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Guss-Rohrsysteme

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08.2015
E-Book 08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme I

07.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme II

07.2014
Herausgeber: European Association for Ductile Iron Pipe Systems · EADIPS® / Fachgemeinschaft Guss-Rohrsysteme (FGR®) e.  V. III

Guss-Rohrsysteme
Rohre, Formstücke und Armaturen aus duktilem Gusseisen

07.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme IV

07.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme V

Vorwort

Die fünfte Auflage des Gussrohr-Hand- Themenbezogene Videos werden durch


buches vom August 2005 wurde mit aktua- folgendes Symbol im Text gekenn-
lisiertem Inhalt als E-Book im pdf-Format zeichnet. Diese Videos lassen sich in der
ins Internet gestellt. Mit der Veröffent­ Rubrik „Publikationen“/„Handbuch“ der
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Stelle im Text. Fachgemeinschaft
Guss-Rohrsysteme (FGR®) e.  V.

Griesheim, Mai 2013

07.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme VI

Inhalt 4 Qualitätsmanagement
4.1 Allgemeines
4.2 Qualitätsmanagement in der Gussrohrindustrie
4.3 Prozesslenkung und Qualitäts­prüfungen bei Rohren
Vorwort aus duktilem Gusseisen
4.4 Prozesslenkung und Qualitätsprüfungen bei
1 Einführung ­Formstücken und Zubehörteilen aus d
­ uktilem
1.1 Allgemeines Gusseisen
1.2 Gusseisen als Rohrwerkstoff 4.5 Fremdüberwachung
1.3 Verbindungstechnik 4.6 Literatur
1.4 Moderne Gussrohr-Technik
1.5 Nachhaltigkeit 5 Ausführung und ­Wanddickenberechnung der
1.6 Zusammenfassung Rohre
1.7 Literatur 5.1 Allgemeines
5.2 Muffenrohre
2 Der Werkstoff d
­ uktiles Gusseisen 5.3 Wanddickenberechnung
2.1 Allgemeines 5.4 Flanschrohre
2.2 Gefügeaufbau
2.3 Technologische Eigenschaften 6 Ausführung und Kennzeichnung der Formstücke
2.4 Literatur 6.1 Allgemeines
6.2 Verbindungsarten
3 Herstellung der Rohre, ­Formstücke und Armaturen 6.3 Formstücke für ­Abwasseranlagen
3.1 Erschmelzen des Eisens 6.4 Einsatzbereiche
3.3 Gießverfahren
3.4 Nachbehandlung
3.5 Aufbringen der Umhüllungen und Auskleidungen
3.6 Kennzeichnung
3.7 Prüfung
3.8 Literatur

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme VII

9.5 Typprüfungen
NEU
9.6 Ermittlung der auftretenden Kräfte und
7 Armaturen der zu sichernden Rohrlängen
7.1 Armaturen aus Gusseisen mit Kugelgrafit 9.7 Einbaubeispiele
7.2 Korrosionsschutz von Armaturen aus Gusseisen 9.8 Formelzeichen
mit Kugelgrafit 9.9 Literatur
7.3 Hydraulische Grundlagen und Auslegung
von Armaturen 10 Mechanische Verbindungen –
7.4 Absperrarmaturen Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter
7.5 Anbohrarmaturen 10.1 Allgemeines
7.6 Regelarmaturen 10.2 Aufbau und Wirkungsweise
7.7 Be- und Entlüftungsventile 10.3 Großbereichs-Kupplungen
7.8 Hydranten 10.4 Großbereichs-Flanschadapter
10.5 Dichtungsvorspannung
8 Steckmuffen-Verbindungen 10.6 Bereiche von Rohraußendurchmessern
8.1 Allgemeines 10.7 Zulässige Abwinkelbarkeit
8.2 Verbindungsarten 10.8 Längskraftschlüssigkeit
8.3 Einsatzbereiche 10.9 Literatur
8.4 Literatur
11 Sicherung durch Betonwiderlager
9 Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 11.1 Ermittlung der Anlagefläche AG eines
9.1 Allgemeines Betonwiderlagers
9.2 Verbindungsarten 11.2 Berechnungsbeispiel für ein Betonwiderlager mit
9.3 Grundlagen für Entwurf und Bemessung quadratischer Anlagefläche AG und der Widerlager-
längskraftschlüssiger Muffen-Verbindungen länge l
9.4 Bauarten längskraftschlüssiger Verbindungen 11.3 Berechnung der Übertragungsfläche zwischen
Beton und Formstückaußenfläche
11.4 Formelzeichen

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme VIII

12 Dauerhaftigkeit 15 Auskleidungen
12.1 Allgemeines 15.1 Allgemeines
12.2 Korrosionsschutz- ­Maßnahmen, Grundlagen 15.2 Auskleidungen von Rohren, Formstücken und
12.3 Allgemeine Betrachtung von Korrosionsschutz-­ Armaturen für Trinkwasserleitungen
Maßnahmen bei Rohrleitungen aus duktilem 15.3 Auskleidungen in L­ eitungen für Rohwässer
Gusseisen 15.4 Auskleidungen von Rohren, Formstücken und
12.4 Dauerhaftigkeit von Beschichtungsstoffen Armaturen für Abwasserleitungen
12.5 ­Dauerhaftigkeit von Dichtungen 15.5 Auskleidungen in Leitungen für Brauch-
und Kühlwasser
13 Dichtungen 15.6 Literatur
13.1 Allgemeines
13.2 Dichtungsarten 16 Statische Berechnung
13.3 Eigenschaften 16.1 Allgemeines
13.4 Dichtungen für ­Trinkwasserleitungen 16.2 Belastungen
13.5 Dichtungen für Abwasserkanäle und -leitungen 16.3 Berechnung
13.6 Literatur 16.4 Schnittkräfte
16.5 Verformungen
14 Umhüllungen 16.6 Spannungen
14.1 Allgemeines 16.7 Deformationen
14.2 Werkseitige ­Umhüllungen von Rohren 16.8 Sicherheiten
14.3 Beschichtung von Formstücken und Armaturen 16.9 Literatur
14.4 Baustellenseitige Maßnahmen
14.5 Literatur

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme IX

17 Hydraulische Berechnung 21 Inbetriebnahme von Gussrohrleitungen


17.1 Allgemeines 21.1 Vorbemerkung
17.2 Berechnung des Druckverlustes 21.2 Vorbeugende Maßnahmen
17.3 Literatur 21.3 Reinigungsmaßnahmen
21.4 Desinfektionsverfahren
18 Schweißen an duktilen Gussrohren 21.5 Desinfektionsmittel
18.1 Allgemeines 21.6 Handhabung und Entsorgung
18.2 Schweißverfahren 21.7 Kontrolle der Maßnahmen und Freigabe der
18.3 Anwendungsbereiche Rohrleitung
21.8 Maßnahmen bei bestehenden Gussrohrleitungen
19 Behandlung und Einbau 21.9 Zusammenfassung
19.1 Allgemeines 21.10 Literatur
19.2 Vorschriften für den Bau von Leitungen
19.3 Behandlung von Rohren, Formstücken und
AKTUALISIERT
Zubehörteilen vor und beim Einbau
19.4 Einbauverfahren 22 Einsatz von duktilen Gussrohren im grabenlosen
19.5 Rohrgraben Rohrleitungsbau
19.6 Sonderfälle beim Bau von Rohrleitungen 22.1 Allgemeines
22.2 Umhüllungen duktiler
20 Dichtheitsprüfungen Gussrohre für den
20.1 Allgemeines grabenlosen Rohreinbau
20.2 Dichtheitsprüfungen von Druckrohrleitungen 22.3 Verbindungstechnik
20.3 Dichtheitsprüfung von Freispiegelkanälen und 22.4 Grabenlose Einbauverfahren
-leitungen für den Abwassertransport 22.5 Literatur
20.4 Prüfung von Abwasserdruckleitungen

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme X

23 Neue Anwendungs­schwerpunkte für Rohre


aus duktilem Gusseisen
23.1 Löschwasserleitungen
23.2 Hochdruckleitungen
23.3 Kühlwasserleitungen

24 Normen, Richtlinien und ­technische Regeln


24.1 Allgemeines
24.2 Normen-Datenbank

25 Sachregister

26 Impressum

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/1

1 Einführung

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/2

1 Einführung spruchungen ausgesetzt. Zum einen ist


dies der zur Fortleitung des Förderme-
diums erforderliche Innendruck. Zum
Vor etwa 150 Jahren wurde die städtische Infrastruktur zur Versorgung der anderen wirken von außen vor allem die
Einwohner mit Trinkwasser beinahe ausschließlich mit Gussrohren aufgebaut. Erd- und Verkehrslasten, verbunden mit
Ein wesentlicher Teil der heute betriebenen Versorgungsnetze stammt noch aus beachtlichen Bodenbewegungen und
jener Zeit. Seitdem hat sich das Guss-Rohrsystem entscheidend weiterentwickelt: Erschütterungen, auf die Leitungen ein.
Die Herstellverfahren haben sich den gestiegenen Anforderungen an Maßhaltig- Zu diesen meist kombiniert auftretenden
keit, Gewichtsreduzierung und Wirtschaftlichkeit angepasst. Die Verbindungstech- inneren und äußeren Belastungen, die
nik wurde sicherer und einfacher. Das Gusseisen mit Kugelgrafit ermöglichte eine sowohl statischer als auch dynamischer
höhere mechanische Belastung bei gleichzeitiger Gewichtsreduzierung. Der Schutz Natur sein können, kommen noch che-
vor chemischen Angriffen von innen und außen wurde perfektioniert, und mit mische Beanspruchungen vom umge-
Rohren, Formstücken, Armaturen und Zubehörteilen wurde ein Komplettsystem benden Erdreich und eventuell vom
für alle Aufgaben bereitgestellt. Das System aus duktilen Gussrohren, Form- Fördermedium hinzu; gegebenenfalls
stücken, Armaturen und Zubehör stellt heutzutage den störungsfreien und wirt- sind auch noch Einflüsse von Tempera-
schaftlichen Transport von überwiegend flüssigen Medien (Wasser und Abwas- turschwankungen zu berücksichtigen.
ser) sicher.
Die Kosten für den Transport von Wasser
und Abwasser werden im Wesentlichen
von den Rohrleitungskosten bestimmt,
1.1 Allgemeines Die Leitungen liegen vorwiegend im Erd- d. h. von den Kosten für Rohre, Form-
boden und entziehen sich somit einer stücke und Armaturen selbst, für ihren
laufenden Kontrolle und Beobachtung. Einbau, für den Betrieb und die Instand-
Wichtige Rohrnetze dienen dem Trans- Sie müssen daher aus einem Rohrwerk- haltung des Rohrnetzes.
port von stoff mit hohen Festigkeiten und lan-
n Wasser (Trinkwasser, Brauch- und ger Nutzungsdauer bestehen. Auch ihre Treten an erdüberdeckten Rohrleitungen
Betriebswasser) und Verbindungen müssen bei allen Einwir- Schäden auf, so ist es nicht nur sehr
n Abwasser (häusliches, gewerbliches kungen von innen und von außen dauer- schwierig, sie zu erkennen und aufzufin-
und industrielles Abwasser). haft dicht sein. Unterirdisch eingebaute den, sondern meist auch sehr kostspielig,
Rohrleitungen sind vielfältigen Bean- sie zu beheben. Im Schadensfalle müssen

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/3

neben den eigentlichen Reparaturkos- Auftrage ihrer Standesherren gegossen


ten wesentlich höhere Kosten für das worden. Diese haben offensichtlich den
Aufreißen und Instandsetzen der moder- Wert eines dauerhaften und druckfesten
nen Stadtstraßen und für das Umleiten Rohrwerkstoffes bei der Errichtung von
des Verkehrs aufgebracht werden. Des- Druckwasserleitungen für ihre Burgen
wegen müssen nachhaltige Rohrnetze und Schlösser schon früh erkannt. So trat
große Sicherheitsreserven besitzen. Duk- das Gusseisen seinen Weg als Rohrwerk-
tile Guss-Rohrsysteme weisen höchste stoff durch die Jahrhunderte an.
Sicherheitsreserven aus und erfüllen alle
Anforderungen an nachhaltige Rohrnetze. 1.2.1 Alte Rohrleitungen
aus Grauguss
Bild 1.1 :
1.2 Gusseisen als Rohrwerkstoff Gussrohre sind seit mehr als 500 Jahren Gussrohr der Wasserleitung
im Einsatz, und zwar zunächst als Grau- aus dem Schloss Dillenburg (1455)
gussrohre. Ihre lange Nutzungsdauer ist
Zuverlässige Angaben über Zeit und Ort legendär. Sie dienten anfangs vor allem
der Erfindung des Eisengusses liegen dem Transport von Trink- und Betriebs-
nicht vor. Es ist jedoch bekannt, dass z. B. wasser. Als Beispiele für den Bau alter
in China die Kunst des Eisengusses weit gusseiserner Wasserleitungen seien
früher als in Europa Eingang gefunden folgende Daten genannt:
hat. Die erste eiserne Hängebrücke wurde
dort etwa 300 Jahre n. Chr. gebaut. 1455 wurde eine der ältesten
Gussrohrleitungen gebaut;
Die ersten gusseisernen Geschützrohre es handelt sich um die Was-
wurden im 12. Jahrhundert in Europa ein- serleitung für das Schloss
gesetzt. In der ersten Hälfte des 15. Jahr- Dillenburg (Bild 1.1).
hunderts erzielte man bereits beachtliche 1562 entstand in Langensalza
Leistungen beim Gießen von Geschütz- eine Wasserleitung zur Ver- Bild 1.2:
rohren. Vermutlich sind auch die ersten sorgung des Jacobi- und Flanschenrohre aus dem
Leitungsrohre von Geschützgießern im Rathausbrunnens. Schlosspark von Versailles

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/4

1661 wurde die Schlosswasserlei- Für die seit Mitte des 19. Jahrhunderts
tung von Braunfels errich- gebauten städtischen Versorgungs-
tet. Die Gussrohre waren bis netze (Trinkwasser) stand als Werkstoff
1875 in Betrieb und wurden fast ausnahmslos das graue Gussei-
bei Kanalisationsarbeiten sen zur Verfügung. Später gesellte sich
im Jahre 1932 ausgebaut. als weiterer Werkstoff der Stahl hinzu.
1664 – 1668 entstand die Wasserleitung Die BGW-Wasserstatistik (Bundesver-
im Schlosspark von Versailles band der Deutschen Gas- und Was-
zur Speisung der dortigen serwirtschaft e.V.) weist für die Bun-
Wasserspiele (Bild 1.2). desrepublik bis in die 50er Jahre des
1710 - 1717 Bau der Wasserspiele im 20. Jahrhunderts einen Anteil von Guss-
Schlosspark Kassel-Wil- Bild 1.3: rohren im liegenden Netz von 85  % aus.
helmshöhe mit dem Her- Gussrohrleitung zur Versorgung der
kules-Denkmal. Gussrohr- Wasserspiele des Herkules-Denkmals Auf diesem Gebiet der städtischen
leitung zur Versorgung der mit Wasser im Schlosspark Kassel-Wilhelms- Wasserverteilung liegt der Hauptan-
Wasserspiele mit Wasser höhe (UNESCO-Welterbe seit Juni 2013) wendungsbereich der Gussrohre, seit
(Bild 1.3). Seit Juni 2013 etwa 1960 der Rohre und Formstücke aus
ist das Herkules-Denkmal duktilem Gusseisen sowie Armaturen aus
mit den Wasserspielen Mit der Notwendigkeit, immer größere Gusseisen mit Kugelgrafit  *). Die Länge
UNESCO-Welterbe. Wassermengen an den Verbraucher her- der Gussrohrleitungen weltweit wird
anzuführen, stiegen die Betriebsdrücke in auf mehrere 107 km geschätzt, davon
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist den Versorgungsleitungen. entfallen auf Rohre aus duktilem Guss-
infolge der zunehmenden Industriali- eisen etwa ein Drittel, jährlich kommen
sierung und der beachtlichen Bevölke- Mit weiterentwickelten Verfahren für das mehrere 105 km dazu. Die Gründe für
rungszunahme bei stetiger Verbesserung Schmelzen, Gießen und Prüfen wurden diese hohe Verbreitung sind u. a.
des Lebensstandards der Verbrauch an die Werkstoffeigenschaften des Guss- n Robustheit des Rohres,
Wasser laufend gestiegen. eisens verbessert und damit auch die n hohe Sicherheitsreserven, selbst
Gussrohrqualität. gegenüber ungeplanten Lastfällen,
n unkomplizierter Einbau,

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/5

n trinkwasserhygienische Unbedenk- grabenlosen Einbau- und Auswechse- Die wohl bedeutendste Neuerung in der
lichkeit, lungsverfahren sowie Anwendungs- Gussrohr-Fertigung war aber die Ein-
n Langlebigkeit des Gesamtsystems, bereichen mit sehr viel höheren führung des Schleuderguss-Verfahrens
n niedrigste Schadensrate aller Rohr- Innnendrücken oder anderen Belas- (Kapitel 3.3).
werkstoffe, tungen, haben sich die Rohrsysteme
n niedrigste Leckagerate, aus duktilem Gusseisen ausgezeichnet In Deutschland wird das Schleudern von
n geringste Betriebs- und Instandhal- bewährt. Duktile Guss-Rohrsysteme Gussrohren seit dem Jahre 1926 prak-
tungskosten, sind die Allrounder für sämtliche tiziert. Dieses für die mechanisierte
n universelle Einsetzbarkeit bei ein- Anwendungen rund um das Wasser, Massenfertigung hervorragend geeig-
fachen bis schwierigsten Randbedin- sei es die einfache städtische Wasser- nete Verfahren ermöglichte es den Rohr-
gungen. leitung, in traditioneller handwerk- gießereien, dem ständig wachsenden
licher Weise eingebaut, oder das Bedarf an Gussrohren ohne Schwierig-
*) Anmerkung: aufwendigste Leitungsbauwerk mit keiten nachzukommen.
„Gusseisen mit Kugelgrafit“ und „Duktiles Gusseisen“ sind einer Fülle von Sonderbauwerken und
Synonyme für ein Gusseisen, bei dem der Grafit überwiegend ausgeklügelten Spezialbauverfahren. Im Laufe der Zeit ist auch der Werk-
kugelförmig vorliegt. Üblicherweise wird bei Rohren und stoff Gusseisen in Anpassung an die
Formstücken der Ausdruck „Duktiles Gusseisen“ verwendet, 1.2.2 Verbesserung der Fertigungs­ steigenden Belastungen der Rohrnetze
während die normgerechte Werkstoffbezeichnung bei Arma- verfahren und Werkstoff­- weiterentwickelt worden.
turen „Gusseisen mit Kugelgrafit“ nach EN 1563 [1.1] lautet. eigen­schaften
Sind in den folgenden Abschnitten und Kapiteln Rohre, Wurde beispielsweise noch um 1900 für
Formstücke und Armaturen in einem Atemzug genannt, wird Um der erhöhten Nachfrage zu entspre- Sandgussrohre eine Zugfestigkeit von
zur Vereinfachung und für die leichtere Lesbarkeit die Werk- chen, entwickelte die Gussrohrindustrie mindestens 120 N/mm2 gefordert, so lag
stoffbezeichnung „Duktiles Gusseisen“ verwandt. neue, leistungsfähigere Fertigungsverfah- bereits in den 30er Jahren für Schleuder-
ren. Hatte man die Rohre anfangs einzeln gussrohre die Mindestzugfestigkeit bei
Heute sind Rohre, Formstücke und in liegende Sandformen gegossen, so ging 200 N/mm2.
Armaturen aus duktilem Gusseisen man 1885 dazu über, die Rohre in stehen-
die wichtigsten Elemente zum Bau den, auf einem Drehgestell angeordneten Als jüngster und auch bedeutendster
von Trinkwasser- und Abwasserlei- Sandformen abzugießen, womit sich der Schritt in der gießereitechnischen Ent-
tungen weltweit. Bei den jüngeren Ent- Herstellungsablauf kontinuierlich vollzog. wicklung ist die Aufnahme der Fertigung
wicklungen der Bautechnik, z. B. der von Rohren, Formstücken und Arma-

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/6

turen aus duktilem Gusseisen anzuse- Durch die Verbesserung der Metallurgie Die Einsatzbereiche hinsichtlich zu-
hen. Nähere Angaben über den Werkstoff des Gusseisens sind die Voraussetzungen lässiger Drücke sind in Tabelle 1.1
,,Duktiles Gusseisen“ sind im Kapitel 2 für den Einsatz duktiler Guss-Rohr- (Ausschnitt aus Tabelle 17 der EN 545
dieses Handbuches zu finden. systeme in nahezu allen Bereichen der [1.2]) zusammengestellt.
städtischen Leitungsinfrastruktur (Wasser
Die Herstellung der Rohre, Formstücke und Abwasser) geschaffen worden. Für Armaturen erwies sich die Einfüh-
und Armaturen aus duktilem Guss- rung des Gusseisens mit Kugelgrafit als
eisen wird im Kapitel 3 ausführlich In der Wasserversorgung, d. h. für den Vorteil.Wegen der Verdoppelung der Zug-
beschrieben. Transport von Trinkwasser, Brauch- festigkeit konnten die Wanddicken der
und Betriebswasser, werden Gussrohre Armaturengehäuse dramatisch verrin-
1.2.3 Rohrsysteme aus duktilem und Formstücke aus duktilem Guss- gert werden, die Gewichte halbierten sich.
Gusseisen für die Wasserver- eisen seit Mitte der 60er Jahre eingesetzt. Näheres zum Werkstoff im Kapitel 7.1.
sorgung und Abwasserent- Entsprechend der für Wasserleitungen
sorgung maßgebenden Norm EN 545 [1.2] rei- In der Abwasserentsorgung, d. h. für
chen die Nennweiten von Druckrohren den Transport von häuslichem, gewerb-
Die duktilen, d.h. verformungsfähigen aus duktilem Gusseisen von DN 40 bis lichem und industriellem Abwasser, wur-
Gussrohre werden in Europa seit 1951 DN 2000 in den Druckklassen C 20 bis den Rohre und Formstücke aus duktilem
und in der Bundesrepublik Deutschland C 100. DIN 28603 [1.3]definiert Steck- Gusseisen zunächst vor allem für Abwas-
seit 1956 hergestellt. Verformbarkeit bzw. muffen-Verbindungen ab DN 80. ser-Druckleitungen verwendet, aber auch
Dehnungsfähigkeit werden beim duktilen als Abwasserleitungen in schwierigem
Gusseisen durch die kugelige Grafitaus- Bei äußeren Beanspruchungen aus der Gelände, z. B. in senkungs- oder rutschge-
bildung ermöglicht. Für den Werkstoff Erd- und Verkehrslast ist auf Einhaltung fährdeten Gebieten bzw. an Steilhängen,
der duktilen Gussrohre beträgt die Zug- der zulässigen Ovalisierung des Rohres bei Gewässerquerungen (Düker) sowie
festigkeit heute mindestens 420 N/mm2. bis zu 4  % zu achten. bei statisch problematischen Einbaube-
Neben dieser hohen Zugfestigkeit, die dingungen. Entsprechend der für Abwas-
schon sehr deutlich die Verbesserung der serkanäle und -leitungen maßgebenden
Leistungsfähigkeit zeigt, ist für das duk- Norm EN 598 [1.4] sind Rohrsysteme aus
tile Gussrohr vor allem die beachtliche duktilem Gusseisen nicht nur für den Bau
Verformbarkeit charakteristisch. von erdüberdeckten Freispiegelleitungen
einsetzbar.

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/7

Druckklasse (C-Klassen) = PFA [bar] Tabelle 1.1:


DN 20 25 30 40 50 64 100 Druckklassen (C-Klassen) und Mindest-
emin [mm] wanddicken emin duktiler Gussrohre
auf dem Gebiet der Trinkwasserver-
80 3,0 3,5 4,0 4,7
sorgung gemäß EN 545 [1.2];
100 3,0 3,5 4,0 4,7 PFA [bar] ist der zulässige Bauteil-
125 3,0 3,5 4,0 5,0 betriebsdruck
150 3,0 3,5 4,0 5,9
200 3,1 3,9 5,0 7,7
250 3,9 4,8 6,1 9,5
300 4,6 5,7 7,3 11,2
350 4,7 5,3 6,6 8,5 13,0
400 4,8 6,0 7,5 9,6 14,8
450 5,1 6,8 8,4 10,7 16,6
Sie sind auch für den Bau von Druck-
500 5,6 7,5 9,3 11,9 18,3
leitungen von DN 80 bis DN 2000 ver-
600 6,7 8,9 11,1 14,2 21,9
wendbar. In EN 598 [1.4] sind bestimmte
700 6,8 7,8 10,4 13,0 16,5 äußere Beanspruchungen aus der Erd-
800 7,5 8,9 11,9 14,8 18,8 und Verkehrslast berücksichtigt. Diese
900 8,4 10,0 13,3 16,6 gelten für eine zulässige Verformung des
1000 9,3 11,1 14,8 18,4 Rohres bis zu 4 % und für Überdeckungs-
1100 8,2 10,2 12,2 16,2 20,2 höhen von 0,3 bis 8,5 m.
1200 8,9 11,1 13,3 17,7 22,0
1400 10,4 12,9 15,5
Näheres über die Ausführung der Rohre,
Formstücke, Armaturen und Zubehör-
1500 11,1 13,9 16,6
teile aus duktilem Gusseisen ist in den
1600 11,9 14,8 17,7
Kapiteln 5 bis 10 sowie 14 und 15, über
1800 13,3 16,6 19,9 die statische Berechnung in Kapitel 16
2000 14,8 18,4 22,1 zu finden.
Anmerkung: Die fettgedruckten Zahlen bezeichnen das Standardangebot

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/8

1.3 Verbindungstechnik Instandhaltung über Jahrzehnte auch in 1882“. Die Anordnung der Schraubenlö-
erdüberdeckten Rohrleitungen üblich. cher hat man – abweichend von diesen
Flansch-Verbindungen sind längskraft- ersten Normalien – bereits im Jahre 1926
Neben der Weiterentwicklung des Werk- schlüssig, jedoch nicht beweglich und unabhängig vom Werkstoff so festgelegt,
stoffes Gusseisen und der Fertigungsver- übertragen Längs- und Biegespannungen dass die Schraubenlöcher symmetrisch
fahren ist, in Anpassung an die steigenden von Rohr zu Rohr. zu den beiden Hauptachsen liegen und
Betriebsdrücke in den Rohrnetzen, auch ihre Anzahl bei allen Nennweiten durch
die Verbindungstechnik verbessert wor- Die jeweiligen Vorteile von Steckmuffen- vier teilbar ist.
den. Für Guss-Rohrsysteme werden im und Flansch-Verbindungen lassen sich
Wesentlichen zwei Arten von Verbin- durch Montage von EU- und F-Stücken Die Anschlussmaße der Gusseisenflan-
dungen angewendet: (Flansch-Muffenstück und Einflansch- sche (Außendurchmesser, Lochkreis-
n Steckmuffen-Verbindungen, Stück) an Armaturenflansche kombinie- durchmesser, Dichtleistendurchmesser,
n Flansch-Verbindungen. ren. Anzahl und Durchmesser der Schrau-
ben, Schraubenlochdurchmesser) sind in
Steckmuffen-Verbindungen kommen im Im Folgenden soll, entsprechend der EN 1092-2 [1.5] festgelegt. Weitere Kon-
Allgemeinen für erdüberdeckte Gussrohr- chronologischen Reihenfolge ihrer Ent- struktionsmaße für Flansche PN 10 bis
leitungen (Rohre, Formstücke, Armaturen) wicklung bzw. Markteinführung, auf die PN 40 sind ebenfalls in dieser EN-Norm
zum Einsatz. Es handelt sich um beweg- verschiedenen Verbindungsarten einge- erfasst. Zu einer Flansch-Verbindung
liche, gummigedichtete Verbindungen, die gangen werden. gehören zwei Flansche, eine Dichtung
sowohl technische als auch wirtschaft- und eine bestimmte Anzahl von Sechs-
liche Vorteile beim Einbau bieten. 1.3.1 Flansch-Verbindungen kantschrauben mit Muttern und Schei-
ben. Der Werkstoff der Dichtung wird dem
Flansch-Verbindungen verwendet man Eine der ältesten Gussrohrverbindungen jeweiligen Verwendungszweck angepasst.
vorzugsweise für oberirdische Leitungen, ist die Flansch-Verbindung (Bild 1.2). Sie Die Flansche duktiler Gussrohre, Form-
wie sie zum Beispiel in Pumpenhäu- wurde erstmals im Jahre 1882 genormt, stücke und Armaturen sind mit ebenen
sern, Wasserwerken, Rohrkellern oder und zwar in den vom Deutschen Ver- Dichtleisten versehen. Bild 1.4 zeigt
Hochbehältern eingesetzt werden. Bei ein von Gas- und Wasserfachmännern eine solche Flansch-Verbindung (Mut-
den Absperrarmaturen der städtischen (DVGW) gemeinsam mit dem Verein tern nach EN ISO 4034 [1.6] und Sechs-
Trinkwassernetze war die Flanschver- Deutscher Ingenieure (VDI) aufgestell- kantschrauben nach EN ISO 4016 [1.7]).
bindung aus Gründen der Wartung und ten sogenannten ,,Normalien vom Jahre

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/9

Bild 1.6:
Aufgeschnittene Stemmmuffen-Verbindung
eines etwa 300 Jahre alten Gussrohres –
Versorgungsleitung für die Wasserspiele
Bild 1.4: Bild 1.5: des Schlossparks Kassel-Wilhelmhöhe mit
dem Herkules-Denkmal; Weltkulturerbe
Flansch-Verbindung Stemmmuffen-Verbindung
der UNESCO seit Juni 2013
Quelle: mhk, Museumslandschaft Hessen Kassel

1.3.2 Stemmmuffen-Verbindung Für die Zuverlässigkeit einer Rohrlei- rungen und Stauchungen im Rohrstrang
tung ist die Rohrverbindung von großer ermöglicht, ohne dass die Dichtheit der
Bis zur Einführung gummigedichteter Bedeutung. Im Gussrohrbereich hat man Verbindungsstellen leidet.
Muffen-Verbindungen (etwa 1930) wur- schon sehr früh die Vorteile gummige-
den Rohre und Formstücke aus Grauguss dichteter Muffen-Verbindungen erkannt. Nähere Angaben über die Arten der
vorwiegend mit der Stemmmuffe verbun- Erhält doch die Rohrleitung durch die verschiedenen Dichtungen enthält
den. Sie war nicht längskraftschlüssig. Gummidichtung eine Beweglichkeit, die Kapitel 13.
Die Stemmmuffen-Verbindung (Bilder eine Anpassung an die Beanspruchungen
1.5 und 1.6) ist starr und wird bei Bewe- durch Verkehrserschütterungen und
gung undicht. Bodenbewegungen sowie durch Zer-

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/10

1.3.3 Schraubmuffen-Verbindung

Die Schraubmuffen-Verbindung wird in


Deutschland seit 1931 eingesetzt. Kon-
struktive Ausbildung und Abmessungen
sind in DIN 28601 [1.8] maßlich festgelegt.
Bild 1.7 zeigt sie im Querschnitt.

Das Muffeninnere und die Außenseite


des Schraubringes sind mit einem der
Belastungsrichtung angepassten Säge- Bild 1.7: Bild 1.8:
zahngewinde versehen. Ein Schraub- Schraubmuffen-Verbindung Stopfbuchsenmuffen-Verbindung
ring presst über einen Gleitring die
elastische Dichtung, die eine vordere
und hintere Schutzkante aus härterem DN 400 verwendet. Durch Zusatzelemente übernimmt der Stopfbuchsenring über
Gummi besitzt, in ihrem Sitz axial ist eine Längskraftschlüssigkeit herstell- Hammerkopfschrauben. Das Dichtungs-
zusammen. Damit wird die Abdichtung bar. Näheres hierzu in Kapitel 9. prinzip ist praktisch das gleiche wie bei
zwischen der Muffe und dem Einsteck- der Schraubmuffen-Verbindung. Erfor-
ende bewirkt. Die Schutzkanten verhin- 1.3.4 Stopfbuchsenmuffen- derliche Abwinkelungen – die Verbin-
dern ein Abfließen des unter Spannung Verbindung dung gestattet ebenfalls Abwinkelungen
stehenden mittleren Weichgummiteiles bis zu 3° von der Geraden – werden erst
in den Dichtspalt. Die Stopfbuchsenmuffen-Verbindung nach Montage der Verbindung eingestellt.
ist seit 1936 in Deutschland gebräuch- Die Stopfbuchsenmuffen-Verbindung
Erforderliche Abwinkelungen – die Ver- lich. Ihre Konstruktion ist in DIN 28602 wird heute nur noch in Verbindung mit
bindung gestattet Abwinkelungen bis zu [1.9] maßlich erfasst; Bild 1.8 zeigt einen bestimmten Formstücktypen im Bereich
3° von der Geraden – nimmt man beim Querschnitt. von DN 500 bis DN 1000 verwendet.
Einbau erst nach dem Anziehen des
Schraubringes vor. Die Schraubmuffen- Das Anpressen der keilförmigen Dich-
Verbindung wird heute nur noch bei tung, die auf ihrer Vorderseite eine
Formstücken im Bereich von DN 40 bis Schutzkante aus härterem Gummi hat,

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/11

liche Angaben über Steckmuffen-Verbin- 1.4 Moderne Gussrohr-Technik


dungen und ihre Einsatzbereiche finden
sich im Kapitel 8.
Die heute eingesetzten duktilen Guss-
1.3.6 Einsatzbereiche Rohrsysteme erfüllen in ganz besonde-
rem Maße die Anforderungen, die an neue
Die Einsatzbereiche nach Druck- Rohrnetze für den Transport von Wasser
klassen (C-Klassen) und Mindestwand- und Abwasser zu stellen sind; zusätzliche
dicken emin für duktile Gussrohre auf Anwendungsfelder liegen im Bereich der
dem Gebiet der Wasserversorgung zeigt industriellen Rohrleitungen, z. B. für
Bild 1.9: die Tabelle 1.1. Im Bereich des Ab- n Turbinenleitungen zur Stromerzeu-
Steckmuffen-Verbindung TYTON® wassertransportes sind duktile Kanal- gung,
rohre gemäß EN 598 [1.4] für drucklose n Beschneiungsanlagen,
Leitungen und für Druckleitungen bis n Feuerlöschleitungen,
1.3.5 Steckmuffen-Verbindung zu 6 bar Betriebsdruck genormt. Bei n Kühlwasserleitungen.
höheren Drücken sind die Rohre mit
Für duktile Gussrohrleitungen werden Druckklassen (C-Klassen) entsprechend Aber auch in der Bauverfahrenstechnik
heutzutage überwiegend gummige- EN 545 [1.2] auszuwählen. haben sich duktile Gussrohre wegen ihrer
dichtete Steckmuffen-Verbindungen hohen Tragfähigkeit neue Anwendungs-
nach DIN 28603 [1.3] eingesetzt: Sonderfälle, wie z. B. der Einbau als felder erschlossen, z. B. für
Die Steckmuffen-Verbindung System Dükerleitung oder mit geringen Über- n Grabenlose Einbautechniken,
TYTON® findet für den Bereich DN 80 deckungshöhen, höhere Innendruck- n Gründungspfähle.
bis DN 1400 Verwendung, die Steck- belastungen oder spezielle Auskleidungen
muffen-Verbindung System STAN- und Umhüllungen, können durch zusätz- Entsprechende Details werden in den
DARD im Bereich von DN 80 bis liche Maßnahmen bei der Fertigung, aber Kapiteln 22 und 23 behandelt.
DN 2000. Die TYTON®-Verbindung auch beim Einbau berücksichtigt werden.
(Bild 1.9) wird in Deutschland seit
1957 eingesetzt. Die profilierte Dich-
tung besteht aus einer harten und einer
weichen Gummimischung. Ausführ-

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/12

Ihre ausgezeichneten Eigenschaften ver- Die Möglichkeit, solche Rohre, Form- 1.5 Nachhaltigkeit
danken duktile Guss-Rohrsysteme vor stücke und Armaturen aus duktilem
allem folgenden Merkmalen: Gusseisen je nach Aggressivität der
n der modernen Verbindungstechnik Böden auch mit einem adäquaten Außen- In jüngerer Zeit gewinnt der Begriff der
in Form von Steckmuffen-Verbin- schutz zu versehen, trägt den praktischen Nachhaltigkeit bei der Beurteilung von
dungen einschließlich der gelenkigen Gegebenheiten beim Einbau von Rohr- Investitionen in die Infrastruktur zuneh-
längskraftschlüssigen Steckmuffen- leitungen Rechnung. mend an Bedeutung. Bei dieser Betrach-
Verbindungen, tung werden ökonomische, ökologische
n den beachtlichen Werkstoff-Festig- Eine ausführliche Beschreibung der und technische Aspekte beleuchtet und
keiten, verschiedenen Umhüllungsarten findet bewertet, und zwar über die gesamte
n den ausgereiften Korrosionsschutz- sich im Kapitel 14. Produktnutzungsdauer.
arten in Form von praxisgerechten
Auskleidungen und Umhüllungen. Sämtliche Systemkomponenten für den Die Nachhaltigkeitskriterien duktiler
Transport von Trinkwasser, Brauch- Guss-Rohrsysteme hinsichtlich einer
Sie bieten hohe Sicherheiten gegen und Betriebswasser oder Abwasser ökonomischen, ökologischen und tech-
Beanspruchungen aus höchsten Innen- sind grundsätzlich mit geeigneten Aus- nischen Bewertung sind in den Tabellen
drücken. Sie widerstehen darüber hinaus kleidungen nach EN 545 [1.2] bzw. 1.2, 1.3 und 1.4 stichpunktartig wieder-
vom Werkstoff her praktisch allen auf- EN 598 [1.4] ausgestattet. Hierzu zählen geben [1.10].
tretenden Erd- und Verkehrslasten. vor allem die Rohrauskleidungen mit
Zementmörtel und Polyurethan. Form-
Dabei ist ganz besonders auf ihre Wider- stücke und Armaturen sind überwiegend
standsfähigkeit gegenüber den daraus rundum mit Epoxidharz oder Email
resultierenden Scheiteldruck- und Biege- beschichtet. Kapitel 15 enthält Details
beanspruchungen hinzuweisen, denn zu den Auskleidungen.
gerade die Biegebeanspruchungen
werden durch die beweglichen gummi-
gedichteten Steckmuffen-Verbindungen
beträchtlich vermindert.

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/13

Tabelle 1.2:
Ökonomische Nachhaltigkeitskriterien duktiler Guss-Rohrsysteme

Ökonomisch überlegen

– hohe Einbauproduktivität durch  reduziert Arbeitskosten


Steckmuffen-Verbindungen
– kein Schweißen erforderlich  reduziert Arbeitskosten
– witterungsunabhängiger Einbau  reduziert Arbeitskosten
– häufig keine Sandbettung erforderlich  senkt Material- und Logistikkosten
– keine Betonwiderlager erforderlich  senkt Material- und Logistikkosten
bei schubgesicherten Verbindungen
– Abwinkelbarkeit der Verbindungen  spart Formstücke
– großes Formstück- und Armaturen-  reduziert Material- und Arbeitskosten
programm vermeidet Sonderanfertigungen
– niedrigste Schadensraten  senkt Betriebs-, Energie-, Reparatur- und
Wartungskosten
– Nutzungsdauer bis über 100 Jahre  minimiert Sanierungsbudgets

Die Investition in duktile Guss-Rohrsysteme rechnet sich durch


niedrige Einbau- und Betriebskosten bei außerordentlich hoher Lebensdauer!

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05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/14

Tabelle 1.3:
Ökologische Nachhaltigkeitskriterien duktiler Guss-Rohrsysteme

Ökologisch überlegen

– Diffusionsdichtigkeit  sichert das Lebensmittel Trinkwasser in allen


Boden- und Einbaubedingungen gegen
umweltschädigende Kohlenwasserstoffe sowie
das Grundwasser beim Abwassertransport
– lebensmittelgerechte Auskleidungen  sichern hygienisch-ökologisch
den Trinkwassertransport
– Schrott als Grundstoff  minimiert den Verbrauch originärer und fossiler
Rohstoffe und reduziert CO2-Emissionen
– duktiles Gusseisen ist recyclebar  schont die Ressourcen heutiger und
künftiger Generationen
– geringe Wartungs- und  vermeiden Verschwendung,
Instandhaltungsaufwendungen bei minimieren den Ressourcenverbrauch und
hoher Lebensdauer reduzieren CO2-Emissionen

Duktile Guss-Rohrsysteme schaffen nachweislich echte Nachhaltigkeit!

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E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/15

Tabelle 1.4:
Technische Nachhaltigkeitskriterien duktiler Guss-Rohrsysteme

Technisch überlegen

– Werkstofffestigkeit  erlaubt Betriebsdrücke bis 100 bar


– wirksamer Außenschutz  weist mechanische und chemische Angriffe ab
– statische Tragfähigkeit  erlaubt höchste Belastungen
in Quer- und Längsrichtung
– Verbindung  erlaubt Betriebsdrücke bis 100 bar; ist wurzelfest
– duktiles Gusseisen  ist nicht brennbar
– Einbau  ist ohne Spezialgeräte möglich
– längskraftschlüssige Verbindungen  erlauben höchste Zugkräfte und sind damit ideal für
den grabenlosen Einbau
– überlegene Werkstoffeigenschaften  erlauben Spezialanwendungen in alpinen Regionen,
für Feuerlöschleitungen, Beschneiungssysteme und
Wasserkraftanlagen

Die technische Leistungsfähigkeit duktiler Guss-Rohrsysteme gewährleistet


höchste Sicherheit in allen Bereichen der Wasserwirtschaft!

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E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/16

1.6 Zusammenfassung 1.7 Literatur [Ductile iron pipes and fittings –


Push-in joints –
Survey, sockets and gasket]
Duktile Guss-Rohrsysteme mit ihrer aus- [1.1] EN 1563 2002-05
gereiften Technik bieten viele Vorteile. Founding –
Sie lassen sich durch die Steckmuffen- Spheroidal graphite cast irons [1.4]
EN 598
Verbindung einfach, sicher und schnell [Gießereiwesen – Ductile iron pipes, fittings,
einbauen und sind dauerhaft dicht. Sie Gusseisen mit Kugelgraphit] accessories and their joints
sind außerdem vielfältigen Belastungen 2011 for sewerage applications –
von innen und außen gewachsen. Die Ein- Requirements and test methods
bau-, Unterhaltungs- und Folgekosten [1.2]
EN 545 [Rohre, Formstücke, Zubehörteile
sind besonders niedrig. Ductile iron pipes, fittings, aus duktilem Gusseisen und ihre
accessories and their joints Verbindungen für die Abwasser-
Das duktile Guss-Rohrsystem besitzt for water pipelines – Entsorgung –
demzufolge eine extrem lange Nutzungs- Requirements and test methods Anforderungen und
dauer. [Rohre, Formstücke, Zubehör- Prüfverfahren]
teile aus duktilem Gusseisen 2007+A1:2009
Mit der Vielzahl technischer Vorzüge und ihre Verbindungen für
sowie den praxisbezogenen und betriebs- Wasserleitungen – [1.5] EN 1092-2
technischen Eigenschaften sind die Guss- Anforderungen und Flanges and their joints –
Rohrsysteme für die Wasserversorgung Prüfverfahren] Circular flanges for pipes, valves,
und die Abwasserentsorgung langfristig 2010 fittings and accessories,
gesehen eine wirtschaftliche und damit PN designated –
nachhaltige Lösung. [1.3] DIN 28603 Part 2: Cast iron flanges
Rohre und Formstücke aus
duktilem Gusseisen –
Steckmuffen-Verbindungen –
Zusammenstellung, Muffen
und Dichtungen

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/17

[Flansche und ihre [1.8]


DIN 28601 [1.10] Nachhaltig überlegen –
Verbindungen – Rohre und Formstücke duktile Guss-Rohrsysteme
Runde Flansche für Rohre, aus duktilem Gusseisen – GUSS-ROHRSYSTEME 47
Armaturen, Formstücke Schraubmuffen-Verbindungen – (2013), S. 10/11
und Zubehörteile, Zusammenstellung, Muffen, [Sustainably superior –
nach PN bezeichnet – Schraubringe, Dichtungen, ductile iron pipe systems
Teil 2: Gusseisenflansche] Gleitringe DUCTILE IRON PIPE SYSTEMS 47
1997 [Ductile iron pipes and fittings – (2013), p. 8/9]
Screwed socket joints –
[1.6]
EN ISO 4034 Assembly, sockets, screw rings,
Hexagon regular nuts (style 1) – sealing rings and slip rings]
Product grade C (ISO 4034:2012) 2000-06
[Sechskantmuttern (Typ 1) –
Produktklasse C [1.9] DIN 28602
(ISO 4034:2012)] Rohre und Formstücke
2012 aus duktilem Gußeisen –
Stopfbuchsenmuffen-
[1.7]
EN ISO 4016] Verbindungen –
Hexagon head bolts – Zusammenstellung, Muffen,
Product grade C Stopfbuchsenring, Dichtung,
(ISO 4016:2011) Hammerschrauben
[Sechskantschrauben mit Schaft – und Muttern
Produktklasse C [Ductile iron pipes and fittings –
(ISO 4016:2011)] Bolted gland joints –
2011 Assembly, sockets, counter ring,
sealing ring, bolts and nuts]
2000-05

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 1. Kapitel: Einführung 1/18

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 2. Kapitel: Der Werkstoff duktiles Gusseisen 2/1

2 Der Werkstoff
­duktiles Gusseisen

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 2. Kapitel: Der Werkstoff duktiles Gusseisen 2/2

2 Der Werkstoff duktiles Gusseisen

Im Gegensatz zu Grauguss, dessen freier Grafit in Lamellenform vorliegt, weist


der freie Grafit im duktilen (verformungsfähigen) Gusseisen eine kugelige
Form auf (Kugelgrafit). Diese Grafitform fördert die Dehnbarkeit des Guss-
eisens und erhöht seine Eigenfestigkeit. Erst in den 50er Jahren des 20. Jahrhun-
derts begann die industrielle Erzeugung von Gusseisen-Rohren mit Kugelgrafit
(duktile Gussrohre).

2.1 Allgemeines Bei seiner Verwendung für Rohre, Form- Bild 2.1:
stücke und Zubehör wird der Werkstoff Gusseisen mit Lamellengrafit (Grauguss)
als duktiles Gusseisen bezeichnet. Seine
Duktiles Gusseisen ist ein plastisch ver- mechanisch-technologischen Eigen-
formbarer und zäher Eisen-Kohlenstoff- schaften sind in der Norm EN 545 [2.1]
Werkstoff, dessen Kohlenstoffanteil beschrieben. Beim Einsatz in Gehäusen
überwiegend als elementarer kugel- für Armaturen heißt er, wie im Maschinen-
förmiger Grafit vorliegt. Vom Grauguss bau allgemein üblich, Gusseisen mit Kugel-
unterscheidet er sich hauptsächlich grafit, dessen Eigenschaften in der Norm
durch die Gestalt der Grafitteilchen. Das EN 1563 [2.2] fixiert sind. Beide Normen
Wort duktil leitet sich vom lateinischen werden in unterschiedlichen technischen
„ducere“ = verformen (ductus = führen) Normungskomitees bearbeitet.
ab und bedeutet verformbar. In statischen
Berechnungen werden Rohre aus duk- Beim Grauguss (Bild 2.1) setzen die
tilem Gusseisen deswegen als biege- Grafitlamellen wegen ihres Kerbeffekts
weiche oder flexible Rohre betrachtet. die relativ hohe Festigkeit des Grund-
gefüges herab, wobei sie seine Bruch- Bild 2.2:
dehnung unter 1 % sinken lassen. Gusseisen mit Kugelgrafit (duktiles Gusseisen)

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 2. Kapitel: Der Werkstoff duktiles Gusseisen 2/3

Im duktilen Gusseisen bzw. Gusseisen mit grafit (Bild 2.3) die Spannungslinien Damit bei der Erstarrung der Kohlenstoff
Kugelgrafit ist der Grafit kugelig ausge- an den Spitzen der Graphitlamellen in weitgehend kugeliger Form kristalli-
bildet (Bild 2.2). Sphärolite (kugeliges stark verdichtet sind, umfließen sie den siert, muss das flüssige Eisen mit Mag-
Mineralgebilde) beeinflussen die Eigen- in Kugelform ausgeschiedenen Grafit nesium behandelt werden. Die Folge ist
schaften des metallischen Grundge- fast ungestört (Bild 2.4). Aus diesem eine erhebliche Steigerung von Festig-
füges deutlich weniger als Lamellen. Grunde lässt sich duktiles Gusseisen keit und Verformbarkeit im Vergleich zum
Während beim Gusseisen mit Lamellen- unter Last verformen. Grauguss.

Bild 2.3: Bild 2.4: Bild 2.5:


Verlauf der Spannungslinien bei Gusseisen Verlauf der Spannungslinien bei Gusseisen Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme
mit Lamellengrafit mit Kugelgrafit von Grafitkugeln

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 2. Kapitel: Der Werkstoff duktiles Gusseisen 2/4

Bild 2.5 zeigt Grafitkugeln auf der Bruch- 2.3 Technologische Eigenschaften
fläche einer Probe aus duktilem Guss-
eisen. Die Größe der Grafitkugeln liegt im
Bereich zwischen 0,01 mm und 0,5 mm. 2.3.1 Werkstoffkennwerte

Entsprechend den Normen EN 545 [2.1]


2.2 Gefügeaufbau und EN 598 [2.3] sind Zugfestigkeit und
Bruchdehnung mittels runder Probe-
stäbe zu prüfen. Weiterhin ist die Härte
Entsprechend der maßgebenden Normen des Materials zu bestimmen. Sie ist nach
EN 545 [2.1] und EN 598 [2.3] muss der oben begrenzt, um eine spanende Bear-
als Grafit vorliegende Kohlenstoffanteil beitung z. B. bei Flanschen, zu ermögli-
überwiegend kugelige Form haben, damit Bild 2.6: chen. Im Bereich der Wärmeeinflusszone
die Werkstücke die geforderten Eigen- Ferritisches Gefüge von Schweißnähten sind höhere Härten
schaften bekommen. zulässig (Kapitel 18).

Das Grundgefüge der Rohre soll vor- Die genormten Werte für die mechanisch-
wiegend ferritisch sein (Bild 2.6), da technologischen Eigenschaften der Werk-
der Ferrit bei niedrigster Härte zu höch- stoffe duktiles Gusseisen und Gusseisen
sten Dehnungswerten führt. Formstücke, mit Kugelgrafit enthalten die Tabellen
Armaturengehäuse und Zubehörteile 2.1 a und 2.1 b.
werden in Sandformen erzeugt und
besitzen ein ferritisch-perlitisches
Gefüge. Sie bedürfen keiner zusätzlichen
Wärmebehandlung (Bild 2.7).

Bild 2.7:
Ferritisch-perlitisches Gefüge

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 2. Kapitel: Der Werkstoff duktiles Gusseisen 2/5

Tabelle 2.1 a:
Eigenschaften des Werkstoffs duktiles Gusseisen

Werkstoff Verwendung Standard Mindest- 0,2 %-Dehn- Mindest- Härte Kerb- Gefüge


Zugfestig- grenze1) Bruchdeh- schlag-
keit Rm Rp0,2 nung2) A Arbeit
[MPa] [MPa] [%] [HB] [J]

Rohre
Duktiles DN 80 bis 420 300 10 < 230 3) 3)
Gusseisen DN 1000
EN 545
Duktiles Rohre
[2.1] 420 300 7 < 230 3) 3)
Gusseisen DN >1000

Nicht geschleu-
EN 598
derte Rohre,
Duktiles [2.3]
Formstücke 420 300 5 < 250 3) 3)
Gusseisen
DN 80 bis
DN 2000
1)
Die 0,2%-Dehngrenze (Rp0,2) kann bestimmt werden. Sie darf nicht kleiner sein als:
- 270 MPa, wenn A ≥ 12 % bei DN 80 bis DN 1000 oder A ≥ 10 % bei DN > 1000
- 300 MPa in anderen Fällen
2)
Für Schleudergussrohre von DN 80 bis DN 1000 und einer Mindest-Wanddicke
von ≥ 10 mm muss die Bruchdehnung mindestens 7 % betragen
3)
keine Anforderung

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 2. Kapitel: Der Werkstoff duktiles Gusseisen 2/6

Tabelle 2.1 b:
Eigenschaften des Werkstoffs Gusseisen mit Kugelgrafit

Werkstoff Verwendung Standard Mindest- 0,2 %-Dehn- Mindest- Härte Kerb- Gefüge


Zugfestig- grenze1) Bruchdeh- schlag-
keit Rm Rp0,2 nung2) A Arbeit
[MPa] [MPa] [%] [HB] [J]

EN-GJS-
perlitisch–
500-7 500 320 7 180 – 220 6 – 8
ferritisch
(GGG 50) Armaturen
und
EN-GJS- Hydranten
überwiegend
400-15 400 250 15 140 – 180 8 –12
EN 1563 ferritisch
(GGG 40)
[2.2]

Armaturen
EN-GJS- zum Einsatz
rein
400-18LT bei tieferen 400 250 18 140 – 150 >12
ferritisch
(GGG 40.3) Tempera-
turen

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 2. Kapitel: Der Werkstoff duktiles Gusseisen 2/7

Bei Schleudergussrohren können zusätz- Tabelle 2.2:


lich zur Norm im Werk routinemäßige Mechanische und physikalische Kennwerte der Werkstoffe duktiles Gusseisen und Gusseisen
Duktilitätsprüfungen mit Hilfe von Ring- mit Kugelgrafit
faltproben oder Kugeldruckproben durch-
Eigenschaft Dimension Zahlenwert
geführt werden.
Druckfestigkeit MPa 550
Die bisher angegebenen Festigkeits- E-Modul MPa 160.000 –170.000
eigenschaften, die überwiegend an bear-
beiteten Proben nachzuweisen sind, mittlerer thermischer
m/m · K 10 · 10–6
betreffen den Werkstoff. Längenausdehnungskoeffizient
Wärmeleitfähigkeit W/cm · K 0,42
Eine Übersicht von weiteren Werkstoff- Spezifische Wärme J/g · K 0,55
kennwerten des duktilen Gusseisens
und des Gusseisens mit Kugelgrafit,
welche zum Teil anderen Normen und Tabelle 2.3:
Quellen entstammen, enthält die folgende Bauteilfestigkeiten duktiler Gussrohre
Tabelle 2.2.
Eigenschaft Dimension Zahlenwert
Sonstige Kennwerte, die sich auf Bau-
Scheiteldruckfestigkeit MPa 550
teile beziehen, wurden im Rahmen einer
DVGW-Studie [2.4] über Trinkwasser- Längsbiegefestigkeit MPa 420
leitungen anhand von Versuchen ermit- Berstfestigkeit MPa 300
telt.
Schwingbreite MPa 135
Druckrohre aus duktilem Gusseisen haben
Festigkeiten entsprechend Tabelle 2.3.

Durch die hohen Berstdrücke, denen die


duktilen Gussrohre widerstehen, bieten
sie hohe Sicherheitsreserven.

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 2. Kapitel: Der Werkstoff duktiles Gusseisen 2/8

2.3.2 Werkstoffprüfung vorbereitet. Danach wird eine gehärtete


Stahlkugel mit definiertem Durchmesser
Zur Prüfung der Schleudergussrohre und definierter Prüfkraft senkrecht in die
werden Proberinge von den Rohrein- Probe eingedrückt. Der genau ausgemes-
steckenden abgetrennt. Bei Formstücken, sene Eindruckdurchmesser ist umgekehrt
Zubehörteilen und Armaturengehäusen proportional zur Brinellhärte.
(Sandguss) werden getrennt gegossene
Proben geprüft. Bei Rohren ergänzen Faltversuche an
30 mm breiten Ringen die Bestimmung
Die Werkstoffkennwerte der mechanischen Kennwerte am Pro-
n Zugfestigkeit, bestab (Bild 2.8).
n 0,2-%-Dehngrenze und
n Bruchdehnung
werden ausschließlich an bearbeiteten
Rundstäben nach Gleichung (2.1) ermit-
telt.

L0 = 5 . d0 (2.1)

L0 Länge des bearbeiteten Rundstabes


in mm
d0 Durchmesser des bearbeiteten
Rundstabes in mm

Die Härte wird nach Brinell gemäß


ISO 6506-1 [2.5] und EN ISO 6506-1 [2.6]
am Gussstück selbst oder an einer vom
Gussstück abgetrennten Probe bestimmt.
Die zu prüfende Oberfläche wird dabei Bild 2.8:
durch leichtes örtliches Anschleifen Ringfaltversuch

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 2. Kapitel: Der Werkstoff duktiles Gusseisen 2/9

2.4 Literatur [2.3]


EN 598 [2.6] EN ISO 6506-1
Ductile iron pipes, fittings, Metallic materials –
accessories and their joints for Brinell hardness test –
[2.1]
EN 545 sewerage applications – Part 1: Test method
Ductile iron pipes, fittings, Requirements and test methods (ISO 6506-1:2005)
accessories and their joints for [Rohre, Formstücke, Zubehörteile [Metallische Werkstoffe –
water pipelines – aus duktilem Gusseisen und ihre Härteprüfung nach Brinell –
Requirements and test methods Verbindungen für die Abwasser- Teil 1: Prüfverfahren
[Rohre, Formstücke, Zubehörteile Entsorgung – (ISO 6506-1:2005)]
aus duktilem Gusseisen und Anforderungen und Prüfver- 2005
ihre Verbindungen für Wasser- fahren]
leitungen – 2007+A1:2009
Anforderungen und Prüf-
verfahren] [2.4] Deutscher Verein des Gas- und
2010 Wasserfaches e.  V.:
„Studie über erdverlegte Trink-
[2.2]
EN 1563 wasserleitungen aus verschie-
Founding – denen Werkstoffen“, Bericht II,
Spheroidal graphite cast irons Eschborn 1971
[Gießereiwesen –
Gusseisen mit Kugelgraphit] [2.5] ISO 6506-1
2012 Metallic materials –
Brinell hardness test –
Part 1: Test method
[Metallische Werkstoffe –
Härteprüfung nach Brinell –
Teil 1: Prüfverfahren]
2005

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 2. Kapitel: Der Werkstoff duktiles Gusseisen 2/10

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/1

3 Herstellung der Rohre,


­Formstücke und Armaturen

06.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/2

3 Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen

Der Grundstoff des Eisengusses ist das Roheisen; es wird mit Hilfe von Koks aus
Eisenerzen im Hochofen reduziert (Eisen erster Schmelzung). In den meisten
Fällen wird dieses Eisen in fester Form (Roheisenmasseln) in den Eisengieße-
reien weiterverarbeitet. Vereinzelt wird das flüssige Roheisen auch direkt zu
Rohren und Formstücken weiterverarbeitet.

Üblicherweise erschmelzen die Gieße- gegossen, hier ist die Abkühlgeschwin- 3.1 Erschmelzen des Eisens
reien ihr Eisen im Kupol- oder Elektro- digkeit gering genug, sodass keine
ofen aus Recyclingmaterial und Roheisen. thermische Nachbehandlung erforder-
Dabei ist Koks, Erdöl oder Erdgas der lich wird. Eisen zur Herstellung von Rohren, Form-
Brennstoff; Reduktionsarbeit wird nicht stücken, Armaturen und Zubehörteilen
geleistet. Die Kristallisation des im flüs- Im Stofffluss der Fertigung schließt sich wird in den meisten Fällen als Recycling-
sigen Eisen gelösten Kohlenstoffes in i. d. R. die Applikation der Auskleidungen werkstoff aus Stahlschrott, Gussbruch,
Form von Grafitkugeln wird durch Zugabe und Schutzüberzüge an. Rohre und Form- und Gießereiroheisen im Kupolofen oder
von Magnesium in die Schmelze bewirkt. stücke mit Flanschen, sowie die meisten im Elektroofen erzeugt.
Bauteile der Armaturen werden nach dem
Rohre werden heute ausschließlich im Gießen zunächst einer mechanischen 3.1.1 Das Schmelzen im Kupolofen
Schleudergießverfahren erzeugt, bei Bearbeitung unterzogen. Erst danach
welchem die Zentrifugalkräfte die Rohr- werden sie beschichtet. Über dem gesam- Der Kupolofen (Bild 3.2) ist das typische
wand erzeugen. Die dabei angewandte ten Fertigungsablauf liegt ein definiertes Schmelzaggregat der Eisengießerei; es ist
Schnellkühlung macht eine Wärmebe- System von Kontrollen und Prüfungen ein aufrecht stehender Schachtofen, der
handlung der Rohre erforderlich, damit zur Sicherung der vorgegebenen Pro- von oben mit den Rohstoffen Stahlschrott,
sie das verformbare Grundgefüge erhal- dukteigenschaften einschließlich der Gussbruch, Kreislaufmaterial und Koks
ten. Formstücke, Armaturengehäuse und Kennzeichnung. Bild 3.1 zeigt an einem als Brennstoff beschickt wird.
Zubehörteile werden in Sandformen Beispiel den Stofffluss der Fertigung.

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Bild 3.1:
Herstellung eines
duktilen Gussrohres

Video 03.01:
 Gussrohrgießerei

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Bild 3.3:
Eisenentnahme aus dem Mischer

Von unten wird erwärmte Luft einge-


blasen, mit der der Koks verbrennt.
In der damit erzeugten Hitze schmilzt
der metallische Einsatz und tropft im
unteren Teil des Schachtes zur Eisen-
schmelze zusammen. Sie fließt kon-
tinuierlich mit etwa 1.450 °C über
eine Rinne in ein Sammelgefäß, den
Mischer, aus dem das Eisen chargen-
weise entnommen und entschwefelt
wird (Bild 3.3).

Der Kupolofenprozess zeichnet sich


durch eine sehr gute Ökobilanz aus, weil
Bild 3.2: hier der metallische Einsatz bis zu 100 %
Schnittbild und Betrieb eines Kupolofens aus Schrott bestehen kann.

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Der Kupolofen ist ein Allesfresser, selbst 3.1.2 Der Elektroofen


Autoschrottpakete, verrostete Stahlträger
oder ausgegrabene Graugussrohre wer- Ein ebenfalls gebräuchliches Schmelz-
den problemlos wiederverwertet, wobei aggregat in Eisengießereien ist der
organische Verunreinigungen verbrannt elektrische Induktionsofen (Bild 3.4).
werden und somit zur Energiebilanz Sein feuerfest ausgekleidetes zylindri-
beitragen. Zink aus den heutzutage sches Gefäß ist mit einer Spule umge-
immer häufiger verwendeten verzinkten ben, durch die ein Wechselstrom fließt,
Karosserieblechen verdampft, verbrennt der im Kern des metallischen Einsatzes
zu Zinkoxid, welches mit den anderen einen Sekundärstrom induziert. Damit
Stäuben aus dem Abgasstrom des Ofens wird der rein metallische Einsatz erhitzt
herausgefiltert und der Wiederverwer- und aufgeschmolzen. Andere Energie-
tung zugeführt wird. träger, z.  B. Koks, werden nicht benötigt.
Energiezufuhr und Temperatur lassen
Der im Kupolofen verwendete Koks ent- sich leichter und schneller regulieren als
hält immer einen geringen Anteil an im Kupolofen.
Schwefel, der sich im flüssigen Eisen löst
und die mechanischen Eigenschaften des
Eisens negativ beeinflussen kann. Somit 3.2 Magnesium-Behandlung
muss sich an die Erzeugung des flüs-
sigen Eisens ein Schritt anschließen, in
welchem der Schwefel entfernt wird. Das im Kupol- oder Elektroofen er-
Dies geschieht mit Hilfe geeigneter schmolzene Eisen würde ohne zusätzliche Bild 3.4:
Rohstoffe, z. B. Kalziumkarbid, an die Behandlung eine überwiegend lamellare Elektrischer Induktionsofen
der Schwefel chemisch gebunden wird. Grafitausbildung bekommen. Erwünscht
Die Reaktionsprodukte schwimmen als ist aber die typische, kugelige Grafitaus-
Schlacke auf der Eisenschmelze und bildung des duktilen Gusseisens. Diese Sauerstoff und Schwefel. Das Magnesium
können so abgetrennt werden. erreicht man überwiegend durch Zugabe reduziert fast alle in der Schmelze vor-
von Magnesium. Entscheidend ist dabei handenen Oxide und bindet den Schwefel
die hohe Affinität des Magnesiums zu als Magnesiumsulfid.

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Die spezifisch sehr leichten Magnesium-


oxide und erhebliche Mengen des
Magnesiumsulfides steigen im flüssigen
Eisen an die Oberfläche und werden dort
als Schlacke abgezogen.

Es ist trotz umfangreicher Forschung


auch heute noch nicht eindeutig ge-
klärt, über welchen Mechanismus die
Magnesiumbehandlung letztlich zur
Ausbildung der Grafitkugeln führt.
Favorisiert wird die Modellvor-
stellung, wonach durch die Entfer-
nung des Schwefels bis auf wenige
ppm die Grenzflächenspannung
zwischen der Oberfläche der sich
bildenden Grafitkristallkeime und
dem flüssigen Eisen erhöht wird, was
die Grafitkristalle zu einem kugel-
förmigen Wachstum mit kleinster
Grenzfläche zwingt.
Bild 3.5:
Es existieren verschiedene Verfahren, Magnesium-Behandlung im Konverter
z. B. wird Magnesium rein oder legiert
in keramischen Tauchglocken auf
den Boden einer mit flüssigem Eisen verter unter das flüssige Eisen Bei der Herstellung von Formstücken
gefüllten Pfanne gedrückt, oder Mag- gebracht (Bild 3.5). Eine weitere und Armaturengehäusen im Sand-
nesium wird in sogenannten Kon- Möglichkeit ist der Einsatz eines guss-Verfahren hat sich die Magne-
vertern in eine Kammer gegeben und mit Magnesium gefüllten Drahtes. sium-Behandlung in der Gießform
durch Kippen im abgedeckten Kon- (Inmold-Verfahren) bewährt (Bild 3.6).

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3.3 Gießverfahren Es haben sich im Wesentlichen zwei


Arbeitsweisen durchgesetzt:

3.3.1 Rohrherstellung nach dem 1) Schleudern in Metallformen (Kokillen)


Schleuderguss-Verfahren nach dem De-Lavaud-Verfahren
(Bild 3.7) und
Der Gedanke, Rohre durch Schleudern 2) Schleudern in Metallformen mit
von Gusseisen in Metallformen herzu- Auskleidung nach dem Wetspray­
stellen, geht auf ein Patent des Inge- Verfahren.
nieurs Eckhardt im Jahre 1809 zurück.
Diese Erfindung konnte sich aber wegen Die Rohraußenkontur wird bei beiden
des fehlenden Bedarfs und unzurei- Verfahren durch eine metallische Form
chender technischer Voraussetzungen (Kokille) vorgegeben. Die Kokille befin-
nicht durchsetzen. Eine besondere det sich in einem längsverfahrbaren
Schwierigkeit bestand in der Zutei- Maschinengehäuse. Sie ruht an mehreren
Bild 3.6: lung des flüssigen Eisens in die um ihre Stellen auf Laufrollen und wird durch
Reaktion des flüssigen Eisens während der waagerechte Drehachse rotierende obere Andruckrollen in ihrer Lage gehal-
Magnesium-Behandlung Gießform. ten. Wasser sorgt für die Kühlung von
außen. Durch einen Elektromotor ange-
1910 erfand Otto Briede aus Benrath die trieben, rotiert die Kokille um ihre Längs-
Bei allen Verfahren verdampft das bewegliche Gießmaschine. Seine Idee achse. Die Kokilleninnenform bestimmt
Magnesium im Eisenbad, durchwirbelt wurde von dem Brasilianer de Lavaud die Außenform des Rohres. In die
dieses und reagiert so optimal mit Sauer- verwirklicht, nach dem das heute in aller muffenseitige Aufweitung der Kokille
stoff und Schwefel und wird in geringen Welt verbreitete Rohrschleuderverfahren wird ein entsprechend der Muffeninnen-
Mengen im Eisen gelöst. „De-Lavaud-Verfahren“ genannt wird. form des Rohres ausgebildeter Kern, der
Geschleuderte Gussrohre wurden in aus Sand und Bindemittel gefertigt ist,
Deutschland erstmalig 1926 hergestellt. eingesetzt. Dieser Kern schließt gleich-
zeitig die Kokille ab.

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Bild 3.7: Bild 3.8:


Schleudergießmaschine – Rohrschleuderverfahren in Metallformen nach de Lavaud Zurückgezogene Gießrinne aus der Kokille

Video 03.02: Schleudergießmaschine – Animation

An der Seite des Einsteckendes der wird erreicht, dass während des Gieß- und Kokille aus und bildet anschließend
Kokille ist ein etwa der Wanddicke des vorganges eine konstante Eisenmenge beim Längsverfahren der Gießmaschine
Rohres entsprechender Kragen ange- pro Zeiteinheit über die Gießlippe der infolge der Zentrifugalkraft den Rohr-
bracht. Die so ausgerüstete Gießma- Zuteilungspfanne in das Gießhorn und schaft (Bild 3.8).
schine ist zur Muffenseite hin geneigt von da aus in die Gießrinne fließt. Die
und auf Laufschienen längs verfahrbar Rinne ragt bei Gießbeginn fast bis zum Das Eisen legt sich durch die Überlage-
angeordnet. Am oberen Ende des Rah- Muffenende in die Kokille hinein. Vor dem rung der Bewegungen wendelförmig an
mens befindet sich die Gießeinrichtung Einfließen des Eisens wird die Kokille die Kokillenwand und verläuft im flüs-
mit der Zuteilungspfanne, die die Flüssig- in Rotation versetzt. Das an der Gießrin- sigen Zustand zu einem homogenen
eisenmenge für ein oder mehrere Rohre nenspitze ausfließende Eisen wird von Rohr. Eine dickere oder dünnere Rohr-
aufnehmen kann. Durch eine geregelte der sich drehenden Kokille erfasst, füllt wand ergibt sich durch Änderung der
gleichmäßige Kippgeschwindigkeit zunächst den Raum zwischen Muffenkern Eisenmenge für den Gießvorgang.

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Die Umdrehungszahl der Kokille wird so rissene Schlacke aufgrund ihrer Wichte 3.3.2 De-Lavaud-Verfahren
gewählt, dass eine Zentrifugalkraft von nach innen abgedrängt werden und
15 g bis 30 g auf das flüssige Eisen ein- beim späteren Putzen leicht zu ent- Die Kokille wird bei diesem Verfahren
wirkt. Durch die Zentrifugalkraft und fernen sind. Durch die Abkühlungs- von außen durch Wasser gekühlt. Ihre
durch die gerichtete Erstarrung der Rohr- geschwindigkeit und die bei der Ver- Innenoberfläche erhält durch Hämmern
wand von der Kokillenseite zur Rohrin- festigung auftretende Volumenvermin- kalottenartige Vertiefungen. Diese Kalt-
nenseite hin bildet sich ein besonders derung des flüssigen Eisens löst sich verformung erhöht die Festigkeit der
dichtes Gefüge aus. Die Zentrifugal- das Rohr von der Kokillenwand und kann Oberfläche und unterstützt die Mitnahme
kraft bewirkt ferner, dass die während zur Muffenseite aus der Kokille heraus- des flüssigen Eisens bei der Rotations-
des Gießvorganges entstehenden Oxi- gezogen werden (Bild 3.9). bewegung der Kokille. Die in metallischen
dationsprodukte und eventuell mitge- Formen geschleuderten Gussrohre erhal-
ten so die für sie typische Oberfläche.
Während oder kurz vor dem Gießvorgang
wird ein pulverförmiges Impfmittel in
die Kokille gegeben. Das Verfahren
ermöglicht extrem kurze Taktzeiten,
weil das sehr schnell erstarrte Rohr
innerhalb weniger Sekunden gezo-
gen werden kann; unmittelbar danach
kann das nächste Rohr gegossen werden
(Bild 3.10).

In den nicht ausgekleideten Kokillen


des de-Lavaud-Verfahrens unterliegt
die Oberfläche der Kokille erheblichen
Wärmebeanspruchungen durch Tempe-
Bild 3.9: Bild 3.10: raturwechsel:
Gussrohr wird mit der Muffe voran aus der Erstarrtes Rohr wird aus der Kokille n außen, die im Vergleich zur Innen-
Gießmaschine gezogen gezogen oberfläche nur gering schwankende
Wassertemperatur,

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n innen, die Gießtemperatur des 3.3.4 Ältere, heute nicht mehr


flüssigen Eisens, etwa 1.300 °C. gebräuchliche Herstellung
von Rohren
Zwischen zwei Gießvorgängen kann die
Innentemperatur auf 200 °C und tiefer Der Sandguss ist die älteste Herstel-
absinken. Die Beanspruchung der Kokille lungsart für gusseiserne Rohre und
durch diese ungedämpften Temperatur- Formstücke. Zur Herstellung von Rohren
wechsel ist demgemäß hoch, wodurch ihre wurden ursprünglich liegende zweiteilige
Standzeit begrenzt wird. Sandformen benutzt. Das Verfahren hatte
wegen des starken Kernauftriebs beim
3.3.3 Wetspray-Verfahren Gießen eine Beschränkung der Rohrlänge
zur Folge. Eine Weiterentwicklung war
Beim Wetspray-Verfahren erhält die das Formen und Gießen in stehenden,
Kokille eine ungefähr 0,5 mm dicke nahtlosen Sandformen (Bild 3.11).
Auskleidungsschicht. Diese Schicht (mit
Bentonit gebundenes Quarzmehl) wird Das Modell besteht aus Muffen- und
vor jedem Gießvorgang nass aufge- Schaftteil. Das Muffenmodell wird von
spritzt. Das Verfahren stammt aus dem unten in den senkrecht stehenden Form-
englischen Sprachraum und trägt die kasten eingesetzt und befestigt. Das
allgemein gebräuchliche Bezeichnung Schaftmodell wird von oben eingeführt
Wetspray (wet = nass, spray = spritzen). und mit einem konischen Zapfen im
Muffenmodell zentriert.
Durch die dünne Auskleidung werden
die Amplituden der Temperaturwechsel Der Formsand wird in den Hohlraum
in der Kokillenwand verringert, was der zwischen Modell und Formkasten ein- a) Verlorener Kopf g) Strohseil- oder
Standzeit der Kokille zugutekommt. Aller- gebracht und verdichtet. b) Eingusstrichter Holzwolle-
dings muss die Auskleidung nach jedem c) Formkasten Umwickelung
d) Formsand h) Muffenkern
Abguss erneuert werden; dadurch ver- Bild 3.11:
e) Kernspindelrohr i) Muffenklappe
längert sich die Taktzeit entsprechend. Prinzip des vertikalen
f) Kern k) Verschlussring
Standgusses von Rohren

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Bild 3.12: Bild 3.13: Bild 3.14:


Blick in die Gießhalle FFG DN 150/500 mit angegossenen Detailaufnahme des aufgeschnittenen
mit einem Rohrgießkarussell Integralflanschen Schrumpfsitzes

Zur Steigerung der Produktivität wurden 3.3.5 Herstellung von Flanschrohren 3.3.6 Herstellung von Formstücken
diese stehenden Formen in Karussells und Armaturengehäusen im
angeordnet (Bild 3.12). Je nach Ausbil- Flanschrohre (Bild 3.13) mit kürzeren Sandguss-Verfahren
dung der Formen und Kerne ließen sich Baulängen werden vorwiegend in zweitei-
glatte Rohre oder solche mit bis zu zwei ligen, liegenden Formen gefertigt (FFG). Mit dem Schleuderguss-Verfahren lassen
Muffen oder Flanschen herstellen. Des Weiteren gibt es Flanschrohre, die sich nur rotationssymmetrische Gegen-
durch Vorschweißen oder Aufschrauben stände mit zylindrischer bis konischer
von gusseisernen Flanschen an geschleu- Außenkontur herstellen. Bauteile mit
derte, gusseiserne Rohre entstehen. Krümmungen, Abzweigen oder mehreren
Ebenso ist ein Aufschrumpfen und Ver- Verbindungen (Muffen oder Flanschen)
schweißen gängige Praxis (Bild 3.14). sowie Armaturengehäuse benötigen ein
anderes Formgebungsverfahren.

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Hier werden Modelle aus Metall, Kunst- lose Sand kann aus dem abgekühlten
stoff oder Holz eingesetzt, welche die Gussstück entfernt werden. Bild 3.15
Außenkontur des Bauteils vollständig zeigt die fließbandmäßige Formstück-
abbilden. Mit diesen Modellen werden herstellung mit verlorenen Kernen. Die
Formen aus reinem Quarzsand, mit einem Bilder 3.16, 3.17 und 3.18 zeigen bei-
Bindemittel vermischt, als Negativ der spielhaft die vorbereitenden Arbeiten
Außenkontur des Bauteils erzeugt. Diese zur Formstückherstellung mit verlorenen
Sandform hält dem Druck und der Tem- Kernen.
peratur des flüssigen Eisens stand, bis es
erstarrt ist. Danach wird die Sandform
zertrümmert, der Sand wird im Kreislauf
wieder verwendet. Die Form ist bei jedem
Abguss „verloren“. Bild 3.16:
Modell zur Herstellung des Sandabdruckes
Die Innenkontur des Gussstückes wird
ebenfalls nach diesem Verfahren gebildet,
wobei der Quarzsand für den hier benötig-
ten „Kern“ meist mit einem organischen
Bindemittel seine Festigkeit erhält. Die
Kerne müssen außerdem der Gießtem-
peratur von über 1.300 °C widerstehen.
Dennoch müssen sie dem Schwin-
dungsdruck bei der Erstarrung nach-
geben, damit der Hohlkörper beim
Aufschrumpfen auf den Kern nicht
reißt. Schließlich sollen sie nach dem
Erkalten des Stückes leicht entfernbar
sein. Bei der Erstarrung des Gießme- Bild 3.15: Bild 3.17:
talls verbrennt dieser Binder, der Kern Formstückherstellung mit verlorenen Kernen Vorbereitete Sandform zum Einlegen
verliert seinen Zusammenhalt, und der des verlorenen Kerns

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Ferner gibt es das Vakuumform-Ver- 3.4 Nachbehandlung


fahren. Hierbei erzielt man die Festig-
keit des binderlosen Formsandes durch
Unterdruck. Unter Nachbehandlung sind alle Vor-
gänge an Rohren, Formstücken und
Kleinere Serien und größere Teile werden Armaturengehäusen zu verstehen, die
in Einzelformkästen geformt, wobei zur nach dem Gießen stattfinden.
Verdichtung des Formsandes ein soge-
nannter Sandslinger zum Einsatz kommt. 3.4.1 Thermische Nachbehandlung
Er schleudert mit hoher Geschwindigkeit
den Formstoff auf das Modell und den Einige der beschriebenen Herstellungs-
bereits eingefüllten Sand. Dabei verfestigt verfahren für Rohrleitungsteile
Bild 3.18: sich das Sand-Ton-Gemisch. Die Modelle machen eine thermische Nachbehand-
In die Sandform einlegter verlorener Kern bestehen aus Holz oder Kunststoff. lung notwendig.

Kerne für Formstücke und Armaturen Der Grund dafür ist, dass sich der im
Großserienstücke werden auf Form- werden überwiegend aus Quarzsand mit flüssigen Eisen gelöste Kohlenstoff im
maschinen hergestellt. Die Modelle kalt- oder warmhärtenden Bindern her- festen Zustand entweder als elementarer
bestehen aus Kunststoff oder Metall. gestellt. Sie müssen so fest sein, dass sie Grafit ausscheidet oder im Eisen gelöst
Als Formmaterial bevorzugt man ton- dem Gießdruck standhalten, der infolge bleibt.
gebundenen Quarzsand mit Beimen- der Dichte des Eisens schon bei einer sta-
gungen, meist Kohlenstaub. Der Form- tischen Gießhöhe von 1,40 m etwa 1 bar Je größer die Abkühlungsgeschwindig-
stoff wird durch Rütteln, Pressen oder erreicht. Generell gilt, dass Sandguss- keit ist, umso höher ist auch der Anteil an
Schießen verdichtet. Eine weitere Verfahren eine nahezu uneingeschränkte gelöstem Kohlenstoff im Eisen (Zementit).
Methode ist das kastenlose Formen. Gestaltungsfreiheit der Bauteile zulassen. Dieses Gefüge hat eine hohe Härte und
Dabei bildet ein aushärtendes Sand- eine geringe Dehnung. Ein nachfolgender
Kunstharz-Gemisch den Formstoff. Glühprozess zerlegt den Zementit in
Ferrit und Grafit, wobei die Form des
Grafits beim duktilen Gusseisen kugelig
ausfällt.

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Beim Sandguss ist im Regelfall die 3.4.2 Putzen und mechanische


Abkühlungsgeschwindigkeit so gering, Bearbeitung
dass nach dem Erstarren ein weitgehend
ferritisch-grafitisches Gefüge mit gerin- Form- und Kernsand wird von den
gen Anteilen an Perlit vorliegt und die Gussstücken mit Hilfe von Drahtkorn
geforderten mechanischen Werte ohne abgestrahlt (Putzstrahlen) (Bild 3.20).
Glühen erreicht werden. Gussnähte, Anschnitte und Steigeransätze
werden abgetrennt und beschliffen.
Eine schnelle Abkühlung ist hingegen
charakteristisch für das Gießen von Formstücke werden nach EN 545 [3.1]
Rohren in wassergekühlten Kokillen. vor dem Aufbringen der Beschichtung
So entstandene Rohre müssen, im Hin- Bild 19: auf Dichtheit geprüft. Anschließend
blick auf die notwendige Bearbeitbar- Rohre im Durchlaufglühofen werden gegebenenfalls die Flansche
keit und Dehnung, geglüht werden. Das und Einsteckenden bearbeitet. Bau-
geschieht in meist gasbeheizten Durch- teile für Armaturen werden nach dem
lauföfen. Bei Temperaturen von etwa Putzen i. d. R. mechanisch bearbeitet.
920 °C bis 950 °C rollen die Rohre Anschließend werden sie gestrahlt und
mit gesteuerter Geschwindigkeit durch in direktem Anschluss daran dem Pro-
den Ofen (Bild 3.19). Zur Fortbewegung zess der Oberflächenbeschichtung zuge-
dienen Mitnehmer, die an einer umlau- führt. Nach dem Beschichten werden
fenden Kette befestigt sind. Die Glühzeit die Bauteile in der Montage zu Arma-
und die Temperatur sind in einem Zeit- turen komplettiert. Im abschließenden
Temperatur-Diagramm des Ofens festge- Prozess werden die Armaturen einer
legt und werden automatisch gesteuert. Dichtheits- und Funktionsprüfung
unterzogen.
Großrohre können auch auf der Muffe
stehend in Kammeröfen geglüht werden.
So lässt sich ein Ovalisieren des Rohres
vermeiden. Bild 3.20:
Gussteile nach dem Putzstrahlen

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3.5 Aufbringen der Umhüllungen Zementmörtel-Umhüllung


und Auskleidungen
Die Zementmörtel-Umhüllung (ZM-U)
ist eine mehrschichtige Rohrumhüllung
3.5.1 Rohre mit folgendem Schichtaufbau (Bild 3.22):
n Zink-Überzug,
Zink- oder Zink-Aluminium-Überzug n mit oder ohne Zwischenschicht
mit Deckbeschichtung (Zwei-Komponenten-Kunstharz-
beschichtung),
Der Zink- oder Zink-Aluminium- n Zementmörtelschicht.
Überzug wird auf die Rohre nach ihrer
thermischen Behandlung aufgebracht. Die Zementmörtelschicht ist eine
Bei der metallischen Spritzverzinkung Bild 3.21: Schicht faserhaltigen Zementmörtels
wird ein Zink-Draht (Reinheit mindes- Aufbringen des Zink-Aluminium-Überzuges auf der Basis von Hochofenzement,
tens 99,99 %) oder Zink-Aluminium- der kunststoffmodifiziert, pigmentiert
Draht (Zn85Al15) in einer Flamme oder und mit einem Bandagierstoff umhüllt
in einem elektrischen Lichtbogen auf- Dem Zink- oder Zink-Aluminium-Über- sein kann. Die Zwischenschicht kann ent-
geschmolzen. Die feinen metallischen zug folgt zunächst, auf vollautomatisierten fallen, wenn ein kunststoffmodifizierter
Tropfen werden mit hoher Geschwin- Prüf- und Putzstrecken, die Prüfung der Zementmörtel verwendet wird. Die dem
digkeit auf die zu beschichtende Ober- Rohre auf Maßhaltigkeit und Dichtheit. Mörtel beigemischten Fasern können
fläche geblasen. Dies geht in automatisch Darüber hinaus gehört zu dieser Art des Glas- oder Kunststofffasern sein.
arbeitenden Anlagen vor sich; dabei Rohrschutzes eine Deckbeschichtung,
bewegt sich z.  B. die Spritzpistole an die durch Spritzen auf das sich drehende Für die Applikation der Zementmörtel-
dem sich drehenden Rohr entlang. So Rohr aufgetragen wird. Die Muffen- Umhüllung kommen zwei Verfahren zum
wird der Zink- oder Zink-Aluminium- innenseite erhält dabei eine gesonderte Einsatz. Beiden Verfahren sind gemein-
Überzug in einer Schraubenlinie auf- Behandlung. sam, dass in den kunststoffmodifizierten
getragen (Bild 3.21). Mörtel, der aus dem Zwangsmischer
Der Zink- bzw. Zink-Aluminium-Überzug kommt, eine bestimmte Menge auf
für Rohre aus duktilem Gusseisen ist in Länge geschnittene Fasern eingemischt
EN 545 [3.1] und EN 598 [3.2] genormt. wird. Der Mörtel wird anschließend zu

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einer kreisförmigen Spritzdüse (Spritz-


Verfahren) oder einer Breitschlitzdüse
(Extrusions-Verfahren) gepumpt.

Beim Spritz-Verfahren wird der Mörtel


mit Pressluft auf das sich drehende Rohr
gespritzt (Bild 3.23). Die Spritzdüse ist
auf einem Support montiert und fährt
langsam am Rohr entlang. Eine Glätt-
vorrichtung reduziert anschließend die
Zementmörtel-Umhüllung (ZM-U) auf
die vorgegebene Schichtdicke.

Bild 3.22: Beim Extrusions-Verfahren tritt der


Schichtaufbau eines Rohres mit Zementmörtel-Umhüllung (ZM-U) und Zementmörtel- Zementmörtel aus einer stationären
Auskleidung (ZM-A) Breitschlitzdüse aus und wickelt sich in
gleichmäßiger Schichtdicke bandförmig
um das rotierende, langsam an der Düse
vorbeifahrende Rohr. Synchron mit dem
Mörtelauftrag erhält dieser eine PE-Netz-
gewirk-Bandage. Fast zeitgleich mit der
Bandagierung findet über eine ebenfalls
stationär angebrachte Glättvorrichtung
eine Nachglättung der Mörteloberfläche
statt. Nach diesem Vorgang ist das PE-
Netzgewirk vollkommen von einer dün-
nen Mörtelschicht überdeckt (Bild 3.24).

Bild 3.23: Bild 3.24:


Aufspritz-Verfahren ZM-U - Extrusions-Verfahren

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Mörtelförderleistung, Rohrumfangsge- Vor Aufbringung der PUR-Umhüllung


schwindigkeit und Vorschubgeschwin- wird die Oberfläche der Rohre gesäubert,
digkeit sind bei beiden Verfahren so damit sie technisch rein, frei von Rost,
aufeinander abgestimmt, dass die losen Materialteilchen, Schmutz, Öl, Fett
Nennschichtdicke für die Zementmör- und Feuchtigkeit ist. Um diese Anforde-
tel-Umhüllung über die gesamte Rohr- rungen zu erhalten, wird die Oberfläche
schaftlänge den Wert von 5 mm einhält. der Rohre gemäß dem Reinheitsgrad
Muffenstirn und Rohreinsteckende blei- SA 2 1/2  nach EN ISO 8501-1 [3.4] gestrahlt.
ben frei von Zementmörtel. Diese Partien Die Rohre werden zunächst auf etwa
haben ebenfalls einen Zinküberzug und 50 °C erwärmt, um eine Beschleunigung
werden nach dem Erhärten der Zement- der Polymerisation der Komponenten zu
mörtel-Umhüllung mit einer Deckbe- einer mechanisch belastbaren Umhüllung
schichtung versehen. sicherzustellen. Das Polyurethan wird
anschließend auf das rotierende Rohr Bild 3.25:
Die ZM-Umhüllung von Rohren aus aufgespritzt (Bild 3.25). Die porenfreie Aufbringen der schwarzen PUR-Umhüllung
duktilem Gusseisen ist in EN 15542 [3.3] PUR-Umhüllung wird durchgehend von
genormt. Nach EN 545 [3.1] können diese der Muffenstirn bis einschließlich dem
Rohre in Böden beliebiger Korrosivität Einsteckende auf den gesamten Rohr-
eingebaut werden. schaft aufgebracht. Nach dem Beschich-
tungsvorgang wird die Umhüllung
Polyurethan-Umhüllung zudem auf Porenfreiheit geprüft.

Das verwendete Polyurethan (PUR) ist ein Die PUR-Umhüllung weist in Farbbild,
lösungsmittelfreies Zwei-Komponenten- Glätte und Gefüge ein einheitliches,
system mit Harz und Härter. Polyurethan, gleichmäßiges Aussehen auf. Haftfestig-
Mineral-Füllstoffe, Pigmente und Zusätze keit, Porenfreiheit, Härte und Schicht-
sind so gewählt, dass das Enderzeugnis dicke werden täglich in der Produktion
die festgelegten Funktionsanforderungen kontrolliert (Bild 3.26). Bild 3.26:
und die Trinkwasserzulassung erfüllt. Duktiles Gussrohr mit Polyurethan-
Umhüllung und Polyurethan-Auskleidung

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Die PUR-Umhüllung von Rohren aus trifugalbeschleunigung mindestens das


duktilem Gusseisen ist in EN 15189 [3.5] Zwanzigfache der Erdbeschleunigung
genormt. Nach EN 545 [3.1] können diese beträgt. Durch diese Beschleunigung und
Rohre in Böden beliebiger Korrosivität durch zusätzliche Rüttelkräfte erfährt der
eingebaut werden. Frischmörtel eine Verdichtung und Glät-
tung (Bild 3.27).
Polyethylen-Umhüllung
Beim Rotationsschleudern wird ein Teil
Die Polyethylen-Umhüllung besteht aus des Zugabewassers ausgetrieben. Zur
LDPE (Low-Density-Polyethylen). Sie Oberfläche der Zementmörtel-Ausklei-
wird unter Verwendung eines Weich- dung hin entsteht eine Anreicherung
klebers auf die Rohre aufgebracht; bis von Feinkorn und Feinbestandteilen. In
einschließlich DN 500 geschieht dies Reifekammern härtet die Zementmörtel-
im Schlauchextrusions-Verfahren, ab Auskleidung (ZM-A) bei definierter Luft-
DN 400 einschließlich im Wickelex- feuchte und Temperatur aus. Die ZM-A
trusions-Verfahren. von Rohren aus duktilem Gusseisen ist Bild 3.27:
in EN 545 [3.1] und EN 598 [3.2] genormt. Rotationsschleudern – Eintrag einer
Die PE-Umhüllung von Rohren aus Zementmörtel-Auskleidung (ZM-A)
duktilem Gusseisen ist in EN 14628 [3.6] Polyurethan-Auskleidung
genormt. Nach EN 545 [3.1] können diese gesäubert, damit sie technisch rein,
Rohre in Böden beliebiger Korrosivität Das verwendete Polyurethan ist ein frei von Rost, losen Materialteilchen,
eingebaut werden. lösungsmittelfreies Zwei-Komponen- Schmutz, Öl, Fett und Feuchtigkeit ist.
tensystem mit Harz und Härter. Poly- Um diese Anforderungen zu erhalten, wird
Zementmörtel-Auskleidung urethan, Mineral-Füllstoffe, Pigmente die Innenfläche der Rohre geschliffen
und Zusätze sind so gewählt, dass das und gemäß dem Reinheitsgrad Sa 2.5
Im Rotationsschleuderverfahren wird Enderzeugnis die festgelegten Funkti- nach EN ISO 8501-1 [3.4] doppelt
nach dem Einbringen des Frischmör- onsanforderungen und die Trinkwas- gestrahlt. Die Rohre werden zunächst
tels (Sand-Zement-Wasser-Mischung) serzulassung (z.  B. DVGW) erfüllt. Vor auf etwa 50 °C erwärmt, um eine
das Rohr auf eine so hohe Rotationsge- Aufbringung der Polyurethan-Ausklei- Beschleu-nigung der Polymerisation
schwindigkeit gebracht, dass die Zen- dung wird die Innenfläche der Rohre der Komponenten zu gewährleisten.

06.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/19

Dadurch werden hohe Taktzeiten im Polyurethan-Auskleidung wird durch- 3.5.2 Formstücke und Armaturen
Beschichtungsprozess erzielt. gehend auf die gesamte Rohrober-
fläche aufgebracht. Epoxidharz-Beschichtung
Das Polyurethan wird anschließend
auf das sich drehende Rohr mittels Auch die Innenseite der Muffe wird mit Ähnlich wie bei den Armaturen gewinnt
einer Lanze mit einer Rotationsdüse Polyurethan ausgekleidet. In Kombina- die Pulver-Beschichtung von Form-
aufgespritzt (Bild 3.28). Die Flieh- tion mit der PUR-Umhüllung entsteht stücken mit Epoxidharz eine immer
kraft, verursacht durch die Eigenrota- ein Gussrohr mit einem integralen Kor- größere Bedeutung. Nach EN 545 [3.1]
tion des Rohres, bewirkt eine sehr glatte rosionsschutz. sind derart umhüllte Formstücke für
Oberfläche, welche gute hydraulische Böden aller Aggressivitätsklassen geeig-
Eigenschaften erzielt. Die porenfreie Nach dem Beschichtungsvorgang wird net. Dasselbe gilt auch für mit Epoxid-
die Auskleidung auf Porenfreiheit harzpulver beschichtete Armaturen.
geprüft. Die Polyurethan-Auskleidung
weist in Farbbild, Glätte und Gefüge ein Die Gussstücke werden zu diesem Zweck
einheitliches, gleichmäßiges Aussehen zunächst einer Oberflächenbehandlung
auf. Haftfestigkeit, Porenfreiheit, Härte durch Strahlen (Reinheitsgrad SA 2 1/2)
und Schichtdicke werden täglich in der unterzogen. Danach werden die Teile
Produktion kontrolliert. auf eine Objekttemperatur von unge-
fähr 200 °C erhitzt und in ein Wirbel-
Die Polyurethan-Auskleidung von Rohren sinterbecken mit Epoxidharz-Pulver
aus duktilem Gusseisen ist in EN 15655 getaucht (Bild 3.29) oder mit Hilfe einer
[3.7] genormt. Sprühpistole elektrostatisch beschichtet
(Bild 3.30).

Dabei werden porenfreie Schichten


mit Schichtdicken von mehr als 250 µm
erreicht. Je nach Anlagentyp kann der
Bild 3.28: Beschichtungsvorgang automatisiert
Aufbringen der PUR-Auskleidung mittels werden. Laufende Überwachung der
einer Lanze mit Rotationsdüse Beschichtung in Bezug auf Vernetzung,

06.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/20

mechanische Eigenschaften, Unterwan- In Abhängigkeit vom Einsatzfall kommt


derung und Schichtdicke sichern eine dabei im Allgemeinen Hochofenzement
gleichbleibende Qualität. zum Einsatz. Bei dieser Art der Mörtel-
applikation kann kein überschüssiges
Die Epoxidharz-Pulver-Beschichtung Wasser ausgetrieben werden; die Verar-
von Formstücken aus duktilem Guss- beitung des Mörtels mit dem erforder-
eisen ist in EN 14901 [3.8] und lichen niedrigen Wasser-Zement-Wert
RAL - GZ 662 [3.9] genormt. Die wird durch Zugabe einer Kunstharz-
Epoxidharz-Beschichtung von Arma- dispersion ermöglicht.
turengehäusen ist in DIN 30677-1 [3.10],
DIN 30677-2 [3.11], DIN 3476 [3.12] und Die Gesamtschichtdicke beträgt in Ab-
Bild 3.29: RAL - GZ 662 [3.9] genormt. hängigkeit von der Nennweite 2,5 mm
Epoxidharz-Pulver-Auftrag mit Roboter im bis 9 mm.
Wirbelsinterverfahren Zementmörtel-Auskleidung
Als Außenbeschichtung werden die mit
Formstücke werden mit Zementmörtel Zementmörtel ausgekleideten Form-
nach EN 545 [3.1] und EN 598 [3.2] im teile üblicherweise mit einer Bitumen-
Anschleuderverfahren ausgekleidet. Bei beschichtung von 70 µm versehen. Im
diesem Verfahren wird der Zementmörtel Einzelfall werden auch eine 2-Kom-
mit Hilfe einer Schneckenpumpe durch ponenten-Zinkstaubfarbe und eine
einen Schlauch gepumpt und durch ein Bitumen-Deckbeschichtung eingesetzt.
mit Pressluft angetriebenes Schleuder-
rad an die Wand geschleudert und dabei Die ZM-Auskleidung von Formstücken
verdichtet. Nach einer Reifung bei defi- aus duktilem Gusseisen ist in EN 545 [3.1]
niertem Raumklima werden die Form- und EN 598 [3.2] genormt.
stücke weiterverarbeitet.

Bild 3.30:
Elektrostatischer Epoxidharz-Pulver-Auftrag
mit einer Sprühpistole

06.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/21

Technische Emaillierung Oberfläche wesentlich vergrößert. Damit Die Schlicker werden durch Tau-
bietet sie im folgenden Emaillierprozess chen, Fluten (Bild 3.32) oder Sprit-
Technisches Email als Beschichtungs- die Voraussetzung für den Aufbau des zen (Bild 3.33) auf die Gussstücke
stoff findet dort sein Einsatzgebiet, wo Werkstoffverbundes. aufgetragen und anschließend bei
Behälter, Rohre, Formstücke und Arma- ≤ 110 °C getrocknet. Daran schließt sich
turen gegen chemische Belastungen, Der Grundstoff sind so genannte das eigentliche Brennen an, je nach
auch in teilweise extremer Ausprägung, Emailfritten. Diese werden bei über Emailqualität im Temperaturbereich
geschützt werden müssen (Bild 3.31). 1.200 °C aus den natürlichen anorga- zwischen 750 °C und 900 °C.
nischen Rohstoffen Quarz, Feldspat,
Mit duktilem Gusseisen als Grundwerk- Borax, Soda, Pottasche, Aluminiumoxid
stoff bildet Email einen Werkstoffverbund, und weiteren Metalloxiden erschmol-
der sich durch eine Reihe wesentlicher zen, abgeschreckt und gebrochen. Die
Eigenschaften auszeichnet, beispiels- Emailfritten werden mit Zusatzstoffen
weise: und Wasser zu einem Emailschlicker
n glatte, antiadhäsive Oberfläche, gemahlen.
n hohe Härte,
n glasartige vollständig anorganische
Struktur,
n hohe chemische Resistenz.

Der Trägerwerkstoff wird häufig vor der


Emaillierung geglüht, um die Emaillier-
fähigkeit zu verbessern.

Im Anschluss an die Glühbehandlung


wird die Oberfläche gestrahlt (EN ISO
12944-4 [3.13]; SA 2 1/2). Durch das Strah-
len wird die Oberfläche gereinigt, aktiviert Bild 3.31: Bild 3.32:
und eine bestimmte Oberflächenrauigkeit Außen und innen mit Email beschichtete Email-Auftrag durch Fluten
erzielt. Außerdem wird die spezifische Armatur

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E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/22

Bild 3.33: Bild 3.34:


Email-Auftrag durch Spritzen Beispiele der Kennzeichnung von duktilen Formstücken

Die Emaillierung von Formstücken und 3.6 Kennzeichnung Die Kennzeichnungen des Werkstoffs, des
Armaturen aus duktilem Gusseisen ist Herstelldatums und der Nennweite sind
in DIN 51178 [3.14] genormt. Eine 3.6.1 Kennzeichnung von Rohren vertieft oder erhaben eingegossen.
detailliertere Darstellung der Emaillier- und Formstücken aus duktilem
technik findet sich in Kapitel 7.2. Gusseisen Das Kennzeichen für den Werkstoff
„duktiles Gusseisen“, das auch nach dem
Die Kennzeichnung von Rohren und Einbau sichtbar sein muss, sind drei im
Formstücken (Bild 3.34) ist in den Pro- Dreieck liegende, erhaben oder vertieft
duktnormen EN 545 [3.1] und EN 598 angebrachte Punkte oder drei parallele,
[3.2] sowie in der EADIPS®/FGR® - Norm 33 kerbförmige Vertiefungen an der Muf-
[3.15] festgelegt. Die Kennzeichnung des fenstirnfläche.
zulässigen Bauteilbetriebsdrucks (PFA)
längskraftschlüssiger beweglicher Steck- Bei den nach dem Schleuderguss-
muffen-Verbindungen von Rohren ist Verfahren hergestellten Muffenrohren
in der EADIPS®/FGR® - Norm 75 [3.16] wird die Kennzeichnung grundsätzlich
geregelt (Bilder 3.35 und 3.36). in der Muffe angebracht.

06.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/23

Dabei sind Nennweite, Herstellerkenn- Folgende Kennzeichen können ebenfalls


zeichen und Jahreszahl im Inneren der aufgegossen, mit Farbe aufgebracht oder
Muffe vertieft eingegossen, wo sie die der Verpackung beigegeben werden:
Funktion der Verbindung nicht stören. n Hinweis auf die maßgebende Norm
(z.B. EN 545 [3.1]),
Farbliche Kennzeichnungen für die n Kennzeichen der Zertifizierungsstelle
Wanddickenklasse sowie für die Art von (z. B. DVGW).
Auskleidung und Umhüllung, aber auch
zusätzliche Kennzeichnungen werden auf Bei Flanschrohren mit vorgeschweißten,
der Muffenstirn oder direkt hinter der aufgeschrumpften bzw. aufgeschraub-
Bild 3.35: Muffe aufgebracht. ten Flanschen wird die Kennzeichnung
Kennzeichnung eines duktilen Gussrohres auf der Flanschrückseite eingegossen,
mit längsraftschlüssiger beweglicher Formstücke werden nach den Pro- bei gegossenen Flanschrohren ist sie auf
Steckmuffen-Verbindung nach [3.16] duktnormen wie folgt gekennzeichnet: dem Rohrschaft angebracht.
n Kennzeichen des Herstellers,
n Kennzeichen des Herstelljahres, Das Kennzeichen FGR® mit einer Zahl
n Kennzeichen für duktiles Gusseisen, (die Zahl ist einem Hersteller zuge-
n Nennweite DN, ordnet), z. B. FGR® 2, weist darauf hin,
n Nenndruck PN bei Flanschen, dass dieser Hersteller Mitglied der Euro-
n die Gradstellung bei Bögen. pean Association for Ductile Iron Pipe
Systems · EADIPS® / Fachgemeinschaft
Die Kennzeichnungen sind außen auf Guss-Rohrsysteme (FGR®) e.  V. ist.
dem Formstückkörper aufgegossen.

Bild 3.36:
Kennzeichnung des zulässigen Bauteil-
betriebsdrucks (PFA) nach [3.16]

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E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/24

3.6.2 Kennzeichnung von


Armaturen aus Gusseisen
mit Kugelgrafit

Die Kennzeichnung von Armaturen


(Bilder 3.37, 3.38, 3.39 und 3.40)
erfolgt entsprechend der Vorgaben der
EN 19 [3.17] und der EN 1074-1 [3.18].

Bild 3.38: Bild 3.39:


Kennzeichnung eines Schiebers DN 100, Kennzeichnung eines Ringkolbenventils
GR 14 DN 800, PN 10/16

Bild 3.37: Bild 3.40:


Kennzeichnung eines Düsenrückschlagventils Kennzeichnung einer Absperrklappe
DN 800, PN 10

06.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/25

3.7 Prüfung Diese Werte werden an Rundproben aus die Schallgeschwindigkeitsmessung


der Rohrwand nachgewiesen. mittels Ultraschall, entweder am ge-
3.7.1 Prüfung der Rohre trennt gegossenen Probestab oder am
Die Anforderungen an die Auskleidung Formstück selbst.
Nach dem Glühprozess und der Dicht- sowie die erforderlichen Prüfungen
heitsprüfung werden duktile Gussrohre sind in EN 545 [3.1] und EN 598 [3.2] Dichtheits- und Funktionsprüfungen
mit oder ohne Verzinkung auf kombi- festgelegt. Regelmäßige Prüfungen im an Formstücken und Armaturen sind
nierten Putz- und Prüfstraßen einer Rahmen von Zertifizierungen stellen an geeigneter Stelle in den gesamten
maßlichen Prüfung unterzogen. Zudem eine gleichbleibende Qualität sicher, Stofffluss ihrer Herstellung eingebettet.
erfolgt eine Prüfung auf äußere und wie z. B. nach DVGW-Prüfgrundlage Dies gilt ebenso für alle Prüfungen von
innere Fehler durch visuelle Inspektion. GW 337 [3.19] und DVGW-Beiblatt Werkstoffeigenschaften, Abmessungen
Wanddickenmessungen führt man zum GW 337-B1 [3.20]. und sonstigen Kriterien, wie sie in den
Beispiel mit Schnelltastern durch. Die Produkt- und Beschichtungsnormen zur
Muffen und Einsteckenden werden mit 3.7.2 Prüfung von Formstücken Prozesskontrolle gefordert werden.
Grenzlehren überprüft. Zur nachträg- und Armaturen
lichen Beurteilung des Glühprozesses Die Ergebnisse der Prüfungen von
dient die Härteprüfung. Aussagen über Für in Sandformen hergestellte Guss- Rohren, Formstücken und Armaturen
den Ferritisierungsgrad und die Duk- stücke, Formstücke und Armaturen- bescheinigt, je nach Vereinbarung, ein
tilität (Dehnung) liefert die Ringfalt- gehäuse, gelten ähnliche Prüfkriterien Werkszeugnis oder ein Abnahmeprüf-
prüfung (Verformung eines zuvor abge- wie für Rohre. Abweichend von der zeugnis nach EN 10204 [3.21].
schnittenen Ringes) an der Putz- und Vorgehensweise bei Rohren kann man
Prüfstrecke; die Zusammendrückbarkeit jedoch bei Formstücken die Proben
ist ein Anhaltsmaß für die Dehnung. nicht aus dem Stück selbst entneh-
men, ohne es zu zerstören. Die mecha-
Statt der Ringfaltprüfung kann auch nischen Eigenschaften werden an runden
eine Kugeleindruckprüfung stattfinden. Zugproben nachgewiesen, die aus
Die genauen mechanischen Festigkeits- getrennt gegossenen U- oder Y-Pro-
werte (Zugfestigkeit, 0,2-%-Dehngrenze, ben herausgearbeitet sind; die Härte
Bruchdehnung und Brinellhärte) werden ist am Formstück selbst messbar. Zur
in Werkstofflabors ermittelt. Schnellprüfung der Duktilität dient

06.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/26

3.8 Literatur [3.3] EN 15542 [Vorbereitung von Stahloberflächen


Ductile iron pipes, fittings and vor dem Auftragen von
accessories – Beschichtungsstoffen –
[3.1]
EN 545 External cement mortar coating Visuelle Beurteilung der
Ductile iron pipes, fittings, for pipes – Oberflächenreinheit –
accessories and their joints for water Requirements and test methods Teil 1: Rostgrade und Oberflächen-
pipelines – [Rohre, Formstücke und Zubehör vorbereitungsgrade von
Requirements and test methods aus duktilem Gusseisen – unbeschichteten Stahloberflächen
[Rohre, Formstücke, Zubehörteile Zementmörtelumhüllung und Stahloberflächen nach ganz-
aus duktilem Gusseisen und ihre von Rohren – flächigem Entfernen vorhandener
Verbindungen für Wasserleitungen – Anforderungen und Prüfverfahren] Beschichtungen (ISO 8501-1:2007)]
Anforderungen und Prüfverfahren] 2008 2007
2010
[3.4] EN ISO 8501-1 [3.5] EN 15189
[3.2] EN 598 Preparation of steel substrates Ductile iron pipes, fittings and
Ductile iron pipes, fittings, before application of paints and accessories –
accessories and their joints for related products – External polyurethane coating
sewerage applications – Visual assessment of surface for pipes –
Requirements and test methods cleanliness – Requirements and test methods
[Rohre, Formstücke, Zubehörteile Part 1: Rust grades and preparation [Rohre, Formstücke und Zubehör
aus duktilem Gusseisen und ihre grades of uncoated steel substrates aus duktilem Gusseisen –
Verbindungen für die Abwasser- and of steel substrates after overall Polyurethanumhüllung von Rohren –
Entsorgung – removal of previous coatings Anforderungen und Prüfverfahren]
Anforderungen und Prüfverfahren] (ISO 8501-1:2007) 2006
2007+A1:2009

06.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/27

[3.6]
EN 14628 [3.8]
EN 14901 [3.10]
DIN 30677-1
Ductile iron pipes, fittings Ductile iron pipes, fittings and Äußerer Korrosionsschutz
and accessories – accessories – von erdverlegten Armaturen;
External polyethylene coating Epoxy coating (heavy duty) of Umhüllung (Außenbeschichtung)
for pipes – ductile iron fittings and accessories – für normale Anforderungen
Requirements and test methods Requirements and test methods [Corrosion protection of
[Rohre, Formstücke und Zubehör- [Rohre, Formstücke und Zubehör buried valves;
teile aus duktilem Gusseisen – aus duktilem Gusseisen – coating for normal requirement]
Polyethylenumhüllung von Rohren – Epoxidharzbeschichtung (für 1991
Anforderungen und Prüfverfahren] erhöhte Beanspruchung) von
2005 Formstücken und Zubehörteilen [3.11]
DIN 30677-2
aus duktilem Gusseisen – Äußerer Korrosionsschutz von
[3.7]
EN 15655 Anforderungen und Prüfverfahren] erdverlegten Armaturen;
Ductile iron pipes, fittings and 2006 Umhüllung aus Duroplasten
accessories – (Außenbeschichtung) für erhöhte
Internal polyurethane lining [3.9] RAL - GZ 662 Anforderungen
for pipes and fittings – Güte- und Prüfbestimmungen – [External corrosion protection
Requirements and test methods Schwerer Korrosionsschutz von of buried valves;
[Rohre, Formstücke und Zubehör- Armaturen und Formstücken durch heavy-duty thermoset plastics
teile aus duktilem Gusseisen – Pulverbeschichtung – coatings]
Polyurethan-Auskleidung von Gütesicherung 1988
Rohren und Formstücken – [Quality and test provisions –
Anforderungen und Prüfverfahren] Heavy duty corrosion protection
2009 of valves and fittings by powder
coating –
Quality assurance]
2008

06.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/28

[3.12]
DIN 3476 [3.14]
DIN 51178 [3.16] EADIPS®/FGR® 75
Armaturen und Formstücke für Emails und Emaillierungen – Rohre aus duktilem Gusseisen -
Roh- und Trinkwasser – Innen- und außenemaillierte Kennzeichnung des zulässigen
Korrosionsschutz durch EP-Innen- Armaturen und Druckrohr- Bauteilbetriebsdrucks (PFA)
beschichtung aus Pulverlacken (P) formstücke für die Roh- und längskraftschlüssiger beweglicher
bzw. Flüssiglacken (F) – Trinkwasserversorgung – Steckmuffen-Verbindungen von
Anforderungen und Prüfungen Qualitätsanforderungen Rohren –
[Valves and fittings for untreated und Prüfung Ergänzung zur EN 545:2010
and potable water – [Vitreous and porcelain enamels – [Ductile iron pipes -
Protection against corrosion by Inside and outside enamelled valves Marking of the allowable operating
internal epoxy coating of coating and pressure pipe fittings for un- pressure PFA of restrained flexible
powders (P) or liquid varnishes (F) – treated and potable water supply – push-in socket joints of pipes –
Requirements and tests] Quality requirements and testing] Supplement to EN 545:2010]
1996 2009-10 2013-06

[3.13] EN ISO 12944-4 [3.15] EADIPS®/FGR® 33 [3.17] EN 19


Paints and varnishes - Corrosion pro- Rohre und Formstücke aus Industrial valves –
tection of steel structures by duktilem Gusseisen – Marking of metallic valves
protective paint systems – Kennzeichnung von Rohren [Industriearmaturen –
Part 4: Types of surface and surface und Formstücken Kennzeichnung von Armaturen
preparation (ISO 12944-4:1998) [Ductile iron pipes and fittings – aus Metall]
[Beschichtungsstoffe – Korrosions- Marking of ductile iron pipes 2002
schutz von Stahlbauten durch and fittings]
Beschichtungssysteme – 2013-06
Teil 4: Arten von Oberflächen und
Oberflächenvorbereitung
(ISO 12944-4:1998)]
1998

06.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/29

[3.18] EN 1074-1 [3.20] DVGW-Arbeitsblatt GW 337-B1


Valves for water supply – Beiblatt 1 zu DVGW-Prüfgrundlage
Fitness for purpose requirements GW 337 Rohre, Formstücke und
and appropriate verification tests – Zubehörteile aus duktilem Gusseisen
part 1: General requirements für die Gas- und Wasserversorgung –
[Armaturen für die Wasser- Anforderungen und Prüfungen
versorgung – [DVGW worksheet GW 337-B1
Anforderungen an die Gebrauchs- Supplement 1 to DVGW test
tauglichkeit und deren Prüfung – specification GW 337
Teil 1: Allgemeine Anforderungen] Ductile cast iron pipes, fittings and
2000 accessories for gas and water supply –
Requirements and tests]
[3.19] DVGW-Arbeitsblatt GW 337 2012-08
Rohre, Formstücke und Zubehör-
teile aus duktilem Gusseisen für die [3.21] EN 10204
Gas- und Wasserversorgung – Metallic products –
Anforderungen und Prüfungen Types of inspection documents
[DVGW worksheet GW 337 [Metallische Erzeugnisse –
Ductile cast iron pipes, fittings Arten von Prüfbescheinigungen]
and accessories for gas and 2004
water supply –
Requirements and tests]
2010-09

06.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 3. Kapitel: Herstellung der Rohre, Formstücke und Armaturen 3/30

06.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/1

4 Qualitätsmanagement

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/2

4 Qualitätsmanagement Die acht Grundsätze der Norm sind im


Bild 4.1 erkennbar. Die ISO 9001:2000
ist dabei offen formuliert. Dadurch kön­
Qualitätsmanagement als Gesamtheit der qualitätsbezogenen Tätigkeiten und nen und sollen zielgerichtete sowie an
Zielsetzungen. Die Dokumentation von QM-Systemen. Normenverbund und der Unternehmensphilosophie orientierte
Zertifizierung des QM-Systems. Qualitätsmanagement in der Gussrohrindustrie. eigene, bewährte und zweckmäßige Ver­
Prozesslenkung und Qualitätsprüfungen bei Rohren und Formstücken aus duk- fahrensweisen sowie Regelungen berück­
tilem Gusseisen. Fremdüberwachung durch ein akkreditiertes Institut. sichtigt werden.

Bild 4.1:
Aufbau der ISO 9001
4.1 Allgemeines Die ISO 9001 ist ein international aner­
kanntes Qualitätsmanagementsystem, das 1. Anwendungs­bereich
länderübergreifend verstanden wird und
Der Begriff des Q ­ ualitätsmanagements Qualitäten vergleichbar macht. 2. Verweisungen
(QM) wurde in der ­Normenreihe   ISO 9001 auf andere Normen
konsequent weiterentwickelt und erwei­­ Für den Anwender und Hersteller erge­
3. Begriffe
tert. Neben der Darlegung des Qualitäts- ben sich daraus folgende Vorteile:
­­­­­managementsystems und seiner  Nach­ n Dokumentation von Unternehmens­ 4. QM-System
weisführung sind seit der Revision von abläufen und Prozessen,
5. Verantwortung der Leitung
ISO 9001 im Jahre 2000 vor allem der n verbesserte Kundenorientierung,
Kundenbezug, die Prozessorientiertheit n kontinuierliche Prozess- und Struk­ 6. Management der Mittel
und die ständige Qualitätsverbesserung turverbesserungen,
vorausgesetzte Erfordernisse. n Minimierung von Risiken im Bereich 7. Produktrealisierung
Produkthaftung, 8. Messung, Analyse und
Das Qualitätsmanagementsystem wird n Reduzierung von Prüfaufwand in eige­ Verbesserung
dadurch mehr ziel- und ergebnisorientiert ner Produktion und bei Lieferanten,
auf den Kunden und seine Anforderungen n Erkennen und Minimieren von Anhang A + B
ausgerichtet. Schwachstellen.

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/3

4.1.1 Dokumentation
des QM-Systems Betrifft Inhalt

Die Dokumentation des QM-Prozesses
als Voraussetzung der ISO 9001:2000 Ganzes Unternehmen Qualitätspolitik,
schreibt die Qualitätspolitik und Ziele QM-Grundsätze,
des Unternehmens fest. Sie regelt u. a. QM-Aufbau- und
Planung, Durchführung und Lenkung QM- Ablauforganisation,
der Unternehmensprozesse sowie ihre Hand- Hinweise auf VA
Wechselwirkungen. buch
(QMH)
Als Grundlage der gesamten Doku­
mentation gilt dabei das M
­ anagement-
Handbuch. Es regelt neben dem Schnittstellenregelungen, Interne Durchführungs-
Anwendungsbereich des Qualitätsma­ fachübergreifend, bestimmungen für QM-
nagementsystems die dokumentierten abteilungsübergreifend, QM- Ablaufelemente. Enthält
Verweise und Verfahren des QM-Systems QM-Element- Verfahrens- organisatorisches und
sowie die Prozesse mit ihren Wechsel­ Beschreibung anweisungen technisches Firmen-
wirkungen. Das Bild 4.2 zeigt die Doku­ (VA) Know-how.
mentationsstruktur eines QM-Systems.

Sachgebiet Detailanweisungen für


Arbeitsplatz bestimmte Tätigkeiten
Produkt oder Produkte.
Methode Arbeitsanweisungen, Enthält technisches
Prüfanweisungen, usw. Firmen-Know-how.

Mitgeltende Dokumente:
Bild 4.2: Normen, Spezifikationen, Zeichnungen, Org.-Pläne, Formulare
Dokumentationsstruktur eines QM-Systems

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/4

4.1.2 Normenverbund und Zertifi- 4.2 Qualitätsmanagement in der zu erfüllen. Dies ging nicht ohne ein gut
zierung des QM-Systems Gussrohrindustrie funktionierendes QM-System, das im
Laufe der Jahre weiterentwickelt und in
Ein nach ISO 9001 zertifiziertes Quali­ zunehmendem Maße dokumentiert wurde
tätsmanagementsystem muss durch ein Schon immer stand in der Gussrohrin­ (Bild 4.3).
akkreditiertes Prüfinstitut abgenom­ dustrie die Qualität der Produkte und
men werden. Alle europäische Normen Dienstleistungen an erster Stelle. Am Die nun folgenden Beschreibungen
für Rohre, Formstücke und Zubehörteile Markt konnten nur die Unternehmen beziehen sich auf die Ausgestaltung der
aus duktilem Gusseisen sowie ihre Ver­ bestehen, denen es dauerhaft gelang, QM-Elemente „Prozesslenkung“ und
bindungen (EN 545, EN 598, EN 14628) die Qualitätsforderungen der Kunden „(Qualitäts-)Prüfungen“.
empfehlen die Einführung eines nach
ISO 9001 zertifizierten QM-Systems.

In der Bundesrepublik Deutschland n allgemeine Anforderungen n Entwicklung (kann – falls begrün-


ist entsprechend DIN 2000 der Einbau n Dokumentationsanforderungen det – ausgeschlossen werden)
geprüfter (zertifizierter) Materialien vor­ n Verpflichtung der Leitung n Beschaffung
geschrieben. In der dabei vom DVGW
n Kundenorientierung n Produktion und
n Qualitätspolitik Dienstleistungs­erbringung
geschaffenen verbindlichen Prüfgrund­
n Planung n Lenkung von Überwachungs-
lage GW 337 für Rohre, Formstücke und n Verantwortung, Befugnis und und Messmitteln
Zubehörteile aus duktilem Gusseisen für Kommunikation n Überwachung und Messung
die Wasserversorgung werden die Her­ n Managementbewertung (­Kundenzufriedenheit, Auditie-
steller verpflichtet, ein zertifiziertes QM- n Bereitstellung von Ressourcen rung, Prozesse und Produkte)
System zu unterhalten, auf welchem die n personelle Ressourcen n Lenkung fehlerhafter Produkte
werkseigene Produktionskontrolle beruht. n Infrastruktur n Datenanalyse (Vorbeugemaß-
Auch bei der Einführung eines Umwelt­ n Arbeitsumgebung nahmen, ständige Verbesserung,
managementsystems nach ISO 14001 n Planung der Produktrealisierung ­Korrekturmaßnahmen)
wird das nach ISO 9001 zertifizierte QM-
n kundenbezogene Prozesse n Verbesserung
System vorausgesetzt.
Bild 4.3:
Auf die Gussrohrindustrie anwendbare QM-Elemente nach DIN EN ISO 9001:2000

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/5

4.3 Prozesslenkung und Qualitäts­ 4.3.1 Beschaffung und 4.3.2 Erschmelzung und
prüfungen bei Rohren aus Wareneingang Behandlung des
duktilem Gusseisen flüssigen Eisens
Für die Beschaffung von Erzeugnissen
und Dienstleistungen, welche die Qualität Hierbei gilt es, hohe Anforderungen an
Bild 4.4 zeigt das in sechs Prozessab­ der hergestellten Produkte beeinflussen, die Steuerung und Überwachung der
schnitte gegliederte Ablaufdiagramm für kommen nur entsprechend qualifizierte Schmelzführung, die Einhaltung der
die Herstellung von Rohren aus duktilem und zertifizierte Lieferanten in Frage. chemischen Zusammensetzung und die
Gusseisen mit den entsprechenden Pro­ Das gilt besonders für Zukaufswaren Behandlungs- bzw. Impftechnik zu stellen.
zess- und Qualitätsprüfungen: und Zubehörteile, wie z. B. Dichtungen Dazu ist vor Ort bzw. in den chemischen
n Beschaffung und Wareneingang, oder Beschichtungsmaterialien. Wenn die Laboratorien der Einsatz von Analyse­
n Bereitstellung des flüssigen Eisens, eingesetzten nicht metallischen Materi­ automaten erforderlich, um in kürzester
n Rohrherstellung, alien in Kontakt mit Trinkwasser kommen Zeit für mehrere Elemente gleichzeitig
n Weiterbehandlung der Rohre, können, ist grundsätzlich eine Material­ die Gehalte angeben zu können.
n Beschichtung, zulassung nach Arbeitsblatt W 270 und
n Kennzeichnung, Verpackung, Lage­ eine KTW-Prüfung Voraussetzung. Bei
rung und Versand. Dichtungen ist zusätzlich eine DVGW-
Zertifizierung nach Prüfgrundlage VP 546
Zu den einzelnen Prozessabschnitten bzw. VP 547 notwendig.
nachstehend einige Erläuterungen.
Angelieferte Produkte werden einer Ein­
gangsprüfung unterzogen. Dabei richtet
sich der Prüfumfang nach der Qualitäts­
relevanz des betreffenden Produktes und
der Einstufung des jeweiligen Zuliefe­
rers.

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/6

Bild 4.4:
Ablaufdiagramm für d. Herstellung von Schleudergussrohren aus duktilem Gusseisen mit d. entsprechenden Prozess- u. Qualitätsprüfungen

Prozessabschnitt Prozessschritt Prüfmerkmale

Beschaffung, Wareneingang Anlieferung der Roh- und Hilfsstoffe Lieferantenauswahl, Wareneingangsprüfung

Zusammenstellung der Charge Chargenzusammensetzung

Bereitstellung Erschmelzung Prozessparameter, chemische Zusammen­setzung,


des flüssigen Eisens des flüssigen Eisens Temperatur, Keimzustand

Entschwefelung Menge Entschwefelungsmittel, S-Gehalt

Mg-Behandlung Zugabemenge Mg-Träger,


chemische Zusammensetzung

Herstellung der Muffenkerne Eigenschaften d. Kernsandes, Prozessparameter


Rohrherstellung
Kokillenbearbeitung Maßprüfung

Rohrherstellung in der Schleudergießerei Prozessparameter, Rohrmassen

Wärmebehandlung Zeit-Temperatur-Zyklus
...

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/7

Prozessabschnitt Prozessschritt Prüfmerkmale


...

Verzinkung Prozessparameter, Zinkschichtdicke

Weiterbehandlung der Rohre Qualitätsprüfung am Rohr Gussfehler,  Wanddicke,­ Verbindungsmaße

Innendruckprüfung Dichtheit

Zementmörtel-Auskleidung Prozessparameter, Mörtelschichtdicke u. Aussehen

Beschichtung Mörtelreifung Zeit-Temperatur-Feuchte-Zyklus

Umhüllung Prozessparameter, Beschaffenheit


und Dicke der Umhüllung

Endprüfung, Kennzeichnung, Bündelung Beschichtungsfehler, Schichtdicke, E­ inhaltung


d. Kennzeichnungs- und Bündelungsvorschriften

Kennzeichnung, Verpackung, Lagerung der Rohre durch Transport bzw. Lagerung verursachte
­Lagerung und Versand Fehler, Einhaltung der Lagervorschriften

Versand Einhaltung der Verladevorschriften

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/8

4.3.3 Rohrherstellung in der Das Ziel der Wärmebehandlung ist, Zum Nachweis der mechanischen Eigen­
­Schleudergießerei und den Rohren ein weitgehend ferritisches schaften dienen bearbeitete Rundproben
­Wärmebehandlung Gefüge zu geben. Der dazu erforder­liche aus den Einsteckenden der Rohre.
Zeit-Temperatur-Verlauf im Glühofen
Bei der Rohrherstellung ist das spezi­ wird automatisch gesteuert und ist der Im Rahmen eines Prozessüberwachungs­
fische Erstarrungs- und Schwindungs­ chemischen Zusammensetzung der Rohre systems werden in den Werken außer­
verhalten des duktilen Gusseisens zu angepasst. Erforderlich ist eine Hochtem­ dem Faltversuche oder Kugeldruckproben
berücksichtigen. Die Abmessungen der peraturglühung bei Temperaturen über durchgeführt. Zusätzlich oder ersatzweise
Kokillen und Kerne sind so festgelegt, 900 °C zum Zerfall des Eisenkarbids (Fe3C) werden metallographische Prüfungen
dass die wärmebehandelten Rohre die mit nachfolgender langsamer Abkühlung durchgeführt. Maßliche Überprüfungen
in den entsprechenden Normen bzw. im Temperaturbereich zwischen 800 °C betreffen vor allem die Funktionsmaße
­Spezifikationen vorgeschriebenen Tole­ und 700 °C zur Ferritisierung. der Muffen-Verbindungen und die Wand­
ranzen einhalten. dicke.
4.3.4 Weiterbehandlung der
Bei der eigentlichen Rohrherstellung in geschleuderten Rohre Alle Rohre unterliegen einer eingehenden
der Schleudergießerei sind die Verfah­ visuellen Prüfung auf äußere und innere
rensparameter Fahrgeschwindigkeit der Nach der Wärmebehandlung erhalten die Fehler. Fehlerhafte Rohre werden ver­
Gießmaschine und Eisenmenge pro Zeit­ Rohre im Allgemeinen einen im Spritz­ worfen, oder sie werden nachgearbeitet,
einheit so aufeinander abgestimmt, dass verfahren aufgebrachten Zink- bzw. Zink- wenn sichergestellt ist, dass dadurch die
die Einhaltung der Toleranzen für Rohr­ Aluminium-Überzug. Die zugehörigen Gebrauchseigenschaften und Qualitäts­
wanddicke und -masse sichergestellt ist. Prozessparameter der Verzinkungsanlage merkmale nicht leiden. Für die Dicht­
Die Erzeugung von fehlerfreien und maß­ werden überwacht, die Zinkauflage regel­ heitsprüfung gelten die Prüfdrücke der
haltigen Rohren erfordert eine Anpassung mäßig geprüft. Tabelle 4.1.
von Gießtemperatur, Kokillentemperatur
und Impfmenge an die jeweilige Rohr­ Die Qualitätsprüfungen an den geglühten
nennweite bzw. Wanddicke. Rohren betreffen folgende Kriterien:
n Einhaltung der Werkstoffkennwerte,
n Maßhaltigkeit,
n Fehlerfreiheit,
n Dichtheit.

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/9

Tabelle 4.1:
Werksprüfdrücke für Rohre, Formstücke und Zubehörteile aus duktilem Gusseisen
nach EN 545 für Wasserleitungen

DN Mindestwerksprüfdruck a)
Der hydrostatische Prüfdruck im Werk ist
bar für Formstücke geringer als für Rohre,
Klasse Schleudergussrohre nichtgeschleuderte Rohre weil es wegen der Gestalt der Formstücke
40 und Formstückea) schwierig ist, für die hohen Innendrücke
K<9 K≥9 alle Wanddickenklassen während der Prüfung eine ausreichende
Längskraftschlüssigkeit zu erzielen.
40 bis 300 40 0,5 (K + 1)2 50 25b) b)
16 bar für Rohre und Formstücke
350 bis 600 40 c)
0,5 K2
40 16 mit PN 10-Flanschen
700 bis 1000 0,5 (K – 1)2
32 10
c)
Die maximale Nennweite DN
für Klasse 40 ist DN 400.
1100 bis 2000 0,5 (K – 2)2 25 10

Entsprechend EN 598 werden Rohre für die Abwasserentsorgung mit einem Wasser­
innendruck von mindestens 11 bar auf Dichtheit geprüft.

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/10

4.3.5 Auskleidungen und Die Steuerung und Überwachung der Für Transport und Lagerung der Rohre
Beschichtungen Prozessparameter ist weitgehend automa­ gibt es in den Katalogen der Gussrohrher­
tisiert, die Qualität der fertigen Beschich­ steller entsprechende Vor­schrif­ten  und
Rohre für die Wasserversorgung und tung wird laufend überprüft. Empfehlungen.
Abwasserentsorgung erhalten grundsätz­
lich eine Zementmörtel-Auskleidung. 4.3.6 Kennzeichnung, Verpackung,
Über­wachung und Steuerung der Prozes­ Lagerung und Versand 4.4 Prozesslenkung und Qualitäts­
sparameter sowie regelmäßige Prüfungen prüfungen bei ­Formstücken
der Ausgangsstoffe, des Frischmörtels und Die Kennzeichnung ist ein Qualitätsele­ und Zubehörteilen aus
der fertigen Auskleidung sichern eine ment und wird entsprechend den maß­ ­duktilem Gusseisen
gleichbleibende Qualität. gebenden Normen aufgebracht.

Die verschiedenen werksseitigen Umhül­ Die Kennzeichnung umfasst: Bild 4.5 zeigt das in vier Prozessab­
lungen für Rohre aus duktilem Gusseisen n Name oder Kennzeichen des Herstel­ schnitte gegliederte Ablaufdiagramm
sind in EN-Normen oder in der Normen­ lers, für die Herstellung von Formstücken und
reihe DIN 30674 standardisiert. n Kennzeichen des Herstelljahres, Zubehörteilen aus duktilem Gusseisen
n Kennzeichen für duktiles Gusseisen, mit den entsprechenden Prozess- und
Es sind dies: n Nennweite, Qualitäts-Prüfungen:
n der Zink oder Zink-Aluminiumüber­ n Hinweis auf die betreffende Norm, n Beschaffung und Wareneingang,
zug mit Deckbeschichtung, n Wanddickenklasse der Schleuderguss­ n Bereitstellung des flüssigen Eisens,
n die Polyethylen-Umhüllung, rohre, wenn abweichend von K 9, n Formstückherstellung,
n die Polyurethan-Umhüllung, n DVGW-Kennzeichen bei zertifizierten n Weiterbehandlung der Formstücke.
n die Zementmörtel-Umhüllung. Wasserrohren.
Die beiden ersten Prozessabschnitte
Für eine gleichbleibend hohe Qualität Die Verpackung ist der Rohrnennweite sind in den wesentlichen Punkten mit
sorgen in den Gussrohrwerken zunächst und dem Außenschutz der Rohre ange­ den­jenigen der Rohrherstellung iden­
eine gezielte Lieferantenauswahl und passt. Sie soll einerseits das Handling tisch und werden daher nachfolgend nicht
regelmäßige Prüfungen der Beschich­ erleichtern, andererseits die Rohre vor mehr näher erläutert.
tungsstoffe. Beschädigungen und Verschmutzung
schützen.

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/11

4.4.1 Formstückherstellung sand befreit werden. Vielmehr ist eine Zur Sicherstellung der Maßhaltigkeit
gesteuerte Abkühlung in der Form erfor­ überprüft man die Modelle und Kern­
Die Formstücke werden heute vorzugs­ derlich. Nach dem Entformen und dem büchsen regelmäßig und korrigiert oder
weise auf automatischen Formanlagen Entfernen des Eingusssystems werden die ersetzt sie erforderlichenfalls, um von
hergestellt. Bedingt durch Größe, Stück­ Formstücke mit metallischen Strahlmit­ ihnen verursachte Maßabweichungen
zahl, Typenvielfalt und Kompliziertheit teln behandelt. Danach findet eine erste auszuschalten. Verbindungsmaße und
der Stücke kommen unterschiedliche Sichtprüfung statt. Wanddicken werden wie bei den Rohren
Formverfahren zur Anwendung. So ­fertigt geprüft. Durch Einsatz von Automaten
man z. B. Serienstücke auf Rüttelform­ Es gelten die gleichen Qualitätsanforde­ und Bohrschablonen bei der Formstück­
maschinen, komplizierte bzw. große Ein­ rungen wie bei den Rohren: bearbeitung sowie durch abschließende
zelstücke im Handformverfahren. n Einhaltung der Werkstoffkennwerte, Prüfung der Bearbeitungsmaße ist die
n Maßhaltigkeit, Einhaltung der zulässigen Maßabwei­
Die dabei verwendeten Formstoffe sind n Fehlerfreiheit, chungen sichergestellt.
dem Herstellungsverfahren angepasst. n Dichtheit.
Die gleichbleibende Qualität der Abgüsse Alle Formstücke unterliegen einer einge­
wird u. a. durch eine regelmäßige Prüfung Zur Schnellprüfung der Graphitaus­ henden visuellen Prüfung. Die Prüfdrücke
der Form- und Hilfsstoffe gesichert. Eine bildung im Rahmen der Prozessüber­ für die Dichtheitsprüfung der Formstücke
Wärmebehandlung der Formstücke ist wachung kann mittels Ultraschall die können aus Tabelle 4.1 entnommen wer­
normalerweise nicht erforderlich, da diese Schallgeschwindigkeit am getrennt den.
durch das Sandguss-Verfahren wesent­ gegossenen Probestab oder am Formstück
lich langsamer abkühlen als die in metal­ selbst gemessen werden. Formstücke mit Flanschen werden im All­
lischen Kokillen geschleuderten Rohre. Eine andere Methode beruht auf metallo­ gemeinen an den Dichtleisten und den
graphischen Untersuchungen an kleinen, Schraubenlöchern bearbeitet. Dabei wer­
4.4.2 Weiterbehandlung angegossenen Proben. Die mechanischen den die Prozessparameter, die eine Ein­
der Formstücke Eigenschaften ermittelt man an Proben, haltung der geforderten Oberflächengüte,
die aus getrennt gegossenen oder aus Planparallelität und Winkelgenauigkeit
Zur Vermeidung von inneren Span­ angegossenen Probestücken herausge­ sicherstellen, ständig überwacht.
nungen und einer zu hohen Härte dürfen arbeitet werden.
die Formstücke nach dem Erstarren des
flüssigen Eisens nicht sofort vom Form­

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/12

Bild 4.5:
Ablaufdiagramm für die Herstellung von Formstücken aus duktilem Gusseisen mit den entsprechenden Prozess- und Qualitätsprüfungen

Prozessabschnitt Prozessschritt Prüfmerkmale

Beschaffung, Wareneingang Anlieferung der Roh- und Hilfsstoffe Lieferantenauswahl, Wareneingangsprüfung

Zusammenstellung der Charge Chargenzusammensetzung

Bereitstellung Erschmelzung Prozessparameter, chemische Zusammen­setzung,


des flüssigen Eisens mit flüssigem Eisen Temperatur, Keimzustand

Entschwefelung, falls notwendig Menge Entschwefelungsmittel, S-Gehalt

Mg-Behandlung Zugabemenge Mg-Träger,


chemische Zusammensetzung

Herstellung der Modelle und Kernbüchsen Maße, Funktionstüchtigkeit


Formstückherstellung
Herstellung der Formen und Kerne Eigenschaften des Form- und Kernsandes,
Prozessparameter

Gießen, Impfen Impfmenge, Gießzeit und -temperatur,


Erstarrungsverhalten
...

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/13

Prozessabschnitt Prozessschritt Prüfmerkmale

...

Abkühlen in der Form Kühlzeit

Werkstoffprüfung (Y-Proben bzw. Formstück) Brinellhärte, mechanische Eigenschaften,


­Schallgeschwindigkeit, Mikrogefüge

Putzen, Sicht- und Maßprüfung Gussfehler, Wanddicke, Verbindungsmaße

Weiterbehandlung des Formstückes Dichtheitsprüfung Dichtheit

Mechanische Bearbeitung Prozessparameter

Sicht- und Maßprüfung Gussfehler nach Bearbeitung, Bearbeitungsmaße

Aufbringen der Schutzüberzüge Aussehen, Beschichtungsdicke, Filmeigenschaften

Lagerung und Versand durch Transport bzw. Lagerung verursachte Fehler

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/14

4.4.3 Beschichtungen 4.4.5 Transport, Lagerung hohen Qualitätsstandard der installierten


und Verpackung Rohrnetze. Die Fremdüberwachung ent­
Formstücke und Zubehörteile werden hält neben einer Baumusterprüfung die
grundsätzlich mit einer inneren und Die Verpackung ist so beschaffen, dass Überwachung der Fertigung und der
äußeren Beschichtung geliefert, wel­ keine Verunreinigungen auf Oberflächen werkseigenen Produktionskontrolle. Die
che dem nationalen bzw. europäischen kommen, die später vom dem Trinkwasser Überwachung findet einmal pro Jahr statt.
Regelwerk entspricht. In Abhängigkeit berührt werden. Aus diesem Grunde wer­ Das positive Ergebnis dieser Prüfung gibt
von den Einbaubedingungen werden die den die Rohre mit Kappen verschlossen. dem Rohrhersteller das Recht zur Benut­
Teile standardmäßig mit einer integralen Formstücke und Zubehör sind teilweise zung des in Bild 4.6 dargestellten Über­
Epoxydharzbeschichtung von mindes­ oder vollständig zu verpacken. Diese Ver­ wachungszeichens.
tens 250 µm Schichtdicke bzw. mit einer packungen sollen erst kurz vor dem Ein­
Zementmörtel-Auskleidung versehen. bau entfernt werden.
Auch eine Umhüllung und Auskleidung
mit Technischem Email findet Anwen­
dung. Daneben wird auch eine Reihe von 4.5 Fremdüberwachung
Sonderbeschichtungen eingesetzt. Eine
permanente Prüfung der Beschichtung
auf Fehlerfreiheit, Haftung, Gleichmäßig­ Die Gussrohr- und Formstückhersteller
keit und Schichtdicke sichern die dauer­ haben einen Überwachungsvertrag mit
hafte Qualität des Schutzüberzuges. dem Materialprüfungsamt Nordrhein-
Westfalen für den Bereich Trinkwasser
4.4.4 Kennzeichnung und Abwasser abgeschlossen.

Soweit anwendbar, gelten die gleichen Die der Überwachung zugrunde liegende
Regelungen wie bei Rohren. D ­ arüber Prüfgrundlage GW 337 für den Bereich
hinaus wird bei Formstücken und Flansch­ Trinkwasser sowie die Qualitäts- und
rohren zusätzlich die Druckstufe gekenn­ Prüfbestimmungen der EADIPS®/FGR® Bild 4.6:
zeichnet. Bei Bögen wird der ­Zentriwinkel für den Bereich Abwasser gehen zum Überwachungszeichen des Staatlichen
angegeben. Teil über die Vorschriften der gültigen Materialprüfungsamtes Nordrhein-
Normen hinaus. Sie sichern damit den ­Westfalen

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/15

4.6 Literatur

[4.1] Begriffe zum Qualitätsmanagement


DGQ-Schrift 11
1993-04

[4.2]
Jütting, K. u. Möbus, M.:
Aufbau eines unternehmensweiten
Qualitätsmanagementsystems und
Vorbereitung auf die Zertifizierung
Sonderteil in Hanser Fachzeit­
schriften – April – Carl Hanser
­Verlag München
1993

[4.3] Reeh, K. u. Ziegler, M.:


Qualitätssicherung bei Rohren und
Formstücken aus duktilem Gusseisen
FGR Information 15 (1980), S. 5

[4.4] Mischo, M.: Qualitätsmanagement


in der Gussrohrindustrie
GUSSROHRTECHNIK 32 (1997) S. 74

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 4. Kapitel: Qualitätsmanagement 4/16

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 5. Kapitel: Ausführung und Wanddickenberechnung der Rohre 5/1

5 Ausführung und
­Wanddickenberechnung
der Rohre

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 5. Kapitel: Ausführung und Wanddickenberechnung der Rohre 5/2

5 Ausführung und Wanddickenberechnung der Rohre die Schraubmuffen-Verbindung und die


Stopfbuchsenmuffen-Verbindung zur
Steckmuffen-Verbindung. Diese liegt
Generell werden Rohre aus duktilem Gusseisen mit Ausnahme der in Sandformen heute in einer optimierten Ausführung
gegossenen Flanschenrohre als Muffenrohre hergestellt. Die Verbindungstechnik vor. Die Muffe ist innen profiliert und
hat sich, ausgehend von der Steckverbindung, über die Stemmmuffen-Verbindung, kommt mit einem einzigen Element als
dann weiter über die Schraubmuffen- und Stopfbuchsenmuffen-Verbindung, bis Dichtung aus.
hin zur modernen Steckmuffen-Verbindung entwickelt. Ihre Vorteile liegen in der
Abwinkelbarkeit, der Längsbeweglichkeit und im einfachen Einbau. Flanschen- Heute wird für erdüberdeckte Rohr-
rohre werden in Sandformen gegossen oder aus geschleuderten Rohren herge- leitungen aus duktilem Gusseisen fast
stellt. Bei letzteren werden die Flansche aufgeschweißt oder aufgeschraubt. ausnahmslos die Steckmuffen-Verbin-
dung, genormt in DIN 28603, eingesetzt.
Bis DN 1000 wird das System TYTON®
angewendet, bis DN 2000 das System
5.1 Allgemeines 5.2 Muffenrohre STANDARD.

Schraub- und Stopfbuchsenmuffen-Ver-


Rohre aus duktilem Gusseisen für  erd- Die älteste in Deutschland bekannte bindungen werden heute nur noch bei
überdeckte Rohrleitungen sind im Muffen-Verbindung an Gussrohren, eine überschiebbaren Formstücken einge-
Allgemeinen mit einer beweglichen Steckverbindung, stammt aus einer setzt.
Muffen-Verbindung ausgestattet. Für Wasserleitung aus dem Jahre 1455
ober­irdische Leitungen wird die Flansch- des Dillenburger Schlosses ( Bild  1.1, Der wesentliche Vorteil der Muffen-Ver-
Verbindung mehr und mehr von der Kapitel 1). Über die Art des Dichtmittels bindungen liegt nicht nur in ihrem ein-
Steck­muffen-Verbindung, häufig in längs­ ist nichts mehr bekannt, doch lassen Blei- fachen und sicheren Einbau, sondern
kraftschlüssiger Ausführung, ab­gelöst. reste die Vermutung zu, dass mit einem auch in ihrer Gelenkigkeit und Längs-
Falls erforderlich, sind auch Rohre mit Bleiverguss die Verbesserung der Druck- beweglichkeit. Infolge der Gelenkigkeit
glatten Enden lieferbar oder an der beständigkeit beabsichtigt war. Die weitere der Verbindungen werden die von innen
Bau­­­­­stelle auf Passlänge zu schneiden; Entwicklung der Muffen-Verbindung lief und außen auf die Rohrleitung wirkenden
sie können mit Kupplungen verbunden über die Stemmmuffen-Verbindung, dann Kräfte in erheblichem Maße verringert.
werden. über die mechanischen Verbindungen wie

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 5. Kapitel: Ausführung und Wanddickenberechnung der Rohre 5/3

Bei Dükern, in Hangleitungen, bei gra- K ist ein ganzzahliger Faktor, der die Bei Einsatz der Mindestzugfestigkeit
benlosen Einbauverfahren, Schneekano- Wanddickenklasse kennzeichnet. Er liegt ­Rm = 420 N/mm2 und einem Sicherheits-
nen- und Turbinenleitungen etc., werden i.  A. zwischen … 8, 9, 10, 11, 12, ... faktor SF von 3 ergibt sich für den Aus-
häufig abwinkelbare, längskraftschlüssige Ergänzend zu den bisherigen Wand­ druck
Verbindungen verwendet. dickenklassen wurde im Jahre 2002 die
Klasse 40 eingeführt. Die Klasse 40 defi- 20 · Rm (5.3)
Solche Rohre mit beweglichen, längs- niert eine Wanddicke, die notwendig ist, SF
kraftschlüssigen Verbindungen sind um einem inneren Druck von mindestens
im Nennweitenbereich von DN 80 bis 40 bar dauerhaft standzuhalten. eine Konstante mit dem Wert von 2.800.
DN 1400 lieferbar.
Zur Bemessung der benötigten minimalen Die Mindestwanddicke ist somit
Wanddicke emin für einen Innendruck Pmax
5.3 Wanddickenberechnung gilt nach der Kesselformel
P ⋅ ( DE − emin ) (5.4)
emin = max [ mm]
2.800
Die Wanddicken der Rohre sind in Klas- Pmax ⋅ ( DE − emin ) ⋅ SF (5.2)
emin = [ mm ]
sen eingeteilt und lassen sich in Abhän- 20 ⋅ Rm
gigkeit von der Nennweite nach folgender Das untere Grenzabmaß c ist laut DIN
Formel berechnen: DE Nennaußendurchmesser des EN 545, Abschnitt 4.2.1.4, Tabelle 1
Rohres in mm
e = K (0,5 + 0,001 DN) [mm] (5.1) emin Mindestwanddicke in mm c = 1,3 + 0,001 DN [mm] (5.5)
Pmax Maximaler Druck in bar
DN Nenndurchmesser des Rohres Rm Mindestzugfestigkeit des duk- Anmerkung:
in mm tilen Gusseisens in N/mm2 Bei Wanddicken e, die nach obiger Formel
e Nennwanddicke in mm (= 420 N/mm2) den Wert von 6,0 mm unterschreiten, ver-
K ist aus einer Reihe von ganzen SF Sicherheitsfaktor von 3 einfacht sich die Beziehung zu
Zahlen ausgewählt
emin = e – 1,3 [mm] (5.6)

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 5. Kapitel: Ausführung und Wanddickenberechnung der Rohre 5/4

Somit lässt sich die Nennwanddicke e


nach folgender Beziehung errechnen:

Pmax ⋅ ( DE − emin )
e = 1,3+ 0,001 DN + [mm] (5.7)
2800

Für sehr hohe Betriebsdrücke und grö- Aus einer vorangegangenen Druckstoß- Damit gilt
ßere äußere Belastungen sind Rohre mit berechnung ergab sich ein maximaler PEA = 53,8 bar
größeren Wanddicken herstellbar. Betriebsdruck inklusive berechnetem
Druckstoß MDPc = 52,8 bar. EN 545 regelt im Anhang A.2 die Wand-
In Abhängigkeit von den zu erwartenden dickenberechnung der Rohre:
Anforderungen an die Rohre lässt sich Nach EN 805, 11.3.2, ist der Systemprüf- PEA = PMA + 5 bar = 53,8 bar
schon bei der Planung die erforderliche druck STP festzulegen.
und wirtschaftlich günstigste Wand­dicke Damit ist
mit dem gebotenen Sicherheitsfaktor er­- STP = MDPc + 100 kPa PMA = 53,8 – 5 = 48,8 bar = 1,2* PFA
mitteln. (0,1 MPa = 1 bar) PFA = 48,8/1,2 = 40,7 bar

Im Folgenden soll anhand eines typischen STP = 52,8 + 1 = 53,8 bar Mit dieser Größe wird über die in Anhang
Planungsfalles die Wanddickenberech- Die Leitung ist also nach ihrem Bau mit A.2 der DIN EN 545 angegebene Formel
nung beispielhaft durchgeführt werden: 53,8 bar zu prüfen.
Für eine Wasserkraftturbinenanlage PFA ⋅ D ⋅ SF PFA ⋅ ( DE − emin ) ⋅ SF
emin = =
wurde aus den geodätischen und hydro- Die im DVGW-Arbeitsblatt W 400–2 bzw. in 20 ⋅ Rm 20 ⋅ Rm
logischen Randbedingungen eine Rohrlei- EN 805 verankerten Planungsgrundsätze
tung konzipiert, welche mit einem lichten erlauben nun den Übergang vom System (5.8)
Durchmesser von 600 mm eine Höhen­ zu den Bauteilen, welche zu bemessen
differenz von 500 m überbrückt. sind: In Tabelle 2 des Abschnittes 8.4.5 der die Mindestwanddicke emin berechnet.
EN 805 wird gefordert, dass der von den
Bauteilen zu ertragende höchstzulässige
Bauteilprüfdruck PEA ≥ STP sein muss.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 5. Kapitel: Ausführung und Wanddickenberechnung der Rohre 5/5

Mit den Werten für 2.800 ⋅ emin + PFA ⋅ emin = PFA ⋅ DE (5.10)
PFA = 40,7 bar
DE = 635 mm PFA ⋅ DE (5.11)
emin = [ mm]
SF = 3 2.800 + PFA
Rm = 420 MPa
40, 7 ⋅ 635 (5.12)
emin = = 9, 09 ~ 9,1 mm
ergibt sich eine minimale 2.800 + 40, 7
Wanddicke emin
Das untere Grenzabmaß für die Wanddicke geschleuderter Rohre enthält der
Abschnitt 4.2.1.4 der DIN EN 545 in Tabelle 1:
PFA ⋅ DE − PFA ⋅ emin (5.9)
emin = [ mm]
2.800 e − emin = (1, 3 + 0, 001 ⋅ DN ) = (1, 3 + 0, 6) = 1, 9 mm (5.13)

Daraus ergibt sich die Nennwanddicke e zu

e = emin + 1, 9 = 9,1 + 1, 9 = 11 mm (5.14)

Über die Angabe der K-Klassen unter 4.2.1.2 der DIN EN 545

e = K ⋅ (0, 5 + 0, 001 ⋅ DN ) (5.15)

ergibt sich mit den bisher errechneten Werten eine Rohrwanddickenklasse K von

e 11 11
K= = = = 10 (5.16)
(0, 5 + 0, 001 ⋅ DN ) (0, 5 + 0, 6) 1,1

Für den Beispielfall sind also Rohre der Wanddickenklasse K 10 einzusetzen.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 5. Kapitel: Ausführung und Wanddickenberechnung der Rohre 5/6

In den maßgebenden EN-Normen gibt es 5.4 Flanschrohre Nach diesem Verfahren hergestellte
für duktile Gussrohre in Wasserleitungen Flansch­rohre sind, abhängig von den
(EN 545) die Wanddickenklassen K 9, K 10 Flanschabmessungen, für die Druckstufen
und Klasse 40, die auf die Ringsteifigkeit Flanschrohre werden entweder aus PN 10 bis PN 40 im Nennweitenbereich
der Rohre bezogen sind. Das bietet die geschleuderten Rohren hergestellt oder von DN 80 bis DN 600 einsetzbar.
Möglichkeit, bei der Planung unterschied- in Sandformen gegossen.
liche Ringsteifigkeiten anzusetzen, um die Flanschrohre mit angegossenen F
­ lanschen
günstigste Rohrwanddicke zu ermitteln. Bei den aus Schleudergussrohren her- werden nach dem Sandgussverfahren
gestellten Flanschrohren ist es üblich, hergestellt. Im Nennweitenbereich von
Die genormten Längen der Schleuder- die Flansche aufzuschweißen oder auf- DN 80 bis DN 2000 beträgt die größte
gussrohre sind 6 m, 7 m und 8 m. Die zuschrauben. Die hierfür verwendeten Länge 2 m. Die Längenunterschiede lie-
Rohre werden mit unterschiedlichen Flansche aus duktilem Gusseisen sind gen bei 100 mm. Die Wand­dicken der
Umhüllungen und Auskleidungen gelie- im Sandguss hergestellt und haben für Rohre entsprechen der Klasse K 12.
fert, deren Einsatzbereiche in den Kapi- die Verwendung als Vorschweißflansche
teln 14 und 15 beschrieben werden. einen angeformten Stutzen. Dieser ist Die Flanschrohre werden mit unter-
dem Außendurchmesser und der Wand- schiedlichen Umhüllungen und Ausklei-
dicke des Rohres angepasst, so dass die dungen geliefert.
Flansche geschweißt werden können.

Die Aufschraubflansche besitzen einen


angegossenen Stutzen mit einem Innen-
durchmesser, der es erlaubt, ein konisch
verlaufendes Gewinde einzuschneiden.
Zur Abdichtung der Verbindung zwischen
Rohrschaft und Flansch wird vor dem
Aufschrauben des Flansches ein Dicht-
mittel auf das Gewinde aufgetragen.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 6. Kapitel: Ausführung und Kennzeichnung der Formstücke 6/1

6 Ausführung und
Kennzeichnung
der Formstücke

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 6. Kapitel: Ausführung und Kennzeichnung der Formstücke 6/2

6 Ausführung und Kennzeichnung der Formstücke

Erst aus Formstücken und Rohren ergeben sich Rohrleitungen. Beim Bau erdüber-
deckter Rohrleitungen werden meist Doppelmuffenformstücke verwendet.
Formstücke mit Einsteckenden treten vermehrt an die Stelle von Flanschform-
stücken, mit deren Hilfe Armaturen mit Flanschen in die Rohrleitungen inte-
griert wurden.

Für drucklose Abwasserkanäle steht ein komplettes System spezieller Bauteile


zum Anschluss an Schächte, von Hausanschlussleitungen und zum Verschluss
von Reinigungs- und Inspektionsöffnungen sowie zum Übergang auf andere
Werkstoffe zur Verfügung. Bei Abwasserdruckleitungen wird das Formstück-
programm aus dem Wasserdruckleitungsbau eingesetzt.

6.1 Allgemeines Flanschformstücke häufig in Verbindung


mit oberirdisch verlegten Rohrleitungen,
insbesondere deshalb, weil sie wegen
Bei den Formstücken aus duktilem Guss- ihrer Längskraftschlüssigkeit keine Fest-
eisen für erdüberdeckte Rohrleitungen punkte benötigen. Zunehmend erobern
haben sich heute die Doppelmuffenform- sich längskraftschlüssige Muffen-Verbin-
stücke durchgesetzt, weil damit alle Rest- dungen auch diesen Einsatzbereich.
längen verbraucht werden können, die bei Bild 6.1 (Seite 6/2 links):
Rohrschnitten anfallen (Bild 6.1). Alle wesentlichen Anforderungen an die Muffenformstücke für Wasserleitungen
Abmessungen, Umhüllungen, Ausklei-
Für den Anschluss an Armaturen werden dungen sowie Einsatzbereiche sind in
Formstücke mit Flansch-Verbindungen Normen festgelegt. Bild 6.2 (Seite 6/2 rechts):
(Bild 6.2) eingesetzt. Ebenso benutzt man Flanschenformstücke für Wasserleitungen

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 6. Kapitel: Ausführung und Kennzeichnung der Formstücke 6/3

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 6. Kapitel: Ausführung und Kennzeichnung der Formstücke 6/4

6.2 Verbindungsarten Bei den Formstücktypen wie z. B. den Muffenformstücke bieten viele Vorteile,
überschiebbaren Muffenformstücken wie:
(U-Stücke) werden die mechanisch wir- n einfacher Einbau,
6.2.1 Muffenformstücke kenden Muffen-Verbindungen eingesetzt. n doppelte Abwinkelbarkeit
Schraubmuffen im Nennweitenbereich (zwei Muffen),
Die im Sandguss hergestellten Muffen- bis DN 400, Stopfbuchsenmuffen decken n Längsverschiebbarkeit,
formstücke sind im Allgemeinen mit den Bereich ab DN 500 und höher ab. n mögliche Längskraftschlüssigkeit an
Steckmuffen-Verbindungen der Systeme Bögen, Abzweigen und Übergangs­
TYTON®, Novo SIT®, Schraubmuffe und Wie bei den Muffenrohren sind auch die stücken.
STANDARD versehen, deren Ausführung Steckmuffen der Formstücke im Bedarfs-
mit derjenigen der Rohre übereinstimmt. fall in längskraftschlüssiger Ausführung In der Tabelle 6.1 sind die Muffenform-
Die Außenkonturen der Formstückmuf- lieferbar (Kapitel 9). stücke aufgeführt und ihre Nennweiten-
fen können gegenüber den Rohrmuf- bereiche angegeben.
fen abweichen. Das hat jedoch keinerlei
Einfluss auf die Funktionstüchtigkeit,
sondern erleichtert in vielen Fällen den
Einbau, führt zu kürzeren Bauzeiten und
erlaubt den Einsatz einfacher, handels-
üblicher Einbaugeräte.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 6. Kapitel: Ausführung und Kennzeichnung der Formstücke 6/5

Tabelle 6.1: 6.2.2 Wanddicken


Muffenformstücke für Wasserleitungen
Die Wanddicken der Formstücke ­werden
Type Kurzzeichen Symbol DN-Bereich Norm
nach der gleichen Formel, wie sie für
Flanschmuffenstück E 40–2000 EN 545 Rohre gilt, berechnet.
nicht überschiebbar
Flanschmuffenstück EU 40–2000 EN 545 e = K (0,5 + 0,001 DN) [mm] (6.1)
überschiebbar
Bei allen Formstücken ist für K = 12 ein-
Überschiebmuffe U 40–2000 EN 545
zusetzen. Die Mindestwanddicke errech-
Doppelmuffenbogen net sich nach:
- 90° MMQ 40–300 EN 545
emin = e – (2,3 + 0,001 DN) [mm] (6.2)
350–1200 Werksnorm
- 45° MMK 45 40–2000 EN 545 Hohe örtliche Spannungen, die von der
- 30° MMK 30 80–1400 DIN 28650 Form des Gussteiles abhängen (z. B. am
Innenradius von Bögen, am Übergang
- 22° MMK 22 40–2000 EN 545
vom Abzweig zum Körper bei Abzweig-
- 11° MMK 11 40–2000 EN 545 formstücken usw.), können an bestimmten
Doppelmuffenstück Stellen eine Erhöhung der tatsächlichen
Wanddicke erfordern.
- mit Flanschstutzen MMA 40–2000 EN 545
- mit Muffenstutzen MMB 40–300 EN 545 Bei Wanddicken e, die nach obiger Formel
350–1200 Werksnorm den Wert von 7,0 mm unterschreiten, ver-
einfacht sich die Beziehung zu
Doppelmuffenübergangsstück MMR 40–2000 EN 545
Muffenstück mit Einsteckstutzen MI 80–200 DIN 28650 emin = e – 2,3 [mm] (6.3)

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 6. Kapitel: Ausführung und Kennzeichnung der Formstücke 6/6

Die Wanddicken sind so bemessen, dass Tabelle 6.2:


die Formstücke den Druckstufen der Flanschformstücke für Wasserleitungen
Rohre für die Wanddickenklasse K = 10
Type Kurzzeichen Symbol DN-Bereich Norm
entsprechen.
Flanschmuffenstück E 40–2000 EN 545
6.2.3 Flanschformstücke nicht überschiebbar
Flanschmuffenstück EU 40–2000 EN 545
Im Gegensatz zu den beweglichen Muf- überschiebbar
fen-Verbindungen ist die Flansch-Verbin-
Einflanschstück F 40–2000 EN 545
dung längskraftschlüssig; sie ist starr. Ihr
Einsatz ist beim Anschluss an Armaturen Flanschbogen
üblich, sowohl bei oberirdischem Einbau 90° Q 40–1000 EN 545
als auch innerhalb von Schächten und
–1200 Werksnorm
Gebäuden sowie bei Übergängen.
45° FFK 45 40–2000 EN 545
Die gängigen Formstücktypen sind in der 30° FFK 30 80–1400 Werksnorm
Tabelle 6.2 aufgeführt.
22° FFK 22 80–1400 Werksnorm
11° FFK 11 80–1400 Werksnorm
Flanschfußbogen 90° N 40–1600 EN 545
700–1200 Werksnorm
Fußbogen 90° EN 80–1100 DIN 28650

Flanschstück mit Flanschstutzen T 40–2000 EN 545


Flanschübergangsstück FFR 40–2000 EN 545
Blindflansch X 40–2000 EN 545
Reduzierflansch XR 80–1000 EN 545

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 6. Kapitel: Ausführung und Kennzeichnung der Formstücke 6/7

6.2.4 Formstücke mit Einsteckenden Tabelle 6.3 :


Einsteckendenformstücke für Wasserleitungen
In zunehmendem Maße werden im Type Kurzzeichen Symbol DN-Bereich Norm
erdüberdeckten Rohrleitungsbau Schie-
ber und Hydranten mit Muffen eingesetzt, Einflanschstück F 40–2000 EN 545
um die aufwendige Flansch-Verbindung Muffenstück mit Einsteckstutzen MI 80–2200 DIN 28650
zu ersetzen. Einsteckstück mit Einsteckstutzen IT 80–2200 DIN 28650

Aus diesem Grunde stehen Formstücke


mit Einsteckenden zur Verfügung, die in
Verbindung mit einer Einrichtung zur
Längskraftschlüssigkeit eine gute Alter-
native zur aufwendigeren und starren
Flanschverbindung darstellen.

Die in Frage kommenden Formstück­typen


sind in der Tabelle 6.3 zusammenge-
stellt.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 6. Kapitel: Ausführung und Kennzeichnung der Formstücke 6/8

6.3 Formstücke für 6.3.1 Sattelstück


­Abwasseranlagen
Das Sattelstück dient zum dichten
Anschluss von Anschlussleitungen an
Außer den bei Druckleitungen üblichen Kanäle aus duktilen Gussrohren, die an
Formstücktypen wie Bögen, Abzweige, der Anschlussstelle mit einer Kernbohr-
Übergangsstücke und Blindflansche wer- maschine angebohrt werden.
den bei Freispiegelleitungen folgende
Teile (Bild 6.3) eingesetzt: Das Hausanschlussstück wird mit einer
n Sattelstück, speziellen Dichtung an dieser Bohrung Bild 6.4:
n Reinigungsdeckel, montiert. Sattelstücke für Abwasserleitungen
n Schachtanschlussstück,
n Rohrreinigungskasten, Folgende Ausführungen finden häufigen
n Übergangsstücke auf Einsatz (Bild 6.4): 6.3.2 Schachtanschlussstück
andere Werkstoffe. n mit Zulauf unter 45° (1) und (2),
n mit rechtwinkligem Zulauf (3) Das Schachtanschlussstück, dessen Innen-
und (4), kontur der TYTON®-Muffe entspricht,
n mit DN 150 und DN 200, dient dem Anschluss einer Abwasserlei-
n mit Einsteckenden für Rohre aus duk- tung an ein Bauwerk der Ortsentwässe-
tilem Gusseisen (1) und (3) oder ande- rung. Es ist gleichzeitig ein Gelenk, das die
ren Werkstoffen, Setzungen des Schachtes ohne Beschä-
n mit Muffen für Rohrenden aus ande- digung der Abwasserleitung oder des
ren Werkstoffen (2) und (4). Schachtes ausgleichen kann. Wegen des
hohen Arbeitsvermögens von Rohren aus
duktilem Guss­eisen muss kein Kurzge-
lenkstück eingebaut werden. Der Schacht
mit zwei Schachtanschluss­stücken fun-
giert als Doppelmuffenformstück, und
Bild 6.3: Rohre ganzer oder geschnittener Länge
Abwasserformstücke können eingebaut werden.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 6. Kapitel: Ausführung und Kennzeichnung der Formstücke 6/9

Die Umkehr der Fließrichtung in der Ver- Tabelle 6.4:


bindung ist, wie bei Druckleitungen, ohne Abwasserformstücke
Belang.
Type Kurzzeichen Symbol DN-Bereich Norm
6.3.3 Reinigungsdeckel, Flanschmuffenstück E 40–2000 EN 545
­Rohrreinigungskasten nicht überschiebbar
Flanschmuffenstück EU 40–2000 EN 545
Für die Reinigung und Inspektion von überschiebbar
geschlossenen Kanälen, z. B. in Trink-
wasserschutzgebieten, verwendet man, Einflanschstück F 40–2000 EN 545
zumeist in Schächten, Rohrreinigungs­ Überschiebmuffe U 40–2000 EN 545
deckel (Bild 6.3) oder auch aufge- Doppelmuffenbogen
schweißte Rohrreinigungskästen. Diese
sind für alle Nennweiten einsetzbar. 90° MMQ 100–2000 EN 598
45° MMK 45 100–2000 EN 598
Ihre Vorteile: 30° MMK 30 80–1400 DIN 28650
n leichte Handhabung,
n an jeder Stelle an dem Rohrschaft
22° MMK 22 100–2000 EN 598
montierbar, 11° MMK 11 100–2000 EN 598
n nachträglich anzubringen,
Doppelmuffenstück
n Einsatz auch bei Abwasserdrucklei-
-  mit Flanschstutzen MMA 40–2000 EN 545
tungen.
- mit Muffenstutzen 90° MMB 150–2500 EN 598
Die Größe des Deckels erlaubt sowohl - DN 100-250
den Einsatz von Rohrreinigungsgeräten - mit Muffenstutzen 45° MMC 150–2500 EN 598
wie Molche, Bürsten oder Hochdruck­ - DN 100-250
reinigungsdüsen als auch das Einbringen
- mit Einsteckstutzen 90° MMI 90 150–2500 EN 598
von Fernsehkameras.
- DN 100-250

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 6. Kapitel: Ausführung und Kennzeichnung der Formstücke 6/10

Type Kurzzeichen Symbol DN-Bereich Norm Tabelle 6.4 gibt eine Übersicht über die
Formstücke für Abwasserdruckleitungen
- mit Einsteckstutzen 45° MMI 45 150–2500 EN 598 sowie für drucklose Freigefällekanäle.
- DN 100-250
Einsteckstück Die Formstücke für Trinkwasser- und
- mit Einsteckstutzen 90° IT 150–2500 EN 598 Ab­wasserleitungen werden mit unter-
- DN 100-250 schiedlichen Umhüllungen und Ausklei-
dungen geliefert. Deren Einsatzbereiche
- mit Einsteckstutzen 45° IC 150–2500 EN 598 sind in den Kapiteln 14 und 15 beschrie-
- DN 100-250 ben.
Schachtanschlussstück SCH 150–2000 EN 598
TYTON -Kupplung
®
MM 100–2000 EN 598
6.4 Einsatzbereiche
Anbohrsattelstück
- mit Einsteckstutzen 45° SI 45 200–2000 EN 598
- DN 150-250 Die Formstücke und Zubehörteile aus
- mit Einsteckstutzen 90° SI 90 200–2000 EN 598 duktilem Gusseisen sowie deren Ver-
- DN 150-250 bindungen sind im Rahmen der üblichen
Betriebsdruckbereiche einsetzbar. Das
- mit Muffenstutzen 45° SM 45 200–2000 EN 598
betrifft die Rohre für die Wasserversor-
- DN 150-250
gung und die Abwasserentsorgung.
- mit Muffenstutzen 90° SM 90 200–2000 EN 598
- DN 150-250 Sonderfälle, wie z.  B. der Einbau in
Rohrreinigungsstück Dükerleitungen oder der Einbau mit
geringer Überdeckungshöhe oder höhere
- mit Muffen RR 100–2400 EN 598
Innendruckbelastungen oder spezielle
- mit Einsteckenden RS 100–2400 EN 598 Außen- oder Innenschutzarten, können
Rohrreinigungsdeckel RD 150–1200 EN 598 durch zusätzliche Maßnahmen bei der
Fertigung, aber auch beim Einbau berück-
Blindflansch X 40–2000 EN 545
sichtigt werden.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/1

7 Armaturen

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/2

7 Armaturen
Armaturen sind Bauteile in Rohrleitungssystemen, die neben der Funktion des
„Leitens des Mediums“ (Umlenkung, Änderung der Nennweite) auch die Funk-
tionen des Absperrens oder der Regelung von Durchflussmenge und Druck
erfüllen. Je nach Einsatz sind unterschiedliche Werkstoffe gebräuchlich. Das
folgende Kapitel behandelt die Armaturen, deren Hauptbestandteil Gusseisen
mit Kugelgrafit ist.

7.1 Armaturen aus Gusseisen 7.1.1 Einteilung der Armaturen Bei der Absperrfunktion sind nur die
mit Kugelgrafit Hubstellungen „vollständig offen“ oder
Generell lassen sich Armaturen nach „geschlossen“ zulässig. Bei Regelarma-
Der folgende Abschnitt enthält allge- n Funktionsmerkmalen, turen sind hingegen auch alle Zwischen-
meine Angaben zu Funktion, Bauart, n Grundbauarten und stellungen erlaubt.
Anschluss und Werkstoff. Diese Anga- n Anschlussarten
ben sind für alle Armaturen verbindlich. unterscheiden. Eine Einteilung der Armaturen nach
Bei Armaturen im Trinkwasserbereich Die Funktionsmerkmale von Armatu- Grundbauarten enthält Tabelle 7.1.1-02.
gelten zusätzlich die Anforderungen für ren sind in EN 736-1 [7.1-01] definiert.
Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser. Eine Einteilung der Armaturen nach Tabelle 7.1.1-03 enthält einen Vergleich
Funktionsmerkmalen enthält Tabelle von Bauarten, Anschlussmöglichkeiten
7.1.1-01. und Funktionsmerkmalen.

Absperrarmaturen sind grundsätzlich
zum Absperren von Leitungen vorgese-
hen. Durch ihre Bauweise sind sie nicht
oder nur bedingt für den Regelbetrieb
geeignet.

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/3

Tabelle 7.1.1-01:
Einteilung der Armaturen nach Funktionsmerkmalen

Armaturenbauart Art der Beeinflussung des Fluids Beispiele

Absperrarmatur Unterbrechung oder Freigabe Absperrventil, Absperrschieber,


des Stoffstroms Absperrklappe

Regelarmatur Reduzierung des Arbeitsdruckes Druckminderventil, Drosselventil

Entnahme von Durchflussstoff Probeentnahmeventil

Stellgerät Getrennte oder gemischte Regelung von Regelventil, Regelklappe, Regelhahn,


Druck, Temperatur und Menge Stellventil

Regelung eines Flüssigkeitsstandes Niveaustandsregler

Sicherheitsarmatur 1)
Verhinderung von Drucküberschreitungen Auslaufarmatur, Sicherheitsventil,
und anschließendes Absperren Sicherheitsabsperrventil

Berstscheibeneinrichtung Verhinderung von Drucküberschreitungen Berstscheibensicherung


ohne anschließendes Absperren

Rückflussverhinderer Verhinderung einer Strömungsumkehr Rückschlagventil, Rückschlagklappe


1)
 in DIN EN 736-1 [7.1-02] als Sicherheitsventil bezeichnet

Quelle der Tabelle 7.1.1-01 und der Tabelle 7.1.1-02:


Handbuch Rohrleitungsbau, Band I: Planung, Herstellung, Einrichtung
3. Auflage, Günter Wossog, Vulkan Verlag, ISBN 978-3-8027-2745-0

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/4

Tabelle 7.1.1-02: Einteilung der Armaturen nach Grundbauarten

Arbeitsweise des Abschlusskörpers

Deformation eines
geradlinig Drehung um die Achse quer zur Ströumg flexiblen Bauteils

Strömungsrichtung im Anschlussbereich
quer zur Bewegung in Bewegungsrichtung des durch den um den unterschiedlich je
des Abschlusskörpers Abschlusskörpers Abschlusskörper Abschlusskörper nach Ausführung

Bezeichnung der Grundbauarten

Schieber Ventil Hahn Klappe 1) Membranarmatur

Art des Anschlusses

Keil, Platte, Kolben, Teller, Kegel, Zylinder Kugel, Kegel (Küken), Scheibe, Platte, Membran, Schlauch
Membran, Scheibe (Kolben), Kugel, Nadel Zylinder Drehkegel
Ausführungsbeispiele

Absperrschieber, Absperrventil, Drossel- Kugelhahn, Absperrklappe, Membranabsperrarmatur,


Flachschieber, Talsperren- ventil, Sicherheitsventil, Zylinderhahn, Rückschlagklappe, exzen- Membranrückfluss-
schieber Rückschlagventil, Hydrant Kegelhahn trisches Drehkegelventil verhinderer
1)
 Hierzu gehört auch die exzentrische Drehkegelarmatur

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/5

Tabelle 7.1.1-03: Armaturenbauarten im Vergleich

Kriterium Bauart

Schieber Ventil Hahn Klappe Membranarmatur

Durchflusswiderstand gering hoch gering mittel mittel

Anschlussmöglichkeiten Flansch, Flansch, Flansch, Flansch, Flansch,


Gewinde, Steckmuffe, Gewinde Steckmuffen, Schraubmuffe
Steckmuffen, Gewinde Schweißenden
Schweißenden

Molchbarkeit ja nein ja nein nein

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/6

Die Einteilung der Armaturen nach sionsschutzes liegen ebenfalls gute


Anschlussarten wird in Kapitel 7.9 Erfahrungen vor. Über Jahrhunderte
(in Vorbereitung) behandelt. wurde ein Gusseisen verwendet, in
welchem der Grafit in Lamellenform
vorliegt (Gusseisen mit Lamellengrafit).
7.1.2 Gusseisen mit Kugelgrafit Heute wird zur Herstellung von Arma-
als Armaturenwerkstoff turengehäusen fast ausnahmslos Guss-
eisen mit Kugelgrafit nach EN 1563
Wegen ihrer vielfältigen Funktionen [7.1-03] eingesetzt.
sind Armaturen kostenintensiver und
aufwändiger aufgebaut als Rohre oder Dieser Werkstoff bietet neben den oben
Formstücke und bestehen aus mehre- genannten Eigenschaften noch zusätzlich
ren Einzelteilen. Für die Herstellung der eine hervorragende Zähigkeit, die bei den
schwierigeren Konturen ihrer Gehäuse Armaturen mit ihren vielfältigen Belas-
ist das Herstellungsverfahren „Gießen“ tungssituationen besonders wichtig ist.
optimal geeignet.
Eine Übersicht über die heute üblicher-
Der bereits sehr früh eingesetzte Werk- weise verwendeten Sorten von Guss-
stoff „Gusseisen“ besitzt neben hohen eisen mit Kugelgrafit für die Herstellung
Freiheitsgraden in der Formgebung von Armaturen und Formstücken enthält
auch hohe Festigkeit und Alterungs- Tabelle 7.1.2-01.
beständigkeit. Hinsichtlich des Korro-

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/7

Tabelle 7.1.2-01:
Gegenüberstellung der Eigenschaften verschiedener Sorten von Gusseisen mit Kugelgrafit für Armaturen nach EN 1563 [7.1-03]
und von duktilem Gusseisen für Formstücke nach EN 545 [7.1-04]

Werkstoff Verwen- Standard Zugfestig- Streck- Bruch Härte E-Modul Gefüge


dung keit Grenze dehnung [HB] [N/mm²]
Rm [MPa] RP0,2 [MPa] A5 [%]

EN-GJS-500-7 Armaturen EN 1563 500 320 7 170–230 169.000 perlitisch –


(GGG 50) und [7.1-03] ferritisch
Hydranten
EN-GJS-400-15 400 250 15 135–180 170.000 überwie-
(GGG 40) gend
ferritisch

EN-GJS-400-18LT Armaturen 400 240 18 130–175 169.000 rein


(GGG 40.3) zum Ein- ferritisch
satz
bei tief-
eren Tem-
peraturen

EN 545 [7.1-04] Form- EN 545 420 270 ≥5 < 250 170.000 überwie-
stücke [7.1-04] gend ferri-
tisch

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/8

Obwohl der Werkstoff Gusseisen mit Die modernen Korrosionsschutzarten 7.1.3 Werkstoffe im Kontakt mit
Kugelgrafit sehr weit ausgereift ist, sind von Bauteilen aus Gusseisen mit Kugel- Trinkwasser
dennoch weitere Entwicklungspotentiale grafit decken alle Einsatzgebiete hin-
für die Zukunft erkennbar: sichtlich Böden und durchgeleiteten Die am 13. Dezember 2012 in Kraft
Medien zuverlässig ab (Kapitel 14 und getretene 2. Änderungsverordnung
n Neue Formverfahren gewährleisten Kapitel 15). der Trinkwasserverordnung und darin
Gussteile höchster Präzision und besonders ihr § 17, Anforderungen an
komplexester Konfiguration, Für die Antriebswelle und andere unbe- Werkstoffe, haben zur Folge, dass künftig
n 3D-Entwicklung von Armaturen – schichtete Teile wird u. a. nichtrosten- das deutsche Umweltbundesamt recht-
Konstruktion mit FEM-Simulation, der Stahl verwendet. Schrauben werden lich verbindliche Bewertungen festlegt.
Bau der Modelleinrichtung, Erstar- mindestens in der Qualität A2 (Werkstoff Sie enthalten Prüfvorschriften, Prüf-
rungssimulation, Rapid Prototyping, Nr. 1.4301) verbaut. Spindelmuttern und parameter, methodische Vorgaben. Dazu
n Entwicklung von ADI-Werkstoffen andere tribologisch beanspruchte Bau- gehören auch Positivlisten der Ausgangs-
(ADI = Austempered Ductile Iron) mit teile bestehen meist aus Kupferlegie- stoffe, der Werkstoffe und Materialien,
Zugfestigkeit > 1.000 MPa und akzep- rungen. die mit Trinkwasser in Kontakt kommen.
tabler Dehnung, Die bisherigen UBA-Leitlinien mit frei-
n Entwicklung von Materialien mit Für die Dichtungen wird meist NBR und willigem Charakter werden durch diese
Wanddicken bis 2 mm und hohen EPDM entsprechend EN 681-1 [7.1-05] Bewertungsgrundlagen abgelöst werden.
Ermüdungsfestigkeiten (3,8  % C; eingesetzt (Kapitel 13).
2,9 % Si; 0,04 % Mn; 0,040 % Mg) bzw. Die Armaturengehäuse aus Gusseisen
Wanddickenreduzierungen durch mit Kugelgrafit sind durchweg mit
Mikrolegierungen, Epoxidharz oder Email beschichtet.
n mit Silizium dotiertes ferritisches Trinkwasser hat keinen Kontakt mit dem
Gusseisen mit verbesserten mecha- Werkstoff Gusseisen mit Kugelgrafit.
nischen Eigenschaften (bis 3,2 % Si),
EN-GJS-500-12, Die als Korrosionsschutz eingesetzten
n Entwicklung neuer Schweißzusatz- Epoxidharze erfüllen die Anforderungen
werkstoffe mit 58 % Ni zur sicheren der Leitlinie zur hygienischen Beur-
Herstellung eines perlitischen Gefü- teilung von organischen Beschich-
ges. tungen im Kontakt mit Trinkwasser des

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/9

deutschen Umweltbundesamtes (UBA) Weitere Funktionsteile wie Schieberkeile


[7.1-06]. Die Anlage 5 der Beschichtungs- bzw. Klappen und Dichtungen stehen mit
leitlinie [7.1-07] enthält eine Liste der elastomeren Werkstoffen im Trinkwasser-
Produkte mit bestandener Prüfung. kontakt. Dafür ist das DVGW-Arbeitsblatt
W 270 [7.1-08], Vermehrung von Mikroor-
Darüber hinaus sind alle trinkwasser- ganismen auf Werkstoffen für den Trink-
berührten Bauteile und Beschichtungen wasserbereich, zu beachten. Außerdem
organischer Natur auf ihre mikrobielle gilt die Elastomer-Leitlinie des Umwelt-
Bewuchsneigung nach DVGW-Arbeits- bundesamtes (UBA) [7.1-11].
blatt W 270 [7.1-08] zu prüfen.
Weiterhin sind die Anforderungen und
Für emaillierte Gehäuse mit Trinkwasser- Prüfungen der Schmierstoffleitlinie
kontakt ist beim Umweltbundesamt der des UBA [7.1-12] für die Schmierstoffe
Entwurf einer Email-Leitlinie in Vorbe- einzuhalten, die in Armaturen für die
reitung. Es ist geplant, den Entwurf 2013 Gängigkeit der beweglichen Funktions-
zu veröffentlichen und die Bewertungs- elemente bürgen.
grundlage ein Jahr später festzulegen.

Für Deutschland ist bezüglich der mit


Trinkwasser in Kontakt kommenden
metallischen Werkstoffe die DIN 50930-6
[7.1-09] zu beachten. Dabei handelt es
sich um Bauteile aus nichtrostenden
Stählen und aus Kupferlegierungen. Sie
sind in der UBA-Liste „Trinkwasserhy-
gienisch geeignete metallene Werkstoffe“
aufgeführt [7.1-10].

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/10

7.1.4 Literatur Kapitel 7.1 [7.1-04] EN 545 [7.1-06] Umweltbundesamt, Deutschland


Rohre, Formstücke, Zubehörteile UBA-Beschichtungsleitlinie –
[7.1-01] EN 736-1 aus duktilem Gusseisen und ihre Leitlinie zur hygienischen
Valves - Terminology – Verbindungen für Wasser- Beurteilung von organischen
Part 1: Definition of types leitungen – Beschichtungen im Kontakt mit
of valves Anforderungen und Trinkwasser
[Armaturen - Terminologie – Prüfverfahren [UBA-Coatings Guideline –
Teil 1: Definition der [Ductile iron pipes, fittings, Guideline for the hygienic
Grundbauarten] accessories and their joints for assessment of organic coatings
1995 water pipelines – in contact with drinking water]
Requirements and test methods] 2010-11
[7.1-02] DIN EN 736-1 2010
Armaturen - Terminologie – [7.1-07] Umweltbundesamt, Deutschland
Teil 1: Definition der Grund- [7.1-05] EN 681-1 Anlage 5 der Leitlinie zur
bauarten; Elastomeric seals – Material hygienischen Beurteilung von
Deutsche Fassung EN 736-1:1995 requirements for pipe joint seals organischen Beschichtungen im
[Valves – Terminology – used in water and drainage Kontakt mit Trinkwasser,
Part 1: Definition of applications – Organische Beschichtungen mit
types of valves; Part 1: Vulcanized rubber bestandener Prüfung
German version EN 736-1:1995] [Elastomer-Dichtungen – entsprechend dieser Leitlinie,
1995-04 Werkstoff-Anforderungen Beschichtungen auf Epoxidharz-
für Rohrleitungs-Dichtungen für basis
[7.1-03] EN 1563 Anwendungen in der Wasser - [Coatings Guideline –
Founding - Spheroidal graphite versorgung und Entwässerung – Annex 5 (list of products) PDF /
cast irons Teil 1: Vulkanisierter Gummi] 60 KB, in German]
[Gießereiwesen - Gusseisen mit 1996 + A1:1998 + A2:2002 + 2011-11-15
Kugelgraphit] AC:2002 + A3:2005
2011

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/11

[7.1-08] DVGW-Arbeitsblatt W 270 Part 6: Evaluation process and [7.1-12] Umweltbundesamt, Deutschland
Vermehrung von Mikroorga-
requirements regarding the UBA-Schmierstoffleitlinie –
nismen auf Werkstoffen für den hygienic suitability in contact Leitlinie zur hygienischen Beur-
Trinkwasserbereich – with drinking water] teilung von Schmierstoffen im
Prüfung und Bewertung 2013-01 Kontakt mit Trinkwasser
[Enhancement of microbial (Sanitärschmierstoffe)
growth on materials in contact [7.1-10] Umweltbundesamt, Deutschland [UBA- Lubricant Guideline –
with drinking water – Empfehlung – Guideline for the hygienic
Test methods and assessment] Trinkwasserhygienisch geeig- assessment of lubricants in contact
2007-11 nete metallene Werkstoffe with drinking water
[Recommendation – (sanitary lubricants)]
[7.1-09] DIN 50930-6 List of metallic materials suitable 2010-11
Korrosion der Metalle – for contact with drinking water]
Korrosion metallener Werkstoffe 2012-12
im Innern von Rohrleitungen,
Behältern und Apparaten bei [7.1-11] Umweltbundesamt, Deutschland
Korrosionsbelastung durch UBA-Elastomerleitlinie –
Wässer – Leitlinie zur hygienischen Beur-
Teil 6: Bewertungsverfahren und teilung von Elastomermaterialien
Anforderungen hinsichtlich der im Kontakt mit Trinkwasser
hygienischen Eignung in Kontakt (Elastomerleitlinie)
mit Trinkwasser [UBA-Rubber Guideline –
[Corrosion of metals – Guideline for the hygienic assess-
Corrosion of metallic materials ment of elastomer materials in
under corrosion load by water contact with drinking water
inside of pipes, tanks and (Elastomer Guideline)]
apparatus – 2012-05

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/12

7.2 Korrosionsschutz von Die Epoxidharz-Pulver-Beschichtung dardisiert. Vor allem die RAL - GZ 662
Armaturen aus Gusseisen stellt eine nahtlose homogene Rundum- [7.2-05] als Regelwerk der Gütegemein-
mit Kugelgrafit beschichtung (innen und außen) sicher. schaft Schwerer Korrosionsschutz von
Da Korrosion vorzugsweise an Übergän- Armaturen und Formstücken durch Pul-
gen verschiedener Beschichtungsarten verbeschichtung e. V. (GSK) stellt erhöhte
7.2.1 Epoxidharz-Beschichtung beginnt, ist eine porenfreie fehlerlose Anforderungen an die Epoxidharz-Pul-
Beschichtung der beste Schutz gegen ver-Beschichtung. Sie weist folgende
Die Epoxidharz-Beschichtung von Arma- Korrosion. Glatte Innenoberflächen Eigenschaften aus:
turen hat sich zwischenzeitlich zur Stan- sichern damit einen hohen Schutz gegen
dardbeschichtung aller Armaturen im Abrasion und Inkrustation. n Hygienische und bakteriologische
Bereich Rohwasser, Trinkwasser und Sicherheit,
Abwasser entwickelt hat. Aufgrund der hohen Haftung, der Härte n chemische Beständigkeit,
sowie der duroplastischen Formstabili- n glatte Oberfläche,
Neben der Verwendung von hochwer- tät der Beschichtung kann die Epoxid- geringe Inkrustationsneigung,
tigen Epoxidharzlacken hat sich bei den harz-Pulver-Beschichtung ebenfalls an n Porenfreiheit sowohl innen als auch
Armaturen besonders die umwelt- Anlageflächen von Dichtelementen bei außen (Prüfspannung 3 kV),
freundliche und lösungsmittelfreie Armaturen verwendet werden. n hohe Schlag- und Druckbeständigkeit,
Epoxidharz-Pulver-Beschichtung, auch n geeignet für alle Bodenklassen ent-
(EP)-Beschichtung genannt, durchge- Epoxidharz-Pulver-Beschichtungen sprechend DIN 50929-3 [7.2-06],
setzt. Die Haftung des aufschmelzenden benötigen für den Beschichtungsprozess OENORM B 5013-1 [7.2-07] und
Beschichtungspulvers entsteht hierbei einen geringen Energieeinsatz. DVGW-Arbeitsblatt GW 9 [7.2-08],
durch Adhäsion und Chemosorption an n Schichtdicke ≥ 250 µm,
der zuvor gestrahlten Metalloberfläche. Entsprechend der Epoxidharz-Pulver- n Integralschutz (übergangslos),
Beschichtung von Formstücken nach n hohe Haftfestigkeit von mindestens
Der porenfreie, integrale Vollschutz der EN 14901 [7.2-01] sind Außen- und 12 N/mm² nach 7 Tagen Heißwasser-
Epoxidharz-Pulver-Beschichtung mit Innenbeschichtungen aus Epoxid- lagerung,
einer Mindestschichtdicke von 250 µm harz für Armaturen (Bilder 7.2.1-01, n keine Emissionen von Lösemitteln
schützt die Armatur dauerhaft in allen 7.2.1-02 und 7.2.1-03) in den Regelwer- beim Beschichten,
Bodenklassen. Die glatte Innenoberfläche ken DIN 30677-1 [7.2-02], DIN 30677-2 n Beständigkeit gegenüber Gasen nach
verhindert zudem Inkrustationen. [7.2-03] und DIN 3476 [7.2-04] stan- DVGW-Arbeitsblatt G 260 [7.2-09].

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/13

Bild 7.2.1-01: Bild 7.2.1-03:


Absperrklappe – innen und außen mit Rückschlagklappe –
Epoxidharz-Pulver nach RAL - GZ 662 Außen- und Innenbeschichtungen mit
[7.2-05] beschichtet Epoxidharz-Pulver nach RAL - GZ 662
[7.2-05]

Bild 7.2.1-02:
Schieber mit Flanschen – Epoxidharz-Pulver-
Beschichtung, innen und außen
nach RAL - GZ 662 [7.2-05]

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/14

Die Applikation erfolgt durch elektro-


statisches Pulverbeschichten mittels
Pistole (Bild 7.2.1-04) bzw. im Wirbelsin-
terverfahren (Bilder 7.2.1-05., 7.2.1-06
und 7.2.1-07), wobei mit beiden Ver-
fahren bei Einhaltung entsprechender
Prozessparameter gleichbleibend hohe
Beschichtungsqualität erreicht wird.

Voraussetzung für eine qualitätsgerechte


Pulver-Beschichtung ist die Oberflächen-
vorbereitung der Teile. Dazu werden die Bild 7.2.1-04: Bild 7.2.1-05:
zu beschichteten Armaturenteile unmit- Elektrostatischer Epoxidharz-Pulver- Epoxidharz-Pulver-Auftrag mit
telbar vor dem Beschichtungsprozess Auftrag mit Sprühpistole Roboter im Wirbelsinterverfahren
gestrahlt. Die Teile werden somit von
Schmutz, Rost, Fett und Feuchtigkeit
befreit und erhalten durch das Strah-
len einen Reinheitsgrad von SA 2½ nach
EN ISO 12944-4 [7.2-10]. Eine ständige
Reinigung des Strahlmittelumlaufes von
Verunreinigungen, wie in den GSK-Richt-
linien beschrieben, ist eine der wesent-
lichen Voraussetzungen für die sehr guten
Haftungseigenschaften.

Danach werden die Armaturenteile je


nach verwendetem Epoxidharz-Pulver
im Ofen auf etwa 190 °C bis 200 °C Bild 7.2.1-06: Bild 7.2.1-07:
erhitzt. Im folgenden Beschichtungs- Eintauchen eines Armaturen- Im Wirbelsinterbad beschichtetes
prozess werden die erhitzten Teile mit gehäuses in das Wirbelsinterbad Schiebergehäuse

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/15

Epoxidharz-Pulver besprüht bzw. in ein tung wird anschließend bei etwa 200 °C
Wirbelsinterbecken getaucht. Aufgrund nachgehärtet. Die dadurch entstehende
der raschen Vernetzung können z. B. die untrennbare Verbundschicht bewirkt
wirbelsinter-beschichteten Teile bereits nicht nur einen sehr guten Korrosions-
nach ungefähr 30 Sekunden abgestellt schutz, sondern sichert auch einen lang
werden, ohne dass die Beschichtung anhaltenden Lichtschutz der Armatur.
durch Druckstellen geschädigt wird.
Nach Abschluss des Beschichtungs-
prozesses kühlen die Teile bis auf Raum- 7.2.2 Email-Beschichtung
temperatur langsam ab.
Als hervorragender und dauerhafter
Daran schließt sich eine umfangreiche Korrosionsschutz hat sich Email seit über
Qualitätsprüfung an, die die Überwa- 50 Jahren in der Wasserversorgung Bild 7.2.2-01:
chung der Schichtdicken und Schlag- etabliert. Armatur mit Komplett-Emaillierung
beständigkeit an Originalteilen enthält.
Diese Prüfung wird zusätzlich durch Seit Ende der 90er Jahre wurde begon-
Untersuchung der Unterwanderung, der nen, Email auf die Außenbeschichtung 7.2.2.1 Anforderungen sowie
Haftfestigkeit nach 7 Tage Heißwasser- zu übertragen, um eine integrale, über- Eigenschaften der Email-
lagerung und der Vernetzung begleitet. gangslose Beschichtung zu erhalten. Beschichtung
Hinsichtlich des Werkstoffs, der Her-
Für Armaturen im Außenbereich, bei- stelltechnik sowie der Prüftechnik steht Die Anforderungen an die Email-
spielsweise Überflurhydranten, besteht seit einigen Jahren ein erprobtes, Beschichtung sind in DIN 51178 [7.2-11]
die Notwendigkeit, die Epoxidharz- geschlossenes Beschichtungssystem und in der DEV-Richtlinie „Qualitätsan-
Pulver-Beschichtung vor längerer UV- „Komplett-Email“ (Bild 7.2.2-01) zur forderungen und Prüfvorschriften für
Beeinflussung zu schützen. Hierbei Verfügung, das inzwischen seinen Weg emaillierte Gussarmaturen und Druck-
hat sich bewährt, auf den noch heißen in die praktische Anwendung im Bereich rohrformstücke für die Roh- und Trink-
Epoxidharzfilm bei etwa 170 °C eine des Transports von Rohwasser, Trink- wasserversorgung“ [7.2-12] festgelegt.
zusätzliche Polyester-Beschichtung der wasser und Abwasser gefunden hat. Eine Prüfung nach DVGW-Arbeitsblatt
äußeren Oberfläche von etwa 100 µm W 270 [7.2-13] ist nicht erforderlich, da
aufzubringen. Diese Duplex-Beschich- sie ausschließlich auf die mikrobielle

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/16

Bewuchsneigung organischer Mate-


rialien ausgerichtet ist. Als rein anorga-
nischer Werkstoff bietet die Emaillierung
keinerlei Nährstoffe für Mikroorganis-
men und fördert somit auch keine Bildung
von Biofilmen.

7.2.2.2 Komplett-Emaillierung

Das Beschichtungssystems „Komplett-


Email“ hat zwei weitere, für den Innen-
bereich irrelevante, Anforderungen zu
erfüllen:

n Hohe Schlagfestigkeit des Email-


verbundes,
n Beständigkeit gegenüber den Korro-
sionsbeanspruchungen der Boden-
klasse III (stark aggressive Böden)
nach den Vorgaben der DIN 50929-3
[7.2-06], der OENORM B 5013-1
[7.2-07] und des DVGW-Arbeitsblattes
GW 9 [7.2-08].

Die feindisperse Einlagerung von Kleinst- Bild 7.2.2-02:


partikeln unterdrückt die Entstehung Detailaufnahme einer Email-Verbundschicht mit Gusseisen mit Kugelgrafit;
und Ausbreitung von Rissen bei lokaler Rasterelektronenmikroskopaufnahme, Fraunhofer-Institut ISC, Würzburg
Überbeanspruchung, z. B. Schlag oder
Stoß.

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/17

Mit einer Komplett-Emaillierung dieses baren feinen Umrisse sind die Hinter-
Qualitätsstandards vereinigen sich die schneidungen zwischen Guss und Email.
werkstoffspezifischen Vorteile des Emails Nach oben anschließend ist ein homo-
wie folgt: gen gemischt erscheinender Saum von
etwa 2 µm erkennbar. Darüber schließt
n Integralschutz (übergangslos), sich die eigentliche Verbundschicht von
n hygienische und bakteriologische deutlich über 10 µm Dicke an mit unter-
Sicherheit, schiedlichen Ausscheidungen und Ein-
n geeignet für alle Bodenarten, lagerungen.
n hohe Schlag- und Druckbeständigkeit,
n diffusionsdicht, Bei der Emaillierung von Armaturen
n Unterwanderungssicherheit, auch bei aus Gußeisen mit Kugelgrafit bestim- Bild 7.2.2-03:
lokaler Verletzung der Oberfläche, men eine Reihe wesentlicher Fertigungs- Schiebergehäuse nach Strahlbehandlung
n Alterungsbeständigkeit. parameter und -randbedingungen die
Güte einer Emaillierung. Die chemische
Die Emaillierung zeichnet sich durch Zusammensetzung des Grundwerk-
eine intensive physikalisch chemische stoffes Gusseisen, seine Mikrostruktur,
Verbindung mit dem Grundwerkstoff aus seine Vorbehandlung und seine Ober-
(DIN 51178 [7.2-11]). Diese ist gekenn- flächenbeschaffenheit sind von entschei-
zeichnet durch Diffusionsprozesse aus dender Bedeutung.
dem Grundwerkstoff in Richtung Email
und umgekehrt während des Einbrands. Sauberes, ferritisches Gefüge in der
Daraus bildet sich eine echte Verbund- Randschicht erleichtert die Emaillierung.
schicht in einer Dicke von einigen, je nach Die thermisch/mechanische Vorbehand-
Werkstoffsystem auch bis zu einigen -zig lung ist die zweite wesentliche Voraus-
Mikrometern (Bild 7.2.2-02). setzung. Sauberes, abrasiv wirkendes
Strahlgut reinigt die Oberfläche der Bild 7.2.2-04:
Im Bild ist die Mikro-Rauhigkeit der Gussstücke, aktiviert sie und vergrößert Schlickerauftrag auf der
Oberfläche des Gussteils (hell, unten) die spezifische Oberfläche. Außenseite von Schiebergehäusen
deutlich sichtbar. Die darin erkenn- durch Aufsprühen

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/18

Daraus leitet sich die Forderung nach


einem zügigen Produktionsablauf ab

n Vorbehandlung (Bild 7.2.2-03),


n Auftragen des Emailschlickers
(Bild 7.2.2-04),
n Trocknung (Bild 7.2.2-05),
n Emailbrennen
(Bilder 7.2.2-06 und 7.2.2-07).

Bild 7.2.2-05: Bild 7.2.2-06: Bild 7.2.2-07:


Innen beschichtete Schiebergehäuse in Blick in den Einbrennofen Emaillierte Schiebergehäuse und
der Trocknungsstrecke Formstücke nach dem Einbrand

Basis für die Prüfung und Bewertung


emaillierter Komponenten ist die
DIN 51178 [7.2-11]. Sie beschreibt
Prüfmethoden, welche typische und
realitätsnahe Belastungen der Bauteile
simulieren.

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/19

7.2.3 Literatur Kapitel 7.2 [7.2-03] DIN 30677-2 [7.2-05]


RAL – GZ 662
Äußerer Korrosionsschutz von Güte- und Prüfbestimmungen –
[7.2-01] EN 14901 erdverlegten Armaturen; Schwerer Korrosionsschutz von
Ductile iron pipes, fittings and Umhüllung aus Duroplasten Armaturen und Formstücken
accessories – (Außenbeschichtung) für erhöhte durch Pulverbeschichtung –
Epoxy coating (heavy duty) of Anforderungen Gütesicherung
ductile iron fittings and [External corrosion protection of [Quality and test provisions –
accessories – buried valves; Heavy duty corrosion protection
Requirements and test methods heavy-duty thermoset plastics of valves and fittings by powder
[Rohre, Formstücke und Zubehör coatings] coating –
aus duktilem Gusseisen – 1988-09 Quality assurance]
Epoxidharzbeschichtung 2008
(für erhöhte Beanspruchung) [7.2-04] DIN 3476
von Formstücken und Zubehör- Armaturen und Formstücke für [7.2-06] DIN 50929-3
teilen aus duktilem Gusseisen – Roh- und Trinkwasser – Korrosion der Metalle;
Anforderungen und Korrosionsschutz durch EP-Innen- Korrosionswahrscheinlichkeit
Prüfverfahren] beschichtung aus Pulverlacken (P) metallischer Werkstoffe bei
2006 bzw. Flüssiglacken (F) – äußerer Korrosionsbelastung;
Anforderungen und Prüfungen Rohrleitungen und Bauteile in
[7.2-02] DIN 30677-1 [Valves and fittings for untreated Böden und Wässern
Äußerer Korrosionsschutz von and potable water – [Corrosion of metals;
erdverlegten Armaturen; Protection against corrosion by probability of corrosion of metallic
Umhüllung (Außenbeschichtung) internal epoxy coating of coating materials when subject to
für normale Anforderungen powders (P) or liquid varnishes (F) – corrosion from the outside;
[Corrosion protection of burried Requirements and tests] buried and underwater pipelines
valves; 1996-08 and structural components]
coating for normal requirement] 1985-09
1991-02

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/20

[7.2-07] ÖNORM B 5013-1 [7.2-09] DVGW-Arbeitsblatt G 260 [Vitreous and porcelain enamels-
Oberflächenschutz mit Gasbeschaffenheit Inside and outside enamelled
organischen Schutzmaterialien [Gas quality] valves and pressure pipe fittings
im Siedlungswasserbau – 2013-03 for untreated and potable water
Teil 1: Abschätzung der Korrosions- supply –
wahrscheinlichkeit und Schutz von [7.2-10] EN ISO 12944-4 Quality requirements and testing]
unlegierten und niedriglegierten Paints and varnishes – 2009-10
Eisenwerkstoffen Corrosion protection of steel struc-
[Corrosion protection by organic tures by protective paint systems – [7.2-12] DEV-Richtlinie
coatings for water and waste- Part 4: Types of surface and Qualitätsanforderungen und
water engineering in residential surface preparation Prüfvorschriften für emaillierte
areas – [Beschichtungsstoffe – Gussarmaturen und Druckrohr-
Part 1: Assessment of corrosion Korrosionsschutz von Stahlbauten formstücke für die Roh- und Trink-
probability and protection of durch Beschichtungssysteme – wasserversorgung
unalloyed and low-alloyed ferrous Teil 4: Arten von Oberflächen und [Quality requirements and test speci-
materials] Oberflächenvorbereitung] fications for enamelled cast iron
2013-12-1 1998 valves and ductile iron fittings for
untreated and potable water supply]
[7.2-08] DVGW-Arbeitsblatt GW 9 [7.2-11] DIN 51178 2006-09-27
Beurteilung der Korrosions- Emails und Emaillierungen –
belastungen von erdüberdeckten Innen- und außenemaillierte [7.2-13] DVGW-Arbeitsblatt W 270
Rohrleitungen und Behältern aus Armaturen und Druckrohr Vermehrung von Mikro-
unlegierten und niedrig legierten formstücke für die Roh- und organismen auf Werkstoffen für
Eisenwerkstoffen in Böden Trinkwasserversorgung – den Trinkwasserbereich –
[Assessment of the corrosion Qualitätsanforderungen und Prüfung und Bewertung
level of buried pipes and tanks in Prüfung [Enhancement of microbial
unalloyed and low-alloyed ferrous growth on materials in contact
materials in soils] with drinking water –
2011-05 Test methods and assessment]
2007-11

07.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/21

7.3 Hydraulische Grundlagen und 7.3.1 Hydraulische Grundlagen widerstand addiert werden. Der Wider-
Auslegung von Armaturen stand eines Bauteils kann rechnerisch
Physikalische Gesetzmäßigkeiten beein- oder durch hydraulische Messungen
Armaturen sind für den jeweiligen flussen Bauart, Nennweite und Aus- ermittelt werden. Man erhält somit den
Anwendungsfall auszulegen, damit sie rüstung von Regelarmaturen. Diese Widerstandsbeiwert, Zeta genannt. Als
die gewünschten Funktionen richtig Gesetzmäßigkeiten sind somit auch für Formelzeichen wird i. d. R. der griechische
erfüllen. Im Folgenden werden einige die Auswahl der Regelarmatur maßge- Buchstabe ζ (Zeta) verwendet.
Erläuterungen für die grundsätzliche bend.
Auslegung von Armaturen gegeben. 7.3.1.2 Druck
7.3.1.1 Widerstandsbeiwert
Die verwendeten Begriffe sind der Die Gleichung von Bernoulli beschreibt
EN 736-1 [7.3-01], EN 736-2 [7.3-02] und Werden Festkörper aufeinanderliegend die Veränderungen der Drücke im Ver-
EN 736-3 [7.3-03] entnommen. gegeneinander bewegt, ist ein Wider- lauf einer durchströmten Rohrleitung.
stand zu überwinden. Dieser Widerstand Diese Gleichung wird auch als Satz von
Bei der Auslegung von Armaturen ist die wird u. a. durch die Rauheit der Ober- der Erhaltung der Energie bezeichnet.
Unterscheidung in Absperrarmaturen flächen, die aufeinander liegen, bestimmt. Bernoulli geht davon aus, dass beim
und Regelarmaturen ein wichtiger Aspekt. Gleiches gilt auch in der Kombination Durchströmen einer Leitung keine
Während Absperrarmaturen in der Regel zwischen Festkörper und Flüssigkeit, Energie verloren geht, sondern ledig-
nach der Nennweite und Druckstufe der z. B. Wasser. Die Rauheit der Ober- lich umgewandelt wird. Der Energiege-
Rohrleitung ausgewählt werden, erfolgt fläche des Festkörpers bestimmt die Höhe halt eines in einem Rohr strömenden
die Auswahl einer Regelarmatur nach den des Widerstandes. Je rauer die Ober- Mediums lässt sich wie folgt beschreiben.
hydraulischen Anforderungen an die zu fläche, umso höher der Widerstand.
erfüllende Regelaufgabe. Aber auch die Geometrie des die Es enthält:
Strömung führenden Festkörpers beein-
Zur Unterstützung der Anwender bei der flusst den Widerstand; Umlenkungen n Druckenergie p [N/m²]
Auswahl der richtigen Armatur geben erhöhen ihn. Auf diese Weise kann man
die Hersteller armaturenspezifische - Stromlinie
Bauteile entlang der Druckenergie p [N/m²] n Potentielle (Lage) Energie
betrach-
technische Daten heraus. - Potentielle
ten und für jede Stelle (Lage) Energie
den Widerstand Epot = 𝑔𝑔𝑔𝑔 ∗ 𝜌𝜌𝜌𝜌 ∗ 𝑧𝑧𝑧𝑧 [N/m²]
[N/m²] (7.3.1) (7.3.1)
𝜌𝜌𝜌𝜌
- Kinetische
bestimmen. Letztendlich die ein-durch Geschwindigkeit Ekin = ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐 2 [N/m²]
könnenEnergie (7.3.2)
2
zelnen Widerstände zu einem Gesamt-
- Reibungsarbeit
𝜌𝜌𝜌𝜌
w = ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐 2 ∗ ∑ ξ [N/m²] (7.3.3)
R
2
08.2015
- c = Fließgeschwindigkeit des Mediums bezogen auf die Nennweite [m/s]
- ξ = Zeta-Wert [-]
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/22

Zwischen dem Eintritt (Punkt 1) und dem Austritt (Punkt 2) verändern sich diese
Energieanteile (Bild 7.3.1).
n Kinetische Energie durch Reduziert man die Anwendung auf die
t= 𝑔𝑔𝑔𝑔 ∗ 𝜌𝜌𝜌𝜌 ∗ Geschwindigkeit
𝑧𝑧𝑧𝑧 [N/m²] (7.3.1) Regelarmatur, können Vereinfachungen
chwindigkeit 𝜌𝜌𝜌𝜌
Ekin = 2 ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐 2 [N/m²][N/m²]
(7.3.2) (7.3.2) getroffen werden. So entfällt die poten-
ckenergie p [N/m²] tielle Energie, da der Höhenunterschied
∑ ξ [N/m²]
entielle (Lage) Energie Epot = 𝑔𝑔𝑔𝑔 ∗ 𝜌𝜌𝜌𝜌 ∗ 𝑧𝑧𝑧𝑧(7.3.3)
[N/m²] (7.3.1) zwischen Eintritt und Austritt der Arma-
𝜌𝜌𝜌𝜌
etische Energie durch Geschwindigkeit Ekin = 2 ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐 2 [N/m²]
n Reibungsarbeit (7.3.2) tur keinen nennenswerten Einfluss hat.
𝜌𝜌𝜌𝜌
bungsarbeit wR = 2 ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐 2 ∗ ∑ ξ [N/m²]
[N/m²] (7.3.3) (7.3.3)
Ebenso kann die kinetische Energie ver-
ediums [kg/m³] nachlässigt werden, da die Geschwin-
1 [m/s²] Legende: digkeit, bezogen auf die Nennweite der
ρ = Dichte des strömenden Mediums Leitung, vor und nach dem Ventil gleich
Dichte des
Mediums strömenden
bezogen Mediums
auf die [kg/m³]
Nennweite [m/s]
[kg/m³]= 9,81 [m/s²]
Erdbeschleunigung ist und bleibt.
Höhe [m]g = Erdbeschleunigung = 9,81 [m/s²] Bild 7.3.1:
z = Höhe [m]des Mediums bezogen auf die Nennweite
Fließgeschwindigkeit Veränderung der Energieanteile zwischen
[m/s]
Zeta-Wertc [-]
= Fließgeschwindigkeit des Mediums Punkt 1 und Punkt 2 einer Leitung
dem Austritt (Punkt 2) verändern sich diese
bezogen auf die Nennweite [m/s]
ξ = Zeta-Wert [-] Bild 7.3.1:
dem Eintritt (Punkt 1) und dem Austritt (Punkt 2) verändern sich diese
Veränderung der Energieanteile zwischen Punkt 1 und Punkt 2 einer Leitung
teile (BildZwischen
7.3.1). dem Eintritt (Punkt 1) und dem Schon allein die Tatsache, dass auf dem
Austritt (Punkt 2) verändern sich diese Weg durch die Leitung Reibung überwun-
Energieanteile (Bild 7.3.1). Schon alleinemuss,
den werden die Tatsache, dass auf dem Weg durch die Leitung Reibung
führt zur Veränderung
überwunden werden muss, führt zurEner-
der Energieanteile. So lässt sich der Veränderung der Energieanteile. So lässt sich
der Energiezustand
giezustand wie folgtwie folgt beschreiben:
beschreiben:
𝜌𝜌𝜌𝜌 𝜌𝜌𝜌𝜌 𝜌𝜌𝜌𝜌
𝑝𝑝𝑝𝑝1 + 𝜌𝜌𝜌𝜌 ∗ 𝑔𝑔𝑔𝑔 ∗ 𝑧𝑧𝑧𝑧1 + 𝑐𝑐𝑐𝑐12 = 𝑝𝑝𝑝𝑝2 + 𝜌𝜌𝜌𝜌 ∗ 𝑔𝑔𝑔𝑔 ∗ 𝑧𝑧𝑧𝑧2 + ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐22 + ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐22 ∗ ∑ ξ = 𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐.
2 2 2
[N/m²] (7.3.4)
[N/m²] (7.3.4)

Reduziert man die Anwendung auf die Regelarmatur, können Vereinfachungen


getroffen werden. So entfällt die potentielle Energie, da der Höhenunterschied
zwischen Eintritt und Austritt der Armatur keinen nennenswerten Einfluss hat.
08.2015 Ebenso kann die kinetische Energie vernachlässigt werden, da die Geschwindigkeit,
𝜌𝜌𝜌𝜌
2
𝑝𝑝𝑝𝑝oder
oder 2 = ∆𝑝𝑝𝑝𝑝 = 2 ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐 ∗ ∑ ξ [N/m²]
1 −umgestellt
𝑝𝑝𝑝𝑝umgestellt (7.3.6)

𝜌𝜌𝜌𝜌 𝜌𝜌𝜌𝜌
𝑝𝑝𝑝𝑝7.3.1.3 Durchflussgeschwindigkeit
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/23
1𝑝𝑝𝑝𝑝−
1−𝑝𝑝𝑝𝑝2𝑝𝑝𝑝𝑝
= = = ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐∗2𝑐𝑐𝑐𝑐∗2 ∑
∆𝑝𝑝𝑝𝑝∆𝑝𝑝𝑝𝑝
2 = ∗ ξ∑ ξ[N/m²]
[N/m²] (7.3.6)
(7.3.6)
2 2
bezogenauf
bezogen aufdie dieNennweite
Nennweiteder derLeitung,
Leitung,vor
vorund
undnachnachdem demVentil
Ventilgleich
gleichististund
und
Mit der Durchflussgeschwindigkeit wird die Geschwindigkeit beschrieben, mit der ein
bleibt.
bleibt. 7.3.1.3
7.3.1.3 Durchflussgeschwindigkeit
Durchflussgeschwindigkeit
Medium durch ein Rohrleitungssystem befördert wird. Die Nennweiten von
Somitergibt
Somit
Somit ergibt
ergibtsich: sich:
sich: Die Kontinuitätsgleichung besagt, dass 7.3.1.4 K -Wert
Rohrleitungen sind i. d. R. unter energiesparenden Gesichtspunkten
v ausgelegt,
Mit
in derder
Mit
einer
sodass Durchflussgeschwindigkeit
Durchflussgeschwindigkeit
Rohrleitung
in an jeder Stelle
Rohrleitungssystemen wird wird
die diedie
unterschiedliche Geschwindigkeit
Geschwindigkeit
Nennweiten beschrieben,
vorhandenmit
beschrieben, derder
mit
sein einein
𝜌𝜌𝜌𝜌𝜌𝜌𝜌𝜌 2
𝑝𝑝𝑝𝑝 = 𝑝𝑝𝑝𝑝 +
𝑝𝑝𝑝𝑝11 = 𝑝𝑝𝑝𝑝22+ 2∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐 ∗ ξ [N/m²] ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐
2 ∗∑ ∑ ξ [N/m²] [N/m²] MediumMedium
gleiche durch
durchein Rohrleitungssystem
ein
Durchflussmenge (7.3.5)
Rohrleitungssystem
gegeben
(7.3.5)
können. Mit Hilfe der Kontinuitätsgleichung befördert
ist, wird.
befördert
Zur Die
wird.
Auswahl Nennweiten
Die Nennweiten
und vonvon
Dimensionierung
kann nach der optimalen Nennweite für von
2 Rohrleitungen
Rohrleitungen sind
sindi. d. R.lokalen
i. d. unter
R. energiesparenden
unter energiesparenden Gesichtspunkten
Gesichtspunkten ausgelegt,
ausgelegt, ein
(7.3.5) unabhängig
die Regelarmatur von ihrem
gesucht werden.Durch- Regelarmaturen wird üblicherweise
sodass
Die sodass
messer. in Rohrleitungssystemen
in Rohrleitungssystemen
Kontinuitätsgleichung besagt,unterschiedliche
unterschiedliche
dass in einer Nennweiten
Rohrleitung
Kennwert anvorhanden
Nennweiten jeder
eingesetzt, K vsein
vorhanden
Stelle
der sein oder
die
-Wert
oderumgestellt
oder umgestellt können.
können. Mit Hilfe
Mit der
Hilfe Kontinuitätsgleichung
der Kontinuitätsgleichung kann nach
kann nachder optimalen
der optimalen Nennweite
Nennweite fürfür
oder umgestellt gleiche Durchflussmenge gegeben ist, unabhängig von ihrem lokalen Durchmesser.
Durchflusskoeffizient.
die Regelarmatur
die
Daraus
Daraus Regelarmatur
folgt:
folgt: gesucht
gesucht werden.
werden.
𝜌𝜌𝜌𝜌
𝑝𝑝𝑝𝑝𝑝𝑝𝑝𝑝11−−𝑝𝑝𝑝𝑝𝑝𝑝𝑝𝑝22 ==∆𝑝𝑝𝑝𝑝∆𝑝𝑝𝑝𝑝== 𝜌𝜌𝜌𝜌 ∗∗𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐22∗∗∑∑ξξ [N/m²]
[N/m²]
[N/m²]
DieDie Kontinuitätsgleichung
Kontinuitätsgleichung besagt, dass
besagt,
(7.3.6)
(7.3.6) dass in einer Rohrleitung
in einer
Der Rohrleitung
K  -Wert istaneinjeder
an Stelle
jeder
Maß Stellediedieerziel-
für den
22 gleiche
gleiche Durchflussmenge
Durchflussmenge gegeben
gegeben ist,ist, unabhängig
unabhängig von
v
ihrem
von ihremlokalen Durchmesser.
lokalen Durchmesser.
(7.3.6) 𝐴𝐴𝐴𝐴 ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐 = 𝐴𝐴𝐴𝐴1 ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐1 = 𝐴𝐴𝐴𝐴2 ∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐2 = 𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐. baren [m³/s]
Durchsatz eines Mediums (7.3.7)
– Flüs-
DarausDaraus folgt:
folgt:
7.3.1.3 Durchflussgeschwindigkeit
7.3.1.3 Durchflussgeschwindigkeit sigkeit oder Gas – durch ein Bauteil.
2 𝜋𝜋𝜋𝜋 [m³/s] (7.3.7) Der K v-Wert wird in der Einheit [m³/h]
Mitder
derDurchflussgeschwindigkeit
Durchflussgeschwindigkeitwird wirddie 𝐴𝐴𝐴𝐴mit
∗𝐴𝐴𝐴𝐴𝑐𝑐𝑐𝑐∗𝐴𝐴𝐴𝐴
dieGeschwindigkeit
Geschwindigkeit =𝑐𝑐𝑐𝑐 ==𝐴𝐴𝐴𝐴14𝐴𝐴𝐴𝐴∗1∗ ∗𝑐𝑐𝑐𝑐𝐷𝐷𝐷𝐷
1 𝑐𝑐𝑐𝑐=
1 =
[m²]
beschrieben,𝐴𝐴𝐴𝐴2𝐴𝐴𝐴𝐴∗2 𝑐𝑐𝑐𝑐∗2 𝑐𝑐𝑐𝑐mit
2=der
𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐.
=
der 𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐.
ein [m³/s]
[m³/s] (7.3.8)
(7.3.7)
(7.3.7)
Mit
7.3.1.3 Durchflussgeschwindigkeit beschrieben, mit ein oder auch [L/min] angegeben. Für das
Mediumdurch
Medium durcheineinRohrleitungssystem
Rohrleitungssystembefördert
befördertwird. wird.Die DieNennweiten
Nennweitenvon von Medium Wasser gibt der K v-Wert die
𝜋𝜋𝜋𝜋 𝜋𝜋𝜋𝜋
Rohrleitungen
Rohrleitungen
Mit sindi.i.d.
sind d.R.
R.unter
der Durchflussgeschwindigkeit wird mit
unterenergiesparenden
energiesparenden
mit mit = = ∗ 𝐷𝐷𝐷𝐷∗2𝐷𝐷𝐷𝐷22 [m²]
Gesichtspunkten
𝐴𝐴𝐴𝐴Gesichtspunkten
𝐴𝐴𝐴𝐴 ausgelegt,
1ausgelegt,
𝑐𝑐𝑐𝑐[m²]
[m²] (7.3.8) Durchflussmenge bei einer (7.3.8) (7.3.8)
Druckdiffe-
sodass
sodass ininRohrleitungssystemen
Rohrleitungssystemen folgtNennweiten
unterschiedliche 𝐷𝐷𝐷𝐷24=4 �𝐷𝐷𝐷𝐷vorhanden
Nennweiten ∗
1vorhanden [m]sein (7.3.9)
die Geschwindigkeit beschrieben,unterschiedliche
mit der 𝑐𝑐𝑐𝑐2 sein renz von 1 bar über die Länge des Bauteils
können.
können.
ein MitHilfe
Mit
Medium Hilfe
durch der
der Kontinuitätsgleichung
Kontinuitätsgleichung
ein Rohrleitungssys- kann kannnach nachder deroptimalen
optimalenNennweite Nennweitefür für an. Er gilt für eine Wassertemperatur zwi-
die
die Regelarmatur
Regelarmatur gesucht
gesucht werden.
werden. 2 2 𝑐𝑐𝑐𝑐1 𝑐𝑐𝑐𝑐1
tem befördert wird. Die Nennweiten von folgt
folgtfolgt𝐷𝐷𝐷𝐷2𝐷𝐷𝐷𝐷=
Legende: 2 =�𝐷𝐷𝐷𝐷� 1𝐷𝐷𝐷𝐷∗1 𝑐𝑐𝑐𝑐∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐 [m]
[m][m] (7.3.9) (7.3.9)
(7.3.9)
schen 5 °C und 30 °C. Bei Vollöffnung eines
DieKontinuitätsgleichung
Die Kontinuitätsgleichungbesagt,besagt,dass
dassinineiner
einerRohrleitung
Rohrleitungan anjeder jeder Stelledie
2 Stelle
2 die
Rohrleitungen sind i. d. R. unter ener- Regelventiles wird er K vs-Wert genannt.
gleicheDurchflussmenge
gleiche Durchflussmengegegeben gegebenist,
ist,unabhängig
unabhängigvon von ihremlokalen lokalenDurchmesser.Durchmesser.
giesparenden
Darausfolgt:
folgt:
Gesichtspunkten ausge- - A =ihrem Querschnittsfläche der Rohrnennweite [m²]
Daraus Legende:
Legende:
- c = Fließgeschwindigkeit [m/s]
legt, sodass in Rohrleitungssystemen Legende: Der K  -Wert wird wie folgt berechnet:
v
unterschiedliche Nennweiten vorhan- A = -Querschnittsfläche
D = Innendurchmesser der der Nennweite [m]
𝐴𝐴𝐴𝐴∗∗𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐== 𝐴𝐴𝐴𝐴𝐴𝐴𝐴𝐴11∗∗ 𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐11 == 𝐴𝐴𝐴𝐴𝐴𝐴𝐴𝐴22∗∗𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐22 ==𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐.
𝐴𝐴𝐴𝐴den 𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐𝑐. [m³/s]
- - A =A Querschnittsfläche (7.3.7)
derder
Rohrnennweite
sein können. Mit Hilfe der Konti-
[m³/s] = Querschnittsfläche
Rohrnennweite [m²]
(7.3.7) Rohrnennweite 𝐾𝐾𝐾𝐾𝑣𝑣𝑣𝑣 =[m²] ̇ ∗ �1 𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏 [m³/h]
𝑉𝑉𝑉𝑉[m²] [m³/h] (7.3.10)
- - c =
c Fließgeschwindigkeit
= Fließgeschwindigkeit [m/s]
[m/s] ∆𝑝𝑝𝑝𝑝
nuitätsgleichung
𝜋𝜋𝜋𝜋 kann nach der optimalen c7.3.1.4 Kv-Wert
= Fließgeschwindigkeit [m/s]
mit 𝐴𝐴𝐴𝐴𝐴𝐴𝐴𝐴== 𝜋𝜋𝜋𝜋 für 22 [m²] - -D = D Innendurchmesser
= Innendurchmesser derder
Nennweite
Nennweite [m][m]
mit
Nennweite 4
∗∗𝐷𝐷𝐷𝐷𝐷𝐷𝐷𝐷die [m²]
Regelarmatur gesucht D = Innendurchmesser (7.3.8)
(7.3.8)
4 Zur Auswahl und Dimensionierung von Legende:
Regelarmaturen
werden.
7.3.1.4derK Nennweite
-Wert [m] Legende: wird üblicherweise ein
7.3.1.4
Kennwert vK v-Wert
eingesetzt, der Kv-Wert oder Durchflusskoeffizient.
𝑐𝑐𝑐𝑐 Kv Durchflusskoeffizient [m³/h]
folgt 𝐷𝐷𝐷𝐷𝐷𝐷𝐷𝐷22 ==��𝐷𝐷𝐷𝐷𝐷𝐷𝐷𝐷1212∗∗𝑐𝑐𝑐𝑐11 Der Kv-Wert ist ein Maß für den Kv
erzielbaren Durchsatz 1Durchflusskoeffizient
𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏𝑏eines Mediums – [m³/h]Flüssigkeit
folgt 𝑐𝑐𝑐𝑐 𝑐𝑐𝑐𝑐22
[m]
[m] Zur Auswahl
Zur
oder Auswahl
Gas undund
– durch Dimensionierung(7.3.9)
(7.3.9)
Dimensionierung
ein Bauteil. von
von = 𝑉𝑉𝑉𝑉𝑉𝑉𝑉𝑉̇ ̇ ∗ �Volumenstrom
𝐾𝐾𝐾𝐾Regelarmaturen
𝑣𝑣𝑣𝑣 Regelarmaturen Volumenstrom
[m³/h]
wird
wird =
üblicherweise
üblicherweiseeinein
= Durchflussmenge [m³/h]
∆𝑝𝑝𝑝𝑝
Kennwert
Kennwert eingesetzt,
eingesetzt, derder
Kv-Wert
Kv-Wertoder
oderDurchflusskoeffizient. Durchflussmenge [m³/h]
Durchflusskoeffizient.
Der Kv-Wert wird in der Einheit [m³/h] oder auch
Δp [L/min] tatsächlich angegeben. Für das
vorliegende Medium
Druckdifferenz [bar]
Der Kv-Wert Δp tatsächlich vorliegende Druck-
Legende:
Legende:
Der
Wasser gibtist
Kv-Wert derein
ist Maß
Kein Maß
v-Wert
für den
für
die denerzielbaren
erzielbaren
Durchflussmenge
Legende:
Durchsatz
Durchsatz
bei einer eines eines Mediums
Mediums
Druckdifferenz – von
Flüssigkeit
– Flüssigkeit
1 bar
oderoder
über GasGas
die – durch
Länge– durch
deseinein
Bauteil.
Bauteil.
Bauteils an. Er gilt für eine 7.3.1.5 differenz
Kavitation
Wassertemperatur [bar] zwischen 5 °C und
Der Kv-Wert
30Der
°C.KBei wird
v-Wert in in
wird derder
Vollöffnung Einheit [m³/h]
Einheit
eines oder
[m³/h] auch
oder
Regelventiles [L/min]
auch angegeben.
er[L/min] angegeben.FürFür
das Medium
das Medium
-- AA==Querschnittsfläche
08.2015 Querschnittsflächeder
derRohrnennweite
Rohrnennweite
Wasser
[m²]
[m²]
Wassergibt der
gibt K
der -Wert
K die
-Wert die Kv wird
Durchflussmenge
Durchflussmenge bei
Kvs-Wert
einer
bei
genannt.
Durchflusskoeffizient [m³/h]
Druckdifferenz
einer von
Druckdifferenz 1
von bar
1 bar am Ende de
- c = Fließgeschwindigkeit [m/s]
- c = Fließgeschwindigkeit [m/s] Der K v-Wert wird wie folgt berechnet: ̇
v v Die Ableitung der Bernoulli-Gleichung
𝑉𝑉𝑉𝑉 Volumenstrom = Durchflussmenge [m³/h]
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/24

7.3.1.5 Kavitation auf die Drosselstellungen, zu einer deut- umgewandelt zu Druckenergie. Dieser
lichen Energieumwandlung von Druck- Vorgang ist jedoch nicht verlustfrei,
Die Ableitung der Bernoulli-Gleichung energie in kinetische Energie und sodass auch noch erhöhte Druckverluste
am Ende des Kapitels 7.3.1.2 zeigt, Verlustenergie (Bild 7.3.2). zusätzlich entstehen.
dass beim Regeln die physikalischen
Größen Druck und Fließgeschwindig- Nach dem Durchtritt des Wassers durch Je nach Lage der Betriebsparameter
keit verändert werden. Regelarmaturen die Drosselstelle erfährt es erneut eine kann dabei der Druck im Wasser in der
arbeiten erst mit höheren Geschwindig- Energieumwandlung. Durch den nun Drosselstelle den Dampfdruck des Was-
keiten optimal. Dabei können in Drossel- wieder größeren Strömungsquerschnitt sers unterschreiten. Dies führt dann zur
stellungen sehr hohe Fließgeschwin- verringert sich die Fließgeschwindigkeit. Bildung von Dampfblasen im Wasser-
digkeiten auftreten. Es kommt, begrenzt Dadurch wird kinetische Energie rück- strom. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist

Bild 7.3.2: Bild 7.3.3:


Hydraulische Energien im Bereich des Drosselspaltes Phasendiagramm von Wasser

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/25

umso höher, je näher sich der Druck nach der durch die Dampfblase hindurch
der Drosselstelle auf der Höhe des Atmo- schießt. Dieser Prozess wird unter dem
sphärendrucks befindet. Abhängig von Begriff „Kavitation“ zusammengefasst
Druck und Temperatur des Wassers wech- (Bild 7.3.5).
selt es seinen Aggregatzustand. Bei einem
Luftdruck von 1 bar und 100 °C Tempera- An Mikrojet-Wasserstrahlen konnten Bild 7.3.4:
tur beginnen Dampfblasen zu entstehen: Drücke bis zu 10.000 bar ermittelt wer- Dampfblasenbildung in einer Drosselstelle
Das Wasser siedet (Bild 7.3.3). den, unabhängig vom Druck im Rohr-
querschnitt. Dies sind Energien, wie sie
Das Wasser in Trinkwasser-Rohrleitungen beim Wasserstrahlschneiden, z. B. von
weist in unseren Breitengraden üblicher- Stahl, verwendet werden. Ähnlich wirkt
weise eine Temperatur zwischen 5 °C und auch die Kavitation in den zum Regeln
20 °C auf. Der zugehörige Dampfdruck liegt eingesetzten Armaturen.
dann etwa bei 0,015 bar absolut, also etwa
0,9 bar unter dem Atmosphärendruck. Um die Folgen der Kaviation auf Dauer
möglichst gering zu halten, gibt es fol- Bild 7.3.5:
Mit dem Erreichen und Unterschreiten gende Möglichkeiten: Schematische Darstellung der Kavitation
des Dampfdruckes in der Drosselstelle n Die implodierenden Dampfblasen
beginnt die Bildung von Dampfblasen. werden in die Bauteilmitte gelenkt,
Die Intensität der Dampfblasenbildung sodass sie nicht in Kontakt mit dem
hängt vom Maß der Unterschreitung des Bauteil kommen (Bild 7.3.6).
Dampfdruckes ab (Bild 7.3.4). n Einsatz eines Werkstoffes mit hoher
Kavitationsbeständigkeit.
Im Anschluss an die Drosselstelle findet n Auswahl einer geeigneten Armatur Bild 7.3.6:
wieder eine Energieumwandlung statt. zur Vermeidung von Kavitation. Lenkung von Dampfblasen in die Rohrmitte
Der dabei ansteigende Druck im Medium
wirkt dabei auch auf die Dampfblasen. Zur Bewertung der Kavitation in Rohr-
Die Dampfblasen beulen unter dem stei- leitungssystemen mit Regelarmaturen
genden Druck ein und implodieren unter wird der Kavitationsindex Sigma heran-
Bildung eines Mikrojet-Wasserstrahls, gezogen.

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/26

7.3.2 Auslegung von Armaturen

7.3.2.1 Auslegung von Absperr-


armaturen

Die Auslegung von Absperrarmaturen


beschränkt sich im Wesentlichen auf
die Festlegung der Nennweite und
der Druckstufe. Sofern sich die Strö-
mungsgeschwindigkeit im Rahmen der
Vorgaben der EN 1074-1 [7.3-04] und
EN 1074-2 [7.3-05] befindet, wird die
Absperrarmatur analog zur Rohrlei-
tungsauslegung bestimmt.

7.3.2.2 Auslegung von Regel-


armaturen

Bei Regelarmaturen sind die hydrau-


lischen Anforderungen an die Regelauf- Bild 7.3.2:
gabe zu berücksichtigen. Dies kann dazu Kavitationsbetrachtung eines Betriebspunktes
führen, dass die verschiedenen Ausle-
gungsschritte mehrfach iterativ durch-
geführt werden müssen. Die Nennweite der Regelarmatur wird Beispiel:
für die maximal benötigte Wassermenge n Rohrleitungsnennweite DN 150,
Hinsichtlich des Nenndruckes orientieren festgelegt. Dabei wird auch die maximal n Maximale Durchflussmenge 96 m³/h
sich die Regelarmaturen an der Rohr- zulässige Fließgeschwindigkeit nach (übliche Feuerlöschmenge im kom-
leitung. Angaben des Herstellers mit in Betracht munalen Bereich),
gezogen. n maximale Fließgeschwindigkeit nach
Angabe des Herstellers, z. B. 4 m/s.

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/27

Für die Regelarmatur ergibt sich daraus 7.3.3 Literatur Kapitel 7.3 [7.3-04] EN 1074-1
ein Mindestdurchmesser von 81,6 mm. Valves for water supply –
Unter Tolerierung einer geringen Über- [7.3-01] EN 736-1 Fitness for purpose requirements
schreitung der Fließgeschwindigkeit Valves – Terminology – and appropriate verification tests –
bietet sich für die Regelarmatur die Part 1: Definition of types Part 1: General requirements
Nennweite DN 80 an. of valves [Armaturen für die Wasserver-
[Armaturen – Terminologie – sorgung –
7.3.2.3 Prüfung auf Kavitations- Teil 1: Definition der Grund- Anforderungen an die Gebrauchs-
freiheit bauarten] tauglichkeit und deren Prüfung –
1995 Teil 1: Allgemeine Anforderungen]
Nachdem die Nennweite und Druckstufe 2000
festgelegt wurden, wird eine bestimmte [7.3-02] EN 736-2
Armatur ausgewählt. Jede Armatur hat Valves – Terminology – [7.3-05] EN 1074-2
eine spezifische Kennlinie für den Kavi- Part 2: Definition of components Valves for water supply –
tationsindex Sigma. Kavitationsfreiheit of valves Fitness for purpose requirements
liegt dann vor, wenn die Kavitationslinien [Armaturen – Terminologie – and appropriate verification tests –
der Armatur ( und ) unterhalb der Teil 2: Definition der Armaturen- Part 2: Isolating valves
Linie „Armatur in Betriebssituation“ teile] [Armaturen für die Wasserver-
( ) liegen (Bild 7.3.7). 1997 sorgung –
Anforderungen an die Gebrauchs-
[7.3-03] EN 736-3 tauglichkeit und deren Prüfung –
Valves – Terminology – Teil 2: Absperrarmaturen]
Part 3: Definition of terms 2000 + A1:2004
[Armaturen – Terminologie –
Teil 3: Definition von Begriffen]
2008

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/28

7.4 Absperrarmaturen einen freien Durchgang auf, das heißt, der


ganze Rohrquerschnitt liegt frei. Dabei
7.4.1 Schieber entstehen nur sehr kleine Druckverluste.
Außerdem ist dadurch eine Molchbar-
7.4.1.1 Einsatzbereich keit möglich. Auch im Einsatz für Abwas-
ser ist der freie Querschnitt ein großer
Der Schieber ist die am meisten ver- Vorteil, weil ein Festsetzen von Schwe-
baute Armatur in der Wasserversorgung beteilen und Festkörpern verhindert
und kann deshalb als Standardarmatur wird. Die klassische Konstruktion ver-
bezeichnet werden. Zum Einsatz kom- bindet mit Schrauben das Oberteil mit
men heute im Trinkwasserbereich prak- dem Gehäuse. Neuere Konstruktionen
tisch nur noch weichdichtende Schieber weisen schraubenlose Verbindungen auf.
(Schieberkeil mit Gummierung), sie Die notwendigen komplexen Geometrien
unterliegen nationalen Zulassungsregeln. eines Keilschiebers lassen sich bis heute
Im Abwasserbereich werden weichdicht- kostengünstig nur im Gießverfahren her-
ende und metallischdichtende Schieber stellen. Sein Aufbau lässt im Revisionsfall
eingesetzt. Schieber dürfen in beiden einen Austausch der beweglichen Teile
Richtungen durchströmt werden. ohne Ausbau der gesamten Armatur zu.

7.4.1.2 Weichdichtender Weichdichtende Keilschieber zeich- Bild 7.4.1-01:


Keilschieber nen sich dadurch aus, dass sich auf Aufbau eines Keilschiebers:
dem Schieberkeil eine aufvulkanisierte Gehäuse, Oberteil, Spindelantrieb und Keil
Der weichdichtende Keilschieber besteht Gummierung befindet, die mit den ent-
im Wesentlichen aus dem Gehäuse, dem sprechenden Dichtflächen im Schieber-
Schieberkeil und dem Oberteil mit integ- gehäuse in Kontakt kommt und dadurch Unebenheiten des Gussgehäuses aus
rierter Spindelabdichtung (Bild 7.4.1-01). die Armatur abdichtet (Bilder 7.4.1-02, und dichtet selbst bei Verschmutzungen
Der Schieberkeil wird mittels Spindel- 7.4.1-03, 7.4.1-04, 7.4.1-05, 7.4.1-06, optimal ab. Deswegen sind weichdich-
trieb in den Durchgang bewegt. In der 7.4.1-07 und 7.4.1-08). Die elastische tende Schieber auch für den kommu-
Offenstellung weisen diese Schieber Gummierung des Keils gleicht geringe nalen Abwasserbereich mit gewissen

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/29

Bild 7.4.1-02: Bild 7.4.1-04: Bild 7.4.1-06:


Schnittbild eines weichdichtenden Flan- Weichdichtender Flanschenschieber mit Weichdichtender Novo SIT® - Steckmuffen-
schenschiebers mit schraubenloser Verbin- gewindeloser Spindellagerung Schieber
dung zwischen Oberteil und Gehäuse

Bild 7.4.1-03: Bild 7.4.1-05: Bild 7.4.1-07:


Schnittbild eines weichdichtenden Flansch- Weichdichtender TYTON® - Steckmuffen- Weichdichtender TYTON® – Schieber mit
schiebers mit geschraubter Verbindung Schieber DN 150 Spitzende und Steckmuffe, System BAIO®
zwischen Oberteil und Gehäuse

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/30

Feststoffanteilen geeignet. Glatte und Die Schieber erfüllen die Anforderungen


homogene Beschichtungen, wie die sowohl der EN 1074-2 [7.4-04] als auch
Epoxidharz-Pulver-Beschichtung nach der EN 1171 [7.4-05]. Zu beachten sind
GSK-Richtlinie RAL GZ 662 [7.4-01] bzw. weiterhin die DVGW-Arbeitsblätter
die Emaillierung nach DIN 51178 [7.4-02] GW 336-1 „Erdeinbaugarnituren –
und der DEV-Richtlinie [7.4-03] verhin- Teil 1: Standardisierung der Schnitt-
dern Inkrustationen im Schiebergehäuse. stellen zwischen erdverlegten Arma-
Wegen des freien, glatten Durchgangs turen und Einbaugarnituren“ [7.4-06] und
hat der weichdichtende Schieber den W 363 „Absperrarmaturen, Rückfluss-
metallischdichtenden Schieber als Stan- verhinderer, Be-/Entlüftungsventile und
Bild 7.4.1-08: dardschieber weitgehend abgelöst. Er Regelarmaturen aus metallenen Werk-
Weichdichtender Keilschieber mit Spitzende wird in den Nenndruckstufen PN 10, stoffen für Trinkwasserversorgungsan-
und Steckmuffe PN 16 und PN 25 angeboten. lagen – Anforderungen und Prüfungen“
[7.4-07].
Weichdichtende Keilschieber sind nicht
für den Regel- oder Drosselbetrieb geeig- Als weitere zu beachtende Normen
net, sind also reine AUF/ZU-Armaturen. sind zu nennen: Die EN 558 [7.4-08],
Der Grund liegt in der Geometrie der die EN 736-1 [7.4-09], die EN 1503-3
Keilführung. Wenn der Keil in den Strö- [7.4-10], die EN 12516-2 [7.4-11] und die
mungsquerschnitt einfährt, treten in EN 12516-4 [7.4-12].
Zwischenstellungen hohe Kräfte auf,
welche die Führung einseitig belasten 7.4.1.3 Metallischdichtender
und bei längerem Verbleib in der Zwi- Keilschieber
schenstellung diese beschädigen können.
Bei starker Drosselung besteht auch die Der metallischdichtende Keilschieber
Gefahr von Kavitationsschäden am Arma- (Bild 7.4.1-09) ist gekennzeichnet durch
Bild 7.4.1-09: turengehäuse. Zudem weist der weich- ein metallisches Absperrorgan, welches
Metallischdichtender Keilschieber dichtende Keilschieber eine ungünstige beim Schließen in einem sogenannten
Regelcharakteristik auf. Schiebersack im unteren Teil des Gehäu-
ses aufgenommen wird.

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/31

Tabelle 7.4.1-01:
Anwendungsbereiche von weichdichtenden Plattenschiebern

Anwendungsbereich Art der Anwendung (Beispiele)


Handrad
Abwasser Faulschlamm, Abwasser, Rohschlamm, Luft

Chemieindustrie chemisch belastete Abwässer


Biogasanlagen Schlämme, Schmutzwasser
Spindel-
lagerung

Der Nachteil dieser Bauweise liegt am 7.4.1.4 Weichdichtender Spindel


Dichtprinzip, respektive dem Schieber- Plattenschieber
sack und dem hohen Losbrechmoment Spindel-
beim Öffnen des Schiebers. Im offenen Weichdichtende Plattenschieber kom- mutter
Zustand entstehen Strömungswider- men vor allem im Abwasser- und Indus-
stände und ein Totwassergebiet, was triebereich für verschiedenste Medien Quer-
Ablagerungen und Inkrustation begüns- zum Einsatz. Da die Drücke in diesen dichtung
tigt. Dies kann beim Öffnen und Schlie- Anwendungen meist tiefer liegen als bei
ßen zu erhöhten Stellmomenten führen. Trinkwasseranwendungen, wird meist
Metallischdichtende Schieber werden im die einfachere und günstigere Konstruk- Schieber-
Wasser- und Abwasserbereich, im Indus- tion des Plattenschiebers gewählt. Den platte
triebereich, in der Fernwärmeversorgung Aufbau eines weichdichtenden Platten-
üblicherweise bis zur Nenndruckstufe schiebers zeigt Bild 7.4.1-10. Sie werden U-Bügel
PN 40 eingesetzt. in den Nennweiten DN 50 bis DN 1400
für Betriebsdrücke bis zu 16 bar herge-
stellt. Tabelle 7.4.1-01 zeigt beispielhaft
Anwendungsbereiche von weichdichten- Bild 7.4.1-10:
den Plattenschiebern. Aufbau eines Plattenschiebers

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/32

Bild 7.4.1-11: Bild 7.4.1-12: Bild 7.4.1-13: Bild 7.4.1-14:


Weichdichtender Platten- Weichdichtender Plattenschieber Weichdichtender Platten- Weichdichtender Platten-
schieber PN 10 mit Handrad PN10 mit Pneumatikantrieb schieber mit Elektroantrieb schieber für den Erdeinbau

Weichdichtende Plattenschieber (Bilder Weichdichtende Plattenschieber wer- Ein wichtiger Vorteil der Schieber-
7.4.1-11, 7.4.1-12 und 7.4.1-13) bestehen den vor allem im Abwasserbereich, aber konstruktion ist der völlig freie Durch-
im Wesentlichen aus einem Gussgehäuse, auch zur Regulierung anderer flüssiger gang bei geöffneter Armatur und die
einer Schieberplatte aus Edelstahl und Medien eingesetzt. Sie sind nicht geeig- schmutzunempfindliche Schieberplatte.
einem Spindeltrieb, häufig mit integrierter net für den Einsatz im Trinkwasser- Wegen des freien Sohlendurchgangs im
Positionsanzeige. Je nach Anwendungen bereich. Vorzugsweise werden weich- Gehäuse können dort keine Feststoffe
sind verschiedene Dichtungsmaterialien dichtende Plattenschieber in Schächten haften bleiben.
und Bedienungsarten möglich. und Anlagen eingebaut, es sind jedoch
auch Konstruktionen für den Erdeinbau
verfügbar (Bild 7.4.1-14).

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/33

Plattenschieber mit voll ausgeprägtem 7.4.2 Absperrklappen Die heute am meisten verwendeten Bau-
Flansch (Durchgangslöcher und Gewin- arten sind weichdichtende zentrische oder
desacklöcher) können sowohl als Zwi- 7.4.2.1 Allgemeines doppelexzentrische Absperrklappen.
schenflansch- als auch als Endarmatur
ohne Gegenflansch eingesetzt werden. Nach dem Schieber ist der am zweit- Absperrklappen bestehen im Wesent-
Die kurze Baulänge K1 entspricht der häufigsten verbaute Armaturentyp in lichen aus einem Gehäuse, welches mit
Norm EN 558 [7.4-08]. der Wasserversorgung die Absperrklappe Flansch-Verbindungen in Rohrleitungen
(Bilder 7.4.2-01, 7.4.2-02, 7.4.2-03, eingebaut wird und einem Absperrorgan,
Durch Baukastensysteme werden weitere 7.4.2-04, 7.4.2-05, 7.4.2-06 und 7.4.2-07). der sogenannten Klappenscheibe. Die
Ausführungsvarianten ermöglicht, z. B.: Sie verfügt über einen im Leitungsquer- Klappenscheibe wird meist mit einem
n Elektrische Anzeige der Endstellungen, schnitt befindlichen Abschlusskörper, die Getriebe verstellt und ist im geöffneten
n Abstreifer zum Reinigen der Schie- sogenannte Klappenscheibe. Absperr- Zustand parallel zur Strömungsrichtung
berplatte, klappen sind wie Absperrschieber reine ausgerichtet (Bild 7.4.2-03). Der Stan-
n Dreieck- oder Fünfeckregulierblende Absperrorgane (AUF/ZU-Funktion). dardnennweitenbereich umfasst DN 50
für Regulierzwecke, bis DN 4000, die üblichen Druckstufen
n Vielzahl an Antriebs- und deren reichen von PN 6 bis PN 40.
Verlängerungsmöglichkeiten.

Je nach Medium stehen hierfür geeignete


Werkstoffe von der Schieberplatte sowie
von den Dichtungen zur Verfügung.

Bild 7.4.2-01:
Beispiele von Absperrklappen mit Handrad – Absperrklappe beschichtet mit Epoxidharz-
pulver (links) und mit Vollemaillierung (rechts)

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/34

Bild 7.4.2-02: Bild 7.4.2-04: Bild 7.4.2-06:


Zentrische Absperrklappe mit Schnecken- Doppelexzentrische Absperrklappe mit Doppelexzentrische Absperrklappe mit
getriebe und Handrad Schubkurbelgetriebe und Handrad Spindelgetriebe und Elektroantrieb für
große Nennweiten, z. B. DN 1800

Bild 7.4.2-03: Bild 7.4.2-05: Bild 7.4.2-07:


Doppelexzentrische Absperrklappe DN 250 Doppelexzentrische Abperrklappe mit Doppelexzentrische Absperrklappe mit Hy-
mit Schubkurbelgetriebe Losflansche draulikantrieb für sehr große Nennweiten,
hohe Druckstufen und als Sicherheitsarmatur

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/35

Vorteile von Absperrklappen gegenüber Nachteile von Absperrklappen gegenüber n Betriebsmedium,


Schiebern: Schiebern: n Einbausituation,
n Molchbarkeit.
n Geringer Platzbedarf – Klappen n Großer Strömungswiderstand –
können auch bei großen Durch- während Schieber in der vollständig Aus preislichen Gründen wird im
messern sehr kompakt gebaut geöffneten Stellung praktisch kei- Allgemeinen bis DN 300 der Schieber
werden. Kein Totwasserraum weil nen Strömungswiderstand darstel- verwendet.
das Absperrorgan direkt im Lei- len (Druckverlustbeiwert ξ = 0,1 – 0,2),
tungsquerschnitt integriert ist und weisen Absperrklappen im geöffneten 7.4.2.2 Absperrklappenbauarten
keinen Aufnahmeraum benötigt. Zustand je nach Bauart und Größe
n Geringes Gewicht – wegen ihrer relativ große Strömungswiderstände Bei Absperrklappen werden folgende
kompakten Bauweise sind Klappen auf (Druckverlusbeiwert ξ = 0,2 – 0,9). Bauarten unterschieden:
bei großen Durchmessern leichter. n Aufwendige Konstruktion – die Kon-
n Niedriges Betätigungsmoment – struktion ist im Vergleich zu Schiebern n Zentrische Lagerung der Klappen-
Schieber weisen wegen der Reibung etwas aufwendiger und rechnet sich scheibe (Bild 7.4.2-08) – die Welle
in der Keilführung besonders bei erst bei größeren Nennweiten. der Klappenscheibe ist sowohl in der
großen Nennweiten hohe Betäti- n Rohrleitungen mit Absperrklappen Mitte des Gehäuses als auch in der
gungsmomente auf. Doppelexzen- können nicht gemolcht werden. Mitte der Scheibe angeordnet. Diese
trische Klappen lassen sich dagegen Bauart mit dichtschließendem, weich-
auch aufgrund der verwendeten Auswahlkriterien: dichtendem Gehäusesitz aus Elas-
Getriebe leichter betätigen. tomer eignet sich aufgrund ihrer
n Im Erdeinbau wegen der gerin- Bei der Entscheidung zwischen Schieber kurzen Baulänge (EN 558, Baulänge
gen Bauhöhe (wie Rohrleitung) vor und Klappe sind z. B. folgende Faktoren K1 [7.4-08]) sehr gut zum Einklem-
allem bei größeren Nennweiten von maßgeblicher Bedeutung: men zwischen zwei Rohrleitungs-
keine Dükerung zum Schutz vor Frost flansche oder zum Anflanschen als
erforderlich. n Drehmoment der Betätigung, Endarmatur. Als Antrieb wird häu-
n Gewicht der Armatur, fig ein Handhebel mit Raster (bis
n Durchflussgeschwindigkeiten, DN 300), ein Elektroantrieb oder ein
n Betriebsdruck, pneumatischer Antrieb benutzt.

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/36

Die Anordnung des elastomeren Gehäuse ab und erleichtert das (Bild 7.4.2-11). Alternativ können auch
Dichtsitzes im Gehäuse eröffnet die Öffnen und Schließen. Die doppel- Klappen mit Steckmuffen geliefert
Möglichkeit, die Klappenscheibe in exzentrische Absperrklappe kann werden (Bild 7.4.2-12). In Rohr-
unterschiedlichsten Werkstoffen aus- von beiden Seiten mit Druck beauf- leitungen ab DN 500 kommen auch
zuführen. Damit ergibt sich als Vorteil, schlagt werden. Absperrklappen in der Baulänge R15
dass die Klappe für die unterschied- mit integrierter Umführung zum
lichsten Medien eingesetzt werden 7.4.2.3 Gehäusebauarten Einsatz. Bei Rohrleitungen in
kann. Wasserwerken finden vor allem
n Einfach exzentrische Lagerung der Beim Bau von Wasserleitungen bei kleineren Nennweiten auch
Klappenscheibe - die Welle ist auf der werden hauptsächlich Klappen mit kurze Einklemmklappen (Sandwich-
Rohrachse des Gehäuses außerhalb Flanschen und Baulängen nach klappen) in der Baulänge R20 Verwen-
des Dichtsitzes der Klappenscheibe EN 558 [7.4-08] Reihe R14 eingebaut dung (Bild 7.4.2-13).
angeordnet (Bild 7.4.2-09). Bei die-
ser und der zentrischen Lagerung der
Welle führt die Klappenscheibe eine
reine Rotationsbewegung aus.
n Doppelexzentrische Lagerung der
Klappenscheibe – die Welle ist sowohl
außerhalb der Rohrachse des Gehäu-
ses als auch außerhalb des Dicht-
sitzes der Klappenscheiben angeord-
net (Bild 7.4.2-10). Hierbei führt die
Klappenscheibe eine Relativbewe-
gung resultierend aus einer Linear-
und einer Rotationsbewegung der
Klappenscheibe aus. Dabei hebt sich
die auf der Klappenscheibe ange-
brachte Dichtung beim Verlassen Bild 7.4.2-08: Bild 7.4.2-09: Bild 7.4.2-10:
des Dichtsitzes nach einem kurzen Zentrische Ausführung Einfach exzentrische Doppelt exzentrische
Drehweg komplett vom Dichtsitz im Ausführung Ausführung

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/37

Bild 7.4.2-11: Bild 7.4.2-13: Bild 7.4.2-15:


Flanschklappe mit Getriebe und Handrad Einklemmklappe mit Getriebe und Handrad Absperrklappe Lug-Type mit Handhebel

Bild 7.4.2-12: Bild 7.4.2-14: Bild 7.4.2-16:


Absperrklappe mit Steckmuffen Zentrische Absperrklappe Wafer-Type Ausführung U-Type mit Getriebe und
mit Handhebel Handrad

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/38

Bild 7.4.2-17: Bild 7.4.2-18: Bild 7.4.2-19:


Sitz des Dichtungsrings direkt auf dem Sitz des Dichtungsrings auf dem Sitz des Dichtungsringes auf einem
Gussgehäuse Stahlsitzring durch Auftragsschweißung hergestellten
Sitzbereich

Bei den Einklemmklappen wird zwischen 7.4.2.4 Dichtprinzipien n Exzentrisch gelagerte Klappen-
folgenden Bauarten unterschieden: scheiben werden in der Regel
Je nach Bauart werden verschiedene weichdichtend ausgeführt. Die
n Wafer-Type: Bauart zum Einklemmen Dichtprinzipien und Gehäusebauarten Hauptdichtung in Form eines Pro-
(Bild 7.4.2-14), angewendet: filringes wird an die Klappen-
n Lug-Type: Bauart mit Gewindesack- scheibe geklemmt und befestigt.
löchern (Bilder 7.4.2-15), n Bei zentrisch gelagerter Klappen- Das dazu gehörige Gehäuse weist
n U-Type: Bauart zum Einklemmen in scheibe wird das Gehäuse mit einer zwei unterschiedliche Ausführungen
U-Form (Bild 7.4.2-16). Gummimanschette ausgeführt. Die- des Dichtsitzes auf. In der einen
ses Dichtprinzip ermöglicht auch die Version dichtet der Profildicht-
Verwendung eines Gehäuses in der ring auf einen direkt im Gehäuse
Form der Einklemmklappe. angearbeiteten und korrosionsge-

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/39

schützten Dichtsitz (Bild 7.4.2-17). 7.4.3 Kugelhähne n Zum einen werden Kugelhähne mit
In der anderen Version enthält direkt im Gehäuse gelagerten und
das Gehäuse im Sitzbereich einen Kugelhähne weisen robuste Gehäuse- geführten Kugelküken gebaut. Die
Ring aus nicht-rostendem Stahl formen aus. Als Absperrelement wer- Antriebswelle dient nicht der Lage-
(Bild 7.4.2-18) oder einen durch den i. d. R. Kugelküken eingesetzt. Hierbei rung sondern nur der Betätigung. Bei
Auftragsschweißung hergestellten handelt es sich prinzipiell um Kugeln, die dieser Bauart sind die zur Abdich-
Sitzbereich (Bild 7.4.2-19). Dieses in Offenstellung eine Durchgangs- tung erforderlichen Dichtungen im
Dichtprinzip bedarf zum einen bohrung aufweisen. Die Bilder 7.4.3-01 Gehäuse untergebracht. Das Kugel-
einer zumindest exzentrischen Lage- und 7.4.3-02 zeigen Prinzipskizzen der küken verpresst die Dichtung per-
rung der Klappenscheibe und zum Funktionen eines Kugelhahns. manent im Gehäuse (Bild 7.4.3-03).
anderen eines Gehäuses in verschie- n Im anderen Konstruktionsprinzip wird
denen Baulängen. Für den Einsatz im Wasserbereich wer- das Kugelküken doppelt exzentrisch
den zumeist weichdichtende Kugelhähne im Gehäuse durch die beidseitige Ver-
Praxistipp: eingesetzt. Es werden grundsätzlich zwei wendung von Wellen gelagert. Analog
Bei Absperrklappen für Flansch-Ver- unterschiedliche Konstruktionsprinzipen zu den Absperrklappen schwenkt hier
bindungen ist zu beachten, dass die angeboten: das Kugelküken in den Sitz.
Klappenscheibe in Offenstellung über
das Gehäuseende hinausragt. Vor allem
bei Einklemmklappen ist eine Kolli-
sionsgefahr mit den anschließenden
Bauteilen zu prüfen.

Bild 7.4.3-01: Bild 7.4.3-02:


Stellung des Kugelhahns: Stellung des Kugelhahns:
vollständig „offen“ vollständig „geschlossen“

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/40

Das Dichtelement ist bei diesem Sys-


tem auf dem Kugelküken angebracht.
Es hat nur auf den etwa letzten 10°
der Drehbewegung Berührung mit
dem Gehäuse bzw. dem Gehäuse-
sitz. In allen anderen Stellungen des
Kugelkükens liegt ein Spalt zwischen
Gehäuse und Kugelküken vor.

Die Konstruktion mit doppelt exzentrisch


gelagertem Kugelküken (Bild 7.4.3-04)
erweist sich in der Praxis im Bereich der Bild 7.4.3-03: Bild 7.4.3-05:
Wasserversorgung aber auch in Druck- Schnittbild eines Kugelhahns – Kugelhahn DN 1000 für eine Abwasserdruck-
rohrleitungen zur Förderung von Abwas- Gehäuse mit Kugelküken leitung
ser (Bild 7.4.3-05) als sehr gut geeignet
und ist wartungsarm.
7.4.3.1 Doppelexzentrischer
Kugelhähne finden im Bereich der Kugelhahn
wasserführenden Rohrleitungen bis-
her vor allem bei höheren Druckstufen Die Grundbauform der in der Wasser-
bis 100 bar und höheren Durchfluss- versorgung eingesetzten Kugelhähne
geschwindigkeiten bis zu 15 m/s ihren basiert auf den positiven Erfahrungen
Einsatz. Die ungestörte Strömung am der doppelexzentrischen Absperrklappen.
Ausgang des Kugelhahnes prädestiniert Schon bei 3° Schwenkbewegung hebt sich
ihn auch für den Einbau im Einlauf vor das Kugelküken beim Öffnen frei vom
Turbinen und Pumpen. In der doppelt Sitz ab. Die Standzeit der Profildichtung
exzentrischen Bauweise kann der wird dadurch wesentlich erhöht.
Kugelhahn wegen des Verlaufs des Bild 7.4.3-04:
Druckverlustbeiwertes ξ bedingt zu Kugelhahn mit Schubkurbelgetriebe und
Regelzwecken eingesetzt werden. Handrad

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/41

Vorteile und Konstruktionsmerkmale


eines doppelexzentrischen Kugelhahns:

n Der Profilring befindet sich in der


Offenstellung (Bilder 7.4.3-06 und
7.4.3-07) außerhalb der Strömung.
Die belagsunempfindliche Dichtpartie
ist in beiden Durchflussrichtungen
dichtend.
n Das Kugelküken weist im Außen-
durchmesser einen freien Abstand
zum Gehäuse auf, wodurch sich in Bild 7.4.3-06: Bild 7.4.3-08:
Zwischenstellung (Bild 7.4.3-08) Kugelhahn voll geöffnet Kugelhahn halb geöffnet
ein sehr ruhiges Strömungsver-
halten ergibt. Hierdurch werden
Schwingungen und Vibrationen bei
hoher Strömungsgeschwindigkeit
und hohen Druck vermieden.
n Das druckausgeglichene und um-
strömte Kugelküken (Bild 7.4.3-08)
kann somit für eine Durchflussge-
schwindigkeit bis 15 m/s ohne Pro-
bleme eingesetzt werden.

Bild 7.4.3-07: Bild 7.4.3-09:


Schnittbild eines Kugelhahns – Kugelhahn geschlossen
Stellung voll geöffnet

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/42

Mit diesen Konstruktionsmerkmalen eig- 7.4.4 Literatur Kapitel 7.3


net sich der Kugelhahn zwar nicht für [7.4-03] DEV-Richtlinie
Drossel- und Regelbetrieb, ist aber die [7.4-01]
RAL – GZ 662 Qualitätsanforderungen und
ideale Absperrarmatur für höhere Druck- Güte- und Prüfbestimmungen – Prüfvorschriften für emaillierte
stufen und Durchflussgeschwindigkeiten Schwerer Korrosionsschutz von Gussarmaturen und Druckrohr-
(Bild 7.4.3-09). Armaturen und Formstücken formstücke für die Roh- und
durch Pulverbeschichtung – Trinkwasserversorgung
Durch den völlig freien, ungestörten Gütesicherung [Quality requirements and test
Durchgang durch die Armatur (Bild [Quality and test provisions – regulations for enamelled cast
7.4.3-04) treten nur sehr geringe Druck- Heavy duty corrosion protection iron valves and pressure pipe
verluste auf. Aus diesem Grunde wird of valves and fittings by powder fittings for untreated and potable
diese Armatur nicht nur zum Spülen und coating – water supply]
Entleeren von Hauptleitungen verwendet, Quality assurance] 2006-09-27
sondern wird auch sehr oft vor Turbinen 2008
oder als Anfahrarmatur nach Pumpen [7.4-04] EN 1074-2
eingesetzt (Bild 7.4.3-05). [7.4-02] DIN 51178 Valves for water supply –
Emails und Emaillierungen – Fitness for purpose requirements
Kugelhähne werden entweder mecha- Innen- und außenemaillierte and appropriate verification tests –
nisch, elektrisch, pneumatisch oder Armaturen und Druckrohr- Part 2: Isolating valves
hydraulisch betätigt. formstücke für die Roh- und [Armaturen für die Wasser-
Trinkwasserversorgung – versorgung –
Qualitätsanforderungen und Anforderungen an die Gebrauchs-
Prüfung tauglichkeit und deren Prüfung –
[Vitreous and porcelain enamels – Teil 2: Absperrarmaturen]
Inside and outside enamelled 2000 + A1:2004
valves and pressure pipe fittings
for untreated and potable water
supply –
Quality requirements and testing]
2009-10

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/43

[7.4-05] EN 1171 [7.4-07] W 363 [7.4-09] EN 736-1


Industrial valves – Absperrarmaturen, Rückfluss- Valves – Terminology –
Cast iron gate valves verhinderer, Be-/Entlüftungs- Part 1: Definition of types of valves
[Industriearmaturen – ventile und Regelarmaturen aus [Armaturen – Terminologie –
Schieber aus Gusseisen] metallenen Werkstoffen für Trink- Teil 1: Definition der Grund-
2002 wasserversorgungsanlagen – bauarten]
Anforderungen und Prüfungen 1995
[7.4-06] GW 336-1 [Isolation valves, check valves, air
Erdeinbaugarnituren – valves and control valves made [7.4-10] EN 1503-3
Teil 1: Standardisierung der from metal for drinking water Valves – Materials for bodies,
Schnittstellen zwischen erd- distribution systems – bonnets and covers –
verlegten Armaturen und requirements and testing] Part 3: Cast irons specified in
Einbaugarnituren 2010-06 European standards
[Stem extensions for underground [Armaturen – Werkstoffe für
installation – [7.4-08] EN 558 Gehäuse, Oberteile und Deckel –
Part 1: Standardisation of inter- Industrial valves – Teil 3: Gusseisen, das in Euro-
faces between buried valves and Face-to-face and centre-to-face päischen Normen festgelegt ist]
spindle extensions] dimensions of metal valves for use 2000 + AC:2001
2010-09 PN and Class designated valves
[Industriearmaturen – [7.4-11] EN 12516-2
Baulängen von Armaturen aus Industrial valves –
Metall zum Einbau in Rohr- Shell design strength –
leitungen mit Flanschen – Part 2: Calculation method for
Nach PN und Class bezeichnete steel valve shells
Armaturen] [Industriearmaturen –
2008 + A1:2011 Gehäusefestigkeit –
Teil 2: Berechnungs-
verfahren für drucktragende
Gehäuse von Armaturen aus Stahl]
2004

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/44

[7.4-12] EN 12516-4
Industrial valves –
Shell design strength –
Part 4: Calculation method for
valve shells manufactured in
metallic materials other than
steel
[Industriearmaturen –
Gehäusefestigkeit –
Teil 4: Berechnungsverfahren
für drucktragende Gehäuse
von Armaturen aus anderen
metallischen Werkstoffen
als Stahl]
2008

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/45

7.5 Anbohrarmaturen Im Wasserversorgungsbereich werden


Anbohrarmaturen meist mit Hilfe von
Anbohrarmaturen haben in der öffent- Schellen oder Bändern befestigt.
lichen Wasserversorgung ein großes
Anwendungsgebiet. Sie werden als 7.5.1 Abdichtung zur Versorgungs-
Anschluss und Abzweig von Rohrlei- leitung
tungen ab DN 80 verwendet. Zu beach-
ten ist die DIN 3543-2 [7.5-01] sowie Bei Anbohrarmaturen, die auf der Leitung
die DVGW-Arbeitsblätter GW 336-1 nicht verschweißt werden, ist eine Dich-
[7.5-02], GW 336-2 [7.5-03], W 332 [7.5-04], tung erforderlich. Folgende Dichtungen
W 333 [7.5-05], W 336 [7.5-06] und W 365 können eingesetzt werden:
[7.5-07]. Bild 7.5.2-01:
n Profildichtungen Anbohrarmatur ohne Betriebsabsperrung
Am häufigsten werden Anbohrarmaturen (diese umschließen direkt den Bereich mit Schelle
zum Anschluss von Hausanschlusslei- der Anbohröffnung),
tungen oder Stichleitungen eingesetzt. n Flachdichtungsmatten
Der große Vorteil von Anbohrarmaturen (diese werden großflächig zwischen
ist die Möglichkeit, nachträglich eine Anbohrarmatur und Leitung gepresst).
Verbindung mit dem Versorgungslei-
tungssystem herzustellen, ohne dass 7.5.2 Anbohrarmaturen ohne
dieses außer Betrieb genommen werden Betriebsabsperrung
muss.
Anbohrarmaturen ohne Betriebsabsper-
Weitere Anwendungsbereiche: rung (Bilder 7.5.2-01 und 7.5.2-02) eig-
nen sich nur dann, wenn auf eine direkt
n Herstellung von Entlüftungen, an der Armatur vorhandene Absperrmög-
n Herstellung von Entleerungen, lichkeit verzichtet werden kann.
n Herstellung von Mess- und Impf- Bild 7.5.2-02:
stellen. Anbohrarmatur ohne Betriebsabsperrung
mit Stahlband

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/46

Grundsätzlich bestehen Anbohrarma- Hilfsabsperrungen haben die Aufgabe


turen ohne Betriebsabsperrung meist den Austritt des Mediums während
aus folgenden zwei Komponenten: der Montage bzw. Demontage des
Anbohrgerätes zu verhindern. Es
n Anschlussstück ohne Betriebsab- gibt verschiedene Ausführungen von
sperrung, Hilfsabsperrungen:
n Schelle (diese dient zur Befestigung
des Anschlussstückes an der Versor- n Als zusätzliche Absperrung zur
gungsleitung). Betriebsabsperrung in die Anbohr-
Das Anschlussstück enthält z.  B. ein armatur integriert,
Gewinde, mit dem die Verbindung zur n Hilfs- und Betriebsabsperrung als ein
weiteren Versorgungsleitung hergestellt Bauteil,
werden kann. n als separates und wieder verwend-
bares Werkzeug (wird bei der Montage
7.5.3 Anbohrarmaturen mit der Anbohrarmatur montiert).
Betriebsabsperrung
Die unterschiedlichen Formen der Be-
Die Betriebsabsperrung hat die Aufgabe triebsabsperrungen (Bild 7.5.3-01) sind
den Wasserstrom in der abzweigenden in der DIN 3543-2 [7.5-01] geregelt.
Leitung unterbrechen zu können und
wird bei erdüberdeckten Rohrsystemen
üblicherweise über eine Einbaugarnitur
mit Bedienungsschlüssel betätigt.

Anbohrarmaturen mit Betriebsab-


sperrung können mit einer Hilfsab-
sperrung versehen sein. Hilfsabsper- Bild 7.5.3-01:
rungen werden während des Anbohrens Unterschiedliche Formen der Betriebs-
der Leitung genutzt. absperrungen nach DIN 3543-2 [7.4-01] –
d1 gleich Durchmesser des Anschlusses

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/47

Weiterhin gibt es je nach Anwendungs-


bereich und Rohraußendurchmesser
eine Vielzahl von Anbohrarmaturen
(Bilder 7.5.3-02 und 7.5.3-03).

Bild 7.5.3-02: Bild 7.5.3-03:


Anbohrarmatur für Gussleitungen Anbohrarmatur für Gussleitungen
mit Gussbügel mit Stahlband

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/48

Weitere Anbohrarmaturen mit verschie-


denen Hausanschlüssen zeigen die Bilder
7.5.3-04, 7.5.3-05, 7.5.3-06, 7.5.3-07 und
7.5.3-08.

Bild 7.5.3-05: Bild 7.5.3-07:


Anbohrschelle mit Stahlband – Anbohrschelle – Hausanschluss über Steck-
Hausanschluss über Außengewinde Verbindung und integrierter Hilfsabsperrung

Bild 7.5.3-04: Bild 7.5.3-06: Bild 7.5.3-08:


Anbohrschelle mit Stahlband – Anbohrschelle mit integrierter Absperrung – Anbohrarmatur mit Stahlband
Hausanschluss mit Innengewinde Hausanschluss über Steck-Verbindung und seitlichem Abgang

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/49

7.5.4 Anbohrvorgang bei Anbohr- 7.5.4.2 Anbohrung mittels geräte, die durch Adapter auf unter-
armaturen separatem Anbohrgerät schiedliche handelsübliche Anbohrar-
maturen montiert werden können. Die
Es gibt verschiedene Methoden für das Das Anbohrgerät wird für das Anbohren Anbohrung kann dabei manuell oder
Anbohren der Hauptrohrleitung: an der Anbohrarmatur mittels Gewinde- motorisch (z. B. mittels Druckluft- oder
n Anbohrung durch integrierten Fräser oder Flanschverbindung befestigt. Zu Elektroantrieb) erfolgen (Bild 7.5.4-02).
bzw. Stanzer, bevorzugen sind Universalanbohr-
n Anbohrung mittels separatem
Anbohrgerät.

Die Geometrie und der Werkstoff von


Bohrern, Fräsern und Stanzern sind
abhängig vom Werkstoff der anzuboh-
renden Versorgungsleitung. Bei den
Leitungswerkstoffen duktiler Guss und
Grauguss kommen Spiralbohrer sowie
Lochfräser zum Einsatz. Bei den einge-
setzten Lochfräsern muss sichergestellt
sein, dass die ausgebohrte Rohrwand-
scheibe nach der Anbohrung im Fräser
verbleibt.

7.5.4.1 Anbohrung durch inte-


grierten Fräser bzw. Stanzer

Bei dieser Ausführung der Anbohr-


armatur ist der Fräser bzw. Stanzer
direkt in der Anbohrarmatur integriert Bild 7.5.4-01: Bild 7.5.4-02:
und verbleibt nach dem Anbohrvorgang Anbohrarmatur mit integriertem Lochfräser Beispiel eines Anbohrgerätes –
in ihr (Bild 7.5.4-01). Antrieb manuell oder motorisch

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/50

7.5.5 Literatur Kapitel 7.5 [7.5-03] DVGW-Arbeitsblatt GW 336-2 [7.5-06] DVGW-Arbeitsblatt W 336
Erdeinbaugarnituren – Wasseranbohrarmaturen;
[7.5-01] DIN 3543-2 Teil 2: Anforderungen und Anforderungen und Prüfungen
Anbohrarmaturen aus Prüfungen [Tapping valves for water –
metallischen Werkstoffen [Stem extensions – Requirements and testing]
mit Betriebsabsperrung; Part 2: Requirements and 2004-06
Maße test methods]
[Metallic tapping stop valves – 2010-09 [7.5-07] DVGW-Arbeitsblatt W 365
Dimensions] Übergabestellen
1984-05 [7.5-04] DVGW-Arbeitsblatt W 332 [Transfer points]
Auswahl, Einbau und Betrieb von 2009-12
[7.5-02] DVGW-Arbeitsblatt GW 336-1 metallischen Absperrarmaturen
Erdeinbaugarnituren – in Wasserverteilungsanlagen
Teil 1: Standardisierung der [Selection, installation and
Schnittstellen zwischen erd- operation of metallic isolation
verlegten Armaturen und valves in water distribution
Einbaugarnituren installations]
[Stem extensions – 2006-11
Part 1: Standardisation of inter-
faces between underground [7.5-05] DVGW-Arbeitsblatt W 333
valves and stem extensions] Anbohrarmaturen und Anbohr-
2010-09 vorgang in der Wasserversorgung
[Tapping valves and tapping
process in water supply]
2009-06

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/51

7.6 Regelarmaturen Haupteinsatzgebiete von Regelventilen Fremdenergiebetätigte Armaturen


sind:
7.6.1 Allgemeines n Wasserförderung in Talsperren und Fremdenergiebetätigte Armaturen wer-
Staudämmen, den durch Antriebe wie Handrad,
Regelarmaturen sind besondere Ven- n Bypassleitungen von Wasserkraftan- Elektroantrieb, Pneumatik- oder Hydrau-
tile, eigens für Regelaufgaben in der lagen, likantrieb in die gewünschte Regelposi-
Wasserversorgung konstruiert. Daher n Fernleitungen, tion bewegt. In kleineren Abmessungen
spricht man auch von Regelventilen. n Wasseraufbereitung in Wasserwerken, ist die übliche Bauform ein senkrecht zur
Im Gegensatz zu Absperrschiebern und n Wasserversorgung in Pumpstationen, Rohrleitungsachse angeordneter Dichtsitz
Absperrklappen, die überwiegend reine n Zulaufregelung von Hochbehältern, (Bild 7.6.1). Bei solch einer Ausführung
Absperrfunktionen in Rohrleitungsnetzen n Trinkwassernetze, spricht man dann von Kolbenventilen.
übernehmen, erfüllen Regelventile die n Kühlwasserkreisläufe von Industrie-
speziellen Anforderungen des Regelbe- und Kraftwerksbetrieben.
triebes. Regelventile finden ihren Ein-
satz überwiegend dort, wo Volumenströme Ein weiterer Einsatzfall ist die Zuluftre-
genau dosiert oder Wasserdrücke exakt gelung von Belebungsbecken in Kläranla-
geregelt bzw. abgebaut werden müssen. gen. Dort kommen Regelventile auch für
Hierfür können Regelventile in jeder das Medium Luft zum Einsatz, weil ihr
Stellung zwischen vollkommen offen bis Regelverhalten eine bessere Dosierung
geschlossen betrieben werden. ermöglicht als das von Plattenschiebern
oder Einklemmklappen (Kapitel 7.6.3.5).
7.6.2 Einsatzbereiche
7.6.3 Bauarten
Regelventile sind sowohl für gereinigtes
Rohwasser, Trinkwasser, als auch für Regelventile sind grundsätzlich in zwei
Kühlwasser mit Temperaturen von übli- unterschiedliche Gruppen aufzuteilen.
cherweise bis zu 50 ° C geeignet. Dies sind die fremdenergiebetätigen
Armaturen und die eigenmediumbetä-
tigten Armaturen. Bild 7.6.1:
Kolbenventil

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/52

Als besondere Bauform gibt es das Ring-


kolbenventil, bei dem sich der Abschluss-
zylinder in Rohrleitungsachse zum
Dichtsitz hin bewegt (Bild 7.6.2). Ringkol-
benventile werden z.  B. für die Regelung
sehr großer Wassermengen im Grundab-
lass von Stauseen eingesetzt (Bild 7.6.3).

Eigenmediumbetätigte Armaturen

Eigenmediumbetätigte Armaturen sind


Armaturen, bei denen die Kraft für die
Bewegung aus dem Druck in der Rohrlei- Bild 7.6.2: Bild 7.6.4:
tung erzeugt wird. Bei diesen Armaturen Ringkolbenventil Pilotgesteuertes Regelventil
gibt es sowohl pilotgesteuerte Regelven-
tile (Bild 7.6.4) als auch direkt gesteuerte
Ventile (Bild 7.6.5).

7.6.3.1 Kolbenventile

Bei Regelventilen in Kolbenform wird die


Strömung innerhalb des Ventils umge-
lenkt. Der Abschlusskolben bewegt
sich quer zur Rohrleitung. Diese Art
der Konstruktion kommt vorwiegend
in Größen bis DN 150 zum Einsatz. Das
Ventil besteht aus einem Gehäuse, einem Bild 7.6.3:
Anbauflansch, einer Aufsatzsäule, einer Ringkolbenventil DN 800, PN 10,
Schutzkappe und den Innenteilen mit mit Belüftung als Grundablassarmatur Bild 7.6.5:
Ventilkolben, Regelzylinder und Spindel. an einer Staumauer Direktgesteuertes Regelventil

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/53

Durch den druckentlasteten Ventilkolben Kolbenventile werden hauptsächlich


ist die zur Betätigung des Ventils nötige mit Elektroantrieben (Bild 7.6.6) be-
Kraft weitgehend unabhängig von den wegt. Es kommen aber auch Hand-
Betriebsbedingungen. Druck- und Durch- räder (Bild 7.6.7) und bei Behälterein-
flussmenge werden durch die Stellung läufen auch Gestänge mit Schwimmer
der Innenteile bzw. des Regelzylinders (Bild 7.6.8) zum Einsatz.
beeinflusst. Die Abdichtung am Ventil-
sitz erfolgt durch O-Ringe beziehungs- 7.6.3.2 Ringkolbenventile
weise auszugssichere Profildichtringe.
Das Ringkolbenventil (Bild 7.6.9) ist
eine Regelarmatur in Durchgangsform,
in jeder Stellung mit einem ringförmigen
Durchflussquerschnitt.

Bild 7.6.7:
Kolbenventil mit Handrad

Bild 7.6.6: Bild 7.6.8: Bild 7.6.9:


Kolbenventil mit Elekroantrieb Kolbenventil mit Schwimmer Ringkolbenventil

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/54

Im Inneren des Gehäuses wird die DN 2000 im Druckstufenbereich PN 10 stahl, gebaut. Innenteile werden meist
Abschlussbuchse (auch Kolben genannt) bis PN 63 nahezu durchgängig verfügbar. komplett aus Edelstahl gefertigt. Ein
durch einen Kurbeltrieb in Strömungs- Weltweit sind zahlreiche Ringkolbenven- wesentlicher Vorteil des Ringkolben-
richtung axial zum Dichtsitz der Armatur tile im Einsatz, sogar einzelne Ventile ventils ist die Kolbenführung mittels
hin bewegt. in der Druckstufe PN 160 (Bild 7.6.10). im Gehäuse aufgepanzerten oder auf-
Die kompakte Gehäuseausführung geschraubten nichtrostenden Längs-
Ringkolbenventile sind Regelorgane, wird durchgängig aus hochwertigem führungen (Bild 7.6.11). Dadurch ist
welche mittels kontinuierlicher Ein- duktilem Gusseisen hergestellt. eine optimale Führung der Abschluss-
schnürung zum Sitz unterschiedliche buchse und damit das spielfreie Gleiten
Druckverluste in Leitungssystemen In besonderen Anwendungen wurden bei gleichzeitig äußerst geringen Betä-
erzeugen, um die Durchflussmenge in bereits auch Ringkolbenventile in tigungskräften sichergestellt.
Abhängigkeit vom Stellweg zu verän- Sonderwerkstoffen, wie z.  
B. Edel-
dern. Je nach Anwendungsfall muss die Die Auslaufform des Ringkolbenventils
Armatur in der Nennweite ausreichend ist variabel (Bilder 7.6.12 bis 7.6.14) und
bemessen sein, damit bei geringster erlaubt in Form eines Baukastens eine
Druckdifferenz die größte geforderte
Durchflussmenge erreicht wird bzw.
maximale Druckdifferenzen dauerhaft
schadensfrei abgebaut werden können.
Außerdem dürfen über den gesam-
ten Stellweg keinerlei Schäden durch
Schwingungen oder Kavitationserschei-
nungen im nachfolgenden Leitungs-
system oder Bauwerk entstehen.

In den letzten Jahrzehnten wurde das


bewährte Ringkolbenventil für Regel-
aufgaben in der Wasserversorgung weiter
entwickelt. Heutige Ringkolbenventile Bild 7.6.10: Bild 7.6.11:
sind in den Nennweiten DN 150 bis Ringkolbenventil PN 160 Längsführungen des Ringkolbenventils

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/55

Regelventilen sind die sogenannten Mem-


branventile in ihrer Funktion als Druck-
minderventile. Diese Ventile haben eine
durch die Membran abgetrennte Kammer,
welche die Grundlage zur hydraulischen
Regelung der Ventilposition darstellt.
Aufgrund der Flächenunterschiede am
Ventilsitz und der Membran entsteht
bei gleichem Druck auf diesen Flächen
eine Kraft, die das Ventil schließt. Dieser
Zustand ist gegeben, wenn das Pilotventil
komplett geschlossen ist (Bild 7.6.15).
Bild 7.6.12: Bild 7.6.14:
Schlitzzylinder Sonderformen Bei geöffnetem Pilotventil strömt Was-
ser durch den Steuerkreis. Hierbei ent-
steht an einer Blende ein Druckabfall,
Veränderung der Ventilkennlinie. Dies ist der Druck in der Membrankammer und
ein ganz wesentlicher Vorteil der Ring- damit die schließende Kraft nimmt ab,
kolbenventile, die hiermit auch nach dem das Hauptventil öffnet sich (Bild 7.6.16).
Einbau in die Rohrleitung auf veränderte
Betriebsbedingungen abgestimmt werden Im Regelbetrieb öffnet das Pilotventil ent-
können. sprechend seiner Funktion (z. B.: Druck-
minderventil oder Überströmventil). Das
7.6.3.3 Pilotgesteuerte Ventile Hauptventil öffnet und schließt sich durch
die Druckunterschiede in der Membran-
Pilotgesteuerte Regelventile übernehmen kammer analog. Das Ventil regelt ent-
die verschiedensten Regelaufgaben, dabei sprechend der Vorgabe des Pilotventils.
arbeiten sie in fast allen Anwendungs- Bei Kräftegleichgewicht zwischen Sitz
Bild 7.6.13: fällen ohne Fremdenergie. Die häufigste und Membran verharrt das Ventil in der
Lochzylinder Ausführungsform von pilotgesteuerten vorliegenden Stellung (Bild 7.6.17).

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/56

Pilotventil Pilotventil
Hauptventil Hauptventil

Bild 7.6.15: Bild 7.6.17:


Hauptventil und Pilotventil geschlossen Hauptventil und Pilotventil im beginnenden Regelbetrieb

Pilotventil
Hauptventil

Bild 7.6.16: Bild 7.6.18:


Hauptventil und Pilotventil vollständig offen Pilotgesteuertes Ringkolbenventil mit Eigenmediumantrieb

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/57

Bei den pilotgesteuerten Regelventilen verstellbarer Druckfeder zur Ein- hat dieser keinen Einfluss auf die
gibt es auch Einsatzfälle, in denen Ring- stellung des Rückdrucks (P2) aus- Steuerfunktion des Ventils. Durch ent-
kolbenventile eingesetzt werden. Dazu gerüstet (Bild 7.6.19). Die beweg- sprechende Vorspannung der Feder
sind besondere Antriebe für den Einsatz lichen Ventilteile sind bezüglich des kann der Sollwert für den Rückdruck
im Wasser erforderlich (Bild 7.6.18). Vordruckes druckausgeglichen, dadurch eingestellt bzw. verändert werden.

7.6.3.4 Direktgesteuerte
Regelventile

Direktgesteuerte Regelventile (Bild


7.6.5) werden vorwiegend zur Druck-
reduzierung eingesetzt. Sie müssen in
der Lage sein, unabhängig vom Durch-
fluss einen schwankenden Vordruck in
einen niedrigeren Versorgungsdruck
um-zuwandeln. Direktgesteuerte, feder-
belastete Druckreduzierventile sind
hierzu gut geeignet und bieten eine
wirtschaftlich interessante Lösung,
wenn keine hohen Anforderungen
an die Regelgenauigkeit gestellt wer-
den. Im Unterschied zu pilotgesteu-
erten Druckminderventilen fällt bei
steigender Durchflussmenge der ein-
gestellte Rückdruck ab. Bei einer
Druckdifferenz von mehr als 3 bar
zwischen Vor- und Rückdruck ist der
Einsatz dieser Ventile wegen möglicher
auftretender Kavitation nicht mehr Bild 7.6.19:
empfehlenswert. Die Ventile sind mit Aufbau des Ventils

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/58

Fällt der Rückdruck unter den ein- 7.6.4 Betriebsgrenzen


gestellten Wert, so öffnet das Ventil.
Steigt er wieder an, so schließt es. Die in den technischen Dokumentationen
Besteht zwischen der Kraft am Ventil- der Hersteller angegebenen maximalen
teller und der Federkraft ein Gleich- Betriebstemperaturen sowie Betriebs-
gewicht, so steht das Ventil in einer drücke dürfen nicht überschritten
Zwischenstellung. werden. Die geschlossene Armatur darf
nur bis zum maximal zulässigen Druck
7.6.3.5 Sonderanwendungen Ps,max belastet werden. Dieser kann von
PN abweichen. Umgangssprachlich wird
Der Einsatz von Ventilen zur Rege- bei PN vom Nenndruck gesprochen. Per
lung von Druckluft ist eine mögliche Definition nach EN 1333 [7.6-02] ist PN
Sonderanwendung. Für die Zuluft- aber nur eine alphanumerische Kenn-
regelung von Belebungsbecken in größe mit der sichergestellt werden soll,
Kläranlagen können dann auch beson- dass Rohrleitungsteile miteinander ver-
dere Absperrschieber wie Platten- bunden werden können.
schieber (Bilder 7.6.20 und 7.6.21)
oder Einklemmklappen zum Einsatz Die größte zulässige Strömungsge-
kommen, da die zu beherrschenden schwindigkeit orientiert sich an der
Betriebsdrücke sehr gering sind. Bei Bild 7.6.20: Bild 7.6.21: EN 1074-1 [7.6-03]. Darüber hinaus
Betriebsdrücken über 0,5 bar sind Plattenschieber Plattenschieber dürfen Regelventile unabhängig von
die Anforderungen aus der Druckgerä- mit Lochblende mit Regel- der Druckstufe mit bis zu 5 m/s Strö-
terichtlinie [7.6-01] zu beachten. blende mungsgeschwindigkeit betrieben wer-
den. Diese gelten als Richtwerte bei
vollem Betriebsdruck. Bei höheren
Strömungsgeschwindigkeiten kann es
zu Turbulenzen in der Armatur und auch
zu Kavitation kommen. Ausnahmen sind
der Einsatz als Endarmatur in Grundab-
lässen von Talsperren und Staudämmen.

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/59

Für die Auswahl der richtigen Nenn- 7.6.5 Literatur Kapitel 7.6 [7.6-03] EN 1074-1
weite DN wird in dem DVGW-Merkblatt Valves for water supply –
W 335 [7.6-04] ein wichtiger Satz genannt: [7.6-01] DIRECTIVE 97/23/EC Fitness for purpose requirements
„Bei allen Regelarmaturen ist die DIRECTIVE 97/23/EC OF THE and appropriate verification tests –
richtige Dimensionierung nicht von EUROPEAN PARLIAMENT AND Part 1: General requirements
der Rohrleitungs-Nennweite abhängig, OF THE COUNCIL of 29 May 1997 [Armaturen für die Wasserver-
sondern von der Durchflussmenge und on the approximation of the laws sorgung –
von den Betriebsdrücken“. of the Member States concerning Anforderungen an die Gebrauchs-
pressure equipment tauglichkeit und deren Prüfung –
Aus diesem Grund ist es wichtig, die Anla- „Pressure Equipment Teil 1: Allgemeine Anforderungen]
gendaten für die Auswahl der Regelarma- Directive (PED)“ 2000
tur bereit zu halten, damit die Eignung mit [Richtlinie 97/23/EG
den technischen Daten des Herstellers des europäischen Parlaments [7.6-04] DVGW-Merkblatt W 335
abgeglichen werden kann. und des Rates vom 29. Mai 1997 Druck-, Durchfluss- und Niveau-
zur Angleichung der Rechts- regelung in Wassertransport und
Eine weitere wichtige Betriebsgrenze vorschriften der Mitgliedstaaten -verteilung
für Regelarmaturen ist die Kavitation. über Druckgeräte – [DVGW technical information
Für jeden Einsatzfall sollte eine Kavita- „Druckgeräterichtlinie (DGRL)“] sheet W 335
tionsbetrachtung durchgeführt werden, 1997-05-29 Pressure, flow and level control
damit die Regelarmatur dauerhaft ohne in water transport and water
Schaden ihre Arbeit verrichten kann [7.6-02] EN 1333 distribution]
(Kapitel 7.3). Flanges and their joints – 2000-09
Pipework components –
Definition and selection of PN
[Flansche und ihre Verbindungen –
Rohrleitungsteile –
Definition und Auswahl von PN]
2006

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/60

7.7 Be- und Entlüftungsventile erhöhen den Druckverlust in der Leitung bestimmte Voraussetzungen, wie Druck-
und erzeugen unter Umständen uner- absenkungen und Temperaturer-
wünschte Druckstöße. höhungen gegeben sind. So sammeln sich
7.7.1 Allgemeines Luftblasen an (Bild 7.7.1)
Be- und Entlüftungsventile sind im n geodätischen Hochpunkten
Nach dem DVGW-Merkblatt W 334 Allgemeinen in Schächten oder Gebäu- (L 1, L 3, L 6, L 7) und
[7.7-01] können Luftansammlungen in den eingebaut. Sie können auch auf n hydraulischen Hochpunkten
Trinkwasserleitungen zu erheblichen oberirdisch verlaufenden Rohrleitungen (L 2, L 4).
dynamischen Druckänderungen infolge angeordnet werden. Es gibt jedoch Hydraulische Hochpunkte treten ggf. in
der unterschiedlichen Dichte der beiden auch Ausführungen, die für den erd- bestimmten Betriebssituationen auf und
Medien führen. Daher müssen Rohr- überdeckten Einbau geeignet sind, so sind vorübergehender Natur.
leitungen möglichst luftfrei sein und genannte Be- und Entlüftungsgarni-
gehalten werden. turen. 7.7.3 Belüften
Luft kann auf verschiedenen Wegen in
die Rohrleitungen gelangen, zum Beispiel: 7.7.2 Entlüften Belüften über selbsttätige Belüftungsven-
n gelöst im Wasser, tile ist in folgenden Fällen erforderlich:
n vorhanden in der leeren oder Das Entlüften ist im normalen Netz- n Entleerung von Leitungsabschnitten,
geleerten Rohrleitung, betrieb nicht erforderlich, da durch n bei Unterdruckbildung zum Schutz der
n eingesaugt an Hochpunkten, Abzweigungen, Hydranten und vor allem Leitung (zum Beispiel hinter Rohr-
n eingesaugt am Pumpensumpf, Hausanschlüsse eine selbsttätige Ent- bruchsicherungen) (Bild 7.7.1).
n eingetragen über Windkessel. lüftung eintritt. Auch bei Fernleitungen
ist dann keine Zwangsentlüftung erfor- 7.7.4 Auswahl verschiedener
Zur Absicherung der Rohrleitung gegen derlich, wenn die Strömungsgeschwin- Be- und Entlüfter
unzulässige Druckschwankungen für digkeit ausreicht, auch bei abfallendem
einen störungsfreien Betrieb ist je nach Leitungsverlauf, die Luftblasen mit- Die meisten Bauarten der Be- und
Betriebszustand eine Entlüftung oder zureißen. In Fällen, wo sich störende Entlüfter (Bild 7.7.2) basieren auf dem
Belüftung der Leitungsanlage erforder- Luftansammlungen bilden können, Schwimmkörperprinzip, mit und ohne
lich. Die in Leitungen eingeschlossenen sind selbststätig wirkende Entlüfter Hebelverstärkung.
Gasblasen (Luft, Kohlensäure usw.) ver- vorzusehen. Luft in Wasserleitungen ist
ringern den freien Strömungsquerschnitt, hauptsächlich dort zu erwarten, wo

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/61

Bild 7.7.1: Bild 7.7.2:


Einbauorte von Be- und Entlüftungsventilen in einer Rohrleitung Be- und Entlüftungsventile

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/62

7.7.4.1 Schwimmkörperprinzip Schwimmkörper mit kleinem Das Be- und Entlüftungsventil kann
Durchmesser sowohl über die Haupt- als auch über die
Schwimmkörper mit großem Betriebsentlüftung wirksam werden. Die-
Durchmesser Der Schwimmkörper wird vom Betriebs- ser Zustand tritt zum Beispiel zu Beginn
medium angehoben und verschließt die der Befüllung einer Rohrleitung mit
Der Schwimmkörper wird vom Betriebs- Düse (Bild 7.7.3). Er öffnet wieder, wenn Wasser auf.
medium angehoben, bleibt unter Druck sich im Gehäuse während des Betriebes
immer geschlossen, auch bei Luftan- Luftblasen ansammeln (Bild 7.7.4).
sammlungen während des Betriebs
(Bilder 7.7.3 und 7.7.4).

Hauptentlüftung Betriebsentlüftung Hauptentlüftung Betriebsentlüftung

Großer Kleiner Großer Kleiner


Schwimmkörper Schwimmkörper Schwimmkörper Schwimmkörper

Bild 7.7.3: Bild 7.7.4:


Be- und Entlüftungsventil mit großem Das Ventil ist dicht geschlossen.
und kleinem Schwimmkörper im geöffneten Zustand Sowohl die Haupt- als auch die Betriebsentlüftung ist verschlossen,
weil keine Luftansammlung in der Rohrleitung vorhanden ist

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/63

7.7.4.2 Ventilhebelfunktion

Im normalen Betriebszustand steht der


Schwimmkörper in seiner oberen Posi-
tion. Die Düsenventile sind geschlossen
(Bild 7.7.5, links). Bei negativer Druck-
welle fällt der Schwimmerkörper ab.
Die Düsenventile öffnen. Über die Düsen
wird Luft in die Leitung gesaugt. Der
Flüssigkeitsspiegel sinkt entsprechend ab
(Bild 7.7.5, Mitte). Sobald die Druckwelle
in Positivdruck umschlägt, verschließt
der mittlere Ventilteller die große Düse
(Bild 7.7.5, rechts).
Bild 7.7.5:
Bild 7.7.6 zeigt einen Schnitt durch ein Wirkungsweise von Schwimmkörper und Ventilhebelfunktion
Be- und Entlüftungsventil mit Ventilhe-
belfunktion, einsetzbar in Ventilen für Links: Das Ventil ist geschlossen. Der Schwimmkörper steht in seiner oberen Position
Wasser- und Abwasserdruckleitungen
(Bild 7.7.7). Mitte: Bei negativem Druck fällt der Schwimmkörper ab. Die Düsenventile öffnen und Luft
tritt in die Leitung ein. Der Flüssigkeitsspiegel sinkt entsprechend ab.
7.7.4.3 Hebelprinzip
Rechts: Sobald die Druckwelle in positiven Druck umschlägt, verschließt der mittlere Ventil-
Ein Schwimmkörper ist an einem Hebel teller die große Düse. Hierbei arbeitet der frei bewegliche Ventilteller wie ein Rück-
befestigt, welcher an einem Gelenk gela- schlagventil. Die dadurch eingespannte Luft kann nur nochlangsam und gesteuert
gert ist. Der Hebel führt eine Schwenk- über die beiden kleinen Düsen austreten. Die beiden Wassersäulen werden abge-
bewegung aus (Bild 7.7.8). bremst und fließen langsam aufeinander zu. Ein Aufeinanderschlagen und die daraus
resultierenden Folgen werden vermieden.

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/64

Betriebsentlüftung

Ventilstößel

Kleiner
Schwimmkörper Ventil Ventilteller

Bild 7.7.6:
Schnittdarstellung eines Einkammerventils mit Ventilhebel für kleine und große Luftvolumina

Hebel
Schwimmkörper

Bild 7.7.8:
Unterschiedliche Hebelprinzipien am
Be- und Entlüftungsventil –
Die Darstellung zeigt die Betriebsent-
lüftung. Der Schwimmkörper ist an einem
Hebel befestigt. Ein Ventilstößel am Hebel
verschließt die Entlüftungsbohrung bei
positivem Druck. Bei negativem Druck sinkt
der Schwimmkörper ab und die Bohrung
Bild 7.7.7: wird geöffnet. Luft kann entweichen.
Be- und Entlüftungsventil mit Hebelfunktion für Abwasserdruckleitungen

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E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/65

7.7.4.4 Staudruckbremse

Im Gehäuse der Armatur ist ein Absperr-


körper in der Strömung beweglich gela-
gert. Bei Überschreiten einer bestimmten
Strömungsgeschwindigkeit wird der
Absperrkörper vom Medium in den
Gehäusesitz geführt. Es bleibt nur ein
reduzierter Querschnitt frei. Diese Stau-
druckbremse wird eingesetzt, um das Be-
und Entlüftungsventil vor Druckstößen zu
schützen (Bild 7.7.9).
Feder
7.7.4.5 Be- und Entlüftungsventil
Staudruck-
mit Absperrschieber
bremse

Damit in Revisionsfällen das Be- und


Entlüftungsventil von der Rohrleitung
abgetrennt werden kann, wird häufig
vor dem Be- und Entlüftungsventil ein Bild 7.7.9: Bild 7.7.10:
Absperrschieber angeordnet. So kann das Be- und Entlüftungsventil mit Staudruck- Be- und Entlüftungsventil mit Absperr-
Be- und Entlüftungsventil auch während bremse schieber
des Betriebes der Hauptleitung demon-
tiert oder gereinigt werden (Bild 7.7.10).
Ein weichdichtender Schieber ist für diese
Funktion am besten geeignet, da er einen
freien Durchgang zulässt.

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/66

7.7.4.6 Be- und Entlüftungsventil 7.7.4.7 Be- und Entlüftungsventil 7.7.4.8 Betriebseigenschaften
mit Belüftungssperre mit Entlüftungssperre
Wird beim Füllen von Rohrleitungen über
Um das Belüften bei kleinen Be- und Um das Entlüften bei kleinen Be- und Entlüftungsventile die Luft abgegeben,
Entlüftungsventilen zu verhindern Entlüftungsventile zu verhindern und nur muss die Füllgeschwindigkeit möglichst
und nur das Entlüften sicherzustellen, das Belüften zu erlauben, werden häu- niedrig gehalten werden. Der gefürchtete
werden häufig Be- und Entlüftungs- fig Be- und Entlüftungsventile mit Ent- Druckstoß (Joukowsky-Stoß), der dann
ventile mit Belüftungssperre eingesetzt lüftungssperre eingesetzt (Bild 7.7.12). eintritt, wenn der Schwimmkörper des
(Bild 7.7.11). Diese Ventile finden ihre Diese Ventile finden ihre Anwendung Entlüftungsventils am Ende des Füll-
Anwendung hauptsächlich bei Saug- hauptsächlich bei Druckleitungen für vorgangs schlagartig den Ventilsitz ver-
leitungen für mechanisch gereinigtes Trinkwasser oder mechanisch gerei- schließt, muss unterhalb der zulässigen
Wasser oder im Trinkwasserbereich. nigtes Wasser. Druckbelastung (PMA = höchster zeit-
weise auftretender Druck, einschließlich
Druckstoß, dem ein Rohrleitungsteil im
Betrieb standhält [7.6-02]) der Rohrlei-
Belüftungs- tung bleiben. In der Regel wird der zuläs-
sperre sige Druckstoß aus Sicherheitsgründen
auf 3 bar begrenzt. Die Füllgeschwindig-
keit ist nach dem DVGW-Merkblatt W 334
[7.6-01] auf 0,25 m/s begrenzt.

Die Größe und Anzahl der Entlüftungs-


ventile ist in Abhängigkeit von der Nenn-
Entlüftungs- weite der Leitung, der Füllmenge, der
sperre Topografie sowie der maximal zulässigen
Luftgeschwindigkeit im engsten Quer-
schnitt des Entlüftungsventils (Hauptent-
Bild 7.7.11: Bild 7.7.12: lüftung) festzulegen.
Be- und Entlüftungsventil mit Belüftungs- Be- und Entlüftungsventil mit Entlüftungs-
sperre sperre

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/67

Bei der Größe der Belüftung geht man in 7.7.4.10 Be- und Entlüftungsventil Das Ventil ist mit einem Innenge-
der Regel davon aus, dass der Absolut- für kleine Luftmengen winde versehen und kann direkt auf
druck von 0,8 bar (0,2 bar Unterdruck) in die Rohrleitung montiert werden
der Leitung nicht unterschritten werden Es gibt Be- und Entlüftungsventile (Bild 7.7.15). Derartige Ventile werden
soll. Die Grenze wird erfahrungsgemäß zum Zu- und Abführen von kleinen Luft- vorwiegend in Gebäudeinstallationen
mit genügender Sicherheit eingehalten, mengen. eingesetzt.
wenn die Lufteintrittsgeschwindigkeit
im richtig dimensionierten Belüfter nicht
über 80 m/s liegt. Auch aus Gründen der
Lärmbelästigung soll die Geschwindigkeit
von 80 m/s nicht überschritten werden.

7.7.4.9 Be- und Entlüftungsventil


für den Erdeinbau

Generell werden Be- und Entlüftungs-


ventile in Schächte eingebaut. Die Bau-
weise ist im DVGW-Arbeitsblatt W 358
[7.7-03] beschrieben. Um das Schacht-
bauwerk einzusparen, werden Be- und
Entlüftungsgarnituren eingesetzt (Bil-
der 7.7.13 und 7.7.14). Links dargestellt
das Be- und Entlüftungsventil, welches
Unterflur über eine Straßenkappe ent-
lüftet. In der rechten Darstellung ist eine
Überflurausführung dargestellt.

Bild 7.7.13: Bild 7.7.14:


Be- und Entlüftungsventil für den Be- und Entlüftungsventil für den
Erdeinbau Erdeinbau – Überflurausführung

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/68

7.7.5 Literatur Kapitel 7.7

[7.7-01] DVGW-Merkblatt W 334


Be- und Entlüften von
Trinkwasserleitungen
[DVGW technical information
sheet W 334
Aeration and air release for
drinking water pipelines]
2007-10

[7.7-02] EN 805
Water supply –
Requirements for systems and
components outside buildings
Bild 7.7.15: [Wasserversorgung –
Be- und Entlüftungsventil für kleine Luftmengen mit Innengewindeanschluss Anforderungen an Wasserver-
sorgungssysteme und deren Bau-
teile außerhalb von Gebäuden]
2000

[7.7-03] DVGW-Arbeitsblatt W 358


Leitungsschächte und Auslauf-
bauwerke
[DVGW worksheet W 358
Manholes and outlet structures
for piping systems]
2005-09

08.2015
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/69

7.8 Hydranten Mögliche Anwendungsbereiche für Weiter gehende Regelungen (länderspe-


Hydranten: zifisch) sind in den Normen EN 14384
7.8.1 Einsatzbereich n Entnahme von Löschwasser, [7.8-03] und EN 14339 [7.8-04] zu finden.
n Be- und Entlüften von Rohrleitungen,
Ein Hydrant ist Teil der zentralen n Spülen von Rohrnetzen, vor allem Da man bei den Benutzern von unter-
Löschwasserversorgung von Städten an Endsträngen aus hygienischen schiedlichen Qualifikationen ausgehen
und Gemeinden. Er ermöglicht der Gründen, muss, werden an die Konstruktion, die
Feuerwehr, aber auch öffentlichen n Herstellen von provisorischen Bedienbarkeit, die Wartungsfreundlich-
(z. B. Straßenmeisterei, Stadtbetriebe) Netzverbindungen, keit sowie die Betriebssicherheit hohe
und privaten (z. B. Straßenreinigungs- n Notwasserentnahme, Anforderungen gestellt:
firmen, Zeltfestveranstaltern) Nutzern n zeitliche begrenzte Entnahme:
die Wasserentnahme aus dem öffent- z. B. für Bauzwecke, Volksfeste usw., 1. Geringer Durchflusswiderstand:
lichen Wasserleitungsnetz (Sammel- n Überbrückungen von Notver- n Strömungsgünstige Konstruktion von
wasserversorgung). Außerdem erweisen sorgungen, Gehäuse und Ventilkörper,
sich Hydranten als sehr hilfreich für n Entleeren von Rohrleitungen, n Mindestdurchfluss bei 1 bar
Betriebsmaßnahmen, wie das Spülen n Leckortung. Druckdifferenz (kV-Wert):
und Be- und Entlüften von Rohrnetzen. Überflurhydranten nach
Sie sind die einzigen Armaturen, die eine Nach Lage der Ausflussöffnung unter- Tabelle 7.8.-01,
unmittelbare Entnahme von Trinkwasser scheidet man zwischen Unterflur- und Unterflurhydranten nach EN 14339
aus dem Versorgungsnetz erlauben. Überflurhydranten. Für die Brandbe- [7.8-04]
kämpfung sind Überflurhydranten vor- - 60 m³/h bei DN 80 und
Im DVGW-Arbeitsblatt W 331 [7.8-01] zuziehen; sie sind leicht aufzufinden, - 75 m³/h bei DN 100.
sind Auswahl, Einbau und Betrieb von leicht zugänglich und jederzeit betriebs-
Hydranten geregelt und im DVGW- bereit. Bei dichter Bebauung, in engen 2. Druckwasserdichtheit:
Arbeitsblatt W 405 [7.8-02] die Bereit- und verkehrsreichen Straßen müssen n Bei Hydranten mit selbsttätiger Ent-
stellung von Löschwasser. jedoch Unterflurhydranten verwendet leerung muss die Hauptabsperrung
werden, deren Lage durch Hinweisschil- geschlossen sein, bevor die Entlee-
der zu kennzeichnen ist. rung öffnet, bzw. die Entleerung muss
geschlossen sein, bevor die Hauptab-
sperrung öffnet.

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/70

Tabelle 7.8.-01:
Mindestdurchflusswerte kV bei Überflurhydranten nach Tabelle 4 der EN 14384 [7.7-03]

Anzahl und Größe der zu prüfenden Abgänge

Hydrant 1 x 37,5 2 x 37,5 1 x 50 2 x 50 1 x 65 2 x 65 1 x 100 2 x 100 1 x 150 2 x 150


DN mm mm mm mm mm mm mm mm mm mm
80 und
30 60 40 60 80 140 160 a) – – –
100

150 – – – – 80 140 160 280 300 –

a)
 Gilt nicht für DN 80
– Kombination DN/Größe des Abgangs nicht zulässig

Tabelle 7.8.-02: 3. Geringe Restwassermenge: 4. Wurzelschutz:


Maximale Restwassermenge nach der Ent- n Bei selbsttätiger Entleerung zulässige n Die Entleerungsöffnung muss gegen
leerung von Oberflur- und Unterflurhydranten Restwassermengen nach EN 14384 das Eindringen von Wurzeln geschützt
[7.8-03] und EN 14339 [7.8-04] mit sein, z. B. 50 mm Trockenstrecke
Maximale Restwassermenge nach der Verweis auf die EN 1074-6 [7.8-05] unterhalb der Entleerung nach
Entleerung gemäß EN 1074-6 [7.7-05] gemäß Tabelle 7.8-02 für Überflur- DVGW-Prüfgrundlage VP 325 [7.8-06].
und Unterflurhydranten,
DN Restwassermenge max. ml
65 100
80 100
100 150
150 200

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/71

5. Betätigung der Hauptabsperrung: 7.8.2 Werkstoffe 7.8.3 Überflurhydranten


n Nach EN 1074-6 [7.8-05] gelten
folgende maximale Betätigungs- n Gehäuseteile sind i. d. R. aus Guss- In der öffentlichen Wasserversorgung
momente: eisen mit Kugelgrafit nach EN 1563 eingesetzte Überflurhydranten müs-
- DN 65: 85 Nm, [7.8-07] sowie aus Stahl. Nach sen den Anforderungen der EN 14384
- DN 80: 105 Nm, EN 14384 [7.8-03] sind auch andere [7.8-03], der EN 1074-1 [7.8-08], der
- DN 100: 130 Nm, Werkstoffe zulässig. Z. B. sind auch EN 1074-6 [7.8-05] sowie ggf. weiteren
- DN 150: 195 Nm. Oberteile aus Aluminium erhältlich nationalen Regelwerken, wie z. B. dem
(Bild 7.8.2-01). DVGW-Arbeitsblatt W 386 (P) [7.8-09]
6. Schutz Spindelabdichtung: n Als Werkstoffe für Absperrelemente entsprechen.
n Schutz vor eindringendem Oberflä- werden PUR (Polyurethan) und
chenwasser und Schmutz oberhalb EPDM (Ethylen-Propylen-Dien- 7.8.3.1 Aufbau
der Dichtung (O-Ringe). Monomer) eingesetzt.
n Überflurhydranten ragen über das
7. Keine Totwasserräume: Bodenniveau hinaus, enthalten ein
n Alle mit Trinkwasser in Berührung Hauptabsperrventil und einen oder
kommenden Teile müssen beim Öff- mehrere Abgänge zur Wasserent-
nen oder im geöffneten Zustand von nahme.
der Strömung erfasst werden.
n Überflurhydranten bestehen aus
8. Innen- und Außenbeschichtung: zwei Teilen: dem Hydrantenunterteil,
n Die Innen- und Außenbeschichtung welches das Hauptventil beinhaltet
wird in Kapitel 7.2 behandelt. und im Erdreich verbaut wird sowie
das Hydrantenoberteil, welches in der
Regel auf Bodenhöhe angeflanscht
wird.

Bild 7.8.2-01:
Überflurhydrant – Oberteil aus Aluminium

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/72

n Überflurhydranten sind mit einer


Sollbruchstelle ausgestattet, welche
in der Regel im Verbindungsflansch
zwischen Hydrantenoberteil und
-unterteil liegt. Sie dient dem Schutz
des Hydrantenunterteils und der
angeschlossenen Rohrleitung.

n Überflurhydranten werden vorwie-


gend in den Nennweiten DN 80 und
DN 100 sowie für einen zulässigen
Bauteilbetriebsdruck PFA = 16 bar
eingesetzt. Sie gibt es mit vertikalem
oder horizontalem Einlauf mit
Flansch-, Muffen- oder Spitzendan-
schluss (Bilder 7.8.3-01 und 7.8.3-02).

n Übliche Rohrüberdeckungen bewe-


gen sich zwischen 1,25 m und 1,5 m.
Damit wird sichergestellt, dass das
Hauptventil auch bei minimaler Rest-
wassermenge nicht einfrieren kann.
Kleinere Rohrdeckungen bis minimal Bild 7.8.3-01: Bild 7.8.3-02:
0,2 m können in Tunneln mit beeng- Überflurhydrant DN 100 – Ausführungsbeispiele – Überflurhydrant DN 100 –
ten Platzverhältnissen vorkommen 2 Abgänge B 2 Abgänge B, 1 Abgang A mit Flanschanschluss
(Bilder 7.8.3-03 und 7.8.3-04).

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/73

Bild 7.8.3-03: Bild 7.8.3-04: Bild 7.8.3-05:


Tunnelhydrant höhenverstellbar Tunnelhydrant mit Handrad als Überflurhydranten DN 100
mit Einlaufbogen und Montagesockel Bedienelement mit Flanschanschluss –
Unterteil höhenverstellbar
n Normalerweise sind Hydranten- In der Schweiz werden vorwiegend
unterteile für fixe Rohrdeckungen höhenverstellbare Hydrantenunter-
ausgelegt. teile eingebaut (Bild 7.8.3-05).

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/74

n Überflurhydranten unterscheiden
sich in der Art der Sicherung ihrer
Abgänge B – ohne Fallmantel
(Bild 7.8.3-06) oder mit Fallmantel
(Bilder 7.8.3-07 und 7.8.3-08).

Bild 7.8.3-06: Bild 7.8.3-07: Bild 7.8.3-08:


Schnittbild eines Beispiele von Überflurhydranten DN 100 Überflurhydrant
Überflurhydranten mit 2 Abgängen B und 1 Abgang A mit mit geöffnetem
DN 100 geschlossenem Fallmantel Fallmantel –
mit 2 Abgängen B 2 Abgänge B und
und 1 Abgang A 1 Abgang A
mit Edelstahlsäule

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/75

n Bild 7.8.3-09 zeigt einen Überflur- 7.8.4 Unterflurhydranten


hydranten ohne Fallmantel mit ab-
sperrbaren Abgängen B. In der öffentlichen Wasserversorgung
eingesetzte Unterflurhydranten müssen
n Die Bedienung erfolgt über länder- den Anforderungen der EN 14339
spezifische Hydrantenschlüssel. [7.8-04], der EN 1074-1 [7.8-08], der
EN 1074-6 [7.8-05] sowie ggf. weiteren
n Überflurhydranten können eine nationalen Regelwerken, wie z. B. dem
einfache oder doppelte Absperrung DVGW-Arbeitsblatt W 386 (P) [7.8-09]
haben. Die doppelte Absperrung wird entsprechen.
meist mittels einer Kugel oder eines
Kegels ausgeführt. 7.8.4.1 Aufbau

7.8.3.2 Befestigungsvarianten Unterflurhydranten werden vorwie-


gend in den Nennweiten DN 80 und
Überflurhydranten werden in unter- DN 100 eingesetzt. Sie befinden sich
schiedlichen Rohr- und Rohrverbin- meist in einer Straßenkappe nach
dungssystemen eingesetzt. Dafür gibt es DIN 4055 [7.8-10] und können von dort
verschiedene Verbindungen: bedient werden. Zur Wasserentnahme
wird immer ein Standrohr entsprechend
n Hydrant mit Flansch-Verbindung, DIN 14375-1 [7.8-11] benötigt, welches
n Hydrant mit Spitzende in verschie- in der Klaue befestigt wird. Neben dem
denen längskraftschlüssigen Sys- Klauenanschluss existieren länder-
Bild 7.8.3-09: temen (Novo SIT®, TYTON SIT spezifisch unterschiedliche Anschlüsse,
Hydrantenoberteil eines Überflur- PLUS®, BLS®, VRS®-T, BAIO®, vonRoll z. B. in der Schweiz auch Anschlüsse mit
hydranten ohne Fallmantel mit HYDROTIGHT, Schraubmuffe o. ä.). Rundgewinde.
absperrbaren Abgängen B

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/76

Die Hauptabsperrung wird mit einem


aufgesetzten Hydrantenschlüssel betä-
tigt. Es existieren länderspezifische Aus- Vierkantschoner
führungen des Hydrantenschlüssels,
z. B. nach DIN 3223 [7.8-12]. Klauendeckel

Unterflurhydranten bestehen aus ein- Selbstschließender


oder zweiteiligen Gehäusen, auch Man- Klauenverschluss
telrohre oder Steigrohre genannt, deren
unterer Teil das Absperrorgan aufnimmt. Betätigungsgestänge
Die Öffnungsbewegung kann gegen oder
in Strömungsrichtung erfolgen. Unterflur-
hydranten können eine einfache oder
doppelte Absperrung haben. Die doppelte
Absperrung wird meist mittels einer Hauptabsperrung
Kugel oder eines Kegels ausgeführt
(Bilder 7.8.4-01 und 7.8.4-02). Selbsttätige
Entwässerung
Die doppelte Absperrung hat den Vor-
teil, dass das Absperrorgan einschließ- Doppelte Absperrung
lich seiner Antriebselemente unter vollem
Leitungsdruck über die Straßenkappe
ausgewechselt werden kann. Bei Verwen-
dung von Hydranten mit Doppelabsper- Bild 7.8.4-01: Bild 7.8.4-02:
rung können die Vorschieber entfallen. Unterflurhydrant DN 80 – doppelte Absperrung, Unterflurhydrant DN 80 –
Öffnungsrichtung entgegen der Strömungsrichtung – doppelte Absperrung, Öffnungs-
Beschichtung mit Epoxidharzpulver richtung entgegen der Strömungs-
richtung – Vollemaillierung

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/77

Da sich der Unterflurhydrant meist 7.8.5 Industriehydranten


in einer Straßenkappe befindet,
besteht die Gefahr, dass bei unzurei- Der Einsatzbereich von Industriehy-
chender Wartung und in ungünstigen dranten ist, wie der Name sagt, z. B. in
Standorten (Straßensenken) Straßen- Industrieanlagen, Kraftwerken, Flughäfen
splitt, Steine oder andere kleinere Fremd- usw., dort wo große Mengen an Lösch-
körper in das Gehäuse gelangen und wasser benötigt werden (Bilder 7.8.5-01
das Absperrorgan beschädigen können. und 7.8.5-02).
Um die Gefahr zu minimieren werden
im Bereich der Klaue zwei Systeme ver-
wendet, Venenklappe und Deckel.

7.8.4.2 Befestigungsvarianten

Unterflurhydranten werden in unter-


schiedlichen Rohr- und Rohrverbin-
dungssystemen eingesetzt. Dafür gibt es
verschiedenen Verbindungen:
n Hydrant mit Flansch-Verbindung,
n Hydrant mit Spitzende in verschie-
denen längskraftschlüssigen
Systemen (Novo SIT®, TYTON SIT
PLUS®, BLS®, VRS®-T, BAIO®, vonRoll
HYDROTIGHT, Schraubmuffe o. ä.). Bild 7.8.5-01: Bild 7.8.5-02:
Industriehydrant für die Löschwasser- Industriehydrant für die Löschwasser-
versorgung in Industrieanlagen versorgung bei Flughäfen

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/78

Der Industriehydrant verfügt über


einen Flanschanschluss DN 150, PN 16,
2 oberen B-Abgängen und für Indus-
triehydranten charakteristisch 2 unteren
A-Abgängen. Industriehydranten gibt
es mit oder ohne Fallmantel (Bilder
7.8.5-03 und 7.8.5-04).

Industriehydranten haben üblicher-


weise die gleiche Bauart wie Überflur-
hydranten. Eine besondere Bauart ist
ein Industriehydrant mit einem Kugel-
hahn (Kapitel 7.3.3) als Absperrorgan
(Bild 7.8.5-05).

Bild 7.8.5-03: Bild 7.8.5-04: Bild 7.8.5-05:


Industriehydrant mit Kugelhahn DN 150 Industriehydrant mit Kugelhahn DN 150 Kugelhahn als Absperrorgan eines Indus-
ohne Fallmantel mit Fallmantel triehydranten DN 150

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/79

7.8.6 Literatur Kapitel 7.8 [7.8-05] EN 1074-6 [7.8-08] EN 1074-1


Valves for water supply – Valves for water supply –
[7.8-01] DVGW-Arbeitsblatt W 331 Fitness for purpose require- Fitness for purpose require-
Auswahl, Einbau und Betrieb ments and appropriate verifi- ments and appropriate
von Hydranten cation tests – verification tests –
[Selection, installation and Part 6: Hydrants Part 1: General requirements
operation of hydrants] [Armaturen für die Wasserver- [Armaturen für die Wasser-
2006-11 sorgung – Anforderungen versorgung –
an die Gebrauchstauglichkeit Anforderungen an die
[7.8-02] DVGW-Arbeitsblatt W 405 und deren Prüfung – Gebrauchstauglichkeit
Bereitstellung von Löschwasser Teil 6: Hydranten] und deren Prüfung –
durch die öffentliche Trink- 2008 Teil 1: Allgemeine Anfor-
wasserversorgung derungen]
[Provision of extinguishing [7.8-06] DVGW-Prüfgrundlage VP 325 2000
water by the public drinking Hydranten in der Trinkwasser-
water supply system] verteilung – Anforderungen [7.8-09] DVGW-Prüfgrundlage W 386,
2008-02 und Prüfung Entwurf Hydranten in der
[Hydrants in drinking Trinkwasserverteilung –
[7.8-03] EN 14384 water distribution – Anforderungen und Prüfungen
Pillar fire hydrants Requirements and testing] [DVGW test specification W 386,
[Überflurhydranten] 2008-01 draft Hydrants in drinking
2005 water distribution –
[7.8-07] EN 1563 Requirements and testing]
[7.8-04] EN 14339 Founding – 2014-01
Underground fire hydrants Spheroidal graphite cast irons
[Unterflurhydranten] [Gießereiwesen –
2005 Gusseisen mit Kugelgraphit]
2011

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 7. Kapitel: Armaturen 7/80

[7.8-10] DIN 4055


Wasserleitungen; Straßenkappe
für Unterflurhydranten
[Water pipelines; valve box for
underground hydrants]
1992-02

[7.8-11] DIN 14375-1


Standrohr PN 16; Standrohr 2 B
[Double outlet standpipes,
nominal pressure 16]
1979-09

[7.8-12] DIN 3223


Betätigungsschlüssel für
Armaturen
[Handling keys for valves]
2012-11

05.2014
E-Book – Guss-Rohrsysteme 8. Kapitel: Steckmuffen-Verbindungen 8/1

8 Steckmuffen-Verbindungen

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 8. Kapitel: Steckmuffen-Verbindungen 8/2

8 Steckmuffen-Verbindungen In EN 545 [8.1] und EN 598 [8.2] werden


für bewegliche, nicht längskraftschlüssige
Verbindungen folgende Anforderungen
Steckmuffen-Verbindungen wirken als längsverschiebbare Gelenke und wider- an die Funktion vorgegeben:
stehen hohen Belastungen. Ihre Dichtheit bleibt selbst bei maximaler Dezen- n Abwinkelbarkeit (in Abhängigkeit von
trierung oder Abwinkelung der Rohre erhalten. der Nennweite, Tabelle 8.1),
n Längsbeweglichkeit (Angabe des Her-
stellers),
n Prüfbedingungen für folgende Druck-
8.1 Allgemeines zustände:
1. positiver hydrostatischer Innen-
druck,
Seit hunderten von Jahren werden Guss- 2. negativer Innendruck,
rohre mit Muffen-Verbindungen zu Lei- 3. positiver hydrostatischer Außen-
tungen zusammengefügt. Die modernen druck,
Steckmuffen-Verbindungen (Bild 8.1) 4. zyklischer hydrostatischer
sind schnell und sicher zu montieren und Innendruck.
bieten zudem beim Einbau beachtliche
technische und wirtschaftliche Vorteile. Die maximalen Abwinkelungen der Steck-
muffen-Verbindungen sind Tabelle 8.1 zu
Mit der Einführung der Europäischen Pro- Bild 8.1: entnehmen.
duktnormen EN 545 [8.1] und EN 598 [8.2] Duktile Kanalrohre mit der
für Rohre aus duktilem Guss­eisen wurden Steckmuffen-Verbindung TYTON®
für die Verbindungen erstmals Anforde-
rungen an die Funktion festgelegt. Ledig-
lich der Durchmesser des Einsteckendes Somit liegt es in der Verantwortung des
blieb aus Kompatibilitätsgründen fixiert. Herstellers, die Verbindung so zu konstru-
ieren und zu fertigen, dass sie die hohen
Anforderungen an die Funktion erfüllt.

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 8. Kapitel: Steckmuffen-Verbindungen 8/3

Tabelle 8.1: Bei den Nachweisen über die Erfüllung


Abwinkelbarkeit der wichtigsten Steckmuffen-Verbindungen der Anforderungen an die Funktion sind
folgende Randbedingungen (Tabelle 8.2)
DN Maximale Abwinkelung verbindlich.
TYTON® STANDARD
80 –  150 5° Tabelle 8.2:

200 – 300 4° Randbedingungen für die Typ-Prüfungen
der Steckmuffen-Verbindungen
350 –  400 4°

500 –  600 1 maximaler Verbindungsspalt
700 –  800 3° 2° 2 maximale Abwinkelung
  900 –  1000 3 maximaler Längsauszug
  1200 –  1400 1,5° 1,5° 4 mittlere Gusswanddicke
1600 –  2000 — 5 achsgleiche Lage unter S­ cherlast
Anmerkung: Eine Abwinkelung von 3° ergibt auf einer Rohrlänge von 6 m etwa 30 cm
Abweichung von der Achse des zuvor eingebauten Rohres oder Formstückes.

Für längskraftschlüssige bewegliche Ver-


bindungen ist im Wesentlichen das gleiche
Prüfprogramm vorgesehen (Kapitel 9).
Dabei sind repräsentative Nennwei-
ten für bestimmte Nennweitengruppen
(Tabelle 8.3) zu prüfen.

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 8. Kapitel: Steckmuffen-Verbindungen 8/4

Tabelle 8.3: Entsprechend der in Deutschland für Selbst bei größter Innendruckbelastung,
Nennweitengruppierung für die Typ- Rohre und Formstücke aus duktilem bei maximaler Dezentrierung und Abwin-
­Prüfungen an Steckmuffen-Verbindungen Gusseisen verbindlichen DVGW-Prüf- kelung des Rohrendes in der Muffe bleibt
laut EN 545 [8.1] grundlage, dem DVGW-Arbeitsblatt diese Verbindung dicht, wie die Prüfzeug-
GW 337 [8.4], werden die beschriebenen nisse über die geforderten Typ-Prüfungen
DN-Gruppe Bevorzugte DN in Prüfungen der Funktionstüchtigkeit der belegen. Diese Eigenschaften werden u.  a.
jeder Gruppe Verbindungen als fremd­überwachte Typ- durch die hohe Formstabilität der Muffe
prüfungen durchgeführt. er­­reicht.
   80 –   250 200 Dieser Konformitätsnachweis ist wich-
  300 –  600 400 tiger Bestandteil des ­Qualitätssiegels Allen Steckmuffen-Systemen ist gemein-
FGR®, mit dem die Mitglieder der sam, dass sie beweglich sind und als
  700 –   1000 800
EADIPS® (European Association for längsverschiebbares Gelenk wirken.
  1100 –   2000 1600 Ductile Iron Pipe Systems) die Eignung Biegemomente und Längskräfte werden
ihrer Produkte (Rohre, Formstücke und deshalb nicht übertragen.
Armaturen aus duktilem Gusseisen) hin-
In Deutschland sind diejenigen Verbin- sichtlich der erforderlichen Sicherheit, Sollen Längskräfte von Rohr zu Rohr bzw.
dungskonstruktionen, welche die oben Gebrauchs­tauglichkeit, Qualität, Hygiene von Rohr zu Formstück/Armatur über-
beschriebenen Anforderungen erfüllen, in und Umweltverträglichkeit beim Einsatz tragen werden, sind längskraftschlüssige
DIN 28603 [8.3] genormt. Die darin ent- in der Wasserversorgung nachweisen. Konstruktionen einzusetzen. Diese wer-
haltenen Abmessungen und zulässigen den im Kapitel 9 eingehend behandelt.
Abweichungen (Maßtoleranzen) sind für Diese für die Leistungsfähigkeit des Die langfristige Dichtheit der Verbin-
die ­Einhaltung der Anforderungen an Guss-Rohrsystems grundlegende Nor- dungen ist durch die dauerelastischen
die Funktion von Bedeutung. Mit diesen menanforderungen lassen sich nur unter Eigenschaften der Dichtung selbst, aber
Angaben gehört DIN 28603 [8.3] zu den folgenden Aspekten realisieren: auch durch die konstruktive Abstimmung
wesentlichen Grundlagen des für die Zer- n Die Abmessungen der einzelnen Ver- zwischen Rohreinsteckende, Muffe und
tifizierung maßgeblichen DVGW-Arbeits- bindungselemente müssen gut aufein­ Dichtung gegeben.
blattes GW  337   [8.4]. ander abgestimmt sein. Selbst bei ungüns­tigster Paarung der
n Die elastomeren Dichtungen müs- Verbindungsmaße im Rahmen der zuläs-
sen hohen Beanspruchungen wider­ sigen Abweichungen sowie bei maxima-
stehen. ler Dezentrierung des Einsteckendes in

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 8. Kapitel: Steckmuffen-Verbindungen 8/5

der Muffe bleibt die Verbindung bei allen 8.2 Verbindungsarten Die wesentlichen Abmessungen dieser
vorkommenden Arten der Druckbean- Verbindung sind in DIN 28603 [8.3] für
spruchung dicht. die Nennweiten DN 80 bis DN 1400 fest­
8.2.1 TYTON® - Steckmuffen- gelegt.
Durch die axiale Beweglichkeit und ­Verbindung
Abwinkelbarkeit sowie durch die Elas­ Die Dichtfunktion der TYTON® - Steck-
tizität der verwendeten Dichtungen Die in Deutschland meistverwendete muffen-Verbindung übernimmt eine pro-
können die Verbindungen selbst starken Muffen-Verbindung ist die Steckmuffen- filierte Dichtung, die aus einer weicheren
Bodenbewegungen, z.  B. Bergsenkungen, Verbindung System TYTON®. Sie ist im (Dichtteil) und einer härteren Gummi­
Erdbeben, folgen und bleiben dabei Bereich von DN 80 bis DN 1400 genormt. mischung (Halteteil) besteht.
dicht. Der Dezentrierweg ist konstruk- Seit ihrer Einführung auf dem deutschen
tiv begrenzt, wodurch Kräfte aus Set- Markt im Jahre 1957 hat sie sich millio- Die Ausführung der Dichtung ist eben-
zungsunterschieden vom Zentrierbund nenfach in Trinkwasser-, Rohwasser-, und falls aus Bild 8.2 ersichtlich. Die Dich-
auf das Einsteckende übertragen werden Abwasserleitungen bewährt. tung sitzt nach dem Einlegen in die Muffe
und die Dichtung nur geringfügig an der mit einer geringen Vorstauchung in der
Last­übertragung teilnimmt. Bild 8.2 zeigt ihre konstruktive Ausfüh- Dichtkammer, d.  h., der Außendurch-
rung im Querschnitt. messer ihres weicheren Dichtteiles ist
Ihre Dichtfunktion bleibt bei hohem größer als der Innendurchmesser der
Innendruck ebenso unbeeinträchtigt wie Dichtkammer in der Muffe. Das hat zur
bei Unterdruck oder von außen auf die Folge, dass sie mit dem Dichtwulst zu
Verbindung einwirkendem Überdruck. etwa 30  % in den Querschnitt des einzu-
ziehenden Rohreinsteckendes ragt. Durch
Für den Einbau in Wasser- und Abwas- die Abstimmung zwischen Dichtkammer-,
serleitungen oder Kanäle entsprechen Dichtwulst- und Rohrdurchmesser ergibt
die Dichtungen qualitativ der Norm sich eine hohe Verformung der Dichtung
EN  681-1  [8.5]. und somit ein hoher Anpressdruck auf die
Dicht­flächen.
Nähere Angaben über die Dichtungen
enthält Kapitel 13. Bild 8.2: Eine übermäßige Kompression der
Steckmuffen-Verbindung System TYTON® Dichtung bei einer Dezentrierung des

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 8. Kapitel: Steckmuffen-Verbindungen 8/6

Rohreinsteckendes, verursacht durch eine 8.2.2 STANDARD - Steckmuffen- Die maximalen Abwinkelungen der
äußere Rohrbelastung, kann nicht auftre- Verbindung TYTON® - und STANDARD - Steckmuf-
ten, weil zum einen der Zentrierbund am fen-Verbindung sind der Tabelle 8.1 zu
Muffeneingang, zum anderen die Dicht- Die STANDARD - Steckmuffen-Verbin- entnehmen.
kammerbegrenzung den Dezentrierweg dung ist in ihrem konstruktiven Konzept
konstruktiv begrenzt. Ähnlich verhält es und in ihrer Funktion mit der TYTON® -
sich bei Abwinkelungsbewegungen, die Steckmuffen-Verbindung ­vergleichbar. 8.3 Einsatzbereiche
ebenfalls konstruktiv begrenzt sind. Ihre Verbindungsmaße sind in Deutsch-
land in DIN 28603 [8.3] (Form C) von
Der härtere, krallenförmig geformte Ring- DN 80 bis DN 2000 festgelegt. Rohrverbindungen haben die Aufgabe,
teil (Halteteil), der in der Haltenut der zu einer Versorgung mit einwandfreiem
Muffe liegt, hält die Dichtung beim Ein- Die Verbindung ist in Bild 8.3 schema- Trinkwasser, zur sicheren Abwasser­
schieben des Rohrendes ebenso in ihrer tisch dargestellt. entsorgung und zum Gewässerschutz
Position fest wie auch bei späterer Belas­ beizutragen. Weitere Einsatzbereiche
tung durch den Innendruck. Die Dichtung besteht aus Gummi mit bestehen im Transport von Rohwas-
einer einzigen Härte. ser und Prozesswasser; ebenso werden
Bei einer Innendruckbelastung stützt duktile Gussrohre mit Steckmuffen-
sich der Halteteil am Zentrierbund ab, Verbindungen bei der Bewässerung
verschließt dabei den Spalt zwischen sowie in Feuerlösch- und Beschneiungs­
Zentrierbund und Rohr und verhindert an­lagen – hier hauptsächlich in längs-
somit ein Herausdrücken der Dichtung kraftschlüssiger Ausführung (Kapitel 9) –
selbst bei höchsten Innendrücken. Die eingesetzt.
Verbindung bleibt bis zum Berstdruck
des Rohrsystems dicht. Die Steckmuffen-Verbindungen System
TYTON® und System STANDARD werden
Der aus weicherem Gummi bestehende bei Druckrohren aus duktilem Gus­seisen
wulstförmige Dichtteil wird beim Ein- in Wasserleitungen nach EN 545 [8.1]
schieben des Einsteckendes so verpresst, sowie in Kanälen und Leitungen für die
dass eine zuverlässige Abdichtung gege- Bild 8.3: Abwasserentsorgung nach EN 598 [8.2]
ben ist. Steckmuffen-Verbindung System STANDARD eingesetzt.

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 8. Kapitel: Steckmuffen-Verbindungen 8/7

Rohre und Formstücke für Abwasser-


kanäle und -leitungen aus duktilem
Gusseisen sind für Betriebsdrücke nach
Tabelle 5 der EN 598 [8.2] ausgelegt. Die
Verbindungen müssen den vielfältigen
Beanspruchungen, wie sie sich z.  B. aus
der Anwendung in Freispiegel-, Abwas-
serdruck-, Schlammdruck- und Sicker-
wasserleitungen ergeben, über Jahrzehnte
Bild 8.4: Bild 8.5: widerstehen und sowohl von innen als
TYTON®-Langmuffe STANDARD-Langmuffe auch von außen dicht bleiben.

Das gilt in besonderem Maße auch


Formstücke aus duktilem Gusseisen mit muffen-Verbindung mit einer Langmuffe für die Lage im Grundwasser und bei
Steckmuffen-Verbindung System TYTON® hergestellt (DIN 28603 [8.3], Form B), wel- Einbaumaßnahmen mit hohen Über­
und STANDARD sind ebenfalls in den che größere axiale Verschiebungen als deckungen.
vorgenannten Normen enthalten. die übliche Muffe der Form A zulassen
(Bilder 8.4 und 8.5). Eine besonders schwierig einzuhaltende
In Druckrohrleitungen setzt man duktile Anforderung an Steckmuffen-Verbin-
Gussrohre und Formstücke mit Steck- Bezogen auf die Baulänge steigt die dungen im Bereich der Abwasserlei-
muffen-Verbindungen in Abhängigkeit Längsverschiebbarkeit im Nennweiten- tungen ist die Wurzelfestigkeit.
vom Rohrdurchmesser und von der Wand­ bereich DN 700 bis DN 1000 auf 0,8  % an. Umfangreiche Untersuchungen haben
dickenklasse für zulässige Betriebsdrücke Ein außerhalb der Muffe noch sichtbarer weltweit gezeigt, dass Baumwurzeln in
ein, wie sie den vorgenannten Produkt- Markierungsstrich zeigt die neutrale Ein- gummigedichtete Steckmuffen-Verbin-
normen und darüber hinaus den Herstel- stellung der Verbindung an. Bei genauer dungen eindringen können, wenn die Ver-
lerkatalogen zu entnehmen sind. Kenntnis der zu erwartenden Längsbewe- pressung der Dichtung nicht ausreichend
gungen kann das Einsteckende bis zum hoch ist, um dem Wurzelspitzendruck zu
Für Einbauten in nicht standfeste Böden Anfang bzw. bis zum Ende der Abwinke- widerstehen, z. B. bei Lippendichtungen.
oder in Bergsenkungsgebieten werden die lungskammer eingeschoben werden. Wegen der hohen Zugfestigkeit des duk-
TYTON® - oder die STANDARD - Steck- tilen Gusseisens konnte die Verpressung

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 8. Kapitel: Steckmuffen-Verbindungen 8/8

der TYTON®-bzw. STANDARD-Dichtung [Rohre, Formstücke, Zubehörteile [8.5] EN 681-1


konstruktiv so hoch gewählt werden, aus duktilem Gusseisen und ihre Elastomeric seals –
dass ein Einwachsen von Wurzeln in Verbindungen für die Abwasser- Material requirements for pipe
die Verbindung sicher unterbleibt. Tat- entsorgung – joint seals used in water and drai-
sächlich wurde bei Abwasserleitungen Anforderungen und Prüfverfahren] nage
mit regelgerecht montierter TYTON® - 2007+A1:2009 applications –
Steckmuffen-Verbindung noch nie eine Part 1: Vulcanized rubber
Verwurzelung gefunden [8.6]. [8.3] DIN 28603 [Elastomer-Dichtungen –
Rohre und Formstücke aus Werkstoff-Anforderungen für
duktilem Gusseisen – Rohrleitungs-Dichtungen für
8.4 Literatur Steckmuffen-Verbindungen – Anwendungen in der Wasserver-
Zusammenstellung, Muffen und sorgung
Dichtungen und Entwässerung –
[8.1] EN 545 [Ductile iron pipes and fittings – Teil 1: Vulkanisierter Gummi]
Ductile iron pipes, fittings, Push-in joints – 1996 + A1:1998 + A2:2002 +
accessories and their joints for Survey, sockets and gaskets] AC:2002 + A3:2005
water pipelines – 2002-05
Requirements and test methods [8.6] Köhne, H.:
[Rohre, Formstücke, Zubehörteile [8.4] DVGW-Prüfgrundlage GW 337 Verwurzelungsschäden in
aus duktilem Gusseisen und Rohre, Formstücke und Zubehör- Entwässerungsleitungen in
ihre Verbindungen für Wasser- teile aus duktilem Gusseisen für Gelsenkirchen
leitungen – die Gas- und Wasserversorgung – [Damage from root penetration
Anforderungen und Prüfverfahren] Anforderungen und Prüfungen in drainage pipelines in
2006 [DVGW test specification GW 337 Gelsenkirchen]
Ductile cast iron pipes, fittings awt abwassertechnik 5 (1991),
[8.2] EN 598 and accessories for gas and S. 37 u. 38
Ductile iron pipes, fittings, water supply –
accessories and their joints for Requirements and tests]
sewerage applications – 2010-09
Requirements and test methods

11.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/1

9 Längskraftschlüssige
­Muffen-Verbindungen

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/2

9 Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen stehen. Der Innendruck wirkt nach allen


Richtungen gleichmäßig. Schneidet man
gedanklich das verschlossene Rohr auf
Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen sind erforderlich, wenn die Kräfte und ersetzt den rechten Teil durch ein
aus dem Innendruck nicht durch Widerlager aufgefangen oder die Beweglich- EU- und X-Stück (Bild 9.1), so wirkt auf
keit der Rohre und Formstücke erhalten bleiben soll. Es gibt unterschiedliche die druckbeaufschlagte Fläche (X-Stück)
Sicherungssysteme. Auf die Rohrleitung wirken verschiedene Kräfte, deren die Kraft N:
resultierende Kraft es zu errechnen gilt. Einige Einbaubeispiele werden dar- di2
gelegt. Eine weitere Anwendung liegt im Bereich der grabenlosen Einbau- und N′ = p ⋅
4
[kN ]
Auswechselungstechniken (Kapitel 22). (9.1)
da2
N = p⋅
4
[kN ] 
(9.2)
9.1 Allgemeines Die inneren Kräfte werden durch den
jeweiligen Innendruck (PEA oder PFA)
hervorgerufen.
Auf Rohrleitungen und ihre Verbindungen PEA ist der höchste hydrostatische Druck,
wirken zahlreiche Kräfte ein, die man als dem ein neuinstalliertes Rohrleitungsteil
äußere und innere Kräfte unterscheiden für relativ kurze Zeit standhält, um die
kann. Unversehrtheit und Dichtheit der Rohr­
leitung sicherzustellen.
Äußere Kräfte treten bei erdüber­ PFA ist der höchste hydrostatische Druck,
deckten Rohrleitungen z.  B. in Form von dem ein Rohrleitungsteil im Dauerbetrieb
Beanspruchungen auf, die während des standhält.
Verfüllens und der Verdichtung des Rohr­
grabens entstehen; der Erddruck sowie Die Belastungen rufen folgende inne­
die statischen und dynamischen Lasten ren Kräfte hervor: In der Wand eines an
aus Erdüberdeckung und Verkehr kom­ beiden Enden verschlossenen Rohres
men hinzu. erzeugt der Innendruck Spannungen, die Bild 9.1:
innerhalb des Rohres im Gleichgewicht Kräfte aus Innendruck

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/3

Die Axialkraft ist durch rechts und links Auch an Richtungs- und Querschnitts­
angebrachte Widerlager bzw. durch längs­ änderungen sowie an Abzweigen und
kraftschlüssige Verbindungen in den Bau­ Armaturen entstehen aus dem Innen­
grund einzuleiten. So muss z. B. bei der druck Kräfte R, die in den Baugrund ein­
Druckprüfung entsprechend Bild 9.2 die zuleiten sind, z.  B. an Bögen entsprechend
Axialkraft mit geeigneten Mitteln über Bild 9.3.
eine vergrößerte Fläche in den Baugrund
so eingeleitet werden, dass dessen zuläs­
α
sige Flächenpressung nicht überschritten R = 2 ⋅ N ⋅ sin R [ kN ]
(9.3)
wird.  2

Die resultierende Kraft R kann entwe­


der über Widerlager, z.  B. aus Beton,
oder mittels längskraftschlüssiger Ver­
bindungen über Reibung zwischen Rohr Bild 9.3:
und Boden bzw. Aktivierung des passiven Resultierende Kraft R am Bogen
Erddrucks in den Baugrund eingeleitet
werden. Die Bemessung und Ausführung
von Beton­widerlagern werden im Kapi-
tel 11 behandelt.

Bild 9.2:
Abstützung eines Endverschlusses
bei der Druckprobe

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/4

9.2 Verbindungsarten seits die Abwinkelbarkeit der Verbindung n Bei der Prüfung von längskraftschlüs­
verlangt wird, z. B. in instabilen Böden, die sigen Verbindungen dürfen geringfü­
kein Widerlager erlauben, im innerstäd­ gige Verschiebungen zwischen den
Betrachtet man die Verbindungen, mit tischen Bereich mit wenig Platz für Wider­ Muffenenden und den glatten Enden
denen Druckrohre und Formstücke aus lager oder beim Einziehen von Leitungen der Rohre (einige Millimeter) auftre­
duktilem Gusseisen eingebaut werden, in allen grabenlosen Einbauverfahren. In ten. Sichtbare Verformungen an Teilen
kann man folgende zwei Gruppen unter­ solchen Fällen kommen längskraftschlüs­ der längskraftschlüssigen Verbindung
scheiden: sige Muffen-Verbindungen zum Einsatz. (an Zugstangen und dergleichen) sind
n Muffen-Verbindungen werden Kapitel 22, grabenlose Einbauverfahren, aber nicht zulässig.
hauptsächlich für erdüberdeckte Rohr­ enthält hierzu detailliertere Angaben. n Alle Teile der längskraftschlüssigen
leitungen eingesetzt. Ihre Herstellung Verbindungen müssen ausreichend
und ihr Einbau sind wesentlich wirt­ gegen Korrosion geschützt sein.
schaftlicher als die von Flansch-Ver­ 9.3 Grundlagen für Entwurf und n Es genügt bei neuen Rohrleitungen
bindungen. Sie sind abwinkelbar und Bemessung längskraftschlüs- nicht, lediglich die Verbindung zwi­
normalerweise nicht längskraftschlüs­ siger Muffen-Verbindungen schen einem Bogen und dem nächs­
sig (Kapitel 8). Die beschriebenen ten Rohr zu sichern. Die erforderliche
Kräfte können mit Widerlagern aus Anzahl der gesicherten Verbindungen
Beton in den Baugrund eingeleitet Das DVGW-Arbeitsblatt GW 368 [9.1] ist von der Höhe des Prüfdruckes, der
werden (Kapitel 11). nennt folgende Anforderungen an längs­ Nennweite, der Reibung zwischen der
n Flansch-Verbindungen, die vorwie­ kraftschlüssige Verbindungen: äußeren Rohrwand und dem umge­
gend in nicht erdüberdeckten Anla­ n Die längskraftschlüssigen Verbin­ benden Boden, dem Grundwasserstand
gen, wie z.  B. in Leitungstunneln, dungen müssen die während der sowie von der Länge des beiderseits
Pumpenhäusern, Wasserwerken, Bauphase, der Druckprüfung und des Bogens unmittelbar anschlie­
Hochbehältern und Industrieanlagen im Betrieb von Rohrleitungen auf­ ßenden nächsten Rohres abhängig.
Verwendung finden: Sie sind starr und tretenden Längskräfte sicher über­ Mindestens 12 m sind auf jeder Seite
längskraftschlüssig. tragen. längskraftschlüssig zu verbinden (Min­
n Die Verbindungen müssen den beim destbemessung nach GW 368 [9.1]).
In der Praxis gibt es aber Fälle, bei denen zulässigen Prüfdruck Falls ein an den Bogen anschließendes
einerseits längskraftschlüssige Muffen- PTyp = 1,5 · PFA + 5 bar Rohr gekürzt wird, sind zusätzliche
Verbindungen notwendig sind, anderer­ entstehenden Kräften standhalten. Sicherungen erforderlich.

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/5

Praxistipp: 9.4 Bauarten längskraft­ Bei geschnittenen Rohren kann die Raupe
Das gekürzte Rohrstück nicht unmittelbar schlüssiger Verbindungen auch auf der Baustelle mit Lichtbogen-
am Bogen verwenden (Bild 9.4)! Hand-Schweißung aufgetragen werden.
Hierzu wird um das Rohr ein Kupfer­
Grundsätzlich werden formschlüssige ring als Lehre gelegt, an dem entlang die
und reibschlüssige Konstruktionen Raupe aufgetragen wird (Bild 9.5).
unterschieden. Bei den formschlüssigen
Verbindungen werden die Kräfte über An Stelle einer Schweißraupe kann
angeformte Elemente, z.  B. Schweißrau­ auch ein BLS® / VRS®-T - Klemmring
pen auf den Einsteckenden in Kombi­ (Bild 9.15) eingesetzt werden.
nation mit Kraftübertragungselementen,
übertragen. Bei den reibschlüssigen Kons­
truktionen werden die Kräfte durch Reib­
schluss, z.  B. gezahnte Elemente, die sich
auf der Oberfläche des Einsteckendes
festkrallen, übertragen.

9.4.1 Formschlüssige Steckmuffen-


Verbindungen

Bild 9.4: Diese Art der längskraftschlüssigen Muf­


Vergrößerung des aktivierten Erdwider- fen-Verbindung existiert seit Ende der
stands durch Anschluss einer sechziger Jahre.
Originalrohrlänge an das Formstück
In einem festgelegten Abstand vom Ein­
steckende des Rohres wird eine umlau­
Detaillierte Angaben zur Ermittlung der fende Schweißraupe aufgetragen. Dies Bild 9.5:
zu sichernden Rohrlänge L [m] enthält geschieht normalerweise im Werk durch Auftrag einer Schweißraupe
Abschnitt 9.6. eine Auftragsschweißung unter Schutz­ auf der Baustelle
gas.

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/6

Bei Formstücken mit einem Spitzende Formschlüssige längskraftschlüssige


kann der die Kraft übertragende Wulst Verbindungen mit außen liegender
auch angegossen und mechanisch bear­ Rückhaltekammer
beitet sein. Seine Abmessungen sind die
gleichen wie bei den Rohren der betrach­ Eine Konstruktion mit außen liegender,
teten Nennweite. separat an einem Muffenbund zu befesti­
gender Rückhaltekammer ist in Bild 9.13
Bei dem formschlüssigen System BAIO® dargestellt. Die Rohre weisen an der Muf­
bestehen die Kraft übertragenden Ele­ fenstirn einen umlaufenden Bund auf,
mente aus angegossenen Nocken auf an welchem mittels Hakenschrauben ein
dem Einsteckende und dazu passenden Ring festgelegt wird, der die Rückhalte­
Ausnehmungen an den Muffen. Die bei­ kammer enthält. Die Längskräfte werden
den Teile werden durch Verdrehen in der von der Schweißraupe auf dem Einsteck­
Art eines Bajonetts verriegelt. Es wird bei ende über einen Schubsicherungsring in
Formstücken und Armaturen eingesetzt. die Rückhaltekammer und von dort über
die Hakenschrauben auf die Muffe des
Formschlüssige längskraftschlüssige nächsten Rohres übertragen.
Verbindungen mit innen liegender
Rückhaltekammer Die Tabelle 9.1 gibt einen Überblick über
die Verbindungsarten, die Anwendungs­
Die derzeit gängigen formschlüssigen Ver­ bereiche und zulässigen Abwinkelbar­
bindungen mit innen liegender Rückhal­ keiten.
tekammer sind die BLS® / VRS®-T -, die
TIS-K® -, die UNIVERSAL Ve - und die
BAIO® - Steckmuffen-Verbindung. Sie
sind nicht miteinander kombinierbar, weil
die Kraftübertragungselemente, die Aus­
führung der Schweißraupen und deren
Abstand vom Rohrende variieren.

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/7

Tabelle 9.1: Verbindungsart Nennweiten- Zul. Betriebsdruck PFA Zul. Abwinkel­barkeit


Übersicht der bereich DN [bar] [°]
formschlüssigen Steck-
muffen-Verbindungen Formschlüssige TIS-K® 100 –300 nach Angabe des Herstellers 3
längskraftschlüssige UNIVERSAL Ve 350–400 3
Verbindungen mit
innen liegender 500–800 2
Rückhaltekammer 900 nach Angabe des Herstellers 1,5
1000 1,2
1200 1,1
BLS / VRS -T
® ®
80–150 5
200 –300 4
400  3
nach Angabe des Herstellers
500 3
600 2
800 –1000 1,5
BAIO ®
80 –300 nach Angabe des Herstellers ≤ 3,
Formschlüssige Hydrotight 400 –500 3
längskraftschlüssige 600 –700 2
Verbindungen mit nach Angabe des Herstellers
außen liegender
Rückhaltekammer

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/8

System TIS-K® System UNIVERSAL Ve System BLS® /  VRS®-T

Bei der längskraftschlüssigen Verbin­ Die Längskraft wird mit dem Haltering des Das formschlüssige System BLS®  /  VRS®-T
dung TIS-K® (Bild 9.6) wird die Kraft von Systems TIS-K® übertragen, während die erlaubt es, die beiden Montagevorgänge
einem Rohr zum anderen bzw. Formstück Dichtung dem System S ­ TANDARD (Form n „Dichtheit herstellen“ und
über die Schweißraupe und den Haltering C in DIN 28603 [9.2]) angehört (Bild 9.7). n „Verriegeln“
in die Muffe übertragen. Der Haltering ist Die zulässigen Abwinkelungen für Rohre in zwei getrennte, nacheinander auszu­
geschlitzt oder segmentiert und passt sich sind in Tabelle 9.1 aufgeführt. führende und kontrollierbare Teilschritte
dem Außendurchmesser der Rohre an. zu zerlegen. Im ersten Teilschritt wird die
Die Ausführung der längskraftschlüssigen Steckmuffen-Verbindung (TYTON® bzw.
Steckmuffen-Verbindung TIS-K® ist für VRS®-T) montiert. In einem zweiten Teil­
Rohre und Formstücke gleich. schritt wird die Verbindung durch Ein­
schieben von Verriegelungselementen
Die ursprüngliche Abwinkelbarkeit der längskraftschlüssig gemacht.
TYTON® - Steckmuffen-Verbindung
bleibt voll erhalten (Tabelle 9.1). Im Nennweitenbereich DN 80 bis DN 500
sind dies Riegel (Bild 9.8 und 9.9), wäh­
rend es von DN 600 bis DN 1000 platten­
förmige Segmente (Bild 9.10) sind.Bei den
Riegeln sind die Ausführungen „rechts“
und „links“ zu unterscheiden und ent­
sprechend Einbauanleitung einzusetzen.
Nach Abschluss der Montage verhindert
eine Sicherung aus Gummi in dem noch
offenen Fenster in der Muffenstirn ein
Verschieben der Verriegelungs­elemente
(Bild 9.9).
Bild 9.6: Bild 9.7:
Längskraftschlüssige Längskraftschlüssige ­
Steckmuffen-Verbindung TIS-K® Steckmuffen-Verbindung UNIVERSAL Ve

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/9

Sicherungs­
kammer
Schweißraupe
Sicherung Verriegelungs­ TYTON®-Dichtung
aus Gummi segment Muffe

Riegel links Riegel rechts

Spannband Einsteckende

Hochdruckriegel
Muffenstirn

Bild 9.9:
Sicherungs- Schweißraupe
kammer
Anordnung der Riegel und der Sicherung Muffenfenster
TYTON®-/VRS®-T - aus Gummi in der BLS® / VRS®-T - Verbin-
Riegel links Dichtung
Muffe dung (DN 80 bis DN 500); Hochdruckriegel
nur für DN 80 bis DN 250

Bei den Nennweiten DN 600 bis DN 1000


werden die plattenförmigen Verriege­
lungssegmente durch die doppelte Aus­
Sicherung sparung in der Muffenstirn in axialer
aus Gummi Riegel rechts Richtung eingeschoben und anschließend
gleichmäßig über den Umfang verteilt.
Bild 9.8: Die Aussparungen werden zur Verein­ Bild 9.10:
Längskraftschlüssige Steckmuffen- fachung des Verriegelungsvorganges vor­ Längskraftschlüssige Steckmuffen-
Verbindung BLS® / VRS®-T mit Riegeln zugsweise in der Scheitellage angeordnet Verbindung BLS® mit Einschuböffnungen an
(DN 80 bis 500) (Bild 9.10). der Muffenstirn und Spannband
(DN 600 bis DN 1000)

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/10

Rückhaltering (A) Muttern (D)


Haken-
Sicherungs-
schrauben (C)
Muffenstirn ring (B)

Muffenfenster

Bild 9.11: Bild 9.12: Bild 9.13:


Fixierung der Verriegelungssegmente EU-Stück und Spitzend-Endstopfen Querschnitt durch die formschlüssige außen
durch eine Spannschelle System BAIO® liegende Hydrotight-Verbindung

Nach der Komplettierung der Verriege­ weisen, deren Stirn vier zu den Spitzend­ System Hydrotight
lungssegmente im Muffenspalt werden nocken passende Aufnahmeöffnungen
sie in ihrer Gesamtzahl über den Umfang besitzen. Nach dem Einführen des Ein­ Bild 9.13 zeigt einen Querschnitt durch
soweit verschoben, dass keine Höcker am steckendes in die Muffe wird es nach die Verbindung nach vollständiger Mon­
Muffenfenster mehr zu sehen sind und dem Bajonett-Prinzip um ein Achtel des tage. Vor der Verbindungsmontage wird
mit einem Spannband oder einer Spann­ Umfangs verdreht und dabei verriegelt. der Rückhaltering (A) und der geschlitzte
schelle (Bild 9.11) fixiert. Sicherungsring (B) auf das Einsteckende
Bild 9.12 zeigt eine formschlüssige geschoben. Nach Herstellen der Verbin­
System BAIO® BAIO®-Muffe und das dazu passende dung werden beide Ringe an die Muffe
BAIO®-Einsteckende eines Endstopfens, herangezogen und mit den Hakenschrau­
Das formschlüssige System BAIO® wird wie er als Endverschluss bei einer Druck­ ben (C) und Muttern (D) verschraubt.
bei Formstücken und Armaturen einge­ probe verwendet wird. Er besitzt dafür ein Danach wird die Verbindung gereckt,
setzt. Die Einsteckenden tragen auf ihrer Schraubgewinde für die Entlüftung sowie sodass alle Kraftübertragungsglieder
Außenfläche vier gleichmäßig über den zwei Handhebel zum Verdrehen. aneinander anliegen.
Umfang angeordnete Nocken, während
die Muffen eine Rückhaltekammer auf­

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/11

9.4.2 Reibschlüssige Steckmuffen- Verbindungsart Nennweiten- Zul. Betriebsdruck PFA Zul. Abwinkel­barkeit
Verbindung bereich DN [bar] [°]
BRS®/ TYTON SIT 80–300 3
Einen Überblick über die Verbindungs­ nach Angabe des Herstellers
PLUS® 350–600 2
arten, die Anwendungsbereiche und
zulässigen Ab­winkelbarkeiten der reib­ BLS® / VRS®-T 80–150 5
schlüssigen Steck­­muffen-Verbindungen mit Klemmring 200–300 4
gibt die Tabelle 9.2. nach Angabe des Herstellers
400 3
500 3
STANDARD Vi 350–400 3
nach Angabe des Herstellers
500–600 2
Novo SIT® 80–400 3
450–700 nach Angabe des Herstellers 2
800 1
Universal Vi 350–400 3
nach Angabe des Herstellers
500–700 2
BAIO-SIT 80–300 nach Angabe des Herstellers 3
Hawle-STOP 80–200 nach Angabe des Herstellers 3
Hydrotight 80–300 3
innen­liegend 400 nach Angabe des Herstellers 3
500 2
Hydrotight 80–500 3
außen­liegend nach Angabe des Herstellers
Tabelle 9.2: 600–700 2
Übersicht der reibschlüssigen Steckmuffen- Vor dem Einsatz in Dükern und Freileitungen, sowie vor dem Einbau in Steilhängen, Schutzrohren oder
Verbindungen Kollektoren, sollte in jedem Fall die Anwendungstechnik des Herstellers angesprochen werden!

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/12

System BRS® System BLS® / VRS®-T Die Klemmringe sind auf ihrer Innenseite
mit Klemmring mit gezahnten Druckflächen versehen.
Anstelle der üblichen Dichtung wird eine Ihr Einbau bleibt auf den erdüberdeckten
TYTON SIT PLUS® - Dichtung mit ein­ Mit diesem System kann der Auftrag Bereich gemäß den beschriebenen Regeln
vulkanisierten Edelstahlsegmenten ver­ von Schweißraupen an baustellenseitig beschränkt, wonach sie nur in Rohrmuf­
wendet (Bild 9.14). Diese haben scharfe gekürzten Rohren umgangen werden. fen einzusetzen sind (Bild 9.16).
und gehärtete Zähne, die sich in die Ober­ Anstelle der Riegel werden zwei Klemm­
fläche des Rohrendes einschneiden. ringhälften in die Einschuböffnungen an Bei grabenlosen Einbauverfahren sowie
der Muffe eingeführt und mittels Schrau­ in Düker- und Brückenleitungen, in Steil­
ben auf dem Einsteckende verspannt hängen, Schutzrohren und Kollektoren
(Bild 9.15). sollte der Einsatz von Klemmringen ver­
mieden werden.

Bild 9.14: Bild 9.15:


Reibschlüssige Steckmuffen-Verbindung Reibschlüssige Steckmuffen-Verbindung
BRS® BLS® / VRS® -T mit Klemmring

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/13

System TYTON SIT PLUS®

Mit der Einführung von TYTON SIT


PLUS® (Bild 9.17) im Jahre 2003 wurde
der Anwendungsbereich der reibschlüs­
sigen Verbindung Tyton SIT® erweitert
und diese durch TYTON SIT PLUS®
ersetzt.

Bild 9.16:
Regeln für den Einbau von Klemmringen

Bild 9.17:
Reibschlüssige Steckmuffen-Verbindung
TYTON SIT PLUS®

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/14

System STANDARD Vi System Novo SIT® System UNIVERSAL Vi

Das System STANDARD Vi (Bild 9.18) Die Muffe besitzt eine vorgegossene Halte­ Auch hier sind die Funktionen „Dich­
arbeitet nach einem ähnlichen Prin­ kammer. Im Vergleich zur TYTON SIT ten“ und „Längskräfte übertragen“ von­
zip: In die STANDARD-Dichtung sind PLUS® sind die Dicht- und Haltefunk­ einander getrennt. Die Haltefunktion
Edelstahl-Segmente mit gehärteten und tionen voneinander getrennt. Durch die übernimmt der Novo SIT®-Ring, wäh­
scharf geschliffenen Zähnen einvulka­ Konstruktion des Ringes liegt dieser beim rend die STANDARD-Dichtung abdichtet
nisiert. Sie greifen in die Oberfläche des Einschieben des Einsteckendes immer (Bild 9.20).
Einsteckendes ein und übertragen somit innen an der Sicherungskammer an,
die Längskräfte. sodass sich geringe Reckwege ergeben.
(Bild 9.19).

Bild 9.18: Bild 9.19: Bild 9.20:


Reibschlüssige Steckmuffen-Verbindung Reibschlüssige Steckmuffen-Verbindung Reibschlüssige Steckmuffen-Verbindung
STANDARD Vi Novo SIT® UNIVERSAL Vi

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/15

System BAIO-SIT und Hawle-STOP Diese Haltekammer nimmt einen Gummi­­


ring mit einvulkanisierten Edelstahl­
Auch hier sind die Funktionen „Dichten“ segmenten auf. Diese haben scharfe und
und „Längskräfte übertragen“ voneinan­ gehärtete Zähne, die sich in die Ober­
der getrennt. Die Haltefunktion über­ fläche des Rohrendes einschneiden.
nimmt eine ringförmige Haltekammer, die
mit dem Bajonett-Prinzip auf den außen Bei der Ausführung Hawle-STOP sind
liegenden Haltenasen der BAIO®-Muffe die Haltezähne in einem Ring aus Poly­
verriegelt wird (Bild 9.21). amid eingelassen
(Bild 9.22).

Bild 9.21: Bild 9.22:


Reibschlüssige Steckmuffen-Verbindung Reibschlüssige Verbindung Hawle-STOP
BAIO-SIT

07.2011
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Bild 9.23: Bild 9.24: Bild 9.25:


Reibschlüssige Verbindung Hydrotight Schnittzeichnung reibschlüssige Verbindung Reibschlüssige Verbindung Hydrotight
innenliegend (Doppelkammermuffe) Hydrotight innenliegend (Doppelkammer- außenliegend
muffe)

System Hydrotight innenliegend System Hydrotight außenliegend


(Doppelkammermuffe)
Ein Schubsicherungsring aus duktilem
In der Muffe sind zwei umlaufende Kam­ Gusseisen wird mit Hakenschrauben am
mern untergebracht. Die eine Kammer äußeren Muffenbund befestigt. Zusam­
nimmt die Hydrotight-Dichtung auf, wäh­ men mit der Muffenstirn wird dadurch
rend in der zweiten Kammer der Schub­ eine Kammer gebildet, in welcher ein Elas­
sicherungsring, ein Elastomer-Ring mit tomer-Haltering mit einvulkanisierten
einvulkanisierten Zahnsegmenten, sitzt. Zahnsegmenten sitzt. Dieser ist zusätzlich
Dieser ist zusätzlich mit einer Dichtlippe mit kleinen Dichtlippen versehen, die das
versehen, die das Eindringen von Boden Eindringen von Boden und Feuchtigkeit Bild 9.26:
und Feuchtigkeit verhindert (Bilder 9.23 verhindern. Die Zahnsegmente übertra­ Schnittzeichnung reibschlüssige Verbindung
und 9.24). gen die Längskräfte von der Muffe auf das Hydrotight außenliegend
nächs­te Rohr (Bilder 9.25 und 9.26).

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/17

9.4.3 Reibschlüssige Schraub­ Bei der längskraftschlüssigen Schraub­ Für die Schraubmuffen-Systeme mit
muffen-Verbindungen muffen-Verbindung mit Verriegelungs­ Klemmring existieren zwei Varianten: mit
elementen hat der Schlüsselbund des einfachem Klemmring (Bild 9.28) und mit
Reibschlüssige Schraubmuffen-Ver­ Schraubringes entgegen der Einschraub­ Klemmring spezial (Bild 9.29).
bindungen werden hauptsächlich bei drehrichtung nach innen fallende tangen­
Reparaturen verwendet. Dabei wird zwi­ tiale Einschubkanäle mit rechteckigem Die Tabelle 9.3 gibt einen Überblick
schen den Systemen mit Verriegelungs­ Querschnitt. Durch diese Einschubkanäle über die reibschlüssigen Konstruktionen
elementen und denen mit Klemmring werden verzahnte Keile eingetrieben, die für Schraubmuffen-Verbindungen, die
unterschieden. sich in das Einsteckende einschneiden Anwendungsbereiche, die Betriebsdrücke
und eine längskraftschlüssige Verbindung und zulässigen Abwinklungen.
erzeugen (Bild 9.27).

Bild 9.27: Bild 9.28: Bild 9.29:


Längskraftschlüssige Schraubmuffen- Schraubmuffen-Verbindung Schraubmuffen-Verbindung
­Verbindung mit Verriegelungselementen mit einfachem Klemmring mit Klemmring spezial

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/18

Tabelle 9.3: Tabelle 9.4:


Einsatzbereich und Abwinkelbarkeit reibschlüssiger Schraubmuffen-Verbindungen Anwendungsbereich  der  Klemmschelle  Typ  M

Verbindungsart Nennweiten­ Zul. Betriebsdruck PFA Zul. Abwinkel­­-­ Nennweite Zul. Betriebs- Abwinkel-
bereich DN [bar] bar­keit [°] DN druck PFA [bar] barkeit [°]
mit Verriegelungselementen 80–300 nach Angabe des Herstellers 2    80 – 300 nach Angabe des
3
mit Klemmring 80–300 nach Angabe des Herstellers 3  400 Herstellers

mit Klemmring spezial 300–400 nach Angabe des Herstellers 3

9.4.4 Klemmschellen für 9.5 Typprüfungen


nachträgliche Montage

Die Klemmschelle besteht aus zwei oder Die Funktionstüchtigkeit längskraft­


drei gleichen Teilen, die durch Schrau­ schlüssiger Verbindungssysteme muss
ben zusammengespannt werden. Die durch Prüfungen nach EN 545 [9.3] vom
Längskraftschlüssigkeit wird erzeugt Hersteller nachgewiesen werden.
durch das Zusammenspiel von dem hin­
ter die Muffe greifenden Halteteil und Die Anforderungen und Prüfbedingungen
den gezahnten Druckplatten, welche auf für diesen Nachweis sind im Kapitel 8,
das Rohr gepresst werden. Die Klemm­ „Steckmuffen-Verbindungen“ näher
schellen (Bild 9.30) sind für TYTON®- be­schrieben. Zur Erlangung des DVGW-
und Schraubmuffen-Verbindungen Bild 9.30: Prüfzeichens müssen diese Funktions­
verwendbar (Typ M). Längskraftschlüssige Steckmuffen- prüfungen fremdüberwacht durchgeführt
­Verbindung mit Klemmschellen (Typ M) werden. Letztendlich sind die Angaben
Klemmschellen werden nach Herstel­ der Herstellerkataloge maßgebend für
lung der Muffen-Verbindung montiert, die den Einsatzbereich längskraftschlüssiger
Abwinkelbarkeit der Verbindung bleibt Den Anwendungsbereich der Klemm­ Verbindungen.
voll erhalten. schelle Typ M zeigt Tabelle 9.4.

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/19

9.6 Ermittlung der auftretenden


Kräfte und der zu sichernden
Rohrlängen

Aus dem Innendruck resultieren an Rich­


tungs- und Querschnittsänderungen
sowie an Abzweigen Kräfte, die in den
Baugrund einzuleiten sind.

Im DVGW-Arbeitsblatt GW 368 [9.1]


sind die Rechenvorschriften ausführlich
hergeleitet und in Form von einfach zu
benutzenden Tabellen für die Regelfälle
abgedruckt. Im Folgenden werden die
wichtigsten Rechenschritte am Beispiel Bild 9.31: Bild 9.32:
eines Bogenformstücks erläutert. Aktivierung des Erdwiderstandes E durch Aktivierter Erdwiderstand E
Verschiebung des Bogens in der
Am Bogen wirkt die Resultierende RN Winkelhalbierenden
in Richtung der Winkelhalbierenden.
Mit dieser Kraft wirkt die Projektions­
2
fläche des Bogens auf die verdichtete Weil die in den Muffen des Bogens zul .h   l  DE
3
Grabenverfüllung. Die dabei entste­ ­steckenden Rohrenden gelenkig verriegelt (9.4)
E kN 
hende Flächenpressung ist i.  a. höher sind, erfahren bei dieser Lageveränderung 2
als die Druckfestigkeit des anliegenden die ersten beiden Rohre eine seitliche
Bodens. Verschiebung; dabei aktivieren sie ent­
Der Boden verformt sich und der Bogen sprechend Bild 9.31 mit ihrer seitlichen Aus Sicherheitsgründen werden nur
verschiebt sich in Richtung der Resul­ Projektionsfläche (Durch­messer · Länge) zwei Drittel der Rohrlänge angesetzt
tierenden RN. den Erdwiderstand E. (Bild 9.32).

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/20

Praxistipp: Die nachfolgenden weiteren längskraft­ Reibungskraft aus der Erdlast


Die mit der Aktivierung des Erdwider­ schlüssigen Rohre werden nur noch an der Rohroberseite
standes verbundene Verschiebung des axial verschoben, wobei die Mantelrei­
Bogenformstückes führt zu einer Abwin­ bung R aktiviert wird. Sie hängt von der Die erste Reibungskraft R1 ermittelt sich
kelung der beiden Rohre in der Form­ Länge des verriegelten Rohrleitungsab­ aus der Erdlast oberhalb des Rohres
stückmuffe. Für eine winkelneutrale schnittes L [m] und den Gewichten aus (Bild 9.35).
Einstellung der beiden Verbindungen Erdauflast, Rohr und Wasserfüllung ab.
kann die Verschiebung des Formstücks
durch eine negative Abwinkelung vor­ R1   GB   DE  H   B  kN/m
weggenommen werden (Bilder 9.33
und 9.34).  (9.5)

Reibungskräfte aus Erdauflast,


­Wasserfüllung und Rohrgewicht an
der Rohrunterseite

Die zweite Reibungskraft R2 aus Erdlast


oberhalb des Rohres, aus dem Gewicht
des Rohres und seiner Wasserfüllung
wirkt auf der Rohrunterseite (Bild 9.35).
Hier wird die gesamte Rohrlänge ange­
setzt.

Bild 9.33: Bild 9.34:


Verschiebung des Formstückes vorweg­- Bogenformstück mit negativer Abwinke­
­neh­men – negative Abwinkelung im lung – Kontrolle der Verschiebung des
Bereich des Bogens Formstückes in die winkelneutrale Stellung

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/21

  DE  emin   R  kN/m
GR  (9.9)


Das Gewicht des Rohres GR [kN/m] ent­


nehmen Sie bitte den Handbüchern der
Gussrohrhersteller.

Reibungskräfte
aus dem Erdwiderstand

Die dritte Reibungskraft R3 stammt aus


dem Erdwiderstand E der ersten Rohre,
multipliziert mit der Reibungszahl.

Bild 9.35: R3 = μ ⋅ E [ kN ]
(9.10) Bild 9.36:
Zur Berechnung der Reibung aus Erdauflast, Ermittlung der Querkraft aus dem
aus Rohrgewicht und Wasserfüllung ­Erdwiderstand E
Hinweis: Diese Reibungskraft wirkt nur
am ersten Rohr nach dem Bogen.
α
R2 = μ ⋅ (GB + GW + GR ) [ kN/m]
(9.6) EQ = E ⋅ cot [ kN ]
(9.11)
2
Der auf das Rohr wirkende Erdwiderstand 
E wird als Querkraft EQ auf den Bogen
 GB  DE  H   B  kN/m (9.7) übertragen. Diese Querkraft EQ wirkt der
vom Innendruck erzeugten Normalkraft N α EQ
(9.12)
cot =
entgegen (Bild 9.36). 2 E

GW   DE     W  kN/m
2
(9.8) 
4

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/22

Gleichgewicht der Kräfte am Bogen

Für den Gleichgewichtszustand (Bil-


der 9.37 und 9.38) müssen die Kräfte
aus dem Innendruck sowie die aus der
Gesamtreibung R und der Querkraft EQ
herrührenden hemmenden Kräfte ein­
ander gleich sein (Gleichung 9.16).

Bild 9.37: Bild 9.38:


Ermittlung des resultierenden Zusammenwirken von Schubkräften und
­Erdwiderstandes ER am Bogen Erdwiderstand am Bogen

ER
α α
cos = 2
(9.13) N = μ ⋅ L ⋅ ∑ G + μ ⋅ E + E ⋅ cos
2
[kN ]
2 E

 (9.16)
ER
(9.14) α
= E ⋅ cos [ kN ]
2 2
 
 ∑G = 2⋅G B + GW + GR [ kN/m] (9.17)
(9.15) α 
E = 2 ⋅ E ⋅ cos [ kN ]
R
2

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/23

Hieraus ergibt sich die zu sichernde Rohr­ Das DVGW-Arbeitsblatt GW 368 [9.1]
leitungslänge L. fasst die Ergebnisse dieser Berechnungen
in Tabellen zusammen, wodurch sich sehr
Unter Berücksichtigung einer Rohrlänge viel Rechenarbeit erübrigt.
von 6 m und den Werten Für Berechnungen außerhalb der
Ta­bellenwerte steht auf der Website­
γB = 18 kN/m³ www.eadips.org der European Asso­
γW = 10 kN/m³ ciation for Ductile Iron Pipe Systems ·
γR = 70,5 kN/m³ (duktiles Gusseisen) EADIPS®/ Fachgemeinschaft Guss-
Rohrsysteme (FGR®) e.   V. ein online-
errechnet sich für Wasserleitungen Rechenprogramm unter der Rubrik
aus duktilem Gusseisen beim System­ „Rechentools“, Button „DVGW GW 368“,
prüfdruck STP die zu sichernde Rohr­ zur Verfügung.
länge L.
Oft liegen einzelne Muffen-Verbindungen
  nach dem Einbau in einem ungereckten
0 ,79  STP  DE  2  zul .h    cot 
1  2 (9.18) Zustand vor, der eine Reckung vor dem
L   m Anschluss der Leitungsenden an Fix­
 36  H  7 ,85  DE  221 ,5  emin
punkte (z.  B. Bauwerke, eingeerdete Lei­
tungen) erforderlich macht (Bild 9.39).
Bei Rohrleitungen im Grundwasser ver­ In diesem Fall wird empfohlen, die ge­­ Die Reckwege der einzelnen längskraft­
ringert der Auftrieb die Gewichtskräfte samte Rohrleitung längskraftschlüssig schlüssigen Verbindungs­sys­teme betra­
und den Erdwiderstand und damit die zu sichern. gen wenige Millimeter.
Reibungskraft. Bei Richtungsänderungen in der verti­
Beim Einbau in bindige Böden im Grund­ kalen Ebene wirkt die resultierende Kraft Während der Planungsphase und bei der
wasser sowie bei schwer verdichtbaren am sogenannten Luftbogen nach außen. Ausführung sind die Einbauanweisungen
bindigen Böden weicher und steifer Dadurch können die Gewichtskräfte GW sowie spezielle Hinweise der Herstel­
Konsistenz (Bodenarten B 2 bis B 4 nach und GR in Gleichung 9.17 gegen Null ler besonders zu beachten (Kapitel 19
GW 310 [9.4]) geht die Reibungszahl µ gehen. und 22).
gegen Null.

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/24

9.7 Einbaubeispiele

Die folgenden Beispiele stammen aus der


Baupraxis der letzten Jahre. Sie zeigen
nur Anwendungen, wo zugfeste Verbin­
dungen als Ersatz von Betonwiderlagern
angewendet wurden.

Gefahr: Reckung der gesamten Rohrleitung nicht möglich – Gefahr des Ausbruchs der Der Gebrauch zugfester, längskraftschlüs­
­Leitung an einer oder mehreren Muffen-Verbindungen; siger Steckmuffen-Verbindungen bei den
Kräfte R aus Innendruck; Gelenk abgewinkelt, Enden eingespannt grabenlosen Einbau- und Erneuerungs­
verfahren ist dem Kapitel 22 vorbehal­
ten.

n Beim Bau der Grund- und Regenwas­


serableitung des neuen Flughafens
Berlin Brandenburg International
wurden duktile Kanalrohre DN 700
eingesetzt (Bild 9.40). Während
der Bauphase wird die Leitung
Reckung der gesamten Leitung möglich – als Druckleitung mit mehreren
kein Ausbruch der Rohrleitung an den Muffen-Verbindungen; bar Betriebsdruck betrieben. Im
Kräfte R aus Innendruck; Gelenk abgewinkelt, Enden verschlossen Bereich von Richtungsänderungen
der Leitungstrasse konnte durch
Bild 9.39: den Einsatz längskraftschlüssiger
Auswirkungen von Reckwegen in längskraftschlüssigen Rohrleitungen Novo SIT® - Steckmuffen-Verbin­
dungen auf teure Betonwiderlager
verzichtet und damit die Bauzeit
erheblich verkürzt werden.

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/25

Bild 9.40: Bild 9.41:


Duktile Kanalrohre DN 700 mit Paralleleinbau von duktilen Abwasserdruck-
­Steckmuffen-Verbindungen Novo SIT® leitungen DN 600 mit BRS® / TYTON SIT
PLUS® - Steckmuffen-Verbindungen

n Die Abwasserdruckleitung 2 · DN 600 betrieben werden können, wobei das


zwischen Heidenau und Dresden Erdreich aber zu diesem Zeitpunkt
verläuft im Überflutungsgebiet der soweit durchweicht sein kann, sodass
Elbe (Bild 9.41). Hier können Frei­ für die Leitung mit Auftrieb zu rech­
spülungen von Trassenabschnitten nen ist. Aus diesem Grunde müssen
zumindest abschnittsweise nicht aus­ alle Steckmuffen- Verbindungen kraft­
geschlossen werden. Zudem soll die schlüssig ausgeführt sein. Gewählt Bild 9.42:
Leitung auch bis zu einem gewissen wurde das längskraftschlüssige Ver­ Einbau von duktilen Bögen in
Hochwasserstand der Elbe weiter bindungssystem BRS® / TYTON SIT ­längskraftschlüssiger Ausführung

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/26

Die jeweils 2 km langen Abschnitte


werden mit einem Bypass DN 600
aus oberirdisch montierten längs­
kraftschlüssigen Rohren aus duktilem
Gusseisen überbrückt (Bild 9.43).
Nach Abschluss der Sanierungs­
arbeiten am jeweiligen Teilabschnitt
werden die Gussrohre demontiert und
für den nächsten Abschnitt erneut
verwendet, und dies mindestens drei
Mal. Prüfdruck des Bypasses: 30 bar,
Kräfte an 45°-Bögen: 720 kN. Einge­
setzt wurden Rohre und Formstücke
DN 600 mit BLS® - Steckmuffen-Ver­
bindung (Bild 9.10).
Bild 9.43: Bild 9.44:
Bypassleitung DN 600 aus duktilem Guss­ Sanierung eines Schieberkreuzes mit längs- n Durch flanschenlose zugfeste Schie­
eisen mit BLS® - Steckmuffen-Verbindungen kraftschlüssigen Verbindungen BAIO® ber mit zugfesten Muffen und
Über­­gangsstücken zu Altleitungen
unterschiedlicher Materialen wurde
PLUS®, das bis zur Nennweite DN 600 die neuen Leitungen durchgehend mit ein komplettes Schieberkreuz mit
bei Nenndruck PN 10 einsetzbar ist. längskraftschlüssigen Verbindungen konventionellen Flanschenschiebern
Bei diesem System sind Dicht- und gebaut waren, konnten aufwändige saniert. Bei vier Absperrschiebern und
Haltefunktion konstruktiv in einem Presswände (Widerlager) zur Auf­ einem Hydranten verringert sich mit
Ring zusammengefasst. nahme der Kräfte entfallen. den neuen Bauteilen die Zahl der
Einzel­teile von 546 auf 47; die Mon­
n Bei der Erneuerung und Umlegung n 6 km einer Haupttransportleitung tagezeit verkürzt sich um den Faktor 5
einer alten Trinkwasserhauptlei­ DN 1200 sind ohne Unterbrechung (Bild 9.44).
tung DN 1000 in Leipzig (Bild 9.42) des Trinkwassertransports durch Aus­
waren Zeit und Bauraum knapp. Da kleiden mit Zementmörtel zu sanieren.

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/27

n Wenn zwischen einer Quellfassung


und dem kommunalen Trinkwasser­
behälter ein beträchtlicher Höhen­
unterschied besteht, dann kann in
Trinkwasserkraftwerken die örtliche
Wasserversorgung mit einer Strom­
erzeugung kombiniert werden. Mit
garantierten Einspeisevergütungen
amortisiert sich die Installation der
Anlage schnell. Duktile Gussrohre
mit zugfester Steckmuffen-Verbin­
dung sind den hohen Betriebs­drücken
gewachsen, leicht einzubauen und
trotzen mit ihrem robusten Werk­
stoff allen äußeren Belastungen
(Bild 9.45). Bild 9.45:
Turbinenleitung DN 400

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/28

9.8 Formelzeichen GW [kN/m] R2 [kN/m]


Gewichtskraft der Wasserfüllung Reibungskraft aus Erdauflast, Wasser­
füllung und Rohrgewicht an der Rohr­
DE = da [m] H [m] unterseite
Rohraußendurchmesser Erdüberdeckung  über dem  Rohr
R3 [kN]
DI = di [m] l [m] Reibungskraft aus dem E
­ rdwiderstand
Rohrinnendurchmesser Rohrlänge
STP [kN/m2]
emin [m] L [m] Systemprüfdruck  (System  Test  Pressure)
Mindestwanddicke des gewählten zu sichernde Rohrlänge (1 bar = 100 kN/m²)
Rohrtypes
N (N’) [kN] a [°]
E [kN] Axialkraft aus Innendruck Winkel des Bogens
Erdwiderstand
p [bar] γB [kN/m³]
ER [kN] Innendruck einer Rohrleitung Wichte des Bodens
Resultierender Erdwiderstand (1 bar = 100 kN/m²)
in der Winkelhalbierenden γR [kN/m³]
R [kN] Wichte des Rohres
EQ [kN] resultierende Kraft aus dem
Querkraft aus dem E
­ rdwiderstand Innendruck γW [kN/m³]
Wichte des Wassers
GB [kN/m] R1 [kN/m]
Gewicht des Bodens über dem Rohr Reibungskraft aus der Erdlast an der µ
Rohroberseite Reibungszahl zwischen Rohr
GR [kN/m] und Boden
Gewichtskraft des Rohres
zul. sh [kN/m2]
zulässige horizontale Bodenpressung

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/29

9.9 Literatur [9.3] EN 545


Ductile iron pipes, fittings,
accessories and their joints for
[9.1] DVGW-Arbeitsblatt GW 368 water pipelines –
Längskraftschlüssige Muffenverbin- Requirements and test methods
dungen für Rohre, Formstücke und [Rohre, Formstücke, Zubehörteile aus
Armaturen aus duktilem Gusseisen duktilem Gusseisen und ihre Verbin-
oder Stahl dungen für Wasserleitungen –
[DVGW worksheet GW 368 Anforderungen und Prüfverfahren]
Restrained socket joints for 2010
ductile iron and steel pipes,
fittings and valves] [9.4] DVGW-Arbeitsblatt GW 310
2002-06 Widerlager aus Beton –
Bemessungsgrundlagen
[9.2] DIN 28603 [DVGW worksheet GW 310
Rohre und Formstücke aus Concrete thrust blocks –
duktilem Gusseisen – Principles of sizing]
Steckmuffen-Verbindungen – 2008-01
Zusammenstellung, Muffen und
Dichtungen
[Ductile iron pipes and fittings –
Push-in joints –
Survey, sockets and gaskets]
2002-05

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 9. Kapitel: Längskraftschlüssige Muffen-Verbindungen 9/30

07.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 10. Kapitel: Mechanische Verbindungen – Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter 10/1

10 Mechanische Verbindungen –
Großbereichs-Kupplungen
und -Flanschadapter

02.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 10. Kapitel: Mechanische Verbindungen – Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter 10/2

10 Mechanische Verbindungen – Tabelle 10.1:


Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter Schraubenanzugsmomente
(Beispiel: MEGA-Flex Verbindungen)

Im Laufe der technischen Entwicklung haben sich bei den Rohrsystemen aller Nennweite Schraubenanzugs-
Werkstoffe eigene Verbindungstechniken etabliert, seien es Steckmuffen- oder momente in Nm
Schweiß-Verbindungen. Ebenso gehören werkstoffspezifische Kupplungen zum bis DN 80 55 – 165
Stand der Technik. Bei der Vielfalt von Werkstoffen in der Wasserwirtschaft
ab DN 100 95 – 120
ergibt sich jedoch häufig das Problem, Rohrleitungsteile aus unterschiedlichen
Werkstoffen dauerhaft dicht miteinander zu verbinden. Dieser Aufgabe wer-
den Kupplungen gerecht, die einen größeren Bereich von Rohrdurchmessern
überbrücken können oder sogar in der Lage sind, unterschiedliche Verbindungs­ 10.2 Aufbau und Wirkungsweise
systeme einander anzupassen.

Kennzeichnend für mechanische Ver-


10.1 Allgemeines Mechanische Verbindungen können ohne bindungen ist die Abdichtung zwischen
hohe axiale Montagekräfte eingebaut Muffeninnen- und Rohraußenfläche
werden, da die Dichtungen dem Einschie- mittels mechanischer Verpressung des
Mechanische Verbindungen werden u. a. ben des Rohres kaum Widerstand bieten, Dicht­elements. Meist wird mit axial
für Reparaturen, Werkstoffübergänge dafür müssen jedoch in einem weiteren angeordneten Schrauben-Verbindungen
oder für den Anschluss an alte Rohrab- Arbeitsgang die Schrauben angezogen ein Druckring an den Kupplungs- oder
messungen verwendet bzw. für Anwen- werden. Zur Sicherstellung der erforder- Flansch­adapterkörper herangezogen.
dungen, bei denen die Montagekräfte lichen Montagekräfte werden von den Dabei wird die a ­ xiale Dichtungs-Bewe-
gering gehalten werden müssen. Herstellern in den Einbauanleitungen gung über konische Führungsflächen
Bei mechanischen Verbindungen Schraubenanzugsmomente (Tabelle 10.1) radial auf die Rohroberfläche umgelenkt.
kann grundsätzlich zwischen spezi- vorgegeben. Diese sind oft als Bereich for- Prinzipiell handelt es sich bei diesen
fischen, wie z.  B. Gibault-Kupplungen muliert, da sie von den Abmessungen des Ausführungen daher um Weiterentwick-
bzw. Großbereichs-Verbindungen nach montierten Rohres beeinflusst werden. lungen der Stopfbuchsenmuffen-Verbin-
EN 12842 [10.1] bzw. EN 14525 [10.2] dung nach DIN 28602 [10.3].
unterschieden werden.

02.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 10. Kapitel: Mechanische Verbindungen – Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter 10/3

10.3 Großbereichs-Kupplungen

Großbereichs-Kupplungen (Bild 10.1


und Bild 10.2) verbinden zwei glatte Rohr­
enden mit jeweils einer mechanischen
Verbindung pro Rohr.

Durch die Abwinkelbarkeit in den bei-


den Muffen können Kupplungen auch
begrenzt Rohrversatz ausgleichen. Der
zulässige axiale Spalt zwischen den
Rohren ergibt sich durch die jeweils
erforderliche Mindesteinstecktiefe der Bild 10.1: Bild 10.2:
mechanischen Verbindungen und der Flexible Großbereichs-Kupplung Schnittdarstellung einer
Baulänge der Kupplungen. montierten Großbereichs-Kupplung

Mindestwerte für den zulässigen Verbin- Tabelle 10.2:


dungsspalt sind in EN 14525 [10.2] defi- Mindestwerte für den zulässigen Verbindungsspalt nach EN 14525 [10.2]
niert für Großbereichs-Verbindungen für Großbereichs-Verbindungen
in den Nennweiten DN 50 bis DN 600
(Tabelle 10.2). Größte(r) AD oder DN für die Verbindung Verbindungsspalt (mm)
AD (mm) DN Kupplung Flanschadapter
AD ≤ 110 DN 100 20 15
110 < AD ≤ 225 100 < DN ≤ 200 25 20
225 < AD ≤ 315 200 < DN ≤ 300 35 30
315 < AD ≤ 400 300 < DN ≤ 400 55 40
400 < AD ≤ 630 400 < DN ≤ 600 70 50

02.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 10. Kapitel: Mechanische Verbindungen – Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter 10/4

10.3.1 Durchgehende Schrauben


(einfach)

Es gibt Ausführungen von Kupplungen


und Flanschadaptern, bei denen die
Schrauben entweder die gegenüber-
liegenden Druckringe direkt gegenein­
ander, bzw. den Druckring gegen den
Flansch ziehen (Bilder 10.3), der Kupp-
lungskörper ist dazwischen schwim-
mend eingespannt. Die Kupplungs- und
Flansch­adapter-­Körper können hierbei
einfach ausgeführt werden, jedoch wirkt
bei Kupplungen in beiden Verbindungen Bild 10.3: Bild 10.4:
dieselbe Vorspannkraft, d.  h. eine indivi- Durchgehende Schrauben: Der Druckring Großbereichs-Kupplung für Materialüber­
duelle Einstellung ist nicht möglich. wird direkt gegen den Flansch gezogen. gänge (links: Faserzementrohr, rechts: PE-
Rohr) mit Schraubenbefestigung am Körper
Die Verkürzung der Abstände der Press-
ringe bewirkt eine Verlängerung des
Schraubenüberstands in der Mutter. Bei 10.3.2 Schraubenbefestigung am einen eigenen Satz Verschraubungen,
Kupplungen dieser Ausführung summiert Körper (doppelt) welche in Aufnahmen befestigt werden
sich diese Längenänderung von beiden (Bild 10.2), die am Kupplungs-Körper
Muffen auf die Schrauben auf, d.  h. es Um die erforderliche Schraubenlänge angeformt sind.
können u.  U. keine Stecknüsse mit Stan- reduzieren zu können und die gegen- Die Verlängerung des Schraubenüber-
dard-Tiefe verwendet werden. Für den überliegenden Verbindungen nachein­ stands resultiert hier nur aus der Verkür-
Einsatz von Drehmomentschlüsseln zur ander und ggf. mit unterschiedlichen zung der mechanischen Verbindung einer
Überwachung der Herstellervorgabe sind Montagekräften herstellen zu können, einzigen Kupplungsseite, zudem kann der
somit ggf. verlängerte Stecknüsse mit grö- gibt es alternativ Systeme mit doppelter Anpressdruck der Dichtungen gezielt auf
ßerer Einstecktiefe erforderlich. Verschraubung (Bild 10.4). Bei diesen das jeweils angeschlossene Rohr abge-
Ausführungen erhält jede Verbindung stimmt werden (Bild 10.4).

02.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 10. Kapitel: Mechanische Verbindungen – Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter 10/5

10.4 Großbereichs-Flanschadapter

Großbereichs-Flanschadapter (Bild 10.5
und Bild 10.6) ermöglichen den Anschluss
von glatten Rohrenden an Flansche und
sind daher auf der Rohrseite mit einer
mechanischen Verbindung und auf der
Gegenseite mit einem Flansch nach
EN 1092-2 [10.4] ausgestattet.

Es gibt Flanschadapter, welche komplett


auf die anzuschließenden Rohre aufge- Bild 10.5: Bild 10.6:
schoben werden können, dadurch wird Flexibler Großbereichs-Flanschadapter Schnittdarstellung eines montierten
jedoch ggf. die Flanschdichtung aufgrund Großbereichs-Flanschadapters
des erweiterten Innendurchmessers am
Flansch nicht vollflächig abgedeckt.

02.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 10. Kapitel: Mechanische Verbindungen – Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter 10/6

10.5 Dichtungsvorspannung momente erforderlich, selbst wenn bereits 10.6 Bereiche von
erheblich geringere Werte zur kurzfris­ Rohraußendurchmessern
tigen Abdichtung führen.
Mechanische Verbindungen zeigen nicht
den von TYTON®-Gummidichtungen in Die Hersteller verweisen hierzu in ihren Spezifische mechanische Verbindungen,
Verbindung mit der Muffengeometrie Unterlagen auf eindeutige Vorgaben, deren wie z.  B. Gibault-Kupplungen sind auf
bekannten Effekt der selbstverstärkenden Einhaltung durch Verwendung geeig- einen relativ engen Bereich von Rohr­
Dichtwirkung mit steigendem Innen- neter Werkzeuge (Drehmomentschlüssel) außen­ durchmessern ausgelegt und
druck. Daher muss der Anpressdruck sicherzustellen ist (Tabelle 10.1). somit oft nur für einen einzigen Rohrtyp
des Dichtsystems bei den Großbereichs- anwendbar.
Kupplungen und -Flanschadaptern die Großbereichs-Kupplungen (Bild 10.4)
langfristige Relaxation des Elastomers und -Flanschadapter sind bis DN 600
bereits bei der Montage berücksichtigen, nach EN 14525 [10.2] auf definierte
d. h. es sind für eine dauerhaft zuverläs- ­Mindest-Spannbereiche je Nennweite
sige Funktion erhöhte Schaubenanzugs- ausgelegt (Tabelle 10.3).

Tabelle 10.3:
Mindest-Spannbereiche nach EN 14525 [10.2]
für Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter

Größte(r) AD oder DN für die Verbindung Mindest-Spannbereich


AD (mm) DN (mm)
AD ≤ 110 DN ≤ 100 10
110 < AD ≤ 225 100 < DN ≤ 200 15
225 < AD ≤ 315 200 < DN ≤ 300 20
315 < AD ≤ 400 300 < DN ≤ 400 25
400 < AD ≤ 630 400 < DN ≤ 600 30

02.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 10. Kapitel: Mechanische Verbindungen – Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter 10/7

10.7 Zulässige Abwinkelbarkeit kelung mit beiden Muffen ausgeglichen Bei nicht längskraftschlüssigen Druck-
werden. Großbereichs-Kupplungen pas- rohrsystemen werden Widerlager, in
sen sich dem Versatz „schwimmend“ an, Deutschland berechnet nach dem DVGW-
Der in EN 14525 [10.2] definierte Min- sofern keine zusätzliche Abstützung Arbeitsblatt GW 310 [10.5], eingebaut.
destwert der Abwinkelbarkeit bezieht sich erfolgt. Längskraftschlüssige Druckrohrsysteme
auf den gesamten Bereich der jeweiligen erfordern keine Widerlager. Die Anzahl
Großbereichs-Verbindung. Die Körper Hierbei ist zu beachten, dass bei Verbin- von längskraftschlüssigen Rohrver-
von Großbereichs-Kupplungen und dungen von Rohren mit extrem unter- bindungen errechnet sich in Deutsch-
-Flanschadaptern müssen für eine Aus- schiedlichen Außendurchmessern die land nach dem DVGW-Arbeitsblatt
winkelung von mindestens 3° bei Rohren Verbindung auf dem kleineren Rohr GW 368 [10.6].
mit maximal zulässigem Außendurchmes- aufgrund des Platzangebots im Kör-
ser ausgeführt sein, daher finden Rohre per sowie auch wegen der geringeren Rohrwerkstoffe, wie z.  B. PE, können
mit kleineren Außendurchmessern in dem Überdeckung der Verbindungselemente bei großen Temperaturänderungen
Körper der Großbereichs-Kupplung bzw. erfahrungs­gemäß zu erheblich stärkerer hohe Dilatationen je nach Einbau- und
des -Flanschadapters erheblich mehr Aus­winkelung neigt. Betriebsbedingungen aufweisen. Diese
Platz für eine Abwinkelung. Daher ist Längenänderungen können in einem
ggf. eine bauseitige Begrenzung der mög- Rohrsystem, ggf. auch ohne Schubkräfte
lichen Abwinkelung erforderlich, um die 10.8 Längskraftschlüssigkeit aus dem Innendruck, längskraftschlüssige
volle Abdichtleistung der Verbindung zu Verbindungen im Rohrsystem erforder-
erhalten, welche mit zunehmender Über- lich machen.
schreitung der Herstellervorgabe sinkt. In den meisten Anwendungsfällen sind
unabhängig von der Bauart flexible Ver- Zugfeste Ausführungen von Groß­
Ein Seiten-, Höhen- oder Winkel-Versatz bindungen, wie z.  B. MEGA-Flex ausrei- bereichs-Verbindungen können je nach
zwischen zu verbindenden Rohrenden chend. Aufbau in integrierte und autarke Systeme
kann von einer Großbereichs-Kupplung unterschieden werden.
in den Grenzen der zulässigen Abwin-

02.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 10. Kapitel: Mechanische Verbindungen – Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter 10/8

Bild 10.7:
Übergangsstück BAIO® - MultiJoint®

10.8.1 Integrierte Zugsicherung

Bei dieser kompakten Bauform (Bil- Bild 10.8:


der 10.7 und 10.8) werden Dichtung und Kupplung mit mechanischer Verbindung und integrierter Zugsicherung
Zugsicherung in einem einzigen Arbeits- (doppelte Verschraubung)
gang verpresst.
Hierbei wird die Montagekraft von der
Zugsicherungseinheit auf den Dichtungs- fläche abgedeckt, die Abmessungen von
körper weitergegeben. Durch zuein­ander Dichtung und Zug­sicherungselementen
verschiebbare Kunststoffkörper wird können auf das erforderliche Minimum
der Spalt zwischen Muffe und Rohrober­ reduziert werden.

02.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 10. Kapitel: Mechanische Verbindungen – Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter 10/9

10.8.2 Autarke Zugsicherung

Bei autarken Systemen (Bild 10.9) arbei-


ten Dichtung und Zugsicherung unabhän-
gig voneinander. Bei der Montage wird
zuerst die Dichtung auf dem zu verbin-
denden Rohr verpresst, anschließend
kann die Zugsicherung unabhängig von
der Anpresskraft der Dichtung mit den
jeweils erforderlichen Montagekräften
auf das Rohr einwirken.

Da bei diesen Ausführungen der Spalt


zwischen Dichtungs-Druckring und Rohr
ausschließlich von der Gummidichtung
abgedeckt werden muss, sind diese
Ausführungen mit sehr großvolumigen Bild 10.9:
­Gummidichtungen bestückt. Kupplung mit mechanischer Verbindung und autarker Zugsicherung

Diese Bauart ist weniger kompakt und


erfordert höheren Montageaufwand, bie-
tet jedoch bei sorgfältiger Handhabung
optimale Einstellbedingungen für die
jeweilige Anwendung.

02.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 10. Kapitel: Mechanische Verbindungen – Großbereichs-Kupplungen und -Flanschadapter 10/10

10.9 Literatur [10.3] DIN 28602 [10.5] DVGW-Arbeitsblatt GW 310


Rohre und Formstücke Widerlager aus Beton –
aus duktilem Gußeisen – Bemessungsgrundlagen
[10.1] EN 12842 Stopfbuchsenmuffen-Verbin- [DVGW worksheet GW 310
Ductile iron fittings for PVC-U dungen – Concrete thrust blocks –
or PE piping systems – Zusammenstellung, Muffen, Principles of sizing]
Requirements and test methods Stopfbuchsenring, Dichtung, 2008-01
[Duktile Gussformstücke für Hammerschrauben und Muttern]
PVC-U- oder PE-Rohrleitungs- [Ductile iron pipes and fittings – [10.6] DVGW-Arbeitsblatt GW 368
systeme – Bolted gland joints – Längskraftschlüssige Muffenver-
Anforderungen und Assembly, sockets, counter ring, bindungen für Rohre, Formstücke
Prüfverfahren] sealing ring, bolts and nuts] und Armaturen aus duktilem
2000 2000-05 Gusseisen oder Stahl
[DVGW worksheet GW 368
[10.2] EN 14525 [10.4]
EN 1092-2 Restrained socket joints for
Ductile iron wide tolerance Flanges and their joints – ductile iron and steel pipes,
couplings and flange adaptors Circular flanges for pipes, fittings and valves]
for use with pipes of different valves, fittings and accessories, 2002-06
materials: Ductile iron, grey iron, PN designated –
steel, PVC-U, PE, fibre-cement Part 2: Cast iron flanges
[Großbereichskupplungen und [Flansche und ihre Verbindungen –
-flanschadapter aus duktilem Runde Flansche für Rohre,
Gusseisen zur Verbindung von Armaturen, Formstücke und
Rohren aus unterschiedlichen Zubehörteile, nach PN bezeichnet   –
Werkstoffen: Duktiles Gusseisen, Teil 2: Gußeisenflansche]
Grauguss, Stahl, PVC-U, PE, 1997
Faserzement]
2004

02.2011
E-Book – Guss-Rohrsysteme 11. Kapitel: Sicherung durch Betonwiderlager 11/1

11 Sicherung durch
Betonwiderlager

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 11. Kapitel: Sicherung durch Betonwiderlager 11/2

11 Sicherung durch Betonwiderlager Diese Kräfte hängen vom Durchmesser


der Rohrleitung, der Art des Formstückes
bzw. dem Winkel des Bogens und dem
Rohrsysteme mit Steckmuffen-Verbindungen sind üblicherweise nicht längs- Prüfdruck STP ab. Dabei errechnet sich
kraftschlüssig ausgeführt. Aus dem Innendruck resultieren an Richtungs-, Quer- die resultierende Kraft R [kN] nach Glei­
schnittsänderungen und Endverschlüssen sowie an Abzweigen Kräfte, die in den chung 11.4:
Baugrund eingeleitet werden müssen. Das vorliegende Kapitel befasst sich mit
der Bemessung und Ausführung der Betonwiderlager zur Sicherung von nicht
längskraftschlüssigen Rohrsystemen auf Grundlage des DVGW-Arbeitsblattes (11.1) π
N = STP ⋅ ⋅ da2
GW 310, „Widerlager aus Beton; Bemessungsgrundlagen“, Januar 2008. 4 

R = N · a(11.2)

11.1 Ermittlung der Anlagefläche 


α
AG eines Betonwiderlagers (11.3)
a = 2 ⋅ sin R
2

Es sei noch einmal an das Prinzip aus
Kapitel 9 erinnert, wonach an einem (11.4) π α
R = STP ⋅ ⋅ da2 ⋅ 2 ⋅ sin R
Bogen aus dem Wasserinnendruck Kräfte 4 2
entstehen, die mit den Widerstandskräf­ Für eine einfachere Berechnung ent­
ten des Bodens im Gleichgewicht stehen sprechend Gleichung 11.2 ist in der
müssen (Bild 11.1). Tabelle 11.1 der Koeffizient a als Funk­
tion des Winkels typischer Druckform­
stücke aus duktilem Gusseisen aufgeführt,
wobei für Endverschlüsse und Abzweige
der Koeffizient
Bild 11.1:
a
Resultierende Kraft R aus a1 =
ist.
2
Prüfdruck STP am Bogen

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 11. Kapitel: Sicherung durch Betonwiderlager 11/3

Tabelle 11.1:
Koeffizient a (a1) als Funktion der Formstückart

aR 11° 22° 30° 45° 90° 180°


Endverschluss
αR
und Abzweig a = 2 ⋅ sin
2
(R = N · a1)
a (a1) 0,2 0,4 0,5 0,8 1,4 (1,0)

Die Größe der Anlagefläche AG des Wider­ In Bild 11.2 sind die horizontalen Boden­
lagers am gewachsenen Erdboden ist pressungen sh, w über der Gründungs­
dann tiefe h für verschiedene nichtbindige
Bodenarten und bindige Bodenschichten
R (11.5) aufgetragen.
AG =
σ h ,w

sh, w ist die horizontale Bodenpressung
für Widerlager in der vertikalen Wider­
lagerdruckfläche.

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 11. Kapitel: Sicherung durch Betonwiderlager 11/4

Bild 11.2:
Horizontale ­Bodenpressung sh, w
[kN/m²] verschiede­ner Boden-
gruppen in Abhängig­keit von
der Gründungstiefe oberhalb des
Grundwassers zur Bemessung von
Widerlagern mit quadratischer
Druckfläche
hG
=1
bG

Nichtbindige Bodenarten:

NB1: Naturschotter scharfkan-


tig; Kies ohne Sand; Sand dicht
gelagert
NB2: sandiger Kies oder Sand
mitteldicht gelagert
NB3: sandiger Kies oder Sand,
locker gelagert

Bindige Bodenschichten:

B1: Geschiebemergel, fest,


Lehm oder Ton, mindestens halb-
fest (nicht knetbar)
B2: Lehm, Schluff oder Ton,
mindestens steif (schwer knetbar)
B3: Lehm, Schluff oder Ton,
mindestens weich (leicht knetbar)

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 11. Kapitel: Sicherung durch Betonwiderlager 11/5

11.2 Berechnungsbeispiel für ein


Betonwiderlager mit quadra-
tischer Anlagefläche AG und
der Widerlagerlänge l

In den Bildern 11.3 und 11.4 ist die


prinzipielle Ausbildung der Widerlager
an den entsprechenden Formstücken zu
erkennen. Für die beispielhafte Bemes­
sung eines Betonwiderlagers in einem
einfachen Regelfall werden folgende Vor­
gaben als Rechenbasis angenommen:

Druckleitung DN 300
Betriebsdruck:
MDP = 16 bar
Rohraußendurchmesser: Bild 11.3: Bild 11.4:
da = 0,33 m Abmessungen eines Betonwiderlagers Abmessungen eines Betonwiderlagers am
Bogenwinkel: am Bogen (Grundriss) Bogen (Schnitt A - A)
aR = 30°
Prüfdruck:
STP = 21 bar ( 2100 kN/m² )
Bodenart:
NB2 (Sand, mitteldicht gelagert)
Grundwasser:
nicht vorhanden
Gründungstiefe:
h = 1,5 m

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 11. Kapitel: Sicherung durch Betonwiderlager 11/6

Mit diesen Größen wird im ersten Schritt Üblicherweise wird für die Kraftausbrei­
die Resultierende R entsprechend Glei­ tung im Betonwiderlager ein Winkel von
chung 11.4 mit 2 · aK = 90° angesetzt (Bild 11.5), woraus
sich eine Widerlagerlänge l (Tiefe des
R = 87,6 kN Widerlagers) nach Gleichung 11.7 von

ermittelt. Der zweite Schritt gilt der  hG
Ermittlung der horizontalen Bodenpres­ l= 2
sung sh, w für das gewählte Rechenbei­ tanα
(11.7) K

spiel. Aus Bild 9.2 ergibt sich



sh, w = 72 kN/m2 1 ,10
l = 2 = 0 ,55 m
Aus der Gleichung 11.5 lässt sich jetzt die 1 
Druckfläche AG des Betonwiderlagers an
der Grabenwand ermitteln ergibt.

87 ,6 Bild 11.5:
AG = = 1 ,22 m2
72 Kraftausbreitung im Betonwiderlager;
Kraftaufnahme durch die Grabenwand
Für eine quadratische Anlagefläche gilt

AG = bG · hG (11.6)

Die Seitenlänge bG = hG ist dann 1,1 m.

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 11. Kapitel: Sicherung durch Betonwiderlager 11/7

11.3 Berechnung der Formstücks (da  ). 11.4 Formelzeichen


Übertragungs­fläche zwischen Für die erforderliche Standsicherheit
Beton und Formstückaußen- muss ein Widerlager symmetrisch zur
fläche Rohrleitung gebaut werden. Die Anlage­ a [ – ]
fläche an der gewachsenen Grabenwand Koeffizient als Funktion
soll eben und rechtwinklig zur Resultie­ der Formstückart
Betonwiderlager werden im Allgemei­ renden R liegen. Bei Unsicherheit in der
nen aus unbewehrtem Beton der Druck­ Beurteilung des Bodens soll ein Boden­ a1 [ – ]
festigkeitsklasse C 20/25 hergestellt; mit gutachter herangezogen werden. Koeffizient als Funktion bei End­
Rücksicht auf die zeitlichen Erfordernisse verschlüssen und Abzweigen (aR =
des Bauablaufs können jedoch meist nur Die Website der European Association 180°)
drei Tage Abbindezeit in Kauf genommen for Ductile Iron Pipe Systems · EADIPS® / AG [m²]
werden, sodass mit einer Betonfestigkeit Fachgemeinschaft Guss-Rohrsysteme Druckfläche des Betonwiderlagers an
sc, k zum Zeitpunkt der Druckprüfung von (FGR®)  e.  V., www.eadips.org, hält ein der Grabenwand
sc, k = 2 N/mm² ( 2000 kN/m² ) zu rechnen online-Rechenprogramm bereit, welches
ist. Die Kraftübertragungsfläche AR ist nach Eingabe der erforderlichen Ein­ AR [m²]
gangsdaten die Widerlagerabmessungen Kraftübertragungsfläche am
R (11.8) anzeigt und ausdrucken lässt. Dieses ­Rohrleitungsteil
AR = da ⋅ bR =
σ c ,k „online-Rechentool“ sollte nur bei Bemes­
sung einfacher Regelfälle angewendet bG [m]
da = 326 mm = 0,33 m werden. Grundsätzlich ist das DVGW Breite des Betonwiderlagers an der
Arbeitsblatt GW 310, Ausgabe Januar Grabenwand
2008, maßgebend.
87 ,6 bR [m]
bR = = 0 ,13 m
2000 ⋅ 0 ,33 Breite der Kraftübertragungsfläche am
Rohrleitungsteil

Die Kontaktfläche zwischen Formstück da [m]


und Widerlager ist 0,13 m breit (bR­   ) und Rohraußendurchmesser (entspricht OD,
geht über den ganzen Durchmesser des Einheit hier jedoch in m)

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 11. Kapitel: Sicherung durch Betonwiderlager 11/8

h [m] R [kN]
Gründungstiefe des Betonwiderlagers Resultierende aller wirkenden Kräfte,
allgemein
hG [m]
Höhe des Betonwiderlagers an der STP [bar]
­Grabenwand Systemprüfdruck
(System Test Pressure)
hR [m]
Höhe der Kraftübertragungsfläche am αK [°]
Rohrleitungsteil halber Kraftausbreitungswinkel

l [m] αR [°]
Widerlagerlänge Winkel der Richtungsänderung der
Rohrleitung (Bogenwinkel)
MDP [bar]
Höchster Systembetriebsdruck σc, k [kN/m²]
(Maximum Design Pressure) charakteristische Betondruckspannung
(3-Tage-Wert)
N [kN]
Längskraft (Normalkraft), allgemein σh, w [kN/m²]
Rechenwert der horizontalen Boden­
OD [m] pressung für Widerlager in der
Rohraußendurchmesser ­vertikalen Widerlagerdruckfläche
(Outside Diameter)

p [bar]
Innendruck einer Rohrleitung
(1 bar = 100 kN/m²)

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 12. Kapitel: Dauerhaftigkeit 12/1

12 Dauerhaftigkeit

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 12. Kapitel: Dauerhaftigkeit 12/2

12 Dauerhaftigkeit Betriebs nicht aufgezehrt werden. Dies


können z.  B. Druckerhöhungen oder
Änderungen der statischen Randbedin­
Rohrleitungen aus duktilem Gusseisen sind dauerhaft. Die mechanischen Eigen- gungen durch Straßenumbau sein.
schaften ändern sich während der gesamten Nutzungsdauer nicht, es findet keine
Alterung statt. Wechselwirkungen mit den Umgebungsbedingungen werden In der Technischen Mitteilung des
durch geeignete und abgestimmte Schutzmaßnahmen vermieden. Die Schutz- DVGW W 401, „Entscheidungshilfen für
maßnahmen bestehen aus einer geeigneten Umhüllung (Außenschutz) und einer die ­Rehabilitation von Wasserrohrnet­
geeigneten Auskleidung (Innenschutz). Der werkseitige Schutz kann durch bau- zen“ wird den hochwertig geschützten
stellenseitige Maßnahmen ergänzt werden. Rohren aus duktilem Gusseisen die größte
Dauerhaftigkeit attestiert, nämlich mit
durchschnittlich 120 Jahren die längste
Nutzungsdauer aller Rohrwerkstoffe.
12.1 Allgemeines Rohrleitungen sollen dauerhaft sein, d. h.
sie dürfen während ihrer Nutzungs­dauer Die folgenden Abschnitte enthalten
Bei der Wahl eines Rohrleitungssystems ihre Funktionsfähigkeit nicht ver­lieren. zu­nächst die zum Verständnis der Dauer­
aus einem bestimmten Werkstoff werden haftigkeit erforderlichen ­generellen­
heute hauptsächlich folgende Kriterien Die Dauerhaftigkeit von ­ Werkstoffen Aus­sagen bezüglich Korrosion und
herangezogen: hängt im Wesentlichen von ihrer che­ Korrosionsschutz von erdüberdeck­
n Kosten des Systems und Verfügbarkeit mi­­­­­­schen Beständigkeit bzw. Korro­ ten Rohrleitungen aus nicht legierten
am Markt, sions­­­­beständigkeit und von ihrer Eisenwerkstoffen (Abschnitte 12.2
n Kosten der Verarbeitung und des Ein­ Alterungsbeständigkeit ab. und 12.3).
baus,
n Kosten für Betrieb und Instandhaltung Die mechanischen Eigenschaften von Abschnitt 12.3 behandelt die speziellen
während der Nutzungsdauer, Rohrleitungen aus metallischen Werkstof­ Korrosionsschutz-Maßnahmen von Rohr­
n lange Nutzungsdauer infolge hoher fen bleiben über die gesamte Nutzungs­ leitungen aus duktilem Gusseisen. Die
Beständigkeit bzw. hoher mechanischer phase unverändert. Dies bedeutet, dass Maßnahmen im einzelnen sind in den
und chemischer Belastbarkeit, die anfänglich vorhandenen Sicherheits­ Kapiteln 14 und 15 eingehend beschrie­
n Wiederverwertbarkeit nach der Nut­ reserven gegenüber nicht vorher­sehbaren ben.
zungsphase. Belastungsänderungen während des

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 12. Kapitel: Dauerhaftigkeit 12/3

Da Gussrohrleitungen auch nichtmetal­ Bei Rohrleitungsteilen aus duktilem Guss­ Beschichtung


lische Werkstoffe in Form von Beschich­ eisen sind Korrosionsschutzschichten von Eine Beschichtung ist eine Korrosions­
tungs- oder Dichtstoffen enthalten, wird erheblicher Bedeutung. Folgende Begriffe schutzschicht aus Beschichtungsstoffen.
in den Abschnitten 12.4 und 12.5 auch sind in DIN 50902 hierzu definiert: Beschichtungsstoff ist der Oberbegriff für
auf die Dauerhaftigkeit dieser Materialien flüssige, pulverförmige oder feste Stoffe,
eingegangen. Korrosionsschutzschicht die aus Bindemitteln sowie gegebenen­
Eine Korrosionsschutzschicht ist eine auf falls zusätzlich aus Pigmenten und ande­
einem Metall oder im oberflächennahen ren Farbmitteln, Füllstoffen, Lösemitteln
12.2 Korrosionsschutz- Bereich eines Metalls befindliche Schicht, und sonstigen Zusätzen bestehen, z. B.
­Maßnahmen, Grundlagen die aus einer oder mehreren Lagen Epoxidharzpulverbeschichtung.
besteht. Mehrlagige Schichten bezeichnet
man auch als Korrosionsschutzsystem. Überzug
Rohre aus unlegierten Eisenwerkstoffen Ein Überzug ist eine Korrosionsschutz­
in Böden und Wässern erhalten nur durch Umhüllung schicht aus Metallen, ein Umwandlungs­
Korrosionsschutz-Maßnahmen ihre gefor­ Eine Umhüllung ist eine Korrosions­ überzug oder ein Diffusionsüberzug, z. B.
derte Dauerhaftigkeit. schutzschicht an den Außenflächen von Zinküberzug. Hierzu zählen nicht die
z. B. Apparaten, Behältern und Rohrlei­ Reaktionsschichten, die in betrieblichen
Nach DIN 50900 Teil 1 ist Korrosions­ tungen, z. B. Zementmörtel-Umhüllung. Medien entstehen.
schutz eine Maßnahme mit dem Ziel,
Korrosionsschäden zu vermeiden, und Auskleidung
zwar durch Eine Auskleidung ist eine Korrosions­
n Beeinflussung der Reaktionspartner schutzschicht an den Innenflächen von
und / oder durch Änderung der Reak­ z. B. Apparaten, Behältern und Rohr­
tionsbedingungen, leitungen, z. B. Zementmörtel-Ausklei­
n durch Trennung des metallischen dung.
Werkstoffs vom korrosiven Mit­
tel mit Hilfe aufgebrachter Schutz­
schichten,
n durch elektrochemische Maßnah­
men.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 12. Kapitel: Dauerhaftigkeit 12/4

12.3 Allgemeine Betrachtung von ist integraler Bestandteil der Rohre und ist der kathodische Korrosionsschutz von
Korrosionsschutz-­Maßnahmen Formstücke. Die Palette der möglichen Rohrleitungen mit Muffen-Verbindungen
bei Rohrleitungen aus Umhüllungen und Auskleidungen wird in nicht möglich, aber auch nicht erforder­
duktilem Gusseisen den Kapiteln 14 und 15 dargestellt. lich. Die Korrosionsschutz-Maßnah­
men sind auf die äußeren Bedingungen
Baustellenseitige (Bodenart, Grundwasserstand usw. ) abge­
Rohrleitungen aus duktilem Gusseisen Korrosionsschutz-Maßnahmen stimmt.
werden durch einfache und effektive Maß­ Mit baustellenseitigen Maßnahmen wird
nahmen gegen Korrosion geschützt. Lau­ z. B. der äußere Schutz an den Verbin­ 12.3.2 Innerer Korrosionsschutz
fende Überwachungen, z. B. kathodischer dungsstellen vervollständigt. Weiterhin von Rohrleitungen aus
Korrosionsschutz, sind nicht möglich und können Reparaturmaßnahmen am werk­ duktilem Gusseisen
nicht erforderlich. Bei Abwasserkanälen seitigen Korrosionsschutz erforderlich
aus duktilen Gussrohren wird in Inter­ werden. Die Möglichkeiten der notwen­ Der innere Schutz von Rohrleitungen aus
vallen der Zustand der Zementmörtel- digen baustellenseitige Maßnahmen für duktilem Gusseisen ist dem zu transpor­
Auskleidung kontrolliert. Umhüllungen und Auskleidungen sind in tierenden Medium angepasst. Rohre und
den Kapiteln 14 und 15 aufgeführt. Formstücke für Wasserleitungen sind
Es ist zwischen werkseitigen und bau­ standardmäßig mit Zementmörtel aus­
stellenseitigen Korrosionsschutz-Maß­ 12.3.1 Äußerer Korrosionsschutz gekleidet.
nahmen zu unterscheiden: bei Rohrleitungen aus
duktilem Gusseisen Bei den Formstücken zeichnet sich zur
Werkseitige Zeit ein Wandel ab: Die Zementmörtel-
Korrosionsschutz-Maßnahmen Gussrohrleitungen bestehen aus Rohren Auskleidung wird mehr und mehr von
Werkseitige Korrosionsschutz-Maß­ und Formstücken mit gummigedichteten Beschichtungen aus Epoxidharz oder
nahmen sind Umhüllungen und Aus­ Verbindungen. Dies bedeutet eine Unter­ Email abgelöst.
kleidungen, die zum Oberbegriff brechung der elektrischen Längsleitung
­Korrosionsschutzschicht gehören, vgl. durch die gummigedichtete Verbindung
hierzu DIN 50902. Rohre und Form­ nach jedem Rohr bzw. Formstück. Deshalb
stücke aus duktilem Gusseisen werden werden Gussrohrleitungen nicht katho­
grundsätzlich nur mit äußerem und inne­ disch geschützt. Ohne zusätzliche elek­
rem Schutz ausgeliefert; dieser Schutz trische Überbrückung der Verbindungen

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 12. Kapitel: Dauerhaftigkeit 12/5

12.4 Dauerhaftigkeit von Die Wirksamkeit des in den Produkt­ Anwendung in stark aggressiven Böden
Beschichtungsstoffen normen EN 545 und EN 598 sowie in ermöglichte. Diese PE-Folienumhüllung
DIN 30674-3 genormten Korrosions­ wurde zunehmend durch Sonderumhül­
schutzsystems „Zinküberzug mit Deck­ lungen wie ZM-U und PE-U ersetzt oder
Rohrleitungsteile aus duktilem Gussei­ beschichtung“ wurde in zahlreichen in jüngster Vergangenheit durch Zn-Al15
sen können mit organischen oder anorga­ Labor- und Felduntersuchungen nach­ mit Deckbeschichtung. Auch die Anwen­
nischen Stoffen beschichtet werden. gewiesen. dung einer korrosionsschutzgerechten
Bettung nach DIN 30675-2 besitzt nach
Nach EN 545 und EN 598 werden ver­ Der Einsatzbereich des Systems „Zink­ wie vor einen hohen Stellenwert.
wendet: überzug mit Deckbeschichtung“ konnte
n organische Beschichtungsstoffe in jüngerer Zeit durch die Applika­ Die Epoxidharzbeschichtung nach
- Bitumen, tion einer Zink-Aluminium-Legierung EN 14901 und die Polyethylen-Umhül­
- Cyclokautschuk, erweitert werden, wobei parallel dazu lung nach EN 14628 sind porenfreie
- Epoxidharz, praxisnahe Makroelement-Messzellen Dick­beschichtungen. Ihre Wirksamkeit
- Polyethylen, entwickelt wurden. Mit diesen Messzellen ist über Langzeiterfahrungen von mehr
- Polyurethan, lassen sich die Korrosionsreaktionen in als 50 Jahren abgesichert.
n anorganischer Beschichtungsstoff Böden quantitativ und zeitraffend simu­
- Zementmörtel, lieren. Ein Vergleich der unterschied­ Die Zementmörtel-Umhüllung nach
- Email. lichen Schutzsysteme für erdüberdeckte DIN 30674-2 bzw. nach prEN 15542 ist ein
Rohrleitungen aus nicht legierten Eisen­ mehrschichtiges Korrosionsschutzsystem.
Bitumen-, Cyclokautschuk- und Epoxid­ werkstoffen wurde damit möglich. Die Sie wird seit Jahrzehnten in schwierigsten
harzlacke sind poröse Dünnbeschich­ Anwendung der nur für atmosphärische Böden (stark aggressiv und mit groben
tungen mit Schichtdicken bis etwa 100 µm. Korrosions­vorgänge geeigneten Salz­ Steinen bis 100 mm Korngröße durch­
Sie werden meist nur in Verbindung mit sprühtests wurde damit obsolet. setzt) erfolgreich eingesetzt.
einem Zinküberzug eingesetzt, dessen
besonderer Effekt darin besteht, dass Das System „Zinküberzug mit Deckbe­ Zementmörtel-Auskleidungen werden
diese porösen Schichten mit Zinkreak­ schichtung“ wurde in der Vergangenheit in den USA schon seit über 100 Jahren
tionsprodukten extrem dauerhafte Deck­ bei Bedarf zusätzlich mit einer baustel­ mit Erfolg angewendet und haben sich
schichten bilden können. lenseitig aufgebrachten Polyethylen- auch in Europa seit mehr als 50 Jahren
Folienumhüllung kombiniert, was seine bestens bewährt.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 12. Kapitel: Dauerhaftigkeit 12/6

In Abwasserkanälen eingesetzte Zement­ Um die Dauerhaftigkeit sicherzustellen,


mörtel-Auskleidungen auf Basis Tonerde­ enthalten diese Normen hohe Anforde­
zement widerstehen Angriffen biogener rungen an bestimmte Prüfparameter, vgl.
Schwefelsäure auch unter schwierigen Kapitel 13.
Bedingungen. Auch ihre mechanische
Beständigkeit gegenüber Beanspru­ Zum Praxisnachweis der Dauerhaftigkeit
chungen durch abrasive Stoffe und Rei­ wurden Steckmuffen-Dichtungen vom
nigungsvorgänge mit Hochdruckspülung Typ TYTON® nach 50 Jahren störungs­
ist durch Laboruntersuchungen sowie freiem Betrieb ausgebaut und untersucht.
langjährige betriebliche Erfahrungen Die Verbindungen waren, wie zu erwar­
nachgewiesen. ten, druckdicht; die Dichtung erfüllte
immer noch weitestgehend die Normenan­
forderungen an neuwertige Dichtungen.
12.5 ­Dauerhaftigkeit von
Dichtungen

Als Werkstoffe finden in der Regel Ver­


wendung:
n NBR (Nitril-Butadien-Kautschuk),
n EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-
Copolymer).

Die Dichtungswerkstoffe sind nach den


jeweiligen Einsatzbereichen ausgewählt.
Sie entsprechen der Norm EN 681-1
(Wasser/Abwasser).

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/1

13 Dichtungen

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/2

13 Dichtungen Der weitaus größte Teil der Gussrohre


wird in erdüberdeckten Leitungen mit
Steckmuffen-Verbindungen eingesetzt.
Erdüberdeckte Rohrleitungen aus duktilem Gusseisen werden fast ausnahms- Hiervon haben im Laufe der jahrzehnte-
los mittels Steckmuffen-Verbindungen zusammengefügt. Den Dichtungen der langen praktischen Anwendungen die
Systeme TYTON® und STANDARD kommt die größte Bedeutung zu. Es handelt Systeme TYTON® und STANDARD die
sich um gekammerte Kompressionsdichtungen mit speziellen Fixierungsprofilen. größte Bedeutung erlangt.
Ihre Dichtfunktion ist während der gesamten Nutzungsdauer der Rohrleitung
sichergestellt. Die Anforderungen an die Dichtungswerkstoffe sind auf eine Maßgebend für die Dichtheit von
langfristige Dichtheit ausgerichtet. Durch die Verwendung unterschiedlicher Steckmuffen-Verbindungen ist die Ver-
Ausgangsstoffe kann der Gummi an die Anforderungen des jeweiligen Mediums formbarkeit einer profilierten Gummi-
angepasst werden. dichtung. Der Werkstoff Gummi ist wegen
seiner hohen Elastizität und Haltbarkeit
besonders gut als Dichtungswerkstoff
13.1 Allgemeines Ebenso sicher verhindert sie Grund- geeignet.
wasserverunreinigungen und Schäden
durch Austritt von Abwässern und Wurden in der Vergangenheit nur Dich-
Erdüberdeckte Rohrleitungen sind Gasen. Die verschiedenen Anwen- tungen aus vulkanisiertem Naturkau-
der ständigen Kontrolle und Beobach- dungsbereiche erfordern den Einsatz tschuk (NR = Natural Rubber) eingesetzt,
tung entzogen. Deswegen ist die lang- zum Teil unterschiedlicher Dichtungen, so werden seit über 25 Jahren Dichtungen
fristige Zuverlässigkeit der Dichtungen die aus hochwertigen Elastomer- ausschließlich aus synthetischem Gummi
in den Rohrverbindungen besonders werkstoffen hergestellt sein müssen. angewendet, welche dem Naturgummi
wichtig. Die Forderung nach dauerhaft dichten in der Chemikalien- und Temperaturbe-
Verbindungen spiegelt sich in einer ständigkeit sowie in der Haltbarkeit über-
Die Zuverlässigkeit und Haltbarkeit Reihe von Anforderungen an die legen sind. Bei Trinkwasser wird EPDM
des verwendeten Dichtungswerkstoffes Festigkeit, den Widerstand gegen (Ethylen-Propylen-Dien-Terpolymer),
trägt in hohem Maße zur Sicherheit Druckverformung (Rückverformung), bei Abwasser NBR (Acrylnitril-Butadien-
der Rohrleitung bei. Diese Sicherheit das Alterungsverhalten und die Elastomer) eingesetzt. Der Anwendungs-
dient dem Schutz unseres wichtigsten Chemikalienbeständigkeit wieder. bereich von Steckmuffen-Verbindungen
Lebensmittels, des Trinkwassers. nach EN 545 [13.01], z. B. für Trink-

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/3

wasser reicht für EPDM-Dichtungen von Für Dichtungen in Trinkwasser- und 13.2 Dichtungsarten
0 °C bis 50 °C. Bei Abwasser nach EN 598 Abwasserleitungen gilt die Werkstoffnorm
[13.02] liegt die obere Grenze von NBR- EN 681-1 [13.03]. Im Rahmen der Euro-
Dichtungen je nach Nennweite bei 45 °C päischen Bauproduktenverordnung 13.2.1 TYTON®-Dichtung
(bis einschl. DN 200) und bei 35   °C wurde die EN 681-1 [13.03] inzwischen
(oberhalb DN 200). harmonisiert, wodurch sich die Ver- Das Profil der TYTON®-Dichtung zeigt
pflichtung zur CE-Kennzeichnung ergibt. Bild 13.1 im Querschnitt. Sie besteht aus
Bei Anwendungen oberhalb dieser Die nationalen Anforderungen und einer Kombination von zwei Gummisor-
Temperaturen empfehlen sich wegen Prüfungen von Dichtungen für Muf- ten: Der eine Teil mit einer Härte von
ihrer Beständigkeit bei höheren Tem- fen-Verbindungen duktiler Gussrohre 55 IRHD (International Rubber Hard-
peraturen andere synthetische Elasto- wurden in der DVGW-Prüfgrundlage ness Degree) ist auf optimale Dichtfunk-
mere, z. B. FPM (Fluor-Kautschuk). VP 546 [13.04], zukünftig DVGW-Arbeits- tion und Langzeitelastizität ausgelegt
blatt W 384 [13.05], zusammengefasst. (Dichtteil).

Halteteil Dichtteil

Bild 13.1: Bild 13.2:


Querschnitt einer TYTON®-Dichtung TYTON®-Dichtung DN 300

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/4

Bild 13.3: Bild 13.4:


Querschnitt einer STANDARD-Dichtung STANDARD-Dichtung DN 300

Der andere Teil mit einer Härte Die TYTON®-Dichtung (Bild 13.2) ist in Die Dichtung besteht aus einem homo-
von 85 IRHD hat die Aufgabe, die DIN 28603 [13.06] für den Nennweiten- genen Gummiwerkstoff mit einer Härte
Dichtung während der Verbindungsmon- bereich von DN 80 bis DN 1400 genormt. von 67 IRHD. Die STANDARD-Dichtung
tage in ihrem Sitz zu fixieren (Halteteil). Sie besteht je nach Einsatzbereich i. d. R. (Bild 13.4) ist in DIN 28603 [13.06] für
Durch die Verformung des Dichtteiles aus den synthetischen Gummiqualitäten den Nennweitenbereich von DN 80 bis
zwischen der Muffeninnenseite und EPDM oder NBR. DN 2000 genormt.
der Rohraußenseite werden hohe Rück-
stellkräfte erzeugt. Sie bewirken die 13.2.2 STANDARD-Dichtung 13.2.3 Flachdichtungen
Abdichtung der Verbindung, nicht nur
bei niedrigen und hohen Innendrücken, Bild 13.3 zeigt die STANDARD-Dichtung Flachdichtungen dienen zum Ab-
sondern auch bei äußerem Überdruck im Querschnitt. Wie bei der TYTON®- dichten von Flansch-Verbindungen
sowie bei Unterdruck. Dichtung wird die Verbindung durch die (Bild 13.5). Der Dichteffekt entsteht
Rückstellkraft des radial zusammen- dadurch, dass zwei Flansche über
gedrückten Ringes abgedichtet. Schrauben und Muttern gegeneinan-

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/5

der gepresst werden. Zwischen dem


Flanschpaar befindet sich die Dichtung,
die durch einen hohen Anpressdruck
die Dichtfunktion sicherstellt.

Flachdichtungen bestehen in der Regel


aus Gummi mit einer Härte von
< 80 IRHD. Eine in die Dichtung ein-
vulkanisierte Stahleinlage verhindert
wirksam ein Verschieben oder Aus-
blasen bei hohen Beanspruchungen.

Flachdichtungen sind für alle gängigen


Nennweiten, z. B. DN 80 bis DN 2000, und
für Nenndrücke bis PN 63 (nennweiten-
abhängig) verfügbar. Ihre Abmessungen
sind in EN 1514-1 [13.08] festgelegt. Die
nationalen Anforderungen und Prü-
fungen enthält die DVGW-Prüfgrundlage
VP 547 [13.09], zukünftig das DVGW-
Arbeitsblatt W 385 [13.10].

Bild 13.5:
Beispiel einer Flachdichtung nach DIN EN 1514-1 [13.07]

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/6

13.3 Eigenschaften Die Messung nach IRHD ist aufwendiger.


Sie wird deshalb nur dann angewandt,
wenn an die Messung höhere Anforde-
Elastomerdichtungen haben die Auf- rungen hinsichtlich Genauigkeit und
gabe, Rohrverbindungen über Jahrzehnte Reproduzierbarkeit gestellt werden. Die
zuverlässig abzudichten. Folgende Eigen- Härte hängt von der Zusammensetzung
schaften sind wichtig: des Kautschuks und seiner Vulkanisation
n Härte, ab. Weil diese Parameter zwangsläufig
n Zugfestigkeit, auch andere Eigenschaften eines Gum-
n Reißdehnung, miwerkstoffes verändern, fasst man die
n Druckverformungsrest, Anforderungen an Dichtungswerkstoffe
n Spannungsrelaxation, oft in Härteklassen zusammen. Die Härte
n Alterungsbeständigkeit, der Steckmuffen-Dichtungen ist auf die
n Verhalten in der Kälte, geometrische Form und die Konstruktion
n Ozonbeständigkeit, der Rohrverbindung abgestimmt.
n chemische Beständigkeit.
Die Härte wird am ganzen Ring oder an
13.3.1 Härte Standardprobekörpern bestimmt, die man
der Dichtung bzw. den Probeplatten der
Die Härte von Gummi ist der relative verwendeten Mischung entnimmt.
Widerstand gegen das Eindringen eines
Körpers. Zur Prüfung der Härte bedient
man sich der Prüfmethoden nach Shore-A
und IRHD. In den EN-Normen sind die
Gummihärten nach IRHD angegeben.

Zur Bestimmung der Gummihärte nach


Shore-A kann ein einfach zu handha- Bild 13.6:
bendes Prüfgerät (Bild13.6) verwendet Durometer zur Messung der
werden. Gummihärte nach Shore-A

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/7

13.3.2 Zugfestigkeit und Reißdehnung Verbindungsteile und bei der Auswahl Temperatur in Achsrichtung um 25 %
der Gummiqualität zu berücksichtigen. (Bild 13.7, a) zusammengedrückt wer-
Zugfestigkeit und Reißdehnung sind den. Bei idealem elastischem Verhalten
leicht zu bestimmende Eigenschaften würde der Probekörper nach der Ent-
bb
eines Gummis. Alterungseffekte, die ⋅ 100[%
DVR== ⋅ 100
DVR [%]] (13.1) lastung seine Ausgangsmaße wieder
aa
z. B. auf einen oxidativen Abbau zurück- annehmen. Der Test zeigt aber, dass
zuführen sind, lassen sich u. a. an der die Probe eine geringe bleibende Ver-
Änderung von Zugfestigkeit und Reiß- Der Druckverformungsrest nach Glei- formung (Bild 13.7, b) zurückbehält,
dehnung einfach erkennen. chung 13.1 wird an zylindrischen Proben die als Druckverformungsrest bezeichnet
bestimmt, die während einer vorge- und in  % von der Gesamtverformung a
13.3.3 Druckverformungsrest gebenen Zeit bei einer bestimmten angegeben wird.

Ein gutes Druckverformungsverhalten


ist erforderlich, um die Funktion der
Dichtung sicherzustellen, selbst wenn
die Verbindung sich bewegt.

Der Dichtkammerspalt der Rohrverbin-


dung, der sich zwischen Muffe und Rohr
bildet, muss auch bei Setzungen des
Rohres permanent mit Gummi so ausge-
füllt sein, dass die Dichtung eine ausrei-
chende Anpresskraft auf die Dichtflächen
ausübt.

Plastische (= bleibende) Verformungen


der Dichtung, die als Druckverfor-
mungsrest (DVR) bezeichnet werden, Bild 13.7:
sind bereits bei der Festlegung von Definition des Druckverformungs-
Abmessungen und Toleranzen aller rests (DVR) nach Gleichung 13.1

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/8

13.3.4 Spannungsrelaxation 13.3.5 Alterung Die durch Abkühlung bewirkte Eigen-


schaftsänderung darf jedoch bei Gum-
Die Spannungsrelaxation wie auch der Für die über Jahrzehnte einwandfreie midichtungen ein gewisses Maß nicht
Druckverformungsrest sind ein Maß für Dichtheit einer Verbindung spielt neben überschreiten, damit keine Schwierig-
die Elastizität einer Gummidichtung. Für den elastischen Eigenschaften auch das keiten bei der Montage unter niedrigen
eine hohe Dauerhaftigkeit der Abdichtung Alterungsverhalten des Gummis eine Temperaturen auftreten. In die Einbauan-
muss die Dichtung eine möglichst geringe bedeutende Rolle. Die Alterung wird im leitung von Dichtungen für duktile Guss-
Spannungsrelaxation besitzen. Wesentlichen von Licht, Sauerstoff, Tem- rohre wurde deshalb folgender Passus
peratur und Medium beeinflusst. aufgenommen:
Spannungsrelaxation (DSR) und Druck-
verformungsrest (DVR) werden im Daher schreibt ISO 2230 [13.11] vor, dass Praxistipp:
Prüfzeitraum identisch belastet (25  % Ver- Dichtungen kühl und dunkel gelagert Die Dichtungen können bei Temperaturen
formung). Während beim DVR der ver- werden sollen. unter 0 °C eine gewisse Härtezunahme
formte Weg das Ergebnis bestimmt, wird erfahren. Bei Einbautemperaturen unter
bei der DSR die verbleibende Spannung Das Alterungsverhalten wird meist durch 0 °C sind die Dichtungen daher zur
als Ergebnis dargestellt. einen 7-tägigen Alterungstest bei +70 °C Erleichterung der Montage bei einer
überprüft. Dabei werden Messwertände- Temperatur von möglichst über +10 °C
Die Spannungsrelaxation ist schwieriger rungen der Härte, der Zugfestigkeit und zu lagern. Die Dichtungen sind erst kurz
und aufwändiger zu bestimmen und der Reißdehnung mit dem Neuzustand vor dem Herstellen der Verbindungen der
benötigt eine längere Zeit, weswegen der verglichen. Lagerstelle (z. B. beheizter Bauwagen) zu
Druckverformungsrest als Routineprü- entnehmen. Zur Prüfung des Kältever-
fung vorgezogen wird. 13.3.6 Verhalten in der Kälte haltens der Dichtungen wird die Härte-
zunahme nach der Lagerung in der Kälte
Die bei konstant gehaltener Verformung Bei niedrigen Temperaturen nimmt die (70 Stunden bei -10 °C) bestimmt. Für
auftretende Rückstellkraft wird als Funk- Härte von Gummi zu. Dieses Verhalten höhere Anforderungen sind fakultativ
tion der Zeit gemessen. Die zeitliche ist reversibel und ruft keinen Qualitäts- auch Kälteprüfungen bei -25 °C nach
Abnahme der Rückstellkraft, in  % vom verlust hervor. Bei Erwärmung nimmt EN 681-1 [13.03] möglich.
Ausgangswert gemessen, ist die Span- der Gummi seine ursprünglichen Eigen-
nungsrelaxation. schaften wieder an.

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/9

13.3.7 Ozonbeständigkeit Sie wird anhand der Volumenänderung fristige Lagerbevorratungen üblich und
einer Probe gemäß ISO 1817 [13.12] notwendig. Im Einzelfall kann dies zu
Eine besondere Form des oxidativen nach 7 Tagen Lagerung in destilliertem mehrjährigen Lagerzeiten führen, was
Abbaues, die Ozonrissbildung, wird durch oder deionisiertem Wasser bei 70 °C jedoch wegen der speziellen Rezeptie-
die Untersuchung der Ozonbeständigkeit geprüft und bewertet. Weitergehende rung der Dichtungen hinsichtlich ihrer
geprüft. Anforderungen sind in Anlehnung an Nutzungsdauer problemlos möglich
EN 681-1 [13.03] festzulegen. ist, sofern die vorgeschriebenen Lager-
Bei der Prüfung wird eine Gummiprobe bedingungen berücksichtigt werden.
gedehnt und bei einer festgelegten Tem- 13.3.9 Lagerzeiten
peratur über eine bestimmte Zeit einer Nach ISO 2230 [13.11] sollte die Lager-
ozonhaltigen Atmosphäre ausgesetzt. Am Um eine den Markterfordernissen dauer die in Tabelle 13.1 angegebenen
Ende der Prüfung dürfen keine Risse auf entsprechende Belieferung mit Dich- Lagerzeiten nicht überschreiten (Auszug).
der Gummioberfläche sichtbar sein. tungen sicherzustellen, sind länger-

13.3.8 Chemische Beständigkeit


Tabelle 13.1:
Die Dichtungen für Steckmuffen-Ver- Auszug von Lagerzeiten nach ISO 2230 [13.11]
bindungen unterliegen bei ihrem Ein-
satz in Trink-, Roh- und Brauchwasser- Werkstoff a Lagerzeit b Erweiterte Lagerzeit b
leitungen hinsichtlich ihrer chemischen NR, SBR 5 Jahre + 2 Jahre
Beständigkeit keinen besonderen Bean-
NBR, HNBR, IIR, CIIR, BIIR 7 Jahre + 3 Jahre
spruchungen.
EPDM, FKM, VMQ 10 Jahre + 5 Jahre
Für den Einsatz in Abwasserkanälen
und -leitungen ist für die Dichtung aller-
a
Anwendungsspezifische Auswahl nach ISO 2230 [13.11]
dings die Beständigkeit nach EN 681-1
b
Überprüfung und Bewertung nach ISO 2230 [13.11]
[13.03] gegen Abwasser nachzuweisen.

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/10

13.4 Dichtungen für 13.5 Dichtungen für Abwasser-


­Trinkwasserleitungen kanäle und -leitungen

TYTON®- und STANDARD-Dichtungen Abwasserkanäle und -leitungen müs-


für den Einsatz in Trinkwasserlei- sen dauerhaft dicht sein. Neben einem
tungen sind vorwiegend aus EPDM funktionierenden Rohr- und Verbin-
nach EN 681-1 [13.03]. Sie dürfen das dungssystem ist aus diesem Grund für
Trinkwasser farblich, geruchlich, ge- die Dichtung eine Gummiqualität erfor-
schmacklich und bakteriologisch nicht derlich, die den in einer Abwasserleitung
beeinflussen. zu erwartenden Beanspruchungen, vor
allem durch aggressive Medien, möglichst
Die Anforderungen an diese Dichtungen dauerhaft widersteht. In der Regel werden
sind in der DVGW-Prüfgrundlage VP 546 hierfür Dichtungen aus NBR eingesetzt.
[13.04], zukünftig im DVGW-Arbeitsblatt
W 384 [13.05] festgelegt. Darin sind die Zum Nachweis der Beständigkeit des
Forderungen in hygienischer Hinsicht Werkstoffes NBR gegenüber den im
durch die Elastomerleitlinie des Umwelt- Abwasser am häufigsten vorkommenden
bundesamtes (UBA) [13.13] und für die organischen Verunreinigungen wurden
Mikrobiologie über das DVGW-Arbeits- umfangreiche Untersuchungen durchge-
blatt W 270 [13.14] definiert. führt [13.15], [13.16] und [13.17].

Weitergehende Informationen zu Dich-


tungen hinsichtlich Technik und Anwen-
dung finden Sie in den Kapiteln 8 und 9.

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/11

13.6 Literatur [13.03] EN 681-1 [13.05] Gelbdruck, DVGW-Arbeitsblatt W 384


Elastomeric seals – Dichtungen für Muffenverbindungen
Material requirements for pipe joint in Rohrleitungen aus duktilem
[13.01] EN 545 seals used in water and drainage Gusseisen oder Stahl in der
Ductile iron pipes, fittings, accessories applications – Wasserversorgung;
and their joints for water pipelines – Part 1: Vulcanized rubber Anforderungen und Prüfungen
Requirements and test methods [Elastomer-Dichtungen – [Draft, DVGW worksheet W 384
[Rohre, Formstücke, Zubehörteile Werkstoff-Anforderungen für Gaskets for push-in joints in ductile
aus duktilem Gusseisen und ihre Rohrleitungs-Dichtungen für iron or steel pipelines for water supply;
Verbindungen für Wasserleitungen – Anwendungen in der Wasser- Requirements and test methods]
Anforderungen und Prüfverfahren] versorgung und Entwässerung – 2013-04
2010 Teil 1: Vulkanisierter Gummi]
1996 + A1:1998 + A2:2002 + [13.06] DIN 28603
[13.02] EN 598 A3:2005 Rohre und Formstücke aus
Ductile iron pipes, fittings, accessories duktilem Gusseisen –
and their joints for sewerage [13.04] DVGW-Prüfgrundlage VP 546 Steckmuffen-Verbindungen –
applications – Dichtungen für Muffenverbindungen Zusammenstellung, Muffen
Requirements and test methods in Rohrleitungen aus duktilem und Dichtungen
[Rohre, Formstücke, Zubehörteile Gusseisen oder Stahl – [Ductile iron pipes and fittings –
aus duktilem Gusseisen und ihre Anforderungen und Prüfungen Push-in joints –
Verbindungen für die Abwasser- [DVGW test specification VP 546 Survey, sockets and gaskets]
Entsorgung – Gaskets for push-in joints in ductile 2002-05
Anforderungen und Prüfverfahren] iron or steel pipelines –
2007 + A1:2009 Requirements and test methods]
2007-06

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/12

[13.07] DIN EN 1514-1 [13.09] DVGW-Prüfgrundlage VP 547 [13.11] ISO 2230


Flansche und ihre Verbindungen – Dichtungen für Flanschverbindungen Rubber products –
Maße für Dichtungen für Flansche in Rohrleitungen aus duktilem Guidelines for storage
mit PN-Bezeichnung – Gusseisen – [Produkte aus Gummi –
Teil 1: Flachdichtungen aus nicht- Anforderungen und Prüfungen Leitlinie für die Lagerung]
metallischem Werkstoff mit oder [DVGW test specification VP 547 2002-04
ohne Einlagen Gaskets for flange connections in
[Flanges and their joints – ductile iron pipelines – [13.12] ISO 1817
Dimensions of gaskets for Requirements and test methods] Rubber, vulcanized –
PN-designated flanges – 2002-03 Determination of the effect
Part 1: Non-metallic flat gaskets with of liquids
or without inserts] [13.10] Gelbdruck, DVGW-Arbeitsblatt W 385 [Elastomere – Bestimmung des
1997-08 Dichtungen für Flanschverbindungen Verhaltens gegenüber Flüssigkeiten]
in Rohrleitungen aus duktilem 2005
[13.08] EN 1514-1 Gusseisen oder Stahl in der Wasser-
Flanges and their joints – versorgung; [13.13] Umweltbundesamt, Deutschland
Dimensions of gaskets for Anforderungen und Prüfungen UBA-Elastomerleitlinie
PN-designated flanges – [Draft, DVGW worksheet W 385 Leitlinie zur hygienischen Beurteilung
Part 1: Non-metallic flat gaskets with Gaskets for flange connections in von Elastomermaterialien im
or without inserts ductile iron or steel pipelines for Kontakt mit Trinkwasser
[Flansche und ihre Verbindungen – water supply; Requirements and test (Elastomerleitlinie)
Maße für Dichtungen für Flansche methods] [UBA-Rubber Guideline
mit PN-Bezeichnung – 2013-04 Guideline for the hygienic assessment
Teil 1: Flachdichtungen aus nicht- of elastomer materials in contact
metallischem Werkstoff mit oder with drinking water
ohne Einlagen] (Elastomer Guideline)]
1997 2012-05

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/13

[13.14] DVGW-Arbeitsblatt W 270 [13.16] Eignungsprüfungen von Tyton-


Vermehrung von Mikroorganismen Dichtringen aus Nitrilkautschuk für
auf Werkstoffen für den Raffinerie-Abwasserleitungen
Trinkwasserbereich – Bericht des Engler-Bunte-Instituts der
Prüfung und Bewertung Universität Karlsruhe
[DVGW worksheet W 270 [Suitability testing of TYTON sealing
Enhancement of microbial growth on rings in nitrile rubber for waste water
materials in contact with drinking lines in refineries.
water – Test methods and assessment] Report by the Engler-Bunte Institute
2007-11 of the University of Karlsruhe]
1975
[13.15] Wolf, W.:
Untersuchungen über das Verhalten [13.17] Bächmann, K.:
von TYTON-Dichtungen in CKW- Diffusionsverhalten chlorierter und
gesättigtem Wasser aromatischer Kohlenwasserstoffe
[Investigations into the behaviour durch NBR-Dichtringe in TYTON-
of TYTON gaskets in CHC saturated Verbindungen
water] [Diffusion behaviour of chlorinated
FGR GUSSROHR-TECHNIK, and aromatic hydrocarbons by NBR
Heft 24 (1989), S. 4 ff sealing rings in TYTON joints]
FGR GUSSROHR-TECHNIK,
Heft 28 (1993), S. 16 ff

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 13. Kapitel: Dichtungen 13/14

10.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/1

14 Umhüllungen

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/2

14 Umhüllungen anten von aktiven Beschichtungen auf


Zinkbasis auf die zugeordneten Boden-
parameter zu achten, welche so gewählt
Umhüllungen schützen Gussrohrleitungen dauerhaft. Werkseitige Umhüllungen sind, dass sie den Einsatz der betrachteten
von Rohren, Formstücken und Armaturen richten sich nach den Bodenbedin- Variante ausschließen. Eine tabellarische
gungen und werden gegebenenfalls baustellenseitig ergänzt. Gussrohrspezifische Übersicht der Einsatzbereiche folgt im
Korrosionsschutz-Maßnahmen und ihre Einsatzbereiche werden beschrieben. Abschnitt 14.2.1.

Im deutschen Regelwerk besteht folgende


Systematik: Nach einer ausführlichen
14.1 Allgemeines Boden­parameter in einem informativen Untersuchung des Bodens in der Rohr-
Anhang D dargestellt. Hierzu gehören: leitungstrasse nach DIN 50929-3 [14.7]
Rohre, Formstücke und Armaturen wer- n spezifischer Bodenwiderstand, wird der Boden in eine von drei Aggres-
den grundsätzlich mit Werksumhüllungen n pH-Wert, sivitätsklassen eingruppiert.
geliefert, die gegebenenfalls auf der Bau- n Basenkapazität,
stelle ergänzt werden. Die Korrosions- n Lage zum Grundwasser, DIN 30675-2 [14.8] regelt dann den
schutz-Maßnahmen gilt es so zu wählen, n Heterogenität (Mischböden), Einsatzbereich der unterschiedlichen
dass die Dauerhaftigkeit der Rohrleitung n Vorhandensein von Abfällen, Aschen, Korrosionsschutzarten erdüberdeckter
sichergestellt ist. Schlacken, Abwasser, Rohrleitungen aus duktilem Gusseisen.
n Torfböden, Die Norm gibt einen Überblick über
Dabei sind genaue Kenntnisse über die n Auftreten von Streuströmen. Werksumhüllungen und Baustellenmaß-
Bodenarten erforderlich, in welchen die nahmen in Abhängigkeit von der Boden-
Rohrleitungen eingebaut werden sollen. Während die elektrisch hochohmig iso- aggressivitätsstufe.
lierenden Dickschicht-Umhüllungen aus
In den Produktnormen EN 545 [14.1] Polyethylen (EN 14628 [14.3]), Poly­urethan In Tabelle 14.1 sind die Einsatzbereiche
und EN 598 [14.2] werden die Einsatz- (EN 15189 [14.4]), Epoxydharz (EN 14901 für Umhüllungen von Rohren, Form­
grenzen verschiedener Umhüllungssys­ [14.5]) sowie die leitfähige Zementmörtel- stücken und Armaturen zusammenge-
teme von Rohren, Formstücken und Umhüllung (EN 15542 [14.6]) in Böden stellt.
Zubehörteilen in Bezug auf wichtige, für aller Art eingesetzt werden können, ist bei
duktiles Guss­eisen korrosionsfördernde der Auswahl der unterschiedlichen Vari-

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/3

Tabelle 14.1:
Einsatzbereiche von erdüberdeckten Rohrleitungen aus duktilem Gusseisen mit Umhüllungen nach EN 14628 [14.3], EN 15189 [14.4],
EN 15542 [14.6], DIN 30674-3 [14.9] und -5 [14.10], EN 14901 [14.5], DIN 51178 [14.14] in Anlehnung an DIN 30675-2 [14.8] für Rohre
sowie EN 14901 [14.5] und DIN 51178 [14.14] für Formstücke und Armaturen

lfd. Umhüllung der Rohre Schichtdicke Empfohlene ­Umhüllung Korrosionsschutz- Einsatzbereiche


Nr. der Verbindung gerechte Bettung Bodenklassen
1 Zink-Überzug mit Zink, 130 g/m2 mit keine ohne I, II
Deckbeschichtung nach Deckbeschichtung
DIN 30674-3 [14.9] nach EN 545 [14.1] mit I, II, III 2)
2 Zink-Überzug mit Zink, 200 g/m2 mit keine ohne I, II
Deckbeschichtung nach PUR-Deckbeschich-
ÖNORM B 2560 [14.11] tung ≥ 100 µm mit I, II, III 2)
3 Zementmörtelumhüllung 5,0 mm wärmeschrumpfendes Material ohne I, II, III
nach EN 15542 [14.6] oder Umhüllung DIN 30672 [14.12]
- B-50M1) oder Gummimanschetten
4 Polyethylenumhüllung 1,8 bis 3,0 mm wärmeschrumpfendes Material ohne I, II, III
nach EN 14628 [14.3] Umhüllung DIN 30672 [14.12]
- B-50M1)
5 Polyurethanumhüllung ≥ 700 µm keine ohne I, II, III
nach EN 15189 [14.4]
6 Polyethylen-Folienum­ 0,2 mm wie Rohr mit 3) I, II, III
hüllung nach DIN 30674-5
[14.10] in Verbindung
mit DIN 30674-3 [14.9]

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/4

lfd. Umhüllung der F­ ormstücke Schichtdicke Empfohlene ­Umhüllung Korrosionsschutz- Einsatzbereiche


Nr. und Armaturen der Verbindung gerechte Bettung Bodenklassen
7 Epoxidharzbeschichtung ≥ 250 µm n keine in Verbindung mit ohne I, II, III
nach EN 14901 [14.5] Zink-Überzügen von Rohren
(lfd. Nr. 1 und 2),
n wärmeschrumpfendes
­Material oder Umhüllung
DIN 30672 [14.12] - B-50M1)
oder Gummimanschetten
in Verbindung mit Rohrum-
hüllungen nach lfd. Nr. 3–5
8 Umhüllung aus Technischem ≥ 250 µm n keine in Verbindung ohne I, II, III
Email nach DIN 51178 [14.14] mit Zink-Überzügen von
Rohren (lfd. Nr. 1 und 2),
n wärmeschrumpfendes
­Material oder Umhüllung
DIN 30672 [14.12] - B-50M1)
oder Gummimanschetten in
Verbindung mit Rohrumhüllun­
gen nach lfd. Nr. 3–5
1)
Bei Dauertemperaturen T ≤ 30 °C darf die Rohrverbindung die Umhüllung DIN 30672 [14.12] - B-50M oder
Umhüllung DIN 30672 [14.12] - C-30M verwendet werden.
2)
Nicht geeignet bei ständiger Einwirkung von Eluaten mit pH < 6 sowie bei Torf-, Moor-, Schlick- und Marschboden.
3)
Es sind die Hinweise in Abschnitt 4.1 zu beachten.
Anmerkung: Korrosionsschutzmaterialien nach DIN 30672 Teil 1 [14.12] können für die Umhüllung
­duktiler Gussrohre außerhalb der Rohrverbindung nach Vereinbarung angewendet werden.

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/5

Daneben informiert die Norm senanteil Aluminium) und Epoxidharz Erfordern die Bodenverhältnisse einen
DIN 30675-2 [14.8] über Korrosions- (EP)-Deckbeschichtung angeboten. Die höherwertigen Korrosionsschutz, so sind
schutz-Maßnahmen bei elektrochemi­ Metallauflage wurde dabei auf 400 g/m² wahlweise die Polyethylen-Umhüllung
scher Einwirkung und geht dabei auch angehoben. nach DIN EN 14628 [14.3], die Zement-
auf die elektrisch isolierenden Muffen- mörtel-Umhüllung nach EN 15542 [14.6]
Verbindungen ein. Ebenfalls zu den aktiven Schutzsystemen oder die Polyurethan-Umhüllung nach
zählt die Metallauflage von ≥ 200 g Zn/m² EN 15189 [14.4] einzusetzen.
mit einer mindestens 100 µm dicken PUR-
14.2 Werkseitige ­Umhüllungen Deckbeschichtung, die in Österreich in Das Korrosionsschutzsystem ,,Zinküber-
von Rohren ÖNORM B 2560 [14.11] genormt ist. zug mit Deckbeschichtung“ ist innerhalb
seines Einsatzbereiches stabil, wobei die
Die Einsatzbereiche dieser aktiven Deckbeschichtung das Gusseisen vom
14.2.1 Zinküberzug mit Schutzsysteme sind im Anhang D der Boden trennt.
­Deckbeschichtung EN 545 [14.1] in Form von Ausschluss-
kriterien festgelegt und in Tabelle 14.2 Poren in der Deckbeschichtung oder Ver-
Rohre aus duktilem Gusseisen haben als veranschaulicht. letzungen der Umhüllung beim Einbau
standardmäßige Umhüllung einen Zink- der Rohre „heilen“ durch die im feuchten
Überzug mit Deckbeschichtung nach Im deutschen Regelwerk werden diese Boden (Dielektrikum) schwer löslichen
EN 545 [14.1] und EN 598 [14.2]. Diese Festlegungen durch DIN 30675-2 [14.8] Zinkreaktions-Produkte zu. Diese Pro-
aktive Umhüllung schützt in den meisten ergänzt; hier kennt man zusätzlich die so dukte bilden sich bei der Reaktion von
Böden dauerhaft vor Korrosionsschäden. genannte korrosionsschutzgerechte Bet- metallischem Zink mit Bestandteilen des
Zinküberzug und Deckbeschichtung wir- tung, die aus neutralen Sanden besteht, umgebenden Bodens.
ken synergetisch, d. h., die gemeinsame mit welchen der direkte Kontakt der
Korrosionsschutzwirkung ist besser als Rohrleitung mit aggressiven Bodenarten Bild 14.1 zeigt die Fernwirkung der Zink­
die der Summe der einzelnen Umhül- unterbunden wird. auflage: an den rechteckigen Beschädi-
lungen. gungen war die Beschichtung entfernt
In Tabelle 14.1 sind die Einsatzbereiche worden, bevor die Versuchsrohre im Ver-
Seit einigen Jahren wird eine Umhüllung der Systeme ausgewiesen, wobei die suchsfeld über neun Jahre eingegraben
mit einem Zink-Aluminium-Überzug Bodenklassen nach DIN 50929-3 [14.7] wurden.
(85  % Massenanteil Zink und 15  % Mas- bestimmt werden.

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/6

Tabelle 14.2:
Einsatzbereiche und Bodenbeschaffenheit der aktiven U
­ mhüllungen
auf Zink-Basis nach Annex D der EN 545 [14.1]

Schutzart Ausgeschlossene Böden


nach EN 545 [14.1] 4.4.2
Zinkschicht ≥ 130 g Zn/m² n Böden mit einem Bodenwiderstand < 1.500 W cm
und Deckschicht ≥ 70 µm oberhalb des Grundwasserspiegels, < 2.500 W cm unterhalb des Grundwasserspiegels
n Mischböden, d.  h. mit zwei oder mehr verschiedenen Arten von Böden
n Böden mit einem pH-Wert < 6 und einer hohen Basekapazität
n Böden, die Abfälle, Schlacke, Asche enthalten oder durch
industrielle Abwässer verunreinigt sind
n bei Auftreten von Streuströmen

Zinkschicht ≥ 200 g Zn/m² und n Böden mit einem Bodenwiderstand < 1500 W cm ­oberhalb
Deckschicht ≥ 100 µm und unterhalb des Grundwasserspiegels
n Mischböden, d.  h. mit zwei oder mehr verschiedenen Arten von Böden
n Böden mit einem pH-Wert < 6 und einer hohen Basekapazität
n Böden, die Abfälle, Schlacke, Asche enthalten oder durch
industrielle Abwässer verunreinigt sind
n bei Auftreten von Streuströmen
Zinkschicht ≥ 400 g ZnAl/m² und n säurehaltige torfige Böden
Deckschicht ≥ 70 µm n Böden, die Abfälle, Schlacke, Asche enthalten oder durch
industrielle Abwässer verunreinigt sind
n Böden unterhalb des Meeresspiegels mit Bodenwiderstand < 500 W cm
n bei Auftreten von Streuströmen

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/7

Zink zur Verfügung, um bei eventuellen,


späteren Verletzungen, etwa infolge von
Erdbewegungen oder durch nachträgliche
Aufgrabungen, aktiviert zu werden.

Nach EN 545 [14.1] und EN 598 [14.2]


kann der Zink-Überzug duktiler Guss-
rohre auch mit einer mindestens 70 µm
dicken Beschichtung aus Bitumenlack
Bild 14.2: versehen werden. Bild 14.3 zeigt duktile
Kathodische Schutzwirkung des Zinks Kanalrohre nach EN 598 [14.2] mit einer
an Verletzungen der Schutzschicht rotbraun eingefärbten Bitumen-Deck-
schicht.

Die Zink-Ionen können durch die poröse


Deckschicht über einige Millimeter die
freiliegende Eisenfläche durch Nieder-
schlag schwerlöslicher Reaktionsprodukte
schützen (Vernarbung, Selbstheilung).
Bild 14.2 stellt den Vorgang vereinfacht
schematisch dar.

Im DVGW-Arbeitsblatt GW 337 [14.13]


Bild 14.1: sind alle relevanten Anforderungen an
Selbstheilung von künstlichen V
­ erletzungen das Rohrsystem zusammengefasst. Als
durch Zink-Reaktionsprodukte zusätzliche Anforderung muss die mitt-
lere flächenbezogene Zinkmasse min- Bild 14.3:
destens 200 g/m2, für das System mit Duktile Kanalrohre nach EN 598 [14.2]
Zn 85 – Al 15 mindestens 400 g/m2 betra- mit Zink-Überzug und rotbraun
gen. Damit steht genügend metallisches eingefärbter Bitumen-Deckschicht

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/8

14.2.2 Zementmörtel-­ 14.2.3 Polyethylen-


Umhüllung (ZM-U) ­Umhüllung (PE-U)

Duktile Gussrohre mit Zementmörtel- Die Polyethylen-Umhüllung trennt das


Umhüllung (ZM-U), Bild 14.4, können Gusseisen hochohmig elektrisch vom
in allen Böden eingesetzt werden. Die anstehenden Boden. Eine Mindestschicht-
ZM-U verhindert den Zutritt aggressiver dicke von 1 mm ist für den reinen Kor-
Medien und widersteht mechanischen rosionsschutz erforderlich, der übrige
Belastungen bei Transport und Einbau. Schichtanteil dient der Verbesserung der
Vor allem bei der zunehmenden Anwen- mechanischen Belastbarkeit der Schutz-
dung der grabenlosen Einbautechniken schicht. Bild 14.5 zeigt duktile Gussrohe
hat sich diese Umhüllung hervorragend mit PE-U.
bewährt. Die mechanische Belastbar- Bild 14.4:
keit der Zementmörtel-Umhüllung wird Duktile Gussrohre mit Zement-
nach EN 15542 [14.6] durch zwei Anfor- mörtel-Umhüllung
derungen bestimmt:
n Haftzugfestigkeit,
n Schlagbeständigkeit. Falls Verletzungen dennoch einmal auf-
treten sollten (z.  B. beim Einbau im Berst-
Die Anforderungen sind so festgelegt, liningverfahren), werden Beschädigungen
dass Beschädigungen der Zementmörtel- durch die Zinkschicht mit ihrer Fernwir-
schicht sowohl bei fachgerechtem Trans- kung aktiv geschützt.
port als auch bei Einbau in schwierigstem
Gelände ausgeschlossen werden können. Die Verbindungsbereiche werden nach
Herstellung der ZM-U siehe Kapitel 3, der Montage geschützt, Abschnitt 14.4.2.
Abschnitt 3.5. In Bild 14.4 sind duktile
Gussrohre mit ZM-U dargestellt.
Bild 14.5:
Duktile Gussrohre mit
Polyethylen-Umhüllung

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/9

EN 14628 [14.3] unterscheidet zwischen 14.3 Beschichtung von Form-


der Regelausführung und der verstärkten stücken und Armaturen
Ausführung.

Die Anforderungen und Prüfungen nach Wegen der Vielfalt von Formen und
EN 14628 [14.3] sind so ausgelegt, dass Ausführungen bei Formstücken und
die Polyethylen-Umhüllung den üblichen Armaturen sind die Verfahren zu ihrer
Beanspruchungen bei Transport, Lage- Beschichtung häufig dadurch gekenn-
rung und Einbau widersteht. Die Verbin- zeichnet, dass die Beschichtungsstoffe
dungsbereiche werden nach der Montage auf allen Flächen der Bauteile, also innen
geschützt, Abschnitt 14.4.2. und außen, gleichzeitig in einem Verfah-
rensschritt aufgetragen werden.
14.2.4 Polyurethan- Bild 14.6:
­Umhüllung (PUR) Duktile Gussrohre mit Dazu werden zunehmend automatisierte
­Polyurethan-Umhüllung Verfahren mit programmierbaren Mani-
Die Polyurethan-Umhüllung (Bild 14.6) pulatoren eingesetzt.
trennt das Gusseisen hochohmig elek-
trisch vom anstehenden Boden. Poly- für die üblichen Beanspruchungen bei 14.3.1 Epoxidharzbeschichtung
urethanharze gehören zur Familie der Transport, Lagerung und Einbau aus.
Duroplaste, deren mechanische Eigen- Auch bei den grabenlosen Einbauverfah- Formstücke und Armaturen erhalten
schaften nur geringfügig von der Tem- ren hat sich die PUR-Umhüllung bewährt. sowohl im Trinkwasserbereich als auch
peratur abhängen und keinem Kaltfluss Ein baustellenseitiger Schutz des Verbin- für den Abwassertransport üblicherweise
unterliegen. dungsbereiches ist nicht erforderlich. eine Epoxidharzbeschichtung (Bilder 14.7
EN 15189 [14.4] legt Anforderungen und und 14.8). Die Beschichtung wird innen
Das Zwei-Komponenten-Harzsystem wird Prüfungen an die PUR-Umhüllung duk- und außen mit einer mittleren Mindest-
ohne Lösemittel auf die gestrahlte und tiler Gussrohre fest. schichtdicke von mindestens 250 µm vor-
erwärmte Gussrohroberfläche gespritzt. wiegend mit EP-Pulver aufgebracht und
Wegen seiner relativ hohen Härte, Schlag- ist in EN 14901 [14.5] genormt.
beständigkeit und Eindruckfestigkeit
reicht eine Nenn-Schichtdicke von 900 µm

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/10

Bild 14.7: Bild 14.8:


Weichdichtender Schieber mit Abwasserformstücke mit Epoxidharzbeschichtung
Epoxidharzbeschichtung

Die Güte- und Prüfbestimmungen von reiches System an Eigen- und Fremd­ 14.3.2 Emailbeschichtung von Form-
Armaturen und Formstücken durch überwachung stellt eine gleich bleibend stücken und Armaturen
­Pulverbeschichtung RAL - GZ 662 [14.20] hohe Qualität der Beschichtung sicher.
übertreffen das Anforderungsniveau der Technisches Email als Umhüllungs­
EN 14901. Gegenüber EN 14901 ist die Das Verfahren zur Herstellung der werkstoff kann bei Formstücken und
Haftfestigkeit erhöht (12 N/mm² statt Beschichtung ist in Kapitel 3.5.2. Armaturen in allen Böden eingesetzt wer-
8 N/mm²), die Prüfspannung auf Poren- beschrieben. den. Im Oktober 2009 wurde die DIN 51178
freiheit beträgt 3 kV statt 1,5 kV. Zusätz- [14.14] – Emails und Emaillierungen –
lich wurde der cathodic disbonding-Test Die Beschichtung ist in Böden beliebiger Innen- und Außen­ emaillierte Arma-
als Maß für die Unterwanderungsbe- Korrosivität einsetzbar. turen und Druckrohrformstücke für die
ständigkeit an Verletzungen eingeführt. Roh- und Trinkwasserversorgung – Quali­
Schichtdicke und Schlagbeständigkeit täts­anforderungen und Prüfungen – ver-
sind auf gleichem Niveau. Ein umfang- öffentlicht.

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/11

Die Emaillierung bildet eine intensive Die Innen- und Außenemaillierung haben Beschichtung mehr und mehr durch die
physikalisch-chemische Verbindung folgende Eigenschaften: Epoxidharzbeschichtung nach EN 14901
(Ionenbindung) mit dem duktilen Guss- n bewährter Korrosionsschutz innen, [14.5] ersetzt.
eisen. Sie wird durch Diffusionsprozesse n hohe Korrosionsbeständigkeit in allen
aus dem Grundwerkstoff in Richtung Böden, Bild 14.10 zeigt Formstücke mit einer
Email und umgekehrt gebildet. Anforde- n übergangslose Beschichtung innen äußeren Beschichtung aus Bitumenlack
rungen und Prüfungen enthält DIN 51178 und außen, und verschiedenen Auskleidungen.
[14.14]. Bild 14.9 zeigt einige komplett n hoher Widerstand gegen mechanische
emaillierte Formstücke. Belastung,
n Unterwanderungssicherheit, auch bei
lokaler Verletzung der Oberfläche,
n Alterungsbeständigkeit.
c

Das Verfahren zur Emaillierung ist in a


Kapitel 3.5.2. beschrieben. Die Email-
Beschichtung ist in Böden beliebiger b
­Korrosivität einsetzbar.

14.3.3 Bitumenbeschichtung
von Formstücken

d
Formstücke aus duktilem Gusseisen sind
auch mit einer äußeren Beschichtung aus
Bitumenlack lieferbar. Bild 14.10:
Formstücke mit einer äußeren
Die Schichtdicke beträgt mindestens Beschichtung aus Bitumenlack und
70 µm. Derart beschichtete Formstücke verschiedenen Auskleidungen
sind meist mit einer Zementmörtel-Aus- a) Email
b) + c) Zementmörtel
Bild 14.9: kleidung ausgestattet (Kapitel 3.5.2.)
d) Bitumenlack
Formstücke mit Komplettemail In jüngerer Zeit wird diese Art von

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/12

14.4 Baustellenseitige Maßnahmen gerechte Bettung ist nicht geeignet bei


ständiger Einwirkung von Eluaten mit
pH < 6 sowie bei Torf-, Moor-, Schlick-
Bei den baustellenseitigen Maßnahmen und Marschböden.
unterscheidet man zwischen Einbau- und
Reparaturmaßnahmen. 14.4.2 Korrosionsschutz von
­Verbindungsbereichen
Einbaumaßnahmen ergänzen vorhan-
dene Werksumhüllungen. Dabei erhält Die Verbindungsbereiche von Rohrlei-
die Rohrleitung oder ein Rohrleitungs- tungen mit Polyethylen- und Zementmör-
abschnitt einen zusätzlichen Schutz. Bei tel-Umhüllung werden nach der Montage
Rohrumhüllungen wie Zementmörtel- entsprechend der Einbauanleitungen der
oder Polyethylen-Umhüllung werden die Hersteller umhüllt (DIN 30675-2 [14.8])
Verbindungsbereiche und die Formstücke (Bild 14.12).
nachträglich geschützt.
Zum Schutz von Muffen-Verbindungen
14.4.1 ­Korrosionsschutzgerechte Bild 14.11: haben sich bei der Polyethylen-Umhül-
Bettung Begriffe zur Bettung von Rohren lung wärmeschrumpfendes Material, bei
der Zementmörtel-Umhüllung alterna-
Die korrosionsschutzgerechte Bettung ist tiv auch Gummimanschetten bewährt
eine an der Rohrleitungsoberfläche all- der oberen und der unteren Bettungs- (Bild 14.13).
seitig homogen anliegende Bodenschicht schicht (Bild 14.11). Diese Maßnahme
der Bodenklasse 1 (nicht oder schwach ergibt eine homogene Umgebung um die
aggressiv nach DIN 50929–3 [14.7]). Rohrleitung herum, vor allem in stark
aggressiven, heterogenen Böden.
Entsprechend DIN 30675-2 [14.8] wird sie
ergänzend zum System Zink plus Deck- Dadurch bilden sich keine örtlich
beschichtung eingesetzt. Sie besteht nach getrennten Kathoden- und Anodenbe-
EN 805 [14.15] und EN 1610 [14.16] aus reiche aus, die zu Loch- oder Muldenfraß
der Abdeckung, der Seitenverfüllung, führen können. Die korrosionsschutz-

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/13

14.4.3 Maßnahmen bei elektro- Nur bei längskraftschlüssigen Rohr-


chemischer Einwirkung leitungen mit metallen leitenden
­Verbindungen sind elektrochemische
Der Korrosionsschutz bei elektroche- Schutzmaßnahmen notwendig wie z.  B.:
mischer Einwirkung wird in DIN 30675-2 n der Einbau von elektrisch isolierend
[14.8] näher behandelt. „Bei nicht längs- wirkenden Rohrverbindungen etwa
kraftschlüssigen Rohrleitungen aus alle 100 m,
duktilem Gusseisen ist aufgrund der elek- n Einhaltung eines ausreichenden
trischen Unterbrechung durch die etwa Abstandes zu kathodisch geschützten
alle 6 m vorhandenen gummigedichteten Anlagen gemäß der Empfehlungen
Rohrverbindungen im Allgemeinen nicht der Arbeitsgemeinschaft DVGW/VDE
Bild 14.12: mit einer elektrochemischen Einwirkung für Korrosionsfragen (AfK), AfK 2
Applikation eines Schrumpfschlauches zu rechnen, so dass auf elektrochemische [14.17],
Schutzmaßnahmen verzichtet werden n Streustrom-Ableitung bzw. -Absau-
kann.“ gung nach EN 50162 und VDE 0150
[14.18].“
Als elektrochemische Einwirkungen
nennt die Norm ,,Elementbildung mit Die Wechselstromkorrosion von erdüber-
Fremdkathoden und Streuströme aus deckten Rohrleitungen aus duktilem
Gleichstromanlagen“. Das Gleiche gilt Gusseisen wird in [14.19] behandelt.
für längskraftschlüssige Rohrleitungen
mit elektrisch isolierend wirkenden Ver- Dabei wird festgestellt, dass, ähnlich wie
bindungen. in DIN 30675-2 [14.8] für Gleichströme
erwähnt, nur solche längskraftschlüs-
sigen Rohrleitungen korrosionsgefährdet
sind, die metallen leitende Verbindungen
Bild 14.13: auf Leitungslängen von mehr als etwa
Duktile Gussrohre mit Z
­ ementmörtel- 100 m und elektrisch isolierend wirkende
Umhüllung und Gummimanschette Umhüllungen durch Wechselströme auf-
zum Schutz der Muffen-Verbindung weisen.

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/14

14.4.4 Reparaturmaßnahmen 14.5 Literatur [14.3] EN 14628


Ductile iron pipes, fittings
Die Umhüllungen der Rohre, Formstücke and accessories –
und Armaturen sind so robust gewählt, [14.1] EN 545 External polyethylene coating
dass bei sachgerechter Handhabung Ductile iron pipes, fittings, for pipes –
bedeutende Verletzungen nicht auftre- accessories and their joints for Requirements and test methods
ten. water pipelines – [Rohre, Formstücke und Zube-
Requirements and test methods hörteile aus duktilem Gusseisen –


Sind dennoch Reparaturmaßnahmen
erforderlich, z. B. bei nicht sachgerechter
Handhabung, beim Anbohren oder



[Rohre, Formstücke, Zubehörteile aus
duktilem Gusseisen und ihre Verbin-
dungen für Wasserleitungen –


2005
Polyethylenumhüllung von Rohren –
Anforderungen und Prüfverfahren]

Schneiden, sind die Einbauvorschriften Anforderungen und Prüfverfahren]


der Hersteller zu beachten. 2006 [14.4] EN 15189
Ductile iron pipes, fittings
[14.2] EN 598 and accessories –
Ductile iron pipes, fittings, External polyurethane coating
accessories and their joints for for pipes –
sewerage applications – Requirements and test methods
Requirements and test methods [Rohre, Formstücke und Zubehör
[Rohre, Formstücke, Zubehörteile aus duktilem Gusseisen –
aus duktilem Gusseisen und ihre Polyurethanumhüllung von Rohren –
Verbindungen für die Abwasser- Anforderungen und Prüfverfahren]
entsorgung – 2006
Anforderungen und Prüfverfahren]
2007+A1:2009

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/15

[14.5] EN 14901 [14.7] DIN 50929-3 [14.9] DIN 30674-3


Ductile iron pipes, fittings and Korrosion der Metalle – Umhüllung von Rohren aus
accessories – Korrosionswahrscheinlichkeit duktilem Gusseisen –
Epoxy coating (heavy duty) of metallischer Werkstoffe bei äußerer Teil 3: Zink-Überzug mit
ductile iron fittings and accessories – Korrosionsbelastung – Deck-Beschichtung
Requirements and test methods Rohrleitungen und Bauteile in [Sheathing ductile cast iron pipes –
[Rohre, Formstücke und Zubehör Böden und Wässern Part 3: Zinc coating with protective
aus duktilem Gusseisen – [Corrosion of metals – sheathing]
Epoxidharzbeschichtung (für erhöhte probability of corrosion of metallic 2001-03
Beanspruchung) von Formstücken materials when subject to corrosion
und Zubehörteilen aus duktilem from the outside – [14.10] DIN 30674-5
Gusseisen – Buried and underwater pipelines Umhüllung von Rohren aus
Anforderungen und Prüfverfahren] and structural components] duktilem Gsseisen –
2006 1985-09 Polyethylen-Folienumhüllung
[External protection of ductile
[14.6] EN 15542 [14.8] DIN 30675-2 cast iron pipes –
Ductile iron pipes, fittings Äußerer Korrosionsschutz von Polyethylene sleeving]
and accessories – erdverlegten Rohrleitungen – 1985-03
External cement mortar coating Schutzmaßnahmen und Einsatz-
for pipes – bereiche bei Rohrleitungen [14.11] ÖNORM B 2560
Requirements and test methods aus duktilem Gußeisen Duktile Gussrohre –
[Rohre, Formstücke und Zubehör [External corrosion protection Deckbeschichtung aus Polyurethan
aus duktilem Gusseisen – of buried pipes – oder Epoxidmaterialien –
Zementmörtelumhüllung Corrosion protection systems Anforderungen und Prüfungen
von Rohren – for ductile iron pipes] [Ductile iron pipes –
Anforderungen und Prüfverfahren] 1993-04 Finishing paints of polyurethane
2008 or epoxy materials –
Requirements and tests]
2004-04-01

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/16

[14.12] DIN 30672 [14.14] DIN 51178 [14.17] AfK-Empfehlung Nr. 2


Organische Umhüllungen für den Emails und Emaillierungen – Beeinflussung von unterirdischen
Korrosionsschutz von in Böden Innen- und außenemaillierte metallischen Anlagen durch Streu-
und Wässern verlegten Rohrleitun- Armaturen und Druckrohrform- ströme von Gleichstromanlagen
gen für Dauerbetriebstempera- stücke für die Roh- und Trinkwasser- [Interference of stray currents
turen bis 50 °C ohne kathodischen versorgung – from DC-installations with
Korrosionsschutz – Qualitätsanforderungen und Prüfung buried metallic structures]
Bänder und schrumpfende [Vitreous and porcelain enamels – 2009-09
Materialien Inside and outside enamelled valves
[External organic coatings for and pressure pipe fittings for un- [14.18] DIN EN 50162; VDE 0150:2005-05
the corrosion protection of treated and potable water supply – Schutz gegen Korrosion durch
buried and immersed pipe- Quality requirements and testing] Streuströme aus Gleich-
lines for continuous operating 2009-10 stromanlagen;
temperatures up to 50 °C – Deutsche Fassung EN 50162:2004
Tapes and shrinkable materials] [14.15] EN 805 [Protection against corrosion by stray
2000-12 Water supply – current from direct current systems;
Requirements for systems and German version EN 50162:2004]
[14.13] DVGW-Prüfgrundlage GW 337 components outside buildings 2005-05
Rohre, Formstücke und Zubehör- [Wasserversorgung –
teile aus duktilem Gusseisen für Anforderungen an Wasserversor- [14.19] G. Heim und Th. Heim:
die Gas- und Wasserversorgung – gungssysteme und deren Bauteile Wechselstrom-Korrosion von
Anforderungen und Prüfungen außerhalb von Gebäuden] erdverlegten Rohrleitungen
[DVGW test specification GW 337 2000 aus duktilem Gusseisen
Ductile cast iron pipes, fittings [Afterrating current corrosion of
and accessories for gas and [14.16] EN 1610 underground ductile iron pipelines]
water supply – Construction and testing of drains FGR GUSSROHR-TECHNIK,
Requirements and tests] and sewers Heft 28 (1993), S. 26 ff
2010-09 [Einbau und Prüfung von Abwasser-
leitungen und -kanälen]
1997

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/17

[14.20] RAL – GZ 662


Güte- und Prüfbestimmungen –
Schwerer Korrosionsschutz von
Armaturen und Formstücken
durch Pulverbeschichtung –
Gütesicherung
[Quality and test provisions –
Heavy duty corrosion protection
of valves and fittings by powder
coatings –
Quality assurance]
2008

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 14. Kapitel: Umhüllungen 14/18

10.2010
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/1

15 Auskleidungen

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/2

15 Auskleidungen 15.1 Allgemeines

Gussrohrleitungen sind grundsätzlich


Unter Auskleidungen versteht man Schutzschichten an den Innenflächen mit werkseitig eingebrachten Ausklei-
von Rohrleitungen. Sie haben die Aufgabe, das Rohrmaterial vor chemischen dungen ausgestattet, die sich verfah-
Reaktionen mit dem Durchflussmedium zu schützen. Vor allem soll das rensbedingt bei Rohren einerseits sowie
Medium Trinkwasser unbeeinflusst bis zum Endverbraucher geleitet werden. Formstücken und Armaturen ande-
Duktile Gussrohre sind standardmäßig mit Zementmörtel (ZM) oder Poly­ rerseits unterscheiden. Grundsätzlich
urethan (PUR) ausgekleidet. Diese Auskleidungen sind integraler Bestandteil sind die Auskleidungen an die Art der
des Rohres. transportierten Wässer angepasst. Eine
Zusammenstellung der Wässer mit ihren
Formstücke und Armaturen aus duktilem Gusseisen werden mehrheitlich speziellen Eigenschaften sowie die jeweils
innen und außen mit Epoxidharz beschichtet, aber auch Polyurethan und wichtigen Hauptanforderungen enthält
Technisches Email nehmen an Bedeutung zu. Die Zementmörtel-Auskleidung Tabelle 15.1.
(ZM-A) von Formstücken wird hingegen weniger häufig eingesetzt.

Im Allgemeinen richten sich die Auskleidungsarten nach der Anwendung der


Guss-Rohrsysteme.

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/3

Tabelle 15.1:
Übersicht der zu transportierenden Wässer und der zu erfüllenden Hauptanforderungen an die Auskleidungen

Transportmedium Hauptkennzeichen des Mediums Hauptanforderungen an die Auskleidung


Trinkwasser nach Trinkwasserverordnung im Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht n Korrosionsschutz
n Trinkwasserhygiene
Trinkwasserähnliche Wässer wie im Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht n Korrosionsschutz
Brauch- und Kühlwasser n Trinkwasserhygiene
Rohwässer, die nicht der Trinkwasser­ häufig kalklösend (sauer) n Korrosionsschutz
verordnung entsprechen
Abwässer nach DWA Merkblatt M 115-2 [1] Richtwerte nach n Korrosionsschutz im Abwasserbereich
DWA ­Merkblatt M 115-2 [1] und in der Kanalatmosphäre
n Abriebbeständigkeit

n chemische Beständigkeit

n Beständigkeit gegen Hochdruckspülung

industrielle Abwässer a
­ ußerhalb Inhaltsstoffe sauer bis alkalisch n Korrosionsschutz im A
­ bwasserbereich
der A
­ nforderungen von und in der Kanalatmosphäre
DWA Merkblatt M 115-2 [1] n Abriebbeständigkeit

n chemische Beständigkeit

n Beständigkeit gegen Hochdruckspülung

n Temperatur

Solen salzreich n Korrosionsschutz


n Abriebbeständigkeit

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/4

Die Tabellen 15.2 und 15.3 informieren Tabelle 15.2:


über die gebräuchlichen Auskleidungen Übersicht über die Anwendung von Auskleidungen von Gussrohren
von Gussrohrleitungen für den Trans-
port von Wässern im weitesten Sinne. Anwendungsbereich Innenoberflächen der Rohre Oberflächen des
Sie beziehen sich auf die Beschich- ­Verbindungsbereichs
tungen der Innenoberflächen von Rohren Trinkwasser nach ZM-Auskleidung auf Beschichtung auf Basis
(Tabelle 15.2), Formstücken und Arma- EN 545 [2] Basis Hochofen-Zement ­Bitumen oder Epoxidharzlack
turen (Tabelle 15.3) sowie auf die Ober- PUR-Auskleidung Beschichtung auf Basis
flächen der Verbindungsbereiche. nach EN 15655 [3] PUR- oder Epoxidharzlack
Abwasser nach EN 598 [4] ZM-Auskleidung auf Beschichtung auf Basis
und andere Wässer Basis Tonerde-Zement Epoxidharzlack
PUR-Auskleidung Beschichtung auf Basis
nach EN 15655 [3] PUR- oder Epoxidharzlack
Industrieabwässer ZM-Auskleidung auf Beschichtung auf Basis
Basis Tonerde-Zement Epoxidharzlack
PUR-Auskleidung Beschichtung auf Basis
nach EN 15655 [3] PUR- oder Epoxidharzlack

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/5

Tabelle 15.3:
Übersicht über die Anwendung von Auskleidungen von Formstücken und Armaturen

Anwendungsbereich Art der Auskleidung auf


Innenoberfläche der Formstücke Innenoberfläche der Armaturen Oberflächen des
Verbindungsbereichs
Trinkwasser nach kunststoffmodifizierte Epoxidharz-Beschichtung nach DIN Beschichtung auf
EN 545 [2] ZM-Auskleidung 3476 [7] und RAL - GZ 662 [6] Basis B
­ itumen oder
Epoxidharzlack
Epoxidharz-Beschichtung nach
EN 14901 [5] und RAL - GZ 662 [6]
Technisches Email nach DIN 51178 [8] Technisches Email nach DIN 51178 [8] wie Innenoberfläche
PUR-Auskleidung nach EN 15655 [3] — wie Innenoberfläche
Abwasser nach EN 598 kunststoffmodifizierte Epoxidharz-Beschichtung nach DIN Beschichtung auf Basis
[4] und andere Wässer ZM-Auskleidung 3476 [7] und RAL - GZ 662 [6] PUR- oder Epoxidharzlack
Epoxidharz-Beschichtung nach
EN 14901 [5] und RAL - GZ 662 [6]
Technisches Email nach DIN 51178 [8] Technisches Email nach DIN 51178 [8] wie Innenoberfläche
PUR-Auskleidung nach EN 15655 [3] — wie Innenoberfläche
Industrieabwässer Epoxidharz-Beschichtung nach Epoxidharz-Beschichtung nach DIN wie Innenoberfläche
EN 14901 [5] und RAL - GZ 662 [6] 3476 [7] und RAL - GZ 662 [6]
Technisches Email nach DIN 51178 [8] Technisches Email nach DIN 51178 [8] wie Innenoberfläche
PUR-Auskleidung nach EN 15655 [3] — wie Innenoberläche

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/6

15.2 Auskleidungen von Rohren, unzulässige Veränderung der Was-


Formstücken und Armaturen serparameter (Verunreinigungen,
für Trinkwasserleitungen Verfärbungen oder Trübungen).

15.2.1 Zementmörtel-Auskleidungen Der Einsatzbereich und die Anwendungs-


von Rohren und Formstücken grenzen der beschriebenen Zement-
mörtel-Auskleidung ist im informativen
Die ZM-Auskleidung von Rohren und Anhang E der EN 545 [2] angegeben.
Formstücken aus duktilem Gusseisen
ist integraler Bestandteil des Produkts. Danach ist die Standardauskleidung
Daher sind die Anforderungen und Prüf- mit dem Bindemittel Hochofen-Zement
methoden in der Produktnorm EN 545 generell für den Trinkwasserbereich
[2] enthalten. uneingeschränkt geeignet, wenn die Bild 15.1:
transportierten Trinkwässer der euro- Einfüllen des Frischmörtels
Die Zementmörtel-Auskleidung hat fol- päischen Trinkwasserrichtlinie bzw. den vor dem Rotationsschleudern
gende Aufgaben: nationalen Trinkwasserverordnungen
n Optimierung der hydraulischen Eigen- entsprechen.
schaften, von ­Wässern, Salzwässern und Solen
n Vermeidung von Korrosionsschäden. Für Abwasser und andere Wässer (z. B. beschrieben. Zusätzlich gibt es Hinweise
Hierzu zählen: Rohwässer, Brauchwässer) können ent- auf die Beurteilung von Schwind- und
– Schäden am metallischen Rohr- sprechend Tabellen 15.2 und 15.3 andere Trocknungsrissen in den ZM-Ausklei-
werkstoff durch Reaktion mit Was- Zemente als Bindemittel eingesetzt wer- dungen sowie über deren Selbstheilungs-
ser und mit im Wasser gelösten den. verhalten.
Stoffen,
– Beeinträchtigung der Funktion der Eine breite Informationsbasis zu Anwen- Das DVGW-Arbeitsblatt W 346 [10] gibt
Rohrleitung durch Reaktionspro- dungsbereichen und Besonderheiten von praxisorientierte Empfehlungen zu
dukte an der inneren Rohrwand Zementmörtel-Auskleidungen metal- Druckprüfung, Spülung, Desinfektion,
(z. B. Inkrustationen), lischer Rohre stellt DIN 2880 [9] dar. Hier Einfahren und Betrieb von Trinkwasser-
– Beeinträchtigung des Wassers werden Verhalten und Anforderungen leitungen mit Zementmörtel-Auskleidung.
durch Reaktionsprodukte, z.  B. an die Auskleidungen für alle Arten

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/7

Das DVGW-Arbeitsblatt W 347 enthält 15.2.3 Epoxidharz-Beschichtung von


trinkwasserhygienische Anforderungen Formstücken und Armaturen
und Prüfmethoden an zementgebundene
Werkstoffe im Trinkwasserbereich, also Die übliche Beschichtungstechnik mit
auch Zementmörtel-Auskleidungen von Epoxidharz-Pulver besteht in folgenden
Rohren und Formstücken aus duktilem Teilschritten:
Gusseisen. n Aktivieren der Oberfläche der fertig
bearbeiteten Gussstücke durch Strah-
Die Herstellungsverfahren der Ausklei- len mit scharfkantigem Stahlkies –
dungen sind im Kapitel 3, Herstellung Reinheitsgrad der Oberfläche:
der Rohre, Formstücke und Zubehörteile, SA 2 1/2,
näher beschrieben. Bild 15.1 zeigt ein n Erwärmen in einem Durchlauf-Vor-
duktiles Gussrohr bei der Auskleidung mit Bild 15.2: wärmofen,
Zementmörtel vor dem Rotationsschleu- Auftrag der PUR-Auskleidung n Pulverauftrag durch automatisiertes
derverfahren. in Rohren Eintauchen in ein Wirbelsinterbad
(Bild 15.3) oder durch Auftragen
15.2.2 Polyurethan-Auskleidung von des Pulvers mittels Sprühpistole
Rohren und Formstücken An Rohren, die an der Baustelle geschnit- (Bild 15.4),
ten werden, muss die frische Schnittfläche n Vernetzen der aufgeschmolzenen
Die PUR-Auskleidung gemäß EN 15655 mit einem Reparaturlack auf Epoxidharz- ­Epoxidharzschicht in einem Trocken-
[3] wird im Zweikomponenten-Heiß- basis nachbeschichtet werden. ofen.
Spritzverfahren auf die geschliffene und
gestrahlte Innenoberfläche der Rohre und Die Auskleidung erfüllt die Anforderungen
Formstücke aufgetragen (Bild 15.2). der Leitlinie des deutschen Umweltbun-
desamtes (UBA) zur ­hygienischen Beur-
Die PUR-Auskleidung trennt das Durch- teilung von organischen Beschichtungen
flussmedium elektrisch hochohmig vom im Kontakt mit Trinkwasser sowie die
Eisen. Anforderungen des DVGW-Arbeitsblattes
W 270 [12].

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/8

15.2.4 Auskleidungen von Form­


stücken und Armaturen
mit Technischem Email

Im Bereich der Auskleidung von Arma-


turen für den Trinkwassereinsatz sind
Email-Beschichtungen seit langem
bewährt (Bild 15.5). Auch für Form-
stücke aus duktilem Gusseisen findet
diese Auskleidung zunehmend Anwen-
dung (Bild 15.6). Sie ist in DIN 51178 [8]
genormt.
Bild 15.3: Bild 15.4:
Epoxidharzpulver-Auftrag mit Elektrostatischer ­Epoxidharzpulver-Auftrag
­Roboter im Wirbelsinterverfahren mit Sprühpistole

Die Verfahrenstechnik, die Kontrolle Schwerer Korrosionsschutz von Arma-


auf Einhaltung festgeschriebener Ferti- turen und Formstücken durch Pulver­
gungsparameter und die Qualitätsprüfung beschichtung e. V. (GSK) geregelt.
der fertigen Beschichtung wird mit den
Güte- und Prüfbestimmungen „Schwe- Weiterhin ist die Epoxidharz-Beschich-
rer Korrosionsschutz von Armaturen und tung in den Normen EN 545 [2] und
Formstücken durch Pulverbeschichtung“ EN 598 [4] aufgeführt und in EN 14901
RAL - GZ 662 [6] der Gütegemeinschaft [5] und in DIN 3476 [7] genormt.

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/9

15.2.5 Organische ­Auskleidungen/ Die Anforderungen an Bitumenlacke im


Beschichtungen des Verbindungsbereich enthält das DVGW-
­Verbindungsbereiches Arbeitsblatt W 348 [13].

Die Flächen der Rohrverbindungen sind Grundsätzlich sind darüber hinaus alle
mit organischen Stoffen beschichtet. Dies trinkwasserberührten Beschichtungen
sind im Allgemeinen Beschichtungen auf und Auskleidungen, welche organische
Basis Bitumen, Epoxidharz oder Poly­ Bestandteile aufweisen, auf ihre mikro-
urethan. bielle Bewuchsneigung nach DVGW-
Arbeitsblatt W 270 [12] zu prüfen.
Bild 15. 7 gibt einen Querschnitt durch
eine Steckmuffen-Verbindung wieder;
Bild 15.5: dabei wird deutlich, dass sowohl die Rohr-
Absperrklappe mit Komplettemail außenfläche als auch das Innere des Muf-
fenprofils von Trinkwasser berührt sind.

Die Epoxidharzbeschichtungsstoffe
erfüllen die Anforderungen der Leit­
linie zur hygienischen Beurteilung von
­Epoxidharz-Beschichtungen im Kontakt
mit Trinkwasser des deutschen Umwelt-
bundesamtes (UBA).

Bild 15.7:
Bild 15.6: Trinkwasserberührte Flächen im Verbin-
Formstücke beim Einbrand des Emails dungsbereich der TYTON®-Verbindung

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/10

15.2.6 Europäische Regelungen 15.3 Auskleidungen in ­Leitungen Für Rohwässer, die nicht der Trink-
für Rohwässer wasserverordnung entsprechen, haben
Eine Besonderheit im Trinkwasserbereich sich ZM-Auskleidungen auf Tonerde-
besteht darin, dass die Rohrleitungen für Zement-Basis bewährt. Diese Aus-
Trinkwasser unter dem Mandat der Euro- Rohwässer entsprechen oft nicht der kleidung wird in Rohre nach dem
päischen Bauproduktenrichtlinie genormt Trinkwasserverordnung. Es handelt sich Rotationsschleuderverfahren eingebracht
werden. Damit sollen Handelsbarrieren bei ihnen häufig um stark kalklösende, und ist daher sehr hoch verdichtet. Ton-
vermieden werden, welche aus unter- saure Wässer. erde-Zementmörtel weisen praktisch kei-
schiedlichen nationalen Anforderungen nen freien Kalk auf und sind gegenüber
herrühren. Calcit-lösende Wässer können im Laufe kalklösenden Wässern beständig. Auch
der Zeit die Festigkeit von zementgebun- kunststoffmodifizierte Zementmörtel
Die individuellen nationalen Regelungen denen Werkstoffen durch die Auflösung sind gegenüber kalklösenden Wässern
zum Verbraucherschutz und zur Trink- der Calciumcarbonatanteile beeinträch- beständig.
wasserhygiene sollen jedoch weiter beste- tigen.
hen bleiben. Dies erfordert die Errichtung Rohre mit PUR-Auskleidung nach
eines Europäischen Zulassungsverfah- Die damit verbundenen Vorgänge sind EN 15655 [3) und Formstücke und Arma-
rens, in welchem Anforderungen und umso intensiver, je höher die Calcit-Löse- turen mit Epoxidharz-Beschichtung nach
Testmethoden für trinkwasserberührte kapazität und je geringer die Verdichtung EN 14901 [5] sowie Formstücke und
Bauteile entwickelt werden, die in allen der Auskleidung ist. Armaturen mit einer Emaillierung nach
Mitgliedsländern übernommen wer- DIN 51178 [8] sind ebenfalls zum Trans-
den können, ohne dass die nationalen port von Rohwässern geeignet.
Schutzniveaus verlassen werden müs-
sen. Nach Inkrafttreten dieser Regelung
wird es möglich sein, mit Absolvierung
einer einzigen Zulassungsprüfung in allen
Ländern der EU für das entsprechende
Bauteil die trinkwasserhygienische Zulas-
sung zu bekommen.

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/11

15.4 Auskleidungen von Rohren, Damit widersteht sie nicht nur che- 15.4.2 Polyurethan-Auskleidungen
Formstücken und Armaturen mischen Belastungen wie weichen, sauren von Rohren und Formstücken
für Abwasserleitungen oder salzreichen Wässern, sondern auch
mechanischen Belastungen, z. B. durch Rohre und Formstücke aus duktilem
Geschiebe im Abwasser oder Hochdruck- Guss­ eisen mit Polyurethan-Ausklei-
Abwässer enthalten wesentlich mehr reinigung. dung für die Abwasserentsorgung sind
Inhaltsstoffe als Trink- oder Rohwässer. in EN 598 [4] genormt. Der Einsatzbereich
Abwässer in öffentlichen Abwasseran- Die Tonerde-Zementmörtel-Auskleidung umfasst Freigefällekanäle und Druck­
lagen müssen die Richtwerte des DWA- wird im Rotationsschleuderverfahren leitungen. Die Auskleidung widersteht
Merkblattes M 115-2 [1] einhalten. Es hoch verdichtet und in speziellen Rei- dauerhaft unterschiedlichen mecha-
enthält allgemeine Richtwerte für die fekammern bei hohen Temperaturen so nischen und chemischen Belastungen
wichtigsten Beschaffenheitskriterien vor gereift, dass die stabile kubische Kristall- wie weichen, sauren oder salzreichen
allem für nicht häusliche Abwässer. struktur der Aluminat-Hydrate entsteht, Wässern, und auch mechanischen
Diese Richtwerte werden allerdings von welche Grundlage der hohen Beständig- ­Belastungen, z. B. durch Geschiebe im
industriellen Abwässern vor der Behand- keit dieser Auskleidung ist. Abwasser oder Hochdruckreinigung.
lungsstation in manchen Fällen über-
schritten. Der Verbindungsbereich ist mit einer Die PUR-Auskleidung gemäß EN 15655
Epoxidharz-Beschichtung gegen Angriff [3] wird im Zweikomponenten-Heiß-
15.4.1 Zementmörtel-Auskleidungen geschützt. Spritzverfahren auf die geschliffene und
von Rohren und Formstücken gestrahlte Innenoberfläche der Rohre und
Formstücke aufgetragen. Sie trennt das
Rohre und Formstücke aus duktilem Durchflussmedium hochohmig vom Eisen
Guss­eisen für die Abwasserentsorgung und gewährleistet die Beständigkeit gegen
sind in EN 598 [4] genormt. Der Ein- Abwässer aller Art.
satzbereich umfasst Freigefällekanäle
und Druckleitungen. Die Auskleidung
muss unterschiedlichen mechanischen
und chemischen Belastungen dauer-
haft widerstehen. Sie wird mit Tonerde-
Zement als Bindemittel hergestellt.

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/12

15.4.4 Auskleidung von Form­ 15.5 Auskleidungen in Leitungen


stücken und Armaturen für Brauch- und Kühlwasser
mit Technischem Email

Für den Abwasserbereich sind Beschich- Für den Transport von Brauch- und Kühl-
tungen und Auskleidungen aus Tech- wässern können Rohre und Formstücke
nischem Email entsprechend DIN 51178 aus dem Trinkwasserprogramm eingesetzt
[8] möglich. Bild 15.9 zeigt einen email- werden, im Zweifel ist ihre Eignung fest-
lierten Schieber für den Einsatz in Abwas- zustellen. Die technischen Abteilungen
serdruckleitungen. der jeweiligen Hersteller bieten hierfür
ihre Beratungsleistung an.

Bild 15.8: Bei kalklösenden Wässern eignen sich


Abwasserformstück Rohre mit Auskleidungen auf Basis Ton-
mit Epoxidharzpulver-Beschichtung erde-Zement oder PUR-Auskleidung.
Die Formstücke und Armaturen dieser
Leitungen sind mit Epoxidharz nach
15.4.3 Epoxidharz-Beschichtung von EN 14901 [5] oder Technischem Email
Formstücken und Armaturen nach DIN 51178 [8] zu schützen.
für den Abwassertransport

Formstücke werden im Bereich Abwasser


standardmäßig innen und außen mit
Epoxidharz (EP)-Beschichtung versehen.
Die EP-Beschichtung ist in EN 598 [4]
aufgeführt und in EN 14901 [5] genormt.
Bild 15.8 zeigt eine TYTON®-Kupplung,
die innen und außen mit Epoxidharz­ Bild 15.9:
pulver beschichtet ist. Emaillierter Schieber für den E
­ insatz
in Abwasserdruckleitungen

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/13

15.6 Literatur [15.3]


EN 15655 [15.5] EN 14901
Ductile iron pipes, fittings and Ductile iron pipes, fittings and
accessories – accessories –
[15.1]
DWA Merkblatt M 115-2 Internal polyurethane Epoxy coating (heavy duty) of
Indirekteinleitung nicht lining for pipes ductile iron fittings and accessories –
häuslichen Abwassers – and fittings – Requirements and test methods
Teil 2: Anforderungen Requirements and test methods [Rohre, Formstücke und Zubehör
[DWA technical information [Rohre, Formstücke und Zubehör aus duktilem Gusseisen –
sheet M 115-2 teile aus duktilem Gusseisen – Epoxidharzbeschichtung
Indirect discharging of Polyurethan-Auskleidung von (für erhöhte Beanspruchung)
non-domestic sewage – Rohren und Formstücken – von Formstücken und Zubehör-
Part 2: requirements] Anforderungen und Prüfverfahren] teilen aus duktilem Gusseisen –
2005-07 2009 Anforderungen und Prüfverfahren]
2006
[15.2]
EN 545 [15.4] EN 598
Ductile iron pipes, fittings, Ductile iron pipes, fittings, [15.6] RAL – GZ 662
accessories and their joints for accessories and their joints for Güte- und Prüfbestimmungen –
water pipelines – sewerage applications – Schwerer Korrosionsschutz von

Requirements and test methods Requirements and test methods Armaturen und Formstücken durch
[Rohre, Formstücke, [Rohre, Formstücke, Zubehörteile Pulverbeschichtung –
Zubehörteile aus duktilem aus duktilem Gusseisen und ihre Gütesicherung
Gusseisen und ihre Verbindungen Verbindungen für die Abwasser- [Quality and test provisions –
für Wasserleitungen – entsorgung – Heavy duty corrosion protection
Anforderungen und Prüfverfahren] Anforderungen und Prüfverfahren] of valves and fittings by powder
2010 2007+A1:2009 coatings –
Quality assurance]
2008

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 15. Kapitel: Auskleidungen 15/14

[15.7]
DIN 3476 [15.9] DIN 2880 [15.11] DVGW-Arbeitsblatt W 270
Armaturen und Formstücke Anwendung von Zementmörtel- Vermehrung von Mikroorganismen
für Roh- und Trinkwasser – Auskleidung für Gussrohre, auf Werkstoffen für den
Korrosionsschutz durch EP-Innen- Stahlrohre und Formstücke Trinkwasserbereich –
beschichtung aus Pulverlacken (P) [Application of cement mortar Prüfung und Bewertung
bzw. Flüssiglacken (F) – lining for cast iron pipes, [DVGW worksheet W 270
Anforderungen und Prüfungen steel pipes and fittings] Enhancement of microbial growth
[Valves and fittings for untreated 1999-01 on materials in contact with
and potable water – drinking water –
Protection against corrosion by [15.10] DVGW-Arbeitsblatt W 346 Test methods and assessment]
internal epoxy coating of Guss- und Stahlrohrleitungs- 2007-11
coating powder (P) or teile mit ZM-Auskleidung –
liquid varnishes (F) – Handhabung [15.13] DVGW-Arbeitsblatt W 348
Requirements and Test] [DVGW worksheet W 346 Anforderungen an Bitumen-
1996-08 Pipeline components of cast iron beschichtungen von Formstücken
or steel with cement mortar lining – aus duktilem Gusseisen und im
[15.8] DIN 51178 Treatment] Verbindungsbereich von Rohren
Emails und Emaillierungen – 2000-08 aus duktilem Gusseisen, unlegier-
Innen- und außenemaillierte tem und niedrig legiertem Stahl
Armaturen und Druckrohr- [15.11] DVGW-Arbeitsblatt W 347 [DVGW worksheet W 348
formstücke für die Roh- und Hygienische Anforderungen an Requirements for bituminous
Trinkwasserversorgung – zementgebundene Werkstoffe coatings of ductile iron fittings
Qualitätsanforderungen im Trinkwasserbereich – and of the joint area of
und Prüfung Prüfung und Bewertung ductile iron pipes and pipes of
[Vitreous and porcelain enamels – [DVGW worksheet W 347 unalloyed or low-alloy steel]
Inside and outside enamelled valves Hygienic requirements for 2004-09
and pressure pipe fitting for untreat- cementitious products in
ed and potable water supply – contact with drinking water –
Quality requirements and testing] Test methods and assessment]
2009-10 2006-05

04.2012
E-Book – Guss-Rohrsysteme 16. Kapitel: Statische Berechnung 16/1

16 Statische Berechnung

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 16. Kapitel: Statische Berechnung 16/2

16 Statische Berechnung 16.2 Belastungen

Erdüberdeckte Rohre aus duktilem Gusseisen werden nach DIN EN 1295-1 und Belastungen erdüberdeckter Rohrlei-
damit in Deutschland nach dem Arbeitsblatt ATV-DVWK A 127 [4] berechnet. Für tungen sind z. B.:
duktile Gussrohre ist es eine kombinierte Festigkeits- und Verformungsrechnung. n Erdlasten,
Die Berechnungsergebnisse zeigen, dass diese Rohre in den meisten Einbau­ n gleichmäßig verteilte Flächenlasten,
situationen hohe Sicherheiten aufweisen. Darüber hinaus ergeben sich zusätz- n Verkehrslasten,
liche Sicherheitsreserven aus der plastischen Verformbarkeit dieser Rohre. n begrenzte Flächenlasten,
n Innendruck,
n Sonderlasten
(Düker/Einbau auf Stützen).
16.1 Allgemeines
Rohre müssen über ihre gesamte Betriebs- Erdlasten
zeit dicht und funktionssicher bleiben. Bei Das Einbetten der Rohrleitung ist eine
Bei mechanischer Belastung antwortet ein ihrer Bemessung spielen neben inneren Teilarbeit der Ausbildung des Rohrauf-
Körper auf die mechanische Spannung σ sowie äußeren Lasten auch die Betriebs- lagers und bestimmt wesentlich die Last-
mit einer bestimmten Verformung ε ent- bedingungen und das Werkstoffverhalten aufteilung und die Druckverteilung am
sprechend der Gleichung eine maßgebliche Rolle. Rohrumfang sowie die Möglichkeit der
Ausbildung eines entlastend wirkenden
E=σ/ε (16.1) Das Verhältnis der tatsächlich erreichten seitlichen Erddruckes auf die Rohrleitung.
Spannungen bzw. Verformungen zu den Die statische Berechnung setzt im All-
in der E der Elastizitätsmodul des Werk- zulässigen Werten bezeichnet man als gemeinen voraus, dass Belastungen und
stoffs ist. Je nach Werkstoff kann sich Sicherheit γ. Der Wert für γ richtet sich Reaktion über die Rohrlänge gleichmäßig
dieser Wert im Laufe der Zeit ändern. Er nach der Art der Beanspruchung und des verteilt sind.
wird in der Regel in einem Kurzzeitver- Versagens, nach dem Material selbst und
such ermittelt und ist mit ausreichender der aus dem Einsatz herrührenden erfor- Gleichmäßig ­verteilte Flächenlasten
Sicherheit für eine Berechnung verwend- derlichen Sicherheit. Dies können z. B. Schüttgüter sein.
bar.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 16. Kapitel: Statische Berechnung 16/3

Verkehrslasten 16.3 Berechnung Weiterhin sind das ATV-DVWK Arbeits-


Unter Verkehrslasten versteht man nicht blatt A 139, die DIN 4124 sowie die ZTV 89
ständig auf die Rohrleitung wirkende zu beachten.
Belastungen. Hierzu zählen z. B.: Mit Einführung des ATV-DVWK Arbeits-
n Straßenverkehrslasten, blattes A 127 im Dezember 1984 ist die bis Die charakteristische Größe für das
n Eisenbahnverkehrslasten, dahin übliche reine Festigkeitsrechnung System Rohr/Boden ist seine Steifigkeit
n Flugzeugverkehrslasten. (Spannungsnachweis) durch eine kom- (Systemsteifigkeit) VRB, mit welcher der
binierte Festigkeits- und Verformungs- Grad der Inanspruchnahme des horizon-
Innendruck rechnung ersetzt worden, die auf den talen Bettungsreaktionsdruckes erfasst
Der Innendruck ist der größte auftretende Überlegungen von Watkins basiert. wird. Es gilt:
Systembetriebsdruck (MDPc bzw. MDPa).
Hierzu zählt also auch der Systemprüf- Mit dem o. a. Verfahren zur Berechnung 8 ⋅ S0 (16.2)
VRB =
druck (STP) nach der Definition in der erdüberdeckter Rohre lassen sich neben SBH
EN 773 und EN 805. starren Rohrsystemen (biegesteif) auch 
solche aus verformungsfähigen Werk- Hierin bedeuten S0 die Rohrsteifigkeit
Der Systembetriebsdruck ergibt sich aus stoffen (biegeweich) berechnen. Bei der und SBh die horizontale Bettungssteifig-
dem statischen Druck, dem Pumpendruck Berechnung wird der umgebende Boden keit. Letztere ist dem Steifemodul E2 der
und dem Druckstoßzuschlag. Die Ausle- als konstruktives und damit tragendes Verfüllung proportional:
gung einer Leitung erfolgt zumeist auf der Element einbezogen, d.  h., die Steifigkeit
Basis des Systemprüfdruckes. des Systems Rohr/Boden ist maßgebend. SBh = 0, 6 ⋅ ζ ⋅ E2 (16.3)
Auch der durch die horizontale Verfor-
mung der Rohre bedingte passive Erd- Der Faktor 0,6 berücksichtigt die Span-
druck mit seiner abstützenden Wirkung nungsausbreitung im Boden unter dem
hat Eingang in die Rechnung gefunden. horizontalen Bettungsreaktionsdruck qh*.
Der Korrekturfaktor z berücksichtigt die
Grundlage für die Anwendung des unterschiedlichen Verformungsmoduln
Berechnungsverfahrens ist der in EN 1610 des Bodens neben dem Rohr (E2) und des
festgelegte Einbau der Rohrleitung, ins- anstehenden Bodens neben dem Graben
besondere ihre Auflagerung und Einbet- bzw. neben der Leitungszone (E3) und der
tung. Grabenbreite.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 16. Kapitel: Statische Berechnung 16/4

Zur Erläuterung der Bedeutung der Sys- Diese wirken der Deformation des Rohres Bild 16.2:
temsteifigkeit VRB dient das Bild 16.1. entgegen. Der aus der Rohrverformung Bettungsreaktion biegeweicher Rohre
resultierende Bettungsreaktionsdruck qh*
Unter der Wirkung der vertikalen Belas­ wird in Form einer Parabel mit dem Öff- qh qh*
tung qV wird sich ein biegeweiches Rohr nungswinkel 120° angesetzt (Bild 16.2)
im Gegensatz zu einem biegesteifen Rohr
in horizontaler Richtung verformen und ch, qv ⋅ qv + ch, qh ⋅ qh (16.4)
qh* =
somit über den „geweckten“ passiven Erd- VRB − ch, qh*
druck Reaktionen im Boden erzeugen.

mit:

qV = λRG ⋅ pE + pV (16.5)

da (16.6)
qh = K2 ⋅ (λB ⋅ pE + γ B ⋅ )
2

ch, qv ch, qh ch, qh* sind Verformungsbei-


werte für Biegemomente.

Bild 16.1:
Einfluss Belastung/Systemsteifigkeit
Bild 16.1a: Biegesteifes Rohr Bild 16.1b: Biegeweiches Rohr

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 16. Kapitel: Statische Berechnung 16/5

Die Systemsteifigkeit Rohr/Boden Bild 16.3: Tabelle 16.1:


Zur Erläuterung des Begriff Beispiele für b
­ iegeweiche
SR Rohrsteifigkeit der Systemsteifigkeit und biegesteife Rohre
VRB =
SBh Bettungssteifigkeit
Spannungs­ Verformungs­
nachweis nachweis
gibt darüber Aufschluss, wie weit sich das
Rohr im Boden verformt und inwieweit Biegeweich
Bettungsreaktionsdrücke geweckt wer- Duktiles
den. Als Grenzwert zwischen biegesteifem Gusseisen ja ja
Verhalten, bei dem der Einfluss des Bet-
Stahl ja ja
tungsreaktionsdruckes qh unbedeutend
wird, zum biegeweichen Rohr, dessen Polypropylen ja ja
Standsicherheit wesentlich, wenn nicht Polyethylen ja ja
sogar ausschließlich, durch den Bettungs- Polyvinylchlorid ja ja
reaktionsdruck bestimmt wird, liegt bei ergebenden Werte für VRB größtenteils
VRB = 1. Biegesteife Rohre haben dem- zwischen 0,01 und 0,99. VRB = 1 ist eine Glasfaser­
nach eine Systemsteifigkeit VRB > 1; biege­ eindeutige Grenze. Damit ist geregelt, ver­stärkter
weiche Rohre VRB < 1 (Bild 16.3). dass Rohre aus duktilem Gusseisen rech- Kunststoff ja ja
nerisch den biege­weichen Rohren zuzu- Biegesteif
Die rechnerische Grenze zwischen bie- ordnen sind und damit grundsätzlich ein Steinzeug ja Nicht
gesteifem und biegeweichem Verhal- Verformungsnachweis zu führen ist. maßgebend
ten ist im August 2000 im ATV DVWK
Beton ja Nicht
Arbeitsblatt A 127, 3. Auflage, mit VRB = 1 Tipp:
maßgebend
festgelegt worden [16.1]. Sie betrug Ist das im Erdreich eingebettete Rohr
bis dato VRB = 0,1. Die neue Festlegung steifer als der umgebende Boden, dann Grauguss ja Nicht
wurde notwendig, da immer mehr Rohre konzentriert sich der Kraftfluss auf das maßgebend
unterschiedlicher Werkstoffe bei Berech- Rohr; ist das Rohr weicher, verläuft der
nungen in den „Grenzbereich“ fielen. Kraftfluss um das Rohr herum; d. h. je
Beispielsweise liegen für Rohre aus steifer das Rohr, um so größer die Last-
duktilem Gusseisen die sich rechnerisch konzentration.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 16. Kapitel: Statische Berechnung 16/6

16.4 Schnittkräfte Seitendruck qh: Wasserfüllung:

Mqh = mqh ⋅ qh ⋅ rm2 (16.9) Mw = mw ⋅ γ w ⋅ rm3


(16.18)
Die Einteilung in biegeweiche und bie-
gesteife Rohre bildet die Grundlage für N qh = nqh ⋅ qh ⋅ rm (16.10) N w = nw ⋅ γ w ⋅ rm2
(16.19)
die Ermittlung der Biegemomente M und
der Verformung ΔdV des Rohres. Entspre- Horizontaler Bettungsreaktionsdruck q*h oder
chend den Druckverteilungen am Roh- infolge von Erdlasten:
rumfang werden Biegemomente M und Mw = mw ⋅ Fw ⋅ rm (16.20)
Normalkräfte N für äußere Lasten sowie Mqh = mqh ⋅ qh ⋅ rm2 (16.11)
für Eigengewicht und Wasserfüllung N w = nw ⋅ Fw (16.21)
bestimmt. N qh = nqh ⋅ qh ⋅ rm (16.12)
mit
Die Querkräfte in Ringrichtung sind ver- Eigengewicht:
nachlässigbar klein. Die Momentenbei- Fw = ri2 ⋅ π ⋅ γ w (16.22)
werte m und die Normalkraftbeiwerte n Mg = mg ⋅ γ R ⋅ s ⋅ rm2 (16.13)
sind nach den Regeln der Statik zu ermit- Wasserdruck:
teln. N g = ng ⋅ γ R ⋅ s ⋅ rm (16.14)
1 r ⋅r r
Mit den Beiwerten M und N ermittelt man oder Mpw = ( pi − pa ) ⋅ ri ⋅ ra ⋅ ( − 2i a 2 ⋅ ln a )

2 ra − ri ri
die Schnittkräfte nach folgenden Glei-
chungen. Mg = mg´ ⋅ Fg ⋅ rm (16.15)
(16.23)
Vertikale Gesamtbelastung qv: N g = ng´ ⋅ Fg (16.16)

Mqv = mqv ⋅ qv ⋅ rm2 (16.7) mit N pw = pi ⋅ ri − pa ⋅ ra (16.24)

N qv = nqv ⋅ qv ⋅ rm (16.8)
Fg = 2 ⋅ rm ⋅ π ⋅ s ⋅ γ R (16.17)

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 16. Kapitel: Statische Berechnung 16/7

Tipp: Die Gesamtbelastung des Rohres qV setzt In einigen Fällen werden Rohre zusätzlich
Mit geringer werdender Systemsteifigkeit, sich aus der mit einem Konzentrations- mit Biegung in Längsrichtung belastet,
d. h. in Richtung auf das ,,weichere“ Rohr, faktor m multiplizierten Erdlast p und der wie z. B. bei:
werden die Momente kleiner. Das gilt Verkehrslast pV zusammen. n Untergraben einer bereits eingebauten
besonders für duktile Gussrohre großer Leitung; Belastung durch Erd- und
Nennweiten, bei denen die Systemsteifig- qv = m ⋅ p + pv (16.26) Verkehrslast über dem freigelegten
keit im Allgemeinen kleiner als 0,1 ist. Rohr (Bild 16.4),
Die Lastkonzentration über dem Rohr ist n Bodensetzung; Belastung des Rohres
Folge einer Spannungsumlagerung, die dadurch, dass es die Bodenbewegung
16.5 Verformungen von folgenden Einflüssen abhängig ist. mitmachen muss (Bild 16.5).

n der wirksamen relativen Rohraus­


Entsprechend der Druckverteilung am ladung
Rohrumfang kann die vertikale Durch-
messeränderung ΔdV infolge äußerer E1
a’ = a ⋅ > 0, 25
Lasten nach folgender Gleichung berech- E2
net werden, wobei der geringe Einfluss
der Wasserfüllung auf die Verformung n der relativen Überdeckung h/da
vernachlässigt wird. n dem Steifigkeitsverhältnis

2 ⋅ rm SR
Δ dV = ⋅ (ch, qv ⋅ qv + ch, qh ⋅ qh + ch, qh* ⋅ qh* ) VS =
8 ⋅ S0 [C ⋅ v ] ⋅ SBV

(16.25) n der relativen Grabenbreite b/da

dabei gilt für

ER ⋅ I
So =
dm3

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 16. Kapitel: Statische Berechnung 16/8

Bild 16.4: Hier sind gesonderte Überlegungen not- Durch Umformen des Widerstands­
Belastung des Rohres durch wendig: momentes W und Gleichsetzen von σs
Erd- und Verkehrslast Zunächst soll einmal abgeschätzt werden, und σb erhält man eine Grenznennweite
welche Nennweiten mehr durch Biegung DNGr, die beide ,,Gefährdungsbereiche“
und welche mehr durch Scheitelbelastung voneinander trennt.
gefährdet sind. Für den Belastungsfall
3
nach Bild 16.4 ergibt sich die maximale DNGr = 0, 7 ⋅ B ⋅ l ⋅ s
(16.29)
Biegebeanspruchung σb zu
Für B = 1.200 mm und l = 1.600 mm
P ⋅b⋅l (16.27) wird
σ =
b
8⋅W
3
DNGr = 90 ⋅ s (s in mm) (16.30)
während sich bei gleicher äußerer Belas­
tung P die Scheitelspannung σs wie folgt Im folgenden Fall soll auf ,,Bodensetzun­
errechnet. gen“ eingegangen werden (Bild 16.5).

P⋅d (16.28) Die Bodensetzung ist definiert durch den


σ s = 0, 375 ⋅ 2 m
s Sprung Δ und ihre Einflusslänge L. An
der Stelle des größten Momentes ergibt
sich eine Biegespannung σb im Rohr zu.

E ⋅ da (16.31)
σ = 3⋅
b ⋅Δ
L2

Setzt man für den Quotienten σb /E den


Wert für die Dehnung ε und löst nach Δ
auf, so wird

Bild 16.5: ε ⋅ L² (16.32)


Δ=
Belastung des Rohres durch Bodensetzung 3 ⋅ da

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 16. Kapitel: Statische Berechnung 16/9

16.6 Spannungen Innendruck 16.7 Deformationen


Bei Beanspruchung der Rohre durch den
Innendruck p entstehen Spannungen in
Die Spannungen werden aus den Belas­ Umfangs-, Längs- und Radialrichtung. Als Folge der Biegung und der Scheitelbe-
tungen nach den allgemeinen Regeln der lastung treten an Rohren Deformationen
Technik ermittelt: Bei Muffenrohren (ohne längskraftschlüs- auf. Der erste Fall wurde bereits erläutert.
sige Verbindungen) sind die Spannungen Die Berechnung der Deformation infolge
N M (16.33) in Längsrichtung gleich Null, wenn keine Scheitellast geht von den oben ermittelten
σ = ± ⋅ αk
A W Biegung in Längsrichtung vorhanden ist. Belastungen aus. Nach Kapitel 16.5 ergibt
Die Spannungen in Umfangsrichtung sich für die Verformung.
mit dem Korrekturfaktor ak zur Berück- errechnen sich, unter Berücksichtigung
sichtigung der Krümmung der inneren der radialen Komponente, nach der Kes- 2 ⋅ rm
Δ dV = ⋅ (ch, qv ⋅ qv + ch, qh ⋅ qh + ch, qh* ⋅ qh* )
und äußeren Randfaser. selformel zu. 8 ⋅ S0

p ⋅ da P (16.34) (16.36)
σP = −
2 ⋅ smin 2
Daraus berechnet sich die relative Durch-
Den zulässigen Betriebsdruck erhält man, messeränderung in vertikaler Richtung
wenn die Gleichung (16.34) nach p auf- in % zu
löst, für da – smin = dm setzt (dm = mittlerer
Durchmesser) und die Sicherheit g wählt. Δ dV (16.37)
δV = ⋅ 100 [%]
2 ⋅ rm
2 ⋅ σ P ⋅ smin (16.35)
Pzul =
γ ⋅ dm

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 16. Kapitel: Statische Berechnung 16/10

16.8 Sicherheiten Mit den entsprechenden Werten für duk- 16.9 Literatur
tile Gussrohre ergibt sich der in Bild 16.6
gezeigte Zusammenhang für das Arbeits-
Die Sicherheitsbeiwerte sind auf der vermögen [16.2]. [16.1] ATV-DVWK-A 127
Grundlage der probabilistischen Zuver- Statische Berechnung von Abwasser­
lässigkeitstheorie ermittelt. Dabei wer- Zurzeit wird die Überarbeitung des ATV- kanälen und -leitungen, 3. Auflage,
2000-08
den die Streuungen der Belastbarkeit der DVWK Arbeitsblattes A127, 3. Auflage,
Rohre und der Belastung berücksichtigt. vorbereitet. In die Berechnungen gehen
[16.2] Hein, H.:
Aufgrund der unterschiedlichen Streu- zukünftig nicht mehr die globalen Sicher- Der Einfluss der Zeit auf
ung der Festigkeiten, Abmessungen, Stei- heiten ein. Man unterscheidet vielmehr das Festigkeits­verhalten am
figkeiten und Prüfmethoden sowie der Teilsicherheiten der Rohre unterschied- ­Beispiel gusseiserner Rohre
unterschiedlichen Inanspruchnahme licher Werkstoffe und der Belastung. FGR Information 3 (1968)
der Stützfunktion des Bodens ergeben S. 28
sich für verschiedene Rohrwerkstoffe bei
gleicher Versagenswahrscheinlichkeit
unterschiedliche Sicherheitsbeiwerte. Bei
duktilem Gusseisen beträgt der Sicher-
heitsbeiwert erf γ = 1,5 unter Berücksich-
tigung der Gefährdung des Grundwassers,
der Beeinträchtigung der Nutzung sowie
der wirtschaftlichen Folgen.

Bei einem verformungsfähigen Werk-


stoff wie dem duktilem Gusseisen kann
es sinnvoll sein, den Sicherheitsbeiwert γ
mit dem Arbeitsvermögen des Materials
zu verknüpfen. Da das Arbeitsver­mögen Bild 16.6:
in starkem Maße von der Dehnung ε Sicherheitsbeiwert γ,
beeinflusst wird, ist γ auch als Funktion auf die j­eweiligen Festigkeitswerte
von ε darstellbar. ­bezogen, in Abhängigkeit von der Dehnung

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 17. Kapitel: Hydraulische Berechnung 17/1

17 Hydraulische Berechnung

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 17. Kapitel: Hydraulische Berechnung 17/2

17 Hydraulische Berechnung 17.2 Berechnung des


Druckverlustes

Berechnungsmethoden für Druckverluste in Rohrleitungen, Formstücken und


Armaturen, Teilfüllung, Druckstöße. Der Volumenstrom (Abfluss, Durchfluss)
Q in [m3/sec], der lichte Rohrdurchmes­
ser d in [m] und die mittlere Fließge­
schwindigkeit V in [m/s] sind durch die
17.1 Allgemeines Für die Berechnung von Wasserrohrnet­ Beziehung
zen ist das DVGW-Arbeitsblatt GW 303-1
maßgebend.
π ⋅ d2
Für den Bereich der Wasserleitungen (17.1) Q = ⋅ V [m3 / s]
4
basieren die nachfolgenden Ausfüh­ Unter www.eadips.org kann im Kapitel
rungen auf der EN 545; für Abwasser­ „Rechentools“ ein Programm in Anlehung miteinander verknüpft. Mit einer für das
kanäle und -leitungen gilt EN 598. an das DVGW-Arbeistblatt GW 303-1 Medium typischen Fließgeschwindigkeit
und dem Arbeitsblatt DWA-A 110 zur wird, bei vorgegebenem Druckabfall, der
Die hydraulische Berechnung von Trink­ hydraulischen Berechnung folgender lichte Rohrdurchmesser in erster Nähe­
wasserleitungen ist im DVGW-Arbeits­ Anwendungsfälle kostenlos herunter­ rung ermittelt. Orientierungswerte für V
blatt GW 303-1 geregelt. geladen werden: sind in Tabelle 17.1 zusammengefasst.
n Wasserleitungen im Bereich von
Das Arbeitsblatt DWA-A 110 ist für die DN 80 bis DN 2000 und
hydraulische Dimensionierung und den n Abwasserkanäle und Abwasserlei­
Leistungsnachweis von Abwasserkanä­ tungen im Bereich von DN 100 bis
len und -leitungen maßgebend; es ist in DN 2000.
einer überarbeiteten Fassung mit Ausgabe
August 2006 neu erschienen.

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 17. Kapitel: Hydraulische Berechnung 17/3

Tabelle 17.1: Der Druckabfall p1 – p2 errechnet sich für Der Ausdruck


Typische Fließgeschwindigkeiten stationäre Strömungsverhältnisse zu
­verschiedener Medien in Rohrleitungen (17.4) p1 − p2
l V2
Art der Leitung ­Fließgeschwindig­- (17.2)
p1 − p2 = λ ⋅ γ w ⋅ ⋅ [ N / m2 ] γw
d 2⋅ g
keit [m/s]
stellt die Druckverlusthöhe h in [m] dar,
Trinkwasser- und 01 bis 13
Hierin bedeuten: die nach Division durch die Leitungs­
Betriebswasserleitungen
p1 – p2 Druckabfall in [N/m2] länge l in das Energieliniengefälle J über­
Abwasserleitungen 01 bis 15 l Leitungslänge in [m] geht.
Niederdruck-Gasleitungen 01 bis 13 d lichter Rohrdurchmesser in [m]
V mittlere Fließgeschwindigkeit in (17.5) λ V2
(Versorgungsleitung) J= ⋅ [m / km]
[m/s] d 2⋅ g
Gasleitungen 03 bis 16
g Erdbeschleunigung in [m/s2]
(Hauptleitung)
γw Dichte des Wassers in [N/m3] Aus Gründen der Übersicht wird J als
Hochdruck-Gasleitungen 10 bis 25 λ Widerstandsbeiwert der auf 1 km Leitungslänge bezogene
(Rohrreibungszahl). Druckabfall h in m Wassersäule ausge­
wiesen.
17.2.1 Druckverlust in Die Umformung von obiger Beziehung
geraden Rohren liefert Der Faktor λ stellt die dimensionslose
Rohrreibungszahl (Widerstandsbeiwert)
Die folgenden Ausführungen beziehen p1 − p2
(17.3) l V2 dar, die von der Wandrauheit und der
=λ⋅ ⋅
sich auf kreisförmige Querschnitte sowie γw d 2⋅ g Reynoldszahl Re abhängt.
Leitungen für Wasser und Abwasser.

Bei Rohrströmungen entstehen durch


Reibung an der Rohrwand, durch Verwir­
belung des Mediums und durch Reibung
der Flüssigkeitsteilchen untereinander
Energieverluste, die sich durch einen
Druckabfall äußern.

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 17. Kapitel: Hydraulische Berechnung 17/4

Die Reynoldszahl Re ist das Verhältnis der Tabelle 17.2: Die obere Grenze stellt die von Nikur­
Massenträgheitskräfte und der inneren Abhängigkeit der kinematischen Zähig- adse für hydraulisch raue Rohre ermit­
Reibungskräfte und errechnet sich zu keit des Wassers von der Temperatur telte Beziehung

(17.6) V ⋅d Temperatur Kinematische (17.8) 1
Re = λ= 2
ν [°C] Zähigkeit ⎛ d ⎞
⎜ 2 ⋅ lg + 1,14 ⎟
n [106 m2/s] ⎝ k ⎠
Hierin ist n die kinematische Zähigkeit 0 1,790
in [m2/s].
10 1,310 dar, während die untere Grenze (K=0)
Tabelle 17.2 enthält die kinematischen 20 1,010 durch die von Karman-Prandtl für
Zähigkeiten des Wassers bei Tem­ 40 0,658 hydraulisch glatte Rohre angegebene
peraturen zwischen 0 °C und 100 °C Beziehung
bei Normaldruck. Üblicherweise sind 60 0,478
1 Re⋅ λ
Druckabfalltafeln auf Wassertempera­ 80 0,366 (17.9)
= 2 ⋅ lg
turen von 10 °C, d. h. auf eine kinema­ λ 2, 51
100 0,295
tische Zähigkeit von n = 1,31 ∙ 10-6 m2/s,
bezogen. gegeben ist.

Mit den in Tabelle 17.2 angegebenen In diesen Fällen gilt für den Widerstands­ Bild 17.1 zeigt die Abhängigkeit der
Werten für die Fließgeschwindigkeiten V beiwert λ die Beziehung Rohrreibungszahl λ von der Reynolds­
ist die Strömung in den Rohren immer zahl Re; Parameter ist das Verhältnis des
turbulent. 1 ⎛ 2, 51 k ⎞ lichten Rohrdurchmessers d und der
= − 2 ⋅ lg ⎜ + ⎟
λ ⎝ Re⋅ λ 3, 71 ⋅ d ⎠ absoluten Rauheit k. Es ist ersichtlich,
dass der Bestimmung und Festlegung
(17.7) der absoluten Rauheit k eine besondere
Bedeutung zufällt.
(Nach Prandtl-Colebrook).

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 17. Kapitel: Hydraulische Berechnung 17/5

Bild 17.1 Für Trink- und Betriebswasserleitungen


Abhängigkeit der Rohrreibungszahl l von der Reynoldszahl Re sind im DVGW-Arbeitsblatt W 302 nach­
stehende ki-Werte festgelegt.
n ki = 0,1 [mm]
Fern- und Zubringerleitungen mit
gestreckter Leitungsführung
n ki = 0,4 [mm]
Hauptleitungen mit weitgehend
gestreckter Leitungsführung
n ki = 1,0 [mm]
Neue Netze; durch den Übergang von
ki = 0,4 mm auf ki = 1,0 mm wird der
Einfluss starker Vermaschung nähe­
rungsweise berücksichtigt.

Schubert [17.1] hat diese Werte an einer


rund 16 km langen Fernwasser-Versor­
gungsleitung aus zementmörtelausge­
kleideten duktilen Gussrohren DN 400
und DN 500 bestätigt gefunden.

Für die Nachrechnung älterer Rohrlei­


tungen und Rohrnetze ist es nicht mög­
lich, Zahlenwerte für die Annahme von
Rauheiten zu empfehlen. Die vorhandene
Rauheit muss in der Regel durch Mes­
sungen bestimmt werden.

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 17. Kapitel: Hydraulische Berechnung 17/6

In den Messwerten sind die Verluste aller n Generalisierung der Behandlung der Für nicht genormte Rohre und Ortbeton­
Formstücke und Armaturen enthalten, so diskontinuierlichen Strömung durch kanäle ohne besonderen Nachweis der
dass man mit der Festlegung ki = 0,1 mm Einführen des Faktors m, effektiven Wandrauheit ist kb = 1,5 mm
für Fernleitungen auf der sicheren Seite n erweiterte Neufassung der Behand­ zu setzen. Der Pauschal-Ansatz für
liegt. lung von Flachstrecken und Ablage­ kb-Werte enthält in der Regel die Ein­
rungen, flüsse von
Das ATV-DVWK-Arbeitsblatt A 110 ist n Berechnung der Energieumwandlung n Wandrauheit,
2001 in einer überarbeiteten Fassung neu im Auslaufbereich von Steilstrecken, n Lageungenauigkeiten
erschienen. n Überarbeitung der Berechnung für und -änderungen,
offene Gerinne mit gegliedertem n Rohrstößen,
Wesentliche Änderungen im Vergleich Querschnitt. n Zulauf-Formstücken und
zur Ausgabe August 1988 sind: n Schachtbauwerken.
n Trennung der Vorgehensweise bei der Bei Berechnung von Spiegellinien ist
Dimensionierung und beim Leistungs­ der Übergang von Teilfüllung über Voll­ Im Rahmen dieses Pauschal-Ansatzes ist
nachweis, füllung zum Druckabfluss (Einstau), auch die effektive Wandrauheit für genormte
n neugefasste, erweiterte Darstellung unter Berücksichtigung des ­Einstaus der Rohre einheitlich mit k = 0,1 mm ange­
der Strömungsverluste in Schächten Schächte, lückenlos möglich. Vereinfa­ setzt. Darin sind auch die Auswirkungen
mit und ohne Einstau, chende Rechenmodelle bedürfen modell­ des Kanalbetriebs auf die Wandrauheit
n neuartige Behandlung der Strömung in spezifischer Ansätze, die außerhalb des gegenüber den Verhältnissen bei neu­
Schachtbauwerken mit schießendem Geltungsbereiches von A 110 liegen wür­ wertigen Rohren erfasst.
Abfluss bei gleichzeitiger Strömungs­ den.
umlenkung,
n analytische Behandlung der Strömung Für Entwässerungskanäle und -leitungen
in nicht kreisförmigen Profilen sowie sind die betrieblichen Rauheiten kb in den
bei Teilfüllungszuständen, Richtlinien des ATV-Arbeitsblattes A 110
n Wegfall der Berücksichtigung von festgelegt.
Formbeiwerten f,

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 17. Kapitel: Hydraulische Berechnung 17/7

Nicht enthalten in dieser pauschalen n Die Verluste an Vereinigungsbauwer­ Auf den Nachweis kann ferner verzichtet
Definition der kb-Werte sind die ­Einflüsse ken sind im Einzelfall nachzuweisen. werden, wenn die Auslastung des weiter­
von Auf den Nachweis kann verzichtet führenden Kanals mit etwa 0,85 Qv statt
n Unterschieden zwischen gerechneten werden, wenn im Vereinigungsbau­ 0,9 Qv begrenzt wird, sofern diese Kanäle
und vorhandenen lichten Rohrdurch­ werk ein Sohlsprung DZ ≥ d/20 vor­ rückstaufrei betrieben werden.
messern, gesehen oder vorhanden ist.
n Vereinigungsbauwerken In Tabelle 17.3 sind Pauschal-Werte für
n Ein- und Auslaufbauwerken von Dros­ die betrieblichen Rauheiten in [mm] auf­
selstrecken, Druckrohrleitungen geführt.
n Dükern
n Auswirkungen von Ein- und Über­ Tabelle 17.3:
stau. Pauschalwerte der betrieblichen Rauheiten Kb

In diesen Fällen gelten folgende Prin­ kb [mm] Anwendung Bemerkung


zipien:
0,25 Drosselstrecken1), Druckrohrleitungen1)2), alle DN
n Es ist grundsätzlich mit der effektiven
Düker1), und Reliningstrecken ohne Schächte
mittleren Lichtweite zu rechnen oder
mit den mittleren Lichtmaßen. 0,5 Transportkanäle mit Schächten alle DN
n Bei der Dimensionierung (Planung) 0,75 Sammelkanäle und -leitungen mit Schächten bis DN 1000
sind Unterschreitungen im Rahmen
dto. mit angeformten Schächten alle DN
von DIN 4263 zulässig und durch die
Auslegung auf 0,9 Qv abgedeckt. Transportkanäle mit Sonderschächten alle DN
n Wenn die effektive Lichtweite im bzw. angeformten Schächten
Einzelfall nicht berücksichtigt wird, 1,5 Sammelkanäle und -leitungen mit Sonderschächten alle DN
ist beim Leistungsnachweis (Nach­ Mauerwerkskanäle, Ortbetonkanäle, Kanäle aus alle DN
rechnung) grundsätzlich mit 95 % der nicht genormten Rohren, Rohre ohne besonderen
Nennweite zu rechnen, worin auch Nachweis der Wandrauheit
Querschnittsreduzierungen infolge
normaler Ablagerungen erfasst sind.
1)
Ohne Einlauf-, Auslauf- und Krümmungsverluste
2)
Ohne Drucknetze

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 17. Kapitel: Hydraulische Berechnung 17/8

17.2.2 Teilfüllung Die theoretischen Untersuchungen von 17.2.3 Druckverluste in F


­ ormstücken
Tiedt [17.2] haben die praktischen Ver­ und Armaturen
Bei der Ermittlung von Teilfüllungszu­ suche von Sauerbrey [17.3] dahinge­
ständen geht man davon aus, dass die hend untermauert, dass der Einfluss Die Druckverlusthöhe h‘ in Formstücken
Spiegellinie parallel zur Sohle verläuft der Luftreibung auf das Abflussver­ und Armaturen errechnet sich nach der
(Normalabfluss). halten teilgefüllter, geschlossener Pro­ Formel
Dann gilt für die Fließgeschwindigkeit VT file vernachlässigt werden kann. Die 2
V
bei Teilfüllung Teilfüll­
kurven besitzen somit einen (17.13)
h´= ξi ⋅
0 ,625 rückbiegenden Teil mit einem Abfluss­ 2⋅ g
VT ⎛ rhy ,T ⎞
(17.10) =⎜ ⎟⎟ maximum bei Teilfüllungen, dem die
V ⎜r
V ⎝ hy ,V ⎠ höchstmögliche, stabile Normalwassertiefe wobei xi die Widerstandszahl ist.
zuzuordnen ist. Wegen der Problematik Eine andere Möglichkeit zur Definition
und für den Abfluss QT der Belüftung bzw. des Lufteinschlusses der Druckverluste ist die Festlegung einer
0 ,625 bei Kanalisationsleitungen, verbunden äquivalenten Verlustlänge L‘, die sich aus
QT
(17.11) A ⎛r ⎞
mit der daraus resultierenden Gefahr des der Formel zu
= T ⋅ ⎜ hy ,T ⎟
QV AV ⎜⎝ rhy ,V ⎟⎠ ,,Zuschlagens“ der Leitungen, werden die
Teilfüllkurven für Abflüsse bei (17.14) d
L´= ξi ⋅
λ
QT
(17.12)
= 1, 0
QV errechnet.

abgebrochen.

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 17. Kapitel: Hydraulische Berechnung 17/9

Die Druckverluste werden durch die 17.2.4 Druckstöße in Rohrleitungen


äquivalente Verlustlänge L‘ einer Lei­
tung der gleichen Nennweite ersetzt. Die Gegenstand der Berechnung sind jene
Ergebnisse sind für Bögen in Bild 17.2, instationären Strömungsvorgänge in
für Abzweige in Bild 17.3 und Bild 17.4 Leitungen, die im Wesentlichen durch
enthalten. Sie gelten für eine Strömungs­ die Massenträgheit der Flüssigkeit ver­
geschwindigkeit V von 1 m/s und der ursacht wird. Zusätzlich ist der Einfluss
kinematischen Zähigkeit n bei 10 °C Was­ der Kompressibilität des Mediums und
sertemperatur. die Elastizität des Rohrwerkstoffes zu
berücksichtigen.

Bild 17.3: Die dabei auftretenden Druckschwan­


Äquivalente Verlustlänge L‘ bei kungen sind allgemein unter dem Begriff
Abzweigen (Trennung) Druckstöße – bei ­Wasserleitungsnetzen
auch als Wasserschläge – bekannt.

Das DVGW-Arbeitsblatt W 303 enthält


­Planungshinweise und Berechnungsver­
fahren.

Bild 17.2: Bild 17.4:


Äquivalente Verlustlänge L‘ bei Bögen Äquivalente Verlustlänge L‘ bei
Abzweigen (Vereinigung)

02.2013
E-Book – Guss-Rohrsysteme 17. Kapitel: Hydraulische Berechnung 17/10

17.3 Literatur

[17.1] Schubert, J.:


Druckverlustmessungen an duktilen
Gussrohren mit Zementmörtel-
Auskleidung,
FGR-Informationen 11
(1976) S. 14/18

[17.2] Tiedt, W.:


Hydrodynamische ­Untersuchungen
des Teilfüllungsproblems
(Gesetz­mäßigkeiten des
­Abflusses in technisch rauen
­Kreisgerinnen bei laminarer
und ­turbulenter Strömung)
Techn. Berichte aus dem I­nstitut für
Hydraulik und H­ ydrologie der Tech-
nischen Hochschule Darmstadt, Nr. 7
1971

[17.3] Sauerbrey, M.:


Abfluß in E­ ntwässerungsleitungen
unter besonderer B ­ erücksichtigung
der Fließvorgänge in
­teilgefüllten Rohren.
Erich Schmidt Verlag, Bielefeld
1969

02.2013
E-Book Guss-Rohrsysteme 18. Kapitel: Schweißen an duktilen Gussrohren 18/1

18 Schweißen an ­duktilen
Gussrohren

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 18. Kapitel: Schweißen an duktilen Gussrohren 18/2

18 Schweißen an duktilen Gussrohren Man unterscheidet folgende Schweiß­


technologien:
n Schweißen mit artgleichem Schweiß­
Beschreibung der Schweißverfahren, der Nahtvorbereitung, der Zusatzwerk- zusatz unter hoher Vorwärmung, art­
stoffe und der Wärmebehandlung beim Schweißen an duktilen Gussrohren und gleiches Schweißen genannt (früher
Formstücken sowie Schweißnaht-Prüfungen. Warmschweißen),
n Schweißen ohne Zusatzwerkstoff,
n Schweißen mit artfremdem Schweiß­
zusatz ohne oder mit nur geringer
18.1 Allgemeines Hinsichtlich des Schweißens von Guss­ Vor­wärmung, artfremdes Schweißen
werkstoffen im Bereich des Rohrleitungs­ genannt (früher Kaltschweißen).
baus unterscheidet man drei Fälle:
Kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert n Konstruktionsschweißen, In der Praxis hat sich inzwischen letzteres
begann im Bereich der industriellen Ferti­ das Schweißen von Gussbauteilen aus durchgesetzt.
gung die Entwicklung des Schweißens von Einzelkomponenten (z. B. Anschwei­
Gusseisenwerkstoffen. Damals handelte ßen von Flanschen, Abzweigen usw.
es sich noch um Grauguss (Gusseisen mit auf Rohre), 18.2 Schweißverfahren
Lamellengraphit). Die Vorbehalte gegen n Fertigungsschweißen,
das Schweißen von Gusseisen erübrigen beispielsweise das Aufbringen eines
sich insofern, als es sich inzwischen im Schweißwulstes an Einsteckenden Beim Schweißen von duktilem Gusseisen
Bereich Rohrleitungsbau meistens um von längskraftschlüssigen Rohrver­ kommen folgende Verfahren zur Anwen­
duktiles Gusseisen (Gusseisen mit Kugel­ bindungen, dung:
graphit) handelt, aber auch geeignete n Instandsetzungsschweißen, n Lichtbogenhandschweißen (E),
Schweißzusätze und erheblich verbes­ Schweißausbesserungen und Auf­ n Metallschutzgasschweißen
serte Schweißtechnologien Verwendung tragsschweißungen. (MIG/MAG),
finden. Entsprechende Richtlinien wur­ n Metalllichtbogenschweißen
den gemeinsam von DVGW, DVS und den Der für eine bestimmte Verbindungs­ mit Fülldrahtelektroden (MF).
Herstellern von Rohren und Formstücken qualität erforderliche Aufwand kann sehr
aus duktilem Gusseisen erstellt. unterschiedlich sein.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 18. Kapitel: Schweißen an duktilen Gussrohren 18/3

Die Auswahl der Technologie für Guss­ Die artgleichen Schweißzusätze stehen 18.3 Anwendungsbereiche
eisenschweißverbindungen behandelt als gegossene Stäbe, als umhüllte Stab­
das Merkblatt DVS 0602. Es enthält die elektroden aus Gusseisen oder als Füll­
grundlegenden Vorgehensweisen in drahtelektroden zur Verfügung. Nach dem 18.3.1 Schweißen an Rohren
Abhängigkeit vom Grundwerkstoff und Schweißen soll das Gussstück möglichst aus duktilem Gusseisen
dem Schweißverfahren. langsam abkühlen, um Eigenspannungen
weitestgehend abzubauen (siehe Merk­ Maßgebend für die schweißtechnischen
Zur Schweißnahtvorbereitung sind die blatt DVS 0602). Dieses Verfahren bleibt Grundsätze zur Ausführung von Schwei­
Gussoberflächen von Ölen, Fetten, Farb­ auf das Herstellerwerk beschränkt. ßungen an Rohren aus duktilem Guss­
resten, Rost und Sand zu reinigen. Sie eisen sind die Richtlinien DVS 1502-1
müssen metallisch blank und trocken Als artfremde Zusätze für das Schweißen und -2. Die wichtigsten Anwendungen
sowie bei verzinkten Teilen zinkfrei von duktilem Gusseisen kommen vor­ des Schweißens an Rohren aus duktilem
sein. zugsweise Nickel-Eisen-Legierungen in Gusseisen zeigt das Bild 18.1.
Frage. Sie haben den Vorteil, eine nied­
Beim Schweißen auf der Baustelle ist rige Wärmeausdehnung zu besitzen und,
für die üblichen Bedingungen Sorge zu als Folge der Aufmischung mit dem hoch­
­tragen, z. B. ausreichend große Montage­ kohlenstoffhaltigen Grundwerkstoff, nicht
Abgang
grube und Schutz vor Witterung. In der zur Versprödung zu neigen.
Praxis haben sich V- und Kehlnahtverbin­ Mauerflansch
Flansch Stutzen
Schweiß-
dungen bewährt, die mit und ohne Puffer­ Der über die Löslichkeitsgrenze hinausge­
raupe
lage ausgeführt werden können. hende Kohlenstoff wird meist als Kugel­
graphit ausgeschieden. Darum ist bei
Heftstellen sind vor dem Überschwei­ duktilem Gusseisen mit Kugelgraphitein­
ßen auszuschleifen, um Bindefehler oder lagerungen keine Wärmenachbehandlung
Schlackeeinschlüsse zu vermeiden. erforderlich. Dieser Sachverhalt ermög­
licht eine baustellengerechte Schweißung
DIN EN ISO 1071 unterteilt die für das ohne thermische Nachbehandlung.
Schweißen von Gusseisen geeigneten
Schweißzusätze in artgleiche und art­ Bild 18.1:
fremde: Übersicht der Anwendungsbereiche

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 18. Kapitel: Schweißen an duktilen Gussrohren 18/4

Im Zuge der Überarbeitung der Richt­linie Tabelle 18.1:


DVS 1502-1 in den 90er Jahren wurden Randbedingungen für das Schweißen an Rohren aus duktilem Gusseisen
auf Veranlassung des DVGW umfang­ Schweißaus- Dreilagig (auch für Rohr/Stutzenverbindung)
reiche Versuche durchgeführt. Sie führten führung
zu dem Ergebnis, dass das Schweißen an ohne mit
Rohren aus duktilem Gusseisen mit ent­ Wasserfüllung *) Wasserdurchfluss
sprechend ausgebildetem und qualifi­ ­Rohrwanddicke ohne ZMA mit ZMA mit ZMA
ziertem Schweißfachpersonal (Schweißer real [mm]
und Schweißaufsicht) möglich ist. Das gilt ≥ 14,7 ***) bei 20 °C bei 20 °C Nicht zulässig
insbesondere unter Einsatz des Licht­
bogenhandschweißens mit eignungsge­ ≥ 16 bei 20 °C bei 20 °C bei 20 °C **)
prüften Nickel-Eisen-Stab­elektroden für > 18 bei 20 °C bei 20 °C bei 20 °C **)
den Bereich der Gas- und Wasserversor­ > 10 150 °C bei 20 °C bei 20 °C **)
gung. ­Vorwärmung

Im Falle von duktilen Gussrohren mit > 12 150 °C 150 °C 200 °C


Zementmörtel-Auskleidung ist danach ­Vorwärmung Vorwärmung Vorwärmung
kein negativer Einfluss des Schweiß­ *) gilt auch für Rohrleitungen in Schweißbereichen
prozesses auf die Zementmörtelschicht, oberhalb des Wasserspiegels
und somit rückwirkend auf die Ausbildung **) Bei Rohrwandtemperaturen unter 20 °C empfiehlt sich eine Vorwärmung.
der Wärmeeinflusszone, festzustellen. ***) Beim Schweißen von Rohren mit realen Wanddicken unter 4,7 mm sind die
Eine thermische Nachbehandlung von Angaben der Hersteller zu beachten.
Schweißverbindungen oder geschweißten
Teilen ist nicht erforderlich.

Tabelle 18.1, die der Richtlinie DVS 1502-1


entnommen wurde, zeigt in Abhängigkeit
von der realen Rohrwanddicke die Rand­
bedingungen für das Schweißen auf.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 18. Kapitel: Schweißen an duktilen Gussrohren 18/5

Das Schweißen an duktilen Gussrohren Für das Anschweißen der Flansche 18.3.3 Anschweißen von Stutzen
darf nicht durchgeführt werden, wenn es kommt das Metall-Inertgas-Schweißen,
sich um wasserdurchflossene Rohre ohne meist mit Argon-Schutzgas (MIG-Ver­ Anschweißstutzen von 1“ bis 3“ aus duk­
Zementmörtel-Auskleidung handelt. Die fahren), zum Einsatz. Dabei fördert das tilem Gusseisen in den Nennweiten DN 25
seit den 70er Jahren eingebauten Was­ Elektrodenvorschubgerät die Drahtelek­ bis DN 80 können an Wasserleitungen
serleitungsrohre sind grundsätzlich mit trode (SG Ni Fe, nach DIN EN ISO 1071) bis 40 bar und an Gasleitungen bis 4 bar
Zementmörtel ausgekleidet. mit eingestellter, gleichbleibender Vor­ angeschweißt werden.
schubgeschwindigkeit.
In einzelnen Ausnahmefällen wurden Nach entsprechender Schweißnahtvor­
Rohre mit organischen Auskleidungen Die Flansche werden vorgewärmt und bereitung wird der Stutzen mit Kehlnäh­
eingebaut. Hier ist eine Schweißung nicht über die mechanisch bearbeiteten Rohr­ ten (Wurzellage und gependelte Decklage)
möglich. enden gezogen. Nach dem Abkühlen der angeschweißt (Bild 18.2). Die Schwei­
Flansche entsteht eine reibschlüssige ßung kann an der mit Wasser gefüllten,
Für die Prüfung von Schweißern gilt die Verbindung zwischen Rohr und Flansch. jedoch nicht durchströmten, Leitung vor­
Prüfrichtlinie DVS 1148. Um die Dichtheit sicherzustellen, werden genommen werden.
die Flanschenden mit Kehlnähten an den
18.3.2 Anschweißen von ­Flanschen Rohrschaft angeschweißt.
an duktile Gussrohre
Eine thermische Nachbehandlung der
Geschweißte Flanschenrohre bestehen Schweißverbindung ist nicht erforder­
aus Rohrabschnitten mit angeschweißten lich, weil im Nahtbereich ein ähnliches
Flanschen aus duktilem Gusseisen. Sie Gefüge entsteht wie im Grundgefüge
werden je nach Nennweite von PN 10 bis (s. Lichtbogenhandschweißen an Rohren
PN 40 hergestellt, jedoch für Gasleitungen aus duktilem Gusseisen mit Nickel-
nur bis 4 bar. Die Baulängen können 200 Eisen-Stabelektroden nach Richtlinie
bis 5.900 mm betragen. DVS 1502-1).

Bild 18.2:
Anschweißen von Stutzen

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 18. Kapitel: Schweißen an duktilen Gussrohren 18/6

18.3.4 Anschweißen von Abgängen 18.3.5 Anschweißen von 18.3.6 Auftragsschweißen für form-
Mauerflanschen schlüssige Verbindungen
Mit zunehmendem Rohrdurchmesser
gewinnt das Anschweißen von Abgängen Für das Einbinden in Bauwerke wird Für die Herstellung formschlüssiger Ver­
aus duktilem Gusseisen an Bedeutung. der Mauerflansch an geeigneter, aber bindungen hat sich in der Praxis die am
Hierdurch wird das gängige Formstück­ beliebiger Stelle mit Kehlnähten auf das Einsteckende aufgetragene umlaufende
programm ergänzt Rohr geschweißt. Die Mauerflansche Schweißraupe bewährt (Bild 18.1).
Die Nennweite der Abgänge von DN 80 aus duktilem Gusseisen (gegebenenfalls
bis DN 300 darf bei Druckleitungen auch aus Stahl) sollen eng am Rohr anlie­ 18.3.7 Prüfung von Gusseisen-
höchstens dem halben Außendurch­ gen (Bild 18.4). Selbst bei großen Rohr­ schweißverbindungen
messer des Hauptrohres entsprechen. dimensionen ist eine Vorwärmung nicht
Zum Anschweißen der Abgänge haben erforderlich, da segmentweise geschweißt Die Schweißnähte sind einer Sichtprü­
sich Kehlnähte als geeignet erwiesen wird. fung zu unterziehen und falls erforderlich
(Bild 18.3). mittels Ultraschall oder dem Farbein­
dringverfahren auf Naht- bzw. Ober-
flächenfehler zu prüfen. Nicht auf Dicht­
heit beanspruchte Teile, beispielsweise
Mauerflansche, werden stichprobenweise
auf Oberflächenfehler geprüft. Rohre mit
geschweißten Flanschen werden unab­
hängig vom Schweißverfahren nach dem
Schweißen einer Wasserdruckprüfung mit
1,5-fachem Nenndruck unterzogen.

Bild 18.3: Bild 18.4:


Anschweißen von Abgängen Anschweißen von Mauerflanschen

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/1

19 Behandlung und Einbau

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/2

19 Behandlung und Einbau bindungen, insbesondere beim Einsatz in


grabenlosen Einbauverfahren, war Anlass
Bei fachgerechtem Einbau ist von Rohrleitungen aus duktilem Gusseisen eine für die Erarbeitung eines Lehr- und Prüf-
hohe Zuverlässigkeit und lange Lebensdauer zu erwarten. Dank ihrer Eigen- planes für Monteure von metallischen
schaften sind Rohre aus duktilem Gusseisen für die verschiedensten Einbau- Rohren mit Steckmuffen-Verbindungen.
weisen und Anwendungsfälle geeignet. Das DVGW-Arbeitsblatt W 339, „Fach-
kraft für Muffentechnik metallischer Rohr­
systeme“ wurde 2004 veröffentlicht.

19.1 Allgemeines Sie gilt als nachgewiesen, wenn das 19.2 Vorschriften für den
Bauunternehmen über eine DVGW- Bau von Leitungen
Bescheinigung gemäß DVGW-Arbeits-
Rohrleitungen für den Transport von blatt GW 301 verfügt.
Trink- und Abwasser sowie Gas sind Beim Bau von Leitungen sind je nach För-
Ingenieurbauwerke; ihre Errichtung ist Beim Bau von Abwasserkanälen und dermedium Normen wie z. B. EN 805 für
mit hohen Investitionskosten verbun- -leitungen wird in zunehmendem Wasserleitungen, EN 1610 für Abwasser
den. Entsprechend hoch sind auch die Maße von den Tiefbauunternehmen die zu beachten.
Erwartungen an Betriebssicherheit und ­Zertifizierung durch die Gütegemein-
Nutzungsdauer. Darum ist es verständlich, schaft ,Güteschutz Kanalbau‘ gefordert. Mit der Veröffentlichung der Europä-
dass der Auswahl des Rohrwerkstoffs, der Für B­ aumaßnahmen in Trinkwasser- ischen Systemnorm EN 805 „Anforde-
Rohrherstellung, der Behandlung und vor Schutzzonen ist dieses Zertifikat vorge- rungen an Wasserversorgungssysteme
allem dem fachgerechten Einbau eine schrieben. und deren Bauteile außerhalb von Gebäu-
große Bedeutung beigemessen wird. den“ im Jahre 2000 wurden die bisher gel-
Beim Einsatz grabenloser Bauverfahren tenden Normen für die Bausausführung
Die vom Bauherrn beauftragten Rohr­ sind vom DVGW und Fachverbänden DIN 19630 vollständig sowie DIN 4279
leitungs-Bauunternehmen müssen die für ebenfalls Lehr- und Prüfpläne entwi- für die Druckprüfung teilweise zurück-
die Bauausführung erforderliche Befähi- ckelt worden, welche die Grundlage einer gezogen.
gung besitzen. Fachzertifizierung darstellen. Auch die
zunehmende Verwendung zugfester Ver-

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/3

Die dabei entstandenen Lücken wurden DIN 2000 mit ihren Leitsätzen und wei- bereits verwiesen. Darüber hinaus sind
durch die DVGW-Arbeitsblätter W 400, teren Regeln der Technik ist das Werk- für Bauausführung bestimmte Normen
Teile 1–3 geschlossen: zeug, den vom Gesetzgeber gesetzten und Richtlinien, z.  B. DIN 4124 und ZTV
n Teil 1: Planung, Rahmen auszufüllen. Bei den Versor- A StB 89 zu berücksichtigen.
n Teil 2: Bau und Prüfung, gungsanlagen steht an erster Stelle die
n Teil 3: Betrieb und Instandhaltung. Sicherheit und Verfügbarkeit der Anlagen;
dieses Ziel ist verknüpft mit den Anforde- 19.3 Behandlung von Rohren,
Diese Arbeitsblätter enthalten die wesent- rungen an Planungs- und Baukompetenz. Formstücken und Zubehör-
lichen Regeln und Vorschriften für Pla- DIN 2000 verlangt beispielsweise unter teilen vor und beim Einbau
nung, Bau, Prüfung sowie Betrieb von 6.3, Baukompetenz:
Trinkwasserleitungen. „Mit der Errichtung von Versorgungsan­
lagen sind nur qualifizierte Fachfirmen zu Von den Herstellern werden umfang-
Da es sich bei Trinkwasserleitungen um beauftragen, soweit diese Arbeiten nicht reiche Dokumentationen zur Handhabung
die „Verpackung“ unseres Lebensmittels durch eigene fachkundige Personen des der Leitungsteile, die Einbauanleitungen,
Nummer 1 handelt, werden nicht nur an Wasserversorgungsunternehmens aus- zur Verfügung gestellt. In diesen Anlei-
die Bauteile sondern auch an die Bau- geführt werden. Die Qualifikation der tungen sind Details über den fachge-
ausführenden höchste Anforderungen Firmen muss jederzeit nachweisbar
­ rechten Transport mit Ratschlägen für
gestellt. Mit DIN 2000, „Leitsätze für sein.“ die richtige Lagerung verbunden. Dazu
Anforderungen an Trinkwasser, Pla- gehören die Lagerungsbedingungen für
nung, Bau, Betrieb und Instandhaltung Eine ähnliche Entwicklung wurde für alle Zubehörteile, z. B. Dichtungen. Die
der ­Versorgungsanlagen (Oktober 2000)“, den Bau von Abwasserkanälen und Einhaltung der in den Einbauanleitungen
ebenfalls Teil des Technischen Regel- -leitungen mit dem von der Abwas- beschriebenen Arbeitsschritte stellen die
werks des DVGW, hat sich die deutsche sertechnischen Vereinigung ATV (seit wichtigsten Voraussetzungen für eine
Wasserversorgungswirtschaft an die 2005 Deutsche Vereinigung für Wasser- erfolgreiche Errichtung des Bauwerks
Trinkwasserverordnung (TrinkwV) ange- wirtschaft, Abwasser und Abfall, DWA) dar.
passt, mit der die Europäische Richtlinie erstellten Arbeitsblatt ATV A 139 abge-
98/83/EG über die Qualität von Wasser für schlossen, welches die Regelungen der Das DVGW-Arbeitsblatt W 346 ergänzt
den menschlichen Gebrauch in deutsches EN 1610 ergänzt. Auf die Bedeutung einer die für Zementmörtel-Auskleidungen
Recht umgesetzt wird. Zertifizierung entsprechend den Regeln spezifischen Vorschriften und Empfeh-
der Gütegemeinschaft Kanalbau wurde lungen.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/4

Danach sind Rohre und Formstücke für Die Rundungsvorrichtung wird erst nach
den Einbau in Trinkwasserleitungen mit der Montage der Rohrverbindung wieder
geeigneten Mitteln, z. B. Schutzkappen, entfernt. Rohre mit Steckmuffen-Verbin-
vor Verunreinigung zu verschließen. dungen DN > 1000 lassen sich i. a. ohne
Rohre, Formstücke und Zubehörteile sind Rundungsvorrichtung ohne Schwierig-
vor dem Einbau auf ordnungsgemäßen keiten montieren, auch wenn sich durch
Zustand zu überprüfen. Lagerung und Transport eine Ovalisie-
rung eingestellt hat.
Im Folgenden sei auf einige Besonder-
heiten hingewiesen: 19.3.3 Montage der Verbindung

19.3.1 Schneiden von Rohren Die Richtwerte für die Montagekraft der
Bild 19.1: TYTON®-Verbindung betragen je nach
Der Außendurchmesser der Rohre bis Trennschnitt an einem Rohr Größe des Verbindungsspaltes zwischen
DN 300 liegt bis zu 2/3 der Rohrlänge 10 und 100 N je mm Nennweite. Für die
im Bereich der zulässigen Maßabwei- verschiedenen Nennweitenbereiche sind
chungen, d. h. diese Rohre können auch 19.3.2 Runden von Rohren in den Einbauanleitungen der Gussrohr-
mit Baustellenschnitten montiert werden. werke geeignete Montagegeräte aufge-
Rohre über DN 300 sind mit Längsstreifen Die Einsteckenden von Rohren großer führt.
entsprechend gekennzeichnet. Für Bau- Nennweiten oder Schnittenden, die nach Bei der Montage von Rohrverbindungen
stellenschnitte dürfen nur diese Rohre dem Trennen von Rohren entstanden sind, mit Bagger ist zwischen Rohr und Bag-
verwendet werden. können unrund sein. Unter Ausnutzung gerschaufel eine geeignete Zwischenlage,
der elastischen Werkstoffeigenschaften z.B. Kantholz, vorzusehen. Der Einschub
Tipp: ist das Runden der Rohre möglich. Hierzu muss gleichmäßig und so langsam erfol-
Zum Schneiden von Rohren verwendet setzt man z. B. innen am Rohr eine Hub- gen, dass die Dichtung ausreichend Zeit
man am besten kunstharzgebundene winde an. Um dabei die Zement­mörtel- hat, sich zu verformen.
Steinscheiben (Bild 19.1). Zum Anbohren Auskleidung nicht zu beschädigen, wird Bei allen Montageverfahren sind vor und
sind ausschließlich hartmetallbestückte die Winde zwischen Hartholzstücke während der Herstellung der Verbindung
Bohrer bzw. Bohrkronen einzusetzen. gespannt, die der Rohrinnenform ange- die Rohre und Formstücke zentrisch und
passt sind. axial auszurichten.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/5

19.4 Einbauverfahren 19.4.2 Einbau im verbauten Graben Eine größere Einbindetiefe des Verbaus
erübrigt ggf. das Einfädeln innerhalb
Einfädeln innerhalb zweier Felder sowie eine tiefliegende
19.4.1 Einbau im ­ eines Verbaufeldes Steifenlage.
unverbauten Graben
Hierbei legt man zwei Schlingen um das Eine andere Möglichkeit, das Einfädeln
Bei Ausschachtungs- und Abtragungs- Rohr (eine etwa in Rohrmitte, eine im innerhalb zweier Felder zu vermeiden, ist
arbeiten entstehende Grabenwände, die Muffenbereich) und fädelt es unterhalb die Vertiefung der Grabensohle.
höher als 1,25 m sind, müssen gegen der untersten Steifenlage in den Graben
unvorhergesehenen Einsturz gesichert ein (Bild 19.3). Hierbei ist die Einhaltung der Einbin-
sein. Dies kann durch Abböschen oder detiefe des Verbaus zu beachten. Diese
Verbauen geschehen (Bild 19.2). Einfädeln innerhalb Alternativen gelten nicht unbedingt für
zweier Verbaufelder jedes Verbaufeld, sondern sind nur in
Bei unverbauten Gräben bis 1,25 m Tiefe hierfür günstigen Bereichen auszufüh-
sind zum Einbringen der Rohre keine Bei tiefliegender unterer Steifenlage kann ren. Die Rohre können dann an diesen
zusätzlichen Hinweise zu beachten. es aus geometrischen Gründen vorkom- Stellen eingefädelt und innerhalb des
men, dass das Rohr sich nicht innerhalb verbauten Grabens horizontal transpor-
eines Verbaufeldes einfädeln lässt, son- tiert werden.
dern hierfür zwei Felder benötigt. Dabei
müssen die Anschlagmittel an- und abge-
schlagen werden. Eine sichere Fixierung
des Rohres ist dabei immer sicherzu­
stellen (Bild 19.4).

Bild 19.2:
Abgeböschter Graben

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/6

Bild 19.3:
Einfädeln innerhalb eines Verbaufeldes

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E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/7

Bild 19.4:
Einfädeln innerhalb zweier Verbaufelder

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E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/8

Vor-Kopf-Einbau Einpendeln

Die Rohre werden hierbei nicht erst ein- Zum Einpendeln schlägt man das Rohr
gebracht, nachdem der Verbau auf End- in seinem Schwerpunkt mittels Schlinge
tiefe hergestellt ist, sondern zu einem an. Durch wechselndes Schrägstellen bei
Zeitpunkt, da der Verbau gestaffelt in gleichzeitigem horizontalen Führen wird
abgestufter Tiefenlage abgesenkt ist. das Rohr innerhalb eines Verbaufeldes
auf der Rohrsohle abgelegt (Bild 19.6).
Das Hebezeug übernimmt hierzu das
Rohr mehrfach und legt es jeweils auf Bild 19.5: Da das Schrägstellen und Führen des
der Böschung ab, bis es die Grabensohle Vor-Kopf-Einbau Rohres von Hand unterstützt wird, ist
erreicht hat. Diese Einbaumethode eignet auf ein sicheres Anschlagen des Rohres
sich insbesondere bei einem sogenannten zu achten; eine starke Schrägstellung des
wandernden Teilverbau (Bild 19.5). Rohres ist zu vermeiden.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/9

Bild 19.6:
Einpendeln des Rohres

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/10

19.5 Rohrgraben 19.5.2 Grabensohle Wenn die Grabensohle für die Bettung
der Rohre geeignet ist, wird die Gra-
Die Grabensohle ist so herzustellen, dass bensohle zur unteren Bettung. Falls die
19.5.1 Ausführung, Arbeitsraum die Rohrleitung auf der ganzen Länge untere Bettungsschicht aus verdicht-
aufliegt. Für die Rohrverbindungen barem Sand, Kiessand oder gesiebten
Für die Ausführung von Baugruben und sind entsprechende Vertiefungen in der Boden eingebracht werden muss, sollte
Gräben in konventioneller Bauweise Grabensohle (Kopflöcher) auszuheben sie im verdichteten Zustand eine Höhe
gilt DIN 4124. Die dort aufgeführten (Bild 19.7). von 100 mm + 1/10 des Rohraußendurch-
­Mindestgrabenbreiten gelten jedoch nicht messers, jedoch mindestens 15 cm unter
für den Bau von Abwasserleitungen und dem Rohrschaft und mindestens 10 cm
-kanälen. Hier sind die Bestimmungen unter Flanschen, Muffen, An- und Ein-
der EN 1610 „Verlegung und Prüfung bauten aufweisen (DVGW-Arbeitsblatt
von Abwasserleitungen und -kanälen“ W 400-2). In EN 805 bleibt die Festlegung
verbindlich. der Dicke der unteren Bettungsschicht
dem Planer überlassen.

Im ländlichen Bereich setzt sich außer- In EN 1610 wird die Dicke der unteren
halb des Straßenbereiches der Einsatz Bild 19.7: Bettungsschicht mit 10 cm bei normalen
von Bodenfräsen immer mehr durch. Grabensohle mit Kopflöchern Bodenverhältnissen angegeben; bei Fels
Rohre aus duktilem Gusseisen lassen bzw. festgelagertem Untergrund soll sie
sich problemlos in derartig hergestell- mindesten 15 cm betragen.
ten ­Gräben einbauen. 19.5.3 Auflager
Bild 19.8 enthält die in EN 805 und
Aufgrund der hohen Tragfähigkeit dieser Das Auflager hat eine gleichmäßige EN 1610 verwendeten Begriffe für die
Rohre kann auf die ,Zwickelverdichtung‘ Druckverteilung im Auflagerbereich Unterteilung der Leitungszone.
verzichtet werden, wenn es die örtlichen sicherzustellen. Im Regelfall eignet sich
Gegebenheiten zulassen; unter Straßen der anstehende Boden als Rohrauflager.
ist zur Vermeidung von Setzungen für Zur direkten Auflagerung ungeeignet sind
eine  homogene Verdichtung der Leitungs- Steine, Fels und nicht tragfähige Böden.
zone zu sorgen.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/11

Bild 19.8: tilem Gusseisen geben die Rohrhersteller


Leitungszone und Überdeckung, für alle Rohraußenschutzarten einen ein-
Begriffe nach EN 805 und EN 1610 heitlichen Mindestwert von 100 mm für
die Dicke der unteren Bettungsschicht
an.
Das ATV-DVWK-Arbeitsblatt A 139 for-
dert für diese Fälle zur Vermeidung von 19.5.4 Einbettung der Rohre
Lastkonzentrationen einen Zuschlag von
10 % der Nennweite bei normalen Boden- Die Einbettung bestimmt ganz wesentlich
verhältnissen und 20 % bei festem oder die Last- und Spannungsverteilung am
dicht gelagertem Untergrund. Rohrumfang.
Zum Einbetten ist geeigneter Boden, der
Tabelle 19.1 gibt einen Überblick über die Rohrleitungsteile und die Umhüllung
dieses chaotische Durcheinander in den nicht schädigt, beiderseits der Rohrleitung
verschiedenen nationalen und Europä- lagenweise einzufüllen und ausreichend
ischen Regelwerken. Für Rohre aus duk- zu verdichten

Tabelle 19.1:
Dicke der unteren Bettungsschicht
Dicke der unteren Bettungsschicht [mm]
Beispiel EN 805 W 400-2 EN 1610 A 139 FGR®
DN k. A. 100 + 0,1 da mind. 100 normal 100 + 0,1 DN normal Zn/Bt ZMU PEU
mind. 150 mind. 150 fest 100 + 0,2 DN fest
250 150 100 normal 125 normal 100 100 100
150 fest 150 fest
600 163 100 normal 163 normal 100 100 100
150 fest 227 fest

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/12

Die Dicke der Abdeckung soll im ver- 19.6 Sonderfälle beim Bau 19.6.2 Einbau der Rohre bergwärts
dichteten Zustand bis zu einer Höhe von von Rohrleitungen
15 cm über dem Rohrscheitel bei Einsatz Bei genügend festem (stehendem) Boden
leichter Verdichtungsgeräte und 30 cm bei bieten sich Beton-Querriegel zur Siche-
schweren Verdichtungsgeräten reichen, Nachstehend sind die Merkmale einiger rung einer Rohrleitung am Steilhang an.
bevor mit der Verdichtung der Haupt­ wesentlicher Anwendungsfälle beschrie- In einem solchen Fall sichert ein Beton-
verfüllung begonnen wird. ben. Im Übrigen sollten zur Lösung widerlager den unten liegenden Bogen
technischer Probleme die Technischen (Fußbogen), und die bergwärts einzu-
Rohrleitungen, die durch Aufschwimmen Dienste der Gussrohrwerke konsultiert bauenden Rohre werden so weit in die
gefährdet sind, müssen Auftriebssiche- werden. Muffe eingefahren, bis sie im Muffen-
rungen erhalten. grund aufstehen.
19.6.1 Rohrleitungen in Hang-
19.5.5 Überdeckungshöhe und Steilstrecken Im Hang selbst wird dann je nach Nei-
gung jedes 2. oder 3. Rohr hinter der
Die Überdeckungshöhe ist das Maß vom Beim Einbau von Rohren in Hang- und Muffe mit einem Betonriegel gesichert,
Rohrscheitel bis zur Geländeoberkante. Steilstrecken treten zusätzliche Kräfte auf, der in den gewachsenen Boden eingebun-
Für Trinkwasserleitungen gilt, dass sie die je nach Hangneigung entsprechende den ist (Bild 19.9). Die Betonriegel stellen
in frostfreier Tiefe einzubauen sind. Die Sicherungsmaßnahmen, z. B. längskraft- gleichzeitig einen Schutz gegen die Unter-
Grenzwerte der Überdeckungshöhen, bei schlüssige Rohrverbindungen oder Quer- spülung der Rohrleitung dar. Diese Riegel
denen duktile Gussrohre ohne statischen riegel, erfordern. Dies ist im Regelfall bei werden nach DVGW-Arbeitsblatt GW 310
Nachweis eingebaut werden können, sind Neigungen von mehr als 15° notwendig. bemessen. Hänge, an denen Rutschungen
in den maßgebenden Normen EN 545 und zu erwarten sind, erfordern zudem den
EN 598 aufgeführt. Durch den Einbau von Betonriegeln oder Einbau von Gleitschichten.
Letten wird vermieden, dass der verfüllte
Für Überdeckungshöhen außerhalb der Rohrgraben als Drainage wirkt und die
angegebenen Bereiche oder günstigere Rohrbettung abschwemmt, d. h. die Lei-
Einbaubedingungen können gesonderte tung unterspült.
Berechnungen erforderlich werden.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/13

In den meisten Fällen wird man mit einer


Untergrundverbesserung, z. B. Boden-
austausch, Schotterbett oder Geotextil-
kieskissen, auskommen. Reichen diese
Maßnahmen nicht aus, bietet sich die
Montage auf Pfahl­jochen an. Duktile
Gussrohre benötigen im Normalfall nur
ein Auflager pro Rohr (Bild 19.11).

Bild 19.9: Bild 19.10: In bergbaulich beeinflussten Bereichen


Rohrleitung am Hang mit Betonriegeln Rohrleitung mit Schubsicherung und können u. U. erhebliche Setzungen ein-
Betonriegel am oberen Knickpunkt treten, wenn die Flöze nach dem Abbau
nicht verfüllt werden. Dabei entstehen in

19.6.3 Einbau der Rohre hangabwärts Das Widerlager ist nicht erforderlich,
wenn die am Knickpunkt anschließende
Ist eine Rohrleitung hangabwärts zu horizontale Leitungsstrecke auf einer aus-
bauen, so sind die Rohre mit längskraft- reichenden Länge mit längskraftschlüs-
schlüssigen Verbindungen in der Weise sigen Verbindungen ausgestattet ist.
zu montieren, dass die Längskraftschlüs-
sigkeit direkt gegeben ist und das Abrut- 19.6.4 Einbau in instabilen Böden
schen der Rohre verhindert.
In nicht tragfähigen Böden sind besondere
Die ganze Leitung muss dann am obe- Maßnahmen zu treffen, die ein Absinken
ren Knickpunkt an einem entsprechend der Rohrleitung verhindern. Setzungsge-
großen Bauwerk bzw. Widerlager hängen fährdet sind Leitungen vor allem in Moor-
(Bild 19.10). und Torfböden sowie in schluffigen und
organischen Boden­arten.
Bild 19.11:
Rohrleitung auf Pfahljochen

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/14

den Randzonen der Senken in der Regel 19.6.5 Einbau im Grundwasser 19.6.6 Dükerleitungen
Zerrungen, in der Mitte Pressungen. Sie
können bis zu 15 mm/m betragen. Es sind Bei hohem Grundwasserstand sind die Für die Kreuzung von Flüssen und
Bodensenkungen von bis zu 7 cm in fünf Rohre gegen Auftrieb zu sichern. Bei Gewässern sind Dükerleitungen erfor-
Tagen beobachtet worden, wobei Gefälle­ hoch anstehendem Grundwasser, wie es derlich. Sie haben innerhalb der Lei-
änderungen von 36 cm auf einer Länge häufig in Niederungen in der Nähe von tungsnetze eine besondere Bedeutung,
von 40 m in einem Monat auftraten. Gewässern vorliegt, lassen sich duktile da sie nicht im Bereich des unmittelbaren
Gussrohre mit längskraftschlüssiger Muf- Zugriffes liegen. Duktile Gussrohre bieten
Es leuchtet ein, dass unter diesen Umstän- fen-Verbindung auf einer längeren Lei- sich für diese Aufgabe an, da ihre längs-
den Rohrleitungen nicht starr sein dür- tungsstrecke über dem Graben montieren kraftschlüssigen Muffen-Verbindungen
fen. Besonders geeignet sind Rohre aus und anschließend mit mehreren Hebe- Gelenke darstellen.
duktilem Gusseisen mit ihren gelen- zeugen absenken (Bild 19.12)
kigen Verbindungen. In Extremfällen
sind Langmuffen (DIN 28603, Form B)
geeignet, die ein Längsspiel von 1 bis 2 %
von der Rohrlänge zulassen, ohne dabei
undicht zu werden.

Bild 19.12:
Rohrleitung beim Absenken in den Graben

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/15

Einbaumöglichkeiten
von Dükerleitungen:
n Einheben des Dükers
der Düker wird am Ufer montiert und
mit einem Hebegerät in die vorberei-
tete Dükerrinne eingehoben
(Bild 19.13).

n Einziehen des Dükers


In Richtung der Dükerachse wird
die Dükerleitung an Land montiert
und nach einer Vorprüfung von dem Bild 19.13
gegenüberliegenden Ufer aus mit Einheben eines Dükers
einer Seilwinde in die Dükerrinne
eingezogen (Bild 19.14).
Bild 19.15:
n Einschwimmen des Dükers Einschwimmen eines Dükers, 1.350 m DN 400
Ein in Richtung der Dükerachse
oder parallel zum Ufer montierter
Düker wird nach einer Vorprüfung 19.6.7 Wärmegedämmte ­
über die Dükerrinne eingeschwom- Gussrohrleitungen
men und durch Fluten abgesenkt
(Bild 19.15). Unter folgenden Bedingungen kann es
vorteilhaft sein, Rohre aus duktilem Guss-
Bild 19.14: eisen mit einer äußeren Wärmedämmung
Einziehen des Dükers einzusetzen:
n unterhalb von Brücken,
n als Freileitung,
n Löschwasserleitungen mit geringer
Überdeckung in Verkehrstunneln,

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/16

n Trinkwasserleitung in nicht Das duktile Gussrohr ist aufgrund seiner Bild 19.17:
frostsicherer Tiefe, mechanischen Eigenschaften im Zusam- Prüfschacht mit geschlossener Rohr-
n Kaltwasserleitungen in menspiel mit der Dichtheit der TYTON®- durchführung und Absperrorgan
Klimaanlagen, bzw. STANDARD-Verbindung für die
n Warmwasserleitungen. einwandige Ausführung hervorragend
geeignet (Bild 19.16).
Zu diesem Zweck wird das Produkt­
rohr werksseitig mit einem Mantelrohr Die in der Schutzzone II vorgeschrie-
umhüllt. Der Ringraum zwischen Produkt- benen Wiederholungsprüfungen auf
und Mantelrohr erhält werksseitig eine Dichtheit sind nach dem Unterdruck-
Füllung aus Polyurethan-Hartschaum. verfahren einfach und schnell durch-
Je nach Einbaufall ist das Mantelrohr ein zuführen. Bild 19.17 zeigt einen hierzu
Wickelfalzrohr aus verzinktem oder nicht- geeigneten Prüfschacht.
rostendem Stahlblech oder ein PE-HD-
Rohr. Zusätzlich zur Wärmedämmung mit
Polyurethan-Hartschaum kann z. B. eine
Begleitheizung auf das duktile Gussrohr
aufgebracht werden. Legende:

19.6.8 Abwasserkanäle und 1) Duktile Kanalrohre


-leitungen in der 2) MMK-Stück 11°, 22°, 30°, 45°
­Trinkwasserschutzzone II 3) Schachteinbindung
4) EU-Stück
Beim Bau von Leitungen in der Schutz- 5) Absperrorgan
zone II sind die zusätzlichen Anforde- 6) Schacht
rungen nach ATV-Arbeitsblatt A 142 7) X-Stück
und ATV-Merkblatt M 146 zu beachten. 8) T-Stück
Es sind sowohl Doppelrohrsysteme als Bild 19.16:
auch einwandige Kanäle bzw. Leitungen Einbau einer w
­ ärmegedämmten
ausführbar. Brückenleitung

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/17

19.6.9 Grabenloser Ein­bau Horizontal-Spülbohrverfahren


von ­Rohrleitungen (DVGW-Arbeitsblatt GW 321)
(siehe Kapitel 22)
Beim Spülbohrverfahren wird zunächst
Unterirdische Bauverfahren im Kanal- durch hydromechanisches Bohren
und Rohrleitungsbau werden dann eine Pilotbohrung erstellt. Am Bohrge-
angewendet, wenn verkehrstechnische, stänge montierte Aufweitköpfe weiten
bauliche oder wirtschaftliche Rücksichten diese Pilotbohrung beim Zurückholen
oder Gründe des Umweltschutzes es des Bohrgestänges je nach Gegebenheit
erfordern oder wenn besondere Vorteile einmal oder mehrmals auf. Anschlie-
dafür sprechen. Bei den nachfolgend auf- ßend wird die Produktrohrleitung vom
geführten grabenlosen Einbauverfahren Zielschacht bzw. der Zielbaugrube aus
müssen die Muffen-Verbindungen grund- gleichzeitig mit einem Aufweitvorgang
sätzlich längskraftschlüssig sein. Wegen Bild 19.18: eingezogen (Bild 19.19).
der unkontrollierbaren Bettungs- und Zulässige Zugkräfte beim Einziehen Die Muffen-Verbindungen der Gussrohre
Auflagerverhältnisse in der Trasse sollen von Rohrleitungen (Quelle: DVGW- müssen bei dieser Anwendung längs-
die Rohre grundsätzlich nur mit Zement- Arbeitsblatt GW 322-1 und GW 323) kraftschlüssig sein. Die abwinkelbaren
mörtel-Umhüllung nach DIN 30674-2 bzw. Muffen-Verbindungen erlauben in jeder
prEN 15542 eingebaut werden. Richtung kurvenförmige Einbauten.

Die für diese Verfahren zulässigen Zug- Horizontal Directional Drilling


kräfte sind im Bild 19.18 dargestellt . (HDD-Verfahren)

Der Einbau duktiler Gussrohre ist möglich Abweichend vom Spülbohrverfahren


unter Anwendung eines der folgenden stellt ein Rollenmeißel die Pilotbohrung
Verfahren, die im folgenden nur sche- her. Im Übrigen gelten für die Gussrohre
matisch dargestellt werden. Detaillierte die gleichen Bedingungen wie beim Spül-
Verfahrensbeschreibungen, vor allem bei bohrverfahren.
Verwendung duktiler Gussrohre, sind im
Kapitel 22 enthalten.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/18

Bild 19.19:
Schema Horizontal-Spülbohrverfahren

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/19

Press-/Ziehverfahren Berstliningverfahren Pflugverfahren


(DVGW-Arbeitsblatt GW 322-1) (DVGW-Merkblatt GW 323) (ATV-DVWK M 160)

Dieses Verfahren findet beim trassenglei- Beim Berstliningverfahren werden Bei dem Pflugverfahren wird ein vormon-
chen Ersatz von alten Graugussleitungen Rohrleitungen trassengleich erneu- tierter Rohrstrang durch eine Startgrube
durch duktile Gussrohre bis DN 500 Ver- ert. Bei diesem Verfahren werden über eingezogen. Der Rohrstrang wird an den
wendung. Die zu erneuernden Grau- den Berstkörper Kräfte in die Altlei- hinter dem Pflugschwert sitzenden Auf-
gussrohre werden bei diesem Verfahren tung eingeleitet, die diese zerstören. weitkörper angekuppelt und in den vom
restlos aus dem Erdreich entfernt. Die Scherben werden radial in den Aufweitkörper gebildeten Hohlraum ein-
angrenzenden Baugrund verdrängt gezogen (Bild 19.23).
Beim Press-/Ziehverfahren wird eine (Bild 19.22). Ähnlich wie bei dem Press-/
Startgrube zum Einbringen der neuen Ziehverfahren werden auch bei diesem
duktilen Gussrohre und eine Zielgrube Verfahren entsprechende Baugruben
zur Aufnahme des Press-/Ziehgerätes benötigt.
hergestellt (Bild 19.21).

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/20

Bild 19.21:
Schema Press-/Zieh­verfahren
zur ­grabenlosen ­Erneuerung
von ­Graugussleitungen

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/21

Bild 19.22:
Schema Berstliningverfahren

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 19. Kapitel: Behandlung und Einbau 19/22

Bild 19.23:
Schema Pflugverfahren

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/1

20 Dichtheitsprüfungen

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/2

20 Dichtheitsprüfungen Bild 20.1 verdeutlicht den Einfluss


von geringen Mengen Luft in der zu
prüfenden Leitung auf das abgelesene
Beschreibung der Dichtheitsprüfungen mit Wasser oder Luft als Prüfmedium. Prüfergebnis. Zeigen sich während der
Zuordnung der verschiedenen Prüfverfahren zu den Rohrleitungen für unter- Prüfung Mängel, so ist die Prüfung zu
schiedliche Fördermedien (Wasser, Abwasser). unterbrechen und die Leitung, soweit
für die Beseitigung der Mängel nötig, zu
entleeren.

20.1 Allgemeines

Rohrleitungen für den Transport von


Wasser und Abwasser sind einer Dicht-
heitsprüfung zu unterziehen. Für Wasser-
leitungen aus duktilem Gusseisen nach
EN 545 sind die Richtlinien der Dicht-
heitsprüfung in EN 805 bzw. dem DVGW
Arbeitsblatt W 400-2 festgelegt.
Die während der Druckprüfung auftre-
tenden Kräfte sind beachtlich, sie müs-
sen in entsprechender Weise aufgefangen
werden.

Beim Einfüllen des für die Druckprüfung


erforderlichen Wassers spielt die Entlüf- Wenn unter 0,6 % Luft ein Druckabfall von 0,1 bar angezeigt wird, dann
tung eine wichtige Rolle. Eingeschlos- ­entspricht das einem Druckabfall von 0,7 bar bei einer luftfreien Leitung.
sene Luftpolster können zu erheblichen
­Störungen führen. Bild 20.1:
Einfluss von Luft auf das Prüfergebnis

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/3

Ergänzend sind Richtlinien und Bestim- heitsvorkehrungen bei der Vorbereitung


Temperaturänderungen während der mungen zu beachten, welche die Maß- und Durchführung einer Druckprüfung
Prüfzeit können Druckänderungen her- nahmen zur Sicherung von Leitungen beschreiben.
vorrufen, die zu falschen Prüfergebnissen beschreiben.
führen. Daher sind die Temperaturen vor Für die Verfüllung und Verankerung von
und nach der Prüfzeit zu messen und das nicht längskraftschlüssigen Verbindungen
Prüfergebnis nötigenfalls zu korrigieren. 20.2 Dichtheitsprüfungen von ist zu beachten:
Druckrohrleitungen n Rohre sind vor der Druckprüfung der-
Die Anforderungen an die Dichtheits­ artig mit Verfüllmaterial abzu­decken,
prüfung für Abwasserfreispiegelkanäle dass Lageänderungen, die zu Undich-
und -leitungen aus duktilem Gussei- Maßgebend für die Innendruckprüfung theiten führen könnten, vermieden
sen nach EN 598 sind in EN 1610 bzw. von Druckrohrleitungen aus duktilem werden. Es ist heute gängige Praxis,
den ATV-DVWK-Arbeitsblättern A 139 Gusseisen zur Förderung von Wasser die Rohrleitung vor der Dichtheits-
außerhalb Wasserschutzzonen und A 142 (Trinkwasser; Rohwasser oder Abwas- prüfung komplett zu verfüllen.
innerhalb Wasserschutzzonen beschrie- ser) ist EN 805 bzw. DVGW Arbeitsblatt n Widerlager und Verankerungen sind
ben. Abwasserdruckrohrleitungen werden W 400-2. im Bereich der Rohrleitungen so
wie Trinkwasserleitungen entsprechend Jede Rohrleitung ist nach dem Einbau anzubringen, dass sie den Kräften aus
der EN 805 bzw. dem DVGW Arbeitsblatt einer Wasserdichtheitsprüfung zu unter- dem Prüfdruck standhalten. Widerla-
W 400-2 geprüft. ziehen. Ausnahmen entsprechend dem ger aus Beton müssen vor Prüfungs-
Arbeitsblatt W 400-2 sind liegende Lei- beginn eine ausreichende Festigkeit
Als Alternative zur Dichtheitsprüfung tungsabschnitte, an denen Reparaturen besitzen; ihre Bemessung ist in DVGW
mit Wasser bietet sich für Freispie- durchgeführt wurden bzw. neue Rohrlei- GW 310 geregelt.
gelkanäle die Dichtheitsprüfung mit tungsabschnitte unter 30 m Länge. n Es ist außerdem darauf zu achten,
Luft an, die entweder als Luftüber- oder dass Rohrabschlussteile und andere
-unterdruckprüfung durchgeführt werden Die Dichtheit bzw. ordnungsgemäße Aus- vorübergehend eingebaute Abschluss-
kann. Die Prüfverfahren mit Luft haben führung der Rohre, Formstücke, Verbin- formstücke ausreichend abgestützt
sich in der Praxis bewährt, da sie schnell dungen und weiterer Rohrleitungsteile sind und die Belastung entsprechend
und ohne größeren Aufwand durchführ- sowie ihre Lagesicherung ist sicherzu- der zulässigen Bodenpressung verteilt
bar sind. stellen. Alle nationalen Richtlinien und ist. Es ist nicht erlaubt, vorübergehend
Normen sind zu beachten, die die Sicher- eingebaute Abstützungen oder Ver-

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/4

ankerungen an den Enden der Test­ nissen, z. B. den geodätischen Höhenun- Entlüftungsvorrichtungen entweichen
abschnitte zu entfernen, bevor die terschieden, ab. Im Allgemeinen soll die kann. Oftmals wird eine Leitung durch
Rohrleitungen vom Druck entlastet Länge bei Teilstrecken mit kleinen Rohr- zu schnelles Füllen beschädigt. ­Ein­ge­-
sind. nennweiten in Versorgungsnetzen 500 m schlossene Luftpolster bewirken dann
n Arbeiten in den Rohrgräben, die im und bei Transportleitungen 1.500 m nicht auf Gefällstrecken ein Abreißen der Was-
Zusammenhang mit der Druckprü- überschreiten. sersäule, die mit erheblicher Geschwin-
fung stehen, sind während der Druck- digkeit dem Tiefpunkt zuschießt und
prüfung nicht erlaubt. Abweichend von den Anforderungen nach damit Kräfte erzeugt, welche zu örtlichen
EN 805 fordert das Arbeitsblatt W 400-2 Beschädigungen der Leitung oder des
20.2.1 Festlegung und ­Füllen dass: Verbaus führen können.
der Prüfabschnitte n der Prüfdruck am höchsten Punkt
jedes Prüfabschnittes mindestens Erfahrungsgemäß soll die Füllgeschwin-
Für die Festlegung und das Füllen der 1,1 x MDP beträgt, digkeit die in Bild 20.2 angegebenen
Prüfabschnitte gilt Folgendes. n die maximale Länge der Prüfstrecke Werte nicht überschreiten.
Die Druckprüfungsabschnitte sind so in Abhängigkeit von Nennweite und
festzulegen, dass Gelände bis 3 km beträgt.
n der Prüfdruck an der tiefsten Stelle
jedes Prüfabschnittes erreicht wird, Vor Prüfungsbeginn ist sicherzustellen,
n am höchsten Punkt jedes Prüfab- dass die Rohrleitung von Verunreini-
schnittes mindestens MDP erreicht gungen frei ist. Der Prüfabschnitt wird
werden kann, außer bei abweichender dann mit Wasser gefüllt.
Festlegung des Planers,
n die erforderliche Wassermenge für die Wenn vom Planer nicht anders festgelegt,
Druckprüfung bereitgestellt und ohne ist die Druckprüfung von Trinkwasserlei-
Schwierigkeiten abgelassen werden tungen mit Trinkwasser durchzuführen.
kann.
Die Rohrleitung ist zu entlüften. Ausge-
Bei der Unterteilung der Rohrleitung hend vom Tiefpunkt ist die Rohrleitung so
in Prüfabschnitte hängt die Länge der zu füllen, dass kein Rückfluss eintritt und Bild 20.2:
Teilstrecken von den örtlichen Verhält- die Luft an entsprechend dimen­sionierten Empfohlene Füllgeschwindigkeiten [L/s]

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/5

20.2.2 Druckprüfverfahren Die Rohrleitung ist in geeignete Prüfab- die Genauigkeit des Prüfverfahrens.
schnitte zu unterteilen, vollständig mit Der ­Planer legt fest, ob eine Druckabfall­
Für die Druckprüfung von Druckrohr- Wasser zu füllen und zu entlüften. Wäh- prüfung vorzunehmen ist.
leitungen sind verschiedene bewährte rend der Vorprüfung ist der Prüfdruck in
Druckprüfverfahren anwendbar. regelmäßigen Abständen, jedoch späte- 3. Hauptprüfung
stens nach einem Druckabfall von 0,5 bar, Die Hauptprüfung darf nicht beginnen,
Diese sind in der Norm EN 805 bzw. im wiederherzustellen. bevor die Vorprüfung und die Druckab-
Arbeitsblatt W 400-2 beschrieben. fallprüfung, sofern vom Planer vorge-
Das Prüfverfahren ist vom Planer zu Wenn unzulässige Lageänderungen eines schrieben, erfolgreich abgeschlossen
bestimmen und darf bis zu drei Schritte Rohrleitungsteiles oder Undichtheiten sind.
umfassen. auftreten, ist die Rohrleitung zu entspan- Die Einflüsse größerer Temperaturände-
nen und die Ursache zu beheben. rungen sind zu berücksichtigen.
1. Vorprüfung
Die Vorprüfung dient folgenden 2. Druckabfallprüfung
­Zwecken: Die Druckabfallprüfung ermöglicht die
n Stabilisierung des zur Prüfung anste- Bestimmung der restlichen Luft in der
henden Rohrleitungsabschnittes nach Rohrleitung.
weitestgehendem Abklingen der Luft im Prüfabschnitt der Rohrleitung
anfänglichen Setzungen, führt zu falschen Ergebnissen, die eine
n ausreichender Wassersättigung der scheinbare Undichtheit vortäuschen
Auskleidungen. oder aber eine Undichtheit überdecken
können. Vorhandene Luft vermindert

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/6

20.2.3 Übersicht über die Prüfver- Die Wasserverlustmenge kann durch zwei Abweichend von diesen Messgeräten
fahren der ­verschiedenen unterschiedliche Messverfahren ermittelt erfordert die Wasserverlustmethode für
Regelwerke werden. die kontinuierliche Messung des nach-
n Kontinuierliche Messung der nachge- gepumpten Wasservolumens:
Während die EN 805 ein Prüfverfahren für pumpten Wassermenge: n eine zusätzliche Dosierpumpe,
alle Nennweiten und Druckstufen enthält, Hierbei wird durch kontinuierliches Mindestdosiergenauigkeit 0,01 Liter
wird im Arbeitsblatt W 400-2 zwischen Nachpumpen von Wasser während n 2 Manometer oder ein Niveauschalter
dem Normalverfahren, das ebenfalls der gesamten Prüfzeit der System- mit einer Messgenauigkeit
für alle Nennweiten und Druckstufen prüfdruck aufrecht erhalten. von ≤ ± 10 mbar.
anwendbar ist, und dem beschleunigten n Einmalige Messung der nachge-
Normalverfahren, das für Rohleitungen pumpten Wassermenge: Die Tabelle 20.1 zeigt eine Gegenüber-
bis DN 600 und bis MDP 16 begrenzt ist, Am Ende der Prüfzeit wird der stellung der drei Prüfverfahren, die nach-
unterschieden. Die beiden Prüfverfah- Systemprüfdruck durch einmaliges folgend beschrieben werden.
ren nach W 400-2 können jeweils nach Nachpumpen wiederhergestellt.
der Wasserverlust- oder Druckverlust-
methode durchgeführt werden. In beiden Messverfahren ist die nachge-
pumpte Wassermenge durch geeignete
Die Wasserverlustmethode erfordert Einrichtungen zu messen und aufzuzei-
höhere Ansprüche an die Genauigkeit chnen.
der Messgeräte. Der Vorteil gegenüber der
Druckverlustmethode liegt in der gerin- Erforderliche Messgeräte für die Druck-
geren Unempfindlichkeit gegenüber Luft- verlustmethode
einschlüssen. Wenn die entsprechenden n Druckmessgeräte Auflösung
Messgeräte verfügbar sind , empfiehlt es ≤ 0,1 bar
sich, die Wasserverlustmethode anzu- n Erdtemperaturmessgerät Auflösung
wenden. ≤ 0,1 K
n Messbehälter für Druckabfallprüfung
Skaleneinteilung
von ≤ 0,01 bis 0,1 Liter.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/7

Tabelle 20.1:
Tabellarische Zusammenstellung der Hauptparameter der verschiedenen Druckprüfverfahren

Druckprüfung nach EN 805 Beschleunigtes ­Normalverfahren Normalverfahren


nach W 400-2 nach W 400-2
Für alle DN und Für DN ≤ 600 und Für alle DN und
für alle Prüfdrücke für Prüfdrücke ≤ 21 bar für alle Prüfdrücke
Vorprüfung Vorprüfung (= Sättigungsphase) Vorprüfung
OP ≤ Prüfdruck p ≤ STP Prüfdruck: p = STP Prüfdruck: p = STP
(­konstant d. Nachpumpen)
Prüfzeit: t= vom Planer festzulegen Prüfzeit: t = 0,5 Std. Prüfzeit: t= 24 Std.
Druckabfallprüfung Druckabfallprüfung Druckabfallprüfung
a) Wasserverlustmethode a) Wasserverlustmethode

⎡ 1 D ⎤ π ⋅ ID2 ⎡ 1 ID ⎤ π ⋅ ID2 ⎡ 1 ID ⎤
ΔVmax = 1, 5 ⋅ V ⋅ Δ p ⋅ ⎢ + ⎥ ΔVzul = 0,1 ⋅ f ⋅ ⋅ L ⋅ Δp ⋅ ⎢ + ⎥ ΔVzul = 0,1 ⋅ f ⋅ ⋅ L ⋅ Δp ⋅ ⎢ + ⎥
E
⎣ W e ⋅ ER ⎦ 4 E
⎣ W s ⋅ ER ⎦ 4 E
⎣ W s ⋅ ER ⎦

f=3 f=3
D V ≤ D Vmax D V ≤ D Vzul D V ≤ D Vzul
b) Druckverlustmethode b) Druckverlustmethode

π ⋅ ID2 ⎡ 1 ID ⎤
ΔVerf = ( DN ⋅ L ) / (100 k ) ΔVzul = 0,1 ⋅ 1, 5 ⋅ ⋅ L ⋅ Δp ⋅ ⎢ +
*

4 E
⎣ W s ⋅ ER ⎦
*)
(entspricht DVmax in EN 805)

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/8

Druckprüfung nach EN 805 Beschleunigtes ­Normalverfahren Normalverfahren


nach W 400-2 nach W 400-2
DVerf der Leitung entnehmen u. zuge-
hörigen Druckabfall Dp messen
DN Dpmin. [bar]
80 1,4
100 1,2
150 0,8
200 0,6
300 0,4
400 0,3
500 0,2
600 0,1
Dp ≥ pmin
(Nachweis für ausreichende Entlüftung)

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/9

Druckprüfung nach EN 805 Beschleunigtes ­Normalverfahren Normalverfahren


nach W 400-2 nach W 400-2
Hauptprüfung Hauptprüfung Hauptprüfung
a) Wasserverlustverfahren a) Wasserverlustverfahren a) Wasserverlustverfahren
Messung abgelassener Wassermenge Prüfdruck: p = STP Prüfdruck: p = STP
Prüfdruck: p = STP Prüfzeit: t = 1 Std Prüfzeit: t =
zusätzlich Sättigung: t ≥ 1Std. DN Prüfzeit
ΔVzul = ( DN ⋅ L ) / (100 k )
Prüfzeit: t ≥ 1 Std ≤ 400 13 Std
Messung nachgepumpter Wassermenge 500–700 12 Std
Prüfdruck: p = STP > 700 24 Std
Prüfzeit: t ≥ 1 Std Prüfkriterium

⎡ 1 D ⎤ STP Dpzul
Vmax = 1, 2 ⋅ V ⋅  p ⋅ ⎢ + ⎥
⎣ EW e ⋅ ER ⎦ 15 bar 0,15 bar

21 bar 0,15 bar


> 21 bar 0,25 bar

π ×· ID2
⎡ 1 ID ⎤
ΔVzul = 0,1 ⋅ ⋅ L ⋅ Δ pzul ⋅ ⎢ + ⎥
4 ⎣ EW s ⋅ ER ⎦

Prüfkriterium: DV ≤ DVmax Prüfkriterium: DV ≤ Vzul Prüfkriterium: DV ≤ DVzul

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/10

Druckprüfung nach EN 805 Beschleunigtes ­Normalverfahren Normalverfahren


nach W 400-2 nach W 400-2
b) Druckverlustverfahren b) Druckverlustverfahren b) Druckverlustverfahren
Prüfdruck: p = STP Prüfdruck: p = STP Prüfdruck: p = STP
Prüfzeit: t ≥ 1 Std Prüfzeit: t = 1 Std Prüfzeit: t =
DN Prüfzeit
≤ 400 3 Std
500–700 12 Std
> 700 24 Std
Prüfkriterium: Prüfkriterium: Prüfkriterium:
Dp = abnehmende Tendenz und (Dp aus Druckabfallprüfung wird STP Dpzul
Dp ≤ 20 kPa Dpzul in Hauptprüfung) 15 bar 0,15 bar
Dp = abnehmende Tendenz und 21 bar 0,15 bar
Dp ≤ Dpzul > 21 bar 0,25 bar
Dp ≤ Dpzul
Prüfung der Gesamtleitung
(nach erfolgreicher Prüfung
von ein­­­zelnen Prüfabschnit-
ten, falls vom Planer verlangt)
Prüfzeit: t = 2 Std
Prüfdruck: p = Betriebsdruck
Prüfkriterium: Sichtprüfung

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/11

Druckdefinitionen nach EN 805 Prüfdruck 20.2.4 Druckprüfung nach EN 805


n MDP(Maximum Design Pressure) Der Systemprüfdruck wird mit Hilfe des
= Höchster Systembetriebsdruck höchsten Systembetriebsdrucks (MDPc 1. Vorprüfung
Höchster vom Betreiber festgelegter oder MDPa) wie folgt berechnet Während der Vorprüfung ist der zu prü-
Betriebsdruck des Systems oder einer fende Rohrleitungsabschnitt mindestens
Druckzone unter Berücksichtigung n bei Berechnung des Druckstoßes: auf den Betriebsdruck zu bringen, jedoch
zukünftiger Entwicklungen und von STP = MDPc + 100 kPa maximal auf den Systemprüfdruck!
Druckstößen. (100 kPa = 1 bar)
n STP (System Test Pressure) Systemprüfdruck ≥ Prüfdruck ≥ Betriebs-
= Systemprüfdruck MDPc = Systembetriebsdruck, der druck
Hydrostatischer Druck, der für die einen berechneten Druckstoß bein- Die Dauer der Vorprüfung ist vom Planer
Prüfung der Unversehrtheit und haltet festzulegen.
Dichtheit einer neu verlegten Rohr-
leitung angewandt wird. n ohne Berechnung des Druckstoßes: 2. Druckabfallprüfung
n OP (Operating Pressure) STP = MDPa x 1,5 Zur Durchführung der Druckabfallprü-
= Betriebsdruck oder fung wird in dem zum prüfenden Rohr-
Innendruck, der zu einem bestimmten STP = MDPa + 500 kPa leitungsabschnitt der Prüfdruck erzeugt.
Zeitpunkt an einer bestimmten Stelle (500 kPa = 5 bar) Während der Leitung ein messbares Was-
im Wasserversorgungssystem auf- servolumen DV entnommen wird, ist der
tritt. MDPa = Systembetriebsdruck, der zugehörige Druckabfall Dp zu messen,
einen angenommenen Druckstoß bein- den man zur Berechnung der maximal
haltet, welcher nicht kleiner sein darf zulässigen Wasserverlustmenge DVmax
als 200 kPa. benötigt. Die Rohrleitung gilt als ausrei-
chend entlüftet, wenn die entnommene
Es gilt der jeweils niedrigere Wert. Wassermenge DV kleiner oder gleich der
In Sonderfällen kann der Planer einen maximal zulässigen Wasserverlustmenge
niedrigeren Prüfdruck festlegen. DVmax ist.

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/12

(20.1) ⎡ 1 D ⎤ 3. Hauptprüfung ist, der zuvor am Ende der Prüfzeit fest-


Vmax = 1, 5 ⋅ V ⋅  p ⋅ ⎢ + ⎥
⎣ EW e ⋅ ER ⎦ Die Hauptprüfung kann nach einem der gestellt wurde. Die abgelassene Wasser-
beiden nachfolgenden Prüfverfahren menge DV ist zu messen.
Hierin bedeuten: durchgeführt werden:
DVmax zulässiger Wasserverlust in Liter n Wasserverlustverfahren, b) Messung der
1,5 zulässiger Faktor für den erlaubten n Druckverlustverfahren. nachgepumpten Wassermenge
Luftanteil vor der Hauptdruckprü- Nachdem der Systemprüfdruck STP
fung Das Wasserverlustverfahren erzeugt ist, wird mit der einstündigen
V Volumen des Prüfabschnittes in Zwei gleichwertige Messverfahren zur Prüfzeit begonnen.
Liter Feststellung des Wasserverlustes kön- Während dieser Prüfzeit ist die zur Auf-
Dp gemessener Druckabfall in nen zur Anwendung kommen. Diese sind rechterhaltung des Systemprüfdruckes
Kilopascal nachfolgend beschrieben. nachgepumpte Wassermenge mit einer
EW 2,03 ∙ 106 kPa; Kompressionsmodul geeigneten Einrichtung zu messen und
des Wassers in Kilopascal a) Messung der aufzuzeichnen.
D Innendurchmesser des Rohres in abgelassenen Wassermenge Die zugefügte bzw. entnommene Was-
Meter In dem zu prüfenden Rohrleitungsab- sermenge DV darf die maximal zulässige
e Wanddicke des Rohres in Meter schnitt wird der Systemprüfdruck STP Wasserverlustmenge DVmax nicht über-
E R 1,67 ∙ 108 kPa; Elastizitätsmodul der erzeugt und gegebenenfalls durch Nach- schreiten, die nach folgender Gleichung
Rohrwand in Umfangsrichtung in pumpen mindestens eine Stunde konstant zu errechnen ist.
Kilopascal gehalten. Danach wird die Pumpenleitung
DV ≤ DVmax von der Prüfstrecke getrennt und mit der (20.2) ⎡ 1 D ⎤
Vmax = 1, 2 ⋅ V ⋅  p ⋅ ⎢ + ⎥
einstündigen Prüfung begonnen. Der Pla- ⎣ EW e ⋅ ER ⎦
ner kann längere Prüfzeiten festlegen.
Nach Ablauf der Prüfzeit wird der abge- DVmax zulässiger Wasserverlust in Liter
fallene Druck p gemessen. Durch Nach- 1,2 zulässiger Faktor (z.B. für Luftan-
pumpen wird der Systemprüfdruck STP teil) für die Hauptdruckprüfung
wiederhergestellt. Im Anschluss daran V Volumen des Prüfabschnittes in
senkt man durch Ablassen von Wasser Liter
den Druck in der Rohrleitung so lange ab, Dp zulässiger Druckverlust = 20 kPa
bis der gleiche Druck p wieder erreicht

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/13

EW Kompressionsmodul des Wassers Auswertung der Prüfergebnisse 20.2.5 Druckprüfung nach


= 2,03 ∙ 106 kPa Ist der Druckverlust höher als maximal DVGW W400-2
D Innendurchmesser des Rohres in zulässig oder treten Fehler auf, muss der
Meter Prüfabschnitt untersucht und bei Bedarf Entsprechend DVGW W 400-2 können
e Wanddicke des Rohres in Meter instandgesetzt werden. Die Prüfung ist zu bei Rohrleitungen aus duktilem Guss-
ER Elastizitätsmodul der Rohrwand wiederholen, bis der Druckverlust dem eisen zwei Prüfverfahren angewendet
in Umfangsrichtung, für GGG: festgelegten Wert entspricht. werden:
ER= 1,67 ∙ 108 kPa n das beschleunigte Normalverfahren
Prüfdruck = Systemprüfdruck Abschließende Prüfung für Gussrohrleitungen bis DN 600 und
(STP) des Rohrleitungssystems bis STP = 21 bar,
Prüfzeit ≥ 1 Stunde Wenn eine Rohrleitungsstrecke für die n das Normalverfahren für Gussrohrlei-
DV ≤ DVmax Druckprüfung in mehrere Prüfabschnitte tungen aller Nennweiten und Druck-
unterteilt wurde und alle Abschnitte die stufen.
Das Druckverlustverfahren Druckprüfung bestanden haben, muss,
Der Druck muss gleichmäßig bis auf den sofern vom Planer vorgeschrieben, die Beschleunigtes Normalverfahren
Systemprüfdruck (STP) erhöht werden. gesamte Leitung mindestens zwei Stun-
Die Dauer der Druckverlustprüfung be- den lang mit dem Betriebsdruck beauf- a) Prüfung nach der
trägt eine Stunde oder länger, je nach schlagt werden. Wasserverlustmethode
Festlegung des Planers. 1. Vorprüfung/ Sättigungsphase
Jedes Rohrleitungsteil, das nach der
Während der Hauptdruckprüfung muss Druckprüfung eingebaut wurde, ist einer Zum Erreichen eines hohen Sättigungs-
der Druckverlust Dp eine abnehmende Sichtprüfung auf Undichtheiten und grades wird der Prüfdruck während einer
Tendenz zeigen und darf am Ende der Lageveränderungen zu unterziehen. halben Stunde durch ständiges Nachpum­
ersten Stunde 20 kPa nicht überschreiten: pen gehalten. Für die Sättigung ist in
n Prüfdruck = Systemprüfdruck (STP) Aufzeichnung der Prüfergebnisse erster Linie die Höhe des Prüfdruckes
n Prüfzeit ≥ 1 Stunde Eine vollständige Dokumentation der maßgebend. Ein zu niedriger Druck kann
n maximal zulässiger Druckverlust Prüfergebnisse ist zu erstellen und auf- nicht durch eine Verlängerung der Sätti-
≤ 20 kPa/Std. zubewahren. gungsphase ausgeglichen werden.
Prüfdruck = STP
Prüfzeit = 0,5 Stunde

04.2008
E-Book – Guss-Rohrsysteme 20. Kapitel: Dichtheitsprüfungen 20/14

2. Druckabfallprüfung