k und evtl. des Wasserdrucks wk und anderer äußerer Belastungen getrennt nach
ständigen und veränderlichen Einwirkungen FGh,k bzw. FQh,k. Für das Verfahren I im Bereich
zi = 0 bis (h+ud) und beim Verfahren II im Bereich zi = 0 bis (h+t1).
Zur Ermittlung des belastenden Erddrucks in Abhängigkeit der Wandnachgiebigkeit siehe
Abschn. 3. Für den Erddruckneigungswinkel G ist zunächst eine Annahme zu treffen (für
Spundwände i.d.R. G a = 2˜M / 3; G p = M bis 2˜M / 3 und für Schlitzwände G a = M / 2;
G p = M / 2; bei weichen bindigen Boden ist stets G p = 0 zu setzen).
Bei veränderlichen Flächenlasten pQ muss der Anteil kleiner 10 kN/m² als ständige Auflast pG
angesetzt werden. Es gilt im Fall pQ d 10 kN/m²: pG = pQ und im Fall pQ > 10 kN/m²:
pG = 10 kN/m² und p´Q = pQ – 10 kN/m².
Evtl. Korrektur (Erddruckumlagerung) des einwirkenden Erddrucks besonders unter Beachtung
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 19. Auflage 2012.

der Verformungsmöglichkeit der Wand, die u.a. von Lage, Art und Anzahl der Abstützungen
wesentlich beeeinflusst wird. Falls keine wirklichkeitsnahe Verteilung bekannt ist, erfolgt die
Korrektur i.d.R. nach EAB. Die Umlagerung erfolgt i. Allg. bis in Höhe Baugrubensohle.
3) Ermittlung der Einbindetiefe t und Nachweis des Ausnutzungsgrades P des Erdwiderlagers
siehe Abschn. 6.2.3
4) Nachweis des vertikalen Gleichgewichts
4a)Nachweis 6V = 0 (inneres Gleichgewicht)
Kontrolle des inneren Gleichgewichts der Vertikalkräfte 6 V nach Abschn.6.2.4.1.
Stützkonstruktionen @-11.69

Kann der Nachweis für eine nach unten gerichtete resultierende Vertikalkraft p6V t 0 nicht
erbracht werden, muss die Annahme zum Erddruckneigungswinkel G korrigiert werden. Das
heißt, die gesamte Berechnung muss mit einer verbesserten Annahme i.d.R. zu Gp ab
Unterpunkt 2 wiederholt werden.
4b)Nachweis gegen Versinken von Bauteilen (siehe Abschn. 6.2.4.2)
5) Bemessung des Wandquerschnitts (siehe Abschn. 6.2.6)
Ermittlung der Biegemomente M der Wand.
Zum Nachweis des Wandprofils auf Biegung ist i.d.R. die Ermittlung der maximalen Momente
MG,k und MQ,k getrennt nach ständigen und veränderlichen Einwirkungen ausreichend. Die
Maxialmomente MG,k und MQ,k befinden sich i.d.R. nicht an der gleichen Stelle. Zur
Vereinfachung kann jedoch MG+Q,k = MG,k + MQ,k oder MQ,k = MG+Q,k – MG,k angenommen
werden. Das Bemessungsmoment ergibt sich dann zu: Ms,d = MG,k˜JG + MQ,k˜JQ. Die Ermittlung
des maximalen Moments im Einspannbereich sollte nicht unter Ansatz der resultierenden
Auflagerkraft Bk erfolgen, sondern unter Berücksichtigung der Verteilung der Bodenreaktion.
6) Nachweise für die Abstützungen (siehe Abschn. 6.2.1) mit Sd = SG,k˜JG + SQ,k˜JQ
7) Nachweis der Gebrauchstauglichkeit (siehe Abschn. 6.2.5)
6.2.3 Nachweis gegen Versagen des Erdwiderlagers (GZ 1B)
6.2.3.1 Allgemeines
Stützwände können zur Einschränkung von Verformungen oberhalb des Einbindebereichs durch
Steifen oder rückwärtige Verankerungen abgestützt werden. Die eingeschränkte
Verformungsmöglichkeit der Wand bei Abstützungen muss beim Erddruckansatz berücksichtigt
werden (siehe Abschn. 3). Hinsichtlich der Auflagerung am Wandfuß unterscheidet man zwischen
den zwei Grenzfällen „freie Auflagerung“ und „Einspannung“. Die Annahme eines frei
aufgelagerten Wandfußes ergibt die geringstmögliche Einbindetiefe t, die zur Gewährleistung der
Standsicherheit notwendig ist. Eine angenommene Einspannung der Wand erfordert die
Einbindetiefe t, bei deren Überschreitung sich das Tragverhalten der Wand hinsichtlich der
Horizontalbelastung nur geringfügig ändert. Bei sehr starren Wänden z.B. Schlitzwänden wird
i.d.R. keine Einspannung erreicht. Die Annahme einer freien Auflagerung führt zu größeren
Eigenverformungen der Stützwand. Liegt die Einbindetiefe zwischen den Grenzfällen „freie
Auflagerung“ und „Einspannung“ spricht man von einer teilweisen Einspannung.
Zur Berechnung von Stützwänden im Gebrauchszustand, z.B. der Ermittlung von Verformungen,
werden i.d.R. andere statische Modelle genutzt z.B. elastische Bettung im Einbindebereich.
6.2.3.2 Ausnutzungsgrad P des Erdwiderlagers und der Stützkraft S
Bei Baugruben wird i.d.R. der Lastfall LF 2 maßgebend. Der folgende Berechnungsalgorithmus gilt
für ungestützte oder einfach gestützte Wände:
1) Ermittlung der passiven Erddruckkraft Eph,k im Bereich der Einbindetiefe t1. Bei der Größe der
Erddruckkraft infolge Eigenlast darf i.d.R. von einem linear mit der Tiefe zunehmenden passiven
Erddruck ausgegangen werden. Nur bei der Lage des ideellen Auflagers im Einbindebereich
muss für das statische Ersatzsystem eine wirklichkeitsnahe Verteilung berücksichtigt werden.
Nach EAB sind bei frei aufgelagerten Wänden folgende Annahmen zum Auflager bezüglich des
Wandfußes üblich: weicher, bindiger Boden bei t1/3; nichtbindiger oder steifer bindiger Boden
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

bei 0,4 t1 und halbfester bis fester bindiger Boden bei 0,5 t1. Bei eingespannten Wänden wird
i.d.R. t1/3 angenommen.
x Verfahren I (siehe Tafel 11.72):
Ia) Ermittlung des resultierenden Erddruckbeiwertes Krgh und des Nullpunktes u aus dem überla-
gerten belastenden und stützenden Erddruck. Falls nur ständige Einwirkungen vorhanden sind
ist JGQ=JG. Bei ständigen und veränderlichen Einwirkungen ist die Annahme eines gewichte-
ten Teilsicherheitsfaktors mit JGQ=((Eagh+Eaph(G))˜JG+Eaph(Q)˜JQ)/(Eagh+Eaph(G)+Eaph(Q)) möglich.
Ib)Ermittlung der Hilfswerte n und m (dimensionslos)
Ic) Ermittlung der Hauptunbekannten Q ; Lösungsmöglichkeiten z.B. durch Probieren mit
Wertetabelle oder Nutzung von Nomogrammen von Blum.
@-11.70 Geotechnik

Id)Ermittlung der Einbindetiefe t, der Auflagerkraft Bh im Einbindebereich und evtl. der


Stützkraft S für einen Ausnutzungsgrad P = 1. Der Nachweis des Erdwiderlagers im GZ1B ist
somit erfüllt.
x Verfahren II (siehe Tafel 11.73):
IIa)Annahme zur Einbindetiefe t1
IIb)getrennte Ermittlung nach ständigen (G) und veränderlichen (Q) Einwirkungen:
Hilfswerte nG, nQ und mG, mQ (dimensionslos)
stützende Erddruckbeiwerte KB,k(G),KB,k(Q) bei Annahme einer dreieckförmigen Verteilung
charakteristische Auflagerkräfte Bh,k(G), Bh,k(Q) ; evtl. Stützkräfte (Anker,Steife) Sk(G), Sk(Q)
IIb) Nachweis des Erdwiderlagers für die angenommene Einbindetiefe t1
B h,d BGh ,k ˜ J G  BQh ,k ˜ J Q
P
E ph,d K ˜ E ph ,k / J Ep
Eph ... passiver Erddruck im Einbindebereich; J ... Teilsicherheitsfaktoren im GZ 1B
K... Anpassungsfaktor zur Begrenzung der Verformungen im Auflagerbereich
Ergebnisinterpretation:
Ausnutzungsgrad freie Auflagerung Einspannung
P<1 teilweise Einspannung Einspannung mit t > terf
evtl. Einspannung wirtschaftlich nicht optimal
P=1 freie Auflagerung nach Blum Einspannung nach Blum
P>1 nicht standsicher teilweise eingespannt
evtl. nicht standsicher
Eventuelle neue Berechnung unter Wahl einer anderen Einbindetiefe t1, falls der gewünschte
Ausnutzungsgrad P nicht erreicht wurde.
6.2.4 Nachweis der Vertikalkräfte
6.2.4.1 Nachweis des mobilisierten vertikalen passiven Erddrucks (Inneres Gleichgewicht)
Der mobilisierte Erddruckneigungswinkel G p ist wesentlich von der
tangentialen Relativbewegung zwischen Wand und Boden abhängig. Pv,k
Mit zunehmender Relativbewegung nimmt G p bis zu einem P
h,k
Höchstwert, dessen Betrag u.a. von der Rauigkeit der Wand und den
Eigenschaften des Bodens abhängig ist, zu. Bei sehr rauer Oberfläche Sh,k
ist _G p_ = M möglich. Die Richtung der Relativbewegung bestimmt das Sv,k Sk
Vorzeichen von G p. Der Winkel G p darf für die günstig wirkende
Vertikalkomponente Epv,k des stützenden Erddrucks nicht größer in
Rechnung gestellt werden, als es der Nachweis 6V = 0 zulässt. Eav,k
Ea,k
Bei eingespannten Wänden sind die Ersatzkräfte Ch,k(G) bzw. Ch,k(Q) am
Wandfuß nach Tafel 11.72 bzw. 11.73 zu ermitteln. Eah,k
x vereinfachter Nachweis: Ga
nBv,k=Bh,k˜tan G p,k Gk
p6Vk=Eav,k+Gv,k+Sv,k+Cv,k + Pv,k mit Cv,k=Ch,k˜tan G c,k
nBv,k d p6Vk
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

x genauerer Nachweis bei eingespannten Wänden:


n6Vk=(Bh,k0,5˜Ch,k)˜tan G p,k Gp
p6Vk=Eav,k+Gv,k+Sv,k+ Pv,k + 0,5˜Cv,k mit Cv,k=Ch,k˜tan G c,k Bh,k
n6Vk d p6Vk
Bk Bv,k
Gk Eigenlast der Konstruktion
Eav,k Vertikalkomponente des belastenden Erddrucks Rs,k Cv,k
Pv,k äußere vertikale Einwirkungen
Sv,k Vertikalkomponente der Stützkraft Rb,k
Bv,k Vertikalkomponente der charakteristischen Auflagerkraft
Cv,k Vertikalanteil der Ersatzkraft am Wandfuß mit Gc,k d M k/3 i.d.R. Gc,k = M k/3
Stützkonstruktionen @-11.71

6.2.4.2 Nachweis gegen Versinken von Bauteilen (GZ 1B)


Es ist nachzuweisen, dass Bauteile nicht infolge zu großer wandparalleler Beanspruchung in den
Boden versinken.
Nachweis: VG,k˜JG +VQ,k˜JQ d (Rb,k + Rs,k)/Jp bzw. (Rb,k +Bv,k)/Jp
Vk charakteristischer Wert der lotrechten Beanspruchung am Wandfuß z.B. infolge Gk, Eav, Pv,k,
Sv,k (siehe Abschn. 6.2.4.1) getrennt nach ständigen und veränderlichen Einwirkungen
Rk charakteristischer Wert des Widerstands in axialer Richtung der Wand, der sich
zusammensetzt aus (siehe Abb. im Abschn. 6.2.4.1)
 dem Fußwiderstand Rb,k wie Einzelpfahl (siehe Abschn. 5)
 der Auflagerkraft Bv,k oder wahlweise dem Mantelwiderstand Rs,k auf der Seite, wo der
stützende Erddruck wirkt.
J Teilsicherheitsfaktoren für Einwirkungen und Widerstände, wobei Jp wie bei Pfählen
6.2.5 Nachweis der Gebrauchstauglichkeit
Aufgrund von Erfahrungen kann in der Regel für den Lastfall 1 auf einen gesonderten Nachweis der
Gebrauchstauglichkeit verzichtet werden, wenn:
— die geforderten Nachweise für den GZ 1B und GZ 1C erfüllt sind
— mindestens steife bindige bzw. mitteldicht gelagerte nichtbindige Böden anstehen
— keine Gefährdung benachbarter Bauwerke, Leitungen oder anderer baulicher Anlagen
infolge zu großer Verschiebung der Stützwand vorliegt und immer dann, wenn mit
einem höheren als dem aktiven Erddruck gerechnet wird.
Falls erforderlich, ist der Nachweis der Gebrauchstauglichkeit mit den charakteristischen Werten
der Einwirkungen zu führen. Bei ausgeprägter Wechselwirkung des Stützbauwerks mit dem
Baugrund, oder falls sehr große Verformungen zu erwarten sind, sollte ein Beobachtungsverfahren
angewandt werden.

Beispiel: Nachweis Erdauflager für einfach gestützte, frei aufgelagerte Spundwand


geg.: Bodenparameter: Erddruckbeiwerte:
Jk = 18 kN/m³ Kagh = 0,251
S M k = 32,5° Kpgh = 7,296 (Pregl)
ck = 0
Annahme G: Randbedingungen:
Ga = 2M k/3 frei aufgelagert
tw Lastfall 2
Gp = - M k
ges.: Nachweis Erdauflager
Lsg.: Erddruckumlagerung nach EAB bis in Höhe Baugrubensohle
eagh(m) = 18˜9˜0,251/2 = 20,33 kN/m²
0,9 m Eah1 a1 eagh(s) = 18˜9˜0,251 = 40,66 kN/m²
eagh(u) = 18˜(9+0,6˜2,5)˜0,251=47,44 kN/m²
E a2 e
8,1 m ah2 agh(t) = 18˜(9+2,5)˜0,251 = 51,60 kN/m²

eagh(m) Eah1 = 20,33˜0,9 = 18,30 kN/m


Eah2 = 20,33˜8,1 = 164,68 kN/m
eagh(u)
Eah3 = (40,66+47,33)/2˜(0,6˜2,5) = 66,08 kN/m
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

0,6˜t Eah3 a3
Eah4 = (47,44+51,60)/2˜(0,4˜2,5) = 49,69 kN/m
0,4˜t E ah4 a 4 a1 = 0,9/2 = 0,45 m; a2 =8,1/2 = 4,05 m
eagh(t) a3 = 0,73 m; a4 = 0,49 m
Verfahren I: Krgh,d=5,31; ud=0,51 m; l=8,61m; m=0,088; Q=0,163; t=1,92 m;Sh,k =114,42kN/m;P=1
Verfahren II: t = 1,92 m; l = 8,1 m; m = 0,9; KB,k = 4,7; BGh,k = 155,1 kN/m; Sh,k = 114,42 kN/m
Nachweis Erdauflager im GZ1B: Bh,d d Eph,d
Bgh,k˜JG + BQh,k˜JQ d (t²˜Kpgh˜Jk/2) / JEp
155,1˜1,2 + 0 d (1,92²˜7,296˜18/2)/ 1,3
186 kN/m d 186 kN/m (P = 1)
@-11.72 Geotechnik

Tafel 11.72 Berechnungsalgorithmus für das Verfahren I 1)


Fall A B C
1 ungestützte Wand einfach gestützte Wand
2 eingespannt frei aufgelagert eingespannt
4 pk pk
pk

hs
hs
Sk zi Sk zi
zi

h
h
h

Ehi,k Ehi,k
l

l
Ehi,k

l
eahs,k eahs,k eahs,k

t1/3 2·t1/3
t1/3 2·t1/3

u
u

u
t

t
x

x
Bh,k
x

0,4·t1
0,5·t1
Ch,k Bh,k Ch,k

t1/3
Bh,k
MF,k = 0
t

MF,k = 0

t
5 K pgh,k
K rh,d  K agh,k ˜ J GQ
J Ep

6 J GQ ˜ eahs,k
ud
J ˜ K rh,d

7 l = h + ud l = h - hS + ud
zi h  u zi h  u zi h  u
8 6 ˜ J GQ 6 ˜ J GQ 6 ˜ J GQ
m
J ˜ K rh,d ˜ l 2
¦E
zi 0
hi,k m
J ˜ K rh,d ˜ l 3
¦E
zi 0
hi,k ˜ z i  hS m
J ˜ K rh,d ˜ l 3
˜ ¦ E z
zi 0
hi,k i  hS

zi h  u zi h  u
9 6 ˜ J GQ 6 ˜ J GQ
n
J ˜ K rh,d ˜ l 3 ¦E
zi 0
hi,k ˜ zi n
J ˜ K rh,d ˜ l 5 ¦E
zi hA
hi,k ˜ z i  hS
3

10 in Abhängigkeit des Angriffspunkts


Q 3
m 1  Q  n von Bh,k gilt für F12):
Q 3 0,8Q 2  2,5Q  2 m 1  Q  n
2

m Q 2 F1 ˜ Q  3
11 x=Q˜l x=Q˜l x=Q˜l
12 t1=ud+x t1=ud+x
13 t = 1,2 ˜t1 oder t =ud +1,2 x t = ud + x t = 1,2 ˜t1 oder t = ud + 1,2 ˜ x
14 K pgh,k ˜ J ˜ t12
Bh,k
2 ˜ J GQ ˜ J Ep

Fall A B C
zi h  t1 zi h  t1
15
S h,k ¦E hi,k  Bh,k zi h  t1 ¦E hi,k ˜ ( z i  hS )  Bh,k ˜ t1 / 3
¦E
zi 0 zi 0
S h,k hi,k 
h  hS  t1
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

zi 0

16 zi h  t1 zi h  t1
C h,k Bh,k  ¦
zi 0
E hi,k C h,k S h,k  Bh,k  ¦E
zi 0
hi,k

1)
Bautechnik 84 (2007), S.760.
2)
t 1/3 bei weichen bindigen Boden mit F1 = 2; 0,4˜ t1, bei nichtbindigen oder steifen bindigen Boden
mit F1 = 1,8; 0,5˜ t 1, bei halbfesten oder festen bindigen Boden mit F1 = 1,5.
Stützkonstruktionen @-11.73

Tafel 11.73 Berechnungsalgorithmus für das Verfahren II 1)


Fall A B C
1 ungestützte Wand einfach gestützte Wand
2 eingespannt frei aufgelagert eingespannt
4 pk pk
pk

hs
hs
Sk zi
zi Sk zi

h
l
h
h
l

Ehi,k
Ehi,k

l
Ehi,k
t1/3 2·t1/3

t1/3 2·t1/3
t

t
Bh,k Ch,k
t1
t
Bh,k Ch,k

0,4·t1
0,5·t1
t1/3
MF,k = 0 Bh,k
t

MF,k = 0

t
5 Wahl t1
6 getrennte Ermittlung für ständige und veränderliche Einwirkungen
7 l=h l = h h S
zi h  t1 zi h  u zi h  u
8 6 6 ˜ J GQ 6 ˜ J GQ
m
J ˜l2
¦E
zi 0
hi,k m
J ˜ l3
¦E
zi 0
hi,k ˜ z i  hS m
J ˜ l3
˜ ¦E
zi 0
hi,k ˜ z i  hS

zi h  t1 zi h  u
9 6 6 ˜ J GQ
n
J ˜ l3
¦
zi 0
E hi ,k ˜ z i n
J ˜l 5 ¦E
zi hA
hi,k ˜ z i  hS
3

10 v = t1/l v = t1/l v = t1/l


11 in Abhängigkeit des Angriffspunkts
von Bh,k gilt für F12):
n ˜ (1  Q)  m m 1  Q  n
m 2
K B,k : K B,k
Q3 Q F ˜ Q  3
2
1
K B,k

Q 0,8Q 2  2,5Q  2
3

12
Bh,k = 0,5˜Jk˜KB,k˜t1² ; Bh,d = BGh,k˜JG+BQh,k˜JQ

13 K pgh ˜ J ˜ t12
E ph,d
2 ˜ J Ep

14 Bh,d
P
E ph,d

Fall A B C
zi h  t1 zi h  t1
15
S h,k ¦E hi,k  Bh , k zi h  t1 ¦E hi,k ˜ ( z i  hS )  Bh,k ˜ t1 / 3
¦E
zi 0 zi 0
S h,k hi,k 
h  hS  t1
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

zi 0

16 zi h  t1 zi h  t1
C h,k Bh,k  ¦E
zi 0
hi,k C h,k S h,k  Bh,k  ¦E
zi 0
hi,k

1)
Bautechnik 84 (2007), S.760.
2)
t1/3 bei weichen bindigen Boden mit F1 = 2; 0,4˜ t1, bei nichtbindigen oder steifen bindigen Boden
mit F1 = 1,8; 0,5˜ t1, bei halbfesten oder festen bindigen Boden mit F1 = 1,5.
@-11.74 Geotechnik

6.2.6 Bemessung des Wandquerschnitts


Die Sicherheit gegen Materialversagen des Stützbauwerks ist nachzuweisen.

Nachweis: Ed d RM,d

Ed der Bemessungswert der Beanspruchungen z.B. aus Auflagerkräften, Eigengewicht der


Wand, Erd- und Wasserdruck als Schnittgröße bzw. Spannung im jeweils untersuchten
Querschnittsbereich unter Berücksichtigung der Sicherheitsfaktoren nach Abschn. 1.2
RM,d Bauteilwiderstände unter Ansatz der Sicherheitsfaktoren der jeweiligen Bauartnormen

Für Spundwände, die auf Biegung nachgewiesen werden ergibt sich:


Nachweis: Ms,d < MR,d
mit MR,d = Wy ˜ fy,k/JM (Wy nach Tafel 11.75)

Zulässige Spannungen fY in N/mm² nach DIN EN 10 248-1 für warmgewalzte Spundwandbohlen:

Stahlsorte Mindestzugfestigkeit Mindeststreckgrenze Mindestbruchdehnung


Spundwand in N/mm² in N/mm² in %
S 240 GP 340 240 26
S 270 GP 410 270 24
S 320 GP 440 320 23
S 355 GP 480 355 22
S 390 GP 490 390 20
S 430 GP 510 430 19

6.2.7 Spundwände und Kanaldielen


Zur Ausführung von Spundwandkonstruktionen (u.a. Lagerung, Einbringen, Schweißen, Abdich-
tung, Korrosionsschutz, Lärmschutz, Bauüberwachung) siehe DIN EN 12 063.

Profiltypen für Spundwände und Kanaldielen (siehe Tafel S. 11.75):

Wasser-/Luftseite
(a) (d)

t s
h

s
b

t t
(b)
h

s Land-/Erdseite
(e) b
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

t
b
(c) t
s
h
h

Hersteller der Profile:


AU, AZ, L, PU: Arcolor Commercial Spundwand Deutschland GmbH
LARSSEN, HOESCH: Salzgitter Gruppe
Stützkonstruktionen @-11.75

Tafel 11.75 Profile für Spundwände und Kanaldielen


Profil Profil Wy Iy Gewicht b h t s A
Typ cm3/m cm4/m kg/m kg/m2 mm mm mm mm cm2/m
Larssen 600 e 510 3825 56,4 94 600 150 9,5 9,5
Larssen 600 K e 540 4050 59,4 99 600 150 10,0 10,0
Larssen 601 e 745 11520 46,8 78 600 310 7,5 6,4
Larssen 602 e 830 12870 53,4 89 600 310 8,2 8,0
HOESCH 1205 b 1140 14820 61,5 107 575 260 9,5 9,5
AZ 12 b 1200 18140 66,1 99 670 302 8,5 8,5 126
Larssen 603 e 1200 18600 64,8 108 600 310 9,7 8,2
Larssen 703 e 1210 24200 67,5 97 700 400 9,5 8,0
Larssen 603 K e 1240 19220 68,1 113 600 310 10,0 9,0
Larssen 603 K/10/10* e 1260 19530 69,6 116 600 310 10,0 10,0
AZ 13 b 1300 19700 72,0 107 670 303 9,5 9,5 137
Larssen 703 K e 1300 25950 72,1 103 700 400 10,0 9,0
Larssen 703 K/10/10* e 1340 26800 75,6 108 700 400 10,0 10,0
AZ 14 b 1400 21300 78,3 117 670 304 10,5 10,5 149
AU 14 e 1405 28680 77,9 104 750 408 10,0 8,3 132
HOESCH 1605 b 1600 28000 61,5 107 575 350 9,2 8,1
Larssen 604n e 1600 30400 73,8 123 600 380 10 9,0
AU 16 e 1600 32850 86,3 115 750 411 11,5 9,3 147
Larssen 43 e 1660 34900 83,0 166 500 420 12,0 12,0
AZ 17 b 1665 31580 68,4 109 630 379 8,5 8,5 138
AU 17 e 1665 34270 89,0 119 750 412 12,0 9,7 151
HOESCH 1706 b 1700 32300 74,8 111 675 380 8,7 8,4
AU 18 e 1780 39300 88,5 118 750 441 10,5 9,1 150
HOESCH 1806 b 1800 34200 79,3 118 675 380 9,5 9,3
AZ 18 b 1800 34200 74,4 118 630 380 9,5 9,5 150
PU 18 e 1800 38650 76,9 128 600 430 11,2 9,0 163
HOESCH 1906 b 1900 36200 85,3 126 675 380 10,4 10,3
AZ 19 b 1940 36980 81,0 129 630 381 10,5 10,5 164
Larssen 23 e 2000 42000 77,5 155 500 420 11,5 10,0
L3S e 2000 40010 78,9 158 500 400 14,1 10,0 201
LARSSEN 755 e 2000 45000 95,6 127 750 450 11,7 10,0
Larssen 605 e 2020 42420 83,5 139 600 420 12,5 9,0
Larssen 605 K e 2030 42630 86,7 144 600 420 12,2 10,0
AU 21 e 2075 46180 99,7 133 750 445 12,5 10,3 169
PU 22 e 2200 49460 86,1 144 600 450 12,1 9,5 183
AU 23 e 2270 50700 102,1 136 750 447 13,0 9,5 173
HOESCH 2506 b 2500 53750 96,5 143 675 430 12,0 10,9
Larssen 606n e 2500 54375 94,2 157 600 435 14,4 9,2
Larssen 24 e 2500 52500 87,5 175 500 420 15,6 10,0
AU 25 e 2500 56240 110,4 147 750 450 14,5 10,2 188
Larssen 24/12 e 2550 53610 92,7 185 500 420 15,6 12,0
AU 26 e 2580 58140 113,2 151 750 451 15,0 10,5 192
AZ 26 b 2600 55510 97,8 155 630 427 13,0 12,2 198
HOESCH 2606 b 2600 55900 101,2 150 675 430 12,7 11,7
HOESCH 2706 b 2700 58050 106,1 157 675 430 13,4 12,5
AZ 28 b 2755 58940 104,4 166 630 428 14,0 13,2 211
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

PU 28 e 2840 64460 101,8 170 600 454 15,2 10,1 216


Larssen 25 e 3040 63840 103,0 206 500 420 20,0 11,5
Larssen 607n e 3200 72320 114,0 190 600 452 19,0 10,6
PU 32 e 3200 72320 114,1 190 600 452 19,5 11,0 242
HOESCH 3406 b 3420 82940 112,1 166 675 485 13,5 10,8
HOESCH 3506 b 3500 84880 115,9 171 675 485 14,0 11,4
HOESCH 3606 b 3600 87300 119,5 177 675 485 14,5 12,0
HOESCH 3706 b 3700 89730 124,1 184 675 485 15,1 12,7
HOESCH 3806 b 3780 91665 127,2 188 675 485 15,5 13,2
AZ 46 b 4595 110450 132,6 229 580 481 18,0 14,0 291
AZ 48 b 4800 115670 139,6 241 580 482 19,0 15,0 307
AZ 50 b 5015 121060 146,7 253 580 483 20,0 16,0 322
LARSSEN 430 e 6450 241800 83,0 235 708 750 12,0 12,0
@-11.76 Geotechnik

7 Standsicherheit von Böschungen und Geländesprüngen


7.1 Allgemeine Forderungen
Ein Böschung- bzw. Geländebruch tritt ein, wenn ein Erd- bzw. Felskörper an einer Böschung, ei-
nem Hang oder an einem Geländesprung, gegebenenfalls einschließlich des Stützbauwerks, infolge
des Ausschöpfens des Scherwiderstands im Boden bzw. im Fels und eventuell vorhandener Bau-
werke abrutscht.
Für den Nachweis der Standsicherheit sind folgende Unterlagen erforderlich:
x Angaben über die allgemeine Gestaltung und die Maße des Geländesprungs und eventueller
Stützkonstruktionen, die maßgebenden Wasserstände und Grundwasserverhältnisse sowie die
Art und Größe der Belastungen, die zur Berechnung für die verschiedenen Lastfälle notwendig
sind.
x Für im Boden (Lockergestein) verlaufende Prüfgleitflächen sind erforderlich:
 die Wichten der einzelnen Schichten
 die Scherparameter der im Bereich der Gleitfläche anstehenden Bodenarten
 Bei bindigen Böden sind die Scherparameter für den konsolidierten Zustand (Endstand-
sicherheit) und gegebenenfalls für den nichtkonsolidierten Zustand (Anfangsstand-
sicherheit) zu ermitteln. Hierzu gehören gegebenenfalls Angaben über den Po-
renwasserdruck in bindigen Böden, die unter Eigenlast und Belastung konsolidieren.
Bei bindigen Böden ist unter Umständen (z.B. bei Rutsch- und Kriechhängen) auch die
Restscherfestigkeit zu bestimmen.
x Für im Fels verlaufende Prüfgleitflächen sind erforderlich:
 geologische Beschreibung des Gesteins
 Beschreibung der Trennflächen (Einzelklüfte, Kluftscharen, Kluftabstand, Öffnungs-
weite, Kluftfüllung, Rauigkeit, Verzahnung u.a.)
 räumliche Stellung der Trennflächen
 Wichte des Gleitkörpers
 Scherparameter sowie die Durchtrennungsgrade der maßgebenden Gleitflächen.
x Bei der Ermittlung der Standsicherheit von Rutsch- und Kriechhängen ist es erforderlich, den
Verlauf der Gleitfläche bzw. die Begrenzung des Gleit- bzw. Kriechkörpers festzustellen; dafür
kommen u.a. Feststellungen an der Geländeoberfläche, Aufschlüsse, Sondierungen, Inklinome-
ter- und Extensometermessungen in Betracht.
Der Boden/Fels in einer Böschung muss gegen Erosion sowie Einwirkungen der Witterung gesi-
chert sein. Freie Oberflächen von Böschungen sind rechtzeitig durch ingenieurbiologische (Begrü-
nung u.a.) oder konstruktive Maßnahmen gegen Erosion durch Oberflächenwasser und Verlust der
Kohäsion/Kapillarkohäsion zu schützen.

7.2 Berechnung der Standsicherheit


Allen Nachweisen der Standsicherheit gegen Geländebruch ist der Grenzzustand 1C nach DIN 1054
(01.05) zugrunde zu legen. Die charakteristischen Werte der Scherfestigkeit sind dabei mit dem
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

entsprechenden Teilsicherheitsbeiwert für Widerstände (siehe Abschnitt 1.2) in Bemessungswerte


der Scherfestigkeit umzurechnen.
Bei der Berechnung der Standsicherheit nach E DIN 4084 (10.05) wird eine ausreichende Sicher-
heit gegen Versagen eingehalten, wenn die Bedingung für den Grenzzustand der Tragfähigkeit

EdR bzw. E M d RM

E EM
oder P d1 bzw. P d1
R RM

erfüllt ist. (Alle Größen bezeichnen dabei Bemessungswerte.)


Standsicherheit von Böschungen und Geländesprüngen @-11.77

E Resultierende der Einwirkungen


R Resultierende der Widerstände
EM Resultierendes Moment um den Gleitkreismittelpunkt aus Einwirkungen
RM Resultierendes Moment um den Gleitkreismittelpunkt aus Widerständen
Zur Berechnung der Geländebruchsicherheit mit den nachfolgend aufgeführten verschiedenen Ver-
fahren werden versuchsweise mehrere Gleitflächen (Prüfgleitflächen) durch den Boden gelegt und
für jede einzelne die Standsicherheit gesondert ermittelt. Die Gleitfläche, der Gleitkörper bzw. der
Bruchmechanismus, bei dem sich der größte Ausnutzungsgrad P ergibt, ist der für den Nachweis
maßgebende Mechanismus.
Bei Böschungen in kohäsiven Böden ist nach längerer Standzeit mit dem Eintreten von Zugrissen
bis zu einer Tiefe hc* zu rechnen (Abb. S. 11.78). Wenn sich diese Risse mit Wasser füllen können,
sind Wasserdrücke anzusetzen (diese Annahme gilt auch bei Anwendung der anderen aufgeführten
Berechnungsverfahren).
7.2.1 Verfahren nach Bishop mit kreiszylindrischer Prüfgleitfläche
Verfahren mit kreiszylindrischen Gleitflächen sollten vor allem bei homogenen Böden bzw. Böden
mit horizontaler Schichtung verwendet werden.
Beim Lamellenverfahren mit kreiszylindrischen Gleitflächen werden die in der Gleitfläche wirken-
den Kraftanteile der Einwirkungen bzw. Beanspruchungen und der Widerstände abschnitts-
(lamellen-)weise ermittelt und mittels Momentengleichgewicht um 0 miteinander verglichen. Beim
speziellen Verfahren nach Bishop, wie es in der E DIN 4084 angeführt ist, werden die Lamellen-
seitenkräfte, vereinfachend, als horizontal wirkend angesetzt. Bei der Wahl genügend kleiner La-
mellenbreiten bzw. genügend großer Lamellenanzahl wird der durch diese Vereinfachung erzeugte
Schlussfehler in der Summe der Kräfte im Allgemeinen vernachlässigbar klein.

Auflast in diesem Bereich


nicht in Rechnung stellen,
0 r sin M da stabilisierend wirkend

Kräfte an der Lamelle i Krafteck


bi bi
-i p
E il
r PRi

Gi hi Gi E ir
E il Gi
Ni
-i
-i
PRi Ni PRi Ni E ir
r sin-i
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Ri Resultierende der Widerstände in der Gleitfläche an der Lamelle i


Ti Resultierende der Einwirkungen in der Gleitfläche an der Lamelle i
Ni Normalkraft in der Gleitfläche an der Lamelle i
Gi Eigengewicht der Lamelle i
Ei Seitenkräfte an der Lamelle i (in der o. a. Abb. nur Erddruckkräfte)
bi Breite der Lamelle i
-i Gleitflächenwinkel zur Horizontalen an der Lamelle i
pvi vertikale Flächenlast auf der Lamelle i
r Radius des Gleitkreises
@-11.78 Geotechnik

Einwirkungen (Momente): EM r ˜ ¦ Ti  ¦ M S
i
6MS zusätzliche einwirkende Momente, z.B. aus horizontalen Oberflächenlasten,
Wasserdruckdifferenzen u.a.
Widerstände (Momente): R M r ˜ ¦ Ri  ¦ M R
i
6MR zusätzliche widerstehende Momente, z.B. aus Ankern, Stützungen, Bauteilschnitt-
kräften u.a.
Für die Situation in o. a. Abb. (ohne Grundwasser und Porenwasserüberdruck) wird:
Gi  Pvi ˜ tan M i  ci ˜ bi
Ti Gi  Pvi ˜ sin -i und Ri mit Pvi p vi ˜ bi
cos - i  P ˜ tan M i ˜ sin - i
EM
Nachweis der Standsicherheit: E M d RM bzw. P d1
RM

7.2.2 Ebene Prüfgleitflächen


Verfahren mit ebenen Prüfgleitflächen können bei Böden mit zur Böschung einfallender Schichtung
bzw. Trennflächen und bei verankerten/vernagelten Stützkonstruktionen verwendet werden. Bei
entsprechender Schichtung bzw. Trennflächen ist somit der Neigungswinkel der Prüfgleitfläche -
vorgegeben. Zusammengesetzte Bruchmechanismen (Abschn. 7.2.3) sind in der Regel vorzuziehen.
Unabhängig davon ist in der Regel die Standsicherheit der Böschung auch mit kreiszylindrischen
Gleitflächen zu untersuchen.
Für den Standsicherheitsnachweis mit diesem Verfahren sind die in Gleitflächenrichtung wirkenden
Kraftanteile der Einwirkungen bzw. Beanspruchungen und der Widerstände zu ermitteln und mit-
einander zu vergleichen.

P Krafteck
W hc PR
G
R*c
R*r
E R*r
R*c N Q
- Q N
M* G+P
M*

lc

W
lc Wirkungslänge der Kohäsion E Böschungswinkel
- Neigungswinkel der Prüfgleitfläche G Eigenlast des Prüfgleitkörpers
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

P Auflast auf dem Prüfgleitkörper (in o. a. Abb. nur vertikale Last)


2˜c
hc* Zugrisstiefe mit: hc *
J ˜ tan 45q  M / 2
N auf die Gleitfläche wirkende Normalkraft
Rr* Reibungsanteil der erforderlichen Scherwiderstandskraft: R r * P ˜ R r P ˜ tan M ˜ N
Rc* Kohäsionsanteil der erforderlichen Scherwiderstandskraft: Rc * P ˜ Rc P ˜ c ˜ l c
W Resultierende des Wasserdrucks im Zugriss auf den Prüfgleitkörper
Standsicherheit von Böschungen und Geländesprüngen @-11.79

Einwirkungen bzw. Beanspruchungen (Kräfte) in Gleitflächenrichtung:

Für die Situation in o. a. Abb. wird: E G  PV ˜ sin -  W ˜ cos -


Widerstände (Kräfte) in Gleitflächenrichtung:

R R r  Rc N ˜ tan M  c ˜ l c

Für die Situation in o. a. Abb. wird: R G  PV ˜ cos -  W ˜ sin - ˜ tan M  c ˜ l c


E
Nachweis der Geländebruchsicherheit: EdR bzw. P d1
R

7.2.3 Zusammengesetzte Bruchmechanismen mit ebenen Prüfgleitflächen


Verfahren mit zusammengesetzten Bruchmechanismen mit mehreren Gleitkörpern und ebenen
Gleitflächen sollten bei Böden mit zum Böschungsfuß einfallender Schichtung bzw. Trennflächen
und bei verankerten/vernagelten Stützkonstruktionen verwendet werden. Liegt die Schichtgren-
ze/Trennfläche unterhalb des Böschungsfußes, sind mindestens Dreikörperbruchmechanismen zu
untersuchen (s. Abb. unten). Tritt die Schichtgrenze/Trennfläche in der Böschung bzw. am Bö-
schungsfuß aus, sind Zweikörperbruchmechanismen zu untersuchen. (Der unterste Gleitkörper –
Nr. 3 in nachf. Abb. – entfällt.) Unabhängig davon ist in der Regel die Standsicherheit auch mit
kreiszylindrischen Gleitflächen zu untersuchen.
Ein zusammengesetzter Bruchmechanismus mit geraden Prüfgleitflächen besteht aus mehreren in
sich als starr betrachteten Gleitkörpern (Starrkörper). Für die praktische Anwendung genügt es in
der Regel, ein System zu wählen, in dem jeder einzelne Körper mit je einer äußeren Gleitfläche auf
dem unbewegten Untergrund und mit einer inneren Gleitfläche relativ zu einem anderen Gleitkörper
gleiten kann. Durch die Schnittlinie von zwei äußeren Gleitflächen geht eine innere Gleitfläche.

a
Bruchmechanismus Krafteck
p

1 Q1 'T

M* G1 + P
2 1 Q1/2
'T Q1 M* (P = p * a) Q1/2
3 Q2/3 1

Q3 M*
1

M* Q2
1 Verschiebungsplan Q2
M * bzw. M 2* G2
3'
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

u3
u2/3
u2 0
Schichtgrenze bzw. Q2/3
Trennfläche 2'
u1
u1/2 G3 Q3
1'
@-11.80 Geotechnik

Nachweis der Geländebruchsicherheit:


1. Festlegung eines kinematisch möglichen Bruchmechanismus. (In der Regel genügt für die Ge-
nauigkeit eine Einteilung in maximal vier Gleitkörper, wobei der Winkel zwischen sich schnei-
denden äußeren Gleitflächen kleiner als 180° sein muss.)
2. Ermittlung der Relativ- und Absolutverschiebungen der einzelnen Teilgleitkörper für den ge-
wählten Bruchmechanismus mit Hilfe eines Verschiebungsplans
3. Festlegung der Richtungen der Reibungskräfte Q und der Kohäsionskräfte K aufgrund der er-
mittelten Verschiebungsrichtungen
4. Bei grafischer Lösung: Zeichnung der Kraftecke der einzelnen Teilgleitkörper, wodurch die Be-
träge der unbekannten Reibungskräfte gefunden werden. (Das Gesamtkrafteck wird sich im All-
gemeinen nicht schließen, da kein Grenzgleichgewicht herrscht.)
5. Schließen des Gesamtkraftecks durch Ansetzen einer fiktiven Hilfskraft 'T. (Es empfiehlt sich,
'T in der äußeren Gleitfläche des größten Bruchkörpers anzusetzen.)
6. Ermittlung des Ausnutzungsgrades für den gewählten Bruchmechanismus, z.B. durch Iteration
der erforderlichen Scherparameter über die Variation von P entsprechend
tan M * P ˜ tan M und c* P ˜ c
so lange, bis 'T = 0 ist und damit Kräftegleichgewicht besteht.
7. Bestimmung des ungünstigsten (maßgebenden) Bruchmechanismus (P = Maximum) durch Va-
riation der Lage und Neigung der äußeren und inneren Gleitflächen, soweit sie nicht durch die
geologischen Verhältnisse vorgegeben oder eingegrenzt sind.

Bruchmechanismen, bei denen sich senkrecht zu den Gleitflächen unendlich große Druckkräfte oder
in kohäsionslosem Boden Zugkräfte ergeben, sind physikalisch nicht möglich und daher auszu-
schließen.

7.2.4 Ansatz des Wasserdrucks


Bei den Berechnungsverfahren wird im Allgemeinen der Ansatz auf die Gleitfläche (Porenwasser-
druckansatz  S. 11.81) angewandt. Dieser Ansatz ist für den allgemeinen Fall mit Ober- (in der
Böschung) und Unterwasserspiegel (vor der Böschung) dargestellt, wie er in der Regel bei Kanal-
böschungen maßgebend wird. Bei Einschnitt- oder Dammböschungen kann der Unterwasserspiegel
nach den folgenden Abbildungen angenommen werden. Die näherungsweise Ermittlung der
Grundwassersickerlinie (Sickerparabel) und der Sickerlänge in der Böschung stellt die Grundlage
für den Wasserdruckansatz dar. Zu unterscheiden sind hierfür bei Einschnittböschungen zwei Fälle:

Einschnittböschung mit Fußdrainagekörper: Filterkörper (Kies) am Böschungsfuß

Sickerparabel nach Dupuit

x
z hw ˜ 1 
L

Sickerlänge
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

L R' 0,5 ˜ 3000 ˜ hw ˜ k

(entspricht 0,5 ˜ R nach Sichardt 


siehe Abschn. 8.8.1)
Standsicherheit von Böschungen und Geländesprüngen @-11.81

Einschnittböschung ohne Fußdrainagekörper und Kanalböschung für undurchlässigen Boden


nach Davidenkoff

Sickerlinie schneidet bei x L  l 0 die Böschungsoberfläche.


Wasserdurchfluss bei x L  l 0 entspricht der offenen Wasserhaltung (Abschn. 8.8.1).
Sickerparabel z 2 hw2  2 ˜ h0 ˜ tan E ˜ x von x 0 bis x = L  l 0
Bei durchlässigen Böden kann die Berechnung wie für undurchlässige Böden erfolgen (sichere
Seite).

Wasserdruckansatz auf die Gleitfläche (Porenwasserdruckansatz)


0
Kräfte an der Lamelle i Krafteck
a
bi
E il + U il
r P Ri
Gi hi Gi Gi
W
G'i G'i E ir Ni G'i
hwi E il G wi
G wi
U ir G wi
U il Ui
Ni Ni
P Ri P Ri E ir + U ir
Ui Ui

Gi Boden über Wasser Gi hi ˜ bi ˜ J


G i
'
Boden unter Wasser Gi' hwi ˜ bi ˜ J '
Gwi Wasserlast in der Lamelle i G wi h wi ˜ bi ˜ J w
Gr Eigenlast in der Lamelle unter Wasser Gr G ' i G wi
Ui Wasserdruckkraft auf die Lamellensohle Ui u i ˜ bi
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Die Lamelleneigenlast geht mit ¦ Gi Gi  Gi'  Gwi und der Porenwasserdruck mit u i | h wi ˜ J w
in die Berechnung ein. Die Außenwasserlast W ergibt ein zusätzliches widerstehendes Moment
M R W ˜ a . Für die Situation in o. a. Abb. werden die Einwirkungen und Widerstände nach
S. 11.77 zu:
6Gi  Pvi  u i ˜ b ˜ tan M i  ci ˜ bi
Ti 6Gi  Pvi  u i ˜ b ˜ sin -i bzw. Ri
cos - i  P ˜ tan M i ˜ sin - i
@-11.82 Geotechnik

7.3 Hilfsmittel für die Festlegung der Böschungsneigung


a) Standsicherheit für den Sonderfall einer geraden, unbelasteten, nicht durchströmter Bö-
schung mit dem Böschungswinkel E in nichtbindigen Böden:

tan E
E dM bzw. P d1
tan M
Beispiel:
Gesucht: Zulässiger Böschungswinkel E für Lastfall 2 (LF 2):
Gegeben: Charakteristische Werte: Mk' 35q , c k' 0
Lösung: Teilsicherheitsbeiwert JM = 1,15 (s. Abschnitt 1.2)
M = M d' = arctan (tan 35°/1,15) = 31,3° | 31° Ÿ E d 31q

b) Standsicherheitsdiagramm für Regelböschungen nach Gußmann1)


Das dargestellte Standsicherheitsdiagramm beruht auf Berechnungen mit der Kinematischen-
Elemente-Methode (KEM) mit 5 Elementen, deren Geometrie vollständig variiert wurde.
Voraussetzungen für die Anwendung: x homogener Boden im Einflussbereich
x kein Wasser im Einflussbereich
x keine Auflasten auf der Geländeoberfläche.

Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

1)
Grundbautaschenbuch, Teil 1.
Standsicherheit von Böschungen und Geländesprüngen @-11.83

Beispiel für die Anwendung des Standsicherheitsdiagramms:

Gesucht: Standsicherheit gegen Böschungsbruch für Lastfall 2 (LF 2):

Gegeben: Charakteristische Werte: M k' 25q , c k' 10 kN/m2, J k 20 kN/m3


geplante Böschungshöhe: H = 5,0 m; geplante Böschungsneigung: ß 60q

Lösung: Einwirkungen: Teilsicherheitsbeiwert JG = 1,00 (s. Abschnitt 1.2)


J J d J k ˜ J G 20 kN/m3 ˜ 1,00 20 kN/m3
Widerstände: Teilsicherheitsbeiwerte JM = 1,15 und Jc = 1,15
(s. Abschnitt 1.2)
M M d' = arctan (tan 25°/1,15) = 22,1° | 22°,
c c d' = 10 kN/m2/1,15 = 8,7 kN/m2 | 8 kN/m2
c 8
Mit 1 / O 0,198 | 0,20 und ß 60q
H ˜ J ˜ tan M 5 ˜ 20 ˜ tan 22q
c
ergibt sich aus dem Diagramm : 1 / N | 0,083
H ˜J ˜ F
1 1 / N ˜ H ˜ J 0,083 ˜ 5 ˜ 20
Nachweis der Standsicherheit: P 1,04 ! 1,0
F c 8

Ÿ Nachweis nicht erfüllt!


Ÿ Zur Erfüllung des Nachweises sind die Böschungsneigung bzw. die Böschungshöhe ent-
sprechend zu verringern oder weitergehende konstruktive Maßnahmen vorzusehen.

7.4 Kräfte in Zuggliedern, Dübeln, Pfählen und Steifen


Falls Zugglieder, Dübel oder Pfähle von Gleitflächen geschnitten werden bzw. Steifen von außen
auf den Gleitkörper einwirken, ist bei jedem Bruchmechanismus zu prüfen, ob die in den Bauteilen
wirkenden Kräfte günstig oder ungünstig wirken. Ein Zugglied wirkt ungünstig, wenn der Winkel
DA zwischen der Achse des Zugglieds und der Gleitrichtung des Gleitkörpers im Schnittpunkt des
Zugglieds mit der äußeren Gleitfläche größer als 90° ist (s. Abb.). Die Kräfte von Steifen sind an
deren Angriffspunkt, diejenigen von Zuggliedern, Dübeln oder Pfählen am Schnittpunkt mit der
Gleitfläche anzusetzen.
Bei Zuggliedern ist zwischen vorgespannten (z.B. vor-
gespannte Verpressanker) und nicht vorgespannten Gleitkörper
(schlaffen) Zuggliedern (z.B. Zugpfähle, Bodennägel,
Stahlbänder, Geokunststoffe) zu unterscheiden.
Bei Zuggliedern dürfen höchstens die Bemessungswerte AD
der außerhalb des Gleitkörpers im nichtbewegten Boden Zugglied
aktivierbaren Kräfte angesetzt werden, sofern diese
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Kräfte nicht dauernd oder vorübergehend verloren ge-


hen können. Gleitfläche
Bei wandartigen Stützkonstruktionen und Bauteilen, die
durch die äußere Gleitfläche geschnitten werden (z.B.
Stützwände, Dübel) ist der Bemessungswert des von der
Stützkonstruktion an der Gleitfläche entgegen der Bewegungsrichtung des Gleitkörpers übertragba-
ren Scherwiderstands anzusetzen. Dieser ergibt sich entweder aus der von der Konstruktion auf-
nehmbaren Schnittkraft oder nach der von der Konstruktion auf den Boden oberhalb bzw. unterhalb
der Gleitfläche übertragbaren Kraft (passiver Erddruck). Der kleinere Wert ist maßgebend.
@-11.84 Geotechnik

7.5 Vernagelte Wände


Vernagelte Wände sind Verbundkonstruktionen, die aus dem anstehenden Boden, den stabförmi-
gen, nicht vorgespannten Zuggliedern (Bodennägel) und einer Oberflächensicherung (i.d.R. be-
wehrter Spritzbeton) bestehen. Bei ausreichender Nageldichte verhält sich der bewehrte Bodenkör-
per näherungsweise wie ein monolithischer Körper. Bei einer Bodenvernagelung ist die für das je-
weilige System gültige Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bau-
technik1) zu beachten, die vom Hersteller beizubringen ist. Die Herstellung erfolgt in einer sich
wiederholenden Abfolge:
1. Zwischenaushub, in Abhängigkeit von der temporären Böschungsstabilität (ca. 1,5 m; mind.
0,5 m unter Bohransatzpunkt der jeweiligen Nagellage).
2. Sicherung der frei gelegten Böschungsoberfläche mit Spritzbeton, einschließlich Bewehrung.
3. Einbauen und Verpressen der Bodennägel, die kraftschlüssig, aber ohne Vorspannung mit der
Außenhaut verbunden werden.
Im Regelfall werden Nägel mit einer Länge des 0,5- bis 0,7fachen der Wandhöhe gewählt. Am
Kopf der hergestellten Wand ist mit horizontalen Verformungen von ca. 0,2 bis 0,4 % der Wandhö-
he zu rechnen. Damit sich kein Wasserdruck auf die Oberflächensicherung infolge Schichten- oder
Kluftwasser einstellt, sollte eine ausreichende Anzahl von Entwässerungsöffnungen angeordnet
werden.
a) Wandschnitt und Nagelraster b) Beispiel für einen Zweikörperbruchmechanismus
ah ah p p
B
av av ao

1 C D
2

h1
2 -2
3 DN
1 E2
h

4 H lV3 -1

h2
D
5 A
lV4
lV lV5

c) Vereinfachtes System und Krafteck für das Beispiel d) Bemessung e) "Schwergewichtswand"


l1 Oberflächensicherung
C= 0 6E N p
Ea
G+P M E N,2
G Ea
Q G+P
C M
6E N A
Q en
E5
M l2 b

Ea
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Standsicherheit
Bei Bodenvernagelungen sind zum Nachweis der Tragfähigkeit die möglicherweise maßgebenden
Bruchmechanismen im Boden im Grenzzustand GZ 1C zu untersuchen. Die Gleitflächen können
dabei alle oder nur einen Teil der Nägel schneiden oder auch umgehen. Hierbei ist die Bauweise,
Geländeform, Grundwassersituation sowie Betrag und Stellung von äußeren Lasten zu berücksich-
tigen. Es ist eine ausreichende Sicherheit gegen Herausziehen eines Bodennagels nachzuweisen.
Der Nachweis ist erbracht, wenn die Bedingung E N d R N erfüllt ist.

1)
Zum Beispiel Zulassung Nr. Z-20.1-106 für Bodenvernagelung System „DYWIDAG“ vom 5. April 2007.
Standsicherheit von Böschungen und Geländesprüngen @-11.85

EN Bemessungswert der Herausziehbeanspruchung eines Bodennagels


RN Bemessungswert des Herausziehwiderstands eines Bodennagels

Der Bemessungswert des Herausziehwiderstands eines Bodennagels RN,d wird zunächst nach Erfah-
rungswerten für die vorliegenden Bedingungen angenommen und muss vor Ort mittels Probebelas-
tungen (Nagelzugversuchen) an 3 bis 5 % der Nägel bzw. an mind. 3 Stück nachgewiesen werden.
Weiterhin ist für den Nachweis der Standsicherheit der Verbundkörper, als monolithisch zu be-
trachten. Hierzu ist eine gedachte Rückwand durch das Ende der Nägel anzunehmen
(s. Abb. e) S.11.84). Für diese „Schwergewichtswand“ ist der Nachweis der Tragfähigkeit im
Grenzzustand GZ1B (Grundbruch- und Gleitsicherheit) zu erbringen, die zulässige Lage der Sohl-
druckresultierenden einzuhalten und die Sicherheit gegen Geländebruch im Grenzzustand GZ1C
nachzuweisen.

Nachweis der Einzelteile


Die Oberflächensicherung muss nach DIN 1045 bemessen werden. Für die Belastung wird ein ver-
minderter aktiver Erddruck en angesetzt, da dessen volle Ausbildung durch die Nägel behindert
wird. Dazu werden 85 % des ohne Ansatz der Kohäsion und mit Ga = 0 ermittelten aktiven Erd-
drucks in ein flächengleiches Rechteck umgelagert. Für den Krafteinleitungsbereich am Nagelkopf
ist der Durchstanznachweis zu führen. Die Normalspannung im Nagel darf den Wert (ES / 1,75)
nicht überschreiten (ES Streckgrenze des Stahls).

Beispiel: Ermittlung des Bemessungswertes der Herausziehbeanspruchung EN eines Boden-


nagels im Lastfall 2 (LF 2)
Abmessungen (s. Abb. a) S.11.84): Wandhöhe h = 7,50 m; Geländeneigung E = 0; vertikale Na-
gelabstände ao = 0,75 m; av = 1,50 m (Ÿ 5 Nagellagen); horizontaler Nagelabstand ah = 1,50 m;
Wandneigung D = 10° (s. Definition im Abschnitt 3, Böschungswinkel 80°); Nagelneigung DN =
10°; wirksame Verankerungslänge aller Nägel: l V 0,7 ˜ h 5,25 m (Ÿ Neigung der Wandrück-
seite H = D = 10°)

Kennwerte: M k' 35q , c k' 0 (eine zeitweilige Kohäsion, z.B. Kapillarkohäsion, muss auch bei
einem nichtbindigen Boden vorhanden sein, sonst ist ein Aushub mit diesem Böschungswinkel
nicht möglich); Wichte des Bodens J k 18 kN/m3 ; veränderliche Auflast pk 10 kN/m 2 .

1. EN aus der Untersuchung der Geländebruchsicherheit im GZ1C (EN,1) am Beispiel eines


untersuchten Bruchmechanismus

Wahl eines ersten Bruchmechanismus (Abb. b) S.11.84): Erste äußere Gleitfläche vom Fußpunkt A
zum Endpunkt der Nagellage 2 (E2) Ÿ -1 = 35,4°; innere Gleitfläche von E2 zur Geländeoberflä-
che (B); zweite äußere Gleitfläche von E2 zur Geländeoberfläche (B); Vereinfachung des Bruchme-
chanismus durch einen Einkörpermechanismus (Abb. c) S.11.84). Dabei wird der Bruchkörper 2
(E2 – C – D) durch die aktive Erddruckkraft Ea auf den senkrechten Schnitt E2 – Geländeoberfläche
ersetzt. Anschließend erfolgt die Ermittlung der Bruchkörpergeometrie und aller am Körper angrei-
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

fenden Kräfte. l1 4,78 m ; h1 3,16 m ; h2 4,34 m ; l V3 1,50 m ; l V4 3,00 m ; l V5 4,50 m ;


Kohäsionskraft in der Gleitfläche C c ˜ l 2 0

Bemessungswerte der Einwirkungen:


mit J d J k ˜ J G 18 kN/m 3 ˜1,0 18 kN/m 3 und p d pk ˜ J Q 10 ˜1,2 12 kN/m 2 wird
G G d A ˜ J d 27,6 m 2 ˜18 kN/m 3 496,4 kN/m ; P Pd l1 ˜ p d 4,78 ˜12 57,4 kN/m
Bemessungswert der Erddruckkraft:
mit M d' = arctan (tan 35°/1,15) = 31,3° | 31°; D = 0°; E = 0°; Ga = M d' wird nach Abschnitt 3
Ÿ Kagh = Kaph = 0,246 | 0,25
@-11.86 Geotechnik

E agh,d 0,5 ˜ K agh ˜ h12 ˜ J d 0,5 ˜ 0,25 ˜ 3,16 2 ˜18 22,5 kN/m ;
E aph,d K aph ˜ h1 ˜ p d 0,25 ˜ 3,16 ˜12 9,5 kN/m ;
E ah E ah,d E agh,d  E aph,d 22,5  9,5 32,0 kN/m ; E av E av,d 19,2 kN/m
Ea E a,d E ah / cos (G a  D ) 32,0 / cos 31q 37,3 kN/m

Aus dem Kräftegleichgewicht ergibt sich für den untersuchten Bruchmechanismus


6E N 77 kN/m.
Für den einzelnen Nagel wird der Bemessungswert der Herausziehbeanspruchung zu:
5
E N,1 6E N ˜ a h ˜ l V / ¦ l Vi 77 ˜1,50 ˜ 5,25 / 9,00 67,4 kN | 67 kN
i 3
Mit Hilfe weiterer Bruchkörpervariationen ist derjenige Bruchmechanismus zu finden, bei dem der
Bemessungswert der Herausziehbeanspruchung eines Nagels EN,1 zum Maximum wird.

2. EN aus den Auflagerkräften der Oberflächensicherung im GZ1B (EN,2):

mit Kagh = 0,206 | 0,21 für M’k = 35°; D = 10°; Ga = 0; s. Abschnitt 3;


E agh,k 0,5 ˜ K agh ˜ h12 ˜ J k 0,5 ˜ 0,21 ˜ 7,50 2 ˜18 106,3 kN/m ;
E aph,k K aph ˜ h1 ˜ p k 0,21 ˜ 7,50 ˜10 15,8 kN/m ;
E ag,k E agh,k / cos D 106,3 / cos 10q 107,9 kN/m ;
E ap,k E aph,k / cos D 15,8 / cos 10q 16,0 kN/m ;
e ng, k 0,85 ˜ E ag,k /( h / cos D ) 0,85 ˜107,9 /(7,50 / cos 10q) 12,0 kN/m 2
Ÿ E N,g,k | e ng, k ˜ a h ˜ a v / cos D 27,4 kN ;
e np, k 0,85 ˜ E ap,k /( h / cos D ) 0,85 ˜16,0 ˜ (7,50 / cos 10q) 1,8 kN/m 2
Ÿ EN,p,k | enp,k ˜ ah ˜ av / cos D 4,1 kN
Für den einzelnen Nagel wird der Bemessungswert der Herausziehbeanspruchung zu:
E N,2 E N,2,d J G ˜ E N,g,k  J Q ˜ E N,p,k 1,20 ˜ 27,4  1,30 ˜ 4,1 38,2 kN | 38 kN

Das Maximum aus beiden Berechnungen ist als maßgebender Bemessungswert der Herausziehbe-
anspruchung eines Nagels EN anzusehen. Für den Nachweis wird dieser mit dem Bemessungswert
des Herausziehwiderstandes RN verglichen.

7.6 Verformungen bei Böschungen und Geländesprüngen


Nach E DIN 4084 enthalten die Teilsicherheitsbeiwerte nach DIN 1054 für den Lastfall 1 bei mit-
teldicht bis dicht gelagerten nichtbindigen und bei steifen bis halbfesten bindigen Böden in der Re-
gel auch eine ausreichende Sicherheit gegen unzulässig große Verformung von Böschungen und
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Geländesprüngen ohne Bebauung. Dies gilt auch für Stützkonstruktionen, deren Geländebruch-
sicherheit für die Dauer der Nutzung für den Lastfall 2 nachzuweisen ist.
Bei Böschungen und Geländesprüngen in weichen bindigen Böden ist in der Regel die Grenze der
Verformungen für die Bemessung maßgebend. Nach E DIN 4084 ist zur Einhaltung der Grenze der
Verformungen bei Böden, die im undrainierten Triaxialversuch nach DIN 18 137-2 Scherdehnun-
gen von mehr als 20 % aufweisen, in der Regel der Ausnutzungsgrad P mit einem Wert von 0,67
statt 1,0 zugrunde zulegen. Bei Böden, die Scherdehnungen zwischen 10 und 20 % aufweisen, darf
zwischen 1,0 und 0,67 linear interpoliert werden.
Zur Prognose von Verformungen an Böschungen und Geländesprüngen kommen vor allem Berech-
nungen mit der Finite-Elemente-Methode (FEM) und geeigneten Stoffgesetzen (Materialmodellen)
in Betracht. Die Prognosen sollten möglichst an Messungen überprüft werden.
Baugrube, Verankerung und Wasserhaltung @-11.87

8 Baugrube, Verankerung und Wasserhaltung


8.1 Allgemeines
Die Größe der Baugrube ergibt sich im Wesentlichen aus der erforderlichen Gründungstiefe und
dem angestrebten Bauwerksgrundriss zuzüglich den erforderlichen Arbeitsraumbreiten und den
Abmessungen des Baugrubenverbaus oder -böschung.
 Angaben zu den Ansätzen von Nutzlasten (Straßen- und Schienenverkehr, Baustellenverkehr
und -betrieb), des Erddrucks, des Wasserdrucks und der Bemessung können den „Empfehlungen
des Arbeitskreises Baugruben (EAB)“ entnommen werden. Weiterhin ist DIN 4124 und ggf. die
ZTV-ING bzw. die ZTV-W zu beachten.
 Für die Ermittlung der Baugrundverhältnisse und der notwendigen Bodenkennwerte ist der Ab-
schnitt 2 zu beachten.
 Bei Bauwerken im Einflussbereich von Baugruben sind weiterhin DIN 4123 und DIN 1055 zu
beachten.
 Bei verankerten Baugrubenwänden ist neben dem Nachweis der Standsicherheit in der tiefen
Gleitfuge (Abschnitt 8.7) auch der Nachweis der Geländebruchsicherheit zu erbringen (EAB).
Der Nachweis der Geländebruchsicherheit kann analog dem Nachweis der Böschungsbruchsi-
cherheit (mit eingeschlossener Stützkonstruktion) nach E DIN 4084 bzw. Abschnitt 7 erfolgen.
 Bei Baugruben mit umströmtem Wandfuß (Wasserspiegeldifferenz zwischen außerhalb und in-
nerhalb der Baugrube) ist neben dem Einfluss des Strömungsdrucks auf die Baugrubenkonstruk-
tion auch der Nachweis gegen Aufbruch der Baugrubensohle (hydraulischer Grundbruch) zu
führen (siehe EAB und Abschnitt 8.8.5).
 Bei Baugruben mit einer Dichtungssohle (Injektionssohle bzw. Unterwasserbetonsohle) stellt
sich ein hydrostatischer Wasserdruck ein. In diesem Fall ist der Nachweis der Auftriebssicher-
heit der Sohle und der Baugrubenkonstruktion zu führen (siehe EAB).
Arbeitsräume, die betreten werden, müssen in Baugruben mind. 0,50 m breit sein. Für Leitungs-
gräben kann die erforderliche lichte Breite b den folgenden Tafeln entnommen werden.

Lichte Breiten für Gräben mit betretbarem Arbeits- Arbeitsraumbreiten für Baugruben nach
raum nach DIN 4124 DIN 4124
Art des Grabens, Äußerer Rohrschaft- Lichte Graben-
Böschungswinkel durchmesser d in m breite b in m1)
Böschungswinkel
an der Sohle
ß d 90° d d 0,40 b = d + 0,40
ß d 60° d ! 0,40 b = d + 0,40
ß ! 60° d ! 0,40 b = d + 0,70
d d 0,40 b = d + 0,402)
verbauter Graben 0,40  d d 0,80 b = d + 0,70
0,80  d d 1,40 b = d + 0,80
d ! 1,40 b = d + 1,00
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Mindestbreite bei
Grabentiefe3)
d 1,75 m für b = 0,70
d 4,00 m alle b = 0,80
! 4,00 m Durchmesser b = 1,00

1)
Bei geböschten Gräben = Sohlbreite; bei waagerechtem Verbau = lichter Abstand der Bohlen bzw. der Brusthölzer, wenn
l1  1,50 m; bei senkrechtem Verbau = lichter Abstand der Bohlen bzw. der waagerechten Gurtungen, wenn deren Unter-
kante bei d t 0,60 m weniger als 1,75 m über der Grabensohle bzw. bei d t 0,30 m weniger als 0,50 m über OK Rohr liegt.
2)
Sind planmäßige Umsteifungen für das Herablassen von langen Rohren erforderlich, dann gilt b = d + 0,70.
3)
Gilt nur für Gräben mit senkrechten Wänden; bei Gräben nach Abb. 11.89a (a und c) genügt b = 0,60 m.
@-11.88 Geotechnik

Die für die Abrechnung im Einzelfall maßgebende Arbeitsraumbreite bA ergibt sich aus Tafel S.
11.87. Werden Fundamente und Sohlplatten gegen Erde betoniert (linke Seite der Abb. S. 11.87), so
darf der Gründungskörper nicht in die Verlängerung der Böschungsfläche einschneiden.

Tafel 11.88a Lichte Breiten für Gräben bis 1,25 m Tiefe ohne betretbaren Arbeitsraum nach
DIN 4124
Regelverlegetiefe t in m t d 0,70 0,70  t d 0,90 0,90  t d 1,00 1,00  t d 1,25
Lichte Grabenbreite b in m 0,30 0,40 0,50 0,60

8.2 Nichtverbaute Baugruben und Gräben


Nichtverbaute Baugruben und Gräben mit einer Tiefe von mehr als 1,25 m (s. Tafel 11.88c und
Abb. 11.89a) müssen mit abgeböschten Wänden hergestellt werden. Die zulässige Böschungsnei-
gung richtet sich nach den bodenmechanischen Eigenschaften des Bodens unter Berücksichtigung
der Zeit, während der sie offen zu halten sind, und nach den äußeren Einflüssen, die auf die Bö-
schung wirken. Die maximalen Böschungswinkel können für einfache Fälle ohne rechnerischen
Nachweis nach folgender Tafel angenommen werden (DIN 4124):

Tafel 11.88b Maximale Böschungswinkel für einfache Fälle


lfd. Nr. Bodenart Böschungswinkel E in °
1 nichtbindiger Boden, weicher bindiger Boden d 45
2 steifer oder halbfester bindiger Boden d 60
3 Fels d 80

Geringere Böschungswinkel sind vorzusehen, wenn besondere Einflüsse wie


 Störungen des Bodengefüges (Klüfte oder Verwerfungen)
 zur Einschnittsohle hin einfallende Schichtung oder Schieferung
 Grundwasserhaltung durch offene Wasserhaltung
 Zufluss von Schichtenwasser
 nicht entwässerte Fließsandböden
 starke Erschütterungen aus Verkehr, Rammarbeiten oder Sprengungen
vorliegen.

Die Sicherheit gegen Böschungsbruch ist rechnerisch nachzuweisen, wenn


 die Böschung mehr als 5m hoch ist oder die in Tafel 11.88b unter 1 und 2 genannten Bö-
schungswinkel überschritten werden sollen, wobei mehr als 80° nicht zulässig sind
 einer der oben genannten besonderen Einflüsse vorliegt
 vorhandene Leitungen oder andere bauliche Anlagen gefährdet werden können
 unmittelbar neben dem Schutzstreifen von 0,60 m Breite Auflasten von mehr als 10 kN/m2 zu
erwarten sind.
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Tafel 11.88c Nicht- und teilverbaute Gräben und Baugruben bis 1,75 m Tiefe
Grabentiefe h in m
1,25 alle Bodenarten: Lotrechte Abschachtung ist zulässig, sofern die Neigung der Gelände-
oberfläche bei nichtbindigen Böden  1:10 (E  5,7°) und bei bindigen Böden
 1:2 (E  26,5°) ist.
1,25 bis 1,75 bindiger Boden (ab steifer Konsistenz) und Fels:
Ausbildung nach Abb. 11.89a
nichtbindiger Boden: Böschung oder kompletter Verbau
!1,75 alle Bodenarten: Böschung oder kompletter Verbau
Baugrube, Verankerung und Wasserhaltung @-11.89

Im Bereich benachbarter baulicher Anlagen sind die Forderungen der DIN 4123 zu beachten.
Bermen sind anzuordnen, falls dies zum Auffangen von abrutschenden Steinen, Felsbrocken und
dergleichen oder für Wasserhaltungen erforderlich ist. Bermen, die zum Auffangen abrutschender
Teile dienen, müssen mindestens 1,50 m breit sein und in Stufen von höchstens 3,00 m Höhe ange-
ordnet werden. Eine gleichwertige oder bessere Sicherungsmaßnahme als mit Bermen kann z.B.
eine Sicherung mit Folienabdeckung und verankerten Baustahlgewebematten darstellen, wenn auf
den Bermen einsickerndes Oberflächenwasser Rutschungen auslösen kann.

Abb. 11.89a Nicht- und teilverbaute Gräben und Baugruben bis 1,75 m Tiefe

8.3 Grabenverbau
8.3.1 Waagerechter und senkrechter Normverbau nach DIN 4124
Normverbau darf unter folgenden Voraussetzungen ohne besonderen Standsicherheitsnachweis
verwendet werden:
 Geländeoberfläche verläuft annähernd waagerecht
 nichtbindiger Boden oder ein bindiger Boden, steif oder halbfest
 Bauwerkslasten üben keinen Einfluss auf Größe und Verteilung des Erddrucks aus
 Straßenfahrzeuge und Baugeräte halten einen ausreichend großen Abstand vom Verbau ein.

8.3.2 Grabenverbaugeräte nach DIN 4124


Grabenverbaugeräte sind Einrichtungen zur Sicherung von Grabenwänden und bilden den fertigen
Verbau eines Grabenteilstücks. Sie bestehen meist aus zwei großflächigen Wandelementen, die
über Stützbauteile (Streben und Stützrahmen) verbunden sind. Es können mittig gestützte, randge-
stützte, rahmengestützte Grabenverbaugeräte, Gleitschienen-Grabenverbaugeräte und Dielenkam-
mer-Geräte unterschieden werden. Nach DIN 4124 dürfen nur Grabenverbaugeräte nach
DIN EN 13 331-1 verwendet werden, die von der Prüfstelle des Fachausschusses „Tiefbau“ der
Tiefbau-Berufsgenossenschaft geprüft wurden. Es ist weiterhin die Verwendungsanleitung des Her-
stellers zu beachten.
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Grabenverbaugeräte sind in
allen Bodenarten anwendbar,
die nicht ausfließen.

Die Anwendung des Einstell-


verfahrens (s.u.) ist auf be-
stimmte Bodenarten be-
schränkt.
Abb. 11.89b Grabenverbaugeräte

a) mittig gestützt b) randgestützt c) in Doppelgleitschienen geführt


@-11.90 Geotechnik

Einbauverfahren:
Einstellverfahren: Die Verbauelemente werden nach Aushub des Bodens auf die erforderliche Tiefe
in den Graben eingestellt. Voraussetzung: vorübergehend standfester Boden. (Dies ist ein Boden,
der zwischen Beginn der Ausschachtung und Einbringen des Verbaues keine wesentlichen Nach-
brüche aufweist.)
Absenkverfahren: Es kann in allen Bodenarten angewendet werden, die nicht ausfließen. Der Gra-
ben wird zunächst auf eine Tiefe ausgehoben, bei der die Grabenwände noch vorübergehend stehen.
Nach Einsetzen der auf die Grabenbreite montierten Verbaueinheit wird der Graben in Abschnitten
von d 0,50 m Tiefe ausgehoben. Sinkt hierbei die Verbaueinheit nicht durch ihr Eigengewicht
nach, müssen die Platten nachgedrückt werden. Bei großen Grabentiefen werden die Verbauein-
heiten durch Aufstocken zum Verbaufeld ergänzt und abschnittweise zur Grabensohle abgesenkt.

8.4 Schlitzwände und Bohrpfahlwände


8.4.1 Schlitzwände
Vorteile:
 Mit Rammen oder Rütteln verbundene Belästigung der Umgebung durch Lärm und Erschütte-
rungen wird weitgehend vermieden.
 Können tiefer geführt werden als gerammte Wände; Baugrund, der zum Rammen nicht geeignet
ist, wird durchfräst.
 Verformungsarm: geringere Verformungen im angrenzenden Boden, günstig in der unmittelba-
ren Nähe von Bauwerken.
 Wasserabdichtende Baugrube herstellbar: Grundwasserabsenkung kann unterbleiben.
 Kann nah an bestehenden Gebäuden abgeteuft werden und konstruktiv in das herzustellende
Bauwerk eingebunden werden (z.B. Kelleraußenwand).
Nachteile:
 aufwendig hinsichtlich Baustelleneinrichtung und Aushubbehandlung (Deponierung)
 problematisch bei querenden Kanälen und Leitungen
 nur vertikal herstellbar.
Herstellung:
Der lamellenweise Aushub des Bodens unter Flüssigkeitsstützung erfolgt entweder mit Greifern
(Seilgreifer mechanisch oder hydraulisch u.a.) oder mit Fräsen. Bei der Wandherstellung wird zwi-
schen Zweiphasen-Verfahren (auch Ortbeton-Schlitzwand  bei Baugruben am häufigsten), Einpha-
sen-Verfahren (vor allem bei Dichtungswänden) und kombinierten Verfahren (Einstellen von Be-
tonfertigteilen oder Spundwandprofilen) unterschieden. Die üblichen Wanddicken liegen zwischen
0,4 bis 1,50 m. Dickere Wände bis 3,00 m können mit Fräsen ausgeführt werden. Die erreichbaren
Tiefen liegen bei 100 bis 150 m.
Berechnung und Bemessung der erhärteten Wand:
Die Ermittlung der Einbindetiefe, Schnittgrößen und Stützkräfte und die erdstatischen Standsicher-
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

heitsnachweise erfolgen analog zu denen der Spundwand. Zu beachten ist, dass bei der Ermittlung
des belastenden Erddrucks und des Erdwiderstands ein größerer Erddruckneigungswinkel als _G _ =
M /2 nur aufgrund genauerer Nachweise angesetzt werden darf. Bei Sand- und Kiesböden ist G = 0
zu setzen, wenn damit zu rechnen ist, dass zwischen Beginn des Aushubs und Beginn des Betonie-
rens mehr als 30 Stunden liegen.
Bei der konstruktiven Ausbildung und Bemessung sind DIN 1045 und DIN 4126 zu beachten, wo-
bei keine höheren Festigkeitsklassen als C 20/25 anzusetzen sind. Die Konsistenz des verwendeten
Betons kann wegen des besonderen Einbauverfahrens nach DIN 4126, Abschn. 6.2 von der
DIN 1045 abweichen.
Baugrube, Verankerung und Wasserhaltung @-11.91

Stützflüssigkeit:
Die Stützflüssigkeit für den vertikalen Erdschlitz besteht beim Zweiphasen-Verfahren in der Regel
aus Ton-(Bentonit-)Suspensionen. Die Forderungen an die Eigenschaften und die Prüfmethoden
dieser Suspensionen sind in DIN 4126 und DIN 4127 festgelegt. Die Aufbereitung und ausreichen-
de Bevorratung (ca. 2 bis 2,5fache des Schlitzvolumens), die Behandlung der gebrauchten Suspen-
sion und des Erdaushubes stellen besondere Anforderungen an die Baustelleneinrichtung. Anzu-
streben ist ferner eine weitestmögliche Trennung von Aushubmaterial und Suspension und die an-
schließende Wiederaufbereitung der gebrauchten Suspension in der geforderten Qualität. Der ver-
bleibende, durch Suspension verunreinigte Bodenaushub und die verbrauchte Suspension müssen in
der Regel auf eine Deponie verbracht werden.
Die Standsicherheitsnachweise für den flüssigkeitsgestützten Schlitz sind nach DIN 4126 zu führen.
Für die Herstellung sind DIN 4126 und DIN 18 313 zu beachten.

8.4.2 Bohrpfahlwände
Vorteile:
x Im Wesentlichen analog zu denen der Schlitzwand.
x Weitere Vorteile:
 Bohren erfolgt in der Regel unter Verrohrung, Stützflüssigkeit kann meist entfallen
 auch komplizierten Grundrissen von Baugruben sehr gut anpassbar
 querenden Kanälen und Leitungen gut anpassbar (Pfähle weglassen)
 auch mit Neigung herstellbar.

Nachteile:
x Mögliche Tiefen geringer als bei Schlitzwand (bis ca. 25 m Tiefe).

Wandarten:
1. Tangierende Bohrpfahlwand
 bewehrte Pfähle, nebeneinander ange-
ordnet
 lichter Pfahlabstand aus Herstellungs-
gründen ca. 2– 10 cm
 Berechnung der notwendigen Einbin-
detiefe und Schnittgrößen und die erd-
statischen Standsicherheitsnachweise
analog zur Spundwand möglich
 nicht wasserdicht.
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

2. Aufgelöste Bohrpfahlwand
 bewehrte Pfähle, mit Abständen größer
als der Durchmesser des Einzelpfahls
angeordnet
 Zwischenräume im Aushubbereich
Arten von Bohrpfahlwänden werden mit dem Aushub fortschreitend
gesichert (im Allgemeinen mit Spritz-
beton  bewehrt und auf Biegung be-
messen oder unbewehrt mit Gewölbe-
ausbildung zum Boden).
@-11.92 Geotechnik

 Berechnung der notwendigen Einbindetiefe und Schnittgrößen und die erdstatischen Standsi-
cherheitsnachweise analog zur Trägerbohlwand möglich
 nicht wasserdicht.

3. Überschnittene Bohrpfahlwand
 Herstellung unbewehrter Primärpfähle (Pfähle 1, 3, 5 usw.)
 wenige Tage danach Bohren der Sekundärpfähle (bewehrte Pfähle 2, 4, 6 usw.), die in die Pri-
märpfähle einschneiden (Herstellung einer durchgehenden Betonwand)
 Überschneidungsmaß ca. 10–20 % des Pfahldurchmessers (abhängig von Bohrtechnologie und
Baugrundverhältnissen)
 Berechnung der notwendigen Einbindetiefe und Schnittgrößen und die erdstatischen Standsi-
cherheitsnachweise analog zur Spundwand möglich
 wasserabdichtende Baugrube herstellbar.

Für die Herstellung und Bemessung der verrohrt oder unverrohrt hergestellten Bohrpfähle (siehe
auch Abschnitt 5) sind vor allem DIN 1054, DIN EN 1536 mit DIN Fachbericht 129, DIN 18 301,
und DIN 1045 zu beachten.

Weitere Informationen zu Schlitz- und Bohrpfahlwänden (Bemessung, konstruktive Ausbildung


u.a.) können neben den genannten Normen z.B. dem Grundbautaschenbuch Teil 3 und dem Beton-
kalender 1998 Teil 2 entnommen werden.

8.5 Injektionswände und Frostwände


8.5.1 Injektionswände
Injektionswände kommen im Zusammenhang mit Baugruben meist bei der Unterfangung von be-
nachbarter Bebauung zum Einsatz. Durch die Injektion des Baugrundes soll ein Baukörper erzeugt
werden, der wie eine Schwergewichtsmauer wirkt (bei Unterfangungshöhen von mehr als 2–3 m
verankert).

Injektionsverfahren:
 „klassische“ Injektionen oder Niederdruckinjektionen: Einpressen von Injektionsmitteln in die
Porenräume oder Hohlräume des Bodens oder Fels zum Dichten oder Verfestigen des Bodens
oder Fels; bei Planung, Ausführung und Prüfung von Injektionen ist die DIN 4093,
DIN EN 12 715, DIN 18 309 und ggf. das „Merkblatt für Einpressarbeiten mit Feinstbindemit-
teln in Lockergestein“1) zu beachten.
 soil-fracturing-Verfahren: planmäßiges Einpressen von Injektionsmaterial zur gezielten, örtli-
chen Aufsprengung des Bodens (im Prinzip nur zur Gründungssanierung/Baugrund-
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

verbesserung bei bindigen Böden eingesetzt, wo die klassischen Injektionsverfahren ausscheiden


 nicht zur Gebäudeunterfangung); bei Planung, Ausführung und Prüfung von Injektionen ist
DIN EN 12 715 zu beachten.
 Düsenstrahlverfahren, auch Hochdruckinjektion (HDI), Hochdruckbodenvermörtelung, jet-
grouting oder soilcrete genannt: Die Bodenstruktur wird durch einen Düsenstrahl aufgeschnitten,
und der Boden wird entweder mit dem Injektionsgut teilweise vermischt und ein Teil mit dem
Spülmittelrücklauf gefördert (nichtbindige Böden) oder nahezu vollständig durch das Injekti-
onsmittel ersetzt und durch den Spülmittelrücklauf gefördert (bindige Böden). Bei Planung, Aus-
führung und Prüfung von Düsenstrahlverfahren ist DIN EN 12 716 und DIN 18 321 zu beachten.

1)
BAUTECHNIK 79 (2002), Heft 8 und 9.
Baugrube, Verankerung und Wasserhaltung @-11.93

Injektionsprinzipien und -verfahren


nach DIN EN 12715
Injektions- mit Baugrund- ohne Baugrundverdrängung
prinzip verdrängung
Unter- Hohlraumverfüllung Eindring-
prinzip injektion
Poren- Kluft-/ Hohl- hydrau- Verdich-
Injektions- injektion Kontakt- raumver- lische tungs-
verfahren (Impräg- injektion füllung Riss- injektion
nierung bildung
durch
Verfül-
lung)

Injektionsmittel:
 Nach Ausgangsstoffen und Zusammensetzung werden Mörtel, Pasten, Suspensionen, Lösungen
und Emulsionen unterschieden.
 Ausgangsstoffe können z.B. Zemente, Zement-Bentonitmischungen, Feinstbindemittel (Ultra-
feinzemente) oder Chemikalien (Wasserglas, Silikate und Kunstharze) sein.
Die Wahl des Injektionsmittels und -verfahrens wird im Wesentlichen durch den Boden und seine
Eigenschaften bestimmt. Erste Anhaltswerte zu den möglichen Anwendungsbereichen können der
Abb. 11.93 entnommen werden.

Steine X
Schluff U Sand S Kies G
Ton T

Fein- Mittel- Grob- Fein- Mittel- Grob- Fein- Mittel- Grob-


Massenanteil a Körner < d in % der Gesamtmenge

100

Kunststofflösungen
80
Wasserglaslösungen

60 Feinstbindemittel

Zement
40

Düsenstrahlverfahren
20

0
0.002 0.006 0.020 0.060 0.200 0.630 2.0 6.3 20 63 100
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Korndurchmesser d in mm

Abb. 11.93 Anwendungsbereiche der Injektionsverfahren und -mittel

Planung und Bemessung von Injektionswänden zur Bauwerksunterfangung:


Bei Planung von Injektionswänden für Bauwerksunterfangungen ist die DIN 4123 zu beachten. Die
Bohrlochneigungen, Bohrlochabstände und Bohrlochfolge müssen vor Baubeginn in einem Injekti-
onsplan festgelegt werden. Zur Überprüfung der geplanten Injektionsreichweite (Säulendurchmes-
ser) und der geplanten Druckfestigkeit sind gegebenenfalls vor Baubeginn Probeinjektionen durch-
@-11.94 Geotechnik

zuführen. Das Injektionsziel hinsichtlich Bereich, Qualität und Druckfestigkeit ist durch Kontrolle
und Aufzeichnungen bei der Herstellung und durch Probenentnahme und -prüfung nach der Her-
stellung zu prüfen. Bei Unterfangungen mit Injektionen sind weiterhin eventuelle Bewegungen des
zu unterfangenden Bauwerks ständig zu überwachen (Hebungen/Setzungen z.B. mit Nivellements
oder Schlauchwaagen). Unter bestimmten Voraussetzungen können Injektionswände auch wasser-
dicht ausgebildet werden.

Erforderliche Nachweise:
(analog zu Schwergewichtsmauern  Abschnitt 6)
 Kippen
 Gleiten
 Grundbruch/zulässige Sohlspannungen
 zulässige Spannungen im Injektionskörper
 Verankerungsnachweise
 eventuell Geländebruch.
Die erreichbaren Druckfestigkeiten der Injektions-
körper sind von Bodeneigenschaften, Injektionsver-
fahren und Injektionsmittel abhängig.

Einaxiale Druckfestigkeiten (Anhaltswerte) bei:


 Niederdruckinjektionen mit
 Chemikalien: bis 5 N/mm2
 Zementen: bis 10 N/mm2
 Feinstbindemitteln: bis 20 N/mm2

Abb. 11.94 Bauwerksunterfangung  Düsenstrahl-Verfahren:


 im Sand/Kies: 1– 5 N/mm2
 im Schluff/Ton: 0,5–3 N/mm2

Für weitere Hinweise zu geotechnischen Injektionen kann neben DIN 4093 z.B. auf das Grund-
bautaschenbuch Teil 2 und den Betonkalender 1998 Teil 2 zurückgegriffen werden.

8.5.2 Frostwände
Frostwände (i. Allg. wasserabdichtend ausführbar) können durch künstliches Einfrieren wasserhal-
tender Bodenschichten (Bodenvereisung) hergestellt werden. Mit dem Vereisungszustand ist nur so
lange zu rechnen, solange die Gefriereinrichtung in Betrieb gehalten wird. Im Zuge der Eignungs-
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

und Planungsuntersuchungen für eine Bodenvereisung sind neben der Bestimmung der notwendi-
gen Bodenkennwerte für den ungefrorenen und gefrorenen Boden Untersuchungen zu den notwen-
digen Gefrierrohrabständen und zum geeigneten Kühlverfahren notwendig. Je geringer der Abstand
der Kühlrohre ist und je tiefer die eingebrachte Temperatur ist, um so kürzer ist die zur Bildung der
Frostmauer erforderliche Zeit.
Baugrube, Verankerung und Wasserhaltung @-11.95

8.6 Trägerbohlwände
8.6.1 Allgemeines
Trägerbohlwände werden im Prinzip wie Spundwände berechnet. Da die Wände jedoch nur
oberhalb der Baugrubensohle durchgängig ausgebildet sind, erfolgt zur Ermittlung der
Einbindetiefe der Ansatz des belastenden Erddrucks für den ebenen Fall auch nur in diesem
Bereich. Bei Erreichen des passiven Erddrucks kann sich bei ausreichend großem Abstand der
Bohlträger unterhalb der Baugrubensohle ein räumlicher Bruchkörper ausbilden. Bei geringem
Trägerabstand kommt es infolge der Überschneidung der Bruchkörper zur Reduzierung der
Stützwirkung vor dem Bohlträger. Den Grenzwert stellt dann der passive Erddruck im ebenen Fall
dar. Für den Standsicherheitsnachweis sind deshalb zum Vergleich zwei Nachweise erforderlich,
von denen der ungünstigere maßgebend ist. Die Träger besitzen die Breite bt und untereinander
einen Abstand at.
8.6.2 Berechnungsalgorithmus
Der folgende Berechnungsalgorithmus wurde unter Beachtung der EAB [11.6] aufgestellt.
a) Für die Berechnung sind zunächst folgende Annahmen zu treffen, da die passive Erddruckkraft
Eph1/2 = f (at,bt,t) ist:
 Profilauswahl, z.B. I, IB, IPB, PSP und ][-Profile, und Festlegung der Bohlträgerbreite bt/gew
 Wahl des Abstands der Bohlträger at/gew untereinander
 Annahme zur notwendigen theoretischen Einbindetiefe t0,gew der Bohlträger
 Annahme zur Auflagerung im Einbindebereich (Grenzfälle: frei aufgelagert/eingespannt).
b) Ermittlung einer wirklichkeitsnahen Verteilung des aktiven Erddrucks u.a. in Abhängigkeit der
Anordnung und Anzahl der Abstützungen. Erfahrungswerte können der EAB/ EB 69
entnommen werden. Nur bei nichtgestützten, im Boden eingespannten Trägerbohlwänden darf
i.d.R. der aktive Erddruck und die dreieckförmige Verteilung zum Ansatz kommen.
c) Standsicherheitsnachweise im GZ 1B.
— Kontrolle des Gleichgewichts der Horizontalkräfte
— Nachweis, dass das Erdauflager für die gewählte Einbindetiefe t0,gew in der Lage ist, die
Belastung aufzunehmen.
Eine Berechnungswiederholung ist i.d.R mit einer verbesserten Annahme t0,gew erforderlich,
wenn die Nachweise nicht erfüllt sind.
d) Nachweis, dass die Beanspruchungen des Bohlträgermaterials bei der gewählten Trägerbreite
b0,gew und dem Trägerabstand at/gew zulässig sind.
Andernfalls muss eine Wiederholung des gesamten Berechnungsalgorithmus unter Korrektur der
Trägerbreite oder des Trägerabstandes erfolgen, bis die Annahmen hinreichend zutreffend sind.
8.6.3 Standsicherheitsnachweise (GZ 1B)
Bei Trägerbohlwänden ist eine Vergleichsuntersuchung
 unter Ansatz des räumlichen Erdwiderstands vor dem einzelnen Bohlträger
 unter Annahme des Erddrucks auf eine gedachte durchgehende Wand (ideeller Erdwiderstand)
notwendig. Die kleinere Erdwiderstandskraft Eph ist für die weitere Berechnung maßgebend.
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Erddruckbeiwerte K* für D = E = 0
bei Annahme von G p*= (M k  2,5°) für M k < 30° bzw. G p* = 27,5° für M k t 30° bei behinderter
Vertikalbewegung nach Streck (Kpgh (Gp=0) siehe Abschn. 3.5):

M k in ° 15,0 17,5 20,0 22,5 25,0 27,5 30,0 32,5 35,0 37,5 40,0 42,5
Kpgh* 2,11 2,38 2,77 3,23 3,81 4,51 5,46 6,15 7,12 8,27 9,64 11,4
Kpch* 3,32 3,54 3,84 4,18 4,58 5,00 5,54 5,92 6,46 7,08 7,76 8,58
@-11.96 Geotechnik

1) Räumlicher Erdwiderstand vor schmalen Druckflächen nach Weißenbach:

E pgh1,k 0,5 ˜ J k ˜ K pgh Gp=Gp* ˜ t0 2 ˜ b'bS,R ˜ F ; E pch1,k ck ˜ K pch Gp=Gp* ˜ t0 ˜ b'bS,K ˜ F ˜ A


Eph1,k = Epgh1,k + Epch1,k pro Träger

mit
t0 theoretische Einbindetiefe (für freie Auflagerung gilt t0 = t und für eine Einspannung
t0 = 5˜t/6)
A = 0,5 (bei bindigen Böden 50%ige Abminderung nach EAB/ EB 14)
A = 1 (bei Kapillarkohäsion)
bS,R = 0,60 ˜ t0 ˜ tan M k bS,K = 0,90 ˜ (1 + tan M k) ˜ t0

bt
für bt  0,30 ˜ t 0 gilt: b' 0,30 ˜ t 0 und F
0,30 ˜ t 0
für bt t 0,30 ˜ t 0 gilt: b' bt und F 1

2) Ideeller Erdwiderstand auf eine gedachte durchgehende Wand



Epgh2,k 0,5 ˜ J k ˜ t0 ˜ K pgh Gp=Gp* ˜ bt  K pgh Gp=0 ˜ a t  bt
2

E pch2,k ck ˜ K pch Gp=Gp* ˜ t0 ˜ a t
Eph2,k = Epgh2,k + Epch2,k pro Träger
8.6.3.1 Im Boden frei aufgelagerte Trägerbohlwände
Eah,k charakteristischer Wert des aktiven Erddrucks oberhalb der Baugrubensohle in kN/m
' Eah,d vernachlässigter Bemessungswert des aktiven Erddrucks unterhalb der Baugrubensohle auf
eine gedachte durchgehende Wand in kN/m mit ' Eah,d = ' Eah,G,k ˜J.G + ' Eah,Q,k ˜J Q
Uh,k Auflagerreaktionskraft infolge Eah,k (bei weichen bindigen Böden liegt Uh,k bei t/3)
6 Ms = 0: U h,k Eah,k ˜ z / h  ls  0,6 ˜ t für eine einfach gestützte Wand
Uh,d Bemessungswert der Auflagerkraft Uh,d = UG,k˜J G + UQ,k˜J Q
E ph3,k 0,5 ˜  k ˜ t0 2 ˜ K pgh  p ˜ K pph ˜ t0  ck ˜ K pch ˜ t0
mit Kpgh (G p = M) nach Caquot/Kerisel oder Pregl

a) Gleichgewicht der Horizontalkräfte unterhalb der Baugrubensohle


Die Aufnahme des belastenden Erddrucks oberhalb der Baugrubensohle und des
vernachlässigten aktiven Erddrucks auf die Träger unterhalb der Baugrubensohle durch das
gedachte Erdauflager ist durch das Gleichgewicht der Horizontalkräfte nachzuweisen.

Nachweis: _Uh,d_ + ' Eah,d d Eph3,d


ls

S
mit Eph3,d = Eph3,k /J Ep
zi
h

b) Nachweis gegen Versagen des Erdauflagers: Eah(i)


Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Uh,d d Eph1/2,d mit Eph1/2,d = K ˜ Eph1/2,k /J Ep


0,4t 0,6t

Uh
'Eah

Wahl des Anpassungsfaktors K zur Begrenzung der Verformungen nach EAB/ EB 14:
1) K = 0,80 bei mindestens steifen bindigen bzw. mitteldicht gelagerten nichtbindigen Böden
2) K < 0,80, falls 1) nicht zutreffend, z.B. bei weichen bindigen Böden.
Falls der Nachweis erfolgt, dass die Bewegungen des Fußauflagers unschädlich sind, kann K = 1
gesetzt werden.
Baugrube, Verankerung und Wasserhaltung @-11.97

8.6.3.2 Im Boden eingespannte Trägerbohlwände


Eah,k charakteristischer Wert des aktiven Erddrucks Eah,k oberhalb der Baugrubensohle
'Eah,d vernachlässigter aktiver Erddruck unterhalb der Baugrubensohle auf gedachte durchgehende
Wand bis zur Tiefe t0
Uh,k untere Auflagerreaktionskraft infolge Eah,k
Uh,d Bemessungswert der Auflagerkraft Uh,d = UG,k ˜ J G + UQ,k ˜ J Q

a) Gleichgewicht der Horizontalkräfte unterhalb Baugrubensohle

U h,d 0,5 ˜ J ˜ t0 2 ˜ K rgh mit t 0 5˜ t / 6 und Krgh mit J Ep = 1 nach Unterpunkt b)


0,5 ˜ J k ˜ t0 ˜ K pgh  p ˜ K pph ˜ t0  ck ˜ K pch ˜ t0
2
Eph3,k
mit Kpgh (G p = M) nach Caquot/Kerisel bzw. Pregl

Nachweis: _Uh,d_ + 'Eah,d d Eph3,d mit Eph3,d = Eph3,k /J Ep

b) Die Ermittlung der erforderlichen Einbindetiefe kann mit dem Berechnungsalgorithmus


entsprechend Abschn. 6.2.2 erfolgen.

2 ˜  ˜ E ph1,k f1 2 ˜  ˜ E ph 2,k f2
K rgh ˜ oder K rgh ˜ (kleinerer Wert ist maßgebend)
 ˜ a t ˜ t0  ˜ a t ˜ t0
2 2
 Ep  Ep
— l = h  ls und u = 0
— Zur Begrenzung der Verformungen kann ein
Anpassungsfaktor K < 1 gewählt werden.
— Korrekturbeiwerte f1 und f2 nach Weißenbach Eah

Korrekturbeiwerte f1 f2
Kohäsionslose Böden 0,85 0,95
Uh 'Eah
t0

Feuchter Sand und Kies 0,90 1,00


t

Leicht bindiger Boden 0,95 1,05


Stark bindiger Boden 1,00 1,10

Zum Nachweis gegen Versagen des Erdwiderlagers siehe Weißenbach [11.8].

8.7 Verankerungen und Absteifungen


8.7.1 Verankerungen
Baugrubenwände und Bauwerke (z.B. Gewichtsmauern) werden zur Begrenzung der
Verformungen oft rückwärtig verankert. Verankerungen dienen u.a. auch zur Auftriebs-
sicherung und zur Aufnahme von Einzelkräften z.B. bei Abspannungen. Eine Verankerung mit
Ankerplatten (z.B. Einsatz bei Uferwänden) erfolgt nur noch selten, da ein großer freier
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Arbeitsraum zur Einbringung der Verankerung hinter der Wand notwendig ist. Üblicherweise
erfolgt bei Baugrubenwänden eine rückwärtige Verankerung mit Verpressankern, mitunter auch
mit Verpressmantelpfählen. Es dürfen nur die Verpressanker zum Einsatz kommen, die
bauaufsichtlich zugelassen sind. Für die sachgemäße Herstellung dieser Anker gilt
DIN EN 1537.
Hinsichtlich der Einsatzdauer unterscheidet man bei Verpressankern Kurzzeitanker (Einsatzdauer
kleiner als 2 Jahre) und Daueranker (länger als 2 Jahre im Einsatz). Verpressanker werden i.d.R. mit
Vorspannung eingebaut (Auswirkungen auf den Erddruckansatz siehe Abschn. 3.3).
@-11.98 Geotechnik

Verankerungsarten:

P
P
P

Ankerplatten Verpressanker Verpressmantelpfahl

8.7.1.1 Konstruktive Regeln für den Einsatz von Verpressankern


– Die freie Ankerlänge (nicht verpresster Teil) sollte mindestens 5 m betragen.
– Der Verpresskörper sollte möglichst nur innerhalb einer bindigen oder nichtbindigen
Bodenschicht bzw. vollständig im Fels liegen.
– Der Verpresskörper sollte mindestens 4 m unter Geländeoberfläche liegen.
– Der Abstand der Verpresskörper untereinander sollte bei 15 m bis 20 m langen Ankern
mindestens 1,5 m sein. Der Mindestabstand zu Bauwerken beträgt 3 m.
8.7.1.2 Ermittlung des Herausziehwiderstands (GZ 1B)
Der charakteristische Herausziehwiderstand Ra,k eines Ankers ergibt sich aus dem Widerstand des
Verpresskörpers bei der Übertragung der Zugkraft in den Boden. Dieser Widerstand ist auf
Grundlage von mindestens 3 Eignungsprüfungen an Ankern zu ermitteln, die unter gleichartigen
Ausführungsbedingungen wie die Bauwerksanker hergestellt wurden. Das Prüfverfahren ist in
DIN EN 1537 beschrieben.
Die Tragfähigkeit der Verpressanker ist unter anderen vom konstruktiven Ankeraufbau, der
Verpresslänge und dem anstehenden Boden abhängig. Zur Vorbemessung kann die Tragfähigkeit
nach Ostermeyer [11.7] abgeschätzt werden.
8.7.1.3 Nachweise bei Verpressankern und Ankerplatten
a) Nachweis der Tragfähigkeit (GZ 1B) siehe Abschn. 8.7.1.5
b) Nachweis der Gebrauchstauglichkeit durch Abnahmeprüfung nach DIN EN 1537
c) Nachweis einer ausreichenden Ankerlänge (GZ 1B) bei verankerten Stützbauwerken nach
Abschn. 8.7.1.4 (Nachweis in der tiefen Gleitfuge)
d) Nachweis gegen Aufbruch des Verankerungsbodens bei Ankerplatten.
8.7.1.4 Nachweis einer ausreichenden Ankerlänge bei verankerten Stützwänden (GZ 1B)
Bei einfach verankerten Wänden kann in Anlehnung an das Verfahren von Kranz folgendermaßen
vorgegangen werden:
EaA,k
F4
pk
EaA,k GaA,k
F3
D GaA,k
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

F2
GaW,k A Gk
Gk
Qk
E aW,k
Ck -GMk)

Mk Amögl,k
-a Qk Pk
lG D Ck
E aW,k
-G
GaW,k
F1
Baugrube, Verankerung und Wasserhaltung @-11.99

Sicherheit gegen Versagen: Avorh,G,k ˜ JG + Avorh,Q,k ˜ JQ d Amögl,k / JEp

J Sicherheitsfaktoren siehe Abschn. 1.2.


F1 Punkt kann bei frei aufgelagerten oder teilweise eingespannten Wänden am Wandfuß und
bei eingespannten Wänden (siehe auch Abschn. 6.2.3) am unteren Querkraftnullpunkt (bei
Spundwänden und Trägerbohlwänden in Wandmitte, bei Ortbetonwänden an der
Wandrückseite) angenommen werden. Bei großen Verschiebungen eingespannter steifer
Wände (z.B. Schlitzwände) im Einbindebereich kann der Fußpunkt F1 auch tiefer liegen 1).
F2 Bei durchgehenden Ankerwänden liegt der Punkt F2 an der Unterkante der Ankerwand
(siehe auch Bilder am Beginn des Abschnitts), bei Verpressankern in der Mitte der
Krafteintragungslänge.
l0 Krafteintragungslänge bei Verpressankern bzw. Mindestverankerungslänge bei Ramm-
pfählen. 2)
Charakteristische Werte:
Avorh,k vorhandene Ankerkraft, getrennt nach ständigen und veränderlichen Einwirkungen
Amögl,k mögliche Ankerkraft (siehe Krafteck)
Gk Gewichtskraft des Bruchkörpers pro lfd. M.
Qk unbekannte Reibungskraft in der tiefen Gleitfuge zwischen den Punkten F1 und F2
Ck Kohäsionskraft Ck = ck ˜ l in der tiefen Gleitfuge
EaW,k aktiver Erddruck im Bruchzustand auf die Wand bis zum angenommenen Punkt F1 unter
stetiger Berücksichtigung von veränderlichen Einwirkungen
EaA,k aktiver Erddruck auf die Ersatzankerwand unter Berücksichtigung einer eventuellen Auflast
Pk Auflast auf Bruchkörper (Veränderliche Einwirkungen pQk zwischen den Punkten F3 und F4
sind nur zu berücksichtigen, wenn -G>Mk gilt.)
GA,k Neigungswinkel der Erddruckkraft auf die Ersatzankerwand (Verpressanker mt GA,k=E)
Die Ermittlung der möglichen Ankerkraft Amögl,k kann rechnerisch durch Bildung des
Gleichgewichts der Horizontal- und Vertikalkräfte oder als zeichnerische Lösung erfolgen.

8.7.1.5 Nachweis der Tragfähigkeit für das Ankerzugglied (GZ 1B)


a) Einwirkungen
Die charakteristische Gebrauchskraft Ek für den Anker ergibt sich aus den charakteristischen
Schnittgrößen der Einwirkungen. Der Bemessungswert ergibt sich zu Ed = Ek ˜ J .
b) Widerstände
– Der Bemessungswert des Herausziehwiderstands ergibt sich zu Ra,d = Ra,k /JA mit Ra,k nach
Abschn. 8.7.1.2.
– Der Bemessungswert des Widerstands des Stahlzugglieds Ri,d ergibt sich zu
Ri,d = (As ˜ ft,0.1,k) /JM.
As Querschnittsfläche des Stahlzugglieds
ft,0.1,k charakteristischer Wert der Spannung des Stahlzugglieds bei 0,1 % bleibender
Dehnung
Der maßgebende Widerstand Rd entspricht dem kleineren Wert von Ra,d und Ri,d.
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

c) Nachweis
Ed d Rd
8.7.2 Absteifungen
Steifen sind gegen Herabfallen zu sichern, z.B. durch horizontal angeordnete Gurte.
Rundholzsteifen müssen mindestens einen Durchmesser von 10 cm besitzen und der Güteklasse II
entsprechen. Die Steifen sind u.a. auf Ausknicken zu untersuchen.

1)
Bautechnik 72 (1995), S. 780.
2)
EAU, E 66.
@-11.100 Geotechnik

8.8 Wasserhaltung
Die Wasserhaltung umfasst alle Maßnahmen zur Beherrschung des zuströmenden Wassers während
des Betriebs der Baugrube. Es wird in offene und geschlossene Wasserhaltung unterschieden. Die
Auswahl der Verfahren ist u.a. abhängig von den geohydrologischen Verhältnissen und der Geo-
metrie der Baugrube.

SteineX
Ton Schluffkorn U Sandkorn S Kieskorn G

Fein- Mittel- Grob- Fein- Mittel- Grob- Fein- Mittel- Grob-


100
Massenanteil a Körner<d in % der Gesamtmenge

90
Entwässerung mittels Druckluft
80
Elektro-
70 osmo-
tische Entw. durch Vakuum
Entwässerung durch
60 Entw. Gravitation

50 offene
Wasser-
40 haltung offene Wasserhaltung

30

20

10

0
0.002 0.006 0.020 0.060 0.200 0.630 2.000 6.300 20.000 63.000
Korndurchmesser d in mm

Abb. 11.100a Einsatzgrenzen der Wasserhaltungsverfahren in Abhängigkeit der Bodenart


8.8.1 Offene Wasserhaltung
Die offene Wasserhaltung wird in standfes- L 1

ten Bodenarten (z.B. in Fels mit wasserfüh-


ruhender Grundwasserspiegel
renden Spalten und Rissen und in bindigem
Boden mit einer Durchlässigkeit von k=10-9
bis 10-7 m/s) angewendet. In sandigen und H
kiesigen Böden kann die Anwendung nur
für geringe Baugrubentiefen (3-4 m) und
abgesenkter
unter Einhaltung einer zweifachen Sicher- Grundwasserspiegel
heit gegenüber dem kritischen Gefälle ikrit T
erfolgen. Mit dem kritischen Gefälle t

ikrit 1 / 15 k und dem vorhandenen Gra- Grundwassernichtleiter

dienten i 'h / 'l ('h – Druckhöhe, 'l –


Strömungsweg) gilt die Bedingung Abb. 11.100b Absenkung bei offener Wasserhaltung
ikrit / i t 2.
anfallende Wassermenge: q0 | 0,4 q (große Absenktiefe, tiefliegende undurchlässige Schicht)
(Näherungen) q0 | 0,2 q (geringe Absenktiefe, hochliegende undurchlässige Schicht)
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

mit q0 anfallende Wassermenge bei Grundwasserabsenkung und


q anfallende Wassermenge bei Vertikalbrunnen.
­§ t · L § t ·½
anfallende Wassermenge nach Davidenkoff: q 0 k ˜ H 2 ˜ ®¨1  ¸ ˜ m  1 ¨1  ˜ n ¸¾
¯© H¹ R© H ¹¿
L1, L2 Länge, Breite der Baugrube
t Tiefe der für den Zufluss von unten wirksamen Zone (t = H wenn t  H; t = T wenn t < H)
R Reichweite des Brunnens nach Siechardt: R 3000 ˜ s ˜ k in m, k in m/s
s Absenkung in m
k Durchlässigkeitsbeiwert in m/s
Baugrube, Verankerung und Wasserhaltung @-11.101

1.2 1.2

Verhältnis L2/R
1.0 1.0

0.8 0.8

0.6 0.6

0.4 0.4
1,0 0,8 0,6 t/R=0,4 t/R=0,2 t/R=0

0.2 0.2

Abb. 11.101a Berechnungs- 3.0 2.5 2.0 1.5 1.0 0.5 0.0
0.0 0.0
1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7 1.8 1.9 2.0
Beiwert m Beiwert n
beiwerte

8.8.2 Geschlossene Wasserhaltung


Flachbrunnen werden an eine gemeinsame Saugleitung angeschlossen. Die Wasserförderung er-
folgt durch Kreiselpumpen. Die praktische erreichbare Absenktiefe beträgt 3,5 bis 4,0 m ab Pum-
penachse. Bei größeren Absenktiefen ist die Anordnung von mehrstaffeligen Anlagen erforderlich.
Für die Gravitationsentwässerung werden im Allgemeinen Filterbrunnen mit einem Filterdurchmes-
ser von d=150 mm verwendet, sodass der Bohrlochdurchmesser zwischen 300 - 400 mm beträgt.
Die Einlaufhöhe am Filter muss mindestens 2 bis 3 m betragen. Der Mindestabstand benachbarter
Brunnen liegt bei 3 – 4 m.
Für die Vakuumentwässerung werden Nadelbrunnen verwendet. Diese haben einen Durchmesser
von 50 mm, eine Einlaufhöhe von mindestens 0,5 m und einen Abstand von 1,25 m.
Aus Tiefbrunnen wird das Wasser mit eingehängten Tauschpumpen gefördert. Die Absenktiefe
wird durch die Druckleistung der Pumpe begrenzt. Für Tiefbrunnen sind folgende Maße üblich:
Filterdurchmesser 350 mm, Bohrlochdurchmesser 500 bis 800 mm, Einlaufhöhe 5 bis 8 m, Min-
destabstand 5 bis 6 m.
Berechnung von Schwerkraftanlagen (Gravitationsbrunnen)
Anwendung: bei nichtbindigen Böden, die im Bereich zwischen Mittelsand und Mittelkies liegen
und deren Durchlässigkeit k=10-5 bis 10-2 m/s beträgt.
Berechnungsgang:
1. Voraussetzung: Kenntnis des Durchlässig-
keitsbeiwerts k
Bei Grundwasserleitern mit Schichten un- y 2r
terschiedlicher Durchlässigkeit gilt: dh
Filter

mittlere horizontale Durchlässigkeit:


1
k ˜ k1 ˜ d1  k 2 ˜ d 2  .....  k n ˜ d n
d s s
mittlere vertikale Durchlässigkeit: dr y H
d
k
k1 / d1  k 2 / d 2  .....  k n / d n
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

hw
wobei d die Summe der Schichtdicken be-
zeichnet d d1  d 2  .....  d n . wasserundurchlässige Schicht
2. Festlegen der Absenktiefe s: Höhendiffe- rw x
x R
renz zwischen dem ruhenden Grundwasser-
spiegel und dem tiefsten Teil der Baugrube,
zuzüglich einem „Sicherheitsabstand“ von Abb. 11.101b Vollkommener Brunnen
0,5 – 1,0 m.
3. Eintauchtiefe der Brunnen in das Grundwasser: H = hw+s.
4. Reichweite der Brunnenanlage: R 3000 ˜ s ˜ k
@-11.102 Geotechnik

5. Berechnung des Ersatzradius rE der Brunnenanlage. Es wird die Annahme getroffen, dass die
Absenkung durch einen Brunnen mit dem Radius rE erfolgt.
ABr
rE
S
ABr bezeichnet die durch die Brunnen umschlossene Fläche.
Für langgestreckte Baugruben (Länge/Breite >3; a/b>3) gilt rE 0,2 ˜ a  0,37 ˜ b.
Bei Gräben und Brunnenreihen ist für den Ersatzradius rE a / 3 anzusetzen.
6. Abschätzung des Wasserandrangs zur Brunnenanlage:

QE

S ˜ k ˜ H 2  h2 ˜ (1  H )
ln R  ln rE
y 2r
mit H=0,0 für vollkommene Brunnen
H=0,1…0.3 für unvollkommene Brun-

Filter
nen
7. Zustrom zum unvollkommenen Brunnen nach
s s
Szechy:
^ `
y H
S ˜ k H ˜ H 2  h02  kV ˜ H  h0 ˜ t
quv
ln R  ln rE
hw
8. Ergiebigkeit der Einzelbrunnen
k
q Eb S ˜ d Eb ˜ H  s  s Eb ˜ t
15
sEb – geschätzter lokaler Absenktrichter wasserundurchlässige Schicht
dEb – Durchmesser des Einzelbrunnens
rw x R x
(i.d.R. Bohrdurchmesser, bei
Brunnen ohne Kiesschüttung:
Rohrdurchmesser)
Abb. 11.102a Unvollkommener Brunnen
9. Anzahl der erforderlichen Brunnen
nerf Q E / q Eb
10. Beharrungszustand des Zuflusses zur Mehrbrunnenanlage mit n gleichen Brunnen, denen je-
weils die gleich Wassermenge entnommen wird: Formel nach Forchheimer für Mehrbrunnen-
anlagen:

Q

S ˜ k ˜ H 2  y2
1
ln R  ln x1 ˜ x 2 ˜ .... ˜ x n
n

x1 , x 2 ,...., x n - Abstände der einzelnen Brunnen vom ungünstigsten anzunehmenden Punkt der
Baugrube (bei kreisförmigen Baugruben der Mittelpunkt, bei rechteckigen Bau-
gruben i. Allg. ein Eckpunkt)
Q – die von der gesamten Anlage geförderte Was- x4 x3
sermenge
n – Anzahl der Brunnen
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

11. Nachweis des lokalen Absenktrichters


1,5q § b ·
s Eb h  h2  ¨ ln  ln rE ¸ d s Eb,geschätzt
S ˜k © 2 ¹
q – Zufluss zu einem Einzelbrunnen q Q / n
x1 x2
b – Abstand der Brunnen untereinander
rE – Radius des Filterbrunnens rE d E / 2 Abb. 11.102b Abstände der Einzelbrunnen

Vakuumentwässerung
Anwendung: – Feinsande und Grobschluffe mit k=10-4 bis 10-7 m/s
Anordnung: – Abstand der Brunnen 1 bis 1,25 m
Baugrube, Verankerung und Wasserhaltung @-11.103

 Filteroberkante muss mindestens 1 m unter Aushubsohle liegen


 Abstand der Filter zur Baugrubenwand mindestens 60 cm
 aller 50 m Vakuumanlage ist eine leistungsstarke Pumpe anzuordnen
Wasserandrang: m ( p0  p) / J W

qV

S ˜ K ˜ H 2  h02 ˜ s  m p 0 – atmosphärischer Luftdruck
ln R / r s
p – Vakuumdruck
JW – Wichte von Wasser
s – größte Absenktiefe in der Baugrube
Elektroosmotische Verfahren
Anwendung: – schluffige, tonige und zum Teil organische Böden mit k<10-8 m/s und d10 zwi-
schen 0,002 und 0,015 mm
Anordnung: – kreisförmig, Elektrodenabstände zwischen 1 und 10 m
– Spannung zwischen 15 und 150 V
durch ein Elektrodenpaar freigesetzte elektroosmotische Wassermenge:
1
qe k e ˜ S ˜ U ˜ l in cm/s U – Spannung in V
ln ( s / r )
l – Elektrodenlänge im Grundwasser in cm
s – Elektrodenabstand in cm
r – Elektrodenradius in cm (kleinsten Wert einsetzen)
ke – elektroosmotische Durchlässigkeitszahl, ist für fast
alle Böden 5˜10-5 cm2/(Vs)
8.8.3 Versickerung
Die aufnehmbare Wassermenge Q eines Versicke- Versickerungs-
wasserspiegel
rungsbrunnens ist: z

Q

S ˜ k ˜ 2H ˜ z  z 2 h ruhender Grundwasserspiegel
ln R  ln rRr H
Das Fassungsvermögen des einzelnen Brunnens ergibt
sich zu:
k Si k Abb. 11.103a Versickerungsbrunnen
q S 2S ˜ r ˜ h c ˜ mit k Si
15 4
Zur Gewährleistung des Abfließens der berechneten Wassermenge ist eine Mindeststauhöhe h´ er-
forderlich. Diese ergibt sich zu:
b
2q ˜ ln
h c h  z Eb h  r
S ˜ k Si
8.8.4 Beeinflussung des Erddrucks durch strömen-
des Wasser
h
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Die Strömung des Grundwassers durch den Porenraum bewirkt w

Strömungskräfte, die auf das Korngerüst des Bodens wirken.


Diese sind neben dem hydrostatisch wirkenden Wasserdruck bei h
a
erdstatischen Berechnungen zu berücksichtigen. Bei Stützwän-
den im Grundwasser, z.B. Baugrubenumschließungen, wirken t
sich die Strömungskräfte unmittelbar auf die Erddrücke aus. Der hp
belastende Erddruck wird durch die nach unten gerichtete Strö-
mung erhöht und der stützende Erddruck durch die nach oben
gerichteten Strömungskräfte verringert. Dies lässt sich nähe-
rungsweise durch Erhöhung bzw. Abminderung der Wichte be- Abb. 11.103b Umströmte Bau-
rücksichtigen. grubenwand
@-11.104 Geotechnik

Berechnung der Wichte des Bodens unter Berücksichtigung der Strömung:


1. Berechnung des hydraulischen Gradienten
0,7 ˜ hW  0,7 ˜ hW
ia aktive Seite ip passive Seite
ha  h a ˜ h p h p  ha ˜ h p

2. Korrektur der Wichte infolge der Strömungskräfte


J a J c  ia ˜ J W korrigierte Wichte des Bodens, aktive Seite
J p J c  ip ˜JW korrigierte Wichte des Bodens, passive Seite
J Wa (1  ia ) ˜ J W korrigierte Wichte des Wassers, aktive Seite
J Wp (1  i p ) ˜ J W korrigierte Wichte des Wassers, passive Seite
JW ,J c Wichte von Wasser, Wichte des Bodens unter Auftrieb
3. Berechnung des Erddrucks nach der Erddrucktheorie mit Ja und Jp
4. Berechnung des Wasserdrucks auf die Stützwand mit JWa und JWp
8.8.5 Hydraulischer Grundbruch
Hydraulischer Grundbruch tritt ein, wenn der nach oben gerichtete Strömungsdruck größer wird, als
das Eigengewicht des durchströmten Bodens vor dem Stützwandfuß. Dieser Zustand lässt sich
rechnerisch durch das Überschreiten eines kritischen hydraulischen Gradienten i beschreiben.
Der Vorgang ist verbunden mit dem Aufschwimmen bzw. Aufbrechen des Bodens und damit zum
Verlust der stützenden Wirkung des Erddrucks in diesem Bereich. Insbesondere schmale Baugruben
und Baugrubenecken sind gegenüber hydraulischem Grundbruch gefährdet.

Berechnung der Sicherheit gegenüber hydraulischem Grundbruch


1. Berechnung des hydraulischen Gradienten
0,7 ˜ hW
i
t  t ˜ (t  t b )
2. Nachweis
S k' ˜ J H d Gk' ˜ J G ,inf
i ˜ J W ,k ˜ J H d J k' ˜ J G ,inf mit
S k' charakteristischer Wert der Strömungskraft tb hw
JH Teilsicherheitsbeiwert für die Strömungskraft im
GZ 1A
Gk' charakteristischer Wert der Gewichtskraft unter
Auftrieb t
J G ,inf Teilsicherheitsbeiwert für günstige, ständige wir-
kende Einwirkungen im GZ 1A
J k' Wichte von Wasser, Wichte des Bodens unter
Abb. 11.104 Umströmte Baugru-
Auftrieb
benwand
Schneider, Bautabellen für Ingenieure, 20. Auflage 2012.

Bei schmalen Baugruben ( B / t B  2 ) und Baugrubenecken wird empfohlen, den Teilsicherheits-


beiwert J H mit dem Faktor 1,3 zu erhöhen.
Wenn bei breiten Baugruben entlang den Baugrubenwänden gleiche Sicherheit erreicht werden soll,
müssen die Eckbereiche tiefer in den Untergrund einbinden als die Mittelbereiche.
@-11.105

Literatur
[11.1] DIN-Fachbericht 130: Wechselwirkung Baugrund/Bauwerk bei Flachgründungen,2003
[11.2] EAU: Empfehlungen des Arbeitsausschusses Ufereinfassungen, 10. Auflage, 2004, Verlag
Ernst & Sohn, Berlin
[11.3] EVB: Empfehlungen Verformungen des Baugrunds, 1993, Verlag Ernst & Sohn, Berlin
[11.4] Hoffmann: Bautechnik 2/1958 S. 59–63
[11.5] Weißenbach, A.: Baugruben, Verlag Ernst & Sohn, Berlin
Teil I: Konstruktion und Bauausführung, 1975
Teil II: Berechnungsgrundlagen, 1985
Teil III: Berechnungsverfahren, 1977
[11.6] EAB: Empfehlungen des Arbeitskreises Baugruben, 4. Aufl. 2006, Verlag Ernst & Sohn,
Berlin
[11.7] Grundbautaschenbuch, Hrsg. Smoltczyk, U.: Teil 2, 5. Auflage 1996
[11.8] Grundbautaschenbuch, Hrsg. Smoltczyk, U.: Verlag Ernst & Sohn, Berlin
Teil 1, 6. Auflage 2001
Teil 2, 6. Auflage 2001
Teil 3, 6. Auflage 2001
[11.9] Herth, W./Arndt, E.: Theorie und Praxis der Grundwasserabsenkung, 3. Auflage 1994, Ver-
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[11.10] Schmidt, H.G./Seitz, J.: Grundbau; in: Betonkalender II/1998, Verlag Ernst & Sohn, Berlin
[11.11] Bartl, U.: Zur Mobilisierung des passiven Erddrucks in kohäsionslosem Boden. Mitteilun-
gen des Instituts für Geotechnik der TU Dresden, 2004
[11.12] Franke, D.: Erddruck auf Querflügelmauern, Bauplanung – Bautechnik, Berlin, 1981 H. 2,
S. 85–88
[11.13] Piakowski, A./Kowalewski, Z.: Application of Thixotropic Clay Suspensions for Stability of
Vertical Sides of Deep Trenches without Strutting. Proc. of the Sixth International Confe-
rence on Soil Mechanics and Foundation Engineering, Montreal, 1965, Vol. II, S. 526 bis
529; Vol. III, S. 563–564
[11.14] Pregl, O.: Bemessung von Stützbauwerken; in: Handbuch der Geotechnik, Band 16; heraus-
gegeben vom Institut für Geotechnik, Universität für Bodenkultur, Wien, 1990
[11.15] Sokolovski, V.V.: Statics of Granular Media. Pergamon Press, Oxford, 1965
[11.16] Franke, D., 1982: Beiträge zur praktischen Erdruckberechnung. Habilitationsschrift, TU
Dresden 1982
[11.17] Weißenbach, A./ Hettler, A.: Berechnung von Baugrubenwänden nach der neuen DIN 1054,
Bautechnik 12/2003 S. 857-874
[11.18] EA-Pfähle: Empfehlungen des Arbeitskreises „Pfähle”, 1. Auflage, 2007, Verlag Ernst &
Sohn, Berlin
[11.19] Winkler, A.: Ermittlung der Einbindetiefe von Stützwänden mit dem Verfahren nach Blum
unter Nutzung des Teilsicherheitskonzeptes, bautechnik 09/2007 S. 612-622
[11.20] ZTV-ING, Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbau-
ten, Teil 2 Grundbau, Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt.), Verkehrsblatt-Verlag Borg-
mann GmbH & Co KG, Dortmund
[11.21] ZTV-W, Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen – Wasserbau
[11.22] DIN-Fachbericht 129: Anwendungsdokument zu DIN EN 1536:1999-06, Ausführung von
besonderen geotechnischen Arbeiten (Spezialtiefbau) – Bohrpfähle, 02/2005
[11.23] Franke, D.: Verdichtungserddruck bei leichter Verdichtung, Bautechnik 03/2008 S. 197-198

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