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UNIVERSITÄT LINZ

Institut für Pervasive Computing


Univ.-Prof. Dr. Alois FERSCHA

Altenberger Straße 69
A-4040 Linz

Tel.: +43 (732) 2468 8555


Fax: +43 (732) 2468 8426

ferscha@pervasive.jku.at
http://pervasive.jku.at/

Wearable Displays für alle: SPECTACLES


SPECTACLES ist eines der Ergebnisse der Forschung zu Wearable Displays des Instituts für
Pervasive Computing (IPC) der Johannes Kepler Universität Linz. Durch die vereinten Kräfte von
Wissenschaftlern des IPC und des Research Studios Pervasive Computing Applications (PCA) der
Research Studios Austria Forschungsgesellschaft mbH mit Unterstützung der Universität Florida, der
Universität Salzburg und der Silhouette International Schmied AG konnte ein Wearable Displays
Prototyp umgesetzt werden.
IPC führt unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Alois Ferscha Grundlagen- und fokussierte Forschung
u. a. in den Gebieten „Embedded Systems“, „Sensor Networks“ und „Wearable Displays“ durch und ist
maßgeblich an mehreren nationalen und internationalen Forschungsprojekten beteiligt. Neben den
rein wissenschaftlichen Betätigungen kann IPC auch auf eine Tradition der erfolgreichen industriellen
Forschung und experimentellen Entwicklung in Kooperation mit Unternehmen und Organisationen
blicken.
PCA ist „der verlängerte Arm des IPC“ und zielt auf die In-Wert-Setzung der Forschungsergebnisse
des IPC am überwiegend österreichischen Markt ab. Aufbauend auf der universitären
Grundlagenforschung werden funktionsnachweisende sowie Near-Product-Prototypen für spezifische
Einsatzzwecke entwickelt – aus wissenschaftlichen Geistesblitzen werden spezifische Innovationen
für Unternehmen. PCA führt neben Forschungs- und Entwicklungsaufträgen aus der Wirtschaft auch
geförderte Forschungsprojekte in Kooperation mit wissenschaftlichen Partnern durch.
Gemeinsam waren IPC und PCA federführend in der Entwicklung des Wearable Displays
„SPECTACLES“ tätig, Silhouette International Schmied AG war für das Use Case Development und
das Know-How im Brillen-Design und -produktion verantwortlich, die Universität Florida führte die
Konzeption und Implementierung der Optik durch, die Universität Salzburg jene des Mobile Video
Systems.

SPECTACLES ist ein modulares, autonomes und drahtlos kommunizierendes "Wearable Display",
das in die Form und Struktur eines handelsüblichen Brillenrahmens integriert wurde. Die Modularität
des Hardware und Software Designs ermöglicht die Bedarfs- und Applikations-orientierte
Konfiguration von "Special Purpose Spectacles". SPECTACLES ist der weltweit erste ernsthafte
wissenschaftliche Versuch der Integration eines Wearable Displays in einen Standard-Brillenrahmen.
Eine Vielzahl an Sensoren und die Unterstützung der visuellen Darstellung über weitere Sinneskanäle
(etwa auditiv) ermöglichen neuartige Interaktionsformen und innovative Applikationen.

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UNIVERSITÄT LINZ
Institut für Pervasive Computing
Univ.-Prof. Dr. Alois FERSCHA

Der Einsatz von SPECTACLES in der Chirurgie, bei der Brandbekämpfung der Feuerwehr, als
Unterstützung in der touristischen Navigation, beim Sport, als Ernährungsratgeber sowie in der
Gesundheitsvorsorge wurde bereits demonstriert.
SPECTACLES hatte die Entwicklung eines modularen, autonomen, drahtlos kommunizierenden,
tragbaren Geräts zum Ziel, das in den Rahmen einer Sonnenbrille integriert wurde. Für Hardware und
Software wurde dabei strikt ein modularer und rekonfigurierbarer Ansatz verfolgt, um das
resultierende Produkt sowohl für allgemeinen Einsatz als auch für spezialisierte Einsatzgebiete
verwenden bzw. schnell anpassen zu können.
Der entwickelte Prototyp ist der weltweit erste Ansatz, eines tragbaren Display Systems, das in eine
Sonnenbrille integriert ist. Aus der Sicht der Embedded Systems Technologie wurde ein modulares
und somit flexibles Hardware Tool-Kit geschaffen, welches durch eine Plug-and-Play Konfiguration
und komponentenbasierter Embedded Systems Software Architektur eine Anpassung des Geräts an
das Einsatzgebiet sowohl während der Design Phase als auch im Betrieb ermöglicht. Diese Strategie
der Modularität von Hardware und Software ist im Forschungsbereich Wearable Computing
einzigartig. In Bezug auf die Miniatursierung der optischen Komponente, also dem Display und der
notwendigen Optiken damit das Auge die Anzeigedaten erfassen kann, hat das SPECTACLES Projekt
einen signifikanten Beitrag geleistet, der die Fertigung solcher optischer Komponenten beeinflusst.
Auf Hardwareebene wurde in Kooperation mit Silhouette Schmied International AG ein innovatives
Brillen-Rahmenkonzept erstellt, welches ein Mikrodisplay zur Darstellung der computergenerierten
Inhalte sowie einen Beschleunigungssensor zur Erkennung von Kopfgesten integriert. Den Kern des
Systems stellt eine miniaturisierte ARM basierte Plattform dar, welche über übliche
Drahtloskommunikationstechnologie verfügt. Der marktreife Prototyp wurde mittels bestehender
Lösungen für Basiskomponenten und einem eigens gefertigten Adapter für die optische Komponente
gefertigt. Das SPECTACLES System besteht aus einer Embedded CPU auf einem Mikro-Mainboard,
einem optischen Subsystem bestehen aus dem Display Adapter-Board und dem Display selbst, einem
Beschleunigungssensor und digitalem Kompass, einer GPS Einheit und verschiedenen
Drahtloskommunikationstechnologien (Ethernet, Wi-Fi, Bluetooth). Die Software des SPECTACLES
Systems basiert auf einer von uns für mobile Anwendungen optimierten Linux Distribution, darauf baut
ein kompaktes, Objekt-orientiertes Framework auf. Dieses Framework stellt das zentrale Life-Cycle
Modell zur Verfügung, und erlaubt das dynamische Laden von zusätzlichen Applikationen und
Softwarepaketen. Für die Interprozesskommunikation wurde eine neuartige Form eines Tuple-Space
implementiert, der neben den üblichen Funktionen auch das Senden und Empfangen von Events in
Form von Tuple-Paaren ermöglicht.
Die Leistungsfähigkeit des SPECTACLES Prototypen wurde in verschiedenen Anwendungsszenarien
demonstriert. Diese sind neben der Unterstützung für den Chirurgen während einer Operation, die
Unterstützung von Feuerwehren im Einsatz mittels eingeblendeter Bilder einer Infrarotkamera zur
Erkennung von Brandherden, das Anzeigen von verschiedenstem Kartenmaterial für Touristen oder
Sportler sowie die Auflistung der Nährwertinformationen eines Produktes das mit Hilfe des
eingebauten Strichcode-Lesers identifiziert wird.

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