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Beinarbeit Das kann allerdings nur erzielt werden, wenn die hintere

Der Grundstein des Jeet Kune Do Ferse angehoben und eher geradlinig ausgerichtet ist, weil
nur so die Kraft aus der vollen Rotation des hinteren
by Jerry Poteet Fußes generiert werden kann.
Wenn der hintere Fuß bereits in einem 45° Winkel
Bruce Lee legte großen Wert auf Ökonomie, Simplizität, eingedreht ist, hat man das mögliche Potential der
Effizienz und nicht-telegrafierende Bewegungen in allen Hüftrotation zu einem großen Teil bereits verschenkt.
Phasen seiner Kampfkunst. Im Gegensatz zum Boxer, dessen Stärke auf dem Rear
Wahrscheinlich bestand er so sehr auf qualitativ Cross oder Hakenschlag beruht, ist im JKD der
hochwertige Beinarbeit, weil alle Waffen ungeachtet ihrer Führhandschlag die ultimative (wichtigste) Waffe.
Stärke nutzlos sind, wenn sie nicht mit der nötigen Weil er, gemäß JKD-Prinzipien, dem Ziel am nächsten
Explosivität innerhalb der Beinarbeit transportiert werden liegt, muss er gewährleisten können die Bombe“
können. abzuliefern.
Dies war der Grund warum Bruce die Beinarbeit als den Überprüfe ständig Deine Wachsamkeitsstellung und frage
Grundstein des Jeet Kune Do ansah. Dich selbst: Bist du relaxt? kannst du, ohne vorbereitende
Sämtliche Beinarbeit startet aus der JKD- Bewegungen, all deine Waffen nutzen? und: liegen deine
Wachsamkeitsstellung, oder auf Kantonesisch, Bi Jong. Ellbogen (am Körper) an? (Ein offensichtlicher Wing
Ich halte die JKD-Wachsamkeitsstellung für einen der am Chun Einfluss, den Bruce aufgrund seiner strukturellen
meisten missverstandenen Aspekte des JKD. Überlegenheit beibehielt).
Weil sie Mobilität und Stabilität so perfekt miteinander Du siehst also, bevor Du überhaupt mit der Beinarbeit
verbindet, wählte Bruce die JKD-Wachsamkeitsstellung beginnen kannst, sollte Deine Wachsamkeitsstellung
als die Ausgangsbasis. perfektioniert werden.
Ebenso, wie bei anderen Sportarten wo (ein hohes Maß Ich denke es ist ziemlich einleuchtend, warum Bruce
an) Mobilität erforderlich ist, sollten die Knie gebeugt und soviel Zeit darauf verwendete, seine Waden zu trainieren -
nicht durchgestreckt sein. Und ebenso wie bei Sportarten, sie sind (nämlich) die „Kolben“, welche die „Jeet Kune
wo plötzliche, explosive Bewegungen erforderlich sind, Do Maschine“ antreiben.
wird die hintere Ferse angehoben - bereit, für eine
katzengleiche, explosive Beschleunigung nach vorne. Quick Recovery
(Untersuche einmal die Stellung eines Sprinters - bereit, Es ist notwendig zu begreifen, dass eine schnelle
blitzschnell nach vorne zu explodieren. Gleiches gilt auch Wiedereinnahme der (Wachsamkeits-) Stellung von
für den Angriffsvorstoß beim Sumo-Ringen.) größter Bedeutung ist.
Die hintere Ferse wird geradlinig und nicht (etwa seitlich) Die angehobene Ferse des hinteren Fußes ermöglicht ein
in einem 45° Winkel ausgerichtet. schnelles Zurückkehren in die Bi Jong Position, um von
dort aus dann weitere Tritte und Schläge folgen zu lassen.
Fits to a „T“ Unglücklicherweise wird es manchmal Gegner geben, die
Der „T-Stand“ (Grundstellung beim Boxen) eignet sich sich Dir regelrecht entgegenwerfen und auf Dich
gut für das westliche Boxen, ist aber im Jeet Kune Do einstürzen werden. Kein Problem - Du brauchst Dich nur
unakzeptabel, weil (erst) das Drehen (auf dem Ballen) des der Situation anzupassen!
hinteren Fußes die Hüftrotation herbeiführt, die es dem Statt mit einer späten Reaktion „vorzupreschen“ und (auf
Ausübenden ermöglicht, explosiv mit der vorderen Hand den Gegner) aufzulaufen, lass Deinen Gegner die Distanz
zuzuschlagen. (ruhig) überbrücken. Bleib an Ort und Stelle und schlage
Wenn der Führhandschlag „vernichtende Wirkung“ haben schnell und kraftvoll zu.
soll, muss ein krafteinleitender und somit Untersuchen wir doch einmal die am häufigsten
telegraphierender Schritt vermieden werden. verwendete Beinarbeit im Jeet Kune Do - den „Push
Um maximale Kraft entfalten zu können, müssen die Shuffle“ und den „Pendulum Step“.
meisten Boxer ihren Jab mit einem einleitenden Schritt Der Push Shuffle ist wahrscheinlich der wichtigste
versehen - und dennoch hat der Schlag nur selten „Knock- Bestandteil der JKD Beinarbeit.
Out Qualitäten“. Wie der Name schon vermuten lässt, drückt man sich mit
Im Jeet Kune Do ist jedoch der Führhandschlag der dem hinteren Fuß (vom Boden) ab um sich explosiv nach
„Knock-Out Punch“. vorne zu bewegen. Der Kopf muss gerade gehalten

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werden, ohne vor- und zurück zu pendeln - der Körper ist und Vorwarnung schießt Dein vorderer Fuß über den
relaxt und ohne Anspannung. Die Füße sollten nach vorne Boden gleitend nach vorne und tritt auf die Fliege. Dies
zeigen, damit sämtliche Energie vorwärts und zum Gegner sollte keiner stampfenden, sondern eher einer schnellen,
ausgerichtet ist. leichten und „schwebenden“ Bewegung gleichen.
Wenn nämlich vorderes und hinteres Bein in zwei Weil diese Art der Beinarbeit (in erster Linie) dazu
(unterschiedliche) Richtungen zeigen, wird die Energie benutzt wird um einen Führhandschlag durchzuführen, ist
(unweigerlich) aufgesplittet. es wichtig die richtige Körpermechanik anzuwenden.
Will man einen Angriffsvorstoß durchführen, muss
sämtliche Energie auf den Gegner fokussiert sein.
Bruce Lee ermunterte uns zu einer gewissen
„Plötzlichkeit“, oder wie er es nannte, „Spontaneität“ in
unserer Schrittarbeit.
Er (selbst) war so „non-telegraphic“, dass man keine
seiner Bewegungen voraussagen konnte. Im Gegensatz zu
den großen Schritten, die heutzutage von so manchem
Praktizierenden verwendet werden, berührten seine Füße
kaum den Boden. Jeder, der seine Bewegungen zu lesen
vermochte, musste ihm in seiner Einschätzung, „nicht
mehr lange - und ich kann fliegen!“ zustimmen.
Ein häufiger Fehler, den die meisten Kampfkünstler beim
Push Shuffle begehen, ist das leichte Zurücklehnen des
Oberkörpers bei der Schritteinleitung. Andere schwingen
nach oben oder nach unten, statt eine gleichmäßig gerade
Linie beizubehalten.
Der aus dem Fechten adaptierte Pendulum Step wird
Die Absicht muss sein die Energie Richtung Gegner, nicht
angewandt um größere Distanzen abzudecken.
Richtung Decke zu entladen.
Bruce mochte den Pendulum Step ganz besonders wenn es
darum ging seinen Jab-artigen Schienbeinkick
Easy as Walking einzusetzen.
Der Push Shuffle ist so wichtig, dass man ihn so lange Kampfkünstler neigen dazu ihre Tritte zu telegrafieren,
trainieren sollte, bis er in Fleisch und Blut übergegangen weil sie den vorderen Fuß bewegen um ihre Hüfte für den
ist. Tritt (in die richtige Lage) zu positionieren.
Um den berühmten Schwertkämpfer Musashi zu zitieren: Aus einer neutralen Ausgangsstellung heraus sollte der
„Deine Kampfstellung sollte genauso sein wie deine Pendulum Step explosionsartig durchgeführt werden und
„alltägliche“ Stellung“. Was bedeutet, dass Beinarbeit (anschließend) geschmeidig in die Ausgangsposition
ebenso komfortabel und entspannt von Statten gehen zurückkehren.
sollte wie das (tägliche) Laufen. Beim Angriff ist Vorsicht geboten den Pendulum Step
Nachfolgend ein paar Tipps um den Push Shuffle zu nicht verfrüht einzuleiten.
verbessern: Wasting Time and Energy
Der Körper sollte sich als eine feste Einheit bewegen. Ein weiterer, häufiger Fehler besteht darin, auf- und ab zu
Ich finde es hilfreich mir vorzustellen, dass sich die Hüfte pendeln; was Zeit vergeudet und die Energieausrichtung
zuerst bewegt und die Füße nachfolgen. fehlleitet.
Du solltest einem „Farbblitz“ gleichen, ähnlich der Zweitens, sollte der Körper im Moment des Auftreffens
Abbildung mit der in Cartoons Geschwindigkeit nach hinten verlagert werden. Dies ermöglicht einen
visualisiert wird. maximalen, explosionsartigen Hüfteinsatz (bei der
Muhammad Ali verglich seinen Jab mit einer Ausführung) des Kicks und gewährleistet einen sicheren
„todbringenden Fliegenklatsche“. Abstand zur Mitte des Gegners.
Stell Dir vor beim Überbrücken der Distanz eine Fliege Wie schon beim Push Shuffle, sollte auch hier das
erwischen zu wollen, die sich einige Zentimeter vor (anschließende) Zurückkehren in die Ausgangsstellung
Deinem vorderen Fuß am Boden befindet. Ohne zu zögern schnell und geschmeidig vorgenommen werden.
Es ist wichtig, innerhalb des Pendulum-Schienbeinkicks

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Reichweite und Aktionsradius der eigenen Beine zu
kennen - anderenfalls blockierst Du Dir Deine eigenen
Waffen.
Bruce bezeichnete dies als die „Kenntnis von der
Kampfdistanz/Reichweite“.
Aus dem Fechten adaptiert, wird diese dazu verwendet,
die Reichweite einer Klinge, oder wie im JKD, die der
eigenen Arme und Beine einzuschätzen.
Viele „Alterfahrene“ der Kampfkunst behaupten:
„Kontrolliere die Distanz - und du kontrollierst den
Kampf.“
Zu punchen und zu kicken und sich nicht in eine Position
zu manövrieren wo man selber getroffen werden kann, ist
das ultimative (höchste) Ziel der JKD Beinarbeit.
Tanze nicht herum nur um der Bewegung willen. Klar,
kann man sich Musik auflegen und „umhershuffeln“ um
Leichtigkeit und Schnelligkeit in den Beinen zu
entwickeln. Ein Einstudieren der eher praktischen,
realitätsbezogenen Beinarbeit sollte jedoch nicht
vernachlässigt werden.
Man sollte dahingehend trainieren, kurze, plötzliche
Spurts in alle erdenklichen Richtungen durchführen zu
können.
Gestalte Deine Beinarbeit simpel, unmittelbar - und um
Bruce´s Definition zu zitieren, „spontan“.
Obwohl wir die JKD-Wachsamkeitsstellung, den Push
Shuffle und den Pendulum Step (thematisch) nur gestreift
haben, verlangt sämtliche Beinarbeit nach den gleichen
Qualitäten: Ein waches Gespür, gutes Distanzgefühl,
ausgeprägtes Timing und individuelle „Attitüde“.
Innerhalb der JKD-Beinarbeit bedient man sich einer
einfachen Regel: Will man vorrücken, bewegt sich der
vordere Fuß zuerst; beim Zurückgehen bewegt sich der
hintere Fuß zuerst. Die gleiche Regel wird auch in der
Seitwärtsbewegung angewendet: Geht man nach rechts,
bewegt sich der rechte Fuß zuerst; geht man nach links,
bewegt sich der linke Fuß zuerst.
Generell sollten innerhalb der Beinarbeit die Füße die
gleiche Schrittbreite beibehalten - dabei gut ausbalanciert
und geschmeidig sein.
Trainiere Deine Beinarbeit bis sie, wie das Gehen, zu
einem unbewussten Akt wird.

„Beherrsche“ Deine Beinarbeit und Du wirst den Kampf


beherrschen!

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