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Dialekte im Wandel

Ungefähr 60 % aller Deutschen sprechen Dialekt. Besonders im Süden und


Südwesten von Deutschland gibt es viele Dialektsprecher. Auf dem Land gibt es
mehr Dialektsprecher als in den Städten und junge Leute sprechen weniger
Dialekt als ältere. Und wie war es früher?

Bis in das 19. Jahrhundert haben alle Deutschen auch Dialekt gesprochen. Es
gab auch viel mehr Dialekte als heute und in vielen Regionen hatte jeder Ort
seinen eigenen Dialekt. Das ist heute nur noch in wenigen Regionen so. Die
Dialekte einer Region werden sich immer ähnlicher, viele Dialekte sind schon
ganz verschwunden und es werden mehr und mehr Ausdrücke aus dem
Standarddeutschen auch im Dialekt verwendet.

Zwischen Dialekt und Standarddeutsch gibt es viele Mischformen, z.B., wenn


jemand die Standardgrammatik, aber regionale Ausdrücke verwendet und mit
einem mehr oder weniger starken regionalen Akzent spricht.

Ein Grund für den Rückgang der Dialekte ist, dass die Menschen heute viel
mobiler sind und nicht mehr das ganze Leben im gleichen Ort wohnen. Ein
weiterer Grund ist, dass die Deutschen heute viel länger zur Schule gehen und
viele danach ein Studium beginnen. In den Schulen und Universitäten wird in
der Regel Standarddeutsch – oft sagt man auch Hochdeutsch – gesprochen.
Außerdem haben viele Menschen ab den 60er Jahren entschieden, dass ihre
Kinder keinen Dialekt mehr sprechen sollen. Sie waren nämlich der Meinung,
dass Dialektsprecher weniger intelligent und weniger gebildet sind. Die Kinder
sollten mit Hochdeutsch bessere Chancen in der Schule und später im Beruf
haben. Deshalb haben viele Eltern mit ihren Kindern zu Hause nur noch
Hochdeutsch gesprochen. Diese Vorurteile gibt es in vielen Teilen Deutschlands
immer noch. In ländlichen Regionen in Bayern gibt es sie allerdings seltener.
Dort haben die Dialekte einen hohen Status und es ist es ganz normal, Dialekt zu
sprechen.

Auch in anderen Teilen Deutschlands interessieren sich wieder mehr Menschen


für die Dialekte. In manchen Schulen und Kindergärten werden Dialekt-AGs
angeboten und Erwachsene können an der Volkshochschule Kurse in
verschiedenen deutschen Dialekten besuchen.
Aber obwohl sich die Menschen in Deutschland wieder mehr für die Dialekte
interessieren und alles Regionale wieder modern ist, werden auch in Zukunft die
Dialekte weniger. Da sind sich viele Sprachwissenschaftler sicher. Das heißt
nicht, dass irgendwann alle Menschen das gleiche Hochdeutsch sprechen. Jeder
Deutsche spricht auch in Zukunft Hochdeutsch mit einem leichten regionalen
Akzent und auch der eigene regionale Wortschatz (z.B. Brötchen: man sagt
Schrippe in Berlin, Semmel in Bayern) verschwindet in Zukunft nicht völlig.

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