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SKYLLIS erscheint halbjährlich.


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<Name des Autors>, <Titel des Artikels>, Skyllis 3.1, 2000, <Seitennummern>.
Künstliche Schiffahrtskanäle
in der Antike
Der sogenannte antike Suez-Kanal

Hadwiga Schörner

Der in den Jahren 1858-1868 errich- nal aber noch nicht existierte, sei- res zurückgedrängt, und es bildeten
tete moderne Suez-Kanal ist nicht en als Folge davon die Handelsstra- sich sowohl der Timsah-See als auch
die erste künstliche Wasserstraße, ßen zwischen dem Nil und dem Ro- die Bitterseen, also Salzwasserbek-
die eine Verbindung zwischen dem ten Meer durch die Nubische Wü- ken, die vom Meer abgeschnitten
Mittelmeer und dem Roten Meer ste, vor allem zwischen Koptos und worden waren.12 In der weiteren
schaffen wollte.1 Bereits während Koseir, ausgebaut worden.6 Entwicklung verdampfte das Was-
der Antike gab es mehrere Versu- ser dieser drei Seen. Der Timsah-
che einer Durchstechung des Isth- Die Gruppe der Befürworter ist da- See wurde nur noch mit Wasser ge-
mos von Suez, wobei allerdings der von überzeugt, daß es während der speist, wenn der Nil Hochwasser
Nil bzw. einer seiner Arme eine Ab- ägyptischen Pharaonenzeit eine wie führte oder eine Springflut durch
zweigung nach Osten erhielt, der auch immer geartete Wasserverbin- das Wadi Tumilât abfloß. Die Bit-
Kanal also einen künstlich herge- dung zwischen dem Nil und dem terseen verdunsteten bis in das 19.
stellten Flußlauf bildete. Golf von Suez gegeben habe. Sie Jahrhundert n. Chr. völlig.13 Einige
halten entweder eine natürliche Wissenschaftler verbinden den Ka-
oder eine künstlich ausgeschachtete nal mit Pharao Sesostris III.14, an-
1. Ein Kanal in der ägypti- Wasserstraße für möglich. Die na- dere postulieren einen Schiffahrts-
schen Frühzeit ? türliche Verbindung des Niles mit weg für die Zeit Thutmosis III.15
dem Golf soll in der Frühzeit als oder erst für Ramses II., da das
Eine Gruppe von Wissenschaftlern ein noch östlich des Pelusinischen Nildelta zu dieser Zeit das größte
lehnt die Existenz einer natürli- Armes liegender Abfluß des Nils in Handelszentrum Ägyptens darstell-
chen Wasserverbindung zwischen den Timsah-See bzw. in die Bitter- te.16 Ein reger Handelsverkehr in-
dem Nil und dem Roten Meer kate- seen bestanden haben.7 Als Nach- nerhalb des Arabischen Meeres (al-
gorisch ab. Sie sind der Ansicht, daß weis wird eine Springflut im Jahr so westlich und östlich der Arabi-
es in der Frühzeit keinen Wasser- 1800 n. Chr. angeführt, bei der die schen Halbinsel) durch die Ägypter
lauf zwischen dem Mittelmeer und Wassermassen vom Nil durch das verwundert allerdings, weil das Ro-
dem Golf von Suez gegeben habe Wadi Tumilât bis zum Timsah-See te Meer durch seine Felsenküsten
und die erste schiffbare Verbindung flossen; solche Fluten soll es in der mit Korallenriffen, seine ungünsti-
auf jeden Fall künstlich geschaffen Zeit der Pharaonen häufiger gege- gen Winde und wegen der Piraten
worden sei.2 Es habe zwar einen ben haben.8 ständige Gefahren bot.17
Süßwassersee auf dem Isthmos ge-
geben, der vom Nil aus gespeist Ein möglicher Pharaonenkanal, der Eine mögliche pharaonische Was-
wurde, und die Bitterseen seien in während des Mittleren Reiches serstraße soll nicht den gleichen
natürlicher Verbindung mit dem Ro- durch die Fortführung des Wasser- Verlauf wie der später von Dareios
ten Meer gestanden3, doch habe sich laufes zu den Bitterseen entstan- I. ausgeschachtete Kanal gehabt,
in den letzten drei Millionen Jah- den sein soll9, mußte wohl nur bei sondern vom Pelusinischen Arm des
ren das Land auf dem Isthmos zwi- niedrigem Wasserstand unterhalten Nils erst bei Bubastis abgezweigt
schen den Bitterseen und Suez um werden, bei höherem Pegel grub sich haben18. Etwa 20 km westlich des
etwa drei Meter angehoben, was das Wasser selbst seinen Weg.10 Als Timsah-Sees wurden Ruinen einer
einen natürlichen Abfluß unmög- sich das Land hob, mußte der Ka- pharaonischen Stadt entdeckt, die
lich mache.4 Es habe wohl bereits nal mehr und mehr künstlich ver- aufgrund von Inschriftenfunden auf
im Alten Reich5 Seehandelskontak- tieft werden.11 Durch die Erhöhung Ramses II. zurückgeführt werden
te nach Osten gegeben, da ein Ka- wurde das Wasser des Roten Mee- kann und seinen Namen trug.19 Oh-
Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike 29

Abb. 1: Geographische Karte des östlichen Nildeltas und des Wadi Tumilât

ne eine Wasserader aber konnte ei- terführte. Seine Länge beträgt vier Orakelspruch ihm abriet: Was er
ne Stadt östlich des Deltagebiets Tage Fahrt; seine Breite wurde so baue, sei Vorarbeit für den Barba-
nicht existieren.20 ausgehoben, daß zwei Dreiruderer ren. Unter Barbaren verstehen die
nebeneinander fahren können. Er Ägypter alle Völker, die nicht ihre
Wie immer man diese Argumente empfängt sein Wasser vom Nil, et- Sprache sprechen.«22 Im 4. Buch
und Gegenargumente bewertet – es was oberhalb der Stadt Bubastis, schreibt er: »Sie [die arabische Halb-
gibt keine altägyptischen Zeugnis- fließt an der arabischen Stadt Pa- insel] umfaßt Persien, anschließend
se, die ausdrücklich einen Wasser- tumos vorbei und mündet ins Rote Assyrien und Arabien. Nach der
weg zwischen Nil und Rotem Meer Meer. Ausgeschachtet wurde er zu- herkömmlichen menschlichen Fest-
belegen. Da auch die klassisch-an- nächst auf der ägyptischen Seite, die setzung endet sie am Arabischen
tiken literarischen Quellen keine nach Arabien weist. Südlich stößt Meerbusen, in den Dareios den Ka-
Klarheit in dieser Frage erlauben, an diese flache Strecke das Gebirge, nal aus dem Nil führte.«23 Etwas
müssen alle Überlegungen hypothe- das sich in der Nähe von Memphis später heißt es: »Libyen [gemeint ist
tisch bleiben.21 hinzieht, wo die Steinbrüche liegen. der Erdteil Afrika] zeigt sich rings
Am Fuß dieses Gebirges läuft der vom Meer umflossen außer an der
Kanal eine weite Strecke von We- Stelle, wo es mit Asien zusammen-
2. Der Kanal während der sten nach Osten, dann verläuft er in hängt. Dafür hat der Ägypterkönig
Saiten-Dynastie und der er- Einschnitten, indem er vom Gebir- Nekos [Necho] als erster von de-
sten Perserherrschaft in ge nach Mittag und gegen den Süd- nen, die wir kennen, den Beweis er-
Ägypten wind und in den Arabischen Meer- bracht. Als der Bau des Kanals, der
busen [d. i. Golf von Suez] führt. An vom Nil zum Arabischen Meerbu-
der kürzesten und schmalsten Stel- sen führen sollte, fertig war, sandte
2. 1. Literarische Quellen le vom nördlichen Meer zum südli- er Phoiniker mit Fahrzeugen aus
chen, dem sogenannten Roten Meer, mit dem Auftrag, auf dem Heim-
Der griechische Historiker Herodot also vom Kasion-Grenzgebirge zwi- weg nach dem Nordmeere zu durch
berichtet über einen Kanalbau in schen Ägypten und Syrien bis zum die Säulen des Herakles zu fahren
archaischer Zeit: »Psammetichos‘ Arabischen Meerbusen, beträgt die und auf diesem Wege nach Ägypten
Sohn war Nekos [Necho]; er folgte Entfernung genau 1000 Stadien. zurückzukehren.«24
seinem Vater auf dem Thron in Das ist das schmalste Stück. Der
Ägypten. Er begann mit dem Bau Kanal ist aber viel länger, je ge- Herodot bietet hier mit den Maßen
jenes Kanals in das Rote Meer, den krümmter er ist… Mitten in der Ar- sowie Angaben zum genauen Ver-
dann der Perserkönig Dareios wei- beit hörte der König auf, weil ein lauf wichtige Informationen über
30 SKYLLIS – Zeitschrift für Unterwasserarchäologie · 3. Jahrgang 2000 · Heft 1
Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike 31

Abb. 2 (ganz links): Pharao Necho II. (610 – 595 v. Chr.). Bronzestatuette

Abb. 3a (oben): Relief im Schatzhaus in Persepolis. König Dareios empfängt fremde Gesandte.

Abb. 3b (links): Ausschnitt von Abb. 3a

Abb. 4 (links unten): Der Verlauf des Dareios-Kanals. Die Fundorte der vier Dareios-Stelen sind zu korrigieren: sie sind südlich bzw.
südwestlich des Kanals zu lokalisieren.

den Kanal. In seinem 2. Buch weist sen sich zwei Hauptgründe erschlie- Sie waren von auf dem Kanal fah-
er den ersten Bauversuch dem Pha- ßen, die auf der offenbar verbreite- renden Schiffen aus zu sehen.41
rao Necho II. (Abb. 2), der von ten Ansicht beruhen, daß der Was-
610 bis 595 v. Chr. regierte,25 zu, serspiegel des Roten Meeres höher Der Text der persischen Fassung
der ihn aber aufgrund eines Orakel- liege als das ägyptische Land. Dar- lautet in der Übersetzung (mit ge-
spruches nicht vollendet habe. Das aus wird zum einen die Gefahr ringfügigen Ergänzungen):
Verdienst der Fertigstellung dage- einer Überschwemmung des Lan-
gen gehörte nach Herodot dem Per- des34, zum anderen die einer Ver- »Es spricht der König Dareios. Ich
serkönig Dareios I. (Abb. 3)26, der schmutzung des Süßwassers durch bin Perser. Von Persien aus erober-
während seiner Regierungszeit von eindringendes Meerwasser abgelei- te ich Ägypten. Ich befahl diesen
522 bis 486 v. Chr. die Herrschaft tet.35 Es bleibt also Herodot als ein- Kanal zu graben von dem Strome
über Ägypten innehatte.27 Im 4. ziger antiker Autor, der eine vorpto- namens Nil, der in Ägypten fließt,
Buch dagegen nennt er die Fertig- lemäische Inbetriebnahme des Ka- nach dem Meere, das von Persien
stellung des Kanals durch Necho als nals berichtet.36 ausgeht. Da wurde dieser Kanal ge-
Grundlage für die gelungene Um- graben so, wie ich befohlen hatte,
schiffung Afrikas in der Zeit um 600 un[d Schiffe] fuhren von Ägypten
v. Chr.28 2. 2. Epigraphische Quellen durch diesen Kanal nach Persien
so, wie es mei[n Wille war].«42 Ch.
Auch andere antike Autoren mit Der Verlauf des spätarchaischen W. Hallberg weist darauf hin, daß
naturwissenschaftlichem oder geo- Dareios-Kanals kann anhand von der Text noch fortfährt: »Dann sag-
graphischem Interesse erwähnen mindestens vier mehrsprachigen In- te ich: gehe von Bira zur Küste und
den Versuch der Ausschachtung ei- schriftenstelen, die der Perserkönig zerstöre diesen Teil des Kanals, so
nes Kanales vom südlichen Nildelta an dessen südlichem Ufer hatte auf- wie es mein Wunsch ist.«43
zum Arabischen Meerbusen. Dabei stellen lassen (Abb. 4)37, verfolgt
wird von Aristoteles29, Strabon30 werden.38 Diese Stelen sind zwar Von diesen Inschriftenstelen ist
und Plinius d. Ä.31 der erste Ver- bruchstückhaft überliefert, die je- besonders die bei Schallouf bzw.
such dem Pharao Sesostris, von Di- weiligen Texte ergänzen einander Kabrêt gefundene gut erhalten und
odor32 dagegen dem Pharao Necho jedoch. Die tetralinguen, also vier- entzifferbar.44 Dareios berichtet auf
zugeschrieben. Allerdings wird we- sprachigen Stelen tragen auf der der Keilschriftseite (Abb. 5) da-
der für einen Pharao noch für den einen Seite eine kurze Fassung in von, daß er zusammen mit den Sol-
Perserkönig Dareios I. ein komplet- der persischen Reichssprache (Ara- daten Ägypten eingenommen ha-
ter Durchstich erwähnt33, wobei die mäisch) mit neubabylonischer und be.45 Dann schickte er ein Schiff
antiken Schriftsteller in ihren Be- elamischer Übersetzung39, auf der aus, um zu erkunden, ob der Kanal
gründungen für den Abbruch der anderen Seite einen ausführlichen schiffbar sei. Als festgestellt wor-
Arbeiten variieren. Insgesamt las- Text in ägyptischen Hieroglyphen.40 den war, daß es auf einer Länge
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Abb. 5: Umzeichnung der Dareios-Stele von Kabrêt, Seite mit persischem, elamischem und neubabylonischen Text in Keilschrift

Abb. 6: Umzeichnung des Dareios-Stele von Tell el-Mas’choutah, Seite mit ägyptischem Text in Hieroglyphen

von umgerechnet 84 km kein Was- In der ausführlicheren Hierogly- in einiger Entfernung von Kûbri.57
ser gebe, befahl der König die Aus- phenfassung der Tetralinguen nennt Der Verlauf des Dareioskanals, so
schachtungsarbeiten für den Ka- sich Dareios Sohn der Neith, der wie er von Herodot58 geschildert
nal.46 Nach der Kanaleröffnung se- Göttin von Sais, auf deren Willen wird, folgt der Spur eines östlichen
gelte eine Flotte von 24 (oder 32) sich seine Weltherrschaft begründe, Nilarmes, der weiter östlich als der
Byblosschiffen47, mit Tributen voll- und rechtmäßiger König Ober- und Pelusinische vom südlichsten Punkt
geladen, vom Nil aus nach Per- Unterägyptens. Nach der Beschrei- des Nildeltas abzweigte, in das Ara-
sien.48 Die beiden äußersten In- bung der Erkundungsfahrt des Sky- bische Meer abfloß und offenbar am
schriftenstelen, Nr. 1 bei Tell el- lax von Karyanda, der im Auftrag Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr.
Mas‘chutah (Abb. 6) und Nr. 4 bei des Perserkönigs Dareios mit einer nicht mehr existierte. Die Angaben
Kûbri, stehen exakt 84 km vonein- kleinen Flotte eine Entdeckungs- Herodots sind hier ganz klar: erst
ander entfernt49, daher hat sich die fahrt vom Oberlauf des Indus, der führte die Wasserader nach Osten
Auffassung durchgesetzt, daß Dar- Landschaft Gandaritis, um die Ara- durch das Wadi Tumilât, auf Höhe
eios genau auf dem Gebiet zwischen bische Halbinsel herum bis zur des Timsah-Sees dann nach Süden,
diesen beiden äußersten Stelen sei- Nordspitze des Roten Meeres unter- dem Meer zu. Außerdem gibt es auf
ne Ausschachtungsarbeiten ausfüh- nommen hatte54, folgt eine detail- dem Isthmos keine weitere westöst-
ren ließ.50 Wir wissen nicht sicher, lierte Darstellung der Kanalfahrt lich verlaufende Vertiefung als das
ob der Kanal des persischen Königs und eine Liste der beherrschten Wadi Tumilât, das für einen Was-
durch die Bitterseen führte.51 Im Länder.55 serlauf geeignet wäre. Nach Hero-
positiven Falle wäre zu folgern, daß dot59 soll die Breite des Kanals für
die Bitterseen zur Zeit des Dareios Die vier Tetralinguen waren am zwei Trieren60 ausgereicht und die
I. kein Wasser enthielten52, sich al- Kanal folgendermaßen aufgestellt Länge vier Tagesfahrten betragen
so im 6. Jahrhundert. v. Chr. das (Abb. 4): die erste steht bei Tell el- haben.61 Dareios soll mit seinem
Meer bereits nach Süden zurückge- Mas‘chutah56, die zweite zwischen Schiffahrtskanal diesem alten Fluß-
zogen hatte, viel früher, als bisher Timsah- und Großem Bittersee beim bett, das durch die Bitterseen führ-
angenommen wurde.53 Serapeion, die dritte bei Kabrêt im te und den Golf von Suez bei dem
Süden des Kleinen Bittersees und späteren Handelshafen Klysma er-
die vierte 6 km nördlich von Suez reichte, gefolgt sein.62
Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike 33

Das Datum der Fertigstellung wur- kehrenden Handelsflotten zu postu- dieses Naturgesetz nicht durchset-
de in der älteren Forschungslitera- lieren, was eine Erleichterung ge- zen können, da gegenteilige Ansich-
tur stets in die ersten Jahre der Re- genüber den bisherigen schwierigen ten vorherrschten.80 Diese beruh-
gierungszeit des Dareios, also noch Landtransporten bedeutet habe.72 ten wohl zum einen auf dem ins-
in das 6. Jahrhundert v. Chr. ge- gesamt geringen Gefälle des Nils,
setzt.63 W. Hinz schlug dagegen Für Dareios als Herrscher über zum anderen auf der Tatsache, daß
überzeugend vor, daß die Fertigstel- Ägypten war das Kanalprojekt auch das Wadi Tumilât nicht nach Osten,
lung in das 24. Regierungsjahr des von militärischer Wichtigkeit, da sondern nach Westen abfällt.81 Das
Dareios (498 v. Chr.) zu datieren sei, es die Möglichkeit bot, die persi- bedeutet, daß das Oberflächenni-
da zum einen die bei Suez gefunde- sche Kriegsflotte, die bisher stets veau am Ostende des Wadis sich
ne Stele dieses Datum nenne64 und an der phoinikischen Küste statio- heute etwa 4,5 m unter der Höhe
zum zweiten eine Abwesenheit des niert war, in die östlichen Gewäs- der Nordküste des Golfes von Suez
Königs von seinem Kernland (Meso- ser zu bringen. Indien, Arabien und befindet, und damit erscheint die
potamien) für diesen Zeitraum fest- die Ostküste Afrikas konnten einer Angst vor Überschwemmung durch-
gestellt werden konnte.65 »wirksamen militärischen Kontrolle aus begründet.82 Wie aber im 18.
zugänglich«73 gemacht werden. Frü- Jahrhundert noch zu erkennen war,
her hatten die Schiffe mühsam über hatten sich die Ägypter dadurch be-
2. 3. Zweck des Kanalbaues Land durch Kamelkarawanen her- holfen, daß sie innerhalb des Wadis
angeschafft werden müssen.74 Da- den Kanal nicht in den Boden ein-
Als einziger antiker Autor erwähnt neben standen natürlich auch poli- getieft, sondern mit Hilfe von Däm-
Aristoteles einen Grund für den tische Gründe, wenn durch den Ka- men auf dem Boden aufgesetzt hat-
Kanalbau in vorptolemäischer Zeit: nal eine Verbindung zwischen dem ten.83
»Einer der Könige machte nämlich Nil, der Lebensader der neuen per-
den Versuch, es [das Rote Meer] mit sischen Provinz Ägypten, und dem Es muß aber auch bedacht werden,
einem Kanal zu verbinden (denn die Mutterland nördlich des Persischen daß die weite Distanz zwischen Per-
Gegend an den Schiffsverkehr an- Golfes geschaffen worden war und sien und Ägypten und die lange Zeit
zuschließen, hätte ihnen erhebliche dies auch präsentiert wurde. Allen der Seereise dem praktischen Nut-
Vorteile gebracht; …).«66 diesen Intentionen lag als wich- zen des Kanals diametral entgegen-
tigste neue Erkenntnis die Ent- stand. Dareios hatte durch die Ex-
Der Kanal bedeutete für das per- deckung und Benutzung des Seewe- pedition des Skylax bewiesen, daß
sische Kernland eine Erweiterung ges um Arabien zugrunde, die auf Arabien geographisch umschiffbar
der Macht und damit die Möglich- dem naturwissenschaftlichen Wis- war, und mit der Fahrt der Tri-
keit, die persische Herrschaft auf sensdurst des Perserkönigs basier- butschiffe von Ägypten nach Persi-
das Meer auszudehnen bzw. eine te. Dazu kommt, daß der persische en war einem wichtigen politischen
persische Seemacht zu errichten67, Staat sowohl den Willen als auch Punkt Genüge getan worden. Die
hatte aber auch eine Horizonter- die Macht und die materiellen Mit- Provinz Ägypten hätte für den per-
weiterung im übertragenen Sinne tel hatte, eine Leistung wie den Ka- sischen Herrscher keinerlei Nutzen
zur Folge. Dadurch veränderte sich nalbau zu erbringen.75 mehr gehabt, wenn die wichtigste
auch das Mutterland des Großkö- Trinkwasserquelle, nämlich der Nil,
nigs, denn es wandte sich verstärkt Warum aber hatte Dareios ein Stück verschmutzt worden wäre. Zu Hero-
dem Meer zu und die Infrastruktur des Kanals nach der Fahrt der dots Zeiten wurde der Kanal offen-
in Küstennähe wurde ausgebaut.68 Tributschiffe nach Persien wieder bar noch befahren, da er im Prä-
Bezüglich Ägyptens verfolgte der zuschütten lassen, wie die am Ka- sens von ihm schreibt.84 Da zur
persische Großkönig Dareios I. zu- nal aufgestellten Inschriften über- Zeit Alexanders des Großen die Um-
erst einmal wirtschaftliche Inter- liefern?76 Einen Sinn ergibt das nur schiffung Arabiens wegen der dort
essen: durch diesen Kanal erfuhr in Verbindung der geographischen herrschenden Hitze und der Einöde
das Rote Meer einen starken Han- Verhältnisse mit den literarischen als undurchführbar galt85, muß die-
delsaufschwung in seiner Lage zwi- Quellen. Die Lösung liegt wohl in se Route in der Zwischenzeit in Ver-
schen dem Persischen Golf, der In- der Angst vor der Verschmutzung gessenheit geraten sein. Durch den
dischen See und dem Mittelmeer.69 des Nilwassers bzw. vor der Über- Kanal war der Isthmos für eine be-
Eine direkte Verbindung von Mit- schwemmung des Isthmoslandes, schränkte Zeit fruchtbar gemacht
telmeer und Arabischem Meer70, be- wie sie von den antiken Autoren worden, denn sein Wasser diente
sonders der Handelsplätze an der geschildert wird77, vor allem ange- auch der Ackerbewässerung86, da
phoinikischen Küste und der West- sichts der Tatsache, daß für den pto- Schiffahrtswege in Ägypten immer
küste Indiens71 wurde damit eröff- lemäischen Kanal eine Schleuse am zugleich als Bewässerungkanäle
net. P. J. Junge geht sogar so weit, östlichen Ende überliefert wird.78 fungierten.87 Das geographische
die Möglichkeit des Güteraustau- Obwohl Archimedes bereits im 3. Wissen, das durch die Unterneh-
sches zwischen den babylonischen, Jahrhundert v. Chr. das Gesetz auf- mungen des Perserkönigs zusam-
iranischen, indischen und arabi- gestellt hatte, daß alle zusammen- mengetragen worden war, ging wohl
schen Gebieten zum Mittelmeer auf hängenden Gewässer überall glei- mit dem Zerfall des Perserreiches
dem Seeweg mit regelmäßig ver- ches Niveau besitzen79, hatte sich verloren.88 Daß sich an den trost-
34 SKYLLIS – Zeitschrift für Unterwasserarchäologie · 3. Jahrgang 2000 · Heft 1

losen Küsten des Persischen Golfes 3. Der Kanal in der Ptolemä- ri bzw. 62 1/2 Meilen Gesamtlänge
der Handel zu Wasser nicht durch- erzeit vom Delta zum Roten Meer.94
setzen konnte und tatsächlich nur
wenige Handelsschiffe diesen See-
weg nutzten, hatte zur Folge, daß 3. 1. Literarische Quellen 3. 2. Inschrift
der Güteraustausch auch weiter-
hin über die Karawanenstraßen Diodor90 überliefert, daß Ptolemai- Auf der sog. Pithom-Stele, einer In-
der Arabischen Halbinsel lief, z. B. os II. Philadelphos (Abb. 7 und schriftenstele des Königs Ptolemai-
von Gerrha über Petra weiter nach 8) den Kanal fertiggestellt und mit os II. Philadelphos, werden seine
Nordosten (Persien) und Nordwe- Schleusen versehen habe. Er münde Taten gerühmt und beschrieben.95
sten (Anatolien). Die Umschiffung bei der Hafenstadt Arsinoë ins Meer Die Stele ist schlecht erhalten, au-
Arabiens wurde dadurch wieder un- und der durchfließende Strom heiße ßerdem scheint sie von einem un-
interessant. Also mußten Alexander nach seinem Erbauer der ptolemä- geübten Steinmetz gefertigt wor-
und seine Nachfolger die Entdek- ische. Strabon91 berichtet, daß die den zu sein.96 Unter Abschnitt D
kungen des Perserkönigs Dareios ptolemäischen Könige den künstli- läßt der Herrscher die Ausführung
noch einmal unternehmen. Ptole- chen Wasserlauf wiederhergestellt des Kanalbaues mit den Worten be-
maios II. Philadelphos, der von 284 und bei seinem Ausfluß in den Golf schreiben: »… der Nil wird herbei-
bis 246 v. Chr. in Ägypten herrsch- von Suez einen Verschluß eingebaut geführt und macht seine (des Got-
te, ließ den Kanal schließlich wie- hätten. Die Breite gibt er mit 100 tes) Nahrung, das Wiederauflebende
derherstellen, Arabien erneut um- Ellen an.92 Plinius93 erwähnt Pto- (d.h. die Überschwemmung) kommt
schiffen und eine neue direkte Han- lemaios II. als ersten, der den Ka- … nach seinem Ausspruch…« Dann
delsverbindung mit Indien herstel- nal durchgegraben habe. Außerdem scheint der Bau des Kanals erzählt
len.89 gibt er die Maße des Kanals an: zu werden; es ist die Rede von
Breite 100 Fuß, Tiefe 30 Fuß, Länge »Sand, dem Kanal des tanitischen
37 1/2 Meilen bis zu den fontes ama- Gaues (? Kanals des Ostens?), … in
seinem östlichen … bis zum Skorpi-
onsee.« Dann heißt es: »Seine Ma-
jestät macht dieses für seinen Va-
ter Atum, den Herrscher der Herr-
scher.«97 Wegen des schlechten Zu-
stands der Stele läßt sich der Text
nicht in allen Fällen entziffern. In
Abschnitt K wird auch ein Kanal,
eventuell derselbe, erwähnt: »Jahr
16, im Monat … unter der Majestät,
er grub einen Kanal (?) zur Freude
(?) seines Vaters Atum, des großen
Gottes, des Lebens von Tkw, um
die Götter des Tanites zu führen,
(er?) beginnt an dem Fluß nördlich
vom Gau (?) von Heliopolis, er endet
in dem Skorpion-See (?).«98 Danach
folgt eine Beschreibung der großen
Isthmos-Sperrmauer und ihrer Er-
richtung.

3. 3. Datierung und Verlauf


des Kanals

Eine genaue Baudatierung ist nach


den Angaben auf der Stele leider
nicht möglich, die Bauzeit kann
aber zumindest eingegrenzt wer-
den. Abschnitt C ist in das 6. Herr-
scherjahr des Ptolemaios II. datiert,
die Abschnitte D bis H, die eine zeit-
liche Einheit bilden könnten, besit-
zen keine Jahresangabe. Abschnitt I
ist auf das 12. Herrschaftsjahr fest-
gesetzt. Aus diesem Grunde sind
Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike 35

Abb. 7 (links unten): König Ptolemaios II. Philadelphos (284 – 246 v.Chr.)
und seine Schwestergemahlin Arsinoë II. auf einem ägyptischen Relief aus
Tanis im östlichen Nildelta

Abb. 8 (rechts): König Ptolemaios II. Philadelphos und Arsinoë II. auf einer
griechischen Goldmünze

sich viele Forscher darüber einig, in Seen, die die Funktion von Über- cher einen Aufschwung für den Han-
daß der Kanal im 6. Regierungsjahr laufbecken hatten109 und bereits del bzw. den Warentransport, der
Ptolemaios’ II. oder kurz danach in spätpharaonischer Zeit bestan- Verkehr auf dem Roten Meer wur-
wiedereröffnet worden sein muß, al- den haben müssen.110 M. Bietak de dadurch intensiver. Ein weiterer
so 280 oder in den darauffolgenden schließt aus diesen Befunden, daß Vorteil war es, daß die gefährlichen
Jahren.99 In zeitlicher Verbindung der Arm von Heliopolis bereits in Karawanenzüge über das Land ver-
mit der Wiedereröffnung des Kanals alter Zeit auf künstliche Weise vor mindert werden konnten.116 Neben
steht für H. Kortenbeutel die Grün- dem Überlaufbecken abgeleitet und dem Landweg von Südarabien nach
dung der Stadt Arsinoë100 am Golf wieder in den Pelusinischen Nilarm dem ptolemäischen Ägypten, der
von Suez, benannt nach Arsinoë zurückgeführt wurde.111 Dadurch entlang der Westküste Arabiens
Philadelphos101, der zweiten Ehe- ergaben sich zwei Effekte: zum ei- nach Petra und von da entweder
frau und leiblichen Schwester Pto- nen die Wasserstraße als Verkehrs- nach Gaza oder über die Sinaihalb-
lemaios’ II., wie Strabon102 und der ader, zum anderen die künstliche insel nach Ägypten führte, existier-
ältere Plinius103 bezeugen. Diese Bewässerung des trockenen Ge- te gleichwertig der Seeweg durch
Eheschließung wird nach der Pi- bietes am östlichen Niltalrand.112 das Rote Meer, das sich an seinem
thom-Stele auf frühestens 279/78 v. Eventuell wurde der Arm von He- Nordende in den Heroonpolitischen
Chr. und spätestens 274 v. Chr. da- liopolis östlich vom Nil bereits un- (Hafenstadt Arsinoë) und den Aila-
tiert. Arsinoë Philadelphos starb im ter der Regierung Ptolemaios’ II. nitischen Golf (Hafenstadt Aila),
Juli 271 v. Chr., ohne ihrem Bru- Philadelphos abgezweigt, sodaß er d.h. den Golf von Suez bzw. Akaba
dergemahl Kinder hinterlassen zu in den Kanal des Dareios floß, um teilte.117 Die Ptolemäer sicherten
haben.104 In diesen Zeitraum fällt diesen mit mehr Wasser, einer stär- die Strecke durch zusätzliche Stütz-
sicher der Kanalbau, gerade auch keren Strömung und mehr Gefälle punkte, Emporia, an der Küste des
wenn die Jahresangabe des Ab- zu versehen. Auch die Einmündung Festlands auf beiden Seiten des
schnittes K maßgeblich sein sollte, in den Kanal kann an der Boden- Roten Meeres und auf den Inseln
die die Errichtung des dort genann- beschaffenheit heute noch deutlich ab.118 Im 3. und 2. Jahrhundert v.
ten Kanals in das 16. Regierungs- erkannt werden.113 Auch der pto- Chr. war die Dioskourides-Insel (So-
jahr des Königs setzt, also in das lemäische Kanal mußte instandge- kotra) vor der arabischen Südostkü-
Jahr 271/70 v. Chr.105 halten werden. Für die Ausschach- ste der wichtigste Vorhafen119. Die
tungs- und Wiederherstellungsar- Handelsschiffe auf dem Arabischen
Der ptolemäische Kanal soll vom Pe- beiten wurde das Volk zur sog. Li- Meer standen unter staatlichem
lusinischen Nilarm nahe der Stadt turgie herangezogen.114 Schutz des ptolemäischen Strategen
Daphne über das Plateau von El oder Epistrategen der Thebaïs120.
Ferdan und den Timsah-See geführt
worden sein.106 Nahe Bir Abou-Bal- 3. 4. Zweck des ptolemäischen Im Roten Meer ist es sehr schwer
la traf er auf den alten Pharaonen- Kanals zu segeln121, da nicht nur die Nord-
Kanal107, den Ptolemaios II. neu winde das Erreichen der Stadt Klys-
ausgeschachtet haben soll. Weiter- Die Wiederschiffbarmachung des ma erschweren, sondern weil auch
hin ließ dieser beim Eintritt des Ka- bereits existierenden Kanals hängt die klimatischen Verhältnisse durch
nals ins Rote Meer die Hafenstadt wohl mit der Expedition in den Per- Hitze und Trockenheit extrem un-
Arsinoë erbauen und eine Doppel- sischen Golf zusammen, die Ptole- günstig sind.122 Außerdem wird das
schleuse errichten.108 Nördlich von maios II. angeordnet hatte.115 Vom Segeln dort sehr gefährlich infolge
Heliopolis floß ein alter Arm, der kommerziellen Gesichtspunkt be- der Tatsache, daß in der Breite fast
sog. Kanal von Kairo, aus dem Nil deutete der ptolemäische Kanal si- ein Drittel des Meeres durch Ko-
36 SKYLLIS – Zeitschrift für Unterwasserarchäologie · 3. Jahrgang 2000 · Heft 1

Abb. 9: Kaiser Trajan (98 – 117 n.Chr.) auf einer römischen Messingmünze

Abb. 10: Der Verlauf des Trajans-Kanals

rallenriffe unpassierbar ist123. Der 4. Die Instandsetzung des er im alten Bett.138 Wohl in zeitli-
Landweg war zwar kostspieliger als Kanales durch Kaiser Tra- chem Zusammenhang mit der Wie-
der Wasserweg, aber durch feste jan130 derherstellung des alten Nilkanals
Handelswege und Handelsstationen ließ Trajan den befestigten Hafen
viel sicherer.124 Der Kanal muß En- Klysma an der Nordspitze des Gol-
de des 2. und Anfang des 1. Jahr- 4. 1. Literarische Quelle fes von Suez gegenüber der ptole-
hunderts v. Chr. noch in Funktion mäischen Gründung Arsinoë anle-
gewesen sein, da sowohl Agathar- Der um die Mitte des 2. Jahrhun- gen.139
chides125 als auch Artemidoros126 derts n. Chr. schreibende Geograph
ihn im Präsens schildern. Unklar Claudius Ptolemaeus131 nennt Ba- Eine wichtige Bestätigung für eine
ist die Situation in der späten Repu- bylon am Nil und Heroonpolis die Erneuerung unter Trajan kann in
blik: aus Plutarchs Biographie des Städte, durch die der trajanische einem Ostrakon, einer Notiz auf
Marcus Antonius wird erschlossen, Kanal fließe.132 Dieser Name korre- einer Tonscherbe, gesehen werden,
daß der Kanal nicht mehr zu befah- spondiert mit der Bezeichnung, die das aus Theben stammt und auf
ren gewesen sei, als sich Kleopatra Diodor133 dem Schiffahrtskanal sei- den 2. September 112 n. Chr. da-
nach der verlorenen Schlacht von ner Zeit gab: »Ihrem Erbauer nach tiert wird.140 Es handelt sich um die
Actium (31 v. Chr.) mit dem Gedan- wird der durch die Schleuse fließen- Empfangsbestätigung eines Geldbe-
ken trug, Schiffe mit ihren Schät- de Wasserstrom Ptolemaios genannt trages: »Kametis, Sohn des Pamon-
zen und Truppen bzw. Soldaten aus …«134 Es ist daher sehr wahrschein- thes, durch den Sekretär Bienchis
dem Mittelmeer über die Landenge lich, daß mit dem Tραιανeσ ποταµÞσ dem Horos, Sohn des Tithoes. Ich
von Suez ziehen zu lassen, um nach der von Kaiser Trajan (Abb. 9) er- habe von Dir für den neuen Kanal
Süden zu fliehen.127 Der in der Zeit neuerte Kanal vom Nil zum Roten von Babylon vier Drachmen = Dr.
des Kaisers Claudius schreibende Meer gemeint ist.135 4. Im 16. Jahre des Trajan Caesar,
Geograph Pomponius Mela, der nur unseres Herrn, am 5. Thoth.«141 In
wenig ältere Quellen verwendet ha- dem καινeσ ποταµeσ Bαβυλ‡νοσ ist
ben soll, berichtet von der Nordspit- 4. 2. Datierung und Verlauf sicher der später bei Claudius Ptole-
ze des Roten Meeres, daß es dort ei- maeus erwähnte »Trajanische Fluß”
nen manu factus amnis, einen »von Nach den Angaben des Claudius zu sehen142. Durch dieses Ostrakon
Hand geschaffenen Strom« gegeben Ptolemaeus hat Trajan den Kanal können auch die Zeit und die nä-
habe, der »deshalb zu erwähnen ist, jedoch nicht nur wiederhergestellt, heren Umstände der Erdarbeiten
weil er aus dem Bett des Nils durch sondern auch dessen Verlauf verän- am Kanal unter der Regierung Tra-
einen Durchstich abgeleitet ist.«128 dert136: der Kanal floß nun nicht jans genauer bestimmt werden: Der
Neben dem Kanal waren stets die mehr aus dem Pelusinischen Arm Beginn der Erdarbeiten fällt damit
Handelswege über Land wichtig, die wie der ptolemäische, sondern (Abb. spätestens in die Frühlingsmonate
vom Nil durch die Nubische Wüste 10) bereits 60 km südlicher aus dem des Jahres 112 n. Chr.143
zur ostafrikanischen Küste führten Hauptstrom des Nils bei der Stadt
(Abb. 11).129 Babylon.137 Auf den alten Kanal In den Wasserbautätigkeiten Tra-
soll der neue in der Nähe der Stadt jans144 im Ostdelta wurde mehr-
Belbeis getroffen sein, ab da verlief fach ein Zusammenhang mit der
Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike 37

Eroberung Arabiens und der Ein- einfacher zu machen. Daneben war den Handelsweg zu Wasser wieder
richtung der Provinz Arabia in den entscheidend, daß der Handel mit uninteressanter machte.159
Jahren 105-108 n. Chr. angenom- dem ferneren Orient durchgehend
men.145 Dabei ist unklar, ob die Wie- auf dem Landweg aus politischen
derherstellung des Kanals in Ver- Gründen unmöglich geworden 5. Das Schicksal des Kanals in
bindung mit der Stationierung einer war.154 der Spät- und Nachantike
römischen Flotte im Roten Meer146,
eventuell in der Hafenstadt Aila am Zum Zeitpunkt des Todes Kaiser Im Verlauf des 3. Jahrhunderts n.
Golf von Akaba147 steht, von wo Trajans im Jahr 117 n. Chr. befand Chr. bedingte eine Verschlechterung
wichtige Karawanenstraßen ausgin- sich Rom in Besitz aller Endhäfen der Wirtschaft und des Münzwesens
gen.148 Seit dieser Zeit war Aila ein des Roten Meeres und des Persi- eine Vermehrung des Tauschhan-
Hafen ersten Ranges für den See- schen Golfes.155 Im 2. Jahrhundert dels und einen allgemeinen wirt-
handel mit Indien und China.149 n. Chr. hatte der Handelsverkehr schaftlichen Rückgang.160 Adulis an
von Ägypten nach Süden und Osten der arabischen Südwestküste wur-
Auch während des 2. Jahrhunderts seinen Höhepunkt erreicht.156 Da- de Vorhafen von Aila und Alexand-
n. Chr. lag der Vorteil des Kanals mit unterlag der gesamte Handel reia.161 Der römische Seeverkehr
darin, daß der Transport auf dem und Seeverkehr des Mittelmeers von Aila nach Indien bzw. China
Wasser kostengünstiger war als der mit den Ländern des Roten Meeres wurde seit dem späteren 3. Jahr-
auf dem Landweg.150 Die Nachteile einschließlich des Zollwesens der hundert n. Chr. mehr und mehr
des Kanals bestanden in den oft un- römischen Kontrolle.157 Nach der von die Sassaniden, den Nachfol-
günstig wehenden Nordostwinden Aufgabe der Provinz Mesopotami- gern der Perser und Parther, ver-
im nördlichen Teil des Roten Mee- en durch Kaiser Hadrian158 erfuhr drängt.162
res, daher war die Stadt Klysma die Karawanenstraße durch Palmy-
nicht immer leicht zu erreichen.151 ra eine Bedeutungssteigerung, was
Die Waren mußten grundsätzlich
von den Segelschiffen, in denen sie
über See transportiert wurden, auf
Ruderboote umgeladen werden, die
durch den Kanal fuhren.

Daneben gab es aber auch die


Möglichkeit, südlichere Häfen an
der ägyptischen Ostküste im Roten
Meer anzufahren, da diese mit dem
Niltal durch Karawanenstraßen ver-
bunden waren (Abb. 11). Die vier
wichtigsten Handelswege waren 1.)
Berenike – Koptos, 2.) Leukos Li-
men – Koptos, 3.) ’Abu Sha‘ar – Qe-
na und 4.) die Via Hadriana, die von
der durch Hadrian neugegründeten
Stadt Antinoopolis am Nil in einer
großen Schleife nach Norden, Osten
und schließlich entlang der Küste
des Roten Meeres nach Süden ver-
lief.152

Auch für den römischen Kaiser Tra-


jan waren neben militärischen153
politische und wirtschaftliche In-
teressen ausschlaggebend. P. J. Sij-
pesteijn sieht in der Befriedigung
des gesteigerten Luxusanspruches
Roms einen Hauptgrund für den
Wunsch, die Handelsverbindungen
von Osten nach Alexandreia und
von dort nach Rom schneller und

Abb. 11: Straßen durch die Östliche Wüste


38 SKYLLIS – Zeitschrift für Unterwasserarchäologie · 3. Jahrgang 2000 · Heft 1

Abb. 12: Ausschnitt aus der Peutingerschen Tafel mit dem Nildelta und den östlich anschließenden Regionen sowie darüber Kleinasien.
Von dem in die Nähe des Nildeltas reichenden Golf von Suez mit der Stadt Arsinoë zum östlichsten Nilarm ist eindeutig keine Wasserver-
bindung eingetragen.

5. 1. Griechische Schriftquel- Isidoros mit einem gewissen Aure- sert werden mußte.171 Auch der Pa-
len lios Polion, Sohn des Petros, die Ab- pyrus PSI I Nr. 87 aus dem Jahr
machung, daß er anstatt des Au- 423 n. Chr. kann diese Annahme
Einige schriftliche Quellen aus der relios Peras am Kanal arbeiten stützen. Hier wird der Arbeiter Au-
späten Kaiserzeit und der Spätan- wird166, dafür zahlt Isidoros dem relios Viktor, Sohn des Nephetor, er-
tike bieten interessante Belege für Polion einen Lohn von einem Talent wähnt, der an der Tραιανc διñρυξ
einen weiteren Unterhalt des Ka- pro Monat, den gleichen Betrag, den arbeitet.172
nals, für die Art und Weise der Bau- auch die anderen Arbeiter am Ka-
arbeiten und für Herkunft und Be- nal erhalten.167 Ein weiterer Papy- Auffällig ist, daß bei den genauer
zahlung der Arbeiter. Der Papyrus rus, PSI VI Nr. 689, datiert auf den datierbaren Papyri die Arbeiten am
Oxyrhynchos Nr. 1426 aus dem Jahr 3. April 420 (oder 421) n. Chr., ent- Kanal stets in den Frühlingsmo-
332 n. Chr. berichtet davon, daß hält drei Garantien für die Arbeiter naten stattfinden.173 Daraus kann
ein ungelernter Arbeiter, Aurelios am Trajanischen Kanal. Der zwei- geschlossen werden, daß die Aus-
Hatres, Sohn des Phaboulos, aus ten Garantie dieses stark beschä- besserungen während der Zeit des
dem Dorf Nigrou, für die Arbeit am digten Papyrus ist zu entnehmen, niedrigsten Nilwasserstandes getä-
Trajanischen Kanal vorgeschlagen daß die Arbeiter vor der Ableistung tigt wurden.174 In diesen Zusam-
wird.163 Zwei Komarchen (Dorfäl- des Dienstes Lohn für ihre Arbeit menhang gehört ein weiterer Papy-
teste) bürgen dafür, daß der Arbei- erhalten haben.168 P. J. Sijpesteijn rus, P. Lond. IV Nr. 1346175, datiert
ter, der offenbar bereits bezahlt wor- schließt daraus, daß es sich bei die- auf den 3. Januar 710 n. Chr. Basi-
den ist, auch wirklich antreten und ser Art der Beschäftigung um »eine leios, ein Dioiketes (Verwalter) aus
die Arbeiten verrichten wird.164 Der Art Halb-Liturgie«169 handelt, also dem Dorf Aphrodito, wird daran er-
Papyrus SB V 2 Nr. 7676, datiert auf um die Verpflichtung zu einer Ar- innert, bestimmte Waren auf dem
den 9. April 297 n. Chr., kann als beit im Rahmen eines öffentlichen Kanal nach Klysma zu schicken,
Beleg für die Höhe des Lohnes der Interesses, wobei die Arbeiter al- und zwar bevor das Wasser το†
Arbeiter genommen werden.165 Au- lerdings bezahlt wurden.170 Deut- Tραιανο† (»des Trajanischen«)176
relios Peras, der Bruder des Isido- lich ist hier erkennbar, daß dieser sinkt und dadurch eine Verschif-
ros, ist für die Arbeit am Tραιανeσ Schiffahrtskanal, wie die anderen fung unmöglich wird; andernfalls
ποταµÞσ vorgeschlagen worden. Da Irrigationskanäle in Ägypten auch, muß Basileios die Waren über Land
dieser aber verhindert ist, trifft regelmäßig gereinigt und ausgebes- transportieren. Daraus kann ge-
Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike 39

schlossen werden, daß der Kanal Kulzum (Klysma)187 berichtet, um schen 112 und 117 n.Chr. wurde
zu Beginn des 8. Jahrhunderts n. den Transport zu verhindern.188 der stets von Versandung bedrohte
Chr., schon in der Zeit der ara- Massûdy, ein Autor des 10. Jahr- Kanal im Auftrag des römischen
bischen Herrschaft, noch schiffbar hunderts, berichtet, mehrere Herr- Kaisers Trajan erneuert und wei-
war, allerdings nur während des scher seien von dem Plan einer Ver- ter südlich vom Nil abgeleitet. Wei-
Nilwasserhochstandes.177 bindung des Roten mit dem Mittel- tere Reparaturarbeiten sind für
ländischen Meer abgekommen, um das 4. und 5. Jahrhundert n.Chr.
Auf der Peutingerschen Tafel ist der den Byzantinern nicht Raubzüge in überliefert. Nach einer Wiedereröff-
Kanal nicht verzeichnet.178 Der hier Ägypten zu ermöglichen.189 Abulfe- nung durch den arabischen Feld-
interessierende Abschnitt mit der da schreibt zu Beginn des 14. Jahr- herrn Amrû in der ersten Hälfte des
Darstellung des Roten Meeres und hunderts: »Der alte Kanal, genannt 7. Jahrhunderts konnte er jeweils
des Nildeltas (Abb. 12) zeigt keine Traianus amnis, war … durch Ver- während der Nilschwelle noch etwa
Anzeichen eines Wasserlaufes, ist sandung unbrauchbar geworden. bis zum Ende des 8. Jahrhunderts
aber hilfreich bei der Lokalisierung Amrû machte ihn wieder schiffbar. befahren werden.
der Städte Klysma und Arsinoë.179 Gegenwärtig nennt man ihn El Kha-
lig, er geht durch Kairo, aber führt Die verschiedenen Gründe der Bau-
Die Waren, die aus dem Orient nur bis zu der Lagune, welche man herren für einen Wasserweg zwi-
nach dem Westen gelangten, wur- den See von Schleib (wohl das heu- schen dem Niltal und dem Roten
den während der gesamten Kaiser- tige Abu Kesêb im Wadi Tumilât) Meer werden diskutiert.
zeit entweder auf dem Wasserweg nennt; der Rest bis zum Roten
zu einem der Häfen am Roten Meer Meer ist völlig versandet, obwohl
und von da aus über Land zum Nil man noch einige Spuren davon er- Summary
und diesen abwärts oder aber über kennt.«190
den Trajanischen Kanal nach Alex- Contrary to the opinion of some
andreia gebracht, um von dort aus Der Zeitpunkt der Wiedereröffnung scholars there are no archaeological
zu den europäischen Märkten ver- in der 1. Hälfte des 7. Jahrhun- or written sources attesting the ex-
schifft zu werden.180 Das blieben derts n. Chr. kann nur erschlossen istence before the Late Period of a
die üblichen Handelswege bis in das werden. Während die Schriftsteller natural or artificial waterway con-
5. Jahrhundert n. Chr.181 Ab dem 7. El-Maccin und Ben-Ajas das Jahr necting the Nile valley with the Red
Jahrhundert n. Chr., nach der Er- 767 bzw. 772 n. Chr. als Zeitpunkt Sea. During the first Persian domin-
oberung Ägyptens, Syriens und Me- der Verschüttung des Kanals ange- ion in Egypt king Darius I shortly
sopotamiens durch die Araber, wur- ben191, schreibt Schems-Eddin im after 500 B.C. completed the canal
de der Osthandel deren Monopol182, 17. Jahrhundert: »Der Kanal blieb which had been begun about a cen-
das Römische Reich aber wurde 150 Jahre schiffbar bis zur Herr- tury earlier by pharaoh Necho II.
endgültig vom direkten Verkehr mit schaft des Abbassiden-Kalifen Abu- About 275 B.C. king Ptolemy II Phil-
den südasiatischen Meeren abge- Jafar-el-Mansur (775 n. Chr.), wel- adelphus ordered to dig out the ca-
schnitten.183 Der Schiffbarkeit des cher die Mündung des Kanals in nal again; its course was changed a
Kanals mußte mit Ausschachtungs- das Meer von Kolzûm schließen little and a double lock was built in
maßnahmen nachgeholfen werden, ließ.«192 the outlet to the Red Sea. Between
wie die Papyri zeigen, und selbst 112 and 117 A.D. the Roman emper-
dann war er nicht das ganze Jahr or Trajan ordered to excavate the
hindurch benutzbar.184 Er versan- Zusammenfassung canal again, drawing the water off
dete im Laufe der Zeit zunehmend, from the Nile further south. More
als er nicht mehr regelmäßig gerei- Für die Annahme, daß schon vor repair work is recorded from the 4th
nigt wurde.185 der ägyptischen Spätzeit ein na- and 5th centuries A.D. After the re-
türlicher oder künstlicher Wasser- opening by the Arabian commander
weg vom Nil durch das Wadi Tu- Amrû in the first half of the 7th cen-
5. 3. Die früharabischen milât zum Roten Meer bestanden tury the canal was navigable dur-
Wiederherstellungsarbeiten habe, wie manche Forscher meinen, ing the annual Nile flood until the
gibt es keine archäologischen oder end of the 8th century.
Übereinstimmend berichten einige schriftlichen Quellen. Während der
arabische Schriftsteller, daß entwe- ersten Perserherrschaft in Ägypten The different reasons of the rulers
der der Kalif Omar oder der Feld- ließ König Dareios I. kurz nach 500 of Egypt to connect the Nile valley
herr Amrû in dessen Auftrag befoh- v.Chr. einen Kanal fertigstellen, den with the Red Sea by a canal are dis-
len habe, den versandeten Trajans- bereits Pharao Necho II. ein Jahr- cussed in the article.
kanal wiederherzustellen, um wäh- hundert zuvor begonnen hatte. Um
rend einer Hungersnot Lebensmit- 275 v.Chr. schachtete Ptolemaios II.
tel nach Medina und Mekka bringen Philadelphos den Kanal neu aus, Anmerkungen
zu können.186 Für einen politischen veränderte leicht seinen Verlauf und 1 Die Untersuchungen zu diesem The-
Gegner dagegen wird von einer Ver- erbaute eine Doppelschleuse an der ma gehen auf eine Zulassungsarbeit
schüttung des Ausflusses bei El- Mündung ins Rote Meer. Wohl zwi- im Fach Alte Geschichte zurück, die
40 SKYLLIS – Zeitschrift für Unterwasserarchäologie · 3. Jahrgang 2000 · Heft 1

im Winter 1992/93 an der Universität Geschichte Ägyptens (1911) 130. – A. C 804 und dem älteren Plinius n. h. VI
Bamberg angefertigt wurde. Beson- Köster, Zur Seefahrt der alten Ägyp- 166.
ders möchte ich Herrn Prof. Dr. Wer- ter, ZÄS 58, 1923, 130f. führt das auf 35
ner Huß, Bamberg, danken, der den Wasserbautätigkeiten in Oberägypten Bei Aristoteles met. I 14 P 352b und
Anstoß zur Beschäftigung mit dieser durch Sesostris III. zurück, die auf In- Plinius n. h. VI 166.
Materie gab. Außerdem danke ich für schriften beschrieben werden. 36 Herodot widerspricht sich dabei selbst,
fruchtbare Diskussion Prof. Dr. Chr. 15 wenn er einmal (IV 42) den gelunge-
Börker, Erlangen, und PD Dr. G. Schör- 18. Dynastie, 15. Jh. v. Chr., vgl. Hor-
nung a.O. 162. nen Durchstich dem Pharao Necho II.,
ner, Jena.- Da der hier besprochene Ka- ein andermal (IV 39) dem Perserkönig
nal nicht die einzige künstliche Schiff- 16 19. Dynastie, 13. Jh. v. Chr., vgl. Hor- Dareios zuweist.
fahrtsstraße des Altertums war, ist ei- nung a.O. 162. – Breasted a.O. 196.
ne gelegentliche Fortsetzung des Bei- 37 Also auf der rechten Seite des Kanals,
17 Köster a.O. 125-132. – Ch. W. Hallberg, wenn man stromabwärts zum Golf von
trags geplant.
The Suez Canal, its history and diplo- Suez fuhr. Vgl. dazu auch Hdt. II 158.
Folgende Abkürzungen werden ver- matic importance (1931) 28.
wendet: 38 Zu diesen Inschriftenstelen s. den
18 H. E. Hurst, The Nile. A general ac- Überblick bei Chr. Tulpin, Darius’ Su-
AMI Archäologische Mitteilungen aus count of the river and the utilization ez canal and Persian imperialism, in:
Iran of its waters (1952) 48. – H. Lieblein, H. Sancisi-Weerdenburg – A. Kuhrt
APF Archiv für Papyrusforschung und Handel und Schiffahrt auf dem Rothen (Hrsg.), Asia Minor and Egypt: Old cul-
verwandte Gebiete Meere in alten Zeiten. Nach ägyp- tures in a new empire, Achaemenid
tischen Quellen (1886, Neudr. 1971) History VI (1991) 237-283.
AW Antike Welt 100. 39 Jeweils aufgezeichnet in Keilschrift,
BJb Bonner Jahrbücher 19 Lieblein a.O. 104f. – Erman a.O. 32. herausgegeben und übersetzt bei F.
CE Chronique d’Egypte 20 H. Weissbach (Hrsg.), Die Keilinschrif-
Lieblein a.O. 105. – M. Bietak ver-
ten der Achämeniden, Vorderasiati-
mutet nach mündlicher Mitteilung an
JEA Journal of Egyptian Archaeology sche Bibliothek 3 (1922, Nachdr. 1968)
C.Börker im Wadi Tumilât eine Art
102-105.
ZÄS Zeitschrift für ägyptische Spra- Überlaufspeicher, ein Fayum-Becken
che und Altertum im Kleinen, das von der Nilschwelle ge- 40 Edition durch G. Posener (Hrsg.), La
speist wurde, schließt aber eine schiff- Première Domination Perse en Égyp-
ZPalV Zeitschrift des deutschen Pa- bare Verbindung weiter nach Osten te: Recueil d’Inscriptions Hiéroglyphi-
lästina-Vereins vor Necho II. aus. ques (1936) 48-87 Nr. 8-10.
2 A. T. Wilson, The Suez Canal. Its past, 21 Darauf weist Posener, CE 13, 1938, 265 41 Sie sollen auch vom Kanal aus zu le-
present and future (1933) 1. – G. Po- hin. sen gewesen sein, vgl. C. Küthmann,
sener, Le canal du Nil à la Mer Rouge Die Ostgrenze Ägyptens (1911) 15. –
22 Hdt. II 158 [Übersetzung J. Feix]. Übri-
avant les Ptolémées, CE 13, 1938, P. J. Junge, Dareios I., König der Per-
264f. gens ist auch diese Definition von grie-
ser (1944) 93. – R. Delbrueck, Süda-
chischen Grundsätzen übernommen,
3 Wilson a.O. 1. siatische Seefahrt im Altertum, BJb
denn das Wort »Barbaren« verwende-
155/156, 1955/56, 19.
4 Dieser Prozeß habe im späten Pliozän ten die Griechen für alle diejenigen,
begonnen und halte bis heute an, vgl. die nicht griechisch sprachen. 42 nach Weissbach a.O. 105 mit gerinfü-
Wilson a.O. 1. – Posener a.O. 261. 23 Hdt. IV 39 [Übersetzung J. Feix]. gigen Vereinfachungen.
5 43 Übersetzung H. Schörner nach Hall-
3. bis 6. Dynastie, also etwa Mitte 27. 24 Hdt. IV 42 [Übersetzung J. Feix]. Ge-
bis Mitte 23. Jh. v. Chr., vgl. E. Hor- meint ist hier eine Umrundung Afrikas berg a.O. (s. Anm. 17) 27. Dieser stützt
nung, Grundzüge der ägyptischen Ge- im Uhrzeigersinn, begonnen also am sich hier auf C. Bourdon, Anciens ca-
schichte4 (1992) 160. Kanalausfluß ins Rote Meer und been- naux, anciens sites et ports de Suez
det durch die Rückkehr nach Ägypten (1925) 56. Unter Bira soll die Stadt
6 Vgl. H. Kees, Ägypten, Kulturgeschich-
durch die sog. Säulen des Herakles, al- Kabrêt beim Kleinen Bittersee gemeint
te des alten Orients 1 (1933) 123f. – S. sein; also sollte das Stück zwischen
E. Sidebotham, Römische Straßen in so die Meerenge von Gibraltar. Nach
Aussage Herodots IV 42 war diese Ex- Kabrêt und dem Golf von Suez wieder
der ägyptischen Wüste, AW 22, 1991, zugeschüttet und damit wohl zerstört
177. Auf einer Stele Ramses’ II., die pedition erfolgreich.
werden.
beim Serapeion gefunden wurde, ist le- 25 Pharao Necho regierte von 610-595 v. 44 Posener a.O. 63ff. Nr. 9. Anschaulich
diglich von einem Bewässerungs- bzw. Chr., vgl. E. Hornung, Grundzüge der
Süßwasserkanal die Rede, s. F. Oertel, ägyptischen Geschichte4 (1992) 165. auch die Umzeichnung der bei Tell
Das Problem des antiken Suezkana- el-Mas‘choutah gefundenen Stele, Po-
26 Zum Dareios-Kanal allgemein s. A. R. sener a.O. Nr. 8 Taf. IV. Vgl. ders., CE
les, in: Spiegel der Geschichte, Festga-
be für Max Braubach (1964) 38. Burn, Persia and the Greeks. The De- 13, 1938, 271.
7
fense of the West, c. 546-478 B. C.2 45
Lexikon der ägyptischen Kultur (1960) (1984) 115. – M. A. Dandamaev, A po- Umschreibung des Textes nach Po-
256 s. v. Suezkanal [G. Posener]. – G. litical history of the Achaemenid em- sener, CE 13, 1938, 271f.
Posener, Le canal du Nil à la Mer Rou- pire (1989) 143f. 46
ge avant les Ptolémées, CE 13, 1938, Posener a.O. 272 schließt daraus, daß
259. 27 Die sog. 1. Perserherrschaft in Ägyp- bereits vor Dareios zumindest ein Teil-
ten dauerte von 525-404 v. Chr., vgl. abschnitt eines Kanals existiert habe,
8 Posener a.O. 259f. seiner Ansicht nach das durch Necho
Hornung a.O. 165.
9 ausgeschachtete Stück. Zum Text und
A. Erman, Ägypten und ägyptisches 28 Hdt. IV 42. zur Längenangabe ders., La Première
Leben im Altertum (1923, Neudr. 1977) Domination Perse en Égypte: Recueil
32. 29 Aristot. met. I 14 P 352b.
d‘Inscriptions Hiéroglyphiques (1936)
10 Posener a.O. 260. 30 Strab. XVII 1, 25 C 804. 805. 63.
11 31 47 Die Flotte des persischen Großkönigs
Posener a.O. 261. Plin. n. h. VI 165f.
bestand zu diesem Zeitpunkt nur aus
12 Posener a.O. 261f. 32 Diod. I 33, 9. phoinikischen Schiffen, die an der
13 Posener a.O. 262. 33 Auch nicht bei Herodot II 158, der le- phoinikischen (heute libanesischen)
diglich eine Weiterführung der Arbei- Küste stationiert waren, vgl. Junge
14 12. Dynastie, 19. Jh. v. Chr., vgl. E. Hor- a.O. 92. Der Name «Byblosschiff» leitet
ten durch Dareios belegt.
nung, Grundzüge der ägyptischen Ge- sich von der phoinikischen Stadt Byb-
schichte4 (1992) 161. – J. H. Breasted, 34 Bei Diodor I 33, 10, Strabon XVII 1, 25 los ab.
Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike 41

48 Posener, CE 13, 1938, 272. – Delbrueck I. J. Poll, Ladefähigkeit und Größe der Strab. I 3, 8 C 54.
a.O. 19. Nilschiffe, APF 42, 1996, 127-138. 80 Z. B. war Hipparchos der Ansicht, bei
49 Posener a.O. 272. 61 F. K. Kienitz, Die politische Geschich- einem Durchstich würde das höherge-
50 te Ägyptens vom 7. bis zum 4. Jahr- legene in das tiefergelegene Meer ab-
So z.B. Posener a.O. 272 und Oertel hundert vor der Zeitenwende (1953) fließen, hier also das Mittelmeer in das
a.O. (s. Anm. 6) 40. Leider erlaubt der 65. Zur Angabe über die Länge s. auch Rote Meer (Strab. I 3, 10 C 56). Era-
schlechte Zustand der Inschriften auf Oertel a.O. 27. Vgl. auch hier unten tosthenes lehnte das übereinstimmen-
den Stelen keine Sicherheit in diesem Anm. 94 über die vom älteren Plinius de Niveau zusammenhängender Ge-
Punkt. überlieferten Maße. wässer ab und erklärte die Meeres-
51 Die Differenz hätte dann aber nicht 62 strömungen von der ungleichen Höhe
Klysma liegt mit großer Wahrschein- des Meeresbodens her (Strab. I, 3, 8 C
mehr exakt 84 km betragen, vgl. Po- lichkeit an der Stelle der heutigen
sener a.O. 272f. Die Aussage Strabons 54), vgl. Schleiden a.O. 63.
Stadt Suez, vgl. dazu Greg. Tur. Franc.
XVII 1, 25 C 804, daß sich infolge der I 10. – Ch. W. Hallberg, The Suez Ca- 81 Schleiden a.O. 62.
Führung des Kanals durch die Bitter- nal, its history and diplomatic impor- 82 Schleiden a.O. 62. Daneben sollte man
seen deren Wasser sowie Flora und tance (1931) 27f. – Schiwek a. O. 15.
Fauna verbessert hätten, kann nicht – Ed. Meyer, Geschichte des Altertums die relative Nähe zum Toten Meer
sicher auf einen früheren Zeitpunkt IV 17 (1975) 94. nicht vergessen.
als die ptolemäische Erneuerung zu- 83
63 Z. B. steht für Junge a.O. 90 fest, daß So Schleiden a.O. 62.
rückgeführt werden.
52
der Großkönig Ägypten zu Beginn des 84 Hdt. IV 42. Kritisch dazu Oertel a.O.
Posener a.O. 273. Jahres 516 v. Chr. bereist hat, und er (s. Anm. 6) 41.
53 Posener ebda. sieht seine Hypothese sieht einen Zusammenhang mit dem
85 Vgl. Arr. anab. VII 20, 7ff. – Arr. indik.
durch den Aufstellungsort der beiden Zeitpunkt der Eröffnung des Kanals.
G. Posener setzt den Termin in das 43, 1ff.
östlichen Stelen bestätigt, denn hätte
noch eine natürliche Verbindung zwi- Jahr 518 v. Chr., vgl. Lexikon der ägyp- 86 Posener a.O. 273.
schen Suez und den Bitterseen bestan- tischen Kultur (1960) 256 s. v. Suez-
kanal. Einen Überblick bietet W. Hinz, 87 Oertel a.O. 28.
den, hätte sie Dareios weder bauen
noch auf den Stelen beschreiben las- Darius und der Suezkanal, AMI 8,
88 Meyer a.O. 95 Anm. 3.
sen müssen. 1975, 115-121.
64 89 Diod. III 47. Vgl. Meyer a.O. 97 – F.
54 Hdt. IV 44. Hinz a.O. 115f., wenn auch durch eine
Beschädigung das Zahlzeichen für 20 K. Kienitz, Die politische Geschichte
55 P. J. Junge, Dareios I., König der Perser nicht einwandfrei zu entziffern sei. Ägyptens vom 7. bis zum 4. Jahrhun-
(1944) 93. Skylax hatte seinen Bericht Vgl. hierzu Posener a.O. (s. Anm. 40) dert vor der Zeitwende (1953) 74.
über die 30 Monate dauernde Expe- 87 Nr. 10 Z. 19. 90 Diod. I 33, 11.
dition dem Großkönig gewidmet, vgl. 65
Delbrueck a.O. (s. Anm. 41) 20. Nach R. Hinz a.O. 118ff. 91 Strab. XVII 1, 25 C 804.
Güngerich, Die Küstenbeschreibung in 66 Aristot. met. I 14 P 352b [Übersetzung 92
der antiken Literatur, Orbis antiquus Strab. XVII 1, 26 C 805. Die Tiefe des
H. Strohm]. Kanales reiche für »schwere Lastschif-
4 (1950) 9f. soll Herodot den (nicht er-
haltenen) Periplus des Skylax als Vor-
67 P. J. Junge, Dareios I., König der Per- fe« aus [Übersetzung A. Forbiger].
lage verwendet haben. Auf ihn geht ser (1944) 92. 93 Plin. n. h. VI 165f.
auch die Zeitangabe von 30 Monaten 68 Junge a.O. 92. 94 Plin. n. h. VI 165f. Mit den fontes amari
zurück (Hdt. IV 44, 2). Skylax segelte
vermutlich mit sowohl indischen Schif- 69 A. Wiedemann, Ägyptische Geschichte sind höchstwahrscheinlich die Bitter-
fen als auch Seeleuten, die sich in den in zwei Teilen II (1884) 680. – Junge seen gemeint. In unser heutiges Maß-
östlichen Gewässern auskannten, vgl. a.O. 91. system übersetzt bedeuten diese Maß-
Delbrueck a.O. 20. 305. Entweder er- angaben etwa: Breite 35 m, Tiefe 10 m,
70 Meyer a.O. 95.
folgte die Skylaxfahrt direkt nach der Länge 55,6 km bis zu den fontes amari
Fertigstellung des Kanals, oder der Ka- 71 und 92,6 km gesamte Fahrlänge vom
Junge a.O. 91.
nalbau und die Expedition des Skylax Delta zum Roten Meer.
72 Junge a.O. 92.
waren zwei parallellaufende Projekte, 95 Edition: H. Brugsch, Die Pithomstele,
die der Großkönig gleichzeitig in Auf- 73 ZÄS 32, 1894, 74-87. – K. Sethe, Hiero-
Zitat Junge a.O. 92.
trag gegeben hatte, vgl. H. Schiwek, glyphische Urkunden der griechisch-
Der Persische Golf als Schiffahrts- und 74 Junge ebenda. römischen Zeit II (1904) 81-105 Nr. 20
Seehandelsroute in achämenidischer (Abschnitte 1-15). In den Zitaten wird
75 Posener, CE 13, 1938, 273.
Zeit und in der Zeit Alexanders des hier H. Brugsch gefolgt. Namengebend
Großen, BJb 162, 1962, 16 Anm. 85. 76 Gegen eine Wiederzuschüttung des Ka- für diese Stele ist der Fundort, der
56 Der Ort mit dem modernen Namen nales spricht sich Meyer a.O. 94 aus, Tempel von Pithom (Heroonpolis). Die
Tell el-Mas‘chutah entspricht der Stadt der sich dabei auf die beiden Textstel- Priester von Pithom hatten sie zu Eh-
[altägyptisch] Pithom bzw. [griechisch] len bei Herodot und den hieroglyphi- ren Ptolemaios’ II. aufgestellt, s. Oertel
Heroonpolis. schen Text der Stelen beruft. a.O. 23. Die Stele ist heute im Muse-
77 um Kairo, M. Ahmed Bey Kamal, Cat.
57 Zu den Aufstellungsorten allgemein G. Nach Hallberg a.O. (s. Anm. 17) 27 Général des antiquités égyptiennes du
Posener, CE 13, 1938, 271. Anm. 4 soll Xerxes, der Sohn und Musée du Caire. Stèles ptolémaiques
Nachfolger des Dareios, dieses Teil- et romaines (1904/05) 171ff. Nr. 22183
58 Hdt. II 158, s. Text oben. stück dann wieder zur Durchfahrt be- Taf. 57.
59 reit gemacht haben. Dies soll eine In-
Hdt. II 158. schriftenstele besagen, die 6 Kilometer 96 So auch A. Erman in seinem Vorwort
60 Die Breite einer Triere einschließlich nördlich von Suez bei Kûbri gefunden zu Brugsch a.O. 74.
Riemenkasten beträgt etwa 5 m, mit worden ist. 97 Zitat Brugsch a.O. 79 Abschnitt D.
ausgefahrenen Rudern etwa knapp das 78 S. hierzu Diod. I 33, 11. – Strab. XVII
dreifache. Wenn zwei Trieren (Dreiru- 98 Zitat Brugsch a.O. 82 Abschnitt K.
1, 25 C 804.
derer: Boote, bei denen die Ruder in Es kann sich auch um zwei verschiede-
drei Reihen übereinander angeordnet 79 Vgl. hierzu M. J. Schleiden, Die Land- ne Kanäle handeln, wobei der eine ei-
sind) bequem aneinander vorbeifahren enge von Suês. Zur Beurtheilung des nen reinen Bewässerungszweck erfüll-
wollen, muß der Kanal mindestens 40 Canalprojects und des Auszugs der Is- te, während der andere der Bewässe-
m breit gewesen sein. Zur Triere s. raeliten aus Aegypten. Nach den ael- rung und der Schiffahrt dienen konnte.
A. Köster, Das antike Seewesen (1923, teren und neueren Quellen dargestellt Entscheidend für eine Deutung wäre
Nachdr. 1969) 137f. – Oertel a.O. 28. – (1858) 63. Überliefert ist dies durch die (noch nicht erfolgte) Lokalisierung
42 SKYLLIS – Zeitschrift für Unterwasserarchäologie · 3. Jahrgang 2000 · Heft 1

des Skorpion-Sees. 116 Hallberg a.O. 30. telalter das Wissen um Verlauf und
99 117 Funktion des Traianskanals verloren-
So z.B. W. W. Tarn, JEA 14, 1928, 251. – Rostovtzeff a.O. (s. Anm. 99) 303. gegangen war, s. L. Pagani (Hrsg.),
H. Kortenbeutel, Der ägyptische Süd- 118 Ptolemäus, Cosmographia. Das Welt-
und Osthandel in der Politik der Pto- Delbrueck a.O. 303. – U. Wilcken,
Puntfahrten in der Ptolemäerzeit, ZÄS bild der Antike (1990) III-V Taf. XIV
lemäer und römischen Kaiser (1931) rechts.
60, 1925, 86f.
19. W. W. Tarn (a.O. 251) datiert die
119 138 Hallberg a.O. 30f.
Eröffnung in das Jahr 279/78 v. Chr., Delbrueck a.O. 303.
H. Kortenbeutel in 280/79 v. Chr., und 139
120 Wilcken a.O. 88. Delbrueck a.O. (s. Anm. 115) 245.
M. Rostovtzeff, Die hellenistische Welt.
Gesellschaft und Wirtschaft I (1955) 121 140 Publiziert von W. Müller, Griechische
Vgl. Rostovtzeff a.O. 304.
303 nimmt die Neueröffnung des Ka- Ostraka, APF 16, 1956, 211f. Nr. 32.
122 Sidebotham a.O. (s. Anm. 6) 179ff.
nals sogar erst um 275 v. Chr. an. 141 Übersetzung Müller a.O. 211.
100 123 A. Köster, Das antike Seewesen (1923)
K. J. Beloch, Griechische Geschichte 142
IV 22 (1927) 182. – V. Tscherikower, 42f. So auch Müller a.O. 211f. – Sijpesteijn
Die hellenistischen Städtegründungen a.O. (s. Anm. 130) 72.
124 Rostovtzeff a.O. 304.
von Alexander dem Großen bis auf die 143 Sijpesteijn ist der Ansicht, daß das
Römerzeit, 19. Suppl. Philologus H. 1 125 Agatharchides, der von Diodor verwen- Ostrakon unter bestimmten Umstän-
(1927) 12. Die Hafenstadt Arsinoë an det wurde, lebte in der 2. Hälfte des 2. den bis zu fünf Jahre vordatiert wer-
der Ostseite der Kanalmündung wurde Jhs. v. Chr., s. Oertel a.O. (s. Anm. 6) den kann, da er es in Verbindung mit
später Kleopatris genannt, vgl. Strab. 46. der Änderung der Steuererhebung in
XVII 1, 25 C 804. – Tscherikower a.O. 126 der Provinz Aegyptus gegen Ende des
13. Artemidoros, den Strabon ausgeschrie-
Jahres 107 n. Chr. bringt. Ist dies der
ben hat, schrieb etwa in der 1. Hälfte
101 Fall, dann verschiebt sich auch das An-
Kortenbeutel a.O. 22. des 1. Jhs. v. Chr., vgl. Oertel a.O. 46.
fangsdatum der Erdarbeiten für den
102 127 Plut. Anton. 69, vgl. Schleiden a.O. (s. trajanischen Kanal auf 107 v. Chr. Zu
Strab. XVII 1, 26.
Anm. 79) 75. den genauen Datierungsumständen s.
103 Plin. n. h. VI 167. Sijpesteijn a. O. 72 Anm. 5. Ob es sich
128 Pomp. Mela III 80 [Übersetzung K.
104 bei der auf dem Ostrakon verzeichne-
Beloch a. O. 182. Brodersen]. Zu den verwendeten Quel- ten Abgabe von vier Drachmen um ei-
105 H. Brugsch, Die Pithomstele, ZÄS 32, len s. K. Brodersen, Kreuzfahrt durch ne einmalige Zahlung der gesamten
die alte Welt (1994) 5f. Bevölkerung Ägyptens handelt oder
1894, 82.
129 Oertel a.O. 46 mit Anm. 83. – Sidebo- um eine regelmäßig, z.B. jährlich zu
106 Nicht hilfreich für den Verlauf ist
tham a.O. 180-187. entrichtende Abgabe, kann nicht ent-
die Erwähnung bei einem arabischen schieden werden. Sijpesteijn a.O. 73
Schriftsteller des 10. Jhs., Massûdy, 130 Die Behauptung von P. J. Sijpesteijn, geht von einer einmaligen Zahlung
vgl. Schleiden a.O. (s. Anm. 79) 75f. Aegyptus 43, 1963, 71f. Anm. 5, auch aus, Müller a.O. 211 legt sich nicht
107 Kaiser Augustus habe den Kanal wie- fest.
Hallberg a.O. (s. Anm. 17) 29. derherstellen lassen, ist überhaupt 144 Kaiser Trajan regierte 98-117 n. Chr.,
108 Diod. I 33. – Strab. XVII 1, 26. Vgl. nicht beweisbar. Er stützt sich auf die
zwei Inschriften IGR 1055. 1056, die ei- vgl. D. Kienast, Römische Kaisertabel-
Hallberg a.O. 29 mit Anm. 5. le. Grundzüge einer römischen Kaiser-
nen flumen sebaston bzw. einen ποταµeσ
109 Diese kennt auch Strabon XVII 1, 27 ΣεβαστÞσ erwähnen. Doch wurden die- chronologie2 (1996) 122ff.
C 805, vgl. M. Bietak, Tell el-Dab‘a II. se zum einen im äußersten Nordwe- 145 Vgl. Delbrueck a.O. 244. – Rothenberg
Der Fundort im Rahmen einer archäo- sten des Nildeltas gefunden, zum an- a.O. 228. – Hallberg a.O. 30 setzt ohne
logisch-geographischen Untersuchung deren ist die bloße Nennung eines Nachweis die Restaurierung in das er-
über das ägyptische Ostdelta (1975) ΣεβαστÞσ für eine solche Deutung nicht ste Regierungsjahr Trajans, 98 n. Chr.
88. ausreichend, zumal es viele weitere
146 Kortenbeutel a.O. (s. Anm. 99) 66 sieht
110
Schiffahrts- und Bewässerungskanäle
Sie werden im Amtstitel in einem saïti- im gesamten Delta gibt, für deren Wie- dafür keinen eindeutigen Beweis.
schen Grab genannt, s. Bietak a.O. 88. derherstellung Augustus oder ein an- 147 Davon geht B. Rothenberg (Hrsg.), Sin-
111 Sedimentationsrücken und Isohypsen- derer Kaiser (ΣεβαστÞσ) Unterstützung
ai. Pharaonen, Bergleute, Pilger und
linien zeigen den Zusammenfluß zwei- gewährt haben mag.
Soldaten (1979) 228 aus. Diese Mög-
er Wasserläufe, s. Bietak a.O. 88. 131 Ptol. geogr. IV 5 § 54 Nobbe. lichkeit zieht auch Sijpesteijn a.O. 83
112 mit Anm. 5 in Betracht, für den fest-
Bietak ebenda. 132 Claud. Ptol. IV 5, § 54 Nobbe: Tραιανeσ steht, daß Trajan eine Flotte im Roten
113 Besonders an einer 13-m-Konturzun- ποταµeσ ¨ε…. Meer stationiert hatte. Ein Legionsla-
ge, Bietak ebenda. 133 Diod. I 33, 11. ger gab es sicher in Aila am Ende des
3. Jhs. n. Chr., evt. unter Kaiser Dio-
114 Zur Liturgie im ptolemäischen Ägyp- 134 Diod. I 33, 11 [Übersetzung G. Wirth]. cletian, s. RE XII 2 (1925) 1674ff. s. v.
ten s. F. Oertel, Die Liturgie. Studien legio X fretensis [Ritterling]. Zur Pro-
135 So auch Sijpesteijn a.O. 71.
zur ptolemäischen und kaiserlichen vinz Arabia gehörten sowohl die Ha-
Verwaltung Ägyptens (1917, Neudr. 136 Ptol. geogr. IV 5 § 54 Nobbe. fenstadt Aila als auch der Handelskno-
1965) 10ff. Ein Beleg für diese Dienste tenpunkt Petra, vgl. Delbrueck a.O.
ist in dem Papyrus UPZ II Nr. 157 137 Heute ein Vorort Kairos, Alt-Kairo gen- 244.
zu sehen, wo über die tägliche Ar- annt, vgl. Sijpesteijn a.O. 72. – Hall- 148
beitsleistung einer bestimmten Anzahl berg a.O. (s. Anm. 43) 30. Interessant Den starken Güterverkehrs von Aila
Arbeiter über einen Zeitraum genau ist in diesem Zusammenhang, daß auf nach Syrien, z.B. nach Bosra, betont
Buch geführt ist. Hier handelt es sich der Karte V F. 32 in der Nationalbi- Delbrueck a.O. 244.
um Ausschachtungsarbeiten an einem bliothek Neapel des 15. Jhs. n. Chr., 149 Delbrueck a.O. 244f.
Bewässerungskanal. die nach der Vorlage des Claudius Pto-
lemaeus gezeichnet wurden, der Kanal 150 Das soll zu allen Zeiten so gewesen
115 So W. W. Tarn, JEA 15, 1929, 9 mit zwar als Wasserlauf eingezeichnet ist, sein, vgl. Sidebotham a.O. (s. Anm.
Anm. 7. Bereits Alexander der Große aber völlig aus dem Zusammenhang 6) 178. Zum Beispiel konnte ein Er-
hatte eine Expedition unter Führung gerissen wurde: der traianius fluvius zeugnis aus dem Fayum, dem Zentrum
der Nautiker Nearchos und Onesikri- führt bei Bubastis vom Nil weg, nimmt für Manufakturprodukte, über den Nil
tos losgeschickt, vgl. Arr. indik. 18. – seinen Verlauf nach Osten an Heroon- und durch den Kanal direkt zu den
Arr. anab. VI 2, 3. VII 5, 6. – Plin. n. polis vorbei und fließt im steinigen Ara- Häfen am Roten Meer zur weiteren
h. VI 96f. – Delbrueck, BJb 155/156, bien Richtung Ostnordost ins Nichts. Verschiffung unter Umgehung des teu-
1955/56, 28f. Das bedeutet m.E., daß im Spätmit- ren Landtransportes gebracht werden,
Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike 43

vgl. Sidebotham a.O. 179. 179 Weber a.O. 5. Außerdem werden hier Abb. 8: G. K. Jenkins – H. Küth-
die Bitterseen als nördliche Verlänge-
151 Sidebotham a.O. 179. rung des Golfes von Suez verstanden. mann, Münzen der Griechen (1972)
152 Sidebotham a.O. 180-187, dort auch 180
Abb. 557.
Hallberg a.O. (s. Anm. 17) 31.
genauere Angaben zu Verlauf, Ausse-
hen, Befestigungen, Sicherung und Be- 181 Eine Quelle für das späte 5. Jh. n. Chr. Abb. 9: J. P. C. Kent – B. Overbeck
nutzungsgebühren für diese Wüsten- ist die expositio totius mundi et genti-
straßen. um, denn hier wird als wichtigster Ha- – A. U. Stylow, Die Römische Münze
153
fen Aila angegeben, Klysma und Bere- (1973) Taf. 67 Nr. 259.
Er bezieht sich hier auf zwei literari- nike dagegen werden überhaupt nicht
schen Quellen, Eutr. VIII 3 und gleich- mehr genannt. Für Delbrueck a.O. (s.
lautend Hier. chron. 220 Olymp: »…in Anm. 115) 283f.ist dies ein eindeutiger Abb. 10: S. E. Sidebotham, in: V. Be-
mari rubro classem instituit, ut per Hinweis darauf, daß der Handel nun gley – R. D. De Puma, Rome and In-
eam Indiae fines vastaret…« Vgl. Sij- mehr und mehr über Syrien statt über
pesteijn a.O. (s. Anm. 130) 83 mit Anm. dia. The ancient sea trade (1991) 16
Ägypten läuft.
3-5. Karte 2.4.
182 Hallberg a.O. 32. – Kortenbeutel a. O.
154 Sijpesteijn a.O. 81. (s. Anm. 99) 79.
155
Abb. 11: S. Sidebotham, AW 22,
Delbrueck a.O. (s. Anm. 115) 244f. 183 Delbrueck a.O. 302. 1991, 177 Abb. 1.
156 Kortenbeutel a.O. (s. Anm. 99) 67. 184 Sijpesteijn a.O. (s. Anm. 130) 78.
157 Delbrueck a.O. 245. 185 Abb. 12: K. Miller, Die Peutinger-
Ebenda 79.
158 Vgl. Hist. Aug. Hadr. 21, 12. 186 Z.B. Alfergan, 9. Jh., vgl. Schleiden a.O.
sche Tafel (Neudruck 1962), Aus-
159 (s. Anm. 79) 81. schnitt aus Tafelabschnitt IX.
Kortenbeutel a.O. 68.
187 K. Guthe, Die Landenge von Suez im
160 Kortenbeutel a.O. 72.
Altertum, ZPalV 50, 1927, 75 setzt die
161 Delbrueck a.O. 303. Orte Klysma (griech. »Brandung«) und
162
El-kulzum gleich. Klysma liegt heute
Delbrueck a.O. 301. ca. 6 Meilen vom Meer entfernt.
163 Sijpesteijn a.O. 74. 188 Makrizzi, 1. Hälfte des 15. Jhs., vgl.
164 P. Oxy. XII 1426. – Sijpesteijn a.O. 74f. Schleiden a.O. 83ff.
189 Vgl. Schleiden a.O. 82.
165 Sijpesteijn a.O. 75.
190 Zitat Schleiden a.O. 83.
166 SB V 2, 7676 Z. 6ff.
191 Schleiden a.O. 85.
167 SB V 2, 7676 Z. 15f. – Sijpesteijn a.O.
75. 192 Zitat Schleiden a.O. 85.
168 PSI VI 689 Z. 30.
169 Sijpesteijn a.O. 76.
170 Zum Liturgiedienst während der Rö- Abbildungsnachweis
mischen Kaiserzeit s. F. Oertel, Die Li-
turgie. Studien zur ptolemäischen und
kaiserzeitlichen Verwaltung Ägyptens Abb. 1: E. Naville, The Store-City of
(1917, Neudr. 1965) 63ff. Für einen Pithom and the route of the exodus
Liturgiedienst wurde normalerweise
kein Lohn gezahlt. (1903) Karte.
171 Sijpesteijn a.O. 76.
Abb. 2: Egyptian Sculpture of the
172 PSI I 87 Z. 4f. 7. Late Period 700 B. C. to A. D. 100.
173 Z.B. in SB V 2, 7676: 9.4.297, in PSI VI Ausstellungskatalog Brooklyn Mu-
689: 3.3.420/421. seum 1960 (1960) Taf. 40 Abb. 95.
174 So auch Sijpesteijn a.O. (s. Anm. 130)
77. Der niedrigste Wasserstand ging Abb. 3a: R. Ghirshmann, Iran.
der Nilschwelle im Sommer voraus.
Protoiranier, Meder, Achämeniden
175 P. Lond. IV 1346, ediert von H. J. Bell (1964) 206, Abb. 255
(Hrsg.), Greek Papyri in the British
Museum IV (1910) Nr. 1346.
176 Abb. 3b: W. Hinz, Darius und die
P. Lond. IV 1346 Z. 10. Bei diesen »Tra-
janischen Wassern« handelt es sich Perser (1976) 222, Abb. 54
ganz sicher um den Kanal, der, wie es Anschrift der Verfasserin
in Z. 6-8 heißt, bei Klysma in das Meer Abb. 4: W. Hinz a.O. 211 Karten-
mündet.
skizze 7. Hadwiga Schörner
177 Vgl. Sijpesteijn a.O. 78 mit Anm. 4. Friedrich-Schiller-Universität Jena
178 Rothenberg a.O. (s. Anm. 147) 228. – Abb. 5: Hinz a.O. 212 Abb. 50. Institut für Altertumswissenschaf-
Näheres zu dieser wohl aus dem 4. ten
oder 5. Jh. n. Chr. stammenden, in ei-
ner Kopie des 12. oder frühen 13. Jhs. Abb. 6: Hinz a.O. 215 Abb. 51. Klassische Archäologie
vorliegenden Routenkarte: E. Weber, Kahlaische Straße 1
Tabula Peutingeriana. Codex Vindobo- Abb. 7: A. K. Bowman, Egypt after 07745 Jena
nensis 324. Faksimile u. Kommentar
(1976) 9-11. – ders., AW 15, 1984, 5-6 the Pharaohs 332 B. C. – A. D. 6422 E-Mail:
abb. 10.Nildelta (1996) 23 Abb. 12. hadwiga.schoerner@gmx.de