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Karlsruher Institut für Technologie

Institut für Angewandte und Numerische Mathematik


PD Dr. T. Arens
Dr. F. Hagemann
L. Schätzle MSc
Karlsruhe, den 20. Januar 2021

Aufgaben Tutorium 10
zur Vorlesung Höhere Mathematik I für
biw/ciw/mach/mage/vt

Aufgabe 1:
(a) Ordnen Sie den links abgebildeten Graphen jeweils diejenige rechte Abbildung zu, die den Graphen
ihrer Ableitung beinhaltet. Je ein Graph links und rechts besitzt kein passendes Gegenstück. Disku-
tieren Sie in Ihrer Gruppe.

1
f1 g1
x
6
−1 −0.5 0.5 1 1.5
−1
4

−2
2

−3 x

−1 −0.5 0.5 1 1.5


−4

0.5 15
f2 g2
x
10
−1 −0.5 0.5 1 1.5

−0.5 5

x
−1
−1 −0.5 0.5 1 1.5

−1.5 −5

1
f3 g3
6
0.8

4 0.6

0.4
2
0.2
x x

−1 −0.5 0.5 1 1.5 −1 −0.5 0.5 1 1.5


(b) Skizzieren Sie für die beiden übrig gebliebenen Graphen ein/das zugehörige(s) Gegenstück.

Lösung:

(a) Wir halten fest. Ist g die Ableitung einer Funktion f , so gilt:
Innere lokale Extremstellen von f werden zu Nullstellen von g. Handelt es sich hierbei um lokale
Minimalstellen, so vollzieht der Graph von g an dieser Stelle einen Vorzeichenwechsel vom Negativen
ins Positive. Handelt es sich um eine lokale Maximalstelle, so ist es genau umgekehrt.
Hiermit finden wir folgende Pärchen:

f1 ↔ g2 und f3 ↔ g1 .

(b) Mit obigen Überlegungen können wir auch die Gegenstücke g4 von f2 und f4 von g3 skizzieren.
Da g3 in x = 0 eine Nullstelle ohne Vorzeichenwechsel hat, muss der Graph von f4 die ganze Zeit
anwachsen, jedoch in x = 0 mit kleinster Steigung, genauer sogar mit Steigung Null. Das bedeutet
man kann in diesem Punkt eine waagerechte Tangente anlegen.

f4 g4
2 4

2
1
x

x −1 −0.5 0.5 1 1.5


−2
−1 −0.5 0.5 1 1.5

−4
−1

Aufgabe 2:
Gegeben seien folgende abschnittsweise definierten Funktionen f, g, h : R → R,

 sin(x2 )
( ( 
2
x , x≥0
cos(x), x > 0 , x>0
f (x) = 2
, g(x) = sin(x2 ) , h(x) = x .
x , x≤0 x , x<0
 sin(x), x≤0

(a) Machen Sie sich zunächst anhand der folgenden Skizze klar, wo die einzelnen Funktionen stetig und
wo sie differenzierbar sind.

2
sin(x)
cos(x)
x2
1
sin(x2 )
x
x

−1.5 −1 −0.5 0.5 1 1.5

−1
(b) Weisen Sie die Ergebnisse aus dem (a)-Teil rechnerisch mittels dem linksseitigen und rechtsseitigen
Differenzenquotienten nach.

Lösung:

(a) Zunächst kann man mithilfe der Graphen aus dem Aufgabentext, die Graphen von f , g und h skiz-
zieren:

2
f 2 1
g h
1.5
0.5
1
1 x

x −1.5 −1 −0.5 0.5 1 1.5


0.5
−1.5 −1 −0.5 0.5 1 1.5 −0.5
x

−1.5 −1 −0.5 0.5 1 1.5 −1 −1

Hieran erkennt man bereits, dass alle drei Funktionen überall außer in x0 = 0 sowohl stetig als auch
differenzierbar sind.
In x0 = 0 erfüllt lediglich h beide Eigenschaften.
g ist dahingegen an dieser Stelle zwar stetig, denn der Graph macht dort keinen Sprung, allerdings
nicht differenzierbar. Dies ist dem Knick des Graphen an dieser Stelle zu schulden.
Der Graph von f hat an dieser kritischen Stelle einen Sprung und ist dort somit weder stetig noch
differenzierbar.

(b) Im zweiten Schritt weisen wir die Erkenntnisse aus dem (a)-Teil rechnerisch nach.
Zunächst sei festgehalten, dass alle drei Funktionen auf R\{0} als Verknüpfungen differenzierbarer
Funktionen differenzierbar und somit insbesondere auch stetig sind.
Lediglich die kritische Stelle x0 = 0 gilt es separat zu untersuchen.
Wir widmen uns zunächst der Funktion f . Anhand der Skizze vermuten wir bereits, dass f in x0 = 0
nicht stetig ist. Daher untersuchen wir f direkt auf Stetigkeit. Für den rechtsseitigen Grenzwert gilt

lim f (x) = lim cos(x) = cos(0) = 1 6= 0 = 02 = f (0).


x&0 x&0

Also ist f unstetig in x0 = 0 und somit nach den Resultaten aus der Vorlesung dort auch nicht
differenzierbar.
Als nächstes schauen wir uns die Funktion g genauer an und prüfen wieder als erstes die Stetigkeit.
Um den linksseitigen Grenzwert lim g(x) zu bestimmen, benutzen wir die Potenzreihendarstellung
x%0
des Sinus. Für x < 0 gilt
∞ 2k+1 ∞
2
X x2
k
X x4k+2
sin(x ) = (−1) = (−1)k
(2k + 1)! (2k + 1)!
k=0 k=0

und somit besitzt g die Potenzreihenentwicklung


∞ ∞
sin(x2 ) X x4k+2−1 X x4k+1 x5 x9
g(x) = = (−1)k = (−1)k =x− + − +··· ,
x (2k + 1)! (2k + 1)! 3! 5!
k=0 k=0
die auf ganz R also insbesondere auch in x0 = 0 stetig ist, weshalb wir

X x4k+1
lim g(x) = lim (−1)k = 0 = 02 = g(0)
x%0 x%0 (2k + 1)!
k=0

folgern können. Zusammen mit der Stetigkeit von g für x > 0 (daher ist auch der rechtsseitige
Grenzwert Null) erhalten wir die Stetigkeit von g in x0 = 0.
Nun zur Differenzierbarkeit von g: Für x < 0 bzw. x > 0 ist g differenzierbar. Es gilt g 0 (x) = 2x,
x > 0 und wegen der Ketten- und Produktregel
sin(x2 )
g 0 (x) = 2x cos(x2 ) · x−1 + sin(x2 ) · (−1)x−2 = 2 cos(x2 ) − , x < 0.
x2
Für den linksseitigen Differenzenquotient gilt für x < 0
sin(x ) 2
g(x) − g(0) −0 sin(x2 )
= x = .
x−0 x x2
Wieder nehmen wir uns die Potenzreihendarstellung des Sinus zur Hilfe und erhalten mit
∞ ∞
sin(x2 ) X k x
4k+2−2 X
k x4k x4 x8
= (−1) = (−1) = 1 − + − +···
x2 (2k + 1)! (2k + 1)! 3! 5!
k=0 k=0

eine auf ganz R also insbesondere in x0 = 0 stetige Potenzreihe. Also ist



g(x) − g(0) sin(x2 ) X
k x4k
lim = lim = lim (−1) = 1.
x%0 x−0 x%0 x2 x%0 (2k + 1)!
k=0

Andererseits gilt jedoch für den entsprechenden rechtsseitigen Grenzwert


g(x) − g(0) x2 − 0 g(x) − g(0)
lim = lim = lim x = 0 6= 1 = lim .
x&0 x−0 x&0 x − 0 x&0 x%0 x−0
Insgesamt ist damit g nicht differenzierbar in x0 = 0.
Zuletzt schauen wir uns die Funktion h genauer an. Da wir wegen unserer Erkenntnisse aus dem
(a)-Teil bereits vermuten, dass h in x0 = 0 sowohl stetig als auch differenzierbar ist, untersuchen wir
h direkt auf Differenzierbarkeit. Denn falls wir diese nachweisen können, folgt aus den Resultaten der
Vorlesung bereits die Stetigkeit von h in x0 = 0 und wir müssen für die Stetigkeitsuntersuchung keine
weitere Arbeit leisten.
Für x < 0 und x > 0 ist h differenzierbar und es gilt h0 (x) = cos(x), x < 0 und h0 (x) = 2 cos(x2 ) −
sin(x2 )
x2
, x > 0 (das haben wir für g 0 (x) bereits berechnet).
Wieder stellen wir den links- und rechtsseitigen Differenzenquotienten von h in x0 = 0 auf und prüfen,
ob diese im Grenzfall x % 0 bzw. x & 0 gegen denselben Wert konvergieren. Indem man wie eben
mit der Potenzreihendarstellung des Sinus argumentiert, erhält man

h(x) − h(0) sin(x2 ) X
k x4k
lim = lim = lim (−1) = 1.
x&0 x−0 x&0 x2 x&0 (2k + 1)!
k=0

Für den linkssseitigen Grenzwert kann man entweder analog vorgehen oder man nutzt aus, dass die
Ableitung h0 (x) = cos(x), x < 0 stetig in x0 = 0 fortgesetzt werden kann, also
h(x) − h(0)
lim = lim h0 (x) = lim cos(x) = cos(0) = 1
x%0 x−0 x%0 x%0

gilt. Insgesamt erhalten wir wegen


h(x) − h(0) h(x) − h(0)
lim = 1 = lim
x%0 x−0 x&0 x−0
die Differenzierbarkeit von h in x0 = 0 mit Ableitung h0 (0) = 1 und somit wie oben erläutert auch
die Stetigkeit an dieser Stelle.
Aufgabe 3:
Gegeben sei die gebrochenrationale Funktion
x+2
f : R\{1} → R, f (x) = .
x−1
(a) Geben Sie den Wertebereich von f an und bestimmen Sie hierauf die Umkehrfunktion f −1 .
(b) Berechnen Sie die Ableitung (f −1 )0 (x) direkt, indem Sie die bekannten Ableitungsregeln auf f −1 (x)
anwenden, und indirekt mittels dem entsprechenden Satz aus der Vorlesung.

Lösung:

(a) f ist als gebrochenrationale Funktion überall außer in der Nullstelle des Nenners x = 1 stetig. Für
sehr große und sehr kleine Argumente gilt
lim f (x) = lim f (x) = 1.
x→−∞ x→+∞
Zusammen mit
x+2 x+2
lim f (x) = lim = −∞ und lim f (x) = lim =∞
x%1 x%1 x−1 x&1 x&1 x−1
kann man folgern, dass alle Werte aus (−∞, 1) und (1, ∞), also aus R\{1} von f getroffen werden.
Wir prüfen, ob auch der Funktionswert 1 angenommen wird: In diesem Fall gäbe es ein x ∈ R\{1},
sodass f (x) = x+2
x−1 = 1 erfüllt ist. Dies ist äquivalent zu x + 2 = x − 1, was wegen 2 6= −1 zu einem
Widerspruch führt. Insgesamt erhalten wir also also Wertebereich Bild(f ) = R\{1}.
Nun bestimmen wir f −1 (x). Für x ∈ R\{1} ist
x+2
y=
x−1
⇐⇒ xy − y = y(x − 1) = x + 2
⇐⇒ x(y − 1) = xy − x = y + 2
y+2
⇐⇒ x =
y−1
und folglich
y+2
f −1 : R\{1} → R\{1}, f −1 (y) = f (y) = .
y−1
(b) Zunächst berechnen wir (f −1 )0 (x) direkt mit der Quotientenregel
1 · (y − 1) − (y + 2) · 1 3
(f −1 )0 (y) = 2
=− .
(y − 1) (y − 1)2
Indirekt können wir dies auch mit folgendem Resultat aus der Vorlesung machen. Es ist
1
(f −1 )0 (y) = 0 −1 .
f (f (y))
Da f (x) = f −1 (x) ist wie eben berechnet f 0 (x) = − (x−1)
3
2 und wir erhalten mit

 2
−1 0 1 1 −1 2 1 y+2
(f ) (y) = 3 = − (f (y) − 1) = − −1
− (f −1 (y)−1) 2 3 3 y−1
1 (y + 2) − (y − 1) 2
 
1 9 3
=− =− 2
=−
3 y−1 3 (y − 1) (y − 1)2
dasselbe wie bei der direkten Berechnung.
Natürlich erscheint in diesem Beispiel die indirekte Berechnung viel aufwendiger als die direkte Be-
rechnung. Allerdings gibt es Fälle, da ist es genau umgekehrt. Zwei solcher Fälle werden auf dem
aktuellen Übungsblatt und in der Übung behandelt.

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