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AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE

Landesrat für Deutsche Bildung und Kultur, Assessore all'Istruzione e Cultura tedesca, Diritto allo Studio,
Bildungsförderung, Handel und Dienstleistung, Handwerk, Commercio e Servizi, Artigianato, Industria, Lavoro e
Industrie, Arbeit und für Integration all'Integrazione

Frau Abgeordnete
Myriam Atz Tammerle
Bozen, 18.05.2021 myriam.atz@landtag-bz.org

Herr Abgeordneter
Sven Knoll
sven.knoll@landtag-bz.org

Zur Kenntnis: Frau Präsidentin


Rita Mattei
dokumente@landtag-bz.org

Antwort auf die Landtagsanfrage Nr. 1536/2021 betreffend die "Nasenbohrer-Tests an den Schulen"

Sehr geehrte Abgeordnete,

ich schreibe Ihnen betreffend Ihre Landtagsanfrage vom 22.03.2021 (Nr. 1536/2021) und darf Ihnen auch im
Namen der Landesräte Thomas Widmann, Daniel Alfreider und Giuliano Vettorato wie folgt antworten.

Zu Frage 1: Auf welchen wissenschaftlichen und gesetzlichen Quellen und Dokumentationen basiert die
Vorschrift, Schüler, die sich nicht einem Corona-Test unterziehen, vom Präsenzunterricht auszuschließen?
Es wird um Erklärung sowie Übermittlung dieser Quellen und Dokumentationen ersucht.

Das Gesetzesdekret vom 1. April 2021, Nr. 44 sieht Ausnahmeregelegungen vor, die in Fällen
außergewöhnlicher und außerordentlicher Notwendigkeit aufgrund des Vorhandenseins von
Infektionsherden oder des extrem hohen Risikos der Verbreitung des SARS-CoV-2 oder seiner Varianten in
der Schulgemeinschaft getroffen werden. Nach Anhören der zuständigen Gesundheitsbehörden können
diese Ausnahmeregelungen unter Angabe einer Begründung erlassen werden.

In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, dass die Dringlichkeitsmaßnahme des
Landeshauptmannes bei Gefahr im Verzug Nr. 15 vom 19.03.2021 (welche die Durchführung der
Nasenflügeltests eingeführt hat) eine solche Ausnahmeregelung darstellt, die sich u.a. auf folgende
Begründungen stützt:
In einem Schreiben des Generaldirektors und des Sanitätsdirektors wird berichtet, dass seit dem 7. Januar
2021 in über 250 Schuleinrichtungen Infektionsfälle festgestellt wurden und, dass die Schulen somit einer
der Orte sind, in welchen es die häufigste Verbreitung der Ansteckungen gibt. Das Schreiben unterstreicht
die Wichtigkeit des Testing-Pilotprojektes (Nasenflügeltests) und bekräftigt die Absicht, dass die
Unterrichtstätigkeit in Präsenz in dieser epidemiologischen Phase wieder aufgenommen werden kann,
sofern die Möglichkeit besteht, ein regelmäßiges Monitoring der Schulbevölkerung durchzuführen.

Die Dringlichkeitsmaßnahme des Landeshauptmannes Nr. 15/2021 (sowie die Dringlichkeitsmaßnahme Nr.
18/2021) fällt somit in den Anwendungsbereich der in Artikel 2 Absatz 1 des Gesetzesdekrets Nr. 44/2021
enthaltenen Ausnahmeregelung: Die Bestimmungen zu den Nasenflügeltests laut Dringlichkeitsmaßnahme
Nr. 15/2021 sind nicht gesetzeswidrig und bleiben somit aufrecht, bis sie abgeändert bzw. aufgehoben
werden.

Aus wissenschaftlicher Sicht kann zu den Selbsttest Folgendes gesagt werden: Aufgrund der Ausbreitung

Landhaus 7, Andreas-Hofer-Straße 18  39100 Bozen Palazzo 7, via Andreas Hofer 18  39100 Bolzano
Tel. 0471 41 33 33  Fax 0471 41 33 99 Tel. 0471 41 33 33  Fax 0471 41 33 99
http://www.provinz.bz.it/achammer http://www.provincia.bz.it/achammer
philipp.achammer@provinz.bz.it philipp.achammer@provincia.bz.it
Steuernr./Mwst.Nr. 00390090215 Codice fiscale/Partita Iva 00390090215
Prot. Datum | data prot. 18.05.2021 Prot. Nr. | n. prot. LTG_0003059 Prot. Typ | tipo prot. Eingang - entrata
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und des Fortbestehens des Coronavirus, ist es notwendig Strategien zu finden, damit die Schüler überwacht
werden können, indem man aber trotzdem einen Präsenzunterricht garantieren kann. Die Südtiroler
Landesregierung hat sich zum Ziele gesetzt, die Schule nicht länger geschlossen zu halten und dies von der
ersten Klasse Grundschule bis zur 5. Klasse Oberschule zu garantieren. Mittlerweile ist bekannt, dass in der
Corona Pandemie alle Teststrategien dazu da sind, Infektionen zu erkennen und weitere Ansteckungen zu
vermeiden. Auch diese Nasenbohrertests hat die Wissenschaft dazu entwickelt und sie gehören eben im
Rahmen des Pre Screenings dazu.
Die große Anzahl an Schüler (25.000) kann nur durch ein Monitoring über Selbsttests überwacht werden,
damit vor allem zum einen diese Überwachung laufend erfolgen kann und zum anderen wäre die laufende
Überwachung bei dieser Anzahl an Schüler durch diagnostische Tests logistisch und auc h wegen der
fehlenden Personalressourcen nicht möglich.

Zu Frage 2: Mit welchem Recht wagen es Landesrat Achammer bzw. die Landesregierung und
Landesschuldirektorin Falkensteiner, den Schülern im Fernunterricht ihr Recht auf einen qualitativ
gleichwertigen Unterricht zu verwehren?

Lehrpersonen leisten vollumfänglich Unterricht in Präsenz und begleiten dort die deutliche Mehrzahl der
SchülerInnen. Daher bleibt für den Fernunterricht, der zudem von den Eltern bzw. SchülerInnen als
Alternative zur Teilnahme an der Testung freiwillig gewählt wird, noch der Teil an Begleitung, der eben für
die Lehrpersonen möglich ist. Den Unterricht zu doppeln und sowohl Lehrpersonen für den
Präsenzunterricht als solche für den Fernunterricht zu beschäftigen, ist schlichtweg nicht möglich.

Zu Frage 3: Inwieweit steht ein derartiges Vorgehen im Widerspruch zu den geltenden Menschen- und
Kinderrechten? Bitte um ausführliche Erläuterung.

Jeder Schüler/jede Schülerin hat das Recht, den Unterricht in Präsenz zu besuchen. Dieses Recht ist
gewahrt und steht somit im Einklang mit den Menschen- und Kinderrechten. Wenn Eltern ein derartiges
Bildungsangebot in Präsenz auf Grund Ihrer Weltanschauung oder Haltung ablehnen, dann kann nicht die
Schule die volle Verantwortung für den Bildungsweg dieser KInder und Jugendlichen übernehmen, sondern
sie kann ein Angebot zur Begleitung im Fernunterricht im Ausmaß der zur Verfügung stehenden Ressourcen
machen. Die restliche Verantwortung für den Bildungsweg ihrer Kinder tragen die Eltern; auch dies ist
konform mit den Menschen- und Kinderrechten.

Zu Frage 4: Auf welchen wissenschaftlichen und gesetzlichen Quellen und Dokumentationen basiert die
Vorschrift, den Besuch des Unterrichts in physischer Präsenz an die Teilnahmepflicht eines Covid-Testes zu
knüpfen?

siehe Antwort Frage 1

Zu Frage 5: Wird durch das Durchführen der Tests in der Klasse und durch das anschließende
"Herausnehmen" der positiv getesteten Schüler aus dem Klassenraum vor den Augen aller Anwesenden
nicht das Recht auf Privatsphäre des Kindes bzw. der Familie verletzt?

Die Lehrpersonen und das Schulpersonal sind sich der Verantwortung bewusst, die sie in Situationen
tragen, wo SchülerInnen gesundheitsbedingt oder auf Grund eines unvorhergesehenen Vorfalls aus der
Klasse begleitet und in einem geschützten Rahmen aufgefangen werden. Solche Situationen gibt es nicht
nur rund um die Nasenflügeltests, sondern es gab sie bereits in den letzten Monaten bei auftauchenden
Symptomen oder Fieber bei einem Schüler/einer Schülerin. Und in Vor-Corona-Zeiten gab es solche
Situationen auch schon, wenn es im familiären Umkreis eines Kindes während der Schulzeit besondere
Vorkommnisse gegeben hat, auf Grund derer das Herausholen des Kindes/Jugendlichen aus der Klasse
nötig war. In all diesen Situationen wird das Ganze nicht nur mit dem/der Betroffenen, sondern auch mit der
Klasse angemessen aufgearbeitet und professionell verarbeitet.

Zu Frage 6: Wer (Schuldiener, Lehrer, Covid-Beauftragte der Schule, Direktor/Direktorin,


Landesschuldirektorin) trägt für die Umsetzung der Vorschriften im Zusammenhang mit der Durchführung
der Nasenbohrer-Tests in den Schulen welche Verantwortung?
Die Verantwortung für die Durchführung tragen die Testenden selbst, da es sich ja um einen Selbsttest

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handelt, bei dem niemand anderer als die Testperson selbst Hand an sich legt.
Die Verantwortung für die Organisation und die begleitenden Arbeiten tragen die Schulen.

Zu Frage 7: Auf welchen wissenschaftlichen und gesetzlichen Quellen basiert die Vorschrift, dass Personen
a) aufgrund eines positiven Nasenbohrer-Tests als "enge Kontakte" eingestuft werden können?
b) aufgrund eines positiven Nasenbohrer-Tests in Quarantäne bzw. vorsorgliche Quarantäne geschickt wer-
den können?
c) aufgrund eines positiven Nasenbohrer-Tests zur Durchführung eines PCR-Tests verpflichtet werden kön-
nen?

Der Ablauf für die Durchführung und Handhabung der Nasenbohrertests bei positivem Ergebnis kann aus
dem Dokument zu den Leitlinien des Sanitätsbetriebs entnommen werden.
In diesen Leitlinien ist zudem in Punkt 9) zu lesen, dass Mitbewohner des positiven Schülers bis zum
Ergebnis des PCR Tests NICHT in vorbeugende Quarantäne gestellt werden, außer das Department für
Gesundheitsvorsorge bestimmt dies anders, aufgrund einer epidemiologischen Bewertung.

Zu Frage 8: Auf welchen wissenschaftlichen und gesetzlichen Quellen basiert die Vorschrift, dass
Mitbewohner der Schüler, die mittels nasalen Antigentest positiv getestet wurden, bis zum Ergebnis des zur
Bestätigung durchgeführten PCR-Tests vom Departement für Gesundheitsvorsorge in vorbeugender
Quarantäne gestellt werden können?

siehe Antwort auf Frage 7

Freundliche Grüße

Philipp Achammer
Landesrat
(mit digitaler Unterschrift unterzeichnet)

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