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1985

5755

11
MU
Poola

Wir

er
ov

Aus dem
Antiquarischen Magazin

UNIVERSITÄTS - BUCHHANDLUNG
in KIEL ,
Schuhmacher- Strasse No.86 . 2680

Karl von Echartshauſens

E 1 t w urf

iu ciner
* * 11 11

ganz neuen de
Chimie
LENLELULO
durd die

Entdeckung eines allgemeinen Naturprinzips

wodurd ride

das phlogiſtiſche Syſtem der alten , und das antiphlos


giſtifde'der neuen Chimiſten als zwen Extreme in ein Mittel,
fyftem dereinigen laſſen , worinn allein die Wahrheit liegt und
die höhere Chimie der älteſien Vorzeit, mit der gemei.
ACR Soulsimie der jebigen Zeit deco
einiger tiri .

DEUTS
CHE

Regensburg, 1800 .
be in Montag und We i 6 .
I
Dab, mas Ulles ſichtbar macht, iſt ein füffiges lidt ,
das Licht, das alle Erſcheinungen
bewirkt.

Tai
Das, was Ulles greifbar macht, iſt ein materieles förperliches
Licht- das nicht leuchtet, aber das Subirat zum leuch ,
ten ijt,
das Licht als Materie, woraus alles
entſteht.

3.
Das, was Ulles erkennbar macht, iſt ein geiſtiges Licht,
das Licht der Vernunft.

3
Die materiele Welt , Sinnenwelt und Vernunftwelt
verhalten ſich gegeneinander

3
wie Erſcheinung, Empfindung und Wahrnehmung.

So iſt z immer in i ..

A
EXHLEISBRIS M
C
DEUTS MUSEU
w s t r o o m
Sig . Graf Klincko
Dem

Herrn Joſeph Frank ,

der Arzneywiſſenſchaft Doctorn -

P r i m a t a r z t

im allgemeinen

K r a n ke nha ure in Wien,


vorher auſſerordentlichem

Profeſſorn der praktiſchen Heilkunde


a uf
der boben Schule zu Pavia ,

weibet, jut Bezeigung ſeiner wahren und innigſten Berehrung,

dieſes Buch

der verfarrer.
1

i
Concentration des Syſtems
1
ůber

lidt, W årme und Feuer

als

Vorausſetung ju dem nachfolgenden Syſtem .

1. Die Welt iſt ein Ganzes unzähliger Er.

ſcheinungen in Zeit 1 und Raum, denen eben ſo


viele Realverhältniffe forreſpondiren, welche
Reſultat einer einwirkenden Urfraft auf eine

paſſive, empfängliche Urerregbarkeit ſind. Straft


iſt - objektive Wirkungsquelle; Stoff , oder
Erregbarkeit ihr aufnehmendes Subjekt.

2. Die Straft wirkt als Reig, und das


Subjekt verhålt ſich zu ihr als -- erregbare
Empfänglichkeit. Die Kraft modificirt; der
Stoff iſt modifikabel, und wird dadurch zur
Form, zum leidenden Organ .

3. Weil aber weder Sraft, noch Stoff

! Selbſtſtändigkeiten ſind, ſo hangen nothwendig


bende
bende von einer abſolut überſinnlichen , transcen .
denten Urquelle ab, welche ihnen nicht nur Das
ſeyn giebt und erhålt, ſondern auch Geſeßgebe.
rin iſt , und ro die Ort ihrer Exiſtenz, ihre
modos eſſendi, nach préconcipirten Ideen
ſelbſtthårig leitet. Dieſes teleologiſche Urprins
zip alles Geſchaffenen iſt — Gott.

4. Nachdem aber alles zwiſchen Werben


und Berſchwinden exiſtirt; alles nur Conſtruk.
tion , Deftruktion und Reſtauration iſt, fo frågt
fich : ob dieſem ewigen Entſtehen und Vers

gehen nicht dennoch etwas Beharrliches zum


Grund liege , und wenn ja - auf welchem
Beg das Beharrliche zu unſerer Kenntniß ges
bracht werden könne ?

5. Wenn alles Empiriſche in der Natur,


wenn die ganze Sinner , oder Körperwelt pure
Zufälligkeit, pure modifikation iſt, fo fragt die
Vernunft noch ferner : Was wohl etwa der

Zweck von Allem ſen, und wie auch dieſer


zu unſerer Kenntniß zu bringen ſeyn möchte ?

6. In Anſehung der erſten Frage kann nur


stvar das Beharrliche im Reich der Rodififationen
immer .
immerhin da reyn ; aber weil felbft unſer Ano
ſchauungsorgan für uns ebenfalls Modifikation
iſt, ſo kann das Beharrliche nur entweder in
bem erſten unbedingten Ulrſtoff ſelbſt, oder in
dem lezten aller Bedingungen, d. i . nur in den
benden Naturertremen gefunden werden .

7. Was nehmlich auſſer Gott exiſtirt, exto


ſtirt zwiſchen 2 Extremen, zwiſchen der Quelle
ſeir :8 Werdens und dem Endpunkte reiner Ben
ſtimmung. Iſt dann die leßtere erreicht, hat
der Unfang rein Ende gefunden . Beyde Exe
treme wohnen dann friedlich in Einem, und der
Maturzweck iſt erreicht.

8. Im Allgemeinen iſt der Naturzweck


vierfach. Im Univerſalreich iſt es der Sohlens
ſtoff; im Steinreich das Gold ; im Pflanzen ,
i
reich der Saame eines jeden Individuums,
und im Thierreich der Saame der Thiere
nicht die Pflanzen und Thiere ſelbſt ; denn dieſe
find abermals in Anſehung ihres empiriſchen
Cheils nur Modifikation . Im Saamen hinge,
gen liegt die ganze Thier - und Pflanzenwelt,
alſo das Erſte und lezte zugleich. Der Menſch -
Mikros
Mikrokoſmus --- iſt hieben als hechſter
Naturzweck, folglich als Naturendzweck, zu bes

trachten.
9. Der Naturjiweck iſt jedoch entweder
nicht überall mit Beharrlichkeit verbunden , oder
für uns nicht liberal erkennbar ; denn es giebt
eine materielle, und eine überſinnliche, trans .
cendentale Beharrlichkeit. Subftanz und Be.
harrlichkeit ſind hier übrigens fynonim .

10. Der allgemeine Naturzweck, welcher


zugleich Schöpfungszweck iſt, gehet alſo auf
Hervorbringung von - Subſtanzen, welche
bann, weil kein Schepfungszweck bloſſe Zufåle
ligkeiten zur Abſicht haben kann, wenigſtens in
Anſehung der transcendentalen Subſtan
tialitåt, bleibend, ungerft &rlich und ex poſt
ewig find.
II . Um uns indeß nur auf das " Univer.
falreich einzuſchränken , fo find Gründe vorhan.
den , den Kohlenſtoff für das Subſtantiale
dieſes Reichs' anzunehmen , nach welcher Vors
ausſeßung denn der Rohlenſtoff hier Naturzweck,
folglich das Modifikationsextrem dieſes ganzen
Reiches ift.
12. Weil
*

12. Weil nun in der Subſtanz nothwena


dig auch das entgegengeſezte Extrem des ure
ſprünglichen Werbens liegt, das hier als

Naturanfang gedacht werden muß, ſo folgt;


daß man im Regreffus von der Subſtanz zu
ihrem Urſprung endlich auch auf das Anfangs .
extrem des gedachten Univerſalreichs kommen

miffe, der einzige Weg , auf dem wir ohne


einen Saltus die Beſchaffenheit des Naturs
anfanges zu unſerer Kenntniß bringen können.

13. Nun finden wir aber auf dieſem Res

greſſus dren allgemeine Fortſchreitungsſtuffen ,


durch die alles in dieſem Reich abſolut zu ge.
hen hat, um von einem Extrem zum andern zu
fommen .

14. Dieſe dren Fortſchreitungsſtuffen find


im Regreſſus vom lezten zum erſten aufſteigend ;
im Progreſſus vom Erſten zum lezten hingegett
abſteigend. Alſo giebt es in dieſem Reich eine
dreyfache auf und abſteigende Progreſſion.

15. Durch dieſe dreyfache Progreſſion


muß denn nothwendig auch ein dreyfacher Zua
ſtand, ein dreyfacher modus effendi, unter
den
6

den Produkten dieſes Reichs entſtehen , deren


jeder von dem andern, nicht zwar in der ina
nern zum Grunde liegenden Caufalitat, doch in
der duſſern Modifikation verſchieden iſt.

16. Dieſer dreyfache Zuſtand iſt wirklich


vorhanden ; denn alles im Univerſalreich exiſtirt
entweder als feſt, oder als flüſſig, oder als
gasförmig , und dieſe drey Zuſtände ſind nichts
anders als Reſultate der auf oder abſteigens
den Progreſſion eines und deſſelben Urſtoffes,
der ins Unendliche modifikabel iſt.

17. Fångt die aufſteigende Progreſſion


beym Kohlenſtoff, als dem hypothetiſch anges
nommenen Ultimo naturae an, ſo gehet ders

ſelbe vom feſten in den flüſſigen, und vom flúra


Figen in den gasförmigen Zuſtand uiber. Fångt
hingegen die abſteigende Progreſſion vom Gas,
fórmigen an, ro gehet fie von da ins Flüſſiger
und vom Flüffigen ins Feſte úber, welches abers
mals der Sohlenſtoff iſt.

18. Weil indeß ben jedem dieſer dren


Zuſtände immer Straft und Stoff, oder Reig
und Erregbarkeit , in Einem Subjekt gedacht
wer,
werden miffen , ſo folgt, daß auch das Sub .

jekt ſelbſt, oder das Ultimum naturae, in


jedem Zuſtand eine eigene und individuelle Mon
difikation erleiben werde.

19. Dieſes verhålt fich wirklich ſo ; denn

im Aufſteigen vom Kohlenſtoff kommen wir auf


dren verſchiedene Modifikationen deſſelben , wel.
che der Feuerſtoff, oder Wärmeſtoff, und der

Lichtſtoff find.
20. Weil aber keiner dieſer dren Stoffe
ohne Scraft, oder ohne dem angemeſſenen Reiß,
weder iſt, noch ſeyn kann, ſo muß es nothwen,
dig auch dreyerlen Reize geben , und dieſe
find: der Feuerreiß, der Wärmereiſ und der
Lichtreiz, welche ftets im Einwirken auf ihre
congruenten Stoffe begriffen , oder in der bloſs
Fen Potenz dazu , folglich im Ruhen ſind.

21. Weil ' ferner Kraft und Stoffe oder


Reiz und Erregbarket, burch Aktion und Res
aktion nothwendig ein Drittes erzeugen müſſen,
welches an den Eigenſchaften beyder Theil nimmt,
ſo wird fich das auch bey den obigen 3 Partikua
larerregbarkeiten auf die nehmliche Art verhalten.
22. Den
8

22. Dem zu Folge erzeugen der Feuerſtoff


und der Feuerreiz — aktuelles Feuer ; der
Wärmeſtoff mit dem Wärmereiz aktuelle

Wärme ; der Lichtſtoff und der Lichtreiz - af


tuelles Licht.

23. Feuer, Wärme und Licht find alſo


Wirkungen oder Folgen von der Aktion des an .
gemeſſenen Reizes auf die angemeſſene Errego
barkeit, doch ſo, daß in der Wirkung auch ims

mer Kraft und Stoff zugleich vorhandeu find.

24. Die Reize können aber im verſchies


denen Verhältniß, und in verſchiedenem Zuſtander
mit ihren Stoffen verbunden ſeyn, oder im Ner
rus ſtehen , wo denn auch nothwendig die Nes
ſultate ſowohl als die Wirkungen verſchieden
ausfallen müſſen .

25. Im Feuer, in der Wärme und im


Licht ſind die Reize überwiegend, in ihrer Stoffs
natur hingegen verſchlungen , abgeſtumpft, geo
bunden .

26. Der Feuerſtoff iſt dem feſten- der


Wärmeſtoff dem flüſſigen- der Lichtſtoff dem
gasförmigen Progreſſionszuſtande des Unt.
verfal.
verfalreichs eigen. licht und Wärme hingegen
durchdringen alle Produkte der ganzen Natur .

27. Die dren mit ihren Stoffen verbundes


nen Reize ſind jedoch nur in ihren drey Wirkun.
gen - nehmlich als aktueles Feuer, oder Wärme,
oder licht- unbekleidet vorhanden . Auſſerdem
exiſtiren fie überall bekleidet.

28. Die Bekleidung dieſer drey reizfähigen


Stoffe geſchieht durch Media , die ſie ſich ſelbſt
aus lich

tig auf jeder Progreſſions . und Regreſſionsſtuffe


verſchiedentlich modificiren , vermiſchen , durch .
dringen und verbinden.

29. In dieſen Bekleidungen erſcheinen


dann die drey gedachten Stoffe entweder als
Såuren, oder als - Waſſer, oder als —
Alkalien, oder als — Erden, welches die vier
Grundformen find, von welchen die übrigen alle
nur Modifikationen find.

30. Dem zu Folge bilden die 3. Urreize


und Urformen , in Verbindung mit ihren anges
meſſenen Mediis, die dren Urfåuern , nehmlich
die Seuerfåure, Wärmeſäure und Lichtſäure,
welche
&
IO

welche in ihrem Convolut das Univerſalfaure


der ganzen Natur darſtellen , welches im Aufs

ſteigen, wie alle feſie und fiffige Naturprodukte,


des gasférmigen Zuſtandes fähig iſt.

31. Wenn daher diefe drey Urſäuern in die


Gasform übergehen , ſo bildet die Feuerſäure -
Lebensgas ; die Wärmeſäure brennbares
Gas ; und die Lichtſäure Stickgas .

32. Jenſeits diefem leztern hat die Kunſt


keine Werfzeuge mehr, die lirfornten und Urs

reize der Natur noch weiter im Aufſteigen zu


verfolgen. Man iſt daher berechtiget, das Sticks
gas für das zweyte durch Kunſt im Aufſteigen
erreichbare Naturextrem , wenigſtens hypothetiſch

anzunehmen.
33. Adein das Abſolut - erſte Natur ,
extrem , das Primitivum naturae, iſt dadurch
noch keineswegs aufgefunden . Dieſes iſt für
unſere Sinne transcendental , und kann nur
durch Vernunftſchlüſſe logiſch beſtimmt werden ,
indem man zum Bedingten das Bedingende ,
zur Wirkung die Cauſalitåt, und zu dieſer das
Subjekt, als den Urftoff aufzuſuchen ſtrebt.

34. Nun
*
11

34. Nun iſt aber keine Modifikation ohne


Bewegung møglich, und dieſe kann wieder nur
in einen angemeſſenen Subjekt als méglich ges .
dacht werden .

35. Sowohl abſolute Bewegungskraft, als


abſolutes Subjekt dieſer Kraft fann jedoch nur
von der allerhöchſten Welturſache, nur von Gott
kommen ; denn auſſer Gott iſt alles, was Er
Pelber nicht iſt, unſelbſtſfindig, abhängig und

todt, ja ſogar ohne Seyn, ohne Weſen , ein


Nichts.

36. Aber auch bey der Vorausſegung der


Zwiſchenfunft einer verſtånbigen, höchſten Welt.
urſache iſt Bewegung ohne contrår - wirkende
Urfräfte abermals weder denkbar, nocy mog.
lich . Alſo -muffen wir in dem Urſtoffe der Welt
nothgedrungen fich widerſtreitende lirfråfte an :
**
nehmen .

37. Nun verbietet aber das Gefeß der


Sparſamkeit, deſſen Befolgung wir unſtreitig
dem allerhschften und weiſeften Urweſen auch
a !
im hochſten Grade zuſchreiben müſſen, mehrere

Kräfte anzunehmen , als zu Erreichung des ges

ſamme

DEUTSCHES MUSEUM
12
}

ſammten Grund- und Endzweds gerade zu hins


langlich ſind. Nun läßt ſich mit zwo oder dren
Urfråften wirklich alles erklären, was auf -
bloſſe Bewegung in der Natur relativ iſt.
Alſo müſſen wir uns auch auf die Drehzahl
dieſer Urfråfte immerhin einſchränken.

38. Es giebt alſo drey Urfråfte in der


Natur, welche die geſammte Quelle aller Betres

gung ausmachen , folglich die nothwendige Beo


bingung ihrer M &glichkeit ſind. Dieſe Quelle
felbft aber hat ihre Urquelle in Gott . Weil

auch dieſe Urfråfte nothwendig von irgend ei.


nem Mittel . oder Quellpunkte ausgehen müſſen ,
ſo heiffen ſie mit Recht-- Centralfråfte. Nur
muß man dieſen innern Urquellpunkt, als das
Continens , folglich zum wenigſten ſo groß ,
wie das ganze Univerſum denken, welches das
Contentum ift.

39. Was die Richtung dieſer Central


fråfte betrift, ſo muß die erſte nothwendig
anziehend , und die zwote - zurückſtoſſend
fenn , welche dann in ihrer Wirkung und Res
aktion die dritte erzeugen , welche cirkular
iſt.
*
13

iſt , Dieſe dreyfache Centralfraft macht alſo in


der Schöpfung den primitiven Reiz aus, der
daher füglich - Urrei ; heiſſen kann .

40. Sol aber der dreyfache Urreig wir ,


ken, To fordert er, wie gedacht, ein ihm anges
meſſenes Subjekt, irgend ein Paſſivum , eine Uns
terlage, einen congruenten Stoff. Sou fers
ner dieſer Urreiz zugleich modifiziren , ſo muß
das Subjekt auch ebenſo nothwendig ins

Grenzloſe modifikabel feyn.

41. Weil dem zu Folge durch dieſes Sube


jeft alles Materielle, und mittels dieſem jebe
empiriſche Erſcheinung , in der Natur hervorge.
bracht werden ſoll , ſo muß es nothwendig auch
den Grund alles Materiellen enthalten . Was
aber den paſſiven Grund der ganzen Schöpfung
enthålt, aus welchem folglich alles berfließet, und
in welchen alles wieder zurückkehrt, das muß
abſolut ſeinem Innern nach beharrlich reyn.
Ulſo hat der Naturanfang Beharrlichkeit; ift
folglich eine Subſtanz; und als Naturquelle die

phyſiſche - Urſubſtanz.

42. Die
42. Die Beſchaffenheit dieſer Urſubſtang
ift fiir uns eben ſo, wie die Beſchaffenheit des
Irreizes , nur aus den Wirkungen erfenubar.
Nun iſt aber die erſte Wirkung derſelben
phyſiſches Licht, und die lezte im Steinreich
iſt – gediegenes Licht. Alſo verrathen die
zivo Sonnen in der Natur, von welcher Bes
ſchaffenheit der paſſive Naturanfang eigentlich
ſey , und berechtigen uns, demſelben -- Lichts
natur beyzulegen. Folglich iſt der anfängliche
Urfeim der Natur wahre - Lichtſubftan 3 .

43. Paſſive, jedoch für uns transcenden.


tale Lichtſubftanz, verbunden mit der dreyfachen
Centralfraft, macht alſo das abſoluteſte Naturs
extrem , von dem wir nun erſt mit Evidenz ur .
theilen können. Es iſt Convolut des dreyfa.
dhen Urreizes , verbunden mit ſeinem Urſubjekt .
beydes in Gasfcrm .

44. Sobald die drey Centralfräfte auf ihr


Subjekt einwirken , werden dieſelbigen für niedri.
gere Stuffenordnungen zum Reiß, und die Stette
der Modifikationen beginnt. Wir wollen alſo,

vom Stickgas angefangen , unſern Regreſſus


durch
15

durch die dren allgemeinen Naturzuſtande wies


der zuruck machen.

45. Verdickt ſich das Stickgas bis zu demi


zweyten Naturzuſtand, ſo gehet es in- lichte
ſåure über, die ein faifenartiges Fluidum iſt,
in welchem das Elaſtizitätsprinzip unter allen
bekannten Flüſſigkeiten am fårkeſten prådomis
niret, weil die Repulſivkraft noch am freieſter
wirken kann.

46. Verdickung ſelbſt iſt entweder Folge


ber blos verſtärkten Attraktivkraft, oder der Vera

bindung mit niedrigern Stuffenordnungen der


Natur .

47. Im licht ift alſo die Repulſivkraft


im höchſten Uebergewicht iiber die Anziehungs.
kraft. In der. Gasform überwiegt die Repuls
fion bereits minder. In der Lichtfåure nähert
fie ſich dem Gleichgewicht bender fråfter und
wird dieſes ganz erreicht, ſo iſt die Lichtſäure
in die Natur des Wärmeſtoffes übergegangen,

48. In den höchſten Regionen des Unt.


verſalreichs befindet ſich der Lichtſtoff beſtåndig
in der Gasform , unter welcher derſelbe das

gange
16

ganje Univerſum erfüllet. Sommt der Sonnen ,


reiz hinzu, ſo entſtehet aktuelles Licht, aber
noch keine Wärme, weil zu dieſer das Gleich .
gewicht der Centralkräfte erfordert zu werden

ſcheinet, welche nur in den niedrigen Regionen


erfolgen kann . Daher iſt es über der Atmos!
phäre unſers Planeten ſtets negativ warm , d. i.
kalt.

49. Weil die verſterkte Attraktivkraft nicht


nur verdichtet, ſondern auch obumbriret, ro liegt
in ihr zugleich der Srund aller Finſterniß. Mane
gelt daher der Sonnenreiß, ſo verſtärkt fich die
Attraktivkraft bis zur Obumbration ihres Sub .
jekts. Daher herrſchet in dem Raume unſers
Planetenſyſtems bey Abweſenheit der Sonne

negatives Licht, die Finſterniß.

50. Sonne iſt ein vielleicht unbekleides

tes, vom Schöpfer des Ganzen in einen gerviſo


fen Raum eingeſchloſſenes Convolut von ur ,
ſprünglicher Lichtſubftanz, verbunden mit den

drey Centralkräften in ihrer höchſten Jntenſitåt.


Daher ihr blendender Glanz, ihr alldurchdringen .
der Lichtreizh ihre ungeheuer ſchnelle Bewegung .

51. D6
12

51. Ob die Sonne etwas verlieren folge


lich ernähret werden mußen oder ſich blos
durch ihre ſchnelle Umwälzung ben immer glej
cher Intenſitåt thres Lichts und ihrer Central
fråfte erhalte, iſt für uns ein vielleicht unauf.
Issbares Problem .

52. Die Alten fahen die Sonne für ets


nen offenen Punkt des Univerſums an , durch
welchen die innere transcendentale Welt, die
von dieſer åuffern um eine ganze Geburt vers
ſchieden iſt, in dieſe materielle Welt einwirke,
und ſie hatten wahrſcheinlich ro unrecht nicht,
Dber wodurch lieſſe ſich wohl der Conflurus
der Störperwelt mit ihrem nothwendig hos
hern Urſprunge anſchaulicher machen , als durch
den Einfluß der Sonne ins Ganze ? Man nehme
die Sonne aus unſerm Planetenſyſtem weg, und

die ganze Welt der Modifikationen wird ſogleich


wieder in ihr Chaos zurückkehren.

53. Indeſſen iſt auch das ganze Univer.


ſum - Sonne , nur in einem dilatirten ,
ausgedehnten , gasförmigen Zuffande. Dar
her bedarf es eines fremden Reizes — Sorta
nen ,
18

nenreizes - um bewegt, modifizirt, erleuchtet,


erwärmt, und in dem beſtåndigen Wechſel von
Conſiruktion und Deſtruction erhalten zu wer .

den, der in ſeinem Schooſe vorgeht.

54. Von der Sonne gereizter Lichtſtoff im


dilatirten Zuſtande, 0. i . in Gasform , bringt
alſo Licht in actu hervor. Daher könnte
zur, Gasform dilatirter Lichtſtoff, anſtatt Stick.

gas, vielleicht ganz eigentlich - lichtſtoff


gas heiſſen .

:55 . Perdict ſich das Lichtſtoffgas bis zur


Natur einer dichtern Flüſſigkeit, so hat der reine
Lichtſtoff reine abſteigende Progreſſion geendiget,
und grenzt ſodann an Wärmeſtoff, in den er
fich auch durch weitere Descenſion transformiret,

56. Dieſe Erſte aller Flüſſigkeiten , welche


fich in dem Univerſalreich bildet, kann, wie ſchon
gedacht - Lichtſäure heiſſen , weil ſie in der
That Faurer Natur iſt, und daher die Erfte der
prey lirſäuern darftellet. Auch ſcheinet ſie ben
ber Produktion des aftuellen lichts zum Medium
3.dienen , im welchem fich Reiz und Stoff fone

jungiren.
57. In
19

57. In der Lichtſäure iſt das Gleichge.


wicht unter den 3: Centralkräften immer noch
nicht ganz erreicht. Die Repulſivkraft iſt hier
noch, überwiegend. Sobald aber dieſes Gleiche
gewicht in abſteigender Progreſſion erreicht wor.
den, ſo iſt der lichtſtoff in die Natur des Wärmes
ftoffes übergegangen .

58. Wird der Wärmeſtoff durch Verbin


dung mit einem hdherit Medium wieder vers
flüchtiget , ſo entſteht eine Gasart, welche brenn,
bar iſt, und daher - ganz füglich Wärmes
ſtoffgas heiſſen konnte. Es ift brennbar,
weil hier die Affinitätsgefeße eintretten, und
durch ihre Aktion und Reaktion die drey Centrale
fråfte bis zu ihrer møglichſten Intenſitåt erhs,
hen ; eben dadurch aber eine Trennung und neue
Verbindung in den Beſtandtheilen ſowohldes ein.
wirkenden Mediums , als des erregbaren Stoffs,
welcher hier das Wårmeſtoffgas iſt, bewirken .

59. Wird daher das Wirmeſtoffgas durch


den Feuerreiz entzündet, ſo entſtehen aktuelles
Licht und aktuelle Wärme. Jenes entweicht
unter einem leuchtenden Strome, und dieſes

als
!
20

als fühlbare site. Die Grundlage der beiden


Gasarten hingegen , welche hier auf einander
wirken, und ſich anziehen, nehmlich der Wärme.
ftoff und Feuerſtoff, verbinden ſich zu einem
neuen Produkt.

60. Verdickt ſich das Wärmeſtoffgas ohne


Verbrennung, ſo entſtehet eine Flüſſigkeit, die
wegen ihrer fåuerlichen und zugleich noch vom
Fichtſtoff participirenden Eigenſchaft mit dem Nas
men der Fettſäure belegt werden könnte ;

noch eigentlicher aber Wärmeſäure beiſſen


tann.

61. Mit der Darſtellung dieſer Flüſſig .


keit , welche als die zwote der dren Urſäuern
zu betrachten iſt, hat auch der Wärmeſtoff ſeine
abſteigende Progreſſion vollendet , und gränzt
nunmehr an Feuerſtoff, in den er ſich auch
burd, weitere Descenſion transformiret.

62. Die Wärmeſäure iſt das Medium,


in welchem alle Verbrennungen vorgehen ; Ver.

brennungen aber ſind allemal entweder mit Proa


duktionen der aktuellen Wärme, oder des aktua
ellen lichts, oder auch beyder zugleich verbun.
den.
den. Sie entweichen aber augenblicklich in 18 .
here Media, und indem ſie entweichen , erwåra

men und erleuchten ſie.

63. Es giebt daher ein phyfiſches Urlicht,


und auch eine Urwårme. Bende find Pro.
dufte des Sonnenreizes auf den Lichtſtoff und
Wärmeſtoff. Es giebt aber auch ein deriva .
tives Licht, und eine derivative Wärme.
Bende find Reſultate der Verbrennung , oder
der Friftion.

64. Die entweichende Wärme ſucht fich


mit der ſpezifiſchen Wärme der angränzenden
Kérper ins Gleichgewicht zu regen , und reiche
ro die Bedingung der Möglichkeit dar, zu mår.
men , und zu refrigeriren .

65. Die Wärme iſt daher eine wirkliche


Materie, fo wie das Licht eine wirkliche Mar
terie iſt. Dhne ihre Exaltation durch homos
gene Reise zu aktuellem licht und aktueller

Wärme, Heiſſen dieſe Materien - lichtſtoff und


Wärmeſtoff, welche dann, beym wirklichen Dam
ſeyn der gebachten Reize und ihrer Einwirkung,
allererſt in Wärme und Licht übergehen.

66. Ima
66. Im licht iſt alſo lichtſtoff und in
ber Wärme Wärmeſtoff vorhanden , nur durch

ihre Reizę exaltirt; denn es giebt in der Nas


tur keine Wirkung ohne Subjekt .

67. Exaltation iſt Reſultat der Verſtår .


fung der drey Centralkräfte durch objektive Reize;
in welchen dieſe Exaltation ſchon pråexiſtirt.

68. Weil jede Flüſſigkeit bis zur Gas .


natur verfluchtiget werden kann, ſo iſt dieſes

nothwendig auch bey der Wärmeſäure der Fall.


Wenn aber unter den drey Centralfråften des
Wärmeftoffs fein neues Verhåltniß , wie auch
oben beym Uebertritt des lichtſtoffs in der

Warmeſtoff, eintråtte , fo würde durch Ver .

flüchtigung oder Gaſifizirung der Wärmeſäure


nichts anders, als das vorige brennbare Gas
entftehen können. Allein in weiterer Descen ,

fion fångt die attraktive Kraft an, über , die


Reputſivkraft das Uebergewicht zu erlangen ,
und dadurch gehet der Wärmeſtoff in -- Feuer
ftoff über .

69. Der Unterſchied zwiſchen dem Licht


Hoff årmefioff und Feuerſtoff liegt alſo nicht
in

1
23

in der Verſchiedenheit der Stoffnatur,


ſondern in dem verſchiedenen Verhältniß
zwiſchen den drey Centralkräften .

70. Wird der ſolchergeſtalt entſtandene


Feuerſtoff durch Verbindung mit einem behern
Medium wieder verfiúchtiget, ſo entſtehet eine
Gasart, die man bisher - Lebensluft nannte,
weil fie ' die abſolute Bedingung der Möglich.

keit des Lebens aller Thiere und aller Pflan.


zen , ſo wie aller Verbrennung, Gährung, Vera
weſung 2. ift. Man würde ſie aber noch fuig .
licher mit dem Worte - Feuerſtoffga8

bezeichnen .

71. Dieſes Gas ift auſſerdem auch die


Quelle alles Sauren in der Natur. Wird es
daher verdickt, fo gebet es in eine Flüſſigkeit
über, die eine poſitive Säure iſt, welche die
dritte von den drey . Urſäuern ausmacht , und
mit der auch der Feuerſtoff feine abſteigende
Progreſſion vollendet hat.

72. Dieſe Flüſſigkeit kann Feuerſäure


heiſſenr wie ſie denn auch auf die organiſchen
Lheile des Chier , und Pflanzenreichs faſt eben
To
24

ro wirkt, wie aktuelles Feuer. (Cauterium


potentiale .)

73. Felier iſt eine Erſcheinung, welche


erfolgt, fo oft Feuerſtoffgas mit brennbaren
Körpern in Berührung iſt, und der Feuerreiz,
durch was immer für eine Urſache; bis zur Ent.
júndung verſtärkt wird.

74. Wenn diere Erſcheinung zugleich


leuchtet und wärmt , ſo iſt fie Reſultat von
dreyerley Reizen und Erregbarkeiten. Der
Feuerreig weckt nehmlich auch den Wärmereiz,
und dieſer den Lichtreiz. Indem nun alle dren
Reize auf den angemeſſenen Stoff wirken , ro
entſtehen nothwendig Feuer, Wärme und richt
zugleich , welche dann jenen leuchtenden und
wärmenden Regel bilden , welcher Flamme
Beifſet.

75. Das Feuer würde rund und kugel.


förmig brennen , wenn es die Atmosphäre nicht
in einen Kegel empordrückte, zum Beweis, daß
die Centralkräfte in ihrer freyen Uttion ſphå
riſch wirken und motum circularem has

ben . Bei einer langſamen Entzündung und


Bee
25

Perlsſchung fann man die ſphäriſche Form dedi


Feuers mit dem bloffen Aug bemerken. Bald
verdünnet aber der entſtehende Flammenſtroma

die angrenzende Atmosphäre, die ſich dann wies


der herzuſtellen ſtrebt, und dadurch die runde
Flamme in einen Kegel empor drückt, deſſen
Baſis der brennende Kørper iſt, der ſich dann
entweder auf einmal, wie z . B. beym Schießs
pulver, oder auch allmählig, wie bey langſam
brennenden Kørpern verzehret, d . i. verfluchtiget
wird .

" 76. Reize find nichts anders, als die zur


höchſten Aktivität aufgeregten drey Cen.
tralkräfte ſelbſt, verbunden mit ihrem ans
gemeſſenen Subjekte. Weil es nun im Ad .
gemeinen eigentlich dren Subjektivitåten giebt,
welche der Kraft

lich Lichtſtoff, Warmeſtoff und Feuerſtoff, Po


giebt es nothwendig auch eben ſo viele Reizen
welche dann bey der Produktion des Feuers
fåmmtlich im Spiele ſind.

77. Die Subjekte der Reize find bemo


nach mit den congruirenden Stoffen identiſch :
28

nur befinden ſich jene , als Reize, mit den Bren


Centralkräften in innigſter Verbindung ; ' erhalo
ten dadurch ihre Sasnatur; erheben ſich dieſer,
halb über die pure Stoffnatur in eine höhere
Region ; und verhalten fich dann gegen die
Stoffe , oder Erregbarkeiten , als objektives :
Nedium , in welchem Reiz und Stoff unter
ginſtigen Umſtänden nicht nur aufeinander wirs
ken und reagiren ; ſondern worein auch alles
wieder zurückflieffet i was durch Verbren's
nung, Gährung, Fäulniß 20. als neues Pro.
1
dukt entſteht, oder auch nur verfluchtiget wird .

78. Nun geſchehen alle Verbrennungeng


Gåhrungen, Fåulungen 2 : im Feuerſtoffgas ,
als in ihrem angemeſſenen Medium . Durch
poſitiven Feuerreig fångt dieſes Medium an,
auf den Brennſtoff zu wirken ; die Entzündung
erfolgt; Licht und Wärme, mit ihren Subjektery
entfliehen in eben dieſes Medium; der Feuers
ftoff aber, der nun frey geworden , verbindet
fich mit dem Kohlenſtoff des brennbaren Kør .
pers ; fåuert denſelben , und gebet nun als

fohlenſtoffgas mit dem Flamments


ebenfalls mit
from in die Atmosphäre.
79. Vero
79. Verbrennet man irgend einen Kors
per im reinen Feuerſtoffgas unter der Glocke,
To gehen licht und Wärme mit ihren Subjekteny.
als penetrable Weſen , durch das Glas in die
Atmosphäre ; das Feuerſtoffgas hingegen ver.
wandelt ſich in Rohlenſtoffgas, und in dieſem
finden ſich dann zugleich alle die übrigen Theile
des verbrannten Körpers, die in Gasgeſfalt zů
erſcheinen fåhig waren , theils in mechaniſcher,
theils” in chemiſcher Verbindung .

30. Das Gebiet derjenigen Korper, die


im Fenerſtoffgas verbrennlich ſind , iſt ſehr groß .
Es giebt ſogar über dieſem Gas, in den höhern
Regionen des Univerſalreich , zwey Produkter
auf die es als Reiz zurückwirken, fie durch Ents
zündung aus der Miſchung feßen und neue
Produkte erzeugen kann, nehmlich das Lichts
ftoffgas und Wärmeſtoffgas.

81. Mit dem Lichtſtoffgas vermengt ſich


zwar das Feuerſtoffgas anfangs nur mechaniſch ,
und conſtituiret alsdann die atmosphäriſche
Lufr. Wird aber auf dieſe Miſchung ein pos

fitiver Feuerreipy 8. B. der elektriſche Furfen ane


ges

1
gebracht; fo gehet eine wahre Entzündung vor ;
Licht- und Wärmereiſ entfliehen; der Lichtſtoff
und Feuerſtoff felbft aber verbinden fich nun
chemiſch, und gehen in Salpeterfåure über.

82. Die atmosphäriſche Luft iſt alſo von


der Salpeterſäure nur darin unterſchieden , daß
in jener der Licht, und Feuerſtoff in Gasform ,
auch nur mechaniſch gemiſcht, in der Salo
peterſäure hingegen , in der Form einer Säure,
und zwar chemiſch gemiſcht, exiſtiren ..

83. Mit dem Wärmeſtoffgas vermengt


ſich das Feuerſtoffgas anfangs auch blos mecha.
niſch . Wird aber auf dieſe Miſchung ein po .
fitiver Feuerreiz angebracht, ſo gehet abermals
eine Entzündung vor ; ficht , und Wärmereiz
entfliehen ; der . Licht- und Wärmeſtoff verbinden
fich chemiſch, und gehen entweder in Salzs
ſäure, oder in gemeines Waffer über, je nach:
dem die Umſtånde beſchaffen waren .

84. Das gemeine Wafer iſt alſo von der


Salzſäure nur auf eben die Art verſchieden,
wie die atmosphäriſche Luft von der Salpeter.
fåure.
992

fåure. Daraus wird es begreiflich, warum der


Ocean fo reich an Salzſäure ift.

85. Wenn aber die 8 ifte und 83ſte Er


fahrung ohne Anſtoß gelingen ſollen , To ſcheinet,
um , anſtatt Waſſer, Salzſäure zu erhalten, das
Verbrennen beider Gasarten nicht nur zum
Theil vermieden , ſondern auch verflúchtigter

Wärmeſtoff damit in Verbindung gelegt wer.


den zu müſſen , denn der Säure erzeugende
” Stoff iſt nicht bloſſe Lebensluft, wie man
" bisher gemeint hat, ſondern eine mit dem

" ausgedehnten Wärmeſtoff (brennbares Gas ) 5

" verbundene Lebensluft , ” (Sauerffoffgas ),


die ſich miteinander als eine elaſtiſche Flüſſig .

keit darſtellen , und das wahre - Drygen


der Natur find . --

86. Was alſo den Feuerſtoff, anſtatt ihn


zur bloffen Entzündung und Entzündbarkeit får
hig zu machen, aus dieſer Sphäre heraushebt,
und fåurezeugend macht, iſt die Verbindung
mit Wärmeſtoffgas; denn Såuern fodern ſtets
ein Flüſſigkeitsvehikel. Durch dieſe Verbindung

gehet alſo der Feuerſtoff in - Sauerſtoff über.


87. Der
30

87. Der wahre Sauerſtoff iſt alſo:


Reſultat einer Verbindung des Wärmeſioffs und
Lichtſtoffs ohne Verbrennung, Mit Verbren's
nung aber entſtehet Waſſer. Geſchieht die Ver .
brennung , anſtatt im Feuerſtoffgas in der gemeis
pen Luft, ſo entſtehen Waſſer . und Salpeter.
fåure Žigleich.

88. Diejenigen brennbaren Kørper , die

in dem Gebiete der "dren übrigen Naturreiche


exiſtiren, werden durch den Sauerſtoff bald mit,
Bald ohne merkliche Flamme geſäuert, und das
durch zum Sheil, oder auch ganz in Såuern
verwandelt
nach ihren ſpezifiſchen Grundlagen benannt were
den . Hieher gehören vorzüglich die Sohle,

der Phosphor und der Schwefel , welche


mit dem allgemeinen Sauerſtoff - Schwefel

ſäure, Phosphorſäure und Kohlenſäure dara


fellen .

89. Verbindet fich der Sauerſtoff mit meh .


tern Grundlagen zugleich, ſo entſtehen zuſams.
mengeſezte Säuern. Dahin gehören die Vers
bindungen der vorigen drey Såvern, unter den
nen
31

nen das Königswaffer die bekannteſte iſt; dann


die Pflanzenſäuern mit zwo Grundlagen , wel.
che Waſſerſtoff und Kohlenſtoff ſind ; ferner die
mit einer dreyfachen Grundlagen , die aus Bar
ſerſtoff Kohlenſtoff und Phosphor beſteht; ende
lich sie thieriſchen Såuern , welche eine vier.
fache Grundlage haben , indem ſich zu den vor

rigen auch noch Studſtoff geſellet.

we v 90. Die Såurung aller dieſer Grundlag


gen durch den Sauerſtoff kann in verſchiedenen
Verhältniſſen geſchehen ; daher nehmen die Reus
ern Halbſåuern, Saure, Säuern, und
ůberſaure Sauern an.

91. Benſpiele von Halbſåụern liefern uns


die ſogenannten Metalkalke, bey denen jedoch
der Såurungsgrad , abermals höchft verſchieden
feyn kann, wie z. B. in den ſchwarzen , weiſs
ren , gelben und rothen Blei: und Eiſenkalken .
Auch die flüchtige Schwefelſäure, und das Salı
petergas ſind Gattungen von Halbſåuern . Ete
was mehr geſäuert, werden ſie zum Sauerii ,

endlich zur Såure , und überſauern ( orygeni


.
firten ). Såure.

92. Beya
ng
igu
le tt
ie ſä
. o ffyſp n n er b erre
92rſt Be o ei Ueſau
n v
t aue eer s ie ber in lz
i ieerft n te Sa
m S flf u d ü ſ .
e å n
å ur i e ntw n d i t rau e s
f , d e , u m B b

handelte , die vgdig weiſſe Sals


peterfåure, der Radikaleffig u. d . m .

93. Auſſer der Såurung der Kerper durch


den allgemeinen Sauerſtoff iſt derſelbe zugleich
ein höchſtwirkſames Aufišſungsmittel der Mes .
talle, der Erden und der Saugenſalze, mit wei.
chen er Neutralfalze bilbet, die nach der Grund .
lager Welche fie enthalten; benennt werden.

94. Die Aufsſung der obigen Körper im


Sauerſtoff iſt aber nur mechaniſch, obwohl die
Berbindung Telbft chemiſch iſt. Wendet man
Baher auf dieſe Verbindungen höhere, oder auch
1
fårkere ro
?
Grundlagen unverändert wieder, nur mecha.

nifch getheilt.
95. Dennoch iſt die Auflffungskraft des
n
Sauerſtoffs ein anſchaulicher Beweis,
er daßré er
. Wed e rb
5 V :

nung, noch Såurung moglich wären, wirklich

beſite.
96, Soul
33

96. Soll aber eine Radikalaufisfung folgen ,


3
ſo müſſen alle drey Urſtoffe mit einander ,
ſub forma menſtrui, in unaufloflicher Vers :
bindung ſtehen , wo ſodann poft folutio
nem auch der feptenarius naturae ins
Wirken kommt, und unter den erforderlis
chen Umſtänden die ſolvirte Grundlage zur
Plusquamperfection erhebt.

97. Wird endlich ſowohl dem Feuerſtoff als


Sauerſtoff, durch irgend eine Urſache der Feuer .
reiz, und mit ihm die Aktivitåt der drey Cen .
tralfråfte, entweder durch Trennung oder Abs
ſtumpfung entzogen, ſo gehen beyde in Stoha
lenſtoff iber, welcher dann das untere Nas
turextrem darſtellet, bey dem nun alle modifis
kationen der Materie in abſteigender Ordnung
geendiget find. So bald jedoch dem Kohlen ,

ſtoff der entzogene Reiß wieder ertheilet wird,


ſo beginnt die bisher beſchriebene Reihe von

Modifikationen aufs Neue ; aber in aufſteigen.


der Ordnung . Der Kohlenſtoff gehet fodann
in die Natur des Feuerſtoffes, dieſer in Wars
meſtoffe und endlich abermals in Lichtſtoff
3 über,
34

über, wodurch das Ende reinen Anfang, die


Peripherie ihr Centrum wieder erreicht hat.

98. Der Diamant iſt nach neuern Ers


fahrungen wahrer Kohlenſtoff, indem er ſich
durch Verbrennung im Feuerſtoffgas vsdig in
kohlengeſäuertes Gas verwandeln läßt. Seine
Feſtigkeit und Diaphanitåt ſcheinen lediglich Res
ſultat der engern Verbindung ſeiner Theile, und
der Beymiſchung eines Antheiles von Lichts
ſtoff zu ſeyn, der hier ſeine Gasnatur abgelegt
hat, wie in allen übrigen Vitrifikaten .

99. Daß aber andere Glasarten nicht vers

brennlich ſind, davon iſt wahrſcheinlich die Ure


fache, weil es der mehr figirte Lichtſtoff vero
hindert, daß ihre Grundlagen nicht mehr ges
1 fåuert, d . i. vom Feuerreiz nicht mehr aufge.
Isſet und verfluchtiget werden können. Daher
ſchmelzen ſie blos im Feuerreiz, und auch die
Såuern haben auf vollkommene Glåſer gar keine
Wirkung, wenn nicht etwa die Flußlpatſåure
hiervon eine Ausnahme macht. Ueberſåttiget
man aber die Gläſer mit ihren eigenen Grunds
lagen, oder dem Schmelzungsmittel, ſo wird
endlich
+
endlich das Ganze wieder für den Reiz des
Feuers und Sauerſtoffs empfänglich .

1oo . So erzeuget die fruchtbare Mutter


Natur aus einem und demſelben Ulrſtoffe mits

tels drey Grund- oder Centralkräfte udes,


was nur immer ſo wohl Beſtandtheil, als Pro.
dukt dieſer Størperwelt iſt. Sie ſchreitet daben
nach einer Progreſſion von drey und fies
ben aus dem Erſten zum lezten fort, und
gehet dann den Weg in eben der Ordnung wie.
der zurück. Wie nehmlich das Licht aus Weiß
und Schwarz anfangs brey Urfarben bildet, von
welchen dann alle übrige bloſſe Nuancen find ,

ro erzeugt fie aus Reiz und Stoff einer und


derſelben Urſubſtanz anfänglich drey Urſäuern ,
von welchen dann alle übrige abſtammen . Stoff
Neiz, Medium und das Produkt hievon,
welches Licht, Wärme und Feuer iſt, ſtes
hen alſo in einem ewigen Wechſel; bringen
hervor, und werden hervorgebracht; entſtehen
und verſchwinden ; leben und ſterben ; ſteigen
mittels einer dreyfachen Stuffenleiter auf und

ab ; kommen und gehen ; geben und empfangen ,


und
36

und bilden fo diefen feierlichen und bewunderns .


würdigen Schauplat der Kørperwelt, dieſe Wien
ge unſers Werbens, die ſchon ijt ro grenzen .
loſe Liefen hat, obwohl ſie uns nur zu einer

Pilgerhütte verliehen iſt, und uns daher ben


jedem Schritte, ben jedem Pulsſchlag und Utheme
zug daran erinnert, daß, ro prachtvoll und ſchon
dieſe Sottesnatur hienieden auch iſt, fie darum
doch unſer wahres Vaterland nicht ſen, ſondern
jenes Jeruſalem , das droben iſt, Gal. 4. 26 .
und das uns durch jede Empfindung unſerer
Gebrechlichkeiten einlabet, uns mit leberſchreis
tung alles Irdiſchen nur nach dem Unver

ånderlichen und Ewigen auszuſtrecken, das


keinem Wechſel von Zeit und Modifikation mehr
5 unterliegt.

Dieſes war beyláufig das Syſtem , welches


einige meiner Freunde, aus meinen zwey Bånd.
chen über Licht, Wärme und Feuer zuſammen

ordneten ; allein da ich mittler Weile immer


raſtlos fortarbeitete , und durch die praktiſchen
Erfah.
37

Erfahrungen tåglich reinere Einfichten in das


,
alles, was ich bisher noch unreif und unor.
dentlich hinlegte, noch deutlicher zu bearbeiten ,
und Theorie und Praktik, oder Vernunft mit Ers
fahrung zu vereinen.

Die gute Anfnahme meiner zwen erſten


Båndchen über Licht, Wärme und Feuer, und ,
der Beyfall manches tiefen Naturforſchers ers
munterten mich bey meiner Arbeit, der ich mans
che Nacht aufopferte, und zu der ich immer mehr
liebe bekam , als ich mich durch die Anwendung
meiner Entdeckungen im mediciniſchen und chirur.
giſchen Fache, durch Herſtellung vieler elenden
Kranken , in kurzer Zeit belohnt ſah .

Nur der Nußen , den die Menſchheit aus


der Wiſſenſchaft zieht, iſt der wahre Lohn des
Gelehrten. — Dieſen allein zu ſuchen , iſt der
Zweck aller meiner Arbeiten , und dadurch
verſpreche ich mir die Nachficht von meinen les
ſern in allen jenen Punkten zu erhalten, wo
es mir an Deutlichkeit, Beſtimmtheit, oder rich .
tigem Ausdrucke mangeln ſollte.
Jede
30

gede Zurechtweiſung iſt mir willkommen,


jeden Zweifel will ich mich bemühen aufzuls :
ſen ; ' - Wahrheit iſt mir Zweck, - und will,
kommen der Biedermann, der mir ſeine Hand
reichet, um ihr näher zu kommen .

Das
39

Das neueſte Syſtem


11
über
0
lidht, W årme und Feuer

durch

Entdeckung des weſentlichen Naturſubſtrats


rettificirt ,
und

mit chemiſchen Erfahrungen belegt.

Naturkraft.

I.
um die Naturkraft zu begreiffen, iſt es nothwendig, das Natur,
ſubſtrat zu kennen, aus weldiem Ulles entſteht.

Wir ir beobachten die Urſachen in den Wira


kungen, und ſagen : was dieſer Wirkung zum
Grunde liegt, iſt die Urſache ; - der Begriff der

Urſache entſteht daher a poſteriori. -

Urſache ohne Wirkung iſt für den Meni

Ichen unbegreiflich. Die Abſtraktion , die wir


aus
aus der Wirkung, als der Erſcheinung, auf das
machen , was dieſer Erſcheinung zum Grunde
liegt, giebt uns erſt den Begriff der Urſache.

Wie dieſes Naturſubſtrat zu finden .

Wie wir alſo die Urſachen in den Wirs


kimngen denken , eben fo beobachten wir die
Kräfte in den Organen , und ſagen : das, was
in dieſem Organ wirkt, iſt die Kraft.

Nach dieſen , in der reinen Vernunft ges


gründeten Wahrheiten , dachte ich : Es wird alſo
nothwendig reyn , zuerſt das phyſiſche Natur.
organ aufzuſuchen, worinn die phyſiſche Natur.
kraft wirket, um die Naturkraft felbft fennen
zu lernen, denn ohne dieſes Organ wird uns
die Kraft immer eine Noumene feyn - immer
ein unbekanntes Weſen .

2.
Diefes Naturſubſirat iſt die Grundlage aller pöyriſchen Ers
fdeinungen .

Ich gab mir daher Mühe, dieſes phyſis


rohe Naturorgan kennen zu lernen, und fragte
mich : welches iſt das materielle Subſtratum ,
das jeder Naturerſcheinung zum Grunde liegt,
und
41

und welchem alle Zufälligkeiten als Quanti.


tåt, Qualität, Form und Berkörperung adhåri.
ren ?

Durch unzählige Verſuche entdeckte ich ,


daß in der phyſiſchen Natur fich ein beharrli .
ches Weſen befindet, in welchem Weſen Ma.
terie und Form geeinet find, und welches Wer
ſen die Grundlage, das Subſtrat aller materia
ellen Erſcheinungen iſt.

3. i

Beldhreibung der finnlichen Darſtellung dieſes Naturfubhrats.

Dieſes eigentliche Naturſubſtrat ftellet fich


unſern Sinnen als ein wirklicher Körper dar,
der unter dren Formen modificirt wird, oder ,
daß ich mich beſtimmter ausdrücke dieſes
Naturſubſtrat, aus dem alle phyſiſche Erſchei.
nungen erzeuget werden, ſtellet ſich unſern' Sin.
nen unter drey Formen dar.

Erſtens, im höchſten chemiſchen Ausdeh .

nungszuſtande, als eine Luftart, (Gay).

Zweytend, als eine Flüſſigkeit.

Drits
1 Drittens, als ein wirklicher Stoff, als
ein weſentlicher Korper.

Als Luftart iſt dieſes Naturſubſtrat der


reinſte Aether, das Einfachſte und Wirkendſte

in der phyſiſchen Natur.

Als eine Flüſſigkeit iſt dieſes Naturſubſtrat


das reinſte Organ, wodurch die phyfiſche Nas
turkraft wirket, die Wurzelfeuchtigkeit der Nas
tur, ( Radikalfeuchtigkeit ).

Als Stoff und Korper endlich , iſt daſſel.


bige die reinſte Naturform , der wahre Uni.

verſalſtoff, der die Bildungscapazität aller Dinge

beſiket.

Eigenſchaften deß Naturſubſtrats .


In dem luftförmigen Zuſtande iſt dieſes
Naturſubſtrat feiner mechaniſchen Sheilung mehr
unterworfen , ſondern daſſelbige beſiket nur eine
chemiſche Ausdehnung, und in dieſem Bei
tracht iſt es das höchſt einfache Weſen in der
phyſiſchen Natur.

Als Radikalfeuchtigkeit wird es das Bes


wirkende aller Organiſationen , weil daſſelbige
das
43

tas Naturorgan ſelbſt iſt. Es wird daher in


dieſem Zuſtande das bildende oder organiſche
Weſen .

Als Form endlich, und als Materie iſt


es der Univerſalſtoff aller phyſiſchen Weſen , das
Naturſubſtrat, aus welchem die Naturfraft mit.

tels feines Naturorgans alle Weſen in aufſteia


gender Ordnung bildet,

Dieſes Naturſubſtrat iſt alſo in der phy,


fiſchen Natur Urkraft, Urorgan , Urform .

Urkraft, im luftförmigen Zuſtande.

Urorgan, im flüſſigen.

Urform , im ſoliden förperlichen Zuſtande.

Aus dieſer phyſiſchen Urkraft entſpringen


alle phyſiſchen Kräfte.

Aus dieſem Urorgan bilden ſich alle moge


liche Organiſationen.

Aus dieſer Urform entſtehen alle mögliche


Formen .

Dieſes Naturſubſtrat befizt daher Ades .


Es iſt einfach und dreyfaltig, giebt allen Wes
ge fen Kräfte, organe Formen.
Die
44

Die phyſiſche Natur befizt daher ein eins


ziges Subſtrat, woraus ales durch die Natur,
kraft gebildet und organiſirt wird .

In ſich iſt dieſes Naturſubſtrat beharrlich,


unveränderlich , gleichf &rmig.

Beharrlich in ſeinen Stråften, unveränder ,


lich in ſeinen Wirkungen, gleichförmig in ſeinen

Formen .
1. Durch die Beharrlichkeit ſeiner Kräfte
erzeugt es Ades.

2. Durch die Unveränderlichkeit ſeiner Wire ,


kungen erhålt es alles .

3. Durch die Sleichförmigkeit ſeiner Form


und ſeines Zwecks bringt es Ades , nach und
nach zur héchſt phyſiſchen Vollkommenbeit, als
dem höchſten Naturzweck.

5.

Unfang, Mittel und Ende der Natur im phyſiſchen Naturſubſtrat.


Diefes Subſtrat iſt über die materielle Natur erhaben .

Diefes Naturſubftrat kann daher mit Recht


das phyfiſche Naturprincipium , zugleich auch das
Ende der Natur genennt werden ; denn es iſt
der
*
45

der Grundſtein , worauf die ganze pbyfiſche Na.


túr ruhet.

In dieſem Wefen ſcheint fich das aktive


Wefen mit dem aſſiven zu vereinen , um durch
Aktion und Reaktion , Reiz und Gegenreif -
Erregbarkeit und Gegenerregbarkeit, die ſchönen
Naturproduktionen zu erzeugen . Hier hat alſo
der Anfang fein Ende gefunden , und giebt

in der Zeit zwiſchen Werden und Verſchwinden


den Erſcheinungen ihr Dareyn .

Dieſer phyſiſche Uranfang iſt nothwendig


über die ganze materielle oder theilbare Natur
erhaben. Er iſt ein Beharrliches von denen
ihm untergeordneten Elementen unzerft &rbares,
folglich einer hihern und geiſtigen Kraft unter.
geordnetes Weſen .

6.

Die Ulten fannten diefes. Naturſubſtrat, oder ahndeten ef.

Mir ſcheint, die Alten hatten unter dies


ſem allgemeinen Naturſubſtrat ihre materiam
univerfalem verſtanden, und die Egyptier ihre
triforme Nummer ; aber das Hiſtoriſche iſt

dermalen nicht mein Gegenſtand; ſo viel iſt aber


gewiß,
46

gewiß, daß in den Weisheitsſchulen jeder Zeit


dieſes Univerſum als ein groffes Gebäude vor .
geſtellt wurde.

Der Grundſtein dieſes Gebäudes war das


Naturſubſtrat im ſoliden Zuſtande. —

Das Ciment war die Radikalfeuchtigkeit


der Natur, und der phyſiſche Architekt war der
Naturgeiſt, der mittels feines Ciments und reis
ner Steine dieſen herrlichen Tempel des Uni.
verſums aufführt.

7.
In dem Raturſubſtrat liegen die dren Principien der Natur.
In der phyſiſchen Natür liegen in dem
allgemeinen Naturſubſtrat drey Principien ver.
borgen, aus welchen Alles entſtehet.

Die materie, der Stoff, aus welchen U.


les gebildet wird, iſt unſer Naturſubſtrat in ro .
liden Zuſtande.

Die Inſtrumentalitet, wodurch die phys


fiſche Naturkraft Alles bildet, iſt die Radikal.
feuchtigkeit der Natur, die Kraft endlich, welche
bildet, iſt unſer Naturſubſtrat im h &chſten Auss
dehnungszuſtande, als Luft oder Gazart.
Die
1 47

Die Inſtrumentalitat, oder das Naturorgan


iſt immer innigſt mit der Strafe' Bereinet, diere
wirkt immer unſichtbar im ſichtbaren Organ . -
Es fallen alſo bey der innern Naturoperation
nur zwey Gegenſtände in die Sinne, nehmlich :
Die Naturinſtrumentalität oder das Nas

turorgan , -- welche bildet; und die Materier


oder der Naturſtoff, der gebildet wird .
Die Straft wirkt unſichtbar zwiſchen dieſen
. benden Weſen.
Dieſe zwery in die Sinne fallenden Mates
rien, die in fich nur eine Materie ausmachen ,
durch Ausdehnung aber und Concentration un.
ter zwey verſchiedenen Formen erſcheinen, bil.
den das Ugens und Patiens der Natur, und dies

res Ugens nenne ich den reinen Naturſchwes


fel ( Sonneſtoff), und das Patiens den reinen
Naturſtoff (oder Erdſtoff.)

8.
Die dren Principien ſind modificationen eines einzigen Princió
piums , und dieſes iſt eine Subfianz, die ich Materie und
form der phyſifdien Natur nenne .
Der Naturſchwefel modificirt; der Natur .
ftoff iſt modificabel, und ſo entſtehen nach beo

ſtimmy
48

ſtimmten, ewigen Gefeßen, nach der Verſchies


denheit der Modification des Naturſchwefels , und

Modificabilitåt des Naturſtoffes , alle KSrper in


auf und abſteigender Ordnung.

Die phyſiſche Natur befizet alſo ein Urore


gan, worinn ihre Kraft wirket, und dadurch
entſtehet alles formende und Bildende im Uni .
verſum . Die Natur befist einen Urſtoff oder

Urmaterie, aus welcher die Naturinſtrumentalitat


Yes bildet, und dieſe zwey beſondere Subſanzen
in der Ausdehnung - betrachtet als eine Sub .
ſtanz in der Concentration, bilden Materie

und Form der phyſiſchen Natur.

9.

Ute Körper Find Erſcheinungen in Zeit und Raum, die durd


fucceffive Einſchränfung des Naturſchwefelß durch den Nas
turſtoff gebildet werden.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß durch


die Radikalauflsſung, alle Körper in ihre Prin ;
cipien zerregt werden können , und dieſe Princis
pien in allen Kerpern find Naturſchwefel und
Naturſtoff.
Die
1 49

Die Verſchiebenheit der Körper beſteht in


den verſchiedenen Verhältniſſen zwiſchen dem Na.
turſchwefel und dem Naturſtoff.

Ihre Eigenſchaften find alſo nothwendige


Folgen dieſer gegenſeitigen Verhältniſſe. Jes
mehr der Naturſchwefel durch den Naturſtoff
eingeſchränkt iſt, deſto firer iſt der Kerper ; jes
mehr der Naturſchwefel Freyheit der Ausdeh ,
nung im Naturſtoff hat, deſto flüchtiger iſt der
Korper. -

Der Naturſchwefel oder Sonnenſtoff iſt


aber in fich Feuer, wie der Natur , oder Erde
ftoff in fich licht iſt, - welches die Erfahruns
gen beweiſen werden. -

Folglich find alle Kerper Feuerbeſchrán,


kung durchs Licht, und können alle in Feuer
und licht aufgelöſet werden, wie ich die Er.
fahrungen gemacht habe, und anführen werde.

: Einfalt der Natur.

Die Natur iſt åuſſerſt einfach. Sie iſt


unbegreiflich für den Menſchen durch ihre Manich,
faltigkeit. So lange wir uns bey ihren Er.
fchei.

3
50

Tcheinungen aufhalten, werden wir ſie nie ers


gründen können.

Wer iſt im Stande, die Millionen der


Verſchiedenheiten der Farben zu jåhlen ? Wer
iſt im Stande, die Unendlichkeit der Formen
zu beſtimmen ? Und doch ſind ſowohl die Fans
ben , als die Formen auf eine einzige Grunds
farbe und Grundform reduktibel.

Die Natur folgt unveränderlichen und

ewigen Geſeken, ſowohl in der Produktion, als


Conſervation ihrer Weſen. Erzeugen erhal.
ten und wiedererzeugen iſt ihr Geſet . Ueberall
iſt das höchſte Geſet der Sparſamkeit mit der
hschſt verſchwenderiſchen Pracht der Manichfal.
tigkeit geeinet.

Einheit und Manichfaltigkeit, darinn liegt


Ales.

Utles Manid, faltige der Exiſtenz oder des

Daſenns, auf die Einheit der Produktion oder


des Werdens zu reduciren, iſt der Schlüſſel der
Geheimniſſe der Natur.

Begriffe
51

Begriffe über Materie und Form


der Natur.

In dem allgemeinen beharrlichen Weſen


der Natur, oder in dem Naturſubſtrat iſt Ma .

terie und Form geeinet, Kraft und Stoff Reig


und Erregbarkeit. Wir fønnen uns die Natur
in ihrem thåtigen und unthätigen Zuſtande vors
ftellen ; daher muß der Verſtand das Bildende

von dem, was gebildet wird, unterſcheiden.

Das Bildende in der Natur iſt das A.

tive - der Naturſchwefel, das, was gebildet


wird, iſt der Naturſtoff der Erdſtoff.

In dem Bildenden iſt die Straft mit dem


Organ vereinet.

Die Naturkraft iſt unſichtbar, das Organ


iſt ſichtbar. -
Dieſem Univerſalagens — dem Naturſchwes
fel, - oder, welches eben ſo viel iſt, Sonnen
oder Feuerſtoff, find Chåtigkeit, Reiz , Bil.

dung eigen .
Dem liniverſalpatiens, oder dem Natur,
oder Erdſtoff iſt unthätigkeit, Unerregbarkeit,
Bildungsloſigkeit eigen. -
Der
Der Naturſtoff hat daher das höchſte Bee
dürfniß nach dem Naturſchwefel, und aus die.

fem + Bedürfniß entſteht ſeine Attraktion gegen


den Naturſchwefel, und ro wird der Nature
ſtoff erregbar, - und erlangt die Bildungse

capazität.

Der Naturſchwefel bildet, der Naturſtoff


wird gebildet.

Es entſteht daher Aktion und Reaktion


zwiſchen dem Naturſchwefel und dem Naturſtoff
und durch Aktion und Reaktion entſtehet Reig
}
und Gegenreiz , Erregbarkeit und Gegens
erregbarkeit. Bewegung und Leben durch Aus .
dehnung und Zuſammenziehung. -

Ausdehnung und Zuſammenziehung des


Naturprinzipiums - erzeugt die dren Erſchei.
nungen , unter welchen das Naturprinzipium

das in fich Eins ift, fich dreyfaltig darſtellt,


nehmlich :
als Naturſchwefel,

als Radikalfeuchtigkeit,

als Naturſtoff
Dies
Dieſes einfache und zugleich dreyfaltige
Wefen erlangt nun verſchiedene Benennungen.

Es wird Materie genennt in ſeiner hocha


ften Concentration , und in dieſer Erſcheinung
iſt dieſes Prinzipium wirklich die Univerfalmaterte
aller Dinge .

Es wird Form genannt in ſeinem hecho


ften Ausdehnungszuſtande, und in dieſem iſt es
wirklich das Naturinſtrument, wodurch die Nas
turkraft in der Nadifalfeuchtigkeit der Weſen
wirft, Ades progreſſiv bildet.

So wird der Naturſchwefel die Urſache


aller Ausdehnung , und der Naturſtoff die Ur.
fache aller Concentrationen.

Naturſchwefel und Naturſtoff ſtehen aber


gegen einander in einem dreyfachen Verhålte
niſſe.

Entweder überwiegt der Naturſchwefel Sen


Naturſtoff, oder der Naturſtoff iſt mit dem Nas
turſchwefel in .gleichem proportionirlichen Vera
håltniſſe, oder der Naturſtoff überwältiget den
Naturſchwefels

Aus
54

Aus dieſem frenfachen Verhältniß eni.


ſpringen alle Naturwirkungen und Kräfte .

Wo der Naturſchwefel die Oberhand hat,


verfluchtiget fich Ades, Isſet ſich alles auf, ger
het alles vom ſoliden in den flüſſigen Zuſtand
über. Hier entſteht
die Straft der Leichtigkeit.

Wo der Naturſchwefel mit dem Naturſtoff

in gleichférmigem Verhältniſſe ſtehet, entſpringt


die Attraktion ,

die Kraft des Zuſammenhanges.

Wo endlich der Naturſtoff ben Naturs


ſchwefel überwiegt , entſtehet das Solide , die
Materie, und hier iſt die

Schwerkraft
1
Die phyſiſche Natur ' hat alſo drey Sträfte :

die Kraft der Leichtigkeit,

die Kraft des Zuſammenhanges,


C
die Straft der Schwere.

Sie ſind, in aufſteigender Ordnung von


der Materie zur Kraft, Reſultate der verſchie.
denen
55

denen Verhältniſſe der gegenſeitigen Wirkungen ,


die zwiſchen dem Naturſchwefel und dem Natur.
ftoff vorgehen. -
Licht iſt ein Körper, in welchem der Nan
turſchwefel ausgedehnt iſt. Attraktiv wird ein
Kørper, wenn der Naturſchwefel mit dem Na.
turſtoff in gleichem Verhältniffe fteht. Schwer
iſt ein Körper, wenn der Naturſtoff in demſels
bigen die Oberhand hat.

Und dieſen verſchiebenen Erſcheinungen

der Kérper, als leicht, als anziehend, oder als


ſchwer, — liegen als Urſachen die drey Prin.
zipien zum Grunde.

Da nun aule Körper nur aus verſchiebes


nen Zuſammenfeßungen dieſer Prinzipien beſter
hen, ſo iſt es leicht wahrzunehmen, daß al.
les auf das Intermedium ankommt, worinn die
Sorper erſcheinen , und daß keiner reiner Natur
nach weder ſchwer noch leicht ſeyn kann, ſondern
dieſer nothwendig das wird, zu was er in ſeie
nem Intermedio, worinn er erſcheinet, deters
minirt wird , wie meine Erfahrungen zeigen
werden .
Sos
56

+ Cobald ich mich durch genaue Erfahruni

gen von dem Dareyn der drey Naturprinzipien


überzeugt hatte ; ro betrachtete ich dieſelbigen

iſtens, in der Produktion der Körper,

Itens, in der Erhaltung der Körper,

3tens, in der Auflsſung und Zerſterung


der Körper und

4tens, in der Reſtauration und neuen Ge.


neration berſelben ;

und ich nahm bald wahr, daß der ganzen phy


fiſchen Natur ein hochſt einfaches Syſtem zu
Grunde liege, welches darinn beſteht :

Die Natur hat eine einzige Subſtanz, die durch


Ausdehnung brey Prinzipien bildet, als :

den Naturſchwefel,

die Radikalfeuchtigkeit der Natur,


den Naturſtoff

4de phyſiſche Naturerſcheinungen , welche


fie immer ſeyn mogen, find progreſſive Eins
fchränkungen des Naturſchwefels durch den Na.
turſtoff.

Die
57

Die höchſte Einſchränkung hat das Mines


ralreich,
die mittlere das vegetabiliſche,

die mindeſte das animaliſche.

Durch Einſchränkung des Naturſchwefels


durch den Naturſtoff, und Ausdehnung des Na.
turſtoffes durch den Naturſchwefel entſtehen alle
Körper.

Jedem Körper iſt ein beſtimmtes Maaß


von Naturſchwefel und Naturſtoff gegeben,
welches Maaß ſein Individuum auf der Stus
fenleiter der Natur beſtimmt.

Die Dauer eines Körpers ſteht im glets


chen Verhältniß mit der Dauer ſeiner beſtimmta
ten Proportion zwiſchen dem Naturſchwefel und
Naturſtoff
1
Das Gefeß der Erhaltung iſt tägliche Reo
ſtauration des Naturſchwefels und des Nature
ſtoffes .

Das Geſeß der Vollkommenheit eines Store


pers- gleichförmiges Verhältniß zwiſchen dem
Naturſchwefel und dem Naturſtoff.

Die
*
58

Die Form eines Körpers hångt , als Res 1


fultat von der Bildungskapazitåt des Naturſtofa
fes, von dem Naturſchwefel ab .

Die Eigenſchaften eines Størpers hången


von der Form deſſelben ab, und ſind der Form
inbårene.

Nach der Proportion zwiſchen Naturſchwe.


fel und Naturſtoff verhält ſich die ausdehnende
und anziehende Kraft eines Kerpers, nach
Ausdehnung und Concentration die form ,
nach der Form die Eigenſchaft.

Die Körper låſen fich auf, entweder durch


Anhäufung des Naturſchwefels, wo ihre Erreg
barkeit oder ihr Naturſtoff Verzehrt wird ,
oder fie verlieren ihr Leben , wenn die Erreg .
barkeit oder der Naturſtoff den Naturſchwefel
verſchlingt. -

Gleichförmigkeit zwiſchen Naturſtoff und


Naturſchwefel iſt Geſundheits , Vollkommenheits .
zuſtand der Körper.

Ein Kerper wird reſtaurirt, wenn ihm


das mangelnde Naturprinzipium erſezt wird. –

Die
59

Die Kräfte der Natur find Reſultate der

Berhältniſſe der Naturprinzipien -

Jedem Prinzipium iſt eine beſondere Kraft


eigen ; dem Naturfchwefel, die Kraft der Leichtig .
keit; der Radikalfeuchtigkeit, die Kraft des Zu.
ſammenhanges; dem Naturſtoff, die Schwer ..
kraft.

Das Wirken und Gegenwirken der Prin


zipien erzeugt die Cirkelkraft.

Obige Sträfte in den Körpern betrachtet,


Xuſſern ſich :

Die Straft der Leichtigkeit, als die fchei.


dende, auflfſende, flüchtigmachende ; die Kraft
des Zuſammenhanges , als die formende, ans
ziehende, bildende ; die Schwerkraft, als die
einſchränkende, concentrirende. --

yde dieſe Kräfte zuſammen ruhen in den


fieben Stufen des Weſens.

In der Kenntniß der Naturkraft und ihs

rer Anwendung liegt alſo das ganze Syſtem der


Natur .

Eine
60

Eine Subſtanz bildet drey Prinzipien,


+
und erzeugt, erhält, ernährt, låſet auf und
erzeugt wieder, durch ſieben Modificatios
nen einer einzigen Straft.

In dieſer Formel iſt alles enthalten . Es


wird aber für die leſer intereſſanter reyn , diere
Formel, die man für eine ſchone Sypotheſe an.
ſehen konnte, mit Erfahrungen zu belegen, und
zu zeigen, daß fie reine Wahrheit iſt.

Univerſalformel.

Die Natur hat eine einzige Subſtanz, ein


einziges phyfiſches Subftrat, das reine Selbſt.
heit in dren Formen theilt, welche dren For,
men die drey Uranfänge der Natur find. Sie
modificirt dieſe Formen ſiebenfach , durch eine
einzige Kraft, und ro erzeugt, ernährt und er.
hålt fie udes, Isſet nach dem nehmlichen Ge.
fet auf, und regenerirt wieder . -

Beweiſe.

Da ich bey Zergliederung der Kørper wahr.


nahm, daß die beyden Naturextreme Feuer und
Licht ſeyn könnten , wie ich in meinen Verſus
chen
1 61

chen über Feuer, Wärme und Licht mit Mehs


reren - Dargethan ; ſo zweifelte ich gar nicht
mehr, daß das Ciment, welches alle Korper zu:
fammenfettet, ein Mittelding feyn müſſe, wel.
ches aus vereinigtem Feuer und Licht beſtün .
de. —

Da ich aber Feuer und licht nicht in ih .


ren Erſcheinungen annahm, das will ſagen ,
ſichtbares licht oder fühlbares Feuer, ſondern
die Materien in den Kørpern aufſuchte, - die
Feuererregbarkeit nehmlich und den Feuerreiz,
die Richterregbarkeit und den lichtreiz, 10
war es mir nicht ſchwer, das Medium zu entde.
cken , welches aus dieſen beyden Materien 24.
ſammengeſezt war .

Ich nannte alſo die Feuererregbarkeit Na.


firſchwefel, die Lichterregbarkeit Naturſtoff, und
die Flüſſigkeit, welche dieſe zwey K8rper in ih .
rer Verbindung eingiengen , die Radikalfeuchtige
keit der Natur.

Dieſe Nahmen ſchuf ich keineswegs will.


führlich, ſondern ich benannte dieſe Korper
nach ihren Eigenſchaften .
Bers
62

Verſuche überzeugten mich , daß mein Nao


turſchwefel wirklich die Feuererregbarkeit , der
Feuerſtoff iſt , denn ſobald derſelbige mit dem
Feuerreiz in Contakt kam , gieng derſelbe in
fichibares Feuer über. -

Eben ſo verhielt ſich die lichterregbarkeit.


Wo dieſelbe mit dem Lichtreiz in Contakt kam,
fieng fie zu leuchten an, und gieng in fichte
bares Licht über .
1
Ich unterſuchte die allgemeinen und beſons
dern Eigenſchaften der Feuer , und Richterregbar,
keit, und fand ſolche vereint in der Radikalfeuch ,
tigkeit der Natur, -

Ich nenne fie Radikalfeuchtigkeit, weil ich


ſie bey Zergliederung und Zerlegung aller Stors
per, als das Vereinigungsmittel, als das Unis
verſaleiment fand.

Da ich nun beobachtet, daß die Radikal.


feuchtigkeit aus proportionirtem Verhältniß des
Naturſchwefels und des Naturſtoffes beſtand,
ſo machte ich den Schluß, daß in dieſem propor.
tionirten Verhältniß die Verbindung der Sheile
in einen Körper beſtehen muß, und daß eine
chemio
63

chemiſche Radikalzerſekung nur alsdann möglich


iſt, wenn die Verhältniſſe zwiſchen dem Naturs
Ichwefel und Naturſtoffe geſtåret werden .

Ich dachte daher, daß die Ueberſeßung der


Kérper mit Naturſchwefel dieſe Radikalaufisſung
hervorbringen könnte.

Ich fieng daher an, dieſe Zerreßung an


Kérpern , die bisher als unguflislich angegeben
worden , zu erproben .

Ich fand, daß durch Ueberſeßung mit dies

ſem Naturſchwefel jeder Sørper, er mag aus dem


mineraliſchen, vegetabiliſchen oder animaliſchen
Reich ſeyn, ſich in furzer Zeit radikal aufisſen
ließ, und das Reſultat meiner Erfahrungen war,
daß die urſprıinglichen Beſtandtheile jedes Kér.
pers Naturſtoff, Naturſchwefel und Radifalfeuch .
tigkeit ſind , jedoch unter verſchiedenen Propor
tionen.

Ich war alſo klar überzeugt, daß keines


von den bisher bekannten chemiſchen Auf
Isſungsmitteln einen Körper radikal zerſeßen
könne, weil alle dieſe Auftsſungsmittel nur mit
Ben bindenden Beſtandtheilen der Körper einige
Ber
64

Verwandſchaft, keineswegs aber mit den in


Körper gebundenen haben. -

Daher entſtehen in allen chemiſchen Zero


feßungen nur neue Verwandlungen , feineswegs
aber Radikalauflåſungen , und man kann von
keinem Korper ſagen, er ren in dieſe oder jene
Beſtandtheile zerſezt worden, ſondern nur : der
Kørper hat mit dieſen oder jenen Auftsſungs .
oder vielmehr Verwandlungsmitteln, dieſe oder
jene neue Verbindungen eingegangen , um dieſe
oder jene Störper' herzuſtellen. Allein die Radikals
auflsſung gerſezt - ſowohl die Bindenden, als
gebundenen Radifaltheile, und die Urſtoffe er.
ſcheinen, die in allen Körpern die nehmlichen
ſind.

Mit ſehr leichten und hochſt einfachen


Handgriffen - kønnen Metalle, Edelſteine, xc.
nachdem man zuvor die mechaniſche Theilung
aufs Beſte beſorgt hat, mit ueberreßung durch
den Naturſchwefel zerlegt werden . Die Urs
ſtoffe find überou diz nehmlichen , nur die Quan .
titåt dieſer Stoffe iſt verſchieden in ihrer Vers
bindung. Dieſe Erfahrungen überzeugten mich ,
das
65

daß die Natur tur eine Materie hat, die ſie


in drey Stoffe theilt, um aus ſolchen Alles zu
bilden .

Dieſe erhabene Wahrheit reizte meine


Wifbegierde, dieſe Stoffe und ihre Eigenſdhaf.
ten näher kennen zu lernen, und ich machte
folgende Unterſuchungen über dieſe drey Prin
zipien,

Naturſch w efei.

Naturextem in aufſteigender Ordnung, eins


zeln betrachtet, als Prinzip.

Der Naturſchwefel iſt ein Kirper, der in


ſeinem höchſten Ausdehnungszuſtande fich als
Phosphorluft zu erkennen giebt. Er concens.
trirt ſich im Intermedio der athmosphäriſchen
Luft , und ſtellt fich als ein höchſt ſubtie
ler ftaubartiger , orangenfarbiger Sørper dar,
der mit der Lebensluft ſogleich Verbindungen eins
geht, und eine ganz beſondere Säure bildet,
welche ich Wårmeſåure nenne. -

Die Athmosphäre iſt voll dieſes Stoffes.


Er kann ſowohl durch Brennglåſer concentrirt,
5 als
66

als aus Mooswäſſern, worinn er ſid, gefam .


melt hat, abgeſchieden werden . -

Im hechften Ausdehnungszuſtande, als Gass


art, erſcheint dieſer Stoff als bloſſes Licht. —

Durch mehrere Concentration wird er


warmend.

Und durch noch eine engere Zuſammen ,


reibung erſcheint er als Feuer.

In ſeiner ätheriſchen und leuchtenden Ges


ftalt, nenne ich denſelbigen das Prinzipium des
Lichts .
In dem zweyten Grabe ſeiner Concentra.
tion - Prinzipium der Wärme .

In dem dritten Grade - Prinzipium des

Feuers. -

In dem vierten Grade – Prinzipium der


Körper.

Die Summe aller ſeiner Veränderungen


ift ein Univerſalſtoff der Natur. -

Dieſer Univerſalſtoff der Natur iſt wirts


licher Sonnenſtoff denn die Strahlen der
Sonne kommen mit ſeinen Eigenſchaften voll.
fom .
67

kommen überein, und fønnen unter der nehms

lichen Geſtalt dargeſtellt werden.

Dieſer Univerſalſtoff der Natur iſt in reis


ner höchſten chemiſchen Ausdehnung das eine
héchſte phyſiſche Prinzipium . Es durchbringt
Alles, und iſt keiner mechaniſchen Theilung mehe
unterworfen . Es dehnt fich aus, und con

centrirt fich immer. In der Uusdehnung in


abſteigender Ordnung wirkt es als leicht. In
ber Concentration als Wärme. - So wird

dieſes & thetiſche Weſen die Urſache der Bewe.


gung und des Lebens der Dinge, - Schonheit
und Stärke der Natur, Mannskraft und Weis

beskraft der phyſiſchen Welt.

Naturſchwefel, betrachtet als Körper.


Das in gasförmigen Zuſtand leuchtende
Naturprinzip ſtellt ſich in dem 4ten Grade
ſeiner Veränderung als der erſte theilbare Kors
per bar, und dieſen Körper nenne ich Natur
ſchwefel.
1
Ben dieſer Erſcheinung wird das Natur.
prinzipium der obern Regionen , welches bis.
ber als Richt, Wärme und Feuer fich dufferter
der
68

der erſte mechaniſch theilbare Korper. -


iſt in ſich ein wirklicher Phosphor, und wie
die Sonne als ein deflogirender aktiver phosa

phor in den obern Regionen angeſehen werden


tann ; ro fann dieſer erſte Kørper als ein
fixer , conſolidirter Phosphor angeſehen wer .
den .

Dieſer Phosphor ift aber noch nicht Nam


furſchwefel, ſondern er ift mir nur der erſte
Körper, der alle die Beſtandtheile in der Con .
centration als materiell in fich hålt, welche die
obere Region in der chemiſchen Ausdehnung
verbreitet.

Die phosphoriſchen Prinzipien find die


Prinzipien der ganzen Natur, — ſo, daß man
ſagen kann, concentrirter Phosphor iſt Erdſtoff
ausgedehnter Phosphor ift Sonnenſtoff.

Der Naturphosphor , als Materie, theilt


fich in dren Materien - in aufſteigender Drd
nung .

Seine, innerſte ift Naturſchwefel , reine

mittlere , Radikalfeuchtigkeit , ſeine & ufferſter


Nas
69

Naturſtoff. So daß man ſagen kann, die Bes


ſtandtheile des Phosphors find

1. Naturſchwefel,

2. Nadifalfeuchtigkeit,
3. Naturſtoff,

sber welches eben ſo viel iſt

Feuerſtoffe
Wärmeſtoff

Lichtſtoff.

Dieſe drey Modifikationen des phospho .


riſchen Univerſalſtoffs modificiren ſich dann noch
weiter, und kommen unter neun Erſcheinungen
bey . weiterer chemiſchen Operation vor , als :

im gasförmigen Zuſtander
der Feuerſtoff, als Lebensluft,

der Wärmeſtoff, als Phosphorluft,


der lichtſtoff, als brennbare, vielmehr
leuchtende Luft.

im flüſſigen Zuſtande

der Feuerſtoff, als Vitriolſäure,

der Wärmeſtoff, als Phosphorſäure,


der Richtſtoff, als Salzſäuče.
im
70

im ſoliden Zuſtande

die Feuermaterie, als die Baſis des Mia


neralreichs, Mineralſtoff
die Wärmematerie, als die Baſis des

vegetabiliſchen Reichs, Vegetals


ftoffe

die Lichtmaterie, als die Baſis des anie A


maliſchen Reichs, Animalſtoff.

Dieſe neun Subſtanzen bilden nun mit


den vier Elementen alle Erſcheinungen in der
Manichfaltigkeit der phyſiſchen Natur, und alo
les zuſammen tſt doch nur Modifikation einer
einzigen Materie,

Entſtehung der Elemente.

Um die Entſtehung der Elemente zu be.


greiffen ,müſſen wir unſere Univerſalmaterie
in dem Ausdehnungszuſtande betrachten. In
demſelben theilt ſie ſich in Feuerluft, Wärme.
luft, - lichtluft, oder in Lebensluft, Phosa
phorluft, inflammable Luft.

Die
71

Die Phosphorluft iſt das Prinzipium al.


ler Luftarten .

Durch Ausdehnung theilt ſie ſich in Lichta


luft. Durch Concentration wirb fie Feuerluft.
Die Phosphorluft iſt alſo die Luft, die das
Gleichgewicht zwiſchen der Feuerluft und Lichts
luft erhålt , und durch dieſe Eigenſchaft bil.
det fie den Aether, das heitere Lichtweſen der
ganzen Natur

Bekommt die Feuerluft über die Lichtluft


die Oberhand, - ſo entſteht das Feuer durch
Detonation in den obern Regionen.

Erkämpft die Richtluft liber die Feuerluft


die Oberhand, ſo entſteht das Waſſer, wie uns
die bekannten Verſuche in der Chemie beweis
fen . Die Erzeugung des Waſſers und des Feus
ers verhålt ſich in umgekehrter Drdnung. -

Das Plus der Lichtluft gegen die Feuer .


luft erzeugt das Waſſer. Das Plus der
1 Feuerluft gegen die Richtluft, das Feuer, das
fich in dem luftförmigen Zuſtande durch die Des
tonation und Entzündung äuſſert.
Der
72

Der Blig iſt alſo eine Naturerſcheinung,


die erfolget, ſobald die Feuerluft über die Lichts
luft die Oberband hat .

Die Detonation iſt eine Modification obi.


ger Erſcheinung. Sie entſteht da, wo die Licht.
luft die Feuerluft zur Waſſerbildung zu über.
wältigen ſuchet, eine groffere Menge von Feuer.
luft aber dieſes Bemühen vereitelt, wodurch die
Detonation erfolgt, die ein raſcher Uebergang
der angefangenen Waſſerbildung zur Feuerbils
dung iſt, durch die Oberhand, die die Feuers
luft erringt . Das Prinzipium der Luft -

(aëris principium) iſt alſo die Phosphorluft.


Das Prinzipium des Waffers iſt die inflam .
mable fuft. Das Prinzipium des Feuers ift
die Lebensluft .

1 Man kann alſo die Phosphorluft aërogen ,


die inflammable Luft hydrogen, und die Feuers
luft pyrogen nennen . Gegen die untern Rem
gionen werden die Luftarten Reize; ſo daß die
Lebensluft als Feuerreif , die Phosphorluft
als Wärmereiß , die inflammable Luft als
Lichtreiz kann betrachtet werden .

In 1
73

In meinen erſten Verſuchen gab ich die


Stickluft als Lichtreiz an, weitere Erfahrun.
gen aber belehrten mich des Gegentheils, und
ich berichtige ſehr gern meine Fehler, weil mir
nur Wahrheit Zweck iſt.

Wir wiſſen nun, wie ſich die Luft, das


Seuer in den obern Regis
onen erzeugt, und ſehen auch ein, daß dieſe ges
nannten Elemente keine einfachen Weſen find,
nur bleibt uns noch übrig, die Entſtehung der
Erde zu erklären .

Die Entſtehung der Erde geſchieht, wenn


ſich der im Waſſer ausgedehnte Sonnenſtoff
concentrirt.

Man kann ſich von dieſer Wahrheit das


durch liberzeugen , wenn man Waſſer in ein
marmorenes Gefäß ſchüttet, und viele Tage den
Sonnenſtoff durch Brennſpiegel im Waſſer ſam .
melt. Er wird ſich bald an der Seite des Ge .
fåßes als eine weiſſe, ſehr reine Erde anles
gen , die fich von allen andern Erdarten

weſentlich unterſcheidet, und die die wahre pris


mitive Erde , oder die terra virginea der
Alten
74

Alten iſt, nehmlich der wahre Erbſtoff, die


reine Defta, die mit feinem Weſen, ausgen

nommen mit der Sonne, eine Verbindung eins


gehet.

Dieſe reine und primitive Erde iſt nun


der wahre Naturſtoff, aus den der Natur.
ſchwefel mittels der Radikalfeuchtigkeit Udes her.
vorbringt.

Wo dieſer Naturſtoff die Oberhand hat,


entſteht das Metallreich ; wo derſelbige im Gleichs
gewicht mit dem Naturſd)wefel ſteht, das veges
tabiliſche Reich , und wo der Naturſchwefel die
Dberhand hat, das Animalreich .

Der Mineralgrund, der Begetalgrund und


der Animalgrund find alſo drey verſchiedene Mi.
ſchungen des Naturſchwefels und Naturſtoffes,
durch die Radikalfeuchtigkeit verbunden , und dieſe
verſchiedenen Miſchungen werden im mineralie
ſchen Reich zum Goldgrund , im vegetabiliſchen

zumn Holzgrund , im animaliſchen zum Beins


oder nochengrund. Das Innerſte des Gold.
grundes kann metalliſcher Saamenfioff das Ins
nerfte des Holzgrundes vegetabiliſcher Saamen .
ſtoff
75

Aoff, und das Innerſte des Knochengrundes ani,


maliſcher Saamenſtoff genannt werden .

i
Eigenſchaften des Naturſchwefels.

Die Eigenſchaften des Naturſchwefels un.


terſcheiden ſich von den Eigenſchaften des ger
wohnlichen Schwefels darinn .

Erſtens fann derſelbe nicht, wie der ges


wshnliche Schwefel, in Geſtalt eines Pulvers
dargeſtellt werden .

Er iſt viel feiner und flüchtiger, und ſubli.


mirt fich in der Geftalt von drenerley Farben ,
als gelb, orangenfarb und purpurroth .

Die Flores des Naturſchwefels können


nur durch ſein eigenes Seuer erhalten werden -
unb zerflieſſen leicht in der Luft zur Radifal.
feuchtigkeit, das iſt, Wärmefåure.

Im Waſſer 18fet er ſich nicht auf ; fons


dern ſtellt ſich als ein orangenfarbes Pulver
dar, welches im Ruhezuſtande, wenn das Ges
fåß offen bleibt, natürliche, feuerrothe Flammen
an den Seitenmanden des Glaßes bildet.
76

In verſchloſſenen Gefäßen laßt er fich,


gleich einem Debly diſtilliren, das im Dunklen
beſonders leuchtet.

Er entzündet ſich leicht in frener Luft, und


låſt einen arſenicaliſchen , knoblauchartigen Ger
ruch zurück.

Er løſet ſich in Säuren auf , und fann aus


denſelben durch Urinſalg, womit er ſich leicht
verbindet, abgeſchieden werden . -

Mit der Kohle ſtellt ſolcher einen wahren


und wirklichen Phosphor dar .

Dieſe feine beſondere Eigenſchaften unter,


fcheiden ihn von allen andern Körpern ; wie er
ſich auch durch ſeine beſondere Wirkungen auf
die Körper unterſcheidet. -

Alle Kørper, wenn ſie mit dieſem Natur,


Schwefel überfezt werden, løſen fich radikal auf,
und es wird kein anderer Handgriff dazu erfor.
dert, als die feinſte mechaniſche Cheilung und
Digeſtion ; aber auch ohne diere Hilfsmit.

tel zerrezt er radikal die Störper, nur geht die


Operation långer her.

Die
77

Die mit Naturſchwefel überregten Körper


jerflieſſen in der Luft gånzlich zur Säure, die,
wenn ſie unterſucht wird , ſich als Vitriol - und

Salzfåure zugleich duffert.

Werden die mit Naturſchwefel überſezten


Störper getrocknet, ro kennen ſie bey dem gès
ringften Contakt einer Flamme vouffandig ver .
brennt werden .

Ich verbrannte auf dieſe Urt mit Naturs


ſchwefel überſezte Metale und Edelgeſteine, und
das Reſultat im verſchloſſenen Gefäfſe war foh
le. -
im Waſſer aber nur allein kann man ſich
der førperlichen Urſtoffe bemeiſtern , welche in
allen Produkten Naturſchwefel und Naturſtoff

find.
Man ſcheidet daher nach der Auflsſung

das Quantum des zur Uufisfung genommenen


Metallic wefels wieder ab und des Reſiduum
iſt das beſtimmte Quantum des Naturſchwefels,
welches ein beſtimmter Størper in fich háit .

So kann man durch Aufierung verſchiedes

ner Kirper ihre Differenz beſtimmeny welche


in
78

in den verſchiebenen Verhältniſſen des Natur.


fchwefels und Naturſtoffs beſteht.

Der Naturſchwefeldehnt daher Alles aus,


verfluchtigt Alles, Iffet Alles auf, und iſt
das expanſive Weſen der Natur, deſſen vorzugs
liche Kraft die Kraft der Leichtigkeit iſt.

Naturſtoff.

Der Naturftoff ſtellt fich , als ein faifens


artiges Waſſer, etwas fchmußig anzufüblender
Körper dar.

Seine Haupteigenſchaften find : ,

Erſtens, daß er die hschſte Einſchränkungs ..


Fraft in der ganzen Natur beſigt. Er geht mit
keinem Körper eine Radikalverbindung ein, aus .
genommen mit der Phosphor oder Wärme.

fåuré. Im Waſſer iſt er auflåsbar, und kann


mit Alkali ausgeſtoſſen werden.

Er hat die hschfte Attraktionskraft gegen

den Naturſchwefel, und ſucht denſelben überall an


fich zu ziehen und einzuſchränken ; da hingegen
der Naturſchwefel überall ſucht, den Naturſtoff
auszudehnen und zu verfluchtigen. Dort, wo der
Natur,
79

Naturſtoff den Naturſchwefel liberwiegt, ento


ſteht ein fixer Sörper ; wo der Naturſchwefel
die Oberhand über den Naturſtoff hat, entſteht
ein flüchtiger Körper ; ſo daß das ganze Ge.

feß der Firation und Volatiliſation der Körper


blos in der Ueberfeßung eines Körpers mit Na.
turſchwefel oder Naturſtoff beftebet, welches man
ſogleich durch Erfahrung beweiſen kann, wenn
man ein Metall mit Naturfchwefel ciberſegt, wo,
durch daſſelbe ro flúchtig gemacht werden kann,
en das Glas
daß es in verſchloſſenen Gefäff

1 durchbringt, wie entgegen flüchtige und entzund.


bare Körper, durch Ueberſegung mit dem Nas
turſtoff, in fire verwandelt werden können *).

Endlich beſizt der Naturſchwefel die höchs


fte anziehende Eigenſchaft, und iſt das attraf,
tive Weſen der Natur.

Nachdem wir nun beſonders - die Eigen,


ſchaften des oberen Weſens, oder des Naturs
ſchwer

*) man weiß, daß man in Paris mit groffen Brenngläſern


Geld und Diamanten in Rohle verwandelt hat. Urein
dieſes Verbrennen iſt auch nichts anders, als eine Uufs
föfung der Körper im Sonnenſtoff oder Naturſchwefel.
fchwefels, und des Sonnenſtoffes betrachtet has
ben, wie auch die Eigenſchaften des untern We.
Tens, oder Naturſtoffes , ro iſt es - nothwendig ,
dieſe zwen Subſtanzen in ihrer gegenſeitigen
Wirkung zu betrachten.

Hier iſt es nothwendig, unſern Blick wies


der in die hdheren Regionen zu erheben , und
die Stuffenleiter der Naturbildungen anzuſehen .

Wir wiſſen , daß in der oberſten Region

fich der Hether befindet, der in fich Phosphors


luft iſt.

1 Dieſer Aether iſt das Gleichförmige,, Un


veränderliche - das materielle Prinzip - das
Worinn der untern Erſcheinungen .

Durch die Ausdehnung und Zuſammenzies


hung dieſer Subſtanz entſteht Feuerluft und
Lichtluft, die Bewegung , das Leben der Na.
tur, das in nichts anderm beſteht, als in der
gleichförmigen Ausdehnung der Phosphorluft in
Feuer und Richtluft.

Wird dieſe gleichförmige , proportionirte

Ausdehnung geſtort, ſo daß die Richtluft über


.
die Feuerluft die Oberhand erhålt, fo entſteht
durch
durch Vermiſchung dieſer beyden Luftarten - rog
gleich das Waſſer, das erſte ſinnliche, materielle
Produkt, in welchem die Feuerluft von der

Lichtluft feftgchalten, fich als die primitive Erde


darſtellt, wie die Erfahrungen beweiſen, die ich
zulezt anführen werde, um izt den Faden des
Syſtems nicht zu unterbrechen.

Wenn nun das Waſſer eriftirt, ſo iſt


3 dies
res das Medium , wodurch der Naturſchwefel fich
mit dem Naturſtoff vereinigt.

Dieſe Vereinigung geſchieht aber nach vere


fchiedenen Graden, welche die übrigen Mature
ſtoffe bilden . Wo ſich mittels des Waſſers der
Naturſchwefel'mit dem Naturſtoff ſolchergeſtalt
vereinigt, daß der Naturſd ;wefel ' die Oberhand
behålt, da entſteht der Sauerfront Drygen.

Behalt der Naturſtoff die Oberhand über


den Naturſchwefel, fo entſteht der Süßſtoff.

Iſt der Naturſchwefel mittels des War:


Ters mit dem Naturſtoff im prorortionirten Ver.
båltuiß, io entſteht der Stoff der Sitterfeit ;
wie endlich in der erzeugten primitiven Erde

felbſt der überwiegende . Naturſchwefel den licht.


ſtoff
ftoff der überwiegende Naturſtoff den Schwere

fioff, und die gleiche Proportion zwiſchen pas


turſchwefel und Naturſtoff den Gleichgültigkeitss

ftoff, oder den elaſtiſchen Stoff erzeugt.

Folglich ſehen wir klar ein, daß alle dieſe


Stoffe nur aus verſchiedenen Verhältniſſen des
Naturſchwefels mit dem Naturſtoff erzeugt were
ben ; ihre Grundlagen aber bleiben immer die

nehmlichen.

Das Oberſte der Natur im gasf &rmigen ,


Zuſtande iſt alſo der Aether.

Aether iſt Phosphorluft - das reinſter


ausgebreitetſte lichtweſen , Feuerweſen, Wärmes

weſen zugleich .

Dieſer Uether ( Phosphorluft) determinirt


ſich durch Concentration zur Seuerluft, und durch
Wiederausdehnung zur Lichtluft, das iſt : zur
Lebensluft und inflammablen Luft.

Phosphorluft in der Ausdehnung iſt lichte


luft, (inflammable Luft) Waſſerſtoffgas.

Phosphorluft in der Concentration ift

Feuerluft (Lebensluft, Feuerſtoffgas.)


Plus
Plus Lichtluft, minus Feuerluft, geht eine
Miſchung ein, und dieſe Miſchung produzirt das
Waſſer, da die Phosphorluft frer wird, 6. i.
da die beſtimmte Proportion verändert wird.

Plus Feuerluft, minus Lichtluft produs


zire in den gasförmigen Regionen das Feuer,
den Blig.

Da nun durch lleberwåltiging der Phos .


phorluft die kichtluft mit der Feuerluft in Kampf
geråth, ſo ſucht die Richtluft die Oberhand über
die Feuerluft zu erkämpfen, um Waſſer zu bil.
den, und die Feuerluft ſucht die Oberhand über
die Richtluft zu erhalten, um Feuer zu bilden,
und ſo entſteht der Stampf zwiſchen der Feuers
und Lichtluft, Waſſerwerbung und Detonation,
ben welcher derjenige Theil, der ſich im War. 1
ſer concentrirt , Erdſtoff wird, der übrige aber,
der ſich verflüchtigt, Sonnenſtoff, oder Natur.
ſchwefel.

Der Erdſtoff iſt nur ein im Waſſer cons


centrirter Naturſchwefel, und durch dieſe Cons
centration erlangt er ganz verſchiedene Eigens

ſchaften .
84

Er verliert ſeine Flidhtigkeit, und verwech .


felt dieſelbe, mit der Firitåt ; ro verwandelt er
ſich in Erdſtoff, wird primitive Erde, die wahre
terra virginea der Alten. Die Alten nannten ſie
materiam Hyle, d . i . Holiftoff, meil ſie wirk.
lich das Innerſte des Holzes ausmacht; von den
neuern Chemiſten wird ſie Kohlenſtoff genannt.

Nun miſſen wir die Erzeugungen ies Na.


turſchwefels, als der aktiven Materie mit dem
Naturſtoff als dem paſſiven Subſtrat, betrachten ,
welche Miſchungen dieſe zwey Weſen mittels des
Waſſerſtoffes eingeben.

Plus Naturſchwefel oder Sonnenſtoff, vero


bunden durch den Waſſerſtoff mit minús Nas
turſtoff oder Erdſtoff, bildet den Såureſtoff.

Plus Erdſtoff, verbunden durch Waſſers


ſtoff mit minus Naturſchwefel, bildet den Süße
ſtoff Zuckerſtoff.

Gleichviel Naturſchwefel mit gleichviel Nas


turſtoff bildet - den Stoff der Bitterfeit.

Zulezt bleiben uns noch die gröbern Mis


ſchungen übrig , die ſich in der Erde und allen
andern zuſammengeſezten KSrpern zeigen.
Hat
85

Hat in der Erde der Naturſchwefel die


Oberhand, ſo wird er Leichtſtoff.

Hat der Naturſtoff die Oberhand , fo ere


feugt ſich der Schwerſtoff. 1
Gleichviel Naturſchwefel und gleichviel Na.
turſtoff bilden die Materie des Zuſammenhangs
das Gluten und Ciment der Natur.

Wir ſehen alſo , daß jeder Naturerſchein


nung eine Subſtanz als Urſache zu Grunde liegt,
und daß die Kräfte der phyfiſchen Natur die
Folgen ihrer materiellen Unterlagen in aufſteis
gender Ordnung find, wie die Kräfte in abſteio
gender Ordnung die Urſachen der Materien
werden .
So iſt die materie das Reſultat der
Synthes der Sträfte, und die Straft das Reſul.
tat der Analys der Materie. Das Prinzipium
der Materie iſt daher von der Materie ſelbſt
weſentlich unterſchieden .

Durch dieſe Berichtigung iſt es nun gar


nicht ſchwer reine Begriffe von den Stoffen fich
zu verſchaffen , die in folgender Ordnung zu ſtes
ben kommen .
Univers
86

Univerſalmaterie.
Lidytweren . Paſſives
Aktives Prinzip der Lidhtweſen I Wefen der
Natur . Natúr .
1. Naturreis . Naturerregbarkeit.
2. Sonnenſtoff Erdítoff
Natur - Schwe: Paturſtoff - primis
fel. Modifikation tive Erde .
4. Ausdehnendes We eines Anziehendes Mes
fen. einzigen Narur ren .
5. Feuerſtoff. prinzips. Lichtſtoff
6. Wärmefioff. Stålteftoff.
7. Sauerſtoff. Süffioff.
8. Leichtſtoff. Schwerſtoff.
9. Diaphanitát be: Opazität erzeugents
wirkendes de
Licht nach den Ulten Finſterniß .

Uus allen dem Vorausgerezten ſind wir


belehrt worden , daß die Natur ihre Stoffe aus
der Modifikation einer einzigen Subſtanz ſchaft,
welche Subſtanz in ſich nur Ein Wefen iſt, aber
durch Ausdehnung und Concentration dreyfál.
tig wird, und fich in 4.

Naturſchwefel
1 Nadikalfeuchtigkeit,

Naturſtoff
theilet.
87

Es iſt aber nicht genug, zu wiſſen, daß


die Naturkraft einen Stoff hat, aus dem fie bil.
det ; und eine Inſtrumentalitåt, wodurch fic
bildet : es iſt auch nothwendig das Gefeß zu

kennen, dem die Natur bey der Produktion ih.


rer Weſen folgt, es iſt nothwendig zu fra.

gen :

1 ) Wie erzeugt die Natur die SSrper ?

2) Wie erhält die Natur ihre Produktionen;


wie ernährt ſie dieſelben ?

3) Wie Isſen ſich ihre Körper wieder auf ?

4) Wie werden die aufgeløſten regenerirt ?

In dieſen vier Fragen iſt das ganze Gei


fes der

Generation,

Conſervation,

des Werdens und Daſegns,

der Krankheit,
des Codes und der Berweſung, und

der Regeneration aller Dinge

enthalten.
Dieſe
88

Dieſe vier Modifikationen der fren unvers


ånderlichen Prinzipien ſind das groſſe. Geheim
niß der Myſterien , von welchen geſchrieben ſteht:

Ternarius in quaternario quiescens,

perfectum Septennarium generat, qui no


bis totius naturae cum Deo vinculum
exhibet,

Generationsgeſek der Natur.

Das Erzeugung8 - und Produktionsgeret


aller phyſiſchen Weſen gründet ſich auf die ge.

genſeitige Anneigung des Naturſchwefels und


2des Naturſtoffes. Der machtige Hang des Nas,
turſchwefels , fich mit dem Naturſtoff zu vereinis
gen, und die 'heftige Attraktion des Naturſtof
fes, den Naturſchwefel feſt zu halten, find die
Urſache der Anteigungen und Anziehungen der
Norper, welche Auneigungsurfache

Mineralreich Attraktionstrieb ,
im Vegetalreich Produktionstrieb
| Animalreich Generationstrieb
genannt werden kann.

Dieſen
Dieſen Trieben allen liegt die Neigung
des Naturſchwefels zum Naturſtoff, und des
Naturſtoffes zum Naturſchwefel, zu Grunde .

Diefe Anneigung aber zwiſchen Naturſtoff


und Naturſchwefel gründet fich auf die Einheit
dieſer zwey Weſen, die ſich gegenſeitig anziehen,
weil eines des andern gegenſeitig bedürftig iſt.

Der Naturzweck dieſer Anneigung iſt Pro.


duktion.

Das Mittel hiezu iſt das Bedürfniß, wel:


ches die gegenſeitigen Triebe verurſachet, oder
die Attraktionen bewirft.

Das groſſe Naturgefeß iſt alſo liebe, und


durch dieſe bewirkt ſite in allen Reichen ihre
Produktionen, da fie durch Reiz und Gegenreiz
die Erregbarkeiten anlockt, ihren Zweck der Ges
neration zu erfüllen .

Das Anziehungsgeſet gründet ſich auf geo


genſeitige Ausdehnung des erregbaren Naturs
ſtoffes und des reizenden Naturſchwefels.

Wo der Naturſtoff ausgedehnt wird, ſucht


er den Naturſchwefel einzuſchränken, und dieſe
Einſchränkung bewirkt die Attraktion .
Gleich
go

Gleichgültig find die Stoffe und Kdrepet


gegeneinander, wo Erregbarkeit und Reiz gleich
find, d. i. da, wo ein Körper gegen den ana
dern gleich viel Naturſchwefel und Naturſtoff

befist, wirken die Körper nicht gegeneinander.


B. Erregbarkeit gegen Erregbarkeit zu ftes
ben kommt, ftoffen fich die Körper zurück.

Die Wirkung der Sorper auf Körper hat


alſo ein preyfaches Geſe :

das Geſetz der Annäherung,


das Gefeß der Gleichgültigkeit, oder Iners
tie, und

das Geſetz der Zurückſtoſſung oder Avers


fion.

Korper ziehen ſich an , oder


2. find gegeneinander gleichgültig, oder
3. ſtoffen ſich zurück.

Die Attraktion iſt die Wirkung der höchſt


ausgedehnten Erregbarkeit und Gegenwirkung
des høchſt ausgedehnten Reizes .

Der héchſt ausgedehnte Naturſtoff ſucht den


ausgedehnten Naturſchwefel einzuſchränken, und
diere
90

dieſe Einſchränkung iſt die Urſache der Attraka


tion.

Nur derjenige Kørper ' iſt anziehend, in


welchem die Erregbarkeit ausgedehnt werden
kann.
1
Nur derjenige Kśrper wird angezogen, in
welchem , der ausgedehnte Naturſtoff den aus .
gedehnten Naturſchwefel anzuziehen vermag.

Die Attraktion bauert ſo lang, als der


Naturſtoff fähig iſt, den Naturſchwefel einzu .
ſchränken .

Wo die Naturerregbarkeit oder der Natur:


ftoff durch den Naturreiz oder Naturſchwefel an .
gezogen wird, entſteht Wärme, und wo der Na.

turſtoff den Naturſchwefel einſdyrånkt, iſt das


1 Reſultat Kålte.

Die Kälte entſteht daher durch die Sus

perioritåt des Naturſtoffes über den Naturſchwe.


fel.

Die Wärme durch die Superioritat des


Naturſchwefels über den Naturſtoff und die
Temperatur durch gleiche Verhältnifie zwiſchen
dem Naturſtoff und dem Naturſchwefel.
Die
{

Die Verhältniſſe der Einſchränkungen der


drey Reiche können durch Zahlen ausgedrückt
werden .

Allein man muß in dieſem Falle die Zah.

len nicht aritmethiſch betrachten, ſondern blos als


repräſentative Bilder der Gegenſtände der dren
Reiche. Die Zahlen 1 2 3 4 5 6 7 82

1 haben folgende, in jedem Reiche gemeinſchaftlie


che Bedeutungen,

1 I zeigt das Prinzipium an,


2 das Organ ,

3 die Form

4 die Subſtanz, das Ganzer


5 die' Theile ,

6 die Berbindung der Theile,


7 die Modification ,
8 die Ausbildung,
9 die Eigenſchaften.

Die Nullen ſtellen die dren Reiche vor


Das Animalreich hat 2 Nulleny
das vegetabiliſche 31
das mineraliſche 41

folglich
93

folglich , wenn ich anrege 20000 , ſo will


dieſe Zahl keineswegs zwanzigtauſend ſagen ,
ſondern ſie drückt das organiſche Weſen im
Mineralreiche aus, wie 200- das organiſche
Weſen im Animalreich ausdrückt.

Wenn ich alſo . 200 zu 20000 betrachte,


fo iſt das Verhältniß nicht zweyhundert zu
zwanzigtaufend, ſondern dieſe zwey Zahlenbilder
zeigen, daß der einſchränkende Stoff im Mines

ralreich vier mal gröſſer, als im Animalreich


ift. -

Die Verhältniſſe der drey Neiche find alſo :


3
оо OO 0000

Im Mineralreich iſt die Quantitåt des

Naturſtoffes 4 mal ſo viel, als im vegetabili.


ſchen , im vegetabiliſchen 3 mal ſo viel, als im
animaliſchen , im animaliſchen 2 mal ſo viel,
als im Menſchen .

Das till ſagen, im Mineralreich iſt der


Naturſchwefel 4 mal mehr eingeſchränkt, da er
im Animalreich 2 mal mehr eingeſchränkt iſt,
als
als im Menſchenreich, welches von dem Anis
malreich durch feine mindere Einſchränkung difo
ferirt.

Der Grundriß jedes Reiches beſteht darin


ber in 9 Grundweren :

3 & ufſern ſich im gasférmigen Zuſtande,

3. im fluffigen ,
3 im foliden .

Såmmtliche aber ſind bloſſe Modifikationen


eines einzigen Grundwerens. Ihre gegenſeiti.
gen Verhältniſſe drücken ſich durch Zahlen in
folgender Ordnung aus :
T I I
1
3
2

3 3 3

9
I theilt ſich in 2 -
2 theilt ſich in 3 .

3 concentrirt fich in 2,
in Eins.
Zun
*
96

Zum Benſpiel - Es wird ein Körper,


geſchmolzen, betrachtet in ſeinem ſoliden Zuſtande
vor der Schmelzung iſt er = 3 , in der Schmel.
zung im flüſſigen = 2 . Sollte der Kørper

verfllichtigt werden, und in gasférmigen Zuſtand


übergehen, ſo iſt er I. Denn 1. 2. 3. drů .
den die Zuſtandsveränderungen zwiſchen den
ſoliden , flüſſigen und gasförmigen aus, von
welchen die veränderten Formen nur nothwen.
bige Folgen ſind.
Das Geſeß der Produktion in allen dren
Reichen beſteht in den Einſchränkungen des Nas
turſchwefels durch den Naturſtoff.

Dort, wo der Naturſchwefel von dem Nas


turſtoff eingeſchränkt wird, entſteht eine Pro.
buktion.

Die Produktion verhält ſich nach der Ein.


ſchränkung.
Die höchſte Einſchränkung giebt ſolide,
die mittlere flüſſige,

die leichteſte gasförmige Korper. -

Alles zuſammen iſt nur Eines, aber manich .


faltis modificirt.
Die
Die Verſchiedenheit der Produktion ver .
hält ſich nach der Diigntitát des eingeſchránkten
Naturſchwefels , welche Einſchränkung die
Zahl eines phyfiſchen Weſens macht oder die
Stuffe beſtimmt, auf welcher das Weſen in der

Reihe der Erſcheinungen ſteht.

Die Ausbehnung verhålt ſich nach der


Quantität des eingeſchränkten Naturſchwefels ,
und dieſe beſtimmt das Maas ;

Der durch den Naturſchwefel ausgedehnte


Naturſtoff endlich das Gewicht der Dinge.

Die Form iſt ein nothwendiges Reſultat


der Entwicklung einer beſtimmten Proportion
eingeſchränkten Naturſchwefels durch den Nature

ſtoff.
Die Eigenſchaften ſind der Form inharent.

Erhaltungsgerek .

Die Natur erhält alle Dinge in den bren


Reichen durch die Verbindung des Naturſchwer
fels mit dem Naturſtoff. So lange dieſe Ver.
bindung dauert, dauert ein Weſen .
Reise
97

Reize und Erregbarkeit, die durch den wir," !


fenden Maturſchwefel und paſſiven Naturſtoff
erzeugt werden, machen das Leben eines Dino

ges.
2
Durch Bewegung und Ruh geſchieht Ul.
les ; Bewegung fodert die Reize auf, Ruh die
Erregbarkeit.

Alle Körper haben ein Bedürfniß nach


Bewegung und nach Rub . -

Dieſes Bedürfniß liegt darinn, weil aus


Mangel der Bewegung die Erregbarkeit oder der
Naturſtoff fich anhåufet, aus Mangel der Ruhe
aber ſich die Reize conſumiren . - Hewegung
Nahrung Ruh - ‫ ܘܕ‬erhalten die Kerper
weil ſie die Proportion zwiſchen dem Naturſtoff
und Naturſchwefel herſtellen, ſolang dieſe daus
ert , dauert auch der Wohlſtand eines Kør.
pers.

1
Gereß der Auflöſung .

Das Geret der Aufiding fångt an, wo

das Gleichmaås zwiſchen Reiz und Erregbarkeit,


bem Naturſchwefeli oder dem Naturſtoff ges
7 fiort
98

ftort wird. - Dieſer moment iſt der Anfang


aller Krankheiten , aller Mångel der Körper.

Wo der Naturſchwefel die Oberhand er.

hålt, erfolgt Qufigſung des Naturſtoffes, und

der Körper zerfällt.


Wo der Naturffoff die Oberhand ilber

den Naturſchwefel erhält, hørt die Bewegung


auf, das Leben verliehrt ſich. -

Alle Conſumtion der Neize, oder des aktie


ven Werens im Menſchen , entſteht daher aus
Anhäufung der Erregbarkeit, das ift: - es iſt
Uebermaas der Einſchränkung des Naturſchwefels .

Wo die Conſumtion der Erregbarkeit, alſo


Uebermaas der Reize da iſt , entſteht Conſum.
tion des Naturſtoffes durch den Naturſchwefel.

Aus allen den folgert ſich , nothwendig,


daß das Heilungs . Reſtaurations : und Regenes
rationsgefeß in nichts andern beſtehen kann ,
als den Naturſchwefel mit dem Naturſtoff ins

Gleichmaas zu feßen .

Es folgert ſich , daß jede Krankheit Mans


gel iſt, das iſt Schwäche C Abgang ; dat
die
*
99

die Heilung nothwendig im Starfen, das iſt:


im Erfaß des Abgängigen beſtehen muß
das iſt : Reiz und Gegenreiz zut- erzeugen. -

Es iſt daher nothwendig, die poſitiv reis


zenden , von den negativ reizenden Mitteln zu
unterſcheiden , — das will ſagen , die reizenden ,
von den gegenreizenden .

Der Naturſchwefel iſt das Prinzipium ale


ler Reize .

Der Naturſtoff das Prinzipium aller Gen


genreize .

Die ganze Heilkunde beruhet daher auf


der Kenntniß der Wiſſenſchaft : ob Reize, pber
Gegenreize mangeln.

Wo Mangel an Reiz ift - iſt Mangel


an Naturfchwefel.

Wo Mang I an Gegenreiz iſt, iſt Man.


gel an Erregbarkeit.

Anwena
IO

>

Anwendung dieſes Syſtems

auf

die Krankheiten der Menſchen .

a alle Weſen aus dren Naturſtoffen , als


dem Naturſchwefel, der Radifalfeuchtigkeit und
dem Naturſtoff zuſammengeſezt find, nur unter
verſchiedenen Proportionen ; ſo enthält nothwen.

1 dig der Animalgrund die nehmlichen Stoffe ,


nur unter verſchiedenen Proportionen .

Im animaliſchen Grundweſen iſt der Schwer


fel mehr fren, folglich der Naturſtoff mehr auß.
gedehnt, und je mehr Ausdehnung des Natur.
ſtoffes , oder paſſiven Weſens, durch den Natur.
ſchwefel, oder das active Prinzip, deſto freier
und lebensfähiger iſt das Weſen .

Das Leben eines Thiers . beſteht alſo in


der proportionirten Verbindung des Naturſchwe.
fels mit dem Naturſtoffe.

Das
101

Das Leben iſt ein fortdauerndes Verzeh.


ren des Animalgrundes ; es iſt daher ein ſtilles
Verbrennen.

Eben darum iſt es immer nsthig, den

verzehrten und durch Reize fonſumirten Natur .


ftoff wieder durch Nahrung und Ruhe zu er .
reken .

Eine vollkommene Geſundheit kann nur in

dem proportionirten Verhältniß des Natur,


ſchwefels gegen den Naturſtoff beſtehen. Zus
viel Schwefel verfluchtigt den Naturſtoff und
der Menſch wird frank aus zu viel Reiz und
Verluſt der Erregbarkeit. Zu wenig Schwes
fel iſt Mangel an Reis ; er wird von der Er .
regbarkeit verſchlungen , und der Menſch wird
krank aus Unhåufung der Erregbarkeit.

Hufeland hat ſehr ſchon geſagt: das les


ben iſt ein gewiſſes Maas von Kräften , das
ſufzeſſiv erſchspft wird, und dieſe Krafterſche
pfung iſt Ultwerden.

Von der Wahrheit dieſes Saßes uber.

zeugte mich die hibere Chemie. Altwerden iſt

eine chemiſche Operation im Menſchenférper, in


wel.
JOC

welchem der ausgedehnte Naturſchwefel durch


Anhäufung der animaliſchen Erregbarkeit immer
mehr eingeſchränkt wird.

Wir bemerken dieſe Einſchránkung des jus


gendlichen Feuers in Adem ; die blühende Wange
berdorrt, das funfelnde Auge wird trube, das

glatte, ausgedehnte Geſicht fchrumpft in Falten .

Aus Ulter ſterben , iſt die Vollendung der

Conſumtion des Lebenfreiges, oder des Natur :


feuers, durch die Erregbarfeit , und dieſes Nas
turfeuer iſt der Naturſchwefel felbft.

Jedem Menſchen ſcheint die Natur eine


beſtimmte Portion ſeiner thieriſchen Erregbarkeit
und reines thieriſchen Reizes gegeben zu haben,
und ſeine natürliche Lebensdauer hångt von dies
fer gegenſeitigen Proportion ab ; betin die beſte
Proportion zwiſchen dem Lebensſtoff und Lebens.
reiz macht das långſte Leben.

Im Menſchen ſcheint der Naturſtoff durch


die einfachen Naturprinzipien (djon ſpezifizirt,
wie er im vegetabiliſchen und animaliſchen Reiche
ſchon ſpezifizirt iſt. Die Wirkung zwiſchen dem

paſſiven animaliſchen Subſtrat und dem aktiven


Lebens.
103

Lebensreiz unterhält ſein Leben . Das Maas ,


oder die Dauer des Lebens iſt alſo gleich der
Proportion des Lebensſtoffes.

Dieſes Leben iſt tauſend Gefahren ausge .

rest, weil die wahren Lebensprinzipien nie rein


in demſelben wirken können , denn alles, was
um uns iſt, was wir genieſſen , iſt unrein, und
dient nur zu mechaniſchen Reiz oder Erregbars
feit ; und alle Dinge, die wir in uns aufneh.
men, wirken nur wie in einer Maſchine auf die,
in dem animaliſchen , erregbaren und reizbaren
Prinzip wirklich eingeſchloſſene lebenskraft.

Ade Størper, ſowohl des mineraliſchen , ver


getabiliſchen und animaliſchen Reiches können in

ihre drey Urſioffe oder Naturprinzipien aufges


Iffet werden, und dieſe Aufisfung iſt allein die

wahre und Radikalauflsſung der hdhern Chemie.

Dieſe Radikalauflsſung fann aber durch


kein Compofitum der Kunſt geſchehen, ſondern
nur durch den reinen Naturſchwefel felbft; denn
da die Entſtehung jedes Sørpers bloß mehr
oder mindere Einſchränkung dieſes Naturſchwes

fels iſt, ſo kann die Radikalentbindung der Prins


zipien
104

zipien nur durch die Leberfeßung eines Stórpers


mit dieſem Naturſchwefel geſchehen, wodurch die
Verhältniſſe des aktiven Naturprinzips zu dem
paſſiven verandert werden .

Diere Radikalauſloſung in die urſprünglis


chen Beſtandtheile iſt allein die wahre , und
durch ſie allein laſſen ſich die wahren Propors
tionen der Verhältniſſe der drey Urweſen, woco
aus alle Körper beſtehen, finden , und wir ers
langen die genaueſte Scala vom unterſten Pro.
duke bis zum höchften , in einer progreſſiven

Drdnung, die wahre Verwandtſchaftstabelle der


Natur.

Die Scraft jedes Körpers iſt proportional


mit dem darinn enthaltenen Naturſchwefel, die
Qualitåt bångt ab von der mehrern oder we.

nigern Verbindung :

Die Form von dem einſchränkenden Nao


turſtoff

Man kann die Verhältniſſe , Qualitäten


und Formen nach einer Scala analytiſch ent.
werfen.

Diere
105

Dieſe zwen gegen einander wirkenden Prins


zipien, als der Naturſchwefel und Naturſtoff, fins
nen, nach ihren Erſcheinungen und Wirkungen,
mit verſchiedenen Namen belegt werden , als :
Sonnenſtoff Erdſtoffe

Feuerſtoff Lichtſtoff
Leichtſtoff Schwerſtoff,
Sauerſtoff Süßſtoff

Der Erbſtoff oder das Naturſubſtrat , iſt


in fich Kälteſtoff.

Der Naturſchwefel, oder Sonnenſtoff, fann


Feuerſtoff genennt werden .

Das Eindringen dieſes Feuerſtoffes in den


Erdſtoff bringt Bewegung hervor, und die Aus.
dehnung des Kälteſtoffs oder Erdſtoffs , welche
durch das Eindringen des Naturſchwefels er.

folgt, iſt fühlbare Wärme.

Auch die Wärme iſt daher Materie, und


ihre Beſtandtheile find Kälteftoff ausgedehnt
durch den Feuerſtoff. Dort, wo die Ausdeh,
nung aufhört, hört auch die Wärme auf.

Keine Naturerſcheinung, im ſoliden , fliiſ


figen und gasförmigen Zuftande, kann erfolgen ,
ohne
106

ohne daß fich die brey Prinzipien in verſchiebe.


Bien Proportionen miteinander vermiſchen . Es

iſt alſo auch nothwendig, daß wir die dren


Grundmiſchungen dieſer Prinzipien im ſoliden ,
fluffigen und gasformigen Zuſtande betrachten .

Im foliden Zuſtande erſcheinen dieſe Prins


zipien unter der Geſtalt als Feuer- Wärmes

Lichtmaterie.

Im fiüffigen unter

Feuer - Warine - Lichtſäure.

Iin gasförmigen unter

Feuer - Wärme - lichtluft.

Dieſe drey Verånderungszuſtände der Auss


dehnung machen die drey Regionen der Erde,

die oberſte, mittlere, und unterſte.

Gleiche Verhältniſſe ' walten auch in den


ſoliden, flüſſigen und gasförmigen Theilen des
thieriſchen Kørpers ob, und alle Einwirkungen zu.
fammengeſezter Körper auf den Lebensſtoff geſche.
hen nur in ſo weit, als ſie entweder die ſchlum .
mernden Reize wieder auffiseln, oder das Zuviel
der Reize durch die Erregbarkeit beſchränken .
Allein
107

Allein da die Verhältniſſe fo vielfältig find,


und die Aggregationen der thieriſchen Beſtandtheile
ſo verſchieden , ſo werden auch die Kurarten ſo auf ,
ferſt ſchwer, weil wir die heilenden Fråfte nur
in Hüllen , das will fagen : mineraliſch oder ves

getabiliich ſpezifizirt, beybringen können, die oft


von andern Guillen, die ſich in Körpern befins
den, zurückgeſtoffen werden.

Dicle Beobachtung war auch die Urſache,


warum die Herzte zu Ausleerungen ihre Zuflucht
nahmen , um die Wiðerſtandsmaſſa wegzuſchafı
fen, damit ſich die bengebrachten Arzeneien de
fto eher animaliſiren , und ſich an die animali .

ſchen ; erregbaren oder reizenden Thierprinzipien


anſchlieffen fønnen.

Die Vielfältigkeit der Krankheit iſt natür ,

lich mit der Vielfältigkeit, oder den Graden der


angebäuften Erregbarkeit, oder der Reize, pro
portionel.

Es iſt ausgemacht, daß die thieriſche Ges


ſundheit in der genauen Uebereinſtimmung der
fluffigen und ſoliden Theile im Menſchenférper
beſtehe.

Dieſe
108

Dieſe Theile aber ſelbſt können ſich nur


barmoniſch verbinden, wenn ſie rein ſind, denn
in der Reinheit beſteht der Zufand ihrer Volls
kommenheit : rein find fie aber nur, wenn in
ſolchen die reinen unvermiſchten Prinzipien wir .
ten können ; denn das reine iſt das einfache

Prinzipium, und dieſes einfache Prinzipium find


Naturſchwefel und Naturſtoff, und die Radikal.
feuchtigkeit der Natur.

) So lang dieſe Prinzipien in ihrer Reins


heit find, wirken ſie frey im Menſchen , fo bald
fie aber durch heterogene Theile eingeſchränkt
werden, fångt der Menſch an, krank zu werden.

Dieſe Einſchränkung der reinen Naturprin.


zipien iſt in thieriſchen Körpern, wo ſie ſchon
zum Animalgrund ſpezifizirt find, durch das Ber.
wandtſchaftsgeſez meglich.
7 Dinge, die mit dem einſchránkenden Stoffe
eine nåhere Verwandtſchaft haben, gehen mit
Den animaliſchen Theilen, die mit dieſen Stof
fen überſejt ſind, Verbindungen ein ; Dinge
hingegen, die mit den auflffenden Beſtandthei.
len, oder dem Naturſchwefel Affinitåt haben,
vers
109

verbinden ſich mit den activen und reizenden


Theilen, und ſo entſtehen verſchiedene Krank,
heiten aus Anhäufung der Erregbarkeit und
Verſchlingen der Reizen oder aus Unhâufung
der Reize und Verſchlingen der Erregbarkeit
ſtheniſch oder aſtheniſche Stranfheit , oder,
wie die Alten ſagten, falte oder hißige Krank.
heit.

Da das Beſtandweren der menſchlichen Ger


ſundheit in dem richtigen Verhältniſſe zwiſchen
dem reizenden und erregbaren Prinzip beſteht, ſo
iſt es unlåugbar, daß alle Krankheiten nur in
der Veränderung dieſes richtigen , harmoniſchen ,
proportionirten Verhåltniffes beſtehen können ;
nehmlich : da entweder die Erregbarkeit die
Reize verſchlingt, oder die Reize die Erregbar.
keit confumiren ,

Anhäufung der Erregbarkeit, Anhäufung


der Reize fino alſo die zwey Extreme, und
ſind gleich den zwen äuſſerſten Punkten einer
Linie, in welcher die aufſteigenden Grade, von
der höchſten Anhäufung der Erregbarkeit , bis
jur héchſten Confumtion derſelben, alle Kranks
beiten
110

beiten bilden, die nur verſchiedene Modifikatios


nen find, und ebenfalls ſo genau in eine Vers
wandtſchafts . Tabelle können gebracht werden ,
als alle Körper der phyſiſchen Erſcheinung nach
den Einſchränkungsgraben des Naturſchwefels
durch den Naturſtoff.
1
Die Hauptfrage iſt: Welcher chymiſche
Prozeß geht in einem thieriſchen Körper vor ,
wenn er krant wird ?

Antwort.

In jedem thieriſchen Kerper, der das


Gleichmaas zwiſchen Reiz und Erregbarkeit ver.
liert, d. i. frank wird, conſumirt entweder die
Anhäufung des Naturſchwefels , oder des aufzu .
Iffenden Beſtandtheils den Naturſtoff, oder den
bindenden Beſtandtheil: ober, der bindende Der
ſtandtheil oder Naturſtoff verſchlinget' den aufs
zulfſenden Naturſchwefel.

Dieſe Operation kann nun univerſal feyn ,


oder partikular ; - univerfal, wenn das ganze
Fluidum des Menſchen angegriffen iſt; - para
tikular oder lokal, wenn ſie nur in einen Theile

des menſchlichen Körpers vorgeht.


Die
Die Heilkunde erhält daher von der Nas
tur der Krankheit ſchon ſelbſt ihre Gefeße.

Entweder muß der Arzt durch Benbrina


gung ſolcher Medikamente, welche die Reize
vermehren , ben . Unbäufung der Erregbarkeit
beilen, oder ben Anhåufung der Reize durch fols
che, welche die Reize verſchlingen, und den auf
Isſenden Beſtandtheil binden.

Allein , wie ſchwer iſt dieſe Kunſt, wenn


wir unſere Heilmittel in der Vielfältigkeit der
Natur ſuchen! - Die Summe aller Heilkräfte
- kann ſich ebenfalls nur in zwer Zweige theió
len : in die einſchränkende und ausdehnende
Heilkraft, in die Reizvermehrende, oder
Reizmindernde.

Alle Mittel, die man bisher zur Heilung


gebraucht hat, heilen nur nach der Quantitåt
des einſchränkenden oder ausdehnenden Stofs

fes, den ſie beſigen : da aber kein Sraut, kein


Apothekermittel dieſe zwey heilenden Urſtoffe
rein befizt; fo fann der Arzt niemals auf poi
fitive Wirkung zählen, weil nehmlich die in den

Medikamenten befindlichen Stoffe mit den Srante


heits .

DEUTSCHES MUSEUR
112

heitsſtoffen verſchiedene Verbindungen eingehen


kennen , wodurch, wie die Benſpiele ſo vielfåte
tig ſind, oft ganz gegentheilige Wirkungen er,
folgen.

Es iſt richtig , daß alle Sekundarſtoffe der


Natur durch das Verwandtſchaftsgeſet verſchies
dene Verbindungen eingehen, und ganz neue
Stoffe bilden ; die Urſtoffe aber haben nur ges
genſeitige Attraktion, ſtoſſen alles Heterogene
zurück, und wirken allein radikal.

Warum können die Aerzte noch zur Zeit


feinen Krebs, keine Lungenſucht, keine Mutter ,
fåulung heilen ? Eben darum, weil alle ihre
Mittel nur Sekundarſtoffe ſind,' die nie wirken
kënnen, wenn im Innern des Kørpers die radis
talen , oder organiſchen Stoffe angegriffen ſind.
Ich nenne jene Strankheit eine Radifal.
Erantheit, durch welche das Grundweren des
Menſchen angegriffen wird, — jede Krankheit
wird zulezt radikal, und dann find die Heilmit.
tel der gew :hnlichen Arzneykunſt vergeblich.

3 Nur die reinſten Grundſtoffe ziehen wie ,

der die reinen an , und find allein im Stander


das
113

das organiſche Wefen im Menſchen wieder hers


zuſtellen .

Was ich rage, iſt keine Schopfung meiner


Einbildungskraft ; es iſt Wahrheit, und kann mit
Erfahrungen belegt werden .

Ein tiefes Nachdenken über das Innere


der Natur führte mich auf die Entdeckung, die
reinen Prinzipien der Natur, die in allen Kors
pern die nehmlichen find, durch eine radikale

Zerfeßung aus denſelben zu ziehen .

Ich fand den reinen Naturſchwefel als


bas aktive aufiffende und in den Körpern geo
bundene Prinzip .

Ich fand den reinen Naturſtoff, als das


im Kørper zuſammenziehende, bindender errego
bare Weren .

Ich unterſuchte die Eigenſchaften dieſer


urſprünglichen Stérper, und fand, daß der Na.
turſchwefel bas reizende Prinzip aller Dinge ift,
daß er, ausdehnt, Wärme verurfacit, Leben und
Kraft giebt, und von der Erregbarkeit überall
angezogen wird .

Ich
*
114

Ich fand, daß der Naturſtoff das Erregi


bare in allen Serpern bilde ; - daß er anzie.
be, Wärme einſchränke, und Kålte erzeuge, den
Naturſchwefel beſchränke, und die Reize vermina
dere.

Nach der Entdeckung dieſer zwey Prinzis


pien (Grundprinzipien) - ſtellte ich mir fol.
genden Saß auf:

une Krankheiten , welche ſie immer finds


können in zwen Klaſſen getheilt werden, als :
in jene , wo der Naturſtoff den Naturſchwe.
fel zu ſehr einſchränkt; -

in jene, wo der Naturſchwefel den Nature


ſtoff verfluchtigt.

In beyden Fåden iſt Mangel, Im


erſten Falle Mangel an Reiz ; im zweyten Mano
gel an Erregbarkeit.

In benden Fåden iſt das Produkt Schwä.


che, weil die Scraft in der gleichf &rmigen Wir,
kung beſteht, und nur dort beſtehen kann, wo

Reiz und Erregbarkeit in gleichem Verhältniſſe


find.
Nach
ITS

Nach dieſem Grundfaße können alle Kranko


heiten richtig in falte und hißige, wie die Alten
ſagten, oder nach den Neuern in ftheniſche und
aſtheniſche, und, nach unſerm Ausdrucke, in exs
panſive und attraktive Krankheiten klaſſifizirt wer .
den .

Ben allen kalten , aſtheniſchen Krankheiten


iſt Unbäufung der Erregbarkeit. Dieſe Anhaus
fung der Erregbarkeit chemiſch betrachtet, iſt
Einſchränkung des Naturſd wefels oder des Les
bensprinzips durch den Naturfioff, oder llebers
wiegung des Wärmeſtoffes durch den Kåltes
ſtoff.

Ben allen ftheniſchen oder hitzigen Stran .


heiten iſt Conſumtion der Erregbarkeit, Ausdehs
nung des Naturſchwefels, Unhâufung der Reis
ze, Verzehrung der Erregbarkeit, oder Ueberge.
wicht des Wärmeſtoffes über den Kålteſtoff.

Die Erſcheinung, die durch dieſe Operai


tion im menſchlichen Körper vorgehet, iſt im

erſten Falle Zåhewerden der Säfte, Verſchleie


mung .

Im zweyten Falle Scharfwerden der Säfte.


Die
116

Die ganze Sunft der Aerzte muß daher .


fo einfach fennt, wie die Natur ſelbſt iſt, und
dieſe Kunſt beſteht darinn :
1
Den Naturſchwefel, oder die Naturkraft
auszudehnen oder einzuſchranken zu wiffen.

Die Natur reicht den Aerzten zien men


bien dar : das einſchränkende Medium und das
reizende oder ausdehnende; und dieſe find die
beyden Zügel, wodurch der Weiſe die ihm ſub .
ordinirten Sträfte nach reinen Natur- und Vers
nunftgefeßen leiten kann.

Dieſen Grundfåten getreu fieng ich an,


mit Benhilfe einiger meiner Freunde, die ges
rohickte Wundärzte und Mediziner waren , die
Suche praktiſch anzugehen , und die erhaltenen
Reſultate ſind für die Menſchheit zu intereſſant,
als daß man ſie nicht mit aller Ausführlichkeit
der Welt liefern ſollte.

Erfahrunge n .

Nach dem vorausgeſezten Syſtem find alle


Krankheiten Schwachen.
Schwache
II7

Schwäche aber bedeutet Mangel, entwer


der Mangel an Naturſchwefel, oder Mangel
an Naturſtoff; Conſumtion der Reize oder der
Erregbarkeit.

Wo die Erregbarkeit conſumirt wird, ift


Anhäufung der Reize, und wo die Reize cons
ſumirt werden, iſt Anhåufung der Erregbarkeit.

Nach dieſen Grundfäßen mußte alſo dort,


wo Anhäufung der Erregbarkeit iſt, der Na .
turſchwefel gebraucht werden, und da, wo durch
Reize die Erregbarkeit conſumirt wird, müßte
2 man den Naturſtoff anwenden.

Die Erfahrungen belehrten uns von der


Wahrheit dieſer Schlüſſe.

I.

Gebrauch des Naturſchwefels .

Ein Mann von 80 Jahren , der Schwache


halber ihon ein ganzes Jahr das Bett nicht
mehr verlaſſen konnte, wurde in 8 Tagen auf
folgende Art hergeſtellt. Man løfte & Gran
des reinſten Naturſchwefels in einer Maas
Rheinwein auf, und gab dem Kranken früh
uno
118

und Abends einen Eßlöffel voll von dieſer So ,


lution. Schon am erſten Tage fühlte er

ſich fråftiger, — bekam Schlaf, Luſt zu eſſen , und


ift bis auf dieſe Stunde wohl.

In der Gelb , und Bleichſucht zeigte ſich


von dem Gebrauch des Naturſchwefels der herre
lichſte Erfolg.

man nimmt 40 Gran in ein Quart Ma.

laga, zu welcher man einen Efløffel vol Can.


diszucker miſchet, dieſes Gemenge låßt man beym
gelinden Feuer bis zur Honigdicke einſieden ,
man gießt dann, wenn dieſes Gemengſel erkaltet
iſt, ein Quart rothen Burgunder darauf. Als
les folvirt fich . Von dieſer Solution giebt man
dem Kranken 5 Tropfen auf Zucker, und ſteigt
nach und nach bis zu 15. In Zeit von
14 Tagen ſind die Kranken hergeſtellt.

Ben Schlagfluffen nahmen wir Natur.


ſchwefel, und vermengten denſelben mit Mandel
Shl und Salmiak ; lieſſen dem Patienten die
Haare abſcheren , und rieben ihm den Kopf das
mit fleiſſig ein.

Als
119

Als er fich erholte, gaben wir ihm ein


gelindes Brechmittel, und gleich darauf 5 Tro.
pfen von der obigen Solution . In kurzer Zeit

war er hergeſtellt.
Ben chirurgiſchen Vorfällen wurde der Na.
turſchwefel mit dem beſten Erfolg ben allen Bers

bårtungen angewandt .
Ben einer Mutterverhärtung liefſen wir
ſolchen mit erweichenden Kräutern vermiſd )en ,
und der Kranken Injektionen machen , in fur.
zer Zeit erweichte ſich die Verhärtung, und brach
auf; woraus eine Menge Blut und Eiter floß.

Bey dieſer Erſcheinung hielten wir einige


Sage mit dem Gebrauch des Naturſchwefels
zurück, - und da man die Erfahrung hat, daß
die Mutterverhärtungen gern in Krebs über.
gehen, wenn ſie erweichet werden , ſo gebrauchten
wir nun den Naturſtoff, und die Krante wurde

in einigen Wochen geſund.

2.

Gebrauch des Naturſtoffs.


Hey hitzigen Krankheiten , bey Entzünduns
gen, überall wo heftiger Schmerz war, – ein
Brand,
#
120

Brand, überall wo das organiſche Weren


in Körpern angegriffen wurde, machte der Nas
turſtoff die beſten Wirkungen .

Er ſtilt den Schmerz, benimmt den

Brand, und ſtellt das organiſche Weſen her.


Wir haben die ſchånſten Beweiſe bey Lungen.
fiichtigen erhalten, die wir radikal curirt har
ben.

Ein beſonderes Båndchen aller Krankheitse


geſchichten wird hierüber mit der Zeit erſchets
nen, dieſe kurzen Erfahrungen werden indeß
hinlänglich reyn, die Refer aufmerkſam zu ma
chen . Ich ſchreite daher zur Fortfeßung meines
Werkes, und zwar zur Skizze einer neuen Chis
mie,

Eins
121

Einleitung

in

die bo here
C h i miei
nach

den neueſten Erfahrungen .

i . Diejenige Wiſſenſchaft, welche die Kräfte


der gegeneinander wirkenden Kerper, und die
daher entſtehenden Beränderungen zum Gegen.
ſtande hat, wird überhaupt Chimie genannt .

2. Ade körperlichen Veränderungen aber


beruhen auf der genauen Beſtimmung derjeni.
gen fråfte, mit welchen fich die zu verånderns
den Kørper gegen einander zu wirken beſtreben .

3. Die Kräfte der Körper find nur die


Reſultate zweyer , in der Natur exiſtirender
Grundweren , die ſich überall gegenſeitig anzie.
hen , wo ſie ſich finden , und das Anziehen
felbft, oder Wirkung und Gegenwirkung, nena
nen wir die thatige Kraft.
4. Ver
122

4. Die Verwandſchaft der Körper beſtehet


in der verſchiedenen Proportion dieſer zwey
1 Naturprinzipien, und iſt der Proportion dieſer

Grundweren gleich .

5. Dieſe zwen Grundweren aber find der


Naturſchwefel oder der Sonnenſtoff, und der

Natur . oder Erdſtoff. Der Naturſchwefel iſt


das ausdehnende, und der Naturſtoff das anzies
bende Prinzip.

6. Ade Körper entſtehen aus ſtufenweiſen


Einſchränkungen des Raturfihwefels durch den
Naturſtoff, folglich iſt das Ganze der Er,

ſcheinungen oder die Natur - nur eine pro.


greſſive Veränderung zweyer Grundweſen nach
4
verſchiedenen Stuffen der Uusdehnung in aufe
ſteigender Ordnung , und nach verſchiedenen
Stuffen der Concentration in abſteigender Dros
nung, nach Zahl, Maas und Gewicht.

7. Alle Veränderungen daher, die in Kor .


pern vorgehen, müſſen nothwendig durch Zer
legung und Zuſammenſehung derſelben vora
gehen , denn bey allem , was fich in der Chis
mie nur unternehmen låßt, ereignet ſich entwer
der
312

der eine Scheidung der bereits verbundenen ,


oder eine neue Zuſammenſexung der von
einander getrennten Kerper ; alle chimiſche Vers
richtungen überhaupt können alſo nur unter der
Zerlegung und · Zuſammenfekung' begriffen
ſeyn.

8. Die Natur zerlegt aber alles durch


die Zeit, und Pezt Ulles wieder zuſammen , folg .
lich muß die Natur , die hchſt einfach wirket,
auch höchſt einfache Mittel - zu ihren Zer,
legungen und Zuſammenſegungen haben .

9. Da die Natur allgemein wirfet , ſo

ſcheint es feineswegs ein Widerſpruch zu ſeyn ,


wenn man behaupten würde, daß dieſe allge.
mein wirkende Natur auch beſtimmte , allge.

meine Auflsſungs- und Verbindungsmittel hätte,


die vielleicht im Innerſten der Dinge liegen
könnten .

10. Die Chimie, die ſich mit dieſen Auf


Isſungs , und Verbindungsmitteln, die die Na.
tur wirklich befizt, beſchäftiget, wird die hehere
Chimie genannt ; ihre Gegenſtande find die
Prinzipien der Natur. Radikal . Zerſegung, und
Radikal.
Rabifal . Zuſammenſeßung, burd das Seren der
Attraktion der Prinzipien ; da fich die gemeine

oder Schulchimie blos mit Veränderung der


Formen durch das Verwandſchaftsgeren beſchafu
tigt . Dieſe hat die Erkenntniß der åtfern
Formen und ihre Veränderung durchs Verwande
ſchaftsgeſetz zum Gegenſtander jene hingegen
die Erfenntniß der Prinzipien und ihrer gegen .
reitigen Attraktion zur Radikalauftsſung oder zu.
ſammenfeßung der Körper.

11. Die gemeine Chimie beſchäftigt fich


mit der Manichfaltigkeit der Formen , die ing
Unendliche geht ; ſie vervielfältigt Alles, da die
böhere Chimie Einheit der Natur zum Gegeno
ſtand bat, und Alles zur Einfalt zurück bringt.

12. Die gemeine Chimie bedarf eine Menge


Aufisfungsmittel, weil ihre Auflsſung nur Fors
menånderung iſt, nur mit den äuſſern und bins
denden Beſtandtheilen zu thun hat ; nie aber
ins Innerfte der Dinge dringt, um das Ges
bundne zu entwifeln . Die höhere Chimie kennt
nur ein einziges Auflsſungsmittel, nur ein ein.
Biges Verbindungsmittel
13. Da
123

13. Da alle Körper aus Naturſdwefel


und Naturſtoff zuſammen geſezt find, ſo kann die
allgemeine Chimie nothwendiger Weiſe durch
ihre Auflöſungsmittel nur in ſoweit eine Ver.
ånderung in dem aufzul&fenden Kørper hervor .
bringen, als ihr Vuflsſungsmittel Naturſtoff
oder Naturſchwefel enthålt . Eine Radikalzer.
feßung bewirkt ſie durch ein ſchon zuſammenge .
ſeztes Produkt nie, denn alles zuſammen .
gerezte iſt ſchon beſchränkt, und kann nicht unbe
ſchränkt wirken -

Die hshere Chimie befizt das allgemein


aufisrende Mittel rein , einfach , ohne Beſdrån .
kung, und kann daher auch unbeſchränkt wirfen .

14. Und doch hat ſeit Jahrhunderten her


die Schulchimie die hshere Chimie immer vers
lacht und angefochten , - und aus ihren be.
ſchränkten Erfahrungen auf die unbeſchränkten
ſchlieſſen wollen. Allein dieſes Schickſal,
das die höhere Chimie erfahren mußte, war
ganz natürlich ; denn theils war ſie von den
Alten in eine Dunkelheit gebudt, die der ſchår,

feſte Blick kaum durchdringen konnte, theils


wurde
Rabifal , Zuſammenfeßung, burd, bas Seren der
Attraktion der Prinzipien ; da fid , die gemeine
oder Schulchimie blos mit Veränderung der
Formen durch das Verwandſchaftsgeſet beſchifo
tigt . Dieſe hat die Erkenntniß der äußern
Formen und ihre Veränderung durchs Verwanda
ſchaftsgeſetz zum Gegenſtande, jene hingegen
die Erfenntniß der Prinzipien und ihrer gegen .
reitigen Uttraktion zur Radikalauflffung oder Zus
ſammenfeßung der Körper.

II . Die gemeine Chimie beſchäftigt fich


mit der Manichfaltigkeit der Formen , die ing
Unendlidie geht ; fie vervielfältigt Alles, da die
böhere Chimie Einheit der Natur zum Gegeno
ſtand bat, und Alles zur Einfalt zurück bringt.

12. Die gemeine Chimie bedarf eine Menge


Aufisfungsmittel, weil ihre Auflffung nur Fors
menånderung iſt, nur mit den dufſern und bins
denden Beſtandtheilen zu thun hat ; nie aber
ins Innerfte der Dinge dringt, um das Ge.
bundne zu entwikeln . Die höhere Chimie kennt
nur ein einziges Aufisfungsmittel, nur ein ein .
piges Verbindungsmittel.
13. Da
123

13. Da alle Körper aus Naturfdwefel

und Naturſtoff zuſammen geſezt ſind, ſo kann die


allgemeine Chimie nothwendiger Weiſe durch
ihre Aufisfungsmittel nur in ſoweit eine Ver,
ånderung in dem aufzul&fenden Kerper hervor .
bringen, als ihr Yuflsſungsmittel Naturſtoff
oder Naturſchwefel enthält . Eine Radikalzer
feßung bewirkt ſie durch ein ſchon zuſammenge .
festes Produkt nie, denn alles zuſammen .

gerezte iſt ſchon beſchränkt, und kann nicht unbe.


ſchränkt wirken .

Die bshere Chimie befizt das allgemein

aufisſende Mittel rein, einfach, ohne Beſdrån.


kung, und kann daher auch unbeſchränkt wirken.

14. Und doch hat ſeit Jahrhunderten her


die Schulchimie die h here Chimie immer Ders
lacht und angefochten, und aus ihren be.
ſchränkten Erfahrungen auf die unbeſchränkten
ſchlieſſen wollen . Allein dieſes Schickſal,
das die höhere Chimie erfahren mußte, war
ganz nattirlich ; denn theils war ſie von den
Alten in eine Dunkelheit gehült, die der ſchårs
feſte Blick kaum durchdringen konnte, theils
wurde
126

wurde ſie von Perſonen prakticirt , die die uns


richtigſten Kenntniſſe von ihr hatten . So wurde
der Werth dieſer groſſen Wiſſenſchaft dermaflen
erniedrigt , daß ungeachtet des feinen Ges
ſchmacks , der jezt unter den neuen Naturfora
ſchern herrſcht, dennoch viele úbereingekommen
ſind, dem menſchlichen Verſtande die Fähigkeit
abzuſprechen , wodurch er dieſen héchſten Grad
der Naturerkenntniß erlangen könnte.

Allein jede andere Wiſſenſchaft wurde das


nehmliche Schickſal gehabt haben , und man
würde eben io von den bewunderungswürdig .
ſten Entdeckungen der vortrefflichſten Männer
kein günſtigers. Urtheil fållen, wenn dieſe Wifi
ſenſchaften ebenſo wenig bearbeitet und in
Ordnung gebracht worden waren, wie es biss

her die hehere, Chimie war.

15. Da ſich nun die behere Chimie mit

der Radikalzerſeßung der Körper befchäftigt, und


fåmmtliche Körper nur aus zwey, nach verſchien
denen Proportionen beſtimmten Grundweren bes
ſtehen , ſo iſt es zuerſt nothwendig, daß man
einen allgemeinen Begriff von der Natur dieſer
Grund. I
127

Grundbeſtandtheile aller Kørper vorausſege,


damit man dann erſt aus der Kenntriß des in.
nern Weſens der Natur die dufſerliche Bes
ſchaffenheit der Miſchungen beurtheilen könne,
um daraus bas Univerſalgefet der Chimie, ſo

i wohl in Auflsſung, als Zuſammenſeßung der


Körper zu beſtimmen .

16. Es laſſen ſich aber die urſprünglis


chen Beſtandtheile aller Körper überhaupt in

auflöſende und bindende eintheilen.

Der univerſal aufiffende Beſtandtheil ift


!
der Naturſchwefel, der univerſal bindende Be.
ſtandtheil iſt der Naturſtoff; - das, was formt,
iſt der Naturſchwefel, das, was geformt wird,
iſt der Naturſtoff; — beide zuſammen ſind Ma.
terie und Form der Natur , das Grundweſen

aller Erſcheinungen

17. Da Naturſchwefel und Naturſtoff die


Grundbeſtandtheile aller Kørper ſind ; ſo kön.
nen die Beſtandtheile jeder einzelnen Korper
überhaupt in bindende oder gebundne und auf
Iffende eingetheilt werden .

Aufs
128

Aufldrende werden diejenigen Beſtandtheile


einer jeglichen Miſchung genannt, welche ver.
moge ihrer aufisſenden Kraft die übrigen bea
ſtåndig in ſich auſgeldſet und gleichtheilig ver.
mtſcht erhalten .

Bindende entgegen heiffen alle diejenigen


Beſtandtheile, die von den erſtern ausgedehnt
oder aufgelfſet find ; weil ſie die Stråſte ders
jenigen, die aufiffen , einſchränken , und den
Grund abgeben, an welchem die aufisſenden ſich
fammeln.
i
18. Der Naturſchwefel dehnt den Natur,
ſtoff aus, dieſer ſucht die Ausdehnung einzus
rdrånken ; ſo entſtehen nach dem Maas der
Einſchänkung - ſolide, flüſſige, oder gasförmige
Subſtanzen. Der Unterſchied aller flüſſigen,
foliden und gasförmigen Subſtanzen beſteht blos
in der Quantitat des eingeſchränkten Naturs
ſchwefels durch den Naturſtoff.

Dieſe Quantitåt erzeugt die Form, und

die Form die Qualität der Körper. Alles wird


durch Eines beſtimmt.

19. Da
129

19. Da die ganze Natur aus aufzulerens


den und zuſammenzuſeßenden Beſtandtheilen bes
ſteht, ſo muß nothwendig die ganze Wiſſenſchaft
der 'Chimie blos in der Kunſt, die Körper zu
Zerlegen und wieder zuſammenzuſeßen beſtehen .
Um die Wiſſenſchaft alſo praktiſch auszuüben,
iſt es nothwendig, das allgemeine Auflsſungs,
mittel der Natur und das allgemeine Zuſam.
menſeßungsmittel derſelben zu kennen. Denn
ohne Kenntniß der Prinzipien wird man nie
einen deutlichen Begriff von den chimiſchen
Operationen erlangen , da fámtliche Operati,
onen ſich auf Zerſegung und Wiederzuſammens
reßung der Korper einſchränken , und nach der
Art ihrer Modification
Calcination,
Sublimation,
Deſtillation ,
Putrefaktion ,
Solution und

Coagulation;
Firation oder Union genannt werden.

Alle in dieſen Operationen vorgehende Er.


ſcheinungen können gründlich nur alsbann vers
9 ſtanden
130

ſtanden werden, wenn man dieſelben bewirken ,


den Primttivurſachen kennt , nehmlich das all .
gemeine Solvens und das allgemeine Coagulans
der Natur.

20. Die berühmteſten Chimiker des vera

1 floffenen Jahrhunderts Boyle, Sthal, Boer.


have ac . haben, ohne Widerrede, groſſe Schritte
zur Wahrheit gethan ; allein auch fie verfielen
in nicht geringe Irrthimer, welche den Faden
ihres Lehrſyſtems unterbrachen , und den Grund
I ihrer Theorie wankend machten.

Die neuern Chimiſten , anſtatt ſich zu bes


mühen, die Fehler der obigen zu unterſuchen ,
und die Lücken auszufüllen, nahmen ein gang
1
gegentheiliges Syſtem an .

Die Erften , zum Benſpiel, dachten, daß die


Wärme, die ſich bey dem Verbrennen eines
Kørpers entwickelt, eine Materie zum Grund
habe, welche das Verbrennen zerſtórt, aufløſet.

Die Neuern behaupten, daß die Wärme


aus Theilchen entſtehe, die ſich aus der Luft
entwickeln, und daß folglich vielmehr das wir,
fende
131

kende Prinzip in der Luft, und nicht in dem


Kerper liege. -

Beyde haben recht, aber alle ſehen die Sache


nur einſeitig an ; jene hielten fich bey der
Feuererregbarkeit auf, und nahmen die Erregbars
keit zugleich als Reiz an ; - diere hielten
fich blos, ben dem Reiz auf, und ſahen den.
ſelben zugleich als das erregbare Prinzipium
des Feuers an .

Das phlogiſtiſche und antiphlogiſtiſche Sni


ſtem find zwey Extreme, die ſich ſehr ſchon in
einem Medio vereinen laſſen , worinn allein die
Wahrheit liegt.

21. Alle die Vielfältigkeit der Werter ,


wodurch man bisher alle jene Subſtanzen ber
zeichnete, welche die gemeine Chimie nicht auf
zulffen vermag, verſchwinden , und werden uns
in einer einzigen Materie kennbar, die ſich in
brey Weſenheiten theilt, als in Naturſchwefel,
Radikalfeuchtigkeit der Natur und Naturſtoff, die
in ſich ſelbſt nur ein Weren ſind, das aber,
verſchieben modificirt , im héchſten Ausdeh .
nungszuſtande, das einfachſte und flüchtigſte , im

Cona
132

Concentrationszuſtande, bas firefte und vielfäl.


tigſte iſt, weil es alle in der Natur enthaltene

Erſcheinungen hervorbringt.

22. Es find drey Hauptformen , worinn


alle Körper der Natur überhaupt erſcheinen .
Dieſe dren Hauptformen — find Feſtigkeit, Flúra
figkeit, luft oder Gasförmigkeit, drey Grunda
veränderungen der drey Prinzipien der Natur .

Dort, wo der Naturſtoff den Naturſchwes


fel gånzlich beſchränkt, entſteht ein feſter ,
wo der Naturſchwefel den Naturſtoff ausdehnt,
ein füffigern und da , wo der Naturſchwefel
den Naturſtoff überwältigt, ein gasförmiger Køra

per. Dieſe dren Grundveränderungen beſtehen


alſo blos in dem Eindringen des Naturſchwes
fels in den Naturſtoff in aufſteigender Ordo
nung , und in der Beſchränkung des Natur .
1 1 ſchwefels durch den Naturſtoff in abſteigender
Drdnung. Ude Erſcheinungen , die die Wärme

und die Kälte hervorbringt, können durch dieſe


Ausdehnung und Einſchränkung erklärt werden.

23. Wenn der Verſtand rich daher die


Korper im foliden , flüſſigen oder gasförmigen
Zu.
133

Zuſtand denfet, ſo muß er ſich immer die nehm.

lichen Prinzipien, in aufſteigender Ordnung, im


Ausdehnungszuſtande, und in ' abſteigender, im
Einſdrånkungszuſtande denken . Aus dieſer Vore

ſtellung erhålt er die richtige Idee, daß alle


feſte Körper nur ein Gefeß haben , so wie alle
flüſſige und gasförmige, und daß ihre Verſchier
denheit blos in dem mehr oder wenigerm Ein.
bringen des Naturſchwefels in den Naturſtoff
beſtehe , im Freywerden des Naturſchwefels ,
oder in der Beſchränkung deſſelben . C

: 24 . Es folgt hieraus nothwendig, daß


die Natur eine Stufenleiter ihrer Weſen con.
ſtruirt, und daß die Manichfaltigkeit blos die
Folge der Modification eines einzigen Grunds
weſens iſt, welches fich in Naturſchwefel, Na .
turfeuchtigkeit und Naturſtoff theilt, und das
her das Fundament aller Gasförmigkeit, Flure
figkeit und Feſtigkeit ausmacht.

Die Quantität der Proportionen zwiſchen

dieſen drey Prinzipien , beſtimmen die Indivi.


dualität einer Subſtanz; ihre Form iſt das noth .

wendige Reſultat der beſtimmten Ausdehnung


des
134

des Naturſtoffes durch den Naturſchwefel, und


ihre Qualitäten ( Eigenſchaften ) ſind mit der
Form conneftirt. Wir finden daher ein ana.
loges Gefeß zwiſchen den Quantitäten, Qualis
Yåten und Formen.

25. Da die Natur aus einer Subftang


pur dren Prinzipien bildet, und dieſe durch drey
Wirkungen ; ſo muß nothwendig die Natur nur
bren Grundformen haben, wodurch die Natur
ſelbſt das Flüchtige oder Gasf&rmige, das Fluif
fige und das Solide bezeichnet. Dieſe brey
Grundformen ſind die Pyramide , der Cirkel
und das Quadrat,

A. 0.

auf welchen, nach einem beſtimmten Gefeßi.


alle übrige Formen entſtehen , wie aus der
Radikalfeuchtigkeit in der Natur alles ente
fteht, die ſich entweder in der Ausdehnung
als Naturſchwefel, oder in der Concentration
als Naturſtoff darſtellt. So formen ſich aus
der ſphäriſchen Geſtalt der Triangel, die Pye
ramide, der Conus, das Quadrat, der Cubus ,
und die ganze Natur formt nach dem Gere
die

.
135

die fphäriſchen Sectionen. Alles iſt Einfall


Alles h & chſte Einheit - in der Natur.

26. Da wir nun die dren Grundtveren


der Natur kennen, ro iſt es auch nothwendig,
ihre verſchiedenen Modifikationen zu wiſſen ,
unter welchen fie " ben den chimiſchen Operatio
onen erſcheinen . Um die Deutlichkeit einer rei .
nen Vorſtellung nicht zu trúben , wollen wir
uns ben fünftigen Ausdrucken nur der Worte
Naturſchwefel und Naturſtoff bedienen ; weil

dieſe die Hauptſubſtanzen ſind, welche gegeneins


ander wirken, und die mehrere oder wenigere
Radikalfeuchtigkeit erzeugen .

Wir ' theilen daher alle Ksrper in gebuns



dene und bindende Beſtandtheile.

Unter den gebundenen wollen wir uns im .


mer den eingeſchränkten Naturſchwefel vorſtellen ,
und unter den bindenden, den einſchränkenden
Naturſtoff

Die aufzuldſenden oder gebundenen Bes


ſtandtheile ( Naturſchwefel) erſcheinen entweder
ſchon von ſich ſelbſt in flüſſiger Geſtalt, oder
laſſen ſich in verſchiedenen Graden der Hiße in
Fluß
136

Fluß bringen, und ſich daher in Feuerbeſtån .


dige und flüchtige eintheilen .

Die ' bindenden Beſtandtheile ſind meiſten .


theils, pinige flüſſige ausgenommen, trocken und
hauptſächlich Feuerbeſtåndig. Dieſe leztern ſind,
endlich entweder gånzlich unſchmelzbar , oder
doch , in Vergleichung mit den gebundenen oder
aufzulsſenden Beſtandtheilen, ſtrengflüffig.

Dieres nun vorausgerezt, kann man ſchon


ohngefähr aus der natürlichen Beſchaffenheit der
Miſchungen die Natur ihrer Beſtandtheile ero
kennen , in ſo fern ſie ſich durch die erwähnten
Eigenſchaften zu erkennen geben ; denn , wenn
gewiſſe Miſchungen , als Metalle, alkaliſche
Salze, Glas in unterſchiedlichen Graben der Hiße
die flüſſige Geſtalt annehmen , ſo wird diere

Eigenſchaft vorzüglich ihren gebundnen Beſtando


theilen (dem eingeſchränkten Naturſchwefel) zu .
geſchrieben , die übrigen bindenden bleiben
als unſchmelzbare Erde oder Schlacken zurrick,
die durch Ueberreßung mit Naturſchwefel ebena
fals wieder ſchmelzbar gemacht werden kön.

nen , fobald die ausdehnende Straft des

Natur
137

Naturſchwefeld die einſchränkende des Naturs


ſtoffes überwiegt.

Verwandſchaftsgefen der Körper.

1. Die Prinzipien, die jedem Körper zu


Srund liegen, ſind auch die Urſachen der Ats
traktion . Der Grund aller Attraktionen liegt
in der Verſchiedenheit der Verhältniſſe zwiſchen
dem Naturſtoff und Naturſchwefel. - Ueberall,
wo der Naturſtoff den Naturſchwefel einſchränkt,
entſtehet Anziehung . Das Reſultat der wirf.
lichen Einſchränkung åuſſert fich als anziehend -
und die Wiederausdehnung des Naturſchwefels
im Naturſtoff als zurückſtoſſend.

2. Wie das Attraktionsgeſeß in den Prin.


zipien ſtatt hat ; ſo hat das Verwandſchaftsgeſetz
in den Miſchungen und Aggregationen ſtatt.

Verwandt iſt ein Korper dem andern, in


ſo weit der Naturſchwefel und Naturſtoff, den

1 er enthält, in umgekehrtem Verhältniß mit dem


Naturſchwefel und Naturſtoffe eines andern Kørs
pers ſteht, ich ſage in umgekehrtem Verhältniß,
To
138

ſo, daß ein Körper, in welchem der Naturſchwes


fel durch den Naturſtoff in gewiſſem Maaſſe ein .
geſchränkt iſt, ein Bedürfniß nach einem an.
dern Körper hat, in welchem der Naturſchwes
fel weniger eingeſchränkt iſt , ſo wie der Nas
turſtoff, wenn er zu ſehr durch den Naturſchwes
fel ausgedehnt wird, ein Bedürfniß zu einem
Størper erhålt, in welchem der Naturſtoff die
Oberhand hat. Alles ſucht ſeines Gleichen auf
und jedes Wefen folgt dem Geſeß der Ausdeh,
nung oder Concentration .

3. Reicht iſt alſo die einfache und doppelte


Berwandſchaft der Aggregate zu beſtimmen ; die
einfache findet Statt, wenn der Kørper blos in
umgekehrtem Verhältniß der Proportion eines
ſeiner Prinzipien mit der Proportion eines der
Prinzipien des andern Kerpers fteht. Dop.
pelt iſt die Verwandſchaft, wenn fich das um.
gekehrte Verhältniß , ſo wohl unter den binden .
ben, als gebundenen Beſtandtheilen eines Kór,

pers zum andern vorfindet.

Geſeni
139

Gefeß des Zuſammenhangs der Störper.

1. Das Gefeß des Zuſammenhanges wird


durch die Proportion, die zwiſchen dem Naturs
ſchwefel oder den gebundenen, und zwiſchen
dem Naturſtoff oder den bindenden Cheilen ob.
waltet, beſtimmt. Wo die innigſte Verbindung
iſt, dort iſt der Zuſammenhang am größten.

Da nun die innigſte Verbindung des Naturs


ſchwefels mit dem Naturſtoffe in der Radikale

feuchtigkeit der Natur vorhanden iſt;. ro iſt der


nothwendige Schluß, daß die Körper in dem
Maalle zuſammenhangen, nach welchem ſich in
denſelben die Radifalfeuchtigkeit, das wahre Ci.
ment der Natur, derhålt.

Ben jeder Veränderung muß dieſe Radifal,


feuchtigkeit in Disproportion geſegt werden , wo
durch ſie entweder in den Naturſchwefel oder
in den Naturſtoff übergeht. Dieſe Dispropor,
tion wird zwar einigermaffen durch die dermas
Iigen Aufisſungsmittel in der Chimie bewirkt,
durch die die Körper nur verändert, keineswegs
aber gånzlich zerſezt werden, weil die Körper
nie mit Naturſchwefel, als dem auflöſenden
Prinzip
110

Prinzip, überfezt werden können ; denn die be .


kannten Aufleſungsmittel geben nur ſo viel Schwe.
fel ab , als ſie ſelbft befißen , wodurch ſie zwar
neue Combinationen, feineswegs aber Radikal.

žerſegungen hervorzubringen vermogen .

Von der Calcination der Körper.

1. Die höhere Chimie, die blos durd , die

Prinzipien wirkt, løſet bey ihrer Radikalzerſea


kung blos die reinen Subſtanzen auf, das
ift: fie zerlegt die Körper alle in Naturſchwefel,
als den univerſal gebundenen , und in Naturs
ſtoff, als den univerſal bindenden Beſtandtheil.

2. Rein nennt die hsbere Chimie blos

die einfachen Prinzipien den Naturſchwefel


als das reine aktive Prinzip, den Naturſtoff, als
das reine paſſive Subject.

3. Die Methode, der Eyp, das Modell,


nach welchem die höhere Chimie arbeitet, iſt die
Natur felbft, die zur Erhaltung der Individua
litåt ihrer" Weſen alles hetrogene fcheibet, um
des
141

Alles mit der Zeit zur höchſten Reinheit ihrer


Prinzipien zu erhebeni

4. Die Seunſt, die mächtiger als die Natur


ift, folgt den Winken dieſer Lehrmeiſterinn ; fie
entwickelt die natiirlichen Kräfte der Korper, vers
mehrt den Wirkungekreis ihrer Aktivitåt, da ſie
die aktiven Prinzipiën ( den Naturſchwefel) in
denſelben aufleben macht.

5. Das Benſpiel der Natur iſt die Vors


ſchrift der höhern Chimie . Jene zeigt die Ope .
ration der Vervollkommnung in der Nutrition ih.
rer Weſen, ſie zertheilt mechaniſch die äuſſern
Formen , und verfeinert ſich, um endlich, da ala
les tjetrogene geſchieden iſt, die ernährende
Subſtanz mitzutheilen , und dieſelbe mit dem Wer
ren , das ſie ernährt, in Einheit zu bringen .

Da es nun ein allgemein erhaltendes


und ernährendes Prinzip giebt, ſo geht der hos
bere Chimiſt eben ſo zu Werke, die itnreinen Sub .

ſtanzen mit den reinen zur Einheit zu erheben ,


das iſt, wie die Natur verwandelt, ſo veripan .
delt auch der Chimiſt.

6. Die
6. Die Natur, um ihre Zwede zu errei.
chen , wendet ſieben Kräfte an, um die Beren
jur Vollkommenheit zu bringen.

1. Ihre Feuerkraft calcinirt,


2. ihre Waſſerkraft putrificirt,
-3 . die Kraft ihres Geiſtes (Luft) Idſet auf,

4. ihre bewegende Kraft deſtilirt,


5. ihre ſcheidende Kraft ſublimirt,
6. ihre zuſammenordnende Kraft vereint,

7. und ihre modificirende Kraft bringt udes


zur beſtimmten Eriſtenz.

Eben ſo arbeitet der Verehrer ber höhern


Chimie.

Seine Arbeiten find flebenfach, wie die


Arbeiten der Natur -

I. er calcinirte
2. putrificirt,
3. ſolvirt,

4. deſtillirt,
5. fublimirt,
6. Dereiniget,

7. coagulirt oder fifirt.


143

Es iſt daher nothwendig, das Gefeß aber


ler dieſer Arbeiten zu kennen.

7. Calciniren heißt einen Körper oder

eine Miſchung durch das Feuer in Kalch oder


in Aſche verwandeln.

8. Die Operation, die ben der Eindſches


rung und Verfalchung vorgeht, iſt folgende :
der Naturſchwefel wird frey , er entledigt fich
der Bande des Naturſtoffes, dieſer leztere, da
er eine gewiſſe Portion Naturſchwefel verloh .

ren bat, ſtellt ſich als Alche oder als Kalch


dar.

Wir beobachten, daß.ben der Verfalchung


und beym Verbrennen die Körper am Gewicht
zunehmen . Die Urſache iſt, weil die ausdehnende
Kraft, oder die leichtkraft, durch Verluſt ihres
Prinzips, des Naturſchwefels, durch die Schwers
kraft oder den überwiegenden Naturſtoff über,
wunden wird . -

So iſt auch die Säuerung blos das Res


ſultat des Wegfallens des Naturſchwefels, wo.
durch der Naturſtoff herrſchend wird, den noch
im
144

im Norper befindlichen Feuerſtoff mehr beſchränkt,


und durch die Einſchränkung in Säure verwan.
delt ; wie die Verfüiffung nichts anders iſt, als
die Ausdehnung des Naturſtoffes durch den Na.
turſchwefel.

Ade Salze, wenn ſie mit dem Naturſchwes 1


fel überſezt, und mit Weingeiſt abdeſtilirt wer.
den, können in ſüſſe Körper verwandelt werden.
Süß und ſauer iſt blos durch die mehrere
oder wenigere Einſchränkung des Naturſchwefels
unterſchieden. So kann der Zucker durch Ue.
berſetzung mit Naturſtoff in das ſchårffte Salg
verwandelt werden .

9. In der Aſche finden ſich zwey reine


Subſtanzen , nehmlich eine beſtimmte Portion
Naturſchwefels, und eine beſtimmte Portion
Naturſtoffes. Dieſe leztere kann durch Aus .
dehnung des Feuers in Glas verwandelt, die
zweyte in Luft verflüchtigt werden. Wird fie
aber vorſichtig erhalten, und durch lleberſekung
mit Naturſtoff figirt, ſo erſcheint dieſes Extrent
als ein Metall, wie das erſtere als ein Glas
erſcheinet.

10. Jeder
145

10. Jeder Körper beſigt vor ſeiner Calcio


nation ein luftförmiges Weſen, welches fich in
der Geſtalt eines Shlichten , fetten Waſſers zu
erkennen giebt. Dieſes fann figirt werden ,
daß kein Feuer im Stande iſt, ſolches zu ver,
flüchtigen.

11. Die feurige Subſtanz in den Kides


pern , oder das ausdehnende Prinzip, der Nas
turſchwefel, iſt die Urſache der Vermehrung,
der Extenſion ind der Erzeugung der Dinge.
Dieſe Subſtanz kann aber kein anders Feuer,
als ſein eignes von den Kerpern losſcheiden.

12. Dieſes innere Feuer und das Sonnens


feuer haben einerley Eigenſchaften . Durch Con.
centration der Sonnenſtrahlen ſcheidet man den

Naturſchwefel aus denſelben ebenſo ab, wie


1
man ihn aus den Körpern erhält, und in den
1
Eigenſchaften des Naturſchwefels können die
Urſachen liegen warum die Sonne belebt, ers
zeugt, vermehrt.
9
13. In ſumpfigten Dertern , in Morå.

$ ſten , wo die Sonnenſtrahlen in reichte Waſſer


fallen, wird dieſer Naturſchwefel häufig con.
10 centrirt,
146

*centrirt, låßt man dieſe Waſſer faulen, ſo erzeuo


gen ſie in der Putrefaktion die ſchönſten Far.
ben, . und aus dem Niederſchlag låßt fich
der Sonnenſchwefel mit leichten Handgriffen
abſcheiden. - Er iſt phosphoriſch , leicht ento
zundbar, und wird ſeine Solution prácipitirt,
ſo ſchlågt er fich ; als eine Kohle nieder.

14. Diere fire Subſtanz , der


feurige , fixe
Matur iſt die innere Saamenkraft der Dinge.
Nach der Quantitat ihrer Einſchränkung verhalt
Tich die Verſchiedenheit der Wefen. Die alten
Weiſen nannten dieſe Subſtanz das Aftrum , das
in feiner Einſchränkung ein beſtåndiges Beſtre.
ben hat, fich ſelbſt zu vermehren . - Allein

dieſe im Innerſten eingeſchränkte Feuerkraft


kann ohne die dufſere Wärme nicht wirken .

15. Dieſes Univerſalfeuer , dieſer Natur,


ſchwefel, findet ſich überal. In der Aus.
dehnung iſt er das aktive, in der Concentration

das paſſive Weſen. Im leztern Zuſtand iſt er


das Fundament aller Dinge , der Grundſtein
der Natur, den die Weisheitsſchulen verebro
ten.

16. Im
147

16. Im Innerſten der Erde iſt dieſes


heilige Feuer am ſtärkſten eingeſchloſſen. Es
entwikelt ſich aber leicht durch das obere Feuer,
das in der Radikalfeuchtigkeit der Natur in die
Tiefen der Erden dringt, um dieſes Feuer in

Freyheit zu regen.

So ſteigen Feuerdåmpfe von unten auf,


die in fich Ausdehnungen des Naturſtoffes ſind,
und vereinigen ſich mit den Feuerdämpfen von
oben , die in fich Ausdehnungen des Naturſchwefels
ſind, um eine Feuchtigkeit zu bilden, die Alles
durchdringt, und wo die 'obern Stråſte ſich mit
den untern vereinigen , ein Chaos zu formen ,
aus welchem ſich einſt Alles entwickelte, und
wodurch das entwickelte . nun erhalten wird,
ein Weſen , das die Hebråer das chaotiſche, die
Griechen das bylealiſche Weſen nannten .

17. Dieſes chaotiſche oder hylealiſche


Weſen theilt fich , und bildet den Unfang und
das Ende der Natur , das obere und untere
Centrum ; und das, was wir nun Naturſchwe.

fel oder Sonnenſtoff, und Naturſtoff oder Erd ,

Koff nennen , nannten die Hebråer ihr Scha.


maim -
148

maim = Feuerwaſſer- und ihr aeraets Waſ


ſererde. Bey dieſer Betrachtung entwickeln fich
auf einmal alle die råthſelhaften Hüllen , in
welche man die wichtigſten Wahrheiten der Na.

tur einſchloß , um fie dem menſchlichen Verſtande


unzugånglich zu machen , und das großte der
Geheimniſſe ſchlieſſet fich in folgenden Reihen
auf :

Naturſchwefel. Naturſtoff.
1
Sonnenſtoff. Erdſtoff
Dzoth das himmliſche. Djoth das irdiſche.
Die Frucht der Sonne. Die Frucht des Mondes .
Die Form. Die Materie.
Das Obere. Das Untere.
Der Adler. Der low .

Die geflügelte Schlange. Die Schlange ohne Flügel.


Der Merkur. Der Saturn.
Das Acidum univerſale. Das Ulfali univerſale.

Putrefaktion — oder die Fäulniß.


1. Die Putrefaftion beſteht in der Reini.
gung der Radikalfeuchtigkeit durch die natürlis
che Fermentation, da fich das Reine vom un .
reinen
149

reinen ſcheidet, theils durch Benhilfe des in:


nerlichen Feuers oder Naturſchwefels , theils
durch Xuſſerliche feuchte Wärme.

2. Der Zweck der Putrefaktion ift Ento


bindung der Radikalfeuchtigkeit.

Die Putrefaktion iſt ein ſtilles Verbrennen ,


bey welchem der entbundene Naturſchwefel fo .
gleich in Radikalfeuchtigkeit verkehrt wird.

3. Inrein werden alle Miſchungen ges


nannt, in welchen der Naturſtoff und der Na.
turſchwefel fich in ungleichem Verhältniß befin.
den. Alles Ungleiche aufheben und in Propokr
tion der Prinzipien bringen, heißt reinigen.

4. Der Naturſtoff, der bey der Fäulniß


zurückbleibt, weil der Naturſchwefel ſeinen Bans
den entriffen wird, wird durch die Radikalfeuchtige
keit aufgeløſet, und die Putrefaktion giebt dett
Unterfchied der reinen und unreinen Erde ſichtbar
zu erkennen . Eine dieſer Erden iſt ſchwarz,
die andere weiß, in beyden aber ſind die Prins
zipien in Disproportion . In der ichwar.
zen Erde iſt zu viel Naturſtoff in der weiſſen
zu viel Naturſchwefel. Wenn dieſes ungleiche
Bers
150

Verhältniß gehoben wird, geht das licht und


bas Feuer eine Verbindung ein, und es ents
ſteht ein leuchtendes Weſen , welches man bey
faulendem Holz und faulenden Siſchen beoby
achten kann. Wenn das faulende Holz mit

Naturſchwefel übergoſſen wird, ro 18fet fich fol.


ches in kurzer Zeit, in der Digeſtion, in eine
ganz ſchleimichte Materie auf, die, wenn ſie
noch mehr durch Weingeiſt ausgedehnt wird, eis
nen leuchtenden Liquor darſielle.

5. Ben der Putrefaftion entbindet ſich


der Naturſchwefel langſam , daher Isſen ſich die
Prinzipien ſogleich in Radifalfeuchtigkeit auf,
verurſachen in dieſem Zuſtande die Fermenta .
tion der heterogenen Theile, und gehen gleich in
gasférmigen Zuſtand über, in welchem Zuſtand
die Fäulniß erſt vollendet wird. Die dort ger
reinigten Theile gehen dann gleich in die Luft

über , und laſſen auf dieſer Erde nichts mehr


zurück.

6. Ganz anders verhält ſich die Putres


faktion der höhern Chimie gegen die gewohnlis

che und natürliche. Sie zerfezt in kurzer Zeit


ihre
151

ihre Korper, und weiß ſich der Prinzipien zu


bemeiſtern , die am Ende der Putrefaktion rein
zurückbleiben. Und in dieſe Putrefaktion ( chloſ.
fen die Alten alle ihre Geheimniſſe der Radio
kalzerſegungen ein.

7. Sobald ein Korper mit Naturſchirefel


überſezt wird, ſo entbindet ſich ſogleich ſein ins
nerer Naturſchwefel mit demſelben , und låßt
den Naturſtoff, als die bindenden Beſtandtheile,
bey gelinder Digeſtion zurück, und die Putres
faktion iſt vollendet. Dieſe Putrefaktion nann,
ten die Alten die trockne, oder die Putrefaktion
durch ihr Feuer, und ſie war eins ihrer große
ten Geheimniſſe ; denn auf keine andere, als
dieſe Art können die Körper radikal aufgelffet
3

Deftruktion und nur durch dieſes Geſetz


können wir das Gefeß der Reſtauration fen .
nen lernen. Nur aus der Kenntniß des To

des erlangt der Menſch in den Regionen der


Verweſung die Kenntniß des Lebens .

8. Es iſt ganz beſonders, wenn man die

hårteſten Körper, ſelbſt Metalle, zuerſt mechas


21
niſch
niſch in feine Theile zerlegt, dann ſie mit Na.
turſchwefel überſezt, dieſelben 24 Stunden in
der Digeſtion läßt ; fo fann man dann blos
durch Zugieſſung von heiſſem Waſſer die Körper
radikal aufſchlieſſen, daß ſich dieſelben in die zwen
Naturprinzipien , als Naturſtoff und Naturſchwer
fel, zerlegen, und die philoſophiſche oder trockene
Putrefaktion iſt vollendet.

9. Die Vollendung der Putrefaktion giebt


den Chimiſten die drey Prinzipien, den Naturſchwes

fel, die Radikalfeuchtigkeit und den Naturſtoff:

Dieſe dren Prinzipien find : der Schwefel,


der Merkur, und das Salz der alten Philoſopher .
Und die Qualitäten dieſer dren Prinzipien ſind:

Wärme, falte Trockenheit und Näſſe.

Das Salz der Alten, oder unſer Naturs


ſtoff, hat Kålte und Trockenheit. Der Sulphur,
auch unſer Naturſchwefel, hat Wärme und Trocko
ne, und der Merkur oder unſere Radifalfeuch .
tigkeit, Kälte und Niffe.

So bilden die 4 Grundformen 3 Pringi.


pien einer einzigen Materie, die 4 Elemente.
Dieſe 4 Elemente ſind gleichſam die Materier
aus
153

aus welcher die 3 formenden und aktiven Prin.


zipien gule Erſcheinungen bilden . So drückten
die Alten die Form der Natur burch 3 aus,
und die Materie durch 4 , welche zuſammen ,

3 + 4, die Zahl 7 geben, oder die 7 Mo.


difikationen der Materie, oder des Paſſiven durch
3 oder die aktive Form . Noch ein ſchöneres
7 Sinnbild findet man in den Myſterien, wele
ches die Univerſalmaterie und ihre Eigenſchaf
ten ausbrickt. Es iſt folgendes :

und zeigt die Vereinigung des Untern mit dem


Obern in einem Weſen an. A den Sonnen .

ſtoff, V den Erdſtoff. Das aktive und paſſive


Prinzipium , vereiniget in einem Weſen , welches
die Radikalfeuchtigkeit der Natur, oder ihr
Feuerwaſſer iſt. Aus dieſer Materie entſprins
gen erſt die Elemente , welches fie durch obige
Figur anzeigten - in welcher die 4 Elemente
ſchon enthalten ſind, als : A. V. A. P.
Dieſe 4 Gegenſtände ſind die Analyſe der
ſynthetiſchen Univerſalfigur

Solu :
1
154

Solution der Störper.

1. Die wahre Solution der höhern Chis


mie beſteht in der Auftsſung des Naturſtoffes
durch den Naturſchwefel in die Radikalfeuchtig .
keit der Natur.

2. Dieſe Solution entſteht durch die ge.


genſeitige Attraktion, die zwiſchen dem Naturſtoff
und dem Naturſchwefel Plaz findet. Dieſe zwey
geſchiedenen Prinzipien – vereinen ſich in Ei.
nes , welches , wie Hermes fagt, die ganze Kraft
der Univerſalitåt in fich hålt.

3. Wenn die zien Grundſtoffe, als Natur.


ſchwefel und Naturſtoff ſich in dieſer Flüſſigkeit
aufgeløſet haben ; ſo nannten die Alten dieſes
Waffer den Brunnen des Lebens , die Natur,

die Diana, die Taube, die Wolte, die Waage,


nd dieſe verſchiedenen Benennungen leiteten fie
aus den verſchiedenen Eigenſchaften dieſes Wea
Tens her.

4. Die Natur iſt die Urſache aller Bewes


gungen, und dieſe Urſache, die Natur " ſelbſt,

iſt und liegt im Innerſten dieſes Waſſers, ej .


nes
1
135

nes Waſſers, das blos qux Feuer und Licht, aus


vereinigtem Erdſtoff mit Sonnenſtoff beſteht.

5. Die zwer Grundprinzipien der Natur

äuſſern ſich in ihren beſondern Abſonderungen ,


als Feuer , oder Lebensluft, und als Licht oder
inflammable Luft ; find fie aber in ihrer engi
ſten Verbindung, wie ſie in unſerer Nadikali

feuchtigkeit ſind, ſo erſcheinen fie als Phosphori


luft.

6. Jemehr dieſe Luftarten in einem Körper


fren ſind, deſto wirkender iſt der Kerper, und
alle übrigen Luftarten find nur unproportionirte
Vermiſchung zwiſchen der Lebensluft oder Feuer,
luft und der Richtluft oder inflammabeln Luft.

Wie alle Säuern nothwendig nur verſchie.

dene Miſchungen zweyer Grundfåuern ſeyn mir.


ren, welche nothwendig die Feuerſäure und
Lichtſäure ſind, welche in der gemeinen Chi ,
mie bisher unter Vitriol . und Salzſäure ber
kannt ſind. Den Chimifern war es aber un :

moglich, die übrigen Sauern aus dieſen Grunda


ſåuern hervorzubringen , weil die zwey Extre
mitåten fidy allezeit widerftritten , ſo lange das
1 Vers
*
156

Vereinigungsmittel nicht bekannt war. Dieſes


Vereinigungsmittel zur Produktion fåmmtlicher
S&uern iſt die Phosphorſäure, wie das Verei.
nigungsmittel heterogener Luftarten die Phosphor:
luft iſt. Werden die Chimifer über das, was
ich hier fage, Verſuche anſtellen , ro werden ſie
in Kurzem mehr Entdeckungen machen, als ich
im Stande bin, nieder zu ſchreiben .

7. Das , was man den reinen Geiſt in


einem Körper nennet, iſt unmittelbar Phosphor .
luft oder vereinigte Feuer -und Lichtluft. Sos
bald die Proportion zwiſchen der Feuer . und
Lichtluft in einem Kørper geſtort wird, ſo ents
ſtehen die übrigen minder reinen Luftarten, ro
nimmt in der Berauſchung die Feuerluft über .
hand, und in hyſteriſchen Anfäden die Lichtluft.
Bende können augenblicklich gehoben werden ,
wenn Phosphorluft entwickelt wird, oder wenn
man in hyſteriſchen Anfällen Lebensluft, bey Bee
rauſchung inflammable Luft anwendet, oder wel.
ches eben ſo viel iſt, wenn man den Syſteris
fchen den Naturſchwefel, den Berauſchten den
Naturſtoff giebt. Denn der erſtere geht im gas.
formir
157

förmigen Zuſtande in Feuerluft, der leztere in

Lichtluft über.
8. Hier ſcheint mir eben die rechte Stelle

zu ſeyn, das Produktionsgeſeß der Natur über.


haupt zu erklären , und zu zeigen, daß die Na.
tur in allen Produktionen dem nehmlichen Ges
ſeße folgt. Um dieſes Gefeß ro klar zu mas
chen, als es möglich iſt, will ich das der Far.
benproduktion vorausfeßen, weil uns dieſes die
beſte finnliche Erfahrung giebt, aus welcher der
Leſer leichter auf die übrigen Gefeße ſchlieſſen
wird .

9. Da alle Erſcheinungen blos eine Mas


terie zum Grund haben, die verſchieden modifie
cirt wird, ſo iſt es nothwendig, daß ein Grunds
!
gefe der Erſcheinungen exiſtire, und dieſes
Grundgeſeß iſt das lichtgereß ſelbſt, weil die
Materie, aus der Alles beſteht nur verdunkele
tes ( verdichtetes) Kicht iſt, das iſt: Materie, Na .

turſtoff.

1 Grunds
158

Grundgeſen der Naturſtoffe.


I
Univerſalmaterie .

Vereinigtes Feuer - und Lichtweren .


3: 2.
Plus Feuerweſen , minus Plus lichtweſen, minus
Lichtweſen. Feuerweſen.

Parrives Prinzipium . Aktives Prinzipium .


Grund aller Erregbarkeit. Orund aller Reizbarkeit.
3. I.

Feuerſtoff. Luftſtoff Lichtſtoff


3. oders
Fixer Stoff. Elaſtiſcher Stoff. Fluchtiger Stoff.
Unziehung . Bewegung . Ausdehnung .

Modifikationen .
i . Plus luftſtoff, minus lichtſtoff- elaſtiſcher
Stoff. —

2. Plus Lichtſtoff, minus Fuftſtoff - Stickſtoff


oder nicht elaſtiſcher Stoff. ( unelaſtiſch) .

3. Plus Sichtſtoff, minus Feuerſtoff - Fluſo


figkeitsſtoff. ( Waſſerſtoff).

4. Plus Feuerſtoff, minus fuftſtoff Saure


erzeugender Stoff ( Salzſtoff).
5. Plus
159.

5. Plus Feuerſtoff, minus luftſtoff - Schwer ,

ſtoff - Erdſtoff anziehender Stoff,

6. Plus Luftſtoff, minus Feuerſtoff - licht.


ſtoff- ausdehnender Stoff - Süßſtoff 20.

3 a $ a
a'r te n.:

Geretz der fuftformigkeit.


I.
Primitive Luft.

Phosphorluft.
3.
Anziehende Luft. Ausdehnende Luft.
Feuerluft, Lebens . Inflammable Luft, lichte
luft. luft.

1. Plus. Phosphorluft, minus , inflammable


Luft- elaſtiſche Luft.

2. Plus inflammable Luft, minus Phosphor.


luft, Stickluft

3. Plus inflammable Luft, minus Feuerlufto


Waſſerſtoffgas.

4. Plus Feuerluft, minus inflammable Luft,


Sauerſtoffgas.

5. Plus
16

5 . Plus Feuerluft, minus Phosphorluft. Senale


luft - elektriſche Luft.

6. Plus Phosphorluft, minus Feuerluft.


Leuchtende Luft, magnetiſche Luft.

Grundgere k .

Anziehende Straft. Ausdehnende Scraft.

Concentration . Repulſion.

Naturſtoff. Naturſchwefel.

I.

Primitive Materie im fluffigen


Zuſtand.

Vereinigter Naturſtoff und Naturſchwefel oder


Radifalfeuchtigkeit.

Naturſtoff. Radifalfeuchtigkeit. Naturſhwefel.


I.

Modifikatione n .

1. Plus Radikalfeuchtigkeit, minus Natur,


Ichwefel.
2. Plus
161

2. Plus Naturſchwefel, minus Radikalfeuch,


tigkeit -

3. Plus Naturſchwefel, minus Naturſoft

4. Plus Maturſtoff, minus Naturſchwefel.

5. Plus Naturſtoff, minus Radikalfeuchtigkeit,

6. Plus Radikalfeuchtigkeit, minus Naturſtoff,

Lichtgere ko

Concentration Ausdehnung,

Beif. Schwarz.
Lichtſtoff Schattenſtoff

Plus Lichtſtoff, minus Schattenſtoff.


Selb.

Plus Schattenſtoff, minus Lichtſtoff.


Roth.

Gleich Schattenſtoff und gleich richtftoff


Blau ,

Prinzipien des Farbengenus und Urfarben

Roth. Blau Selb.


.
I.
II Modis
102

Modifikationen oder derivative Farben.

1. Plus blau, minus gelb --- Meergrún.


2. Plus gelb, minus blau grasgrun.

3. Plus gelb, minus roth - goldgelb .


4. Plus roth, minus rothgelb.

5. Plus roth; minus blau - purpur.


6. Plus blau, minus roth violet.

Gerelle der S dur e n .

Grundfå ur e n .
36 I.
Vitriolfåure. Phosphorſåtre. Salgſåure.

Modifikationen .
1. Plus Phosphorſäure, minus Salzſäure, der
phlogiſtiſirte Salzſäure.

2. Plus Salzſäure, minus Phosphorſäure -


Salpeterfåure.

3. Plus Salzfåure, minus Vitriolf&ure are


ſenikaliſche Säure.

4. Plus Bitriolfåure, minus Salzfåure - all,


gemeine mineraliſche Säure , modifis
zirte Kohlenſäure.
5. Plus
163

3. Plus Vitriolſäure, minus Phosphors


ſåure. Goldfåure, von der die dbrigen
4
Metalſäuren Modifikationen find .

6. Plus Phosphorſäure, minus Vitriolfåure,


Diamanten ſåure, von der ſowohl alle
Glasſåuren, als auch die übrigen glass
ågende Säuren, als Flusſpatſäure zc. Mo.
difikationen find.

Aus dieſen Tabellen erlangen die Chimi.


fer ein weites Feld zum Nachdenken und zu
verſchiedenen neuen Verſuchen , durch welche fie
die Wahrheit dieſes Syſtems immer mehr beo
ftåtrigt finden werden . Es iſt aber auch noch
nothwendig , die progreſſiven Veränderungen
des Univerfalnaturſtoffes in den drey Haupt.
ſituationen der Natur, als im gasférmigen, flüſ.
figen und ſoliden Zuſtande zu berichtigen , und

1 alsdann die gehörigen Proportionen anzugeben ,


die bey den Verſuchen nothwendig find.

yiniverſals
164

Univerſalmaterie,
betrachtet

im Concentrationszuſtand, oder in ihrer Synthesi


in auffteigender Ordnung der Natur vom Agregas
tjons : bis zum Ausdehnungszufiaude.

2
I.

M a te rie.
N a tu r p ho $ Phot

theilt ſich mechaniſch : in

Feuermaterie, Wärmematerie, Lichtmaterie.

Die Feuermaterie, Aliment des Feuers , giebt


fich, zu erkennen, als Naturſtoff, Erdſtoff.

Die Wärmematerie giebt ſich zu erkennen ,


als Radikalfeuchtigkeit der Natur.

Die Lichtmaterie in der Ausdehnung -


als Naturſchwefel, in der Concentration als Nas
turſtoff.

Das Ganze macht nur eine Materie aus,


die in der Soncentration , Feuermaterie ; in der
mittlern Ausdehnung, Radikalfeuchtigkeit ; in der
höchſten Naturſchwefel genannt wird.
Anas
165

Analyſe der Materie.


In aufſteigender Ordnung.

Im foliden Zuſtande: Naturphosphor.

Iti fiffigen Zuſtande : Phosphorſäure.


Im gasférmijen ; Phosphorluft.

Analyſe der Phosphorfå ure.


Phosphorfåure iſt Wärmeſäure, Behälte
niß der Wärme . Die Grundſäure aller Saurén
theilt ſich in zwey Extreme, als Vitriolfáure
und Salzſäure. Sie iſt daher Vitriol • und
Salzfåure zugleich, obwohl ſie ganz verſchiedene
Eigenſchaften bat ; denn die Eigenſchaften hån .
gen von den Formen ab, die Formen von
dem Maas der Ausdehnung oder Concentration
folglich erſcheint eine und die nehmliche Sache
unter verſchiedenen Eigenſchaften.

Analyſe der Phosphorluft.


Die Phosphorluft iſt inflammable Luft
und Lebensluft zugleich . Aus ihr entſtehen alle

Luftarten , wie aus der Phosphorſäure alle übris


gen Säuren.

Man muß aber wohl die Phosphoren un .


ſcheiden.
ES
166

Es gießt animaliſchen Phosphor,


vegetabiliſchen ,
mineraliſchen , und
Univerſalphosphor , -
und von dieſem allein iſt meine Rede.

Proportione n .

Die Univerſalmaterie in ihrem dreyfacher


Buſtande kann , durch Zahlen vorgeſtellt werden .

Im gasförmigen Zufande die drey Luft.


arten durch :
I l I.

Summa 3.

Im flüſſigen Zuſtande die brey Flüffigs


teiten durch :
2 2.

Summa 6 .

Im foliden Zuſtande die brey Grundmates


rien durch :
3 3 3
.

Summa 9.

Folge
167

Folglich giebt 3. 6. 9. die erſten dren


Modifikationen der Grundmaterie zu erkennen .
3 drückt den Naturſchwefel,
6 die Radikalfeuchtigkeit,
1 9 den Naturſtoff aus.

Die Proportionen werden nach 1 2 3


beobachtet.
2 Cheile Radikalfeuchtigkeit,
I Theil Naturſchwefel –

& Theile Naturſchmefel,


I Theil Radikalfeuchtigkeit,

i Sheil . Naturſchwefel,
3. Cheile Naturſtoff,

i Sheil Naturſtoff
3 Cheile Naturſchwefel,

3 Theile Maturſtoff,
2 Sheile Radikalfeuchtigkeit,

3. Theile Radikalfeuchtigkeit,
2 Cheile Naturſtoff.

Subli .
168

Sublimatio et Coagulatio.

Bisher haben wir von den vornehmſten


Wirkungen des Univerſalprinzips in der Natur
geſprochen , um aber den deutlichſten Begriff als
ler Arbeiten der Natur in ihren Werkſtätten
auf einmal zu haben, ſo wollen wir die Aktion
und Reaktion der gegenſeitig wirkenden Natur .
prinzipien, fowohl in der Anfidfung der Körper,
als Bildung derſelben betrachten .

A u fldfungsgere ko

Die Wirkungen der Natur äuſſern fich


unter 7 Modifikationen .

1. Der Naturſchwefet dehnt den Natur,


ftoff aus : expanſive Wirkung . -

2. Er zieht den in den Körpern befinde


lichen Naturſtoff an fich : attraktive Wirkung.

3. Der Naturſtoff wird abgeſchieden : res


pulſive Wirkung .

4. Die zwey Prinzipien find in gegenſeio


tigem Sampfe : Zirkelbewegung, Gåhrung.

5. Der überwiegende Naturſchwefel unter.


fochet den Naturſtoff: Scheidungskraft.
6, Die
169

6. Die Einſchränkung hørt auf durch den

Naturſtoff, der übermåltigende Naturſchwefel


Idret auf.

7. Die Auflöſung ift durch den Natur, 1


ſchwefel vollendet.

Fixation sgere .

1. Der Naturſtoff extendirt fich , und ſucht


fich des Natürſchwefels zu bemächtigen : Ers
panſion .

2. Er fångt an, ſich zuſammen zu ziehen,


und den Naturſchwefel einzuſchränken : Attraks
tion.

3. Die Form åndert fich durch die Zu.


ſammenziehung: Repulſion,

4. Der Kampf zwiſchen dem Naturſtoff und


Naturſchwefel entſteht: Zirkelbewegung .

5. Die einſchränkende Straft überwältigt

den Naturſchwefel: Scheidungskraft.

6. Der Naturſchwefel wird eingeſchränkt:


zuſammenordnende Kraft.

7. Zu einem beſtimmten Körper : - We.


fenbeit.
Um
170

Um aber die gegenſeitig wirkenden Kräfte


noch deutlicher zu erflåren ſo iſt es nothwen .
dig, das Prinzipium von der materiellen Sub .

ſtanz zu unterſcheiden.

Dem Prinzipio ift


Ausdehnung ,

Anziehung, und

Zurückſtoffung eigen ;

Allein dieſes Wirken muß einen Gegens


ſtand haben , worinn es vorgeht.

Dieſer Gegenſtand iſt der Ksrper.

Veuſſert ſich die Ausdehnung im Korper ,


ſo wirkt alles excentriſch .

Ueuffert ſich die Anziehung , ſo duſſern


fich die Theile concentriſch.

Die Repulfion ſtoßt ſie zurüd, und macht


Wefenbeit, Körper.

Daher muffen diere 7 Kräfte gleichſam in


einer Kraft betrachtet werden , welche die zirs
kulirende oder bewegende iſt, und durch 4 auso
gedrückt wird. -

Form.
171

form . Materie .
1 Prinzipium . Bewegung. Subſtang.

5. s
Expanſio. Cirkelkraft. Excentriſch.
geistig 6. weſentlich
Attraktiv. Conceatriſch .
3. 7.
1
Repulſiv . Effentiel.
-3

Aus der Beobachtung der Naturfräfte


können wir nun auf die Arbeiten der ganzen
Natur ſchlieſſen.

Mi ne r a Irei c.

Das chaotiſche Weſen , aus welchem Ades


gebildet wird durch die Entwicklung des Na.
turſchwefels , iſt eine Materie, in der die licht.
und Feuermaterie in gleicher Miſchung vorhans
den find. Da keine davon durch die Gleiche
förmigkeit überwinden kann , ſo iſt folglich
keine Erzeugung möglich . Sobald aber der

Naturſchwefel abgeſondert wird, ſo daß der Na.


turſtoff die Oberhand befommt; ſo entſteht fo .
gleich die Einſchränkung des übrigen Naturſchwe.
1 fels
172

fels durch den Naturſtoff, und die erſte Erde


erſcheinet. Mit dieſer erſten Erde verbindet
fich eine groſſere Menge Naturſchwefel, der nach
verſchiedenen Stuffen eingeſchränkt wird, und die

Verſchiedenen Arten des Naturſchwefels durch


den Naturſtoff bilden die Verſchiedenheit der
Metalle.

Metalle ſind durch Lichtmaterie eingeſchränk.


ter Feuerſtoff, oder durch Erdſtoff eingeſchránk.
ter Sonnenſtoff.

Daher trågt das Gold , als der höchſt eine


geſchränkte Sonnenſtoff die Farbe der Sonne.

Die Sonne fann als ein leuchtender, flüch .

tiger Phosphor, das Gold , Metall als ein ſolis


der Phosphor angeſehen werden .

Alle Metalle ſind daher mehr oder minder


eingeſchränkter Sonnenſtoff, und ihr Werth depen .
dirt von der Menge der Einſdyrånkung des Sons
nenſtoffes. Je mehr Sonnenſtoff in ein Me.
tall eingeſchrånft ift, deſto edler iſt das metal .

Die edlen Metalle find daher Sérper, in


welche die größte Menge des Sonnenſtoffes
durch den Erdſtoff eingeſchränkt iſt. Da nun
fein
173

kein anderer zuſammengeſegter Kørper eben fo viel,


oder mehr Sonnenſtoff enthält, fo find ſie in
der gemeines Chimie unauflöslich , weil die ges
bundenen Beſtandtheile, des Goldes, der Sons
nenſtoff nehmlich , oder Naturſch;wefel überrezt
werden muiſſen , um ſich den einſchránfenden Hans
den des Natur- oder Eriſtoffes zu entziehen .

Wir haben daher die Erfahrung , daß fich


das Gold und der Diamant burch groſſe Brenne

ſpiegel verfitichtigen lieſſen, und eben dieſe Er.


fahrung beweiſet uns , daß dieſe chimiſche Operas
tion par Ueberfebung dieſer Størper mit Con :
nenſtoff war, der ſich in großen Brennglåſern
fammelte. Die Auftsſung des Goldes und Dia.
mantes iſt alſo ohne Senntniß der Naturprin .

sipien unmoglid . -

Die Aufisfung dieſer Körper wird aber


möglich durch Scenntniß des Naturſdwefels und
Sonnenſtoffes ſelbſt.

Man überſeze ein Metall, nachdem man


daſſelbe auf das feinſte in der medianiſchen Theis
lung zu Pulver gemacht hat, mit Naturſdwer
fel, låßt 24 Stund lang dieſe Maſſe digeriren,
als,
174

alsdann ſchüttet man heiſſes Waffer darauf,


und die Metalle zerflieſſen wie Wachs. Man
kann den Naturſtoff und Naturſchwefel aus den.
felben wieder abſondern. -

Wenn man nun das Gericht des zugerez.


ten Naturſchwefels genau beſtimmt, dieſes Ger
wicht wieder von der ganzen Maſſe und ih.
rem Gewicht abrechnet ; ſo kann man genau
beſtimmen , wie viel Naturſchwefel, durch eine
beſtimmte Quantitåt Naturſtoff, in einem beſtimmo
ten Metall eingeſchränkt iſt, wodurch man er .
fåhrt, daß die Differenz aller Metalle blos in
den verſchiedenen Einſchrånkungen des Natura
ſchwefels beſtehe. Man darf ſich daher in
der hshern Chimie gar wenig um die Verſchie.
denheit aller der Beſtandtheile tiimmern , die die
4
gemeine Chimie in den Kørpern wiſſen will ;
denn dieſe ſogenannten Beſtandtheile ſind nur
Grade der anfangenden Einſchränkung. Sie
verſchwinden alle , ſobald der Körper vollendet
iſt. Im Golde ift jeder Theil Gold . -

Die Eduften und ſogenannten Beſtand.


theile, die die gemeine Chimie bey ihrer Zerles
ging
175

gung erhält , ſind keineswegs als wahre Bea


ſtanbtheile eines Körpers anzuſehen , ſie werden
nur durch Veränderung des Berhåltniffes zwis
ſchen dem einſchránfenden Naturfioff und einges
ſchränkten Naturſdjwefel erzeugt.

Die höhere Chimie fennt keine andere


Beſtandtheile, als die Naturprinzipien.

Das Gold und der Diamant find die zwen

Extremen im Mineralreich .

Dort, wo höchſte Einſchränkung des Son.


nenſtoffs durch den Erdfioff iſt, dort iſt das Res
ſultat dieſer Einſchränkung Bold .

Dort, wo die höchſte Ausdehnung des


Naturſchwefels im Naturſtoff, oder die héchſte
Austehnung des Erdſtoffs durch den Sonnen ,
ſtoff vorgeht, dort iſt das Reſultat dieſer Aus.
dehnung der Diamant.

Verkohlung und Verglaſung iſt die Arbeit


der Natur im Mineralreiche.

Zwiſchen der Verfohlung und Verglaſung


liegen alle Mittelarbeiten dieſer guten Mutter .

1 Die Metallproduktion folgt dem Geſetze


der Verfohlung .
Das
176

Das Metall iſt eine glänzende folide Koh.


le, wie die Sonne eine leuchtende Kohle iſt.

Das umgekehrte Gefeß der Verkohlung

iſt Verglaſung .

Bey der Verkshlung ſchließt der Erdſtoff


den Sonnenſtoff ein , und verwandelt ihn in

einen dichten, undurchſichtigen Kerper, den man


Metall nennt.

Ben der Verglaſung dehnt der Sonnen .


Roff den Erdſtoff aus, raubt ihm ſeine Opazis
tåt, und verwandelt ihn in einen lichtempfång
lichen Størper, den man Diamant nennt.

Der Diamant kann auf eine eben fo eins

fache Art, als Gold und Silber radikal gerfezt


werden.

Nach der feinſten geſchehenen mechanis


ſchen Theilung wird die Mafia mit dreymal
ſoviel Mineralalfali verrezt, dann das ganze
Gemiſche mit Naturſchwefel fein abgerteben .
Man benezt das Gemenge mit Waſſer, und läßt
1
es 24 Stunden lang digeriren ; dann wird auf

die digerirte Maſſa heiſſes Waſſer gegoffen, und


fie zerfließt wie Gold . Das Alfali wird wie .
ber
177

der ausgeſchieden ; die Remanenz ift Naturſchwer


fel und Naturſtoff. Man ſcheidet den Natur.
ſchwefel von dem Naturſtoffe, rechnet das Ge
wicht des zur Auflsſung gebrauchten Naturſchwe.
fels von dem übrigen abgeſchiedenen Naturſchwe.
fel ab, und man erhålt die Proportion der zwey
Naturprinzipien in dem Diamant.

Die Metallitåt iſt nichts anders, als die


Siration von Richt und Feuer, unter welcher
das Gold den erſten Rang behauptet.

Die Sonne fann daher als ein aktiver,

deflagrirender Phosphor, und das Gold als ein


fixer, concentrirter Phosphor betrachtet werden .

Die Sonnenſtralen beſtehen aus Sonnens


und Erdſtoff, denn die Stralen bilden fich blos
durch die Attraktion , die der feinſte Erdſtoff ges

gen den feinſten Sonnenſtoff hat.

Wie ſich daher der Sonnen- und Erdſtoff


in den Sonnenſtralen expanſiv verhalten , ſo
verhalten ſie ſich im Golde concentrirt.

Die Verſchiedenheit der Proportionen zwi.


ſchen Sonnen- und Eroſtoff giebt daher durch

die Siration die Verſchiedenheit der Metalle.


12 Erfah
178

Erfahrung.

Man nehme ein Stück Phosphor, und laſſe


es im Waſſer, damit es fich nicht entzünde, ben
gelindem lampenfeuer, in einem forzellainenen
Gefáile ſchmelzen.

Wenn der Phosphor im Fluß iſt, trage


man fein geſtoſſenen cypriſchen Vitriol ein, und
ſogleich wird fich der ſchmelzende Phosphor mit
dem Vitriol vereinigen, und das Produkt iſt
ein feſter metalliſcher Kørper , welcher Phos .
phorkupfer iſt. Man trockne dieſes Kupfer,
bringe es zum Feuer, und es wird ſich ſchnell
entzunden, und durch Ausſprüßen von reladon .
grünen Funken gånzlich verzehrt werden. Thut
man es ins Waſſer, und verſtopft das "Gefäß,
ro erhålt ſich dieſes Kupfer lang als ein wah.
rer metalliſcher Körper : läßt man aber das

Glas offen ſtehen , daß die Luft eindringen kann


ro verändert ſich diefes Metal in einen koh .
lenartigen, klebrichten Körper, während ein
ſaifenartiges Weſen ins Waſſer übergeht.

Man ſieht aus dieſer Erfahrung, daß die


Vereinigung des reinen Sohlen oder Nature
ſtoffes
179

ſtoffes mit dem Feuerſtoff die Metallitåt bilde,


die ſich gånglich aufhebt, ſobald der Sonnen .
fioff fich dem einſchränkenden Erdſtoffe entzieht.

Der einſchränkende Erd • oder Feuerſtoff


ſtellt ſich dann als eine Kohle dar , und der
frengewordene Lichtſtoff als ein reifenartiges
Weſen . Die gänzliche Zerlegung der Metalle
giebt hierüber noch deutlichere Aufſchlüſſe. -1.69

Zerlegung
180 '

Zerlegung der Metalle


a uf
narrem Wege.

n nimmt ein edles Metall,,das man ents


Maan
weder im Reverberirofen ſchwammigt gemacht
hat, oder das man durch andere Hilfsmittel,
als feines Zerreiben, Amalgamiren : c. zur Zers
legung tauglich macht, und überſezt es mit

Naturſchwefel.

Man rezt dieſes Préparat in eine gelinde


Wärme, und låßt das Ganze eine Zeit lang

digeriren.

Die erſte Erſcheinung, die hieraus erfolgt,


ift, daß die mit dem Naturſchwefel überrezten
Metalle Glanz und Glåtte verlieren , und in der
Geſtalt eines gefärbten harzigten Kørpers er .
fcheinen , welcher in der Wärme zu einer breiar .
tigen , zaben und klebrichten Mafſa zerfließt; in
verſchloſſenen Gefäfſen aber ſchon bey måffie
gem Feuer gånglich verfluchtiget wird.
Die
181

Die Ueberſegung des Metaus mit Natur,


fchwefel hat das Verhältniß des in dem Metall
befindlichen Naturſtoffes mit dem Naturſchwefel
1 geåndert, folglich eine wahre Veränderung un ,
ter den bindenden und gebundenen Beſtandthets
len erzeugt.

Die gebundenen Beſtandtheile des Metalls


( der Naturſchwefel) haben fich mit der Ueberſes
Bung vereint, und dadurch die Veränderung
verurſacht, daß der Körper, der zuvor als ein
Metall erſchien , nun fich als ein Sarf unſern
Augen darſtellt.

Das Harz hångt alſo noch nach dem Bera


wandſchaftsgeſetz zuſammen , und muß nun ferner,
wie andere Körper, nach den Gefeßen der Bers
wandſchaft analyſirt werden .

Man muß daher zuerſt die gebundenen ,

und nun mit dem Aufldſungsmittel fich vereinis


genden Beſtandtheile abſondern , bis man die
bindenben zerlegen kann . Die Abſonderung ge
ſchieht auf folgende Art.

Wenn das reine Metall durch den Natur .

fchwefel, mit welchem es überlegt wurde, auf


gelskt
182

geloft worben iſt, ſo ſchüttet man in diſtil.


lirtem Waſſer aufgelößtes Urinfalz in die So.
lution , welche fogleich alles dwefelartige in
fich aufnimmt; der Rückftand enthält dann die
bindenden Beſtandtheile des Metalls ; diefe wers
den ausgelaugt, und Sfters mit diſtillirtem Wafe
ſer ausgefüßte und man kann die Metallerden
und ihr Salg erhalten.

Die edeln Metalte beſitzen eine talfahne


. liche und fårbende Erbe . Eine Aufldſung von
Kochſalzſäure und Salpeterfáure zugleich nimmt
folche auf.

Die talkähnliche, als die wahre einſchrän .


tende Erde, kann leicht wieder aus der Falpes
terfauren Auflöfung, mittelſt eines alfaliſchen
Salzes, ausgeſtoffen werden .

Wird diefer Niederſchlag abgetrocknet und


abgefüßt, ro erhält man eine weiffe , etwas

fette und Feifenart'g anzufüblende Erde, welche


héchſt fèuerbeſtandig iſt.

Wird zu diefer Erde wieder etwas Nature


fchwefel hinzugethan, und ſolche digerirt, fo vers
ändert ſich dieſe Erde in ein Harg, das in der
Mårme
183

Wärme zu einem Del fließt ; ben ſtårferem


Feuer aber ſich in eine Kohle verwandelt, wele
che, wenn ſie zerſtoffen ins Waſſer gelegt, und
mit Hinzuthun eines alkaliſchen Salzes traftirt
wird, ſich wieder in die nämliche, talkihnliche
Erde verwandelt.

Dieſe Veränderung kann ſo oft wieders


holt werden, als man will, und die aufſere Na.
tur geht aus dieſem Zirkel nicht mehr hinaus.

Wil man aus der Erde das Salz erhal.


ten , ro loſe man Queckſilber in Salpeterſauern
auf, und gieſſe bie talkähnliche Erde in dieſe
Auflåſung.

Die Erde verbindet ſich mit dem Salpeter.


fauern, und das Queckfilber mit dem Salze, wels
ches manchmal ſogleich mit dem Dueckſilber zu
Boden ſist ; manchmal aber beſſer durch die Dee
3
ſtillation oder Evaporation zu erhalten iſt. Im
$
Grunde des Gefäfſes zeigt ſich das Salz in
f
Geſtalt einer rothen Erde, welche hochſt feuers
beſtåndig iſt.

Will man aus der Auflsſung den Metall.


ſchwefel abſondern, ſo darf man nur die Solu.
tion
184

tion , in der ſich der Naturſchwefel mit dem

Urinfalz verbunden hat, langſam verdinſten, und


das zurückgebliebene Urinfalz mit Ruß und Kohs
lenſtaub verregen und der Deſtillation unter ,
werfen , ſo erhålt man einen wahren Phosphor.

Scheidet man aus dieſem mit gewiſſen


Handgriffen den Kohlenſtoff, der ſich mit dem
Lichtſtoff zum Phosphor verbindet, ſo iſt der
Núcſtand reiner Naturſchwefel.

Witeres
185

1
Weiteres Experiment
über

die Metallit å t.

h nahm
Icch einige Stücke Phosphor,, legte
ſie in einen porzellanen Becher, ſtellte dieſen
in eine Glasglocke, ſtürzte eine andere Glass
glocke darüber , warf ein Stück glimmenden
Schwamm in den Phosphor, er entzündete fiche
und die Erſcheinung war folgende.

Erſtens loberte das Feuer fchnell auf, und


fieng heftig zu brauſen an ; die Glocke wurde
1
mit einem milchweiſſen Rauch angefüllt, rings
um das Glas legten ſich ſchneeweiſſe Flocken
an . Das Feuer, welches anfangs weiß

brannte, wurde gelblicht; brannte nach und nach


ſtiller und erloſch endlich. Als ſich der Rauch
in der Glocke verzogen hatte, ſtürzte ich die
obere Glocke um ; in folcher befanden ſich die
ſchneeweiſſen Flocken håufig , zerfloffen aber
durch
186

durch Zutritt der Luft in eine Säure, die rein


war, wie ein Thautropfen .
Die untere Glocke war am Boden voll

dieſer Flocken , die wie eine Maſſa dicht aneins


ander hiengen . Ich nahm ſie mit einem Glasldf:
fel heraus ; und fie gaben mir eine äuſſerſt kles

brichte, zihe, ſchneeweiſſe Maſſa, die, wenn man


ſie mit dem Finger rieb, einem weiſſen Wachs
ähnlich wurde. In der Luft zerfloß dieſe Maſſa ;
fie idßte ſich im Del und im Waſſer auf.

Der Becher, worinn mein Phosphor brann.


te , war in der Höhe gelb ; in der Mitte rah
man das ſchönſte Gold, welches wie eine Menge
dicht aneinander ftehender Klufenköpfe fich dar .
ſtellte ; am Boden war das ſchönſte hochs
rothe und purpurfarbne Weſen .

Das Gold erkannte ich gleich für Phos.


phorgold , welches ſich mit der Sohle des
Schwammes gebildet haben muß .

Ich goś reines Waſſer in den Becher ,


nachdem er abgefühlt war , die Goldknopf.
chen 18ßten ſich allgemach håufig auf, und der
ganze Becher wurde voll der ſchönſten Gold :
blått
187

blåttchen , die ſich von den Wänden des Bes


chers ablsfeten, und auf der Oberfläche des
Waſſers zu ſchwimmen, anfiengen. Sie blies
ben eine Weile in der Geftalt von Goldblatt
dhen liegen ; allmählig aber verloren fie ihren
Glanz, ihr metalliſches Anſehen , und erſchienen
endlich , wie eine fette Zinke im Waſſer auf der
Oberfläche erſcheinet.

Aus dieſer Erſcheinung: gog ich folgende


Abſtraktionen :

Die lichtmaterie iſt es unmittelbar, welche


mit der Kohle dieſes Phosphorgold bildet.

Dieſes Gold bleibt ſo lang in ſeiner mes


talliſchen Geſtalt, bis es den Sauerſtoff aus
der Luft, oder andern Sérpern aufzunehmen im
Stande ift. So bald es den Sauerſtoff auf

nimmt, giebt es den lichtſtoff ab , die Metallität


verſchwindet, und der Wärmeſtoff, oder die Fett:
materie bleibt zurück.

Wir wiſſen , daß alle Auflöſungen der Mer


talle durch den Sauerſtoff bewirkt werden , und
daß die edeln und unedeln Metalle bloß darinn

unterſchieden ſind , daß jene mit Sauerſtoff


uber .
188

überſezt und geſättigt, dieſe aber nur halbges


fåttigt ſind.

Um ' edle Metalle zu verfalfen , iſt es


nothwendig, das Gleichgewicht des Sauerſtoffs
in ihnen aufzuheben , fie des Sauerſtoffs be.
dürftig oder attraktio zu machen , denn ſo lang

das Gleichmaaß, die Bile der Saturation in


einem Metalle iſt, ſtoßt es denſelben zurück.

Daher haben wir die Beweiſe, daß, je


ſchwacher der Sauerſtoff mit einer Såure ver.
bunden iſt, deſto geſchickter er zur Aufldſung iſt,
denn ſeine Verwandſchaft zu dem Metalle wirt
vermehrt, d. i . er wird von dem Metalle ange.
zogen.

Die Salpeterſäure wirkt daher auf die


meiſten Metalle, weil die Baſis des Salpeter .
gaßes mit dem Sauerſtoff ſchwächer zuſammen ,
hångt, als die Verwandſchaft des leztern mit
dem Metalle ift.

Da wir nun allgemein durch die Erfah .

rung wiſſen, daß der Sauerſtoff die Urſache alı


ſer Verfalfung iſt, ben jeder Verkalkung aber
der Kørper an Schwere zunimmt, ſo kann der
Sauer ,
1
189

Sauerſtoff als Schwerſtoff in der Natur anges


ſehen werden : – denn ſeine Vereinigung mit
dem Körper determinirt die Schwere des Kór.
pers. So wird der Bleykale, ben langſamen
Erhißen, welches aber nicht bis zum Glühen
getrieben werden darf, gelb ; - mit Sauerfioff
überladen , wird er bochroth .

Die Bleyaſche überhaupt nimmt berm Slů .


hen eine groſſe Menge Sauerſtoff auf, und ber
!
fommt dadurch die gelbe Farbe, und die Aſche

nimmt um 10 Prozent an Schwere zu . Wird


fie durch vorſichtiges Glühen in Rothe vermans
delt, fo nimmt ſie um 12 bis 15 Prozent zu .

Der Sauerſtoff fann alſo als Schwerſtoff,


als Erdſtoff, angeſehen werden.

Wir beobachten dieſes in dem obigen Era


periment. Sobald der Phosphor verbrannte ,
allen Sauerſtoff aus dem Gefäffe anzog, und
eine wirkliche Kohle darſtellte, erhielt er Ber.
wandſchaft zum Lichtſtoff

So wie die Metalle zerlegt werden kön,


nen , ſo können ſie wieder zuſammengeſezt were
den .
Man
190

Man nimmt die durch die Zerlegung in


jedem Metalle gefundene eigene Quantitåt ta ! i.
ähnlicher und fårbender Erde, und giebt ih .
nen eine gehörige Quantitåt Naturſchwefels.
Dieſem Gemenge ſezt man Kohlengeſtieb und
Ruß zu , und behandelt es in verſchloſſenen Ge.
fåffen. Man wird bald wahrnehmen , wie die
einſchränkende Erde fich des Naturſchwefeld be.

mächtigt, denſelben einſchränkt, und durch dieſe


Einſchränkung nach und nach das Metall wies
der herſtellt.

Dieſe Verſuche zeigen uns flar, wie die


Natur in ihren unterirdiſchen Wertfåtten arbei.
te. Es iſt ganz natürlich, daß der Feuereins

chränkende Stoff viel eher in den Erzgången ,


als der Naturſchwefel entſtehen muß . In dies
ſen einſchränkenden Stoffen hångt ſich erſt der
Naturſchwefel an, der ſich in den Bergwerken
unter der Geſtalt der ſogenannten Bergſchtas
den ( bsſe Gewitter) zu erkennen giebt. Dies
Per Dampf wird dann von den Grundlagen oder
einſchrånkenden Erden feſtgehalten , und dieſe
Seſthaltung ſtellt fukzeſſis ein Metall dar. -
Dieſe
191

Dieſe Vermuthung beſtårkt die Erfahrung: weil


man in den Metallmittern meiſieutheils tales
áhnliche und fårbende Erden vorfindet.

Erfahrung.
2 Man nehme eine große geräumige Glas
1
glocke, reibe eine ziemliche Portion taltáhnlicher
und fårbender Erde mit Waſſer ab , daß die
Maſſa wie ein Taig werte. Mit dieſem Taig
beſtreiche man rings umher inwendig die Slas,
glocke ; , darein retze man ein Schålchen mit
etwas Naturſchwefel, ſebe unter die Schale
eine kampe, damit der Naturſchwefel dampfweis
4 evaporire. Wenn der Schwefel ganz evaporirt
iſt, läßt man alles wohl erhalten , nimmt die
Glocke berab, und man wird die ganze Metalli,

] bildung der Natur wahrnehmen .


1
Die einſchränkenden Erden in den Metals
len ſcheinen mie das zu ſeyn, was Sand und
1 Kiefel ben dem Glaſe find. -- Glas machen ,
und Metall machen , fénnte vielleicht in einem
umgekehrten Verhältniſſe ſtehen.

Bey allen dieſen Unterſuchungen der Natur


ſcheint es mir eben nicht ſo paradox zu ſeyn, wenn
die
*
T92

die Alten die M & glichkeit der Metallproduktion


durch die Kunſt behauptet haben .

Die Miglichkeit der fünſtlichen Metall.

produktion gründet ſich auf drey Bedingungen


der Vernunft.

a) Muß man den innern Grund der Mer


talle und ihre Beſtandtheile kennen.

b ) Dieſe Beſtandtheile auseinander reßen


1 können.

c) Dieſe Beſtandtheile wieder zuſammen


zu reßen wiſſen.

Dieſe dren Bedingniſſe der Vernunft zu


erfüllen , könnte wohl nach und nach ein riche.
rer Weg gebahnt werden .

Metalle.

Metalle ſind mir diejenigen Körper im


Mineralreiche, welche allen übrigen andern Kers
pern durch ihre Schwere, Glanz und Ges
ſchmeidigkeit den Vorzug ſtreitig machen .

Sie . theilen fich ab in vollkommene und


unvollkommene.

Die
193

Die unvollkommenen unterſcheiden ſich von


den vollkommenen dadurch, daß ſie weniger ges.
ſchmeidig, im Feuer weniger haltbar, ober gang
und gar flüchtig find.
0
Schwere, Glanz und Geſchmeidigkeit find
blos die Eigenſchaften der Metalle. Sie ers:
ſcheinen als ſchwer, glänzend und geſchmei.
dig ; den Erſcheinungen müſſen Urſachen zum
Grunde liegen.

Man muß fragen : toas macht die Schwere,


14 was den Glanz, was die Geſchmeidigkeit
im Metad ?

Die Geſchmeidigkeit im Metal bewirft der


Naturſchwefel; die Schwere wird durch die
Einſchránkung dieſes Schwefels mittels des
Naturſtoffés bewirkt; und der Glanz iſt das
Reſultat.

Die Erfahrung beweiſet, daß, ſobald die


Metalle mit dem Naturſchwefel überſezt were
den, ſie zuerſt den Glanz und ihre Glåtte ver.
lieren , dann ihre Schwere - und endlich

Zerflieſſen fie in eine hochft leicht aufzuldſende


Subſtanj.
Da

13
194

Da in der Analns zuerſt der Glang, dann


die Schwerer und zulezt die Geſchmeidigkeit ver ,
ſchwindet, ſo muß nothwendig in der Synthes
zuerſt die Geſchmeidigkeit, dann die Schwere,
und zulezt der Slang erfolgen : und dieſe ver.
halten ſich nach dem Sereg der.

Quantität, Qualitåt, form.

Die Quantitat des Naturſchwefels bes


ſtimmt die Geſchmeidigkeit des Metalls ;

Die Einſchränkung dieſes Schwefels die


Qualitåt; -

Nach der Einſchränkung verhålt fich die


form als nothwendig, und dieſe giebt den Glanz.

Beſtandtheile aller Metalle insgemein.

Naturſchwefel, Radikalfeuchtigkeit, Natur.


ſtoff.
Nach den alten :

Schwefel, Merkur, Sals .


Der Schwefel - das Gebundene.

Der Naturſtoff - das Bindende im Metal ,


Die Radikalfeuchtigkeit - das Ciment.

Beſtimo
195

Beſtimmung der Formen, unter welchen


dieſe drey Prinzipien in den Metallen
erſcheinen .
Der Naturſchwefel als Metallſchwefel. -

Der Naturſtoff als eine talfåhnliche oder


fårbende Erbe ;
Die Radikalfeuchtigkeit als Metalſäure,
die ſich modifizirt zur Goldfåure - Silber,
fåure - Eiſenſäure.

Urſachen dieſer Erſcheinungen.


Die Urſachen dieſer Erſcheinungen beſtehen
in dem verſchiedenen Verhältniß des einſchrán,
kenden Naturſtoffes zu dem Naturſchwefel, wodurch
die Prinzipien zur Metallitåt ſpezifizirt werden.

Beſchreibung des metalliſchen Schwefels


und ſeiner Eigenſchaften.
Die metalliſchen Schwefel laſſen ſich nicht,wie
die gew :hnlichen in Flores ſublimiren ; ſie gehen
vielmehr als ein Del in den Deſtillirgefäßen über .
Sie Isſen ſich in Såuern auf, leuchten
in der Wärme, und geben einen arſenitalis
fchen Geruch von fich .

Wir
196

Wirkung dieſer Schwefel in den Metallen .


Dieſe Schwefel find die Urſache der Ges
ſchmeidigkeit der Metalle, wie auch deſſen , daß
fie, in verſchiedenen Graden der Hiße, in flüffte
ger Geſtalt erſcheinen : denn durch die Wärme

wird die ausdehnende Kraft des Naturſchwefels ,


der dem Metallſchwefel zu Grund liegt, wirkend ,
und ſo geht das Metallin Fluß. In der
Kålte erlangt die einſchränkenbe Erbe wieder
die Oberhand, da die Macht der Ausbehnung
nachläft, und ſo ſtellen ſich die Metalle wieder
in feſter Geſtalt bar.

Die Schwefel tragen auch das Meiſte zu


dem Glanze der Metalle ben .
Es giebt nur einen Metallſchwefel; er
iſt aber beſonders in jedem Metalle durch die
einſchränkende Erde modifizirt.

Metallral e.
Die Metallſalze, welche aus den binden

den Beſtandtheilen der Metalle erhalten werden


können, ſind keineswegs in den Metallen als
wirkliche Salze vorhanden , ſie werden erſt durch
die Chimie produzirt.
Sie
197

Sie erſcheinen nach einer vollkommenen

Abſonderung aus den Metalen, wenn ſie im


Feuer vegetiren , oder aus den fauern Aufls.
ſungsmitteln ſich langſam kryſtallifiren , meiſten .
theils in einer glänzenden Geſtalt, blaßgrung
äuſſerſt gart. Ihre Eigenſchaften insgemein
ſind :
3
1 ) héchſte Feuerbeſtändigkeit und Unſchmelzo
barkeit.
3 2 ) Mufisfung im Kochſalzſauern und Wies
derkryftallifirung aus demſelben .
3 ) Schnelle Derbindung mit den metalli,
ſchen Schwefeln, wodurch ſie erſt leicht auf.
zuldſend ; leicht wie Wachs ſchmelzbar, und wahre
Metallſalze werden .

4) Dringen einige, beſonders die Salze


aus dem Silber, ins Innerſte des Queckſilbers
ein, und verändern weſentlich ſeine Geſtalt.

Radikalfeuchtigkeit der Metalle, von den


1
Alten Nerkurius genannt .
3
Das Queckſilber iſt in keinem Metalle an .
zutreffen ; es iſt ein Vorurtheil , wenn man
glaubt,
198

glaubt, das Queckſilber rey ein Beſtandtheil der


Metalle. Das Queckſilber iſt ſelbſt Metall ; die
Flüſſigkeit des Queckſilbers verurſacht ſein Na.
turſchwefel, den dieſes Metall am wenigſten
eingeſchränkt enthält . Sobald dieſer im Quecko

filber eingeſchrånkt wird, verliert es feine Flür


figkeit.

Das Queckfilber, oder der wahre erfur


der Alten, das Ciment der Metalle, iſt eine
aus licht. und Feuer , oder vielmehr Wärme.
weſen , zuſammengefezte raure Flüſſigkeit, welche
das wahre Ferment aller Metalle ausmacht.

Die Alten zeigten die Lichtmaterie durch


die luna an, nehinlich : (.

Die Wärme , oder die Sonnenmateric


durch o .

Die ſaure Flüſſigkeit durch

Durch die Zuſammenſeßung dieſer dren


Bilder entſtund die Figur des Merkurs, die
man in den egyptiſchen Myſterien am deutliche
ften unter ihren Hieroglyphen findet.
Luna.
Sol .
Acidum .
Aus
192

Aus dieſem Hieroglyph entſtund der Schlan .


genftab, der den vereinigten Licht- und Wårme.

geiſt in einer Materie anzeigt.

Von den Eimenten der Natur.

Alle Produktionskraft in der Natur fømme

von Licht und Feuer.

Das Feuer giebt den Stoff; das licht

die Bildung ; beyde zuſammen geben das

organiſche Weſen.
Man muß die materielle Natur unter ei.
nem doppelten Geſichtspunkte betrachten .

Erſtlich , was in der Natur modifizirt wird ;

Zu was und wodurch es dieſe Modififa.


tion erhålt.

Das , was modifizirt wird, iſt die mate

ria bruta.
Dieſe materia bruta wurde in der Ma .

terie entweder zu Glas, oder zur Kohle modifizirt.

Glas ſtellt das Licht im konkreten Zuſtande

vor ; - die Kohle das Feuer.


ques ,
200

Alles, was zur Kohle gebrannt, oder in


Glas verwandelt werben kann, iſt die modifis
kable Materie. Die Pauſen der Natur, die
fie in ihrer Modifikation beobachtet, da fie
ſtuffenweis , in abſteigender Ordnung, entweder
die modifitable Materie bis zur Kohle, oder, its
aufſteigender Ordnung, bis zum Glas verwan ,
delt - dieſe Pauſen beſtimmen die verſchiede
nen materiellen Erſcheinungen, und fennen als
To viele Grade einer Linie betrachtet werden ,

wovon die Kohle und das Glas die zwey Er.


treme bilben .

Die Natur arbeitet auf trodnem und naſ.


ſem Wege.

Uuf trocnem Wege bedient fie fich des


Feuers; fie vertohlt oder verglast.

Auf dem naſſen Wege bedient ſie ſich der


Cimente; fie imbibirt und trocknet wieder aus ,
um neue materielle Erſcheinungen zu bilden.

Ihre Cimente find rechs Flüſſigkeiten :

1 ) Der Kryſtallſaft, oder das Ciment der


Edelſteine.

2 ) Der
201 .

2) Der Metalfaft, oder das Ciment der


Metalle .

3 ) Der Mineralſaft, oder das Ciment der


Mineralien überhaupt.

4) Der Baumſaft, oder das Holzciment.

5 ) Der Pflanzenſaft, oder das Kräuterciment.

6 ) Endlich der Thierſaft, oder das anima ,


liſche Ciment.

Nun zeigt die Erfahrung, daß alle Cimente


aus dem Hauptciment des animaliſchen Reichs
entſtehen, und daß dieſes animaliſche Eiment
nichts anders, als eine Flüſſigkeit Tery, worinn
die Licht- und Feuermaterie innigſt geeint iſt.

Dieſes Ciment ſtellt ſich dar unter der


Geſtalt der Phosphorfåure, — denn, verbunden
mit Kalferde, macht, ſie das Bein , die Grunds
lage der Animalien ;

Verbunden mit Thonerde, bildet fie bie


Grundlage der Metalle;

Verbunden mit Kiefelerbe, die Grundlage


der Edelgeſteine.

in
Gefes
202

Breret der Körperbildung .

Die Körper unterſcheiden fich durch die 1

Quantität der Naturprinzipien , die ſie enthalten.


CC
Durch die Qualitäten, die ſie beſigen.

Durch die Form, die ihnen eigen iſt. -

Der Unterſchied wird durch die Verſchies


denheit der Einſchränkung des Naturſchwefels

durch den Naturſtoff erzeugt. 8

Die Frage iſt : wie entſtehen die Ksrper.


formen in der Natur ?

Antwort .
if
Das, was formet, iſt der Naturſchwefel d
durch ſeine ausdehnende Soraft.

Das, was geformt wird, iſt der Naturſtoff.

Das Modell, worinn geformt wird, it die fo

Luft.

In der Luft iſt eine beſtändige Tendenz PE


des Sonnenſtoffes zum Erdſtoff.

Dieſe Einwirkung des Sonnenſtoffes auf


den Erdſtoff - dehnt eine Menge des Natur .
toffes aus, der in dem Behålter, den wir ath.
9
mos ,
203

mosphäriſche Luft nennen, den Gegendruck durch


ſeine einſchränkende Eigenſchaft verurſachet, und
dieſer Gegendruck iſt die wahre Ulrſache der Ver.
fchiedenheit der Formem .

Die Ausdehnung iſt gleich der Zeit.

Die Einſchränkung iſt gleidh dem Raum.

Jeder Kørper wird durch den Gegendruck


des reagirenden Naturſtoffes geformt. Da es
alſo verſchiedene Verhältniſſe des Gegendrucks
giebt, ſo giebt es auch nothwendig verſchiedene
Formen . Iſt die Ausdehnung excentriſch , ro
iſt der Gegendruck concentriſch, und es entſteht
die runde Form .

Sit die Ausdehnung blos horizontal, ro


entſteht durch den Gegendruck die Pyramidal,
form . -

Iſt die Ausdehnung horizontal und per .


pendicular, ſo entſteht das D.

Die Univerſalformen bleiben alſo immer


der O. V.D.

Gleiche Ausdehnung nach allen Seiten und


gleiche Einſchränkung, O.
Stuffeno
204

Stuffenweis zunehmende Einſchränkung in


aufſteigender Ordnung, A.

Gleiche Ausbehnung nach unten und oben


und gleiche Einſchränkung, O.

Die Veränderung der Körper wird alſo


durch die Compreſſion verurſachet.

Rauch und Dampf ſind z.! B. nur durch


Wo der Raudy
die Compreſſion unterſchieden .

comprimirt wird, wird er Dampf; wo der Dampf


comprimirt wird , wird er Waſſer ; wo die
Flamme comprimirt wird, - wird ſie Rauch :

die Feuermaterie in ihrer erſten Extenſion macht


mit Berührung der Luft die Flamme.

Die Flamme wird an der Spiße zuſam :


mengebrückt, und macht den Rauch ; der Rauch
eingeſchloſſen , bildet den Dampf ; der compris
mirte Dampf das Waſſer.

Selmortius, welchem wir urſprünglich die


Entdeckung der Luftarten zu verdanken haben ,
von welchem fie unſer Jahrhundert nur ente
lehnt hat, bemerkt überhaupt ſchön und deuts
Jich, daß der dreyfache Uebergang der Natur,
vom
205

vom -ſoliden Zuſtande in den Flüſigen , vom fluiſtio


gen in den gasformigen, keineswegs Verwandluns
gen der Weſen , ſondern blos chemiſche Ausdeh .
nungen und Einſchränkungen der nehmlichen
Subſtanzen ſind, die nehmlich durch mehreres
Eindringen der Trockenheit ins Feuchte, oder des
Naturſchwefels in den Naturſtoff, in aufſteigen .
der Ordnung , und durch Einſchränkung in abſteis
gender Ordnung, nach umgekehrtem Gefeß ero
folgen .

Ben allen Bewegungen ſind nur 2 Urſas


ſachen möglich : die verurſachende oder aktive,
und die veranderte oder paſſive, ausdehnende,
einſchränkende.

Die Ausdehnende nennt Helmontius Blas,


das råumliche oder einſchränkende Gas.

Das Blas beſteht aus dem ausdehnenden


Naturſchwefel ; - das Gas, aus dem ein ,
ſchränkenden Naturſtoff, dort wo in aufſteigender
Drdnung die dritte Einſchränkung des Naturs
ſtoffes anfångt, fangen die Gasarten an.

Grunds
306

or u in o gerie B.

1.
Srun owo efen.

Theilt ſich in Naturſchwefel und Naturſtoff :


oder in Form und Materie.

Die Materie wird durch das formende


dreymal modifizirt, das iſt : der Naturſchwefel
wird durch den Naturſtoff dreymal auf verſchien
dene Art eingeſchränkt, und dieſe verſchiedene
Einſchränkung giebt den Grund, daß die Körper
1. im foliden

2. flúñigen ,
3. gasf&rmigen Zuſtand erſcheinen .

Allgemeis
807

Allgemeines Naturgeſetz

exiftir en ben Dinge insgemein,

S ie Welt der Erſcheinungen iſt für uns dag

fie, muß alſo nothwendig ein beſtimmtes Bieret


der Erſcheinung (des Daſeyns – der Exiſteng)
haben.

Da alle phyfiſch exiſtirende Weren in die


rem Weltall Theile des Ganzen ſind, ro 'muß das
Gefeß der Erſcheinung (der Exiſtenz der Theile)
mit dem Geſeß der Erſcheinung des Ganzen
idetttiſch ſeyn .

Mir daucht, daß das Univerſalgeſek dex


Exiſtenz überhaupt fid) in nachſtehender Formel
ausbrücken könnte :

Ein jedes Weſen, welches exiſtirt, hat

1. eine lirfache ſeiner Exiſtenz (rationem


exiſtenciae).

2. Eine Art, nach welcher ſie exiſtirt (mo


dum exiſtendi).
3. Eine
208

3. Eine Form , in der fie exiſtirt, obet


( formam exiftentiae ).
So hat jede Sache
1. einen Anfang ihrer Erſcheinung.
2. Eine Zeitlange Dauer.
3. Ihr Ende, oder den Zweck.

Dieſes Univerfalgeſetz iſt jedem exiſtiren ,


den Weſen unbedingt gemein ; denn wir beo
1
obachten allgemein in allen Dingen
1. das genus,

2. die ſpecies,
3. das Individuum , worinn fich

ratio,
modus und
forma exiſtentiae
ausdrücken.

Obwohl nun dieſes Univerſalgeſek jebem


exiſtirenden Weſen unbedingt gemein iſt, ro
hat doch ſowohl die ? ratio , als der modus
und die Form wieder ihre eigenen und indivis
duellen Verhältniffe, wie man im nachſtehenden
ſehen wird.

Unders
209

unverånderliche

und

ing i viduelle G e reş e

der Urladen

(rationis et principii exiftentiae ) im Allgemeinen .

Das Geſetz der Urſache, oder des Prinzips


(rationis) der Exiſtenz theilt ſich in fünf Zweige,
und dieſe fünf Zweige oder beſtimmte, indivi.
duelle , unveränderliche Verhältniſſe jedes Pirins
zips eines exiſtirenden Dings drůcken fich in
folgender Formel aus :
Uether . Wärmegeiſt - Wärmeluft.

1 ) Es exiſtirt ein wirkliches, reelles agens


( Straft, Wirkendes , Reiz ), welches etwas
modificirt.
Das Licht.

2) Es exiſtirt ein reelles, leidendes, pa

tiens (Stoff Erregbarkeit ), welches mos


difizirt wird .
14 Eften .
210

Greenſton , Concentration durch Wärme und halte.

3 ) Es exiſtirt eine Wirkung (actio , opera


tio , Bewegung) die modifizirend iſt.
Iit unſre Luft erzeugendes Weſen.

4) Es epifiirt ein Mittel , ein Organ , (medi


um , Werkzeug ) , wodurch etwas modift .
zirt wird.

materie einſchränkende Erde ,

5 ) ES exiftirt ein wirkliches Extenſum ,


ein Raum ( ein Worinn die Sache mos
difizirt wird ).

mit andern Worten :

1 ) es exiſtirt ein Etwas, das modifizirt;


.
2 ) ein Subſtrat, welches modifizirt wird ;

3 ) ein Modifizirendes ;

4) ein Mittel, wodurch modifizirt wird ;


5 ) ein Worinn etwas modifizirt wird ;

Nur unter dieſen finffachen Bedingniſſen


iſt das Werden eines Weſens msglich.

Wenn nun ein Weſen exiſtirt, fo find die


Gefeße ſeines Werdens erfüllt, und die Gefeße
Teines
RII

feines Dafeyns fangen an ; und dieſe Ges


reße ſeines Dareyns beziehen ſich theils auf
die Verhältniſſe des exiſtirenden Weſens zu ſich
felbſt; theils auf das Verhältniß des exiſtirens
den Weſens zu andern coexiſtirender. Wefen ,
und dieſe Geſeße theilen ſich wieder in fünf
Zweige, die ſich in einer Formel ausbrucken

laſſen, nehmlich :
Alles , was mit andern coexiſtirt, iſt
entweder

1 ) ein Compoſitum ( Zuſammgeſeztes, Gan


ges ), oder
s
2) ein Diviſum ( Uuseinandergeſezte , Ge.
theiltes ) ;
3) ein Connexum ( Zuſammengefügtes,
Geordnetes) ;

4 ) ein Modifizirtes (ein Gebildetes, Bea


wirftes ) ;

5 ) ein Ausgedrucktes (Expreſſum , Aus.


gebildetes, Wirkliches ).

Nur unter dieſen fünf nothwendigen Vers


hältniſſen iſt die Coexiſtenz eines Werens møg.
lich , oder das Daſeyn. Denn jede Sache
1 ) Pezt
212

1 ) Pezt zuſammen , oder wird zuſammengerezt,

2) theilt, oder wird getheilt.

3) verbindet, oder wird verbunden.

4 ) modifizirt, oder wird modifizirt.

5 ) drückt aus, oder wird ausgedrückt.

Nur unter einer von dieſen fünf Beding.


niſſen iſt das Dareyn eines phyſiſchen Weſens

möglich .

Jedes dieſer fünf Hauptgeſete -hat in der


Coexiſtenz der Weſen wieder rechs andere noths
wendige Verhältniſſe ; als :

3 Verhältniſſe zu fich , und


3 fernere zu einem andern coexiſtirenden Wer
ſen .

1. Die Sache exiſtirt als ein Compo .


fitum ( Ganzes, Zuſammengeſeztes .)

Als dieſes hat es drey Sauptverhältniſſe


in fich , als :

1 ) ſein Prinzipium ;
2 ) rein Organ ;

3 ) reine Form.
Diere
213

Dieſe dren Hauptverhältniſſe werden in


der Coeriſtenz

1 ) Das Prinzipium wird die Straft;

2 ) Das Organ die Operation ;


3 ) Die Form der Effift.

2. Die Sache erſcheint gls ein Diviſum

(Getheiltes ) , und als dieſes hat ſie die dren


fernern auptverhåltniſſe :

1 ) Differenz,
2 ) Concordanz,

3 ) Oppoſitio.

Dieſe dren Hauptverhältniſſe der Diviſion


brücken ſich aus in der Coexiſteng

1 ) Die Differenz in der Zahl ,


2) Die Concorbanz im Maaß ,

3 ) Die Oppoſition im Gewicht.

3. Die Sache exiſtirt als ein Connexum,


und als dieſes hat es dren Hauptverhältniſſe
zu fich ; die Connexion iſt nehmlich entweder

1 ) unter den Kräften, oder den principiis ;


2 ) unter den Organen , oder mediis .
3 ) Unter den Formen , oder finibus.
Dieſe

9
214

Diere drucken ſich in der Coexiſtenz aus :

I ) Connexio virium per coordinatio


nem.

2 ) Connexio mediorum per harmo .


niam .

3 ) Connexio formarum per proportio .


nem .

4. Die Sache exiſtirt als ein Modifizir .


tes ( Gebildetes, Bewirktes ). Als diefes hat
es drey Hauptverhältniſſe in " ſid , als :

1) Das Plus,
2 ) Das Medium ,
3 ) Das Minus.

Dieſe drücken ſich in der Coexiſtenz aus :

1 ) per majoritatem ,

2) aequalitatem ,
3) minoritatem.

5. Die Sache exiſtirt als ein Expref


ſum (Ausgedrücktes, Ausgebildetes, Wirkliches ).
Uls diefes bat es dren Sauptverhåltniſſe zu
ſich , als :
1 ) Die
215

1) Die Extenſion,

2) Concentration ,
3) Formation.

Dieſe drücken fich aus in der Relation

1) per longitudinem ,
2 ) per latitudinem,

3) profunditatem ; oder:

1 ) in quantitate,
2 ) qualitate,
3 ) forma.

Ueber
216

Ueber die Kräfte der Natur.

ie phyfiſche Naturkraft iſt das Reſultat der


Attraktion zwiſchen dem Sonnenſtoff und Erds
ſtoff ; oder Naturſchwefet und Naturſtoff.

Naturſtoff und Naturſchwefel find wirkliche


körperliche Subſtanzen , die, wie ſchon gezeigt
worden iſt, unter drey Hauptmodifikationen er.
ſcheinen , nehmlich :
1. im ſoliden ,
2. fluffigen, und

3. luftfôrmigen Zuſtande.

Da dieſe zwen Subſtanzen durch die ge.

genſeitige Attraktion die Circulation der Dinge


verurſachen, eine dieſer Subſtanzen : 58chft
flichtig, die andere höchſt fix iſt, ſo überwin.
det immer eine die andere entweder mittels

Berflüchtigung des Naturſtoffes , durch den Nai


turſchwefel, oder mittels Beſchränkung des nas
turſchwefels durch den Naturſtoff und ſo ents
ſtehen drey Aktionen in aufſteigender, und drey
Aktio
*
217

Aktionen in abſteigender Ordnung, welche zu.


ſammen , incluſive der Zirkelbewegung, die ſieben
Hauptaktionen der ganzen Natur verurſachen .

Das will ſagen : die zirkulirende Univer .


ſalmaterie, die in fich vereinigte Wärme und
Lichtmaterie im flüßigen Zuſtande iſt, ſondert
ſich durch Theilung und Ausdehnung ihrer Wes
fenheit in Erdſtofflichtſtoff durch Ausdeh .
nung und Concentration in Sonnenſtoff Mår.
meſtoff.
Eine jede dieſer Subſtanzen hat die får
!
higkeit, ſich wieder auszubehnen und wieder zu .
ſammenzuziehen .
Der ſich ausdehnende Sonnenſtoff wird
Warmeſtoff, und iſt die Venus der Alten.

Der fich wieder zuſammenziehende Son,


nenſtoff iſt die attrahirende Subſtanz, der Sa.
turnus der Alten .
1
So find Venus und Saturnus zwey Moa
dififationen des Sonnenſtoffs, wie Marsund
Jupiter zwey Modifikationen des Erdſtoffes find.

Der ausgedehnte Erdſtoff wird Luna ges


nannt, und wenn ſich dieſer Erdſtoff wieder zu.
ſam .
218

ſammenzieht wird , er Mars , und wenn er ſich

wieder ausdehnt Jupiter genannt.

Die Planetennamen der Alten find bloſſe


Bezeichnungen der verſchiedenen Verhältniſſe des
Wärme- und Stålteſtoffes , oder Sonnen , und

Erdſtoffes.
In keinem Sinnbilbe find die gegenſeitig
tvirkenden Sträfte beſſer ausgedrückt, als in dem
tofa

Siegel des Hermes

3
And
ot

n
b Pi
2

1 iſt die Radikalfeuchtigkeit der Natur -


das Univerſale, worinn Wärme und Kålte, licht
und Feuer, Erdſtoff und Sonnenſtoff in einer

Fluffig.•
219

Flüſſigkeit vereint find. Der Alten ihr Merku :


rius , der Naturbrunn aus welchem Alles ents
ſpringt. Dieſe Radifalfeuchtigkeit der Natur

hat die bewegende i girkulirende Eigenſchaft;


wenn in derſelben der Naturſchwefel den Na .
turſtoff überwiegt, duſſert fidh dieſer Natur ,
ſchwefel als Sonnenſtoff O Wärmeſtoff.

Wenn der Naturſtoff den Naturſchwefel


einſchränkt als Erdfioff - Kälteſtoff (.

Die Eigenſchaften des crften ſind Wärme ;


die Eigenſchaften des zweyten Kålte.

Wenn fich der concentrirte Sonnenſtoff


wieder ausdehnt, ro erſcheint die erzeugende
Kraft, die Venus.

Durch die Concentration des Sonnenſtoffs.


aber der Saturnus , die Alles zuſammenzier
hende Scraft.

Eben ſo durch Ziiſammenziehung des Kältes


ftoffs der Mars - die attraktive Kraft, das
magnetiſche Weſen.

Durch Ausdehnung des Kälteſtoffs der


Jupiter -- das ausdehnende, elektriſche Weſen .
Die
220

Die 7 Kräfte find 7 Reſultate von recho


gegeneinander wirkenden Subſtanzen , welche 6
Eubfianzen in einer geeint find, und dieſe Subs
ſtanz iſt die Univerfalflüßigkeit der Natur.

1 Die Alles in Bewegung bringende Sub.


ftang, Radikalfeuchtigkeit, Univerſale, Mer.
Furius .

2 Die erwärmende Subſtanz - Solo ,


Sonnenſiof.

3 Die erkåltende Subſtanz. Luna (


Kåltefioff, Waſſerſtoff.

4. Die erzeugende Subſtanz, Produktionskraft


der Natur , Sonnenweſen , Venus L.

5 Die verkörpernde, zuſammenziehende Sub .


ſtang, Saturnus - H.

6 Die magnetiſche Subſtanz - Mars 09.

7 Die elektriſche Subſtanz - Jupiter 24 .

I) 9 u pite r .

In der Natur iſt eine ausdehnende Subs


ftanz: dieſe iſt die elektriſche Materie. Shre .
Beſtandtheile find ausgedehnter Kälteſtoff.

2) Mars.
221

2 ) MN at 8.

In der Natur iſt eine anziehende Sub .


- ſtanz magnetiſdie Materie ; ſie beſteht aus
concentrirtem Ståltefioff.

3) Saturnus ..
In der Natur iſt eine formende , bilden .
de, einſchränkende Subſtanz; diere beſteht aus
höchſt concentrirtem Sonnenſtoff.

4) Me r kur i u 8.
In der Natur iſt eine, Alles in Bewer

gung , Gährung, Fermentation bringende Subs


ſtanz; ſie beſteht aus vereinigtem Sonnen , und
Erdſtoff ; fie iſt die Radikalfeuchtigkeit der
Natur --- das alles ſcheidende und vereinigende
Weſen der Sob und das Leben der Dinge.

5) V e n u s.
In der Natur iſt eine erwärmende, ber.
vorbringende Subſtanz. Sie beſteht aus aus ,

gedehntem Sonnenſtoff.

6) Sol
In der Natur iſt eine, Alles zur Trocken .
heit bringende Subſtanz. Dieſe iſt der Sons
nenſtoff ſelbſt - Feuerſtoff.
7 ) Lung.
*
222

7) luna.
In der Natur iſt eine befeuchtende Subs

ſtanz. Dieſe iſt der ausgedehnte Sonnenſtoff,

Lichtſtoff.

Die höhere Chimie kann ſich aller dieſer


Subſtanzen bemachtigen , und der Grundſaß al.
ler Alten :
In der Materie iſt edes Materie, wie
im Geiſt alles Geiſt ift,
findet ſich durch die Erfahrung beſtåttigt.

Es iſt aber nicht genug von den ' 7 prio


mitiven Naturſubſtanzen einen deutlichen Begrif
zu haben, man muß ihn auch davon haben , wie
dieſe 7 Subſtanzen ſich durch Hiße und Kälte,
Trockne und Feuchtigkeit modificiren.

Hiße und Kälte, Trockne und Feuch


tigkeit find Formen . Die 7 Subſtanzen find
die Wille der Materie, und nur die Kenntniß
der gegenſeitigen Verhältniſſe führet zu einer
vollſtändigen Kenntniß der Natur.

Die Radikalfeuchtigkeit der Natur erzeugt


dieſe 4 modificirenden Weſen, welche die wah .
ren
* 223

ren Elemente find ; wenn man ſie in der Ei.

nigkeit dieſer Radikalfeuchtigkeit betrachtet, viel.


mebr Elementata .

Die alten hatten ein Univerſalſinnbild, 1


bie gegenſeitigen Wirkungen zwiſchen Form und
Materie zu betrachten .

Dieſes Univerſalſinnbild war ihr Zodiakus.

Sie verſtunden überhaupt unter dem 30 .


diakus eine Univerſalform , it welcher ſich alle
Abänderungen von Wärme und Stålte, Natur,
ſchwefel und Naturſtoff ausdrückten.

Die Radikalfeuchtigkeit der Natur, als die


Innhaberin der 4 Elemente oder immer thås

tigen , phyſiſchen Weſen ; drückten ſie durch den


Nahmen, Quintesſenz der Dinge, aus 5.

Die ſieben Modifikationen der Materie


durch das Wort Aftrum , fpezifizirtes fichines
fen ; und aus dieſen finf und ſieben der Na.
tur bildeten ſie die zivsif Zeichen des Zodiakus.

Jedes Zeichen drückt eine beſtimmte Mos


bifikation aus.

Die
224

Die Radifalfeuchtigkeit der Natur iſt das


Prinzipium I.

Die vier Elemente die Baſis , und die fie .


ben Naturſubſtanzen das Verändernde : - denn
da Hiße und Kälte, Trockne und Feuchtigkeit
zwolf Graden der Veränderung unterworfen ſind,
ſo modifiziren ſich die fieben Naturſubſtanzen
nach dieſen Veränderungen , und daraus bildet
fich die Manichfaltigkeit der Natur nach ei.
nem beſtimmten Gefeße, welches ſich im Zodias
kus ausbrücft.

Wie der Zodiakus am Himmel,, den die


Sonne durchläuft, die verſchiedenen Verhalts
niſſe der Sonne zur Erde anzeigt: eben ro
zeigt der Zodiakus der phyſiſchen Natur die
Verhältniſſe des Naturſchwefels zu dem Erdſtoff
an, und beſtimmt die irdiſchen Zuſammenfeßun .

gen .
Ueber den wahren Verſtand dieſes grof
fen Welthieroglyphs könnte man beſonders ein
ganzes Buch ſchreiben , denn jedes exiſtirende
Wefen hat ſeinen Zodiakus, d. i . eine beſtimmte
ewige Ordnung der aktiven und paſſiven Kräfte
in
225

in fichern Verhältniſſen , wodurch man auf eine


ſehr einfache Art Alles berechnen fann. Ich

habe hierüber viel geſammelt, und in Ordnung


gebracht, und werde es mit der Zeit mittheis.
len, wenn ich ſehe, ob der Geiſt unſers Jahr .
hunderts für dieſe Wahrheiten geſtimmt iſt.

Die Nahmen der Zeichen im Zodiakus


ſind mit ſolcher Weisheit gewählt, daß jedes
Zeichen zu Adem durch die Analogie kann an
gewendet werden .

Ich will bloß hier die Bedeutungen der


Zeichen auf die Univerſalmaterie anwenden .

Ari e s.
Es iſt ein animaliſches Weſen , das dop.

pelte Kräfte beſigt, und in ſeiner Sublimation


ſich wie die feinſte Wolle eines Widders zeigt.

T a ur u s.

Dieſes Weſen umwuhlt wie ein Stier die


Erde; bringt Ydes zur Fruchtbarkeit, und

Gem i n i.

Theilet fich in noch ein Weſen, in das


obere nehmlich und in das untere Centrum der
! Natur,
15
226 **

Natur, und iſt gleich zweyen Zwillingen, die


zwey Kinder einer einzigen Mutter find.

C a n cer .

Dieſe Materie, wenn ſie zurück in ihr


erſtes w &fferigtes Weſen gebracht wird ,

Leo .

nimmt an Stårke zu , wie ein junger fom .


Mit flammendem Haupt und gelber Farbe ers
Tcheint ſie,
Virgo .

bis fie, in der Schften Concentration , fich in

die jungfräuliche Geſtalt der weiſſen Erde ver .


wandelt .
Libra.

In dieſer Erde ift Licht und Feuer im

Gleichgewicht ; feines überwiegt das andere.

Scorpi u s .
Umrungen mit Feuer ertøbtet ſich dieſe
Subſtanz durch ihren eigenen Stachel,

Arcitenen s.

und ſteht fiegreich auf, gleich einem Bogenſchüs


Ben , der machtig nach dem Ziele wirft.

Caper.
1 227

Ca per.
Seiner Füchtigkeit halber gleicht es dem
Steinbocke, der die hechſten Gipfel der Berger
die oberſten Extreme der Materie, erflettert,

Amphora.

dann fich zu dem heilſamften Waſſer ſammelte


Jur Radikalfeuchtigkeit der Natur ;

Piſces.

und das Produkt dieſes Waffers iſt eine Sub


ſtang, die der edelſte Fiſch aus dem Meere der
obern Regionen ift.

Es iſt unlåugbar, daß die Alten in ihren


Weisheitsſchulen die höchſten Stenntniſſe der

Natur befaffen , von welchen ſich die Philoſophie


unſers Fahrhunderts nichts mehr träumen läßt.

Dieſe Philoſophie, welche ſich einbildet,


ben Geiſt der Menſchen aufgeklärt, und fie vere
vollkommnet zu haben , macht ihre Zeglinge über
Alles, was über ihre Schulbegriffe hinausgeht,
gleich entſcheiden .

Unter dem Vorwande, nur der Evidenz zu


trauen , glaubt man das Dareyn mancher Dinge
fåug.
228

låugnen zu fönnen, ohne zu bedenken, daß man


bloß dasjenige verwerfen ſoll, deſſen Unmöglich.
keit bewieſen iſt ; das heißt, was einen Widers
ſpruch in ſich enthält. Uleberdieß giebt es ja
auch verfdiedene Grabe von Gewißheit und
Wahrſcheinlichkeit, folglich auch verſchiedene
Grade der Evidenz.

Eben die Trägheit des Geiſtes verfloſſes


ner Jahrhunderte, wodurch der Psbel bewogen
Ward, die unglaublichſten Dinge als erwieſen
und als Wahrheit anzunehmen, dieſe Trågo
heit des Geiſtes bringt in unſerm ſogenannten
philoſophiſchen Jahrhundert die entgegengeſezte
Wirkung hervor , alles zu läugnen , was liber
die Schulbegriffe hinaus iſt um fich die Mube
einer beſchwerlichen und anhaltenden Unterſu .
ching zu erſparen, und man findet es weit beo
quemer, das , was man nicht verſteht, gil ver.
lachen und zu verachten , als ſich um echte
Kenntniſſe folcher Dinge zu bemiihen . Daher
berleitet die Trågheit des Geiſtes den menfch.
lichen Verſtand inimer auf zwey Extreme ,
bie unphiloſophiſche Trågbeit fiihrt zum Abers
glauben, die philoſophiſche zum Unglauben.
Unter .
229

Unterdeffen giebt es immer Menſchen, die


den Unfug dieſer zwen Extreme fühlen, und das
Mittel in allen Dingen durch raſtloſe Thårig.
keit aufſuchen , und dieſen waren die Wiſſen .
ſchaften der Alten immer heilig .

Ulein es ſcheint in der Schwache, des


Menſchen zu liigen , daß er immer auf zwen
Extreme veriåut, d . 5. alle Jrrthümer durch .
wandelt, bis er fähig wird, einen Sinn für
die Wahrheit zu bekommen , die alzeit im Mits
tel liegt.

Richtig iſt es, daß fich alle Wiſſenſchaften


bey den Alten auf drey Grundwiſſenſchaften ein.
ſchränkten , welche Grundwiſſenſchaften Modificas
tionen einer Univerſalwiſſenſchaft waren. “

Dieſe Univerſalwiſſenſchaft war die Kennt.

niß Gottes, der Natur, und des Menſchen .


1. 3.
Gott. Der Menſch. Die Natur.

Aus dieſer Grundlinie entſprangen alle

Wiſſenſchaften , die in ſich Verbindungstunden


find.

Die
Die Verbindungskunde der Weſen - Nas
turtviſſenſchaft.

Die Verbindungstunde der phyſiſchen Prins


fipien - Chimie.

Die Verbindungskunde der ydeen – die


Wiffenfchaft zu Denken.

Die Verbindungskunde der Kräfte.

Dieſe2 Verbindungskunden,
3 angewandt auf
Bahl, Maas und Gewicht, machen alle phy.
firche Wiſſenſchaften aus, wie ſich die hohern

aus der Anwendung der Verbindungskunde auf


Gott, den Menſchen, und die Natur entwickeln.

Jeder Wiſſenſchaft liegen alſo zwer Extrea.


me und ein Medium zu Grund.

Die 2 Extreme, als die Quelle aller


Frrthümer ; das Medium , als die Weisheit.

Das Centrum , oder das Medium aller

Wiſſenſchaften kennen zu lernen , war die Ar.


Beit der Weisheitsſchulen in den älteſten Zei.
ten ; fie der Welt mitzutheilen, fönnte ihre Bes
fchäftigung in den neuern werden .
Ich
.231

Ich bemühete mich mit einigen meiner lits


terariſchen Freunde, ſo viel, als es unſern
ſchwachen Kräften möglich war; zu dem groſſen
Zweck benzutragen, und das , was für unſer Jahr.
hundert verlohren war, aus den Ruinen des
Alterthums wieder hervorzuſuchen , und es in
einer andern Geſtalt der Welt darzuſtellen. Es
wird vielleicht meinen Leſern nicht unangenehm
ſeyn, hier den Entwurf im Kleinen zu ſehen ,
den wir uns zu unſern Arbeiten entworfen und
treu befolgt haben.

Hier folgt er.

Plan
Plan

arbeitender Natur forſcher.

er bersihmte Kanzler in England, Baco


von Verulam , ahndete ſchon , daß verſchies
bene Grund , und Urwiſſenſchaften und Künſte

in den geheimen Weisheitsſchulen der Alten

gelehrt wurden , für welche unſere Jahrhunderte


keinen Sinn mehr haben.

à Er ahndete auch , daß die Wiſſenſchaften


nur dann ihre höchſte Stuffe erreichen würden,
wenn einſt die durch Jahrhunderte erworbenen
Erfahrungen mit den unveränderlichen Ur- und
Grundſyſtemen der Alten vereint würden.

Dieſer bewundernswürdige Gelehrte & uſo


ferte ſchon zu ſeiner Zeit den edlen Wunſch
des groſſen Mannes , daß es doch die Gelehrten
der Mühe werth halten möchten , dieſen verlors
nen Wiſſenſchaften und Künften nachzuſpüren ,
um ihren Geiſt wieder zu finden, von dem die
Weis
*
233

Weisheitsſchulen nur den toden Buchſtaben in


ihren Hieroglyphen der Nachwelt hinterlaſſen
haben, damit die Menſchen durch den Buchſta .

ben fich wieder zum Geiſt zu erheben fåhig


wåren.

Viele der berühmteſten Gelehrten haben es


gewagt, die Myſterien der Ulten von allen
Vilkern, ro viel möglich war, ' zu ſammeln, und
fie mit kritiſch hiſtoriſchen Bemerkungen ihrem
Zeitalter zu liefern .

Allein alle diere Werke gewähren uns nur

den Buchſtaben ; der Geiſt der Weisheitsſchulen


blieb noch immer verſchloſſen : die koſtbarſten
Hieroglyphen ſind auf die Nachwelt uberges
gangen, aber die Seele, welche dieſe Hiero,
glyphen beleben ſollte, ward von den Wenigſten
gekannt.

1 , So verdanken wir den Wächtern der heis


ligen Geheimniſſe, daß fie in ihren geheimen
Schulen von Jahrhundert zu Jahrhundert diere
Bruchſtücke der Weisheit aufbehalten, und ſie
unverlezt bis auf unſere Zeiten gebracht has
ben ; ohne ihre mühevolle Pflege wäre der Urs
buchſtab .
est

buchſtab , und mit ihm auch der Seift verloren


gegangen.
Der Unverſtåndige wurde die geiftvollen
Hieroglyphen . Dertilgt : der Unheilige bas Hei
ligſte entweiht haben.
1 Es iſt aber nicht genug, fagt der ver .
ewigte Baco weiter, es iſt nicht genug, daß
der Buchſtabe noch da iſt, man muß es auch ein.
mal wagen , dieſen Buchſtaben wieder zu leſen ,
damit man lerne, den hierunter verborgenen
Hieroglyphen zu leſen .
Nach dem Vorſchlag diefes groſſen Man .
nes entſchloſſen fich einige Gelehrte Deutſch.

lands, fich ganz auf das Nachforſchen über den


Sinn geheimer Wiffenſchaften zu verlegen.
Die Hieroglyphit, die Symbolit, Parabolik und
Mythologie zum Gegenſtand ihres Forſchgeiſtes.
zu machen .
Schon war ein plan zur Bearbeitung
obenerwähnter Gegenſtände entworfen, ſchon
verſammelten fich würdige Månner unter der
Unterſtüßung machtiger und guttenfender Freunde,
dieſes Wert auszuführen, als Mißgunft, Man .
gel an Kenntniß der Wichtigkeit der Sacher
Privats
235

Privatſtolz der Gelehrten, denen es oft mehe


um Meinungen als um Wahrheit zu thun iſt,
den groſſen Plan vereitelten . Hiezu kamen noch
die Revolutionsunruhen , und der angefangene
Krieg ſchien den ganzen Entwurf zu vernichten .

Bey allen dieſen Stürmen blieben fich


aber einige gleichgeſtimmte Freunde getreu , und
da fie brüderliche Eintracht und reine Liebe

für Menſchen vereinigte, fo ſuchten ſie mit uns


erſchütterlichem Muthe und berkuliſcher Arbeit
bas im Stillen zur Reiffe zu bringen , was
aus Mißgunft der Zeiten und Denkart der

Menſchen, mit gemeinſamen Kräften, nicht aus.


geführt werden konnte.

Angeſpornt durch das Bewußtſeyn, daß


Sott und die Natur des dem Suchenden
zu finden , und dem Arbeitenden zu verdies
nen geben, legten fie Hand ans Werk, und
theilten, nach dem Plan des groſſen Baco, ihre
Urbeiten in folgende Klaſſen.
1
I.

Einige waren beordert, die Inkunabeln

der geheimen Wiffenſchaften aufzuſuchen , und


alles,
936

alles, was auf Hieroglyphit, Parabolit, Symbolik


und Mythologie Bezug hatte, von allen Zeitaltern
und Vilkern , wo ſie ſolche immer finden konn,
ten, zu ſammeln und einzuſenden .

2.

ude eingeſendete Zeichnungen , Abriſſe ,


Hieroglypheny Bilder und Manuſcripte wurden
wieder auseinander getheilt, und Einige bear.
beiteten die ägyptiſchen , Undere die arabiſchen ,
wieder Untere die hebriiſden und griechiſchen

Gegenſtande der Weisheitsſchulen.

Man rammelte alles, was möglich war ;


was bey den Hethiopiern die Gymnoſophiſten ,
ben den Perſern die Magier, bey den India .
nern die Braminen, ben den Griechen die Py.
thagoråer befaſſen und lehrten, was in den
Schulen der Propheten und Prieſterwiſſenſchafo
ten der Hebråer merkwürdig war.

Die Gegenſtånde der eleuſiniſchen Geheime


niſſe ; die Myſterien der Ceres, die Mitra.
geheimniſſe der Perſer, die Geheimniſſe der Eins
geweihten der Sfis und des Oſiris, die My.

ferien der Drphiker und Pythagoråcr ; was


Бер)
237

ben den Betruriern die Kazi Kinnos, oder Forte


pflanzer der heiligen Geheimniffe ; die Druiden
ben den Gelten , Galliern und Deutſchen , und
andere gegen Abend und Mitternacht liegende
Velfer in thren geheimen eculen lehrten,

und merkwirdig war, wurde geſammelt und in


Ordnung gebracht.

3.

Ade diefe Gegenfiande wurden ſyſtematiſch


abgeſondert, und jeder Gegenſtand, der Gott,
die Natur, die Menſchen betraf, beſonders bes
arbeitet. Zu mehrerer Beleuchtung der Wahr .
beiten wurden die heiligen Bücher der älteſten
siker , das Buch Sobar und Feira der ne.
bråer, der Zend . aveſtu der Parſen , der li.
fing und Luting der Chineſer, das Toha und
Soba der Magier nebſt noch andern benugt.

4.

Die Analogien und korreſpondirenden Wahr.


heiten wurden zuſammengefucht, weil man vers
nünftig ſchloß, daß Wahrheit nur dort reyn
könne, wo allgemeine Uebereinſtimmung iſt.

Die
238

Die ausgeſchiedenen und geeinten Gegen ,


ftande wurden mit den neuen Syſtemen und
Erfahrungen verglichen , und das Reſultat un.
ſerer Arbeiten war folgendes :

1 ) Ade Myſterien kommen in den Urwahr.


beiten über Gott, die Natur und Relis
gion vollkommen überein.

2) Alle find einſtimmig , daß es nur einen


Gott gebe, der unbegreiflich auſſer der Nas

tur ; begreiflich in der Natur, durch ſeine


Werfe werde.

Daß dieſer Gott einfach in fich , und zute


gleich drepfältig im Weſen der Dinge ift.

Daß die ganze Natur Impus dieſer Haupt.


eigenſchaften ift.

Daß im Geiſterreich eine Verwirrung vor.


gegangen ſeyn müſſe, welche Urſache zur Scho,
pfung der materiellen Welt gab.

Daß der erſte Menſch, der über die ganze


Natur Macht hatte, durch Perirrung für fich
und reine Nachkommen dieſe Macht verloren has
be, woraus Elend und Sterblichkeit, entſtund.
Daf
239

Daß ein göttliches Weſen ſich vermenfch .


lichen mußte, um das Unvollfommene wieder

zum Vollfommenen, das Sterbliche zum Unſterbs


lidhen zu erheben.

Daß die Religion eine Wiederverbindungs .


lehre des Menſchen mit Gott, oder die Lehre
der Wiedererhaltung des verlornen Lichts ſey .

Daß alle Ceremonien blos dahin abzies


len, uns im &uſſern Buchſtaben dieſen innern
Sinn -fennen zu lehren : und daß alle Religionen
einſt in eine einzige Religion, als den Mittel,
punkt aller Religionen zuſammenflieſſen werden.
Natur.

In Rückſicht der Natur lehrten die Mys


ſterien , daß die Natur das Organ der Gotts
heit fer .
17
Daß alle Welten Ausbreitungen einer ein .

sigen, nach Zweck ordnenden Vernunftskraft


fenen.
Daß die göttliche, geiſtige, elementariſche

und phyfirche Welt eben so genau miteinander


verbunden renen , wie Kraft, Organ , Form
und Kørper. -
Das
240

Daß die Gereße der Natur allgemein und


einfach renen.

Daß eine einzige gleichförmig wirkende


Materie in der Natur fen, die alles hervor,
bringt.

Daß alles in der Natur mehr oder weni.


ger Entwicklung dieſer Weren ſey ; - daß die

Vernunft nur durch Analogien zur reinen Ers


kenntniß aufſteigen kønne ;

Daß es endlich in ihren Myſterien eine


Univerſalform gebe, vermsg welcher die Vers
nunft Alles in Analogie bringe, und die hoch .
fte Erkenntniß erreichen könne, welche Univer .

ralform in dem innerſten Seiligthum der Ges


heimniſſe immer aufbehalten worden iſt.

Menr ch .

Der Menſch iſt Bild der Gottheit ; in

Betracht des Innern ein kleiner Gott ; - in


Detracht des Neuſſern eine kleine Welt.

Die höchſten Sträfte ſchlummern in ihm ,

1 und fønnen in ihm entwickelt werden .

Hochſte
241

Héchſte Glückſeligkeitdes Menſchengeſchlechts


ift Zweck der Sch &pfung.

Der Menſch beobachtet aber eine aufſtete


gende Ordnung zur Vollkommenheit.

Die Menſchheit hat alſo eine lange Pes


riode zu durchwandern, bis ſie zur Vollkommene
heit reift.

Sie muß verſtandig; fittlich und weſente


lich gut werden ; das will ragen : der Verſtand
des Menſchen , rein Herz und ſein Körper muſs
fen vervollkommnet werben.
1
Die Myſterien geben ihm die Mittel rei.
ner Vervollkommnung.

Dieſe beſtehen darinn, daß es ihm durch


diefelbe meglich wird -

Tein Begehren unbedingt der reinen Ver,


nunft
feinen Willen der Sittlichkeit, und

ſein Veränderliches dem Unver& nberlichen zu


unterwerfen .

Der Menſchheit hschſter Zweck der Fort.


fchreitung iſt innige Verbindung zwiſchen Gott,
der Natur und dem Menſchen ; oder : des Mens
16 ſchen
fchen Verbindung mit der Natur, und der Nas
tur mit Sott.

Die Mittel, diere Verbindung kennen zu


lernen , und ſie auszuüben, liegen im Heilig.
thum der Myſterien , von welchen der äuſſere
Kultus aller Religionen nur Sinnbild ift.

univerſu m .

Das Univerſum iſt das ganze Thätige ein .


wirkender Kräfte und aufnehmender Potenzen .

Es theilt fich in die Elementar · oder or .


ganifirende Natur- und in die pbyfirche oder
wirklich organiſirte Natur.

Die Elementarnatur bat ihr Prinzip, aus


welchem udes entſteht.

Dieſes Prinzip der Materie iſt mittheile


bar, befizt nur eine chimiſche Ausbehnung, ift
unveränderlich und unverweslich.

In der reinen oder organiſchen Welt iſt


Ades Leben und Unſterblichkeit ; überall ift Gleich

maaß der Kräfte, weil ſie durch gleichförmige


Bewegung
343

Bewegung eines immer gleichförmigen Weſens


regiert wird, welches Wefen, obwohl es erfchafe
fen iſt, doch von der heruntern Natur nicht ab.
hångt, ſondern unmittelbar mit der geiſtigen
und gåttlichen Welt verbunden iſt, und ſich zu

der geiſtig - und gåttlichen Welt verhält, wie


ſich die Form zur Wirkung und Kraft ver.
balt.

Dieſe organiſche Welt iſt das Produkt der


unverdorbenen Natur, wie die materielle Welt
das Produkt der verborbenen oder besorgani.
firten Natur ift.

Elend, Sterblichkeit, Auflsſung und Tod


liegen in der desorganiſirten Natur ; wie Une
ſterblichkeit und Fortbauer in der organiſchen ,
reinen Natur liegen .

Der materiellen Welt iſt Disproportion ,


Disharmonie, Unordnung eigen , ſo wie der
organiſchen Welt Proportion, Harmonie und
Ordnung.

Die materielle Welt iſt nicht bleibend ; fie

iſt beſtimmt in die vollkommnere, organiſche übers


zugehen .
Sie
244

Sie entſtund durch Zerrüttung des Gleich


maaſſes zwiſchen dem Erd • und Sonneniioff.

Sie hat eine beſondere Periode, und wird


in eine Lichtwelt verändert, ſobald der Sons
nenſtoff den Erdſtoff ins Gleichgewicht ſezt.

Es iſt ein immerwährendes Zunehmen des


Licht , oder Sonnenſtoffes in der Natur, und
ein gleichzeitiges Abnehmen des Erdſtoffes, wos
durch dieſe Welt fich zu der groffen Veränder

tung bef8btget.

Alle dieſe , und noch mehr intereffante


Syſteme haben wir aus den Myſierien der Al.

ten entwickelt, und gefunden , daß die Myſtes


rien aller siker in den Grundwahrheiten übers
einſtimmen , obwohl ſie in ihren Formen ver .

fchieden ſind.
Alein, ro intereſſant die Entdeckung vier
res - allgemeinen Lehrgebäudes der Myſterien
auch iſt, ſo fönnte man ſie doch noch immer
für eine Hypotheſe anſehen , wenn wir nicht
ebenfalls aus ihren Sieroglyphen die Sunft ges
funden håtten , ihre Vernunftsbehauptungen
durch Erfahrungen darzuthun, und dieſe Erfah ,
rungen
245

rungen ſind gewiß das Intereſſanteſte, was


wir unſerm Jahrhundert liefern kennen.

Dieſe Erfahrungen grunden fich auf die


Wiederentdeckung drener Grundwiſſenſchaften ,
wovon unſere Welt nichts mehr ahndete, und
durch welche dren Grundwiſſenſchaften alle abs
geleitete Wiſſenſchaften nothwendig eine ganz
andere Richtung bekommen müſſen.

In der innerſten Schule der Myfterien


wurde eine Univerſalform aufbehaltev , nach wels
djer die ganze Natur gebildet ift.

Vermog dieſer Univerſalform kann man


auf die einfachſte Art alle Sufzefſionen der
Natur kennen, und alle Weſenheiten beſtimmen
lernen , die in Zeit und Raum erſcheinen.

Dieſe liniverſalform zeigt uns, daß alle

Wiſſenſchaften Verbindungskunden ſind, als ;

Verbindungskunde der Ideen,

Verbindungskunde der Wirkungen ,

Verbindungskunde der Formen ,


Verbindungskunde der Subſtanzen.
Alle
*
246

ude dieſe Wiſſenſchaften haben nur eine


Form, nur ein Medium , und nur eine Mes
thode, bilden daher eine Univerſalwiſſenſchaft
aller Dinge, vermog welcher Wiſſenſchaft alle
Gegen nde des menſchlichen Verſtandes auf die
einfachſte Weiſe zum Berſtande gebracht und
erfannt werden können.

Wir können durch Erfahrungen beweiſen ,


daß durch dieſe Univerſalform und Methode die
abſtrakteſten Gegenſtånde mit Gründlichkeit be
antwortet werden können ; man kann den 3u
ſammenhang aller Wiſſenſchaften entdecken, un.
befannte Wahrheiten ſich bekannt machen , und
wie wir bisher blos durch Zufall erfunden has
ben , ſo können wir durch dieſe Univerſalform
nach Grundfågen erfinden .

Dieſe Form und Methobe zeigt uns, daß


alle frrthümer im Mangel der richtigen Ver.
bindung, und alle Wahrheiten in der Verbin .
dung felbft liegen . So fanden wir, daß es
ein allgemeines Naturgerek feyn muiffe, überalli
das Medium aufzuſuchen , wodurch zwen Extreme
verbunden
247

verbunden , und ein vollſtändiges Satzes ergwede


werden kann .

Dieſes Fundamentalgerek wand ich aus


der Chimie an, und war ſo glücklich , die zwen
Naturextreme und das Medium zu finden, das
fie vereinet.

Aus allen dem Vorgeſezten zweifte ich


.
nicht, daß der Denfer ſehr deutliche Begriffe
von dem allgemeinen Naturſubſtrat erhalten
werde : follte aber der tiefere Forſcher noch je
einen Anſtand haben, ſo wird ihm derſelbe viele
leicht dadurch benommen werden, daß ich ers
klåre, auf welche Art der Naturſchwefel und
der Naturſtoff auf das Leichteſte zu erhalten iſt.

Sinal
348

Finalunterricht
den

Naturſchwefel und den Naturſtoff auf das Reichs


teſte zu erhalten .

So ch habe in dem Vorausgeſezten erklärt, daß


der Naturfchwefel und Sonnenſtoff anonym

find ; fo wie der Erdſtoff und Naturſtoff. Um


fich von dieſer Wahrheit zu überzeugen , muß
man Hand ans Werk legen, und die Arbeit und
Praktic belehrt uns ſelbſt des Mehrern .

Der Naturſchwefel fann am leichteſten


und am meiſten aus dem Phosphor erhalten
werden : man muß aber den Phosphor nicht
für den Naturſchwefel anſehen, es wäre dieſer
Begriff hochſt unrichtig : der Phosphor iſt aber
die Materie, aus der der Naturſchwefel am
leichteſten abgeſchieden werden kann .

Man nimmt eine Portion Phosphor, und


legt denſelben in eine Schüſſel von Porzellan,
!
nachdem man über dieſelbe eine geräumige
Glass
249

Glasgloce geſtürzt, und die Fugen um die Glos


cke mit naſſen Servietten vermacht hat, zündet
man durch eine Erhitung des Phosphors uns
1
ter der porzellanenen Schüſſel denſelben an,
ſogleich wird ſich der Phosphor entzunden, und
die ganze Glocke wird voll eines ſchneeweiſſen
Rauches werden ; man wartet ab, bis dieſer
weiſſe Rauch ſich ſelbſt verzehrt, alsdann nimmt
man behutſam die Glocke herab und beobachtet,
ob der Phosphor fich gånglich verbrennt hat,
welches man am leichteſten ſehen kann, wenn
fich in der Mitte eine dicke weiſſe Maſſa be :
findet, welche anzeigt, daß er ſich noch nicht
gänzlich verzehrt hat ; dieſe weiſſe Marſa.bes
rührt man mit einem hölzernen Stempel, und
frazt dieſelbe auf , ſie wird fich entzünden, und
man ſtürzt die Glocke wieder darüber ; iſt aber
alles conſumirt, ſo wird man beobachten, daß
ſich rings um das ganze Gefaß und die Glocke
der Phosphor ſublimirt bat ; in der höchs
ften Ausdehnung wird man weiffe Flores wie
Wole reben : in der mittlern gelbe und oran.
genfarbige, und wo die Concentration am ſtärks
ften war, purpurrothe Flores : man ſchittet reia
nes
250

nes, verſteht fich, faltes Waflet in die Gloi


de, und in die Schüſſel, und ſpühlt fie rein
aus, das ganze Waffer wird gelb werden ;
man låßt es ruhig ſtehen , und es wird fich ein
gelbes Pulver zu Boden reßen , welches der
wahre Naturſchwefel iſt und ganz beſondere
Eigenſchaften enthält.

Wenn man Körper, die man in die fein .


fte mechaniſche Theilung zuerſt gebracht hat,
mit dieſem Waſſer, das man wohl umrütteln
muß , imbibirt, ſie wieder austrocknen läßtı
wieder imbibirt, ſo werden ſie zulezt im war .
men Waſſer radikal auflisbar, und man erhale
aus allen Körpern eine beſtimmte Quantitat
Naturſtoff und Naturſchwefel, welche Quantis
tåt man genau beſtimmen kann , wenn man die
Duantitåt des zur Auflsſung gebrauchten Natur .
fchwefels wieder abrochnet. Dieſer Naturſchwe.
fel laßt fich aber in ſeiner wahren Natur, als
verk&rpert, nur im Waſſer erhalten , denn das 2
Waffer iſt ein Compofitum , vereinigte richte
und Lebensluft; fo kann der Naturſchwefel, weil
die ausdehnende und anziehende Kraft im Wars
fer
251

Per im Gleichgewicht iſt, zu feiner Berånden


rung determinirt werden .

Er verändert ſich aber im Augenblick in


der Luft, in welcher er fich als phosphoriſche
Såure darſtellt, die von der Phosphorfåure, wie
Marveaux ſchon bemerket hat, ſehr verſchieden
iſt, und auch wieder ganz andere Eigenſchaften ,
als der Phosphorfchwefel beſigt. Seine Vers
ånderungen find ſo vielfältig, als die Manich .
faltigkeit der Natur, und die verſchiedenen Vers

ånderungen , die die Körper bis zu ihrer gånga


lichen Zerſegung durchwandeln, übertreffen alle
Erwartungen .

Dieſer nåmliche Naturſchwefel, von wel.


chem wir umſtändlich ſprachen, kann durch Ko.
chung zum Naturſtoff verwandelt werden, der
dann die einſchränfende Kraft befizt, wie der
Naturſchwefel die Ausdehnende.

In der ganzen Natur iſt alſo eine be.


ſtåndige Circulation dieſer zwen. Grundſtoffe, die
!
in ſich nur eine Materie ſind, und durch Ausbeh ."
nung und Concentration dieſer Stoffe erſcheint
und verſchwindet die Manichfaltigkeit der Weſen.

Der
252

Der Feuerſtoff und Erdſtoff werden ins


mer durch Luft und Waſſer modificirt, und ſo er .
folgen die unzähligen Erſcheinungen, gleich uns
endlichen Zahlen, welchen eine einzige Einheit
zu Grunde liegt, aus der alle ausgehen.

Ich habe genug geſagt, jeder, der die


Natur liebt, kann nun felbft Verſuche machen ;
nur iſt gewiß, daß der Phosphorſchwefel und
der Sdywefel, der aus den fumpfigten Waſſern
abgeſondert wird, der nåmliche iſt.

Die Strahlen der Sonne, wenn ſie durch


Brennglåſer geſammelt werden, ſtellen den nåm.
lichen Schwefel dar : auch iſt die Grundlage

des Weins dieſer nåmliche Stoff.

Erfahrunge 11.

u e beto as Du e ok rilber.

Die Flüſſigkeit des Queckfilbers, und feine


höchſte Flüchtigkeit rührt von dem phosphoriſchen
Schwefel ber , den das Queckſilber enthält..
Wird dieſer Schwefel dem Quedfilber entzogen,
fo verliehrt es feine Flüchtigkeit.
Dieſer
253

Dieſer Alles durchdringende Schwefel iſt


die Urſache, warum das Queckfilber bey den
veneriſchen Krankheiten mit gutem Erfolg iſt
angewendet worden.

Die Stranken werden aber geſchwind und

radikal curirt, wenn man dieſen Schwefel als


lein anwendet : der wahre Merkurialſchwefel
kann in der Geſtalt eines leuchtenden Dehls

dargeſtellt werden, das an Süffigfeit den Zus


cker libertrift, und eben dieſes Dehl iſt das
heilſamſte Mittel wider viele Krankheiten .

Wenn man Eiſenshl auf das Queckſilber


tropfelt, ſo zieht ſich die Oberfläche deſſelben zur
ſammen, und es erſcheinen verſchiedene Fars
ben : wenn das Queckſilber breyartig wird,
überſezt man ſolches mit Phosphorſchwefel, und
låßt es digeriren ; alsdann übergieſſet man die
Maſſa einen Finger hoch mit Phosphorfáure,
und läßt das Gemengfel einige Wochen , wohl

verſtopft; ruhig ſiehen. Es bildet ſich nach eis


nem Monat ein ganz beſonderes Salz, welches
das Glas penetrirt, und ſich auf der äuſſern
Seite in Flocken anlegt ; dieſes Salz hat ganz
beson .
*
254

beſondere Wirkungen ; ſie ſind unglaubbar, wenn


1 nicht die Erfahrung Jeden ſelbſt davon über .
zeugt.

Verſuch mit dem Antimonio.

Wenn man gepulvertes Antimonium Cru .


dum nimmt, ſolches mit Naturſchwefel eintrånft,
und alsdann etwas Waſſer, ſogleich aber dars
auf rectificirten Weingeift ſchüttet, fo entſteht
eine ſehr ſchone Erſcheinung ; der Schwefel
zeigt ſich in der lebhafteſten Bewegung in kleis
nen orangenfarbigen Pünktchen , dieſe verbin
den ſich mit einem in dem Antimonio enthalte,

nen Beſtandtheil, und verwandeln ſich in mes


taliſche Goldóund Silberartige Kerperchen, die

fich im Waſſer unverändert erhalten , in der


Luft aber ihre Metallität spieber verlieren.
Die Frage iſt :

Welches iſt der Beſtandtheil, den der Naturs


fchwefel im Waſſer aus dem Antimonio
aufnimmt ? Und welches iſt die Subſtang
in der Luft, die ihm dieſen Beſtandtheil ,
entzieht ?
Zur
255

Zur Beantwortung dieſer Fragen könnte


eine andere Erfahrung eine Erleichterung geben ;
dieſe Erfahrung beſteht darinn, daß fich dieſe
matalliſche Körperchen in der deflammablen Luft
obne Veränderung erhalten.

Anweis
256

A n wetrung,
den

einſchrånkenden Stoff aus dem Eiſen zu ziehen .

an nimmt fein zu Pulver zerriebene Eiſens

feile; imbibirt ſie mit dem oben angezeigten


Naturſchwefel ; nach einigen Stunden fångt das 1
Eiſen an, ſich in eine weiſſe Materie aufguls.
fen , man imbibirt es wieder, låßt es wieder
austrocknen , bis endlich das ganze Eiſen in
ein fchneeweiſſes Pulver verkehrt iſt. —

Dieſes Pulver iſt der Grund des Eiſens,


1
( einſchränkende Materie), und thut die herrlichs
ſten Dienſte in jedem Falle, wo Einſchränkung
nothwendig iſt.

Ein Viertel Loth dieſer einſchränkenden


Erde, vermiſcht mit zwer Maaß Waſſer, iſt tref.
lich fir alle Brandſchåben , wenn man les
berſchläge damit macht.

Sind die Brandwunden tief, ſo daß eine


Eſchera fich auf denſelben befindet, ſo vermengt
man
257

man dieſes Pulver mit Mandeldhl. Man muß


die Quantitat deſſelben ſowohl, als das Medi:
um, worinn man daſſelbige anwendet, nach Zeit
und Ilmſtånden modificiren .

Wenn man weiffen Meyrauch ftoft, den .


ſelben ebenfalls mit Naturſchwefel einige Tage
imbibirt, dann mit ſehr viel Wafer diluirt,
dieſes Waffer abbiſtilirt, ro erhält man ein
berrliches Mittel fiir den Beinfraß, es iſt gut
für Zahnweh, und reiniger die Wunden .
.

Weitere Erfahrungen über den aus dem


Eiſen gezogenen Naturſtoff.

Die Eigenſchaften des aus dem Eiſen ge .


zogenen Naturſtoffes find beſonders folgende:

Er beſigt die höchſte zuſammenzichende


Straft, er iſt Feuerbeſtändig, mit Naturſchwe,
fel übergoffen, wohl ausgetrocknet, und in die
Wärme geſtellt, - verwandelt er ſich in eine ch .
lichte Materie, die in der Kålte Pechartig wird; -
dieſe Materie verwandelt ſich in der Gluth

zu Sohle - und dieſe Kohle, wenn ſie in Pule


17 ber
258

ver gerieben und mit Waſſer diluirt wird, wors


inn etwas Weingeiſt iſt, nimmt die Geſtalt der
weiſſen Erde wieder an.

Mir iſt dieſe einſchränkende Erde wahrer

Naturſtoff. Nach der neuen Chimie unſers Zeit.


alters wollte ich fie Kohlenſtoff nennen.
iſt nehmlich das Innerſte der Sohle.

Diere von mir oft wiederholte Erfahrung


wird den Denfer vielleicht über die Entſtehung
der Koble, des Dehls - und der Alkalien auf
flåren . - Da ich dieſen einſchränkenden Stoff

in allen Körpern als die Grundlage fand , po bin


ich allerdings berechtigt, denſelben als die Ba.
fis der Körper anzunehmen. - Er in fich felbft
ift Feuerbeſtandig, ſo lang als er nicht von dem
Naturſchwefel überwogen wird.

Wird ein Theil Naturſchwefel hinzugea


than, ro aber, daß die einſchränkende Macht des
Naturftoffes die ausdehnende des Schwefels über .

4 wiegt, ſo entſteht ein Dehl, wenn der Schwei


fel als ausdehnend wirken kann ; wirkt der Nas
turſtoff als zuſammenziehend, ſo wird und ents
ſteht ein Harz. -
Siird
259

Wird das Dehl, welches in ſich der im erſten


Grab durch den Naturſchwefel ausgebehnte Natur
ſtoff ift, durchs Feuer behandelt ; fo entflieht eine
Portion des Naturſchwefels, und die übrige gang
eingeſchränkte Portion erſcheinet als Kohle ; wird
dieſe mit Weingeift ausgedehnt, ſo daß der in der
Kohle gebundene Naturſchwefel fich losmachen
kann ; ſo iſt der Rückſtand - wieder Kohlenſtoff
Subſtrat der Weſen .

Wird der Naturſchwefel, der durch Ausdeh .


nung des Naturſtoffes das Dehl bildet, in Etwas
mehr eingeſchränkt, ſo entſteht Saife . — So
find die erſten Naturerſcheinungen immer Kohle ;
Fette, Saife, und dieſen erſten Erſcheinungen
liegt blos die mehrere oder mindere Quantis

tåt zwiſchen Naturſtoff und Naturſchwefel zu


Grunde.

Nach den angezeigten Wegen wird es einem


Naturforſcher nicht ſchwer renn, durch verſchiedene
Quantitäten zipiſchen dem Naturſtoff und dem Na .
turſchwefel die ganze Scala der Körper; in auf
und abſteigender Ordnung zu finden . Denn nach
den Quantitäten dieſer zwey Stoffe verhalten fich
die
260

die Formen , und nach den Formen die Qualitäten


der Körper.

Um ein anſchauliches Benſpiel zu geben ,


ſo wäre das Verhältniß der Natur folgen .
bes :

Aus dem Eiſen, als einer einzigen Ma.


terie laſſen ſich durch Ausdehnung und Concens
tration verſchiedene Inſtrumente formen, als
Håmmer, @ ågen - Borer - Zangen, ſie ſind
in ihren Formen und Wirkungen verſchieden ,
obwohl ſie aus einer einzigen Materie find .

So iſt in der Natur eine Univerſalmaterie


der Naturſtoff, aus der das aktive Prinzip ,
oder der Naturſchwefel, die Manichfaltigkeit der
Formen erzeugt, welcher Manichfaltigkeit der
Formen die Derſchiedenheit der Qualitåten ins
håriren ; Alles kommt aber aus Einem .

Es iſt genug geſagt, und die Wege zum


Tempel der Geheimniſſe der Natur : find gez
zeigt. ..

In dieſen Sempel kann der Menſch nur bea


1
trachten - wứnſchen ; an dieſen Tempel fteht aber:

noch ein prächtigerer, der Tempel der Bernunft;


und
261

und an diefem das prächtigſte, das innerſte Heis


ligthum . Zu dieſem hat aber nur Einer den
Schlüffel, und kein Sterblicher dringt ohne Ihn
bahin . Der, der den Schlüſſel ins Innerſte
hat, nennt ſich

Der Weg- die Wahrheit - Das Leben


das Licht, das in der Finſterniß leuchtet, und
das die Finſterniſſe nicht begreiffen.

Neue
262

Neue Erfahrungen
über

den phosphor oder Naturſchwefel.

Mar
an nimmt Mandelshl, und tr &pfelt ſolches
langſam in ein Glas, das mit gutem rothen
Wein gefůdt ift, das Mandelshl ſezt fich lang ,
fam zu Boden, man ſchüttet dann ſchnell einige
Lffel voll in Waſſer aufbehaltenen Phosphors
ſchwefels hinzu.
Erſcheinung.

Der Phosphorſchwefel wird fich fogleich


mit dem im Grunde des Gefäffes rich befin .
denden Mandeldhl verbinden, und es werden
eine Menge Gold , und Silberartige. Kügelchen
erſcheinen , die nach und nach wie orientaliſche
Perlen ausſehen. Man rúttle das Gefäß ſtarf,
und die ganze Maffa wird wie eine Saife wers
ben. Man laſſe dieſe Saife einige Wochen $

ruhig ſtehen, der Wein wird fich verdicken und


1 wie Glut fich darſtellen. Man rúttle das Ges
fås
263

fåß wieder, und laſſe es wieder ſtehen . Der


Wein tpird nach und nach klar werden, das
Dehl wird in einer ganz veränderten Geſtalt
ſich in die Hdhe empor fchwingen , und zwiſchen
dem Dehl und dem Wein wird eine dicke
jåhe Haut erſcheinen , die wie gediegenes Gold
ausſieht. Schütte in dieſe Solution einige
Tropfen Salmiafgeiſt. Die Erſcheinung wird
fich in eine graue Maſſa verwandeln ; laß dieſe
Maſſa einige Tage ſtehen. Das Dehl wird
fich abſondern, der zurück gebliebene Rückſtand
ift Kohle und Saife.

Dieſes Gemengſel iſt ein herrliches Aufo


Isſungsmittel und man kann, den hartnå
digſten Revmatismus heilen , wenn man die
franken Slieder damit ſchmiert. Låft man dieſe
Maſſa austrocknen , ſo wird ſie zu einem Pub.
ver, das , wenn es in verſchloſſenen Gefäfſen
. geſchmolzen und vorſichtig mit Sohlengeſtieb
traktirt wird, metalliſche Körnchen giebt, wenn
die Schmelzung gehårig vorgegangen.

Ich bitte den Denfer, dieſe Erſcheinungen


feines reifern Nachſinnens würdig zu halten .

Weis
264

Weitere Erfahrung.
Wenn ein Stück Phosphor in Effig geo
fotten wird, ſo wird der Eſg dunkelbraun , rau .
chet wie Vitrioidhl, und leuchtet im Dunklen.
Dieſer Eng hat ganz beſondere Eigenſchaften ,
wenn man ihn zu Zerſeßung verſchiedener Koro
per anwendet . Man muß aber behutſam ben
dieſer Operation reyn, daß man den Eng nicht
abſchüttet, bis alles ſehr wohl erkaltet iſt ; denn
es wiirde fich ſonſt der im Grunde fich befin
dende Phosphor entzunden .

Wenn fich eine phosphoriſche Materie


entzündet, ſo darf man nie mit Waſſer zu Hilfe
kommen , man wurde eine Detonation bewurken.
Man muß nur immer gröſſere Gefäſſe ben Han .
den haben , die man uber de anderen ſtürzen
kann, um das Feuer zu erſticken . Im Phos.
phor liegt nur die Feuererregbarkeit, der Feuer,
reiz liegt in der Luft, und kann daher, wenn
der Phosphor mit andern Körpern behandelt
wird , abgeſchnitten werden.

Der Phosphor aber, in ſich ſelbſt, vereint


Reiz und Erregbarkeit, und iſt, wenn die Ento

gün.
265

zündung einen gewiſſen Srað erreicht hat, nicht


mehr auszulöſchen .

Weitere Erfahrung.

Man weiß , daß wenn man Queckfilber in


Waſſer kochet, dieſe Subſtanz etwas im Waſſer
abfeßet, das ſeine Eigenſchaft verändert.

Das Queckſilber, welches aber nichts an


ſeiner Sdwere verliert, muß aus der Luft, oder
anders wober den abgerezten Theil wieder auf
nehmen.

Der Phosphor hat die nehmliche Eigen.


fchaft, wenn man ihn im Waſſer kocht, derån.
dert er die Eigenſchaften des Waſſers ganz
beſonders , und verliehrt ebenfalls nichts an
ſeinem Gewichte.

Da meine Freunde dieſes Waffer mit dem


glücklichſten Erfolg ben veneriſchen Krankheiten
angewendet haben , könnten die Beſtandtheile,
die das Dueckſilber beym Kochen ins Waſſer

abgiebt, nicht die nehmlichen reyn , die der


Phosphor abgiebt ? Iſt nur eine Frage.
Beym
266

Beym Kochen wird der Feuerſtoff concen .


tritt und der Lichtſtoff frey...

Diefer lichtſtoff wird daher rowohl vom


Phosphor, als vom Queckſilber ins Waſſer ab.
gegeben.

Ben der Erkältung des Phosphors und


Queckſilbers wird der mangelnde lichtſtoff durch
die Attraktion wieder erregt. So verliehrt keis
ner dieſer Kørper an Schwere.

Da der Lichtſtoff bey veneriſchen Krank.


heiten alſo das Heilende iſt, fo muß ben der
Anſteckung dieſer Lichtſtoff entzogen werden,
denn die Natur heilet nur, wenn ſie das wie.
der mütterlich mittheilet, was wir durch Un .
ordnung unſrer Sinnlichkeit verſchwendet has

ben , aber was uns geraubt worden iſt.

Wir ſind erregbare Weren , durch Reize


leben wir , das Zuviel der Reize conſumirt
unſere Stoffe, zu wenig Reize verwehren die
Erregbarkeit, das Sleidmaas der Reise ift
die Bafis, darauf ruhet das Gebäude der Heils
funde.

Eine
267

Ein e goed
über

das phyfiſche und metaphyfiſche Prinzipium .

Allee
des das Vorhergehende hat uns überzeugt,
,
daß in der Materie alle Materie iſt. Die mas
terie theilt ſich aber in die theilbare, gerſtørs
bare, und in die untheilbare und unzerſtårbare.
Bende ſind Subſtanzen , die erſte iſt die verwes,
liche Subſtanz, die zweyte die unverwesliche.

Dieſe unverwesliche Subſtanz iſt das Prins,


zipium Methaphyfikum , wie die verwesliche
Subſtanz das Prinzipium phyſikum ift.

Wie eine Kraft ohne Organ, eine Urfa.


che ohne Wirkung unbegreiflich ift ; eben fo
wäre es ein Geift, der in fich nur eine Kraft
ift. Die Begriffe, die fich die Menſchen bis.
her von einem Geiſte gemacht haben , ſind den
Begriffen gleich, die man fich von einer Urfae,

che macht, von der man keine Wirkung weiß,


oder von einer Kraft, die fein Organ hat.
Alles
968

Alles in der Schöpfung iſt Weſenheit,

Subſtanz, Begreiflichkeit, daher unterſcheidet die


Schrift fehr ſchon die Gottheit aufler der

Natur, und die Gottheit in der Natur. Die


Gottheit auſſer: der Natur iſt für den Menſchen
unbegreiflich , die Gottheit in der Natur iſt Wer
fenheit , wie das Organ , worinn eine Kraft
tpirkt, Befenheit iſt : die Wefenheit oder die
Organe der Kräfte find aber unterſchieden , nach .
dem fie nehmlich mit dem Unverwveslichen und
Fortdaurenden, oder mit dem Verweslichen und
Zerſtørbaren bekleidet ſind.

Kräfte, die mit der unverweslichen Subſtanz


Bekleidet fins, nenne ich Geiſter, und nach
der höhern Ordnung dieſe betrachtet, - Engel.

Kräfte , bekleidet mit doppelten Subſtanzen,


als der unverweslichen und verweslichen , find
wir Menſchen ; die vermesliche Subſtanz macht
ihren Kørper, die unberwesliche iſt das Kleid bes
Geiſtes oder die Seele.

Es iſt nicht ſchwer, das Commerzium ber


Seele mit dem Körper zu erklären , wenn man
die unverwesliche und verwesliche Subſtanz fennt;
das
269

das heißt das Prinzipium Phyſikum und Metas


phyfifum .
Zwiſchen Geiſtigkeit und Körperlichkeit ift
eine Stluft, wie zwiſchen Kraft und Form,
Urfach und Reſultat.

Kraft und Form wird begreiflich durch das


Drgan , Urſache und Reſultat durch die Wir.
kung, Geiſtigkeit und Körperlichkeit durch das
Medium, das zwiſchen benden liegt.
Sich in der Natur einen Geiſt ohne Organ

zu denken, iſt ſo ungereimt, als ſich bey der wirke


lichen Exiſtenz eines Zirkels keinen Mittelpunkt
ohne Radium zu denken.
Ali Sobald der Zirkel eriftict, ſo iſt die Eris
ſtenz des Punkts: durch den Radius moniſiſtirt.

Sobald eine Form iſt, po iſt das Organ


der Kraft nothwendig ;

Sobald es Welten giebt, fo wirken die

geiſtigen Kräfte in Organen.


e sich einen Geift denken mit einem theil
baren Korper, hieße: fich einen Punft, ver .
einet mit der Peripherie, denken ohne Radius. -
Eine gånzliche Unmöglichkeit in der Eriſteng.
Das
270

Das Prinzipium metaphyfifum iſt mit dem


geiſtigen Prinzipio immer vereint, wie es die
Urſache mit der Wirkung, die Kraft mit dem
Drgan iſt.

Durch das Prinzipium phyficum iſt das


metaphyſiſche Prinzipium eingeſchränkt, das Un.
theilbare durchs Theilbare, das Unſterbliche durchs
Sterbliche. —

Das methaphyfiſche Prinzipium iſt aber


"unjerſtörbar, daher dauert es fort, auch wenn
es dem Band der Materie entriſſen iſt.

Das phyſiſche Prinzipium im Menſchen


iſt das Centrum feiner Empfindungen ; das mes
taphyſiſche Prinzipium das Centrum ſeiner geis
ſtigen Gefühle; das gåttliche endlich mit dem

geiſtigen vereinigte Prinzipium iſt das Centrum


Feiner geiſtigen Kräfte.

Mit dem phyfiſchen materiellen Prinzipio


verſchwinden die ſinnlichen Empfindungen, Ges
fühle aber und Ideen bleiben der Unſterblich .
feit. Geiſter fühlen und denken , nur empfin .
den ſie nicht finnlich, weil ſinnliches Empfin .
den
i 271

ben der Materie , die zerftSrbar iſt, blos eigen


ſeyn kann. -

Derjenige, der behaupten würde, die Seer


len der Menſchen dauerten nach dem Tode nicht
fort, würde eben fo viel behaupten , als der,
der ſagen würde : wenn alle Menſchen fich
auskleiden würden , ſo exiftirten keine Menſchen

mehr.

Die Urſache des Irrthums liegt barinn ,


weil die Menſchen das lichtorgan nicht kens
nen, womit der Seift des Menſchen innigft
verbunden iſt. Dieſes Lichtorgan iſt eine reelle
Weſenheit, obwohl ſie ſich unſern gröbern Sin.
nen entzieht. Ich ſage den gröbern Sinnen ,
denn vielleicht giebt es doch ein Mittel und
eine Methode, nach der eine Brille ( wie Uſmus
ſagt) geſchliffen werden kann, um ins Geiſters
reich hin zu blicken , die vielleicht zu feiner Zeit
der Welt näher befannt werden wird . -

In der groben Materie, ift Alles grobe


Materie ; in der dunklen Materie, ift Ades duns
kel ; wie in der feinen Materte Alles fein , im

Licht Alles Licht iſt. -

Um
272

Um aber die Wörter zu unterſcheiden , ſo


will ich den Namen Materie, blos der verwer
lichen theilbaren Subſtanz beylegen ; die un.
verwesliche, untheilbare Subſtanz - will ich
organiſches Weſen nennen, das Lichtkleid der

geiſtigen Kräfte.

Ueber
273

Ueber die anſteckenden Seuchen .

8 find 3 Grundurſachen aller Anſteckungs.


Seuchen .

Der anſteckende Giftfaamen iſt entweder

1. entziindend, oder
2. faulend, oder
3. coroſiv.

Der entzündende wirkt auf die im Blut


fich befindenden Feuertheilchen ; — Uebermaaß
an Naturſchwefel.

Der faulende wirkt auf die flüſſigen Thei.


le ; - hier iſt Mangel an Nadifalfeuchtigkeit.
Der coroſive beſteht in der Disproportion des
Erdſtoffes mit dem Naturſchwefel, wodurch ein
coroſives Salz entſtehet.

Wärme, Radikalfeuchtigkeit, Naturſtoff er.


halten das Leben, wenn ſie in ihrer Reinheit
find.
18 Wärme
-*
274

Wärme giebt Leben, Bewegung ; die Rar


dikalfeuchtigkeit ungehemmten Umlauf der Säfte ;
Naturſtoff Feſtigkeit der Theile .

Leben iſt eine fanfte Erwärmung ;, der Ans


fang des Todes eine Verbrennung ; geht die
Verbrennung in den luftförmigen, gasartigen
Subſtanzen vor, - To wird ſie Entzündung ges
nannt ; geht die Entzündung in den måſferich .
ten Subſtanzen vor, ſo iſt ſie ein ſtilles Ders
brennen, die man fåulniß nennet ; greift die Ents
zündung die irdiſchen Stoffe an ; ſo entſtehen
um ſich freſſende Geſchwüre.

Sebe anſteckende Seuche greift daher ent.


weder durch Entzündung die Blutmaſſa, oder
durch Fåulniß die limphatiſchen Theile, oder
durch Zerfreſſing, bosartige Geſchwüre, die
ſoliden Theile an.

Im erſten Grad fißet das Uebel blos im


Blut ; in zweyten Grab - iſt das Uebel im
Blut und in der kimpha ; im dritten Grad iſt
das Blut, die Limpha und der Stoff ſchon ans
gegriffen, und die Seuche die gefährlichſte.

Der
275

Der Giftſtoff in den Seuchen iſt eine


wirkliche Subſtanz, die entweder als entzuns
dend, oder als faulend, oder als coroſio wirft.

Der Giftſtoff kann durch die Generation forte


gepflanzt werden, ſobald er animaliſirt worden iſt.

Der Giftſtoff kann Jahrhunderte durch in


der Luft von einer Gegend in die andere ges
bracht werden, bis er gånzlich zerſezt wird .
Da aber aller Grund der entſtehenden Sew

chen eine Art von Verbrennen iſt, welche im


gasförmigen Zuſtand Entzündung,
im flüffigen - Faulung
im ſoliden Umherfreſſung

Verzehrung
genannt wird, ro Peben wir leicht ein, daß die
verſchiedenen Grade blos Modification eines eine
zigen Grundſtoffes find, der der Grundſtoff aller
Seuchen und das Verzehrende Prinzip ober
Feuerſtoff iſt.

Diefer Feuerſtoff oder Seuchenſtoff wird


durch das Uebermaas der Feuermaterie ( ich ſage
NB . nicht Wärmematerie) gebildet. Es ent.

ſteht Ueberfluß an Seuererregbarkeit.


uten
276

Auen anſteckenden Seuchen liegt daher

Ueberfluß an Feuererregbarkeit zu Grunde ;


folglich Mangel an Licht, oder Stålteſtoff.
Die Wahrheit dieſes Sages beſtårkt ſich
fchon dadurch, weil die allgemeine Beobach .
tung giebt, daß die anſteckenden Krankheiten , mit

der zunehmenden Wärme, fich vermehren , und


bey der Kålte ſich wieder vermindern.
Wo alſo Ueberfluß an Feuerſtoff iſt, da
iſt Mangel an Kålteſtoff, und wie der Feuer,
ſtoff die Urſache der Krankheit in dieſem Falle
iſt, ſo muß hingegen nothwendig im Kälte oder

Lichtſtoff die Heilung liegen .


Die ganze Theorie der Heilungskunde kann
auf folche Art mit dem Gefeße des Lebens und

der Produktion der Natur analogirt werden.


Das Syſtem wåre folgendes :
I. Die Erregbarkeit im menſchlichen Körper

liegt im Licht - oder Stålteſtoff , der


fich dreyfach modifizirt, und ſich
a . im gasförmigen,
1 b . im flüffigen ,
c. im ſoliden Zuſtande
äuſſert, aber überall der nåmliche Stoff iſt.
Das
277

Das Reizende im Menſchen iſt der Feuer,


fioff ; der ſich ebenfalls drénfach modifizirt.

im gas , und luftförmigen Zuſtand,

im flüſſigen ,

im ſoliden.
Die Proportion zwiſchen Reiz und Er.
regbarkeit macht die Geſundheit. Dieſe Pro.
portion beſteht in dem gleichheitlichen Verhalt
niſſe zweyer Grundſtoffe, als in der richtigen
Proportion zwiſchen dem Feuer und Lichtſtoff

der Körper.
Dieſe Proportion erzeugt gleichartige Bea
wegung, Wärme, leben.

Die Disproportion erzeugt Feuer -- Kåls $


te, oder Uebermaaß an Feuerſtoff, Uebers
maaß an Reiz - Uebermaaß an Kålteſtoff, d. i.

Uebermaaß an Erregbarkeit, oder nach Browner,


ftheniſche und aſtheniſche Krankheiten .

Keine Krankheit iſt alſo moglich , ro lang


das Gleichgewicht zwiſchen Reiz und Erregbars
keit herrſcht, d. i . ſo lang der Feuerſtoff und

Kälteſtoff in Proportion ſind.


SKO
278

Wo fich die Reiſe mehren , iſt Sonſuma


tion der Erregbarkeit nothwendig .

Wo die Erregbarkeit überhand nimmt,


ift Konſumtion der Reize nothwendig , d. i . wo
der Feuerſtoff überhand nimmt, leidet der Licht.
ſtoff, weil er verzehrt wird ; — wo der Lichts
ſtoff überhand nimmt, leidet der Feuerſtoff, weil
er eingeſchränkt wird,

Die verſchiedenen Grade der Konſumtion


des Reizes oder der Erregbarkeit machen die
Mannichfaltigkeit der Krankheiten.

Der Krankheit Anfang liegt entweder


I. in den Sträften oder im Verhältniß der

Prinzipien im gasférmigen Zuſtande,


2. oder in den Flüſſigkeiten ,

3. oder in den foliden Theilen.

Als 2 Grundkrankheiten f8nnen das Ento


zündungsfieber und die Waſſerſucht angeſehen
werden.

Beym Entzündungsfieber iſt Uebermaaß der


Reize :

Eey der Wafferſucht Mangel an Reigena

Alle

1
279

Ade Strankheiten insgeſammt fann man in


Blutfrankheiten , Limphatiſche Krankheiten, und
in Krankheiten, wobey die Formen angegrif

fen werden ejntheilen .

Die Blutkrankheiten .

Verdickung des Gevlüts, Zähwerdung des


Sebluits.

Auflsſiing des Geblüts .

Scharfwerden des Geblüts .

Limphatiſche Krankheiten .

Verdickung der fimpha.

Auflsſung der Limpha.

Strankheiten der ſoliden Theile.

Auflsſung - Fäulniß .
Verhärtung ---- Skiroſitat.

Wenn das Blut zu ſehr ausgedehnt


wird, ro verdickt ſich die kimpha, und die
ver:
1
280

verdickte fimpha befördert die Äuflsſung der


Form .

Wir beobachten diere Wahrheit im Blut


ben Entzündungsfrankheiten, wo die verdickte
kimpha die cruſtam inflammatoriam bildet.

Wo das Geblüt verdickt wird, dehnt ſich

die Limpha aus, und die Form wird verhärtet .

Wenn im Blut zu viele Reize find, ro


find deren in der kimpha, als in dem Me.
dium, zu wenig, und eben darum wird das
zweyte Extrem wieder zu viel gereizet, und ſo
umgekehrt.

Der Arzt rod rein ganzes Augenmerk auf


das Medium oder die flüſſigen Theile heften ,
denn die flüſſigen und firen Theile werden das
durch determinirt.

Der Arzt, der auf das Intermedium, auf


die Flüſſigkeit wirken kann, ohne Rückſicht auf
die Extreme zu haben, iſt der gršßte Meiſter
in ſeiner Wiſſenſchaft; aber auch durch die Ere
treme kann auf das Medium gewirkt werden,
wie durchs Leuſſere auf das Innere.

Betve
281

Bewegung und Ruhe geben uns hievon


Zeugniß ; Ades aber beruhet auf dem Plus oder
Minus der zwey Grundſtoffe.

Ster 6 l ich te i t.

Die Möglichkeit der Aufleſung und des


Todes liegt blos in der Möglichkeit des Uns
T
gleichförmigwerdens dieſer benden Grundſtoffe.

Die Menſchen ſind darum fterblich , weil

die zwer Grundſtoffe des Lebens die Fähigkeit


beſigen , ungleichf rmig zu werden .

Alles , was forruptibel iſt, iſt es durch


die Ungleichförmigkeit.

Die Verweſung der theilbaren Materie


liegt daher in dem ungleichf&rmigen Verhålte
niß ihrer Prinzipien .

Dort, wo gleichzeitliche Einwirkung der


Kråfte die gleichzeitliche Form hervorbringt,
dort fångt das Unzerſterbare an .

Das Verwesliche und unverwesliche fann


daher die nåmlichen Prinzipien zum Grunde ha.
ben,
ben, und unveriveslich oder foridauernd, und ver,
weglich oder zeitlich reyn; — kann ſich blos
durch Gleichf &rmigkeit und Ungleichförmigkeit un .
terſcheidea

In einem materiellen, dunkeln , theilbaren


und verweslichen Körper ſind die Prinzipien
mehr oder weniger ungleichf &rmig .

Da, wo die Prinzipien gleichförmig ſind,


hørt Dunkelheit, Theilbarkeit und Verweſung
auf, und die Kørper find Lichtſubſtanzen una

Zerſtfrbar und ewig – wie der, der ſie zur


Ewigkeit und Gleichførmigkeit ſchuf.

Im Innerſten der materiellen Natur liegt


diefes gleichförmige lichtweſen verborgen ; -
das Unſterbliche liegt im Sterblichen ; das
Licht in der Finſterniß , und kann entwickelt wer .

den . Die hehere Chemie zeigt uns zu dieſer


Entwicklung, den Weg ; wer einmal die Mate.
rie kennt, worinn das Lidyt tohnt, dem wird
es leicht werden, das Licht ſelbſt zu finden.

Wie aber die materiellen Körper uns


gleichartige Subſtanzen ſind, ſo könnte das mas

terielle Licht, das dieſe ungleichförmige Sub.


ftan .
* 283

ftanzen ſichtbar macht, vielleicht ebenfalls uns


gleichf &rmig ſeyn ; - konnte dieſes ungleich .
fôrmige licht nicht das vergångliche Licht ſeyn,
und könnte es nicht ebenfalls ein gleichförmis
ges Licht geben, in welchem eben ſo natürlich
gleidhförmige , ewige Weſen ſichtbar werden,
wie im gew :hnlichen licht die perweslichen ?
Menſchen ! Menſchen ! - ach! fenn .

tet ihr doch eure Würde, eure Beſtimmung !!

Ueber
284

Ueber das tinkturaliſche Weſen

N a tu. t.

Die Sonne enthält Liche und Wärme.


Durch die Warme bringt ſie Ades hervor.

Ihr Licht macht edes ſichtbar.

Man kann ſagen : wenn der Tag anbricht,


tingirt der Lichtſtral die Gegenden .

Zuerſt bringt die Wärme den Gegenſtand


hervor, das Licht tingirt ihn dann mit Schón .
heit, und macht ihn in Farben ſichtbar.

Tingiren muß alſo eine Eigenſchaft des


Lichts ſeyn.

Die Alten behaupteten , es wäre die Exis


ſtenz eines tinkturaliſchen Weſens miglich.

Die Neuern lachten darüber. Kennte man

nicht beyläufig ſo der Vernunft gemäß ſchlieffen ?

Singiren heißt verändern ; wo etwas tin .


girt wird, muß etwas verändert werden : es

müſſen
285 1

muffen alſo beym Tingiren zwen Dinge vor,


handen reyn, nåmlich, das, was tingirt, verans
dert, und das, was tingirt, oder verändert wird.

Was tingirt, oder verändert, iſt die Tinktur ;

Was verändert wird, iſt das Subject der


Tinktur.
Das Erſte muß aktiv, das zweyte paſſiv ſeyn .

Tingiren konnte eine Art von Fårberey ſeyn .

Fårben heißt die Richtungen der Theile ei.


nes Körpers gegen den Lichtſtral verändern.

Die Farbe entſteht alſo mit Veränderung


der Form . Sie iſt ein nothwendiges Reſultat
einer beſtimmten Veränderung.

Tingiren in der Fårberen heißt die For.


men veråndern , oder die Richtung der Farbe
aufnehmenden Theile gegen die einwirkende
Lichtkraft.

Könnte nun das Tingiren in andern mas


terier nicht ebenfalls eine Uenderung des paſo
fiven Stoffes gegen das aktive Prinzip ſeyn ?

Dieß iſt aber nur meine Idee ; eß rey


fern von mir, fie jemanden aufzubringen , wenn
fie
286

fie nicht der Vernunft gemäß ſollte geachtet


werden.

Ich dachte weiters, mas tingirt , muß


nothwendig eine Kraft enthalten, die erregbas
ren Theile zu verändern.

In dem fårbenden Farbenweren liegt die


i
Farbkraft koncentrirt.

In dem tinkturaliſchen Weſen, welches


verändert, vervollkommnet, muß die verändern ,
de, vervollkommnende Kraft ebenfalls koncentrirt

Teyn.
Je mehr eine Farbe konzentrirt iſt, deſto

ſtårker , fårbt fie.

Je mehr die tinkturaliſchen Theile geo

eint find, deſto mehr müſſen ſie auch ausdeh,


nen, durchdringen , verändern .

Der höchſte Grab ber tinkturaliſchen Wirs


kung iſt nothwendig die höchſte Gleichförmige
keit der Theile, worinn die Vollkommenheit ei.

nes Kørpers beſteht.

Die edeln Metalle müſſen Gleichförmigkeit


ihrer Theile beſigen , denn blos dieſe. Gleich .
förmige
287

fórmigkeit fann die Urſache fennt, daß fie gleich :


förmig dem Feuer widerfiehen, und die Car
pelle aushalten .

Ein Metall, in welchem die Feuertheilchen


ain gleichförmigſten mit den Lichttheilchen verbun .
den ſind, iſt ohne Zweifel ein edles Metall.

Mir ſcheint daher, die Metallverivandlungs.


kunſt, die die Alten behaupteten , widerſpreche der
Vernunft im geringſten nicht, und es durfte der
Mühe werth ſeyn, daß Minner von hohern Ein.
ſichten hieriber nachdichten , und einen Gegens
ſtand ihrer Aufmerkſamkeit würdig hielten, der
bisher meiſtentheils von Menſchen ohne Kennt.
niß entehrt worden iſt.

Aber vielleicht iſt ein heiliges Siegel auf


das Geheimniß der Natur gedruckt ; viels

leicht ſieht iber der Pforte ins Heiligthum :


Procul hinc, procul eſte profani!
damit der Aberglaube nichts mißbrauche, und
der unglaube nichts entheilige .

Vielleicht iſt es nur in jedem Jahrhun.


berte erlaubt, um der wenigen Guten willen, eis

nige deutlichere Winke zu geben, die auf den


Prad
-*
288

Pfad der Wahrheit führen, damit die Welt durch


die Kenntniß der Wahrheit 'zur Senntniß des
Schopfers ſich aufſchwinge.

Vielleicht ſind in jedem Jahrhunderte Eis


nige geſandt, neue Lichtfunken unter die Mens
fchen zu bringen ; vielleicht find eben dieſe die
mercatores lucis, wie ſie der groſſe Baco
in ſeiner neuen Avantis nennt.

Der Menſch iſt beſtimmt, weiſe zu werden


und liebvoll, denn der Menſch 2iſt“ ein Gegeno
ſtand der Weisheit und liebe Gottes .

Der Zweck der Weisheit iſt, daß der


Menſch ſich ſelbſt, die Natur und Gott fenne.

Der Zweck der Liebe iſt, daß ſich der


Menſch durch die höhere , göttlichmenſchliche

Natur mit Gott vereinige.

Untera

i
289

unte riſchied
to ifchen
der phlogiſtiſchen und antiphlogiſtiſchen Chimie,
und Mittel, bende Syiteme zu vereinen .

as phlogiſtiſche Syftem fannte die Feuer,


erregbarkeit, und deſſen Erklärungen waren los
lang wahr, als ſie ſich auf die Erregbarkeit
( Feuerſtoff) beſchränkten.
Da aber die Phlogiſtiker die Grundfåge
von der Erregbarkeit auf die Neize hinübertra.
gen wollten, ſo mußten nothwendig Irrthümer
entſtehen , — wie im Gegentheil Irrthúiner ento
ſtehen müſſen , wenn die Antiphlogiſtiker, die
fich blos mit den Reizen beſchäftigen, die Erreg .
barkeit läugnen wollen .
Man vereinige die Begriffe von Reiz und
Erregbarkeit, und man findet dann ein Medium ,
bas beybe Syſteme vereinet .
Es ſcheint dieß der Gang aller Wiſſenſchaf.
ten zu ſein, daß die Menſchen erfi von einem
Extrem auf das andere verfallen muffen , bis
ſie das Medium finden , das aus berden beſteht.
Die Phlogiſtiker behaupteten , daß die Wår.
me bey dem Verbrennen der Korper ſich auf
19 die
290

die Entwicklung einer Materie gründe, welche ſich


bey der Kombuſtion aus dem verbrennbaren Sor .
per entwickelt, und als fühlbare Wärme erſcheint.
Die Antiphlogiſtiker behaupten , daß die
Wärme aus der Entwicklung einer Materie ents
ftebe, die einen konftituirenden Theil der Yuft
ausmacht, und folglich das, was brennt, in der
Luft, keineswegs in den Körpern liege.
Die Wahrheit aber, die nie das Mittel
verlåßt, ragt uns :

Die Feuererregbarkeit, die in der Ausbeh.


nung ſich als Wärme zu fühlen giebt, liegt in
den verbrennbaren Kørpern ; aber ſie giebt ſich
nicht als Wärme zu erkennen , ſolang nicht der

Feuerreiß, ( in der Ausdehnung der Wärmereiz


genannt) der in der Luft (als das Ausgedehnte )
liegt, auf denſelben einwirken kann .
Die Wärme iſt alſo ein Produkt zweier geo
genſeitig wirkender und ſich anziehender Subs
ſtanzen , wobey der erregbare Stoff der ange.
zogen wird und ſich ausdehnt, in dem KSrper
liegt ; der wirkende, aktive Stoff aber in der
Luft, der ſich hingegen in dem Maaß concentrirt,
in welchem , ſich der erregbare Stoff darinn aus.
dehnt.
291

dehnt. Sit die in der Luft befindliche Subſtanz


attiver, als die im Körper liegende, ſo daß die
Ausdehnung die Attraktion überwiegt, ro geben
fich dieſe gegenſeitig fåmpfenden Subſtanzen
als Mårme zu erkennen .
Iſt die Attraktion der Erregbarkeit ſtårker,
ſo daß die aktive in der Luft befindliche Sub.
ftanz eingeſchränkt wird, ſo giebt ſich dieſe Ein .

ſchränkung als Salte, in umgekehrtem Verhålt. 1


niß, zu erkennen .
1
Die nehmlichen Subſtanzen, welche die
Wärme erzeugen , bringen, im umgekehrten Ver.
båltniß, die Kälte hervor.
Dort, wo die Subſtanz, die den Naturreig
verurſachet, die Subſtanz der Naturerregbarkeit
ausdehnt, entſteht Wärme: - und wo dieerregba,
re Subſtanz die reizende einſchränkt, entſteht Kålte.
Aus dieſer Wahrheit laffen ſich alle chimi.
ſche Erſcheinungen erklären ; denn alles iſt Aus .
dehnung und Concentration ; --- Alles wird durch
Wärme und Sålte modifizirt.
Die Quantitat des einen oder andern

Stoffes beſtiment die Modifikation ; dte Qualis


täten , Formen , Eigenſchaften und Verſchiebenheit
ber
292

der Körper find blos nothwendige Reſultate der


beſtimmten Quantitat der aktiven und paffiven ,
oder der agirenden und reagirenden Naturſub,

ſtanzen.
Alles wird alſo in der Natur beſtimmt durch

Zahl, Maas und Gewicht.


Die Zahl beſchränkt fich auf die Quantis

tåt der Prinzipien .


Diere Quantitat beſtimmt die mehr oder
mindere Ausdehnung, und das Maas determinirt
die Form, wovon der Körper, welcher Schwere
hat, das Reſultat iſt.
Ade Irrthuimer, die bisher in der Chimie
entſtanden ſind, rühren daher, daß man den
Zuſtand der Korper, in ihrer Ruhe, immer mit
*
ihrem Zuſtande in der Bewegung verwechſelte.
Die Materien verhalten fich in ihrer Eyes
panſion oder Ausdehnung ganz auf eine andere
Art, als fich dieſelben im kontraktiven oder zus
fammengezogenen Zuſtande verhalten ; es iſt das
her unmoglich , einen reinen Begriff von dem

Zuſtande" der Materie in der Ausdehnung zu


erhalten, wenn man die Begriffe, die man mit
dem Zuſtande der Materie in der Concentration
ber ,
293

berbindet, auf den Zuſtand der Ausdehnung


+
übertragen will ; - wie man nothwendig auch
irren muß, wenn man die Begriffe, die man
mit der Materie in der Ausdehnung verbindet,
auf die Materie in der Concentration übers
trågt. Rein iſt der Begriff nur dort, wo keine
Vermiſchung der Ideen iſt.
Die heutigen Chimiſten läugnen feiness
wegs die Eriſtenz einer Feuermaterie, denn die

Materie der Wärme, oder ihr Calorique, iſt ja


nur eine Erpanſion der Feuermaterie : allein
da fie noch bisher nicht den beſondern Zuſtand
der Wärmematerie unterſucht haben, um ihre
Beſtandtheile zu beſtimmen , ſondern ſich blos
bey den Wirkungen der Wärme aufgehalten
haben, ſo nahmen ſie die Wirkungen für die

Materie ſelbſt, die doch von der Wirkung him.


melweit unterſchieben iſt.
Ich habe durch Erfahrung gezeigt, daß in
der Natur eine beſondere, unſern Sinnen fühl.

bare Materie, exiſtire, welche ſich von dem


Licht, der Wärme und den Elementen unterſcheir
det ; ich habe gezeigt, daß dieſe Materier

der Naturſtoff ift.


Dieſe
Dieſe Materie iſt zugleich Feuer i und
Kalteſtoff. 7 Feuerſtoff in der Extenſion, Kålter

ſtoff in der Concentration , und aus dieſer Mas


terie laſſen ſich alle Naturerſcheinungen erflåren.
Ich habe auch gezeigt, daß dieſe Materie
einen ganz befondern modum exiftendi habe,
fich in ihrem natürlichen Zuſtande als einſchränkend
verhalte, in der Bewegung aber als ausdehs
nend, und daß ſie die einzige Grundurſache fede
warum die Körper unter drey Modifikationen
der nehmlichen Grundſtoffe erſcheinen, als : im
ſoliden, fluffig und gastörmigen Zuſtande.
Nehmen wir für diefe Grund : und Univers
falmaterie den Namen Feiterſtoff an, oder Feuer ,
materie, ſo können wir eben ſo gut das Syſtemu
der Wahrheit erklären .
Wir wollen diete Materie, in ihrem hecho
ften Ausdehnungszuſtande ---
åtheriſches Feuer nennen .

In dem mittlern Zuſtande


Warmematerie oder expanſives Feuer

Im ſoliden Zuſtande, wie es fich in den


Kerpern befindet -
fires Feuer.
295
In jedem Körper erſcheint das fige Feuer
entweder unter der Geſtalt der Sohle, oder
unter der Geſtalt eines rauern Werens.
In der erſten Geſtalt iſt es la baſe char
bonique, in der zweyten baſe acidifique.
Die Eigenſchaften der Kohienbafis find :
Verbrennlichkeit, Unauflåsbarkeit im Waſſer.
Die Eigenſchaften der fauern Baſis ſind:
Unverbrennlichkeit, Auflffung im Waſſer .
Die Kohlenbaſis erſcheint als Stohle, als
ein Shlichtes Wefen , als eine weiſſe Erde
Naturſtoff - Urrede.
Die Erbe wird die Baſis der Metalle ,

Das Shlichte Weſen die Baſis der Dehle.


Verkörpert modifizirt fich die Erde, und
erſcheint als Metal, als Kohle, als Schwefel,

im foliden Zuſtande.
Im flüſſigen Zuſtande modifiziet fich der
Feuerſtoff als eine Shlichte Subſtanz in Fette,
Dehlen und eſſentiellen Dehlen, Bergshle.

Die Baſis der Säuren, iſt der Grund


aller Aciden und Alkalien .
Alles aber iſt immer Miſchung, und vers
hålt fich , nachdem der Naturſtoff fich expanſio
oder attraktiv verhålt.
Das
296

Das Feuer , betrachtet in der Expanſion, lies


fert und ſeine Wirkungen entweder — in der
Athmosphäre, oder in den Körpern .

In der Athmosphäre in den Luftarten ;


Dämpfen , Ausdúnſtungen, Råucherungen.
In den Körpern durch Erhißung)
Uusdehnung , Erweichung, Verbrennung, Calci,
nation, Metalliſation 26.

Alle dieſe Erſcheinungen ſind Wirkungen


eines einzigen Grundſtoffes, der fich in dren
andere theilet, und der in ſich Feuerſtoff, Wärmes
ſtoff und Lichtſtoff zugleich iſt.

Feuerſtoff im ſoliden Zuſtande,

Wärmeſtoff im flüffigen ,
lichtſtoff im gasförmigen.

Die Natur, welche vol Leben und Bewegung


iſt, modifizirt alle Augenblicke dieſe Stoffe, denn
wirken und formen iſt ihr Geſchäft; fie er,

zeugt daher immer Reize in aufſteigender Ordnung,


und Erregbarkeiten in abſteigender, und ſo erhält
fie die allgemeine Circulation, denn Alles in der
ganzen Natur iſt angefüllt, es giebt keinen lees,
23
ren Raum . '
Der
297

Der Raum iſt nur die Vorſtellung der


Beſchränktheit eines Werens gegen ein minder

beſchränktes.
Das Worinnt, in dem ſich die Beſchränkt:
heit ausdriickt, wird Raum genennt :
Wie die Zeit die Vorſtellung mehrerer Be.
ſchränkungen in ſufzefſiver Ordnung iſt. Bende
hången in der Materie von ihrer Ausdehnung
und Concentration ab .
Eine unendliche Ausdehnung kann das End
liche nicht denken , weil das Endliche nur durch
Vergleichungen denkt, und bey jeder Vergleichung
wird ſchon eine Einſchränkung voraus geſezt
weil wir Alles in Zeit und Raum denken.
Die Zeit im Berſtande iſt das,
, was die
linie in der Geometrie ift.
Die unendliche Linie giebt keine Grófſe.
Die Grëffe ift nur dort meßbar, wo die Linie

ſich beſchränkt.
Linie und Grøffe Verhalten ſich wie Zeit und
Raum ; Zeit und Raum wie Ausdehnung und Uns
ziehung, oder Beſchrånkung, und die Baſis,

worauf rich alle dieſe Anſchauungen gründen , ift


die Materie und Form der Natur.
ates
1
898

Materie, als das räumliche Beſchränkte ;

Form, als das ausdehnende Zeitliche.


Die Materie wird beſchränkt ; die Beſchráne
kung giebt den Raum , -- die Idee einer Vors
ſtellung eines Beſchränkten .
Mehrere Beſchränkungen in progreſſiver
Ordnung machen die Zeit. Die Zeit druckt ſich
aus in der Sufzeffion . So wird die Zeit das
Maas des Raums, denn wie fich die Zeit zum
Raum verhält, ſo verhält ſich die Form
1 zur Mas
terie, das Aktive zum Paſſiven, die Neige zur
Erregbarkeit. Denn das Ganze aller Erſcheinun..
gen theilt ſich in ein Gneinander, oder Ganzes ;
Auscinander, oder Betheiltes ; und dieſes
Ineinander und Auseinander erſcheint nacheinan .
der und nebeneinander, oder in Zeit und Raum ,
So entſtehet die Sukzeſſion, oder Simulta .
i
neitåt der Empfindungen, der Wahrnehmungeny
der Gefühle.
Alles in der Natur ift analog, und die
Baſis aller Analogie iſt die Materie und Form
der Natur, ober das materielle Eins.

Es giebt bren Welten die göttliche


Welt, die metaphyfiche oder geiſtige Welt und
die phyfirche oder Elementarwelt.
Suche
299

Suche in jeder Welt die Einheit, und du


baft die wete aller Erfenntniſſe : denn es

find bren lichter das Licht der Gottheit, das


Richt der Vernunft und das kicht der Natur .
Das Licht der Vernunft führt in ein Ers
trem , das richt der Natur in das andere .
Das Licht der Natur erleuchtet nur die
Oberfläche der Erſcheinungen ; das Licht der Vera
nunft beleuchtet nur die todten Ideen, die wir
aus den ſinnlichen Erſcheinungen aufnehmen, abs
ftrahiren. Steines leuchtet ins Innere der
Dinge.
Das göttliche Licht allein Vereinigt das riche
der Vernunft mit dem Licht der Erfahrung, und
ohne dieſes göttliche Licht iſt keine reine Wahr.
heit der Erkenntniß möglich, denn Wahrheit ift
das Weſen felbſt, und dieſes Weſen iſt das gott.
1
liche Richt ; und diefes göttliche Licht ift tas
Medium , welches das Licht der Natur mit dem
Licht der Vernunft vereinigt.
Mehr zu ſagen , wäre überfliiffig. Wer
dieſes nicht fühlt, was ich ſchrieb, vielleicht ſchreis
ben mußte, dem ift das Drgan des Sebens
nicht aufgeſchloſſen .
Ich fand ſeit der Schöpfung der Welt,
wenn ich in die älteſten Zeiten zurück gehen
dreierley Arten von Menſchen
Naturs
1
1 300

5 Naturmenſchen oder blos ſinnliche Menſchen ,


Vernunftmenſchen - fogenannte Schul.

gelehrte Menſchen ,
Gottes Menſchen- oder Weiſe.
Der finnliche Menſch verlacht den Ver.
kunftmenſchen , der Vernunftmenſch den Weis
ren : der Weiſe allein verlacht feinen , ſondern
bemitleidet beybe.

Der Sinnenmenſch fennt nur die Sinn .


lichkeit; der Schulgelehrte nur ſeine Vernunft ;
Der Weiſe kennt + Gott, die Natur und
den Menſchen , und wirkt daher thitig zu der
groſſen Epoche der Vereinigung des Menſchen
mit der reinen Natur, uno der reinen Natur
mit Gott. Er ſieht die Sinnlichkeit als Vor.
hof an ; die Menſchenvernunft iſt ihm der Tems
pel; ein Herz aber, worinn Gott wohnt,
ift ihm das Heiligthum .
Da iſt Weisheit ſeine Krone,
Liebe ſein Szepter. - Die Liebe macht ihn
zum König, die Weisheit zum Prieſter der Natur.
Segnen und Wohlthun ift rein Gefchäft.
Viele ſind zu dieſem Geſchäft berufen, aber
Wenige auserwåhlt.

Sulzbach ,
gedruckt mit Commerzienrath Seidlichen Schriften .
DEUTSCHES ALTES :
BIBLIOTHEK
Bibliothek
Deutschen
des
Museums

057001334693

201
7

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