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Helmholtz-Gymnasium Methodensammlung Oberstufe Deutsch

Literarische Texte analysieren bzw. interpretieren

Was ist eine Interpretation?


Die Interpretation eines literarischen Textes ist der Vorgang, durch den ein literarisches
Kunstwerk gedeutet wird. Dem voran steht die Textanalyse, bei der der Text mit Fachbegriffen
systematisch beschrieben wird. Eine Deutung geht folglich über eine bloße Textanalyse hinaus.
Es wird versucht, die Aussagen des Textes zu entschlüsseln und die Wirkung/ Absicht des
Textes zu erschließen.
So kann man eine Interpretationshypothese formulieren, d.h. sein eigenes Textverständnis
erklären und somit kurz skizzieren, was das Ziel der Interpretation ist (Leitfragen: Was sagt mir
der Text? Was wird dargestellt?).
Beide Begriffe – analysieren und interpretieren – werden allerdings zunehmend synonym
verwendet. Sie müssen wissen, dass von Ihnen immer – egal, welcher Operator in der
Aufgabenstellung steht – die Beschreibung und Deutung eines Textes verlangt ist.

Zwei grundlegende Analysemethoden – Linearanalyse und aspektgeleitete Analyse


Bei der Linearanalyse wird der Text Abschnitt für Abschnitt, d. h. der Reihenfolge nach
analysiert. Der Vorteil dieses Verfahrens sind die in der Regel sehr genauen Ergebnisse.
Andererseits kann es passieren, dass man die übergeordneten Deutungsaspekte aus dem Blick
verliert, sich in Einzelergebnissen verfranst und den Kontext nicht berücksichtigt.

Solche Deutungsschwerpunkte setzt man wiederum bei der aspektgeleiteten Analyse im


Vorfeld fest und geht anschließend bei der Textbeschreibung und –deutung deutlich
zielgerichteter vor. Nachteil dieses Vorgehens ist, dass Deutungsaspekte, die man nicht zum
Schwerpunkt seiner Untersuchung gewählt hat, nicht berücksichtigt werden. Dieses Verfahren
bedarf gründlicher Vorarbeiten, um den Überblick zu behalten. Im Laufe des
Oberstufenunterrichts werden Sie zunehmend an diese Methode herangeführt.
Untersuchungsaspekte werden in der Regel in der Aufgabenstellung vorgegeben und können
beispielsweise bei epischen Texten folgende sein:
die Situation einer Figur; die Beziehung zwischen zwei Figuren, die Entfaltung eines Motivs,
die erzählerische Gestaltung etc.

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Die Analyse eines epischen Textes/ Textauszuges


Generell gilt:
Die Einleitung:
- TATTZ-Formel: Titel, Autor, Thema, Textsorte, (Entstehungs)Zeit
- Ein Thema meint die übergeordneten, abstrakten Fragen, Ideen oder Probleme, um die
es im Text insgesamt geht. Beachten Sie, dass ein Thema also über die Benennung eines
Gegenstandes hinausgeht. Tipp: Sie können überprüfen, ob Sie ein Thema formuliert
haben, wenn Sie es zu einer Frage umformulieren können.
Beispiel: Die Kurzgeschichte thematisiert einen Mann und seine Frau. à Hier wird nur
ein Gegenstand benannt.
Besser: Die Kurzgeschichte thematisiert die gestörte Kommunikation eines Paares.
Frageprobe: Wie wird die Kommunikation eines Paares dargestellt?
Der Hauptteil:
- (gegliederte) Inhaltsangabe
- evtl. Interpretationsthese, auf die im Folgenden immer wieder verwiesen wird. Die
Ergebnisse der Detailanalyse sind die Argumente, mit denen man sein Textverständnis
begründet, quasi Ihre Beweisführung.
- Detailanalyse des Textes. Lohnenswert ist meistens eine Untersuchung folgender Aspekte:
ü Figurengestaltung und Figurenverhalten
ü Figurenkonstellation: Beziehung der Figuren zueinander
ü Innere und äußere Handlung
ü Erzählstrategie (Erzählform, Erzählverhalten, Erzählperspektive, Darbietungsformen)
ü Zeitstruktur (Erzählzeit – erzählte Zeit, Rückblenden oder Vorausdeutungen,
historischer Kontext)
ü Raum (Ort, Milieu, Atmosphäre)
ü Titel-Text-Bezug
ü Motive
ü Aufbau des Textes, z.B. Rahmen- und Binnenhandlung
In der Regel werden Ihnen Aspekte in der Aufgabenstellung bereits vorgegeben, auf die Sie sich
konzentrieren sollten.
- beschreibende, erklärende und deutende Teile müssen aufeinander bezogen werden
Beispiele: Welche Wirkung ergibt sich daraus, dass gerade diese Erzählperspektive
benutzt wurde?
- Aussagen müssen am Text belegt werden, d.h. zitieren Sie direkt oder indirekt!

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- sprachliche Auffälligkeiten (Wortwahl, Syntax, rhetorische Figuren, Modus, Stil etc.)


werden nicht in einen Extraabschnitt ans Ende des Hauptteils gesetzt, sondern in die
Detailanalyse integriert. Dabei werden gestalterische Besonderheiten nicht nur einfach
benannt, sondern immer auch ihre Wirkung mit Bezug auf den Inhalt erläutert.
Der Schlussteil:
- Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse (zu Inhalt, Erzähltechnik und Sprache)
und Ableitung einer zusammenfassenden Deutung (mit Bezug auf die
Interpretationsthese, wenn Sie eine aufgestellt haben, d.h. diese wird verifiziert,
falsifiziert oder modifiziert)
- Fakultativ: persönliche begründete Bewertung des Textes

Darauf sollten Sie unbedingt auch achten!


- Fachbegriffe benutzen
- Zeitform: Präsens; Vorzeitigkeit: Perfekt
- Klare Gedankenführung: Absätze setzen; Gelenkstellen, Überleitungen und
Folgerungen formulieren
- sachlich schreiben
- Ich-Formulierungen vermeiden (stattdessen z.B. Passiv verwenden)
- eigene Ausführungen sollten umfangreicher sein als die Zitate

Besonderheiten bei der Analyse eines Ihnen bekannten Romanauszuges


1) Die Einleitung wird ergänzt um:
- eine knappe Inhaltsangabe zum Roman
- den Romanauszug müssen Sie kontextualisieren (Welche wesentlichen Handlungsschritte vor
und nach der Textstelle muss der Leser Ihrer Analyse kennen?)
- neben dem Thema des Romans müssen Sie ebenso das Thema des Textausschnittes bestimmen
2) Im Schlussteil nehmen Sie auch eine funktionale Einordnung der Textstelle vor:
- Welche Funktion hat die Textstelle im Gesamtverlauf der Romanhandlung (Höhepunkt,
Wendepunkt, Veränderung der Hauptfigur…)?
- Welche Bedeutung hat sie für das zentrale Thema des Romans? Welchen Stellenwert nimmt die
Textstelle im Roman ein?
- Gibt es Vorausdeutungen auf kommende Gefahren und Entwicklungen?
- Liegt eine Gelenkstelle der Handlung vor? Wird nochmals vergegenwärtigt, was bereits
geschehen ist?
- Steht der Textauszug in einem engen Zusammenhang zu anderen Textstellen?

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Die Inhaltsangabe

Die Inhaltsangabe will ursprünglich vor allem einen Leser, der den Originaltext nicht kennt,
über dessen Inhalt informieren.
Der Leser erwartet einen möglichst knappen (aber alle Stationen der Handlung darstellenden)
Gesamtüberblick und eine objektiv-neutrale Darstellung. Die Gliederung folgt dabei den
Sinnabschnitten, die nicht identisch sein müssen mit den äußeren Abschnitten.

Deshalb ist grundsätzlich zu beachten:


Ø sachlich, neutral, informierend schreiben
Ø persönliche Ansichten und Wertungen unterlassen
Ø die Aussagen möglichst prägnant mit eigenen Worten formulieren (daher
möglichst auf Zitate verzichten)
Ø die Abfolge in verständlicher und geordneter Weise ohne Gedankensprünge
wiedergeben (Ablauf der Handlung/ Aufbau des Gedankengangs, außerdem
Ort und Zeit der Handlung, Personen und ihre Beziehungen, Gründe für das
Verhalten und Geschehen)
Ø die Ereignisse in ihrem ursächlichen und zeitlichen Zusammenhang
darstellen à hier helfen Satzgefüge mit Adverbialsätzen

Hinweise für die sprachliche Gestaltung:


Ø Zeitform: immer Präsens (vorausgegangene Ereignisse: Perfekt)
Ø Verzicht auf ausschmückende Formulierungen
Ø keine Ausdrücke benutzen, die eine gefühlsmäßige Beteiligung zum
Ausdruck bringen
Ø bei wichtigen Figurenäußerungen direkte/ wörtliche Rede in indirekter
Rede wiedergeben

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Wie verfasse ich eine Interpretation? – Arbeitsplan


Schreiben Sie nicht sofort nach dem Lesen darauf los!

1. Klärung der Aufgabenstellung


- prüfen, welche Arbeitsschritte bzw. inhaltlichen Aspekte vorgegeben sind
- Anforderungen der Operatoren (z.B. erläutern, vergleichen, beurteilen etc.) erfassen und
abgrenzen (siehe P.A.U.L. D. innere Umschlagseite vorn), damit keine überflüssigen Arbeiten
durchgeführt werden, die bei der Benotung unberücksichtigt bleiben
- die in den Aufgabenteilen evtl. genannte Gewichtung (z.B. 30% zu 70%) berücksichtigen
und die Arbeitsschwerpunkte daran ausrichten

2. Gedankliche Erschließung des vorgelegten Textes


- gemäß Titel, Textsorte und Autorennennung Vorwissen zu Text und Thema aktivieren
- nach dem ersten Lesen des Textes erste Eindrücke formulieren, auch Fragen/
Verstehensschwierigkeiten festhalten (Fragen sind Türöffner)
- den vorgelegten Text mehrfach gründlich lesen und einen ersten Verstehensansatz (eine
Interpretationshypothese) formulieren, um beim Schreiben den „roten Faden“ nicht zu verlieren
- aktiv mit dem Textblatt arbeiten: Randbemerkungen, Unterstreichungen etc.
- besonders beim aspektorientierten Schreiben ist es nötig, einen kurzen Schreibplan zu
erstellen

3. Schreiben

4. Überarbeitung
- in mehreren Durchgängen prüfen (vgl. auch P.A.U.L. D., S. 600):
ü sprachliche Richtigkeit
ü sachliche Richtigkeit
ü Aufbau und Kohärenz (inhaltlicher Zusammenhang eines Textes)

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Tipps:
- Nehmen Sie jeden Übungsanlass wahr!
- Planen Sie Ihre Zeit! Wie lange wollen Sie ungefähr für Vorarbeiten,
für das Schreiben, für die Korrektur verwenden? Stellen Sie sich bei
Übungsanalysen einen Wecker und versuchen Sie die Zeitvorgaben
der Klausuren einzuhalten.
- Arbeiten Sie mit Ihrem Textblatt!
Teilen Sie Ihr Textblatt ein und arbeiten Sie mit Randnotizen, z.B. rechts alle Notizen
zu inhaltlichen Aussagen und abgeleiteten Deutungen in Stichwortform, links alle
Auffälligkeiten zu Erzähltechnik und Sprache in verschiedenen Farben. Sortieren Sie
hier oder auf einem Notizblatt Ihre Erkenntnisse zu einzelnen Deutungsaspekten, falls
Sie aspektorientiert schreiben.
- Nutzen Sie Farben und Zeichen!
Legen Sie bestimmte Farben, Abkürzungen, Markierungen (Unterstreichungsarten,
Einkreisungen), Zeichen etc. in ihren Bedeutungen dauerhaft fest, sodass Sie sie
selbstverständlich verwenden und schließlich Zeit sparen bei Ihren Vorarbeiten. Falls
Sie Inspiration benötigen, lesen Sie den Methodenkasten „Aktiv lesen – Stifte oder
Textmarker verwenden“ (Aus: Texte, Themen und Strukturen. Deutschbuch für die
Oberstufe. Hrsg. v. B. Schurf/ A. Wagener. Berlin 2014. S. 578.)

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Achtung Fehler:
Viele SchülerInnen machen den Fehler, entweder den Ausgangstext nur mit eigenen Worten
wiederzugeben, aber nicht zu deuten. Oder sie stellen eine eigene Deutung vor, die aber nicht
nachvollziehbar ist, da die eigentliche Textbeschreibung fehlt.
Beim übenden Schreiben bietet es sich an, sich mindestens einmal durch die Nutzung der
folgenden Tabelle zu verdeutlichen, dass es sich beim Beschreiben und Deuten um mehrere
Hand in Hand gehende Arbeitsschritte handelt.

Versuchen Sie, die Tabelle zu mehreren Textstellen Ihres Ausgangstextes auszufüllen.

Textstelle zitieren Was bedeutet das in Sprachliche Was bedeutet diese


eigenen Worten? – Auffälligkeiten mit Textstelle? Welche
den Inhalt verstehen Fachbegriff Wirkung ergibt sich
benennen aus der sprachlichen
Auffälligkeit?
… …. … …

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Die Analyse eines lyrischen Textes


Die Einleitung:
- TATTZ-Formel: Titel, Autor, Thema, Textsorte, (Entstehungs)Zeit
- Optional können Sie hier auch einen ersten Leseeindruck formulieren.

Der Hauptteil:
- (gegliederte) Inhaltsangabe: Wie lässt sich die Gedankenfolge des Gedichtes in
eigenen Worten wiedergeben? Von welcher Begebenheit, von welcher Situation wird
erzählt? Welche Stimmung, welches Lebensgefühl, welche Idee, welches Bild, welche
Selbst- und Fremdwahrnehmung findet seinen Ausdruck?
- evtl. Interpretationsthese, auf die im Folgenden immer wieder verwiesen wird. Die
Ergebnisse der Detailanalyse sind die Argumente, mit denen man sein Textverständnis
begründet, quasi Ihre Beweisführung.
- Formale Besonderheiten:
ü Länge: Vers- und Strophenanzahl (regelmäßig oder unregelmäßig?)
ü Reimschema
ü Metrum
ü Evtl. Gedichtform
Formale Beschreibung und Inhaltsangabe lassen sich teilweise sprachlich auch gut
miteinander verbinden. Bsp.: In der ersten von vier Strophen beschreibt der Autor die
Kälte des Winters.
- Detailanalyse des Textes. Bei Gedichten empfiehlt sich meistens eine lineare Analyse. Egal,
für welches Verfahren Sie sich entscheiden, lohnenswert ist meistens eine Untersuchung
folgender Aspekte:
ü Sprecher und dessen Situation, Perspektive, (Lebens)gefühl (lyrisches Ich, Du, Wir?)
ü Vermittelte Stimmung oder Atmosphäre? Wechselt die Stimmung?
ü Gibt es eine sinntragende Entwicklung (z.B. Thema in den einzelnen Strophen)? à
sinntragende Wörter und deren Wirkung untersuchen
ü Kennzeichnung von Kontrasten, Veränderungen oder Wiederholungen/ Parallelen
ü Funktion des Titels
ü Besonderheiten im Aufbau/ Gliederung
ü Anspielung auf historische Hintergründe?
ü Hinweise auf Zeit/ Ort/ Raum
Kommen Sie im Rahmen der Detailanalyse auch erneut auf die äußere Form zu
sprechen, indem Sie sie hinsichtlich ihrer Wirkung analysieren. Welche Wirkung hat
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das Metrum? Gibt es Wechsel in der äußeren Form, z.B. beim Reimschema? Ist die
Form (teilweise) regelmäßig, oder (teilweise) nicht? Wie lassen sich die Befunde
inhaltlich deuten?
- sprachliche Auffälligkeiten (Wortwahl - Semantik, Wortfelder, Klänge – helle/ dunkle
Vokale, Syntax, rhetorische Figuren, Häufung von Wortarten, Modus, Stil etc.) werden
nicht in einen Extraabschnitt ans Ende des Hauptteils gesetzt, sondern in die
Detailanalyse integriert. Dabei werden gestalterische Besonderheiten nicht nur einfach
benannt, sondern immer auch ihre Wirkung mit Bezug auf den Inhalt erläutert.
- beschreibende, erklärende und deutende Teile müssen aufeinander bezogen werden
Beispiele: Welche Wirkung ergibt sich daraus, dass gerade dieses sprachliche Mittel
verwendet wurde?
- Aussagen müssen am Text belegt werden, d.h. zitieren Sie direkt oder indirekt!

Der Schlussteil:
- Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und Ableitung einer
zusammenfassenden Deutung (mit Bezug auf die Interpretationsthese, wenn Sie eine
aufgestellt haben, d.h. diese wird verifiziert, falsifiziert oder modifiziert): Was sagt
Ihnen das Gedicht?
- Achten Sie darauf, im Schlussteil auch ein Fazit zur sprachlichen, formalen Gestaltung
zu geben.
- Fakultativ: persönliche begründete Bewertung des Textes (nicht nur: Ich find das
Gedicht gut.“)

Darauf sollten Sie unbedingt auch achten!


- Fachbegriffe benutzen
- Zeitform: Präsens; Vorzeitigkeit: Perfekt
- Klare Gedankenführung: Absätze setzen; Gelenkstellen, Überleitungen und
Folgerungen formulieren
- sachlich schreiben
- Ich-Formulierungen vermeiden (stattdessen z.B. Passiv verwenden)
- eigene Ausführungen sollten umfangreicher sein als die Zitate

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Materialgestütztes Verfassen eines Textes mit fachspezifischem Bezug


Grundlegende Informationen:
Bei diesem Aufgabentyp geht es darum, verschiedene Informationsquellen, welche als
Materialzusammenstellung (vor allem von Sachtexten, graphischen Darstellungen und
Bildmaterial) zu einem Fachthema vorgelegt werden, auszuwerten und zielgerichtet zu nutzen,
um einen eigenen Text zu verfassen.
Der Schreibauftrag ist dabei in eine konkrete Kommunikationssituation eingebettet, wodurch
sowohl das Textformat als auch der Adressatenbezug präzise bestimmt werden.
Hierbei wird unterschieden zwischen Textsorten, die primär informieren sollen
(Einführungsphase), und denen, die überwiegend argumentativ sind (Qualifikationsphase),
wobei diese auch Elemente des informierenden Schreibens enthalten (z.B. den aktuellen Stand
einer Diskussion zusammenfassen).
Denkbar sind Berichte, Informationsblätter, Leserbriefe, Vortragsmanuskripte, Beiträge für die
Schülerzeitung, Homepageartikel, Kommentare etc.
Erwartet wird außerdem die zusätzliche Einbeziehung von Kenntnissen aus dem Unterricht,
v.a. wenn Argumentationsleistungen erwartet werden.

Beispiel für eine Aufgabenstellung:


Ausgangssituation
Angesichts der öffentlichen Diskussion um diskriminierende Wörter in einigen Werken der
Kinder- und Jugendliteratur wird überlegt, diese Bücher in Ihrer Schulbibliothek durch
überarbeitete Exemplare auszutauschen. In der Bibliothek soll ein Informationsblatt
(Doppelseite) ausgelegt werden, das Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte auf den
nötigen Kenntnisstand bringt und mittels einer Umfrage die Nutzer der Bibliothek um ihre
Meinung bittet.

Arbeitsauftrag
Verfassen Sie auf Grundlage der Materialien M1 bis M5 einen informierenden Textbeitrag für
das Informationsblatt, indem Sie Anlass und Hintergrund der medialen Diskussion darstellen,
die entscheidenden Argumente und Standpunkte in dieser Kontroverse erläutern und den
Nutzern der Bibliothek eine Begründung für die Umfrage darlegen.

Arbeitsschritte
1. Die Aufgabenstellung erfassen
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- Thema und inhaltliche Aspekte der Aufgabenstellung klären


- Anforderungen an den eigenen Text erkennen: Anlass/ Schreibziel (Intention: informieren
oder argumentieren), Textsorte und Adressat erfassen
- sich vergegenwärtigen, welche Operatoren bei der Darstellung der jeweiligen Teilaspekte
umgesetzt werden sollen

2. Erstes Textverständnis und Ideen formulieren


- Materialien überfliegen
- Machen Sie sich auch klar: Welche Textsorten liegen vor? Welche unterschiedlichen
methodischen Vorgehensweisen sind zur Erfassung notwendig?
- Vorwissen zum Thema aktivieren

3. Materialien gezielt lesen und auswerten


- Prüfung der Materialien im Hinblick auf Eignung und Relevanz
- Bearbeitung des gegebenen Materials im Hinblick auf die jeweilige Aufgabenstellung
è nur aufgabenbezogene Informationsentnahme
è Informationsüberschuss erkennen
- Textaussagen bewerten: Autorenmeinungen nicht mit Informationen verwechseln
Achtung: Sie verfassen keine Analyse zu den Materialien. Es geht um eine
Informationsentnahme.

4. Erstellen eines Schreibplans und Entwicklung einer eigenen Gliederung


- Übersicht erstellen: Zuordnung der Materialinhalte zum eigenen Text (Notizen aus Schritt 1
zur Aufgabenstellung heranziehen)
- Anreicherung der im Material gefundenen Aspekte durch eigenes (Unterrichts-)Wissen,
Konkretisierung und Anreicherung durch Beispiele
- Gliederung erstellen

5. Verfassen des eigenen Textes, in der Regel:


- Überschrift: Wahl einer treffenden Überschrift
- Einleitung:
è interessanten Einstieg finden
è Thema benennen
è Teilthemen auflisten …

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- Hauptteil, z. B.:
è Sachverhalt erläutern
è Ursache der Auseinandersetzung mit dem Thema darlegen
è kritische Sichtweise und Folgen thematisieren …
- Schluss:
è Zusammenfassung mit Bezug zur Einleitung
è Ausblick
è persönliche Einschätzung/Appell

6. Überarbeitung nach Überprüfung auf: z.B.


- sachliche Richtigkeit
- klare gedankliche Struktur: „roter Faden“
- Verständlichkeit für den Adressaten
- korrekter Umgang mit Informationsquellen
- Relevanz der aufgenommenen Informationen
- Ergänzung durch zusätzliches Wissen aus dem Unterricht
- korrektes Zitieren
- Sachlichkeit der Formulierungen
- sprachliche Richtigkeit

Tipps:
- Nutzen Sie für die Teilthemen unterschiedliche Farben zum Markieren der Materialien.
- Schreiben Sie jedes Teilthema und den zugehörigen Operator auf ein gesondertes DIN-
A4-Papier. Legen Sie außerdem je ein Gliederungsblatt für die Einleitung bzw. den
Schluss Ihres Textes an. Notieren Sie hier stichwortartig die Informationen, die Sie
verwenden wollen.

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