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Leitungen und Kabel Fachwissen

Querschnittbestimmung
hinreichende mechanische Festigkeit zu
erreichen, sind bestimmte Verlegearten
einzuhalten.
Kabel und Mantelleitungen. Feste Ver-

von Kabeln und Leitungen legung von ein- oder mehradrigen Kabeln
und Mantelleitungen erfolgt:
• direkt auf der Wand oder an der Decke
Teil 1: Mindestquerschnitte und Spannungsfall auf Abstandsschellen
• in Elektro-Installationsrohren
• in einem zu öffnenden oder geschlos-
senen Elektro-Installationskanal
Der richtige Querschnitt von • Mindestquerschnitt • an Tragseilen
Kabeln und Leitungen ist eine • Spannungsfall • auf Kabelpritschen oder in Kabelwannen
wichtige Voraussetzung für • Schutz beim indirekten Berühren • in baulichen Hohlräumen, z. B. in Hohl-
• Strombelasbarkeit raumböden oder in Hohldecken
das Betreiben von elektri- • Überlastschutz • in Wänden, in Decken oder im Estrich.
schen Anlagen. Wie man ihn • Kurzschlussschutz. Beim Verdichten von Beton durch Rütteln,
korrekt bestimmt, wird in Faktoren, die diese Kriterien beeinflus- Schütteln und Stampfen müssen Mantel-
unserer mehrteiligen Bei- sen, sind maßgebend für die Auswahl der leitungen mechanisch geschützt werden.
Leiterquerschnitte. Tafel ➊ gibt hierzu Das ist auch für Kabel zu empfehlen.
tragsfolge erläutert.
einen Überblick. Aderleitungen (z.B. H07V-U; alte Bezeich-
nung NYA) dürfen nur verlegt werden
• in Elektro-Installationsrohren
Mindestquerschnitte • in geschlossenen Elektro-Installations-
Der Querschnitt macht's Um mechanische Festigkeit zu erreichen,
kanälen
• auf Isolatoren
Die korrekte Bestimmung der erforderli- sind bei Kabeln und Leitungen bestimmte • in zu öffnenden Elektro-Installations-
chen Querschnitte von Kabeln und Leitun- Mindestquerschnitte vorgeschrieben. Die- kanälen, wenn
gen ist eine wichtige Voraussetzung für se Werte sind in der DIN VDE 0100-520 – die Deckel nur mit Werkzeugen oder
die Betriebssicherheit sowie den Schutz im Abschnitt 524, Tabelle 52 J, zusam- besonderer Anstrengung von Hand
von Personen, Nutztieren und Sachwerten mengefasst. geöffnet werden können und
beim Betreiben von elektrischen Anla- – der Kanal mindestens der Schutzart
gen: Feste Verlegung IPX4 (Spritzwasserschutz) oder IP
• Sie vermeidet die Überdimensionierung Für die feste Verlegung von Kabeln, Man- XXD (geschützt gegen den Zugang
und damit Verteuerung der Anlage. telleitungen und Aderleitungen sind als mit Draht von 1 mm Ø und 100 mm
• Sie verringert die Störanfälligkeit und kleinste Querschnitte zulässig: Länge) entspricht.
senkt dadurch die Betriebskosten. • Leistungs- und Lichtstromkreise Schutz- und Potentialausgleichsleiter.
• Sie wirkt sich kostengünstig auf die In- 1,5 mm2 Cu oder 16 mm2 Al Eine Ausnahme machen Schutz- und
standhaltung aus. • Melde- und Steuerstromkreise Potentialausgleichsleiter. Sie dürfen als
• Sie ist Voraussetzung für bestimmte 0,5 mm2 Cu Aderleitungen direkt auf, im und unter
Schutzmaßnahmen gegen elektrischen • für elektronische Betriebsmittel Putz sowie auf Pritschen verlegt werden.
Schlag und unzulässige Erwärmung. auch 0,1 mm2 Cu. Für sie gelten andere Mindestquerschnit-
Der nach der Vorgängernorm zulässige te (siehe DIN VDE 0100 Teil 540).
Mindestquerschnitt 2,5 mm2 Al ist vor Blanke Leiter. Für die feste Verlegung von
Auswahlkriterien allem wegen der Bruchgefahr beim An-
schließen und Verbinden bei Neuinstalla-
blanken Leitern sind als Mindestquer-
schnitte vorgegeben:
Die Bemessung von elektrischen Kabeln tionen nicht mehr anzuwenden. • Leistungsstromkreise
und Leitungen erfolgt nach den Kriterien: Um mit diesen Mindestquerschnitten eine 10 mm2 Cu oder 16 mm2 Al

Tafel ➊ Einflussfaktoren auf die Querschnittbestimmung


Auswahlkriterium Länge Leiter- Betriebs- Sicherung oder Typ1) Vorgeschal- Verlege- Häufung Umgebungs- Anwen
material strom LS-Schalter tetes Netz art temperatur dung des
Bemessungs- Strom-
strom kreises

Mindestquerschnitt – x – – – – – – – x
Spannungsfall x x x2) x – – – – – –
Schutz beim indi- x x – x x x _ _ _ –
rekten Berühren
Strombelastbarkeit – x x – – – x x x –
Überlastschutz – x x x x3) – x x x –
Kurzschlussschutz x x – x x x – – – –

1) Betriebsklasse der Sicherung bzw. Auslösecharakteristik des LS-Schalters


2) Wenn Bemessungsstrom der Sicherung/des LS-Schalters nicht zugrundegelegt wird
3) Gilt nicht für Sicherungen Funktionsklasse a/Teilbereichsschutz

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Fachwissen Leitungen und Kabel

Zählerplatz
Stromkreis-
Zählerplatz mit Stromkreisverteiler verteiler
Haus- Haus-
anschluss anschluss Ver-
brauchs-
mittel
Ver-
brauchs-
mittel
ε ≤ 0,5 %
nach AVBEltV
1,0 % ε ≤ 0,5 %
nach nach AVBEltV
1,25 %
TAB1) ε = 3,0 %
1,5 % nach DIN 18015-1 1,0 %
nach
1,25 %
TAB1) ε = 3,0 %
ε ≤ 4,0 % 1,5 % nach DIN 18015-1
nach DIN VDE 0100-520
ε ≤ 4,0 %
nach DIN VDE 0100-520
a) b)

➊ Schematische Darstellung der zulässigen Spannungsfälle


a) Stromkreisverteiler im Zählerplatz; b) Stromkreisverteiler außerhalb des Zählerplatzes

Tafel ➋ Zulässiger prozentualer Spannungsfall ε zwischen der Stromaufnahme führen, weil die von ihm
Übergabestelle des EVU (Hausanschluss) und Messeinrichtung angetriebene Maschine oder Anlage an
der Kupplung die benötigte Leistung auf
Leistungsbedarf Zulässiger Forderung diese Weise abverlangt. Ein Überstrom
in kVA Spannungsfall in
in % von längerer Dauer hat eine unzulässige
Erwärmung zur Folge und führt zur Ab-
unter 1001) 0,5 AVBEltV schaltung, also zu einer Betriebsstörung.
100 bis 250 1,0 Bei Geräten, die überwiegend Wirkleis-
über 250 bis 400 1,25 TAB tung aufnehmen (ohmsche Last), ist die
über 400 1,5 Stromaufnahme bei niedrigerer Spannung
1) Begrenzung ergibt sich aus den Vorgaben in den TAB dagegen geringer. Es verlängert sich z. B.
die Programmdauer eines Waschauto-
maten. Der Programmschritt „Heizen“
• Melde- und Steuerstromkreise
4 mm2 Cu
Spannungsfall wird erst zu einem späteren Zeitpunkt be-
endet. Das Weiterschalten zum nächsten
Festlegungen für Lichtstromkreise mit Zulässige Netzspannung Schritt erfolgt erst, wenn die Waschlauge
Kleinspannung sind in Vorbereitung. Elektrische Betriebsmittel und Geräte die vorgegebene Temperatur erreicht hat.
Blanke Leiter sind auf Isolatoren zu ver- benötigen für ihr sicheres Funktionieren
legen. Der Einsatz ist auf Sonderfälle eine möglichst konstante Betriebsspan- Zulässige Spannungsfälle
begrenzt, z. B. in Schaltanlagen, Akkumu- nung, die der Nennspannung des Netzes Durch den Spannungsfall an Leitungen
latorenräumen, Anlagen mit Niedervolt- nahe kommen soll. und Kabeln wird die Betriebsspannung
Halogenleuchten usw. Die Spannung im öffentlichen Nieder- zusätzlich zu den Toleranzen im Versor-
spannungsnetz darf um + 6 % und - 10 % gungsnetz verringert. Auch hierfür sind
Bewegliche Verbindungen von der Nennspannung 230 V/400 V Grenzwerte festgelegt.
Bei beweglichen Verbindungen mit isolier- abweichen. Durch diese in DIN IEC 38 ge- Hausanschluss – Verbrauchsmittel. Vom
ten Leitern und Kabeln gelten folgende troffene Festlegung muss am Hausan- Hausanschluss bis zum Verbrauchsmittel
Vorgaben: schluss eine Netzspannung von min- soll der Spannungsfall 4 % der Nennspan-
• Für ortsveränderliche oder mit beweg- destens 207 V und höchstens 244 V zwi- nung des Netzes nicht überschreiten (DIN
lichen Leitungen anzuschließende Be- schen Außen- und PEN-Leiter zur Verfü- VDE 0100-520, Bild ➊). Während des
triebsmittel Werte in den entsprechen- gung gestellt werden. Spannungen inner- Anlaufs von Motoren und beim Einschalten
den DIN-VDE-Bestimmungen und den halb dieses Toleranzbereiches gewähr- von Verbrauchern mit hohen Einschalt-
IEC-Publikationen leisten den ordnungsgemäßen Betrieb der strömen sind abweichende Werte für den
• Für Schutz- und Funktionskleinspan- Geräte. Spannungsfall zulässig.
nung 0,75 mm2 Cu Hauseinführung – Zählerplatz. In der
• Für elektronische Betriebsmittel in Folgen von Spannungsabweichungen „Verordnung über Allgemeine Bedingun-
Melde- und Steuerstromkreisen Abweichungen von der Nennspannung gen für die Elektrizitätsversorgung von
0,1 mm2 Cu. 230 V/400 V ziehen Veränderungen an- Tarifkunden“ (AVBEltV) wird von der Haus-
Für bewegliche Verbindungen sind flexible derer technischer Parameter des Gerätes einführung (Hausanschlusskasten) bis
Leitungen zu verwenden. Die Bauarten nach sich. zum Zählerplatz ein Spannungsfall
und Einsatzmöglichkeiten sind in DIN VDE Zu hohe Spannung. Geräte mit vorwie- < 0,5 % gefordert. Die Technischen An-
0298 Teil 3 angegeben. gend ohmscher Last nehmen einen höhe- schlussbedingungen für den Anschluss
Es ist zu empfehlen, die in der alten ren Strom auf und erwärmen sich stärker. an das Niederspannungsnetz (TAB) las-
Ausgabe der Norm DIN VDE 0100 Teil Bei Glühlampen ist eine vorzeitige Zer- sen bei einem Leistungsbedarf über 100
520 Ausgabe November 1985 aufge- störung der Heizwendel und damit eine kVA einen gestaffelt erhöhten Spannungs-
führten differenzierten Anforderungen Verkürzung der Lebensdauer möglich. fall für diesen Bereich zu (Tafel ➋).
auch weiterhin einzuhalten. Zu geringe Spannung. Bei Motoren kann Zähleinrichtung – Verbrauchsmittel. Von
eine niedrigere Spannung zur erhöhten der Zähleinrichtung bis zum Verbrauchs-

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Leitungen und Kabel Fachwissen
Tafel ➌ Gleichungen zur Berechnung des Leiterquerschnittes nach dem Spannungsfall
Ausgehend vom Ausgehend vom
Nr absoluten Spannungsfall Nr relativen Spannungsfall ausgegangen. Da der Spannungsfall auf-
2 ⋅ l ⋅ I ⋅ cos ϕ 2 ⋅ l ⋅ I ⋅ cos ϕ ⋅ 100 % grund unterschiedlicher Nennspannungen
1 A= 2 A= (z. B. 230 V oder 400 V) in Verordnungen,
κ ⋅ ∆U κ ⋅ ε ⋅ Un
Wechselstrom Normen usw. immer in Prozent angegeben
2⋅l ⋅P 2 ⋅ l . P ·100 %
3 A= 4 A= wird, werden vor allem die zuletzt genannt
κ ⋅ ∆U ⋅ Un κ ⋅ ε ⋅ Un
2
Gleichungen verwendet.
3 ⋅ l ⋅ I ⋅ cos ϕ Die Gleichungen (1) (2) (5) und (6) enthal-
A= 3 ⋅ l ⋅ I ⋅ cos ϕ ⋅ 100 %
5 6 A= ten den Leistungsfaktor cos ϕ. Da in (3)
κ ⋅ ∆U κ ⋅ ε ⋅ Un
Drehstrom (4) (7) und (8) mit der Wirkleistung P
l ⋅P l ⋅ P⋅ ⋅ 100 % gerechnet wird, ist er dort bereits berück-
7 A= 8 A=
κ ⋅ ∆U ⋅ Un κ ⋅ ε ⋅ Un
2
sichtigt. Der Spannungsfall ∆U bzw. ε ist
somit von der Wirkleistung P oder dem
A Querschnitt in mm2; I Strom in A; κ elektrische Leitfähigkeit in m/Ωmm2; Wirkanteil des Stromes I · cos ϕ abhängig.
∆U Spannungsfall in V; ε Spannungsfall in %; Un Bemessungsspannung in V
l Leitungslänge in m; cos ϕ Leistungsfaktor; P Wirkleistung in W
Zeigerdiagramm
Die Richtigkeit dieser Aussage und der in
L1 Tafel ➌ angegebenen Gleichungen be-
L2 züglich cos ϕ sind im Bild ➌ durch das
L3 zugehörige Zeigerdiagramm veranschau-
N licht. Der linke Teil ist etwa maßstäblich
PE
und entspricht einem cos ϕ = 0,85 und
➋ Wirksame vom einem Spannungsfall von 4 %. Zur besse-
Verbrauchs- Strom durchflossene ren Darstellung der Phasenlage ist im
mittel rechten, durch einen Pfeil markierten Teil
I Leiterlänge (Strom-
bahn) ∆U stark vergrößert (gestrichelte Linie).
Die Klemmenspannung am Verbraucher
Bei Wechselstrom
UVerbr. ist gegenüber dem Strom I um den
I beträgt sie 2 · l ; bei Winkel ϕ phasenverschoben. Der über der
Drehstrom √3 · l Leitung messbare Spannungsfall ULtg hat
IL3 aufgrund der Phasen- nicht dieselbe Richtung wie die Klemmen-
IL2 verschiebung von spannung am Verbraucher. Aufgrund des
IL1
je 120 ° zwischen ohmschen Widerstandes der Leitung liegt
den Außenleiter- dieser Spannungsabfall in der gleichen
l
Richtung wie der Strom I.
spannungen
Um festzustellen, wie weit die Verbrau-
cherspannung gegenüber der Netzspan-
ULtg. nung durch die Wirkung des Leiterwider-
standes abgesenkt wurde, wird der Netz-
spannungszeiger auf den Verbraucher-
er
ch spannungszeiger gedreht. Als Differenz er-
au
rbr ∆U gibt sich der Spannungsfall ∆U.
U Ve etz U
UN ≈∆ Der allgemein übliche Ausdruck
ϕ „Klemmenspannung + Spannungsfall =
r ULtg. Netzspannung“
ϕ c he
au
l U Ve
rbr ➌ Zeigerdiagramm gilt also nur unter Beachtung der unter-
zur Darstellung der schiedlichen Richtungen der einzelnen
Richtung von ULtg. etz
UN Spannungen im Zeigerdiagramm.
Phasenverschiebung
ULtg. = I · RL Als Näherung für den Spannungsfall gilt
∆U ≈ I · RL · cosϕ
zwischen den Teil-
spannungen ∆U
mit cos ϕ ≈
ULtg
∆U ≈ ULtg ⋅ cos ϕ = I ⋅ RL ⋅ cos ϕ
mittel soll der Spannungsfall 3 % nicht fassten Gleichungen. Berücksichtigt
überschreiten (Bild ➊); DIN 18015-1. wird dabei die wirksame, vom Strom 2⋅l
und mit RL =
Er verteilt sich auf die Stromkreisleitung durchflossenen Leiterlänge (Bild ➋) κ⋅A
(Bild ➊a) und schließt die Zuleitung zum und der Leistungsfaktor cos ϕ. Der 2 ⋅ l ⋅ I ⋅ cos ϕ
Stromkreisverteiler ein, wenn dieser induktive Widerstand der Leitungen wird ∆U ≈ .
κ⋅A
außerhalb des Zählerplatzes angeordnet vernachlässigt, was in der Praxis üblich
ist (Bild ➊b). ist.1) Nach der Umstellung ergibt sich Glei-
Da der Gesamtspannungsfall 4 % nicht In den Gleichungen (1) (3) (5) und (7) wird chung (1) für den Leiterquerschnitt
überschreiten soll, ist ggf. ein kleinerer vom absoluten Spannungsfall ∆U in Volt
Wert anzusetzen. und in (2) (4) (6) und (8) vom prozentualen
1) Bei genaueren Berechnungen, z. B. bei
Spannungsfall
Querschnitten ab 25 mm2, kann auf Bei-
Berechnungsgrundlagen
∆U blatt 5 zu DIN VDE 0100 zurückgegriffen
Der erforderliche Querschnitt errechnet ε= ⋅ 100 % werden, das den induktiven Widerstand
sich nach den in Tafel ➌ zusammenge- Un berücksichtigt.

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Fachwissen Leitungen und Kabel

• Zuleitung Zähler – Verteiler


Der Spannungsfall in der Zuleitung darf
3 damit 3% – 2,48 % = 0,52 % betragen.
% A Mit Gleichung (6) in Tafel ➌ ergibt sich:
16
2 Cu
2 6A mm
1 2,5 3 ⋅ 10 m ⋅ 63 A ⋅ 1 ⋅ 100 %
2 Cu A=
ε 56 m/Ωmm2 ⋅ 0, 52 % ⋅ 400 V
mm
1 1,5
A = 9, 35 mm2
Beispiel Beispiel
2a 1 Dieser Querschnitt ist kleiner als 10 mm2
0 5 10 15 20 25 m 30 Cu und reicht demzufolge aus.
a) l
Motoranschluss. In Anlagen, die mit
A
A 2 50 A Motorschutzschaltern, Bimetallrelais oder
1,5 35 mm 2 25
2
mm einstellbaren Leistungsschaltern ge-
A

m 16 10
63

m schützt werden, ist der eingestellte Wert


% A 10
m2

A
63 A 80 anstelle des Bemessungsstromes der
2 63 2
m

m 2 m
mm 5m
10

1,0 m 3 Sicherung oder des Leitungsschutzschal-


16 25 ters Grundlage der Berechnung. Hier wird
ε
der tatsächliche cos ϕ berücksichtigt, der
bei Motoren meistens bekannt ist.
0,5
Ein kurzzeitig höherer Spannungsfall muß
Beispiel
bei der Querschnittsbestimmung nicht
2b berücksichtigt werden, wenn sich das nicht
0 10 20 30 40 50 60 m 80 negativ auf andere Verbraucher auswirkt.
b) l Die TAB lassen deshalb gemäß Abschnitt
8.1.2 nur einen Anzugstrom bis 60 A für
➍ Diagramme zur Ermittlung des Querschnitts zur Ermittlung des Querschnitts für Cu-Lei- Drehstrommotoren und Wechselstrom-
motoren bis 1,4 kW Nennleistung zu.
ter anhand des zulässigen Spannungsfalls, des Bemessungsstromes der LS-Schalter bzw.
der Sicherungen und der Leitungslänge (cos ϕ = 1) Überlastfreie Verbraucher. In Strom-
a) Wechselstromleitungen 1,5 und 2,5 mm2 kreisen mit Verbrauchsmitteln, bei denen
b) Drehstromleitungen 10 und 16 mm2 keine Überlastung auftreten kann, erfolgt
die Berechnung mit dem Bemessungs-
strom des Verbrauchsmittels und nicht
Beispiel 1. Für eine in einem Einfamilien- der Sicherung oder des LS-Schalters. Das
2 ⋅ l ⋅ I ⋅ cos ϕ
A≈ . haus vom Stromkreisverteiler im Zähler- ist z. B. bei Elektroherden der Fall. Hier
κ ⋅ ∆U platz 25 m entfernt angeordnete Steck- wird die installierte Leistung bzw. der
dose mit Schutzkontakt ergibt sich bei der höchste je Außenleiter fließende Strom in
Vorgaben für den Bemessungsstrom und Absicherung mit einem LS-Schalter 16 A die Gleichung eingesetzt.
den Leistungsfaktor cos ϕ bei ε = 3 % für Kupferleitungen nach Glei-
Öffentliches NS-Netz. In Anlagen und chung (2) in Tafel ➌ der Querschitt Mehrere Stromkreisverteiler. Liegen
Wohngebäuden, die an das öffentliche Nie- mehrere Stromkreisverteiler in Reihe, so
derspannungsnetz angeschlossen werden, 2 ⋅ 25 m ⋅ 16 A ⋅ 1 ⋅ 100 % addieren sich die Spannungsfälle
A=
ist stets der Bemessungsstrom der vorge- 56 m/Ωmm2 ⋅ 3 % ⋅ 230 V ε = ε1 + ε2 + ... + εn.
schalteten Sicherung oder des Leitungs-
A = 2, 07 mm2 .
schutzschalters bei der Ermittlung des Auch bei dem am weitesten vom Bezugs-
Spannungsfalls zugrundezulegen. Gewählt wird der nächste genormte Quer- punkt, z. B. dem Zähler entfernten Ver-
Entsprechende Vorgaben sind in den schnitt von 2,5 mm2 Cu. braucher, darf der zulässige Spannungs-
AVBEltV und in DIN 18015-1 enthalten. fall nicht überschritten werden. Er läßt
Dieses Herangehen ist für die Bemessung Beispiel 2. Die Steckdose im Beispiel 1 sich auch mit Tabellen ermitteln, die u. a.
des Spannungsfalls in Zuleitungen zu Ver- ist nur 15 m vom Stromkreisverteiler ent- das Beiblatt 5 zu DIN VDE 0100 enthält.
teilern und für Steckdosenstromkreise fernt. Der Verteiler ist außerhalb des Mit den Gleichungen in Tafel ➌ erarbeite-
auch dort zu empfehlen, wo solche Forde- Zählerplatzes angeordnet und wird durch te Diagramme (Bild ➍) bringen einen er-
rungen nicht erhoben werden. eine 10 m lange Zuleitung mit Drehstrom heblichen Zeitgewinn. Die Beispiele sind
Ähnlich ist es mit dem cos ϕ. Hier ist der 3 x 63 A vom Zähler eingespeist. Es ist zu zur Veranschaulichung eingezeichnet.
für die Berechnung ungünstigste Fall, also prüfen, ob ein Querschnitt 5 x 10 mm2 Cu H. Senkbeil ■
cos ϕ = 1, anzunehmen. der Zuleitung zum Zähler ausreicht, wenn
Mit den Gleichungen in Tafel ➌ wird der die Leitung zur Steckdose mit dem Quer-
Spannungsfall bei einer Leitertempera- schnitt 3 x 1,5 mm2 Cu ausgeführt wird.
tur von 20 °C ermittelt, wie das in der • Stromkreis zur Steckdose
Praxis üblich ist. Bei höheren Leitertem- 2 ⋅ 15 m ⋅ 16 A ⋅ 1 ⋅ 100 % Heft 1/2001 LERNEN
peraturen vergrößert sich durch den A= & KÖNNEN
56 m/Ωmm2 ⋅ 3 % ⋅ 230 V
erhöhten Leitungswiderstand der Span-
nungsfall. Bei einer zulässigen Be- A = 1, 24 mm2 Bemessung nach der
triebstemperatur von 70 °C sind das Beim Querschnitt 1,5 mm2 Cu reduziert Strombelastbarkeit
etwa 20 %. sich ε auf (1,24/1,5) · 3 % = 2,48 %.

LERNEN KÖNNEN 12/00 11


Fachwissen Leitungen und Kabel

Verlegeart. Je nach Verlegeart (Tafel ➊)

Querschnittbestimmung sind an der Wärmeabführung Wärmelei-


tung, Konvektion oder Wärmestrahlung in
unterschiedlicher Weise beteiligt. Günsti-

von Kabeln und Leitungen ge Bedingungen liegen dort vor, wo unge-


hindert Wärme abgeführt werden kann.
Das ist z. B. bei Leitungen auf Abstands-
Teil 2: Strombelastbarkeit schellen oder an Spannseilen der Fall.
Hier nimmt bei entsprechend großem
Raumvolumen die umgebende Luft die
Im Teil 1 wurde die Bemes- Wärme auf. Luftpolster in Rohren und
sung des Querschnitts nach tungslänge und gleicher Stromflußdauer Kanälen, Wärmedämmschichten, Mantel-
unterschiedliche Verlustwärmemengen. isolierungen und Hohlräume haben dage-
den Kriterien Mindestquer- Grundlage für deren Ermittlung ist die gen einen hohen Wärmewiderstand, der
schnitt und Spannungsfall Verlustleistung. Je Leiter gilt: die Wärmeableitung behindert. Das ist
behandelt. Mit der Auswahl I2 ⋅ l
besonders dort der Fall, wo in Rohre ein-
nach der Strombelastbarkeit PV = gezogene Leitungen oder Kabel in Wärme-
κ⋅A dämmschichten eingebettet werden.
wird die Beitragsfolge fortge-
Pv Verlustleistung in W
setzt. Als Grundlage für die I Belastungsstrom in A Umgebungstemperatur. Eine Wärmeab-
Bemessung dient die Norm A Leiterquerschnitt in mm2 führung ist nur möglich, wenn die Umge-
DIN VDE 0298 Teil 4 [1]. κ elektrische Leitfähigkeit in m/(Ω mm2) bungstemperatur niedriger ist als die
l Leitungslänge in m Betriebstemperatur des Kabels oder der
Leitung. Je größer das Temperaturgefälle,
Für Wechselstrom muss der errechnete desto mehr Wärme kann in der gleichen
Wert mit zwei und für symmetrische Dreh- Zeit abgegeben werden. Kabel und Lei-
Strombelastbarkeit strombelastung mit drei multipliziert tungen dürfen deshalb bei höheren Um-
werden, um die Verlustleistung je Leitung gebungstemperaturen weniger belastet
Unter Strombelastbarkeit ist der zulässige zu bestimmen. Die Verlustwärmemenge werden als bei niedrigeren Werten.
Belastungsstrom zu verstehen, den ein erhält man durch Multplikation mit der
Kabel oder eine Leitung einer bestimmten Stromflußdauer. Häufung. Die ungehinderte Wärmeablei-
Ausführung (Leiter- und Isolierwerkstoff, Die durch den Strom erzeugte Verlustwär- tung wird gestört, wenn Kabel und Leitun-
Leiterquerschnitt, Aufbau) bei einer vorge- me wird über die Leiter- und Mantelisolie- gen gehäuft verlegt werden. Sie erwärmen
gebenen Betriebsart, festgelegten Verle- rung, über Rohre und Kanäle an die um- sich gegenseitig. Deshalb dürfen gehäuft
gebedingungen (Verlegeart, Häufung, Um- gebende Baukonstruktion (Mauerwerk, verlegte Kabel und Leitungen nur geringer
gebungstemperatur) sowie äußeren Ein- Beton) oder direkt an die Luft abgegeben. belastet werden als eine Einzelleitung. Es
flüssen, z. B. Sonneneinstrahlung, führen Die Wärmeabführung wird durch den Wär- ist allerdings möglich, darauf zu verzich-
kann, ohne sich über die festgelegte Be- mewiderstand Rth der verlegten Leitung ten, wenn ein Abstand vom zweifachen
triebstemperatur hinaus zu erwärmen. charakterisiert. Dieser Widerstand nimmt größten Außendurchmesser der Leitung
Oftmals wird der Leiterquerschnitt nur an- umgekehrt proportional zur Leitungslänge eingehalten wird.
hand der Strombelastbarkeit in Verbin- ab. Als Temperaturerhöhung gegenüber
dung mit dem Überlastschutz bestimmt. der Umgebungstemperatur ergibt sich Wärmebeständigkeit der Isolierung. Es
Dabei wird übersehen, dass der damit ϑ Ltg − ϑ U = PV ⋅ Rth . ist erforderlich, bei der Auswahl des
ermittelte Wert nicht die Gewähr dafür Kabels oder der Leitung die zulässige
bietet, dass alle anderen Kriterien damit ϑLtg Leitungstemperatur in °C Betriebstemperatur zu beachten. Sie darf
automatisch erfüllt sind. So sind z. B. der ϑU Umgebungstemperatur in °C nicht höher sein als der zulässige Wert.
Schutz beim indirekten Berühren durch Pv Verlustleistung in W Das am häufigsten verwendete Isolierma-
automatische Abschaltung der Stromver- Rth Wärmewiderstand in K/W terial PVC hat eine zulässige Betriebstem-
sorgung durch Leitungsschutzsicherun- peratur von 70 °C, sofern nicht die Aus-
gen, Leitungsschutzschalter oder andere Da die Verlustleistung mit der Leitungs- führung mit erhöhter Wärmebeständigkeit
Überstromschutzeinrichtungen, die Ein- länge zunimmt und der Wärmewiderstand von 90 °C gewählt wird. 90 °C sind nur
haltung des im Teil 1 besprochenen Span- im gleichen Maß abnimmt, hängt die Lei- zulässig, wenn die angeschlossenen
nungsfalls und der Kurzschlussschutz von tungstemperatur vom Quadrat des Belas- Betriebsmittel ebenfalls für diese Tempe-
der Leitungslänge abhängig. Die Leitungs- tungsstromes ab und nicht von der Lei- ratur ausgelegt sind. Die Tabelle 1 in [1]
länge hat aber keinen Einfluß auf die tungslänge. gibt eine Übersicht über die Kabel- und
Strombelastbarkeit. Eine unzulässige Erwärmung lässt sich Leitungsbauarten mit den zulässigen Be-
nur verhindern, wenn die durch den Strom- triebstemperaturen am Leiter mit Hinweis
Die Wärmeentwicklung (Temperaturerhöhung fluß verursachte Wärme auch abgeführt auf die zutreffende Tabelle für die zulässi-
gegenüber der Umgebungstemperatur) in wird. Übersteigt der Belastungsstrom und ge Strombelastbarkeit.
einem Leiter ist abhängig vom Leitermaterial damit die Verlustleistung den zulässigen
(Cu oder Al), vom Quadratwert des Belas- Wert, so erhöht sich die Temperatur und
tungsstromes, dem Leiterquerschnitt und
der Zeitdauer des Stromflusses
überschreitet die für den Leitungstyp
maximal zulässige Betriebstemperatur.
Querschnittbestimmung
Die Verlegebedingungen beeinflussen die bei normalen Bedingungen
Durch unterschiedliche elektrische Leit- Wärmeabführung maßgeblich. Einfluß auf
werte ergeben sich bei gleicher Strom- diesen Prozess haben vor allem die fol- Normale Bedingungen liegen bei den üb-
stärke, gleichem Querschnitt, gleicher Lei- genden Faktoren: lichen Kabeln und Leitungen mit einer Be-

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Leitungen und Kabel Fachwissen

Tafel ➊ Verlegearten von Kabeln und Leitungen für feste Verlegung in Gebäuden nach [1]
Referenzverlegeart1) A1 A2 B1 B2

Darstellung

Verlegung in wärmegedämmten Wänden Verlegung in Elektro-Installationsrohren oder geschlossenen


oder Fußböden Elektro-Installationskanälen auf oder in Wänden, in Kanälen
für Unterflurverlegung (in offenen oder belüfteten Kanälen), auch
in aufgestellten Fußböden und in Gebäudehohlräumen
Aderleitung mehradrige Kabel oder
Verlegebedingung im Elektro- Mantelleitung Aderleitung oder mehradrige Kabel oder
Installations- im Elektro- einadrige Kabel/Mantel- Mantelleitungen3)
rohr oder Installations- direkt verlegt leitungen2)
-kanal rohr oder
-kanal
Referenzverlegeart C E F G

Darstellung

Direkte Verlegung auf Wänden/Decken, Stegleitungen Verlegung frei in Luft, an Tragseilen sowie auf
auf ungelochten Kabelwannen, in in Wänden/ gelochten Kabelwannen, Kabelpritschen
Fußleistenkanälen sowie im Mauer- Decken und Kabelkonsolen
Verlegebedingung werk oder Beton mit einem spezifi-
schen Wärmewiderstand  2 K m/W
einadrige Kabel mehradrige Kabel mehradrige Kabel einadrige Kabel oder Mantelleitungen
oder oder oder
Mantelleitungen Mantelleitungen Mantelleitungen mit Berührung ohne Berührung,
auch Aderleitungen
auf Isolatoren

1)
2)
Ausführung nach Kennziffern in Tabelle 7 ➋
in [1]
in Gebäudehohlräumen mit kleinem Querschnitt = B2
3) in Gebäudehohlräumen mit großem Querschnitt = B1

triebstemperatur von 70 °C vor, wenn die mit konstantem Belastungsstrom aus- Installationen in Wohnungen und ähnli-
Strombelastbarkeit den Belastbarkeits- gelegt. Bei niedrigerer Belastung sind chen Bauten. Sie sind ein Beispiel, wo
tabellen in [1], Tabelle 3 und 4, entnom- Reserven vorhanden.), auch bei Leitungshäufungen Umrech-
men werden kann und keine Umrechnung 2. die Umgebungstemperatur den Bezugs- nungsfaktoren außer Acht bleiben kön-
mit Umrechnungsfaktoren erfolgen muss. wert in der jeweiligen Tabelle von 30 °C nen. Die Stromkreise werden in der Regel
Tafel ➋ gibt auszugsweise einige Werte oder 25 °C nicht überschreitet und nicht gleichzeitig und auch nicht mit
wieder. Sie gelten bei einer Umgebungs- 3. keine Kabel- und Leitungshäufungen Dauerstrom belastet. Ausgenommen
temperatur von 30 °C. In Deutschland berücksichtigt werden müssen. davon sind mit Dauerlast beaufschlagte
wurde schon seit Jahrzehnten entspre- Das trifft bei Einzelverlegung zu, kann Stromkreise, z. B. für Nachtstromspei-
chend den klimatischen Bedingungen die aber selbst dort möglich sein, wo Kabel cherheizungen. Hier darf auf einen Um-
Strombelastbarkeit auf eine Umgebungs- und Leitungen unmittelbar nebeneinander rechnungsfaktor für Leitungshäufungen
temperatur von 25 °C bezogen. Im Anhang liegen und sich gegenseitig berühren. Hier nicht verzichtet werden, weil bei der
A zur Norm [1] sind in den Tabellen A 1 ist eine Prüfung der Belastungsverhältnis- erwarteten längeren Betriebsdauer die
und A 2 die zutreffenden Werte der Strom- se notwendig. zulässige Betriebstemperatur überschrit-
belastbarkeit ausgewiesen. Tafel ➋ ent- ten werden kann.
hält ebenfalls Auszüge daraus. Bedingungen bei Einzelverlegung. Jedes
Für in Erde verlegte Kabel gelten andere Installationsrohr oder jeder Installations- Ermittlung der Strombelastbarkeit. Es ist
Betriebsbedingungen, auf die hier nicht kanal darf, bei mehrzügigen Kanälen je- die zutreffende Referenzverlegeart festzu-
eingegangen werden soll. Leitungen der Zug, nur einen Stromkreis mit Ader- legen. Für die feste Verlegung sind dazu
dürfen nicht in der Erde verlegt werden. leitungen oder eine mehradrige Mantel- in [1], Tabelle 2, insgesamt acht Refe-
leitung enthalten. Bei benachbarten Ka- renzverlegearten mit den zugehörigen Be-
Voraussetzungen. Eine Anwendung von beln und Leitungen muss der lichte Ab- triebsbedingungen angegeben. In der Pra-
Tafel ➋ setzt voraus, dass stand das Zweifache des größten Außen- xis sind wesentlich mehr Verlegearten üb-
1. die Belastung nicht größer sein darf als durchmessers betragen. Das gilt auch lich. Hier muß man selbst eine Zuordnung
der zulässige Tabellenwert für das Verlegen auf Kabelwannen oder zu der jeweils zutreffenden Referenzverle-
(Die Tabellen sind für Dauerbelastung Pritschen. geart vornehmen. Für häufig vorkommen-

10 LERNEN KÖNNEN 1/01


Fachwissen Leitungen und Kabel

de Verlegearten sind in Tafel ➊ die zu PEN- oder N-Leiters mit drei anzusetzen. oder PEN-Leiter aber sogar höher sein
empfehlenden Referenzverlegearten zu- Das gilt nicht, wenn der N- oder PEN-Leiter als der Außenleiterstrom, wenn Verbrau-
sammengefasst. Eine weitere Hilfestel- belastet, die Außenleiter aber nicht ent- cher einen nicht sinusförmigen Strom
lung liefert Tabelle 7 in [1]. lastet werden. verursachen. Ist das der Fall, dann muss
Lässt sich eine Leitung auf ihrem Weg Die Gründe beruhen auf der Tatsache, auch der 4. Leiter berücksichtigt und
zum Verbraucher verschiedenen Verlege- dass bei einer symmetrischen Belastung ggf. ein größerer Querschnitt gewählt
arten zuordnen, dann ist die Referenzver- mit sinusförmigen Strömen im PEN- bzw. werden. Auf Einzelheiten kann in diesem
legeart zu wählen, bei der das Kabel oder N-Leiter kein Strom fließt, aber trotzdem Beitrag nicht detailliert eingegangen wer-
die Leitung am geringsten belastet wer- die höchste thermische Beanspruchung den.
den darf. Für einen gewählten Querschnitt der Leitung durch die Stromwärme er- Die zulässige Strombelastbarkeit Iz muss
ist dann die Strombelastbarkeit Ir der folgt. bei Anwendung der Tafel ➋ größer, min-
Tafel ➋ bzw. den Tabellen in [1] zu ent- Bei unsymmetrischer Belastung fließt im destens aber genau so groß sein wie der
nehmen. N- bzw. PEN-Leiter nur der Ausgleich- Belastungsstrom: Iz ≥ Ib.
Für Wechselstromkreise gelten die Tabel- strom, der in der geometrischen Summe Da keine abweichenden Betriebsbe-
lenwerte für zwei belastete Adern, weil der aller Ströme am Wert Null fehlt. Im Dreh- dingungen vorliegen, ist der Tafelwert Ir
PE-Leiter im fehlerfreien Betrieb stromlos stromsystem ist bekanntermaßen die gleich der zulässigen Strombelastbarkeit
bleibt. Summe aller Ströme gleich Null. Iz und damit gilt hier Iz = Ir ≥ Ib.
Im Drehstromkreis ist die Anzahl der be- Durch Oberschwingungen kann abwei- Der Betriebstrom Ib ist der Nennstrom
lasteten Adern auch bei Mitführung eines chend vom Normalfall der Strom im N- des Verbrauchsmittels, z. B. Motornenn-

Tafel ➋ Belastbarkeit von Kabeln und Leitungen für feste Verlegung in Gebäuden, Betriebstemperatur 70 °C, Umgebungstempera-
turen 25 und 30 °C (nach [1])
Referenzverlegeart A1 A2 B1 B2 C E F G

Verlegung in Wärme in Elektro-


gedämmten Installations- auf einer frei in Luft
Wänden rohren Wand
Anzahl der 2 3 2 3 2 3 2 3 2 3 2 3 2 3 3 3 3
belasteten vert., vert. ge- hori- vert.
Adern hori- hori- bün- zont.
zont. zont delt
Nennquerschnitt Strombelastbarkeit
Cu in mm2 in A
Umgebungstemperatur 30 °C
1,5 15,51) 13,5 15,51) 13,0 17,5 15,5 16,5 15 19,5 17,5 22 18,5 – – – – –
2,5 19,5 18 18,5 17,5 24 21 23 20 27 24 30 25 – – – – –
4 26 24 25 23 32 28 30 27 36 32 40 34 – – – – –
4 – – – – – – – – – 332) – – – – – – –
6 34 31 32 29 41 36 38 34 46 41 51 43 – – – – –
10 46 42 43 39 57 50 52 46 63 57 70 60 – – – – –
10 – – – – – – – 472) – 592) – – – – – – –
16 61 56 57 52 76 68 69 62 85 76 94 80 – – – – –
25 80 73 75 68 101 89 90 80 112 96 119 101 131 114 110 146 130
35 99 89 92 83 125 110 111 99 138 119 148 126 162 143 137 181 162
50 119 108 110 99 151 134 133 118 168 144 180 153 196 174 167 219 197
70 151 136 139 125 192 171 168 149 213 184 232 196 251 225 216 281 254
95 182 164 167 150 232 207 201 179 258 223 282 238 304 275 264 341 311
Umgebungstemperatur 25 °C
1,5 16,51) 14,5 16,51) 14,0 18,5 16,5 17,5 16 21 18,5 23 19,5 – – – – –
2,5 21 19 19,5 18,5 25 22 24 21 29 25 32 27 – – – – –
4 28 25 27 24 34 30 32 29 38 34 42 36 – – – – –
4 – – – – – – – – – 352) – – – – – – –
6 36 33 34 31 43 38 40 36 49 43 54 46 – – – – –
10 49 45 46 41 60 53 55 49 67 60 74 64 – – – – –
10 – – – – – – – 502) – 632) – – – – – – –
16 65 59 60 55 81 72 73 66 90 81 100 85 – – – – –
25 85 77 80 72 107 94 95 85 119 102 126 107 139 121 117 155 138
35 105 94 98 88 133 117 118 105 146 126 157 134 172 152 145 192 172
50 126 114 117 105 160 142 141 125 178 153 191 162 208 184 177 232 209
70 160 144 147 133 204 181 178 158 226 195 246 208 266 239 229 298 269
95 193 174 177 159 246 219 213 190 273 236 299 252 322 292 280 361 330
1) Bei Wandaufbau: Äußere Beplankung 10 mm Holzfaserplatten, Wärmedämmung mit 100 mm Mineralfaser, innere Beplankung mit 25 mm
Holzfaserplatte mit Wärmeleitfähigkeit 0,1 W/K m senkrecht und 0,23 W/K m parallel zur Plattenebene
2) Gilt nicht für Verlegung auf einer Holzwand

LERNEN KÖNNEN 1/01 11


Leitungen und Kabel Fachwissen

Tafel ➍ Umrechnungsfaktoren f2 für Häufung (Auszug aus [1]) Tafel ➌ Umrechnungsfaktoren f1 bei ab-
weichenden Umgebungstemperaturen für
Anordnung Anzahl der Wechsel- oder PVC isolierte Kabel und Leitungen mit Be-
Drehstromkreise
1 2 3 4 5 6 triebstemperatur 70 °C (nach [1])
Gebündelt direkt auf Umgebungs- Umrech-
der Wand, dem temperatur in °C nungsfaktor f1
Fußboden, im Elektro- 1,00 0,80 0,70 0,65 0,60 0,57
Installationsrohr 10 1,22
oder -kanal,auf 15 1,17
oder in der Wand
20 1,12
Einlagig auf der Wand
oder Fußboden, mit 1,00 0,85 0,79 0,75 0,73 0,72 25 1,06
Berührung 30 1,00
35 0,94
Einlagig auf der Wand 40 0,87
dd
oder Fußboden, mit 1,00 0,94 0,90 0,90 0,90 0,90
dd

Zwischenraum gleich 45 0,79


Leitungsdurchmesser 50 0,71
Einlagig unter der
Decke, mit Berührung 0,95 0,81 0,72 0,68 0,66 0,64

Einlagig unter der auch steigen. Sie errechnet sich aus


Decke, mit Zwischen- 0,95 0,85 0,85 0,85 0,85 0,85 Iz = Ir · f1.
dd
raum gleich Leitungs-
durchmesser Da für eine Umgebungstemperatur von
Anzahl der
25 °C die Strombelastbarkeit der Tafel ➋
Wannen verwendet werden kann, ist dafür keine
Gelochte 1 1,00 0,88 0,82 0,79 – 0,76 Umrechnung erforderlich. Wenn jedoch
Kabelwanne, 2 1,00 0,87 0,80 0,77 – 0,73 der Umrechnungsfaktor für die Häufung zu
mit Berührung 3 1,00 0,86 0,79 0,76 – 0,71 beachten ist, gilt nur der Bereich der Tafel
6 1,00 0,84 0,77 0,73 – 0,68
➋ für eine Umgebungstemperatur von
Ungelochte 1 0,97 0,84 0,78 0,75 – 0,71 30 °C.
Kabelwanne, 2 0,97 0,83 0,76 0,72 – 0,68
mit Berührung 3 0,97 0,82 0,75 0,71 – 0,66 Beispiel 3: Wie hoch darf die im ersten
6 0,97 0,81 0,73 0,69 – 0,63
Beispiel genannte Leitung belastet
werden, wenn sie streckenweise parallel
zu Heizungsleitungen verlegt wird, wo die
strom, Nennstrom der Steckdose oder bei Abweichende Betriebs- Umgebungstemperatur 40 °C betragen
Zuleitungen zu Verteilungen der Nenn- kann?
strom des Überstromschutzorgans der bedingungen Antwort: Die Strombelastbarkeit Ir für
entsprechenden Leitung. Als abweichende Bedingungen bei der eine Mantelleitung NYM-J 5 x 6 mm2 bei
Querschnittbestimmung sind zu berück- der Verlegeart C ist in Tafel ➋ für eine
Beispiel 1: Wie hoch darf bei einer sichtigen: Umgebungstemperatur 30 °C mit 41 A
Umgebungstemperatur von 25 °C eine • eine andere Umgebungstemperatur als ausgewiesen. Nach Tafel ➌ ist für eine
zum Teil auf Abstandsschellen und zum 30 °C oder 25 °C und Umgebungstemperatur 40 °C ein Umrech-
Teil auf gelochter Kabelbahn verlegte • mehrere gemeinsam verlegte Kabel nungsfaktor f1 = 0,87 zu wählen. Die
und mit Drehstrom betriebene Mantel- und Leitungen, wenn sie sich gegen- Leitung kann mit
leitung NYM-J 5 x 6 mm2 Cu belastet wer- seitig berühren oder in einem Zug eines
Iz = Ir · f1 = 41 A · 0,87 = 35,7 A
den? Kanals oder einem einzügigen Kanal
Antwort: Nach Tafel ➊ ist das Verlegen verlegt sind oder wenn bei paralleler belastet werden.
auf Abstandsschellen der Verlegeart C, Verlegung ein lichter Abstand vom zwei-
das Verlegen auf einer gelochten Kabel- fachen Außendurchmesser des Kabels Häufung. Bei Kabel- und Leitungshäufun-
wanne Verlegeart E zuzuordnen. Zu mit dem größten Querschnitt nicht ein- gen ist ein Umrechnungsfaktor f2 zu
wählen ist die Verlegeart C, weil hier der gehalten wird. berücksichtigen. Er ist aus Tafel ➍ zu ent-
Wärmewiderstand größer ist als bei E. nehmen, sofern die darin auszugsweise
Nach Tafel ➋ ist für drei belastete Adern Abweichende Umgebungstemperaturen. genannten Bedingungen zutreffend sind.
eine Strombelastbarkeit Ir = 43 A zuläs- Diese können sowohl über als auch un- Wenn ein Faktor f2 für Häufung angewen-
sig. Da keine Umrechnung notwendig ist, ter 30 °C liegen. Die Strombelastbarkeit det werden muss, so ist die Strombelast-
gilt Ir = Iz = 43 A. bei höheren oder niederen Temperaturen barkeit Iz stets kleiner als Ir .
als 30 °C errechnet sich durch Multi- Bei formaler Anwendung der Faktoren f2
Beispiel 2: Wie hoch darf bei einer Umge- plikation der Strombelastbarkeitswerte Ir können sich nicht gerechtfertigte Belas-
bungstemperatur von 25 °C eine im Fuß- in Tafel ➋ mit den zutreffenden Um- tungsreduzierungen ergeben. Deshalb
boden verlegte Mantelleitung 3 x 2,5 mm2 rechnungsfaktoren f1 für abweichende sollte bei der Bestimmung dieses Um-
Cu belastet werden? Umgebungstemperaturen. Auszugsweise rechnungsfaktors Folgendes berücksich-
Antwort: Nach Tafel ➊ ist Verlegeart A2 sind die zutreffenden Umrechnungs- tigt werden:
zu wählen. Das gilt für das Verlegen ohne faktoren für Kabel und Leitungen mit • Die Umrechnungsfaktoren f2 gelten für
und mit Rohr gleichermaßen. Nach einer Betriebstemperatur 70 °C in Tafel Dauerbetrieb mit konstantem Belas-
Tafel ➋ ist eine Strombelastbarkeit ➌ wiedergegeben. Die Strombelast- tungsstrom. Bei geringerer Belastung
Ir = Iz = 19,5 A zulässig. barkeit Iz kann damit sowohl fallen als können sie höher sein. So wird z. B. der

12 LERNEN KÖNNEN 1/01


Fachwissen Leitungen und Kabel

Wert 1 erreicht, wenn vier gehäuft ver- Wird der Querschnitt gesucht (Tafel ➋), Anmerkung. Um wirtschaftlich zu bleiben,
legte Leitungen jeweils mit dem halben dann ist zu setzen sollte man in der Praxis Lösungen anstre-
Belastungstrom betrieben werden. Ib ben, wo sich Verlegearten mit hohem
Durch die Abhängigkeit vom Quadrat Ir ≥ . Wärmewiderstand umgehen lassen und
des Belastungsstroms sinkt die Ver- f1 ⋅ f2 auf Umrechnungsfaktoren nach Möglich-
lustwärme in einer Leitung auf 25 %. Beispiel 4: Auf einer ungelochten Kabel- keit verzichtet werden kann. Patentrezep-
• Aus den zuvor genannten Gründen ist wanne werden in einer Heizungsanlage für te gibt es dafür nicht. Es ist aber immer zu
es nicht erforderlich, Leitungen zu den Anschluss von drei mit Drehstrom be- überlegen, ob nicht ein anderer Leitungs-
berücksichtigen, die unter 30 % des triebenen Pumpen je eine Stromkreis- weg gewählt werden sollte, bei dem sich
zulässigen Wertes belastet werden. leitung NYM-J und eine Steuerleitung ver- die Anzahl der in einem Leitungsbündel
• Auch Gleichzeitigkeitsfaktoren sollten legt. Die Pumpen arbeiten im Dauerbe- zusammengefassten Leitungen durch
beachtet werden, weil sich damit die trieb. Der Betriebstrom Ib beträgt 24 A. eine andere Zuordnung reduzieren lässt.
Belastungen ändern. Von den Pumpen ist stets eine in Reserve. H. Senkbeil
• Häufungen bis 1 m Länge, wie sie sich Die Umgebungstemperatur beträgt 25 °C.
z. B. bei der Einführung in Verteiler er- Welcher Querschnitt ist erforderlich? Literatur
geben, können außer Betracht bleiben. Antwort: Da nur zwei Motoren gleichzeitig [1] DIN VDE 0298-4 (VDE 0298 Teil 4): 1998-
• Bei gemischter Belegung besteht die laufen, sind nur zwei Leitungen zu berück- 11 Verwendung von Kabeln und isolierten
Gefahr, dass Leitungen mit kleinerem sichtigen. Die Steuerleitungen bleiben Leitungen für Starkstromanlagen; Teil 4:
Querschnitt stärker erwärmt werden. außer Betracht. Zu wählen ist nach Tafel Empfohlene Werte für die Strombelastbar-
Hier ist es angebracht, Leitungen mit ➊ die Verlegeart C. Nach Tafel ➍ ist für keit von Kabeln und Leitungen für die feste
Verlegung in Gebäuden und von flexiblen
hohem Belastungsstrom möglichst im das Verlegen von 2 Leitungen auf einer
Leitungen.
Abstand (zweifacher Durchmesser) ungelochten Kabelwanne mit einem Um-
oder zumindest am Rand des Bündels rechnungsfaktor f2 = 0,84 zu rechnen. Der
zu verlegen. Umrechnungsfaktor f1 für 25 °C ist in Ta- Korrektur: Im ersten Teil (LuK 12/00, Seite
• Für eine unter der Decke verlegte Lei- fel ➌ mit 1,06 ausgewiesen. ➌
10, Tafel ) ist im Zähler der Formeln vier und
tung gilt f2 = 0,95, womit den Aus- Der Tafelwert Ir ist aus Tafel ➋ zu ent- acht der Strom I zu streichen.
wirkungen eines Wärmestaus entge- nehmen, wobei gilt
gengetreten wird. Ib 24 A
Die Strombelastbarkeit errechnet sich Ir = = = 26, 95 A
aus Iz = Ir · f2. f1 ⋅ f2 1, 06 ⋅ 0, 84 LERNEN
Heft 2/2001
Gemäß Tafel ➋ ist eine Leitung NYM-J mit
& KÖNNEN
Muss außerdem der Umrechnungsfaktor
für abweichende Umgebungstemperatu- 5 x 4 mm2 Cu erforderlich. Der darunter-
ren f1 berücksichtigt werden, dann ergibt liegende Querschnitt 2,5 mm2 Cu ist nur Bemessung nach Überlastschutz
sich Iz = Ir · f1 · f2. bis 25 A belastbar.

Passgenaue Mitarbeiter
Sechs von zehn Ausbil-
dungsbetrieben in Deutsch- Warum Betriebe Auszubildenden
land bieten ihren Azubis Zusatzqualifikationen anbieten
schon während der Ausbil- Befragung von Betrieben*, die ihren Azubis deutlich über die Inhalte der Ausbildung
dung oder direkt danach hinausgehende Qualifikationen anbieten: Nennungen in %
Gelegenheit, zusätzliche „Trifft eher zu” „Trifft voll und ganz zu” Insgesamt
Kenntnisse zu erwerben. Passgenauere Ausbildung
Zwei Drittel der Ausbil- gemäß betrieblichem Bedarf 30 51 81
dungsbetriebe rechnen mit Gewinnung leistungs-
einem in den nächsten Jah- starker Auszubildender 30 47 77
ren zunehmenden Bedarf Bindung leistungs-
an Zusatzqualifikationen. 40 23 63
starker Auszubildender
Wichtigster Antrieb für die Kostengünstiger als
Unternehmen ist die Ge- spätere Weiterbildung 29 28 57
winnung effizienter Mit- Ausbildungsordnung
arbeiter. Das macht die nicht mehr bedarfsgerecht 23 14 37
Rekrutierung leistungsstar- Wirklich passender
ker Azubis und deren pass- Ausbildungsberuf fehlt
7 4 11
genaue Ausbildung nötig. Quelle: BIBB
*Anfang 2000
107 1100

LERNEN KÖNNEN 1/01 13


Leitungen und Kabel Fachwissen

Querschnittbestimmung von
Der Nennstrom In muss eher kleiner sein
als Iz . Unter Einbeziehung des Betriebs-
stroms Ib ergibt sich daraus nach [1] die
Bedingung (Nennstromregel)

Kabeln und Leitungen Ib ≤ In ≤ Iz .


Ib Betriebstrom des Stromkreises
(1)

Teil 3: Schutz bei Überstrom – Schutz bei Überlast In Nennstrom der Schutzeinrichtung
Bei einstellbaren Schutzeinrichtungen
entspricht In dem eingestellten Wert
Die Querschnittbestimmung – Leitungsschutzsicherungen der Betriebs- Iz Strombelastbarkeit des Kabels oder
nach Mindestquerschnitt, klasse gG nach DIN VDE 0636 mit den der Leitungsschutzschalter
Bauarten Neozed-Sicherungen (DO-
Spannungsfall und Strombe-
System), Diazedsicherungen (D-System) Der Schutz bei Überlast ist damit allein
lastbarkeit (Teile 1 und 2) und NH-Sicherungen (NH-System) aber nicht zu gewährleisten, weil das Aus-
reicht allein nicht aus. Ergän- – Leitungsschutzschalter nach DIN VDE löseverhalten der Überstromschutzein-
zend werden im Folgenden die 0641 Teil 11 richtung unberücksichtigt bleibt. In [1]
Besonderheiten des Schutzes – Nichteinstellbare Leistungsschalter der wird deshalb gefordert, dass der Auslöse-
K- und Z-Charakteristik strom der Schutzeinrichtung I2 (großer
bei Überlast erläutert. – Selektive Hauptleitungsschutzschalter. Prüfstrom) nicht größer sein darf als der
 Überstromschutzeinrichtungen, die nur 1,45-fache Wert der Strombelastbarkeit
bei Überlast schützen Iz . Daraus ergibt sich die als Auslöseregel
Hierbei handelt es sich um stromabhängig bezeichnete Bedingung
Schutz bei Überstrom verzögerte Schutzeinrichtungen mit unzu-
I2 ≤ 1,45 · Iz (2)
reichendem Schaltvermögen, z. B. Schütze
Damit sich Kabel und Leitungen nicht un- mit Überlastauslöser oder mit ther-
zulässig erwärmen, müssen sie bei Über-
strom geschützt werden. Überstrom ist
mischen Auslösern versehene Motorstar-
ter.
Zeit-Strom-Kennlinien
jeder Strom, der die Strombelastbarkeit
überschreitet. Nach den Entstehungsur-
 Überstromschutzeinrichtungen, die nur
bei Kurzschluss schützen
der Schutzeinrichtungen
sachen ist zwischen Überlaststrom und Sie müssen Kurzschlussströme bis zum In den Prinzipdarstellungen der Zeit-
Kurzschlussstrom zu unterscheiden. Strom bei vollkommenem Kurzschluss an Strom-Kennlinien für Leitungsschutzschal-
Ein Überlaststrom entsteht in einem feh- ihrer Einbaustelle unterbrechen können. ter (Bild ➊) und für Leitungsschutzsiche-
lerfreien Stromkreis durch Überlastung Dazu zählen Leistungsschalter mit Schnell- rungen der Betriebsklasse gG (Bild ➋)
eines einzelnen oder durch den gleich- auslösern und Teilbereichssicherungen. gibt der obere Kurvenverlauf für die Auslö-
zeitigen Betrieb mehrerer Verbraucher. sung an, nach welcher Zeit ein Überstrom
Der Kurzschluss ist eine durch einen Feh- zur Unterbrechung des Stromkreises
ler entstandene leitende Verbindung zwi-
schen betriebsmäßig gegeneinander un-
Schutz bei Überlast – führt. Der Überlastbereich von Leitungs-
schutzschaltern ist am gekrümmten Kur-
ter Spannung stehenden Leitern (aktiven Zuordnungsbedingungen venverlauf erkennbar (Bild ➊).
Teilen), wenn im Fehlerstromkreis kein Die Auslösezeiten sind in den Bildern nur
Nutzwiderstand liegt. Der dadurch entste- Der Schutz bei Überlast setzt voraus, in ihrer Tendenz zu entnehmen. Deshalb
hende Kurzschlussstrom ist in der Regel dass der Nennstrom In der Überstrom- sei hier ergänzt, dass der große Prüfstrom
erheblich größer als ein Überlaststrom. Es schutzeinrichtung nicht größer ist als der I2 (If bei Sicherungen) bei Schutzeinrich-
ist zwischen dem Schutz bei Überlast und zulässige Belastungsstrom oder die tungen bis 63 A 1 Stunde, bei größeren
dem Schutz bei Kurzschluss zu unter- Strombelastbarkeit Iz des zu schützenden Nennströmen auch 2, 3 oder 4 Stunden
scheiden. Zwischen beiden gibt es viele Kabels bzw. der Leitung (s. Teil 2). fließen kann, bevor eine Auslösung erfolgt.
Gemeinsamkeiten. Sie wirken zusammen
und ergänzen sich. Für den Überstrom-
schutz gilt deshalb auch DIN VDE 0100
t
Teil 430 [1] als gemeinsame Norm. So- t Bimetallauslöser elektromagnetischer If = 1,6 · In
1h
wohl zum Überlast- als auch zum Kurz- Überlast Auslöser If
Kurzschlussschutz Inf Inf = 1,25 · In
schlussschutz sind Überstromschutzein- 1h I2
richtungen erforderlich. Ihre Aufgabe ist I1
es, den Überstrom zu unterbrechen, bevor Auslösung
eine Schädigung der Isolierung der Kabel Auslösung
bzw. Leitungen und anderer Betriebsmittel
Streubereich
im angeschlossenen Stromkreis eintritt. Streubereich
Nicht-
Unterschieden werden: auslösung Nicht-
 Überstromschutzeinrichtungen, die den auslösung
Schutz bei Überlast und Kurzschluss über- I4 I5
Bemessungsstrom Ir Si I
nehmen ~0,01 s
Sie müssen jeden Überstrom bei vollkom-
menem Kurzschluss an ihrer Einbaustelle Bemessungsstrom Ir LS I ➋ Zeit-Strom-Kennlinie
unterbrechen können. Schmelzsicherungseinsatz
In der Gebäudeinstallation sind vor allem ➊ Zeit-Strom-Kennlinie LS-Schalter (Prinzip) Betriebsklasse gG (Prinzip)
folgende Schutzeinrichtungen üblich:

8 LERNEN KÖNNEN 2/01


Fachwissen Leitungen und Kabel

Tafel ➊ Prüfströme sowie Auslöse- und Nichtauslösezeiten von Leitungsschutzschaltern nach DIN VDE 0641 Teil 11
Auslösecharak-- Thermischer Auslöser Elektromagnetischer Auslöser Anwendbar für
teristik Nichtauslöse- Auslösestrom Zeit t Nichtauslöse- Auslösestrom Zeit t Betriebsmittel
strom I1 I2 in h strom I4 I5 in s

B 3 · In 5 · In Kabel, Leitungen
Leuchten, Haushalt-
C 1,13 · In 1,45 · In 5 · In 10 · In geräte (bei Einschalt-
stromspitzen „C“)
Verbraucher mit sehr
D ≤1 10 · In 20 · In ≤ 0,1
hohen Einschaltströmen
K1) 8 · In 14 · In Motoren mit hohen
1,05 · In 1,20 · In Anlaufströmen „K“
Z1) 2) 2 · In 3 · In Halbleiter „Z“

1) Leistungsschalter nach DIN VDE 0660 Teil 101; 2) Ablösung durch R-Charakteristik vorgesehen

Tafel ➋ Belastbarkeit von Kabeln und Leitungen für feste Verlegung in Gebäuden, Betriebstemperatur 70 °C, Umgebungstempe-
raturen 25 °C und Zuordnung des Bemessungsstroms In von Überstrom-Schutzeinrichtungen mit I2 ≤ 1,45 · In nach [1]
Referenzverlegeart A1 A2 B1 B2 C E F G

Verlegung in Wärme in Elektro- auf einer


gedämmten Installations- Wand frei in Luft
Wänden rohren
Anzahl der 2 3 2 3 2 3 2 3 2 3 2 3 2 3 3 3 3
belasteten Adern vert., vert., ge- horizont. vert.
horizont. horizont. bündelt
Nennquerschnitt Strombelastbarkeit Iz in A
Cu in mm2 Nennstrom In in A
Umgebungstemperatur 25 °C
1,5 Iz 16,51) 14,5 16,51) 14,0 18,5 16,5 17,5 16 21 18,5 23 19,5
– – – – –
In 16 13 16 13 16 16 16 16 20 16 20 16
2,5 Iz 21 19 19,5 18,5 25 22 24 21 29 25 32 27
– – – – –
In 20 16 16 16 25 20 20 20 25 25 32 25
4 Iz 28 25 27 24 34 30 32 29 38 34 42 36
– – – – –
In 25 25 25 20 32 25 32 25 35 32 40 35
4 Iz 352)
– – – – – – – – – – – – – – – –
In 352)
6 Iz 36 33 34 31 43 38 40 36 49 43 54 46
– – – – –
In 35 32 32 25 40 35 40 35 40 40 50 40
10 Iz 49 45 46 41 60 53 55 49 67 60 74 64
– – – – –
In 40 40 40 40 50 50 50 40 63 50 63 63
10 Iz 502) 632)
– – – – – – – – – – – – – – –
In 502) 632)
16 Iz 65 59 60 55 81 72 73 66 90 81 100 85
– – – – –
In 63 50 50 50 80 63 63 63 80 80 100 80
25 Iz 85 77 80 72 107 94 95 85 119 102 126 107 139 121 117 155 138
In 80 63 80 63 100 80 80 80 100 100 125 100 125 100 100 125 125
35 Iz 105 94 98 88 133 117 118 105 146 126 157 134 172 152 145 192 172
In 100 80 80 80 125 100 100 100 125 125 125 125 160 125 125 160 160
50 Iz 126 114 117 105 160 142 141 125 178 153 191 162 208 184 177 232 209
In 125 100 100 100 160 125 125 125 160 125 160 160 200 160 160 224 200
70 Iz 160 144 147 133 204 181 178 158 226 195 246 208 266 239 229 298 269
In 160 125 125 125 200 160 160 125 224 160 224 200 250 224 224 250 250
95 Iz 193 174 177 159 246 219 213 190 273 236 299 252 322 292 280 361 330
In 160 160 160 125 224 200 200 160 250 224 250 250 315 250 250 315 315

• Der Nennstrom In der Schutzeinrichtungen darf nicht größer sein als Iz (In ≤ Iz)
• Schutzeinrichtungen können auch die Aufgabe haben, Verbraucher gegen Überlast zu schützen. In der Schutzeinrichtung muss dann gleich
oder kleiner sein als der Bemessungsstrom des Gerätes.
• Schmelzsicherungen mit In = 13 A, 32 A und 40 A sind z. Z. nicht genormt. Alternativ ist die nächstniedrigere Stromstärke In zu wählen.
1) Bei Wandaufbau: Äußere Beplankung 10 mm Holzfaserplatten, Wärmedämmung mit 100 mm Mineralfaser, innere Beplankung mit 25 mm
Holzfaserplatte mit Wärmeleitfähigkeit 0,1 W/(K m) senkrecht und 0,23 W/(K m) parallel zur Plattenebene
2) Gilt nicht für Verlegung auf einer Holzwand

Bei der für I2 zulässigen 1,45-fachen Lebensdauer eintritt, wenn derartige die Schutzeinrichtungen mit dem klei-
Strombelastbarkeit Iz erwärmen sich die Überlastungen nicht zum Dauerzustand nen Prüfstrom I1 (Inf bei Sicherungen) be-
Leiter über die Betriebstemperatur hin- werden. Unterhalb der unteren Grenze aufschlagt werden. Dabei darf während
aus. Temperaturwerte sind in [1] nicht des Toleranzbandes der Zeit-Strom- der vorgegebenen Prüfdauer (1 Stunde
vorgegeben. Die Kabel- und Leitungs- Kennlinien erfolgt keine Abschaltung. bei In ≤ 63 A) der kleine Prüfstrom die
isolierung hält diesen Belastungen Die Einhaltung dieser Vorgabebedin- Schutzeinrichtung nicht zur Auslösung
stand, sodass keine Reduzierung der gung wird geräteseitig geprüft, indem führen.

LERNEN KÖNNEN 2/01 9


Leitungen und Kabel Fachwissen

Zuordnung zu I2 ≤ 1,45 · In Zu ermitteln sind der Leiterquerschnitt der


Zuleitung und der Nennstrom der Siche-
Iz = 18,5 A belastbar. Der Faktor X wird
aus Tafel ➌ mit 1,9 entnommen.
An Stelle von I2 kann in Gleichung (2) rungen der Betriebsklasse gG. Zulässig ist
1,45 · In gesetzt werden. Damit wird Antwort: Es ist Verlegeart C zu wählen.
1, 45 ⋅ 18, 5 A
Nach Tafel ➋ könnte bei einem Betriebs- In = .
1,45 · In ≤ 1,45 · Iz ⇒ In ≤ Iz . 1, 9
strom Ib = 58 A eine Leitung für Drehstrom
Bei Erfüllung der Bedingung (1) ist bei mit Iz = 60 A gewählt werden. Ein Nenn- Zu wählen ist ein Nennstrom In = 10 A.
einem großen Prüfstrom I2 ≤ 1,45 · In die strom der Sicherung 50 A gewährleistet Zum Vergleich: Beim Einsatz eines Schal-
Bedingung (2) immer erfüllt, sodass eine zwar den geforderten Überlastschutz, liegt ters mit B-Charakteristik könnte In = 16 A
Kontrolle nach dieser Auslöseregel nicht aber unterhalb des Betriebsstroms Ib. betragen (höhere Wirtschaftlichkeit!).
erforderlich ist. Zu den Überstromschutz- Beim Einsatz einer Sicherung 63 A träte
einrichtungen mit I2 ≤ 1,45 · In gehören: der umgekehrte Fall ein.
• Leitungsschutzschalter mit den Aus-
lösecharakteristiken B, C und D sowie
Gewählt wird eine Leitung NYM-J 5 x
16 mm2 Cu mit Iz = 81 A. Vorzusehen sind
Unzureichender Schutz
Leistungsschalter der K- und Z-Charak- Sicherungen (gG) 80 A oder 63 A. unterhalb von I2
teristik (Tafel ➊)
Sie werden vorzugsweise in Endstrom- Die Bedingungen (1) und (2) gewährleis-
kreisen eingesetzt
• Leitungsschutzsicherungen der Be-
Zuordnung zu I2 > 1,45 · In ten nur bei Überströmen ab dem großen
Prüfstrom einen sicheren Überlastschutz.
triebsklasse gG nach DIN VDE 0636 Ältere Ausführungen der Schutzeinrichtun- Zwischen dem Nennstrom In und dem klei-
• Motorstarter (DIN VDE 0660 Teil 102) gen lösen in der Regel bei höheren Über- nen Prüfstrom I1 erfolgt keine Auslösung
Leitungsschutzsicherungen gG sind erst strömen aus. Das trifft unter anderem auf (Bilder ➊ und ➋). Damit werden unge-
seit Neufassung der Norm hier zugeord- Leitungsschutzschalter der H-, U- und der wollte Betriebsunterbrechungen bei gerin-
net. Die Einhaltung der Bedingung I2 ≤ L-Charakteristik zu. Obwohl sie nicht mehr ger Überlastung, bei Leitungsschutzschal-
1,45 · In wird durch Prüfung des konven- gefertigt werden, sind sie in alten An- tern nach Tafel ➊ z. B. zwischen In und
tionellen Überlastschutzes gemäß DIN lagen, zum Teil aber auch noch als L-Cha- 1,13 · In vermieden.
VDE 0636 Teil 10 gewährleistet. rakteristik im Lager vorhanden. Ihr Einsatz Eine Auslösung kann erst erfolgen, wenn
Beim Einsatz von Schutzeinrichtungen mit ist auch in neuen Anlagen gestattet, wenn der Überstrom größer ist als der kleine
I2 ≤ 1,2 · In, z. B. Leistungsschalter der K- die abweichenden Auslösebedingungen Prüfstrom I1 und damit die mit Nichtaus-
Charakteristik, ist die thermische Bela- beachtet werden. Werden diese nicht be- lösung bezeichnete untere Grenze der
stung der angeschlossenen Betriebsmit- rücksichtigt, dann könnte beispielsweise Strom-Zeit-Kennlinie überschreitet. Eine
tel im Vergleich zu Einrichtungen mit beim Einsatz eines Leitungsschutzschal- Auslösung zwischen I1 und I2 ist möglich,
I2 ≤ 1,45 · In geringer. ters der L-Charakteristik In = 16 A an Stel- aber nicht sicher. Überströme können dort
Bei der Zuordnung der Schutzeinrichtung le einer Ausführung in B-Charakteristik längere Zeit ohne Auslösung anstehen
ist zu beachten, dass nach Bedingung (1) nach Tafel ➋ in einer angeschlossenen und eine unzulässige Erwärmung der
der Nennstrom In der Schutzeinrichtung Leitung beim einstündigen Betrieb mit Kabel und Leitungen verursachen. Die
nicht kleiner als der Betriebstrom Ib und dem großen Prüfstrom I2 eine etwa 1,5- Stromkreise sollten deshalb so gestaltet
nicht größer als die Strombelastbarkeit Iz fache Verlustwärmemenge entstehen. werden, dass kleine Überlastungen von
sein darf. Größere Schäden an den Kabel- und Lei- längerer Dauer nicht auftreten können. An-
Wenn sich der Strombelastbarkeit für den tungsisolierungen sind nur selten eingetre- schlussleistung, Betriebsdauer und die
gewählten Querschnitt keine Schutzein- ten, weil die tatsächlichen Belastungsströ- Höhe des möglichen Überlaststromes der
richtung mit einem erforderlichen Nenn- me in alten Anlagen meist gering waren. anzuschließenden Verbraucher müssen
strom zuordnen lässt, dann muss der An Stelle I2 = 1,45 · In ist bei diesen dabei Berücksichtigung finden.
Querschnitt und damit die Strombelast- Schutzeinrichtungen I2 = X · In zu setzen.
barkeit erhöht werden. Beim Einsatz von Schaltern der L-Charak-
In Tafel ➋ ist den Leiterquerschnitten die teristik ist zu beachten, daß der Faktor X Anordnung und Versetzen
Strombelastbarkeit von Kabeln und Lei- nicht konstant ist, sondern von der Höhe
tungen bei fester Verlegung in Gebäuden des Nennstroms abhängt (Tafel ➌). von Schutzeinrichtungen
und der Nennstrom der Schutzeinrichtun- Um Bedingung (2) zu erfüllen ist der Nenn-
gen in Abhängigkeit von der Verlegeart strom der Schutzeinrichtung zu reduzieren Schutzeinrichtungen zum Schutz bei Über-
zugeordnet. Die Werte gelten bei einer Be- 1, 45 ⋅ I z last müssen an Stellen eingebaut werden,
triebstemperatur von 70 °C und einer Um- In = wo die Strombelastbarkeit durch Ände-
gebungstemperatur von 25 °C und dürfen X rung des Leiterquerschnitts, der Verlege-
auschließlich bei normalen Verlegebedin- Die zu schützenden Kabel und Leitungen art oder durch Verwendung anderer Lei-
gungen angewendet werden. Wo mit Lei- können demzufolge nur geringer belastet tungen herabgesetzt wird (Bild ➌). Auf zu-
tungshäufungen oder abweichenden Um- werden, womit die Wirtschaftlichkeit der sätzliche Schutzeinrichtungen kann aber
gebungstemperaturen zu rechnen ist, ist Anlage eingeschränkt wird. auch verzichtet werden, wenn die vorge-
die Strombelastbarkeit nach den Vor- Beispiel 2: Eine Wechselstromleitung mit schaltete Schutzeinrichtung den Schutz
gaben für abweichende Bedingungen zu Aderleitungen H07V-U im Installationsrohr bei Überlast sicherstellt (Bild ➌).
ermitteln und erst danach der Nennstrom soll als Einzelstromkreis unter Putz verlegt Im Gegensatz zu Schutzeinrichtungen für
der Schutzeinrichtung zu bestimmen. werden. Die Umgebungstemperatur be- den Kurzschlussschutz oder für den
Beispiel 1: Der Betriebsstrom Ib für eine trägt 25 °C. Es ist ein Leitungsschutz- kombinierten Überlast- und Kurzschluss-
Lüftungsanlage beträgt 58 A. Im Raum ist schalter mit L-Charakteristik vorhanden. schutz, die am Anfang einer Leitung ange-
mit einer Umgebungstemperatur von Welcher Nennstrom ist bei einem Lei- ordnet werden müssen, dürfen Überlast-
25 °C zu rechnen. Vorgesehen ist eine Lei- tungsquerschnitt 1,5 mm2 zu wählen? schutzeinrichtungen im zu schützenden
tung NYM-J, die getrennt von anderen Lei- Antwort: Es ist Verlegeart B1 zugrundezu- Leitungszug auch versetzt angeordnet
tungen auf der Wand zu verlegen ist. legen. Nach Tafel ➋ ist die Leitung mit werden (Bild ➍). Voraussetzung ist, dass

10 LERNEN KÖNNEN 2/01


Fachwissen Leitungen und Kabel

A B
25 A 5 x 2,5 mm2 16 A 5 x 1,5 mm2
Verlegeart C Verlegeart C im Abschnitt 5.4.2 in [1] eingehalten wer-
a) (16 A) (–)
den, auf die hier nicht detailliert einge-
C D gangen werden kann (Bild ➎). Befinden
35 A 25 A sich in der zu schützenden Leitung Lei-
5 x 4 mm2 5 x 4 mm2
tungsabzweige oder Steckdosen, so ist
Verlegeart C Verlegeart B2
b) (25 A) (–) ein Versetzen der Schutzeinrichtung un-
zulässig. Unter diesen Bedingungen sind
➌ Beispiele für die Zuordnung von Überstromschutzeinrichtungen bei Minderung die genannten Betriebs- und Verbrauchs-
der Strombelastbarkeit mittel nicht geschützt (Bild ➏).
a) Verkleinerung des Querschnitts; b) Änderung der Verlegeart
( ) erforderliche Schutzeinrichtung, wenn B und D entfallen
Verzicht auf den Schutz
A
L
B
L
bei Überlast
Ein Schutz bei Überlast kann dort entfal-
➍ Versetzen der Schutzeinrichtungen zum Schutz bei Überlast in einer Leitung len, wo durch die Art der Verbraucher oder
der Anlagen Überlastströme nicht zu er-
• Schutzeinrichtung A übernimmt den Schutz bei Kurzschluss warten sind, z. B. in Hilfsstromkreisen, in
• Schutzeinrichtung B übernimmt den Schutz der Leitung L und nachgeordneter Verbindungsleitungen zwischen Strom-
Betriebsmittel bei Überlast quellen oder in Schaltanlagen. Eine Aus-
nahme bilden Anlagen, für die abweichen-
A de Normen gelten. Vom Überlastschutz
L1
ausgenommen sind auch öffentliche Ver-
teilungsnetze der Energieversorgung.
3m

L2 1)
Schutzeinrichtungen zum Schutz bei Über-
last sollten nicht eingebaut werden, wo
B die Unterbrechung des Stromkreises zur
Gefahr wird, z. B. beim Anschluss von
Hubmagneten, in Sekundärstromkreisen
von Stromwandlern oder bei Versorgung
➎ Zulässige Anordnung einer Schutzeinrichtung zum Schutz bei Überlast in einem von Sicherheitseinrichtungen. Hier muss
Leitungsabzweig auf andere Art, z. B. durch Überlastmelde-
• Schutzeinrichtung A übernimmt den Überlast- und Kurzschlussschutz für Leitung einrichtungen oder Stromkreisauslegung,
L1 und den Kurzschlussschutz für die geringer belastete Leitung L2 die das Auftreten von Überlastströmen
• Schutzeinrichtung B übernimmt den Überlastschutz der Leitung L2 wenig wahrscheinlich macht, die notwen-
1) Bis L2 = 3 m wird mit Ausnahme von Anlagen mit abweichenden Bedingungen kein Kurz-
dige Sicherheit geschaffen werden.
schlussschutz gefordert, sofern sich dort keine brennbaren Stoffe befinden und die Kurz- Ein Verzicht auf den Überlastschutz ist in
schlussgefahr herabgesetzt ist. Abweichende Bedingungen s. 6.4.2 in [1] IT-Systemen nur unter besonderen Vor-
aussetzungen statthaft, die im Abschnitt
A A 5.6 in [1] aufgeführt sind.
L1 0 0 L1

Korrekturen: Im ersten Teil (LuK 12/00,


L3 L4
S. 9) gab es einen Vorzeichenfehler. Es
L2 L2 gilt für das öffentlichen Niederspannungs-
netz eine Abweichung von + 6 % und
B B
a) b) - 10 % von der Nennspannung. Weiter wur-
den im Bild ➊ fehlerhafte Abkürzungen
verwendet. Man kürzt die „Verordung über
➏ Unzulässiges Versetzen der Schutzeinrichtung B zum Schutz bei Überlast Allgemeine Bedingungen für die Elektri-
Zwischen Abzweigpunkt O der Leitung L1 und der Schutzeinrichtung B in der geringer zitätsversorgung von Tarifkunden“ mit
belastbaren Leitung L2 dürfen sich keine Leitungsabzweige/Steckdosen befinden AVBEltV ab. H. Senkbeil

Literatur
Tafel ➌ Faktor X zur Ermittlung des der Kurzschlussschutz von der vorge- [1] DIN VDE 0100 Teil 430: 1991-11
Errichten von Starkstromanlagen mit
großen Prüfstroms I2 für LS-Schalter mit schalteten Schutzeinrichtung übernom-
Nennspannungen bis 1 000 V; Schutz-
L-Charakteristik men wird (Ausführungen hierzu folgen im
maßnahmen; Schutz von Kabeln und
Teil 4). Solche Möglichkeit kann bei Lei- Leitungen bei Überstrom.
Nennstrom In in A Faktor X tungsabzweigen vorteilhaft sein, wo die
örtlichen Verhältnisse den Einbau eines
bis 4 2,1 Verteilers am Abzweigpunkt einer Zulei-
6 ... 10 1,9
tung nicht gestatten. Beispielsweise wenn LERNEN
mit der Zuleitung noch zusätzliche Vertei- Heft 3/2001 & KÖNNEN
16 ... 25 1,75 ler gespeist werden. Bis zu einer Länge
über 25 1,6 von 3 m ab Abzweigpunkt kann auf den Bemessung nach Überlastschutz –
Kurzschlussschutz verzichtet werden, Kurzschlussschutz
wenn die entsprechenden Bedingungen

LERNEN KÖNNEN 2/01 11


Leitungen und Kabel Fachwissen

Da die allgemein verwendeten Leitungs-

Querschnittbestimmung schutzsicherungen der Betriebsklasse gG


über ein Mindestausschaltvermögen IA =
50 kA bei ≤ 660 V Wechselspannung

von Kabeln und Leitungen verfügen, ist die Forderung IA ≥ Ik damit


eingehalten. Größere Sicherungen erfor-
dern eine individuelle Bemessung der An-
lage, wobei das Ausschaltvermögen in der
Teil 4: Schutz bei Kurzschluss Regel ausreichend ist.
Schutzeinrichtungen mit einem Ausschalt-
vermögen IA < Ik ist eine weitere Schutzein-
Zur Bemessung von Kabeln Schutz bei Kurzschluss sind in DIN VDE richtung mit dem erforderlichen ausreichen-
und Leitungen wurden bisher 0100 Teil 430 [1] zusammengefasst. den Schaltvermögen IA > Ik vorzuschalten.
Kurzschlussfestigkeit ist nicht gleichbe- Beide müssen so aufeinander abge-
die Aspekte Mindestquer-
deutend mit Kurzschlusssicherheit, die stimmt sein, dass weder die Schutzein-
schnitt, Spannungsfall, das Auftreten von Kurz- und Erdschlüssen richtung mit dem zu geringen Ausschalt-
Strombelastbarkeit und Über- ausschließen oder vermindern soll 2). vermögen noch die nachfolgende Anlage
lastschutz erläutert. Mit dem Nachfolgend werden einige Fragen des im Falle eines Kurzschlusses Schaden
Schutzes bei Kurzschluss erläutert. Aus- erleiden können [1], Abschnitt 6.3.1.
Schutz bei Kurzschluss wer-
führlich wird der Kurzschlussschutz in Ge- Um die Zuordnung auf einfache Weise zu
den die Ausführungen zum bäuden in [5] behandelt. gewährleisten, geben die Hersteller von
Überstromschutz abgerundet. Motorstartern, Leistungsschaltern und
Leitungsschutzschaltern den maximale
Nennstrom oder das Ausschaltvermögen
Ausschaltvermögen der Vorsicherung vor (Tafel ➊).
Kurzschlussauswirkungen In der Norm [1] wird gefordert:
Die Zählervorsicherung 100 A mit einem
Ausschaltvermögen 50 kA vor dem Lei-
Beim Kurzschluss wird durch den Kurz- Das Ausschaltvermögen IA der Schutzein- tungsschalter mit 6 kA im Bild ➊ entspricht
schlussstrom die zulässige Betriebs- richtung muss mindestens dem größten am diesen Bedingungen. Die im Kurzschluss-
temperatur der Kabel und Leitungen Einbauort auftretenden Kurzschlussstrom Ik fall auf das Leitungsnetz hinter dem Lei-
erheblich überschritten. Dabei kann die entsprechen: IA ≥ Ik . tungsschutzschalter einwirkende Durch-
Isolierung sich verformen und schließ- Werte für das Ausschaltvermögen IA sind lassenergie ist gesondert zu betrachten.
lich zerstört werden. Möglich sind auch in den Normen vorgegeben oder den
Lichtbögen, die Brände auslösen kön- Herstellerunterlagen zu entnehmen.
nen. Die Kurzschlussströme Ik sind bei der Pla-
Von großer Bedeutung sind neben den nung zu bestimmen, soweit sie nicht vor- Thermischer Kurzschluss-
großen Kurzschlußströmen, die vor allem gegeben sind. Sie sind nur dort genauer
für die Bestimmung des Ausschaltver- zu ermitteln, wo Kurzschlussströme in der schutz
mögens der Schutzeinrichtungen wesent- Nähe des Ausschaltvermögens zu erwar-
lich sind, aber auch beim thermischen ten sind und überschlägliche Berechnun- Vorgaben und Bedingungen
Kurzschluss beachtet werden müssen, in gen nicht ausreichen. IA und Ik sind Effek- Nach den Forderungen in [1] ist der
erster Linie die kleinen Kurzschlussströ- tivwerte. In Anlagen, die an das öffentliche Schutz bei Kurzschluss unter folgenden
me bei vollkommenem einpoligen Kurz- Netz eines EVU angeschlossen werden, Bedingungen gewährleistet:
schluss. sind die Stoßkurzschlussströme vorgege-
Neben den thermischen Wirkungen wer- ben (Bild ➊). Es handelt sich um Schei- 1) Nach der nicht mehr verbindlichen DIN VDE
den durch den Stoßkurzschlussstrom telwerte, die von den Sicherungen beim 0298 Teil 2 Ausgabe November 1979
dynamische Kräfte freigesetzt. Kabel hal- Abschalten „durchgelassen“ werden. Der waren bei Stoßkurzschlussströmen bis
ten diesen Kräften aufgrund ihrer festen Durchlassstrom IS = 25 kA hinter der 63 kA keine Maßnahmen gefordert.
2) Verlegearten für ein kurzschluss- und erd-
Ummantelung stand, sodass darüber kein Hausanschlusssicherung 315 A (gG) ist schlusssicheres Verlegen sind der nicht
Nachweis erforderlich ist 1). damit nicht der Kurzschlussstrom Ik, der mehr verbindlichen DIN VDE 0100 Teil 520
Die technischen Forderungen für den als Zahlenwert kleiner ist. Ausgabe November 1985 zu entnehmen.

Tafel ➊ Back-Up-Schutz durch Leitungsschutzsicherungen beim


IS = 25 kA1) IS = 10 kA1) 3)
Einsatz von Leitungsschutzschaltern (Fa. Schupa)
2) Leitungsschutz- NH-Sicherung Back-Up-Schutz
Wh schalter 6 bzw. 10 kA gL/gL
≤ 315 A IA = 6 kA In in A In in A in kA

6 ... 63 50 50
63 50

➊ Geforderte Kurzschlussfestigkeit gemäß TAB 2000 6 ... 40


13 ... 42
80
100
50
50
1) Werte beziehen sich auf eine HA-Sicherung 315 A 40 ... 63 100 25
Bei Nennströmen > 315 A Festlegungen in TAB 2000 beachten 25 ... 63 125 25
2) Vorsicherung maximal 100 A (TAB 2000 Abschn. 6.2.3)
3) 50 ... 63 80 35
Energiebegrenzungsklasse 3 (TAB 2000 Abschn. 8)

8 LERNEN KÖNNEN 3/01


Fachwissen Leitungen und Kabel

Tafel ➋ (I 2T )max-Werte von PVC-isolierten Tafel ➌ Zulässige Durchlass-I 2T-Werte für LS-Schlter (Energiebegrenzungsklasse 3,
Kupferkabeln und -leitungen nach DIN VDE 0641 Teil 11)
Leiter- (I 2T)max-Werte Bemessungs- LS-Schalter LS-Schalter
querschnitt schaltvermögen bis einschließlich 16 A 16 A bis einschließlich 32 A
in mm2 in 103 A2s in A (I T)max in A2s
2 (I T)max in A2s
2

0,5 3,31 Charakeristik


0,75 7,44 B C B C
1,0 13,2 3000 15000 18000 18000 22000
1,5 29,8 4500 25000 30000 32000 39000
2,5 82,7 6000 35000 42000 45000 55000
4 211,6 10000 70000 84000 90000 110000
6 476,1
10 1323
108
16 3386
25 8266
A2s
35 16201
50 33062 oberer
107 Grenzwert
70 64802
Si 63 A
95 119356 DIN VDE 0 636
120 190440
LS-Schalter
106 ohne Strom- LS-Schalter
begrenzung DIN VDE 0641
• Die zulässige Kurzschlusstemperatur wird B-Charakteristik
nicht überschritten. I2T Strombegrenzungs-
• Die Abschaltung erfolgt spätestens nach klasse 3
105
5 Sekunden. B
Beim Kurzschluss sind im Vergleich zur 1,5 mm2
zulässigen Betriebstemperatur höhere A k2S2 ≈ 29800A2s
Temperaturen, für PVC-isolierte Kabel und 104

Hz
Leitungen z. B. 160 °C, zulässig [2]. Es
50
wird davon ausgegangen, dass bei der
elle

kurzzeitigen Beanspruchung keine Schädi-


lbw

gung der Isolierung eintritt.


Ha

103
Der enge Zusammenhang zwischen Kurz-
schlusstemperatur, Kurzschlussstrom
und -dauer findet seinen Ausdruck in der
Grenzbelastung der Leitung, die das Wär- 102
meaufnahmevermögen charakterisiert. 102 103 104 A 105
Die Grenzbelastung (I 2T )max wird aus der Ik
Bemessungs-Kurzzeitstromdichte Jthr für
den Zeitbereich bis 5 s [2] und dem ➋ Zusammenwirken von Leitungsschutzschalter und Vorsicherung beim Kurzschluss-
Leiterquerschnitt Sn bestimmt: schutz (nicht maßstäblich)
(I 2T )max = ( Jthr · Sn )2.
Für PVC-isolierte Kabel und Leitungen ist sene Energie nicht zur Überbeanspru- von Herstellern Leitungsschutzschalter
die Grenzbelastung Tafel ➋ zu entnehmen. chung der nachgeschalteten Leitung führt. geringere Durchlasswerte erreichen, ist
Kurzschlussfestigkeit ist gewährleistet, Die Durchlaßenergie muß kleiner sein als das nach den Vorgaben in [1] der Schutz durch
wenn die Grenzbelastung von Kabeln und Wärmeaufnahmevermögen der Leitung. Leitungsschutzschalter der Energiebe-
Leitungen weder bei großen noch kleinen Am stärksten werden Leitungen mit klei- grenzungsklasse 3 ausreichend.
Kurzschlussströmen überschritten wird. nen Querschnitten beansprucht. Leitungsschutzsicherungen 63 A, die in An-
Leitungsschutzschalter 16 A (B-Charakte- lagen üblich sind (Bild ➊), begrenzen Kurz-
Schutz bei hohen Kurzschlussströmen ristik, Strombegrenzungsklasse 3) für schlussströme so stark, dass sie den Kurz-
Für hohe Kurzschlussströme mit einer 6 kA, wie sie in den TAB der EVU gefordert schlussschutz ab etwa 1,75 kA (Schnitt-
Kurzschlussdauer und damit Abschaltzei- werden, haben einen Durchlass-I 2T -Wert punkt B) allein übernehmen könnten.
ten der Schutzeinrichtungen unter 0,1 s von 35 000 A2s (Tafel ➌). Leitungsschutzsicherungen 100 A haben
stehen keine Strom-Zeit-Kennlinien zur Die PVC-isolierte Leitung mit einem Quer- nach DIN VDE 0636 einen Ausschalt-
Verfügung. Hier muss die Durchlassener- schnitt von 1,5 mm2 Cu kann aber nur (I 2T)max-Wert von 64 000 A2s und schüt-
gie der Schutzeinrichtungen mit dem 29 800 A2s aufnehmen. Die Leitung ist zen eine PVC-isolierte Leitung mit
Wärmeaufnahmevermögen der Leitungen damit bei Kurzschlussströmen von 6 kA 82 700 A2s (2,5 mm2) bei hohen Kurz-
verglichen werden. Sehr große Kurz- nicht mehr geschützt. Aus der grafischen schlussströmen ebenfalls sicher.
schlussströme werden durch Leitungs- Darstellung der I 2T -Werte in Abhängigkeit • Beim Einsatz von Leitungsschutzschal-
schutzsicherungen in kürzeren Zeiten ab- vom Kurzschlussstrom Ik (Bild ➋) ist er- tern der Strombegrenzungsklasse 3 ist ab
geschaltet als durch Leitungsschutzschal- kennbar, dass der LS-Schalter bis zum Leiterquerschnitt 1,5 mm2 der Schutz bei
ter, Leistungsschalter und Motorstarter. Schnittpunkt A bei 5,1 kA den Kurz- großen Kurzschlussströmen gegeben.
Es ist daher zu sichern, dass die von schlussschutz gewährleistet. • Bei Vorsicherungen > 100 A ist zu prüfen,
diesen Schutzeinrichtungen während der Da Kurzschlussströme Ik > 5 kA in End- ob bei den in der Anlage zu erwartenden
Abklingphase des Stoßkurzschlussstroms stromkreisen der Gebäudeinstallation Kurzschlussströmen die Grenzbelastung
zum Dauerkurzschlussstrom durchgelas- kaum zu erwarten sind und nach Angaben der Leitung noch eingehalten wird.

LERNEN KÖNNEN 3/01 9


Leitungen und Kabel Fachwissen

Gemeinsame Schutzeinrichtungen
In der Gebäudeinstallation werden Leitun-
gen überwiegend durch eine gemeinsame Geltungsbereich der Grenztemperaturkurve
des Kabels bzw.der Leitungen
Überstromschutzeinrichtung geschützt,
die am Anfang des Stromkreises angeord- t t A Ls t
net sein muss (Bild ➊). Si
A
Die Zeit-Strom-Kennlinien der Si A
– Leitungsschutzsicherungen Betriebs- ta =
klasse gG nach DIN VDE 0636, 5s
– Leitungsschutzschalter nach DIN VDE
0641 Teil 11 und tk
– Leistungsschalter nach DIN VDE 0660 ta =
Teil 101 0,1 s
verlaufen im Kurzschlussbereich bis 5 s
unterhalb der Grenztemperaturkennlinie
einer Leitung. Sind sie richtig für den IKerf = Ia Ithz I Ia Ithz I Ithz Ia IKerf = Ia I
Überlastschutz ausgelegt und erfüllen a) b) c)
sie die Bedingungen 1 und 2 nach Ab-
schnitt 5.2 in [1], dann ist auch der ➌ Prinzip des Kurzschlussschutzes von Leitungen
Kurzschlussschutz gewährleistet. Planer a) Schutz durch Sicherungen Ikerf < Ithz; b) Schutz durch LS-Schalter Ikerf > Ia ;
und Errichter brauchen zum Schutz bei c) Schutz durch Sicherungen Ithz < Ia
Kurzschluss keine besonderen Maßnah- A Grenztemperaturkurve der zu schützenden Leitung
men vorsehen [1], Abschn. 7.1. In die- Ls, Si obere Grenzkurve des Leitungsschutzschalters und Leistungsschalters bzw.
sem Falle gilt: der Leitungsschutzsicherung
Wird eine Überstromschutzeinrichtung rich- Ia, ta, tk Abschaltstrom bzw. Abschaltzeit
tig für den Überlastschutz gewählt, so erfüllt Ithz zulässiger Kurzschlussstrom über die Zeit ta für Schutz bei Kurzschluss
sie auch die Bedingung des Kurzschluss- Ikerf erforderlicher Mindestkurzschlussstrom
schutzes, wenn
• die Schutzeinrichtung ein ausreichendes S1
L1 L1
Ausschaltvermögen besitzt und
L2
• der kleinste Leiterquerschnitt die Durch- L3

3m
lassenergie beim größten Kurzschluss- PE L2
strom aufnehmen kann. PEN N
Schutz bei Überlast s. Teil 2. S2

Getrennte Schutzeinrichtungen
Bei der getrennten Anordnung der Schutz-
einrichtungen für den Überlast- und Kurz-
➎ Zulässiges Versetzen der Schutzein-
schlussschutz kann der Bemessungs- richtungen für den Schutz bei Kurz-
strom für das Kurzschlussschutzorgan Ω schluss
höher gewählt werden. Bei Leitungslänge > 3 m ist ein Verset-
Dieser Vorteil wird z. B. genutzt, wenn zen möglich, wenn die Kurzschlussfestig-
• für eine Überlastschutzeinrichtung vor ➍ Messung des Innenwiderstands keit nachgewiesen wird
Ort der Kurzschlussschutz durch eine
Vorsicherung im Verteiler erfolgt
• die Forderung nach Selektivität einen 2 nung. Im Bild ➌ sind die Grenztempera-
 S
höheren Bemessungstrom einer Siche- t = k ⋅  . turkurven der Leitung A und der Schutzein-
rung erforderlich macht  I richtungen Si und Ls in einem Zeit-Strom-
• beim Festanschluss von Heizgeräten Beim Kurzschlussstrom I (in A) handelt es Diagramm gegenübergestellt. Verglichen
keine Überlastung erfolgen kann und sich um den Effektivwert bei vollkomme- werden der zulässige Kurzschlussstrom
der Bemessungsstrom (Einstellstrom) nem einpoligen Kurzschluss (Ik), bei S um der Leitung Ithz und der Abschaltstrom Ia
der Schutzeinrichtung nur für den Kurz- den Leiterquerschnitt in mm2. Der Koeffi- des Schutzorgans mit den korrespondie-
schlussschutz bemessen wird. zient k hängt vom Leitermaterial und der renden Abschaltzeiten ta.
Isolierung ab, für PVC-isolierte Kupferleiter Ist Ithz ≥ Ia, so ist der Schutz bei Kurz-
beträgt er z. B. 115 As/mm2. schluss für Kurzschlussströme Ik ≥ Ia
Der Kurzschlussstrom Ik in der Kurz- durch die zugeordnete Schutzeinrichtung
Bemessung nach schlussbahn (Bild ➍) ergibt sich zu sichergestellt (Bild ➌a). Die Grenzlänge
der Leitung wird nach dem Mindestkurz-
Leitungsgrenzlängen Ik = 0,95 · U0 /Zk . schlussstrom Ikerf = Ia bemessen.
Die Kurzschlussimpedanz Zk der Kurz- Für den LS-Schalter ist Ia der Abschalt-
Bei kleinen Kurzschlussströmen ist die schlussbahn muss ggf. unter Einbezie- strom bei ta ≤ 0,1 s Grundlage für die
Kurzschlussfestigkeit nachzuweisen. hung von Messwerten berechnet werden. Grenzlängenbestimmung (Bild ➌b). Ist
Die zulässige Ausschaltzeit t (in s) für Hinzu kommt die Auswahl eines geeigne- Ithz < Ia, so ist der Kurzschlussschutz durch
Kurzschlüsse bis zur Dauer von 5 s wird ten Schutzorgans. Insgesamt ist das Ver- Leitungsschutzschalter nicht zulässig.
entsprechend der Grenzbelastung einer fahren zeitraubend und umständlich. Für Leitungsschutzsicherungen ergibt sich
Leitung nach folgender Beziehung ermit- Bei der Bemessung nach Leitungsgrenz- Ikerf als Schnittpunkt der oberen Grenzkur-
telt: längen gemäß [3] entfällt diese Berech- ve der Strom-Zeit-Kennlinie der Sicherung

10 LERNEN KÖNNEN 3/01


Fachwissen Leitungen und Kabel

Kurzschlussschutz ist gewährleistet.


Tafel ➍ Maximal zulässige Kabel- und Leitungslängen, Cu, Isolierung PVC, VPE oder EPR;
Sicherung Betriebsklasse gG nach DIN VDE 0636-10; Nennspannung 400 V; Abschaltung Schutz durch Leitungsschutzschalter
nach 5 s oder Erreichen der zulässigen Kurzschlusstemperatur (nach [3]) oder Leistungsschalter. Da diese Schutz-
einrichtungen bei einem vorgegebenen Viel-
Leiter- Nennstrom Mindest- Schleifenimpedanz vor der Schutz- fachen n des Nennstroms in weniger als
nennquer- der Schutz- kurzschluss- einrichtung in mΩ 0,1 s abschalten, genügt die Überprüfung,
schnitt einrichtung strom 10 50 100 200 300 ob der 1,3-fache Wert des Kurzschluss-
in mm2 in A in A maximal zulässige Länge in m strom Ik, der aus der Messung des Netz-
25 63 320 374 354 328 275 221
innenwiderstandes Ri ermittelte wurde,
gleich oder größer als n · In ist. Werte für n
25 80 440 271 250 224 170 115
können Tafel ➏ entnommen werden.
25 100 580 204 183 157 102 46
Ist Kurzschlussstrom kleiner als der Min-
25 125 750 157 136 109 54 0
destkurzschlussstrom, ist zu untersu-
chen, ob die Ermittlung des tatsächlichen
Tafel ➎ Mindestkurzschlusströme von Messfehlers und die erneute Prüfung zu
Sicherungen der Betriebsklasse gG bei • dem vorgegebenen Isolationsmaterial einem besseren Ergebnis führen. Andern-
Abschalten nach 5 s oder Erreichen der (PVC, Gummi, VPE) und falls ist die Kurzschlußfestigkeit nicht ge-
zulässigen Kurzschlusstemperatur; • dem gewählten Nennstrom der währleistet und die Anlage zu verändern.
Cu, PVC-isoliert (nach [3]) Schutzeinrichtung
die maximal zulässige Leitungslänge nicht
Nenn- Nennstrom Mindest- überschritten wird. Diese Methode be-
quer-
schnitt
der Schutzein-
richtung
Kurzschluss-
strom
rücksichtigt bereits die Strom-Zeit-Kenn- Anordnen und Versetzen
linien der Schutzeinrichtungen, sodass
in mm2 in A in A1)
weitere Betrachtungen entfallen. von Schutzeinrichtungen
1,5 25 176 Beispiel 1: Ein Drehstrom-Kurzschlussläu-
2,5 32 215 fermotor 30 kW, cos ϕ = 0,85, In = 63 A Schutzeinrichtungen für den Kurzschluss-
4 40 247 mit einem Anlaufstrom 6 · In ist an eine schutz sind stets am Anfang jedes Strom-
4 50 364 Vorsicherung 100 A im Verteiler anzu- kreises vorzusehen und an Stellen, wo die
6 50 338 schließen. Die Schleifenimpedanz vor der Kurzschlussstrombelastbarkeit gemindert
6 63 429 Sicherung beträgt 300 mΩ. Gewährleistet ist und von der vorgeschalteten Schutzein-
10 80 572 die 25 m lange Zuleitung NYY-J 4 x richtung nicht sichergestellt werden kann.
16 100 754 25 mm2 den Kurzschlussschutz? Ein Versetzen bis zu 3 m ab Anschluss-
25 160 1209 Antwort: Nach Tafel ➍ ist für das Kabel oder Abzweigpunkt im Zuge des zu schüt-
35 160 1209 bis zu 46 m Länge der Schutz gegeben. zenden Kabels ist aber möglich, wenn die
35 200 1755 Gefahr eines Kurzschlusses und mögliche
35 250 2080 Feuer- und Personenschäden einge-
schränkt sind (Bild ➎). Ein kurzschluss-
50
1)
250 2080
Eingerechnet wurde ein Gebrauchs-
Einhaltung des Mindest- und erdschlusssicheres Verlegen schafft
und Anlagenfehler von 30 %. dafür gute Voraussetzungen. Bei Abzwei-
kurzschlussstroms gen über 3 m Länge ist ein Nachweis der
Kurzschlussfestigkeit notwendig.
Tafel ➏ n-Werte zur Bestimmung des In bereits ausgeführten Anlagen kann
Mindestkurzschlussstroms Ik ≥ 1,3 · n · In durch Messung des Netzinnenwiderstan- Literatur
LS-Schalter (DIN VDE 0641) des Ri (Bild ➍) der Kurzschlussstromes Ik [1] DIN VDE 0100 Teil 430: 1991-11 Er-
ermittelt werden. Bei dieser Methode ist richten von Starkstromanlagen mit
Charakteristik B C D Nennspanungen bis 1000 V; Schutz-
ein möglicher Messfehler von + 30 % zu
n 5 10 20 maßnahmen; Schutz von Kabeln und
berücksichtigen [4]. Das heisst: Wenn der
Leistungsschalter (DIN VDE 0660) Leitungen bei Überstrom.
ermittelte Wert für Ik gleich oder größer ist
[2] DIN VDE 0298-4: 1998-11 Verwendung
Charakteristik K Z als das 1,3-Fache des geforderten Min- von Kabeln und isolierten Leitungen für
n 14 3 destkurzschlussstroms nach [3] (Tafel Starkstomanlagen; Teil 4: Empfohlene
➎), so ist der Schutz gegeben. Werte für die Strombelastbarkeit von
Kabeln und Leitungen für feste Ver-
Schutz durch Sicherungen. Ist der durch legung in Gebäuden und von flexiblen
und der Grenztemperaturkurve (Bild ➌c). Sicherungen gewährleistete Kurzschluss- Leitungen.
Verfahrensweise: Die maximal zulässigen schutz zu prüfen, so ist in gleicher Weise [3] Beiblatt 5 zu DIN VDE 0100: 1995-11 –;
Leitungslängen sind für unterschiedliche mit den in Tafel ➎ angegebenen Min- Maximal zulässige Längen von Leitungen
unter Berücksichtigung des Schutzes
Leitermaterialien und Leiterquerschnitte destkurzschlussströmen zu vergleichen.
beim indirekten Berühren, des Schutzes
unter Verwendung üblicher Schutzeinrich- Beispiel 2: Ein Kabel NYY-J 4 x 16 mm2 bei Kurzschluß und des Spannungsfalls.
tungen nach Nennströmen gestaffelt in Cu ist durch Sicherungen gG mit In = [4] Bödeker, K.: Erstprüfung von Stark-
Tabellen ausgewiesen. Eine Staffelung er- 100 A geschützt. Die Messung des Netz- stromanlagen nach DIN VDE 0100 Teil
folgt in Abhängigkeit von der Schleifenim- innenwiderstandes erbrachte für den 610/04.94. Teil 5: Prüfung der Schutz-
pedanz vor der Schutzeinrichtung. Tafel Kurzschlussstrom den Wert Ik = 805 A. maßnahmen im TN-System (-Netz). Elek-
➍ zeigt einen Ausschnitt. Der Schutz bei Antwort: Bei Berücksichtigung des Mess- tropraktiker 49(1995)5, S. 392-397.
Kurzschluss ist gesichert, wenn bei fehlers ergibt sich nach Tafel ➎ der erfor- [5] Kny, K.-H.: Kurzschluss-Schutz in Ge-
• dem betreffenden Querschnitt, dem derliche Mindestkurzschlussstrom 754 A. bäuden. Berlin: Verlag Technik 2000.
vorgegebenen Leitungsmaterial (Cu, Al) Er ist kleiner als der gemessene Wert, der H. Senkbeil

LERNEN KÖNNEN 3/01 11

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