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AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE

Landesrat für Deutsche Bildung und Kultur, Assessore all'Istruzione e Cultura tedesca, Diritto allo Studio,
Bildungsförderung, Handel und Dienstleistung, Handwerk, Commercio e Servizi, Artigianato, Industria, Lavoro e
Industrie, Arbeit und für Integration all'Integrazione

Frau Abgeordnete
Myriam Atz Tammerle
Bozen, 03.06.2021 myriam.atz@landtag-bz.org

Herr Abgeordneter
Sven Knoll
sven.knoll@landtag-bz.org

zur Kenntnis: Frau Präsidentin


Rita Mattei
dokumente@landtag-bz.org

Antwort auf die Landtagsanfrage Nr. 1651/2021 betreffend Deutsch vor Schuleintritt

Sehr geehrte Abgeordnete,

ich schreibe Ihnen betreffend Ihre Landtagsanfrage vom 14.05.2021 (Nr. 1651/2021) und darf Ihnen als
zuständiger Landesrat wie folgt antworten:

Zu Frage 1: Was wird von der Landesregierung derzeit unternommen, um das Sprachproblem, welches in
einigen Schulen herrscht, in den Griff zu bekommen?

Für Schüler*innen mit Sprachförderbedarf in den Unterrichtssprachen gibt es eine ganze Reihe von
Maßnahmen, welche von der Deutschen Bildungsdirektion umgesetzt werden, u. a.:

1. Eingerichtete Beratungsstellen für Familien mit Migrationshintergrund, Lehrkräfte und Schüler*innen an


den Sprachenzentren, welche an den Pädagogischen Beratungszentren in zentralen Orten des Landes
angesiedelt sind
2. Zuweisung von Personalressourcen (insg. ca. 75 Stellen) für Sprachförderung an die einzelnen Schulen
und entsprechende Einrichtung von Sprachförderkursen verschiedenen Niveaus für Schüler*innen aus
verschiedenen Klassen (in der Regel 3 bis 6 Stunden pro Woche)
3. Einrichtung von Sprachförderkursen verschiedenen Niveaus im Netzwerk (ca. 15 Stellen) an zentralen
Orten des Landes, an denen Schüler*innen aus verschiedenen Schulen der Oberstufe (auch Berufsschulen)
teilnehmen können
4. Organisation von Sommersprachkursen für Migrantenkinder und -jugendliche mit Sprachförderbedarf
5. Projekte zur Eingliederung von Schüler*innen mit Migrationshintergrund, welche sehr spät in ihrer
Schulkarriere in unser Schulsystem einsteigen, mit dem Ziel ein Drop Out ohne Schulabschluss zu
vermeiden (z. B. Projekt 16+)
6. Einführung der neuen Wettbewerbsklasse für Lehrkräfte A023/bis (Sprachförderung für Schüler*innen mit
Migrationshintergrund) und Errichtung der entsprechenden Stellenpläne
7. Regelmäßige Fortbildungsreihen, organisiert von der Pädagogischen Abteilung, für DaF/DaZ (Deutsch als
Fremd bzw. als Zweitsprache) und sprachaufmerksamen Unterricht für alle Lehrkräfte

Zu Frage 2: Kann sich die Landesregierung das österreichische Modell, "Deutsch vor Schuleintritt", auch in
Südtirol vorstellen?

Die sogenannten "Willkommensklassen" oder "Eintrittsklassen", wie sie z. B. in Österreich vorgesehen sind,
sind laut staatsweiter gesetzlicher Bestimmung, an die auch Südtirol gebunden ist, in Italien nicht zulässig,
da für alle Schüler*innen das Recht auf inklusiven Unterricht gilt (s. staatliches Rahmengesetz 4 August

Landhaus 7, Andreas-Hofer-Straße 18  39100 Bozen Palazzo 7, via Andreas Hofer 18  39100 Bolzano
Tel. 0471 41 33 33  Fax 0471 41 33 99 Tel. 0471 41 33 33  Fax 0471 41 33 99
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philipp.achammer@provinz.bz.it philipp.achammer@provincia.bz.it
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Prot. Datum | data prot. 04.06.2021 Prot. Nr. | n. prot. LTG_0003370 Prot. Typ | tipo prot. Eingang - entrata
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1977, n. 517 und Folgegesetze und -bestimmungen).


Die Umsetzung eines segregierenden Modells ist auch für den Kindergarten in Südtirol nicht denkbar,
welcher ein inklusives Bildungsverständnis vertritt (siehe auch die Rahmenrichtlinien für den Kindergarten in
Südtirol).

Zu Frage 3: Falls ja, bis wann kann mit einer Umsetzung des Modells hierzulande gerechnet werden?

Die Umsetzung des Modells wird nicht erfolgen.

Zu Frage 4: Falls nein, was spricht dagegen? Bitte um ausführliche Argumentation.

Gezielte „Sprachförderungsprogramme“ im Kindergarten sind punktuelle und zeitlich eingeschränkte


Interventionen, die nur sehr eingeschränkt den Prozess des Erlernens der deutschen Sprache unterstützen.
Das im Kindergarten vertretene ganzheitliche Konzept der alltagsintegrierten Sprachbildung, welches als
durchgängiges Prinzip den Kindern im Alltag ein viel umfangreicheres Sprachangebot bietet, trägt vielen
wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung, die belegen, dass Spracherwerb in den für das Kind
bedeutungsvollen Situationen passiert.
Die Reduzierung kindlicher Bildung auf den Erwerb von Sprachkompetenzen wird dem gesamtheitlichen
Bildungsauftrag nicht gerecht und entspricht nicht dem gelebten inklusiven Bildungsverständnis des
Kindergartens.

Freundliche Grüße

Philipp Achammer
Landesrat
(mit digitaler Unterschrift unterzeichnet)

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