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Das Problem der transzendentalen Genese(Genesis) 1 bei Husserl und Deleuze

Seongkyeong Joung(Wuppertal, Promotion)

sonya.joung@gmail.com 2

Einführung

Husserls genetische Phänomenologie und Deleuzes Ontologie des Virtuellen stimmt in einem
Punkt überein: die Lebenswelt, die Welt der Repräsentation, in der wir „zunächst und
zumeist“ leben, ist das Produkt der Genese, die als passive und aktive Synthese konzipiert ist.
Die beiden Philosophien kollidieren jedoch entscheidend in der Frage, wie die Stufen dieser
Synthese aufgeklärt werden und wie darin der Status des Ich und des Bewusstseins und die
darauf bezogene transzendentale Dimension definiert werden. Zunächst ist es meine Aufgabe,
solche Kollisionspunkte ausreichend zu unterteilen und zu klären. Dieser Text wird entlang
folgenden vier Achsen fortgesetzt:
1) In Husserls Phänomenologie ist die transzendentale Genese(Genesis) die
transzendentale Konstitution des transzendentalen Ich. Dies gilt unabhängig davon, ob
diese Konstitution passiv oder aktiv ist. Die transzendentale Konstitution basiert auf
zwei Korrelationen, nämlich der Korrelation zwischen Noesis und Noema und darin
impliziert der Korrelation zwischen Noesis(Intentionalität) und Hyle. Aber innerhalb
dieser Prämisse des Korrelativismus kann der Ursprung der Hyle, die dem Bewusstsein
gegeben oder vorgegeben wird, nicht aufgeklärt werden.
2) Sowohl Deleuzes Philosophie wie Husserls sind „transzendentale“ Philosophien, aber
sie weisen grundsätzlich unvereinbare Unterschiede auf. 3 Während Deleuze viele
Begriffe von Husserls Phänomenologie (mit vielen Modifikationen) akzeptiert 4, lehnt er

1 Während Deleuzes französischer Begriff „genèse“ ist als „Genese“ auf Deutsch übersetzt, benutzt Husserl fast immer
„Genesis“ und nur seltsam „Genese“ in seiner Schrift. Aber zwischen beiden Ausrücke finde ich keine Unterscheidung.
2
Bei Fragen, Kommentaren, Bemerkungen, Hinweise, Vorschlägen, Kritik, usw. bezüglich dieses Textes, zögern Sie
bitte nicht, mir zu schreiben.
3 Depraz' Artikel, der die Affinität zwischen Deleuze und Husserl betont, macht dies nicht klar. Depraz, N. (2011). L ’

empirisme transcendantal : de Deleuze à Husserl L ’ empirisme transcendantal : de Deleuze à Husserl. Revue


Germanique Internationale, 13, 125–148.
4 Dies wird in den folgenden Studien näher erläutert: Alain Beaulieu, Gilles Deleuze et la phénoménologie ; Joe Hughes,

1
5
sie definitiv ab, indem er das transzendentale Feld als unpersönliches und
präindividuelles ansieht.
3) In Bezug auf Deleuzes Philosophie der Genese möchte ich die verschiedenen Schemata 6
in Différence et répétition(DR) und Logique du sens(LS) zusammenfassen. 7 Zwei
Genesen im LS werden aufgeklärt: die dynamische Genese in der Tiefe, das
transzendentale Feld als ihr Oberflächeneffekt und die statische Genese von dort in
Richtung Höhe. In der DR (und auch bis zu Deleuzes letzten Arbeiten) finden wir das
Schema der Aktualisierung des Virtuellen.
4) Das Gebiet „vor der Genesis“, das Husserl bei der Entwicklung von seiner genetischen
Phänomenologie erreicht und entdeckt hat, offenbart den Seinsbereich, der nicht im
Korrelativismus erfasst ist. Ich habe noch keinen festen Standpunkt zur Interpretation,
aber ich konnte mindestens darin zwei Richtungen auf den Monismus sowie auf den
Dualismus finden. Die dualistische Richtung, in der Husserl die Urvorkommnisse vor
allen Konstitutionsstufen bemerkt, kann vielleicht als eine gewisse
„Radikalisierung“ interpretiert werden. Insofern frage ich mich, ob sie in Richtung des
Bergson-Deleuzischen-Vitalismus interpretiert werden kann. 8

Deleuze and the Genesis of Representation.


5 Unter den Husserls Werke erwähnt Deleuze nur Ideen I, Cartesianische Meditationen und Erfahrung und Urteil.
6 DR(1968) und LS(1969), die in der ähnlichen Periode geschrieben wurden, haben unterschiedliche Schemata, da die zu

erklärenden Sachen unterschiedlich sind. Während DR, die die "Ontologie des Unterschieds" entwickelt, die Genese der
aktuellen Welt der Identität aus der virtuellen Welt der Differenz als Thema nimmt, nimmt LS, die die "Logik des Paradoxa"
entwickelt, die Genese von Sinn, Ausdruck und Sprache als Thema.
7 Deleuzes Werke, die sein System der Genese beschreiben, sind DR, LS, AO und MP. Ich verschiebe die Überprüfung von

AO und MP als zukünftige Aufgabe. In diesen Werken leitet Deleuze nicht nur die politischen Implikationen seiner
Philosophie durch seine Begegnung mit Guattari ab, sondern zeigt auch Veränderungen im ontologischen System, indem er
sich eher dem Begriff des Werdens(devenir) als der Genese.
8 Mir scheint, solche Verbindung kann mithilfe Michel Henrys „radikaler“ Phänomenologie finden.

1. In Bezug auf Henrys Monismus weist Lavigne auf seine dualistischen Konsequenzen hin: Henrys Dualität des
Erscheinens (des Lebens und der Welt) bezieht sich auf einen neuen Monismus des Lebens, der sich von dem
klassischen Monismus unterscheidet. Trotzdem läuft solch neuer Monismus wegen des Problems des Ursprungs des
Lebens auf einen Dualismus hinaus, weil Transzendenz, die im Monismus der Immanenz des Lebens entfernt wurde,
wieder als der Ursprung dieses Lebens auftaucht. - J-F. Lavigne, « Le monisme ontologique selon Michel Henry »
in Immanenz und Einheit (2015, von Markuns Enders herausgegeben).
2. Jean‘s Versuch, Henrys Immanenz des Lebens zur Deleuzes plan d’immanence zu verbinden : Jean, G. (2003).
« Deleuze et le problème de la vie » - vers une ontologisation du quotidien. Revue Du Céniphé, 3, 1–34. Und mir
scheint, dass Force et Temps Henrys Lebensphilosophie zur Tradition des französichen Vitalismus verbindet.
2
1. Husserl: die transzendentale Genesis ist die transzendentale Konstitution.

Im ersten Kapitel möchte ich zeigen, dass das Problem der Genesis in Husserl zum
Problemrahmen der Konstitution gehört. Eine Genesis bei Husserl ist immer eine passive oder
aktive subjektive leistende Funktion 9 , aber diese Funktion erklärt sich nur durch ihre
Interaktion mit der fremden(ex-timen) Hyle in dem ursprünglichen Korrelativismus. Innerhalb
dieser Konstitutionsproblematik bleibt ihren Ursprung jedoch ungeklärt.
Konstitution ist in Husserl ein zentraler Begriff zur Erklärung der Sinngebung der
transzendentalen Subjektivität. 10 Vor der Bernauer Zeit (1917-18) charakterisiert sich
Husserls Phänomenologie als statisch. Die statische Phänomenologie heißt laut Husserl die
„das fertige Gebilde des Seinssinnes“ auslegenden Geltungsanalyse. 11 D.h. sie ist die
Forschungen, die „die den Korrelationen zwischen konstituierendem Bewusstsein und
konstituierter Gegenständlichkeit nachgehen, 12 Da steht “ein Parallelismus zwischen Noesis
und Noema”, als „Konstituierende[m]“ und „Konstituierte[m]“. 13 Die Konstitution im
statischen phänomenologischen Sinne entspricht also der verschiedenen objektivierenden Akte.
Es sollte jedoch beachtet werden, dass die phänomenologische Konstitution keine
Erschaffung ist. Die konstituierende Noesis geht nicht von Nichts aus. Sie beginnt mit dem,
was ihr gegeben ist, und „beseelt“ es. Die Konstitution ist in diesem Sinne das „Mehr-
meinen“ 14 , d.h. mehr-als-gegeben-meinen. In diesem Sinne liegt die in der statischen
Phänomenologie behandelte Konstitution bereits im Rahmen der genetischen Problems.
Natürlich entspricht diese Konstitution der „aktiven Genesis“ als objektivierender
Apperzeption. Das Wichtigste hier ist, dass etwas, das eine andere Quelle als Noesis hat, bereits
in Noesis angegeben ist, bevor die Noesis ihr Noema konstituiert. Auf diese Weise wird die
Korrelation zwischen der „reinen Noesis“ und dem, was ihr „stofflich“ gegeben ist, hergestellt,

9 In den Vorlesungen zur passiven Synthese der 20er Jahre ist die passive Synthese noch nicht als Ich-Leistung charakterisiert,
aber in Husserls letzten Manuskripten der 30er Jahre wird sie mit der aktiven Synthese als Leistung des Ich erklärt. Siehe die
C-Manuskripte(Hua Mat VIII) : „Das transzendentale Ich als Pol von Affektion und Aktion”.(41) „Ichleistung, Affektion und
Aktion des Ich”, „Ich als Zentrum der Aktion und Affektion, Ich als fühlendes Ich“(122) In dritter und vierter Kapiteln meiner
Masterarbeit „Begriff der Hyle in Husserls Zeitlehre“(2019) wird es als vertikal-horizontale Struktur von Korrelation und
Konstitution erläutert.
10 Sokolowski

11
Hua Mat VIII S.5
12 Cf) Hua XIV, S.38
13
Hua III-1, S. 231, 228
14N-I Lee, Phänomenologie und Hermeneutik. (koreanische Verfassung, Die Anzahl der Seiten kann derzeit nicht überprüft
werden)

3
15
vor der Korrelation von Noesis-Noema. Die bereits im Bewusstsein
„gegebene“ Äußerlichkeit, ist, was Husserl „Hyle“ nennt. Ohne diese kann Noesis keine
„konkreten“ Bewusstseinserlebnisse, d.h. „konstitutiv“ sein und keine Noema konstituiert. Vor
der Korrelation von Noesis-Noema besteht bereits eine genetisch ursprünglichere Korrelation
von Intentionalität-Hyle, von Form-Materie.
Aus der Entdeckung der Tatsache, dass keine Seiten von dieser zweiten Korrelation
letztendlich ursprünglich sind, d.h., dass sie die anderen ursprünglicheren Konstitutionen
davon voraussetzen, konfrontiert die Konstitutionsproblem eine weitere Herausforderung.
Weder „reine“ Noesis kann ohne sie durchführen noch ihr Stoff ist ohne sie gegeben. Jetzt
handelt es sich um die passive Synthese: die aktiv konstituierende Noesis enthält die passive
Konstitution als ihre Voraussetzung; die der Noesis gegebene Hyle ist durch diese passive
Konstitution konstituiert. Selbst innerhalb der passiven Synthese wird diese Korrelation von
Intentionalität-Hyle jedoch nicht aufgegeben. Passive Synthese ist kein objektivierender Akt,
aber wird doch durch die Interaktion des Bewusstseins und seiner Korrelate in den
verschiedenen passiven Stufen aufgeklärt: beim inneren Zeitbewusstsein liegen die doppelten
retentionalen Modifikationen von der Urimpression; bei der Urassoziation liegen die
Ausbildungen eines Sinnesfeldes nach der Verschmelzung und Abhebung des strömenden
Hyle; bei der Affektion liegen die hyletischen Einheiten aus dem Reiz des Sinnesfeldes und
Reaktion des Ich; beim Instinkt liegt die ichfremde Welt als Korrelat des Triebsystems des Ur-
ich, …
Aber der Ursprung der ersten Hyle bleibt jedoch innerhalb dieser Erklärung ungeklärt. Sie ist
eine „Äußerlichkeit in mir“ aber nur magisch vorgegeben. Es hängt erstens mit der
Ungleichheit dieser Korrelation zusammen. Unter den beiden Momenten, die zur Konstitution
als konkreten Erlebnisse gehören, ist die Fähigkeit, mit der Konstitution zu beginnen, immer
der Intentionalität zugeordnet und die Welt stellt ihr ihren Stoff bereit. Aber die Frage, wie die
Welt die Materie von Intentionalität bereitstellt, ist dennoch in der Ich-Funktion nicht erklärt.
Sollte man sagen, dass die allererste Hyle als nicht konstituiert vor dem konstituierenden Ich
nicht IST? Selbst wenn wir die Perspektive von Gegebenheit zu Vorgegebenheit verschieben,
ändert sich das Problem nicht, solange diese Vorgegebenheit das, was früher als Korrelat des

15
Hua III-1, S.230-231
4
Bewusstseins schon konstituiert wurde („sekundäre Passivität“, EU §67 b)) oder was jetzt neu
konstruiert wird (primitive Passivität), ist, aber nicht das, was noch nie konstituiert wurde oder
konstituiert wird. Was wäre, wenn wir über eine grundlegendste Korrelation von Ich-Ichfremde
sprechen? Aber könnte das Ichfremde wirklich das Ichfremde sein, wenn es nur ist, solange es
dem Ich gegeben ist? Oder, hat die Phänomenologie gerade an diesem Punkt keine andere Wahl,
als das äußere Ding an sich in seinem System zu akzeptieren, das Ding, das das Ich affiziert,
damit es seine Konstitution zu beginnen lässt?
In der Tat gibt Husserl zu, dass die Faktizität der ursprünglichen Welt niemals aus der
Genesis in dem Sinne von Konstitution erklärt werden kann:

„Aber es ist sehr schwer, diesem Problem der richtunggebenden Voraussetzungen der
Konstitution, gewissermaßen dem der Urmaterialien, mit denen sie immer schon
operiert und die genetisch-ursprünglich schon vorangehen, methodisch beizukommen,
also zu wirklicher auf- und nachweisenderAnalyse zu kommen.(Hua XXXIX, S.476) 16

Ich werde in Kapitel 4 weiter über Husserls andere Analysen diskutieren, die solcher
grundlegenden Orientierung zu widersprechen scheinen.

2 Das dogmatische Bild des Denkens : Deleuzes Kritik an Husserl

2.1 Bedingung der Möglichkeit und Genese der Differenz an sich selbst

Wenn es um eine transzendentale Genese geht, laut Deleuze, sollte diese Genese keine
„mögliche“, sondern eine "reale" Bedingung der Erfahrung sein.(DR 95, 200, 254, 210) Wenn
er so behauptet, ist zuerst Kants transzendentale Philosophie, die er ablehnen möchte. Die
Kategorien, die Kant vorschlug, um die apriorischen Erfahrungsbedingungen zu klären, sind
die mögliche Bedingungen für eine „objektive Gegenstandvorstellung“. Aber die Möglichkeit
ist eine logische Form, die durch die formalen Regeln verwirklicht. So wie die Formel 1 + 1 =
2 aus der Regel, die eine mathematische Operation ermöglicht, objektive Gültigkeit = Realität

16 Dies gilt auch für die Zeitigung, die „Urgenesis“(ibid, S.563). Zeitigung geschieht nicht ohne die gegebenen sinnlichen

Impressionen oder ohne die Ichspaltung durch sich reflektierenden Blick auf das Bewusstsein selbst, während der Status
dieses Gegebenen immer nur als das „Stoff“ der gebenden Leistung erklärt.
5
erhält, ist ein Urteil, in dem die Kategorien der entsprechenden Anschauung bestimmen, wahr
und hat die Realität als objektive Gültigkeit.
Die Operation oder das Urteil wäre jedoch unmöglich ohne die Aktualisierung der virtuellen
Fähigkeiten des Subjekts als die Durchführung realer Operationen oder Urteile in
raumzeitlicher Dynamik, indem es sich auf die Dimension entsprechender Regeln einstellt und
die jedem Term entsprechende Synthese ausführt.(DR 269, 272-273, 281) Die Aktualisierung
des Virtuellen wird bei Deleuze als Genese bezeichnet.(DR 237) Deleuze bezieht sich in seinen
Werken mit verschiedenen Namen auf diesen Begriff der Genese: genèse(LS), actualisation
(Bergsonisme, DR), apprentisage (Proust), individuation(DR), processus de production(AO),
création, devenir(QP) 1718
Wie unterscheidet sich also die Aktualisierung der Virtuellen von der Realisierung der
Möglichen? Während das Mögliche nachträglich aus den realen Erfahrungen hergestellt
werden soll, indem es unter der Form der Identität des Begriffs subordiniert wird(DR 273), wie
die Tabelle der Kategorien von der Tabelle der Urteile deduziert wird, ist das Virtuelle die
„Differenz an sich selbst“, die in dieser Form der Identität noch nicht subsumiert ist. Wenn die
Besonderen bei der Subsumierung im Allgemein wiederholt werden, solange sie die Beispiele
für das Allgemeine sind, ist die Differenz zwischen den Besonderen die identifizierte
begriffliche Differenz. Die Aktualisierung, die Kraft, dies zu ermöglichen, ergibt sich aus der
wimmelnden Differenz an sich selbst als „Affirmation“ ohne Negation (DR 78), „die Differenz
im Verlauf ihrer Differenzierung”(DR 79), das Sein UND das Nicht-Sein, das differentielle
Element (DR 89), das Prinzip der Genese, das Transzendentale und das Virtuelle.
Das Virtuelle als solches ist dem Aktuellen keineswegs ähnlich; das Transzendentale, das
vom identischen Begriff nicht subsumiert wird, ist keiner unter seiner Herrschaft liegenden
Empirischen ähnelt. Das Transzendentale kann nicht dem Empirischen ähneln; die Bedingung
kann nicht dem Bedingten ähneln.(LS 120, 128) Also der Erfolg oder Misserfolg von Deleuzes
Differenzphilosophie würde davon abhängen, dass diese Differenz außerhalb des Begriffs auf
positive Weise offengelegt werden könnte. Deleuzes Strategie dafür ist es, sie in der Bewegung
der Genese aufzudecken.

17Hughes, Deleuze and the Genesis of Representation, p.16


18Wir könnten natürlich zwischen der Genese der Vorstellung und der echten, eigentlichen Genese unterscheiden, aber in
unserer jetzigen Arbeit wird es noch nicht untersucht.

6
2.2 Das Durchpausen(décalquer) des Transzendentalen auf das Empirische
Husserls Problem aus Deleuzes Sicht besteht zunächst darin, das transzendentale Feld als eine
Nachahmung des Empirischen zu betrachten. (LS119, DR186) Die von Husserl entdeckte
Problematik der Genese ist nicht einen Schritt weiter von Kant entfernt, solange er in seiner
gesamten genetischen Analyse das Schema von Morphe-Hyle, das in der empirischen Welt gilt,
zur transzendentalen Ebene anwendet.
Deleuze stellte unterschiedliche ontologische Status für das Transzendentale als
Konstituierende und das Empirische als Konstruierte ein und fand dadurch die Grundlage für
den höheren Empirismus(empirisme supérieur, DR 186) in seinem Potenzial der
Transformation der empirischen Welt der Repräsentation. Husserl unterscheidet zwischen
empirischen und transzendentalen, aber das Transzendentale kein unabhängiges Sein hat, als
das, das es als Empirisches ist, solange die transzendentale Auslegung in der transzendentalen
Einstellung den echten konstitutiven Seinssinn der Erfahrung erklären soll. Für Husserl ist das
Gegenteil des Transzendentalen eine natürliche Einstellung und nicht ein Empirisches. Daher
ist für Husserl das transzendentale Feld kein Feld, in dem man eine andere Ordnung als die
Erfahrung suchen kann, sondern ein Feld, in dem man die wesentliche Struktur der Erfahrung
entdecken kann.
Für Deleuze hängt also das Problem der transzendentalen Genese davon ab, wie ihr
einzigartige Bereich festgelegt und erklärt werden soll, und zwar nicht auf eine Weise des
Durchpausens des empirischen Feldes auf das transzendentale Feld 19, das weder Ichzentrum
noch Individuationszentrum ist.(LS 121, DR154)

2.3 Doxa, Urdoxa und Paradoxa


Doxa, die bei Husserl das Seinsglauben bedeutet, basiert auf Urdoxa, der urpassiven Grundlage.
Im Gegensatz zur Doxa, die einzelnen Objekte als Seiende setzt, ergibt sich die Urdoxa nur als
universale Tendenz zur Identität in Differenzen. Urdoxas Korrelat ist ein Substrat als Einheit,
aber seine Identität wird nicht erfasst und erhalten, sondern fließt weg. Aus der genetischen

19 « un champ transcendantal … se distingue de l’expérience, en tant qu’il ne renvoie pas à un objet i n’appartient à un
sujet (représentation empirique). Aussi se présente-t-il comme pur courant de conscience a-subjectif, conscience pré(réflexive
impersonnelle, durée qualitative de la conscience sans moi. » “L’immanence: une vie..”, dans Deux régimes de fous,(2003)
p.359
7
Hinsicht stammen die einzelnen Erfassungen immer aus dieser Urdoxa als der zugrunde
liegenden passiven Grundlage.(Erfahrung und Urteil, S.60)
Aber Deleuze sagt: selbst wenn eine Philosophie die bestimmten Erfahrungssätze nicht
akzeptiert und nach seiner Begründung fragt und so die Urdoxa entdeckt, lässt sie sich nicht
auf ihre eigene Dimension ein, solange sie die Form und das Modell der Doxa bewahrt.
(DR175) 20 Was Philosophie sich von Wissenschaft unterscheidet, ist nicht, den Archetyp von
Doxa in Urdoxa zu finden, sondern das transzendentale Feld zu verfolgen, das die Bedingung
für das gesunde Menschenverstand(bon sens) und den Gemeinsinn(sens commun) ist, die Doxa
ausmachen, und dadurch ihre Relativierung zu schaffen. Was vor Doxa existiert, ist Paradoxa,
das Doxa annuliert. (LS 97, DR 293)
In Deleuze befindet sich dieses Paradoxon in der transzendentalen Dimension des Sinnes als
Oberflächeneffekt. So wie die Bedeutung 21 in Husserl jenseits der psychophysischen
Dimension existiert, ist auch der Sinn als Oberflächeneffekt in Deleuze nicht körperlich. In
Husserl existiert die Bedeutung jedoch nicht unabhängig von einem Objekt, während in
Deleuze hat der Sinn nichts mit einem identischen Objekt zu tun. Der Sinn ist gleichzeitig der
Unsinn und charakterisiert sich als Paradoxon, in dem zwei widersprüchliche Richtungen
koexistieren. Ausgehend von der Oberfläche dieses "Sinn-Ereignisses" werden beiden
Prinzipien des gesunden Menschenverstandes und des Gemeinsinnes und von diesen Prinzipien
der Welt der Repräsentatioin findet das doppelte Genese des Satzes und des Objekts statt. (LS
145)

3. Systeme der Genese bei Deleuze

In diesem Kapitel stelle ich die Schemen der Genese vor. Das LS-Schema besteht aus der
dynamischen und statischen Genese in der Tiefe und der Höhe und das DR-Schema besteht aus
der Aktualisierung des Virtuellen, die als ein System der Differentiation - Individuation -
Differenzierung bezeichnet werden kann.

20 Cf) DR 179 ; LS 118-119 ; QP(2005) 142-143, 150


21 Husserl unterscheidet nicht so stark zwischen Sinn und Bedeutung, aber er benutzt lieber Bedeutung, wenn es um eine
logische Bedeutung geht.

8
Beide Schemata bestehen aus einer dualistischen Domäne. In LS besteht es aus Tiefe und
Höhe, in DR aus der Welt virtueller Idee und der Welt aktueller Repräsentation. Die beiden
Schemata haben eine generative Folge von Tiefe zu Höhe, von Virtuellem zu Aktuellem.
Obwohl diese beiden Schemata miteinander verwandt sind, stimmen die Sachen nicht überein,
und es gibt geringfügige Unterschiede. Ziel dieses Kapitels ist es, diese Relevanz und diesen
Unterschied aufzudecken.

3.1 Das Schemata von Logik des Sinnes : Tiefe, Höhe und Oberfläche

Die Tiefe ist eine Mischung von Körpern. Wir können uns hier die Welt der reinen Bilder in
dem ersten Kapitel der Matière et mémoire von Bergson vorstellen. In jedem Fall erklärt
Deleuze sie mit den psychoanalytischen Theorien über Entwicklungsstadien von Säuglingen.
In dieser Tiefe finden Synthesen statt, die Deleuze als „dynamische Genese“ bezeichnet.(LS
27-34. Serien) Deleuze erklärt diese Synthese in drei Stufen: Konnexion, Konjunktion und
Disjunktion.
Die erste Synthese, die Konnektive Synthese, ist die Art, bei der ein Säugling zuerst mit den
körperlichen Flüssen in Kontakt kommt. Die Tiefe ist voller Lärm. (LS 225/239) Zwischen
diesem Lärm kommt eine Stimme, die eine Einheit ist und sich von diesem Lärm unterscheidet.
Sie ist eine Synthese, die die Entwicklung des Egos beginnt, indem sie die Tiefe von
„Es“ überwindet und Teiloberflächen um die erogene Zone erzeugt. Der Körper der Mutter
(Brust) bildet ein Teilobjekt.
Die zweite Synthese, die konjunktive Synthese, ist die Stufe, in der der Säugling ein Bild von
seinem gesamten Körper produziert. Er nimmt das Bild des Vaters, der Phallus oder das Über-
Ich als Einheit.
Die dritte Synthese wird als disjunktive Synthese beschrieben, die die erste und zweite
Synthese synthetisiert. Durch diese Synthese repräsentiert das Ego die eigenen Absichten, das
Willensverhalten im Allgemeinen. Der Versuch, das Bild des Teilobjekts und des Vaters durch
diese Willenshandlung zu vereinbaren, schlägt jedoch fehl. Dies ist das Stadium von Ödipus
und Kastration. Durch diese Kastration und das Versagen der Synthese wendet sich das Ego
der Oberfläche des nicht-physischen und metaphysischen Denken zu, anstatt der vollständigen
physischen Oberfläche. Dies ist ein Schritt der „Sublimation“. Durch diese dritte Synthese wird

9
schließlich ein transzendentales Feld als Nicht-körperliche-Oberflächenwirkung etabliert.
Dieser Oberflächeneffekt zeichnet sich auch durch den Sinn als reines Ereignis aus. Diese
Oberfläche ist das unpersönliche präindividuelle transzendentale Feld, aus dem Singularität
freigesetzt wird. 22
Andererseits unterscheidet sich das transzendentale Feld auch von der Welt der
Aussagenurteile, die Objekte darstellen. Zur sprachlichen Welt tritt eine andere Genese von
der Oberfläche aus auf, d.h. eine statische Genese(16, 17. Serien) Deleuze nennt auch statische
Genese als Verwirkung(effectuation).(16. Serie)
Hierbei ist zu beachten, dass diese statische Genese nicht vom Ego oder Ich, sondern vom
vorpersönlichen transzendentalen Feld ausgeht und somit sie nicht als aktive, sondern auch als
passive Genese charakterisiert wird (LS 141). Subjekt(Manifestation) und
Objekt(Bezeichnung), die von einem Satz vorausgesetzt werden, werden innerhalb der
statischen Genese mit Hilfe von den Prinzipien des gesunden Menschenverstandes(bon sens)
und des Gemeinsinnes(sens commun) schließlich konstituiert.
Die erste Ebene der statischen Genese ist das Auftreten des Individuums durch Individuation
aus dem transzendentalen Feld. Auf dieser ersten Ebene der Verwirkung entsteht der Komplex
der Individuum-Welt-Interindividualität. Auf der zweiten Ebene erscheint das Etwas-X. Die
erste Ebene nennt Deleuze immer noch „passive Genese“. Deleuze sagt nichts über die zweite
Ebene, in der das Etwas-X vorkommt, aber ich verstehe es als aktive Genese.
Die erste Ebene der Verwirklichung ist in zwei Etappen der passiven Genese unterteilt. Die
erste Etappe erzeugt die Umwelt, in der das „Prinzip eines gesunden Menschenverstandes“ als
einer „schon feststehenden und seßhaften Organisation der Differenzen“ bildet. Dann kommt
eine zweite Etappe, die gemeinsame Welt, in der sich „das Prinzip eines Gemeinsinnes als
Identifikationsfunktion“ bildet.(LS 141) Die drei unterschiedliche Beziehungen, die im Satz
impliziert werden, d.h. Bezeichnung(désignation) des Objektes, Manifestation des Subjektes
und die Bedeutung(signification) werden auf der Grundlage des Prinzips von gesundem
Menschenverstand und Gemeinsinn hergestellt.
Tiefe und Höhe können als empirische Domäne angenommen werden, und nur die
Oberfläche kann als transzendentale Domäne angenommen werden. Deshalb charakterisiert
Deleuze sowohl Tiefe als auch Höhe als Chronos und nur die Oberfläche als Äon. Das passive

22 Hughes, pp.31-35, bezüglich der oben beschriebenen drei Synthesen


10
Ego der Affektion und Impuls in der Tiefe und das intersubjektive Ego als Subjekt von Sprache
und Ausdruck in der Höhe sind etabliert, aber beide befinden sich nur empirische Ego. Das
transzendentale Feld hat kein Ego, kein Individuum, sondern Singularität.

3.2 Das Schemata von DR : das Virtuelle und das Aktuelle


Die Position des Transzendentalen im DR-Schema vom Virtuellen zur Aktuellen ist gemäß
der Erklärungsweise etwas fließend, aber normalerweise bedeutet das Transzendentale das
gesamte Virtuelle, dh die gesamte Intensitätstiefe. Aber im engeren Sinne entspricht das
Transzendentale, d.h. das Virtuelle, nur der Idee. Das Aktuelle, das sich aus der Aktualisierung
der Idee ergibt, wird als Welt der Repräsentation verstanden.
Idee (Kapitel 4) und Intensität (Kapitel 5) werden als transzendental zusammengesetzt aber
sie sind unterschiedlich. Die Idee kann einfach als unsinnlich und Intensität als sinnlich
verstanden werden. Deleuze sagt, dass die Idee deutlich-dunkel(distinct-obscur) ist, während
die Intensität klar-verworren(clair-confus) ist.
Sofern die Idee deutlich-dunkel ist, ist sie völlig bestimmt und (infinitesimal) differentiell 23
aber nicht „differenziert“ in dem Sinne des aktuellen Unterschiedes z.B. in einem ausgedehnten
Raum. Sie hat die Differentialverhältnisse. Diesbezüglich kann man sich vorstellen, dass sehr
feine kleine Partikeln deutlich untereinander segmentiert sind(deutlich), aber kein Ganze als
wahrnehmbar haben(dunkel). Deleuze gibt ein Beispiel für alle Wassertropfen des
Meeres.(DR325/318) Aus Sicht der Psychoanalyse ist sie das Unbewusste, das seine eigenen
Gesetze hat(deutlich), aber nicht das Ganze als Einheit klar wahrgenommen wird(nicht-clar,
dunkel). Ihre Bewegung nennt „Perplikation“. Wichtig ist, dass die Idee als nicht-sinnlich durch
die sinnliche Intensität hindurch als die Quelle der Genese der repräsentativen und begrifflichen
Welt besteht. Perplexion mit „pli“(Falt) ist ein Wort, das mit Explikation als einer Bewegung
zur Aktualisierung der Intensität und der Implikation als einer Bewegung der Intensität, die
das Keim(Distanz) des Aktuelles(Ausdehnung, Qualität) in sich impliziert, gepaart ist.
„perplexe" bezieht sich auf einen verlegenen Zustand in Französisch. Dies ist natürlich ganz
anderes als eine bewusste Verlegenheit.(DR 359) Es ist eine Metapher für einen Sachverhalt,
in dem der Idee, die ohne Material fließt, Bewegung und Bestimmung durch die Intensität

23 Das bezieht sich auf die Differentialmethode, besonders von Leibniz.

11
erzwungen werden. Diese erzwungenen Bewegungen bringen wahre Gedanken hervor.(DR
183/182; 325/318)
Die Intensität drückt Differentialverhältnisse der Idee aus(exprimer). Sofern sie klar-
verworren ist, umfasst unsere Wahrnehmung ihre Ganze wie die Wahrnehmung des
Meeresrauschens(klar), ist sie aber nicht klar segmentiert.(nicht-deutlich, verworren) Die
Intensitäten werden „voneinander impliziert, wobei jede einzelne ihrerseits
umhüllend(enveloppante) und umhüllt(enveloppée) ist.“(325) In der Bewegung der
Implikation der Intensität ist das Umhüllende die Tiefe und ist das Umhüllte die Höhe.
Intensität hat die singulären Punkte, die aber noch nicht individuell sind. Im intensiven Feld
individuiert sich das Individuum.
Die Intensität kann einerseits sinnlich werden(DR 296), da die Differenz in der Intensität
eine gewisse Größe ist. Andererseits ist die Intensität nicht an sich sinnlich, da die differentielle
Differenz der Idee, die die Intensität birgt, in der viel kleinen Zeit als dem Minimum der Zeit,
die uns erfasst werden kann, geschieht.(Dialogue179) 24 Die Kraft, die Intensität hat, zur
Aktualisierung der Idee ist ein „dunkler Vorbote“ (sombre précurseur, DR 157, ID135-136) Er
wirkt die Kopplung(couplage), innere Resonanz und erzwungene Bewegung.(DR364/354;
ID136)
Um diese metaphysische Situation zu erklären, zieht Deleuze viele Beispiele aus den
formalen Wissenschaften (Differentiale, Gruppentheorie, Riemanns Geometrie) und
empirischen Wissenschaften (embryonale Biologie, Entwicklungspsychologie, insbesondere
psychoanalystisch). Unter ihnen ist ein Beispiel aus der Embryonenbiologie vielleicht am
einfachsten zu verstehen. 25
Im Ei gibt es der Zellkern und das Zytoplasma. Der Kern mit der Gene bezeichnet die
Differentialverhältnisse der Idee, „die das präindividuelle, zu aktualisierende Feld bilden“.
Aber diese Aktualisierung erfolgt immer durch Intensität, hier durch das Zytoplasma, das die
Gradienten und Individuationsfeldern hat.(DR 323/316) 26 Der Kern aktualisiert mit dem
Zytoplasma als seine Materie; die Idee aktualisiert mit der Intensität als ihre Materie. 27

24 Cf) Bergson, MM, 230-231


25 DR 323/316, Albert DALCQ, L'oeuf et son dynamisme organisateur (Albin Michel, 1941), pp. 194 sq.
26 Die Zahl nach dem Schrägstrich(/316) ist die Anzahl der Seiten in der deutschen Übersetzung von Joseph Vogl(Wilhelm

Fink Verlag)
27 Dies kann nicht als Form-Materie-Schema im klassischen Sinne verstanden werden. Dies sollte vielmehr als die Beziehung

zwischen den ihre eigenen Formen enthaltenden Materien wie bei Simondon verstanden werden. Deleuze verwendet natürlich
Simondon bezüglich des Begriffs der Individuation. (DR 316-317) Diesbezüglich: unter den in Korea veröffentlichten
12
Der erste Schritt der Aktualisierung ist die Individuation in der Intensität. Das aus der
Intensität geborene Individuum ist weder Ich noch Person. Wenn es noch nach einem Subjekt
klassifiziert werden muss, muss es als «Larve-subjekt» oder «Embryo» bezeichnet werden.(DR
277-278)
Die Welt der begrifflichen Repräsentation entsteht aus diesem Intensitätsfeld durch
Differenzierung. Mit dieser Bewegung der Explikation und Entwicklung(developpement)
treten die Ausdehnung und Qualität auf, und damit verschwindet die Differenz von selbst (DR
293), oder genauer gesagt, ist diese in dieser Ausdehnung impliziert. (DR 296)
Die Aktualisierung oder Dramatisierung vom Virtuellen zum Aktuellen wird auch als die
drei passive Synthese der Zeit erklärt: 1) die erste Synthese der Gewohnheit, die die lebendige
Gegenwart ausmacht; 2) die zweite Synthese des Gedächtnisses, die die reine Vergangenheit
ausmacht; 3) die dritte Synthese der leeren Form der Zeit, die die Zukunft und
erschrockene(affolé) Zeit ausmacht. Diese drei Synthesen habe ich als innerhalb der Intensität
geschehenen Synthesen verstanden, und ich glaube, sie der dynamischen Genese in LS
entsprechen. Um dieses Verständnis zu bestätigen, muss sie jedoch die in AOP erwähnte
passive Synthese umfassend interpretiert werden. Daher wird die Arbeit zum Verständnis von
Deleuzes Zeittheorie im Allgemeinen als nächstes verschoben.
Das Letzte, was ich in diesem Kapitel hervorheben möchte, ist, dass das Schema von
Virtuellem und Aktuellem in der DR bis zu Deleuzes späteren Jahren andauert und schließlich
zu einem Monismus des Virtuellen führt, das als „le plan d’immanence“ und schließlich „UNE
VIE“ bezeichnet wird. "Une vie ne contient que des virtuels."„Zum Leben gehört nur das
Virtuelle“(„L’immanance: une vie…“ in Deux régimes de fous, p.363) Also, was ist mit der
Aktualität? In dem Manuskripte, das dem obigen Text folgt, sagt Deleuze: "Le plan
d'immanence comprend à la fois le virtuel et son actualisation, sans qu'il puisse y avoir de
limite assignable entre les deux. L'actuel est le complément ou le produit, l'objet de
l'actualisation, mais celle-ci n'a pour sujet que le virtuel. L'actualisation appartient au
virtuel."(„L’actuel et le virtuel … l’actuel lui-même est l’individualité constituée.“ in Dialogue,
p.180-181) Das Aktuelle ist das Konstituierte als expliziertes Virtuelle und das Virtuelle ist das

einführenden Texte von Deleuze gibt es einige, die intensive Bewegung der virtuellen Idee mit der Li(理)-Chi(氣) des
Neukonfuzianismus interpretieren. Ich konnte jedoch keinen vollwertigen Forschungsaufsätze finden.
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Konstituierende als impliziertes Aktuelle. Das Konstituierende und das Konstituierte
koexistieren, insofern, jedoch, dieses zum jenem gehört.

4. Husserls Monismus und Dualismus


In Kapitel 3 habe ich gezeigt, dass bei Deleuze das Virtuelle (=das Transzendentale =UNE VIE
= le plan d'immanence) immer das Konstituierende ist, aber dass es in ihm kein
transzendentales Ich gibt, welches solche Konstitution beherrschen könnte, und dass nur das
empirische Ego zwar auf inkonsistente Weise scheint. Im Gegensatz dazu, wie ich in Kapitel
1 bestätigt habe, die Genese oder die genetische Konstitution in Husserl immer die Ich-
Leistung oder die Funktion der transzendentalen Ich. Wegen der ursprünglichen korrelativische
Voraussetzung wird diese Ich-Leistung nur durch die Interaktion mit dem, was als Ichfremdes
festgelegt wurde, erklärt. Dieses Ichfremde (Hyle) bleibt trotzdem immer ungeklärt, während
es mal als nicht-konstituiertes mal als konstituiertes angesehen wird. Im Gegenteil wird der
Ursprung des Ich immer als selbstverständlich Konstituierendes angesehen. In Husserls
Problematik scheint, zwischen dem Monismus (was konstituiert, ist immer transzendentale
Subjektivität und ihre Korrelate sind immer konstituiert) und dem Dualismus (was als Stoff für
Konstitution vorgegeben ist, ist noch nicht konstruiert) zu schwanken.
Ich überprüfe in meiner Promotion diesbezüglich Husserls Manuskripte in den 30er
Jahren(Hua 15, 34, 39, 42 und C und D Manuskripte), die den Ursprung dieser Genese in zwei
sich einander ergänzenden Richtungen untersucht: der Zeitigung (besonders in der C-
Manuskripte) und der Urkonstitution (besonders in der D-Manuskripte). Natürlich habe ich
noch nicht genug die Texte gelesen, daher habe ich noch keine bestimmte
Interpretationsrichtung. Dieser Forschungsbereich wurde unzählige Male untersucht und ist
immer noch Gegenstand zahlreicher Debatten. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob mein
Problemrahmen gültig ist. Trotzdem wage ich hier, eine Interpretationsrichtung aufzuzeigen.
Im Folgenden werde ich erst zeigen, wo sich Husserl auf eine monistische Prämisse
konzentriert, um wahrscheinlich dieses Problem zu lösen, und wo er sich einer dualistischen
Situation nähert, die auf diese Weise nicht gelöst wird.

4.1. Monismus : „Ich bin ich“ und Monade

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Husserls Betonung auf den Monismus wäre greifbarst in einem Ort, wo Husserl in den C-
Manuskripten „Ich bin ich“(Hua Mat VIII, S.122) 28 sagt. 29
Ich bin immer ich, nicht anderes, aber alles, was ich gegenwärtig (Gegenstände und ihr
Ganze) oder vergegenwärtig (Andere, Kultur und Geschichte) konstituiert, kommt in mich
zurück und wird die Monade, die das gesamte Universum in sich enthält. Die Monaden, die
sich miteinander als Monaden konstituieren, werden ein intermonadisches Ganze und dann die
transzendentalen All-Monaden. In dieser Richtung muss eine Monade nicht mehr das
menschliche Ich bedeuten. Jetzt umfasst die Monade als Ganzes alle organischen Lebewesen,
die ihren eigenen Lebensimpuls haben und damit ihre Welt bilden.

Menschenmonaden, transzendentales Menschentum und transzendental konstituierte


humane Welt. In ihr sind konstituiert Tiere, und die Rückfrage führt auf tierische
Monaden. Was ist das für ein transzendentales Verhältnis in der Monadenwelt, dass das
menschliche Monadenall ein tierisches Monadenall in sich schliesst? Und wie weit reicht
das Einfühlen und die "Anomalität"? Organische Wesen als transzendentale Phänomene
und reduziert auf Monaden. Ein Organismus ein Monaden"konnex" ?(Hua 15, S.611)

Es gibt jedoch zwei Einschränkungen für diese Radikalisierung der transzendentalen Ich.

1) Unter diesen Monaden werden die Lebewesen, die nur die Konstitution der unteren
Ebene durchführen, und das ausgezeichnete Lebewesen, das bis zur höchsten Ebene
der Konstitution erreichen kann, hierarchisch aufgeteilt. Husserls Monadenlehre, die
auf den ersten Blick mit Deleuze in Resonanz zu stehen scheint, zeigt an dieser Stelle
tatsächlich eine völlig andere Richtung.
2) Alle Seienden sind in den universalen Genesen der Monadenall mit dem Status des
Konstituierten enthalten. Materie, Natur, wird immer das, was in Monaden konstruiert,
nicht die Monaden. Das Problem der „Transzendenz in der Immanenz“ synthetisiert

28 „Ich bin Ich – Zentrum der Ichlichkeiten, aber ich bin nur als Ich eines Feldes von assoziativ verbundenen Einheiten, in

das alles ichlich Gezeitigte einströmt und assoziative Zeitlichkeit hat.“


29 , während Deleuze « je est un autre » (DR p.82) sagt.
15
als „intentionales Ineinander und reelles Aussereinander der Monaden“(Hua 15, S.371).
Die Welt und das Andere, die eine Monade „intentional“ konstituiert, sind „reell“ in
dieser Monade enthalten. In diesem extremen Monismus muss die Frage nach der
"Äußerlichkeit" oder "Hyle" nicht mehr gestellt. Jede Achse, die die Transzendenz
anweist, ist immer "Transzendenz in der Immanenz". Sie werden immer nur in der
universellen Konstitution der Monaden erklärt. Aber das Problem ist nicht gelöst, es
ist nur verschwunden. Husserl sagt, "das transzendentale Monadenall mit allem darin
transzendental Konstituierten."(hua 15, S.75) Kann dies "mit" nur von einem der
Beiden erklärt werden? 30

Aber in anderen Passagen, in denen Husserl von "Vor-Genesis" spricht, sehe ich eine andere,
dazu irreduzible Tendenz. Husserl wendet sich dieser anderen Richtung zu, indem
hauptsächlich die Konstitution des Leibes und die ursprüngliche Weltkonstitution.

4.2 Dualismus : Vor-Genesis

4.2.1. Ich bin Ichfremdes : Kinaesthese und Hyle

In einem Manuskript, das um 1932 geschrieben wurde, denkt Husserl über Folgendes nach:
„Kinästhese und Hyle : Regelmässiges Miteinander der ichliche Kinästhase und der
mitverlaufenden Hyle“(D10, Bl.20) 31

Im ursprünglichen Rahmen von Husserl bedeutet Kinästhese die eigene leibliche Empfindung
des Ich, und Hyle bedeutet eine ichfremde Einheit, die das Ich affiziert und schließlich zum
Objekt konstituiert wird. Aber fragt Husserl hier, „Sind die Kinästhesen selbst nur eine
Sonderart einer allgemeinsten Gattung Hyle?“ und antwortet, dass sie „verworrene Einheit der
gesamten Hyle, in sich ungeschieden, eine verworrene Totalaffektion“ ist. Diese Hyle als

30 „jede <Monade> eine primordiale Natur gesondert konstituierend, aber in der Synthesis, die das Monadenall schafft, eine
identifizierende Synthesis, konstituierend die eine Natur, in Bezug auf welche jede primordiale <Natur> einzelmonadische
Erscheinungsweise derselben Natur ist.“(Hua 15, S.637)
„In der konstituierten Natur haben die Leiber durch ihren konstitutiven Ursprung bzw. ihre konstitutive Funktion einen'
Vorrang. Alle Naturobjekte und auch die körperlichen Leiber unter ihnen setzen voraus, dass (zunächst primordial) Leiber
als Stätten des Waltens Ichsubjekte, monadisch, der monadischen Ich sind. Jeder Leib ist fest "verbunden" mit seinem Ich
und dessen leiblichem Walten, schließlich dem ganzen monadischen Leben der betreffenden Monade.“(Hua 15, S.637)
31 Dies sind unveröffentlichte Manuskripte. Ihre Verwendung sollte in Absprache mit einem Husserl-Archiv erfolgen.

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verworrene Einheit der Kinaesthese und Hyle unterscheidet sich von der Hyle „im engeren
Sinne“. Wenn diese Hyle „im engeren Sinne“ erregt das instinktive Streben, führt das
instinktive Tun durch, um dieses Streben auszulösen, aber in diesem instinktiven Tun verlaufen
Kinasthesen „in eins“ mit der Hyle. Angesichts dieser Sache können wir folgende
Schlussfolgerungen ziehen: „Die Intention auf die jeweiligen Hyle-Einheiten nimmt die Form
der Intention auf die Kinaesthese, um das Miteintreten der Hyle zu erzielen.“ (D10, Bl.20-21)
Also "das System der Kinästhesen ist aber nicht im voraus konstituiert, sondern seine
Konstitution erfolgt in eins mit der Konstitution hyletischer Objekte."(D10 Bl.22-23, 1932)
Das kinästhetische System ist erst „mit der Konstitution hyletischer Objekte konstituiert“. Das
kinästhetische System gehört zum Ich. Also, wozu gehört diese hyletischen Objekte? Woraus
entsteht das instinktive Streben, das das instinktive Tun hervorgerufen hat?

Der letzte Ort, an dem die Forschung der transzendental-genetischen Phänomenologie


aufhört, ist tatsächlich der Instinkt-Reiz. Es scheint, dass wir, um die Welt vor dem ersten
Reiz zu erklären, außerhalb der transzendentalen Untersuchung hinausgehen müssen.

4.2.2. In-der-Welt-Sein des Ich, das in sich Welt hat

In einem anderen Manuskript der 30er Jahren ist Husserl verwirrt, als er eine Tatsache
herausstellt, die nicht in dem Rahmen der Korrelation geklärt werden kann.

“wie kann für uns seiende Welt eine Genesis, ein subjektives Werden „in“ uns haben? Ist
das nicht eine widersinnige Annahme? Sind wir nicht selbst, wir menschlichen Realitäten,
leiblich und seelisch, mit all unserem Bewusstseinsleben …. in der Welt?“ Hua 39, S.449

Klar ist, dass eine solche Tatsache nicht in einer konstitutiven Erklärung mit der konstitutiven
Sprache gesagt werden kann, weil es VOR der Konstitution ist.

“Unwillkürlich spricht man in der konstitutiven Auslegung in der Sprache einer Genesis,
obschon, wenn die Welt als immerzu vorgegebene Welt ausgelegt und die
Seinsordnung, die darin als konstitutiv vorgebildete, gerausgestellt wird, zunächst nicht

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von einer ernstlichen Genesis die Rede ist und sein kann.“

4.2.3. eine schöpferische Konstitution


Selbst wenn Husserl von der „schöpferische“ Konstitution als einem letzten
phänomenologischen Behelf, erkennt er doch das Vor-Sein des Seiendes an, wie folgt:

„… eine schöpferische Konstitution, die schaffend das Seiende schafft und es mit dem
eigenen Sinn erweitert: Seiendes, das nicht vorgegebene, nicht schon erworbene
Geltung war und ist, das aber doch ist und immer war als Seiendes ….“(Hua 39, S.460)

4.2.4. Urvorkommnisse vor dem Ich und Wir

Hier ist das letzte und längste Zitat Husserls.

„Rückfrage in die urstiftende Genesis aller Apperzeptionen: Seiendes aller Stufen …


setzt letztlich Seiendes Vor-Seiendes voraus, das erst von dem entwickelten Ich der
Apperzeptionen (und dem Wir) in der rückschauenden Erfassung und Rückübertragung
der schon gebildeten Apperzeptionen selbst als Seiendes erfasst werden kann, als
seiendes Vor-Seiendes, als immer wieder methodisch zu Rekonstruierendes und zu
Identifizierendes, und doch als etwas, das „war“, bevor es apperzipiert war. Ebenso auch
das Ich selbst und Wir selbst als vor-seiend. So liegt auch vor der Natur die vor-seiende
Hyle, die noch nicht einmal identifizierte, vor der Handlung die vor-seiende Kinästhese,
…. ebenso vor der Seinsaffektion die Vor-Seinsaffektion. Darin liegt: Der „Wille“, der
seinskonstituierend ist, hat hinter sich ein Ursprünglicheres, das Streben,
Hinstreben, Strebend-in-Prozess-Überführen als das Streben erfüllend, im Vor-
Willen, Vor-Handeln ein Vor-Ergebnis offerierend, weiter nach sich ziehend, ein
ichliches Streben zu wiederholen, ein gelegentlich ungehemmt in Wiederholung
Überführendes, aber auch gehemmt etc. Urvorkommnisse, welche Voraussetzungen
aller ursprünglichsten Stiftung von Apperzeptionen sind und in ihrer Weise, gleich
den hyletischen Daten, zur Teleologie der Seinskonstitution, der universalen
Seinskonstitution gehören. Natürlich auch: vor dem seienden Ich und Wir das Vor-

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Seiende.(Hua Mat VIII, S.223-224)

Nach dem Zitat wird das Vor-Seiende dem Seiende in aller konstitutiven Stufen vorausgesetzt.
Es besteht vor der gesamten ursprünglichen Konstitution. Vor dem Wille bestehen die Vor-
Willen und ein ichliches Streben wiederholt sie. Sie sind natürlich vor dem seienden Ich und
Wir.

ABER Husserl sagt prompt, dass diese „Urvorkommnisse“ als die Voraussetzungen aller
Genesen zur Teleologie der Seinskonstitution gehört. Wie das zu verstehen ist, habe ich noch
nicht entschieden.

Stattdessen lege ich hier nur parallel eine Antwort des bergsonisten Deleuze auf die Frage,
was wir selbst vor der ersten Empfindung sind.

« Nous sommes de l'eau, de la terre, de la lumière et de l'air contractés, non


seulement avant de les reconnaître ou de les représenter, mais avant de les
sentir. »(DR 99)

19
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Zweites Buch: Phänomenologische Untersuchungen zur Konstitution. (Ed.
Marly Biemel). The Hague, Netherlands: Martinus Nijhoff. 1952. [Hua IV]

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__________. Späte Texte über Zeitkonstitution (1929-1934). Die C-Manuskripte. (Ed. Dieter
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_________. Logique du sens [LS], Minuit, 1969
_________. Qu’est-ce que la philosophie [QP], Minuit, 2005
_________. L’île déserte [ID], Minuit, 2002
_________. Deux régimes de fous, Minuit [DF], 2003
_________. Dialogues, Flammarion, 1996
_________. Foucault
_________. Bergsonisme
_________. Empirisme et subjectivité
_________. La philosophie critique de Kant
_________. Mille Plateux [MP]
_________. Anti-Œdipe [AO]

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