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G.

Ullrich

Der gefälschte Mensch


Zur Befreiung vom materialistischen Wahn
oder
die Suche nach dem Ursprung des deutschen Wesens,
der idealistisch-deutschen Lebensordnung

Teil A

ISBN 3-934323-04-9
©2003 GUWG-Verlag, 50169 Kerpen, Rathausstraße 51
Was den Menschen ausmacht,
das ist die in ihm realisierte Kombination
aus Körperlichem und Geistigem,
aus Materialistischem und Idealistischem

Teil A
Inhaltsverzeichnis

Seite
1 Einleitung 1

2 Die Weltanschauung, das zentrale Manipulationsobjekt


materialistisch imperialistischer Politik 6
3 Zur Geschichte der Menschheit 19
3.1 Die germanischen Stämme und ihre sogenannten Völker-
wanderungen 24
3.2 Das antike römische Imperium und sein „Untergang" 57
3.3 Die nachfolgende Zeit mit Karl dem Großen 75
3.4 Die Anbahnung der geschichtlichen Wende 85
3.5 Die Kreuzzüge 101
3.5.1 Der 1. Kreuzzug 102
3.5.2 Die anderen Kreuzzüge 134
3.6 Das geschichtliche Auftreten der Nord-Germanen - der
Wikinger 141
3.7 Der Untergang des germanischen Abendlandes 147
3.8 Die Rechtgläubigwerdung des Materialismus 166
3.9 Der Verbleib der dritten Gruppe des Templerordens 196
3.10 Die päpstliche Renaissance, die Zeit des aufstrebenden
Individualismus, auch Humanismus genannt 208
3.11 Das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation" 218
3.12 Die Inquisition 222
3.13 Die Reformationszeit, Luther und die Bauernkriege 230
3.14 Der 30-jährige Krieg und seine politischen Konsequenzen 237
3.15 Zusammenfassung und einige Schlußfolgerungen 241
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1 Einleitung
Selbst heute noch, zu Beginn des dritten Jahrtausends, liegt uns ein Ge-
schichtsbild vor, das angefüllt ist mit Widersprüchen und phantastischen
Unmöglichkeiten, die uns in ihrer Vielzahl von der Wissenschaft als soge-
nannte „Geschichtsrätsel" präsentiert werden. Das führt letztlich dazu,
insbesondere dann, wenn wir uns von den einzelnen Teilen und Details
weiter entfernen, wenn wir das uns vorgelegte Gesamtbild mit Abstand
betrachten, daß wir feststellen müssen, daß nicht nur einzelne „Geschichts-
rätsel" für Unverständnis und Unklarheit sorgen, sondern daß dieses Ge-
samtbild solche Spannungen enthält, daß es an innersten Widersprüchen
förmlich auseinanderreißt. Unser Geschichtsbild ist ein Werk, das sich
selbst jedes Vertrauen nimmt und dem damit das eigentlich Wichtigste für
unsere heutige Zeit vollständig fehlt, nämlich, uns die Möglichkeit zu ge-
ben, aus früheren Erfahrungen lernen zu können. Nur, wo ein klarer Blick
nicht möglich ist, ja, wo die Wissenschaften bisher schon umfangreichste
Fälschungen nachgewiesen haben, wo zielgerichtet arbeitende Manipulato-
ren in vielen Fällen bereits ertappt wurden, da hat eigentlich das gesamte
Bild seinen Wert verloren. Vom Zweck eines daraus Lernens gar nicht erst
zu reden. Die Menschheit befindet sich demnach in dem Zustand, weitge-
hend geschichtslos zu sein und für viele Zeitabschnitte einzig über einzelne
gesicherte Steinchen zu verfügen, die meist recht willkürlich zusammenge-
fügt werden bzw. werden können. Wie kann es da verwundern, daß die
Unsicherheit sogar soweit geht, daß Geschichte gar als subjektiv auslegbar
bezeichnet wird, was besagt, daß sich eigentlich jedermann seine Ge-
schichte selbst schreiben kann. Nicht nur mit diesem Unsinn gilt es aufzu-
räumen, selbst wenn es uns das gesamte heutige Geschichtsbild kosten
sollte.

Denn heute geht es nicht so sehr um den Erhalt eines zusammengeflickten


Geschichtsbildes, sondern die Zukunft der gesamten Menschheit steht auf
dem Spiel, bzw. die aktuell herrschenden Kräfte haben sie zu ihrem Spiel-
ball gemacht.
2

Und diese Kräfte benötigen die in ihrem Sinne zusammengebastelte Ge-


schichte, um ihre darauf aufgebauten aktuellen Schauspielereien als Poli-
tik überhaupt glaubhaft vermitteln zu können. Die dahinterstehende
menschliche Geschichte, die aktuelle Politik, wie auch die damit ange-
strebte Zukunft sehen völlig anders aus, als es uns tagtäglich vorgegaukelt
wird!

Der große Philosoph Friedrich Nietzsche war, unter Umgehung aller Ge-
schichte, erheblich weiter vorgedrungen, als es alle in der Historie
Forschenden je vermochten. Der wohl größte Denker des 19. Jahrhunderts,
in Kombination von geistiger Höhe und Breite unerreicht, hat das Christen-
tum und die christliche Religion philosophisch demaskiert wie kein zwei-
ter. Er demaskierte es bis zur vollständigen Nacktheit. Nietzsche war es
gelungen, das Christentum zu überwinden, ohne dessen Historie überhaupt
nur angetastet zu haben. Was Nietzsche in rein philosophischer Höhe lei-
stete und zu leisten gezwungen war, dem fehlt bis heute jede Parallele in
der Historie. Weshalb? Die Antwort darauf ist banal und gar nicht so er-
staunlich: weil allen Historikern zu allen Zeiten die Freiheit fehlte, wie
Nietzsche sie in seiner geistigen Höhe erst fand.

Wie aber hätte Nietzsches Schaffen aussehen können, wenn er nicht annä-
hernd sein gesamtes Leben mit der Entkleidung und Überwindung des
Christentums hätte verbringen müssen, wenn er gar auf historischen Wahr-
heiten statt auf Fälschungen hätte aufbauen können? Denn insbesondere
philosophisches Denken bedarf immer einer darunterliegenden geistigen
Wissensstruktur. Wenn aus dieser untergeordneten Struktur Fälschungen
über- und als Grundlagen heraufgenommen werden, so muß der philoso-
phischen Suche das Auffinden der letzten Wahrheit fast immer verwehrt
bleiben.

Nichts aber ist Philosophen artfremder als geschichteschaffendes politi-


sches Denken, die Konzeption des Betruges und der Manipulation. Dies
allein schon deshalb, weil der Philosophie politisches Denken nicht nur zu
billig und zu oberflächlich ist, sondern weil solches dem nach Wahrheiten
und Sinn suchenden philosophischen Denken im Kern konträr entgegen
steht. Im Sinne der Erkenntnis und Wahrhaftigkeit bilden politische Denker
3

damit den negativen Gegenpol zu allen philosophisch Suchenden. Und


dieser Gegenpol hat auch von Nietzsches Geisteskraft große Teile aufge-
braucht.

Philosophisches Denken hat die Verlockung der Freiheit. Politisches Den-


ken dagegen ist eine knechtische Leistung. Eine Dienstleistung für die
Macht, von der der Denker existiert und von der er sich eine Belohnung für
seine Leistung verspricht. Wieviel schöner, wieviel genußvoller ist es
doch, freier Philosoph statt Handlanger des Betruges zu sein. War viel-
leicht das Bedürfnis nach geistiger Freiheit der eigentliche Grund dafür,
nicht nur im Bezug auf die großen deutschen Denker, daß politisches Den-
ken in Deutschland so unterentwickelt war und ist? Sind die Germanen und
der heute deutsche Teil ihrer Nachkommen immer wieder nur an ihrem
inneren Freiheitsbedürfnis gescheitert? Da die Freiheit der höchste, im
sogenannten deutschen Wesen über die Jahrhunderte und Jahrtausende
getragene Wert ist, so war es offensichtlich immer und zu allen Zeiten das
deutsche Wesen, was, mit wenigen, dann aber exzellenten, Ausnahmen,
allen Deutschen das Verständnis von Politik so unbegreiflich machte.

Für dieses Buch mußte folglich eine politische und keine philosophische
Betrachtung gewählt werden. Denn es sind nicht philosophische, sondern
politische Wahrheiten und Zusammenhänge - auf denen dann kluge Köpfe
gern ihre Philosophie aufrichten mögen - die es zu finden gilt.

Politik aber fährt, und dies nicht erst seit heute, sondern seit es Politik in
konzeptionell geplanter Form überhaupt gibt - wie wir noch sehen werden,
schon seit vielen hundert Jahren -, immer zweigleisig. Wären politische
Machenschaften einzig nur auf zum Teil recht einfach zu durchschauenden
Lügen und Fälschungen aufgebaut, ganz gleich wie intensiv und dauerhaft
sie auch wiederholt und verbreitet werden, ganz gleich mit welcher Willkür
und welchem Terror ihre Aufdeckung auch verhindert wird (womit nicht
zuletzt auch von der Auffindung des „zweiten Gleises" abgelenkt werden
soll), so wäre damit kein längerfristiger Erfolg zu erzielen, sie könnten
keinen Bestand haben, sie würden am inneren Widerstand aller Menschen
scheitern. Was allen politischen Fälschungen, Lügen und Heucheleien erst
zu ihrem bis heute andauernden Erfolg verhilft, das ist die materialistische,
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die weltanschauliche Zwangsjacke, in die jeder einzelne Menschen geistig


und auch körperlich gepreßt wird, sobald er das Licht der Welt erblickt.

Erst die begleitende psychologische Manipulation zwingt zur Schizo-


phrenie und die wiederum verleiht erst dem tagtäglichen politischen Lug
und Trug seine Standfestigkeit und Akzeptanz. Mit diesen geistigen Ma-
nipulationen wird die materialistische Weltanschauung als alternativlos
hingestellt! So, als gäbe es nichts anderes.

Denn nur über die dem Menschen aufgezwungenen materialistischen Wer-


te, vom individuellen Streben nach Wohlstand und Erfolg, bis dahin, sich
selbst, seine (ihm mit allen Mitteln untergejubelten) Bedürfnisse und seine
Existenz als das Wichtigste anzusehen, wird die individuelle Bereitschaft
erzeugt, jeden Lug und Trug zu akzeptieren, zumindest aber sich mit ihnen
zu arrangieren, solange dies nicht seinem persönlichen „Wohlergehen"
abträglich ist. Letztlich wird so jeder Einzelne über seine materialistische
Weltanschauung zum käuflichen Objekt gemacht, das sich selbst jede Kri-
tik an der politischen Menschenverachtung verbietet, verdankt er doch
einzig diesem seinen Wohlstand und seine Existenz. Und selbst die, die
heute noch meinen, irgendwo eine für sie erträgliche Überlebensnische
gefunden zu haben, die werden bald feststellen, daß selbst die kleinste Ni-
sche zusehends zum Schleimbeutel wird.

Der, der ursprünglich als freier Mensch geboren wurde, ist gefangen in
einem Weltanschauungsnetz, dessen einziger Zweck ausschließlich darin
besteht, ihm seine Freiheit zu nehmen, ihn zu beherrschen und damit um
alles zu betrügen, was ihm als Mensch in die Wiege gelegt wurde. So wur-
de aus dem Mensch bis heute vielfach eine fremdgesteuerte, funktionieren-
de Robot-Kreatur.

Jedem, der in den Spuren seiner Altvorderen wieder als Mensch in seiner
natürlichen Umwelt leben „will" - wobei dieses Wollen genau von diesen
Altvorderen als sogenanntes „Schicksal" in jedem Menschen erblich vor-
geprägt ist, wie es die Vererbungs- und Genforscher längst herausgefunden
haben -, ist es folglich zur ersten Aufgabe gemacht, sich von der ihm auf-
gezwungenen materialistischen Weltanschauung - welche auch immer das
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sein mag - zu befreien, gleich welche „Opfer es kostet". Der Gewinn wird
jedes Opfer ausgleichen und weit übertreffen. Denn der Gewinn, so man
das Resultat denn so bezeichnen will, liegt darin, endlich Mensch, in Har-
monie mit seinen in seiner Seele eingelagerten, uralten menschlichen Wer-
ten und seiner ihm bewußten, natürlichen Umwelt, geworden zu sein.
6

2 Die Weltanschauung, das zentrale Manipulations-


objekt materialistisch-imperialistischer Politik
Der selbstgestellte Anspruch könnte kaum größer sein. Soll mit unserer
hier ansetzenden Suche und Analyse doch nichts Geringeres erreicht wer-
den, als einen Überblick darüber zu gewinnen, wessen Wesen die heutige
Politik ist, welche weltweit offensichtlich einheitliche, dabei destruktive,
anti-menschliche und dekadente Zielsetzung damit verfolgt wird und wel-
che Alternative noch besteht, diesem Treiben ein Ende zu bereiten. Die
Scheinalternativen sogenannter rechter und linker Vordenker und Gruppen
bleiben dabei unberücksichtigt, und ein jeder mag solche nach eigenen
Kenntnissen selbst einordnen.

Bevor an eine wirkliche Alternative zum laufenden, christlich begleiteten,


plutokratischen (von Pluto, dem griechischen Gott des Reichtums) Globa-
lismus überhaupt nur zu denken ist, der daneben die volle Unterstützung
aller internationalistischen Sozialisten in der Hoffnung findet, dereinst,
nach getaner Arbeit, die Plutokraten beerben zu können - dies entgegen
aller bisherigen Erfahrung aus den vergangenen Machtkämpfen, wonach
sie immer unterlagen und unterliegen müssen - müssen zunächst die
Grundlagen und Voraussetzungen bestimmt werden, die die heutige Situa-
tion geschaffen und die den aktuellen Entwicklungen vorausgegangen sind,
was nichts anderes ist, als eine Ableitung des Heute aus der Vergangenheit.
Wie aber schon die politisch-aktuellen Vorhaben generell hinter vorge-
schobenen, einzig der Täuschung dienenden Falschinformationen und
-deutungen, die bis zu billigster Schauspielerei reichen, abgewickelt wer-
den, so darf auch im Bezug auf die Vergangenheit nicht davon ausgegan-
gen werden, daß politisch gewollte Verfälschungen eine Erfindung der
heutigen Zeit sind. Reichen ihre Ursprünge doch bis in fernste geschichtli-
che Zeiten zurück. Um Aktuellem und Künftigem seine Transparenz zu
geben, müssen also zunächst einmal die an unserem geschichtlichen Wis-
sen vorgenommenen Manipulationen erkannt und soweit als möglich, und
für den hier gestellten Anspruch nötig, korrigiert werden.
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Das Erkennen vergangener Geschichtsfälschungen soll aber nicht allein der


Auffindung historischer Wahrheiten dienen, um daraus aktuelle Machen-
schaften besser verstehen zu können. Nein, es sollen nicht Wahrheiten
allein nur zum Zwecke des Verständnisses gefunden werden. Weitaus
wichtiger als Verständnis - obwohl dies die Voraussetzung für alles Weite-
re ist - ist die Suche nach darauf aufbauenden Alternativen hinsichtlich der
aktuell laufenden Entwicklung. Und solche Alternativen, zumindest aber
Ansätze dazu, hoffen wir hinter dem Schleier der Geschichtsfälschungen
zu finden.

Die beiden Weltanschauungskomplexe der Gegensätze - modern auch als


Bewußtseinseben bezeichnet -, zwischen denen es, wie in der Natur selbst,
so auch bei der Wahrheit, keinen Kompromiß geben kann, da jeder Kom-
promiß immer nur ein Handel ist, ein Deal, also nur in einer Händlerphilo-
sophie überhaupt vorkommen kann, sollen hier zur Verdeutlichung ihre
Inhalte auf einige wesentliche Merkmale reduziert vorgestellt werden:

Materialismus Idealismus
Macht Freiheit
Recht Gerechtigkeit
Zwang Toleranz
Gesetze Sittlichkeit
Glauben Vertrauen
Imperialismus Sicherheit
Kriegsbereitschaft Friedfertigkeit
Glauben Vertrauen
Mystik Wissen
Knecht Mensch
Chaos Kultur
Weltlich Göttlich
Geistiger Tod Leben

Die beiden Positionen von Materialismus und Idealismus sind so gegen-


sätzlich, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Während der Materia-
lismus alle uns geschichtlich bekannten Zeiten durchzieht und bestimmt,
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gibt uns einzig unser Wissen über die Existenz der sogenannten Naturreli-
gionen, die immer aus dem natürlichen Leben eines Stammes oder Volkes
gewachsen sind, einen Hinweis darauf, daß die ursprünglichen menschli-
chen Gemeinschaften nicht materialistisch, sondern zunächst idealistisch
orientiert waren. Sie sahen die Natur und ihre menschliche, darin einge-
bundene, Gemeinschaft ohne jede politisch-künstlich konstruierte Weltan-
schauung. Die wahre Geschichte der Menschheit müßte so auch den letzten
und größten Irrtum widerlegen, daß jeder Mensch eine materialistische
Weltanschauung habe oder haben müsse. Genau umgekehrt müßte die wah-
re Geschichte aussehen.

Erst die materialistische Weltanschauung macht den Mensch zur politi-


schen Kreatur, d.h., menschliche Freiheit beginnt dort, wo der Mensch
frei von jeder politisch konstruierten Weltanschauung ist!

Eine allgemein akzeptierte Wertestruktur bildet die zentrale Grundlage für


den Bestand einer jeden Gemeinschaft, eines jeden Volkes, wie erst die
Existenz eines Volkes die Voraussetzung jeder Nation ist. Die gemein-
schaftliche Wertestruktur, die über lange Zeitabschnitte beibehalten zur
Kultur wird, bildet die Klammer, die alle und alles zusammenhält und die
selbst wiederum ihren Halt fast immer im Mystischen sucht, bzw. sich eine
mystische Grundlage schuf, um die jeweilige menschliche Gemeinschaft
auch geistig tiefergehend zu verankern. Mystik, Ordnung und Werte bilden
so das Gerüst für die Kultur und Weltbetrachtung eines Volkes, was, ober-
flächlich und modern formuliert, oft als Weltanschauung oder Ideologie
bezeichnet wird. Wie wir noch sehen werden, sind nicht nur die Ideologien
der Neuzeit meist nur rational aufgebaute, machtpolitisch definierte, theo-
retische Gebilde. Ihr Zweck dient einzig dazu, den Machtanspruch ihrer
Vertreter zu rechtfertigen. Ohne auf einer tiefergehenden Bindung aufzu-
bauen, wurden Weltanschauungen abstrakt definiert, um daraus neue ge-
sellschaftliche Werte abzuleiten, deren einheitlicher Zweck es immer war,
ihren Erfindern eine Beherrschungsposition einzuräumen und diese Be-
herrschung zu rechtfertigen. Die Loslösung aller so konstruierten Weltan-
schauungen von tieferen geistigen Werten zeigte ihre Schwäche immer
dann besonders deutlich, wenn einem Volk die neue Weltanschauung
übergestülpt wurde. Nicht nur, daß jeder Versuch, ein Volk für eine neue
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Weltanschauung zu begeistern, immer mit Krieg oder Revolution einher-


ging, so zeigen allein die dem revolutionierten Volk dabei abverlangten
Opfer, d.h. die Stärke der Gegenwehr, wie gegensätzlich oder evtl. auch
passend sich die neue Ideologie in die tief in der Volksseele verwurzelten
Werten einfügt. Wie gut eine neue Ideologie zu einem Volk und seinen tief
verwurzelten, gesellschaftlichen Werten paßt, läßt sich immer sehr leicht
an der Größe des Revolutionsfriedhofes ablesen. Eine neue Ideologie kann
so konträr ausfallen, daß sie, einem Volk gewaltsam aufgezwungen, diesem
seine Identität, seine tiefen weltanschaulichen Grundlagen raubt. Als das
neben der Französischen Revolution negativste und abschreckendste Bei-
spiel solcher Art darf wohl mit Abstand die über Rußland hereingebroche-
ne kommunistische Revolution angesehen werden. Das russische Volk und
die russische Volksseele waren offensichtlich nicht die passende Grundla-
ge für den materiellen Sozialismus.

Während die bolschewistische Revolution allein in Rußland Abermillionen


an Menschenleben kostete, ganz zu schweigen von allen anderen Schäden,
findet seit Mitte des 20. Jahrhunderts, in immer schneller werdendem Takt,
eine Vielzahl, kaum noch ein Volk dieser Erde ausnehmende, Dauer-
Revolutionen statt. Nur daß diese Revolutionen weder als solche erkennbar
waren, noch daß sie überhaupt als Revolution bemerkt wurden. Revolutio-
nen im althergebrachten Sinne waren und sind es auch nicht, obwohl sich
bei vielen Völkern eine zum Teil gravierende Veränderung der Weltan-
schauung vollzogen hat. Das, was zu früheren Zeiten immer zu einer spür-
und unübersehbaren Revolution geführt hat, die volksweite Veränderung
der Weltanschauung, stößt in den letzten 50 Jahren nur noch auf sehr be-
grenzten Widerstand. Schleichende Veränderung statt spontaner Revoluti-
on. Denn die Verbreitung der neuen Weltanschauung und der mit ihr ver-
bundenen neuen Werte liegt heute nicht mehr in den Händen von spontan-
umstürzlerischen Revolutionären, die sich ja immer gegen die bestehende
Macht durchzusetzen hatten, also gegen sie revoltieren mußten, sondern
die Weltanschauung wird von der herrschenden Macht selbst verändert,
womit zwangsläufig auch jeder offen sichtbare revolutionäre Aktivismus
entfällt. Nicht mehr Revolutionen führen zu revolutionären Veränderun-
gen, sondern diese sind heute durch glatten Betrug ersetzt. Die Völker
werden von ihren eigenen, demokratisch gewählten Politikern, die zwar
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vorgeben, mit ihrer Politik einzig für die bisherige Weltanschauung zu


wirken, getäuscht und letztlich gar um ihre Weltanschauung und alle darin
enthaltenen geistigen Werte betrogen.

Nach wissenschaftlich kunstvoll ausgearbeiteten Konzepten, getarnt hinter


einem Geflecht zurechtgelegter Interpretationen und manipulierter Infor-
mationen, werden so Schritt für Schritt Fakten geschaffen, deren wahrer
Sinn und Zweck möglichst lange verborgen gehalten wird.

Verfügen irgendwann alle Völker und Nationen über eine einheitliche und
identische Weltanschauung, so haben damit auch alle nationalen Grenzen
und Abgrenzungen ihren Sinn und Wert verloren. Um sich die gesamte
Menschheit als Einheit zu unterwerfen, bedarf es zwingend auch einer
einheitlichen Weltanschauung, womit der Umkehrschluß besagt, daß erst
unterschiedliche Weltanschauungen unterschiedliche Völker schufen, d.h.,
die verschiedenen Weltanschauungen haben die Eigenarten der Völker
entwickelt und basieren auf althergebrachten Werten und darauf gestützten
mystischen Vorstellungen. Allein schon durch die in früheren Zeiten ge-
ringe Mobilität und den kaum möglichen Informationsaustausch entwickel-
ten sich zunächst die Völker mit ihrer jeweils eigenen Weltanschauung, auf
der sich dann Kultur und Sittlichkeit ausbilden konnten.

Die heutige Zeit strebt mit aller Macht der Einen Welt entgegen. Der Welt
der einen Menschheit, die alle Grenzen der Rassen, Völker und Weltan-
schauungen überwinden soll. Alle Kulturen, Weltanschauungen und Völ-
ker haben sich verloren und machen die letzten Schritte auf dem Weg zur
allgemeinen Einheit. Eine Welt, eine Menschheit, eine Weltanschauung,
losgelöst von jeder Kultur. Ein Eintopf, bei der der Mensch auf der Strecke
bleibt, zur niedrigsten Kreatur wird und noch nicht einmal zum Fettauge
taugt.

Sieht man bei der aktuellen Entwicklung genauer hin, so zeigt sich etwas
äußerst Widersinniges. Völker werden durcheinandergewirbelt, ihre Ein-
heit wird aufgelöst. Und ohne daß es die betroffenen Völker bemerken,
verschwindet ihre jeweilige, jedes einzelne Volk zuvor zusammengehalte-
ne Weltanschauung und damit auch die ihr zugrundeliegende Kultur. Die
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Menschheit wird zur unförmigen, gestaltlosen Masse „freier" Individuen,


bei der einzig staatliche Verbote und Restriktionen die eigentlich zwangs-
läufige Anarchie verhindern. Nicht mehr Weltanschauung, Sitte und Kultur
gebieten dem Einzelnen seine Pflicht und sein Gewissen. All solche Bin-
dung, alle daraus gegebene Verbindlichkeit ist ausgelöscht und aufgeho-
ben. Einzig die auf den Interessen von einflußreichen Gruppen und Korpo-
rationen - keinem Volk mehr verpflichtet - erlassenen Gesetze schaffen
neue, künstliche, unter Einsatz aller technologisch gebotenen Mittel ord-
nungspolitisch durchgesetzte und überwachte Verbindlichkeiten. Nicht
mehr die gemeinsame Weltanschauung, Kultur, Sitte, Pflicht und das ge-
meinsame Gewissen verbinden, sondern einzig Gesetze steuern das Mit-
oder auch das Gegeneinander der Einheitsmenschen. Eine haltlos gemach-
te, um ihre Identität betrogene Menschenmasse wird beliebig neu geordnet
und gruppiert und je nach Bedarf gegeneinander gehetzt, um so die politi-
sche Spielwiese für die eigentlichen Ziele freizumachen.

Eine alle Völker umfassende „Weltanschauung" befindet sich in der


Durchsetzung. Die Weltanschauung vom Glauben an den Stoff und die
äußere Erscheinungswelt, der „friedfertige", auf militärische Überlegenheit
gestützte Standard-Materialismus. Die Maßstäbe des politischen, gesell-
schaftlichen und persönlichen Lebens sind nur noch dem wirtschaftspoliti-
schen Gedankengut entnommen, wobei jede einzig am Materialismus aus-
gerichtete Politik den großen Vorteil hat, daß sie sich keinerlei eigene Ein-
schränkung, seien es irgendwelche Pflichten, seien es Sittlichkeiten oder
gar ein Gewissen, auferlegt. Sind dies doch Begriffe, die im Materialismus
eher mitleidig belächelt werden und einzig für dessen Propagandisten noch
zweckmäßig sind. Damit bleibt nichts anderes, als auch das sittliche Han-
deln aus Zweckmäßigkeits- und Nützlichkeitserwägungen irgendwelcher
Art oder aus irgendwelchen materialistisch erzeugten Gefühlsstimmungen
abzuleiten und auf das reine Glücksstreben der Einzelnen einzustellen.

Dazu schreibt schon 1927 Dr. phil. A. Pfannkuche in seiner Schrift „Frei-
maurerei und völkische Frage":
Dieses Streben hat sich bei den Engländern besonders ausgeprägt.
Schon sei Jahrhunderten ist der Engländer Kosmopolit in dem Sinne,
daß er sich selbst für die Krone der Schöpfung ansieht und sich selbst -
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persönlich und unter seinesgleichen - als zur Herrschaft über die Welt
berufen meint. Dieser Kosmopolitismus hält sich frei von allen sittli-
chen Erwägungen. In diesem alles beherrschenden Selbstbewußtsein
wirkt sich ein Naturtrieb aus, der jedem gesunden Volke, das Willen
zum Leben und damit Willen zur Macht besitzt, innewohnt. Diesem
Trieb frönt das englische Volk seit Jahrhunderten in äußerst individuel-
ler und egoistischer Weise.

Dagegen erkannte der deutsche Idealismus nur den völkischen, nicht


aber den englisch-individuellen Naturtrieb an, band ihn aber an die For-
derung einer höheren sittlichen Weltordnung - das deutsche Wesen -
und verlangte auch Gerechtigkeit, Luft und Licht für die anderen. Der
Wille zur Macht wurde seiner Brutalität entkleidet. Er wurde gezähmt
und versittlicht. Damit hatte der deutsche Idealismus eine besondere,
der deutschen Wesenheit entsprechende Betrachtungsweise des vorlie-
genden Problems begründet.

Heute gehört auch der germanisch-christliche Idealismus zu den verlo-


rengegangenen Weltanschauungen, wie sie während der Zeit bis 1914
der an der deutschen Art ausgerichtete Maßstab waren. (Anm.: rück-
blickend waren bereits in Zeiten der Weimarer Republik die gleichen
weltanschaulichen Umwertungstendenzen festzustellen, wie sie nach
1945 erneut einsetzten und bis heute anhalten, wobei die Radikalität der
Umstellung auf den Materialismus in der BRD weitaus stärker forciert
und auch weitaus subtiler betrieben wurde, als etwa in der DDR).

Der germanisch-christliche Idealismus war eine Weltanschauung, wie


sie von der Elite der deutschen Geistesgrößen: Luther, Kant, Hegel,
Fichte, Goethe, Schiller, Kloppstock zu ungeahnten Höhen getragen
worden war. Der deutsche Idealismus ist die Weltanschauung, wie sie
im Evangelium ihre gewaltigste Offenbarung gefunden hat, wie sie in
besonderer Kraft in das Denken der nordischen Völker eingegangen ist,
weil sie deren Eigenart, der urgermanischen Weltanschauung, beson-
ders entsprach. Sie ist es auch, die dem deutschen Geist jene Schwung-
kraft des Denkens, Fühlens und Wollens gegeben hat, jenen faustischen
Sinn und Drang, der ihn befähigt hat, der höchsten Wahrheit am näch-
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sten zu kommen. In all den großen Heldengedichten des deutschen Vol-


kes lebt etwas von jener Himmelsehnsucht, die sich von aller Erden-
schwere loszuringen unternimmt und die getragen ist von dem Glauben
an eine unbedingte ewige Wahrheit.

In dem Buch „Deutschland und der Sozialismus" von 1924 hat Fr. Brun-
städ das deutsche Staatsgebäude einmal so angedeutet:
Die einzelnen Steine, die das Gewölbe bilden, werden zusammengehal-
ten durch den Widerstand und Druck der Nachbarsteine. Dieser gegen-
seitige Druck und Widerstand ist es, der das Ganze zusammenhält, dem
Ganzen Dauer verleiht, und der auch die einzelnen Steine vor dem Fall
ins Leere schützt. So trägt ein Stein des anderen Last, und in diesem ge-
genseitig „einer des anderen Last tragen" finden das Ganze wie die ein-
zelnen Teile Leben und Freiheit. Nur in diesem Eingefügtsein, in dieser
gegenseitigen Verbundenheit ist auch den Einzelnen Zweck des Da-
seins, Sicherheit und Unabhängigkeit gewährleistet.

Dr. phil. A. Pfannkuche führt dazu weiter aus:


Von da aus ist nur noch ein Schritt zur Erfassung des Volkes als eines
lebendigen organischen Ganzen. Bin ich Seele und Geist, bin ich mehr
als ein toter Stein, begreife ich mich in meinem Dasein, in dem, was ich
bin und sein soll, dann erfasse und empfinde ich mich nun als ein Glied
des großen Volksbaues, der aus dem Geist des ewigen Urgrundes aller
Dinge geschaffen und gestaltet ist, und der Geist und Seele in sich trägt.
Als ein Glied, das durch den Widerstand und Druck der Nachbarteile,
der Volksgenossen, wohl beschränkt und belastet, aber auch in seiner
Eigenart und Zweckbestimmung gehalten und erhalten wird. So fühle
ich mich gerade in dieser Verbundenheit gesichert und erlebe in dieser
Beschränkung meine Unabhängigkeit und Freiheit.

Aus diesem Gefühl der Verbundenheit erwächst nun ganz von selbst
auch das Bewußtsein der gegenseitigen Verbindlichkeit. Dieses Gefühl
der gegenseitigen Verbindlichkeit finden wir ausgedrückt in den Forde-
rungen der Pflicht, der Verantwortlichkeit und des Gewissens. Nur wo
dieses Gefühl der gegenseitigen Verbindlichkeit durch Pflicht und Ge-
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wissen gegeben ist und zum bestimmenden Lebensgrunde wird, nur da


ist deutsche Volks- und Staatsgemeinschaft möglich.

Nun ist auch zu verstehen, weshalb unsere großen Denker Volks- und
Staatsgemeinschaft nicht auf das Nützlichkeits- und Glücksstreben des
Individuums aufbauen wollten, wie die Engländer es taten und tun, son-
dern auf den Gedanken der Pflicht und des Gewissens. Auch weshalb
sie im Staate etwas anderes, mehr sahen als eine Handelsgesellschaft,
weshalb sie dem Staate zumuteten, die Verwirklichung einer großen
sittlichen Idee zu werden. Wird so erst die Hoheit und Würde des Staa-
tes erfaßt, so auch die Hoheit und Würde des Einzelnen. Der Einzelne
hört auf, ein losgelöstes, in sich selbst zufriedenes und schließlich sich
selbst verzehrendes Individuum zu sein, er wird zur Persönlichkeit. Das
heißt, es klingt in ihm etwas hindurch von der ursprünglichen Einheit,
von der Idee des Ganzen.
Soweit Dr. Pfannkuche.

Auch wenn diese Ausführungen noch auf verschiedenen Fehlinformation


aufbauen, so gehen sie letztlich doch in die richtige Richtung. Und diese
könnte wie folgt zusammengefaßt werden:

Die deutsche Volksgemeinschaft wird auf Dauer nicht allein


materialistisch existieren können.
Zu groß ist die geistige Leere und der sittliche Widerspruch.
Ob ein anderes Volk dies kann, ohne sich dabei selbst zu verlieren,
ist äußerst fraglich.

Die Zukunft aller Völker, die Zukunft der Menschheit, die Zukunft unseres
gesamten Globus, befindet sich „in Arbeit". Handels-Plutokraten, die Su-
perreichen, die mit allem handeln, deren Objekte Güter und Menschen (oft
auch als „Humankapital" bezeichnet) sind, deren Politik nichts anderes als
der Handel mit Macht ist, die ihr höchstes Lebensziel offenbar dann er-
reicht haben, wenn das Leben zur Dauerparty geworden ist, wollen die
Erde beglücken und zwingen der Menschheit ihre Ansichten und Werte
auf! Aber auch sie haben ihren Ursprung und ihre Vorgänger. Selbst die
reichsten aller Plutokraten standen nicht am Anfang der Zeit, sondern ver-
15

danken es - neben ihrer charakterlichen und sittlichen Ungebundenheit -


historischen Entwicklungen, die sie nach oben gespült haben. Wir kommen
also nicht umhin, uns in der Vergangenheit umzusehen.

Im Gegensatz zu den vielen bereits vorliegenden Untersuchungen und Ana-


lysen, die meist mit philosophischen Ansätzen versuchen, Antworten zu
finden, wollen wir einen etwas anderen Weg gehen. Zeigt sich doch immer
deutlicher, daß nicht Philosophien zu großen Veränderungen geführt haben
- dienten sie zumeist doch erst in nachbetrachtenden Schritten dazu, geisti-
ge Hintergründe, Zusammenhänge oder Auswirkungen einer bestimmten
Entwicklung offen- oder überhaupt erst in sie hineinzulegen - sondern daß
annähernd die Gesamtheit der bekannten menschlichen Geschichte ein
Produkt politischer Gedanken und Konzepte darstellt. Dies zwingt nun
dazu, daß wir bei den folgenden Betrachtungen immer die politischen
Zweckmäßigkeiten der vorhandenen materialistischen Machtgruppierungen
berücksichtigen. Sie sollen uns den eigentlichen Maßstab für die Betrach-
tung der geschichtlichen Entwicklungen liefern.

Zunächst aber noch eine grundlegende Betrachtung. Im Zentrum der gei-


stig-politischen Macht des Materialismus steht der Begriff des Glaubens,
dessen Zwanghaftigkeit sich bis hin zur religiösen Bedeutung und Ausge-
staltung erstreckt. Ein Glaubensbegriff, wie er nie extremer und offener als
bei den Jesuiten ausgelegt und ausgesprochen wurde. Der vom Christentum
kreierte Glaubensbegriff ist nicht mehr in dessen ureigensten Sinn - dem
Vertrauen - zu verstehen, oder um mit geglaubten Annahmen die Wissens-
lücken in einem Gesamtbild zu schließen, sondern er wurde zur allumfas-
senden Grundlage der Weltanschauung. Die gesamte Weltanschauung als
eine geglaubte! So wurde Glaube in seiner über Jahrhunderte aufgebauten
Form letztlich zur Grundlage allen - insbesondere aber zu der des politi-
schen - Betruges. Die Gemeinsamkeit aller christlichen und materialisti-
schen, ja selbst vieler esoterischen Weltanschauungen bildet der Glaube.
Sei es die Tatsächlichkeit des Lebens und Wirkens Jesus, die tagtäglichen
Nachweise von der Macht, die vom Volke ausgeht oder dem Rechtsstaat, in
dem man zu leben glaubt, oder die gedeuteten und interpretierten esoteri-
schen Grundlagen. Jeden Glauben zumindest in den Bereichen, wo Wissen
und Kenntnisse vorhanden sind, durch diese zu ersetzen, muß bei dem heu-
16

tigen Stand der Wissenschaften fast schon zwangsläufig zum Zusammen-


bruch fast aller Weltanschauungen und Glaubenslehren führen. Zunächst
aber soll nicht das Heute im Vordergrund stehen, sondern das Gestern, das
uralte Gestern, die germanische Zeit und Welt, die Zeit, in der sich das
deutsche Wesen entwickelt hat.

Mußte bereits in diesen alten Zeiten die Weltanschauung, bzw. -


betrachtung schon zwingend religiösen Charakter gehabt haben? Wurde
vielleicht gar schon der Begriff der Religion, auf deutsch: Rückbindung,
einzig zu propagandistischen Zwecken geschaffen? Kann der Glaube nicht
einzig auf seinem ursprünglichen Wert, dem Vertrauen, das Glauben, be-
stimmt gewesen sein? Glaube also ohne jede religiöse Verknüpfung. Und,
ist nicht erst dann eine „Rückbindung", eine Religion, zur Überbrückung
des Getrenntseins überhaupt nötig, wenn zuvor eine gewaltsame Trennung
erfolgt ist? Denn freiwillig würde sich niemand, erst recht keine Gemein-
schaft, aus der Schöpfung herauslösen. Die Verbannung aus dem Paradies
der geistigen Freiheit zeigt dies sehr anschaulich. Wenn der Mensch in
Harmonie mit seiner Umwelt lebt, sich nicht als von der Natur und der
Schöpfung abgekoppeltes Wesen, sondern als deren Bestandteil empfindet,
wozu sollte er dann eine Religion brauchen?

Eine Ordnung, ohne jede Religion, aus dem Ursprünglichen gewachsen, in


der es eine natürliche Weltbetrachtung gab, die zwar Wissenslücken u.a.
auch mit der Annahme, dem Glauben an Götter und Riesen, ausfüllte, die
aber einzig Teil der Erklärung des Weltbildes waren, nicht jedoch Gegen-
stand religiöser Ansichten, Empfindungen oder Riten. Götter, die zur Un-
terstützung der Menschen um ihre Hilfe angerufen wurden, wenn, den Ta-
ten von Riesen zugesprochene, Naturereignisse die Menschen in Not und
Bedrängung brachten. Götter als Übermenschen, auf deren Unterstützung
aber nur der Freie, in seiner Sittlichkeit Heldenhafte hoffen durfte. Eine
Weltbetrachtung frei von jeder Religion! Wo die menschliche Freiheit
nicht durch Religion, sondern nur vom Höchsten, der Natur selbst, und der
eigenen Sittlichkeit, den Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, einge-
schränkt war. Eine Sittlichkeit, die frei war von allen Tempeln, Priestern
und Götteropfern. Wo Unsittliche beerdigt, Helden aber verbrannt wurden.
Das Schlechte vergraben, das Gute, zur Stärkung derer Kraft, zu den Göt-
17

tern aufsteigend. Wo das Leben nicht als eine Investition in die Zeit nach
dem Tode angesehen wurde. Wo nicht eine Religion, sondern einzig die
Sittlichkeit das gemeinschaftliche, naturverbundene Leben ordnete und
regelte, wo jeder sein Leben nach dem Tode nicht in einem religiösen Jen-
seits, sondern im Leben seiner Kinder fortsetzte. Denn wie kann es eine
menschliche Freiheit je geben oder gegeben haben, wenn ihr durch eine
Religion schon geistig die Grundlage entzogen wird, wenn die Freiheit also
einzig auf das Materialistische, das Körperliche reduziert wäre?

Beim Thema Glauben ist es unerläßlich, auch die Wissen schaffende Wis-
senschaft der Geschichtsforschung noch kurz anzusprechen. Denn selbst
heute noch, in unserer angeblich wissenschaftlich durchtränkten Welt, wird
das Gesamtbild der Weltgeschichte an vielen Stellen noch immer durch
teilweise phantastische Geschichtsrätsel zusammengehalten. Dabei sind
diese Geschichtsrätsel faktische, zumindest als solche dokumentierte, Erei-
gnisse, die als Wissen verkauft, aber nur mit dem Glauben an sie aufrecht
erhalten werden. Im Ergebnis nimmt die Verwendung dieser Geschichtsrät-
sel zur Konzeption des Gesamtbildes der Weltgeschichte den gesamten
ihm angereimten Wissenscharakter und macht somit unser gesamtes Ge-
schichtsbild zu einem Bild des Glaubens. Mit anderen Worten: erst wenn
es gelingt, ein Geschichtsbild ohne Rätsel und Widersprüche zu erstellen,
erst dann kann von einem Bild des Wissens gesprochen werden, was nun
besagt, da es der Jahrhunderte alten Geschichtswissenschaft bis heute nicht
gelungen ist, ein solches Werk zu erstellen, daß diese Wissenschaft diesen
Titel nicht verdient. Sie hat einen Glauben an Wissen geschaffen, dessen
Grundlage vielfältiges Unwissen ist. Ja, selbst grundlegende Widersprüche
werden mit kunstvollen Gedankenkonstruktionen passend gemacht oder
bleiben, von allen mit großen Augen angestarrt, als sogenannte Geschichts-
rätsel im Raum stehen. Weshalb es dieser Wissenschaft des Unwissens,
dieser Geschichtstheologie, denn einzig der religiöse Glaube an das von ihr
geschaffene Kunstbild der Weltgeschichte hält sie überhaupt noch als sol-
che aufrecht, bis heute nicht gelungen ist, sich von ihrem Glaubenscharak-
ter zu befreien, hat nicht etwa irgendeinen hoch geistigen Grund, sondern
ist bis auf den heutigen Tag ein banal politischer. Denn die ach so freie
Wissenschaft war solches zu keiner Zeit. Sie war immer nur eine machtpo-
litische Krücke und bewegte sich folglich immer nur auf dem Forschungs-
18

feld, welches ihr von den herrschenden politischen Kräften zuvor abge-
steckt und freigegeben worden ist. Daß der Forschungsspielrauin nicht
einzig nur vom Überlebenswunsch des Wissenschaftlers abgesteckt wurde,
sondern daß er vielleicht noch viel häufiger, wie es wohl nie deutlicher als
in der Person Luthers hervorgetreten ist, auch von der eigenen Weltan-
schauung begrenzt wurde, mag dem Verständnis dienen, ist als Entschuldi-
gung aber wenig geeignet. Nur soll diese Anmerkung nicht dazu führen,
eine weltbewegende Person wie Luther mit den Geschichtsforschern auf
eine Stufe zu stellen, die uns das gültige Bild des 20. Jahrhunderts konstru-
iert haben, und die tagtäglich noch weiter daran arbeiten, um die Verkeh-
rung der Wahrheiten möglichst exakt auf 180 Grad auszurichten (obwohl
sich doch beide mit Glaubenswerten beschäftigt haben).

Da noch immer ein großer Teil des selbst heute noch gültigen Geschichts-
bildes von der menschlichen Entwicklung nicht nur in Europa, der alten
Welt, dem Okzident, selbst in den Erkenntnissen, wie sie aus der wissen-
schaftlichen Forschungsarbeit gewonnen wurden, viele Unverständlichkei-
ten und sogenannte „Geschichtsrätsel" enthält (als solche werden histori-
sche Darstellungen oder „echte" Dokumente bezeichnet, die der erforsch-
ten Gesamtentwicklung widersprechen), wollen wir zunächst verschiedene
Zeitabschnitte dieser Geschichte näher betrachten.

Zuvor aber noch ein letztes Wort zur Geschichte an sich und zur Bedeu-
tung von Geschichte. Wenn es richtig ist, daß jedem neugeborenen Men-
schen über seine Eltern Informationen von vielen Generationen seiner Vor-
fahren übergeben werden, Informationen, die garantiert der Wahrheit ent-
sprechen und somit unverfälscht sind - auch wenn diese Wahrheit immer
nur unterbewußt bleibt, sie also nicht direkt zugänglich ist -, so wird jeder,
der die nachfolgenden geschichtlichen Betrachtungen in sich aufnimmt,
diese damit zwangsläufig diesem ererbten, unterbewußten Wissen zur Prü-
fung vorlegen, womit letztlich das ganz persönliche unterbewußte Wissen
jedes Lesers die Frage nach der Wahrheit für ihn beantworten sollte. Denn
etwas Wahreres als er selbst, das kann es für niemanden geben.
19

3 Zur Geschichte der Menschheit


Die kritischer werdende Erforschung der menschlichen Geschichte bringt
in einer fast schon als Zwangsläufigkeit zu bezeichnenden Konsequenz
immer umfassendere Fälschungsaktionen zutage, so daß davon ausgegan-
gen werden muß, daß die geschichtlichen Abläufe - selbst in sehr großen
Zeitabschnitten - zielgerichtet verfälscht und interessengerecht umgedeutet
wurden, was zu dem Resultat führt, falls die tatsächliche Geschichte ge-
sucht und aufgefunden wird, daß die Geschichte der Menschheit anschlie-
ßend völlig neu zu schreiben ist.

Wenn die These zutrifft, daß immer der Sieger bzw. der Herrscher seine
Geschichte schreibt, insbesondere zu dem Zeitabschnitt, in dem er siegte
bzw. herrschte, so kann die tatsächlich wahre Geschichte über jeden Herr-
schaftszeitraum immer erst dann geschrieben werden, wenn diese Herr-
schaft beendet ist. Was allein die Geschichte der letzten 100 Jahre betrifft,
so ist festzustellen, daß zumindest die Geschichte dieser Epoche einzig im
Sinne Englands und seiner führenden Gesellschaftsschicht angefertigt
wurde. War England doch die weltlich-politische Macht, welche diesen
Zeitabschnitt geprägt hat, und blieb sein plutokratisches Herrschaftssystem,
wenn auch um viele neue Teilhaber ergänzt, während der gesamten Zeit
unbesiegt und unverändert, was besagt, daß auch heute noch die Ge-
schichtsschreibung für diesen geschichtlichen Abschnitt im Sinne dieser
Gruppe dominiert bzw. verfälscht ist.

Wenn wir nun weiter zurück blicken, sehr viel weiter zurück, zurück bis in
die Zeit des antiken römischen Imperiums, so zeigt sich, daß für diesen
Zeitraum die oben angeführte These nicht grundsätzlich zutreffend sein
kann. Viel zu offen, viel zu brutal, einzig macht- und herrschaftsbesessen
tritt uns Heutigen diese Zeit entgegen. Kein Caesar, kein Octavian zeigt
Züge, die nicht zu diesem römischen Herrschaftsbild passen. Erst in dem
Zeitraum, als das römische Imperium sich seinem Ende zuneigt, beginnen
Nebelschwaden das Bild zu trüben. Genauer läßt sich der Zeitpunkt ge-
schichtlicher Unklarheiten fixieren, wenn der Entstehungszeitpunkt des
Christentums mitberücksichtigt wird. Mit dem aufstrebenden Christentum
20

verlieren Geschichtsschreibung und -Verständnis ihre Klarheit! Aber nicht


etwa nur ein kurzer Zeitabschnitt versinkt, sondern ein riesiger Zeitraum
verschwimmt. Der gesamte Zeitraum vom Aufkommen des Christentums
bis weit ins Mittelalter! Aber nicht allein dieses Mittelalter, das mit dem
Untergang des antiken römischen Imperiums beginnt, ist dunkel, sondern
auch die Endphase des römischen Imperiums erscheint in keinem helleren
Licht. Ein geschichtlicher Zeitraum von rund 1500 Jahren liegt hinter oder
unter uns, über den wissenschaftlich viel gestritten wurde und wird, über
den aber wenig gesichertes Wissen vorliegt. Wenn mit jedem Jahr weitere
Dokumente und Schriftstücke aus diesem Zeitraum als Fälschung entlarvt
werden, so kann dies schwerlich zur Stärkung des Vertrauens in die vorlie-
gende Geschichtsschreibung führen. Ja, die Kritik an dieser Geschichts-
schreibung geht sogar soweit, daß einzelne Forscher wie z. B. Wilhelm
Kammeier, der wohl als der größte Historiker des 20. Jahrhunderts be-
zeichnet werden muß, nicht unbegründet behaupten, daß alle Dokumente
des Mittelalters gefälscht seien. Die fortschreitenden Entwicklungen der
historischen Forschung scheinen seine Arbeit und Aussagen zu bestätigen.
Auch wenn eine angemessene Würdigung Wilhelm Kammeiers hier nicht
möglich ist, so soll doch kurz auf seine Entdeckungen hingewiesen werden.
Kammeier war der erste, der die Fälschungen der mittelalterlichen Doku-
mente zusammengefaßt betrachtet hat und so zu einer großen, zentral ge-
steuerten Fälschungsaktion kam. Als weiteres Schwerpunktergebnis seiner
Arbeit zeigte er auf, daß mit den gefälschten Dokumenten, die teilweise
von jedem Laien als solche hätten erkannt werden können, gar nicht beab-
sichtigt war, ein überzeugendes neues Geschichtsbild zu entwerfen, son-
dern daß es den Fälschern einzig darum ging, es jedermann zu erlauben,
allein aus der beliebigen Zusammenstellung und Verwerfung einzelner
Dokumente, für sich ein beliebiges Geschichtsbild ableiten zu können. Das,
worauf aber bei allen Fälschungen immer sehr wohl geachtet wurde, war,
daß aus den Dokumenten eines mit Sicherheit niemals zu erkennen sein
würde, nämlich die tatsächliche Geschichte. Wer sich nur auf die mittelal-
terlichen Dokumente stützt, der wird viele Geschichten finden können, nur
nicht die tatsächlich wahre.

Auch die Arbeiten des Historikers Dr. Heribert Illig sollen in diesem Zu-
sammenhang kurz angesprochen werden. Dieser hat eine äußerst einfache,
21

aber doch sehr gravierende Feststellung herausgearbeitet, die von verschie-


denen anderen Historikern, wie z.B. Uwe Topper, bestätigt wurde. Sie
basiert im Kern auf einer Kalenderrechnung. Im Jahre 45 v. Chr. hatte Juli-
us Caesar eine neue Kalenderrechnung, die nach ihm benannte julianische,
eingeführt. Diese verfügte aber über eine Ungenauigkeit zum astronomi-
schen Kalenderjahr, d.h., die Zeitrechnung Julius Caesars enthielt eine
Abweichung von 674 Sekunden pro Kalenderjahr. Den Kalender wieder
mit den Gestirnen in Einklang zu bringen hat dann Papst Gregor im Jahre
1582 mit der Umstellung auf den nach ihm benannten gregorianischen
Kalender veranlaßt, woraufhin in diesem Jahr auf den 4. Oktober sofort der
15. Oktober folgte. Es handelte sich also um eine Korrektur von 10 Tagen.
Diese 10 Tage waren für die Richtigstellung der in 1627 Jahren entstande-
nen Abweichung völlig ausreichend. Die geringe jährliche Abweichung
von 11,23 Minuten kumulierte sich bis zum Jahre 1582 aber auf 12,7 Tage.
Statt nun diese 12,7 oder besser noch 13 Tage im Kalender anzupassen,
ließ Papst Gregor nur 10 Tage berichtigen. Denn, wie schon gesagt, auf
den 4. Oktober 1582 folgte sofort der 15. Oktober. Wenn wir die Berech-
nung umkehren, so ergeben 128,2 Zeitjahre je einen Korrekturtag. Zwei
fehlende Korrekturtage ergeben demnach 256 Jahre, drei Tage werden zu
384 Jahren, die in unserer Zeitrechnung zuviel enthalten sind. Als Hypo-
these geht Illig von rund 300 Jahren aus, die in unserer Zeitrechnung zuviel
enthalten sind, d.h., daß geschichtliche Ereignisse für rund 300 Jahre frei
erfunden sind und/oder tatsächliche Ereignisse zeitlich gestreckt wurden!
Und wenn schon ca. 300 Jahre frei erfunden wurden, was kann von der
tatsächlichen Geschichte dann noch echt sein, was darf als gesichert gewer-
tet werden?

Allein dadurch, daß es eindeutig die katholische Kirche war, die durch ihre
Kalenderkorrektur diesen künstlichen Zeitraum geschaffen, bzw. „unsicht-
bar" gemacht hat, stellt sich diese Institution selbst, und damit auch ihre
eigene Grundlage, die christliche Lehre, fast schon automatisch in den
Mittelpunkt aller geschichtsträchtigen Fälschungen des vernebelten Zeit-
raums. Haben Papst und römisch-katholische Kirche aber nicht nur 300
Zeitjahre und die Inhalte von 1500 Jahren Geschichte erfunden, wurden sie
vielleicht gar selbst erfunden? Wurden sie, ihr Herrschaftsanspruch und
dessen Grundlage, die Bibel und der daraus abgeleitete christliche Glaube,
22

nachträglich in die Geschichte implantiert? Weshalb aber hätte ein neuer,


auf uralt gemachter, auf erfundenen geschichtlichen Ereignissen fußender
Glaube installiert werden müssen? Warum überhaupt mußte ein Glaube
installiert werden, der nicht nur, wie in vielen Naturreligionen, darauf be-
schränkt war, unerklärliche Naturerscheinungen phantasievoll zu erklären,
sondern der einen Gottes- und Priesterglauben fordert, der in nichts Gerin-
gerem als Selbstverleugnung und Selbstbetrug (christlich: -kasteiung) gip-
felte? Um darauf Herrschaftsansprüche aufzubauen? Waren keine weltli-
chen Machtmittel vorhanden oder waren solche allein nicht geeignet, neue
Machtverhältnisse herzustellen oder bestehende zu sichern? Existierte sei-
nerzeit vielleicht eine Macht, bestand einmal eine weltanschaulich gestütz-
te Ordnung, die nur durch einen aufgezwungenen widernatürlichen Glau-
ben des Selbstbetrugs entmachtet und bezwungen werden konnte? Bestand
eine Ordnung, die jede übergreifende Form der Machtausübung unmöglich
machte, gegen die alle weltlichen Machtmittel versagten?

Es hat nun wenig Sinn, sich mit den Fälschern und ihren Produkten zu
beschäftigen. Bei unserem Gang durch die Geschichte werden wir ihnen
nicht nur irgendwann, sondern immer wieder begegnen. Nur wollen wir
dabei einen völlig anderen, einen völlig unwissenschaftlichen Weg wählen.
Nicht nur, weil auf den wissenschaftlichen Wegen außer der Feststellung,
daß fast alles gefälscht wurde, nichts grundlegend Neues herausgekommen
ist, am wenigsten die überzeugende Wahrheit. Bei unserer Suche wollen
wir zu der Zeit ansetzen, als noch kein kunstvoll aufgebauter Nebel vor-
handen war, zumindest aber wollen wir uns an den Anfang der Nebelwand
stellen.

Wenn wir das heutige Bild, welches uns von unserer Vergangenheit ver-
mittelt wird, unter der Prämisse betrachten, daß selbst schon vor 5.000
Jahren viele politisch-listigen Methoden und Verfahren bekannt waren und
auch angewendet wurden, wenn imperialistisches Denken sich allgemein
als Grundlage aller Staatskunst in den Orientalen Hochzivilisationen durch-
gesetzt hatte, ja, wenn selbst schon vor Jahrtausenden großflächige Fäl-
schungsaktionen vorgenommen wurden - was nicht zuletzt in der gezielten
Zerstörung von Tempeln und Götterbildern dokumentiert ist -, so stellt sich
die Frage, wie die gesamte Geschichte der Menschheit wahrhaftig ausse-
23

hen mag. Wie die gesamte Entwicklung ohne Imperialismus hätte sein
können, dürfte kaum auszumalen sein. Aber bleiben wir bei dem kritischen
Zeitabschnitt unserer Geschichte. Wenn wir die vorrömischen Zeiträume
einmal vernachlässigen, so wollen wir unsere Betrachtungen auf die fol-
genden, von der Geschichtsschreibung „dokumentierten" Zeitabschnitte
beschränken, die, Germanien betreffend, im Jahre 113 v. d. Zeitenwende
begonnen haben soll.
24

3.1. Die germanischen Stämme und ihre sogenannten


Völkerwanderungen

Kann es die Völkerwanderungen, so wie sie heute dargestellt werden, je


gegeben haben? Allein, wie es den germanischen Stämmen aus dem Nor-
den Europas gelungen sein soll, unbeschadet durch viele andere, großteils
ebenfalls germanische, Stämme hindurchzuziehen, ist nur äußerst schwie-
rig nachzuvollziehen. Denn hätten nicht die aus dem Norden kommenden
Wanderstämme, von der römischen Geschichtsschreibung zu wilden Bar-
baren stilisiert, zuvor, also bevor sie auf das römische Imperium trafen, alle
auf ihrem Wege liegenden keltischen oder germanischen Stämme vernich-
ten müssen? Als einzige Möglichkeit, eine solche Wanderung überhaupt
durchführen zu können, muß demnach vorausgesetzt werden, daß diese
Wanderung ganzer Stämme entweder immer nur durch sehr dünn besiedel-
te Landschaften erfolgt sein kann, und daß die dort ansässigen Völker dem
Durchzug zuvor zugestimmt hatten, was aber bedeuten würde, daß stam-
mesübergreifende Absprachen und Vereinbarungen stattgefunden haben.
Oder aber die Wanderung ganzer Stämme hat nie stattgefunden. Denn es
mußte nicht nur das Problem des Weges, Fernstraßen dürfte es wohl kaum
gegeben haben, sondern auch das der Transportmittel gelöst werden. Bei-
des Voraussetzungen, die nur für die Volkswanderung überhaupt her- bzw.
bereitzustellen waren. Völker allein über Trampelpfade oder Knüppel-
dämme vom Norden Europas in den Süden zu führen ist einfach eine Un-
möglichkeit. Eine Wanderung von ganzen Völkern benötigt außerdem im-
mer auch eine kontinuierliche Versorgung, wobei die erforderliche Weg-
zehrung kaum unterwegs angebaut werden konnte. Allein die mitgeführten
Getreide Vorräte und Haustierwirtschaft konnte die Versorgung nur kurzfri-
stig sicherstellen. Werden all diese Faktoren in Ansatz gebracht, so setzen
diese zwingend eine quantitative Beschränkung der wandernden Men-
schenmassen voraus. Die Wanderung eines Stammes mit 30, 40 oder gar
100.000 Personen hätte schon daran scheitern müssen, daß diese Massen
nach kürzester Zeit einfach verhungert wären. Die wandernden Gruppen
oder Stämme müssen also zwangsläufig erheblich kleiner gewesen sein.
Und selbst wenn z.B. durch Sturm- und Springfluten oder durch den Druck
25

asiatischer Horden einzelne Stämme diesen Ereignissen durch Flucht ent-


gehen wollten, sie letztlich von Existenznöten zur Suche nach neuem Sied-
lungsraum gezwungen waren, so wäre allein dies schon etwas völlig ande-
res, als der im heutigen Geschichtsbild dargestellte räuberische Beutezug
germanisch-barbarischer Stämme.

Die Grundlage für das Gesamtbild der germanischen Stämme wurde bereits
mit deren erstmaligem - uns angeblich von römischen Geschichtsschrei-
bern hinterlassenen - geschichtlichen Auftritt entworfen. Dieser begann
nach der offiziellen Geschichtsschreibung mit einer Schlacht im Jahre 113
v. Chr. in Noreia, in der heutigen Steiermark, in der das germanische Volk
der Kimbern, welches aus dem Norden des heutigen Dänemarks aufgebro-
chen war, die sogenannten eisernen Legionen Roms, unter dem Konsul
Papirius Carbo, schlug. Nur ein aufziehendes Gewitter soll die völlige
Vernichtung des römischen Konsularheeres verhindert haben. Statt den
Sieg zum direkten Angriff auf Rom zu nutzen, zogen die Kimbern danach
(110 v. Chr.) donauauf- und dann rheinabwärts und vereinten sich auf ih-
rem Weg mit dem Stamm der Teutonen. Ihnen schloß sich nicht nur ein
Zweig der keltischen Helvetier, sondern auch die Ambronen an. Gemein-
sam kämpfte man ein wenig mit den Belgern herum, die Stämme teilten
sich wieder, was die Kimbern dazu nutzten, um jahrelang plündernd durch
Spanien zu ziehen, anschließend vereinten sie sich erneut mit den anderen
Stämmen und schlugen ein römisches Doppelheer 105 v. Chr. im Rhonetal
bei Arausio, wovon allein das Heer der Konsuln Servilius Caepio und
Manlius Maximus 80.000 Mann stark gewesen sein soll. Und wieder trenn-
ten sich die Stämme auf ihrem Weg nach Italien. So kam es, daß 102 v.
Chr. die Teutonen und die Ambronen bei Aquae Sextiae in der Provence
und ein Jahr darauf die Kimbern bei Vercellae von römischen Legionen,
unter der persönlichen Führung des Diktators Marius, vernichtend geschla-
gen wurden, womit alle drei Stämme aufgehört hatten zu existieren. Jedes
deutsche Märchen hat weitaus mehr Logik und Wahrheitsgehalt als eine
solche, an Lächerlichkeit kaum noch zu überbietende, Geschichtsschrei-
bung.

Sehen wir uns die Ungereimtheiten einmal genauer an, denn hier handelt es
sich um eine in allen Belangen mehr als nur phantastische Geschichte. Ein
26

germanischer Stamm besiegt, wie zur Vorspeise, zunächst mal eben "meh-
rere römische Legionen", also zumindest derer zwei (ca. 11.000 Legionä-
re), und zieht dann munter weiter. Setzt man einmal die Anzahl der germa-
nischen Krieger im Faktor 1 : 4 zur Personenanzahl des wandernden Ge-
samtstammes, geht man weiter davon aus, daß die germanischen Krieger
zahlenmäßig weit überlegen gewesen sein mußten, um gegen bestens aus-
gerüstete und geführte römische Legionen siegen zu können, wobei auch
nach dem Sieg genug Germanenkrieger am Leben geblieben sein mußten,
um die folgenden Kriegs- und Beutezüge überhaupt noch durchzuführen,
so muß gegenüber den besiegten Legionen ein Faktor von, sagen wir, sehr
zurückhaltend, zumindest 1 : 3 bestanden haben. Daraus würden sich ca.
30.000 germanische Krieger und eine Gesamtkopfzahl von 120.000 allein
für den Stamm der Kimbern ergeben, deren Anzahl anschließend noch
durch weitere Stämme erheblich ergänzt wurde (Der „Wanderzug" solcher
Massen hätte sich über Hunderte von Kilometer erstreckt, die aber vor
jeder Schlacht hätten überhaupt erst einmal zusammengezogen werden
müssen!). Aber auch so besagt allein diese Zahl, selbst wenn sie halbiert
würde, daß die Kimbern innerhalb von Wochen ganz einfach verhungert
wären. Folgt man den angeblich antiken Schriftstellern, so schreiben diese
gar von 400.000 bis 500.000 streitbaren Männer, mit Frauen und Kindern
also ein Zug von 1,5 Millionen Menschen, was völlig jenseits jeder Reali-
tät steht. Denn wovon sollte eine solche herumziehende Menschenmasse in
der damaligen Zeit ernährt werden? Auf welchen Wegen und Pfaden und
mit welchen Transportmitteln mögen solche Menschenmassen gezogen
sein? Gehen wir nur ganz vorsichtig davon aus, daß der Zug, der Berge,
Flüsse und sonstige landschaftliche Widrigkeiten überwinden mußte, stati-
stisch einen Menschen je laufenden Zugmeter aufnehmen konnte, so ergibt
sich daraus bei 120.000 Menschen eine Zuglänge von 120 km, bei 1,5 Mil-
lionen eine solche von 1500 km. Als der erste Kämpfer auf dem österrei-
chischen Schlachtfeld auftauchte, hätte demnach der letzte gerade mal an
der Ostsee überlegt, wann er denn nun an die Reihe komme, um seinen
Wagen beladen.

Als wichtigste Frage aber bleibt: mit welchem Ziel erfolgte der Aufbruch?
Wer neuen Siedlungsraum sucht, zieht nicht ein Jahrzehnt ziellos plün-
dernd durch Europa! Der Zug der Kimbern, Teutonen und Ambronen bildet
27

für die forschende Wissenschaft auch heute noch ein sogenanntes Ge-
schichtsrätsel, einen gordischen Knoten. Wie man einen solchen löst, sollte
auch der Wissenschaft eigentlich hinlänglich bekannt sein.

Die ganze Geschichte der sogenannten 1. Völkerwanderung kann über-


haupt nicht stimmen. Sie muß frei erfunden sein. Selbst wenn die aufge-
führten Kämpfe und Schlachten je stattgefunden haben sollten, so können
doch nur immer regional ansässige Stämme darin verwickelt gewesen sein.
Niemals aber irgendwelche Wandermassen, die angeblich auch noch
zweimal durch germanische Stammesgebiete zogen.

Nur, wer hat einen Grund, eine solche Geschichte zu erfinden oder kleine
Ereignisse zu einer solchen germanischen Völkerschilderung anzupassen?
Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, was mit dieser Schilderung erreicht
wurde. Es wurde ein völlig falsches Bild von germanischen Stämmen, von
den Germanen insgesamt geschaffen. So durften in diesem Bild auch nicht
etwa die Kimbern als eine entartete, barbarisch-plündernde Ausnahmeer-
scheinung auftreten, sondern durch den Zusammenschluß mit noch zwei
anderen germanischen Stämmen, die dann gemeinsam plündernd umherzo-
gen, wurden grundlegende germanische Wesenzüge beschrieben. Die
Schilderung der 1. Völkerwanderung hat offensichtlich nur den einen
Zweck, die gesamte noch folgende Geschichte auf die barbarischen Ger-
manen vorzubereiten! Selbst der Titel „Völkerwanderung" ist nicht ohne
politischen Hintergedanken gewählt, wird damit doch der Stamm dem Volk
gleichgesetzt, obwohl „das Volk" die Gesamtheit, also alle zugehörigen
Stämme, umfaßt.

Dem insbesondere charakterlichen Bild von den Germanen, dem Wesen


der Germanen, so wie es für die Untergangsgeschichte Roms und die
nachfolgenden Jahrhunderte (selbst bis heute) noch benötigt wurde, war
mit der sogenannten 1. Völkerwanderung die historische Grundlage un-
tergeschoben worden! Dies ist auch der Grund, weshalb diese an Unsin-
nigkeit kaum noch zu überbietende Geschichte nicht ganz einfach ersatz-
los gestrichen werden kann. Denn damit würde den Germanen der für
das gesamte konstruierte Geschichtsbild erforderliche barbarische An-
strich verloren gehen!
28

Beginnen Sie, lieber Leser, zu erahnen, was sich hier mit welchen Konse-
quenzen abzeichnet? Können Sie bereits hier erfassen, welche Auswirkun-
gen es für alle nachfolgenden Zeiten haben muß, wenn das Wesen der ger-
manischen Stämme ein anderes war als das, auf dem die gesamte heutige
Geschichtsschreibung aufgebaut ist? Sie dürfen gern eine Lesepause einle-
gen. Um Sie schon hier auf das Kommende vorzubereiten: Das gesamte
gültige Geschichtsbild müßte dann zerfallen! Aber wir wollen Schritt für
Schritt vorgehen.

Da die Verschiebungen, bzw. Ausdehnung (oder auch Wanderungen) ger-


manischer Stämme, sowohl nach Westen als auch nach Süden (angeblich
aber nie in den riesigen Raum des Ostens!) - damit folglich gegen die vom
römischen Imperium beanspruchten Regionen - später tatsächlich und fak-
tisch erfolgt sind, so bleiben auch dann immer noch die folgenden Fragen
zu klären:

• Wer und was waren die Germanen?


• Weshalb wanderten immer nur Stämme aus solchen Regionen,
die sehr weit vom römischen Imperium entfernt ihre Heimat
hatten?
• Welches waren die tatsächlichen Gründe für die Wande-
rung/Ausdehnung germanischer Stämme?

Auch heute ist eine streng wissenschaftliche Beantwortung dieser Fragen


nicht möglich. Die Ursache dafür liegt darin, daß, wenn von den Ausgra-
bungen einmal abgesehen wird - wobei nicht nur deren Datierungen immer
nur in einem größeren Zeitraum genau sein können, sondern sie immer
auch nur einen winzigen Teil der damals tatsächlich vorhandenen Gesamt-
heit ausmachen -, keine, auch nicht eine einzige, Original-Information vor-
liegt, denn im Namen des Christentums wurde nicht nur die germanische
Götter- und Geisteswelt und jede Erinnerungsmöglichkeit an sie vernichtet,
sondern im Namen des Christentums wurde es offenbar ebenfalls für erfor-
derlich gehalten, auch jede Erinnerung an das weltliche Leben der Germa-
nen völlig auszulöschen. Suchen wir auch dafür nach einer Begründung, so
bestätigt die völlige Auslöschung aller Aufzeichnungen aus der germani-
schen Welt das, was bereits die erfundene Geschichte von der 1. Völker-
29

Wanderung zeigt. Denn nichts entlarvt (christlich: offenbart) die eigene


Absicht, die eigene Motivation, deutlicher, als die eigenen Vertuschungs-
und Verfälschungshandlungen. In seinen Aktionen und in den dabei ange-
wendeten Methoden offenbart sich das Christentum selbst! Demzufolge hat
das Christentum seinen Ursprung nicht im Mystischen, sondern ist politi-
scher Natur, exakter: einer machtpolitisch-imperialistischen. Demnach
wäre das Christentum also nichts anderes als eine künstlich geschaffene
Weltanschauung, eine Ideologie! Der darin enthaltene Mystizismus bildet
dann einen, nicht zuletzt von vielen gutgläubigen, „bekehrten" germani-
schen Glaubensfanatikern gewebten, Tarnmantel für machtpolitisch-
imperialistische Absichten. Wenn die christlichen Strategen es für erfor-
derlich hielten, das gesamte Bild von der germanischen Welt auszulöschen,
so muß dies bereits Teil des „Missionierungs-" Programms gewesen sein,
anderenfalls müßte es aus einer viel späteren Zeit stammen, denn zu den
„Missionierungs-,, Zeiten stand das germanische Weltbild noch viel zu
direkt im persönlichen und erlebten Wissen jedes Einzelnen.

Die einzige Wahrheit, die uns das entlarvte Christentum zu den Germanen,
wenn auch unbeabsichtigt, liefert, ist ein Negativ, ist die, daß die germani-
sche Welt garantiert nicht so war, wie sie mit den Fälschungen im Namen
des Christentums dargestellt wird!

Wenn wir also die der Antike zugesprochenen, christlich zumindest kräftig
überarbeiteten, Schriftwerke so zu verstehen haben, daß mit ihren Schilde-
rungen insbesondere der Zweck verfolgt wurde, die germanische Welt
möglichst negativ darzustellen, womit sie dann zu, ohne jede Ordnung und
Kultur lebenden, Wilden und Barbaren wurden, so muß der Rückschluß
dazu führen, daß nicht nur eine germanische Ordnung und Kultur vorhan-
den war, sondern auch, daß der Oberbegriff „Germane", wenn unter ihm
nicht wilde Stämme zusammengefaßt werden, für eine stammesübergrei-
fende Ordnung benutzt wurde, daß es folglich einzig die Zugehörigkeit zu
einer gemeinsamen Ordnung war, die einen Stamm als Mitglied der ger-
manischen Gemeinschaft auszeichnete. Demnach wäre als Germane immer
solcher anzusehen, der nach der germanischen Ordnung lebte! Und alle
Stämme, die nach dieser Ordnung lebten, bildeten somit das germanische
Volk.
30

Der Germane definiert sich also über die Abstammung hinaus aus der
gemeinsam gelebten Ordnung!

Mit dem römischen Imperium und den Germanen trafen also nicht „Zivili-
sierte" und „Wilde" aufeinander, sondern zwei völlig konträre Lebens-
ordnung standen sich gegenüber!

Somit muß es also unsere zentrale Aufgabe sein, diese, vom Christentum
mit allen nur erdenklichen Mitteln und Verfälschungen ausgemerzte, ger-
manische Ordnung aufzufinden, kann es doch einzig nur diese Lebensord-
nung und Kultur gewesen sein, die das Wesen jedes einzelnen in der ger-
manischen Welt lebenden Menschen geprägt hat. Denn aus ihnen sind die
später als deutsches Wesen bezeichneten Eigenarten und Charakterzüge
gewachsen, wobei letztlich aber alle vormals germanischen Stämme die
gleichen Wesenszüge mit auf ihren Weg nahmen, der erst nach dem ge-
waltsamen Untergang der germanischen Lebensordnung auseinander lief!

Den Raum all der Menschen und Stämme, die als germanisches Volk nach
der gleichen, der germanischen, Ordnung lebten, abzugrenzen, das haben
uns die Nordmänner oder Wikinger allein durch die von ihnen gewählten
Aussiedlungsregionen unwiderlegbar hinterlassen. Daß im Englischen
Deutschland als „Germany" bezeichnet wird, hat also nichts mit den tat-
sächlichen Gegebenheiten zu tun, sondern zeigt nur wieder einmal die poli-
tische Prägung selbst englischer Begriffsschöpfungen. Das Siedlungsgebiet
des germanischen Volkes reichte weit darüber hinaus.

Wie bei allen aus der Natur gewachsenen Völkern, so muß sich auch bei
den Germanen die Mystik, harmonisch abgestimmt mit der gewachsenen
und gelebten Ordnung und den gemeinschaftlichen Werten entwickelt und
so verinnerlicht haben, daß sie sich zur Sittlichkeit ausbilden konnten. Die
Anfänge der Mystik, die innerhalb des germanischen Volkes längst nicht
identisch sein mußte, sondern sich schon von Stamm zu Stamm in Beson-
derheiten ausprägen konnte, hat die Forschung aus der Sehnsucht des so-
viel Dunkelheit ertragen müssenden nordischen Menschen nach Licht,
nach Sonne, abgeleitet. Aber auch hier war zunächst das Leben, aus dem
sich die Regeln und Werte des Zusammenlebens bildeten, und erst daraus
31

entwickelte sich das Mystisch-geistige. Was viel später über das Christen-
tum zu einem erzwungenen, jedem Naturbezug entgegenstehenden (Wun-
derglauben gemacht wurde, dürfte in der germanischen Mystik zunächst
nicht mehr als die phantasievolle Erklärung der Natur in ihrer Gesamtheit
gewesen sein. Damit hätte die germanische Mystik also keinen solchen
Glauben (wie er im christlichen Sinne über jedem Wissen steht) benötigt,
der eigentlich nichts anderes als eine Weltanschauung ist, denn sie basierte
auf Naturbeobachtungen, d.h., sie war auf die Betrachtungen natürlicher
Ereignisse gegründet. Natürliche Zustände, Zusammenhänge und damals
nicht erklärbare Phänomene fanden ihre Erklärung aus dem Wirken oder in
der Existenz von Riesen, gegen deren negative Einflüsse die Asen, vergött-
lichte Menschen, ihren immerwährenden Kampf für das Lichte, das Helle
und Gute führten. So benötigte die germanische Mythologie weder Prie-
ster, noch Tempel für ihre Götter. Jeder, der die Natur in sich aufnehmen
konnte, jeder, der in ihr lebte, war allein schon damit sein eigener Priester.
Und alle Götter und Riesen waren allgegenwärtig in dieser Natur enthalten.

Jeder feste, abgeschlossene Tempel, jedes Kirchengebäude mußte diese


Natur, und damit auch die Götter, immer aus sich entfernen und ausschlie-
ßen. Dies besagt, daß zum Zeitpunkt der Errichtung der ersten (vorchristli-
chen) Kirchengebäude die einstigen mystischen Erklärungen durch neu
gewonnenes Wissen ersetzt bzw. abgelöst worden waren. Zur römisch-
antiken Zeit aber war für die Germanen noch die Natur sowohl Tempel als
auch Kirche. Die europäischen Kirchengebäude, wie sie von den Germa-
nen in später Zeit errichtet wurden, waren - bevor diese nach dem Jahre
1100 von den Christen okkupiert und zu christlichen Tempeln umdeklariert
wurden - keine Bauwerke, die an der Mythologie, sondern, wie schon de-
ren Ausrichtung und alte Standorte verraten, die an den geomantischen
Erdkräften ausgerichtet waren.

Neben den alten Göttern und Riesen sind es die sogenannten Elfen, die
Lichtwesen, über die es in den wenigen, immer aber christlich bearbeiteten,
Überlieferungen leider nur sehr vereinzelte Hinweise gibt, denen unser
eigentliches Interesse gelten sollte. Denn während es sich bei den Kälte-,
Eis- und Hagelriesen um negative Naturereignisse handelte, deren Be-
kämpfung die Sache der Götter war, so findet sich für die Lichtwesen, die
32

als Elfen bezeichnet werden, erst dann überhaupt eine Erklärung, wenn das
berücksichtigt wird, was modernste Biophysik im Bereich der Biophoto-
nenforschung nachgewiesen hat, daß Licht in allen lebenden Zellen ist
(Dazu lesenswert: „Biophotonen, das Licht in unseren Zellen", Verlag
Zweitausendeins).

In dieser germanischen Lebensordnung lag auch die zu allen christlichen


Zeiten so kunstvoll gesuchte Antwort auf die Frage nach dem Sinn des
menschlichen Lebens und Daseins völlig klar und offen. War der Mensch
doch immer ein Teil der Natur (und ist er es auch heute noch), so kann der
Sinn seines Daseins immer auch nur ein natürlicher gewesen sein. Wie der
Sinn aller anderen Teile der Natur in ihrer Arterhaltung liegt, so ist es auch
Sinn jeder menschlichen Existenz, sich und ihre Art in ihren Nachkommen
zu erhalten. In seinen Kindern erlebt jeder seine Wiedergeburt und Weiter-
entwicklung!
■ * . ■. :

Wann dieser naturbezogenen, welterklärenden Grundlage die in der Edda


geschilderte Götterdämmerung hinzugefügt wurde, liegt völlig im Dunkeln.
Wurde sie nicht zu einem späteren Zeitpunkt in der Form eines bereits
vollzogenen Untergangs hinzugefügt, womit noch die letzten Ketzer dem
christlichen Glauben zugeführt werden sollten, sondern war die Erwartung
der Götterdämmerung bereits Teil der ursprünglichen Mystik, so würde
dies bedeuten, daß die Unvollkommenheit des eigenen Weltbildes bereits
erkannt war. Die Götterdämmerung wäre dann nichts anderes als das Erah-
nen und Warten darauf, daß alle mythologischen Riesen-/Götter-
Erklärungen durch neue Erkenntnisse, durch erweitertes Wissen, abgelöst
würden, womit dann zwangsläufig die gesamte bisher vorhandene mytho-
logische Welt untergehen würde. Nur, welcher bewußt-realistische Bezug,
welche „naturwissenschaftlichen" Erkenntnisse müßten bereits vorhanden
gewesen sein, wenn selbst in der Mythologie deren eigener Untergang,
bzw. eine grundlegende Veränderung durch erweitertes Wissen erwartet
wird?

Auch wenn die Natur der alten germanischen Mythologie den Raum liefer-
te, so reichte deren Tiefe doch noch erheblich über die Natur hinaus, denn:
33

„Über allem aber, im grenzenlosen, schweigenden All lebte Fimbul-


tyr, der geheimnisvolle, große, allmächtige Weltgeist, den nie ein
Auge gesehen. Allvater, der Starke von oben, der alles steuert und
ordnet ewige Satzung. Nach seinem Willen entstand alles andere."

So weiß es die Edda zu berichten. Das weitaus Wichtigste an der Edda aber
sind die aus ihr abzuleitenden religiös-weltanschaulichen Tendenzen, die
der germanischen Welt- und Naturerklärung untergeschoben werden. Ins-
besondere hierin dürfte der wahre Grund dafür zu sehen sein, weshalb die
Edda überhaupt jemals veröffentlicht wurde. Dabei spielt es keine Rolle,
ob die religiösen Edda-Darstellungen von Christen zusammengesetzt wur-
den, oder ob es sich bei diesen Darstellungen um die spät-germanische
Reaktion auf den weltanschaulichen Angriff des Christentums handelte,
mit der die eigene, Jahrtausende lang vorherrschende Naturerklärung auf
weltanschauliches Niveau gebracht werden sollte. Religion bzw. Weltan-
schauung und eine freiheitliche menschliche Lebensordnung schließen sich
gegenseitig aus. Denn da, wo die sittlich geregelte Freiheit den höchsten
gemeinschaftlichen Wert darstellt, da muß die alleinige Existenz einer
materialistischen Weltanschauung, auch wenn diese zur Religion verklärt
wird, jede Freiheit grundlegend ausschließen!

Jede Weltanschauung oder Religion ist das grundlegendste geistige Hin-


dernis der menschlichen Freiheit!

Wir wollen uns aber nicht in einer Untersuchung und Prüfung der Edda
verlieren, in der manche Angaben, so auch die Götterdämmerung, nachzu-
lesen sind, sondern uns einzig auf das Herausarbeiten der welt- und natur-
erklärenden Grundwerte der Germanen konzentrieren.

Eine naturbezogene, idealistische Kultur - in der die Naturbetrachtung zur


Lebensordnung geworden war, womit eine zuvor evtl. vorhandene religiö-
se Verklärung sich immer weiter reduzieren mußte - die sich dann über
Jahrhunderte und Jahrtausende weitgehend ungestört entwickeln und aus-
breiten konnte, ist mit dem Einzug des Christentums untergegangen bzw.
vollständig vernichtet worden. Und mit ihr leider auch alle Aufzeichnun-
gen, die diese Entwicklung hervorgebracht haben muß. In Jahrtausenden
34

gewonnene Erkenntnisse und Weisheiten wurden der Menschheit genom-


men und sind ihr bis heute vorenthalten. Ein Raub, eine Unterschlagung
ohnegleichen. Welches Wissen mag in diesen Jahrtausenden gesammelt
und weiterentwickelt worden sein? Wie beständig, groß, tief und durch-
drungen muß eine Kultur sein, daß sie in der Lage war, alle germanischen
Stämme bis in das Unterbewußtsein ihrer einzelnen Menschen mit diesem
naturbezogenen idealistischen Wesen zu prägen? Keine mit heutigem Den-
ken mögliche Spekulation dürfte auch nur ansatzweise in der Lage sein,
sich eine Vorstellung von dem zu machen, was der Menschheit an Erfah-
rungen, Wissen und geistigen Werten mit der germanischen Welt verloren
gegangen ist.

Das große Problem, das sich hinsichtlich der wenigen Angaben zur
germanischen Geisteswelt und Frühgeschichte selbst aus der Edda ergibt,
liegt schon in dem Zeitpunkt, zu dem sie aufgeschrieben wurde. Dieses soll
im Zeitraum zwischen 1100 und 1200 n.Chr. erfolgt sein, wobei nicht nur
die Aufschreibung der isländischen Edda von christlichen Schreibern
vorgenommen wurde, sondern auch die Arbeit ihrer erst im 17. Jahrhundert
erfolgten Zusammenstellung wurde von einem christlichen Bischof
erledigt, d.h., ein Bild von der germanischen Frühzeit vor dem Jahre 1100
liegt aus eigenen Werken überhaupt nicht vor. Einzig römische
Schriftwerke, die einem Caesar, Pilinius, oder auch dem Bekanntesten,
Publius Cornelius Tacitus, so wie verschiedenen späteren
Geschichtsschreibern zugeschrieben werden, haben das heute bekannte
Bild der frühgermanischen Welt geschaffen. Wenn wir davon ausgehen,
daß die Geschichte der 1. Völkerwanderung der Kimbern und Teutonen
frei erfunden ist und erst im Mittelalter geschrieben wurde, diese
Geschichte der Kimbern und Teutonen aber in allen angeblich römischen
Geschichtswerken bereits angesprochen wird, so besagt dies doch nichts
anderes, als daß auch diese Werke nachträglich zumindest kräftig im
christlichen Interesse überarbeitet wurden, womit sie für die
Wahrheitssuche folglich wertlos sind. Damit bleibt als zusammenfassender
Schluß nur: das Bild, welches uns von den Germanen und ihrer Welt
hinterlassen wurde, entspricht genau dem, welches das mittelalterliche,
katholische Papsttum wollte, daß es so hinterlassen wird!
35

Aber weder die gefälschte Geschichtsschreibung noch die in das gefälschte


Geschichtsbild eingepaßte, uns hinterlassene Mythologie soll für unsere
Betrachtungen der geschichtlichen Abläufe den Maßstab liefern, sondern
nur die solche Arbeiten und Bausteine verwendende und zum eigenen Vor-
teil nutzende Politik soll uns leiten.

Wenn wir einmal die Lebenssituation betrachten, in der die germanische


Welt existierte, so zeigt sich die großflächige Verteilung einer bäuerliche
Einzelanwesen und dörfliche Einheiten umfassenden Selbstversorgerstruk-
tur mit einem äußerst begrenzten Tauschhandel. Familien, eingebunden in
ihre Verbände und Sippen, die sich in kleinsten dörflichen Gemeinschaften
organisierten, deren zentrale Lebensgrundlage der Boden und dessen Er-
trag war, was in dem noch heute bekannten Begriff der „Heimat" seinen
tiefsten Ausdruck findet. Allein schon die Existenz und Wertigkeit dieses
Begriffes schließt jede Ernährungsrealität, wie sie nomadisierenden „Jä-
gern und Sammlern" zugesprochen wird, aus, sondern setzt eine hohe Bo-
denständigkeit voraus. Eine solche, an dauerhafte Landbearbeitung gebun-
dene Organisationsform und die begrenzten Ernährungsmöglichkeiten
zwangen dann immer wieder dazu, daß der Geburtenüberschuß sich ent-
weder unterzuordnen hatte (er wurde damit zu einem Dazuge-Hörigen, der
sich den Entscheidungen des Familienoberhauptes zu fügen hatte) - womit
er (in seinen Entscheidungen) nicht mehr frei war -, so denn eine Ernäh-
rungsreserve dafür vorhanden war oder gefunden werden konnte, oder aber
er mußte an einer außerhalb gelegenen Stelle neu siedeln. Nur wer in ei-
nem eigenen Haushalt, in der eigenen Familie, frei entscheiden konnte, wer
damit einzig den in der Natur wirkenden Gewalten (Riesen, Göttern) unter-
legen war, nur der war als vollwertiges Mitglied der germanischen Ge-
meinschaft anerkannt. Und nur der freie Mann war überhaupt berechtigt,
im Kampf gegen die seine Existenz bedrohenden Naturgewalten die Götter
um Beistand zu bitten, waren alle zu ihm (Ge-)Hörigen doch nicht von der
Natur und dem aus ihr zu erzielenden Ertrag direkt, sondern waren sie ein-
zig vom Erfolg des freien Mannes abhängig, dem sie zugehörten. Das
höchste Lebensziel eines jeden Germanen mußte es damit sein, seine Er-
nährung selbst anzubauen und sicherzustellen, was aber nur in der Arbeits-
teilung innerhalb einer eigenen Familie möglich war. Und erst wenn ein
Germane dies erreicht hatte, wurde er nicht nur innerhalb der Stammesge-
36

meinschaft als Freier angesehen, sondern er war damit auch völlig frei und
unabhängig, er unterlag einzig noch den Naturgewalten, gegen deren Wid-
rigkeiten ihm dann nur seine Götter beistehen konnten.

Der Erhaltungswille und Verteidigungskampf um diese Werte und Le-


bensordnung wurde in seiner politischen Konsequenz zum indirekten
Auslöser für die gesamte weitere Entwicklung Europas und der Welt!
Erst der Freiheitswunsch des Einzelnen - von Nietzsche als „Wille zur
Macht" bezeichnet -, der gleichzeitig das Bestreben war, ein vollwertiges
Mitglied der Stammesgemeinschaft zu werden, war es, der den dauerhaf-
ten Ausdehnungsdruck der germanischen Stämme erzeugte. Dieser indi-
viduelle Freiheitswunsch, der immer nur erfüllt werden konnte, wenn es
dem Einzelnen gelang, eine eigene, ausschließlich seinem Willen und
seiner Entscheidung unterworfene Existenz zu begründen, was ihm aber
nur über die Gründung einer eigenen Familie gelingen konnte, führte zu
einer immer neuen Siedlungsraum fordernden Ausdehnung.

Jeder männliche Germane, gleich welchen Alters, hatte immer und jeder-
zeit die Möglichkeit, vollwertiges und anerkanntes Mitglied der Stammes-
gemeinschaft zu werden, wenn er den Mut und die Kraft aufbrachte, sich
über die Gründung eines eigenen Hausstandes, einer eigenen Familie, frei
zu machen. Damit waren alle Hörigen und Unfreien niemals gezwungene
Sklaven oder gar handelbares Eigentum des Freien, des Familienvorstan-
des, dem sie sich untergeordnet hatten. Die Unfreiheit war also nichts an-
deres als eine familiäre Unterordnung, in der der Hörige seine volle geisti-
ge Freiheit behielt, denn seine Entscheidung zur Unterordnung erfolgte
nach seinem freiem Willen, also freiwillig. Damit erfolgte nicht nur eine
den Regeln der Natur entsprechende Auslese der freien Männer, mußte er
seine Freiheit doch immer erst in Form neuen Siedlungslandes der Natur
abkämpfen, sondern übernahm jeder Freie mit seiner Familiengründung
auch die soziale Verpflichtung, für seine Dazuge-Hörigen zu sorgen, so
lange diese nicht die Kraft aufbrachten, selbst frei zu werden. So entstand
eine germanische Ordnung menschlicher Freiheit, in der auch die soziale
Komponente und Verantwortung ihre bestmögliche Lösung fand.
37

Während die Möglichkeit des Aufbaues neuer Siedlungen immer gegeben


war, zumindest solange unbesiedeltes Gebiet zur Verfügung stand, be-
schränkte sich die Möglichkeit der Unterordnung auf die Ernährungsmög-
lichkeiten, die sich aus der einer Familie zur Verfügung stehenden
Anbaufläche ergab. Also allein schon die Ernährungsmöglichkeit begrenzte
die Personenzahl eines Hofes und Dorfes und schloß gleichzeitig die
Entstehung einer größeren Ansiedlung, also auch jede Stadtentwicklung,
völlig aus. Eine solche Gemeinschaftsordnung mußte nun auch dazu
führen, daß Familien, deren Nachkommen der Mut und die Kraft fehlte, um
in neuen Siedlungsräumen frei zu werden, letztlich untergehen mußten.
Über die Jahrtausende des Werdens der germanischen Stämme muß sich
aus einer solchen gemeinschaftlichen Ordnung ein Menschentypus
entwickelt haben, wie er stärker und besser, wie er natürlicher und
menschlicher nicht sein konnte.

Wann und wie sich in und neben der bäuerlichen Ordnung die verschiede-
nen „Handwerke" herausgebildet und entwickelt haben, die, wie verschie-
denste Funde zeigen, es bereits in sehr frühen Zeiten auf vielen Gebieten
zu hoher Fertigkeit gebracht haben - aus denen sich später, ab Mitte des 12.
Jahrhunderts, die mittelalterliche Ständeordnung bildete, die wiederum, bei
ihrer Überführung ins Industriezeitalter, die Grundlage für die breitgefä-
cherte Entstehung einer mittelständischen Wirtschaftskultur in Deutsch-
land lieferte -, ist nur äußerst schwierig zu rekonstruieren. Leider können
immer nur handwerkliche Funde aus den germanischen Zeiten ausgegraben
werden, d.h., Funde geistiger Leistungen dieser Zeit lassen sich bestenfalls
ableiten, sind aber auf diesem Wege nicht direkt auffindbar. Trotzdem, wo
solche handwerklichen Funde einstmals entstanden, da muß voraussetzend
auch eine entsprechende geistige Grundlage vorhanden gewesen sein. Alle
Aufzeichnungen darüber sind völlig ausgelöscht und verschwunden. Wenn
wir nun alles, was in der germanischen Ordnung nicht als freier Bauer di-
rekt von den Erträgen der Natur lebte, unter dem Sammelbegriff „Hand-
werk" zusammenfassen, so zeigt sich eine germanische Gemeinschaft, die
sich aus zwei unterschiedlich großen Gruppen zusammensetzt. Die große
Gruppe der freien Bauern und die kleine Gruppe der „Handwerker". Diese
Gruppe aber war nun die, deren Dasein das Freieste von allen war. Denn
letztlich war es noch nicht einmal von den Abläufen der Natur abhängig,
38

vorausgesetzt, dem „Handwerker" gelang es, sein Handwerk so zu beherr-


schen, Dinge von solcher Qualität herzustellen, daß jeder die handwerkli-
che Kunst in ihnen erkannte. Nur waren sie damit im eigentlichen Sinne
keine Hand- sondern Geistwerker. Sie waren die Grübler und Tüftler, sie
waren die Forscher, Wissenschaftler, Sänger und Geschichtenerzähler, die
von all ihrem Forschen, Wissen und Schaffen aber nur dann existieren
konnten, wenn es ihnen gelang, ihrer geistigen Leistung mit ihren Händen
einen sieht- bzw. nutzbaren Ausdruck zu geben. Je kunstvoller dies gelang,
um so angesehener wurde ihr Schöpfer, der Meister. Denn einzig sie, die
wir später teilweise als die Handwerksmeister der mittelalterlichen Stände-
ordnung, oder auch als Baumeister, wiederfinden, oder als Minnesänger,
die nun nicht mehr von Bauern- sondern von Ritter-Hof zu Hof zogen,
waren schon zu den germanischen Urzeiten die, die in ihrer Gesamtheit
schöpferisch tätig waren. Sie waren die, die Materialien und Techniken
erforschten und Wissen schufen, und die ihr Wissen zu hüten wußten. Sie,
die (Handwerks-) Meister, waren der Adel der germanischen Gemein-
schaft! Ein Adel, den einzig seine Leistungen, seine Arbeit, zu solchem
erhob!

Erst das Wissen um die alte germanische Schaffenskultur ihrer „Handwer-


ker" erklärt auch die Herkunft des, bis in die heutige Zeit, insbesondere
den deutschen Nachkommen, dann aber meist mit spöttischem Unterton,
zugestandenen Hangs zur Perfektion, zur Kritik des Geschaffenen und da-
mit zu dessen stetiger Verbesserung. Daß sich dieser Charakterzug bei den
deutschen Stämmen so ausgeprägt erhalten hat, dürfte seinen Grund wohl
darin haben, daß dieses perfektionistische Streben von ihnen am unverän-
dertsten in die nachgermanische Zeit der mittelalterlichen Ständeordnung
übernommen wurde. Dieser, in uralten germanischen Zeiten gelegte, sich
zum Wesenszug vertiefte und immer auf Selbstkritik fußende, Drang zur
stetigen Verbesserung des gerade eben Erreichten wurde in den der Mo-
derne zugerechneten Zeiten die Grundlage für die großen Entdeckungen
und Schöpfungen der germanischen - und nicht nur der deutschen - Nach-
kommen.

Wenn aus den altgermanischen Zeiten heute „Königs"-Gräber geöffnet und


dabei handwerkliche Kunstwerke gefunden werden, Könige in der ideali-
39

stisch-germanischen Ordnung aber nicht vorhanden gewesen sein können,


so können diese „Königs"-Gräber nur solche sein, in denen große Adlige,
also angesehendste (Handwerks-)Meister, beerdigt wurden, denen dann
auch nicht, wie bei vielen Mittelmeerkulturen, etwa zusammengeraffte und
-geraubte Schätze auf den Weg ins Jenseits mitgegeben wurden, sondern
die gemeinsam mit ihrem Werk, mit einem Teil ihres Schaffens bestattet
wurden, das als persönliches, individuelles Eigentum des Meisters angese-
hen wurde und ihm auch als Totem weiterhin zustand. Kostbare Grabbei-
gaben setzen also nicht zwingend die Existenz einer materialistischen Ord-
nung voraus! Gleichfalls können Grabbeigaben, wenn die Bestattung in
einer nichtmaterialistischen Ordnung erfolgt, auch andere Gründe haben,
als deren Verwendung in einem angenommenen Jenseits.

Sie, die Vorgänger derer, die später als Forscher, Künstler oder Hand-
werker bezeichnet wurden, waren die naturverbundene, geistig-
schöpferische Adels-Elite der germanischen Stammes- und Volksge-
meinschaft. Nicht grundlos wurden sie dann in der christlich zusam-
mengebastelten Edda als in Höhlen hausende Zwerge dargestellt. Den
späteren, über das Christentum einzig aus politischen Gründen aufge-
richteten, materialistischen Schmarotzeradel hat es zu germanischen
Zeiten nie gegeben!

Diesem christlichen deutschen Adel in späteren Zeiten eine ganz eigene,


der längst zum deutschen Wesen gewordenen germanischen Ordnung ver-
trägliche, Bestimmung gegeben zu haben, das war dem Haus Hohenzollern
und dem Preußenkönig Friedrich II. vorbehalten, der sich selbst als ersten
Diener seines Volkes titulierte. Welche enorme politische Umwertung mit
diesem Gedanken verbunden war, das hat die Geschichtsschreibung seither
weit unter den Teppich gekehrt. Denn mit diesem Denkansatz Friedrichs II.
hatte das Volk, hatte der Mensch, eine Aufwertung sondergleichen erhal-
ten, die dann aber bereits kurz nach seinem Tod, über die französische
Revolution, vollständig storniert wurde, um darüber wieder an die urmate-
rialistische Hierarchiestruktur anzuknüpfen.

Erst mit ihr, der Geistes- und Schaffenswelt der germanisch-europäischen


„Handwerker", ergänzte sich die freiheitlich-idealistische Ordnung zum
40

germanisch Wesen, das zur Grundlage für den allergrößten Teil der
menschlichen Schöpfungen, Entdeckungen und Erfindungen wurde. Solche
aber konnten, selbst in den nachfolgenden materialistischen Zeiten, immer
nur von Menschen vollbracht werden, die sich auf uralte, idealistische
Grundzüge stützten.

Nicht Gier, nicht Macht, noch Geld,


erst sein Idealismus macht den Menschen zum Schöpfer!

Offensichtlich finden sich viele Wahrheiten zur germanischen Welt erst


dann, wenn die christlichen Negativ-Hinterlassenschaften ganz einfach
umkehrt werden.

Wie die Stellung des (Handwerks-)Meisters zu den freien Bauern war, ob


die Stellung des Handwerksgesellen zu seinem Meister die eines Hörigen,
der Geselle also der Gesellschaft des Handwerkers zugehörig war, oder ob
erst der Geselle das Privileg hatte, sich dem Meister zugesellen zu dürften,
das liegt weitgehend im Dunkeln. Was sich aber bei allem Unwissen allein
aus der germanischen Lebensordnung ableiten läßt, ist, daß jeder (Hand-
werks-) Meister, der seine freie, unabhängige Existenz niemals durch ir-
gendwelche Massenproduktion hätte sicherstellen können - die hätte jeder
angelernte Bauer auch selbst herstellen können - immer gezwungen war,
die Qualität und die Kunstfertigkeit seines Handwerks stetig weiter zu
steigern und zu perfektionieren. Um die Struktur der germanischen Ord-
nung, die angeführt wurde von ihren adligen Meistern, die sich durch ihre
außergewöhnlichen Leistungen selbst adelten, für alle Zeiten unauffindbar
zu machen, sahen die christlichen Geschichtsfälscher in späteren Zeiten
einzig die Möglichkeit, in den sogenannten, von ihnen bearbeiteten, „Hel-
densagen" die Meister zu Zwergen umzudefinieren. Zwergen, die - im Ge-
gensatz zu den Bauern, die meist in der Natur, also unter freiem Himmel
wirkten - ihrer Arbeit in Höhlen, Hütten und Werkstätten nachgingen.
Wurden, wie vieles andere auch, die eigentlichen „Geisteswirker" nach
dem Zerfall der germanischen Ordnung von den späteren christlichen Fäl-
schern und Umdeutern mit dem ihnen eigenen Geschick einfach zu
„Handwirkern" umdeklariert? Erst die Existenz dieser Meister beantwortet
auch die Frage nach der Herkunft derer, die nicht erst nach dem 12. Jahr-
41

hundert die phantastischen Kirchenbauwerke errichteten. Einzig diese im


höchsten Maße qualifizierten germanischen „Handwerker" waren die Vor-
aussetzung für ein bis heute unerklärliches Phänomen: als im 12. Jahrhun-
dert sprunghaft Städte mit ihren zentralen Verwaltungs- und Kirchenbau-
werken errichtet wurden, waren dazu Material- und Verarbeitungskennt-
nisse vorhanden, deren Herkunft sich bis heute keiner unserer sogenannten
Wissenschaftler erklären kann. Nun, sie und ihr Wissen können einzig aus
den Gegenden gekommen sein, in denen die Bauwerke entstanden, aus dem
germanischen Abendland! Nachdem die germanische Ordnung weitgehend
zerstört war, waren es u.a. die höchstqualifizierten „Handwerks-,, Meister,
auf die sich die neue Ordnung derer stützte, die in der Folge, wie mit allem
anderen, auch mit deren Leistungen ihren Handel trieben.

Aber trotz aller „handwerklichen" Leistungen waren und blieben zu allen


Zeiten die freien Bauern und ihre Familien die zentrale Säule der germani-
schen Gemeinschaft. Nur durch sie hatten die Meister überhaupt erst die
Freiheit und Möglichkeit, ihrem schöpferischen Schaffen nachzugehen.
Und so lange das Freiheitsideal an der Spitze aller gemeinschaftlichen
Werte erhalten blieb, so lange auch konnte kein anderer Adel sich bilden
als solcher, der sich durch die freiwillige Übernahme von der Gemein-
schaft zugute kommenden Pflichten oder durch besondere „handwerkliche"
Leistungen selbst adelte. Jeder germanische Adel stand damit zu allen Zei-
ten auf genau der entgegengesetzten Seite von der Position, die nach dem
Untergang der germanischen Lebensordnung von dem sich erhebenden
christlich-materialistischen Adel mit seinem Macht- und Herrschaftsan-
spruch eingenommen wurde.

Bei einer menschlichen Gemeinschaft, in der die Nutzung des Bodens die
Lebensgrundlage der Gesamtheit bildete, der Boden also ebenfalls einen
ideellen Wert darstellte, wie ihn wohl nichts besser als der tiefe Sinn des
Begriffs Heimat ausdrückt, in einer solchen Gemeinschaft konnte es auch
niemals zu einem Eigentumsverhältnis am Boden kommen, womit ein Ver-
leihen oder gar ein Verkauf des Bodens unmöglich war. Den Boden end-
gültig zum Handelsobjekt zu machen war dann auch eine der Neuerungen
und eines der politischen Ziele, deren letzte Stufe den Germanen dann
während der Renaissance über das römische Recht beschert wurde.
42

Das Leben der Germanen war und blieb immer ein Leben von, mit und in
der Natur. So hat auch der gemeinschaftliche Aufbau aus Familien, Sippen
und Stämmen keinerlei herrschaftliches Zentrum - sieht man einmal von
den Versammlungs-, den Thingplätzen und den Anwesen der adligen Mei-
ster ab - überhaupt entstehen lassen, hätte ein solches sich doch einfach
nicht selbst ernähren können. Jede Wirtschaft, jeder Güteraustausch, so ein
solcher in nennenswerter Größe überhaupt vorkam, konnte also immer nur
in einem regional eng begrenzten Raum erfolgen. Es muß eine Gemein-
schaft gewesen sein, aufgebaut aus familiärer Verwandtheit, die auch keine
zentrale Verwaltung benötigte. Ohne eine zentrale Verwaltung aber konnte
es auch keine zentrale Herrschaft geben. Einer übergeordneten Herrschaft
fehlten also nicht nur die organisatorisch-technischen Voraussetzungen,
sondern ihr standen insbesondere die idealistischen Werte, das individuelle
Freiheitsideal, die gemeinschaftliche Mystik und die gesamte Lebensord-
nung entgegen. Den Zusammenhalt als Stamm lieferten nicht irgendwelche
Gesetze, sondern die gemeinsame Abstammung, Sprache, Mystik und Sitt-
lichkeit, die Kultur also, auf der die gemeinschaftliche Ordnung aufbaute,
die jedem Einzelnen auch die Sicherheit im Streite gab.

Statt über aufwendige Gesetzeswerke, zu deren Durchsetzung alle Mög-


lichkeiten fehlten, wurde das Zusammenleben in der Gemeinschaft durch
die individuell verinnerlichte Sittlichkeit geregelt! Damit mußte die emp-
findlichste Strafe immer der Ausschluß aus der Gemeinschaft sein.

Große, über den Einzelfall hinausgehende Streitigkeiten konnten, wenn


überhaupt, so doch nur an den Gebietsgrenzen der Stammesgemeinschaften
entstehen, wenn um neuen Siedlungsraum gestritten wurde. Aber auch hier
müssen Regeln und Einigungspraktiken gefunden worden sein, wäre an-
sonsten ein Dauerstreit jedes Stammes mit all seinen Nachbarn kontinuier-
lich und unausweichlich gewesen, womit jede aufwendige Wanderung zur
Erreichung neuer Siedlungsräume völlig unnötig gewesen wäre. Das Kern-
problem der germanischen Gesellschaft bestand also nicht darin, irgend-
welche materiellen Reichtümer zu schaffen, zu erringen oder anzuhäufen
(demzufolge dürfte es sich bei der Schilderung von Schätzen und Kleinodi-
en im Original der alten Sagen entweder um immaterielle, also idealisti-
sche Werte, oder um meisterliche Kunstwerke gehandelt haben), sondern
43

einzig darin, frei zu leben und als Freier von der Gemeinschaft anerkannt
zu werden, wozu die einzige Voraussetzung darin bestand, über genügend
Land zu verfügen, um die eigene Ernährung sicherzustellen, oder aber ein
Handwerk so kunstvoll zu betreiben, daß sich davon leben ließ!

Solange diese werteidentische germanische Stammesgesellschaft sich bis


zur Zeitenwende im Raum zwischen den Weiten des Ostens und dem
Rhein ausbreiten konnte oder in ihm zusammenwuchs, dürften Streitigkei-
ten zwischen den Stämmen fast immer auf dem Verhandlungswege gelöst
worden sein. Die germanische Stammesgemeinschaft, das germanische
Volk, war nicht materialistisch, sondern idealistisch ausgerichtet, wobei
Materielles nur soweit zur Geltung kam, wie es zum Überleben und be-
scheidenstem Wohlergehen notwendig war. Denn allein schon die natürli-
chen Bedingungen und Voraussetzungen machten germanisches Leben zu
einem immerwährenden Überlebenskampf. Die von Tacitus beschriebene,
angebliche Dauerzwietracht zwischen den germanischen Stämmen ent-
spricht eher einem Ratschlag an die römische Politik denn einer Zustands-
beschreibung herrschender Realitäten. Aber allein schon dieser Hinweis
zeigt, über welche geringen Kenntnisse Tacitus hinsichtlich der germani-
schen Lebensordnung verfügte, oder was er von ihr hinterlassen wollte.

Völlig neu und anders wurde die Problematik, als die germanische Sied-
lungspraxis auf bereits besiedelte Räume und solche Stämme und Völker
traf, die in einer anderen Ordnung lebten oder wenn deren Kriegshaufen zu
Beutezügen in die germanischen Gebiete einfielen. Während im Verteidi-
gungsfalle die gemeinsame Existenzsicherung keine andere Alternative als
den Kampf zuließ, bei dem es für die Germanen immer um alles ging und
auch gehen mußte - sowohl um den Erhalt der individuellen Freiheit, wie
auch der Gemeinschaft, die diese Freiheit erst ermöglichte - und der dann
auch mit allem Einsatz geführt wurde, waren im Falle der Siedlungsbe-
grenzungen auch andere Lösungsalternativen möglich. Die Alternative,
sich den neuen Siedlungsraum einfach freizukämpfen, mußte aber immer
ausgeschlossen sein, hätte sie doch verlangt, daß dazu die gesamte friedfer-
tige und sittlich geregelte Ordnung hätte aufgegeben werden müssen, denn
eine idealistische Ordnung und Imperialismus schließen sich gegenseitig
aus. Wäre anderenfalls doch auch jede Familie, jedes Dorf berechtigt ge-
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wesen, Ansprüche gegen den Nachbarn zu erheben und kriegerisch umzu-


setzen. Die Germanen hätten sich zwangsläufig gegenseitig vernichtet und
wären in der Geschichte untergegangen. Sollte also die eigene angestamm-
te Ordnung beibehalten werden, so war die Möglichkeit einer kriegeri-
schen Eroberung immer ausgeschlossen. Neben der Möglichkeit, die si-
cherlich auch genutzt wurde, die eigenen Siedlungsgebiete intensiver zu
nutzen und zuvor unbewohnte und unbewohnbare Gebiete für die Ernäh-
rung zu kultivieren, womit der Siedlungsraum auch für die Germanen en-
ger wurde, blieb als letzter Weg immer nur der, sich auch in Gebieten
fremder, nichtgermanischer Stämme mit deren Zustimmung anzusiedeln.

Spätestens aber mit dem Vorrücken des römischen Imperiums, der Unter-
werfung Galliens und der dort seßhaften Kelten 54 v. Chr. und der daran
anschließenden Besetzung Rätiens bis an die Donau, 13 v. Chr., trafen die
am weitesten nach Westen und Süden vorgedrungenen germanischen
Stämme auf die Herrschaftsgrenzen des römischen Imperiums. Die Besied-
lungsphase des freien Raumes, die sicherlich viele Jahrhunderte, wenn
nicht gar Jahrtausende, angedauert hatte, war für die Germanen beendet. In
diesen alten Zeiten wurde offensichtlich das entwickelt, was heute noch als
Art und Wesen in einem Teil der Nachkommen der alten Germanen wirkt:
der zur deutschen Art und deutschem Wesen gewordene individuelle Frei-
heitsdrang mit der dazu passenden Lebensordnung und Sittlichkeit. Ein
Wesen, aus der Natur gewachsen und ihr immer auf das Engste verbunden,
abgeschieden-eigenbrötlerisch, pflichtbereit, gutgläubig, treu und redlich,
friedfertig und wahrheitsliebend, nie das höchste individuelle Ideal, die
individuelle Freiheit (nach Nietzsche: der Wille zur Macht - über sich
selbst, im Materialismus entartet zur Macht über andere), aus dem Blick
verlierend. Eben so, wie es der Gesamtverbund dieser Werte, die Sittlich-
keit, vorgab. Eine Gesellschaft, die in ihrem Wesen jeden Lug und Trug
ausschloß und für die damit auch das Wesen jeder (Betrugs-)Politik so
unfaßbar, unverständlich und fremd sein mußte. Mit den Germanen und
Römern trafen nun zwei Ordnungen aufeinander, wie sie konträrer nicht
sein konnten.

Irgend etwas an den Germanen, deren Siedlungspraxis allein kann es kaum


gewesen sein, vollzog diese sich doch immer friedlich, mußte das römische
45

Imperium bewogen haben, sie als etwas ganz Besonderes, als eine ganz
besondere Bedrohung einzuschätzen und zu behandeln. Denn sie setzten
der germanischen Siedlungsausdehnung eine äußerst starre Grenze. Nicht
die Integration, nicht die Unterwerfung und Verknechtung, sondern einzig
die Ausgrenzung wurde gegenüber den Germanen angewandt.

Zur Grenzziehung nutzten die Römer geschickt die sich in Rhein und Do-
nau bietenden geographischen Gegebenheiten, wobei sie 117-138 n.Chr.
unter ihrem Kaiser Hadrian den dazwischenliegenden Raum durch einen
Grenzwall, den Limes, schlossen. Die von den römischen Politikern als für
ihr Imperium so problematisch eingeschätzte, von den Germanen ausge-
hende Gefahr kann letztlich nur zwei Gründe gehabt haben. Entweder war
es die überragende militärische Macht, der sich die römischen Politiker mit
ihren Legionen nicht gewachsen sahen (wozu dann aber ein Limes?), oder
es waren Wesen und Ordnung und die daraus gewachsene Kultur und Frei-
heit der germanischen Stämme, also deren geistige, durch die Gemein-
schaft gesicherte Macht, die bei den römischen Politikern Bedenken und
Ängste auslösten. Daß die listig-militärische Supermacht Rom auf ihren
ureigensten Machtgrundlagen keinen Gegner, also auch nicht die Germa-
nen, zu fürchten hatte, hat sie vielfach hinlänglich bewiesen, auch wenn die
Legionen des Varus einen erheblichen Verlust für sie darstellten.

Nicht die militärische, sondern die geistige Kraft, ihre sittliche Ordnung
und ihre freiheitlichen Werte bildeten offenbar für Rom die eigentliche
germanische Gefahr!

Das römische Imperium traf auf Germanen, denen selbst das eigene
Leben weniger bedeutete als der Erhalt ihrer individuellen Freiheit und
ihrer gemeinschaftlichen Werte und Ordnung, die ihnen überhaupt erst
erlaubte, diese individuelle Freiheit auszuleben.

Die Germanen waren durch ihre idealistische Weltanschauung nicht


imperiumsfähig, sie waren nicht unterdrückbar!

Bei den Germanen versagte nicht nur die geballte römische Militärmacht,
sondern auch jedes den Römern zur Verfügung stehende politisch-listige
46

Mittel. Während die militärischen Möglichkeiten bereits an der Kopfzahl,


Kampfkraft und Einstellung der zusammenstehenden germanischen Stäm-
me scheiterten, scheiterte die römische Politik schon im Ansatz ganz ein-
fach am Fehlen jeder Herrschaftsstruktur bei den Stämmen, mit deren Ma-
nipulation oder Korruption Rom irgendwelche großflächigen Veränderun-
gen hätte erreichen können. Eine Beeinflussungsmöglichkeit des Einzelnen
oder der einzelnen Familie, wie sie heute über die Medien erfolgt, stand
den Römern damals noch nicht zur Verfügung. Die Lebensordnung der
Germanen war sogar so stark und so geschlossen, daß auch die römische
Politik der direkten nachbarlichen Verlockung keinen Erfolg hatte, auch
wenn mancher Einzelne vielleicht gewonnen werden konnte. Die einzigen
Mittel, die einem jeden materialistischen Herrschaftssystem dann noch
bleiben und vor denen auch die Römer mit Sicherheit nicht zurückge-
schreckt haben, waren und sind körperliche Folter und Terror jeder Art.
Auch davon weiß selbst die verfälschte Geschichte massenhaft zu berich-
ten, wobei aber nicht vergessen wurde, die Opfer zu verfolgten Christen
umzudeklarieren. Nur, eine grundlegende Änderung der politischen Macht-
situation ließ sich auch mit solchem Terror nicht erreichen. Viel zu groß
und viel zu geschlossen war die Gemeinschaft der germanischen Stämme.

Und die germanische Gefahr, die letztlich eine geistige war, ging sogar
soweit, daß es bei einer Ausweitung der germanischen Geisteshaltung auf
die vom Imperium unterworfenen Völker zwangsläufig zur Vernichtung
des gesamten römischen Imperiums kommen mußte. Ob es dieses germa-
nisch Ordnungsphänomen war, was den römischen Philosophenkaiser
Mark Aurel dazu brachte, den größten Teil seiner Regierungszeit an der
germanischen Grenze zu verbringen, ist nicht bekannt. Das imperiale Rom
traf bei den Germanen auf einen Widerstand, der auch mit militärischer
Überlegenheit nicht zu bezwingen war! Ja, selbst ein totaler militärischer
Erfolg über alle germanischen Stämme würde Rom keinerlei Nutzen brin-
gen, brauchte Rom doch Knechte, Sklaven, Beute und Tribute - also einen
materialistischen Nutzen -, nicht aber einen militärisch menschenleer ge-
machten Raum. Ganz abgesehen davon, daß jeder Kampf gegen einen im-
mer zum Letzten entschlossenen Gegner das sehr hohe Risiko einer eige-
nen Niederlage enthält, zumindest aber immer sehr viel von der eigenen
Kraft verbraucht. Die einzige Möglichkeit, die den in Beherrschungsfragen
47

so erfahrenen römischen Politikern in dieser für sie völlig neuen Situation


zum eigenen Schutz zunächst einfiel, war die Ausgrenzung der Germanen.
Sie zogen den Germanen in Rhein, Limes und Donau eine für deren fried-
liche Besiedlungspraxis unüberwindbare Grenze.

Ab hier nun beginnt der Nebel in der Geschichte immer dichter zu werden.
Was noch deutlich erkennbar ist, ist, daß als Konsequenz aus der römi-
schen Grenzziehung die germanischen Stämme die ihnen verbliebenen
Räume zwangsläufig enger und dichter haben ausfüllen müssen, da ihnen
das römische Imperium alle Wege nach Westen und Süden versperrt hatte.
Ansonsten hat sich über die germanische Welt während vieler folgender
Jahrhunderte eine tiefe Dunkelheit gelegt. Bereits während der letzten
Jahrhunderte Roms verschwinden die Germanen vollständig aus jeder Ge-
schichtsschreibung, bis sie dann dazu herhalten müssen, für das imperiale
Finale zu sorgen.

Zeitlich zusammen mit den Raubzügen der aus den Tiefen Asiens in Euro-
pa einfallenden Hunnen, die wie ein Windhauch in der Geschichte auf-
tauchten und wieder verschwanden, fällt dann die zweite Völkerwanderung
germanischer Stämme, die mit dem Zug der Goten und Wandalen begann.
Daraus haben die christlichen Geschichtsschreiber die Geschichte konstru-
iert, daß diese Völkerwanderung durch eben diese Hunnen ausgelöst wor-
den wäre. Demnach hätten die Germanen das Wichtigste, was sie für ihre
Lebensgrundlage und ihre Freiheit benötigten, ihren Siedlungsraum, ihre
Heimat, allein deshalb aufgegeben und verlassen, weil sie nicht zu deren
Verteidigung bereit oder im Stande waren(?). Welch ein Widersinn. Was
römische Legionen in Jahrzehnten und Jahrhunderten nicht erreichen konn-
ten, das soll den Hunnen fast schon spielerisch leicht gelungen sein? Die
Germanen rannten wie die Hasen. Und das gleich in ganzen Völkerschaf-
ten?! Das Wichtigste an dem ominösen Hunneneinfall aber ist nun: würde
es die Geschichte von den Hunnen nicht geben, so gäbe es auch keine mit
dem heutigen Germanenbild verträgliche Begründung für die 2. Völker-
wanderung der germanischen Stämme! Gäbe es aber keine germanische
Völkerwanderung, so hätte auch der Untergang Roms nie stattgefunden!
Wer mag sich diese absurde Geschichte je ausgedacht haben? Man stelle
sich einmal vor: die Hunnen, ein riesiger mongolischer Volksstamm, der
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nur vom Raub lebte und Beute suchte (demnach also in Regionen, wo es
nichts zu rauben gab, zumindest fehl am Platze war), wälzt sich tatsächlich
mehrere tausend Kilometer durch Asien und Europa, um dann, am Ende
dieses gewaltigen Zuges, über Germanen herzufallen, die über keinerlei
materielle Reichtümer verfügten. Gar bis an die Seine, bis zu den Katalau-
nischen Feldern sollen Attilas Truppen gekommen sein.

Diese gesamte Wunderlichkeit der Hunnen-Erscheinung wird auch dann


nicht verständlicher, wenn diese Geschehnisse von Seite der Hunnen be-
trachtet werden. Suchten die Hunnen doch kein Land, sondern bekannter-
maßen Beute. Reichtümer, die bei den Germanen nicht zu finden waren!
Die Hunnen hätten also immer schwerste Kämpfe führen müssen, um nach
deren für sie siegreichen Abschlüssen festzustellen, daß jeder Kampf um-
sonst geführt war. Selbst der gierigste Hunne hätte schnell feststellen müs-
sen, daß solche Beutezüge wenig profitabel waren (Dümmer als die heuti-
gen Imperialisten können auch die Hunnen nicht gewesen sein. Oder hat
das anglo-amerikanische Imperium je ein Land überfallen, wo es für seine
Plutokraten nichts zu holen gab?). Nicht umsonst führte dann auch der
angeblich stärkste Sturm der Hunnen südlich an den germanischen Sied-
lungsräumen vorbei dorthin, wo die größte Beute bereitstand, ins römische
Imperium. Und der Abschluß? So plötzlich, wie die Hunnen in der Ge-
schichte aufgetaucht waren, verschwanden sie auch wieder. Bleibt nur die
Frage: wohin? Zurück in ihre asiatische Heimat? Tausende von Kilometer
zurück, um wieder an den heimischen Herd zu kommen? Um nach einem
Menschenalter (wenn das ausgereicht hatte) endlich die hunnische Suppe
in einem erbeuteten goldenen römischen Kessel kochen zu können?

Selbst die isländische Edda und das Nibelungenlied, beides von Christen
zusammengestelltes, vorgeblich urgermanisches Wissensgut, blieben von
den Hunnengeschichten nicht verschont.

Ohne die Hunnengeschichten müßte die zweite germanische Völkerwande-


rung entweder völlig andere Ursachen gehabt haben, oder sie hat, wie
schon die erste, nie stattgefunden. Und selbst wenn, dann müssen die Ursa-
chen solche gewesen sein, die absolut nicht zu dem Bild paßten, das mit
der gefälschten Geschichtsschreibung produziert wurde.
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Die Germanen bildeten eine Gemeinschaft der Eigenständigkeit, der ma-


ximalen geistigen Freiheit - einer individuellen Freiheit, die so umfassend
war, daß selbst die Angst unbekannt war -, die aber wiederum erst aus
freiwillig übernommenen Pflichten und Gefolgschaften geschaffen und
bewahrt wurde. Sie lebten so in einer umfassenden Ordnung, in der letzt-
lich der Einzelne - dessen individuelle Freiheit ihm das Höchste war, die er
aber nur erreichen und erhalten konnte, wenn er im gemeinschaftlichen
Interesse zeitweise darauf verzichtete - nichts, die Gemeinschaft aber alles
war.

In diesem, oberflächlich als Widerspruch erscheinenden, Zusammenhang


liegt die zentrale Konsequenz idealistischen Denkens.

Für die Erhaltung der Gemeinschaft, ihrer Ordnung und Sittlichkeit auf
jedes individuelle Interesse verzichten zu können, ja, selbst bereit zu sein,
die eigene Existenz für die Erhaltung der Gemeinschaft zu opfern, das ist
der Kern des späteren Deutschen Wesens ! Die ihm zugrundeliegende Ord-
nung gab ideellen, gemeinschaftlichen Eigenschaften eine weit höhere
Bedeutung, einen weitaus größeren Wert, als irgendwelche materiellen
Äußerlichkeiten sie je erreichen konnten. Eine germanische Welt und Ord-
nung der Ideale, von der weder sie selbst, noch die Römer zusammenhän-
gendes überliefert haben, und von der auch das Christentum rein gar nichts
erhalten hat. Wird von einzelnen Bruchstücken einmal abgesehen, so ist
die Welt der Germanen untergegangen, ohne daß verwertbare Dokumente,
Schriften, Runenstäbe und Kenntnisse übriggeblieben wären. Eine Kultur,
in der das Freiheitsideal in einsamer und vielleicht auch einmaliger Höhe
stand, ging unter und verschwand annähernd spurlos. Weshalb aber haben
nicht die Germanen selbst, weshalb haben Römer oder auch die christli-
chen Missionare und kirchlichen Strukturen diese Kultur nicht zumindest
schriftstellerisch für die Nachwelt erhalten?
Wenn schon kaum materielle Spuren geblieben sind, so stellt sich die Fra-
ge, ob es solche dokumentarischen Spuren in großem Umfang überhaupt je
gegeben hat. Welche Spuren kann eine idealistische Kultur, in der nicht
geschriebene Gesetze, sondern die verinnerlichte Sittlichkeit das Leben des
Einzelnen und das Zusammenleben in der Gemeinschaft regeln, dokumen-
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tarisch überhaupt selbst anfertigen? Vielleicht die alten Sachsenlieder, die


einer der Frankenkaiser angeblich hat einsammeln und sein frommer Nach-
folger hat verbrennen lassen? Aber selbst wenn nur an wenigen Orten die
kulturellen, rechtlichen und, wenn man es denn schon so bezeichnen will,
wissenschaftlichen Grundlagen und Erkenntnisse der Germanen gesammelt
gewesen wären, so haben sie die christliche Missionierung nicht überdau-
ert. Mußten sie vielleicht vernichtet werden, um dem Christentum über-
haupt eine Verbreitung zu ermöglichen? Oder sollten einfach Erinnerungen
ausgelöscht werden? Offensichtlich hat die idealistisch-germanische Kultur
und Welt ihre Spuren vielleicht noch am deutlichsten in den Erzählungen,
am unauslöschlichsten aber im Unterbewußtsein ihrer Nachkommen, in
den tieferen Schichten des, von C.G. Jung als kollektiv bezeichneten, in
den sogenannten Archetypen nachgewiesenen, Unbewußten, dem ererbten
Wesen, hinterlassen. Denn nicht nur körperliche Eigenschaften sondern
auch geistiges Wesen, die Werte der Ahnen, werden, wenn auch unbewußt,
vererbt. Obwohl nach den Zweiten Weltkrieg jede Forschung an der Ver-
erbung geistiger Eigenschaften unerwünscht war, vielfach gar verboten
wurde, steht heute als wissenschaftlich bestätigte Größenordnung fest, daß
das menschliche Verhalten und die Entscheidungen des Menschen im
überwiegenden Maße, die Faktoren schwanken zwischen 1:1 bis 4:1, von
ererbten Werten bestimmt und dominiert werden. Allein schon im Hinblick
auf die heute bestehende Rechtsordnung müßte die Berücksichtigung die-
ser wissenschaftlichen Erkenntnisse zu der Konsequenz führen, da kein
Mensch für seine Entscheidungen persönlich verantwortlich zu machen ist,
daß sie völlig überarbeitet werden müßte.

Das menschliche Verhalten wird also aus einem Bewußtseinsbereich mit-


beeinflußt, wo selbst noch heute die Macht aller Fälscher und Manipula-
teure an ihre Grenzen stößt! Liegt der tiefste Sinn der aktuell-politischen,
weltweiten Völkermischungen vielleicht darin, nun auch das Wesen der
Völker zu vernichten, um dann jeden Einzelnen in seiner Machtlosigkeit
endgültig zur materialistischen Robot-Kreatur zu machen? In der gleichen
Richtung dürfte auch die Zielsetzung der Gen-Forschung liegen, deren
Aufwand nicht etwa zur Heilung irgendwelcher Erbkrankheiten betrieben
wird, sondern einzig die „Behandlung" störender Wesenszüge der um ihre
51

Macht besorgten Plutokraten bildet den Vorder-, oder besser gesagt, den
Hintergrund dieser Anstrengungen.

Ideelle Werte, die gesamte idealistische Welt des germanischen Lebens,


müssen immer auch in Verbindung zur realen, zur materiellen Welt gestan-
den haben. Wie aber können ideelle Werte ihre Kraft und ihre freiheitliche
und verbindende Macht behalten, ohne daß die, die solche materiell ver-
walten, sie zum eigenen Vorteil mißbrauchen? Dies ist nur möglich, wenn
Mystik, Ordnung und Werte eines Volkes über alle Schichten beständig
sind, und wenn diese Sittlichkeit jede Form des Imperialismus ausschließt.

Wenn wir einmal von allen Entwicklungen der uns heute bekannten Ge-
schichte abheben und nochmals in die vorchristliche Zeit, in die weit ent-
fernte Geisteswelt der Germanen zurückgehen, so erstaunt es doch sehr,
wie nahe diese Welt unseren Gefühlen und innersten Sehnsüchten ist. Es
war ein idealisiertes, zusammenhängendes Weltbild, das in der Form eines
einzigen Weltenbaumes, der Weltesche, zusammengefaßt war. Nicht Tem-
pel, nicht Götter oder gar irgendwelche Priester, sondern die Gesamtheit
aller Vorstellungen hat darin ihren Ausdruck gefunden. Ein gemeinsamer
Baum, symbolisch aus zwei Menschenrunen zusammengesetzt, der Asgard,
den Raum für die Götter und auch Mitgard, den Lebensraum der Men-
schen, umfaßt. Der Weltenbaum, das Symbol der germanischen Ordnung,
die aus ihren Ästen, den einzelnen Menschenstämmen, den Baumstamm,
das gemeinsame Volk, bildet und um dessen Wurzeln sich die Schlange,
das Symbol der materialistischen Ordnung, schlingt. Eine als Weltenbaum
dargestellte, durch die Schlange symbolisch abgegrenzte, harmonisch-
sittlich geregelte Welt, in der alles und jeder seinen festen Platz hatte. Wo-
bei unter Harmonie nicht zu verstehen ist, daß dauerhafter Friede herrschte
und jeglicher Streit und auch jeder Kampf ausgeschlossen war. Es war eher
eine Harmonie der Mystik und Lebensordnung, eine Gemeinschaft von
körperlicher und geistiger Existenz. Darin waren die Götter nichts anderes
als idealisierte Menschen. Menschen nahe den Göttern und Götter mit
menschlichen Charakteren und Schwächen. Eine Welt, in der nicht nur die
Menschen, sondern selbst die Götter auf ihren Untergang warteten, um
damit nochmals erhoben, um von ihren so menschlichen Schwächen befreit
zu werden, um die letzte Stufe, die Vollkommenheit zu erreichen. Diese
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selbst für die Götter noch unerreichte und unbekannte Stufe der perfekten,
der absoluten und reinen Sittlichkeit und Freiheit. Freiheit frei selbst von
jeder sittlichen Schwäche. Der Eintritt in das Reich der perfekten Men-
schengötter, die Nietzsche als Ubermenschen bezeichnet hat! Ein in Sitt-
lichkeiten harmoniertes Weltbild, in dem die aus ihm gespeisten positiven
Ziele weit über allen materiellen Werten standen. Selbst der materielle
Wert des Daseins, des eigenen Lebens, war untergeordnet. Diente das ei-
gene Dasein doch keinem anderen Zweck als dem, was der Zweck jeder
natürlichen Existenz ist: seine Art zu sichern und dem eigenen Samen oder
Nachkommen eine bessere Existenzgrundlage zu verschaffen. Diese Gei-
steswelt der Germanen schuf die Grundzüge dessen, was später nationali-
stisch-schmalspurig als das deutsche Wesen, die deutsche Art, bezeichnet
wurde, obwohl die germanische Geisteswelt und Ordnung ihre Spuren in
allen Stämmen Europas hinterlassen haben muß.

Nun schließt aber eine solche Ordnung und Weltanschauung, wie sie Ei-
genheit der Germanen war, immer auch jeden imperialistischen Zug, ja
selbst die „Wanderung" oder gar Flucht eines kompletten Stammes oder
Volkes aus. Hatte doch alles seinen festen Platz, und stand doch die eigene
Sittlichkeit weitaus höher als alle materiellen Werte, ja selbst höher als das
eigene Leben. Wenn sich germanische Stämme (oder Teile von ihnen) aber
trotzdem in Bewegung setzten und alle Beschwerlichkeiten auf sich nah-
men, so kann als Grund nur gelten, daß eine dauerhafte Ernährung des
gesamten Stammes auf dem verfügbaren Boden nicht möglich war und sie
überzeugt davon waren, daß sie am Ende ihrer Wanderung ein noch freies
Siedlungsgebiet vorfinden würden. Hörige, die zu Freien werden wollten,
denen dazu aber der unbedingt erforderliche Siedlungsraum fehlte, sie, zu
einer Gruppe Gleichgesinnter zusammengeschlossen, waren es, die sich
auch zu langen und beschwerlichen Wanderungen zusammenfanden. Dies
ist der einzige nachvollziehbare Grund, ist die einzige Konstellation, um
die angestammte Heimat aufzugeben und sich in Bewegung zu setzen. So-
lange aber das römische Imperium in seiner alten, von Rom aus regierten
Struktur bestand, womit in deren unterworfenen Provinzen auch kein freier
Siedlungsraum für germanische Stämme vorhanden war, konnte es niemals
zu einer Wanderung dieser Stämme in den Herrschaftsraum des Imperiums
gekommen sein. Wenn nun aber diese Wanderungen tatsächlich stattge-
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funden haben, so besagt dies nichts anderes, als daß zum Zeitpunkt des
ersten Wanderzuges in die jenseits des Limes gelegenen Regionen, das
römische Imperium in diesem Raum als Machtfaktor nicht oder nicht mehr
vorhanden war!

Wieso setzten sich nun aber ausgerechnet die nordöstlichsten Stämme in


Bewegung? Denn Goten und Wandalen siedelten ursprünglich im Raum an
der mittleren Ostsee und waren von dort in die südrussischen Gebiete ge-
wandert, bzw. hatte sich nach dorthin ausgedehnt. Und ausgerechnet diese
Stämme zogen nun in das römische Imperium ein. Welche germanische
Gruppe aber würde je ausziehen und ihre Heimat verlassen, um sich unter
völliger Ignorierung der eigenen Ordnung und des eigenen Rechtsempfin-
dens neuen Siedlungsraum kriegerisch anzueignen, was immer auch mit
dem Risiko des eigenen Untergangs verbunden war? Dies, wo doch die
germanische Lebensordnung nicht nur jeden Imperialismus, sondern auch
jede unrechtmäßige Eroberung zwangsläufig ausschloß. Bei den Zügen
germanischer Gruppen konnte also weder die Gewinnung von Beute im
Vordergrund stehen, noch konnte es sich überhaupt um Kriegszüge han-
deln. Wenn davon ausgegangen wird, daß die gesamte germanische Le-
bensordnung sittlich geregelt und damit äußerst friedfertig war, wenn also
weder größere kriegerische Dezimierungen stattfanden, noch - allein durch
die gestreute Siedlungsweise - eine Seuche irgendwelche großen Opferzah-
len fordern konnte, so mußte dies zu erheblichen Geburtenüberschüssen
geführt haben, die nach einer eigenen freien Lebensgrundlage verlangten.
In dem Moment, wo der dem Stamm zur Verfügung stehende Siedlungs-
raum dem nach Freiheit verlangenden Nachwuchs keinen dazu erforderli-
chen Siedlungsraum mehr zur Verfügung stellen konnte, mußte nach einer
anderen Lösung gesucht werden.

Und diese Lösung, die für die bäuerlichen germanischen Stämme immer
nur darin liegen konnte, die eigene Freiheit, eine eigene Familie und Schol-
le, eine neue Heimat zu finden, die sie ernähren konnte, mußte außerhalb
des bisherigen Siedlungsraumes gesucht werden. Die stetig anwachsenden
germanischen Stämme standen vor der Alternative, ihrem Geburtenüber-
schuß die Möglichkeit zu nehmen, selbst frei zu werden, ihn letztlich ver-
hungern zu lassen, oder neuen Siedlungsraum für ihn zu finden. Wenn
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davon ausgegangen wird, daß die Grenzziehung des römischen Imperiums


zunächst dazu geführt hatte, daß der germanische Raum bis an den Rand
seiner damaligen Möglichkeiten besiedelt worden war, so blieb diese Lö-
sung aber immer nur so lange praktikabel, bis all diese Kapazitäten ausge-
schöpft waren. Es war also immer nur eine Frage der Zeit, wann der ger-
manische Freiheits- und Ernährungsdruck so groß wurde, bis alle Grenzen
fallen mußten.

Man stelle sich einmal die Situation vor: da kommen die Abgesandten der
germanischen Stämme zum römischen Imperator und schildern ihren
Wunsch nach neuen Siedlungsräumen. Sie wollen nicht kämpfen, sie wol-
len nichts zerstören, sie können aber auch nicht ihren gesamten Lebens-
sinn, die eigenen Nachkommen, aufgeben und verhungern lassen. Sie brau-
chen neue Siedlungsräume! Wie muß da der römische Imperator ans Grü-
beln gekommen sein! Machte er die Grenzen auf, so war sein Imperium
verloren. Wollte er die Grenzen weiter geschlossen halten, so mußte er die
anrollenden Gruppen immer vollständig vernichten, wogegen diese sich
nach besten Kräften zur Wehr setzen würden. Aber selbst mit jedem Sieg
war wenig gewonnen. Denn der nächste Zug war nur eine Frage der Zeit.
Wie sollte das germanische Problem gelöst und wie konnte das Imperium
gerettet werden?

Mit der Zeit, zu der die angeblich das römische Imperium vernichtende
Wanderung ganzer germanischer Völkerschaften stattgefunden haben soll,
befinden wir uns aber nun schon im dichtesten geschichtlichen Nebel.
Auch ohne jede Hunnengeschichte waren die Germanen gezwungen, das
Überlebensproblem ihres Geburtenüberschusses innerhalb ihrer Lebens-
ordnung zu lösen, was je nach regionaler Lage des Stammes den Zug grö-
ßerer oder kleinerer Gruppen in entfernt gelegene neue Siedlungsräume
erforderte.

Wenn nun die Wanderung ganzer Völker allein schon aus technischen
Gründen nicht möglich war, heute aber die Spuren der Goten und Wanda-
len in Rußland, Spanien, Norditalien und auf dem Balkan ausgegraben und
damit nachgewiesen sind, so müssen diese Völker, oder Teile von ihnen,
auf anderen Wegen dorthin gekommen sein. Und zwar so, wie die dauer-
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hafte Ernährung des kontinuierlich anfallenden Geburtenüberschusses und


dessen Freiheitswille es erforderte, d.h., nicht der gesamte Stamm, sondern
einzig der nach Freiheit strebende Geburtenüberschuß begab sich auf die
Wanderschaft in neue Siedlungsräume! Also statt eines großen Zuges des
gesamten Volkes zogen, in einem über lange Zeiträume andauernden Pro-
zeß, immer nur die heranwachsenden, nach eigener Freiheit verlangenden
Nachkommen in neue Siedlungsräume. Wenn von nachfolgenden Gruppen
ebenfalls der Siedlungsraum der Vorgängergruppen angestrebt wurde, so
mußte sich also im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten auch im neu-
en Siedlungsgebiet ein kräftiger Volksstamm herausbilden. Und was
spricht dagegen, nachdem aus den neuen Siedlungsgebieten die Kunde
über die dort vorgefundenen, vielleicht günstigeren Lebensbedingungen zu
den Daheimgebliebenen gelangt ist, daß sich nach und nach auch alle zu-
vor Daheimgebliebenen in Bewegung setzten, um sich in den klimatisch
günstigeren Regionen neu anzusiedeln? Nur, was hätte dieses Bild noch
mit der uns vom Christentum hinterlassenen Geschichte der germanischen
Völkerwanderung gemein?

Aber selbst das Ausgraben von Nachweisen, nach denen Goten, Wandalen
oder auch Mitglieder anderer Stämme hier und dort gelebt hatten, besagt
nun noch längst nicht, wie groß ihr dortiges Siedlungsgebiet war. Auch
geben irgendwelche Ausgrabungen wenig Auskunft über die Ausschließ-
lichkeit einer Besiedlung, d.h., auch in bereits anderweitig besiedelten Re-
gionen, in denen noch freie Gebiete vorhanden waren, kann es fleckenartig
zu einer Fremdbesiedlung gekommen sein. Das einzige, was aber in jedem
Fall gegeben sein mußte, war die einheitliche Lebensordnung, in der die
Menschen auch in solchen Regionen zusammengelebt haben.

Einzig die germanische Welt, die Werte und Lebensordnung der Germanen
- von der wir ganz bewußt offengelassen haben, woher sie kam und woher
sie ihren Ursprung nahm - hat uns bisher festen Boden geliefert. Nur, wann
und wo finden wir endlich historische Punkte, die verläßlich sind und die
sich mit dieser germanischen Welt verbinden lassen? Wie ein Leichentuch
breitet sich ein Kunstbild aus über die tatsächlichen geschichtlichen Abläu-
fe der folgenden Jahrhunderte, womit fast jeder Blick auf die wahren Erei-
gnisse und Zusammenhänge unmöglich gemacht wird. Was wir jetzt zu
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suchen haben, ist der Punkt, ist das nicht verfälschte, weil nicht fälschbare,
Ereignis, an dem die Spannung des Gesamtbildes so groß wird, daß es völ-
lig zerreißt und zusammenfällt. Nur werden wir bis dahin noch viele hun-
dert Jahre auf dem vollständig gefälschten Geschichtsbild annähernd völlig
haltlos herumwanken müssen. Erst wenn wir den Spannungspunkt erreicht
haben, der das Geschichtsbild des gesamten Zeitraumes, in den wir uns nun
hineinbewegen, wie eine Seifenblase platzen läßt, erst dann wird sich das
bestätigen, was wir zunächst nur mit äußerster Skepsis betrachten können.
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3.2 Das antike römische Imperium und sein „Untergang"

Das römische Imperium war von der Gründung bis zu seinem Untergang
immer eine allein auf materielle Machtmittel gestützte Herrschafts-
organisation. Rom war eine konsequente Fortsetzung der orientalisch-
griechischen Stadtstaaten. Was Rom stark machte, was Rom über alle kon-
kurrierenden Machtsysteme des Orients, letztlich auch über die Phönizier
Karthagos, siegen ließ, und was den zentralen Grund lieferte, der zur
Weltmachtstellung des römischen Imperiums führte, das war seine von
jedem Volk und jeder völkischen Verpflichtung losgelöste militärische
Plutokratenherrschaft. Ein System, in dem alle und jeder als Römer einge-
spannt und integriert werden konnte, so lange er bereit war, das System,
die Herrschaft der führenden Familien-Clans, zu akzeptieren!

Wie in den meisten orientalischen Staaten, so bildete auch in Rom die Poli-
tik, wobei man hier sogar noch von List sprechen könnte, den geistig tra-
genden und das Militär den ausschlaggebenden Pfeiler der Macht. Die
bedeutungslose Götterwelt wurde, vielleicht nur aus optischen Gründen,
vielleicht aber auch weil die tatsächlichen Ursprünge Roms dort lagen,
ganz einfach von den Griechen übernommen, wobei natürlich nicht verges-
sen wurde, diese zumindest namentlich als rein römisch zu deklarieren.
Dank seinen politischen und militärischen Fähigkeiten und Überlegenhei-
ten konnte das römische Imperium immer auf jede Form des geistigen Im-
perialismus verzichten. So wurde Rom die machtvolle antike Krönung der
materialistisch-imperialistischen Weltanschauung, der keine andere mate-
rialistische Macht widerstehen konnte. Dabei ging die politische Klugheit
Roms bereits soweit, daß, wenn die Selbständigkeit eines Gegners militä-
risch gebrochen war, dieser Gegner bereitwillig zum Mitglied des Imperi-
ums werden konnte. Nur die eigene Freiheit mußte er bereit sein auf-
zugeben. Die Aufgabe der Freiheit war der zentrale Tribut, den die rö-
misch-imperiale Politik forderte. Dieser gesellschaftspolitischen Herr-
schaftsstruktur und deren politischem Denken verdankte Rom seinen Auf-
stieg und seinen so lang andauernden Bestand (fällt dem Leser dazu ein
aktueller Vergleich ein?). Roms einziges Defizit war das Fehlen jeder gei-
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stigen Rechtfertigung seiner Macht und seines imperialistischen Herr-


schaftsanspruchs, was aber nicht ins Gewicht fiel, da die zur Verfügung
stehenden Gewaltpotentiale solches jederzeit auszugleichen in der Lage
waren.

Nicht etwa militärische Unterlegenheit, sondern einzig die fehlende geisti-


ge Stütze wurde dann zum zentralen Grund für den „Untergang" des anti-
ken römischen Imperiums.

Wie gegensätzlich die germanische Welt diesem römischen Imperium war,


wird wohl am deutlichsten aus den römischen Herrschaftsstrukturen. Fami-
lien-Clans beherrschten das Imperium und bildeten den Senat. Das wich-
tigste Machtmittel war das Militär, womit der Feldherr zum wichtigsten
Mann des Staates wurde. Ein Bürgertum, wie es Geschichtchenschreiber
und Filmedreher nicht etwa unbedacht vorgaukeln, existierte kaum. Die
Bevölkerung Roms, zusammengewürfelt aus allen Teilen des Imperiums,
bestand aus den Herrscherfamilien, die den Großteil der Beute aus den
unterworfenen Ländern unter sich verteilten (um über deren Weitergabe
ihre Herrschaft zu begründen und zu sichern), ihrer umfangreichen Diener-
schaft, den von ihnen abhängigen Künstlern und Unterhaltern, der soldati-
schen Schutz- und Ordnungsmacht, wozu noch die relativ freien Stände
von Handwerkern, Händlern, nebst den ein- und ausziehenden Bauern ka-
men, so wie einem riesigen Sklavenheer, das sicherlich fast 80% der Be-
völkerung Roms ausgemacht haben dürfte. Rom hatte also wenig mit dem
zu tun, was Hollywood so zu gestalten weiß. Ob das nur an der strukturel-
len Ähnlichkeit zwischen dem alten Rom und der modernen Demokraten-
Welt liegt?

Nach der bekannten Geschichtsschreibung sieht der zum „Untergang"


Roms stilisierte Vorgang wie folgt aus: Nach dem Tod des seinem Vater
Mark Aurel auf dem Kaiserthron nachgefolgten Imperators Commodus im
Jahre 192 n.Chr. beginnt der Verfall des Imperiums. Nichts dokumentiert
diesen Vorgang deutlicher als die sehr schnelle Aufeinanderfolge der Im-
peratoren, die ihre Herrschaft zumeist nur einige Monate erhalten konnten,
und die immer mit Mord endete. Aus diesen Wirren in der staatlichen Füh-
rungsspitze des Imperiums soll nun 100 Jahre (in Worten: Einhundert)
59

später, im Jahre 286 n. Chr., der gesamtrömische Kaiser Diokletian im


heutigen Split einen riesigen Palast bauen lassen haben, um selbst von Ni-
comedia (auf der kleinasiatischen Seite des Bosporus) aus das von ihm neu
gegründete oströmische Reich zu regieren, während er Westrom bereitwil-
lig an Maximilian abtritt, den er dazu zum Augustus ernennt, und der sein
neu gewonnenes Reich nun auch nicht mehr von Rom, sondern von Mai-
land (man beachte diese eigentliche Nebensächlichkeit!) aus regiert. Auch
auf eine andere „Nebensächlichkeit" sei an dieser Stelle auch noch hinge-
wiesen: auf die reine Existenz der Residenz von Nicomedia! Im Gegensatz
zu der späteren Residenz Konstantinopel, welche auf der europäischen
Seite des Bosporus liegt, befindet sich Nicomedia fast exakt auf der gege-
nüberliegenden Seite, hat also, von Europa aus gesehen, die Wasser des
Bosporus als schützende Linie vor sich. Wann aber hat sich für das (ost-)
römische Imperium die politische Lage dermaßen verändert, daß es ihm
angeraten schien, seine Residenz auf die europäische Seite nach Konstanti-
nopel zu verlagern?

Als Grund für die Teilung des römischen Imperiums wird die Behebung
von Verwaltungsschwierigkeiten genannt (ein Imperialist verzichtet frei-
willig auf die Hälfte seines Imperiums allein „aus verwaltungstechnischen
Gründen"?!). Weitere 50 Jahre später, am 8.11.324 läßt Kaiser Konstantin
der Große, angeblich der erste Christenkaiser, die alte griechische Siedlung
Byzantion zur neuen Metropole erheben, die anläßlich dieses Vorgangs
den Namen Konstantinopel erhielt. Dies hat aber nicht zur Konsequenz,
daß er anschließend auch seine Residenz nach dorthin verlegt. Erst wieder-
um 50 Jahre später, im Jahre 395, übergibt Kaiser Theodosius seinem Sohn
Honorius Westrom (wo auch immer der vorherige römisch-mailändische
Augustus abgeblieben war) und ernennt seinen anderen Sohn Arkadios
zum Kaiser von Ostrom, der seinen Sitz nun in Konstantinopel wählt. Zu-
vor bereits, im Jahre 382, hatte Kaiser Theodosius den Anfragen der West-
goten - die Ostgoten hatten sich den Hunnen bereitwillig unterworfen oder
waren überrannt worden - zugestimmt und ihrem König Alarich gewährt,
im heutigen Jugoslawien zu siedeln. Und schon geht es mit dem westlichen
Teil des römischen Imperiums rapide bergab. Denn König Alarich und
seine Ostgoten siedeln nicht etwa, sondern verheeren Jugoslawien und
Griechenland. Schon im Jahre 410 beginnen sie mit der Plünderung Roms,
60

dessen Totenglocken zu läuten, die dann nach der nächsten Plünderung


durch die Wandalen unter König Geiserich 455 noch lauter ertönen. 476
macht sich ein Germane namens Odowakar, im Range eines weströmischen
Heerführers, zum neuen König eines neuen Königreiches Italien, der dann
aber im Jahre 493 von Theoderich und seinen Westgoten militärisch be-
siegt und von Theoderich persönlich erdolcht wird, womit das weströmi-
sche Imperium nun seinen endgültigen Abschluß gefunden hat.

Bevor dies aber geschehen konnte, hatte bereits Ost-Rom die Gefahr (die
von den Hunnen ausging) durch den Einfall der Westgoten zuerst zu spü-
ren bekommen.

Keiner der Machtfaktoren, die Rom ausgezeichnet und groß gemacht ha-
ben, weder sein Militär noch seine politische List, konnte der Urgewalt der
plündernden germanischen Völker widerstehen, die anschließend nichts
anders zu tun hatten, als sich auch noch gegenseitig zu liquidieren. Hin-
sichtlich des Wandalenreiches, das sich auf den Trümmern Karthagos in
Nordafrika gebildet haben soll, wurde die Liquidierung ausnahmsweise
vom (ost)römischen Imperium übernommen, wobei allein die Fragen, wie
die Wandalen je nach Nordafrika gekommen sein sollen, und was sie bei
dem dort vorherrschenden Klima je veranlaßt haben soll, zu bleiben, die
gesamte Wandalengeschichte als eine äußerst zweifelhafte Episode er-
scheinen lassen. Und irgendwie haben in diesem Getümmel dann auch
noch die Hunnenhorden von 409 - 453, insbesondere in der Zeit von 434 -
453 unter Attila, mitgemischt. Armes altes Rom. Welch Glück und Zufall,
daß sich der größte Teil des römischen Imperiums in weiser Voraussicht
zuvor Konstantinopel geschaffen hatte und sich rechtzeitig nach dorthin
absetzen konnte, wobei auch nicht vergessen wurde, alle römischen Macht-
faktoren mitzunehmen. Und diese müssen selbst zu diesem Zeitpunkt noch
sehr dominant gewesen sein, denn sie reichten immerhin aus, dieses oströ-
mische Reich während der nächsten 1000 Jahre, bis zu seiner endgültigen
Vernichtung am 29. Mai 1453 durch die Janitscharen, die Kerntruppen der
türkischen Sultane, zu erhalten.

Eine eigenartige, eine wunderliche Geschichte. Weshalb war das römische


Imperium geteilt worden? Weshalb erfolgte die Residenzverlagerung in
61

zwei Etappen, erst nach Nicomedia und erst anschließend nach


Konstantinopel? Was war der tatsächliche Grund für die Teilung des
Imperiums, so es denn eine war? Weshalb überhaupt könnte ein Imperialist
jemals die Hälfte seines Reiches abgeben, seine Verwaltung, seine
politische und die militärische Macht aufteilen und damit beide Teile
zwangsläufig schwächen? Worin liegt der Grund für die langgestreckten
Zeiträume?
Wenn bereits 192 n. Chr., mit dem Tode des Kaisers Commodus, in Rom
das Führungschaos einzog, der Kaisertitel käuflich wurde, die Regierungs-
zeit oft nur auf Monate begrenzt war und eine solche fast immer mit Mord
beendet wurde, wie, was und wer soll ein solches, der Anarchie verfallen-
des, Imperium zusammengehalten haben, wem sollten die Führer der Le-
gionen und Armeen noch folgen, wenn nicht sich selbst? Ein solches Cha-
osregime soll sich dann noch fast 300 Jahre gehalten haben und nicht be-
reits nach wenigen Jahren in völliger Auflösung und Anarchie versunken
sein? Selbst noch 100 Jahre nach Commodus soll sich ein gesamtrömischer
Kaiser gefunden haben, der noch solche staatlich-konstruktiven Kräfte
vorfand, um eine neue Residenz zu errichten und das völlig zerrüttete
Reich aufzuteilen? Dem folgt dann weitere 50 Jahre später erneut ein Kai-
ser, der mit Konstantinopel wiederum eine neue Residenz errichtet, deren
Bezug aber erst wiederum 50 Jahre später einer seiner Nachfolger vor-
nimmt, der von hier aus ein nun oströmisches Imperium als neues tausend-
jähriges Reich regiert, wobei er seelenruhig zuschaut, wie die zweite Hälfte
des alten Imperiums versinkt? Und was wird aus Rom, dem alten, einer
neuen Heiligkeit entgegenstrebenden Rom? Germanisch-barbarische Völ-
ker und Horden fallen über es her, werden vorher oder nachher zu Chri-
sten, reiben sich dann irgendwann erstaunt die Augen und starren auf ihren
christlichen Papst, der plötzlich im nun heilig gewordenen Rom residiert.

Die zentrale Antwort dieser ganzen aberwitzigen Geschichte und der


gesamten Zeit des Untergangs des weströmischen (Teil-)Reiches sollte sich
aus zwei Fragen finden lassen:

• weshalb wurde das Imperium geteilt und


• weshalb wurde Rom als Residenz, und mit ihm der europäische?
Teil des Imperiums, überhaupt aufgegeben?
62

Geben wir schon hier die Antwort: weil es auch mit der militärischen
Rhein-Limes-Donau-Grenze nicht gelungen war, die Germanen mit ihren
idealistischen Geisteswerten und ihrer freiheitlichen Ordnung dauerhaft
aus dem vom römischen Imperium beanspruchten Raum auszuschließen!
Weil der Uberlebensdruck der germanischen Stämme und ihres Nachwuch-
ses alle Grenzen sprengte! Die Germanen und ihre Werte unterhöhlten das
Imperium, nahmen ihm seine innere Kraft und lösten jede bestehende Be-
herrschungsform auf!

Nicht das germanische Schwert vernichtete, sondern die germanische


Ordnung, die germanischen Geisteswerte vertrieben das Imperium!

Denn nicht nur die Germanen gingen auf die Suche nach neuem Siedlungs-
land, ihre Lebensordnung und ihre freiheitlichen Werte wanderten, meist
viel schneller als ein Volk je hätte wandern können, und verbreiteten sich
im nördlichen Teil des römischen Imperiums! Und diesem Imperium blieb
nur die Reaktion der Flucht in möglichst entfernte Regionen. In eine Regi-
on, die möglichst weit von diesen Germanen entfernt lag, so daß deren
Bevölkerungsdruck ein größtmöglicher Raum gelassen wurde. In eine Re-
gion, die über eine haltbarere natürliche Grenze gegenüber allen nachrük-
kenden Germanen verfügte, als es Rhein und Donau je sein konnten. Des-
halb also zunächst Nicomedia und nicht Konstantinopel! Nicht christliche
Römer flüchteten nach Nicomedia, sondern römische Imperialisten suchten
ihre Rettung in der materialistischen Welt des Orients! Rom hatte - man-
gels politischer Alternative - das Abendland der germanischen Besiedlung
preisgeben müssen! Und diese zogen nicht etwa in geschlossenen Völker-
schaften, sondern die sogenannte Völkerwanderung war nichts anderes als
ein kontinuierlicher Prozeß, in dem sich die germanischen Völker in neue
Siedlungsräume ausdehnten. Ein Prozeß, der auch die folgenden Jahrhun-
derte anhielt und erst gestoppt wurde,... (aber soweit sind wir noch nicht).

Bestätigt und gestützt wird dieses Bild zusätzlich, wenn wir die Arbeiten
von Dr. Heribert Illig mit den von ihm aufgefundenen 300 der Geschichts-
schreibung freihändig hinzugefügten Jahren berücksichtigen. Beginnen wir
mit der Frage: welchen Vorteil erreicht man aus einer zeitlichen Hinzufü-
gung von 300 Jahren? Antwort: zumindest lassen sich Vorgänge, die direkt
63

zusammengehören, soweit auseinanderziehen, daß eine Zusammengehörig-


keit nicht mehr ersichtlich ist. Außerdem lassen sich Vorgänge einbauen,
die tatsächlich niemals stattgefunden haben und für deren Ablauf Zeitab-
schnitte benötigt werden. Die geschichtliche Zeitrechnung um mehrere
hundert Jahre zu ergänzen bedarf immer einer sehr umfassenden Planung.
Und ihre Umsetzung bildet eine riesige Aufgabenstellung. Eine Aufgaben-
stellung, zu deren Größe auch die Größe des damit zu erreichenden Resul-
tats passen muß. Für kleine Betrügereien würde sich niemand einer solche
Aufgabenstellung und der damit verbundenen Arbeit unterziehen. Nun hat
Dr. Heribert lllig den Zeitraum zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert als
den unglaubwürdigsten ausgemacht und damit die christliche Überfigur
Karls des Großen aus der Geschichte getilgt. Als Grund dafür fand Dr.
lllig, daß sich für diesen Zeitraum keinerlei zivilisatorische Nachweise (mit
Ausnahme des Aachener Münsters), weder im Orient, noch im Abendland
finden lassen. Da die germanische Kultur in dieser Zeit aber keine zivilisa-
torisch aufwendigen Ergebnisse geschaffen hat, sich ihre Kultur bis zum
11. Jahrhundert weitgehendst ungestört im Abendland ausbreiten konnte,
so kann, zumindest was die Entwicklung des Abendlandes angeht, der hin-
zugefügte Zeitraum irgendwann zwischen dem Jahre 200 n. Chr. und dem
Jahre 1000 n. Chr. eingefügt worden sein. Was den Orient, das Morgen-
land, die Herrschaftsregion des (ost)römischen Reiches angeht, so, das hat
der Historiker Uwe Topper festgestellt, lassen sich auch dort keine Wider-
sprüche gegen die Einfügung der 300 Jahre in den Zeitraum von 600 - 900
finden. Auch wenn wir damit etwas vorgreifen, so soll doch bereits hier
angemerkt werden, daß in unsere Geschichte tatsächlich 300 frei erfunde-
ne Jahre eingefügt wurden, daß aber der von den Wissenschaftlern lllig
und Topper angegebene Zeitraum nicht ganz exakt ist, was seine Ursache
ganz einfach darin hat, daß die Geschichtsfälscher mit dieser 300-Jahre-
Aktion nicht ein, sondern zwei Probleme lösen mußten! Das eine Problem
war die Einfügung der Untergangsgeschichte des antiken römischen Impe-
riums, also der Zeitraum 200 - 500 n.Chr. Nur ist diese Manipulation ein-
zig auf Europa, das Abendland, begrenzt. Denn die Geschichtsfälscher
haben geschickt nicht nur die Trennung der Regionen Abend- und Morgen-
land selbst definiert, sondern, da sie selbst in Konstantinopel, an der einzi-
gen Schnittstelle beider Regionen saßen, auch den Informationsaustausch
kontrolliert. Mittels dieser regionalen Trennung war es den Geschichtsfäl-
64

schern dann möglich, die von ihnen frei erfundenen 300 Jahre den beiden
Regionen zu unterschiedlichen Zeitpunkten hinzuzufügen!

Allein der Zeitraum zwischen 200 bis 500 n. Chr. fügt sich bei einer zeitli-
chen Komprimierung zu einem völlig anderen Gesamtbild zusammen. Statt
eines langwierigen Niedergangs Westroms und des begleitenden Neuauf-
baus Ostroms würde, wenn beides statt in 300 Jahren in, sagen wir, 20-30
Jahren erfolgt wäre, ein völlig anderes Bild geliefert. Es würde ein Bild
entstehen, in dem die römische Führung sich auf der Flucht vor den sich
ausdehnenden, einsickernden und Siedlungsland suchenden Germanen,
begleitet von dem daraus wirkenden, unausbleiblichen inneren Niedergang,
hervorgerufen durch den sich zumindest bei der Bauernschaft des römi-
schen Imperiums immer stärker ausbreitenden germanischen Freiheitsge-
danken, eine neue Residenz im germanenfreien und materialistisch tief
durchdrungenen Orient schuf, nachdem feststand, daß der europäische Teil
des Reiches nicht mehr zu halten war. Nicomedia entstand als imperialisti-
sche Auffang- und Rückzugsposition, die mit einer vorzüglichen Grenzbar-
riere, der Meerenge des Bosporus, ausgestattet war.

Damit aber kann dieser Niedergang des Imperiums seine Ursache nun
nicht mehr etwa in einem aufstrebenden Urchristentum gehabt haben, wird
dies doch allein daraus belegt, daß dann auch Ostrom, das weitaus dichter
an der angeblichen Geburtstätte des Christentums lag, ebenfalls hätte un-
tergehen bzw. überhaupt nicht erst als imperiale Macht hätte entstehen
können. Denn die sogenannten urchristlichen Werte sollen nicht materiali-
stisch, sondern idealistisch, also ebenfalls antiimperialistisch gewesen
sein! Da das oströmische Imperium aber während der nächsten tausend
Jahre als reale materialistische Supermacht weiter existiert hat, würde
dies bedeuten, daß das Christentum, das sich aus der historischen Person
eines Juden namens Jesus und seinem irdischen Wirken entwickelt haben
soll, in den ersten Jahrhunderten nach der Zeitrechnung weltweit völlig
unbekannt gewesen ist, d.h., die Figur des Jesus von Nazareth und mit ihm
das Christentum entspringen einer freien, viel späteren literarisch-
politischen Erfindung. Christus und Christentum sind nichts anderes als
der weltanschaulich tragende, äußerlich sichtbare Teil eines aus machtpo-
litischen Gründen entwickelten Konzeptes!
65

Nur wer das Christentum politisch benötigte, und wer dazu diesem Chri-
stentum auch noch eine lange Tradition verschaffen und die machtpoliti-
schen Strukturen des Christentums mit angeblich alten weltlichen Ansprü-
chen, Rechten und Besitzungen ausstatten will, nur der mußte das Ge-
schichtsbild insgesamt verfälschen, wobei nicht vergessen werden durfte,
der eigenen menschenverachtenden Politik einen positiven Heiligenschein
zu verpassen, während die germanischen Gegner mit allen moralisch nega-
tiven Attributen zu versehen waren. Damit war dieser dann auch gezwun-
gen, den Ursprung seines aus machtpolitischen Gründen geschaffenen neu-
en Glaubens in möglichst weit entfernte Zeiten rückzudatieren, womit die-
se Ursprünge nicht mehr nachprüfbar waren. Wer sich aber mit seinen Fäl-
schungen zeitlich soweit zurück bewegen muß, dem bleibt ab diesem Zeit-
punkt letztlich nichts anderes übrig, als auch das Bild aller darauf folgen-
den Zeiten soweit anzupassen, daß es im Einklang mit der neuen Eigen-
schöpfung bestehen kann. Wenn das Christentum erst nachträglich in die
Geschichte implantiert wurde, so mußte auch zwangsläufig die gesamte
Geschichtsschreibung ab dem Zeitpunkt des historisch gemachten, wirk-
samen Auftretens des Christentums völlig überarbeitet werden. Aus der
Sicht des christlichen Machtglaubens bedurfte also nicht ein einzelnes
geschichtliches Ereignis der Korrektur, sondern das gesamte Geschichts-
bild mußte übertüncht und neu gezeichnet werden! Und noch ein Zweites
mußte daneben grundlegend verfälscht werden: das Bild der Germanen und
ihrer Welt! Denn die, gegen die, zu deren Unterjochung, das gesamte Chri-
stentum erfunden wurde, die mit dem Christentum „zum Guten" bekehrt
werden sollten, die mußten in ihrem Ursprung gezwungenermaßen „als
böse, als schlecht" dargestellt werden, womit auch die natürliche germani-
sche Mystik, die so positiven gemeinschaftlichen Werte und ihre freiheitli-
che Ordnung vollständig aus Geschichte und Gedächtnis zu tilgen waren
(wie das Christentum das germanisierte Europa vom „Übel" der germani-
schen Ordnung „befreien" mußte, so mußten in späteren Zeiten die Pluto-
kratendemokratien die Deutschen von manch anderem „Übel befreien"!).
Zu welchem Zeitpunkt die hohe Phase der großen Geschichtsfälschung zu
datieren ist, hat wohl niemand besser herausgearbeitet als Wilhelm Kamm-
meier in seinen Werken. Zur Zeit der Renaissance, des Humanismus, for-
mal beginnend mit der römischen „Rückkehr" des Papstes aus seinem Exil
66

im französischen Avignon 1377. Wie also lautet das erste Grundprädikat


zur Wahrheitsfindung der menschlichen Entwicklungsgeschichte?

Einen Jesus Christus mit seinem in einem Buch namens Bibel


beschriebenen Wirken hat es historisch nie gegeben!

Nur muß das, was Wilhelm Kammeier herausgefunden hat, die riesige Fäl-
schungsaktion der Renaissance, als der zumindest vorläufige Abschluß
einer Arbeit gesehen werden, deren Grundlagen bereits zum Zeitpunkt der
in Konstantinopel vorgenommenen Papstinstallation um das Jahr 1050
gelegt worden waren. Denn schon zu diesem Zeitpunkt mußte der oströmi-
sche Nachfolger des vormaligen römischen Imperiums die alte Unter-
gangsgeschichte völlig neu erfinden. Diese Erfindung dann auszuschmük-
ken, und auch die nachfolgende Zeit bis zum Jahre 1100 und die gesamten,
gegen das germanisierte Europa gerichteten völkermörderischen Christia-
nisierungsverbrechen während der nachfolgenden Jahrhunderte dokumen-
tarisch abweichend auszufüllen, wurde damit der christlichen Papstkirche
mit ihrer „Schöpfung" als grundlegende Aufgabe mit in die Wiege gelegt.

Bleiben wir aber noch bei der Flucht des römischen Imperiums. Wer ist
denn dort geflohen, wer war umgezogen? Der Kaiser auf seinem Pferd,
begleitet von einigen Getreuen? Nein, ein ganzes Imperium war zur Flucht,
ein ganzes Imperium sah sich zum Umzug genötigt. Seine Machthaber mit
allem Anhang und Umfeld, die Politiker und die zentrale Verwaltung mit
ihrem gesamten Archiv, die besitzende Gesellschaft mit ihrem mobilen
Vermögen und mit allem Zubehör, alle Kunst- und Gewerbetreibenden, die
von den auf der Flucht Befindlichen ihren Lebensunterhalt bestritten, und
nicht zuletzt die zentrale Stütze von allem, das Militär. Sie alle waren auf
der Flucht. Also noch weitaus mehr als nur die gesamte Einwohnerschaft
Roms! Ein komplettes System war auf der Flucht und zog alles mit sich,
was dazu gehörte und was von und mit ihm lebte und profitierte. Rom dürf-
te anschließend, sieht man einmal von einigen bodenständigen und sich
nach Freiheit sehnenden Sklaven ab, vollständig leergefegt gewesen sein.
Nicht überfallen und geplündert, sondern von seinen Bewohnern verlassen,
wurde Rom dem Zahn der Zeit preisgegeben, hatte doch niemand mehr
Verwendung für seine Gemäuer. Und die neue, offensichtlich dauerhaftere
67

Grenze, als es Rhein, Limes und Donau gewesen waren, wurde der Bospo-
rus. Europa war damit der germanischen Siedlungspraxis preisgegeben.
Jede Zivilisation, wie sie das römische Imperium auf europäischem Boden
aufgebaut und gepflegt hatte, war dem Verfall preisgegeben.

Nur mit einer völligen Überarbeitung der Geschichte konnte es den späte-
ren Fälschern gelingen - womit begleitend die germanische Welt und ihr
Wesen bis ins Gegenteil verkehrt werden mußte - alles zu übertünchen und
darauf das Bild vom machtvollen Aufschwung des Christentums und seiner
Päpste zu zeichnen. Ob dazu 300 Jahre in die Zeitrechnung eingefügt wur-
den oder auch nicht, ist völlig unerheblich. Und auf dieses Christentum
stützte sich in der Folgezeit der gesamte europäische Adel! Gab er doch
selbst im 20. Jahrhundert noch vor, war selbst der letzte Deutsche Kaiser
angeblich noch ehrlich überzeugt davon, seine Rechte „von Gottes Gna-
den" erhalten zu haben (wie hätten ihn seine Gegner ohne diesen Glauben
sonst so täuschen können ?). Wo aber kein Christengott, wo kein Christus,
wo kein christlicher Glaube, da auch kein adelig-christliches Herrschafts-
recht! Welche aber mögen es dann gewesen sein, wenn es keine Christen
gab, die da in den römischen Arenen den wilden Tieren vorgeworfen wur-
den?

Der Aufschwung des Christentums und seines Adels entspringt also dem
gleichen Zeitraum und beide stehen in direkter Verbindung miteinander.
Das Eine hätte ohne das Andere in seiner unedlen und unadligen Ausprä-
gung nie seine Wurzeln bilden können!

Gehen wir von der heutigen Geschichtsschreibung aus, so hatten wild-


barbarische, kampfstarke und räuberische germanische Stämme sich über
das hochentwickelte römische Imperium hergemacht und es einzig auf der
Suche nach materieller Beute und zum Aufbau eigener imperialistischer
Herrschaften mit aller ihnen zur Verfügung stehenden militärischen Kraft
und Macht zertrümmert. Wenn es nun aber nicht etwa die physische und
militärische Kraft der Germanen war, die das Imperium in die Flucht
schlug, sondern wenn es die Kraft ihrer friedfertigen Weltanschauung und
der darauf gegründeten gemeinschaftlichen Ordnung war, die die Germa-
68

nen bereit waren, mit allen Mitteln für ihre Nachkommen zu verteidigen,
so zwingen sich noch viele andere Fragen auf.

Dazu nur einige Beispiele. Laut der dem antiken Rom zugesprochenen
Geschichtsschreibung fand um 9 n. Chr. die Varusschlacht im Teutoburger
Wald statt. Bis heute war es niemandem möglich, das Gelände zu lokalisie-
ren, auf dem diese Schlacht stattgefunden haben soll, obwohl bei dem Ge-
metzel drei römische Legionen nebst ihrem umfangreichen Troß unterge-
gangen sein sollen, was auch heute noch erhebliche Fundstücke dokumen-
tieren müßten. Gefunden wurde bisher kaum etwas. Hatten die Germanen
alles von den Römern Mitgeführte selbst gut brauchen können, oder muß
gar bezweifelt werden, daß die sogenannte Varusschlacht des Arminius
und seiner Cherusker in der beschriebenen Dimension überhaupt je stattge-
funden hat? Stammt diese Geschichte tatsächlich aus der Zeit des antiken
Roms oder wurde auch sie nur als Teil der von der römisch-katholischen
Machtkirche in Auftrag gegebenen, verfälschten Geschichtsschreibung
künstlich aufgebläht?

Auch die geschichtlichen Germanenschilderungen des Julius Caesar sind


mehr als nur sonderbar. Sie beginnen mit der Schilderung vom linksrheini-
schen Erscheinen und Caesars dortigen Kämpfen mit Sueben und Teilen
anderer Stämme unter Anführung des Ariovist, der doch tatsächlich einem
Hilferuf des keltischen Stammes der Sequaner gefolgt sein und für diese
den Kampf mit Caesars Legionen aufgenommen haben soll. Was die Ger-
manen betrifft, so wird das gesamte Unternehmen zu einem Landsknechts-
unternehmen stilisiert. Mit diesen Caesar zugeschriebenen Schilderungen,
die der römische Geschichtsschreiber Dio Cassius (155 - 225) mehr als
200 Jahre später mit einer detaillieren Schlachtenschilderung ausge-
schmückt hat, wird der gleiche Gedanke, dem bereits die Geschichte der 1.
Völkerwanderung ihren Ursprung verdankt, nochmals bestätigt und ver-
stärkt. Auch Caesars angebliche zweifache, ansonsten aber tatenlos geblie-
bene Brückenbauaktion mit anschließender Überquerung des Rheins ist
nicht dazu geeignet, die Glaubwürdigkeit einer solchen Geschichte zu stei-
gern. Ob es die geschichtlich dann folgenden Militärunternehmungen des
Drusus je gegeben hat, mag dahingestellt sein.
69

Was an den der Varusschlacht folgenden „Strafexpeditionen" des Germa-


nicus verwundert, liegt nicht so sehr in den geschilderten Unternehmungen
selbst, sondern in deren Begründung. So soll dieser doch die Germanen für
die Vernichtung der Varus-Legionen mit mehreren militärischen Streifzü-
gen, die ihn bis zur Elbe vordringen ließen, bestraft (sie.) haben. Solches
Vorgehen widerspricht aber selbst den einfachsten politischen Grundre-
geln, wonach jede militärische Großaktion immer einem politischen Zweck
dient, nach römischem Denken also einer Unterwerfung, einer Integration
zur Ausweitung des Imperiums. Auch die Wiederherstellung einer militäri-
schen Ehre, wie sie als Begründung genannt wird, kann nicht als Begrün-
dung herhalten, denn in einem imperialistischen System hat es den Begriff
der Ehre zu keiner Zeit gegeben, da solchen Systemen der Ehrbegriff völlig
fremd ist. Obwohl die Truppen des Germanicus permanent siegreich wa-
ren, kam es aber zu keiner Unterwerfung der germanischen Stämme. Eine
unrömische, völlig wirre und inkonsequente Politik. Es sei denn, die
Kriegszüge des Germanicus waren nicht zur Strafung unternommen, son-
dern als militärische Machtdemonstration Roms und somit zur Abschrek-
kung der Siedlungsland suchenden Germanen, wie auch zur Feststellung
der Größe der germanischen Gemeinschaft gedacht. Wenn Germanicus
jemals mit großer Streitmacht quer durch das Land der Germanen gezogen
war, so mit Sicherheit nicht aus dem Grund, um die germanischen Stämme
zu strafen. Äußerst beachtlich an diesen römischen Kriegszügen ist aber,
daß, obwohl die germanischen Stämme der römischen Militärmacht nicht
gewachsen waren, Rom immer auf deren Unterwerfung verzichtet hat. Wa-
ren die römischen Feldherrn gegenüber den Germanen mit ihrem Latein am
Ende? Wenn also nicht eine überlegene militärische Gegenwehr, was dann
könnte Roms Politiker zu dem Verzicht auf eine Unterwerfung Germaniens
bewogen haben? Hier könnten die Erkenntnisse des Germanicus, der ja bis
zur Elbe vorgedrungen war, und der selbst dort feststellen mußte, daß die
Stämme, die nach der germanischen Ordnung lebten, sich noch erheblich
weiter nach Osten ausdehnten, ihre Verwendung in den Entscheidungen
der nachfolgenden römischen Politik gefunden haben.

Nachdem nun alle möglichen römischen Feldherrn und Kaiser sich seit
Caesar fast ununterbrochen mit irgendwelchen germanischen Horden oder
auch ganzen Stämmen im Dauerkrieg befunden haben sollen, ist diese
70

Entwicklung, folgen wir der den Römern zugesprochenen Geschichts-


schreibung, mit dem Tode des Kaisers Marc Aurel im Jahre 180 n. Chr.
nachhaltig beendet. Die Germanen hinterlassen in den folgenden Jahrhun-
derten nicht mehr die geringste Spur in der Geschichtsschreibung, was
wohl soviel heißen soll, daß man sich beiderseits mit den herrschenden
Zuständen arrangiert hat. Das hieße aber, daß der germanische Bevölke-
rungsdruck, der bereits im Jahre 130 n. Chr. so drückend war, daß Rom
selbst vor der Errichtung eines baulichen Mammutwerkes wie dem Limes
nicht zurückschreckte, sich in den folgenden 300 Jahren in Luft aufgelöst
hätte. Bis er sich dann in den Wellen der sogenannten 2. germanischen
Völkerwanderung in Bewegung setzte und das römische Imperium liqui-
dierte. Wäre eine solche Geschichte glaubhaft, so müßte davon ausgegan-
gen werden, daß die Germanen über mehr als 15 Generationen in ein
Geburtenkoma gefallen wären. Die Bild-Zeitung könnte vielleicht die
Frage stellen: Haben die Germanen die Pille erfunden?

Wenn wir die Geschichte verstehen wollen, wenn wir die wahren Entwick-
lungen zumindest in ihren Grundzügen finden und entdecken wollen, wozu
wir aber wegen der umfangreichen Fälschungen nicht bei den Fälschern,
der christlichen Kirche und ihrem weltlichen Adel, nachschauen können,
so müssen wir uns eben mit der Gegenseite beschäftigen und die von unge-
bundenen Forschem ausgegrabenen Informationen zu Rate ziehen. Denn
weiterhin liegen zu dem Zeitabschnitt der Germanisierung des weströmi-
schen Reiches und dem angeblich damit verbundenen Aufstieg des Papstes
zu dessen Oberhaupt nur wenige Dokumente vor. Aus heutiger Sicht eine
dokumentenlose Zeit. Dagegen quellen die Dokumente und Schriften der
nachfolgenden Jahrhunderte von nachgewiesenen Fälschungen nur so über.

Schufen die Fälscher des Mittelalters mit ihrer Bibel das Generalwerk
des geistigen Imperialismus? Nur, wann schufen sie diese Bibel? In den
ersten Jahrhunderten nach der Zeitwende, oder wurde die erste Fassung
der Bibel erst im I I . Jahrhundert in Konstantinopel fertiggestellt? War
dieses Werk, die Konstruktion des Christentums, das Meisterstück, mit
welchem sich Denker und Halter der plutokratischen Macht für alle fol-
genden Zeiten fanden ? Oder war es doch etwas anders, schuf sich die ma-
terialistische Herrschafts-Clique, die in Konstantinopel ihre Machtbasis
71

von militärischer Beherrschung auf die Beherrschung des Handels um-


strukturiert hatte, mit dem sogenannten jüdischen Volk eine neue, zuvor
nicht vorhandene völkische Basis zur Verbesserung des eigenen Zusam-
menhalts, der eigenen Machtbasis?

Bitte lassen Sie sich nicht von meinen verschiedentlichen Sprüngen durch
die Geschichte irritieren. Wichtig ist mir, Ihnen den Verlust ihres bisheri-
gen Geschichtsbildes in einer Verrieselungsform zu ermöglichen, will ich
doch niemandem zumuten, daß ihm größte Teile seines „Wissens" wie ein
Klotz vor die eigenen Füße fällt.

Was im Kern an der gesamten christlichen Geschichte - insbesondere den


Evangelien - verwundert, ist ihre eindeutig idealistische Grundlage und
Ausrichtung. Eine Geisteswelt, ein Denken, wie sie allen morgenländi-
schen Kulturen des Mittelmeerraumes nicht ferner hätte liegen können. In
den davorliegenden, Jahrtausende anhaltenden Machtkämpfen der ver-
schiedenen Hochzivilisationen der verschiedenen orientalischen Völker,
Regionen und Städte, die immer materiell und imperial ausgerichtet und
auf militärische Stärke gestützt waren, soll nun tatsächlich ein Idealist mit
Namen Jesus aufgestanden sein? Und dies in einer solch abgerundeten,
kompletten Form, wie es in der Bibel beschrieben ist? In einer Bibel heute
vorliegenden Inhalts (welcher nicht zwingend identisch mit der zuerst ge-
schriebenen Bibel sein muß), in der größte Teile des neuen Testaments,
wenn auch unter anderen Bezeichnungen und unter Verwendung orientali-
scher Geschichten und Legenden, rein germanische Werte und zum Teil
auch Riten enthalten, ja wo sich selbst germanische Sittlichkeit wiederfin-
det. Und damit dieses neue Testament sich nicht zu sehr, wenn auch viel-
fach verklausuliert, als Schriftwerk mit starken germanischen Tendenzen
entlarvt, es gar als germanenfremd bestätigt wird, wurden irgendwelche
alten jüdischen Geschichten entsprechend aufbereitet und mußten als Altes
Testament die orientalische Grundlage für die Geschichten des neuen Te-
staments liefern.

Mit den einwandernden und sich ausbreitenden germanischen Stämmen,


nicht aber von irgendwelchen phantastischen Aposteln, hatten zwar nicht
die (nichtexistenten) urchristlichen, sondern die germanischen Gedanken
72

und Werte sicherlich auch große Resonanz bei den Gebeutelten und Unter-
drückten des römischen Imperiums gefunden. Und sie, die so imperiums-
feindliche germanische Lebensordnung und ihre Werte, wurden zu dem
Bazillus, der Roms Fall brachte - zumindest aber den Rückzug des Imperi-
ums nach Nicomedia bewirkte. Allein, daß dieses über Jahrhunderte insbe-
sondere politisch so erfahrene und erfolgreiche Rom während seiner letz-
ten Jahrzehnte, ja angeblich über seine letzten Jahrhunderte, keinerlei poli-
tische Anstrengung unternommen haben soll, den sich stetig steigernden
Machtverlust aufzuhalten, ist völlig unglaubwürdig. Offensichtlich hatten
sich die Germanen und ihre Werte auch bei den unteren Schichten des
Imperiums so stark verbreitet, daß die Politiker des Imperiums unbedingt
nach einer schnellen Lösung sinnen mußten, wollten sie ihre Macht nicht
vollständig verlieren. Denn das Imperium und seine führenden Politiker
standen unter dem Druck, ihr gesamtes Imperium zerfallen zu sehen und
selbst jede Herrschaft zu verlieren, da immer größere Teile der unterdrück-
ten Schichten Roms sich der germanischen Ordnung zuwandten. So war in
einer frühen Phase der römischen Abwehr ein Germanicus deshalb zu sei-
nen Kriegszügen gezwungen, um die Germanen von einer friedlichen Ein-
wanderung in das römische Imperium abzuschrecken und abzuhalten. Der
zweite Schritt war dann aus gleichem Grund die Errichtung des Limes, um
damit der germanischen Ordnung eine die Rhein-Donaulinie ergänzende
Grenze zu setzen. Damit war das Imperium in einer letzten Phase, als mili-
tärischer Druck und Grenzwall sich als zur dauerhaften Abschottung der
Germanen und ihrer Freiheitswerte ungeeignet gezeigt hatten, gezwungen,
seine Macht durch den Rückzug in geistig urmaterialistische Gefilde zu
retten.

Das römische Reich und seine machtgeilen Imperialisten zitterten vor den
Germanen!

Die Germanen stellten für das römische Imperium die größte nur vorstell-
bare Bedrohung dar! Nur bestand diese Gefahr nicht, wie es christlich-
materialistische Legenden beschreiben, in der überlegenen individuell-
physischen Kraft, in der Körpergröße oder in dem großen kriegerischen
Geschick des Einzelnen. Sie lag im germanischen Wesen und in der physi-
schen Größe und Anzahl der germanischen Stämme, zu deren Ausrottung
73

die militärische Kraft des Imperiums nicht ausreichte (womit den Römern
nicht der politische Wille dazu abgesprochen werden soll).

Wie groß die Furcht der römischen Politiker vor den Germanen war, do-
kumentiert nichts deutlicher als ein Bauwerk, der Limes. Wenn auch nicht
ganz so aufwendig angelegt wie die Berliner Mauer, so war aber auch der
Limes, wenn auch gedanklich seitenverkehrt, aus dem gleichen Grund wie
sie errichtet worden. Im rechten Winkel zum Rhein, der bis an diese Stelle
die gleiche Abgrenzungsfunktion erfüllte, war mit dem Limes ein Grenz-
wall gezogen worden, der Rom vor allem schützen sollte, was aus Germa-
nien kommen konnte. Aber weder die Berliner Mauer noch der Limes wa-
ren dazu angelegt oder dazu geeignet, fremde Militärverbände aufzuhalten
oder ihnen gar ein weiteres Vorgehen unmöglich zu machen. Sowohl mit
dem Limes wie auch mit der Berliner Mauer sollte immer nur verhindert
werden, daß Einzelne oder kleine Gruppen unkontrolliert in den bzw. aus
dem eigenen Machtbereich sickerten. Es war also nicht die Furcht vor ei-
nem militärischen Feind, sondern es war im Falle Berlin die Furcht vor der
„Republikflucht" des Einzelnen, wie es im Falle des Limes die Furcht vor
dem Eindringen eines geistigen Feindes war, die diese Bauwerke entstehen
ließ!

Was die Römer fürchteten, waren nicht die Germanen an sich, sondern es
war die germanische Ordnung und ihre Werte. Das germanische Wesen,
das später als das deutsche bezeichnet wurde, ließ das Imperium erzittern!

Nachdem die Imperialisten Rom und seine Gemäuer verlassen hatten, wo-
mit zwangsläufig auch der gesamte über Südeuropa (sieht man vom Balkan
und Süditalien einmal ab) gelegene Beherrschungsdruck entfiel, konnten
sich in der Folgezeit auch in diesen Regionen die Germanen und ihre Ord-
nung ausbreiten.

Damit könnten wir eigentlich schon an dieser Stelle, zu diesem Zeitpunkt,


die Aufarbeitung der Geschichte abschließen, denn das Gesuchte, die
menschlich-alternativen Grundwerte, welche sich aus dem natürlichen
Leben ableiten, die den Menschen ausmachen und die auch uns heutigen
Menschen wieder die Richtung für unsere Zukunft weisen, haben wir be-
74

reits gefunden. Wenn es auch nicht allein das deutsche Wesen, sondern das
der germanisch-europäischen Lebensordnung war, welches es in seinen
Ursprüngen zu entdecken gab. Ständen da nicht die gravierendsten politi-
schen Fälschungen noch aus, die die Grundstrukturen unseres Geschichts-
bildes erst geschaffen haben, so könnten wir den verbleibenden Rest ei-
gentlich den sogenannten Fachleuten überlassen. Auch wenn wir uns nun
zeitlich noch näher an die Gegenwart heranarbeiten wollen, so wäre das
weitere Denken für jeden Leser erheblich erleichtert, wenn er sich schon
hier dazu entscheiden könnte, sein bisheriges geschichtliches Wissen ein-
fach in die Tonne, zumindest aber an die Seite, zu legen.
75

3.3 Die nachfolgende Zeit mit Karl dem Großen

Nun sind wir tief in den Zeiten geschichtlichen Nebels, wir könnten auch
sagen, wir befinden uns nun in einer Geister- vielleicht eher noch in einer
Gespensterwelt, die annähernd völlig frei zusammenphantasiert ist, und bei
der wir uns fast schon verwundern, wenn wir in diesem Phantasiegebilde
gegen etwas Festes stoßen. Wir kommen in einen Zeitraum, den lllig als
zeitlich frei erfunden dargelegt hat, was letztlich auch zutrifft, da die ge-
samte Geschichte zwischen 200 und 1100 n. Chr. annähernd frei erfunden
ist. Nach der „jungfräulichen Geburt" des Christentums und der Datierung
seiner Entstehung in das Jahr 0, mußte zwangsläufig der gesamte darauf
folgende Zeitraum bis zu dem Zeitpunkt, als die Erfinder sich ihr Christen-
tum erfanden, der eigenen Erfindung entsprechend angepaßt, alles Tatsäch-
liche und Störende mußte „überarbeitet" bzw. ausgetilgt und durch frei
erfundene Geschichten ersetzt werden.

Was nun fast genauso interessant ist wie der „Untergang" Roms, das ist die
Frage: was kam danach? Wie entwickelte sich Europa in den nachrömi-
schen Jahrhunderten, die von der Ausbreitung der germanischen Stämme
und deren freiheitlicher Ordnung bestimmt waren? Einer Ordnung, für die
die zivilisatorischen Erbschaften Roms keine Bedeutung hatten und wo sie
keine Verwendung und auch keine Wartung fanden. Damit verfiel die rö-
mische Zivilisation zwangsläufig. Da aber von dem der römischen Flucht
folgenden, Jahrhunderte andauernden, germanischen Ausdehnungsprozeß
in der offiziellen Geschichte nichts bekannt werden durfte, müssen wir
davon ausgehen, daß die tatsächlichen Entwicklungen, zumindest bis unge-
fähr in das Jahr 1100, völlig ausgetilgt wurden, um den so geschichtslos
gemachten Zeitraum anschließend mit Dokumenten neu aufzufüllen. Me-
rowinger, Karolinger und die Ottonen müssen, zumindest zu den Zeiten, in
denen sie uns heute in der Geschichte begegnen, freie Erfindungen sein.
Schlossen sich die Stämme enger zusammen? Blieb die stammesübergrei-
fende germanische Thingabstimmung trotz der immer weiteren Ausdeh-
nung erhalten? Veränderte sich die germanische Ordnung? Mußte sie an-
gepaßt werden, und wenn ja, dann wie und in welche Richtung? Wann
76

genau und wie irgendwelche Veränderungen erfolgten, das muß als histo-
risch verloren angesehen werden, da die neu geschriebene Geschichte die-
sen Vorgang ja nun unbedingt auch mit dem erfundenen Christentum ver-
brämen mußte. Wenn beides, Christentum und neue Geschichtsschreibung,
in ihren Anfängen aber erst um das Jahr 1050 politisch aufgewertet und 50
Jahre danach erst mit ihrer abendländischen Installation begonnen wurde,
so muß die Suche nach den tatsächlichen Ereignissen während des Zeit-
raums von 200 bis 1100 immer reine Spekulation bleiben, wobei fast jede
Phantasie zulässig ist. Die Details aufzuklären soll aber den wissenschaf-
fenden Fachleuten überlassen werden. Wir wollen diesen Zeitabschnitt nur
kurz so hinter uns bringen, wie er heute vorliegt, wozu wir zu besonders
abwegigen Ereignissen unsere Fragen stellen.

Wer diesen Teil der Geschichte, begonnen mit der „zweiten Völkerwande-
rung" der Wandalen, deren nordafrikanisches Reich 533 - 534 von den
Truppen Konstantinopels zerstört worden sein soll, und der Westgoten, bis
hin zu Karl dem Großen und seinen karolingischen Nachfolgern liest, der
muß von einer Verwunderung in die nächste fallen.

Betrug, Untreue, Verrat, Bestechung, Mord und was es sonst noch an üblen
politischen Untaten geben kann, bestimmt in einer gleichbleibenden An-
einanderreihung den gesamten Zeitraum. Diese auf höchster Ebene der
Herzöge, Könige und Kaiser stattfindenden Machenschaften werden be-
gleitet von einer fast lückenlosen Schlachtenfolge, von der kein Stamm und
kein Volk ausgenommen bleibt, wobei selbst die Stammesbezeichnungen -
nicht unbeabsichtigt - wildchaotisch durcheinander gewirbelt werden. Für
die Kämpfe werden z. Tl. Verlustzahlen angegeben, die bis in die Hundert-
tausende reichen. Das einzig Gleichbleibende ist, daß es immer wieder
germanische Könige, Herzöge und sonstige Edle und ihre Stämme und
Völker sind, die sich hervortun, die massakrieren und massakriert werden.
Was selbst bei einem flüchtigen Überblick auf- oder befällt, das ist das
große Erstaunen darüber, daß überhaupt nur ein Germane dieses Jahrhun-
derte andauernde Gemetzel überlebt hat, daß nicht alle Stämme, so wie
angeblich die Wandalen und Goten, völlig ausgelöscht wurden. Wer allein
die Vielzahl von Schlachten mit welchen Mitteln ausgerüstet haben soll,
wer die Heere womit verpflegt und in den weglosen Gegenden zusammen-
77

gehalten hat, entzieht sich jeder Kenntnis und Vorstellung. Und erst die
germanischen Edlen und Könige! Ein Lump, ein machtgeiler Politganove
folgt dem anderen (obwohl ihnen doch nichts fremder sein mußte als impe-
riale Machtpolitik), wobei es keinem auch nur ansatzweise gelingt, seine
angebliche Macht verwaltungstechnisch auszubauen. Statt dessen wird
betrogen und gemordet, was das Zeug hält. Aber irgendwie bleibt immer
einer übrig. Die, die selbst die übelsten Germanen noch übertreffen, die
kommen dann aus dem Osten. Einmal sollen es die Hunnen gewesen sein,
Jahrhunderte später die Awaren, denen anschließend die Ungarn folgten.
Die beiden Ersten verschwanden aber genauso plötzlich und spurlos, wie
sie aufgetaucht waren.

Auch die Geschichte Konstantinopels hat noch manches Schätzchen aus


dieser Zeit zu bieten. So weiß sie von den Goten zu berichten, deren letztes
Heer unter Teja in Italien 552 von oströmischen Legionen vernichtet wor-
den sein soll, um Italien anschließend als oströmische Provinz zu organi-
sieren, die aber bereits 30 Jahre später durch den Einfall der Langobarden
wieder verloren ging. Kein Wort davon, wo die Goten geblieben waren,
oder wo die Langobarden herkamen. Zumindest wurden mit ihrem Auftau-
chen die italienischen Besitzungen Konstantinopels in Italien auf Ravenna
mit Venedig (beide von den Langobarden bei ihrer Eroberung offensicht-
lich übersehen), Rom, Süditalien und Sizilien beschränkt, welche 584
durch ein Exarchat des Kaisers Maurikios zu einer neuen Verwaltungsein-
heit, mit einem Vizekaiser an der Spitze, zusammengeschlossen wurden.
Mit der Gewinnung der zuvor von den Westgoten beherrschten Südostkü-
ste Spaniens durch Konstantinopel, die bereits im Jahre 552 erfolgt war,
verschwand das Volk der Goten endgültig in den Abgründen der Ge-
schichtsschreibung.

Was an dem vorherigen Absatz eine besondere Beachtung verdient, und


was jeder je mit deutscher Geschichte in Berührung gekommene Leser
unbedingt festhalten sollte, ist der hier genannte geschichtliche Hinweis -
aus welchem Jahr auch immer er datieren mag - daß ein Kaiser in Konstan-
tinopel in einem Dokument festhalten ließ, daß er zur Wahrnehmung seiner
Rechte in Italien seinen Stellvertreter, einen Vizekaiser, eingesetzt hat.
78

In Italien residierte also ein von Konstantinopel abhängiger Vizekaiser,


womit tatsächlich eine real existierende Instanz vorhanden war, der die
späteren Geschichtsfälscher nur noch einen anderen Titel verschaffen
mußten. Sie brauchten den Vizekaiser also nur zum Deutschen Kaiser
umzuschreiben und ihm ein paar in Deutschland spielende Geschichten
anzudichten, oder ihn in tatsächliche Ereignisse, die aber aus einer viel
späteren Zeitepoche datierten, einzubinden, um so nicht nur die Erei-
gnisse und die in ihnen handelnden Figuren um- oder aufzuwerten, son-
dern damit konnte die gesamte geschichtliche Aussage völlig verändert
werden! Die Epoche dieser schein-„deutschen" Kaiser endete mit dem
Tod des angeblichen Staufers Friedrich IL, der dann die kaiserlose Zeit,
bekannt als Interregnum, hinterließ.

Und selbst auf einen germanischen Superstar braucht die frühmittelalterli-


che Geschichte nicht zu verzichten. Aber vielleicht mußte er zu einem sol-
chen hochstilisiert werden, weil nur einem Supermann es je gelingen konn-
te - nicht nur überhaupt den Versuch zu wagen -, die Germanen in kürze-
ster Zeit flächendeckend zum Christentum zu bekehren. Karl Superstar,
genannt der Große.

Eine der wohl lustigsten Nachrichten, die die Geschichte von einem seiner
Nachfolger vermeldet, dürfte wohl die sein, daß Ludwig, genannt der
Fromme, die von Karl, genannt der Große, eingesammelten Sachsenlieder
hat verbrennen lassen. Weshalb? Wohl offenbar, weil er so fromm war.
Nun soll diese lustige Schilderung nicht besagen, daß allein alle Runenstä-
be der Sachsen verbrannt wurden, sondern es soll suggeriert werden, daß
mit den Runenstäben auch das gesamte Wissen(!) der Sachsen verbrannt
wurde. Diese eigenwillige Geschichte liefert bis heute den zentralen Grund
zum Verschwinden allen Wissens aus und von der germanischen Welt.
Manches aber scheint dem Zugriff Karls und der Verbrennung Ludwigs
entgangen zu sein. Wie und auf welchem Wissen sonst hätten Jahrhunderte
später die germanischen Heldenlieder entstehen können? Heidnische Hel-
denlieder, die aber nicht von den Heiden selbst, waren sie doch des Schrei-
bens nicht (mehr) mächtig, aufgeschrieben wurden, sondern die uns von
christlichen Schreibern hinterlassen wurden! Und diese, in nichts so geübt
wie im Fälschen der Geschichte, sollen nun tatsächlich die originalen, un-
79

veränderten germanischen Lieder niedergeschrieben haben? Oder verlang-


ten allein die ansonsten nur auf der politisch-dokumentarischen Ebene
produzierten Fälschungen noch ihre „aus dem germanischen Volk hervor-
gegangene", geschichtlich angepaßte Bestätigung?

Wie die Germanen nach der offiziellen Geschichte dann „bekehrt" wurden,
das soll aus der angeblich von einem Karl dem Großen durchgeführten
„Bekehrung" der Sachsen offenbar werden.

Wenn die reale Existenz eines Überkaisers Karl der Große mehr als nur
zweifelhaft ist, dann müßte die ihm zugeschriebene Umsiedlungsaktion der
Sachsen, mit der die Historiker die Existenz von Ortschaftsnahmen wie
z.B. Sachsenhausen erklären, andere Gründe haben. Wie aber sonst, außer
durch eine Umsiedlungsaktion, könnten Sachsen in Gebiete gelangt sein,
die weit von ihrem eigentlichen Siedlungsraum entfernt lagen? Sind viel-
leicht die Sachsen, die im Zentrum der germanischen Stämme lebten und
daher keinen Randraum zur weiteren Ausdehnung zur Verfügung hatten
(als auf dem Seeweg nach Britannien), ganz einfach auf friedlichem Wege
in freie Räume der anderen Stämme eingewandert? Nur setzt ein solcher
Vorgang allein schon voraus, daß es zwischen den Stämmen Gespräche
und Vereinbarungen (vielleicht sogar eine zentrale Koordination aller ger-
manischen Stämme) zur Lösung der so zentralen und die Gesamtheit be-
treffenden Raumfrage gab, womit allein schon das gesamte Historikerbild
der Germanen zerfällt. Wäre doch dann weder der einem Großteil der
Kriegszüge zugrunde liegende, bodenbezogene Eigentumsanspruch der
Stämme, noch die den Germanen zugeordnete, nach allen weltlichen Gü-
tern gierende Haudrauf-Psychologie zu halten.

Nicht etwa die dem späteren Kaiser Friedrich I. Barbarossa zugeschriebe-


nen Sachsenkriege standen am Beginn der weltlichen Unterwerfung und
der christlichen „Missionierung" der ostrheinischen Gebiete, sondern be-
reits im Jahre 772 soll es der Frankenkaiser Karl der Große gewesen sein,
der diese Leistung vollbrachte. Wie? Das ist in den lateinisch geschriebe-
nen, fränkisch-christlichen Annalen festgehalten. Ohne daß ein politischer
Grund genannt wird, wird der faktische Ablauf des ersten Kriegszuges in
vier Phasen dargestellt: Einnahme der Eresburg, Zerstörung der Irminsul,
80

der Zug zur Weser und der Rückmarsch nach Frankreich. Dies also soll im
Ergebnis dann der erste Schritt zur christlichen Bekehrung der Sachsen
gewesen sein, was im machtpolitisch-weltlichen Sinne nichts geringeres
bedeutet, als daß die zuvor herrschende idealistisch-freiheitliche Lebens-
ordnung völlig vernichtet und durch eine neue materialistisch-christliche
Ordnung abgelöst wurde. Eine solche grundlegende Umgestaltung der
Stämme erreicht zu haben und dabei nicht etwa Besatzungstruppen und
neue Adelshierarchien zurückgelassen zu haben, war vielleicht einer der
Gründe dafür, daß Karl als der Große in den Geschichtsbüchern steht.
Denn solches ist schlichtweg unsinnig. Jeder Krieg, der immer nur eine
Form imperialistischer Politik war und ist, dient auch immer der Verfol-
gung eines politischen Ziels. Und das Ziel jedes Krieges liegt entweder in
der eigenen Bestandssicherung oder generell in der Gewinnung von Beute,
in welcher Form auch immer. Wie aber schon aus der tatsächlichen römi-
schen Geschichte nachverfolgt werden kann, ist ein Nebeneinander von
Materialismus und Idealismus nicht möglich! Auf Dauer muß die materia-
listische Welt immer zerfallen, was nicht etwa an einer materialistisch-
militärischen, sondern an der geistigen Überlegenheit der dem natürlichen
menschlichen Lebensanspruch so entgegenkommenden Werte einer ideali-
stischen Ordnung liegt. Der Grund für den Kriegszug Karls des Großen
gegen die Sachsen konnte also immer nur in der Vernichtung der nachbar-
schaftlichen idealistischen Lebensordnung liegen, sollte sein materialisti-
sches Reich nicht nur von kurzer Dauer bleiben. Was an dem ersten
Kriegszug zunächst erstaunt, ist das Fehlen jeder größeren Gegenwehr.
Kein nennenswertes Heer stellte sich Karl entgegen, die Sachsen verkro-
chen sich in ihrer Eresburg (eine Wallburg, nicht zu verwechseln mit den
nach Barbarossas Sachsenunterwerfung errichteten, aus Stein gemauerten
Zwingburgen), die maximal 10.000 Menschen Platz bot, nach deren Ein-
nahme die sächsische Gegenwehr dann weitgehendst erloschen war, so daß
sie selbst ihre zentrale Kultstätte, die Irminsul an den Externsteinen, nicht
mehr schützen konnten. Nach dem Zug an die Weser war Karl und der
Kriegsspuk dann auch schon beendet. Keine Besatzungstruppen, keinen
neuen Adel, keine Verwaltung, nur fromme Mönche und neugegründete
Klöster hatte er zurückgelassen. Wie groß muß jemand sein, um solchen
politischen Unsinn zu treiben und wie närrisch der, der solches aufschreibt,
ganz zu schweigen von all denen, die solches als Historie ansehen? Da die
81

tatsächliche Eroberung und damit natürlich auch die herrschaftspolitische


Unterwerfung der germanischen Gebiete erst im 12. Jahrhundert unter dem
italienischen Vize-Kaiser Barbarossa bedingt abgeschlossen wurde, was
später dann zur Reaktion auf einen Aufstand der Sachsen umgedeutet wur-
de, durfte die 400 Jahre zuvor in die Geschichte implantierte Phantasiege-
stalt Karls des Großen nur so unsinnig handeln, wie sie heute in den Ge-
schichtsbüchern steht. Wie sonst hätte, trotz der dem fränkischen Feldzug
von 772 folgenden 30-jährigen Sachsenkriege Karls des Großen, sich selbst
nach 400 Jahren praktiziertem Christentum noch ein Aufstand zusammen-
finden können?

Aber das tatsächlich wichtige säkulare Ereignis für die germanischen


Stämme soll bereits im Jahre 490 stattgefunden haben, als der salische
Frankenkönig Chlodevech (Chlodwig) in einer rein politischen Aktion den
orthodoxen katholischen Glauben annahm. Eine Glaubensform, die über
die Verketzerung Andersgläubiger nicht nur allen katholischgläubigen
Eroberern und Unterdrückern die Rechtfertigung für ihre Eroberungen und
Unterdrückungen lieferte, sondern die eine solche Art der Machtausübung
erst forderte (obwohl die Trennung von orthodoxer und katholischer Kir-
che ganz andere Gründe hatte). Was an diesem erstaunlichen Ablauf insbe-
sondere verwundert, ist, daß Chlodevech mit seinen Franken bereits zuvor,
also vor seiner christlichen Bekehrung, große Teile des römischen Galliens
besetzt und erst anschließend den neuen Glauben angenommen haben soll.
Im Gegensatz zu allen vorherigen „Wanderungen" germanischer Stämme
wäre der Zug Chlodevechs damit zum ersten germanischen Kriegszug zur
Landgewinnung geworden, der dann noch vor der Übernahme des neuen
Glaubens um ergänzende imperialistische Feldzüge gegen die Alemannen
und die Thüringer ausgeweitet wurde. Eine erstaunliche Entwicklung, al-
lein daß deren Reihenfolge nicht zutreffend sein kann. Setzt doch schon die
Vertretung imperialistischer Ideen und Gelüste voraus, daß germanische
Werte und germanisches Denken abgelegt und durch christlich-
imperialistische Werte ersetzt worden waren. Mit welchen Betrügereien
hätte die zuvor imperialistisch bekehrte Führungsriege um Chlodevech die
fränkischen Stämme zu diesen Kriegszügen verleiten können, wenn nicht
mit dem Christentum? Oder waren erfolgreiche Raub- und Beutezüge das
einzige, das zentrale Bekehrungsinstrument des römischen Christentums,
82

womit wir dann aber direkt in der Spätzeit der „Kreuzzüge" landen wür-
den? Wer die Flucht des römischen Imperiums und die Aufgabe Roms als
historische Tatsache kaschiert, der ist auch gezwungen, die gesamte nach-
folgende Geschichte neu zu schreiben. Und eine der wichtigsten Korrektu-
ren mußte dabei immer die sein, die germanische Lebensordnung nicht
geschichtlich werden zu lassen. Damit war die Geschichtsfälschung auch
gezwungen, schon sehr frühzeitig, möglichst direkt nach dem angeblichen
Untergang Roms, die Geburtsstunde eines christlich-europäischen Imperi-
al-Adels erfolgen zu lassen.

Deutlicher noch als in der heute bekannten Geschichte der Franken zeigt
die Besetzung Englands durch Friesen und Angelsachsen das Zusammen-
spiel zwischen der römischen Aufgabe des europäischen Teils ihres Impe-
riums und der Ausweitung des Germanentums. Bevor die beiden germani-
schen Stämme der Sachsen und der Friesen in England landeten - deren
Vorläufer die Wikinger waren, für deren Geburtenüberschuß aber die allei-
nige Besiedlung Schottlands ausreichte -, hatte Rom rechtzeitig seine Le-
gionen (angeblich erst um 410 n.Chr.) von der Insel zurück und für die
Flucht an sich gezogen, was in England erst die Voraussetzung für das
Einsetzen einer germanischen Besiedlung schuf. Nur dürfte diese Besied-
lung schon sehr bald nach der Aufgabe der Stadt Rom begonnen worden
sein und sich zur dauerhaften Ableitung des bei den Angeln und anderen
nördlichen Stämmen anfallenden Geburtenüberschusses lange Zeit fortge-
setzt haben. Wie die Friesen und Franken ihre Siedlungsräume nach We-
sten ausdehnten, die Markomannen und Sueben nach Süden, so mußten die
nördlichen Sachsen und Angeln, denen der Weg in alle anderen Richtun-
gen versperrt war, eben die offene See und die englische Insel nutzen. Und
andere, die an der Ostsee und in Rußland wohnten und denen nun aber
auch alle Wege versperrt waren, wollten sie nicht noch weiter in den kli-
matisch ungünstigeren Osten ziehen, die mußten permanent Teile ihres
Volkes in kleinen Gruppen in völlig neue Regionen führen, wie es die Go-
ten und Wandalen taten. Ob es sich bei den in Norditalien ansässig gewor-
denen Langobarden um einen eigenständigen Stamm oder doch nur um
Nachkommen der Goten handelte, mögen andere erforschen.
83

Was Karl der Große bei den Sachsen mit über 30 Jahre anhaltenden
Kriegszügen vollbracht haben soll, das schaffte der irische Mönch Bonifa-
tius mit weitaus geringerem Aufwand bei den Chatten. Zu deren Bekeh-
rung war nicht viel erforderlich. Es reichte völlig aus, daß er eine dem Thor
geweihte Donar-Eiche fällte. Und schon waren freie idealistische Germa-
nen freudig bereit, künftig, gegen besseres Wissen, christlich zu glauben
und gute materialistische Knechte zu sein. Man muß es nur glauben.

Wie widersinnig das gesamte heutige Geschichtsbild aufgebaut ist, bestä-


tigt sich schon aus dem Fehlen jeder allein technischen Möglichkeit, die
Germanen großflächig zu missionieren. Das Germanien der frühen damali-
gen Zeit, ohne große Städte, ausschließlich aus dörflichen Familienverbän-
den bestehend, die, eingebunden in ihren Stamm, über größte Teile des
europäischen Raums verteilt waren, hätte eine ganze Heerschar von Mis-
sionaren erfordert. Die „Missionierung" hätte sich nicht nur über Jahrhun-
derte hingezogen, sondern hätte, wird den Missionaren nicht ein permanen-
ter militärischer Schutz beigestellt, sehr schnell ihr Ende mit dem Ableben
der Missionare gefunden. Nach dem heutigen Geschichtsbild aber soll es
völlig ausgereicht haben, daß ein Karl der Große bei den Externsteinen die
Irminsul - das Abbild des germanischen Weltenbaumes - hat zerstören las-
sen, um sofort einige Tausend Sachsen zur Taufe zu bewegen (was besagen
soll, daß sie damit auch sofort und umgehend ihre uralte Ordnung und alles
darauf Aufbauende abgelegt hätten und nun fromme und imperialistisch
brauchbare Christen geworden waren), während andere Tausende hinge-
metzelt wurden, und schon soll das Land bis ins letzte Dorf zum christli-
chen Glauben bekehrt gewesen sein. Solches ist einfach unmöglich und
noch nicht einmal als Märchen zu gebrauchen. Und nicht nur das. Mit dem
christlichen Glauben war nun einmal immer eine völlige Änderung aller
germanischen Werte und Lebensordnung verbunden. Doch selbst die alte
germanische Rechtsordnung herrschte in verschiedenen Teilen Deutsch-
lands noch bis weit ins 16. Jahrhundert, bevor sie auch dort endgültig
durch neues, päpstlich-römisches Recht abgelöst wurde. Es war in der da-
maligen Situation die Bekehrung eines Volkes mit der dazu unbedingt er-
forderlichen, dauerhaften geistigen Bearbeitung, insbesondere aber einer
begleitenden militärisch-physischen Gewalt, doch immer nur über Jahr-
hunderte möglich. Vergleicht man nun die Konsequenzen aus dem christli-
84

chen Glauben mit der bestehenden germanischen Ordnung und ihrer My-
stik, so muß sich jeder fragen, welcher Vorteil einem freien Germanen aus
dem christlichen Glauben je hätte entstehen können. Letztlich keiner, nicht
der allergeringste, wobei das Fatalste für jeden freien Germanen der im-
merwährende Verlust seiner Freiheit sein mußte. Also, eine Ausbreitung
des christlichen Glaubens konnte (nicht nur in allen anderen Regionen
unserer Erde, sondern auch bei den Germanen) niemals ohne weltliche
Gewaltanwendung erfolgen! Nur fehlte einer solchen in der nachrömischen
Zeit jede Voraussetzung.

Wo die christliche Kirche von keiner weltlichen Gewalt dauerhaft unter-


stützt werden konnte, da war auch keine christliche Missionierung mög-
lich!

Und diese weltliche Gewalt stand der christlichen Kirche erst Jahrhunder-
te, ja, geht man vom 3. Jahrhundert aus, erst fast 800 Jahre später zur Ver-
fügung.

Was dieses Germanentum für uns Heutige so interessant macht, ist nicht
nur das Fehlen aller imperialistischen Werte und Ansprüche, sondern ist
die darüber hinaus von ihrer Weltanschauung und gelebten Ordnung aus-
gehende Gefährdung jeder Art imperialistischer Fremdherrschaft und Un-
terdrückung. Mit noch immer dem gleichen, schon den Germanen so frem-
den, Imperialismus und seinem christlichen Zwangs- bzw. Weltanschau-
ungsglauben müssen wir uns auch heute noch herumschlagen. Uns also ist
es vorbehalten, das zu leisten, was den Germanen und ihren europäischen
und deutschen Nachfahren, trotz der riesigen Opfer, nicht vergönnt war zu
erreichen, soll es jemals gelingen, daß wieder freie Menschen diese Erde
bewohnen dürfen.
85

3.4 Die Anbahnung der geschichtlichen Wende

Aber zurück in die uralten Zeiten. Denn hier nähern wir uns dem Span-
nungszentrum des gesamten gefälschten Geschichtsbildes.

Äußerst interessant ist die gültige Darstellung der Kirchenhistoriker zu den


angeblich frühesten Zeiten der christlichen Kirche. Gehen doch diese Hi-
storiker bis heute davon aus, daß zunächst der oströmische Kaiser es war,
der parallel auch die Funktion des pontifex maximus, des Oberpriesters der
christlichen Kirche, übernommen hatte. Wie und wann mag dieser kaiserli-
chen Zweitfunktion wohl ihre Ausreise in die Verselbständigung nach Rom
gelungen sein? Den genauen Zeitpunkt des Kaiser-Papst-„Exports" werden
wir später erreichen. Und zwar zu dem Zeitpunkt, an dem nun selbst der in
Konstantinopel residierende orthodox-christliche Kaiser-Patriarch von
seinen „Schülern" politisch-konzeptionell ausgetrickst wurde.

War er (der „deutsche", eigentlich der in Süditalien residierende oströmi-


sche Vize-Kaiser des 10. und 11. Jahrhunderts) also tatsächlich der heute
dargestellte Herrscher ohne Herrschaftssitz, ein Kaiser, der rastlos durch
sein Reich reisen mußte, bestenfalls noch von Zwingburg zu Zwingburg
(auch Pfalz genannt), weil der „arme Kerl" keinen festen Stammsitz, kein
Zentrum in seinem Reich hatte? Mußte er vielleicht deshalb reisen, weil
eine Verwaltung von seinem Stammsitz, von Italien aus, in der Praxis nicht
funktionierte, weil, sollte die christliche Macht hergestellt werden, diese
durch den kaiserlichen Heerführer auch immer und überall präsent sein
mußte, oder exakter: weil es ein deutsches Reich noch gar nicht gab, das
Deutsche Reich erst erobert, bzw. bekehrt (was beides das Gleiche ist), die
Verwaltungsstrukturen erst aufgebaut werden mußten? Hatte das „deut-
sche" Kaisertum seinen Ausgangspunkt im (ost-)römischen Italien - an
dessen nördlichstem Punkt die Ruinen des alten verlassenen Roms lagen -
um von dort aus das freie, ach so unchristliche Europa zu unterwerfen?
War zuerst der (Vize-)Kaiser da, der sich sein (deutsches) Kaiserreich erst
erobern/bekehren mußte? War der (Vize-)Kaiser entsandt worden, um sich
selbst, und damit auch seinem (ost-)römischen Auftraggeber, einen Teil der
86

freien Germanen Europas zu unterwerfen? Offensichtlich fehlten den frü-


hen „deutschen" Kaisern die Machtmittel, eine eigene, weltliche Verwal-
tungs- und Beamtenstruktur aufzubauen. Strebten die deutschen Herzöge
allein deshalb nach stetiger eigener Machterhaltung und -Steigerung, weil
sie sich der römischen Kaiser-Herrschaft widersetzten? Ist folglich die
gesamte mittelalterliche Geschichtsschreibung auch in dieser Beziehung
vollständig verfälscht? Ist dieses Bild sogar soweit verfälscht, daß selbst
die Fragen falsch gestellt sind, weil sie sich noch zu sehr am gültigen Ge-
schichtsbild orientieren? Wurden tatsächlich in der Zeit des Humanismus,
der Renaissance, fast alle heute erhaltenen Schriftstücke der vorherigen
Jahrhunderte und des antiken Roms „überarbeitet" bzw. völlig neu erstellt,
wie es zuerst Wilhelm Kammeier wissenschaftlich umfassend nachgewie-
sen hat? War die Renaissance nicht nur als Wiedergeburt des Altertums
von Rom aus inszeniert, sondern wurde sie auch zur Zeit der (über eine
umfassende Fälschung und Anpassung aller vorliegenden Dokumente und
Schriften) „Neugeburt" des Mittelalters und somit der gesamten Geschich-
te vom Aufstieg der katholischen Machtkirche und des Kaisertums zur
Unterwerfung der germanischen Stämme? Fragen ohne Ende. Fragen, die
sich einzig aus dem zusammengefälschten, heute gültigen, Geschichtsbild
stellen.

Um es schon hier vorweg zu nehmen: Bis zum Jahre 1250 hat es weder
einen deutschen Kaiser noch vor dem Jahre 1307 einen katholischen Papst
gegeben. Während das Amt eines Deutschen Wahlkaisers erst um das Jahr
1250 entstanden sein kann, nachdem sich der (ost-)römische Imperator in
Konstantinopel um 1050 zum christlich-orthodoxen Gottesstellvertreter
ernannt hatte, der dann zur Durchsetzung seiner machtpolitischen Ansprü-
che seinen in Italien residierenden Vize-Kaiser zur Eroberung und Unter-
werfung der östlich von Frankreich liegenden mitteleuropäischen Regionen
autorisierte, ist der Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens eines rechtgläubi-
gen, eines katholischen Papstes um das Jahr 1307 zu datieren. Für den
Zeitraum nach Karl dem Großen, in dem wir uns hier bewegen, gilt dem-
nach, daß die Ottonen und ihre Geschichten nichts anders als ein Produkt
freier Kreativität, sie also frei erfunden sind.
87

Was es danach tatsächlich gegeben hatte, das waren die seit 1100 über 150
Jahre anhaltenden Versuche des in Norditalien, stellvertretend für den kon-
stantinopler Kaiser-Papst, residierenden politischen Konglomerats aus
weltlicher und christlich-geistlicher Macht, das alles nur erdenkliche un-
ternommen hatte, um die zwischenzeitlich politisch abgespaltenen Deut-
schen Stämme seinen imperialen Interessen und denen seines Auftragge-
bers zu unterwerfen. Ob die Anführer dazu als (Vize-)Papst und (Vize-
)Kaiser auftraten, mag dahingestellt sein.

Machen wir einen zeitlichen Sprung. Was heute mit absoluter Sicherheit
feststeht ist, daß ausschließlich die christliche Kirche und ihre geistlichen
und weltlichen Helfershelfer es waren, die uns alle Dokumente und Schrif-
ten zur Zeit des Mittelalters hinterlassen haben. Und jede machtpolitische
Organisation, wie es die installierte Papstkirche und ihr christlicher Kaiser
immer war, hinterläßt immer nur ein solches Bild von ihrer Zeit, auf dem
beide auch künftig ihren Machtanspruch rechtfertigen können. Da auch die
weltlichen Herrscher diese von der katholischen Kirche durchgeführte
Riesenfälschung weder verhindert, noch zu irgendeinem späteren Zeitpunkt
aufgedeckt haben, so muß daraus geschlossen werden, daß nicht nur die
christliche Priesterorganisation, sondern auch die weltlichen Herrschafts-
strukturen von der Fälschung profitiert haben, sie also diese Fälschungen
zur Rechtfertigung des eigenen Herrschaftsanspruchs ebenfalls unbedingt
benötigten.

Da sowohl der Vize-Kaiser und als auch der orthodoxe Vize-Papst irgend-
wann installiert wurden, d.h., machtpolitisch „in die Welt gesetzt wurden",
es sich also bei beiden um eine von einer zentralen Macht geschaffene
Schöpfung handelt, zu deren gemeinschaftlicher Herrschaftsgrundlage und
-rechtfertigung die Bibel und die darin postulierte christliche Heilsge-
schichte erfunden und niedergeschrieben worden war, so stellt sich direkt
die Frage nach dem Urheber und dessen Gründen. Wenn wir die Schöpfer
dieses Duos suchen, so können zur Auswahl nur die Mächte stehen, die in
diesem Zeitraum außerhalb der germanischen Wertegemeinschaft bestan-
den, und die sich die Kräfte des germanischen Europas unterordnen und
verfügbar machen wollten. Wie aus den kommenden Kreuzzügen ersicht-
lich, so gab es deren zwei. Die aufstrebenden norditalienischen Stadtstaa-
88

ten mit Venedig an ihrer Spitze und das in Konstantinopel residierende


uralte römische Imperium, dessen Machtgebiet in Europa noch immer die
Brückenköpfe Süditalien (incl. der Ruinen Roms) und den Balkan ein-
schloß. Nur eine dieser beiden Mächte kann die Grundidee zur Eroberung
und Unterwerfung Europas entwickelt haben. Verfolgt man die Entwick-
lung der Kreuzzüge, wobei wir davon ausgehen, daß diese zwar umgedeu-
tet wurden, verschiedene Züge zumindest in Teilen aber stattgefunden ha-
ben, so rückt allein das zuvor durch den permanenten Verlust seiner Pro-
vinzen und Handelsplätze gebeutelte und in seiner Residenz Konstantino-
pel durch die dem islamischen Glauben verbundenen Araber, und dann 300
Jahre(!) später durch die Turkstämme der Seldschuken, stark bedrohte (ost-
) römische Imperium bei unserer Suche zentral in den Vordergrund.

Auch zu Venedig, des ersten und führenden der neu-materialistischen nord-


italienischen Stadtstaaten, läßt sich einiges anmerken. Wenn unterstellt
wird, daß auch in das durch Goten/Langobarden besiedelte Norditalien die
germanische Ordnung eingezogen war, diese aber jede Stadtbildung aus-
schloß, so stellt sich die Frage, wer denn nun den Anstoß für die Entste-
hung Venedigs und der anderen Stadtstaaten gegeben haben mag. Auch
hier wendet sich unser Blick sofort wieder nach Konstantinopel. Einem
Konstantinopel, das in den vorausgegangenen Jahrhunderten seine materi-
elle Wohlstandsschöpfung immer weiter von antik-provinzieller Tributzah-
lung auf Handelsgewinnabschöpfung umgestellt hatte. Und nichts anderem
als dem Handel und seiner geographischen Lage verdankt Venedig seinen
Aufstieg und Reichtum. Von der Lage her war Venedig die seeseitig am
weitesten nach Norden vorgeschobene Anlegestelle im germanisierten
Europa. Und es wurde, in dieser Anlage wohl einmalig, nicht etwa auf
fruchtbarem Boden errichtet, sondern fand seine Anfänge auf Pfahlbauten
inmitten einer landwirtschaftlich uninteressanten Lagune. Wurde Venedig
so zur ersten, möglichst weit nach Norden vorgeschobenen, europäischen
Filiale Konstantinopels? Wenn dem so war, dann erledigt sich jede Urhe-
berforschung ganz von selbst, dann bleibt nur noch eine Macht, nämlich
die der in Konstantinopel und Venedig residierenden oströmischen Händ-
ler-Plutokraten.
89

Allein aber schon die Entscheidung, sich mit Venedig einen ersten Han-
dels-Stützpunkt in dem Teil Europas aufzubauen, dem man nichts anzubie-
ten hatte und das seine Produkte selbst benötigte, weist nun darauf hin, daß
im Morgenland Entwicklungen eingetreten waren, die sich in ihrer Konse-
quenz auch auf das germanische Abendland auszuwirken begannen.

Das in Konstantinopel residierende römische Imperium, oder exakter:


die es beherrschenden Händler-Plutokraten, sahen sich einer aus Süden
kommenden Bedrohung ausgesetzt, zu deren Bekämpfung sie neben
ihren so erfolgreichen politischen und wirtschaftlichen Machtmitteln
eine neue geistige Stütze brauchten. Und sie brauchten noch manches
mehr.

Mit jedem weiteren Verlust einer Stadt, einer Region oder Provinz an die
mit fanatischem Eifer anstürmenden Scharen des islamischen Propheten
(oder dürfen wir jetzt schon sagen: an die über den islamischen Glauben
fundierten arabischen Wirtschaftskonkurrenten?) wurde die Lösung dieses
Problems dringlicher. Eine der südlichen Mittelmeerprovinzen, eine Han-
delsniederlassung, ein Markt nach dem anderen, ging dem (ost-)römischen
Imperium verloren. Wann Konstantinopel und seine Plutokraten, mangels
imperialen Handelsplätzen, zur völligen Bedeutungslosigkeit herabsinken
würden, war nur noch eine Frage der Zeit. Nach der heutigen Geschichts-
schreibung sollen diese Ereignisse im Jahre 641 begonnen und sich bis
zum Jahre 942 hingezogen haben, was aber wenig mit der Wahrheit zu tun
haben muß. Wenn das orthodoxe Christentum erst um das Jahr 1100 in
Europa auftauchte und allgemein sichtbar seine erste, unverfälschbare
Spur, den ersten Nachweis seiner tatsächlichen Existenz, hinterließ, so
kann seine Erfindung - in ihrer politisch bedeutsamen Form - nicht Hunder-
te von Jahren zuvor erfolgt sein.

An dieser Stelle wollen wir nun nochmals die schon genannten, von Dr.
Illig gefundenen, 300 Gespensterjahre in Ansatz bringen. Was spricht da-
gegen, daß die christlichen Fälscher im Bezug auf das Abendland diese 300
Jahre in den Untergangszeitraum des weströmischen Imperiums einfügten,
also den Zeitraum 200 - 500 der Zeitrechnung hinzufügten, wogegen die
gleichen 300 Jahre in der Geschichtstabelle des Morgenlandes erst den
90

Zeitraum von 750 - 1050 ausfüllen? Also: während die Geschichte des
Abendlandes um den Zeitraum 200 - 500 gestreckt wurde, was an sich aber
belanglos war, da sowieso alles frei zu erfinden war, wurde die gleiche
Zeitspanne im Morgenland erst in den Zeitraum 750 - 1050 eingefügt! Mit
diesem Kunstgriff konnte in jeder der beiden Regionen ein ganz spezifi-
sches Problem gelöst, bzw. eine ganz besondere Notlage des konstantinop-
ler Imperiums verschleiert werden:

1. Im Bezug auf die Zeitrechnung des Abendlandes schuf dieser


Kunstgriff der Hinzufügung der Konstruktion der erfundenen Un-
tergangsgeschichte Roms den benötigten Zeitraum.

2. Im Bezug auf die Zeitrechnung des Morgenlandes sollte mit der


zeitlichen Verzerrung der direkte Zusammenhang zwischen der aus
einem wirtschaftlichen Freiheitskampf erwachsenen islamischem
Bedrohung des (ost-)römischen Reiches und dessen kurze Zeit spä-
ter, unter dem Schleier des erste Spuren hinterlassenden Christen-
tums, sich abzeichnenden, nach Europa gerichteten Absetzbewe-
gungen aus jedem sonst leicht erkennbaren Zusammenhang gelöst
werden. Zum zweiten Male nach der Flucht aus Rom mußte das
imperialistische Übel einen Ortswechsel vollziehen, wozu es sich
zunächst die norditalienischen Handelsstädte errichtete.

Denn, wenn davon ausgegangen wird, daß das Christentum eine politische
Schöpfung ist, daß jede politische Schöpfung auch einen Anlaß haben muß,
daß dieser Anlaß nicht etwa in den Erfolgen der gegen das römische Impe-
rium vorwärtsstürmenden Scharen glaubensfanatisierter islamischer Krie-
ger lag, sondern einzig im Verlust der int Orient gelegenen Handelplätze
zu sehen ist, so müssen sowohl die sichtbaren Zeugnisse dieser Erfolge -
wie sie in den Verlusten der römischen Provinzen und Handelsniederlas-
sungen zum Ausdruck kamen -, als auch die Schaffung des Christentums
und dessen Export nach Europa, zwecks Gewinnung abendländischer
Söldner, in einem direkten zeitlichen Zusammenhang stehen.

Wenn wir hier von religiösen Erfindungen sprechen, so ist dies nicht so zu
verstehen, daß damit etwas erstmalig überhaupt nur in die Welt gesetzt
91

wurde und zuvor nirgendwo vorhanden war, sondern die Erfindung liegt in
dem neuen politischen Wert, der einer Sache oder, wie im Falle des Juden-
oder Christentums, einer Lehre gegeben wird. Im Bezug auf das Christen-
tum ist unter dessen Erfindung also nicht zu verstehen, daß es nicht bereits
zuvor kleine oder auch größere Gruppen und Gemeinschaften gab, die sich
Christen nannten und einen Gott Jehova anbeteten. Solche mag es selbst
schon seit Jahrhunderten in Orient gegeben haben. Ihnen fehlte „vor ihrer
Erfindung" aber zu allen Zeiten jegliche politische Bedeutung und Wirk-
samkeit. Und dies völlig unabhängig davon, welche Inhalte diese Lehre
zuvor hatte. Unter Erfindung ist bei unserer Betrachtung also nicht so sehr
die absolut erstmalige Erscheinung, sondern die Auf- bzw. Umwertung der
Lehre zu verstehen, insbesondere aber die Nutzung dieser Lehre als politi-
scher Machtfaktor, mit der eine Glaubenslehre zur politischen Weltan-
schauung wird, womit sie überhaupt erst ihre politische Relevanz erlangt.

Wenn das Christentum in Konstantinopel erfunden wurde, so mußte es,


allein bedingt durch die Situation, in der sich das (ost-) römische Imperium
damals befand, immer zweischneidig konstruiert worden sein, d.h., seine
ursprüngliche und zuerst geschmiedete Schneide muß gegen den Islam
gerichtet gewesen sein, der erst dann, als diese sich als zu stumpf gezeigt
hatte, eine in die germanisch-europäische Richtung weisende zweite
Schneide hinzugefügt wurde. Damit wäre die schöpferische Aufrichtung
des Christentums auf dem Grundgedanken entstanden, den römischen Kai-
ser parallel zum Oberhaupt eines frisch erfundenen christlichen Glaubens
zu erheben, der, da er sich direkt auf den Sohn des islamischen Gottes be-
rief, daraus auch einen Anspruch auf die Führerschaft aller Islamgläubigen
erheben konnte. Und erst, als diesem Konzept jede machtpolitische Wir-
kung auf den Islam versagt blieb, wurde das Glaubenskonzept verselbstän-
digt und dahingehend abgewandelt, um sich mit diesem Mittel das Abend-
land „in Dienst" zu stellen. Damit hatten die, deren Vorgänger einst vor der
germanischen Weltanschauung geflohen waren, nun eine neue Strategie
gefunden und aufgebaut, mit der sie die germanische Welt endlich bezwin-
gen und unterwerfen konnten, um dann, mit der so hinzugewonnenen
Macht über die germanischen Menschen, nicht nur gegen alle orientali-
schen Bedrohungen vorgehen und bestehen zu können, sondern auf einem
so erweiterten Machtfundament wieder in alt-römischen Dimensionen neu
92

aufblühen zu können. Keine andere damals existierende Macht benötigte


eine umfassende Lösung ihres Existenzproblems dringender als das alte,
uralte, in Konstantinopel residierende römische Plutokraten-Imperium.
Nicht nur ein neuer, ihrem Imperialismus förderlichen Glaube, dessen ori-
entalische Grundlage zuvor mit den den Germanen vertrauten Werten
durchtränkt werden mußte, wurde von äußerst klugen Leuten erdacht und
zusammengeschrieben, die dabei ihrem schöpferischen Denken keinerlei
Grenzen setzten. Welchen Ursprungs und Geistes diese klugen Leute ent-
stammten, die den herrschenden Plutokraten Konstantinopels ihre Dienste
anboten und sowohl das christliche Glaubenskonzept als auch dessen Un-
terlage, die Bibel, schufen, das zeigt nichts deutlicher als das Werk selbst.
So sollte man auf den ersten Blick zumindest meinen.

An dieser Stelle wollen wir unserer Skepsis den letzten Zügel frei geben
und, vielleicht etwas neben dem Thema, fragen: kann es zu der damaligen
Zeit einen größeren jüdischen Volkskörper überhaupt noch gegeben haben,
oder mußte die aus allen Völkern zusammengewürfelte, das (ost-)römische
Reich beherrschende, plutokratisch-materialistische Händlerkaste nicht nur
das Christentum erfinden, mußte es vielleicht auch, allein schon zur Ver-
besserung der eigenen Position wie auch des eigenen Zusammenhalts, sich
selbst als „altes" Volk erfinden, wozu man sich zu Nachkommen eines
längst in der Geschichte untergegangenen israelischen Volkes stilisierte?

Zunächst aber wollen wir danach suchen, was sich allein aus dem christli-
chen Konzept selbst ableiten läßt. Es war ein Konzept von einer solch rie-
sigen Dimension und einem solchen Selbstbewußtsein, daß dazu eine
Machtkonzentration vorhanden gewesen sein mußte, die sich unter nüch-
ternster politischer Einschätzung eine Realisierungschance ausrechnen
durfte, solches überhaupt vorzunehmen. Denn bereits zur damaligen Zeit
muß allen an diesem Konzept Beteiligten völlig klar gewesen sein, nicht
nur, was mit diesem Konzept kurzfristig angestrebt wurde, sondern auch,
welche Konsequenzen sich langfristig daraus ergeben mußten. Die direkte-
ste Konsequenz war, daß die herrschenden Plutokraten abtauchen mußten,
um als Mitglieder eines frisch aus der Taufe gehobenen jüdischen Volkes
neu aufzutauchen. So, wie sie gezwungen waren, die vorangegangenen
93

Zeiten mit einem völlig neu zu schaffenden Gemälde zu übertünchen, so


mußten sie in der Folgezeit sich selbst übertünchen.

Nur, was noch weitaus bedeutsamer war, das waren die langfristigen Aus-
wirkungen ihres Konzeptes. Und diese waren nichts Geringeres, als daß
diese Gruppe zur Erhaltung bzw. Erfüllung ihrer eigenen materialistischen
Machtgier und Beherrschungssucht sich dazu entschlossen hatte,

die gesamte Menschheit ihrer materialistischen Herrschaft zu


unterwerfen und dabei jeden Einzelnen gar über den Zweck
und den eigentlichen Sinn seines Daseins zu täuschen und zu
betrügen!

Auf dieser Grundlage entstand in der Folgezeit, also nach dem Jahre 700,
ergänzt um die 300 erfundenen Jahre, also erst nach dem Jahr 1000, das
völlig neue, heute bekannte Geschichtsbild von der antiken Zeit des
Abendlandes. So wurde über 800 Jahre (zeitlich gesehen natürlich nur 500
Jahre, wenn wir die 300 erfundenen Jahre in Abzug bringen) ein großes
Tuch gedeckt, auf dessen Oberfläche ein völlig neues Geschichtsbild auf-
gemalt wurde. Wie umfassend dieses Geschichtsbild ist, welches seither
jedermann präsentiert und als Information geistig implantiert wurde, das
bestätigt nicht zuletzt die wunderliche Geschichte des Khasarenreiches, auf
die noch später einzugehen ist.

Zusammenfassend muß die von Konstantinopel in Auftrag gegebene Fäl-


schung der Geschichte in etwa wie folgt ausgesehen haben, nachdem zuvor
die wahren geschichtlichen Abläufe ganz einfach ausgetilgt worden waren:

Die Germanen, ihre Ordnung und Mystik mußten vollständig neu


erfunden bzw. den eigenen Absichten entsprechend angepaßt, ins-
besondere aber negativ zu deren eigentlichen, nun aber christlich
beanspruchten, Werten dargestellt werden.
0 - In die letzte Phase der (west)römischen Geschichte, die bestimmt
war von dessen Abwehrkampf gegen die germanischen Siedlungs-
forderungen, wurde nun die Geschichte des Frühchristentums ein-
gewebt. Dazu reichte es zumeist völlig aus, aus den verschiedenen
94

gegen die Germanen gerichteten Aktionen solche zu machen, die


gegen Christen gerichtet waren (Gladiatoren- und Tierkämpfe als
Schauspiel).
200- Das römische Imperium hatte seine Flucht nach Konstantinopel
abgeschlossen. Rom war aufgegeben, was durch die phantastische
Geschichte vom 300-jährigen Untergang Roms ersetzt wurde, wo-
mit sich gleichzeitig auch das Vordringen der Germanen in ein völ-
lig anderes Licht stellen ließ.
600- Der auf dem Koran aufgebaute Glaube des Islam, der sich mittels
Bekehrung, und nicht, wie
700 in der gefälschten Geschichte dargestellt, über militärische Gewalt
ausbreitete (wobei das Jahr 700 mit dem Jahr 1000 gleichzusetzen
ist), war an den Grenzen des römischen Imperiums angekommen.
Wann der Koran seine aggressive heutige Form annahm, wäre si-
cherlich ein lohnendes Forschungsobjekt, wobei möglicherweise
die gleichen Verteidigungsabsichten als ursächlich festgestellt
werden könnten wie die, die dazu führten, den vormals germani-
schen Allvater Wotan zum Kriegsgott werden zu lassen. Die römi-
schen Provinzen und Handelsniederlassungen im südlichen Mit-
telmeerraum waren zur Verteidigung gezwungen. Mit den einge-
fügten 300 Jahren sieht das Bild heute so aus, daß die Lehren des
Propheten Mohammed bereits im Jahre 632 die gesamte arabische
Welt durchdrungen und in den siegreichen Kampf gegen Konstan-
tinopel gebracht hatte. Aber erst als die, als Seldschuken bezeich-
neten, Türken sich in einem nun ebenfalls islamischen Sturmlauf
300 Jahre später (die aber frei erfunden sind) großer Teile des Ori-
ents bemächtigten, sann Konstantinopel endlich auf eine Lösung
seines Existenzproblems. Wie sollte das Imperium dieser neuen
Gefahr begegnen? Da die militärische Kraft nicht ausreichte, muß-
te nach politischen Lösungen gesucht werden. Die gefundene Idee
bestand nun darin, daß sich das Imperium, in Person seines Kai-
sers, zum Oberhaupt eines dem Islam verwandten, den gemeinsa-
men Gott anbetenden Glaubens machte. Der zentrale Ansatzpunkt
dazu wurde offenbar darin gesehen, da sich der islamische Glaube
einzig auf einen (untergeordneten) Propheten Mohammed und das
95

von ihm geschaffene Buch, den Koran stützte, sich selbst in eine
hierarchisch höherstehende Stellung hineinzudichten.
Wenn nun der islamische Gott zwar seinen Propheten zu den Ara-
bern, seinen Sohn, wenn auch in die gleiche Region, aber statt zu
ihnen zu den Juden, dem neuen Volk der Händlerplutokraten, ge-
schickt hatte, die nicht nur der Hilfe eines Propheten, sondern nun
gar der Hilfe von Gottes eigenem Sohn bedurften, dessen Wirken
dann mit der Vertreibung der Juden im Jahre 70 als neuer jüdisch-
christlicher Glaube nach Rom kam, woraufhin Jahrhunderte später
der römische Kaiser die Funktion des Stellvertreters Gottes über-
nommen hatte, der zuvor im Rahmen der (erdachten) Teilung des
Imperiums auch nach Konstantinopel gekommen war, während der
römische Teil des Imperiums Jahrhunderte später von barbarisch-
germanischen, insbesondere aber ungläubigen Horden ausgelöscht
wurde, so war damit der christliche Glaube der dem gemeinsamen
christlich-islamischen Gott nähere und der römische Kaiser das ei-
gentliche Oberhaupt von Christentum und Islam. So in etwa könnte
das erste politische Konzept Konstantinopels ausgesehen haben,
das nach dem Jahr
1100 mit dem Gedanken von (ost-)römischem Papst und („deutschem")
Kaiser nach Europa gelangte. Dieser Gedanke wurde getragen und
begleitet von der untergetauchten plutokratischen Führungsschicht,
die dann in bzw. mit den norditalienischen Stadtstaaten, nun völlig
neu kostümiert, wieder auftauchte. Nach dem Jahr 1100 rollte der
christliche Großangriff gegen Europa.
1096 Mit diesem Jahr und dem damals stattfindenden ersten „Kreuzzug"
zeigen sich allgemein sichtbar die ersten Auswirkungen der Chri-
stianisierungsbemühungen, die ihre ersten Erfolge in den altrömi-
schen Provinzen Italiens und Südfrankreichs hatten. Subtrahiert
man nun vom Jahr 1096 die 300 hinzugefügten Jahre, so sind wir
zeitlich bei Karl dem Großen, seiner christlichen „Missionierung"
und den sogenannten Sachsenkriegen angekommen. Nur war es
kein Frankenkönig, der diese Kriege führte, sondern der in Italien
residierende Vize-Kaiser, der die tatsächliche „Missionierung" der
Sachsen, also der zentraleuropäischen Stämme der Germanen,
durchführte. An fehlender Kreativität, selbst bei der Schaffung von
96

Stammesbezeichnungen, mangelte es den späteren mittelalterlichen


Geschichtsfälschern zu keiner Zeit. Galt es doch auch, die große
Gemeinschaft des germanischen Volkes in möglichst viele (Stam-
mes-)Teile zu zerlegen.
1190 Mit dem 3. „Kreuzzug" kommen wir in die Nähe des Übergangs
zur zweiten Phase der Christianisierung Europas, diesmal in direk-
ter Begleitung der brutalen terroristischen Gewalt der Inquisition
(Opfer: 9 Millionen Menschen). Die von den christlichen Histori-
kern so heruntergespielte Zeit der Inquisition war nichts anderes
als die Phase der eigentlichen Missionierung (wie fein, gut und
harmlos dieser Begriff doch bis heute besetzt ist, zeigt besonders
deutlich die Qualität der christlichen Propaganda) der europäischen
Germanen.

Zu welchem genauen Zeitpunkt der konstantinopler Kaiser zum Papst auf-


stieg und wann sein in Italien residierender Vize-Kaiser, der dann später
zum „deutschen" Kaiser gemacht wurde, erstmals zum Krieg nach Norden
zog, ist, wie wir noch sehen werden, gar nicht so schwierig herauszuarbei-
ten. Wie diese Terminierung, so ist auch die Feststellung, daß nach dem
Jahr 1050 verschiedene Teile der aus Konstantinopel kommenden Herr-
schaftsschicht sich in Norditalien niedergelassen hatten, wohin sie ein poli-
tisches Konzept mitbrachten, nach dem sie versuchen wollten, über die
Verbreitung neuer, glaubensgestützter christlicher Werte das germanisierte
Europa ihrem materialistischen Herrschaftsstreben zu unterwerfen, einfach
in den Zusammenhang zu bringen.

Das gesamte politische Konzept zur machtpolitischen Unterwerfung des


freien germanisierten Abendlandes war, gestützt auf den christlichen Glau-
ben, in Konstantinopel entwickelt worden, wobei die Konstruktion dieser
geistigen Stütze sich in den folgenden Schritten vollzogen haben dürfte:

1. Dem jüdisch-christlichen Glauben wurde nicht nur eine weit-


aus ältere Grundlage als die Lehre Mohammeds verschafft,
sondern mit der Erscheinung von Gottes Sohn wurde die
christliche Glaubensgrundlage auch in eine erheblich direktere
97

Nähe zu Gott gestellt, womit Mohammed nur ein prophetischer


Nachfolger sein konnte.
2. Der römische Kaiser, als nicht nur der ältere, sondern auch der
höherrangige, bzw. höchstrangigste Vertreter des christlichen
Glaubens, und damit dessen geistiges Oberhaupt, konnte dar-
aus den Anspruch auf die Gesamtführung der an den gleichen
Gott glaubenden Christen und Islamisten ableiten.
3. Das römische Imperium und seine jüdisch gewordenen Be-
wohner konnten nach Annahme dieses, den gleichen Gott wie
den islamischen verehrenden, Glaubens nicht mehr als im is-
lamischen Sinne Ungläubige bezeichnet und damit auch nicht
mehr, wenn auch nur wirtschaftlich, bekämpft, bzw. von den
islamischen Handelplätzen ausgeschlossen werden.
4. Um dem Islam eine andere, ebenfalls lohnende, dabei aber ge-
gen Ungläubige gerichtete Alternative zu Konstantinopel zu
bieten, wurde dieser auf das„barbarische" Europa verwiesen,
wohin der kürzeste Weg nicht über Konstantinopel, sondern
über die Meerenge von Gibraltar führte, womit dann zwangs-
läufig Spanien in den Blickpunkt des islamischen Vordringens
rücken mußte. Ob den Kalifen dazu das noch immer von Kon-
stantinopel beherrschte Südspanien abgetreten wurde, oder ob
diese Region erobert werden mußte, ist dabei unerheblich.

Wie die faktische Geschichte zeigt, ist der politische Plan zur Unterwer-
fung des Islam gescheitert. Wollte das Plutokratenimperium (später Empi-
re, heute Global Player Gesellschaften genannt) dieses Scheitern nun nicht
als endgültiges Ergebnis akzeptieren, was gleichbedeutend mit dem Warten
auf den eigenen Untergang gewesen wäre, so blieb nur noch eine Alterna-
tive: eine Anpassung der nun einmal begonnenen Arbeiten, um damit,
wenn schon nicht gegen den Islam, so aber gegen die germanische Ord-
nung angehen zu können. Wenn schon die islamische Welt nicht Willens
war, sich dem (ost-) römischen Kaiser zu unterwerfen, so blieb als letzter
Rettungsanker nur, dies im Abendland, bei den Germanen, zu versuchen.
Wollte man bei diesem Vorhaben nun nicht mit völlig fremden orientali-
schen Geschichten daherkommen, so war zuvor noch eine germanennahe
98

und an deren Riten und Bräuchen ausgerichtete Umschreibung des einmal


geschaffenen „heiligen" Schrift- und Gedankenguts erforderlich.

So wurden neben einer neuen Religion auch die Anfänge einer neuen Ge-
schichtsschreibung erdacht, die vorgab, das verantwortlich agierende römi-
sche Imperium selbst sei bereits vor Hunderten von Jahren untergegangen.
Das seit mehr als 1500 Jahren bestehende römische Plutokraten-Imperium
sah sich zum zweiten Mal zu einer Großaktion gezwungen, um der eigenen
Vernichtung zu entgehen. Wo sich nach dem Jahre 200 noch alle Kräfte
eines Imperiums in eine neue Metropole retteten, vollzog sich nun 800
(500) Jahre später ein ähnlicher Vorgang in Richtung der dabei aufgebau-
ten norditalienischen Stadtstaaten. Auch diesmal wurde bei der Rettung auf
nichts verzichtet. Neben den riesigen materiellen Reichtümern der Füh-
rungsgruppe wurde auch der Machtapparat Konstantinopels so lange bei-
behalten und genutzt, insbesondere dessen Militär, bis im 15. Jahrhundert
dann völlig darauf verzichtet werden konnte, denn durch die, weit vor Co-
lumbus, selbst schon wirtschaftlich, stattgefundene Entdeckung Amerikas
hatte sich „der Nabel der Welt" zwischenzeitlich erheblich verlagert. Nicht
mehr, wie zu allen vorherigen Zeiten, im offenen Auftreten und Kampf
konnten sie in weiterer Zukunft ihren Beherrschungsanspruch vertreten
und durchsetzen bzw. ihre einzig auf angehäuftem materiellen Reichtum
basierende Macht erhalten, sondern nur Betrug und Täuschung konnte zu
allen kommenden Zeiten ihr Überleben sichern. Die historischen Wahrhei-
ten waren damit zu Relikten der Antike geworden, über die sich neue Ent-
wicklungen hinweggesetzt hatten.

Wie sowohl das Jahrtausende Bestehen der germanischen Ordnung als


auch der in kürzester Zeit erreichte riesige Erfolg des Islam zeigen, ver-
langt der Mensch nach geistigen und nicht einzig nach materialistischen
Werten. Wenn auch der islamische Glaube und der germanische Idealismus
völlig andere Grundlagen hatten, so hatten sie doch eines gemein, nämlich,
daß sie allen materiellen Wohlstand weitaus geringer schätzten als ihre
geistigen und gemeinschaftlichen Werte.

Bei dieser Entwicklung war den in Konstantinopel residierenden Plutokra-


ten ein längerfristiges Überleben nur dann möglich, wenn es ihnen gelang,
99

einen auf geistige Werte gestützten, in seiner Verwaltung aber unbedingt


hierarchisch strukturierten, Glauben zu erfinden und mit allen Mitteln
durchzusetzen, den sie über diese Strukturen beherrschen und hinter dem
sie ihre materialistisch-antike Primitivität heuchlerisch verbergen konnten.

Die dann folgenden Zeiten waren bestimmt von der Durchsetzung des er-
fundenen Christentums mit allen Mitteln. Nur kam es dabei letztlich so,
wie Hunderte von Jahren später jemand schrieb: Die Geister die ich rief,
die wurde ich nicht mehr los. Der christlich-materialistisch infizierte bzw.
eingesetzte Adel der Germanen, gelockt von neuen Machtgelüsten, gab
wenig auf die Pläne und Ziele des römischen Imperators, nahm sich vom
angebotenen Christentum das, was er zur eigenen Machterhebung benötig-
te („von Gottes Gnaden"), und nahm die weitere Gestaltung der Abläufe in
die eigenen Hände. Wenn auch im Jahre 1453 nun das römische Imperium
angeblich zum zweiten Male sein Ende fand und Konstantinopel aufgege-
ben werden mußte (was nicht besagen soll, daß die so flexible und reiselu-
stige römisch-plutokratische Herrschaftsschicht vom gleichen Schicksal
betroffen wurde), so hat doch dieser uralte materialistisch-imperialistische
Geist die gesamte weitere Entwicklung dieser Welt bis heute bestimmt und
dominiert. Die zu allen materialistischen Zeiten bestehende Plutokraten-
herrschaft hat also nicht etwa ihren Grund in der Rasse oder der Religion
der Plutokraten, sondern sie ist eine Zwangsläufigkeit, die sich einzig aus
dem materialistischen Denken ergibt.

Wenn nun der Untergang Konstantinopels tatsächlich erst im Jahre 1453


erfolgte, die Verbreitung des Islam eigentlich unkriegerisch erfolgte, so
bestätigt der Untergang Konstantinopels das gleiche Bild, was uns schon
vom Untergang Roms geliefert wurde: Die herrschenden Plutokraten hatten
sich längst an anderer Stelle niedergelassen. Dazu vielleicht einmal eine
kurze Betrachtung aus ganz anderer Richtung:

Wenn Konstantinopel, in direkter Fortsetzung Roms, nun wie dieses


von plutokratischen Familien-Clans beherrscht worden war (wer oder
was hätte daran etwas ändern können?), so bleibt die Frage, wo diese
Familien-Clans denn nach dem Untergang Konstantinopels abgeblie-
ben sind. Um das Jahr 1453 finden sich keinerlei Ereignisse in der Ge-
100

schichte, wie sie eine solche Verlagerung angehäufter materieller


Reichtümer immer zur Folge haben mußte. Was aber hat die Geschich-
te 300-400 Jahre früher zu bieten? Na, ganz einfach: die superreichen
und machtvollen norditalienischen Stadtstaaten müssen ja irgendwann
einmal entstanden und auch deren Reichtum muß ja irgendwo herge-
kommen sein (im gesamten Abendland war ein solcher nirgendwo vor-
handen). Offenbar war es ganz einfach so: da eine gemeinsame und
konzentrierte Herrschaft der aus Konstantinopel kommenden imperia-
len Führungsschicht nicht direkt installierbar war oder auch in ihrer
Machtkonzentration zu auffällig gewesen wäre, mußten sich die Pluto-
kraten einfach aufteilen, frei nach dem Motto: jeder Gruppe ihre Stadt
im Herrschaftsgebiet ihrer Vorfahren. Dabei brachten sie nicht nur die
erbeuteten Reichtümer aus 1500 Jahren mit, sondern, was vielleicht
noch weitaus wichtiger war, sie brachten ein über den gleichen Zeit-
raum angehäuftes politisches Wissen mit. Und weshalb sollte man ei-
nen Vize-Papst und Vize-Kaiser im Abendland installieren, wenn man
nicht auch von ihnen profitieren, wenn man sie nicht aus der Nähe
überwachen und steuern konnte? So langsam wird die Geister- zur
Gespenstergeschichte. Trotzdem, oder gerade deshalb: aufwachen!

Nachdem wir mit der Welt der Germanen den Boden der geschichtlichen
Realität verlassen hatten, haben wir uns bisher fast nur über frei erfunde-
nem Grund bewegt. Erst im folgenden Kapitel finden wir den Anker, nach
dem wir bisher vergeblich gesucht haben.
101

3.5 Die Kreuzziige

In welchem zeitlichen Zusammenhang stehen die Kreuzzüge und der Nie-


dergang des (ost-) römischen Reiches, das permanent im Mittelpunkt all
dieser Züge und Kämpfe stand? Die Kreuzzüge, deren insgesamt 7 von den
Historikern gezählt werden, erstreckten sich von 1096 bis 1270/1303, also
über rund 200 Jahre. Allen diesen Kreuzzügen gemein ist ihr Charakter,
der in gleichbleibender Durchgängigkeit alle Züge als nichts anderes als
eine Aneinanderreihung politischer und beuteorientierter Kriegszüge zeigt.

Urheber der Kreuzzüge war angeblich der (noch längst nicht existente)
katholische Papst Urban II., der auf einem Konzil in Clermont im Jahre
1095 zu den Kreuzzügen aufrief. Nur, wer hätte ihn hören können und
wollen? Schon seit Jahren soll der Hilferuf des (ost-)römischen Kaisers
durch diese Zeit geschallt sein, der, nachdem die Notlage seines Reiches
(das eigentlich nichts anders als ein Handelsimperium war) durch den an-
haltenden Druck der vorrückenden Heere unter den Fahnen des Islam im-
mer größer geworden sein soll, letztlich gar um seine (Herrschafts-
)Existenz fürchten mußte.

Eine solch unsinnige Geschichte kann sich nie ereignet haben. Weder kann
es einen Aufruf in Clermont gegeben haben, das als Stadt noch gar nicht
existierte, noch konnte zu einem Kreuzzug aufgerufen werden bei einem
Volk, dem das Christentum völlig unbekannt war, noch kann das Jahr 1095
stimmen, da die Krise Konstantinopels schon Jahre, wenn nicht gar Jahr-
zehnte zuvor, äußerst angespannt war, noch würde je ein Politiker die
Schwäche seiner Position jedermann durch einen Aufruf bekanntgeben,
was einer Eselei der Weltgeschichte gleich käme. Mit dem Ereignis der
Kreuzzüge, insbesondere des 1. Kreuzzuges, fällt ein Lichtschein durch
alle künstlichen Geschichtsnebel, werden die Ungereimtheiten so kompakt,
daß jeder fast schon genötigt wird, sich diese Geschichten etwas genauer
anzusehen. Wir sind an dem Punkt angekommen, wir treffen auf ein Ereig-
nis, das gleich einem Hammer das gesamte zusammengefälschte Ge-
schichtsbild in einen Scherbenhaufen verwandelt.
102

3.5.1 Der 1. Kreuzzug _______________________

Die historische Bedeutung des Ereignisses, welches als der 1. Kreuzzug in


den Geschichtsbüchern steht, macht es nun erforderlich, ihn von den noch
folgenden Kreuzzügen abzugrenzen und etwas detaillierter zu behandeln.
Denn wie ein einsamer Fels ragt dieser 1. Kreuzzug aus dem unter einem
Meer künstlicher Nebelschwaden verborgenen Mittelalter heraus. Ja, er
wirft sogar ein Licht auf vieles von dem, was von den vorherigen wie auch
den nachfolgenden Zeiten, dank umfangreichster Manipulationen und Ver-
fälschungen, kaum mehr erkennbar ist.

Der sogenannte 1. Kreuzzug ist der Spannungspunkt, an dem das gesam-


te zusammengefälschte Geschichtsbild zerreißt! Er ist der Punkt, er ist
ein solches Ereignis, daß er zwar umdeutbar, aber nicht auslöschbar
war. Im Zentrum dieses Ereignisses standen die auch für die damalige
Zeit riesigen Menschenzüge, die wir heute unter dem Titel „Kreuzzug der
Bauern" kennen.

Wir wollen uns dem Bild, welches die Historiker von diesen Vorgängen
entworfen haben, in mehreren Schritten nähern. Zunächst soll das noch
immer bestehende Gesamtbild kurz zusammengefaßt werden, das den mei-
sten Lesern, wenn überhaupt, bestenfalls noch von der Schulzeit bekannt
ist.

Anläßlich des Abschlusses eines Konzils in Clermont erging 1095 von dem
Papst Urban II. der Aufruf zur Durchführung eines Kreuzzugs gegen die
Heiden des Morgenlandes, die die heiligen Stätten erobert hätten. Dieser
Aufruf führte zu zwei parallelen Entwicklungen. Bei den links und rechts
des Rheins wohnenden Germanen führte der Aufruf des Papstes zu einer
solchen Begeisterung unter den Bauern, daß sich diese spontan unter aben-
teuerlichsten christlichen Führern in den Städten Trier, Mainz und Köln
zum später als „Kreuzzug der Bauern" bezeichneten Teil des 1. Kreuzzuges
zusammenfanden. Von diesen drei Städten ausgehend setzten sich dann
auch nicht irgendwelche Kriegsheere nach Südosten in Bewegung, sondern
103

es zogen verschiedene, wild zusammengewürfelte, christlich ereiferte


Menschenmassen, z. Tl. mit Kind und Kegel, in Richtung Konstantinopel.
Angeführt nicht etwa von herausragenden Adligen, sondern von christlich
inspirierten Führern, wie z.B. einem schwarzbraunhäutigen, aus Frank-
reicht?) stammenden Mönch Petrus von Amiens, auch Peter der Einsiedler
genannt. Während dieser, auf einem Esel vorausreitend, den ersten der
Bauernzüge, die alle dann in kurzer Folge hintereinander aufbrachen, an-
führte, wobei jeder aus 10 - 20.000 Menschen bestand, werden ein Gott-
schalk, ein Volkmar oder ein Ertlich als weitere Führer der nächsten Züge
genannt. Dieser Teil des 1. Kreuzzuges soll mit germanischen Bauern
durchgeführt worden sein, die sich im Schwerpunkt aus den linksrheini-
schen Gebieten Frankreichs(?) so wie den drei (noch nicht vorhandenen)
Erzbistümern Trier, Mainz und Köln zusammenfanden, die dann, offen-
sichtlich völlig unorganisiert, unversorgt und schlecht ausgerüstet, angeb-
lich als plündernde Horde bis nach Konstantinopel zogen - wenn sie denn
nicht, wie die Züge Gottschalks, Volkmars und Emichs, bereits in Ungarn
vollständig vernichtet wurden -, um dort vom (ost-)römischen Kaiser auf
Schiffe verladen, in das kleinasiatische Hinterland gebracht und von den
türkischen Seldschuken ebenfalls vollständig aufgerieben zu werden. Einer
der wenigen Überlebenden der Bauernkreuzzüge war dann, so unglaublich
das auch klingen mag, Peter der Einsiedler.

Was sich aus dieser Schilderung zumindest erkennen läßt, das ist die isla-
mische Bedrohung, die bereits im Jahre 1096 äußerst dicht an Konstanti-
nopel herangerückt war. Als eine zweite wichtige Aussage ist in dieser
Schilderung enthalten, daß alle Teilnehmer dieses Teils des 1. Kreuzzuges
vernichtet wurden oder irgendwo verschwanden. Ein Nachweis, daß es
tatsächlich die Seldschuken waren, die diese Züge vernichteten, liegt nicht
vor. Ebenfalls ungesichert ist, ob einer dieser Züge Konstantinopel je er-
reicht hat, d.h., ihre Vernichtung kann genauso gut auf damals oströmi-
schem Gebiet, zu dem auch der Balkan zählte, erfolgt sein. Was dann noch
wie ein Sahnehäubchen die Schilderungen der wilden, aus Europa aufbre-
chenden Kriegshorden des 1. Kreuzzuges abrundet, das sind die Misseta-
ten, die sowohl von den Bauern, als parallel auch von den Teilnehmern des
2. Teils des Kreuzzuges, den Rittern, gegenüber die „europäischen" Juden
begangen worden sein sollen.
104

Beiden Teilen des ersten Kreuzzuges gemein ist, daß sie beide mit Mitteln
ausgestattet worden sein sollen, die den geldverleihenden, „seit Jahrhun-
derten in Europa ansässigen Juden" abgepreßt oder die ihnen unter An-
wendung von Mord und Totschlag geraubt wurden. Mit diesen Vorgängen
wird die nicht ganz uninteressante Frage beantwortet, woher denn sowohl
die Bauern und noch weitaus mehr die Ritter die Mittel und Ausstattung
hatten, um überhaupt bis nach Konstantinopel zu gelangen. Entsprechend
der uns vorliegenden Geschichte stammten alle Mittel von irgendwelchen
Juden. Und wie waren diese an die Mittel gelangt? Durch die Verleihung
von Geld. Nur war Geld etwas, was bis zu diesem Zeitpunkt im gesamten
Abendland überhaupt nicht vorhanden war. Um dem „üblen Pack", wel-
ches sich in riesigen Horden nach Konstantinopel wälzte, den letzten Nega-
tivanstrich zu geben, haben es sich verschiedene Gruppen der Kreuzzügler
nicht nehmen lassen, die armen ausgeplünderten Juden dann auch noch in
großen Mengen zu erschlagen. Im Ergebnis also fast schon wieder höhere
Gerechtigkeit: erst wurden die Juden erschlagen, dann erwischte es auch
die deutsch-fränkischen Totschläger.

Der angeblich keltisch/normannisch(?)/italienische Teil des 1. Kreuzzuges


(der Kreuzzug der Ritter), der sich aus den südlichen und westlichen Re-
gionen Europas rekrutierte, entsprach dann schon eher der Söldnertruppe,
die sich Konstantinopel gewünscht hatte. Nachdem die verschiedenen Kon-
tingente dem (ost-)römischen Kaiser den Vasalleneid geleistet hatten, ge-
lang dieser europäischen Söldnertruppe dann die Eroberung der südlichen
Mittelmeerprovinzen bis an die Grenze Ägyptens (heute würde man wohl
von Befreiung usw. sprechen). Damit endet das Kapitel des 1. Kreuzzuges.
Die weitere Entwicklung findet dann in einem völlig neuen Kapitel der
Geschichtsschreibung statt. Aber auch diese Abgrenzung in der Ge-
schichtsbetrachtung kommt nicht von ungefähr. Denn die, die sich das
gesamte politische Konzept ausgedacht hatten, waren nicht gerade zufällig
die gleichen, die dann die Geschichtswissenschaft selbst schufen, damit
mit deren Hilfe die darin ausgebildeten Wissenschaftler das Wissen schaf-
fen konnten, hinter dem das Schaffen der Politiker und ihr Konzept verbor-
gen werden konnte (allein darüber ließen sich ganze Bücher schreiben).
105

Runden wir, im Gegensatz zur abgrenzenden Geschichtsschreibung, das


Bild des 1. Kreuzzuges noch mit dem darauffolgenden Schritt ab, wozu wir
im christlich eroberten Jerusalem ansetzen. Hier wartete der errungene
Sieg auf seine politisch-konsequente Ausnutzung. Waren zunächst die ori-
entalischen Handelsniederlassungen für die Konstantinopler Händler-
Plutokraten zurückgewonnen, so galt es in der Folgezeit, diese Eroberun-
gen militärisch - gegen die dort Ansässigen - zu sichern. Dazu wurde das
Söldnerheer der Kreuzritter in zwei christliche Ritterorden umstrukturiert.
Während der eine Teil, der Ritterorden der Johanniter, künftig den Schutz
der eroberten orientalischen Gebiete übernahm, also die Besatzungstruppen
stellte, erhielt der zweite Teil, der Ritterorden der Templer, die Aufgabe,
die westlichen Regionen Europas zu erobern. Die gleiche Strategie wurde
dann 100 Jahre später, nach Abschluß des 3. Kreuzzuges, nochmals ange-
wendet, nur daß die Zielregion des dann ins Leben gerufenen Deutschen
Ritterordens(?) nicht die westlichen, sondern diesmal die östlichen Regio-
nen Europas wurden. Speziell was den Orden der Tempelritter anbelangt,
reiht sich für die wissenschaftlichen Historiker bis heute ein Rätsel an das
nächste. Denn als Angriffstruppe dürfen sie ja nicht verstanden und er-
kannt werden. So werden sie nicht nur mit der jüdischen Bundeslade, son-
dern auch mit der Suche nach dem heiligen Gral in Verbindung gebracht.
Nur half auch dies dem Orden wenig. Zumindest sieht es nach der heutigen
Geschichtsschreibung so aus. Als er nicht mehr benötigt wurde, als in den
anderen Teilen Europas endlich die christlich-materialistischen Adelsstruk-
turen aufgebaut waren und die Macht übernommen hatten, da wurde der
gesamte Orden mit Hilfe der christlichen Inquisition und auf Betreiben
eines französischen Königs Philipp IV. der Schöne in einem aufsehenerre-
genden Prozeß im Jahre 1307 liquidiert, und sein riesiges Vermögen, ins-
besondere sein Landbesitz, fiel in die Hände des nun auch in diesen Gebie-
ten sich einrichtenden christlichen Landadels.

Daß es die Aufgabe der Templer war, die westlichen Regionen Europas zu
erobern, sie zu „missionieren" und unter ihre Gewalt zu bringen, hatte man
sich sehr klug in Konstantinopel ausgedacht. Ging es doch nicht nur dar-
um, die germanische Lebensordnung auch in diesen Gebieten zu zerstören,
sondern mußte dabei gleichzeitig verhindert werden, daß sich das gesamte
germanische Europa zu einer geschlossenen Großmacht, wenn nun auch
106

christlich-materialistisch, vereinigte. Allein um zu verhindern, daß es in


allen christianisierten europäischen Regionen zeitgleich zur Aufrichtung
neuer landadliger Herrschaftsstrukturen kam, blieb der gesamte westliche
Teil während des 12. und 13. Jahrhunderts einzig der Verwaltung des
Templerordens unterstellt, der jede Aufrichtung eines aus den ansässigen
Stämmen emporstrebenden Herrschaftsadels mit allen Mitteln zu verhin-
dern wußte.

Erst als sichergestellt war, daß genügend politische Gegensätze zwischen


den westlichen, den nun französischen, und den mittleren, den nun deut-
schen, und den östlich lebenden gotischen Stämmen und Herrschaften auf-
gebaut waren, konnte der Templerorden aufgelöst werden, um aus seinen
Reihen die neuen adligen Herrschaften Frankreichs, Spaniens und dann
auch Portugals zu bilden.

Wen erstaunt es da noch, daß selbst das so wichtige Archiv der Templer als
im Atlantik verschollen gilt. Nicht nur die Templer selbst, sondern auch ihr
Untergang ist eine solch abenteuerliche Geschichte, daß sich selbst heute
noch alle Historiker die Augen reiben. Allein wie es irgendeinem französi-
schen König (gemeinsam mit einem frisch aus der Taufe gehobenen katho-
lischen Papst) gelungen sein soll, die mächtigste Militärmacht des damali-
gen Europa ohne deren Zustimmung so einfach zu liquidieren, das ist tat-
sächlich nicht nur nicht nachvollziehbar, sondern völlig unsinnig. Wenn
wir nur vom Ergebnis ausgehen, so verschwand in kürzester Zeit der Rit-
terorden der Templer, wobei irgendwelche punktuellen Widerstände mit
brutalster Gewalt gebrochen wurden, und an seiner Stelle erscheint ein
neues Frankenreich. Nur, wie hatte dieses Frankenreich in einer Region, in
der zuvor ausschließlich der Orden mit der ihm eigenen Brutalität herrsch-
te, anders entstehen können, als aus dem Orden selbst? Mußte nicht erst
das eine untergehen, bevor das andere, das neue Frankenreich, überhaupt
entstehen konnte? So muß wohl auch die Geschichte vom „Untergang des
Templerordens" als frei erfunden eingestuft werden. War dieser „Unter-
gang" doch nichts anderes, als die Umwandlung des Ordens in das landad-
lige französische Königsreich. Daraus ist nun auch abzuleiten, daß es die
letzten beiden Kreuzzüge entweder nie gegeben hat, was ihre katastropha-
len Ergebnisse nur bestätigen würde, oder daß es Züge des Templerordens
107

waren, denn ein französischer König konnte zu dieser Zeit schwerlich be-
reits existiert haben.

Damit wollen wir uns der Betrachtung der gar wunderlichen Geschichte
des 1. Kreuzzuges einen ersten Schritt nähern. Denn diesen Vorgängen
kommt eine fast schon dominante Bedeutung hinsichtlich der gesamten, bis
heute anhaltenden Entwicklungen zu. Dieser sogenannte 1. Kreuzzug war
nun nicht mehr eine der überarbeiteten Schilderungen aus einer uralten,
längst vergessenen Zeit, er war auch kein Ereignis, in dem irgendwelche
untergegangenen Stämme oder einzelne Fürsten usw. irgend etwas nicht
mehr Nachweisbares unternommen hatten. Sie sind auch kein Produkt ei-
ner allein schöpferischen Geschichtsschreibung, sondern mit den riesigen
Menschenzügen des 1. Kreuzzuges fand ein Ereignis statt, an dem nicht
nur große Menschenmassen hingemetzelt wurden oder einfach verschwan-
den, sondern es war ein Ereignis, das schon durch die ungewöhnlich große
Anzahl der daran direkt beteiligten und auch betroffenen Menschen weit
über die Teilnehmer hinaus in der gesamten damaligen Welt des Abend-
und Morgenlandes bekannt wurde und in beiden seine Spuren hinterlassen
hat. Mit anderen Worten: mit den Menschenzügen des 1. Kreuzzuges findet
ein Ereignis statt, welches so bedeutsam und nachhaltig auch in der Erinne-
rung jedes Einzelnen war, daß es niemandem je gelingen konnte, es völlig
aus dem Gedächtnis der Menschen auszulöschen. Die Züge der verschie-
denen Menschenmassen, meist mit einer angegebenen Kopfzahl von 10 -
20 Tausend, die später zu Teilen des 1. Kreuzzuges wurden, müssen eine
historisch gesicherte Wahrheit sein! Und dies nicht nur hinsichtlich der
verschiedenen Menschenzüge selbst, sondern auch, was ihre Datierung
betrifft! Nachdem wir das antike Rom mit Commodus im Jahre 192 n. Chr.
verlassen hatten, findet sich für Europa erst im Jahre 1096 wieder ein hi-
storisch gesichertes Ereignis! Von dem gesamten dazwischenliegenden
Zeitabschnitt wurde während der Renaissance alles ausgetilgt und durch
ein völlig neues, einzig auf gefälschte Dokumente gestütztes, Bild ersetzt.
Mit dem I. Kreuzzug treffen wir die ersten gesicherten Nachweise, sowohl
vom Auftreten des Christentums, als auch zu der gegen Europa ausgerich-
teten Politik Konstantinopels, die beide dem gleichen politischen Gedan-
ken entstammten. Daß dieser Nachweis von der Existenz des Christentums
bereits seinerzeit möglichst jedem Lebewesen in den ausführlichsten
108

Schilderungen zur Kenntnis gebracht wurde, lag nicht zuletzt auch im In-
teresse all derer, die sich so viel von der Unterstützung des Abendlandes
versprachen.

Bevor wir uns mit dem Kreuzzug selbst beschäftigen, müssen wir uns noch
mit der damaligen Situation befassen, in der sich das (ost-)römische Reich
befand. Seit Jahrhunderten wurde es von Konstantinopel aus regiert, nach-
dem das antike Rom aufgegeben worden war. Während dieser Jahrhunderte
hatten sich innerhalb der Herrschaftsstrukturen erhebliche Veränderungen
ergeben. War zu altrömischen Zeiten die militärische Überlegenheit die
zentrale Grundlage aller imperialen Macht, wurden unter deren Einsatz
Provinzen erobert und danach wirtschaftlich ausgebeutet, so hatten sich die
Methoden in Konstantinopel zwischenzeitlich vollständig verändert. Statt
militärischer Eroberungen war die Entwicklung dahin gegangen, nicht zu-
letzt dank der vorzüglichen Lage Konstantinopels, sich allein auf das Er-
gebnis aller militärischen Unterwerfungen zu konzentrieren, auf die wirt-
schaftliche Ausbeutung. Die gesamte Macht des (ost-)römischen Reiches
resultierte im 11. Jahrhundert nur noch aus der Beherrschung und Kontrol-
le des Handels. Dies hatte den Vorzug, daß selbst der Aufwand zur Unter-
haltung großer militärischer Einheiten entfallen konnte, ohne daß der wirt-
schaftliche Erfolg deshalb geringer war. Das einzige, was noch an die rö-
mischen Zeiten erinnerte, das war der innerlich gleichgebliebene Materia-
lismus und die daraus resultierenden Herrschaftsstrukturen. Wie in Rom,
so bestimmten auch in Konstantinopel einzig die Reichen und Superrei-
chen, die Plutokratenfamilien, die politischen Geschicke des Reiches der
Handelsplätze (heute würde man von Märkten oder Börsen sprechen). Nur
kam dieser Reichtum nicht mehr aus offen erkennbar unterdrückten und
ausgepreßten Provinzen, sondern aus der Beherrschung der Handelsge-
schäfte (was letztlich aber das Gleiche ist). Wo zu altrömischen Zeiten jede
militärisch eroberte Provinz zuerst ihre Freiheit und Selbständigkeit unter
einer römischen Verwaltung verlor, da konnten die Konstantinopler Händ-
ler auf solche Zwangsmaßnahmen ganz freimütig verzichten. Hatte es sich
doch gezeigt, daß sich mit der Beherrschung der Versorgung, der Preisge-
staltung und des Handels, also der Kontrolle über die Verteilung des
Wohlstandes, erheblich leichter eine politisch weitaus größere Abhängig-
keit und ausbeutende Unfreiheit erreichen ließ, als mit den alten Methoden.
109

Gegen diese wirtschaftliche Ausplünderung begann sich bereits in den


Jahren ab 622 eine für die Plutokraten immer gefährlicher werdende Ent-
wicklung abzuzeichnen. Unter der Leitung eines Kaufmanns namens Mo-
hammed, dessen „Lehren" erst Jahrzehnte nach seinem Tod in einem Buch,
dem Koran, zu einer Glaubenslehre ausgebaut worden waren, begann sich
der Widerstand gegen die wirtschaftliche Ausplünderung durch Konstanti-
nopel zu organisieren. Unter der Leitung dieses Kaufmanns Mohammed
verbündeten sich die orientalischen Händler zum Kampf gegen die markt-
beherrschende Stellung der Händler-Plutokraten Konstantinopels. Dieser
Wirtschaftkrieg wurde, wie immer, wenn Materialisten um Pfründe strei-
ten, sehr bald nicht mehr nur mit wirtschaftlichen, sondern auch mit militä-
rischen Mitteln geführt. Aber auch auf diesem Gebiet zeigte Konstantino-
pel Schwächen. Die orientalisch-arabische Kaufmannsorganisation hatte
sich nicht nur auf ihren Märkten durchgesetzt, womit man sich auch aus
der politischen Abhängigkeit befreit hatte, sondern sie hatte es auch ver-
standen, ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit militärisch zu schützen. Was
als eine Befreiung aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Konstantino-
pel begann, führte in der Konsequenz zu einer erheblichen politischen
Machtverschiebung. Erst diese neue Macht und die daraus entstandene
politische Selbständigkeit der orientalischen Völker schuf dann die Vor-
aussetzung für die Bildung einer eigenen, an der orientalischen Mentalität
ausgerichteten Lebensordnung. Erstmals, nach mehr als tausend Jahren,
verfügten die orientalischen Völker wieder über die Macht und Freiheit,
sich ihre am eigenen Wesen orientierte Lebensordnung schaffen zu kön-
nen. Die Regeln dieser Ordnung wurden dann in der Form von Versen und
Suren in einem Buch, dem Koran, zusammengefaßt. Wie groß selbst im
Jahrtausende materialistisch geknechteten Orient das menschliche Grund-
bedürfnis nach idealistischen Werten noch war, das zeigte sich allein an
der explosionsartigen Verbreitung des neuen Glaubens. Damit war nun,
ohne jede große militärische Eroberung, der gesamte Orient dem Herr-
schaftsanspruch und Zugriff Konstantinopels, man kann schon sagen: fun-
damental, entzogen.

Und Konstantinopel? Wie mußte sich diese Entwicklung für seine Händler,
insbesondere aber für seine plutokratischen, superreichen Händler darstel-
len? Eine Katastrophe. Eine wirtschaftliche und eine politische Katastro-
110

phe. Im Norden, in Europa, stand noch immer die germanische Welt, unan-
greifbar in ihrer idealistischen und herrschaftsfreien Ordnung, und nun
auch im Süden eine idealistisch geprägte, wenn auch nie ganz herrschafts-
frei werdende islamische Ordnung, gegen die Konstantinopel ebenfalls
über kein geeignetes Machtmittel verfügte. Wollten die Händler mit ihrer
Metropole und ihrem menschenverachtenden Materialismus nicht in kürze-
ster Zeit ihren spätantiken Untergang erleben, so blieb ihnen nur der Weg,
die eigene Politik völlig neu zu überdenken. Noch hatten sie ja die größten
materiellen Reichtümer der Welt in ihren Händen, noch war bei ihnen das
höchste politische Wissen konzentriert.

Jeder realistische Politiker Konstantinopels, der sich diese Zustände besah


und nach einer Lösung suchte, der mußte zwangsläufig feststellen, daß
allen nach außen gerichteten Rettungsversuchen zunächst eine interne Re-
organisation vorauszugehen hatte. Denn eine einzig nach persönlichem
Reichtum strukturierte Händlergesellschaft, wie sie in Konstantinopel be-
stand, würde kaum in der Lage sein, zwischen den morgen- und abendlän-
dischen Ordnungen bestehen, geschweige denn, eine gegen diese Ordnun-
gen gerichtete, offensive Politik betreiben zu können. Aber auch die Lö-
sung dieses eigenen Organisationsproblems steht bis heute in keinem Ge-
schichtsbuch. Eine Händlerkaste, so wie sie seit Jahrhunderten in Konstan-
tinopel saß, ganz gleich wie sie auch organisiert war, würde nach den isla-
mischen Umwälzungen niemals in der Lage sein, ein solches Vorhaben wie
die Wiederherstellung der eigenen Oberhoheit zu bewerkstelligen. Weder
gegen die freiheitliche Ordnung der Germanen, noch gegen die über ihren
neuen Glauben geordneten orientalischen Völker würde eine wie auch
immer geartete Händlerorganisation je bestehen können. Allein schon aus
diesen real existierenden Rahmenbedingungen mußte jeder künftige, in
Konstantinopel entwickelte Beherrschungsanspruch zwangsläufig in einem
Konzept zur Erringung der Herrschaft über beide münden. Da beide zu-
sammen, Morgen- und Abendland, für Konstantinopel aber die Welt dar-
stellten, heißt dies nichts anderes, als daß das politische Konzept Konstan-
tinopels schon damals immer so angelegt werden mußte, daß damit die
Weltherrschaft erreicht werden konnte.
111

Vor jedem außenpolitischen Konzept mußte aber zunächst einmal eine


interne Reorganisation durchgeführt werden. Dazu mußte, wie es mit dem
Islam vorexerziert worden war, als allererstes ein eigener Glaube her. Bei
dessen Schöpfung war man nun gezwungen, allein aus der Existenz des
Islam, diesen auch zu berücksichtigen. Nur war selbst mit einem neuen
Glauben allein noch nichts erreicht. Was für die Politiker des Händlerstaa-
tes im (ost-)römischen Imperium ebenfalls nicht zu finden war, was völlig
fehlte, das war das, was die grundlegende Stärke des Islam und noch weit-
aus mehr die der germanischen Welt ausmachte, das waren die Stämme
oder Völker, die deren jeweiliger Ordnung erst die Grundlage verschafften.

Also nicht nur ein neuer Glaube, auch ein eigenes neues Volk mußte
her!

Die Bevölkerung Konstantinopels mußten ein eigenes, ein besonderes, sie


mußte ein ausgewähltes Herrenvolk werden. Nur so konnten die Händler
zum Teil eines Volkes werden, das dann unter einem eigenen Händlerglau-
ben zusammengefaßt werden konnte. Allein aber die Verbesserung des
Zusammenhalts der Bevölkerung Konstantinopels konnte nicht der gesamte
Sinn des Vorhabens sein - sollte mit diesem doch die Macht der führenden
Händler noch erheblich gesteigert werden - sondern parallel dazu mußte
damit auch den außenpolitischen Absichten Rechnung getragen werden.
Neben der Schaffung eines eigenen Volkes, welches sich einzig über einen
eigenen Glauben definierte, da völkisch oder rassisch überhaupt keine ge-
schlossene Substanz vorhanden war, mußte als Weiteres noch ein daran
angelehnter Unter-Glaube für die Gegner, die künftigen Knechte, aus der
Taufe gehoben werden. Die Reorganisation, die sich Konstantinopel selbst
auferlegen mußte, bestand also in drei gewaltigen, zunächst einmal intern
umzusetzenden Veränderungen (oder auch Schöpfungsakten):
1. Unter Führung der Händler-Plutokraten schließt sich die Bevölkerung
von Konstantinopel zum jüdischen Volk zusammen. Wenn dabei auch
vieles fehlte, so gelang damit immerhin die Schaffung der wichtigsten
politischen Voraussetzung für die Existenz eines jeden Volkes: sie
schufen eine verteidigungsfähige, die eigene Ordnung sichernde, Ge-
112

sellschaft, wenn auch diese Ordnung immer nur den Zwecken der
Stärksten, der Plutokraten, diente.
2. Als Klammer wählten sie das gleiche Mittel, wie es der Islam vorge-
führt hatte, einen eigenen Glauben. Die Grundlagen für den für sie am
besten geeigneten fanden sie in den Aufzeichnungen eines längst in der
Geschichte untergegangenen Volkes der Juden, zu deren Nachkommen
sie sich nun ernannten.
3. In direkter Anlehnung an die altjüdischen Geschichten konstruierten
sie dann den christlichen Glauben, in dessen Mittelpunkt sie eine jüdi-
sche Fabelfigur stellten. Da nun aber der Befreier Mohammed nach-
weislich gelebt hatte, also eine geschichtliche Person war, er im Islam
aber „nur" als Prophet verherrlicht wurde, so sahen sich die Konstanti-
nopler Politiker gezwungen, nun auch ihre Fabelfigur geschichtlich zu
machen. Sie wählten einen Jesus von Nazareth, legten seine Zeit in die
eigene römische Vergangenheit, erhoben ihn dabei auch gleich zu Got-
tes Sohn und machten den eigenen, den (ost-)römischen Kaiser zu sei-
nem obersten Interessensverwalter auf Erden, zum pontifex maximus,
dem Oberpriester des Christentums.

Nur eines an der heute bekannten Geschichte des Jesus von Nazareth kann
so nicht in Konstantinopel erdacht worden sein: sein Tod, bzw. die dafür
Verantwortlichen! Denn wer würde je eine Geschichte erfinden und als
historisch wahr in die Welt setzen, in der er sich selbst zum Schuldigen am
Tod von Gottes Sohn macht? Die christliche Geschichte kann, zumindest
an der Stelle, an der dem neu geschaffenen Volk der Juden die gesamte
Verantwortung für den Kreuzigungstod des christlichen Erlösers zuge-
schoben wird, niemals der Version entsprechen, wie sie ursprünglich in
Konstantinopel erdacht wurde! Die jüdische „Schuld" im „heiligen" Buch
der Bibel unterzubringen, kann also nur eine spätere Anpassung sein, die
von solchen politischen Kräften vorgenommen wurde, die für die eigenen
Interessen zwar unbedingt die christliche Lehre benötigten, die sie aber mit
geringst möglichen Veränderungen, allein durch einen moralischen Trick,
nun dermaßen umgestalteten, daß damit das Christentum, zumindest mora-
lisch, über das Judentum gestellt wurde. An diesen Punkt aber werden wir
noch kommen. Halten wir hier nur fest:
113

Die heute bekannte Version der christlichen Heilsgeschichte kann zumin-


dest an dem Punkt, an dem die Verantwortung am Tod des Erlösers zuge-
wiesen wird, nicht der Geschichte entsprechen, wie sie ursprünglich in
Konstantinopel erdacht worden war.

Mit ihrem politischen Kraftakt hatten die Konstantinopler Händler-


Plutokraten sich selbst und mit ihnen die Bevölkerung Konstantinopels zur
Krone der Schöpfung erhoben. Ja, sie hatten sich selbst zum Volk des
Schöpfers dieser Welt erklärt! Nicht nur als Volk hatten sich die Plutokra-
ten in der Menschenmasse Konstantinopels verkrochen, die sich über ihren
Herrschafts-Glauben nun gar als auserwählt fühlen konnte, sondern ihr
Kaiser war darüber hinaus gleichzeitig zum göttlichen Stellvertreter aller
Christen aufgestiegen. Danach blieb dann nur noch die Aufgabe, durchzu-
setzen, daß möglichst jeder Mensch dies nicht nur akzeptiert, sondern,
entgegen besserem Wissen, sogar daran glaubt. Eine Aufgabe, die man
auch als Zwangsideologisierung bezeichnen könnte.

Erst als diese innere Reorganisation abgeschlossen war, konnte das neu-
strukturierte Konstantinopel daran gehen, sich seiner eigentlichen, seiner
außenpolitischen, Aufgabe zuzuwenden.

Was ebenfalls noch in diese Epoche der großen Schöpfungen fiel und was
selbst heute, fast 1000 Jahre später, den Menschen auf dieser Erde noch
immer ihr Leben zur Hölle macht, ist der damals vollzogene „Qualitäts-
sprung" dessen, was als Politik bezeichnet wird. Erstmals wurde die
menschliche List nicht nur zum politischen Betrug „aufgewertet", sondern
hier wurde sie zum konzeptionellen politischen Betrug strukturiert.

Soviel zu den in Konstantinopel vollbrachten Leistungen und der darüber


neugeschaffenen politischen Ausgangssituation, auf der es dann zum 1.
Kreuzzug kam, dem wir nun einen weiteren Schritt nähertreten wollen.

Wenn wir ein von der idealistisch-germanischen Lebensordnung


„beherrschtes" Europa voraussetzen, so kann es weder den Papst-Aufruf
noch den Kreuzzug der Ritter je gegeben haben. Denn wo aus diesem
Europa hätten die Ritter-Söldner und ihre Truppen herkommen sollen? Das
114

einzige, was es wirklich gegeben haben muß und auch gegeben hat, das
waren die Züge der Menschen, die als „Kreuzzug der Bauern" in den Ge-
schichtsbüchern stehen. Sie bilden den eigentlichen Kernpunkt der Ge-
schichtsschreibung vom 1. Kreuzzug!

Mit den Vorgängen, die als 1. Kreuzzug in den Geschichtsbüchern ste-


hen, und mit dem Jahr 1096, haben wir den zentralen Punkt unseres
gesamten Geschichtsbildes in der Hand! Wir halten den Anfang des ro-
ten konzeptionellen Fadens in der Hand, an den unsere gesamte Ge-
schichte angeknüpft (nicht aufgeknüpft, eher untergepflügt) wurde. Wir
brauchen nur noch einmal kräftig zu ziehen, so daß aller übergelagerter
Betrug und zusammengefälschter Schutt abfallt, und wir können endlich
unsere eigene Geschichte sehen.

Nur wenn es gelingt, den Anfangspunkt einer konzeptionell geplanten


Entwicklung zu entdecken, nur dann kann es gelingen, auch das gesam-
te Konzept zu entlarven.

Was nun den 1. Kreuzzug betrifft, so fällt auf, daß zwei völlig getrennte
Entwicklungen, die zwar zeitlich parallel, ansonsten aber völlig eigenstän-
dig vor sich gegangen sein sollen, ihren Zusammenhang dadurch erhalten,
daß ihnen ein gemeinsamer Anlaß untergeschoben wird, eben jener besagte
Aufruf des Papstes Urban II. Ansonsten könnten die beiden Teile des 1.
Kreuzzuges kaum unterschiedlicher abgelaufen sein. Weder in der regiona-
len Herkunft, ihrer Zusammensetzung, in der Ausstattung und Organisati-
on, noch im Erfolg und damit in ihrer politischen Bedeutung gab es ir-
gendwelche Gemeinsamkeiten. Da hatte angeblich ein Papst seinen „er-
greifenden" Aufruf erlassen, um dann die gesamte weitere Entwicklung
sich selbst zu überlassen. Während die Züge der Bauern mit ihrer völligen
Vernichtung geendet haben sollen, gelang es dem sich daran anschließen-
den Zug der Ritter, die gesamte südliche Mittelmeerküste von Konstanti-
nopel bis hin nach Jerusalem zu erobern. Nur war weder der Kreuzzug der
Bauern, noch der der Ritter je darauf angelegt, die heiligen Stätten Jerusa-
lems von im christlichen Sinne ungläubigen Moslems zu befreien. Denn
nicht die „Befreiung" Jerusalems, sondern die Rettung der in Konstantino-
pel residierenden Händler-Plutokratie war der Zweck dieser Züge, die
115

Rückgewinnung von Märkten war das Nah-Ziel, was selbst aber wieder nur
zwei Phasen in einem weitaus umfassenderen politischen Konzept umfaß-
te.

Zum besseren Verständnis wollen wir die folgende Einteilung wählen:

Phase 0, interne Reorganisation des (ost-)römischen Händler-


Imperiums.
Phase 1, der Kreuzzug der Bauern.
Phase 2, der Kreuzzug der Ritter.
Phase 3, der militärische Angriff auf das Abendland, der mit
der Umstrukturierung des Kreuzzugheeres in die bei-
den Ritterorden der Johanniter und der Templer be-
ginnt.

Zwar zeigen auch diese Phasen längst noch nicht den gesamten Umfang
des politischen Gesamtkonzeptes, sind zum Verständnis des 1. Kreuzzuges
aber völlig ausreichend. Das weit über diese Phasen hinausgehende Kon-
zept hatte noch ganz andere Dimensionen, auf die später noch einzugehen
ist.

Die Phase 0 beinhaltete die Schaffung eines jüdischen Glaubens, über den
sich die Plutokraten mit der gesamten Bevölkerung Konstantinopels zu
einem neugegründeten jüdischen „Volk der Händler" zusammenschlossen.
Dieses neue „Volk", dieser Zusammenschluß, war nun nicht etwa nur auf
die Händler Konstantinopels begrenzt, sondern umfaßte alle Einwohner
Konstantinopels, von den Sklaven einmal abgesehen. Darüber hinausge-
hend war die Mitgliedschaft zum neuen Volk natürlich auch gut für die
Geschäfte, die nach Möglichkeit so abgewickelt wurden, daß die Profite
innerhalb des eigenen „Volkes" verblieben.

Defakto war damit das zuvor (ost-)römische Reich bereits unter- und
nun auch formal in ein Reich der Händler-Plutokraten übergegangen.

Nach der Gründung des neuen „Volkes" unter der Regie der durch ihr per-
sönliches Vermögen strukturierten Händler-Kaste war die gesamte Ge-
116

schäftswelt des Morgenlandes in zwei große Korporationen aufgeteilt: in


die Händler des Islam und in die des Judentums. Während die Ersteren
über ihren Verbund sich und ihr Volk vor der Ausbeutung durch Fremde
schützen wollten, wobei sie ihren Glauben nicht nur geschäftlich nutzten,
sondern ihren Völkern damit auch neue höherstehende Lebensregeln gege-
ben hatten, bildeten die Zweiten eine einzig auf den egoistischen, wirt-
schaftlichen Vorteil des Einzelnen abzielende geschäftliche Zweck-
Organisation, in der jeder nur der Organisation verpflichtet war, während
alle Außenstehenden als mit allen Mitteln zu täuschende und insbesondere
geschäftlich zu betrügende Untermenschen angesehen wurden. In einer
solchen Organisation, in der einzig der materielle Reichtum des Einzelnen
über seinen Wert und sein Ansehen und damit auch über seinen Einfluß
und seine Macht in der Organisation entscheidet, muß es, solange diese
Organisation besteht, immer dazu kommen, daß die Reichsten und Mäch-
tigsten, die Plutokraten, die Politik der Gesamtorganisation bestimmen.

Nach diesem Schritt, mit dem die Händler-Plutokraten sich mit der Bevöl-
kerung Konstantinopels ein Volk geschaffen und diesem einen Herren-
glauben aufgepfropft hatten, wurde vorbereitend für den nächsten politi-
schen Schritt die Konzeption des auf dem jüdischen Glauben aufbauenden
Christentums in Angriff genommen. Dazu reichte es nun allein nicht aus,
einzig die Glaubensgrundlagen zu entwickeln, sondern das neue Christen-
tum mußte auch personell ausgestattet werden, zumindest mußte ein An-
führer und eine Gefolgschaft her. Zum Oberhaupt erklärte sich der Kaiser
selbst, womit er die Position des Oberpriesters einnahm, was nach der gül-
tigen Geschichtsschreibung aber bereits 313 erfolgt sein soll. Unter dessen
Führung wurden dann die künftigen Missionare und Mönche, die geistige
Stoßtruppe des Christentums, in Konstantinopel rekrutiert und ausgebildet.
Wo in dieser neuen christlichen Lehre der größte Feind des Menschen, die
Sünde, zu suchen war, bringt insbesondere die christliche Lehre „der ersten
Stunde", das orthodoxe Christentum, noch heute zum Ausdruck. Die Sünde
ist im Grunde nicht die Gesamtheit von „Vergehen gegen die Moral", wie
dies christliche Kreise oft annehmen, sondern die Sünde ist eine Handlung,
die der menschlichen Freiheit entspringt! „Der freie Wille", betont Johan-
nes von Damaskus, „ist der erste Gegenstand der Sünde"! Deutlicher kann
es wohl kaum gesagt werden. Deutlicher kann keine Verpflichtung zur
117

Knechtschaft, zur Aufgabe der menschlichen Freiheit, formuliert werden


und deutlicher läßt sich der Gegensatz zwischen der christlichen Lehre und
der freiheitlichen germanischen Lebensordnung nicht mehr darstellen.
Deutlicher und klarer läßt sich die gesamte Heuchelei des Christentums
kaum formulieren.

Zur Grundlage der beiden neuen Religionen, des Juden- und des orthodo-
xen Christentums, wurde eine Geschichte, die zur allgemeinen Verbreitung
in einem Buch aufgeschrieben wurde, dem man den Titel Bibel (griech:
biblia: die Bücher) gab. Nur, wenn die neue Lehre schnell verbreitet wer-
den sollte, wenn sie zumindest von den neuen Priestern zunächst einmal
überhaupt nur gelesen werden sollte, so muß dieses Buch in einer Sprache
geschrieben worden sein, die zumindest die Priester beherrschten. Eine
Sprache zu wählen, die niemand verstand, wäre also äußerst unsinnig ge-
wesen. Nur, Latein, die Sprache, in der die Bibel später in Europa auf-
tauchte, verstand in ganz Konstantinopel um das Jahr 1050 außer den Ge-
lehrten wohl niemand mehr, d.h., die Bibel der damaligen Zeit muß in der
in Konstantinopel gängigen Sprache, also in griechisch, verfaßt worden
sein!

Allein vom logischen Ablauf her mußten zunächst die Händler sich zum
neuen jüdischen Volk und Glauben zusammenschließen und bekennen,
bevor im nächsten Schritt die christliche Hefe angesetzt werden konnte. Da
es sich dabei um den Führungskader des künftigen Christentums handelte,
dem auch die politische Absicht der gesamten Schöpfung bekannt war, und
aus dem sich jeder seine künftigen Pfründe selbst ausrechnen konnte, dürf-
te es nicht weiter schwierig gewesen sein, hier entsprechend geeignetes
Personal zu finden. Es darf wohl davon ausgegangen werden, daß die
christliche Grundausbildung, wie auch die Schaffung der für die künftige
Arbeit benötigten Unterlagen und Bilder, in mehreren Jahrzehnten abge-
schlossen werden konnten. Da dann sicherlich keine Zeit versäumt wurde,
um nun auch den außenpolitischen Zweck des ganzen anzugehen, dieser
erstmals mit dem „1. Kreuzzug" im Jahre 1096 sichtbar in Erscheinung
trat, muß die große Zeit der Schöpfung von neuer konzeptioneller Politik,
von Juden- und Christentum, um das Jahr 1050 datiert werden.
118

Um den außenpolitischen Sinn und Zweck der Phase 0 in ihrem Zusam-


menhang besser erkennen, um darüber auch den eigentlichen Zweck des 1.
Kreuzzuges leichter einordnen zu können, wollen wir zunächst die folgen-
den Phasen 1 - 3 in ihren politischen Zusammenhang bringen.

Das vor dem Untergang stehende (ost-)römische Händler-Imperium in


Konstantinopel, das seit etwa 1050 als jüdisches Volk auftrat, dessen Han-
delsregionen in den Jahrzehnten zuvor auf ein immer kleineres Herr-
schaftsgebiet zusammengedrückt worden waren, und das zwischenzeitlich
seine gesamten orientalischen Provinzen und Handelsniederlassungen, ja
selbst den größten Teil Kleinasiens, verloren hatte, brauchte dringend Hil-
fe. Es brauchte Menschen, es brauchte Söldner, die bereit waren, für die
Machtinteressen des neuen Volkes und seiner Händler-Plutokraten zu
kämpfen. Denn nur noch über die Anwendung nackter Gewalt konnte der
Siegeszug des islamischen Glaubens gestoppt werden. Die einzigen Men-
schen aber, die dazu überhaupt vorhanden waren, die bewohnten fast schon
im Überfluß das Abendland. Nur war dort niemand bereit, sich in den
Dienst der Händlerkaste, ganz gleich, ob diese als Volk oder als Glaube
auftrat, zu stellen. Noch weniger würde jemand freiwillig bereit sein, sich
dem von diesen Händlern konstruierten Knechtsglauben, dem Christentum,
zuzuwenden. Was also einzig blieb, das war die Anwendung politischer
Mittel auf dem Niveau, auf dem Juden- und Christentum entstanden waren.

Das Konzept der (ost-)römischen (wir wollen sie auch weiterhin so nen-
nen) Politiker, das immer auf eine Beherrschung von Morgen- und Abend-
land, also der damaligen Welt, ausgerichtet sein mußte, setzte also zwin-
gend die Vernichtung der germanischen Lebensordnung und die völlige
Unterwerfung der germanischen Stämme voraus. Jeder direkte Angriff aber
würde immer an der Geschlossenheit und der potentiellen militärischen
Stärke der germanischen Stämme scheitern. Ein Angriff konnte also nie-
mals direkt erfolgen, sondern bedurfte einer klugen politischen Vorberei-
tung. Für einen direkten Angriff fehlten dem Händler-Imperium einfach die
Macht und die Mittel. Außerdem wollte man doch nicht zu altrömischen
Unterdrückungszeiten und -methoden zurückkehren. Auch sollte die Erobe-
rung und Unterdrückung weitaus dauerhafter sein, als es die des römischen
Imperiums je gewesen war.
119

Das einzige Mittel, mit dem die von Konstantinopel benötigten Menschen
aus dem Zentrum der germanischen Kultur und Lebensordnung zusam-
menzubringen und in Bewegung zu setzen waren, mußte sich immer an den
Werten orientieren, wie sie der idealistischen germanischen Welt seit Jahr-
tausenden zu eigen waren. Nicht irgendwelche christliche Begeisterung,
die dem 1. Kreuzzug erst nachträglich untergeschoben wurde, auch nicht
irgendwelche materialistische Beutegier, sondern noch immer die alte
Hoffnung auf eigenes Land, welches ihnen nur im Namen des (ost-) römi-
schen Kaisers versprochen worden sein konnte, muß und kann nur das
einzige Mittel gewesen sein, um die Menschenzüge zu ihrer Wanderung
nach Konstantinopel zusammenzubringen.

Aus dem germanischen Stammesgebieten des Westens und der Mitte Euro-
pas fanden sich nicht etwa irgendwelche Kampfverbände und Kriegshau-
fen zusammen, sondern, wie schon in all den Jahrhunderten zuvor prakti-
ziert, als kleine und kleinste Gruppen aufbrachen um freies Land zu besie-
deln, trafen sich auch diesmal nur solche, die sich eine neue, freie Existenz
davon versprachen. Nicht zu einem Kriegszug im Interesse Konstantino-
pels hatten sich „Kind und Kegel" zusammengefunden, sondern Verspre-
chungen von freiem Siedlungsland ließen diese Menschen nach Südosten
ziehen. Da auch zur damaligen Zeit wohl niemand, allein schon wegen der
klimatischen Bedingungen, mit Siedlungsland in Orient je hätte gelockt
werden können, das angebotene Land also im europäischen Teil des (ost-
)römischen Reiches gelegen haben muß, so kann das Massaker an diesen
Menschenzügen auch nicht von den Seldschuken, sondern muß, wenn
überhaupt, von den Truppen Konstantinopels irgendwo im südöstlichen
Europa begangen worden sein.

Dazu findet sich nun eine sehr interessante Parallele in der offiziellen Ge-
schichtsschreibung. Nur datiert diese mehrere hundert Jahre früher, näm-
lich in der Zeit des Kaisers Justinian II., der von 685 - 695 regierte. Dieser
Justinian II. soll eine völlig neue Siedlungspolitik in großem Stil betrieben
haben, mit der er zuvor verödete Gebiete durch die Ansiedlung von Bauern
wieder neu belebte. Damit aber noch nicht genug. Der Abschluß dieser
Siedlungspolitik soll zu einer so grundlegenden Veränderung geführt ha-
ben, wie sie ansonsten nur mit einer Änderung der gesamten Lebensord-
120

nung erreicht werden kann: „Die Schicht der Freibauern und nicht mehr
der auf Sklavenarbeit aufgebaute Großgrundbesitz dominierte seither die
Wirtschaft" (Otto Mazal: Handbuch der Byzantinistik, 1989)! Man stelle
sich einmal vor: freie Bauern dominieren in einer Händler-Plutokratie!
Weitaus eher als freie Bauern hätten diese die Pest zugelassen. Wenn
schon freie Bauern kamen, so mußte diesen zuerst genau diese Freiheit
genommen werden. Außerdem hätte jede Neuansiedlung immer nur in
einer Randprovinz erfolgen dürfen. Denn einzig dort, und am besten in
einer Region, die sich zum Puffer gegen unliebsame Nachbarn eignet, wird
ein kluger materialistischer Politiker die Ansiedlung freier Bauern je zulas-
sen. Nur kann ein solcher Vorgang nicht in der Zeit von 685 - 695, sondern
er dürfte erst im Jahre 1096 stattgefunden haben. Aber nach der Ge-
schichtsschreibung Konstantinopels konnte das Freibauerntum kaum länger
als bis in die Zeit von 856 - 866 existiert haben. Denn in dieser Zeit bereits
soll der Patriarch Photios die christliche Missionierung der Bulgaren und
Russen sowie die des Mährenreiches initiiert haben, der 870 die Christiani-
sierung Serbiens gefolgt sein soll. Denn mit dem Einzug des Christentums
war zwangsläufig immer und überall jedes Freibauerntum beendet.
Manchmal zerfällt ein Lügengebäude allein schon an seinen inneren logi-
schen Widersprüchen. Und davon soll an dieser Stelle noch eine ganz an-
dere Geschichte angesprochen werden. Die Geschichte des Khasarenrei-
ches.

Das Khasarenreich ist jenes osteuropäische Reich, aus welchem der Groß-
teil des heutigen jüdischen Volkes stammen soll. Wer sich für diese, an
Abenteuerlichkeit nur schwerlich zu überbietende, Geschichtsschreibung
interessiert, dem sei das Buch „Der dreizehnte Stamm" von Arthur
Koestler empfohlen. Denn schon aus den Schilderungen der dort verwen-
deten Quellen läßt sich manches auch für das tatsächliche Geschehen ablei-
ten. Daher soll an dieser Stelle kurz die zusammengestümperte Geschichte
Osteuropas angesprochen werden.

Ein sogenanntes khasarisches Reich in der aufgezeigten Größe und Bedeu-


tung hat nie existiert. Was es dagegen tatsächlich gab, wie allein noch die
heutige Bevölkerungsstruktur belegt, war ein Großreich der Kosaken, nur
lag dieses östlich der Region, die auf der Karte als Khasarien deklariert ist.
121

Besonders beachtenswert ist, daß es zum khasarischen Phantasiereich kei-


nerlei Aussagen zur Lebensordnung, zu Gebräuchen oder ähnlichem gibt,
was sicherlich nicht von ungefähr kommt.

Die voraussetzend zur Aufrichtung des Khasarenreiches erforderliche Tei-


lung des bulgarischen Volkes, über dessen Herkunft auch nur abenteuer-
lichste Geschichten existieren, ist in sich schon unmöglich, wird allein nur
die Größe des dazwischenliegenden Raumes betrachtet. Nur, ohne eine
solche Teilung wäre kein Raum vorhanden, in den Khasarien hätte einge-
fügt werden können. Wenn davon ausgegangen wird, daß auch das auf der
Karte als „Khasarien" deklarierte Gebiet tatsächlich aber von Bulgaren
besiedelt war, das gleiche Gebiet dereinst die Heimat der Ost- und Westgo-
ten war und eine Vertreibung dieser Stämme durch die Hunnen nie stattge-
funden hat, so muß davon ausgegangen werden, daß es sich bei den Bulga-
ren ganz einfach um die Nachkommen der Goten handelt, und daß diese
nach der freien germanischen Ordnung lebten. Ein Stamm, welcher ein
solch riesiges Gebiet besiedelt, welcher dabei in seiner räumlichen Aus-
dehnung nach Norden und Westen von germanischen Nachbarstämmen,
nach Osten durch den Ural und die dahinter lebenden mongolisch-
122

tatarischen Stämme so wie nach Süden durch die orientalischen Reiche in


seinem, wenn auch riesigen, Lebensraum eingeschränkt war, ein solcher
Stamm konnte seinen Geburtenüberschuß folglich nur in den südwestlichen
Raum Europas ziehen lassen und auch hier nur einige dünnbesiedelte Re-
gionen zwischen den dort ansässigen Stämmen ausfüllen. Allein diese ar-
chäologisch nachgewiesene „Wanderung" der Goten belegt nun aber auch,
daß der gesamte Stamm der Goten nach der idealistischen germanischen
Ordnung gelebt haben muß! Wäre dies nicht so gewesen, so hätten die
Goten nicht die weiten Wege in irgendwelche südeuropäischen Freiräume
auf sich nehmen müssen, sondern sie hätten ganz einfach ihre westlichen
Nachbarn erschlagen und deren Land in Besitz genommen. Das aber kam
erst viel später, nur da wußte auch kein Gote mehr, von wem er abstammte
und mit wem er verwandt war.

Wenn nun, wie auf der Karte eingezeichnet, die Goten/Bulgaren sich im
Jahre 1096 bis vor die Tore Konstantinopels ausgedehnt hatten, Kleinasien
zu diesem Zeitpunkt weitgehendst islamisch geworden war, so war in der
Konsequenz das oströmische Imperium auf einen Stadtstaat zusammenge-
schmolzen. Das wiederum besagt, wollten die Politiker dieses Stadtstaates
ein neues, ein jüdisches Volk in einer überlebensfähigen Größenanzahl
schaffen, daß es dann nötig war, alle Bewohner Konstantinopels, also den
gesamten Stadtstaat, zum jüdischen Volk zusammenzufassen.

Allein schon die Existenz dieses riesigen germanischen Gotenstammes


besagt aber auch, daß die Hörigen des I. Kreuzzuges, wenn überhaupt, so
doch nur auf gotischem Gebiet angesiedelt werden konnten. Und, wenn in
Konstantinopel nur die geringste politische Intelligenz vorhanden war, so
mußte jede Neuansiedlung auch dazu dienen, Konstantinopel von den Go-
ten abzuschirmen, d.h., die Neuansiedlungen erfolgten dort, wo auf der
Karte der westliche Volksteil der Bulgaren eingetragen ist. Sie, die Neuan-
siedler, wurden dann vom neuen jüdischen Volk Konstantinopels zu ihren
ersten christlichen Knechten gemacht. Die Übernahme des christlichen
Glaubens und die Akzeptanz des in Konstantinopel ansässigen kaiserlichen
Papstes als Stellvertreter des Christengottes, das war der Preis, den die
Hörigen des 1. Kreuzzuges zu bezahlen hatten! Diese ersten Christen muß-
ten also nicht nur die Ritter des 1. Kreuzzuges bereitstellen, sondern sie
123

wurden auch zur christlichen Missionierungstruppe gegen die Goten, gegen


den gesamten osteuropäischen Raum (Wurde bei der Aufteilung der So-
wjetunion auch dem Wissen über die gotische Stammeseinheit Rechnung
getragen, als man sie in mehrere Staaten aufteilte?). Und wie in West- und
Mittel-Europa, so folgten auch im Osten die konstantinopler Händler ihren
christlichen Heeren. Da dieser Raum von Konstantinopel aus am direkte-
sten beherrschbar und am günstigsten erreichbar war, sie einzig auf ihren
Kaiser, und nicht auf einen italienischen Vize-Kaiser oder den Ritterorden
der Templer angewiesen waren, hat sich der allergrößte Teil der konstanti-
nopler Bevölkerung, das jüdische Volk, in den osteuropäischen Raum ab-
gesetzt, als Konstantinopel aufgegeben werden mußte. Daß diese dann in
ihren neuen Herrschaftsräumen, allein zu der nötigen Aufstockung der
eigenen Volksmasse, sich die besten der Christen dazu auswählten, denn
der Wechsel zum jüdischen Glauben war zu allen Zeiten, zumindest gei-
stig, der Wechsel vom Knecht zum Herrn, das versteht sich von selbst.
Dies aber besagt, daß seither größte Teile des jüdischen Volkes Nachfah-
ren von Menschen sind, die nach der germanisch-idealistischen Ordnung
gelebt haben!

Welche Mittel zuvor das neue Volk der Juden und dessen Christenkaiser
angewendet hatten, um den Raum vor der Haustür Konstantinopels men-
schenleer zu machen, das muß hier ungeklärt bleiben. Nur scheint dazu der
Hinweis auf die später in ganz Europa wütenden Pestkatastrophen zumin-
dest genauso erwähnenswert wie die Möglichkeit, daß es nur eine Frage
des Preises gewesen sein dürfte, um den Khan der Kosaken für Kriegszüge
gegen seine gotischen Nachbarn zu motivieren. Denn Konstantinopel war
nicht nur eine Hochburg von Handel und Politik, sondern auch die der
Korruption.

Und es war eine phantastische Geschichtsschmiede. Für alle, nicht nur für
die dortigen, Fälscher war es immer dann recht einfach, historische Vor-
gänge zu erfinden oder umzudichten, wenn man sowohl den Beginn als
auch das Ende der Geschichte zur gleichen Zeit beschreiben konnte, wenn
also die Veränderung in der Zeit ihrer Beschreibung längst überholt und
vergangen war. So lassen sich beliebige Veränderungen, auch wenn sie nie
stattgefunden haben, ganz einfach in die Abläufe einfügen.
124

Aber kommen wir aus Konstantinopler Geschichten zurück zum 1. Kreuz-


zug. Da es sich nicht um militärische Kreuz-, sondern um Siedlerzüge han-
delte, so erklärt sich auch deren schlechte militärische Organisation, Aus-
rüstung und die dürftige Versorgung der hörigen Kontingente des 1.
Kreuzzuges. Zogen sie doch nicht zur Kriegsführung aus, sondern suchten
sie ihre Freiheit auf neuem Siedlungsland. Daß es sich, wie mancher Histo-
riker in seiner Verzweiflung zusammenreimt, um Pilgerzüge nach Jerusa-
lem gehandelt haben soll, zeigt zumindest den Versuch, den völlig unkrie-
gerischen Zügen eine geschichtsverträgliche Erklärung zu geben.

Nach der heutigen, von niemand anderen als den aus Konstantinopel
stammenden Geistern geformten, Geschichte verschafft aber erst die an-
geblich vollständige Vernichtung der Bauernzüge dieser Geschichte die
Grundlage dafür, den dann folgenden orientalischen Kriegszug der Ritter
personell von anderswoher, eben aus Frankreich, Italien und der Norman-
die, auszustatten. Da aber etwas anderes als diese Züge der Bauern nicht
stattgefunden hat (weil ganz Europa eben nur von Bauern und Handwer-
kern besiedelt war) und erst nach dem Untergang der Bauernzüge ein
Kreuzritterheer auf der orientalischen Bühne auftauchte, so kann diese
widersprüchliche Darstellung nur dann aufgelöst werden, wenn es eine
vollständige Vernichtung der Gesamtheit der Bauernzüge nie gegeben hat.
Denn nur aus den Zügen der Hörigen können u.a. die danach durch die
Geschichte ziehenden Kreuzritter gebildet worden sein!

In zeitlich dichter Folge waren mehrere große Menschenzüge in den neuen


Siedlungsgebieten des östlichen Balkans eingetroffen, um erst hier den
Preis zu erfahren, den der Kaiser von den Siedlern verlangte und der darin
bestand, daß die Siedler dem christlichen Papst-Kaiser aus ihrer Mitte ein
Kontingent von Männern stellen mußten, welches in seinem Auftrag einen
Kreuzzug zur Befreiung der heiligen christlichen Stätten durchzuführen
hatte. Nicht ein nicht existenter Papst Urban II., sondern der in Konstanti-
nopel residierende christliche Händler-Kaiser und Papst rief, einzig zur
Eroberung verlorengegangener Märkte, zu einem christlich vorgeheuchel-
ten Kreuzzug auf! Wie der dann folgende „Kreuzzug der Ritter" zeigt, ha-
ben die Siedler den Preis gezahlt. Und ihr Vasalleneid war nichts anderes
als der „Übertritt zum christlichen Glauben", den der Papst-Kaiser durch
125

die Beistellung orientalisch-christlicher Mönche sicherzustellen wußte.


Und nicht nur die Kreuzritter, sondern auch alle anderen Teilnehmer des
„Kreuzzugs der Bauern" mußten, bevor ihnen Land zugeteilt wurde, zum
christlichen Glauben übertreten. Denen, die dies nicht taten, die vielleicht
wieder versuchten, sich auf den Rückweg zu machen, denen dürfte das
passiert sein, was nach der gängigen Geschichte allen Teilnehmern dieser
Züge passiert sein soll: sie wurden tatsächlich umgebracht.

Mit diesem ersten Schritt des auf die Eroberung und Unterwerfung der
germanischen Welt zielenden Unternehmens war Konstantinopel ein poli-
tisch äußerst kluger und weitsichtiger Schachzug gelungen. Nicht nur, daß
damit der germanischen Stammesgemeinschaft bzw. dem Volkskörper
völlig gefahrlos ein Teil seiner Menschen entzogen werden konnte, son-
dern waren von diesem Vorgehen doch insbesondere solche Kräfte betrof-
fen, die zu allen Zeiten den Kern der gesamten militärischen Stärke der
germanischen Stämme gebildet hatten, die dazuge-Hörigen. Nach deren
Verlust mußte der gesamte weitere Abwehrkampf der mittel- und westger-
manischen Stämme von der tragenden Säule der Gemeinschaft selbst, von
den freien Bauern, geführt werden. Von solchen also, die die Grundlage
der Gemeinschaft bildeten, womit jeder Aderlaß, jeder einzelne Verlust,
immer sehr tiefgehende soziale und gemeinschaftspolitische Folgen haben
mußte. Mit jedem erschlagenen Bauer stand eine Familie vor dem Ruin,
was sich mit jedem weiteren Verlust zu einer sozialen Katastrophe auswei-
ten, was schlußendlich zum völligen Zusammenbruch der gesamten Ord-
nung führen mußte. Hinsichtlich der ostgermanischen Gebiete und Stäm-
me, die von dieser Art von Aderlaß verschont geblieben waren, kann die
Vernichtung der auch hier geltenden Ordnung nur durch die Einschaltung
tatarisch-mongolischer Hilfskräfte erreicht worden sein, wofür Konstanti-
nopel einzig das Mittel der politischen Korruption zur Verfügung stand.

Spätestens dann mit der 3. Phase, dem militärischen Angriff, regional ge-
trennt vorgetragen von Templerrittern und den aus Italien vorrückenden
Heeren Konstantinopels, war der Kampf um die germanische Freiheit und
Lebensordnung in Mittel- und Westeuropa voll entbrannt. Allein mit einem
riesigen Betrug, mit dem Volkszug der Hörigen (statt eines „Kreuzzugs der
Bauern"), mit dem Hunderttausende um ihre Lebensordnung und viele
126

wohl auch um ihr Leben gebrachte wurden, hatte das politisch so kluge
Konstantinopel sich die Voraussetzung für die sofort danach einsetzende
Eroberung Europas unter dem christlichen Kreuz geschaffen. Denn nur
wenn die Situation, die „Entblößung" der germanischen Stämme von ihrem
Nachwuchs, sofort ausgenutzt wurde, wenn den germanischen Stämmen
keine Zeit blieb, den menschlichen Verlust durch neue Geburten wieder
auszugleichen, nur dann überhaupt war das germanische Europa mit Erfolg
anzugreifen.

Eine der Reaktionen der germanischen Stämme auf die nun endlich als
solche erkannte Bedrohung findet sich selbst in den christlich bearbeiteten
Erzählungen der Edda, worin selbst im Bezug auf Wotan, den höchsten
Gott der Germanen, eine völlige Wesensveränderung geschildert wird. So
lieferte die nach dem „1. Kreuzzug" entstandene, gemeinschaftlich-
existentielle Bedrohung der germanischen Welt genau ein solches Ereignis,
um für den Abwehrkampf selbst dem Höchsten aller Götter ein neues We-
sen zuzuweisen. Wie ansonsten die Hilfe der Götter nur bei übernatürli-
chen Bedrohungen durch irgendwelche Riesen erbeten wurde, so war die
nun entstandene, diesmal politische, Bedrohung so groß, daß der vormalige
gütige Allvater zum neuen Kriegsgott werden mußte.

Wenn wir uns den „Kreuzzug der Bauern" noch etwas genauer ansehen, so
zeigen sich für einen Kriegszug doch erhebliche Eigenartigkeiten.

1. Um mehrere, jeweils ca. 20 000 Teilnehmer umfassende, Men-


schenmassen zusammen zu bringen, bedarf es in der Agitation
weitaus mehr als verschiedener Geschichten einiger weniger Wan-
derprediger.
2. Solche Massen hätten nicht nur immer eines anführenden Herzogs
bedurft, sondern sie hätten immer auch, so ein solcher vorhanden
gewesen wäre, das vorrangige Interesse des deutschen Königs oder
Kaisers (angeblich Heinrich IV.) gefunden. Nur wird sein Mitwir-
ken nirgendwo auch nur erwähnt, war er doch angeblich in Nord-
italien unabkömmlich, was natürlich nicht den Tatsachen ent-
spricht, denn einen deutschen Kaiser gab es noch gar nicht.
127

3. Welchen Grund sollte ein freier Bauer haben, um seine Familie,


seine Gemeinschaft und seine Heimat zu verlassen, allein um sich
in den Dienst eines (ost-)römischen Kaisers zu stellen? Denn selbst
sein Land, und damit seine Freiheit, hatte er bereits.
4. Wie sollte es überhaupt möglich sein, daß sich jemand aus einer
freiheitlichen Lebensordnung für fremde Interessen zu Kriegsdien-
sten bereit findet?
5. Welcher Söldner, ja, selbst welcher „christliche Fanatiker" würde
je seine Familie zu einem Kriegszug mitzunehmen, wenn er nicht
beabsichtigen würde, für immer am Ziel seines Zuges zu bleiben?
6. Selbst aus den, angeblich doch seit Chlodwigs Zeiten, dem Jahre
492, dem christlichen Glauben zugewandten linksrheinischen Re-
gionen, die sich weit in das heutige Frankreich hinein erstreckten,
fand sich kein Bischof, kein Fürst und auch sonst kein nennenswer-
ter Adliger, der bereit gewesen wäre, für irgendwelche bedrängten
Glaubensgenossen im Orient in den Krieg zu ziehen (Weil es zu
diesem Zeitpunkt weder herrschende Adlige noch Bischöfe gege-
ben hat und im Orient kein Christ auch nur bedroht war. Selbst
nicht von seinen Händlern, die ihn doch brauchten, um ihn auszu-
plündern).
7. In Deutschland konnte also nicht ein christlich-materialistischer
Kriegshaufen angeworben werden, sondern einzig verschiedene
Auswandererzüge fanden sich zusammen. Bilden vielleicht diese
Ereignisse die historische Grundlage für das spätere Märchen vom
„Rattenfänger von Hameln", als dank Inquisition, Folter und Kir-
chenterror die Wahrheit niemand mehr frei und offen auszuspre-
chen wagte?
8. Was an der überlieferten Führungszusammensetzung des germani-
schen „Kreuzzuges" besonders auffällt, ist das angebliche völlige
Fehlen jeglicher führenden Adelsstrukturen. Statt einem gewählten
Herzog stellen die Geschichtsfälscher u.a. einen schwarzbraunen
christlichen Einsiedler an die Spitze der Züge. Welcher Germane
wäre je einem solchen Führer hinterhergelaufen?

Aber noch etwas ganz anderes bestätigt sich aus dem ersten Teil des soge-
nannten Kreuzzuges: er zeigt aus einem in der gesamten damaligen Welt
128

bekanntgewordenen Ereignis die tatsächliche Lebensordnung, wie sie


selbst im Jahre 1096 im europäischen Abendland noch immer existierte!
Allein dieses Ereignis belegt die gesamte vorausgegangene Entwicklung in
Europa! Bis zum Jahre 1096 war also die germanische Gemeinschaft noch
immer in ihrer freiheitlichen Lebensordnung verblieben, hatte sich annä-
hernd über ganz Europa verbreitet, und es war keinerlei materieller Adel,
also auch keine Herrschaftsstruktur, ja selbst keine größere Stadt vorhan-
den.

Mit dem Jahre 1096 begann nun nicht nur die christliche Bekehrung,
sondern der, auf die immensen, im (ost-)römischen Konstantinopel und
seinen norditalienischen Niederlassungen angesammelten Reichtümer
gestützte, Großangriff der dort herrschenden Händler-Plutokraten gegen
das freie abendländische Europa. Getarnt unter dem Zeichen des in ih-
rem Auftrag erfundenen christlichen Kreuzes, begann unter Anwendung
aller politischen Mittel und begleitet von der brutalsten Gewalt der Fol-
ter-Inquisition die materialistische Eroberung Europas!

Wo das Christentum und die hinter ihm stehenden materialistischen Werte


noch immer unbekannt waren, wo noch immer die freiheitliche Lebensord-
nung der Germanen vorherrschte, da konnte es zwangläufig noch immer
keine Städte, und schon gar nicht die darin „seit Jahrhunderten" ansässi-
gen, nichtexistentes Geld verleihenden, Juden geben, die laut gültiger Ge-
schichtsschreibung während des 1. Kreuzzuges zunächst in großer Anzahl
geplündert und später gemordet worden sein sollen. Denn wovon hätten
geldverleihende Juden in einer Region, in der es kein Geld gab, leben sol-
len? Sollten aber tatsächlich eine Großzahl von orientalischen Händlern im
Zusammenhang mit diesen Zügen umgekommen sein, so stellt sich die nun
eigentlich rhetorische Frage, woher diese gekommen waren? Waren sie die
Propagandisten des Kaisers, die Händler-Agitatoren Konstantinopels, die
freies Siedlungsland anboten und die gesamte Verpflegung und Reiseaus-
stattung zur Verfügung stellten, um dann, als die Nachrichten vom Betrug
der Wanderzüge in der Heimat eintrafen, für diesen zur Rechenschaft ge-
zogen zu werden?
129

Waren schon die Menschenzüge ins Morgenland jedermann in Europa


bekannt geworden, und wurden diese dann später zum 1. Kreuzzug
umgedeutet, so ist man doch verwundert, daß bei diesen Verfälschungen
nicht auch die Schilderungen vom vielfachen Mord an den angeblich
ansässigen Juden einfach ausgemerzt wurden. Um das neue jüdische
Händlervolk in einem bedauernswerten Opferlicht erscheinen zu lassen,
waren die Fälscher sogar bereit, den psychologischen Widerspruch von
einem großangelegten Judenmord, der von christlich-enthusiastischen
Kreuzzüglern begangen worden war, in Kauf zu nehmen. Offenbar waren
nicht nur die großangelegten Menschenzüge und der Betrug an ihnen
jedermann bekannt geworden, sondern auch die Reaktion darauf, die darin
bestanden hatte, die dafür verantwortlichen Agitatoren zu erschlagen.
Diese dann von orientalischen Händlern im Auftrag Konstantinopels zu
alteingesessenen, ach so bedauernswerten, geldverleihenden Juden zu
stilisieren, entsprach dann wieder der dauerhaft verfolgten politischen
Strategie der Händler-Plutokraten und der von ihnen abhängigen
christlichen Führungsschicht, sich, wie dann auch zu allen nachfolgenden
Zeiten, von der Seite der politischen Übeltäter auf die der Betroffenen zu
schleichen. Ein Unterfangen, das den Händler-Plutokraten aber immer nur
dank der Unterstützung ihrer christlichen Kirche und der christlich-adligen
Führungsschicht gelingen konnte.

Auch von einer anderen Seite aus betrachtet zeigt sich der Widersinn der
heutigen Geschichtsschreibung. Wie die Züge der deutschen Landsucher
selbst, so war auch ihr betrügerisches Ende ein Ereignis, das die damalige
Welt bewegte. Weshalb hätten die Türken je die germanischen Züge in
Kleinasien vernichteten sollen? Denn mußten die nur notdürftig bewaffne-
ten, betrogenen Auswanderer, die doch nie als Feinde der Türken und zu
deren Bekämpfung gekommen waren, nicht so sehr für diese, sondern
weitaus eher für den (ost-) römischen Kaiser zur Bedrohung werden, nach-
dem sie seinen Betrug erkannt hatten?

Ein gewaltiges und weitreichendes politisches Konzept beginnt sich erst-


mals, und für jedermann deutlich erkennbar, mit den Ereignissen abzu-
zeichnen, welche als erster Kreuzzug in den Geschichtsbüchern stehen. Ein
Konzept, das die idealistische europäische Lebensordnung vernichtete, was
130

sich in den machtpolitischen Folgen bis zum heutigen Tage fortgesetzt hat,
und welches zu korrigieren alle seither herrschenden Kräfte und Konstella-
tionen entweder nicht wagten, oder aber diese Kräfte benötigten die so
dargestellten Ergebnisse auch zur Stützung ihrer eigenen Herrschaft.

Die machtpolitischen Entwicklungen, die auf das Jahr 1096 folgten und um
das Jahr 1250 ausliefen, lassen nun auch einen Rückschluß auf die erheb-
lich veränderte, geostrategische Ausgangsposition zu, die sich Konstanti-
nopel mit den Erfolgen des ersten Kreuzzuges selbst geschaffen hatte. Ne-
ben der militärischen Schwächung der west- und zentraleuropäischen
Stämme der Germanen war es Konstantinopel bis 1096 gelungen, sich zu-
sätzlich zu den zuvor vorhandenen Kräften nun auch noch die in die Rit-
terorden der Johanniter und der Templer umstrukturierten Militärverbände
des 1. Kreuzzuges zu beschaffen. Damit verfügte Konstantinopel nun, statt
der vorher zwei, seit 1096 über vier Machtsäulen. Waren dies zuvor die
direkte kaiserliche Macht in Konstantinopel, die sich dabei noch auf den in
Italien residierenden Vizekaiser stützen konnte, so hatten sich beide nun
durch je einen, unabhängig einsetzbaren, Ritterorden, die aus den Reihen
der Gegner gewonnen werden konnten, erheblich verstärkt. Auf der so
verbreiterten Machtbasis konnte nun der eigentliche Angriff gegen das
Abendland erfolgen. Dabei wurden die 4 Konstantinopel verfügbaren
Machtteile wie folgt regional zugeordnet und zum Einsatz gebracht:

1. Der Ritterorden der Johanniter war direkt dem Kaiser in Kon-


stantinopel unterstellt, übernahm die Sicherung der frisch erober-
ten orientalischen Gebiete und bildete die militärische Reserve.
2. Der Ritterorden der Templer unterstand den Weisungen des Vi-
zekaisers in Italien und richtete seine Angriffe gegen die westli-
chen Regionen, gegen Frankreich und den nördlichen Teil der
iberischen Halbinsel, nachdem der Süden dem Islam überlassen
worden war.
3. Dem Vizekaiser selbst war die europäische Mitte als Angriffsre-
gion zugewiesen.
4. Damit blieb es dem Kaiser vorbehalten, sich persönlich um die
Unterwerfung der osteuropäischen Gebiete zu kümmern. Darin
dürfte, wie die erfundene Khasarengeschichte zeigt, auch der
131

Grund dafür zu sehen sein, daß die meisten seiner jüdischen


„Volksangehörigen" sich dann aus Konstantinopel in die osteu-
ropäischen Regionen absetzten.

In der zeitlich direkten Folge des 1. Kreuzzuges begann, auf der strategisch
entsprechend aufgeteilten Grundlage, die eigentliche Eroberung des
Abendlandes. Während der aus den Kreuzrittern gebildete Templerorden
zur Eroberung und Unterwerfung der westlichen Regionen angesetzt wur-
de, setzte Konstantinopel für den Angriff auf das Zentrum Europas seinen
Vizekaiser ein (den die späteren Geschichtsfälscher dereinst als deutschen
Kaiser umdeklarieren und einem rechtgläubigen Papst an die Seite stellen
sollten), dem für diese Aufgabe möglicherweise auch die Kompetenz eines
Papststellvertreters oder eines orthodoxen Bischofs zugesprochen, oder
eine zweite Person mit dieser Funktion beigestellt wurde. Ausgehend von
Süditalien mußte zunächst dessen Norden erobert und die dort ansässigen
Goten besiegt werden, bevor man damit beginnen konnte, den Krieg nach
Norden zu tragen. Dabei ging es nun nicht darum, große Schlachten zu
schlagen und zu gewinnen, sondern das einzig verfolgte Ziel war, der ger-
manischen Seite mit allen Mitteln möglichst hohe Verluste beizubringen,
um so, über die damit verursachte Auflösung der Familien verbände, die
soziale Komponente der Ordnung bis an den Punkt überzustrapazieren, an
dem die gesamte Ordnung zusammenbrechen mußte. Welche Rolle dabei
die Pest gespielt hat, kann hier nicht weitergehend behandelt werden.

Welche Erfolge Konstantinopel sowohl in West- als auch in Zentraleuropa


bis zum Jahre 1190 bereits erreicht hatte, als es einen erneuten militäri-
schen Anlauf zur Rückgewinnung der wiederum verlorengegangenen ori-
entalischen Märkte unternahm, zeigt sich in dem Vorgang, der als 3.
Kreuzzug in den Geschichtsbüchern steht. Sowohl die militärischen als
auch die politischen Mittel Konstantinopels hatten durch Dauerkriege und
dem daraus folgenden Chaos in ganz Süd- und Westeuropa zu neuen mate-
rialistischen, und dabei doch ach so christlichen, Adelsstrukturen geführt.
Die alte Lebensordnung war weitgehend zerstört und untergegangen. Ihre
Reste hatten jeden zentralen Schutz verloren und waren in kleine Gruppen
und Beziehungen aufgelöst. Nicht etwa im 5., 6., 7. oder 8. Jahrhundert hat
die christliche Unterwerfung bzw. „Missionierung" Europas stattgefunden,
132

sondern, wenn auch regional in eine West- und in eine Zentralzone, die
Zone der Templer und die des „deutschen" Kaisers (tatsächlich aber der
von Konstantinopel eingesetzte Vizekaiser) aufgeteilt, der von Konstanti-
nopel und seinen, als erste sichtbare Monumente der ersten Siege, neu er-
richteten norditalienischen Stadtfilialen aus gesteuerte christliche Ansturm
fand tatsächlich erst in der Zeit zwischen 1090 und 1190 statt. Und auch
der Kaiser selbst war nicht minder erfolgreich, wenn er sich auch bei der
Eroberung Osteuropas genötigt sah, seine im Orient stationierten militäri-
schen Reserven soweit in seinen Ostfeldzügen aufzubrauchen, bis der
Schutz der orientalischen Gebiete soweit geschwächt war, daß sie wieder
von der Oberherrschaft Konstantinopels abfielen.

Der erste weithin sichtbare Schritt zu diesem durchgeplanten politischen


Gesamtvorhaben war der über einen gewaltigen Betrug, zu dem die
germanische Lebensordnung geschickt ausgenutzt wurde, inszenierte
Entzug eines Großteils der Hörigen in den Zügen des sogenannten „ersten
Kreuzzuges". Danach mußten die gesamten germanischen
Verteidigungsanstrengungen allein auf den Schultern der freien Bauern
liegen, wobei jeder einzelne Verlust zum direkten Ausfall einer ganzen
Familie führte, da ihr ein wichtiger Teil genommen war. Bei größeren
Verlusten mußten bald auch die Möglichkeiten der Sippe überfordert
gewesen sein, was dann eine soziale Verelendung der gesamten
Gemeinschaft zur Folge haben mußte. Soziale Entwurzelung, begleitet von
Hungersnöten und sittlichem Verfall, mußte die Folge sein. Die sensible
und harmonisch abgestimmte idealistische Lebensordnung mußte in relativ
kurzer Zeit zerfallen. Neben diesem allein durch die Dezimierung der
freien Bauern ausgelösten inneren Zerfall, der keine großen Schlachten
oder aufwendige militärische Siege erforderte, erfolgte dann die
Unterwanderung der sich hinter Klostermauern und unter als Kutten be-
zeichneten Tarnkappen versteckenden Fremden, die nicht nur ihre
materialistische Weltanschauung, nicht nur ihren Auftrag und ihr Wissen,
sondern die auch ihre eigene Sprache mitbrachten. Und nicht zu vergessen:
auch die selbst heute noch angewendeten Methoden der
Geschichtswissenschaften haben ihren Ursprung in der Welt der klösterli-
chen Geschichtsfälscher.
133

Die militärische, insbesondere aber die politische Bedeutung des Ereignis-


ses, das später mit allem Zynismus als „erster Kreuzzug" deklamiert wur-
de, kann nicht hoch genug eingestuft werden. Denn ohne die mit diesem
Betrug so gefahrlos erzielte Ausgliederung und Indienststellung des ger-
manischen Nachwuchses, an dessen Kampfkraft nicht nur jede Eroberung,
sondern auch jede Zerstörung der germanischen Welt immer gescheitert
wäre, hätte die Eroberung des Abendlandes nie gelingen können. Erst die-
ser politische Schachzug schuf die Voraussetzungen dazu. Diesen dann
gleichzeitig dazu genutzt zu haben, um sich selbst militärisch zu verstär-
ken, erst das beleuchtet die tatsächlichen politischen Qualitäten, die in
Konstantinopel längst erreicht waren. Auch wenn jeder einzelne germani-
sche Verlust immer schmerzlich gewesen wäre, so hätte selbst die voll-
ständige Vernichtung dieses Nachwuchses keine gesamt- bzw. ordnungspo-
litischen Konsequenzen gehabt. Die Gemeinschaft hätte weiterhin unbe-
schadet bestanden.

Mit dem „1. Kreuzzug" sehen wir erstmalig in der menschlichen Geschich-
te ein Ereignis, das nur Teil eines weitaus umfassenderen, strukturiert ge-
planten, politischen Konzeptes war. Die menschliche List war zur Politik
geworden. Dem Betrug war der Sprung in eine neue Dimension gelungen,
in der seither nicht nur geplant und politische Ziele und Interessen verfolgt
wurden und werden, sondern in der mit gleichen Methoden dann auch un-
sere Geschichte neu geschrieben wurde und heute noch wird.
134

3.5.2 Die anderen Kreuzzüge __________________________________

Die verbleibenden Kreuzzüge sollen nur in aller Kürze abgehandelt wer-


den. Denn auch sie sind, wie schon die Jahrhunderte vor dem 1. „Kreuz-
zug", noch immer Teile des großen, mittels umfangreichster Dokumenten-
fälschungen über die Geschichte ausgebreiteten, Leichentuches, das erst
nach dem 14. Jahrhundert so lückenhaft wird, daß zumindest die Datierun-
gen und die Ereignisse als Fakten anerkannt werden können. Wie schon
beim 1. „Kreuzzug", so haben es manche der noch folgenden „Kreuzzüge"
(wenn auch nicht alle) einzig ihrer damals „weltweiten" Bekanntheit zu
verdanken, daß sie, zumindest als Ereignis, unverfälschbar wurden. Nur
besagt dies wenig hinsichtlich der jeweils verfolgten politischen Ziele wie
auch der erreichten Ergebnisse. Denn mit der Entwicklung konzeptioneller
Politik und Geschichtsverfälschung waren für alle Zeiten die Grundlagen
der Methoden „erfunden", mit denen alle christlich-materialistischen Poli-
tiker immer versuchten, ihre Handlungen als im Einklang mit den christlich
geheuchelten positiven Werten stehend darzustellen.

Der 1. Kreuzzug der Ritter (1097) wurde von den Geschichtsfälschern


geschickt zeitlich neben die Züge der deutschen Bauern (1096) datiert, um
so den Blick darauf zu verstellen, daß die Ritter aus den „Bauern"-Zügen
rekrutiert worden waren, die zuvor, in der Hoffnung auf freies Siedlungs-
land, nach Konstantinopel gezogen waren. Hätte allein schon damit die,
sich über das gesamte damalige Abendland erstreckende, freie Lebensord-
nung offengelegen. Mit diesem Zug wird die gesamte Mittelmeerküste
zwischen der heutigen Türkei und dem Sinai erobert. Statt nun aber die
eroberten Regionen und Handelsplätze dem (ost-) römischen Reich wieder
einzuordnen, soll das Gebiet von den Kreuzrittern gegen den Willen des
(ost-) römischen Kaisers in christliche Grafschaften aufgeteilt worden sein.
Wie aber hätten sich je einzelne unabhängige Grafschaften in den so müh-
sam erkämpften Gebieten halten können? All diese fast schon albern anmu-
tenden Geschichten von den verschiedenen Kämpfen und Betrügereien der
Kreuzfahrer untereinander und gegenüber dem (ost-) römischen Kaiser
können, ohne daß daraus ein geschichtlicher Verlust entstehen würde, si-
135

cherlich ganz einfach als Produkt mittelalterlicher Fälscherphantasien zur


Seite gelegt werden. In den orientalischen Regionen war es ausschließlich
der Kaiser, der die einzige je herrschende christliche Macht darstellte.

Der 2. Kreuzzug wurde vom italienischen Vize-Kaiser, in der Geschichte


als „deutscher" König Konrad III. tituliert, und dem „französischen" König
Ludwig VII. geleitet. Nachdem deren Truppen in Akkon und Antiochia
angelandet worden waren, erlitten sie zunächst schwere Verluste durch die
Türken. Anschließend nahm der Kreuzzug einen ganz eigenwilligen Ver-
lauf. Denn nicht etwa das „heilige Land" wählten die Kreuzfahrer zum Ziel
ihres Angriffs, sondern Damaskus. Und hier soll die Belagerung tatsächlich
4 Tage angedauert haben, bis sie erfolglos, angeblich wegen Wasserman-
gels, abgebrochen werden mußte. Nach diesem Mißgeschick zogen sich
beide Könige mit ihren Heeren unverrichteter Dinge wieder nach Europa
zurück. Wenn wir unsere Zweifel daran, daß dieser 2. Kreuzzug überhaupt
je stattgefunden hat, überwinden, so bliebe neben der Feststellung, daß
weder ein deutscher König, noch ein französischer König dieses Unter-
nehmen angeführt haben (da es beide noch gar nicht gab), noch immer die
lokale Ausrichtung zu beachten. Entlarvt zunächst der Zielpunkt Damas-
kus, fast schon überdeutlich, sowohl die Auftraggeber als auch das mit den
„Kreuzzügen" verfolgte Gesamtinteresse. Nicht die „heiligen Stätten" des
Christentums, sondern Märkte und Handelsplätze für die Händler Konstan-
tinopels militärisch zu erobern, das war das tatsächliche Ziel aller „Kreuz-
züge". Was darüber hinaus erstaunt, ist, daß die zum „Kreuzzug" einge-
setzten Truppen einfach wieder nach Hause gegangen sein sollen, was dem
gesamten Unternehmen jeden politischen Zweck und Sinn nehmen würde.
Denn zumindest die aufwendig ausgerüsteten Truppen, einmal im Orient
angelangt, standen damit fast schon automatisch dem Kaiser zur Verfü-
gung. Und dieser soll eine solche militärische Verstärkung ganz einfach
wieder ziehen gelassen haben? Sei's drum.

Der 3. Kreuzzug (1190) war dann ein Gemeinschaftsunternehmen des


„englischen Königs" Richard Löwenherz, des „französischen" Königs Phil-
ipp II. und des „deutschen" Kaisers Friedrich I. Barbarossa (an dem nicht
nur der Kosename italienisch war), der neuen christlichen Regionalherr-
scher Europas. Während hundert Jahre zuvor noch irgendwelche neugekür-
136

ten Adligen dem oströmischen Kaiser den Vasalleneid leisteten, traten


diesmal drei als Könige oder Kaiser titulierte Anführer auf, deren zusam-
mengefaßtes Herrschaftsgebiet einen Großteil des europäischen (vormals
germanischen) Raums umfaßt haben soll, obwohl noch immer viele rechts-
rheinische Gebiete bestenfalls in Anfängen als christianisiert bezeichnet
werden können. Von einem Vasalleneid der Könige, in Begleitung Kaiser
Barbarossas, weiß die Geschichte nichts zu berichten, was aber auch nicht
erforderlich war. Wird die Führung dieses Kreuzzuges einmal näher be-
trachtet, so sehen wir einen Vize-Kaiser Konstantinopels, der später zum
deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa umdeklariert wurde, einen französi-
schen König Philipp II. aus einem Land, in dem exklusiv der Templerorden
herrschte, womit es sich bei Philipp also bestenfalls um einen Großmeister
der Templer, nicht aber um einen König der Franzosen handeln konnte,
und einen englischen König, der aus einem Land kam, in dem zwar das
adlige Chaos, längst aber noch kein König der Engländer herrschte, so muß
konstatiert werden, daß dieser Kreuzzug nicht etwa von freien Königen
und Kaisern, sondern von Regional-Fürsten Konstantinopels angeführt
wurde, die sich aus ihren Regionen mit germanischen Truppen eingedeckt
hatten. Nicht mehr landsuchende Bauern, nicht mehr einzelne Herzöge und
Grafen, nein, diesmal konnte bereits ein Teil der unter diesen drei Herr-
schern zusammengefaßten germanischen Stämme in den Weltherrschafts-
kampf des (ost-) römischen Händler-Imperiums eingespannt werden. Und
alle drei führten ihren Kriegszug noch immer unter der direkten Führung
des in Konstantinopel residierenden orthodoxen Papst-Kaisers und unter
Vorgabe des von diesem propagierten christlichen Glaubens. Der dritte
Kreuzzug reflektiert den letzten Glanzpunkt der von Konstantinopel ausge-
henden Macht. Aber es zeigte sich, daß dieses Aufflackern, als der (ost-)
römische Kaiser sich wieder berechtigte Hoffnungen auf eine Ausdehnung
des Imperiums weit jenseits selbst antiker Dimensionen machen durfte, nur
von kurzer Dauer war. Direkt im Anschluß begann der stetige (ost-
)römische Machtverfall, der dann im 15. Jahrhundert von den Türken end-
gültig abgeschlossen wurde. Nur stand zu diesem Zeitpunkt weder einer
der Plutokraten, noch jemand aus ihrem Händlervolk in den Mauern Kon-
stantinopels. Einzig ihre Knechte, die Christen, haben sie geopfert, womit
dann auch das Wissen all dieser staatstragenden Urchristen eliminiert wer-
den konnte.
137

Die interessanteste Frage zu diesem Kreuzzug aber ist die nach dem
Verbleib des siegreichen Heeres, nachdem dessen Anführer, Friedrich Bar-
barossa, bereits zu Beginn des Zuges durch Ertrinken seine Besitzansprü-
che auf diese Truppen abgegeben hatte. Nachdem mit Jerusalem das glei-
che Ziel wie bereits mit dem 1. Kreuzzug erreicht war, wonach seinerzeit
die beiden Ritterorden entstanden waren, stellt sich die Frage, wozu setzte
Konstantinopel diesmal die ihm zugeführten siegreichen Truppen ein?
Haben sie den Aufstand geprobt und den Angriff auf Konstantinopel, der
später geschichtlich zum 4. Kreuzzug gemacht wurde, durchgeführt, oder
wurden sie dem Kaiser direkt unterstellt, um von ihm zur Christianisierung
der osteuropäischen Regionen eingesetzt zu werden, oder wurden sie ganz
einfach zur erneuten Stärkung des Templerorderns verwendet?

Der 4. Kreuzzug (1202) war ein von Venedig (!) organisiertes Unterneh-
men zur Schwächung des (ost-)römischen Reiches! Im Ergebnis übernah-
men nach ihrem Sieg die Venezianer (und mit ihnen angeblich die katholi-
sche Kirche) die Macht in Konstantinopel, die dazu Balduin von Flandern
als neuen Kaiser einsetzten, während die vormaligen Herrscher sich in
Nikaia neu organisierten. Und, man wird es nicht für möglich halten, rund
60 Jahre später, im Jahre 1261, gelang den Oströmern doch tatsächlich die
Rückkehr nach Konstantinopel?! Zumindest steht dies alles so in den Do-
kumenten, die uns Konstantinopel hinterlassen hat. Die Schilderung einer
solchen, fast schon als aberwitzig zu bezeichnenden, Entwicklung muß zu
erheblichen Zweifeln an ihrer Realität führen. Was mit der Schilderung des
4. Kreuzzuges erzeugt wird, das ist nicht nur der Nachweis einer angeblich
existierenden katholischen Kirche, sondern auch einer im Jahre 1202 er-
reichten machtpolitische Stärke Venedigs, seiner Gegnerschaft zu Konstan-
tinopel, wie auch seiner materialistischen Beutegier. Demnach hatte nicht
die Filiale den Aufstand geprobt, sondern die Machtzentrale hatte sich
nach Norditalien verlagert und unternahm nun einen Beutezug gegen ihr
altes Zentrum. So soll das Unternehmen nicht nur von Venedig finanziert
worden sein, sondern der angebliche Kreuzzug richtete sich zunächst gegen
die (ost-) römischen Besitzungen in Jugoslawien und führte zur Eroberung
Zaras, um anschließend direkt gegen Konstantinopel gerichtet zu werden,
das dann auch erobert und geplündert wurde. Nur tat weder der Kreuzzug,
noch diese Plünderung der weiteren Existenz Konstantinopels und des (ost)
138

römischen Imperiums einen grundlegenden Abbruch. Allein daß dieser


Kriegszug, wie auch die dann noch folgenden, von den Historikern als ein
solcher eingeordnet wurde, obwohl er Jerusalem, ja selbst den Orient, nie
zum Ziel hatte und so auch nie erreichte, dürfte seinen einzigen Grund
wohl darin haben, daß sich auch dieser Kriegsbann möglicherweise ein
Kreuz auf Hemd und Schild gemalt hatte.
Diese gesamte seltsame Geschichte, die Konstantinopel nun auch militä-
risch in einem jämmerlichen Zustand zeigt, dient nicht zuletzt dazu, jede
Frage nach dem Verbleib des Kreuzritterheeres des so siegreichen 3.
Kreuzzuges zu verhindern, das erst wenige Jahre zuvor seinen Einzug in
Jerusalem gehalten hatte.

Ein nicht numerierter Kreuzzug (1218) war das Gemeinschaftsunterneh-


men des Königs Andreas von Ungarn und des Herzogs Leopold IV. von
Österreich (beides Fürsten aus dem späteren Reich der Habsburger), der
sich gegen Ägypten richtete. Nachdem ihnen dort verschiedene Eroberun-
gen gelungen waren, wurde er beendet, ohne je das „Heilige Land" gese-
hen zu haben. Die materielle Gier war offenbar schon weit verbreitet, und
die Information vom Reichtum und den Schätzen des Orients hatte sich
herumgesprochen.

Der 5. Kreuzzug (1228) war dann ein Unternehmen des italienischen (Vi-
ze)Kaisers Friedrich II. Nachdem dieser die Erbin des Königs von Jerusa-
lem geheiratet hatte, womit er seinen Anspruch auf den Königsthron von
Jerusalem anmelden konnte, brach er zu seinem Kreuzzug auf. Dieses Vor-
gehen allein zeigt nun erstmals einen Vize-Kaiser, der sich äußerst unab-
hängig von den Interessen seines Kaisers verhält. Beachtlich ist dabei der
Rechtsanspruch, auf den sich Friedrich II. berufen haben soll. Obwohl zu
seiner Zeit noch das Lehenrecht galt, oberster Lehenherr aber nach eige-
nem Anspruch und nach christlicher Lehre immer nur der in Konstantino-
pel residierende göttliche Stellvertreter sein konnte, beruft sich Friedrich
II. auf ererbte Eigentumsansprüche, die sich aber erst aus dem viel später
eingeführten römischen Recht ableiten lassen!
Und der Ablauf des „Kreuzzuges"? Friedrich II. ließ seine Truppen ein
wenig im heiligen Land herumziehen, um danach, ganz Vollblutpolitiker,
Jerusalem und dessen Königswürde per Vertrag vom ägyptischen Sultan zu
139

erwerben, und der Kreuzzug war beendet. Der Kreuzzug eines klugen
Mannes auf schon fast neuzeitlichem politischen Niveau.

Was zu den noch folgenden, gegen Ägypten gerichteten, Kreuzzügen an-


zumerken bleibt, das ist die Feststellung der Archäologen, die Templerbur-
gen selbst in Ägypten nachgewiesen haben, womit sich der Schluß auf-
drängt, daß diese militärischen Unternehmungen zumindest unter direkter,
wenn schon nicht alleiniger, Beteiligung der Templer stattgefunden haben.

Der 6. Kreuzzug (1248) wurde von dem französischen König Ludwig IX.
(obwohl zu diesem Zeitpunkt noch immer der Templerorden in Frankreich
herrschte) unternommen und erreichte über Zypern Ägypten, dessen Erobe-
rung und Reichtum das Ziel war. Beides mißlang. Der Kreuzzug endete mit
einer völligen militärischen Niederlage durch die Ägypter.

Direkt im Anschluß an diesen Kreuzzug sollen dann die Truppen des Mon-
golenherrschers Dschingis Chan den Orient überrannt haben. Anders als
ihre Vorgänger, die erfundenen Hunnen, die angeblich halb Europa nieder-
geworfen und ganze Stämme und Völker vertrieben haben sollen, wandten
sich die mongolischen „Nachfolger der Hunnen" direkt dorthin, wo Beute
winkte, gegen das (ost-)römische Reich und seine südlichen Nachbarn. Ob
die bei diesen Mongolenstürmen (so sie denn je stattfanden) gemachten
Erfahrungen dann dazu dienten, den Hunnensturm zu erfinden und nach-
träglich in die Geschichte einzubauen, wird sich kaum je klären lassen.

Der 7. Kreuzzug (1270) hat den gleichen Urheber und das gleiche Ziel wie
der 6. Der „französische König" und viele seiner Getreuen starben an der
Beulenpest, und der letzte Kriegszug unter dem Kreuz war beendet, wie
dann fast 30 Jahre später mit dem Untergang der letzten oströmischen
(christlichen) Bastion im Orient der gesamte Kreuzzugsgedanke unterging
(Erst einem George W. Bush blieb es dann, viele Jahrhunderte später, vor-
behalten, den Begriff wieder aufflackern und durch die Medien geistern zu
lassen). Auch dieser letzte Kreuzzug, der wiederum nur vom Templerorden
hatte durchgeführt werden können, war von diesem mit gewaltigen Opfern
bezahlt worden.
140

Insgesamt geben die Kriegszüge, welche vom Kaiser in Konstantinopel,


seinem in Italien residierenden Vize-Kaiser oder von anderen, das Chri-
stentum einzig zur Machtausweitung nutzenden, Herrschaftsstrukturen
inszeniert wurden - von den Historikern äußerst willkürlich unter dem Titel
„Kreuzzüge" zusammengefaßt -, nur einen kleinen Teil des tatsächlichen
militärischen Gesamtbildes wieder. Bei diesen unter dem Logo des christ-
lichen Kreuzes betriebenen Kriegszügen gelang es erstmals, diese men-
schenverachtenden und -vernichtenden Massaker von ihrem politischen
Zweck vollständig zu lösen, um ihnen mit der neuen, der christlich geheu-
chelten, Moral dann auch noch einen positiven Anstrich zu verpassen. Ge-
gen die als Barbaren diffamierten Menschen des Abendlandes und die
gleichfalls diffamierten Moslems des Morgenlandes wurde erstmals ein,
dank Christentum, gerechter Krieg geführt, was sich später gegen wilde
Indianer, deutsche Militaristen, Jahre später Hitleristen, danach die Kom-
munisten und heute gegen „Terroristen" und „Schurken"-Staaten ähnlich
wiederholen sollte.
141

3.6 Das geschichtliche Auftreten der Nord-Germanen


der Wikinger

Kaum hatte der nachträglich in die Geschichte implantierte Karl der Große
die Sachsen zum Christentum bekehrt und war, wie zur Belohnung dafür,
zum Kaiser gekrönt worden, schon wurde eine neue, aus dem Norden kom-
mende, aus christlicher Sicht heidnische, Gefahr ausgemacht. Nach der
gültigen Geschichtsschreibung fiel das Volk der seefahrenden, aus Norwe-
gen, Schweden und Dänemark kommenden Wikinger plündernd, sengend
und mordend über die (angeblich) christlichen Regionen Europas her. Zu-
nächst nur an den Küsten Englands, Frankreichs und Deutschlands, dann
auch die großen Flüsse aufwärts, kamen sie auf ihren Schreckenszügen
sogar bis in die christlichen Metropolen Köln und Paris.

Ein gar wunderliches Volk, diese Wikinger, und eine seltsame Geschichte.
Geht man allein nur von der, wenn vielleicht auch nicht völlig identischen,
so doch aus gemeinsamen Wurzeln stammenden, Lebens- und Geisteswelt
der Germanen und Wikinger aus, so sollten allein die darauf aufbauenden
Werte ein solches Verhalten grundsätzlich ausschließen. Wenn hier zu-
nächst davon ausgegangen werden soll, daß die Geschichte nicht vollstän-
dig gefälscht, die Geschichten nicht alle frei erfunden sind, so bleibt auch
dann noch aus deren fundamentalem Widerspruch eine Vielzahl von Fra-
gen. Wie überhaupt konnte eine solche Entwicklung eintreten? Und wes-
halb trat sie offensichtlich erst dann auf, nachdem die Christianisierung der
Germanen bereits weit fortgeschritten gewesen sein soll? Wie passen sol-
che Städtegründungen wie z.B. Haitabu, nahe der heutigen Stadt Schleswig
gelegen, zu einem reinen Räubervolk? Wie konnte es den Wikingern gelin-
gen, wenn auch ausschließlich außerhalb des christlich beherrschten Euro-
pas, sogar neue Staaten zu gründen, wie z.B. in Rußland? Räuber und
Mörder als Städte- und Staatengründer? Es besteht also nicht nur zwischen
der Geisteswelt und den konträr gegenüberstehenden Aktionen und Unter-
nehmungen aus Mord und Totschlag ein Widerspruch, sondern selbst die
Unternehmungen sind extrem gegensätzlich. Handelsniederlassungen wie
142

in Haitabu, Gründung eigener Siedlungsgebiete wie in Rußland und die


Plünderung von Paris. Ein gar wunderliches Volk, diese Wikinger.

Zunächst zur Geschichtsschreibung und den Nachweisen. Während in allen


vorangegangenen Jahrhunderten kein Nachweis zu irgendwelchen Greuel-
taten der Wikinger vorliegt, obwohl doch angenommen werden darf, daß
diese nicht erst im 9. und 10. Jahrhundert ihre hervorragenden Schiffe bau-
ten und Seefahrt betrieben, so tritt das barbarische Phänomen doch erst
nach der (angeblichen) Christianisierung der Germanen und der damit par-
allel einhergegangenen Ausweitung des germanischen Siedlungsraumes
auf. Germanen also nicht nur in Deutschland, sondern nun auch in Frank-
reich und England. Und nun erst erfolgten in diesen Gebieten die Schrek-
kenszüge der Wikinger. Während sich die Wikinger in den heidnischen
Regionen als Händler betätigten, und dies schon zu Zeiten, als auch die
Germanen noch Heiden waren, wurden sie, sobald sie auf Christen trafen,
zu Räubern und Plünderern. Die Wikingergeschichte, wie auch die der
Germanen, eine Geschichte der Widersprüche. Und nicht nur der Wider-
spruch zwischen der eigenen Geisteswelt und den ihr völlig entgegenste-
henden Verhaltensweisen, sondern auch extremste Gegensätze im Verhal-
ten selbst führen zu einem unverständlichen Bild von den Wikingern. Die
Ursache für die Unverständlichkeit der Geschichte liegt ganz einfach darin,
daß sie nicht nur einseitig moralisch dargestellt, sondern auch, daß sie zeit-
lich völlig durcheinander gewirbelt wurde.

Schauen wir zunächst, von wem und wie die so unterschiedlichen Ausprä-
gungen nachgewiesen werden. Die gesamte Räubergeschichte vollzog sich
ausschließlich in den christianisierten Gebieten und wurde ausschließlich
von christlichen Schreibern für die Nachwelt festgehalten. Haitabu und die
russischen Siedlungen dagegen wurden ausgegraben. Während also die
letzteren, die friedlichen Handelsunternehmungen, tatsächlich belegt sind,
stammen alle Mord- und Totschlaggeschichten von christlichen Schreibern,
was aber nicht unbedingt auch heißen muß, daß sie vollständig falsch und
frei erfunden sind. Gute Fälschungen haben es sich zur Eigenart gemacht,
sich immer um einen wahren Kern zu ranken.
143

Während in allen vorangegangenen Jahrhunderten nichts von den Greuelta-


ten der Wikinger vorliegt, so tritt das sogenannte barbarische Phänomen
erst in der christlichen Welt, zumindest also im zeitlichen Gleichklang mit
der Christianisierung, auf. Wenn die Wikinger auch schon zuvor mit ihren
Schiffen unterwegs waren, von kriegerischen Unternehmen aber keine
Angaben vorliegen, so muß davon ausgegangen werden, daß nicht die
Plünderung und der Raub am Anfang der Unternehmungen stand, daß es
auch nicht der Handel war, der die Wikinger über die See trieb, sondern
daß es ganz einfach das gleiche, das germanische, Problem war, welches
auch die Wikinger zu ihren Fahrten zwang. Der Geburtenüberschuß suchte
Raum. Da für die Nordländer aber alle angrenzenden Regionen bereits
durch die Germanen blockiert waren, waren sie zu längeren Fahrten über
die See gezwungen. Die „Völkerwanderung" der Wikinger war also ge-
zwungen, die germanisch bewohnten Regionen zu überbrücken, bevor sie
sich in den angrenzenden, noch freien Räumen niederlassen konnten. Und
wo fanden die Wikinger die Plätze an den Grenzen der germanischen
Welt? Ihr erster, frühester Zug führte sie nach Schottland, ins nördliche
Großbritannien. Als dort der Raum zu eng wurde, fanden sie als neue Sied-
lungsgebiete den nordwestlichen Zipfel Frankreichs, die nach ihnen be-
nannte Normandie, und die Weite Rußlands auf der Linie Moskau-Kiew.
Statt, wie die germanischen Stämme, ihre neuen Siedlungsräume, mit Aus-
nahme der nördlichen Angeln und Sachsen, immer auf dem Landweg anzu-
streben, konnten und mußten die Wikinger die relativ weiten Strecken per
Boot zurücklegen. So entstand dann auch eine fast schon eigenartige Ana-
logie: wo die Römer den Germanen ihre Rhein-Limes-Donau-Grenze in
den Weg stellten, da errichteten sie, südlich des schottischen Hochlands,
den dem Limes annähernd baugleichen Hadrianswall. Demnach haben die
Römer die ihnen aus Schottland drohende Gefahr analog der eingeschätzt,
die ihnen weiter südlich aus der germanischen Welt entgegenstand.

Wie die Geschichtsfälscher, beginnend mit der erfundenen Völkerwande-


rung der Kimbern und Teutonen, die germanischen Stämme zu wilden
barbarischen Nomaden-Horden stilisierten, so wählten die gleichen Fäl-
scher dann auch das gleiche Verfahren, um das Bild der den Germanen so
artverwandten Wikinger ebenfalls entsprechend anzupassen.
144

An dieser Stelle soll noch eine andere Betrachtung einfließen. Nachweis-


lich kamen die Nordmänner/Normannen/Wikinger aus den skandinavi-
schen Ländern. Ebenfalls nachweislich siedelten sie sich in Schottland, in
der Normandie und in Rußland an, wobei ihre Ansiedlungen immer entwe-
der von der Küste der Nord-, oder der Ostsee ausgingen, um sich danach an
den Flußläufen entlang ins Landesinnere zu entwickeln. Nun stellen Sie
sich einmal den gesamten Raum geographisch vor und setzen Sie nur Punk-
te an die Stellen, die von den Nordmännern oder Wikingern außerhalb
ihrer skandinavischen Heimat besiedelt wurden. Da haben wir Schottland
im Norden Großbritanniens, die Normandie in der Nordwestecke Frank-
reichs und verschiedene Niederlassungen in Rußland bis hinunter nach
Kiew. Weshalb haben diese hervorragenden Seefahrer diese so weit aus-
einandergelegenen Punkte gewählt, weshalb haben sie den gesamten riesi-
gen, dazwischenliegenden Raum unbesiedelt gelassen?

Weil er bereits besiedelt war! Weil er von solchen Menschen und Stämmen
besiedelt war, die in einer gemeinsamen, der germanischen, Ordnung leb-
ten! So reichte also die germanische Lebensordnung um das Jahr 1000 von
der Atlantikküste bis weit in den russischen Raum! Und ihre Nord-Siid-
Ausdehnung reichte etwa von Schleswig, bis vielleicht auf wenige Flecken,
über ganz Europa ausgedehnt, bis hinunter zum 42. Breitengrad.

So markieren die Wikingeransiedlungen den Rahmen des Gebietes, über


das sich die germanische Ordnung erstreckte! Der Siedlungsraum der ger-
manischen Stämme reichte demnach viel weiter nach Osten, als es uns die
gefälschte Geschichte bisher vorgaukelt (weshalb auch der Geburtenüber-
schuß der Goten nur noch nach Süden ausweichen konnte)?

Fragen wir die russische Geschichtsschreibung um Rat oder suchen wir


dort gar nach weitergehender Aufklärung zu solchen Fragen, so finden wir
die Abenteuerlichkeit selbst der deutschen Geschichte noch weit überbo-
ten.
„Das ist die Erzählung der vergangenen Jahre, woher das russische
Land kam, wer als erster in Kiev zu herrschen begann und wie das
russische Land entstand. So wollen wir diese Erzählung beginnen."
145

So beginnt die älteste russische Chronik in der erhaltenen Fassung von


1113 n. Chr., die aber eine Bearbeitung und Zusammenfassung vorherge-
hender Aufzeichnungen aus dem 11. Jahrhundert darstellt. Der letzte Bear-
beiter war ein Mönch namens Nestor. Noch ein kleiner Auszug zu dem,
wie es in dieser Erzähl-Chronik zugeht:
„So kamen die Slaven auch an den Dneper und ließen sich nieder
und nannten sich Poljane, ... andere saßen an der Dvina und nann-
ten sich Polocane nach dem Flüßchen Polota (sic.)..."

Damit soll es genug der Albernheiten sein, auf denen bis heute die gesamte
Geschichte Rußlands zu ruhen scheint. Kommen wir zurück zu den Wikin-
gern.

Hatten sich die Wikinger zunächst in ihren neuen Ausweichräumen bäuer-


lich angesiedelt, so machte sie in der weiteren Entwicklung die große
räumliche Trennung von ihrer ursprünglichen Heimat, in Verbindung mit
der relativ geringen Koloniegröße, weitaus anfälliger gegen äußere Ein-
flüsse, als es etwa bei dem großen geschlossenen Block der germanischen
Stämme möglich war. Schon weit vor dem Jahre 1096 begann sich bei den
Normannen, neben den bäuerlichen und handwerklichen Tätigkeiten, der
Handel mit diesen Erzeugnissen herauszubilden. Allein die verstreute Sied-
lungsweise zwang dazu, dabei auch größere Strecken zu überbrücken. Da
die skandinavische Heimat und die normannischen Siedlungsgebiete in
Schottland, der Normandie und Rußland räumlich sehr weit auseinander
lagen und auf dem Landweg entweder überhaupt nicht oder doch nur über
germanisches Siedlungsgebiet zu erreichen waren, mußte allein schon jeder
innernormannische Handel zur Entwicklung und zum Ausbau einer größe-
ren Anzahl hochseetüchtiger Schiffe so wie der Anlage verschiedener
Handelsplätze führen. So entwickelte sich eine auf den Seetransport ge-
stützte unabhängige Handelstätigkeit, die dann die Gründung von Handels-
niederlassungen wie z.B. in Haitabu und anderen Stellen der Nord- und
Ostsee zur Folge hatte. Wie selbst in den entfernten Regionen Rußlands, so
dürften zuvor bereits auch an der quasi vor der Tür liegenden Südküste
Englands die ersten Handelsstützpunkte eingerichtet worden sein. Nicht
also eine „Schlacht von Hastings" im Jahre 1066, in der ein Wilhelm der
Eroberer in England einfiel, sondern allein die Ausübung der neuen Han-
146

delstätigkeit brachte die Normannen in den Süden der englischen Insel.


Diese für die damalige Zeit hochentwickelten Transportmöglichkeiten, die
sich die Wikinger in ihren Schiffen geschaffen hatten, erlaubten ihnen, bei
den weiteren Entwicklungen taktisch weitaus flexibler reagieren zu kön-
nen, als es den bodenständigen Germanen, denen diese Möglichkeiten fehl-
ten, möglich war. So konnten sie nach dem ersten christlichen Ansturm
nicht nur die Handelsniederlassungen Konstantinopels in Sizilien und Süd-
italien angreifen, sondern auch Konstantinopel selbst. Die Teilnahme der
Normannen am ersten Kreuzzug ist eine reine Erfindung der späteren
christlichen Geschichtsschreiber. Statt daß die normannischen Wikinger als
begierige Söldner zur Unterstützung Konstantinopels in irgendwelchen
Kreuzzügen in den Süden aufbrachen, reagierten sie ganz einfach mit ihren
seetüchtigen Möglichkeiten auf den von Konstantinopel und Süditalien
ausgehenden Angriff der Händler-Plutokraten.

Statt Söldner und gefügige christliche Vasallen zu gewinnen, trat der in


Konstantinopel und den norditalienischen Städten residierenden Händler-
macht ein Konkurrent entgegen. Und dies in einer Region, auf die den Plu-
tokraten noch jeder Zugriff fehlte. Das, was sich später einmal zur Organi-
sation der Hanse ausweiten sollte, das hatte seinen Ausgangspunkt in der
Handelstätigkeit, deren Anfänge auf den innernormannischen Waren- und
Güteraustausch zurückgingen.
147

3.7 Der Untergang des germanischen Abendlandes

Wir kommen einfach nicht umhin, noch einige wesentliche Teile des be-
stehenden Geschichtsbildes anzusprechen, auch wenn dies für unsere Auf-
gabe nicht unbedingt erforderlich ist. Eigentlich wurde auch so alles das
gefunden, was gesucht wurde. Was uns nur noch fehlt, das ist u.a. die
Entstehungsgeschichte der rechtgläubigen Kirche und ihres Papstes und
der moralische „Aufschwung" des Christen- über das Judentum.

Die Datierung des Zeitabschnitts von der gewaltsamen Umgestaltung Eu-


ropas läßt sich auch regional am einfachsten aus deren neuerrichteten Herr-
schaftssitzen ableiten. So ist der Beginn dieser Zeit gekennzeichnet durch
den Aufbau von militärisch bestens geschützten Zwingburgen, die für die
Bewohner der unterworfenen Gebiete meist uneinnehmbar waren. Aus
deren Schutz waren die neuen Herren nun jederzeit in der Lage, sich das
von ihnen beanspruchte Gebiet mittels kriegerisch-terroristischer Züge zu
unterwerfen. Erst als die neue christliche Herrschaft sich durchgesetzt hatte
und sicher fühlte, erst ab diesem Zeitpunkt konnte sie dann auch dazu
übergehen, ihre entlegenen und meist auch unbequemen Wohnsitze zu
verlassen und sich in neuen, ihrem Anspruch weitaus gerechter werdenden,
Schloßanlagen niederzulassen. Damit würde allein schon die Nutzungsdau-
er der Burgen, nicht so sehr gegen fremde Ansprüche oder äußere Feinde,
sondern meist zum Schutz gegen die unterdrückten Bauern errichtet, den
Zeitraum definieren, der zur Überwindung des Widerstandes und zur dau-
erhaften Aufrichtung des neuen landadligen Herrschaftsanspruchs benötigt
wurde.

Den einzigen Schutz, nachdem die vorrückenden militärischen Kräfte sie


ihrer Ordnung beraubt und ins Chaos gestürzt hatten, sahen und fanden die
Menschen in den sich neu bildenden Gemeinschaften in den Städten. Die
Städte wurden errichtet als Schutzanlagen für die ins Chaos gestürzten
Handwerker und Bauern („Stadtluft macht frei"), die auf ihrem Feld oder
Siedlungsplatz nicht mehr sicher waren, da sie dort den aus den überall
entstandenen Zwingburgen ausziehenden, neuadligen Okkupanten schutz-
148

los ausgeliefert waren. Wer seine Freiheit in diesen Zeiten bewahren woll-
te, dem boten einzig die überall entstehenden neuen Städte den Raum dazu.
Die seit dem 12. Jahrhundert überall im Abendland entstehenden Stadtge-
meinden verdanken ihre Gründung offenbar dem Gedanken, dort, nachdem
die große germanische Volks- und Stammesgemeinschaft zusammengebro-
chen war und dem Einzelnen keinen Schutz mehr bieten konnte, nun den
Menschen und ihrem, gegen den landadligen Herrschaftsanspruch gerichte-
ten, Freiheitswillen zumindest regional eine neue Basis, eine Sicherheit, zu
geben. So vollendete sich in der Stadt das, was auf dem Lande mit manch
eilig errichteten Wallburgen nicht erreicht worden war: Sie wurden die
widerstandsfähigen Schutz- und Trutzeinrichtungen gegen die neuadlige
Herrschaft! Während also in den Städten der germanische Handwerksadel
dem Volk, wenn auch immer nur regional wirksam, eine neue Lebens-
grundlage und -Sicherheit schuf, begann der Landadel seine Herrschaft von
seinen Zwingburgen aus über die ungeschützte Landschaft und die dort
ansässigen Bauern ausüben. Somit hatten sowohl Burgen als auch Städte
den gleichen, wenn auch im Zweck sich gegenüberstehenden, politischen
Auslöser, der zu ihrer Entstehung geführt hatte.

Darüber hinaus interessant ist nun die Feststellung, daß die neuen Städte
sich nicht etwa wie ein Krebsgeschwür durch neuen Zuzug stetig ausdehn-
ten, sondern daß sie nach einer zuvor angefertigten Stadtplanung errichtet
wurden, in der bereits bei Baubeginn der Endzustand festlag, und daß die
Planungskriterien vieler Städte völlig identisch sind, wie sie einzig in den
nordischen Handelsstädten der aufstrebenden Hanse ihren Ursprung gehabt
haben können. Die zweite Feststellung ist, daß diese Stadtplanungen in
ihrem Zentrum, neben der Stadtverwaltung, auch ein Kirchengebäude,
bestehend aus Schiff und Turm, vorsahen, bei deren Errichtung nicht etwa
die Zweckmäßigkeit im Fordergrund stand, sondern bei der die gesamte
Höhe des damals erreichten „handwerklichen" Standes der Baumeister zur
vollen Entfaltung kam. Da nun aber die Städte nicht von und auch nicht für
Christen geplant und gebaut wurden, da ihr Zweck einzig in der Bewah-
rung der Freiheit lag, die das Christentum unter dem Titel „Sünde" zu allen
Zeiten nicht nur ab-, sondern völlig aus der Welt schaffen wollte, so kann
auch das Kirchenbauwerk in seinem ursprünglichen Sinn nicht christlich
gewesen sein, d.h., das Christentum hat nicht nur die Menschen unterwor-
149

fen, sondern auch ihre bereits vorhandenen Kirchengebäude in Beschlag


genommen und zu eigenen Zwecken einer veränderten Nutzung zugeführt.
Die korrekte Konsequenz also lautet: erst waren Kirchengebäude vorhan-
den, dann kamen die Christen! Besonders deutlich wird dies auch an den
historisch gesicherten Ereignissen, die insbesondere aus Frankreich über-
liefert sind, als dort zu Templerzeiten alle landesweit vorhandenen Kirchen
einer gleichzeitigen Renovierung unterzogen wurden. Nur, welche Bedeu-
tung hatten die Kirchengebäude zum Zeitpunkt ihrer Errichtung, also vor
der christlichen Okkupation? Hier könnte vielleicht eine Gemeinsamkeit
weiterhelfen, die insbesondere viele der alten außerstädtischen Kirchen-
bauten auszeichnet, ihr Standort und ihre Ausrichtung. Die Gemeinsamkeit
dieser kirchlichen (nicht christlichen) Standorte zeigt sich aber erst, wenn
etwas berücksichtigt wird, was ansonsten heute meist nur in der Esoterik
bekannt ist und behandelt wird, die Geomantik, die Kraftlinien und -felder
der Erde, auf und an denen alle alten Kirchen plaziert und ausgerichtet
wurden. Ob die Kirchenbauten als der damals aktuell letzte Schritt aus der
als Megalithkultur begonnenen Entwicklung angesehen werden müssen
(was nicht nur dem Kirchturm, sondern auch der Gesamtkonstruktion die-
ser Bauwerke ihre eigene Bedeutung geben würde), oder ob abweichende
Entwicklungen zu ihnen führten, muß an dieser Stelle unbeleuchtet blei-
ben. Wenn schon nicht der geomantische Standort, der meist auf Berg- und
Felsspitzen liegt, in die neuen Städte übernommen werden konnte, so wur-
de mit der Kirche doch zumindest versucht, die damalige geomantische
„Ausbaustufe" in die Stadt zu integrieren. Die städtische Kirche bildete
also nicht so sehr das filiale Gebäude eines Glaubens oder einer Glaubens-
lehre, sondern sie symbolisiert den gemeinschaftlichen Kraftmittelpunkt
der neuerrichteten Stadt. Diese Bauwerke mit der Christianisierung dann
für deren Zwecke zu entfremden und für die eigene Lehre zu reklamieren,
mußte damit zu einem zentralen Akt der Christianisierung werden.

Die mit dem ersten Kreuzzug eingeleitete Zerstörung der freien abendlän-
disch-germanischen Lebensordnung hatte bis zum Jahre 1377, als der ka-
tholische Papst (aus seinem 70 Jahre andauernden französischen Exil?) in
Rom eintraf, in den vorausgegangenen 280 Jahren in nun fast allen Teilen
des Abendlandes materialistisch-landadlige Herrschaftsstrukturen entste-
hen lassen, die neben dem Christentum zur Rechtfertigung der eigenen
150

Herrschaft auch das Lehenrecht gegenüber den eigenen Untertanen zwar


mehr oder weniger durchgesetzt hatten, die sich aber von der Anerkennung
der päpstlich-orthodoxen Oberhoheit weit entfernt hatten. Eine ereignisrei-
che Zeit, in der nicht nur der orthodoxe Kaiser aussortiert worden war,
sondern auch sein Vize-Kollege (der nicht in Deutschland, sondern in Itali-
en residierte) hatte sich mit dem Jahre 1254 bereits wieder verabschiedet,
bzw. war verabschiedet worden. Nach dem Tod des Italieners Friedrich II.
hatte sich seit 1253, nach Konrad und Konrädchen, kein vize-kaiserlicher
Nachfolger mehr gefunden. Seine Macht war auf die in den norditalieni-
schen Städten residierenden Händler-Plutokraten übergegangen. Nicht
etwa die kaiserlose Zeit, auch als Interregnum bezeichnet, hatte begonnen,
sondern eine Epoche war beendet. Die im Zeitraum von 1096 bis 1253
geschaffene neue materialistische Ordnung hatte sich fast in ganz Europa
etabliert. Der Machtanspruch des von Konstantinopel entsandten italieni-
schen Vize-Kaisers war an den neuen deutschen Adelsstrukturen geschei-
tert, und auch dem orthodox-päpstlichen Oberpriesteranspruch wollte sich
niemand mehr, ausgenommen der noch immer von ihm abhängige Temp-
lerorden, beugen. Aber auch in dessen Reihen begann man umzudenken.

Nicht nur die alte Ordnung war untergegangen und durch eine neue ersetzt
worden, auch die Geschlossenheit des germanischen Volkes, ja selbst die
mancher Stämme, war aufgelöst. Auch in diesem Punkt also war das politi-
sche Konzept Konstantinopels aufgegangen. Zusätzlich war es auch gelun-
gen, wenn dies auch nur einen Teilerfolg darstellte, ganz Italien, große
Teile im Süden und in der Mitte Frankreichs und den nördlichen Teil der
iberischen Halbinsel in die direkte Abhängigkeit der Händler-Plutokraten
zu bringen, wobei sich deren interner Machtkampf immer deutlicher zu
Gunsten der norditalienischen Stadtstaaten, und damit gegen Konstantino-
pel, neigte. Während der Vize-Kaiser in Italien eliminiert wurde, blieben in
Frankreich und auf der iberischen Halbinsel die Einflüsse Konstantinopels
dank des Militärordens der Templerritter weiterhin erhalten. Dort, wo ein
Militärorden herrscht, wie es dann auch die Geschichte des Deutschen
Ritterordens bestätigt hat, in solchen Regionen war kein Raum für landad-
lige Strukturen, d.h., solange die Tempelherren in Portugal, Spanien und
Teilen Frankreichs herrschten, so lange konnte es dort kein Königreich
gegeben haben! Nach der bekannten Geschichtsschreibung wurde der
151

Templerorden erst im Jahre 1307 durch die Inquisition aufgelöst, was be-
sagt, daß jeder französische König bis zu diesem Zeitpunkt immer nur ein
Produkt der Phantasie der späteren Geschichtsfälscher sein kann! Und noch
etwas ganz anderes läßt sich aus der Existenz und Herrschaft des Ritteror-
dens der Templer ableiten: Da der gesamte Orden von seiner Gründung an
immer dem Kaiser-Papst in Konstantinopel über das Christentum ver-
pflichtet war, kann es, solange der Orden bestand, auch niemals einen
rechtgläubigen, einen katholischen Papst gegeben haben!

Auch in den zentraleuropäischen Regionen Deutschlands hatte Konstanti-


nopel sich nicht vollständig durchsetzen und zum Oberherren aufschwin-
gen können, sondern hier war die Herrschaft über die deutschen Stämme an
den zwischenzeitlich ansässigen christlichen Landadel gefallen. In vielen
Regionen war es darüber hinaus gelungen, den von Konstantinopel einge-
setzten Fremdadel durch eigene Stammesadlige zu verdrängen und abzulö-
sen. Ob es der machtpolitische Zusammenschluß der neuen deutschen Für-
sten war, oder ob die Stärke der einzelnen deutschen Stämme bereits aus-
gereicht hatte, den italienischen Kaiseranspruch aufzugeben, das ist nicht
geklärt. Zumindest würde die machtpolitische Entscheidung der deutschen
Fürsten, aus ihren Reihen einen eigenen, einen nun Deutschen Kaiser zu
wählen, womit die „Goldene Bulle", die bekanntermaßen in das Jahr 1356
datiert, zeitlich um 100 Jahre zurückgesetzt werden müßte, einen überzeu-
genden Grund dafür hergeben, daß Konstantinopel seither auf jeden weite-
ren militärischen, gegen den Norden gerichteten Unterwerfungsversuch
verzichtete. Der Ursprung eines nun tatsächlich deutschen Kaisertums
müßte demzufolge entweder kurz vor, oder direkt nach dem Tode Fried-
richs II. gelegen haben, wäre also etwa um die Mitte des 13. Jahrhunderts
entstanden. Daß die machtpolitische Reaktion des Templerordens dann bis
zum Jahre 1307 auf sich warten ließ, dürfte sich aus deren Engagement in
beiden gegen Ägypten gerichteten „Kreuzzügen" erklären lassen.

Machtpolitisch bedeutete die Regelung, wie sie in der „Goldenen Bulle"


festgeschrieben war, nichts anderes als eine konsequente Fortsetzung alt-
germanischen Rechts. Nach diesem hatten einstmals die Freien in Notzei-
ten ihren Herzog gewählt und ihm ihre Gefolgschaft gelobt. Letztlich glei-
ches regelte nun auch die „Goldene Bulle". In ihr wählten die einzig noch
152

verbliebenen Freien, die Kurfürsten, also der höchste Adelsstand, der von
keiner anderen als der eigenen Macht abhängig war und somit völlig frei
entscheiden konnte, statt eines Herzogs nun ihren, wie im Materialismus
üblich, Imperator, sprich Kaiser. Und auch dieser aus ihren eigenen Reihen
gewählte Kaiser schränkte in keiner Weise die Freiheit der Kurfürsten ein.
Während die materialistische Umgestaltung der Lebensordnung fast alle
vormals freien Menschen zu Hörigen (diesmal aber mit einem völlig ver-
änderten, sehr weit in den Bereich der Rechtlosigkeit vorgerückten, sozia-
len Status) gemacht hatte, die sich, materialistisch-konsequent, sehr bald
bis in die, unter dem Titel der Leibeigenschaft, tiefsten Regionen des Skla-
ventums ausweiten sollte, waren wenige neu-„adlige" Fürsten aus den Wir-
ren hervorgegangen, die als oberstes Relikt, als wichtigste Eigenschaft,
ihre Freiheit beanspruchten und ausübten.

Bevor es aber soweit war, mußte in den vorausgegangenen 150 Jahren zu-
nächst die freiheitliche Ordnung der Germanen und ihre Geschlossenheit
aufgelöst und die neuen adligen Strukturen aufgerichtet werden. Wie bei
jeder Auflösung von Ordnung waren die Folgen daraus Haltlosigkeit, be-
gleitet von Wirren, Krieg, Mord, Plünderung und Vertreibung. Die Men-
schen ganz Europas stürzten in ein Chaos. Ein Chaos des Elends und der
Hungersnöte. Nachdem der Schutz der großen germanischen Volksgemein-
schaft entfallen war, waren die um ihr Überleben kämpfenden Menschen
gezwungen, sich zu neuen Gruppen und Beziehungen zusammenzuschlie-
ßen, was der zentrale Auslöser dafür wurde, daß u. a. überall Ortschaften
und Städte aus dem Boden schossen, in denen insbesondere die hochquali-
fizierten europäischen Handwerker in den noch heute erhaltenen Groß-
bauwerken ihr gesamtes Können dokumentierten, während sich auch der
Handel zum Leistungsaustausch großflächig ausbreitete. Eine weitere Fol-
ge daraus war, daß nun auch das Geld, mit ihm zwangsläufig auch die ge-
schultesten Manager des Geldes, in Europa seinen Einzug hielt. Den
Gleichschritt von Materialismus und Geld vervollständigte die Korruption,
über die sich die eingewanderten jüdischen Händler ihre gesellschaftliche
Position zu erkauften verstanden. Und die ehemals freien Bauern waren im
Ansehen fast unmerklich am nun als gesellschaftlich zu bezeichnenden
Ende der Hierarchie eingeordnet. Sie wurden zum ersten Proletariat des
materialistischen Mittelalters.
153

Wie immer, wenn eine neue Ordnung installiert wird, so wurde auch die
Umstellung auf den Materialismus von einer gravierenden Veränderung
des Rechts begleitet. Dies betraf insbesondere das Rechtsverhältnis zum
Boden, der zuvor in keinem Eigentumsverhältnis stand, einzig daß dessen
Nutzung geregelt war. Also nicht nur alle idealistischen Werte waren, zu-
mindest formal, wertlos geworden, sondern auch die Rechtsverhältnisse
wurden fundamental umgestaltet.

Zur germanischen Lebensgrundlage, dem Boden, konnten die neuen


materialistischen Herrschaftsstrukturen aus dem alten Testament erstmalig
ein Urheber- und Besitzrecht ableiten. Nicht die keinerlei Besitzanspruch
erhebenden germanischen Götter, sondern der alleinige Christengott hatte
nach der Bibel die Welt erschaffen, womit folglich auch nur er allein Ei-
gentümer seiner Schöpfung war. Da er persönlich aber unabkömmlich war,
hatte er dieses Eigentum seinem irdischen Vertreter, dem Kaiser und Papst
in Konstantinopel, zur Verwaltung übergeben. Und dieser Gesamtverwalter
konnte nun Könige und Kaiser mit der direkten irdischen Verwaltung des
göttlichen Eigentums, des von Gott geschaffenen Bodens, beauftragen. Da
dieser Boden aber seinem Schöpfer, Jahwe, dem Gott der Juden und Chri-
sten, gehörte und somit dessen Eigentum war, sein irdischer Stellvertreter
dieses Eigentum also nur verwaltete, konnte dieser den Boden nun auch
nicht an Untergeordnete verschenken oder verkaufen, sondern, das einzige
was ihm blieb, er konnte ihn verleihen. Einzig auf dieser Basis erhielt das
sogenannte Lehenrecht seinen Einzug in Europa. Wenn die Beliehenen,
herrschaftspolitisch fein durchstrukturiert, mit ihrem Lehen nun auch nicht
direkte Eigentümer des Bodens wurden, so hatten sie aber immerhin das
Nutzungsrecht des Boden zugesprochen erhalten. Daraus ließ sich im Hin-
blick auf die Bauern ableiten, daß diese für die Bebauung und Nutzung des
Bodens einen Teil der von ihnen erzielten Ernte, des Ertrages, an den adli-
gen Lehenherrn abliefern mußten. So reflektierte sich in der Struktur der
Lehen auch die Struktur des darauf aufgerichteten Landadels.

Das Lehenrecht basierte auf der Grundlage des Alten Testaments der Bi-
bel, wonach der jüdische Gott nicht nur Schöpfer, sondern auch Eigentü-
mer der von ihm geschaffenen Welt war. Damit war im Lehenrecht die
Eigentumsfrage final geklärt. Der darauf aufbauende irdische Teil des Le-
154

henrechts konnte also immer nur ein Verwaltungsrecht im Bezug auf den
göttlichen Eigentümer sein, d.h., es konnte immer nur noch um das Recht
auf die Zuweisung der Nutzung des Eigentums gehen. Einzig in diesem
Zuweisungsrecht war damit die gesamte Macht innerhalb des Lehenrechts
verteilt und geregelt. Allein über das Recht und damit über die Macht zu
verfügen, die Nutzung eines Stück Landes zu verleihen, machte den Kern
des Lehenrechts aus. In dem Moment aber, wo nun eine der lehenrechtli-
chen Herrschaftsstrukturen dahin ging, der ihm untergeordneten Adels-
struktur das Land erbrechtlich zu überlassen, in dem Moment hätte der
Verleiher seine gesamte Macht, die ihm aus dem Verleihrecht zugewach-
sen war, freiwillig aus der Hand gegeben! Einen Erbadel kann es folglich
zu Zeiten des Lehenrechts niemals gegeben haben! Auch wenn jeder belie-
hene Adlige sicherlich immer bemüht war, die Verwaltung und Pfründe,
die ihm aus dem geliehenen Land zuwuchsen, an seine Kinder weiter-
zugeben, so konnten diese aber niemals ein Recht darauf ableiten. Jeder
Nachfolger mußte sein Lehen immer ganz persönlich von seiner adligen
„vorgesetzten Dienststelle" ausleihen. Erst mit der darauffolgenden Ein-
führung des Römischen Rechts wurde dann die Grundlage geschaffen,
bzw. in die Welt gesetzt, mit der der Boden zum Eigentum gemacht und
womit dieses Eigentum dann überhaupt erst vererbbar wurde. Somit kann
es vor dem Jahre 1377, zumindest formal, wenn es an manchen Stellen
vielleicht auch faktisch gelang, eine erbadlige Nachfolgeregelung durchzu-
setzen, einen Erbadel noch nicht gegeben haben! Soviel dazu.

Die konstantinische Schenkung, eines der berühmt-berüchtigsten Doku-


mente der Menschheitsgeschichte, datiert zwar auf das Jahr 313, war aber
noch längst nicht geschrieben, da es selbst noch zu den Zeiten des Lehen-
rechts völlig wertlos war.

Allein mit der biblischen Behauptung von der christlich-göttlichen Welt-


schöpfung hatte sich der orthodoxe Papst-Kaiser ein riesiges Korruptions-
potential, den Boden des Abendlandes, verfügbar gemacht. Da aber kein
König oder Kaiser mit den damaligen technischen Möglichkeiten in der
Lage war, diese ihnen geliehenen, riesigen Gebiete selbst zu verwalten,
nutzten diese den kirchlich-biblisch definierten Anspruch nun dazu, um
sich Helfershelfer unter den angesehenen oder auch weniger angesehenen
155

Familien der germanischen Stämme zu suchen, die dann als neuer christli-
cher Adel eingesetzt wurden. Für ihre Gefolgschaftsverpflichtung und eine
finanzielle Beteiligung an den von den unteren Strukturen abgepreßten,
großteils an die übergeordnete Adelsstruktur weiterzuleitenden, Einnahmen
trat dieser Adel nun für Teilgebiete seinen Leih-Anspruch an seine ihm
unterstellten Helfershelfer in Form sogenannter Lehen ab. So ließ sich die
Gruppe derer, die von den neuen Eigentumsverhältnissen profitieren konn-
te, allein durch eine immer weitere Aufteilung des Bodens in immer kleine-
re Bezirke zu einer kompletten Herrschaftsstruktur, dem christlichen Adel,
ausbauen. Die neu definierten Besitzrechte machten den Boden, die Le-
bensgrundlage der Germanen, zur zentralen Korruptionsmasse. Die allge-
genwärtige Keule, mit der dann die tatsächlichen Bewirtschafter des Bo-
dens, die germanischen Bauern, nachdem sie um ihre uralten freien Nut-
zungsrechte (denn bei den Germanen gab es kein Eigentumsrecht am Bo-
den) betrogen worden waren, ruhig gestellt wurden, und was sie darüber
hinaus nun auch noch geistig in eine völlig neue und zuvor unbekannte
Abhängigkeit zwang, das war der christliche Zwangsglaube, die neue auf-
gezwungene Weltanschauung. So bewerkstelligte das duale Herrschaftssy-
stem aus Kirche und christlich-weltlichem Adel seinen eigentlichen Auf-
stieg, bei dem der Boden Europas zur zentralen Korruptionsmasse gewor-
den war. Die gemeinsame Beute schweißte so die christliche Kirche und
den christlich-weltlichen Adel (der dereinst um einem abstrakten Geldadel
zunächst ergänzt, später aber von ihm abgelöst werden sollte) zu einer Ein-
heit zusammen, in der der eine Teil ohne den anderen nicht existieren
konnte. Wer sich gegen diese Machtkombination zur Wehr setzte, der muß-
te „mit dem Teufel im Bunde sein" und wurde damit ganz konsequent als
Ketzer der Inquisition, ihrer Folter und dem Scheiterhaufen überantwortet,
was christlicherseits als Bekehrung oder Missionierung bezeichnet wird.

Wie schon die Zusammensetzung des 3. Kriegszuges, vorgetragen im Na-


men des Kreuzes anno 1190, zeigte, waren in den vorausgegangenen 100
Jahren bereits erhebliche ordnungspolitische Fortschritte erzielt worden.
Selbst der in Italien residierende „deutsche" (von Konstantinopel einge-
setzte Vize-) Kaiser Friedrich I. Barbarossa konnte bereits mit deutscher
Gefolgschaft in die Geschichte einreiten und seine Spuren hinterlassen. Ein
Kaiser Barbarossa, der angeblich 5 Kriegszüge gegen den (noch längst
156

nicht existenten katholischen) Papst führte, und der in mehreren Kriegszü-


gen seinem großen Vorgänger, Karl den Großen, nacheiferte, um die von
diesem angeblich bereits 300 Jahre zuvor missionierten Sachsen, die,
welch christliches Wunder, an vielen Stellen aber noch immer in ihrer frei-
heitlich Ordnung lebten, endlich dem alleinseligmachenden christlichen
Glauben zuzuführen. Kriegszüge Kaiser Barbarossas, die als Niederschla-
gungen sogenannter Sachsenaufstände in den Geschichtsbüchern stehen,
mit denen endlich auch in diesen nördlichen deutschen Gebieten die Chri-
stianisierung durchgesetzt wurde, zeigen nichts anderes, als die im Süden
gestartete, immer weiter nach Norden fortschreitende, christliche Unter-
werfung. 1190 sehen wir dann einen Kaiser Barbarossa, dem es gelang,
auch noch zum politisch geeignetsten Zeitpunkt dahinzuscheiden und abzu-
treten, so daß dessen Kreuzritter sich nach der Eroberung Jerusalems zum
neugegründeten Deutschen Ritterorden weiterverwenden ließen, wobei
ihnen die Aufgabe übertragen wurde, den christlichen Materialismus, so-
wohl was die christlich renitenten Sachsen betraf, als auch, was deren öst-
liche Nachbarn anging, auch in dieser Region dauerhaft zu festigen, also
im christlichen Sinne zu „missionieren".

Um dem Konstantinopler Regime diese Truppen Friedrich Barbarossas


überhaupt verfügbar zu machen, mußten diese zuvor herrenlos werden,
wozu ihnen der Kaiser Friedrich I. durch sein, den politischen Interessen
Konstantinopels entgegenkommendes, „Ertrinken" einen letzten Dienst
erweisen konnte. Und wie schon nach dem „1. Kreuzzug", so auch nach
dem dritten. Konstantinopel hatte sich erneut ein allein seinem Papst-
Kaiser verpflichtetes Heer verschafft. Dessen Verwendung ist relativ un-
durchsichtig. Angeblich wurde das gesamte Kreuzritterheer in einen Rit-
terorden umstrukturiert. War es einst der Templerorden, so soll diesmal der
Deutsche Ritterorden daraus hervorgegangen sein. So zumindest sagen es
uns unsere Geschichtsbücher.

Wie die konstruierte Geschichte der Templer, so ist auch die Geschichte
des Deutschen Ritterordens nicht minder abenteuerlich und enthält viele
unbeantwortete Fragen. So erscheint dieser erstmals im Jahre 1229 an der
Weichsel, nachdem er nach Abschluß des 3. Kreuzzuges (angeblich von
Lübecker und Bremer Kaufleuten(!) 1190 zunächst als Krankenpflegeor-
157

den gegründet worden war, um erst 1198 in einen geistlichen Ritterorden


umgewandelt zu werden) seinen Sitz in Akkon genommen hatte, was sich
erst mit dessen Fall im Jahre 1291 geändert haben soll, als das Zentrum des
Deutschen Ritterordens sich (nach Leopold von Ranke) zunächst nach
Venedig verlagerte, bevor die Marienburg fertiggestellt wurde und der
Orden sich 1309 endgültig mit seiner Führungsspitze dort niederließ. Of-
fensichtlich ist auch die sogenannte Geschichte des Deutschen Ritterordens
nichts anderes als ein Teil der wild zusammengestümperten Konstruktion
der späteren, rechtgläubigen Fälscher.

Was feststehen dürfte, ist, daß der oberste Dienstherr des aus dem 3.
Kreuzzug hervorgegangenen Ordens, zu dem die Truppen des 3. Kreuzzu-
ges umstrukturiert worden waren, mit absoluter Sicherheit der Kaiser-Papst
in Konstantinopel war.

Nur, wo hat dieser die neugewonnenen Truppen des neuen Ordens einge-
setzt? Selbst wenn es mit dessen Erscheinen an der Weichsel im Jahre
1229 seine Richtigkeit haben sollte, so bleiben noch immer fast 30 Jahre
seit dem Ende des 3. Kreuzzuges, in dem jede Nachricht von irgendwel-
chen Aktivitäten fehlt. An der Weichsel hätte, wenn überhaupt, nur die
nächste Generation erscheinen können. Nur wird niemand je einen so
mächtigen Truppenverband völlig untätig herumstehen lassen und 39 Jahre
in der Form durchfüttern, wie er seit 1190 in Jerusalem angekommen war.

Was machte der Orden dann, angeblich erst seit 1291, also mehr als 100
Jahre später, in Venedig? Mit welchen Truppen hatte Venedig den 4.
Kreuzzug im Jahre 1202 durchgeführt? War es dieser Deutsche Ritteror-
den, waren es vielleicht die Truppen des 3. Kreuzzuges, die Venedig, mit
welchen Mitteln auch immer, dem Kaiser-Papst „abgehandelt" hatte, um
sie dann in einem eigenen Kreuzzug gegen Konstantinopel einzusetzen? Ist
der gesamte 4. Kreuzzug eine völlig freie Erfindung, hinter der die wahren
Ereignisse verschwanden? Oder spielten etwa Venedig und Konstantinopel
gemeinsam mit gezinkten Karten? Oder hatte man vielleicht den Orden der
Templer aus den Kontingenten des 3. Kreuzzuges ergänzt, oder hat viel-
leicht Konstantinopel seine Militärkontingente aufgestockt und aufge-
frischt, die gegen den europäischen Osten eingesetzt waren? Auch hier sind
158

viele Fragen offen, deren Beantwortung nicht Gegenstand dieses Buches


sein können.

Von besonderem und weitreichenderem Interesse ist die Frage, wann der
Deutsche Ritterorden denn nun rechtgläubig wurde. War der Deutsche
Ritterorden, der 1309 in die Marienburg einzog, eine komplette Neugrün-
dung des Deutschen Landadels im Rahmen der Übernahme des katholi-
schen Glaubens, der überhaupt nichts mit dem Ritterorden des 3. Kreuzzu-
ges zu tun hatte? Handelt es sich bei dem einen Deutschen Ritterorden also
nicht um einen, sondern um zumindest zwei völlig verschiedene Organisa-
tionen, deren erste aus dem 3. Kreuzzug hervorging und Konstantinopel
unterstellt war, während die zweite, davon völlig unabhängige, Organisati-
on dann der Deutsche Ritterorden wurde, der von den deutschen Fürsten
völlig unabhängig von jedem Kreuzzug (ins „Heilige" Land) ins Leben
gerufen worden war, der dann die neue katholische Lehre im Osten
verbreiten sollte, um auf der einen Seite, über die Disziplinierung der Or-
densmitglieder, die chaotischen Adelszustände in Deutschland in den Griff
zu bekommen, während ihr Zweck auf der anderen Seite darin bestand, mit
diesen Truppen den Einfluß Konstantinopels in den östlichen Regionen
Europas, in denen zuvor einzig der christlich-orthodoxe Glaube verbreitet
worden war, auf die neue, rechtgläubige Linie zu bringen? Nur, wie verhält
es sich aber dann mit dem Einzug des rechtgläubigen Papstes in Rom 1377,
wenn bereits ein rechtgläubiger Deutscher Ritterorden 1309 in der Marien-
burg residiert hat? Ohne katholischen, ohne rechtgläubigen Papst kann es
schlechterdings auch keinen rechtgläubigen Ritterorden gegeben haben!

Zumindest aber das Ende der landesherrschaftlichen Residenz des Deut-


schen Ritterordens scheint mit seiner Datierung im Jahre 1525 festzuste-
hen. Seine Auflösung führte dann zu den gleichen Konsequenzen, wie es
bereits der Templerorden mit seinem Untergang vorexerziert hatte, als mit
dessen Untergang der Grundstein für die Aufrichtung des französischen
Landadels gelegt worden war. Nachdem der Deutsche Ritterorden seinen
Zweck erfüllt hatte, wurde sein Herrschaftsgebiet - nach seiner finalen
militärischen Niederlage - von den landadligen Strukturen Preußens und
Polens übernommen.
159

Die Bekehrung und Unterwerfung Europas allein mittels einer für Germa-
nen unlesbaren Bibel und daneben vielleicht noch mit Kreuze vor sich
hertragenden Missionaren zu bewerkstelligen, dürfte wohl niemals ernst-
haft auch nur versucht worden sein und entspringt ausschließlich der Phan-
tasie christlicher Geschichtenschreiber. Das wirkliche Medium der Chri-
stianisierung waren Geschichten, mehr als diese aber noch die Bilder von
diesen Geschichten. Es waren Gemälde und Farben, wie sie die Germanen
noch nie gesehen und nie gebraucht hatten, die die Menschen beeindruck-
ten. Bilder, die sich die Menschen zuvor immer nur phantasievoll vorge-
stellt hatten, wurden nun erstmals in großem Stil optisch vorgeführt. Allein
diese Bilder wurden zu den Beweisen von der Existenz und vom Wirken
Jesus und seiner Jünger. Nicht die Bibel, die ihre endgültige Fassung erst
an der Universität von Paris erhalten haben dürfte, war das zentrale In-
strument der christlichen Bekehrung, lieferte sie doch bestenfalls nur ir-
gendwelche Geschichten. Davon hatten die Germanen selbst im Überfluß.
Was die germanischen Geschichten aber nicht hatten, das waren Bilder. Es
konnte sich diese ein jeder idealistische Germane mit seiner Phantasie
selbst vorstellen. Erst mit Hilfe der „heiligen" Bilder, den Comics oder
Hollywoodfilmen des Mittelalters, konnte den solchen Betrug nicht ken-
nenden Germanen die christliche Heilsgeschichte glaubwürdig vermittelt
werden. Die Reste der Versuche einer entgegengerichteten, gigantischen
bildlichen Darstellung der eigenen, der germanischen Götterwelt kann
heute an den weitgehend zerstörten Externsteinen leider nur noch erahnt
werden.

Wie das freiheitliche Europa nun tatsächlich unterging, welche Kämpfe


und Kriege, welcher Terror und welche christliche Heuchelei dazu ange-
wandt wurde, dürfte sich ohne tiefergehende neue Forschungen kaum noch
finden lassen. Fast überall in Europa waren Zwingburgen und Klöster ent-
standen, von denen die neue materialistische Herrschaft ausgeübt wurde.
Sie waren die unteren Glieder der Kette, über die die neue, von Konstanti-
nopel über Italien sich erstreckende Ordnung das Land, den Boden, als
Lehen verteilt hatte und worüber die neuen Pfründe eingetrieben wurden.
Daneben hatten Chaos und Hungersnöte und das neue materialistische
Denken zur sprunghaften Gründung und Entwicklung der Städte geführt, in
denen die Handwerker nicht nur ihr ganzes Können demonstrierten, son-
160

dem in denen sie auch zu Bürgern wurden. Nicht mehr die freien Bauern,
die längst so frei nicht mehr waren, sondern die Handwerker-Bürger und
der neue christliche Adel waren zu den Herren Europas aufgestiegen. In
den 150 Jahren zwischen dem Jahre 1100 und 1250 war Europa vollständig
umgekrempelt worden. Die gesamte Lebensordnung hatte sich verändert.
Die friedliche idealistische Ordnung war der christlichen Heuchelei, dem
politischen Betrug und der gegen ihre Bauern gerichteten kriegerischen
Dezimierung erlegen. Sie waren mit Waffen geschlagen worden, die ihnen
unbekannter nicht sein konnten.

Die große Gemeinschaft der germanischen Stämme, das germanische Volk,


war grundlegend zerstört und politisch geschickt in verschiedenste Grup-
pen und Interessen aufgeteilt. Die ursprüngliche und über Jahrtausende
gewachsene Einheit war in viele Teile zerbrochen.

Zwar kämpften verschiedene einzelne Gruppen, ob als Waldenser, Katha-


ger, Albigenser, die dann, als Sekten und Ketzer tituliert, verfolgt und ge-
mordet wurden, noch lange um die Erhaltung der alten Ordnung, nur änder-
te dies wenig am Gesamtbild. Stück für Stück, Gau für Gau, Stamm für
Stamm wurde aus der Gemeinschaft gebrochen, um danach die christliche
Kraft weiter zu stärken, und im Kampf gegen die verbliebenen Gebiete, in
denen noch immer die alte Ordnung bestand, eingesetzt zu werden.

Auch wenn bei der Christianisierung Europas vor keinem Mittel des Betru-
ges und der Gewalt zurückgeschreckt wurde, so zeigte sich aber schon
bald, daß es da etwas gab, was selbst diesen Mitteln widerstand. Etwas, das
nicht kontrollierbar, geschweige denn ausrottbar war. Das verinnerlichte,
vererbbare Wesen der Menschen, das in späteren Zeiten einmal als das
Deutsche Wesen bezeichnet werden sollte. Zwar ließ es sich unterdrücken,
zwar ließ es sich verleugnen, nur es auszulöschen, das gelang mit keinem
Mittel, obwohl dieses Phänomen auch in allen Folgezeiten mit allen Mit-
teln bekämpft wurde.

Nach annähernd exakt 150 Jahren begann sich beim zwischenzeitlich neu-
aufgerichteten christlichen deutschen Adel erstmals die Sehnsucht nach
den alten Werten der Unabhängigkeit und der Freiheit zu regen. Sie hatten
161

ihre Feinde und deren Methoden kennengelernt, waren sie doch erst da-
durch zu Adligen geworden. Sie wußten, gegen wen sie zu kämpfen hatten.
Nur eines, das durften auch sie bei aller Gegenwehr niemals in Frage stel-
len. Das war der neue christliche Glaube. Ganz gleich, welche Zwangsmit-
tel für seine Durchsetzung auch anzuwenden waren, der christliche Glaube
an sich durfte niemals zur Disposition gestellt werden, denn einzig ihm
verdankte der gesamte Adel seine Herrschaft!

Mit der Übernahme des Christentums hielt die Schizophrenie ihren Einzug
beim germanischen Adel und all denen, die sich mit ihm arrangierten. Eine
geistige Spaltung, wie sie in gegensätzlichere Positionen kaum zerfallen
konnte. Auf der einen Seite die unbewußte Sehnsucht nach den idealisti-
schen Werten, auf der anderen Seite der bewußte Wille, die eigene Macht
und Herrschaft zu erhalten. Die einstige Harmonie der bewußten und un-
bewußten Seele wurde so in einen Spagat gezwungen, wie er extremer
kaum sein konnte.

Zwei Entwicklungen verdeutlichen das Erwachen der deutschen Eigen-


ständigkeit. Die erste zeigt sich im Verschwinden des (nicht deutschen,
sondern italienischen Vize-) Kaisers. Nach dem Tode Friedrichs II. im
Jahre 1250 wurde der Versuch, diese Funktion weiter aufrecht zu erhalten,
im Jahre 1254 endgültig aufgegeben, womit nach der Geschichtsschreibung
die Zeit des Interregnums (die kaiserlose Zeit) anbrach. Die zweite Ent-
wicklung zeigt sich aus den Veränderungen, die sich in Frankreich vollzo-
gen. Erstmals werden hier eindeutig materialistisch-imperialistische Ten-
denzen erkennbar, welche mit den beiden letzten „Kreuzzügen" begannen,
um über die 1307 vollzogene Vernichtung des Templerordens dann im
Jahre 1377, mit der „Rückkehr" des nun katholischen Papstes, ihr eigentli-
ches politisches Ziel zu erreichen.

Zur Vernichtung derjenigen Mitglieder des Templerordens, die sich noch


immer ihrem Papst in Konstantinopel verpflichtet fühlten, wurde dann im
großen Stil das christliche Strafrecht angewendet. Das Recht der Inquisiti-
on. Dieser gesamte Umgestaltungsprozeß des Templerordens in einen neu-
en, nun von Konstantinopel unabhängigen, französischen Adelsstaat be-
durfte einer politischen Weitsicht und eines politischen Kalküls, das auch
162

in Paris nicht „vom Himmel gefallen" sein konnte. Diese Politik, die später
einem französischen König zugesprochen wird, erscheint in einer Qualität,
wie sie außerhalb Konstantinopels nur die emigrierten norditalienischen
Händler-Plutokraten und diejenigen beherrschten, die die gesamte Ent-
wicklung vom „ersten Kreuzzug" an begleitet hatten und kannten, die Her-
ren des Templerordens.

Nun waren bis zum Jahre 1250 bestenfalls die einfachen Bauern von den
Bildern des Christentums oberflächlich zu beeindrucken. So war es nicht
so sehr das bildhafte Christentum, was sich tiefergehend durchgesetzt hat-
te, sondern die Aufrichtung der neuen adligen Herrschaftsstrukturen war
das eigentliche Ergebnis der Entwicklungen. Diese aufzurichten und künf-
tig zu erhalten, lieferte die christliche Lehre die optimale geistige Voraus-
setzung. Die eigentliche christliche Missionierungsmethode war und blieb
auch für alle darauffolgenden Zeiten immer nur die Anwendung brutalster
Gewalt, die vor keiner Vernichtung und Unterdrückung alles Menschlichen
zurückschreckte. Dabei taugte das Knechte fordernde Christentum besten-
falls dazu, eine höchste menschliche Werte vortäuschende, geheuchelte
Rechtfertigung zu liefern, um nach der so erreichten Christianisierung die
herbeigeführten machtpolitischen Verhältnisse zu stabilisieren und jede
aufkommende Gegenwehr zu ersticken. Wer immer aber eine Herrschafts-
struktur errichten will, ganz gleich welche, der muß denen, die da künftig
herrschen sollen, einen Vorteil, einen persönlichen Vorteil, anbieten. Denn
neben der Sicherung des eigenen Überlebens ist es immer die Aussicht auf
Beute, die materialistische Aktivitäten erzeugt. Wer einen neuen materiali-
stischen Adel installieren wollte, der mußte diesem auch einen überzeu-
genden Nutzen anbieten, um ihn dazu zu bringen, bei der Schaffung der
gewünschten neuen Verhältnisse mitzuwirken. Die Suche nach diesem
Mittel war dabei letztlich nichts anderes als die Suche nach einem Wert,
mit dem der neue Adel korrumpiert werden konnte. Dieses Korruptionsma-
terial konnte, was vielleicht gar nicht so schwierig war, auch gefunden
werden. Und zwar bei den Germanen selbst. Das, was dann mit äußerstem
politischen Geschick die gesamte germanische Welt endgültig zum Ein-
sturz brachte, war nichts anderes als der Boden, auf dem sie seit Jahrtau-
senden lebte! Es geschafft zu haben, das Verhältnis der Germanen zu ihrem
Boden zu ändern, war die größte politische Anfangsleistung der christli-
163

chen Machtkirche. Der erste Schritt dazu war die mit der Christianisierung
sich parallel ausbreitende Einführung des sogenannten Lehenrechtes, dem
dann, nach 1377, die Erweiterung in Form des sogenannten römischen
Rechts folgte. Nicht das Lehenrecht lieferte die dauerhafte, geistig tragen-
de Grundlage des Materialismus, sondern dies gelang erst über das römi-
sche Recht, welches aber erst im 14. Jahrhundert in Paris erdacht wurde.
Das Lehenrecht war einzig dazu geeignet, Abhängigkeiten zu erzeugen und
Herrschaftsstrukturen zu errichten, wobei dieses Recht aber immer einzig
auf den Bezug zum Boden begrenzt war. Neben dem Boden dann auch
alles andere, selbst den Menschen, zum Material, zum materiellen Wert zu
machen, das konnte immer nur der nächste Schritt sein.

Bis zu dem Zeitpunkt, als das römische Recht endlich entwickelt war, war
es zunächst das Lehenrecht, das mit der Christianisierung seinen Einzug
hielt. Schon dabei galt: nur wer bereit war, sich dem päpstlich-kaiserlichen
Oberherrschaftsanspruch zu beugen, nur der konnte damit rechnen, an ir-
gendeiner Stelle an der Verteilung des Bodens und auch an den anderen
Pfründen profitieren zu können und so Teilhaber innerhalb der neuen Ei-
gentumsstrukturen zu werden.

Auch wenn nach dem hellen Lichtblick des 1. Kreuzzuges nicht nur alle
vorherigen, sondern auch viele der noch folgenden Entwicklungen umge-
deutet, umdatiert oder ausgemerzt wurden, so gewährt uns selbst noch die
heute offiziell gültige Geschichtsschreibung manchen kleinen Einblick in
die wahre Geschichte des christlich-adligen Aufstiegs. Denn Ereignisse,
die weit im Volk bekannt waren, weil die Menschen in großer Zahl davon
betroffen waren, mußten von den Fälschern unbedingt übernommen wer-
den, auch wenn die Ereignisse in einen vorgegebenen Rahmen eingepaßt
werden mußten. Wie es auch heute noch in den Geschichtsbüchern steht,
erfolgte angeblich im Jahre 1073 (darf es vielleicht auch einige Jahrzehnte
später gewesen sein?) ein „Aufstand" der Sachsen. Sie wehrten sich gegen
die Einsetzung fremder Adliger?! Ein Kaiser Heinrich IV. vernichtete das
sächsische Heer, nahm die sächsischen Adligen in Haft, zog deren Güter
ein und baute seine zerstörten (Zwing-)Burgen erneut (erstmals) auf. Eine
erstaunliche und beachtliche Passage in unserer heutigen Geschichts-
schreibung, wenn man bedenkt, daß zunächst Karl der Größte und später
164

noch einmal Kaiser Friedrich I. - beide in treuer Begleitung ihrer adligen


Profiteure - selbst noch 100 Jahre später gezwungen waren, den
Sachsenherzog Heinrich den Löwen zu bekämpfen, sein Reich zu
zerstückeln und das Land an seine Helfershelfer zu verteilen.

Dem materialistisch infizierten germanischen Adel (oder exakter: denen,


die dank ihrer materialistischen Einstellung, ihrer Korrumpierbarkeit, zum
neuen Adel erhoben worden waren) war es also vorbehalten geblieben, der
über Jahrtausende gewachsenen, freiheitlichen germanischen Ordnung,
allein aus egoistischen Herrschaftsinteressen und materialistischer Gier den
letzten Stoß versetzt zu haben, womit dann nicht nur die Grundlage für die
Erhebung der übertölpelten, und über das, das Lehenrecht ablösende, römi-
sche Recht völlig rechtlos gemachten Bauern in den Jahren 1520 - 1525
geschaffen war, sondern der immer weiter und rücksichtloser um sich grei-
fende Ausbeutungswettlauf zwischen kirchlichen und adligen Strukturen
führte bereits 1517 zur sogenannten christlichen Reformation und reichte,
begleitet vom Terror der Inquisition, bis zu den Greueln der großflächigen
Vernichtung der germanisch-deutschen Stämme in einem über 30 Jahre
andauernden Krieg.

Sowohl die deutschen, als auch alle anderen, über Verwandtschaft und die
Thingordnung mit ihnen vereinten, ganz Europa besiedelnden, germani-
schen Stämme sind „ihrem christlichen Ur-Adel" auf ewig dankbar! Sucht
man den charakterlichen Kern dieser Entwicklung, so wird man nicht daran
vorbei kommen festzustellen, daß materialistisches Denken und die ihm
anhaftende Korruptionsbereitschaft die herausragende Eigenschaft dafür
bildete, um in den adligen Stand aufzusteigen. Eine Korruptionsbereit-
schaft, die sich dort ausbreitete, wo die idealistische Weltanschauung
durch die Übernahme der humanistisch-egoistischen christlichen Werte
längst untergegangen war. Wirklicher germanisch-deutscher Adel, wie ihn
der Sachsenherzog Heinrich der Löwe gezeigt hat, konnte in diesem Um-
feld von Betrug und Korruption keinen Bestand mehr haben.

Wie die christlichen Kaiser und ihre Gegner, die urgermanischen Fürsten,
geschichtsschreiberisch umgewertet wurden, das zeigt nicht nur die Ge-
samtheit der gefälschten mittelalterlichen Geschichtsschreibung, sondern
165

wird besonders deutlich in den Kämpfen eines (ost-)römischen Vize-


Kaisers Friedrich I., den seine Italiener auch Barbarossa nannten, mit dem
Sachsenfürst Heinrich dem Löwen. Aus einer Abwehr des kaiserlichen
Anspruchs, als solcher nun auch Beherrscher der Sachsen und Obereigen-
tümer von deren Böden zu sein, machte die gefälschte Geschichtsschrei-
bung eine ungerechtfertigte sächsische Forderung nach dem Gewinn aus
Silberminen des Harzes (die immer schon sächsisches Eigentum waren).
Wie geschickt die mittelalterlichen Fälscher auch psychologisch vorgegan-
gen sind, zeigt sich nicht zuletzt an der Figur des Kaisers Barbarossa. Wäh-
rend die wahren deutsch-germanischen Helden und ihre Taten größtenteils
aus der Geschichte getilgt wurden, haben sie deren größte Feinde zu deut-
schen Helden hochstilisiert. Allein damit konnte sichergestellt werden, daß
kein guter Deutscher es jemals wagen würde, einen solchen deutschen
Helden in seiner Existenz oder in seinen Taten anzutasten, würde damit
doch das deutsche Volk eines seiner größten Helden beraubt. Welchem
Leser danach ist, der darf nicht nur für Karl der Große, sondern auch für
Friedrich I. Barbarossa eine persönliche Gedenkminute einlegen, bevor er
beide zu den gefälschten mittelalterlichen Akten legt.

Die wahren deutschen Helden sind mit der wahren Geschichte getilgt wor-
den und verschwunden. Der wahre germanische Adel hat sich in die Tiefen
seines Volkes zurückgezogen.
166

3.8 Die Rechtgläubigwerdung des Materialismus

Ob diese, sich zentral aus dem Templerorden entwickelnde Veränderung


nur eine logisch-konsequente Fortsetzung auf dem in Konstantinopel ein-
geschlagenen Weg war, oder ob bei dieser Entscheidung noch ganz andere
Gründe mitwirkten, ist aus der Vorlage der heute bekannten Geschichtsin-
formationen nur bedingt abzuleiten. Denn auch zu dieser Zeit, beginnend
um das Jahr 1307, liegt uns eine Interpretation vor, die einzig dem
Wunschdenken derer entspricht, die uns und diese Welt, sowohl damals,
wie auch noch heute, beherrschen.

Bevor nun aber für die weiteren Entwicklungen ein neuer, gemeinsam
akzeptierter Rahmen entwickelt werden konnte, wozu den künftigen
Entwicklungen auch eine völlig neu erdachte Grundlage verschafft werden
mußte, bedurfte es zunächst einmal der Entscheidung, solches überhaupt
einzuleiten. Und bevor es überhaupt zu einer solchen Entscheidung
kommen konnte, mußte aus den seinerzeit real bestehenden
Machtverhältnissen das unbedingt erforderliche politische Interesse
vorhanden sein. Was sich hier, begonnen gegen Ende des 13. Jahrhunderts,
mit allergrößter, bis in unsere heutigen Zeiten reichender, weltpolitischer
Bedeutung entwickelte, ist in seiner Konsequenz zumindest genauso
bedeutend, wie die politischen Entwicklungen, die 250 Jahr zuvor in
Konstantinopel ihren Ausgangspunkt hatten. Hier, Ausgangs des 13.
Jahrhunderts, stehen wir erneut an einem Punkt von höchster, die gesamte
Menschheit betreffender, politischer Richtungsentscheidung.

Das Bild, wie es sich bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts, etwa so um
das Jahr 1290, entwickelt hatte, wollen wir es nur nach seinen Zentren
gliedern, teilte sich auf in:
• Das oströmische Reich, noch immer angeführt vom orthodoxen
Kaiser-Papst in Konstantinopel, welches sich dermaßen verändert
hatte, daß es sich, neben den militärisch gehaltenen Handelsstütz-
167

punkten an der südlichen Mittelmeerküste und in Süditalien, nun


auch weit in den osteuropäischen Raum erstreckte.
• Die ihm verbundenen, wenn auch politisch bereits weitgehend
selbständigen norditalienischen Stadtstaaten.
• Den dem Kaiser-Papst verpflichteten Ritterorden der Templer, des-
sen Herrschaftsgebiet sich über Süd- und Mittelfrankreich, so wie
über den mittleren und nördlichen Teil der Iberischen Halbinsel er-
streckte.
• Das Herrschaftsgebiet der Deutschen Kurfürsten, die sich unter ei-
nem aus ihren Reihen gewählten Deutschen Kaiser zu einen eigen-
ständigen Machtblock zusammengeschlossen hatten.
• Den Normannen, die ihre weitverstreuten Siedlungsräume über ei-
ne hochentwickelte Seefahrt verbanden, was zur Entwicklung eines
eigenständigen Handels geführt hatte.
• Die Kalifate des Orients, denen als neues Herrschaftsgebiet die
südlichen Teile der Iberischen Halbinsel zugefallen waren.

Die englische Insel kann zu diesem Zeitpunkt noch vernachlässigt werden,


da es dort bisher nicht gelungen war, irgendeine tragfähige Machtstruktur
aufzubauen, die Zustände also eher dem des perfekten Herrschaftschaos
entsprachen, was sich in permanenten Kriegen und Kämpfen widerspiegel-
te.

In allen Regionen hatte das neue jüdische Volk versucht, unterzukommen


und den Profit aus dem so kunstvoll konstruierten jüdischen Glauben nun
auch zu realisieren, was aber überall auf die Gegenwehr der neuen christli-
chen Herrschaften stieß, womit der glaubensgestützte jüdische Oberherr-
schaftsgedanke weitgehend zur Fiktion geworden war, sich also als nicht
realisierbar herausgestellt hatte.

In dieser Situation hatte der orthodoxe Kaiser-Papst nun seine stärkste


Militärmacht, den Templerorden, zweimal, in den sogenannten Kreuzzügen
Nr. 6 und 7, zur Ausdehnung des eigenen Machbereiches eingesetzt. Beide
Unternehmen, deren Ziel in der Eroberung Ägyptens lag, endeten für die
Templer jeweils mit einer katastrophalen Niederlage und enormen mensch-
168

lichen Verlusten. In beiden Unternehmen waren die Templer erstmals, seit


ihrer Eroberung der von ihnen seit annähernd 200 Jahren besetzten und
beherrschten europäischen Räume, von ihrem obersten Dienstherrn für
machtpolitische Interessen eingesetzt worden, die weit über ihre ursprüng-
liche Aufgabe hinausgingen. Sie waren als reine Söldnertruppe für imperia-
listische Interessen ihres Dienstherren eingesetzt worden, die bei den
Templern zu nichts anderem als einer erheblichen militärischen Schwä-
chung geführt hatte.

Beide Unternehmungen mußten auf der Seite der Templer neben der Frage
nach der eigenen Zukunft auch die nach den künftigen Absichten ihres
Dienstherren aufwerfen. Für die Tempelherren müssen die beiden letzten
Kreuzzüge letztlich eine Diskussion ausgelöst haben, bei der es um nichts
geringeres als die eigene Identität und die eigene Bestimmung gegangen
sein muß. Wie sich gezeigt hatte, waren sie für ihren Kaiser-Papst von
keinem anderen Wert als dem, für jedes beliebige Unternehmen als militä-
rischer Kampfverband eingesetzt zu werden, was aber konträr zum christ-
lich-idealistischen Anspruch des Ordens stand. Die Interessen des Ordens
und seines Oberhauptes in Konstantinopel waren nicht mehr vereinbar.
Allein aus der weiteren Besetzung und Verwaltung des bisherigen Temp-
lergebietes konnten dem Kaiser-Papst selbst keine weiteren Vorteile ent-
stehen. Sein Imperialismus drängte zu neuen Eroberungen, wogegen die
Templer sich eher als saturiert betrachteten.

Wo die Interessen soweit auseinander streben, dort bleibt letztlich immer


nur die eine Lösung, sich zu trennen und künftig eigene Wege zu gehen.
Für die Templer liefen diese Überlegungen auf die Frage hinaus: wie konn-
ten sie ihren Dienstherren loswerden, denn jede weiter andauernde Verbin-
dung mußte mit jedem neuen militärischen Einsatz zu einer weiteren
Schwächung des Ordens führen. Wenn der Orden längerfristig Bestand
haben wollte, wenn die vom Orden verfolgten christlich-idealistischen
Ziele nicht völlig aufgegeben werden sollten, so mußte unbedingt eine
Lösung aus der politischen und glaubensseitigen Abhängigkeit von Kon-
stantinopel erfolgen. Dieses Problem des Templerordens, der seine Zeit
dominierenden militärischen Supermacht, die sich politisch aber in größter
169

Abhängigkeit befand, zu lösen, wurde zum Auslöser der dann folgenden


Entwicklungen.

Die Prämissen für jede nur denkbare Lösung mußten sein:

• Erhaltung des christlichen Weltanschauung (womit aber immer


auch der hinter diesem Glauben stehende Materialismus erhalten
wurde).
• Loslösung aus ihrer Abhängigkeit von Konstantinopel, ohne dabei
gegen den eigenen Eid zu verstoßen. Dies war aber nur durch eine
Anpassung der christlichen Lehre zu erreichen. Eine Anpassung in
eine Form, die es zuließ, sowohl den konstantinopler Kaiser-Papst
auszuschließen, als auch die glaubensseitige Oberherrschaft des
Volkes von Konstantinopel, der Juden, abzuschütteln. Darüber
hinaus mußten in der künftigen christlichen Lehre die wichtigsten
Teile der Werte der untergegangenen idealistischen germanischen
Ordnung eine verstärkte Aufnahme finden.
• Die anderen, jenseits von Konstantinopel stehenden, real existie-
renden Mächte Europas mußten für dieses Vorhaben gewonnen
werden, womit also auch die norditalienischen Stadtstaaten wie die
Kurfürsten des Deutschen Kaiserreichs zu berücksichtigen waren.

Zusammengefaßt lief das Vorhaben des Templerordens darauf hinaus, die


Auffassung des Ordens von der christlichen Lehre als neue, als rechtgläu-
bige, christliche Lehre auf eigene geistige und machtpolitische Füße zu
stellen und dieser Lehre möglichst weitgreifend, zumindest aber in den
angrenzenden Regionen, zur Anerkennung und Übernahme zu verhelfen.
Für eine solche, allein schon geistige, Riesenaufgabe mußte der Orden
zunächst einmal überhaupt die organisatorischen Voraussetzungen schaf-
fen. So kam es zur Gründung der Universität von Paris. Hier wurde das
Zentrum eingerichtet, in dem noch weitaus mehr als nur die Entwicklung
der künftig als rechtgläubig geltenden christlichen Lehre geschaffen wurde.
Mit der Universität von Paris schufen sich die Templer ihren „Braintrust",
ihre Denkfabrik.
170

Bei allen bereits festgestellten Manipulationen an unserem Geschichtsbild


wäre es aber sicherlich überzogen, wenn wir uns die, welche sich damals,
Anfangs des 14. Jahrhunderts, an der neu gegründeten Universität von
Paris zusammenfanden, als eine Versammlung von Leuten vorstellen, die
einzig Übles im Sinn hatten. Eher war es wohl genau umgekehrt. Die da-
malige, nach-germanische Welt war sittlich-rechtlich fast überall dermaßen
aus dem Ruder gelaufen, wie eine zwischenzeitlich in Tausende von Ein-
zelherrschaften strukturierte, vormalige Volksgemeinschaft nur laufen
konnte. Alle idealistischen Werte und Sittlichkeiten waren wertlos oder zur
Dummheit geworden, wobei auf der anderen Seite selbst verkommenste
Individuen versuchten, es sich auf Kosten aller anderen Wohlergehen zu
lassen, ganz gleich, welche Gaunereien sie dazu anstellen mußten. Kriege,
Terror und Willkür waren in weiten Teilen Europas zu den Regulatoren
des menschlichen Daseins geworden. Einem Dasein, in dem auch die or-
thodoxe christliche Kirche immer offener ihren eigentlichen, ihren poli-
tisch-materialistischen, einzig auf Imperialismus, Plünderung und Unter-
drückung ausgerichteten Schöpfungscharakter zeigte.

Es dürfte, zumindest was die große Linie angeht, kaum danebengegriffen


sein, wenn hier festgestellt wird, daß die allermeisten derer, die sich da-
mals in Paris trafen, um über eine Lösung der immer verfahrener werden-
den Situation nachzudenken und nach Auswegen aus dem Chaos zu su-
chen, einzig davon getrieben wurden, die Entwicklung Europas endlich
wieder in geordnete Bahnen zu lenken, wozu als Vorgabe die Umschrei-
bung der gesamten christlichen Lehre gesehen werden muß. Daß die Kon-
strukteure der Lösung dann nicht dazu übergingen, den gesamten Materia-
lismus zu verwerfen und an die bestens geordneten, alten germanischen
Zeiten anzuknüpfen, allein daraus wird ersichtlich, daß selbst die äußerst
positiven Ansätze nicht frei von politischen Einflüssen und materialisti-
schen Herrschaftsegoismen waren.

Die an der Pariser Universität mit der Konzeption einer neuen Ordnung zur
Beseitigung der Probleme des Templerordens und des herrschenden Chaos
beschäftigten Leute sahen offenbar die einzige Lösung dieser Aufgabe
darin, der neuen rechtgläubigen Lehre eine geistige Basis zu verschaffen,
wie es die bis 1377 erreichten Arbeiten dann zeigten. Nur zeigten diese
171

Arbeiten auch, von welchem politischen Geist die gesamte Aktion getragen
und gesteuert worden war. Durch vielerlei Kompromisse und Händel war
auch hier ein Ergebnis erzielt worden, in dem zwar manche positiven An-
sätze nach außen hin erreicht werden konnten, während tatsächlich aber die
politisch-materialistischen Ziele dominierten und der gesamte Materialis-
mus in eine noch erheblich verfeinerte, geistige Dimension vorgetragen
wurde.

In Paris war es erstmals in einer Großaktion gelungen, die denkenden


Kräfte weltanschaulich hinters Licht zuführen, d.h., die gutgläubigen Kir-
chenreformer schufen politische Werke, ohne daß ihnen dies oder die ei-
gentlichen politischen Absichten selbst bewußt wurden! Ähnliches darf
man heute den, wenn vielleicht auch nicht ganz so klugen, führenden Köp-
fen der Demokraten zugestehen, sollten diese nicht zwischenzeitlich vol-
lends zu Opfern ihrer eigenen Schizophrenie geworden sein.

Selbst wenn einzelne der seinerzeit in Paris Mitwirkenden später einmal


begriffen haben sollten, zu was sie und ihre Arbeit mißbraucht worden
waren, so war es für eine Korrektur längst zu spät, oder sie wurden ganz
einfach „mundtot" gemacht. Die Schriften des Meisters Eckehardt geben
ein Beispiel davon. Der politische Betrug, nun hinter der Heuchelei ideali-
stischer Werte getarnt, war damit bereits im Jahre 1377 auf dem modernen,
heute noch praktizierten Niveau angekommen. Das einzige, was seither
noch gesteigert und verbessert werden konnte, das waren die Methoden zur
Handhabung immer komplexerer politischer Konzepte. Soviel zum Weg
von der menschlichen List bis zu dem, was heute unter dem Titel „Politik"
an Betrug und Täuschung so entwickelt und umgesetzt wird.

Nun ist nicht so sehr von Interesse, welche Gründe den eigentlichen Re-
formern vorgegaukelt wurden und was sie meinten, das sie mit ihrer von
positivsten Motivationen getragenen Arbeit erreicht hätten, sondern weit-
aus wichtiger ist das, wozu diese Arbeiten von den materialistischen Politi-
kern verwendet wurden. Vielleicht können die folgenden Fragen unsere
Suche nach den Gründen für die Aufrichtung der katholischen Kirchenor-
ganisation noch etwas vertiefen:
172

• Welches waren die politischen Gründe für die Tempelherren, sich,


und damit auch das von ihnen beherrschte Gebiet, völlig neu zu
organisieren und machtpolitisch umzustrukturieren?
• Weshalb war es ausgerechnet die neue, landadlig-französisch ge-
wordene Gruppe des dem in Konstantinopel residierenden Kaiser-
Papst verpflichteten Templerordens, die sich dazu aufgerufen fühl-
te, die Politik der Händler-Plutokraten über ein eigenes politisches
Konzept weiterzutreiben?

Bei dieser Entscheidung dürften sicherlich verschiedene Einflüsse gewirkt


haben. Zunächst waren es die schon angesprochenen, aus dem Templeror-
den und seiner Abhängigkeit selbst kommenden Einflüsse. Weitere finden
sich dann, wenn nicht nur der Konstantinopler Kaiser-Papst und die nord-
italienischen Niederlassungen seiner ausgewanderten Plutokraten-Clans,
sondern wenn sich auch die dem Kaiser-Papst verpflichteten Tempelherren
einer noch ganz anderen machtpolitischen Entwicklung gegenübersahen,
die diesem gesamten, von Konstantinopel aus gesteuerten, Machtblock
seine imperialistischen Grenzen aufzeigte, womit letztlich jeder weiterge-
henden Absicht zur eigenen Machtausdehnung die perspektivische Grund-
lage entzogen wurde. Eine solche bedrohlich-einschränkende Entwicklung
konnte bei den damaligen Konstellationen eigentlich nur aus einer Region
kommen. Und diese Region umfaßte das Herrschaftsgebiet der deutschen
Kurfürsten. Nur konnte dies dann kein Deutschland der verschiedenen
Stämme und Herzogtümer mehr sein, die, jeder für sich, für den konstanti-
nopler Machtblock niemals eine, selbst keine einschränkende, Bedrohung
darstellen konnten, sondern bedrohlich konnte die Lage nur dann werden,
wenn die deutschen Fürsten und Herzöge einen Weg gefunden hatten, sich
machtpolitisch zusammenzuschließen. Ein politischer Zusammenschluß,
der in der Wahl eines eigenen, eines deutschen Kaisers die zuvor unter-
schiedlichen fürstlichen Interessen machtpolitisch zusammenfaßte, woraus
eine politische Stärke gewonnen wurde, die ausreichte, um sich gemeinsam
der Vorherrschaft des Konstantinopler Kaisers vollständig zu entziehen.
Ein solcher politischer Zusammenschluß der deutschen Fürsten dürfte mit
zum Auslöser der sich dann bis zum Endes des 14. Jahrhunderts in Frank-
reich zeigenden Entwicklungen geworden sein. Datiert die „Goldene Bul-
le" also nicht, wie es das heute verfügbare Dokument ausweist, aus dem
173

Jahre 1356, sondern ursprünglich um das Jahr 1256? Würde dies zutreffen,
so hieße dies, daß mit diesem Jahr ein politisch völlig neuer Zeitabschnitt
begonnen hat. Ein Zeitabschnitt, in dem erstmals ein politisch unabhängi-
ges Deutsches Reich existierte und politisch wirkte.

Die wichtigste politische Wirkung dieses Zusammenschlusses dürfte darin


gelegen haben, daß mit dem Deutschen Reich ein Machtverbund entstan-
den war, der nun als einzige Macht des Abendlandes vollständig außerhalb
des Einflusses Konstantinopel stand und von dem zu befürchten war, daß
dieser sich nach der erfolgreichen politischen Befreiung nun auch noch
geistig, etwa in Form der Gründung einer unabhängigen christlichen deut-
schen Kirche, von der Vorherrschaft Konstantinopels lossagen würde. Für
den Herrscher in Konstantinopel zeichnete sich also nicht erst seit den
Entwicklungen innerhalb des Templerordens ein gravierender Verlust von
Macht und Einfluß ab, sondern bereits zuvor war ihm mit der politischen
Verselbständigung des Deutschen Reiches ein großer Stein aus seiner
Weltherrschaftskrone gebrochen. Wollte Konstantinopel zumindest das
Schlimmste verhindern, nämlich daß sich das Deutsche Reich nun auch
geistig ohne jede fremde Einflußnahme verselbständigt, so dürfte es, wenn
schon eine bessere Lösung nicht durchsetzbar war, auch für Konstantinopel
noch immer besser gewesen sein, die Entwicklungen der ihm geistig doch
eng verbundenen Templer zu unterstützen. Konnte bei allen dort sich ent-
wickelnden Veränderungen Konstantinopel noch immer seine altherge-
brachten Einflußmöglichkeiten zur Geltung bringen.

Berücksichtigen wir noch einmal die in die zweite Hälfte des 13. Jahrhun-
derts datierten letzten beiden Kreuzzüge, unterstellen wir, daß es der Kai-
ser in Konstantinopel war, der seinen Templerorden zu diesen Kriegszügen
aufgefordert und eingesetzt hatte, und berücksichtigen wir weiterhin die für
den Orden desaströsen Ergebnisse dieser Züge, die für den Orden nicht nur
militärisch zu einer erheblichen Schwächung geführt hatten, so muß den
Tempelherren ihre Abhängigkeit von ihrem konstantinopler Dienstherren
mehr als nur deutlich geworden sein. Erstmals waren sie jenseits ihrer son-
stigen Herrschafts- und Sicherungsplätze, einzig zur Erweiterung des kai-
serlichen Händlerreiches, eingesetzt worden. Wozu würde der Kaiser sei-
nen Militärorden künftig noch einsetzen? Also auch diese, sie nun sehr
174

direkt betreffenden, Entwicklungen dürften bei den Tempelherren dazu


beigetragen haben, ihre eigene Position und ihre kaiserliche Abhängigkeit
grundlegend zu prüfen und nach Alternativen zu suchen.

Wenn wir davon ausgehen, daß mit dem Ende des in Italien residierenden
Vize-Kaisers Friedrich II. der bis dahin gegen die deutschen Fürstentümer
gerichtete Druck Konstantinopels entfallen war, und wenn wir weiter da-
von ausgehen, daß es weder eine katholische Lehre, noch eine lateinische
Bibel, und damit auch keinen katholischen Papst bis dahin überhaupt gege-
ben hat, so war die 1050 in Konstantinopel eingeleitete Entwicklung mit
dem Jahre 1250 an ihrem vorläufigen Endpunkt angekommen. Mit dem
Jahre 1250 stehen wir vor einem völlig neu geordneten, auf verschiedene
Herrschaftsgebiete aufgeteilten Europa, wie chaotisch es darin auch immer
hergegangen sein mag. Die germanische Gemeinschaft war vollständig
aufgelöst worden und verschwunden, denn selbst im Osten waren die
Großstämme der Goten und Wandalen dem Ansturm der den Kaiser-Papst
unterstützenden Tartarenstämmen unterlegen. Während Italien noch unter
der direkten Kontrolle Konstantinopels verblieben war, wenn dabei auch
von Angriffen der Normannen gestört, so hatten sich die verschiedenen
Händlerclans in dessen Norden längst ihre eigenen, in früheren Zeiten nur
im Orient üblichen, Stadtstaaten geschaffen. In Deutschland waren zu-
nächst unabhängige Fürstentümer, meist an alten Stammesgrenzen orien-
tiert, entstanden, wogegen der ganze Westen Europas, mit Ausnahme der
südspanisch-muselmanischen Gebiete, sich unter der Herrschaft des Temp-
lerordens befand, der sich aber noch immer in der Verpflichtung gegenüber
dem in Konstantinopel residierenden Papst-Kaiser eingebunden sah. Und
auch Osteuropa war in weiten Teilen dem christlich-militärischem An-
sturm, direkt vom (ost-) römischen Kaiser vorgetragen und gesteuert, erle-
gen.

Die Zeit der davorliegenden, namenlosen Umgestaltungsphase Europas


hatte zwar zur Zerstörung der freien idealistischen germanischen Lebens-
ordnung und ihrer Gemeinschaft, hatte dabei auch zu wildesten Macht-
kämpfen um neue Herrschaften geführt, woraufhin es explosionsartig in
ganz Europa zur Bildung von Städten gekommen war, womit Europa sich,
über das Chaos, in den Kinderschuhen einer völlig neuen Ordnung wieder-
175

fand, nur entsprach das Ergebnis nicht dem Ziel, das man sich in Konstan-
tinopel einst erdacht hatte. Weder der italienische Vize-Kaiser noch sein
weltlich-geistlicher Vorgesetzter, der Kaiser-Papst in Konstantinopel, hat-
ten sich in ganz Europa durchsetzen können. Nach dem Zusammenschluß
der deutschen Herzöge drohte nun selbst die Stellung des (ost-)römischen
Kaisers zu einer Randfigur im großen politischen Spiel zu werden. Und die
große Masse des in Konstantinopel kreierten neuen Volks der Händler, auf
der Suche nach guten Geschäften überall eingesickert, ungeliebt und un-
willkommen, hatte begonnen, sich von Konstantinopel aus in alle Winde zu
zerstreuen, wobei es im Schwergewicht aber den Missionierungsspuren
ihres Kaiser in den europäischen Osten gefolgt war. Einzig ihren Plutokra-
ten war es gelungen, sich und ihren Reichtum in die von ihnen finanzierten
und gegründeten norditalienischen Städte zu retten. Wenn für die Händler
auch die Oberherrschaft nicht erreicht worden war, so war ihnen das Wich-
tigste aber allemal gelungen: Ihr materialistisches Denken und ihr Chri-
stentum hatten sich in weiten Teilen Europas durchgesetzt. Während in der
vorherigen freiheitlich-idealistischen Gemeinschaft keinerlei Herrschaft
überhaupt entstehen konnte, lieferten einzig materialistisches Denken und
Christentum der gesamten Umstrukturierung die geistige Grundlage und
Rechtfertigung.

Einzig dieser herrschaftspolitische Nutzen der christlichen Weltanschau-


ung war und blieb der zentrale Grund für die Durchsetzung und den bis
heute andauernden Bestand des Christentums.

Seine Erfinder sahen sich insbesondere in den zentraleuropäischen Gebie-


ten von den neuen Landadligen machtpolitisch immer weiter an den Rand
gedrängt. Im Jahre 1254 warf der letzte Vize-Kaiser mit seinem Tod das
Handtuch, d.h., danach war niemand mehr bereit, diesen Job zu überneh-
men, und auch der Papststuhl in Konstantinopel verlor, dank neuer Bi-
schofsstrukturen in den deutschen Herrschaftsgebieten, seine politische
Bedeutung. Das in Konstantinopel erdachte Unternehmen war aus der
Sicht seiner Erfinder nach einem Teilerfolg machtpolitisch gescheitert.
Andere, nicht aber sie, waren in weiten Gebieten zu den neuen Herren in
Europa aufgestiegen. Und die waren auf dem besten Wege, sich nun auch
aus der christlichen Vormundschaft des anmaßenden Gottesstellvertreters
176

zu lösen. Nur waren auch diese Neuadligen nicht minder materialistisch,


gierig und durchtrieben wie die ursprünglichen Erfinder des Christentums.
Was ihnen aber völlig fehlte, war jede Erfahrung im Umgang mit dieser
neugewonnenen Machtstellung, was ihnen fehlte, war jede Kenntnis von
konzeptioneller Politik. Das wichtigste aber, was dem deutschen Adel fehl-
te, bzw. was ihn selbst politisch behinderte, was ihm über fast alle folgen-
den Zeiten jeden imperialistischen Drang nahm, das waren die uralten
germanischen Werte seines inneren Wesen, derer sich selbst der deutsche
Adel nicht entledigen konnte.

Wie aus dem Nichts begann sich dann mit dem Jahre 1307 die hohe, einzig
Konstantinopel entstammende, politische Kunst in Paris zu etablieren, die
dann 70 Jahre benötigte, um der restlichen Welt als allgemein sichtbares
Resultat die katholische, die rechtgläubige Lehre zu präsentieren, nachdem
deren neuer Papst bereits 1307 in Avignon installiert worden war. In diesen
70 Jahren wurde nicht nur die neue, die rechtgläubige, die katholische
Form der christlichen Lehre erdacht, auch wurde nicht nur Latein zur
neuen alten Sprache der Priester und der Wissenschaft erhoben und ein
eigenes politisches Zukunftskonzept entwickelt, sondern auch die gesamte
Menschheitsgeschichte wurde in großen Teilen neu konzipiert, und es wur-
de begonnen, sie in den neuen alten lateinischen und griechischen Spra-
chen niederzuschreiben. Danach konnte der damaligen Welt neben der
neuen Bibel auch eine neue „eigene Geschichte" präsentiert werden, wäh-
rend sich der Inquisitionsterror - in zuvor unbekannter Intension, so es die
Inquisition zuvor überhaupt gegeben hatte - die Menschen in ganz Europa
zur Brust nahm und zu Folter und Feuer rief.

Nach dem Scheitern des letzten als Kreuzzug deklarierten Kriegszuges,


und nachdem in der Folge die letzten christlichen Handelsniederlassungen
im Orient im Jahre 1303 gefallen waren, sah sich der katholische Papst
schon vier Jahre später, 1307, so ist in der heute vorliegenden Geschichte
nachzulesen, zu seiner Flucht ins französische Avignon gezwungen. Dazu
nur hätte er überhaupt erst einmal existieren müssen. Parallel wird dieser
Schritt von der Vernichtung des Templerordens begleitet. In dem selben
Jahr, 1307, begann sich das politische Zentrum Europas nach Paris, dem
Zentrum des Templerordens, zu verlagern, womit Paris wohl zur ersten
177

Großstadt im europäischen Norden wurde. Damit muß die „Geburtsstun-


de" der katholischen Kirchenorganisation in das Jahr 1307 datiert wer-
den, und, da eine solche Entwicklung schlechterdings nicht in wenigen
Jahren erdacht worden sein kann, dürfte mit den Vorarbeiten zur Errich-
tung der Position eines rechtgläubigen pontifex maximus im regionalen
Hoheitsgebiet des Templerordens bereits Ende des 13. Jahrhunderts be-
gonnen worden sein, womit sich ein direkter Zusammenhang zwischen
dem Scheitern der beiden letzten „Kreuzzüge" und der Gründung der neu-
en, nun rechtgläubigen, christlichen Kirche ergibt. Eine Entwicklung, die
dann 1377 mit dem Einzug eines nun katholischen Papstes in Rom ihren
Abschluß fand, auch wenn viele Entwicklungsergebnisse schon weitaus
früher umgesetzt worden waren. Eines davon zeigte sich bereits im Jahre
1309, wobei dieses Datum eigentlich um ein bis zwei Jahrzehnte zu früh
datieren dürfte, mit dem Einzug des katholischen Deutschen Ritterordens
in der Marienburg.

In den dem Jahre 1307 folgenden Jahrzehnten waren, nach der Gründung
der Pariser Universität, die damals fähigsten und kreativsten Köpfe des
Templerordens in Paris zusammengezogen worden, um dort noch weitaus
mehr als nur einen neuen Papst zu schaffen. Hier wurde ein völlig neues
Konzept für künftige Politik entwickelt. Es war eine politische Schöpfung,
die zwar nicht mehr einzig im Sinne der konstantinopler Händler-
Plutokraten stattfand - erfolgte sie doch zum Vorteil all der neuen, auf der
zertrümmerten germanischen Ordnung errichteten Adelsstrukturen -, die
aber immer, allein schon zur Rechtfertigung des eigenen Herrschaftsan-
spruchs, gezwungen waren, sich im Rahmen der materialistischen Werte-
welt zu bewegen, wovon letztlich auch die Händler-Plutokraten profitier-
ten. Wie weitreichend diese politischen Schöpfungsarbeiten gefaßt wurden,
wird schon aus den verschiedenen Schwerpunkten deutlich.

Einen dieser Schwerpunkte bildete die Verfälschung der Geschichte, denn


auch die neuentwickelte rechtgläubige Kirche mußte ihre Gründung in
uralte Zeiten rückdatieren. Erst hier in Paris, und erst nach 1307, war es
möglich, das Konzept für die totale Verfälschung der vergangenen Ge-
schichte - das Konzept für unser selbst heute noch gültiges Geschichtsbild -
zu erdenken und zu entwickeln! Hier in Paris wurde also nicht nur die
178

weitere Zukunft geplant, sondern auch das neue, bis heute geltende Ge-
schichtsbild erfunden! Denn erst auf den bis zu diesem Zeitpunkt geschaf-
fenen Fakten war eine entsprechend angepaßte und zusammenhängende
Konzeption für das gewollte Vergangenheitsbild möglich. Zu diesem Zeit-
punkt erst konnte ein passendes Bild überhaupt entwickelt werden. Die
Urheber dieser Entwicklung waren nun nicht mehr allein die Flüchtlinge
aus Konstantinopel und ihr jüdisches Volk - wenn diese sicherlich auch mit
Rat und Tat zur Seite standen - sondern dies waren die vormaligen Vasal-
len des in Konstantinopel residierenden pontifex maximus, die führenden
Kräfte seines christlichen Templerordens. Sie suchten und fanden im Rah-
men der Gesamtaktion nun auch für sich selbst eine politische Lösung aus
der Sackgasse, in der sie ihr Vasalleneid gefangen hielt. Da es einzig der
Eid gegenüber dem in Konstantinopel residierenden pontifex maximus
war, der dem Templerorden seine Existenzberechtigung, seine Grundlage
und seinen Zusammenhalt gab, so konnte jede machtpolitische Weiterent-
wicklung des Ordens immer nur dann in geordneten Bahnen erfolgen,
wenn dieser Eid weiterhin Bestand hatte und unverletzt blieb. Die gefun-
dene Lösung des Problems gipfelte dann darin, die christliche Lehre und
die Person des pontifex maximus neu und positiver als zuvor, also recht-
gläubig, zu definieren.

Die Pariser Universitätsgeister schufen sich im Auftrag des Templerordens


ihren eigenen pontifex maximus, ihren nun rechtgläubigen katholischen
Papst, dessen Grundlage ein völlig überarbeitetes, ein Neues Testament
(irgendwoher muß auch dieser Name ja seinen sinnigen Ursprung haben)
wurde, womit von den Tempelherren, ohne jeden Bruch ihres Vasallenei-
des, eine vollständige und weitgehend geordnete Reorganisation durchge-
führt werden konnte, ohne daß ihnen auch nur ein Krümel ihrer Macht
verloren ging. Eine Gruppe von ihnen wandelte sich analog den Entwick-
lungen in Deutschland zu französischen, spanischen und portugiesischen
Landadligen, eine andere Gruppe wurde von der Inquisition verbrannt und
die letzte, die dritte Gruppe verschwand (zumindest aus dem neukonstru-
ierten Geschichtsbild), wonach die Auflösung des Templerordens defakto
vollzogen, also nur noch reine Formsache war. Jede der Interessengruppen
des Templerordens fand für sich eine Lösung. Selbst für die, die weiterhin
ihrem Kaiser-Papst in Konstantinopel die Treue halten wollten, wurde mit
179

dem Scheiterhaufen eine Lösung gefunden. Was aber wurde aus der dritten
Gruppe? Aus der Gruppe, die weiterhin als Ordensgemeinschaft wirken
wollte ? Auf sie soll später eingegangen werden.

Für jeden Leser, der sich einmal kräftig amüsieren will, kann nur empfoh-
len werden, einmal irgend eines der vielen Bücher über den Templerorden
zu lesen. Ansonsten sei noch darauf verwiesen, daß die historische Wissen-
schaft die gesamte Templergeschichte bis heute als eines der größten Ge-
schichtsrätsel vor sich herschiebt.

In diesem Zusammenhang bleibt noch auf einen Aspekt hinzuweisen, der


zu allen Zeiten in den Legenden und Geschichten der Templer mit-
schwingt. Und dies war der Reichtum des Ordens. Ein Reichtum, der nicht
nur in Ländereien, sondern in der physischen Anhäufung von Edelmetal-
len, in diesem Fall von Silber, bestand. Silber in solchen Mengen, wie sie
im ganzen Abendland als abbaubare Größenordnung überhaupt nicht vor-
handen waren. Woher kam der Silberschatz der Templer? Die Antwort
liegt eigentlich auf der Hand, auch wenn kein Historiker sie bis heute ge-
funden hat.

Stellen wir die Herkunft des Metalls, das Silber, ins Zentrum unserer Fra-
ge, so zwingt uns das zu einem geschichtlich kurzen Zeitsprung zu den
Spaniern des 16. und 17. Jahrhunderts, als diese sich, nicht zuletzt dank
ihrer mit Silber beladenen Schiffe, zur Weltmacht erhoben. Und dieses
Silber kam in riesigen Mengen unbestritten aus Südamerika. Was also
schließt aus, nachdem der Templerorden weiteste Teile der europäischen
Atlantikküste beherrscht hatte, daß nicht bereits zu seiner Herrschaftszeit
ein reger Handel mit den Völkern des amerikanischen Kontinents stattfand,
er also sein Silber aus den gleichen Quellen, wie dann später auch die spa-
nische Krone schöpfte? Die Existenz der südamerikanischen Silberquellen
und das Wissen der Templer über ihre Abschöpfungsmöglichkeit würde
dann auch erklären, weshalb ein kleiner Teil von ihnen ausgerechnet Por-
tugal, den äußersten westlichen Rand Europas (unter Ausnahme des südli-
chen, muselmanisch besetzten Teils), als Fluchtpunkt (vielleicht auch nur
als Transitpunkt?) gewählt hatte. Waren doch hier die Häfen, Mannschaf-
ten, Seekarten und Schiffe, und damit letztlich die Möglichkeiten, sich
180

selbst nach Südamerika abzusetzen und in Sicherheit zu bringen. Damit


wäre dann aber nicht nur die Entdeckungsgeschichte Amerikas komplett
neu zu schreiben, sondern auch die Geschichte vom Untergang und der
völkermordartigen Vernichtung der dortigen Kulturen.

Die durch die Zeiten der Jahrhunderte planierte Straße der materialisti-
schen Greuel und die ihr zum Fundament gewordene Menschenverach-
tung erscheint erst aus der Globalbetrachtung in ihrer gesamten Aus-
prägung. Und erst diese Gesamtheit zeigt auch, daß letztlich alle Men-
schen mitsamt ihren Völkern und Kulturen untergepflügt und auf mate-
rialistisches Denk- und Lebensniveau einplaniert wurden. Hier hilft kein
Aufstand eines Menschen, auch nicht der eines Volkes. Hier, und viel-
leicht erst hier, gewinnt der Begriff der Menschheit seinen eigentlichen
Sinn und Zweck.

Beseitigt man die in Paris erdachten und begonnenen, gemeinsam mit den
später, während der sich anschließenden Zeit der Renaissance, weiterent-
wickelten und abgerundeten Geschichtsfälschungen, so müßte sich ein Bild
zeigen, in dem ein in allen Teilen christliches Europa und Deutschland
selbst zur Reformationszeit noch nicht existiert hat. Noch immer dürften
selbst größere Gebiete, wenn vielleicht auch nur noch mythologisch, der
altgermanischen Zeit verbunden gewesen sein. Es dürfte sich weiterhin
zeigen, daß die, allein durch die aus Konstantinopel transferierten Vermö-
gen zu Reichtum gekommenen, norditalienischen Handelsstädte in ihrer
Bedeutung, spätestens mit dessen Verlust seiner orientalischen Handels-
niederlassungen im Jahre 1303, Konstantinopel schon längst den Rang
abgelaufen hatten. Weiter würde sich zeigen, daß dem aus Konstantinopel
entsandten kaiserlichen, von Italien aus agierenden, Stellvertreter, trotz der
beigegebenen geistigen, materiellen und militärischen Ausrüstung nur
Teilerfolge gelungen waren. Weder das so kunstvoll konstruierte Christen-
tum, noch alle materiellen Reichtümer, noch irgendwelche (ost-)römisch-
italienischen Truppen hatten ausgereicht, um das direkte Herrschaftsgebiet
des Kaiser-Papstes weiter als über den italienischen Stiefel ausdehnen zu
können. Und die Möglichkeiten Konstantinopels hatten sich in dieser Akti-
on offenbar erschöpft. 1307 war dann der Zeitpunkt erreicht, an dem an-
geblich der (noch nicht existente) katholische Papst die persönliche macht-
181

politische Notbremse zog. Sein weltlicher Helfershelfer, der italienische


Vize-Kaiser, war entweder schon seit Jahrzehnten nicht mehr zu finden,
oder konnte wegen seines nicht vorhandenen Herrschaftsgebietes gleich
völlig aus der Geschichte gestrichen werden. Seine weitere Existenz war
ganz einfach an der entgegenwirkenden Macht des noch viel zu sehr der
germanischen Tradition verhafteten deutschen Adels gescheitert, der nicht
nur keinen päpstlichen Kaiser wollte und neben dem Kaiser offenbar allen
päpstlichen Anspruch gleich mit ausgemustert hatte. Zur Rechtfertigung
und Durchsetzung der neu gewonnenen deutschen Adelsmacht dürfte es
völlig ausreichend gewesen sein, daß diese den christlichen Glauben über
jeweils unterstellte eigene Landeskirchen durchsetzte, um die eigenen adli-
gen Herrschaftsansprüche zu festigen. Der entmachtete Papst (oder die, in
deren Auftrag er zu allen Zeiten wirkte) mußte also nach einem Ausweg
sinnen, wie die christliche Kirchenorganisation wieder ins machtpolitische
Spiel eingebracht werden konnte. Und die widerspenstigen, teilchristiani-
sierten Stämme in Deutschland wurden offenbar als völlig ungeeignet an-
gesehen, von den Händler-Plutokraten als Handlanger eingesetzt zu wer-
den.

Sieht es auch auf den ersten Blick so aus, als wäre das so groß angelegte
Vorhaben der Händler-Plutokraten gescheitert, so kann selbst heute tagtäg-
lich jeder feststellen, wie erfolgreich man damals tatsächlich war. Auch
wenn die Urheber nicht in allen Regionen zu direkten Machthabern aufge-
stiegen waren, auch wenn ihr eigenes, so wunderbar konstruiertes Volk
sich in alle Winde zerstreut hatte, ja selbst wenn viele der aus Konstanti-
nopel emigrierten Händler-Plutokraten untergegangen waren, so war ihnen
doch Entscheidendes gelungen: sie hatten ihre geistigen Werte und ihr
Denken nicht nur gerettet, sondern sie hatten beides zu grundlegenden
Bestandteilen des christlichen Abendlandes gemacht, womit jede Erinne-
rung an die idealistische Lebensordnung der Germanen unter Einsatz aller
nur erdenklichen Mittel bekämpft und dauerhaft ausgelöscht werden muß-
te. Das Wichtigste, das materialistische Denken, hatte sich, ohne die
menschlich-idealistische Gegenposition überhaupt noch sichtbar werden zu
lassen, überall durchgesetzt. Und einzig dieses Denken und dessen
materialistische Ausrichtung ist es - nicht die Personen oder der Namen
derer, die es damit zu plutokratischem Reichtum und der sich daraus fast
182

ergebenden Machtfülle gebracht haben -, das alle bis heute andauernden


Zeiten und den größten Teil der darin stattgefundenen politischen Entwick-
lungen entscheidend bestimmt haben.

Mit dem Jahr 1307 war die Macht und das Reich der Templer öffentlich
zerbrochen und auf das neu errichtete französische Königshaus übergegan-
gen. Ein Ereignis, welches auch die jüdischen Plutokraten wieder in Bewe-
gung brachte. So blieben die einen in ihren norditalienischen Städten, an-
dere gingen an die neuen französischen, spanischen und portugiesischen
Höfe, um später, im Jahre 1520, als die Informationen über die amerikani-
sche Entdeckung und das Potential dieser Entdeckung gesichert zur Verfü-
gung stand, nach England zu ziehen, um auch am Hofe Heinrichs VIII. ihre
politischen Fähigkeiten und ihr Kapital anzubieten. Nur um die Länder
machten die Händler-Plutokraten immer einen großen Bogen, von denen
sie wußten, wessen so schwer zerstörbaren Geistes und Wesens ihre Be-
wohner und selbst deren herrschender Landadel waren, und daß die Werte
dieses Wesens immer den Gegenpol zu ihrem Materialismus bildeten, ganz
gleich, welchen Betrug und welche Gewalt sie auch dagegen bereit waren
einzusetzen.

Die Entwicklungen, wie sie im 14. Jahrhundert an der Universität von


Paris geplant und eingeleitet wurden, brachten nun auch die herrschen-
den Christen auf das geistige materialistische Niveau, auf dem sich bis
dahin einzig das in Konstantinopel geschaffene jüdische Volk bewegte.
Erst diese geistige Gleichschaltung schuf die Voraussetzung für die bis
heute anhaltende Dominanz des Materialismus. War es den klugen Köp-
fen in Paris doch gelungen, der Plutokratie neben dem jüdischen nun
auch ein christliches Standbein zu verschaffen.

Weil selbst heute noch viele kritische Geister meinen, einzig die Anhänger
des jüdischen Glaubens strebten nach der Weltherrschaft und würden welt-
weit politisch dominieren, so sei hier nochmals in aller Deutlichkeit auf die
gravierenden Konsequenzen hingewiesen, die sich aus den geistigen
Leistungen der Pariser Denker ergaben: Die zuvor streng getrennte
Aufteilung in jüdische Herren und christliche Knechte wurde in Paris so-
weit verwässert und umgekehrt, daß nach 1377 die christliche Führungs-
183

riege und die sich auf die neue christliche Lehre stützenden, weltlichen
Machtstrukturen die Oberherrschaft gewannen. Dazu wurde die christliche
Gemeinde horizontal in zwei Gruppen getrennt: Die Führungsriege, die
einzig jüdisch-materialistische Ziele und Werte verfolgte, wozu sie sich
seither äußerst geschickt hinter dem geheuchelten christlichen Glauben
verbarg, und die große Masse der Christen, die an die geheuchelten Werte
tatsächlich glaubten. Daß die christliche Führungsriege die für ihre Herr-
schaft, allein schon wesensseitig, so hervorragend geeigneten jüdischen
Kräfte einsetzte, ist nur eine logische Konsequenz.

Erst die klugen Köpfe, die der Templerorden an der von ihm ins Leben
gerufenen Universität zu Paris zusammengerufen hatte, haben der christli-
chen Menschheit die geistige Grundlage und die Strukturen verschafft, auf
denen seither die jüdisch-christliche Plutokratenriege die Geschicke unse-
rer Welt steuert. Erst sie und ihre Arbeiten haben dem Materialismus zum
endgültigen Durchbruch verholfen. Ihnen war es vorbehalten, den Men-
schen bis heute zu fälschen und ihn nun vollständig von seinem mensch-
lichen Weg abzubringen!

Kommen wir noch zu einer anderen Großschöpfung der Pariser Denker,


kommen wir zum römischen Recht. Fast schon selbstredend, diese erneute
rechtliche Veränderung mußte dem rechtgläubigen-materialistischen Adel
nun auch den Bodenwert, und nicht nur seinen Lehenertrag, zur Beute ma-
chen. Denn auch die Rechtgläubigkeit will belohnt sein. So dauerte es dann
auch nicht allzu lange, bis das sogenannte „Römische Recht" seinen prakti-
schen Einzug in der gesamten christlichen Welt halten konnte. Mit ihm
wurde der Eigentumsgedanke soweit konkretisiert, daß nicht nur der Bo-
den, sondern letztlich alles zur Handelsware wurde. Damit war das adlige
Recht nicht mehr nur das Recht auf einen Anteil am Bodenertrag, sondern
der Boden selbst war zu Vermögen geworden. Er war direktes Vermögen
des rechtgläubigen Adels geworden. Wessen auch sonst! Die Änderung
war äußerst gravierend, wenn ihr auch noch der letzte Schritt fehlte, mit
dem später abstrakte Personen - Gesellschaften und Unternehmen - den
natürlichen Personen rechtlich gleichgestellt wurden.
184

Ausgangspunkt für die Konzeption des römischen Rechts war wiederum


der zerfallende Templerorden. Denn erst über das neue römische Recht
konnte dem Teil der Ordensmitglieder, aus dem sich die landadligen Struk-
turen Frankreichs bildeten, überhaupt ein fester Wert für den von ihnen
übernommenen Boden zugewiesen werden. Für die landadligen Strukturen
außerhalb des vormaligen Templergebietes fiel dem Adel nach dem römi-
schen Recht nun das als persönliches Eigentum zu, was ihm zuvor von
seinem Vorgesetzten geliehen worden war, womit diese Abhängigkeit auf-
gelöst und ihre Strukturen aufgeweicht und verwässert wurden. Mit diesem
neuen Recht gab es im Bezug auf den Boden nur einen Verlierer, die Bau-
ern. Sie waren damit „auf dem kalten Wege" vollständig enteignet worden.
Zwar zahlten sie zunächst statt ihrer bisherigen Lehentribute die gleichen
Ertragsanteile als Pachten für die Nutzung des Bodens. Nur hatten sie je-
den Rechtsanspruch auf den Boden verloren. Die Bauern waren jederzeit
und aus beliebigem Grund vertreibbar, was dann unter dem Titel des „Bau-
ernlegens" auch kräftig praktiziert wurde und vielfach bis zu dem in der
Leibeigenschaft gipfelnden Verlust der eigenen Person führte, von Freiheit
längst nicht mehr zu reden. Was aber genauso wichtig war: der neue Eigen-
tümer, also der Adlige, konnte den Boden nun handeln, sprich verkaufen.
Nicht mehr Gerechtigkeit, sondern irgendwelche aus beliebigen Gründen
erlassenen Gesetze wurden die neuen Grundlagen der materialistischen
Ordnung. Einer Ordnung, in der selbst der idealistische Wert der Freiheit
zu einem materiell handelbaren Privileg geworden war.

Nach der Schöpfung von Juden- und Christentum bildet die Konzeption
und Einführung des römischen Rechts, gemeinsam mit der Gestaltung
der rechtgläubigen christlichen Lehre, den wohl größten negativen Ent-
wicklungssprung der Menschheitsgeschichte.

Mit der Einführung des römischen Rechts erhielt die materialistische Um-
gestaltung Europas ihre völlig neue, bis heute wirksame Grundlage. Mit
dem Lehenrecht, insbesondere aber dem darauf aufgesetzten römischen
Recht, erfolgte die größte Wertschöpfungsaktion des Mittelalters! Heute
werden solche Vorgänge, in denen Volksvermögen kapitalisiert und an
Plutokraten verschoben wird, als Privatisierung bezeichnet. Erst mit dem
römischen Recht erhielt der gesamte Betrug seine Rechtsgrundlage.
185

Wie noch heute, so wurde bereits damals schon das neu geschaffene Ver-
mögen nicht zum Vermögen des Volkes, der Gemeinschaft, sondern war
ausschließlich den adligen Strukturen, eben den Herrschenden, zugute
gekommen. Mit anderen Worten: der mit der Renaissance, der Phase der
christlich-materialistischen Feingestaltung Europas, sich über den gesam-
ten Kontinent erhebende christliche Adel hat seine neue Position und sein
Vermögen nicht seinen Leistungen und Qualitäten für die Gemeinschaft,
den Stamm oder das Volk zu verdanken, sondern ausschließlich seiner
individuellen Gier und Gewissenlosigkeit!

In diesem Zusammenhang kommt nun die berühmt-berüchtigte konstantini-


sche Schenkung, rückdatiert in das Jahr 313 n.Chr., ins politische Spiel. In
ihr schenkte angeblich der (ost-)römische Kaiser und erste orthodoxe Papst
Konstantin einem katholischen(?) Papst Sylvester den Kirchenstaat, Italien
und das ganze Abendland. In dieser Schenkung geht es um nichts anderes
als um die Besitzverhältnisse über Land, über Boden. Mit dieser Schen-
kung werden die Eigentumsverhältnisse nun juristisch, und nicht mehr, wie
in der Bibel, göttlich geregelt! Die mit dem Lehenrecht längst akzeptierte
Argumentation mit dem göttlichen Eigentümer, der doch die Welt geschaf-
fen haben soll, womit diese folglich sein Eigentum sein mußte, konnte mit
diesem Super-Schriftstück nun um einen völlig neuen, aber erst auf den
Gedanken des neuen römischen Rechts überhaupt entwickelbaren, weltli-
chen Nachweis ergänzt werden. Damit waren nun nicht nur alle alten An-
sprüche des orthodoxen Kaiser-Papstes in Konstantinopel widerlegt, son-
dern der neue katholische Papst war, in uralte Zeiten datiert, als neuer
„Alteigentümer" an seine Stelle gesetzt worden.

Was außerdem an der konstantinischen Schenkung noch beachtlich ist, ist


neben dem Beschenkten, dem katholischen Papst, auch der Schenkende,
der uralte (ost-)römische Kaiser, der seinerzeit auch der Oberpriester der
orthodoxen Christen gewesen sein soll. Nur, wie konnte jemand, der nach
der angeblichen Teilung des römischen Imperiums ausschließlich für den
östlichen Teil zuständig war, den westlichen je an einen anderen als den
weströmischen Kaiser verschenkt haben? Es kann doch nur der etwas ver-
schenken, der sich selbst zumindest als dessen berechtigter Eigentümer
ansieht! Nach dem (später von der katholischen Kirche selbst als gefälscht
186

deklarierten) Dokument hätte der Kaiser Konstantin der Ansicht gewesen


sein müssen, daß er berechtigter Eigentümer Italiens und sogar des gesam-
ten Abendlandes sei. Demnach war Kaiser Konstantin nicht bekannt, daß
das römische Imperium zuvor längst geteilt worden war!
Wenn die römische Kirche selbst, wenn auch erst Jahrhunderte später,
zugab, daß es sich bei diesem Schenkungsdokument um eine eigene Fäl-
schung handelt, so darf nun auch diese Fälschung nicht etwa als übler
Scherz eines päpstlichen Vorgängers verstanden werden. Zum Einen wurde
das Schenkungspamphlet zum Zeitpunkt der Offenlegung der Fälschung
nicht mehr benötigt, zum Zweiten aber enthielt es im Rückschluß eine Aus-
sage, die das gesamte Fälschungsgerüst zum Einsturz bringen mußte. Denn,
auch wenn das Schriftstück zum Nachweis der konstantinischen
Schenkung erst nach dem Jahre 1300 geschrieben und in das Jahr 313
rückdatiert worden war, so hatten die Hersteller doch zwei fatale gedankli-
che Fehler begangen. Sie hatten den Kaiser Konstantin selbst im Jahre 313
n. Chr. noch zum rechtmäßigen Eigentümer der von ihm dann verschenkten
Gebiete und Regionen gemacht und sie leiteten diesen Anspruch vom rö-
mischen Recht ab! Womit nicht nur der göttliche Schöpfer und Eigentümer
vom angeblich ersten Christenpapst in Abrede gestellt wurde. Auch hatten
die Geschichtsfälscher die von ihnen konstruierte Teilung des römischen
Reiches bereits ins Jahr 286 datiert, womit selbst einem Kaiser Konstantin
hätte bekannt sein müssen, daß das, was er als Italien und das Abendland
bezeichnet und verschenkt hatte, nicht in seinem, sondern im Eigentum des
(damit eindeutig nie existierenden) weströmischen Reiches sich befand!
Folglich lag es im elementaren Bedürfnis der späteren Papstkirche selbst,
dieses Schriftstück als Fälschung zu deklarieren! War sein Inhalt doch viel
zu verräterisch.

Ebenfalls dem Wirken der Pariser Universitätsgeister zu verdanken haben


wir auch das, was der katholische Papst dann von Rom aus in Gang brach-
te, die „Mode" der Renaissance, die nun auch nicht zufällig entstanden
war, sondern handfeste machtpolitische Gründe hatte.

Schon die Umstellung auf die christliche Weltanschauung zeigt ein psycho-
logisches Phänomen, wie es in späteren Zeiten bei der demokratischen
187

Umstellung erneut festzustellen war. Jeder, der seine Existenz, der die
Erhaltung seines Lebens als höchsten Wert ansah, der konnte sein inneres
Gleichgewicht nur dadurch halten - was nichts anderes heißt, als in den
Wahnsinn abzudriften - daß er sich selbst dazu zwang, einzig an die ge-
heuchelten positiven Werte zu glauben und alle Kenntnisse über den wah-
ren Charakter dieser Weltanschauung zu verdrängen. Der menschliche
Überlebenswille wurde so zur stärksten Waffe der menschenverachten-
den materialistischen Herrschaftssysteme! Diese Erkenntnis wurde dann
auch der Auslöser für die das individuelle Lebensglück betonende „Mode"
der Renaissance.

Nur war jeder, der einmal den Überlebensweg des Kompromisses mit dem
Materialismus gewählt hatte, in der Folge immer gezwungen, den einmal
gewählten Selbstbetrug unbedingt aufrecht zu erhalten, ganz gleich, wie
deutlich und überdeutlich der Betrug auch zu sehen war. Erst dieser immer
weiter gesteigerte Selbstbetrug schuf dann auch die christlichen (und spä-
ter die demokratischen) Eiferer!

Erst der Wahnsinn macht den Materialismus für den Menschen erträg-
lich, ohne daß er dann noch erkennt, daß er längst kein Mensch mehr
ist!

Es waren schon kluge Leute, die sich damals an der Universität zu Paris
trafen, auch wenn sie sich bereits auf die Erfahrungen, Leistungen und
Methoden ihrer byzantinischen Vorgänger stützen konnten. Und selbst die
Werte des Templerordens, aus dem diese Entwicklung einst hervorgegan-
gen war, spielten hier längst keine Rolle mehr, waren ihre Vertreter doch
entweder verbrannt worden, oder emigriert.

An dieser Stelle sollen noch kurz zwei Episoden aus der Pariser Ge-
schichtsküche angesprochen werden, die doch so bedeutsam aus dem zu-
sammenmanipulierten Geschichtsbild herausragen. Wie man sich in Paris
die Stellung des Deutschen Kaisers zum eigenen katholischen Papst vor-
stellte, das zeigt sich besonders deutlich in der erfundenen Geschichte vom
Canossagang eines Kaisers Heinrich IV. Beschreibt diese Geschichte doch
den Höhepunkt in einem angeblichen Machtstreit zwischen zwei Phantasie-
188

figuren, dem katholischen Papst und dem deutschen Kaiser, der mit dessen
Kniefall und Unterwerfung endete. Eine Geschichte, die man erst dann
richtig verstehen kann, wenn man den Zeitpunkt ihrer Entstehung, ihre
Schöpfer und deren politische Absichten kennt.

Und auch die Geschichte vom altfränkischen Superstar Karl erhält erst jetzt
ihren eigentlichen Sinn. Nicht nur die machtpolitische Aufwertung des
neuen Frankenreiches, sondern auch sein „geschichtlicher" europäischer
Oberherrschaftsanspruch kann kaum deutlicher zum Ausdruck gebracht
werden. Mit dem, was mit Karl dem Großen geschichtlich gemacht wurde,
war zwar neue „Geschichte" geschrieben worden, die aber darauf ausge-
richtet war, die künftigen politischen Absichten zu rechtfertigen. Mit der
Geschichte von Karl dem Großen wurde den französischen Absichten
schon mal, sozusagen prophylaktisch, der, nach dem Denken der Fälscher
zu solchen Zwecken immer erforderliche, uralte Anspruch und die dauer-
hafte Rechtfertigung verschafft.

Materielle Machtstrukturen, die mittels eines erfundenen und vorgegaukel-


ten Christentums und dessen so machtvollen Papstes auch über die Macht
und den Anspruch verfügten, selbst die Freiheit erst dann als erreicht pre-
digen zu können, wenn man sich ihrer göttlichen Stellvertretungsmacht
unterwarf, das war eine nur als genial zu bezeichnende Idee! Die machtpo-
litische Quadratur des Kreises! Nach der mit absolutistischer Dreistigkeit
vorgenommenen Beschlagnahme positivster und höchster ideeller Werte
germanischen Ursprungs entwickelte sich eine sich darauf berufende mate-
rielle Machtstruktur, wobei allein schon dieser Machtanspruch alle vorge-
schobenen Ideale zur Heuchelei herabwürdigte! Sie predigten Freiheit,
Unabhängigkeit, Glück und Frieden für jeden Menschen, um ihn dann - zur
Befriedigung des eigenen Macht- und Beherrschungsanspruchs - im Namen
all dieser zur nackten Heuchelei gewordenen Begriffe zu bekehren, d.h.,
ihn seiner Freiheit, seines Glücks, seiner Unabhängigkeit und seines Frie-
dens zu berauben. Als Grundlage ihrer Macht trugen sie ihren Gott Jahwe
und ihre Bibel vor sich her! Und die, die sich selbst als Vertreter Gottes
ausgaben, bauten sich letztlich damit ihre abgehobene, unangreifbare,
machtpolitische Zwischenstufe als „Händler der Glückseligkeit" auf, wobei
angeblich niemand ohne ihre Hilfe zu Gott kommen konnte. Eine Hilfe, der
189

jeder Gläubige dringend bedurfte, war er doch mit einer auf der gesamten
Menschheit lastenden Erbsünde beladen. Der päpstliche Machtapparat
erhob sich selbst in die Position - und wurde dabei von seinen weltlichen
Herrschaftspartnern gestützt -, die vorgab, die Verbindungsinstanz zwi-
schen der materiell realen Welt und der idealen Welt des einen Gottes zu
sein. Damit waren sowohl dieser Machtapparat als auch alle seine Mitglie-
der völlig abgehoben und unangreifbar. Alle Verfehlungen, ja selbst die
größten Verbrechen des weltlichen und des kirchlichen Machtapparates,
wurden als menschliche Schwäche Einzelner erklärt, wobei selbst der übel-
ste Verbrecher im kirchlichen Auftrag auf dem Wege der Buße seinen see-
lischen Frieden wiedererlangen konnte, so er denn diese nur der Machtkir-
che gegenüber ablegte und dabei auch noch möglichst seine Beute „als
Reue" aushändigte. Die römisch-katholische Kirche hatte sich also nicht
nur alle materiellen Güter, sondern selbst das „gute Gewissen" zum Eigen-
tum gemacht (vgl. das „gute Gewissen" der sog. Demokraten, deren Mittel
nicht der Glaube selbst, sondern der Glaube an mittels Propaganda und
Verfälschung verbreitete Informationen und Deutungen ist).

Die gleichen machtpolitischen Grundgedanken wie die katholische Kirche


hat „erstaunlicherweise" in späteren Zeiten auch das englische Königreich
übernommen, wobei bis heute, neben der Verbindung zum oft völlig entar-
teten Christengott, der Glaube an eine das gesamte Volk umfassende de-
mokratische Staatsform steht. Was nun allein die politische Entwicklung
Englands angeht, so erscheint es in diesem Zusammenhang wichtig, auf ein
nicht all zu bekanntes Ereignis hinzuweisen. Nachdem auch in England
über die Angeln und Sachsen sich die germanische Lebensordnung verbrei-
tet und ausgedehnt hatte, wurde auch dieses Opfer der materialistisch-
christlichen Eroberung. Nur fand diese natürlich nicht bereits in der
Schlacht von Hastings im Jahre 1066 statt - wenn dieses Ereignis nicht
vollständig erfunden ist, so ist es doch zumindest falsch datiert -, sondern
wurde zerstört durch die erst nach dem Jahre 1100 in England eingefalle-
nen christlichen Heere. Auf dieser Grundlage ließ sich dann im Jahre 1520
eine große Gruppe von Neuankömmlingen auf der Insel nieder. Nur kamen
diese nicht, wie die vorherigen, aus den nördlichen Ländern, sondern ihr
Ausgangspunkt war das norditalienische Genua! Mit der Entsendung dieser
Neuankömmlinge wurden offenbar zwei politische Ziele verfolgt. Zunächst
190

hatte sich mit der Entdeckung Amerikas zwei Jahrzehnte zuvor das gesam-
te damalige Weltbild vollständig verschoben. Der Orient, Norditalien und
auch Rom, ja selbst Europa, waren vom Zentrum zur Randlage geworden.
Zum Zweiten sahen sich die orientalischen Händler-Plutokraten auch ge-
zwungen, etwas gegen die immer stärker werdende nördliche Handels-
macht, die Hanse, zu unternehmen. Diese Neuankömmlinge brachten der
englischen Insel nicht nur die ersten materiellen Reichtümer, sondern, was
weitaus wesentlicher war, sie brachten konzeptionell-politisches Wissen
auf die Insel. Und dieses leuchtete erstmals 1527 in dem ersten Schei-
dungsdrama auf und wirkte sich dann bereits allgemein sichtbar im Jahre
1534 mit der von Heinrich VIII. durchgeführten Verselbständigung der
anglikanischen Kirche aus, die er geschickt mit dem 1527 inszenierten
Scheidungsschauspiel eingeleitet hatte. Wie unsinnig diese Geschichte ist,
zeigt sich allein schon daran, wo der König Heinrich VIII. 1527 noch so
vehement eine Scheidung seiner Ehe durch den rechtgläubigen Papst ge-
fordert hatte, da genügte dem gleichen König in der Folgezeit für solche
Zwecke einzig das Henkersbeil, denn bekanntlich war Heinrich der VIII.
achtmal (vielleicht deshalb auch „Heinrich der Achte") verheiratet.

Wird nun noch die seitdem betriebene, bis in die heutigen Tage reichende,
englische Politik betrachtet, so sehen wir eine Linie, die, ausgehend vom
Imperium Romanum, über Konstantinopel, dem Aufbau der norditalieni-
schen Stadtstaaten und des templerischen Frankreichs bis nach England,
und über dessen Kolonialpolitik zur heutigen Supermacht des Materialis-
mus, den USA, reicht. Begleitet und verwirrt wurden diese Abläufe sowohl
durch die aus dem Templerorden hervorgegangenen französischen Ent-
wicklungen, als auch durch die dritte Gruppe des Templerordens, auf die
wir noch zu sprechen kommen.

Ein duales System aus christlicher Lehre und weltlichen Herrschern, das in
beiden Linien den Glauben erforderte! Den Glauben, die Überzeugung, daß
nur Christen (und dereinst Demokraten) „gut" sind und ein „gutes Gewis-
sen" haben können. Wer diese Herrschafts- und Beherrschungsgrundlagen
berücksichtigt, wer den ganzen Betrug durchschaut und den von ihm aus-
gehenden Terror beenden will, der wird zu dem Schluß kommen, daß die-
ses System nur auf dem Wege und nur mit den Mitteln bekämpft und besei-
191

tigt werden kann, auf dem und mit denen dereinst das alte Rom in die
Flucht geschlagen wurde. Nur wäre dieser Kampf müßig und völlig sinn-
los, wenn dabei dann wieder nur eine andere Beherrschungs- und Unter-
drückungsstruktur aufkäme. Aber schon die alten Germanen haben gezeigt,
daß es sich auch ohne Imperialismus leben läßt.

Zur Thematik der christlichen Missionierung noch eine kurze Anmerkung.


Erst Martin Luther blieb es vorbehalten, eine deutsche Übersetzung der
Bibel im Jahre 1530 vorzulegen, obwohl fast allen Ketzerorganisationen,
wie beispielsweise den Waldensern, die Übersetzung der Bibel in die je-
weilige Landessprache zugesprochen wird, die aber gemeinsam mit den
Ketzern ein Opfer der Flammen geworden sein sollen. Dies besagt nun,
daß während des gesamten vorherigen Zeitraumes die Bibel zunächst in der
Sprache Konstantinopels vorlag - angeblich war seit dem Kaiser Justinian,
ca. 550 n. Chr., das Griechische die offizielle Sprache des Imperiums -, die
niemand in den anderen Teilen Europas verstand oder lesen konnte. Die
Bibel, ob in Griechisch oder Latein, war für die Gläubigen also nichts an-
deres als ein weißes Blatt Papier in der Hand der christlichen Priester. Es
wurde also nicht der Glaube an nachprüfbare Bibelworte verlangt, sondern
es wurde einzig ein Glaube an die Priester gefordert!

Lt. Brockhaus von 1936 liegt die „folgenreichste Leistung" des (ost-) römi-
schen bzw. byzantinischen Imperiums für die abendländische Kultur in der
„Bewahrung und Pflege des Schrifttums des Altertums, das wir heute fast
ausschließlich durch die Byzantiner besitzen" (sic)! Waren vielleicht gar
die alten Griechen nichts anderes als byzantinische Kostgänger, die sich
ihre alte, griechische Kultur im Sinne des politischen Byzanz nur zusam-
mengeschrieben haben? Müssen wir die geschichtliche Abrißbirne viel-
leicht noch weitaus früher ansetzen? Hat sich nicht nur die christliche Kir-
che ihre, hat sich vielleicht schon das byzantinische Imperium seine grie-
chische Geschichte fabriziert ? Eine Frage, mit der sich nicht nur die alt-
historisch interessierten Atlantis-Sucher auseinander zu setzen haben.

Wenn wir heute verwundert vor der Frage stehen, wo denn all die kaiserli-
chen und fürstlichen Archive Deutschlands geblieben sind, die diese nach
dem geltenden Geschichtsbild doch unzweifelhaft geführt haben müssen,
192

so wissen wir jetzt auch die Antwort darauf. Wo es bis in die Zeit des „auf-
strebenden" Christentums, also bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts, zu-
nächst die freie germanische Lebensordnung, dann einen italienischen Vi-
ze-Kaiser und den Templerorden gab, da kann auch kein Archiv zu finden
sein, in dem die Arbeit nicht existierender deutscher Kaiser dokumentiert
worden wäre. Und geht jemand der Frage nach, wie denn das mit den deut-
schen Reisekaisern war, so dient diese erfundene Reisetätigkeit einzig da-
zu, nicht existierende Kaiser in die Geschichte einzubauen, ohne sie dabei
dauerhaft an einem festen Ort residieren und hofhalten lassen zu müssen.
Selbst zu den Zeiten von 1100 bis 1250 fanden zwar zahlreiche kriegeri-
sche Züge durch Deutschland statt, nur ein deutscher Kaiser war noch im-
mer nicht vorhanden. Was bleibt, das sind die Aufzeichnungen der adligen
germanischen „Handwerker", die aber nun tatsächlich den Weg gegangen
sind, wie angeblich die alten Runenstäbe Sachsens. Was die ersten christli-
chen Archive angeht, so mag man dort suchen, wo sie ehemals angelegt
wurden, in Rom und Paris. In Konstantinopel dürfte bereits zum Zeitpunkt
von dessen Eroberung im Jahre 1453 kaum noch etwas zu finden gewesen
sein. Was tatsächlich bei der türkischen Eroberung Konstantinopels verlo-
ren ging, das waren schlimmstenfalls die direkten Nachfolger irgendwel-
cher Urchristen und das unter ihnen verbreitete, urchristliche Wissen.

Könige und Kaiser zu erfinden, die angeblich seit 492 über große Teile
Europas und seit 820 auch über Deutschland herrschten, ist nun einmal
nicht ganz einfach. Am besten entledigt man sich dieser Aufgabe so, wie es
aus den bekannten, dazu angefertigten Dokumenten hervorgeht; man läßt
Könige und Kaiser im Nebel untertauchen, dem Nebel einer immerwäh-
renden Wanderung. Und die Dokumente zeigen die alte Geschichte vom
Hasen und Igel. Der Kaiser ist nie eindeutig zu lokalisieren. Immer wenn
man ihn greifen will, ist er zur gleichen Zeit schon woanders. Um mit kei-
nem der zusammengefälschten Dokumente jemals das gesamte Geschichts-
bild kippen zu können, wurden alle Dokumente so konstruiert, daß jedes
einzelne jederzeit als Fälschung deklariert werden kann. Wir können uns
bei Wilhelm Kammeier, der alle Dokumente des Mittelalters als Fälschun-
gen entlarvt hat, gar nicht genug bedanken.
193

Aber zurück zur christlichen und geschichtlichen Schöpfungsgeschichte.


Mit dem 14. Jahrhundert verschwindet das Reich des Templerordens, das
von diesem selbst in die Reiche der Franken, der Spanier und der Portugie-
sen umgestaltet worden war, wonach sich der neue fränkische König über
die in seinem Hoheitsbereich angesiedelte Universität von Paris die nötigen
geistigen Grundlagen verschaffen ließ, die ihn danach in den Mittelpunkt
der weiteren politischen Entwicklungen rückten. In diesem neuen Frank-
reich, und an der dazu neugegründeten Universität von Paris, wurde nun
die kommende europäische Politik entwickelt.

• In dem neuen Frankreich erhielt nun auch die „Heilige Schrift" ih-
ren neuen Schliff in einer „neuen", alten Sprache. Und zwar in der
Sprache, in der die altrömischen Dokumente geschrieben waren, in
Latein. Da man gezwungen war, den Ursprung der neuen, recht-
gläubigen Form der christlichen Lehre nicht in das Frankreich des
14. Jahrhunderts, sondern in längst vergangene, uralte Zeiten zu-
rückzudatieren - wer hätte eine französische Neukreation der Lehre
je akzeptiert -, so war man auch gezwungen, dies in der damals im
römischen Imperium gebräuchlichen Sprache zu bewerkstelligen.
Letztlich hatte man sich zwar der in Konstantinopel geschaffenen
geistigen Grundlagen und Äußerlichkeiten bedient, im Kern aber
eine völlig neue, nun an das germanische Europa angepaßte, Lehre
erfunden, mit der man sich auch schon sprachlich von den konstan-
tinopler Ursprüngen abhob. Die dann folgende Zeit der Renais-
sance fand so ihre erste Ausprägung bereits in der neugeschaffenen
„heiligen Schrift".
• Hier in Paris erfolgte die Loslösung des Christentums aus der
Knechtschaft der Händler-Plutokraten und ihres Judentums, indem
diesen äußerst einfach, aber geschickt, in der überarbeiteten Versi-
on der „Heiligen Schrift" die Verantwortung am Tod der Phanta-
siegestalt des christlichen Heilands zugeschoben wurde.
• Hier wurde der katholische Papst, hier wurde die katholische Lehre
erfunden.
• Hier wurde das römische Recht zusammengestellt.
194

• In diesem neuen Frankreich wurde die gesamte Geschichte neu


erdacht und das Grundgerüst der dafür erforderlichen Nachweise
in Dokumentenform angefertigt.
• Hier wurde neben der Wiederaufrichtung des Lateinischen als neue
Priestersprache auch die Grundlage für die neue französische Spra-
che geschaffen.
• Hier erhielt der Materialismus sein machtpolitisch zweites, urger-
manisch-idealistische Werte heuchelndes, christliches Bein.

Kein Wunder also, und wenn, dann bestenfalls eines der christlichen, daß
ein solch riesiges Programm dann annähernd 100 Jahre benötigte, bevor
alle seine konzeptionellen Ergebnisse in ihrer Gesamtheit auf dem Tisch
der Geschichte lagen.

Zu welcher geistigen Beherrschungsdimension sich die neue katholische


Kirche nun aufschwang, das wurde durch nichts deutlicher zum Ausdruck
gebracht, als durch die Beichte. Mit ihr war jede Form der Freiheit nicht
nur des Tuns, sondern nun auch allen Denkens vollständig beendet.

Wurde das Neue Testament der Bibel erst im 14. Jahrhundert in Paris ge-
schrieben? Die Beantwortung dieser Frage wollen wir gern den dafür
kompetenten Leuten überlassen. Denn selbst wenn diese Frage hier offen
bleibt, so ist das, was die Nachfolgeorganisationen des Templerordens der
Menschheit bescheren, mehr als ausreichend.

Der Auslöser für all diese Entwicklungen war eine, wenn vielleicht auch
nicht alleinige, Entscheidung des Templerordens, der gegenüber den zwi-
schenzeitlich christlich organisierten deutschen Fürstentümern, als christli-
cher Kreuzritterorden ohne jede tiefere Bindung zu den Menschen der von
ihm beherrschten Regionen, auf Dauer nicht würde bestehen können.

Dieser Orden, hervorgegangen aus den „Rittern" des ersten Kreuzzuges,


der sich anschließend große Teile Frankreichs, Spaniens und Portugals
unterworfen und christlich „missioniert" hatte, unterzog sich, wie Jahrhun-
derte zuvor die Händler Konstantinopels, einer eigenen Reorganisation.
Die Kerngebiete des Templerordens wurden zum Reich der Franken. Wie
195

schwierig und langwierig der gesamte Umgestaltungsprozeß war, das zeigt


nicht nur die angebliche Asylzeit des Papstes in Avignon, sondern dies
zeigen bereits die beiden letzten Kreuzzüge, die Inquisitionsverfahren ge-
gen widerspenstige Ordensmitglieder im Jahre 1307 und die Installation
des katholischen Papst in Rom 1377. Die eigentliche politisch-geistige
Befreiung der katholischen Kirche und ihres Papstes vom französischen
Dominat gelang dann erst ab 1534 mit der Gründung des Jesuitenordens.

Bevor wir versuchen, die weiteren Entscheidungen und Entwicklungen


chronologisch aufzubauen, wollen wir diese zunächst einmal in einen zeit-
lich weitaus größeren Zusammenhang stellen.
196

3.9 Der Verbleib der dritten Gruppe des Templerordens

Wenn berücksichtigt wird, daß seit dem Jahre 1377 das römische Recht
begonnen hatte, sich in Europa durchzusetzen, so kann es sich bei der
Übertragung des Landes Brandenburg im Jahre 1411 nicht um eine Belei-
hung, ein Lehen, noch weniger kann es sich bei der kaiserlichen Entschei-
dung darum gehandelt haben, den Burggrafen von Nürnberg als „Verweser
für Brandenburg" einzusetzen, sondern dieser Vorgang kann einzig nur ein
Kaufgeschäft gewesen sein. Nur, woher sollte der Burggraf von Nürnberg
das Vermögen gehabt haben, um ein Gebiet wie die Mark Brandenburg
und daneben noch seine Aufnahme in die Reihe der deutschen Kurfürsten
bezahlen zu können? Und, was hat der Kaiser, was haben die anderen Kur-
fürsten, mit dem Kaufpreis angestellt, der doch so enorm gewesen sein
muß, daß er selbst in der Geschichte seinen Niederschlag hätte finden müs-
sen?

Mangels Nachweisen wollen wir versuchen, die Fragen im Rahmen einer


politisch fundierten Hypothese zu beantworten, der vorauszuschicken ist,
daß in den Zeiten nach 1307 chronologische Fälschungen und Ereignisver-
schiebungen nur noch um Jahre, maximal aber um wenige Jahrzehnte mög-
lich waren.

Chronologisch haben wir folgende Fakten:

• 1307, der Templerorden, die stärkste Militärmacht Europas, löst


sich durch die Anpassung der christlichen Lehre und der damit
verbundenen Aufrichtung eines rechtgläubigen Papstes von Kon-
stantinopel.
• 1307, der Templerorden löst sich selbst auf, bzw. er wird per In-
quisition vom neuen rechtgläubigen Papst und dem französischen
König Philipp dem Schönen vernichtet und verschwindet so aus
der Geschichte.
• 1309, der Deutsche Ritterorden hält Einzug in einem phantasti-
schen Bauwerk, der Marienburg in Westpreußen.
197

• 1411 setzt der Deutsche Kaiser den Burggrafen von Nürnberg,


Friedrich VI. aus dem Hause Hohenzollern, als „Verweser" für die
Mark Brandenburg ein.
• 1486 wird als erste Gesellschaft Deutschlands die Firma „Jakob
Fugger und Gebrüder Söhne" als Kreditanstalt und Bankhaus ge-
gründet. Für die nächsten 150 Jahre sind diese Firma und die Habs-
burger Kaiser unzertrennlich.
• Jacob Fugger der Reiche gewährt Habsburger Kaisern Millionen-
kredite und finanziert größte Teile der für die Kurfürsten bestimm-
ten Bestechungsgelder bei der 1520 erfolgten Wahl von Karl V.
zum Deutschen Kaiser.

Dazu nochmals die wesentlichsten Ereignisse dieses Zeitabschnittes und


ihre Datierungen:
198

Und nun die politische Hypothese:

Die Auflösung des so mächtigen Templerordens, mit der planerisch schon


vor dem Jahre 1307 begonnen worden sein muß, läuft nicht harmonisch.
Selbst die Aufrichtung eines neuen, nun rechtgläubigen, Papstes wird nicht
von allen Mitgliedern getragen, so daß der Orden in mehrere
Interessengruppen zerfällt.

1. Ein Teil der Templer wird unter einem gemeinsamen, aus ihren
Reihen hervorgehenden französischen, König zu neuen französi-
schen Landadligen. Gleiches erfolgt in Spanien und Portugal.

2. Die, welche noch immer ihrem alten Herrn, dem orthodoxen Kai-
ser-Papst in Konstantinopel, die Treue halten wollten, werden un-
ter Anwendung des neuerrichteten Rechts der Inquisition vom neu-
en Papst und dessen neuen landadligen Kompagnons aus den Rei-
hen des Templerordens ausgeschaltet.

3. Bleibt noch der Rest des Templerordens, der sich zwar ebenfalls
aus der Abhängigkeit von Konstantinopel lösen wollte, wozu er
auch bereit war, die neue christliche Lehre zu akzeptieren, der da-
bei aber noch immer dem eigenen Ordensgedanken anhing und
sich daher auch keiner landadligen Macht unterordnen wollte. Es
war also der Teil des Ordens, der auch mit dem Schritt der Lossa-
gung von Konstantinopel seine Ordensgemeinschaft weiterhin bei-
behalten wollte.
Und diese letzte, die dritte Gruppe, die sich als Fortsetzung des Ordens
verstand, setzte als solches den Anspruch durch, künftig Eigentümer des
größten Teils des Silberschatzes des Ordens zu sein. Dabei wurde, wenn
man so will, sogar gerecht geteilt. Die Gruppe der Templer, die zu neuen
Landadligen aufstieg, erhielt über das neue römische Eigentumsrecht die
vormaligen Templergebiete zugesprochen, während die Gruppe, die auf
ihren Anteil an diesen Ländereien verzichtete, das mobile Vermögen er-
hielt. Nur wohin damit? Wo konnte eine Region gefunden werden, in der
199

der Orden nicht nur weiterbestehen, sondern in der er auch eine neue, nun
rechtgläubige, Ordensaufgabe finden konnte?

Nachdem mit der neuen katholischen Lehre nun auch dem noch immer von
Konstantinopel aus beherrschten orthodoxen Christentum der Kampf ange-
sagt worden war, ließ sich selbst im christlich beherrschten Europa noch
ein Betätigungsfeld für den verbliebenen Teil des Templerordens finden.
Und dieses neue Aufgabengebiet lag im Osten, jenseits des Deutschen
Wahlkaiserreiches. Hier, noch weiter im Osten, lag das riesige Gebiet der
Goten und Wandalen, welche der orthodoxen „Missionierung" Konstanti-
nopels, unterstützt von den Angriffen des tatarischen Khans, weitgehend
unterlegen waren. Wenn die dritte Gruppe, der Kern des Templerordens,
sich eine politische Zukunft und Aufgabe überhaupt ausrechnen wollten, so
konnte diese nur an der Schnittstelle der verschiedenen Machtsphären lie-
gen. Also jenseits der deutschen Kurfürstentümer. An deren Grenze zu den
orthodoxen Glaubensgebieten Polens. Nur hier konnte diese Gruppe des
Templerordens sich eine eigene Zukunft ausrechnen. Eine Zukunft, die er,
wie schon die 200 Jahre zuvor, so auch zu allen künftigen Zeiten, einzig
nur über militärische Macht zu schützen im Stande war. Um jeden Konflikt
mit den Deutschen Kurfürsten zu vermeiden, wurden als Pufferzone die
später brandenburgischen Gebiete ausgespart.

Diese Gruppe des militärisch dominierenden, politisch wissenden und da-


bei auch noch superreichen Templerordens schuf sich, unter Mitnahme des
gesamten mobilen Ordensschatzes, sein neues Zentrum, die Marienburg.
Sie wurde das neue Zentrum und die Schatzkammer des Ordens. Wo aber
blieb das sagenumwogene Archiv der Templer, das angeblich im Atlantik
versunken sein soll? Eigentlich kann es nur dorthin gebracht worden sein,
wo sich auch der Orden selbst neu einrichtete, nach Westpreußen! Aber
nicht nur seine Heimat mußte der Orden bei diesem Ortswechsel aufgeben,
sondern er war auch gezwungen, seine Titulierung zu ändern. So wurden
aus den verbliebenen Tempelrittern die Ritter des „Deutschen Ritteror-
dens".

Es dauerte mehr als ein Jahrhundert, bis der Orden sich seine neue Herr-
schaftsregion erobert und sich selbst damit etabliert hatte. Aber die euro-
200

paweiten Entwicklungen im begleitenden 14. und angehenden 15. Jahrhun-


dert stellten die künftige selbständige Existenz eines Ritterordens immer
deutlicher in Frage. Das, was dereinst zur christlichen Eroberung erdacht
worden war, zeigte sich, nachdem materialistisches Denken und Christen-
tum sich weitgehend durchgesetzt hatten, konsequenterweise für die künf-
tige Machtausübung als nicht mehr zeitgemäß. Auch das germanisch-
idealistisch ausgerichtete Christentum, wie es sich im Templerorden aus-
geprägt hatte und von dort auf den „Deutschen Ritterorden" übertragen
worden war, würde sich langfristig nur dann erhalten lassen, wenn die
Herrschaftsbasis erweitert wurde, also die bisher einzig auf militärische
Stärke sich stützende Ordensherrschaft sich den europaweit etablierten, in
Monarchien strukturierten, staatlichen Herrschaftsformen anglich. Der
Orden mußte zum monarchistischen Staat werden! Nachdem dieses erkannt
war, blieb dann nur noch die Frage zu entscheiden, wie diese Umsetzung
erfolgen konnte. Allein schon die korrekte Einschätzung der eigenen Stärke
des „Deutschen Ritterordens", die nicht dazu ausreichte, sich völlig selb-
ständig neben den etablierten Mächten zu behaupten, dürfte die dann ange-
strebte Lösung vorgezeichnet haben. Es bot sich einzig die Möglichkeit an,
sich als eigenes Kurfürstentum an das benachbarte Deutsche Wahl-
Kaiserreich anzuschließen.

Wie immer zu allen materialistischen Zeiten konnte auch der Orden nur
dann auf eine Aufnahme in das Schutz- und Trutzbündnis der deutschen
Kurfürsten rechnen, wenn er eine adäquate Gegenleistung anbot. Nur, was
hatte der Orden den Kurfürsten des Deutschen Kaiserreiches anzubieten,
um in deren Kreis gleichberechtigt aufgenommen zu werden? Das einzige,
was der Orden als Gegenleistung anzubieten hatte, das waren Teile seines
riesigen Silberschatzes. Der Orden mußte seine Schatzkammer öffnen. Er
mußte bereit sein, wenn vielleicht auch nicht seinen gesamten, so aber
doch den Großteil seines Silberschatzes an die deutschen Kurfürsten abzu-
treten. Denn neben der Aufnahme in den Kurfürstenverband mußte bei
diesem Geschäft auch die regionale Lücke zwischen den vorhandenen Kur-
fürstentümern und dem Ordensgebiet geschlossen werden. Das Gesamtge-
schäft, das auf der einen Seite vom Orden mit Silber bezahlt wurde, umfaßt
auf der anderen Seite also die Neuaufrichtung des Kurfürstentums Bran-
denburgs und die Integration der Preußischen Ordensgebiete. Und wenn
201

wir die weitere Entwicklung verfolgen, so zeigt sich, daß es offenbar Teile
genau dieses Silberschatzes waren, die der Orden der Gemeinschaft der
deutschen Kurfürsten zur Verfügung stellte.

Da es völlig unrealistisch ist, daß der erste Schritt dieses Geschäftes bereits
im Jahre 1411 mit der Einsetzung eines Burggrafen Friedrich VI. von
Nürnberg begonnen wurde, um dann erst im Jahre 1486 das eigentliche
Geschäft abzuwickeln, muß davon ausgegangen werden, daß alle ge-
schichtlichen Entwicklungen im Rahmen der Errichtung des Preußischen
Kurfürstentums, die vor dem Jahre 1486 datieren, ganz einfach frei erfun-
den sind. Denn bei diesem Geschäft dürfte keine Seite bereitgewesen sein,
über viele Jahrzehnte in Vorleistung zu treten. Auch nicht in die Vorlei-
stung, einen Grafen für die Mark Brandenburg einzusetzen, ohne daß der
eingesetzte Ritterorden im direkten Gegenzug seinen Kaufpreis dafür ent-
richtet hätte.

Dies führt nun zu der Frage nach dem Jahr der erstmaligen Einsetzung
eines Hohenzollern in Brandenburg, laut gültigem Geschichtsbild das Jahr
1411. Allein daraus, daß die Verteilung des Kaufpreises eindeutig in das
Jahr 1520 datiert, ist ausgeschlossen, daß der Kaufgegenstand, die Mark
Brandenburg und die zugehörige Kurfürstenwürde, bereits mehr als 100
Jahre zuvor stattgefunden haben kann. Wenn auch die Zahlung des Kauf-
preises nicht zeitgleich mit dessen Verteilung stattgefunden haben muß, da
ein vertrauenswürdiger Treuhänder zwischengeschaltet werden konnte, der
die Mittel über einen längeren Zeitraum verwahrte, so dürfte dieser Zeit-
raum aber kaum länger als 40 Jahre angedauert haben, was besagt, daß das
Haus Hohenzollern nicht vor dem Jahre 1480 als Eigentümer der Mark
Brandenburg vom Kaiser eingesetzt worden sein kann. Folgen wir dem
großen preußischen Historiker Leopold von Ranke, so weiß dieser das Er-
eignis, wenn auch ungewollt, weitaus genauer zu datieren.

„Die Kurfürsten vereinigten sich im Jahre 1486, seinen Sohn Ma-


ximilian zum römischen König zu erwählen. Vor allen ist Albrecht
Achilles von Brandenburg hierbei tätig gewesen. Trotz seiner ho-
hen Jahre kam er noch einmal in Person nach Frankfurt; auf einem
Tragesessel ließ er sich in die Wahlkapelle bringen: auf demselben
202

trug er nach vollbrachter Handlung den Szepter vor; noch war er in


der Ausübung seiner Reichspflichten begriffen, als er starb."
(von Ranke: Im Zeitalter der Reformation, S. 40/41)

Es muß davon ausgegangen werden, daß der, welcher so originell dahin-


schied, niemals existiert hat. Sorgte er mit seiner literarischen Geschichts-
existenz einzig doch nur für die künstliche Vorgeschichte von der Einset-
zung des Hauses Hohenzollern und der Entstehung des Kurfürstentums
Brandenburg. Literarisch machte Albrecht Achilles mit seinem Ableben
den (zuvor nicht vorhandenen) Platz frei, den der erste Hohenzoller als
Markgraf Friedrich im Jahre 1486 als neuer Kurfürst von Brandenburg
einnahm.

Die Silberzahlung des Ordens wird nun nicht etwa dem Kaiser persönlich
ausgehändigt, steht sie doch allen Kurfürsten des Deutschen Reiches glei-
chermaßen zu, sondern diese wird an einen Treuhänder ausgeliefert, den
Bankier Fugger in Augsburg, der damit quasi zum Finanzminister des
Deutschen Reiches wurde. Und dessen Bankgründung datiert nun auch
nicht in das Jahr 1411, sondern erst 1486.

Der eigentliche und einzige Anlaß zur Gründung dieser Bank war der, die
Silberzahlung des Ordens aufzunehmen. Um nun auch den Fuggern dieses
Vermögen nicht in Person aushändigen zu müssen, mußten diese zuvor die
erste gesellschaftliche Rechtsperson in Deutschland gründen, welche die
Bezeichnung „Fugger, Gebrüder und Söhne" erhält. Setzt man gedanklich
den Kaiser und die Kurfürsten als „Gebrüder" ein, so besagt allein schon
diese Gesellschaftsbezeichnung all das, was dort vereinbart wurde: Fugger
verwaltet in dieser Gesellschaft das Vermögen für die „Söhne der Gebrü-
der Kaiser und Kurfürsten".

Da über die Verwendung des bei Fugger in Augsburg verwalteten Vermö-


gens immer nur von der Gemeinschaft der Kurfürsten entschieden werden
konnte, womit sichergestellt wurde, daß es auch immer nur für deren ge-
meinsame Interessen zum Einsatz kam, mit der Wahrnehmung dieser Inter-
essen aber der Kaiser beauftragt war, konnte jede Ausgabe, wenn auch erst
nach der Zustimmung durch die Kurfürsten, letztlich aber nur über den
203

Kaiser erfolgen. Wenn also das Haus Fugger dem Kaiser angeblich Groß-
kredite gewährte, deren Kreditscheine teilweise von Fugger öffentlich ver-
nichtet wurden, wie es heute in den Geschichtsbüchern steht, so ist dies als
nichts anderes zu werten denn, als eine Auszahlung aus dem von Fugger
verwalteten Vermögen des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nati-
on". Damit wären dann auch die heute als phantastisch bezeichneten Pläne
des Kaisers Maximilian völlig anders zu beurteilen. Offensichtlich aber ist
es diesem Kaiser meist verwehrt geblieben, die nötige Zustimmung der
Kurfürsten zur Finanzierung seiner Pläne zu erlangen. Was aber wurde aus
dem von Fugger verwalteten Reichs-Vermögen? Wie die Geschichte zeigt,
war offenbar erst mit der Wahl des nächsten deutschen Kaisers im Jahre
1520 der Zeitpunkt gekommen, an dem es ans Verteilen ging. Offensicht-
lich war erst mit der Inthronisation des neuen Kaisers das Zeitalter „der
Söhne" angebrochen.

Betrachten wir die Geschichte der 1520 erfolgten Kaiserwahl, begleitet von
der riesigen Bestechungsaktion zur Gewinnung der Zustimmung der deut-
schen Kurfürsten, die vom dann gewählten Kaiser Karl V. inszeniert, von
Fugger weitgehend finanziert, worden sein soll, wobei sie angeblich einzig
dazu unternommen wurde, um die Bewerbung des französischen Königs
auf den Kaiserthron auszuschalten, so findet erst zu diesem Zeitpunkt eine
enorme Vermögensverteilung statt. Allein daß dem damaligen Weltherr-
scher und Spanischen König Karl V. kein politisches Mittel verfügbar ge-
wesen sein soll, um seine Wahl durchzusetzen, wirkt schon bedenklich.
Gleiches gilt auf Seiten der Kurfürsten, die demnach, während der gerade
eben begonnenen Reformation, in wildestem Kaufmannsschacher den Preis
für die deutsche Kaiserkrone zwischen zwei Interessenten hochgetrieben
haben sollen. Diese Geschichte erscheint selbst für die damalige Zeit als
arg primitiv.

Auch wenn feststeht, daß geschachert worden war, so doch aber nicht um
die deutsche Kaiserkrone, sondern um den Anteil des Kaisers und jedes
einzelnen Kurfürsten am bei Fugger gelagerten Silberschatz des Templer-
ordens. Demnach würde, auch was diese Ereignisse betrifft, die hinlänglich
bekannte Geschichte ein weiteres Politschauspiel enthalten, das von allen
damals Beteiligten recht öffentlich vorgetragen worden war. Und wieder
204

waren alle an einer Verbreitung dieser Geschichte interessiert. Der franzö-


sische König, der für seine Beteiligung seine Herkunft aus dem Templer-
orden in der Geschichte entsprechend korrigieren durfte, die zum „Deut-
schen Ritterorden" gewandelten Kern-Templer, die nun als Kurfürstentum
Brandenburg in der Geschichte Aufnahme fanden, so wie Kaiser und Kur-
fürsten, die für ihre Zustimmung zur Geschichtsanpassung einen gewalti-
gen Berg Silber unter sich verteilen konnten. Auch Papst und Kurie dürften
bei diesem Geschäft nicht zu kurz gekommen sein. Und, wie zu allen Zei-
ten, so mußte auch bei dieser Aktion die Anzahl der Informierten so gering
wie möglich gehalten werden, d.h., neben allen direkten Beteiligten bedurf-
te es dann nur noch eines Managers wie Jakob Fugger, der seinerzeit schon
als „Der Reiche" tituliert wurde, um die Verteilungsaktion des Templersil-
bers als Bestechungsaffäre in den Geschichtsbüchern unterzubringen. Sei-
ne „Bezahlung" bestand dann darin, sein Haus auf lange Zeit zur Hausbank
der Habsburger gemacht zu haben, die nicht so sehr eigenes Vermögen,
sondern den Anteil des Habsburger Kaisers verwaltete.

Auf der anderen Seite, auf der Seite des Ordens, der dann 1525 umgehend
aufgelöst wurde und dessen Gebiete dem Kurfürstentum Preußen zufielen,
hat das Haus Hohenzollern also die direkte Nachfolge des Templerordens
angetreten, auch wenn der Orden dazu vorübergehend den Titel eines
„Deutschen Ritterordens" annehmen mußte. Die Sicherheit, bei diesem
Geschäft nicht nach Bezahlung des Kaufpreises um den Gegenwert, Bran-
denburg und die Kurfürstenwürde, betrogen zu werden, gewährte dem Or-
den allein schon sein Bestand, der allzeit die Drohung repräsentierte, die
militärische Macht des Deutschen Ritterordens jederzeit beliebig einsetzen
zu können. Schon aus dieser Zeit und den damaligen Erfahrungen dürften
die, alle folgenden preußischen Zeiten überdauernden, Schwerpunkte der
preußischen Staatsphilosophie und deren Ausrichtung auf die eigene mili-
tärische Stärke stammen.

Wenn unterstellt werden darf, daß der Orden nicht politisch völlig naiv
war, so dürfte er kaum seinen gesamten Silberschatz in dem Geschäft mit
den deutschen Kurfürsten ausgeliefert haben, womit er folglich auch nach
diesem Geschäft noch über erhebliche Reichtümer verfügt haben mußte.
Über den Einsatz dieses noch vorhandenen Vermögens war es dem Kurfür-
205

sten von Brandenburg in der Nachfolgezeit möglich, politisch größeren


Einfluß auszuüben. Dieser erreichte seinen ersten Höhepunkt, nachdem die
kurfürstliche Basis einmal geschaffen war, mit der lutherischen Reformati-
on. Über sie, vielleicht auch von dort initiiert, versuchte der im Kurfürsten-
tum Brandenburg aufgegangene Templerorden bzw. „Deutsche Ritteror-
den", in Allianz mit seinen von Fugger noch nicht ausgezahlten, also finan-
ziell noch abhängigen Nachbarn, wieder die alten idealistisch-christlichen
Werte des Templerordens aufzurichten. Zu weit hatte sich die katholische
Kirche von den einstigen gemeinsamen christlich-idealistischen Grundla-
gen des Templerordens entfernt. Der katholischen Kurie und den ihr in der
Lehre verbundenen weltlichen Kräften, die beide, 200 Jahre nach der
Schaffung ihrer Lehre, die christlichen Werte nur noch heuchelten, war in
der Person Luthers ein Mann entgegengetreten, der sicherlich das Wohl-
wollen der Ordensritter und ihrer Nachfolger fand. Es begann sich ein
Spannungsfeld aufzubauen, das eigentlich bis heute nie wirklich über-
brückt werden konnte.

Der dann fast genau 100 Jahre später erfolgte Ausbruch des 30-jährigen
Krieges war also nicht nur ein Krieg um die so gegensätzlichen katholisch-
reformatorischen Werte, sondern es war tatsächlich ein Krieg zwischen der
landadligen brandenburgischen Nachfolgeorganisation des Templerordens,
verbündet mit seinen kurfürstlichen Nachbarn, und dem hinter der katholi-
schen Kirchenorganisation zusammengeschlossenen Machtverbund. Im
Kern war damit der 30-jährige Krieg nichts geringeres als der Kampf der
beiden verbliebenen Teile des 1307 geschiedenen Templerordens (die in
den kommenden Jahrhunderten dann zu „Erb-Feinden" wurde). Auf der
„reformierten" Seite kämpften die alten christlich-idealistischen Ordens-
werte, auf der anderen Seite die in ihrem Materialismus längst auf das Ni-
veau Konstantinopels „aufgestiegene" (oder doch abgesunkene?) „recht-
gläubig-katholische" Gruppe, die alle christlich-idealistischen Werte nur
noch heuchelte, um dahinter verborgen einzig ihrem rein materialistischen
Machtstreben nachzugehen. Damit müßte die Menschheitsgeschichte eines
ihrer säkularen Ereignisse im Jahre 1307 datieren, als die Einheit des
Templerordens in zwei Parteien zerfiel, die beide zwar die christliche Leh-
re zur Rechtfertigung ihrer materialistischen Machtansprüche benötigten,
206

die in den darüber hinaus verfolgten geistigen Werten aber weit auseinan-
der strebten.

Damit wird nun auch das Ereignis von 1871, die Gründung des Deutschen
Reiches unter der Führung Preußens, zu einem weltpolitisch ganz anders
zu gewichtenden Ereignis. Machtpolitisch stiegen damit die längst zu preu-
ßischen und zu deutschen gewordenen Werte des untergegangenen Temp-
lerordens in dem neu erstandenen Deutsche Reich in eine ganz andere Di-
mension auf. Man könnte auch davon sprechen, daß der alte, christlich-
idealistische Gegner wieder in den Ring gestiegen war. Selbst das er sich
materialistisch gab und nach Kolonien griff, konnte seine alten Gegner
nicht täuschen. Und wieder, wie schon 1618, kam es dann 1914 zu einem
Krieg. Einem Krieg, der wie damals, von den materialistischen Mächten
eingefädelt worden war, die das Christentum einzig als geheuchelten Vor-
hang für ihre machtpolitischen Geschäfte verwendeten. Wieder ging es
darum, die einstmals vom Templerorden aufgerichteten christlich-
germanischen Werte zu vernichten. Denn wie alle Zeiten zuvor waren es
diese Templerwerte, die christliche Glaubensform der Templer, die in gro-
ßen Teilen mit altgermanischen Werten durchtränkt waren, die den Impe-
rialismus und jeder Aufrichtung einer Fremdherrschaft, geschweige denn
einer Weltherrschaft, entgegenstehen würden.

Und als es selbst nach dem Sieg von 1918 noch immer nicht gelungen war,
die tragenden Kräfte des Deutschen Reiches so zu zerschlagen wie vormals
1648, da mußte eben ein zweiter Krieg geplant werden. Erst nach dem
erneuten Sieg 1945 waren die einzig materialistischen Mächte am Ziel. Um
künftig jeden erneuten Aufstieg der Gegenseite zu verhindern, wurden mit
der Bundesrepublik nun völlig neue Wege zur Unterdrückung und endgül-
tigen Vernichtung des deutschen Volkes beschritten. Mit allen Mittel wur-
de seither daran gearbeitet, die geistigen Werte der Deutschen, oder sollte
man besser sagen, die des Templerordens, zu zerstören.

Nur, was ist heute aus denen geworden, deren Vorfahren sich dereinst
ihren Adel im Templerorden erwarben, die dann zum preußischen und
noch später zum deutschen Adel wurden? Auch sie können selbst heute
nicht frei von den idealistischen Werten ihrer Vorfahren sein! Und sie
207

müssen neben diesen inneren Werten auch noch über das verfügen, was
angeblich in grauer Vorzeit im Atlantik versunken sein soll: das Archiv
des Templerordens. Es ist - nicht zuletzt durch den aktuell immer größer
werdenden Notstand dieser Welt - höchste Zeit, daß sich dieser Adel wie-
der seiner adligen Aufgabe und Verpflichtung bewußt wird!

Nach diesem Gesamtüberblick nun aber wieder zurück zu den Entwicklun-


gen Ende des 14. Jahrhunderts.
208

3.10 Die päpstliche Renaissance, die Zeit des aufstrebenden


Individualismus, auch Humanismus genannt

Diese Zeit, die irgendwann Ende des 14. Jahrhundert begann, war im
eigentlichen Sinne nun nichts anderes, als die Umsetzung der Arbeiten der
Pariser Kirchenreformer. In nichts zeigt sich das Konzept der Geschichts-
fälschung, mit der unser heutiges Geschichtsbild zusammengeflickt wurde,
deutlicher. In direkter Anknüpfung an die materialistischen Ordnungen der
Griechen und Römer werden, unter Aufwertung der antiken Kunst und
Kultur, deren Ordnungsprinzipien zu aktuell gültigen Werten gemacht. Der
Schulterschluß zwischen antikem und mittelalterlichem Imperial-
Mateialismus wurde hergestellt. Hinter ihm konnte nun die Existenz der
Jahrtausende alten germanischen Ordnung versenkt und verborgen werden.
Nun brauchten nur noch die Entwicklungen der letzten 300 Jahre und die
Zeiten des antiken römischen Imperiums soweit aufeinander verlängert zu
werden, bis sie im Jahre 495 aufeinander stießen, und schon war alles an-
dere ausgelöscht und überdeckt. Daß dabei nun, wegen der zu schaffenden
zeitlichen Trennung von der Entstehung des Islam und der direkt darauf
erfolgten politischen Reaktion Konstantinopels, mehr als 300 Jahre in die
Geschichte eingefügt werden mußten, erforderte zwar manch zusätzliche
Kreativität, war ansonsten aber, da auch der Rest neu zu schreiben war, nur
ein Teil des Gesamt Vorhabens.

Die Aufwertung, angeblich (Wieder-)Errichtung, der alten römisch-


griechischen Äußerlichkeiten, welche die kulturell-geistige Leere der neu-
en materialistisch-adligen Herrschaftsstrukturen und des Christentums
überdecken, und mit der, nach der Lebensordnung, nun auch die geistige
Ordnung und das gemeinschaftlich-idealistische Erbe der Germanen für
alle Zeiten zerstört werden sollte, hatte, wie vieles andere auch, ihren Aus-
gangspunkt in der neugegründeten Pariser Universität. Die wichtigste
Komponente der Renaissance war aber nicht deren modeartige Äußerlich-
keiten, sondern es war die geistige Komponente, mit der individuelles
Glück und die Sicherung des eigenen Lebens zu höchsten Werten erhoben
wurden. Denn diese klugen Leute hatten längst erkannt, daß es einzig die
Aufwertung der persönlichen Existenzangst des einzelnen Menschen sein
209

konnte, über die die Herrschaft jeglicher materialistischen und damit anti-
menschlichen Systeme langfristig gesichert werden konnte (nicht von un-
gefähr stellen heute alle Medien, ob in Filmen, im Fernsehen oder als aus-
gewählte Nachricht, jede Art von Gewalt und sonstige angstfördernden und
-steigernden Ereignisse in den Mittelpunkt ihrer Berichte).

Begleitet wurden also die „modischen" Tendenzen der Renaissance von


der grundlegenden Umschreibung großer Teile der menschlichen Ge-
schichte. Mit chronologischen Kunstgriffen wurde die antik-römische Ge-
schichte zum direkten Vorläufer der zum Zeitpunkt der Renaissance er-
reichten politischen Zustände gemacht. Um die gesamte dazwischenliegen-
de Geschichte verschwinden zu lassen, wurde die antike römische Zeit um
einige Jahrhunderte nach vorn und die aktuellen materiellen Zustände, wie
sie sich seit 1096 entwickelt hatten, nach hinten erweitert, bis sie dann
irgendwann aneinanderstießen, womit der Eindruck erweckt werden konn-
te, das eine habe das andere direkt abgelöst. Einzig so konnte das gesamte
Bild der germanischen Ordnung vollständig übertüncht und aus der Ge-
schichte entfernt werden.

Um zu diesem geschichtlichen Umschreibungsvorhaben die Zustimmung


aller neuinstallierten christlichen Herrschaften zu gewinnen, mußte das
Konzept auch für diese ganz erhebliche eigene Vorteil enthalten. Der gra-
vierendste dürfte wohl der gewesen sein, daß damit auch alle weltlichen
Herrschaftsstrukturen gemeinsam von den Übeln und Machenschaften
ihrer Aufrichtung befreit wurden. Die Anerkennung des neuen rechtgläubi-
gen Papstes und seiner Kirche durchzusetzen, dürfte dann, zumindest bei
den deutschen Fürsten, schon etwas schwieriger gewesen sein. Maßgeblich
zur Akzeptanz beigetragen haben dürften im wesentlichen die bereits vor-
handenen Klöster und deren Übernahme der neuen christlichen Lehre.
Auch dürften die materiellen Verlockungen des römischen Rechts ihre
Wirkung auf den Landadel nicht verfehlt haben, war doch einzig er der
große Gewinner, der nicht nur den Boden als Vermögen zugesprochen
erhielt, sondern er konnte sich damit auch, was vielleicht zu dieser Zeit
noch weitaus wichtiger war, von der unsicheren Einbindung in die Lehen-
strukturen befreien und seine Besitztümer künftig als erbliches Eigentum
weitergeben.
210

War es zunächst die völlige Auslöschung der an Grausamkeiten kaum zu


überbietenden Vorgänge, mit denen die neuadligen Herrschaften sich selbst
installiert hatten, so wurde nun, um auch darüber hinaus noch einen Anreiz
zu schaffen, das beste und zu allen Zeiten wirksamste politische Mittel, das
Recht, ganz einfach in umgestalteter Form aus der Hand des neuen Papstes
als römisches Recht angeboten, obwohl es doch eigentlich in Paris entwik-
kelt worden war! Denn allein über eine Änderung der Rechtszustände war
nun auch den entweder noch immer freien, oder wenn bereits christiani-
siert, so dem Christentum doch immer in einer besonderen Eigenart zuge-
wandten Deutschen beizukommen! Das zentrale Objekt des neuen Rechts
wurde erneut, wie schon zuvor beim Lehenrecht, das wichtigste Gut der
Germanen, d.h., der rechtliche Bezug zu deren Lebensgrundlage wurde ein
zweites Mal verändern. Und dieses Objekt war zu allen germanischen Zei-
ten das Land, der Boden. Denn er gab den Germanen das, was sie zum
Leben und Überleben benötigten. Nahm man den Germanen den Boden,
bzw. das Recht zur Nutzung des Bodens, so war der freien Gemeinschaft
nun vollständig und final „der Boden" entzogen. Sie mußte endgültig zu-
sammenbrechen.

Das mit dem Ansturm Konstantinopels eingeführte Lehenrecht hatte dazu


geführt, daß dem neu aufgestiegenen Lehenherr von allen Nutzern seines
Lehengebietes, den vormals freien Bauern, ein Tribut zu leisten war. Der
Lehenherr gewährte, in direkter Nachfolge dessen, was zuvor die nun zer-
störte freie Volksgemeinschaft gewährt hatte, seinen neuen Untertanen
„seinen Schutz" und verlangte dafür als Gegenleistung einen Tribut, eine
Steuer (das heutige Strafdelikt der systematischen Schutzgelderpressung
hat also eine lange Tradition). Sieht man einmal von weiteren Repressali-
en, wie beispielsweise den erzwungenen Fronleistungen, ab, so blieb dem
Bauer zumindest das uneingeschränkte Nutzungsrecht an seinem Boden.
Zwar konnte nach diesem Recht der Lehenherr wechseln, nur war damit
der Boden noch längst nicht zur Handelsware geworden. Dem grob struktu-
rierten Lehenrecht, wie auch der gesamten neuen Lebensordnung, haftete
noch viel zu viel von der altgermanischen Rechtsauffassung an. Beide Pro-
bleme zu lösen, den Boden zur Handelsware, zu Vermögen, und den Bau-
ern endgültig zum materialistischen Knecht und selbst seine Freiheit bald
zur Handelsware zu machen, das ließ sich nur dann erreichen, wenn es
211

gelang, ein völlig neues und viel feiner strukturiertes Rechtssystem zu ent-
wickeln. Ein System, in dem alles zur Handelsware gemacht werden konn-
te; sowohl die Menschen und ihre Freiheit, als auch der Boden. Nicht um-
sonst hatten an der Pariser Universität die klügsten Köpfe ihrer Zeit Jahr-
zehnte gebraucht, um sich nicht nur die anderen, dann als Renaissance
auftretenden, Entwicklungen und das sogenannte römische Recht auszu-
denken, sondern auch, um ein Konzept für die neu zu schreibende Ge-
schichte zu entwickeln und tatkräftig an der Schaffung der dazu erforderli-
chen Dokumente mitzuwirken Der Materialismus zeigte neben allen klei-
nen Entwicklungen erstmals in einer nun vom christianisierten Europa
ausgehenden Großaktion die dem materialistischen Denken innewohnende
Eigendynamik, wobei der immer gleichbleibende Antrieb die Gier und der
Machthunger des Einzelnen bleiben sollte.

Als der neue katholische Papst 1377, unterstützt vom nicht mehr ganz so
neuen französischen König und ausgestattet mit neuen, gemeinsam entwik-
kelten politischen Plänen, erstmals in Rom eintraf, standen neben den deut-
schen Gebieten insbesondere die norditalienischen Stadtstaaten im Mittel-
punkt des gemeinsamen Machtanspruchs, die mit diesem Schachzug der
römischen Papstresidenz nun auch regionalstrategisch in die französisch-
römische Zange genommen waren. Diese zwar christianisierten, politisch
aber unabhängigen norditalienischen Stadtstaaten sich zu unterwerfen und
sich ihren materiellen Reichtum verfügbar zu machen, das war das eigent-
liche Ziel des französischen Königs und seines neuen römischen Papstes.
Ein Vorhaben, wie es dann in den in Frankreich angefertigten Annalen
einem Phantasiekaiser Karl der Große zugeschrieben wurde, schuf sich mit
diesen Annalen die eigene Anspruchsgrundlage auf eine, nun selbst auf alle
deutschen Gebiete ausgeweitete, französische Oberherrschaft. Die Reakti-
on auf den in Rom neu installierten katholischen Papst war dann die Zeit
des sogenannten Schismas, als jede politische Macht sich ihren eigenen
Papst schuf, wie es in unseren Geschichtsbüchern nachzulesen ist.

Der Hebel, an dem die französisch-katholische Partei mit allen politisch


nur denkbaren Mitteln ansetzte, war naturgemäß das gegnerische Füh-
rungsamt, war die Position des deutschen Wahl-Kaisers. Das in der „Gol-
denen Bulle" festgelegte Wahlverfahren mit der darin festgeschriebenen
212

geringen Anzahl der wahlberechtigten Fürsten war nun jeder Art der Kor-
ruption ausgesetzt. Die eigentliche Umgestaltung des deutschen Wahlkai-
sertums in das sich daran anschließende „Heilige Römische Reich Deut-
scher Nation" dürfte aus der Forderung der deutschen Fürsten hervorge-
gangen sein, daß sie die Anerkennung des neuen katholischen Papstes von
Frankreichs Gnaden nur dann bereit waren zu akzeptieren, wenn dessen
Amt in einen gemeinsamen Staatsverband mit den deutschen Fürsten ein-
gebunden wird. Als Kompromiß, um den Papst nun nicht auch an der Wahl
des Deutschen Kaisers zu beteiligen, sahen die Fürsten dann offenbar nur
die Möglichkeit, den Kaisertitel in einem ihrer Häuser erblich zu veran-
kern, wonach sich der Kaisertitel dann dauerhaft im Hause Habsburg nie-
derließ. Die damit geschaffene Kombination aus deutschem Kaiser und der
katholischen Kurie, mit ihrem Papst an der Spitze, wurden in den folgen-
den Jahrzehnten und Jahrhunderten konsequenter Weise dann auch eine
der Dominanten der europäischen Politik. Als die deutschen Fürsten er-
kannten, in welche politische Abhängigkeit sie sich mit ihrer Zustimmung
zur Aufgabe ihres Wahlrechts begeben hatten, und als sie sich dagegen
über die Reformation weithin sichtbar zur Wehr setzten, bedurfte es noch-
mals fast 100 Jahre politischer Wühlarbeit, bis sie die katholisch-
habsburgische Quittung in einem über 30 Jahre andauernden Vernich-
tungskrieg präsentiert bekamen.

Nur, spätestens mit dem ausgehenden 15. Jahrhundert war dann der für die
großen Ereignisverfälschungen zur Verfügung stehende Zeitrahmen ausge-
laufen, d.h. ab irgend einem Zeitpunkt in diesem Jahrhundert mußte sich
auch die Geschichtsschreibung zumindest wieder an den faktischen Tatsa-
chen orientieren, wenn auch die politischen Machenschaften der Herr-
schenden sich zunehmend nur noch an den persönlichen Ansprüchen. Die
freie kreative Zeit war beendet, was nicht heißt, daß auch die Frist zur Fäl-
schung der weiter zurückliegenden Zeiten damit abgelaufen war. An diesen
konnte nicht nur bis zum Ausklingen des Mittelalters herummanipuliert,
sondern sicherlich kann auch heute noch bei Bedarf Erforderliches nachge-
liefert werden.

Da das katholische Christentum mit seinem politischen Herrschaftsan-


spruch, abgeleitet aus den Dogmen der so flexibel gestalteten Bibel, sich
213

aber zu keiner Zeit ohne den Einsatz politischer Betrügereien oder massi-
ver Gewaltanwendung ausbreiten konnte, ja selbst nicht im Stande war,
seine einmal erworbene Stellung allein geistig sichern zu können, so war es
immer auf die direkte Unterstützung durch weltliche Macht angewiesen.
Aber nicht nur die Papstkirche und deren Christentum benötigte die weltli-
che Unterstützung, sondern auch die weltlichen Herrscher - wollten sie ihre
Herrschaft auf Dauer errichten - benötigten dringend die Unterstützung von
Papst und Kirche. Als Papst, Kaiser und Adel nicht nur ihre gleiche Inter-
essenlage, sondern auch das, was Hunderte von Jahren zuvor schon das
antike Rom hatte akzeptieren müssen, erkannt hatten, nämlich daß eine
Unterwerfung der Germanen mit allein geistigen Mitteln nicht möglich
war, begann sich der europaweite Terror der Inquisition zur Katastrophe
auszuweiten.

Wie die weiteren Entwicklungen nach der 1377 erfolgten „Rückkehr" des
Papstes zeigten, war zu diesem Zeitpunkt ein Plan gefunden worden, der
sowohl dem französischen König als auch dem katholischen Papst zum
Vorteil gereichte. Die gemeinsamen imperialen Ziele und Expansionsrich-
tungen lagen, wie hätte es auch anders sein können, im wirtschaftlich rei-
chen Norditalien und im bevölkerungsreichen Deutschland. Es ging um die
gemeinschaftliche Beschaffung von Geld und Knechten. In einem letzten
Akt des deutschen Wahlkaisertum wurde der Luxemburger Franzose Hein-
rich der VII. zum neuen Kaiser gewählt, der dann nichts besseres zu tun
hatte, als sofort die Position des nach Rom zurückgekehrten Papstes militä-
risch mit einem Kriegszug zu stützen, d.h., die norditalienischen Städte
unter Druck zu setzen.

Wie offensichtlich gegensätzlich die politischen Interessen dann tatsäch-


lich waren, zeigt nichts deutlicher als die 1390 eintretende Entwicklung,
die als Schisma bezeichnet wird. Es wird ein zweiter, zeitweise sogar ein
dritter Papst gekürt. Diese Wirren finden erst 1420 ihr Ende, was nichts
anderes besagt, als daß erst zu diesem Zeitpunkt alle politischen Parteien
ihre Interessen soweit ausgeglichen hatten, daß sie sich in einem katholi-
schen Papst angemessen vertreten sahen.
214

Und dieser katholische Papst hatte schon mit seinem Einzug in Rom an
dem politischen Seil gezogen, mit dem das vorherige Zeitalter beendet und
eine neue Zeit eingeläutet wurde. Er war der allgemein sichtbare Ausdruck
der konzeptionell vollzogenen Emanzipation des rechtgläubigen Christen-
tums. Die vormaligen christlichen Knechte der sich zum auserwählten
Volk erhobenen Händler Konstantinopels hatten sich mit ihrem neuen ka-
tholischen Papst und einer völligen Umschreibung des neuen Testaments
zur moralischen Übermacht selbst über die jüdischen Schöpfer des Chri-
stentums erhoben. Der aus einer Gruppe des Templerordens hervorgegan-
gene französische Adel hatte sich, gemeinsam mit allen „rechtgläubigen"
Regimen, im materialistischen Olymp den Platz direkt über den Händler-
Plutokraten „erobert". Das zentralistisch organisierte Frankreich war zum
neuen politischen Zentrum Europas geworden.

Mit dem neuen Papst entwickelte sich eine von ihm ausgehende neue
„Mode", die Renaissance, oder die Zeit des Humanismus (Individualis-
mus), während der nun alle Pläne, sowohl die ursprünglich byzantinischen,
als auch die päpstlich-französischen, koordiniert und überarbeitet zur
Vollendung gebracht wurden. Vordergründig und optisch wurde damit die
Zeit der Antike, Griechenlands und Roms, zum idealisierten Maßstab er-
hoben, womit nicht zuletzt den Germanen und ihren idealistischen Werten
die Überlegenheit der materialistischen Werte aus den Abbildungen der
frühen Hochzivilisationen entgegengehalten werden konnte. Die Antike,
das noch immer leuchtende, byzantinisch gewordene Konstantinopel und
insbesondere Rom, der Sitz des Papstes, wurden glorifiziert. Über die Zu-
sammenheftung der dürren römischen mit der hohen griechischen Kultur
erfuhr auch die Stadt Rom die gewünschte Aufwertung. Wollte der Papst
seine christliche Macht in dem freien Teil Germaniens ausweiten, so mußte
er auch repräsentativeres als nur sein Christentum anzubieten und insbe-
sondere vorzuzeigen haben, womit dann zwangsläufig auch der Wert der
Gemeinschaft gegenüber der Einzelperson herabgesetzt wurde. Als römi-
scher Repräsentant konnte er so neben dem Christentum auch seine neue
griechisch-römische Zivilisations-Mode anbieten.

Aber noch nicht genug damit. Neben dem Christentum in seiner neuen
humanistischen Verkleidung, der neu gepriesenen römischen „Kulturlei-
215

stung" und der damit fast schon zwangsläufigen kulturellen Scheinerhö-


hung des Papstes, wen wundert's, tauchte auch ein völlig neues Rechtssy-
stem auf, das römische Recht. Das Recht, auf dem solche auf Ausbeutung
gegründeten zivilisatorischen Leistungen überhaupt erst möglich waren.
Dieses gesamte Konzept erforderte nun fast schon zwangsläufig, daß alle
vorausgegangenen Entwicklungen ausgelöscht und mittels neu anzuferti-
gender Dokumente angepaßt darzustellen waren. Allein die Auslöschung
der vielen vorherigen Jahrhunderte, deren vollständige schriftstellerische
Ausfüllung offensichtlich nicht zu bewältigen war, führte zu dem, was
heute unter den Begriff der „stummen Jahrhunderte" zusammengefaßt
wird. Das große Loch der Dokumente entstand, weil selbst den qualifizier-
testen Fälschern nichts eingefallen war, womit sie die ausgelöschten Zeit-
räume hätten neu anfüllen können. Die größte und umfassendste (wenn
beileibe auch nicht die letzte) Geschichtsfälschungsaktion aller Zeiten
wurde abgewickelt, wobei auch der Teil des päpstlich-politischen Kultur-
paketes, die Aufwertung des Individuums, der Humanismus, dessen
Grundgedanke darin bestand, die germanischen Gemeinschaften geistig
aufzubrechen, nicht zu kurz kam.

Die Renaissance war also nichts anderes als die Umsetzung eines sehr um-
fangreichen politischen Konzepts zum Generalangriff des materialistischen
Papstkaisertums und des neu entstandenen, beiden untergeordneten Adels
zur langfristigen Absicherung des gemeinsamen Herrschaftsgefüges. Ein
Vorhaben, das nur dann gelingen konnte, wenn neben der weltlichen Ord-
nung der Germanen auch deren geistige Hinterlassenschaften völlig zer-
stört und möglichst jede Erinnerung daran ausgelöscht wurde, wenn alle
germanisch-idealistischen Werte und Gesinnungen den materialistischen
Herrschaftsansprüchen untergeordnet werden konnten. Wenn der Idealis-
mus auch nicht ausrottbar war, so sollte zumindest die materialistische
Steuerung der ideellen Werte gewonnen werden.

Die Habsburger waren vielleicht die teuersten, vielleicht aber auch nur die
brauchbarsten der neuen deutschen Fürsten. Angeblich erhielten sie 1273
erstmals die deutsche Wahlkaiserkrone, die dann später in ihrem Hause
erblich wurde. Nur dürfte die Datierung der erblichen Kaiserkrone erheb-
lich rückdatiert sein, zumindest 1276 war ein solcher Vorgang überhaupt
216

noch nicht möglich. Ein Erb-Kaiser ohne die Wirksamkeit des römischen
Rechts ist logischer Unsinn. Folgerichtig war es dann auch die politische
Koalition aus Habsburger Kaiser und Papst, deren Greuelveranstaltungen -
die unter dem Begriff der Inquisition in den Geschichtsbüchern geführt
werden und allein in Deutschland weit mehr als 1 Million Menschenleben
gefordert haben dürften - offenbar noch immer nicht ausgereicht hatten, die
dann auch noch zur endgültigen Durchsetzung und Festigung ihrer Macht
den 30-jährigen Krieg inszenierten, wobei offenbar nach dem Motto vor-
gegangen wurde: nur ein toter Germane ist ein guter, sprich habsburgisch-
papistischer, Germane. Alle Kämpfe und Gemetzel des 30-jährigen Krieges
fanden dementsprechend dann auch nur in dem Teil Deutschlands statt, wo
das Christentum seine größten Schwierigkeiten, wo der Freiheitsgedanke,
wo die altgermanische Ordnung die tiefsten Wurzeln besaß. So war es kein
Zufall, daß die drei linksrheinischen Erzbistümer von den Vernichtungs-
kämpfen weitgehendst verschont blieben.

Eine der großen Konsequenzen aus dem neuen politischen Konzept war
nun auch, sollte die so klug konzipierte und umgesetzte Machtergreifung
und -ausweitung nicht zu einem späteren Zeitpunkt, und sei es auch erst
von einer späteren Generation, entdeckt werden, sollten Papstkirche und
christlicher Adel nicht als machtgeiler Verbrecherhaufen entlarvt und die
christliche Glaubenskonstruktion wie ein Kartenhaus zusammenfallen,
womit das Christentum für alle Zeiten als machtpolitische Grundlage aus-
geschieden wäre, daß alles, aber auch alles unternommen werden mußte,
damit diese Machenschaften niemals erkennbar werden. Und, wie es die
riesige Anzahl der damals produzierten gefälschten Dokumente zeigt, wur-
de selbst die vollständige Fälschung der Geschichte als nicht zu komplex,
sondern als gerade angemessen erachtet, um solche Entdeckung zu verhin-
dern. Die wichtigste Voraussetzung, um eine solche Fälschungsaktion
überhaupt angehen zu können, aber war, daß sich alle Aufzeichnungen, alle
Archive, im direkten Zugriff der Fälscher befanden. Die zentralen Archive
befanden sich dabei immer außerhalb Germaniens, in Konstantinopel und
bei seinen päpstlich-kaiserlich Abgesandten.

Aber selbst diese Großaktion sollte nicht das einzige große Fälschungsun-
ternehmen in der Geschichte der Menschheit bleiben. Die deutschen Ar-
217

chive unbedingt in ihren Besitz zu bringen mußte neben dem Gewinn des
Zweiten Weltkrieges immer das zentrale Hauptziel des von ihnen selbst
eingefädelten Krieges sein, wollten die kommunistischen oder demokrati-
schen Siegermächte sich nicht der Gefahr aussetzen, eines Tages von For-
schern als das entlarvt zu werden, was sie waren. Die Großfälschungsakti-
on der deutschen Dokumente nach dem Zweiten Weltkrieg war nichts an-
deres als eine Wiederholung der Aktion, wie sie vom römischen Imperium
erdacht und von der papistischen Fraktion mit und während der Renais-
sance realisiert und fortgesetzt worden war. Und da seither alle materiali-
stischen Beherrschungssysteme, auch wenn sie, beginnend Mitte des 19.
Jahrhunderts, weitgehendst aus den Händen des Erbadels in die des mit
allem handelnden Geldadels übergegangen waren, immer gleich blieben, so
konnte und mußte die wahre Geschichte auch von ihnen immer verborgen
gehalten werden, obwohl die wahren Zusammenhänge allen Mächten weit-
gehendst bekannt sein mußten.
218

3.11 Das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation"

Man lese einmal wörtlich und dem Sinne nach: „Das Heilige Römische
Reich Deutscher Nation"!

Irgendwann im 15. Jahrhundert, der Zeit also, in der die Kaiserwürde im


Hause Habsburg erblich geworden war, wurde auch die Bezeichnung vom
„Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation" gebräuchlich. Genaues
weiß man nicht. Dabei sollen die erstmaligen Ursprünge dieser Bezeich-
nung bis in die Zeit der Phantasiekaiser Konrad I. und Heinrich I. (919)
zurückreichen. Aber auch hier gilt: genaues weiß man nicht. Von irgend-
welchen Feierlichkeiten, die üblicherweise die Schaffung eines neuen Rei-
ches begleiten, ist in der Geschichte nichts bekannt. Nur, wo in Rom noch
keine Heiligkeit, da auch noch kein „Heiliges Römisches Reich Deutscher
Nation"!

Angeblich seit der grauen Vorzeit des noch weitaus graueren Mittelalters
und dessen 15. Jahrhunderts windet sich diese wunderliche Reichsbezeich-
nung durch die Zeiten bis zum Jahre 1806, als die Krone dieses Reiches,
von Napoleon erzwungen, niedergelegt und das Reich selbst für aufgelöst
erklärt wurde. Wie sagte Napoleon damals: „Geschichte ist die Lüge, auf
die man sich verständigt hat". Dem kann wohl niemand widersprechen.
Während der Termin der Beendigung des „Heiligen Römischen Reiches
Deutscher Nation" eindeutig feststeht, ist sein Ursprung nebulös. Eben so,
wie große Teile der Geschichte und der Zeit, in der dieses Reich ent- und
bestand.

Betrachten wir einmal die eigenwillige Bezeichnung: Heiliges Römisches


Reich Deutscher Nation. Mit diesem Titel werden zunächst einmal zwei
politische Komponenten zu einer Einheit zusammengeführt, das „Römi-
sche Reich" und die „Deutsche Nation". Ein angeblich von germanischen
Stämmen längst liquidiertes, der Antike entstammendes Römisches Reich
soll sich demnach unter einem recht modernen staatspolitischen Begriff,
einer Deutschen Nation, mit diesem zusammengeschlossen haben. Wäh-
219

rend hier der neue Begriff „Nation", also nicht der seit altersher gebräuch-
liche Gruppenbegriff „Stamm" oder „Volk", Teil der Reichsbezeichnung
wurde, verschafften die Geschichtsfälscher der Bezeichnung „Deutsch"
bereits im 9. Jahrhundert ihre Grundlage allein dadurch, daß sie einen Kai-
ser „Ludwig der Deutsche" in ihr Geschichtsbild aufnahmen.

Woher kommt nun der zweite Teil der eigenwilligen Reichsbezeichnung,


„Das Heilige"? Während nach der zusammengefälschten Geschichte seit
dem Jahre 493 in Rom keine andere politische Macht als die neue recht-
gläubige Kirche mit ihrem Papst an der Spitze ihren Sitz hatte, mußte da-
mit folglich auch die gesamte katholische Kirche Teil dieses Reiches ge-
worden sein, was dann später so dargestellt wurde, als hätte der Deutsche
Kaiser schon zu damaligen Zeiten damit nichts anders bezwecken wollen,
als die katholische Kirche und den Papst in sein Reich ein- und sich selbst
unterzuordnen. Auf der anderen Seite zeigt sich noch etwas Erstaunliches:
Eine katholische Kirche mit Weltmachtanspruch läßt sich exklusiv in die
Verbindung mit der Deutschen Nation bringen, womit entweder die Deut-
sche Nation nun ebenfalls Weltmachtansprüche geltend machen wollte,
oder aber das „Heilige Rom" war zum Zeitpunkt der Schöpfung dieses
Reiches damit zufrieden, Teilhaber an der Herrschaft über die Deutsche
Nation zu sein.

Dabei ist die Erklärung doch weitaus einfacher. Nachdem die neue recht-
gläubige Lehre und deren neuer Papst in Frankreich frisch aus der Taufe
gehoben und dann nach Rom umgesiedelt worden waren, saßen nördlich
der Alpen die christlich-landadligen deutschen Fürsten, zusammenge-
schlossen unter dem von ihnen gewählten Kaiser, die gemeinsam diese
römische Entwicklung mit äußerster Skepsis betrachteten. Auf das römi-
sche Erscheinen der neuen katholischen Kirche und ihres neuen Oberhaup-
tes hatte der deutsche Wahlkaiser zunächst 1390 mit der Installation eines
eigenen Papstes reagiert, womit die heute als Schisma bezeichnete Zeit
begann. Nur war diese Phase dann bereits im Jahre 1420 wieder beendet,
was besagt, daß sich zu diesem Zeitpunkt offensichtlich alle Parteien auf
einen, den in Rom residierenden, Papst verständigt hatten. Dazu dürfte im
Wesentlichen die neugeschaffene Konstruktion, die dann die Bezeichnung
„Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" erhielt, beigetragen haben,
220

womit sie die politisch sichtbare Formel widerspiegelt, auf der das Schisma
beendet wurde.

Um die deutschen Interessen bei der in Rom residierenden französischen


Kirchenschöpfung sicher zu stellen, und um dort dem deutschen Einfluß
auch einen formalen Anspruch zu verleihen, einigte man sich auf die Lö-
sung, mit der das römische Kirchenregime in das deutsche Reich integriert,
es also zu einem Bestandteil des deutschen Reiches wurde. Im Gegenzug
verzichteten die deutschen Kurfürsten künftig darauf, sich ihren Kaiser aus
den eigenen Reihen zu wählen, und man verständigte sich darauf, das Amt
des Deutschen Kaisers im Hause Habsburg erblich einzurichten, womit
auch dem veränderten Eigentumsgedanken des neuen römischen Rechts
Rechnung getragen werden konnte.

Mit der Schaffung des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation"


fand eine gravierende politische Umgestaltung statt. Allein schon der Ver-
zicht der deutschen Fürsten auf ihr freies Wahlrecht schuf dem Aufleben
der Habsburger Dynastie überhaupt erst die Voraussetzungen. Von den
sicherlich nicht geringen Verpflichtungen, die der neue Habsburger Kaiser
dafür abzugeben und künftig zu erfüllen hatte, ist wenig bis nichts bekannt.
Mit dem Verzicht auf das Recht zur Wahl des eigenen Kaisers hatten die
deutschen Fürsten auf der anderen Seite erreicht, daß künftig nicht auch
der Papst wahlberechtigt wurde. Nur war dies rein gar nichts gegenüber
dem, auf was die Fürsten verzichtet hatten. Wer seither die Politik dieses
„Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" beeinflussen wollte, der
mußte nicht mehr die Mehrheit der Kurfürsten hinter sich bringen, sondern
er konnte sich auf einen Ansprechpartner konzentrieren. In den Verhand-
lungen und Gesprächen, die dann zur Gründung des „Heiligen Römischen
Reiches Deutscher Nation" führten, das wohl zeitgleich mit dem Habsbur-
ger Erbkaiser und dem einen römisch-katholischen Papst im Jahre 1420
entstanden sein dürfte, standen sich zwei Verhandlungsparteien gegenüber,
die in ihrer politischen Qualifikation kaum unterschiedlicher sein konnten.
Die mit allen Wassern des Bosporus gewaschene französisch-katholische
Top-Riege gegenüber den längst von ihrem deutschen Wesen eingeholten
und dessen Werten verpflichteten politischen Anfängern.
221

Wie das Haus Habsburg in den folgenden Jahrhunderten bis zum Jahre
1806 regierte, als der damalige Kaiser die Krone seines wunderlichen Rei-
ches niederlegte, sein Amt aufgab und das „Heilige Römische Reich Deut-
scher Nation" für erloschen erklärte, das kann jeder in den Geschichtsbü-
chern nachlesen. Nie hatte ein Geschlecht ein solches Amt so hochverräte-
risch, einzig zu persönlichen Zwecken und familiären Interessen, miß-
braucht wie das Haus Habsburg das Amt des Deutschen Kaisers.

Nicht so sehr als Quittung für seine Jahrhunderte andauernden Verbrechen


oder für seine ungenügenden antideutschen Machenschaften ist dann der
machtpolitische Abgang des Hauses Habsburg im Jahre 1918 zu verstehen,
sondern es wurde ganz einfach nicht mehr benötigt, es war entbehrlich und
störend geworden, da die hinter Rom stehenden christlichen und jüdischen
Händler-Plutokraten zwischenzeitlich ganz andere Beherrschungsstruktu-
ren aufgebaut hatten.
222

3.12 Die Inquisition

Die Inquisition gehört zum rechtgläubigen Christentum wie das Logo des
Kreuzes. Der unter dem Titel „Inquisition" bekanntgewordene kirchlich-
weltliche Kombi-Terror wird heute dargestellt als eine hinter Juristenroben
und Glaubensrichtern getarnte machtpolitische Keule, mit der nicht nur alle
geistigen Strömungen bekämpft wurden, die geeignet waren, die kirchliche
Macht und ihre christlichen Wunder an ihrer Wurzel zu treffen, sondern
mit der jede Gegnerschaft, mit der jeder Freiheitswille als Ketzerei titu-
liert, bekämpft und ausgemerzt wurde. Wo man mit dem Ketzertum allein
nicht weiterkam, da wußte man sich mit der Hexendiffamierung weiterzu-
helfen.

Die Inquisition wurde als das Machtmittel erdacht und geschaffen, unter
dessen Banner die geistige und physische Unterwerfung Europas erfolgte,
mit der jede Wahrheit, jede Tugend unterdrückt und vernichtet wurde, um
so der Heuchelei, kombiniert mit Lug und Trug, die Bahn frei zu machen.

Inquisition ist nicht anderes als die christliche Bezeichnung für Terror in
seiner perfidesten Form.

Wie das römische Recht, so war auch das Recht der Inquisition ein Produkt
der Pariser Universität. Danach wurde die Inquisition ein über Jahrhunder-
te andauernder, Europa mit brutalstem Terror überziehender, nun „recht-
lich" eingekleideter Kriegszustand. Daß die Geschichtsfälscher es auch auf
diesem Gebiet nicht versäumten, die Inquisition bis in das Jahr 353 rück-
zudatieren und sich dabei auf ein Edikt des (ost-)römischen Kaisers Kon-
stanz beriefen, ist fast schon selbstverständlich. Aber auch diese Fälschung
entlarvt sich selbst. Denn ohne den Denkansatz, wie er zuerst vom römi-
schen Recht vertreten und in die Welt gesetzt worden war, fehlte der Inqui-
sition die geistig-rechtliche Voraussetzung. Beweismittel wie Geständnis-
se, Zeugen oder auch Dokumente wurden erst mit dem römischen Recht
eingeführt. In der davorliegenden Zeit der Christianisierung Europas be-
stimmte einzig die Macht darüber, was Recht war und wer recht hatte.
223

Wie selbst der amerikanische Forscher Henry Charles Lea in seinem Stan-
dardwerk von der Inquisition bemerkt, stammen alle verfügbaren schriftli-
chen Unterlagen der Inquisition von dieser selbst. Denn nicht nur die Ver-
nichtung sogenannter Ketzer, sondern auch die Vernichtung aller der
christlichen Lehre nicht genehmen Schriften war eine der zentralen Aufga-
ben der Inquisition. Schriftliches Wissen und Wahrheiten verschwanden
also nicht durch die von einem „Ludwig der Fromme" vorgenommene
Verbrennung sächsischer Runenstäbe, sondern Wissen und Wahrheit wur-
den von der christlichen Kirche mit ihrer Inquisition systematisch vernich-
tet und verbrannt. Nur unter dem darin praktizierten massenhaften und
flächendeckenden Einsatz von Folter, Terror und Mord konnte es den von
adeligen/kirchlichen Strukturen angeführten Heer- und Mordscharen gelin-
gen, die freien Menschen und die sich in vielen Gegenden noch immer
erhaltenen freien Werte der Germanen endgültig zu unterdrücken.

Für diesen dauerhaften Krieg und seine alle positiven menschlichen Werte
verachtenden Methoden steht der Begriff Inquisition!

Dieser Wahnsinnsterror war es auch, der dann die Krönung dessen schuf,
was nicht nur aus heutiger Sicht als das grausame Mittelalter bezeichnet
wird. So wurden die Menschen Europas die direkten Vorläufer der süd-
und nordamerikanischen Indianer, der australischen Aborigines und vieler
anderer Kulturen, die großteils namenlos vernichtet wurden. Auch zu kei-
ner späteren Zeit sahen es die jeweils herrschenden menschenverachtenden
Materialisten als erforderlich an, ihre in diesen Zeiten erprobten und so
erfolgreichen Methoden zu ändern. Wer sich heute mit den Geschichten
der Waldenser, Kathager, Albigenser und vielen anderen Gruppen beschäf-
tigt, bei denen es sich nicht etwa um irgendwelche christlichen Sekten oder
Orden handelte, als die die Geschichtsfälscher sie dazustellen wußten, der
wird nicht umhin können zu erkennen, daß er es hier mit christlichen Um-
dichtungen von damaligen, sowohl regionalen als auch überregionalen,
Widerstandskämpfern und -Organisationen zu tun hat. Sie alle werden
selbst von Charles Lea als „Gemeinschaften für den freien Geist" bezeich-
net. Denn nicht nur die einzelnen Stämme mit ihren Fürsten und Herzögen
an der Spitze stellten sich dem christlichen Terror entgegen, sondern auch
verschiedenste unabhängige Organisation fanden sich zum gemeinsamen,
224

für sie meist tödlichen endenden, Widerstand zusammen. Selbst das zur
christlichen Legende umgeschriebene Wirken des Robin Hood stand nicht
etwa im Dienste seines Königs und war gegen irgendwelche korrupten
Adligen gerichtet, sondern auch diese Geschichte war Teil des Kampfes
gegen die christlich „inthronisierten" Adligen.

Die positiven Werte und Tugenden, Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit


sind letztlich einzig dem brutalen Terror und der qualvollsten Folter der
politisch gesteuerten „Missionare" oder Inquisitoren erlegen, die bis auf
den heutigen Tag im geistigen Bereich weiterbestehen. Die Inquisition
zwang alle die, denen ihre Werte und Tugenden das Wichtigste waren, wie
man heute sagen würde, in den Untergrund. Allein der Wille zum Überle-
ben zwang jeden dazu, sich öffentlich zu verstellen und zu heucheln, um
vielleicht in immer geschlossener und geheimer werdenden Organisationen
noch eine Wertegemeinschaft zu finden. In diesen Zeiten dürfte auch die
verschlüsselte Erzählform vieler der noch heute bekannten Volksmärchen
entstanden sein, die an die idealistischen Schilderungen der alten Sagen
anknüpfen.

In diesem Zusammenhang soll auch das kurz angesprochen werden, was als
das sogenannte „Hexenphänomen" mit zum Bild des Mittelalters beiträgt.
Zu Millionen wurden in ganz Europa Frauen erniedrigt, gefoltert und ver-
brannt, nachdem man sie der Hexerei beschuldigt hatte. Eines der christli-
chen Verbrechen in Völkermorddimension, das zumeist gegen Frauen ge-
richtet war, hatte nun wenig bis nichts mit dem geheuchelten christlichen
Glauben zu tun, sondern ist ein reiner Vernichtungsakt. Er zeigt nicht nur
das Christentum, sondern den gesamten Materialismus in seiner wahren,
unmenschlichen Gestalt.

Erst dem christlichen Ansturm in den ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhun-
derts war es gelungen, weitreichende Erfolge allein mit von vielen Klein-
kriegen begleiteten Kriegszügen zu erzielen, die dann für das nötige Chaos
sorgten, auf dem geistlicher und weltlicher Herrschaftsadel sich erheben
konnte. Ob Wotan oder Christentum, das war nicht das Entscheidende.
Entscheidend für die Menschen waren ihnen ihre freiheitlichen gemein-
schaftlichen Werte, nach denen sie zuvor Jahrtausende gelebt hatten, und
225

die von den neuen christlichen Herren nun nachgeheuchelt wurden, um


daneben ihren wahren machtpolitischen Charakter zu demonstrieren. Und
wie selbst noch heute, so sahen es schon damals die neuen Herren als drin-
gend geboten an, alle freiheitlich-menschliche Gegnerschaft schon an ihrer
Entstehung, bei der Erziehung, zu verhindern. Auch damals lag diese Er-
ziehung in den Händen der Mütter. Mütter, denen selbst mit Krieg nur se-
kundär beizukommen war. Diese Mütter nun zu zwingen, ihre Kinder
christlich, d.h. zu guten christlichen Knechten, zu erziehen, das war die
neue Mission. Das Mittel wurde der Scheiterhaufen für all die, die sich
irgendwie als nicht christlich genug zu erkennen gaben. Sie wurden als
Hexen diffamiert, mit allen nur erdenklichen Foltern überzogen, um ab-
schließend verbrannt zu werden. Daß es tatsächlich um das Kind und nicht
so sehr um die Mutter ging, dokumentiert sich aus den in den Prozeßproto-
kollen fast durchgängig angeführten Anschuldigung von Kindermord und
Kinderverzehrung. Die Hexenverfolgung darf wohl als der Anfang einer
Entwicklung angesehen werden, mit der seither versucht wird, jedem Neu-
geborenen möglichst schon mit der Muttermilch die christlich-religiöse
Weltanschauungsbrille zu verpassen, um damit zu verhindern, daß es je-
mals ein freier Mensch werden kann.

Die Liste der von Christen begangenen Verbrechen stellt jeden anderen
Katalog des Verbrechens weit in den Schatten.

Daß die Eroberung Europas heute als christliche „Missionierung" oder


„Bekehrung" bezeichnet wird, spricht für sich. Diese mit extremster physi-
scher Gewalt und deren permanenter Androhung erzwungene Gehirnwä-
sche, die zynisch als „Glaube" tituliert wird, war die einzige Methode, um
das Christentum und die hinter ihm stehende materialistische Herrschaft
durchzusetzen. Beides getragen und begleitet von Lug und Betrug, Heuche-
lei und Verrat. Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit und die gesamte Ge-
schichte wurden liquidiert und blieben auf der Strecke.

Die moderne Welt erhielt ihre tatsächlichen Grundlagen also bereits im


14/15. Jahrhundert verpaßt. Gegliedert in zwei Formationen, wovon die
erste angeführt wurde von einem Papst, der sich auf seine Bischöfe und
Priester stützte, die sich schmarotzerhaft vom Zehnt der bäuerlichen Arbeit
226

aushalten ließen, während die zweite dem von Konstantinopel abhängigen,


in Italien residierenden Vize-Kaiser unterstand, der begleitet wurde von
materialistisch-korruptem Gesindel, das seine Dienste für Adelstitel oder
auch nur für Pfennige anbot, überrannte - wenn es auch Jahrhunderte dau-
erte - der unter dem Kreuz agierende christliche Materialismus Europa.
Und sie verschlangen alles, was die freiheitliche germanische Lebensord-
nung geschaffen hatte oder heuchelten ihre Werte und Ergebnisse für ihre
Zwecke. Sie verbrannten nicht nur Menschen und Dokumente, sie schrie-
ben nicht nur die gesamte Geschichte um. Nein, was sie tatsächlich erreich-
ten, das war die totale Verfälschung des Menschen und seines Lebenssinns.

Sie fälschten den Menschen,


sie zwangen ihn in den dauerhaften Wahnsinn.

Man kann also berechtigt feststellen: das Christentum, der christliche


Zwang („Glaube"), schuf und schafft nichts anderes als geistig niedrigste
Kreaturen an oder jenseits der Schwelle des Wahnsinns.

Freie Menschen im Sinne ihrer natürlichen Schöpfungen konnte und kann


es im Christentum nicht geben und dürfen von ihm nicht zugelassen wer-
den, müßten ansonsten doch alle von diesem „Glauben" Profitierenden
ihre gesamte Macht, und damit auch ihren darauf gegründeten „Selbst-
wert", verlieren.

Selbst die, die sich einzig auf das große Werk des Betrugs und der Heuche-
lei, die Bibel (für die ganz Hartnäckigen auch als „Holy Bibel" bezeichnet)
konzentrierten und sich für die darin enthaltenen idealistischen Werte erei-
ferten, blieben immer nur Verzweifelte, mit höchstem persönlichen Einsatz
Kämpfende, die in einer erzwungenen, künstlich geschaffenen Geisteswelt
freiheitlich-idealistische Zustände zu realisieren suchten oder herbeiführen
wollten. Sie waren damit die Betrogensten aller Betrogenen. Sie waren der
eigentliche Gipfel des Wahnsinns.

Dieser mit den Methoden der Inquisition durchgesetzte eigentliche Chri-


stianisierungsvorgang des Abendlandes, der mit dem Aufkommen der Re-
formationsbewegung, als der Papstkirche vermehrt freiheitliche Interessen
227

politisch gegenüber traten, sich in einer nächsten Phase dann zur sogenann-
ten Gegenreformation (dieser Begriff allein ist „göttlichste" Propaganda,
heute wohl Volksverhetzung) gezwungen sah, erlebte sein Finale dann in
dem Gemetzel, das als 30-jähriger Krieg in den Geschichtsbüchern steht,
womit der gesamte Zeitraum zwischen 1100 und 1650 als die christliche,
alle menschlichen Werte vernichtende, Missionierungs- und Bekehrungs-
phase des Abendlandes bezeichnet werden kann. Letztendlich zog sich die
mit aller nur denkbaren Gewalt agierende Inquisition durch die gesamte
Entstehungs- und Durchsetzungsgeschichte des Christentums in Europa. So
zeigt nicht nur der bis zur Reformation stetig ansteigende Zugriff auf alle
nur greifbaren materiellen Reichtümer und Pfründe, sondern zeigen auch
die noch erheblich verfeinerten, selbst die antiken römischen Brutalitäten
weit übersteigenden, Folter- und Mordmethoden der unter der Heuchelei
christlicher Geisteswerte europaweit grassierenden Inquisition, die wahren
Ziele und Absichten des Christentums und der hinter ihm stehenden Inter-
essengruppe.

Rechtgläubiger Papst und seine Kirche konstruierten den ihnen verbunde-


nen weltlichen Herrschern die benötigten geistig-heuchlerischen Begrün-
dungen, um so, ausgestattet mit „gutem" Rüstzeug und „guten" Rechtfer-
tigungen, mit brutalster Gewalt den eigenen, materialistischen Herr-
schaftsanspruch durchzusetzen.

Die Inquisition wurde so die direkteste, machtvollste und durchschlagend-


ste Form der „christlichen Bekehrung", der Bekehrung zum kirchlich-
christlichen Materialismus. Erst die Brutalität und Umfassendheit der In-
quisition machte den christlichen „Glauben" zum erzwungenen Selbstbe-
trug, zur Weltanschauung und zur (Re)ligion. Dort, wo der christlich ge-
stützte Materialismus weder mit frommen Reden und Täuschungen, noch
mit Fälschungen oder Drohungen durchzusetzen war, da mußte er eben
sein letztes und probatestes Mittel anwenden, die physische Vernichtung.
Für die Durchführung der Inquisition hatte sich die katholische Kirche
erstmals ein besonderes, abgegrenztes Rechtssystem geschaffen, um darauf
gestützt alle Widerstände und alle „Unbekehrbaren" physisch einfach aus-
zurotten (Nürnberg 1945 und alles Nachfolgende hatte ein großes Vorbild
oder war vielleicht doch nur eine konsequente Fortsetzung).
228

In den Vorgängen, die als Inquisition bezeichnet werden, zeigte das Chri-
stentum in aller Deutlichkeit seinen wahren, unverfälschten Sinn und
Zweck als politisches Machtinstrument zur Verknechtung freier Menschen.
Das Christentum verdankt seine Erfindung und seine bis heute andauernde
Existenz einzig dem Macht- und Beherrschungsstreben materialistischer
Politiker. Alle gezeigten menschlichen und sozialen Leistungen des Chri-
stentums dienen nur der Tarnung der eigentlichen Aufgabe. Die meisten
solcher christlichen Leistungen wären ohne das Christentum und seine
dahinterstehenden machtpolitischen Interessen überhaupt nicht notwendig.
Denn da, wo es sonst zu Mißständen gekommen wäre, hätten sich auch
ohne Christentum viele helfende Hände gefunden.

Die an Grausamkeiten nicht zu überbietenden Verbrechen der Inquisiti-


on sind der wahre und eigentliche christliche Missionierungsvorgang des
germanischen freien Europas! Erst diese als Inquisition bezeichneten,
christlich entfesselten Grausamkeiten vernichteten mit brutalster Gewalt
die bestehenden gemeinschaftlich-sozialen Strukturen Europas, schufen
so das grausame Mittelalter und lieferten auch die Grundlage für die
Vernichtungsorgien des 30-jährigen Krieges!

Selbst die immer weiter fortschreitende naturwissenschaftliche Forschung,


die schnell als solche erkannt wurde, um alle oft als Wunder deklarierten
Rechtfertigungen der Kirchenmacht ad absurdum zu führen, wenn sie nicht
gar das gesamte von ihr verkündete Weltbild zum Einsturz und so beide,
die Vertreter Gottes und die sich darauf stützenden weltlichen Herrscher,
um ihre Macht bringen mußte, wurde mit brutalster, auf neues, machtpoli-
tisch diktiertes Recht und auf totale Propaganda gestützter Unterdrückung,
die häufig mit der physischen Vernichtung des Angeklagten endete, be-
kämpft. Wie die weitere Entwicklung dann gezeigt hat, war es aber selbst
der katholischen Kirche bei aller entwickelten Brutalität nicht möglich,
zumindest die Erforschung der Natur aufzuhalten. Daß heute selbst die
naturwissenschaftliche Forschung nicht mehr zum Wohle der Menschheit
betrieben, sondern nur noch von materialistischen Herrschafts- und Profit-
interessen gesteuert wird, zeigt nur, daß es, wenn auch mit völlig anderen
Methoden, zwischenzeitlich auch gelungen ist, selbst diese Forschung,
229

zumindest aber die Weitergabe ihrer Ergebnisse, den Regeln des Plutokra-
ten-Materialismus unterzuordnen.

Ihr eigenes, weiteres, bis heute andauerndes „Überleben" konnte die Papst-
kirche immer nur als williger Handlanger und als geistige Stütze der welt-
lichen „Adelsmächte" sichern, ob auftretend als im Mittelalter geschaffe-
ner Land- oder als ein aus der Antike stammender mobiler Handelsadel.
Dabei hat die christliche Kirche bis heute eine „Flexibilität" entwickelt, die
vielleicht als verblüffend erscheint. Diese „Flexibilität" geht dabei so weit,
daß die christliche Kirche in der Lage ist, sich von jedem System und Re-
gime einsetzen zu lassen, um als Gegenleistung auch jedem System oder
Regime zur geistigen, zur ideellen Rechtfertigung zu verhelfen, so dieses
System oder Regime nur die materielle Existenz der Kirche und der über
sie versorgten Priesterkaste nicht selbst in Frage stellt. Die christliche Kir-
che war und ist seit jeher nur als hilfswillige und ideelle Werte heuchelnde
Organisation politischer Symbiosen aktiv, wobei sie fast jedem beliebigen
machtpol ¡tischen Interesse die Basis für dessen vorgeblich ideelle Heuche-
leien liefert und bereitstellt, so es denn materialistisch orientiert ist. Denn
Idealisten brauchen nichts weniger als die Kirche und ihr Christentum.
230

3.13 Die Reformationszeit, Luther, die Bauernkriege usw.

Luthers erster Aufschrei war weitaus mehr als nur die Empörung, mit der
er sich einzig gegen den Ablaßhandel zur Wehr gesetzt hat. Möglich, daß
dieser für ihn zum Auslöser wurde. Die von Luther geforderten Verände-
rungen richteten sich gegen das gesamte materialistische Auftreten der
Papstkirche und waren in ihrer Auswirkung höchst politisch. Auch wenn
Luther vielleicht anfangs, in völliger Verkennung der eigentlichen Absich-
ten der katholischen Kirche, von ihr den Verzicht auf jeden Materialismus
und die Aufwertung der von ihr vorgeschobenen idealistischen Werte for-
derte, so war sein gesamtes Wirken doch einzig der Politik gewidmet. Dar-
in verlangte er nichts geringeres, als daß die Kirche ihre geheuchelten Wer-
te nun auch tatsächlich praktizieren solle, was aber implizit darauf hinaus
lief, daß auch die weltlich-christlichen Mächte diese Werte berücksichtigen
sollten. Nur, wer dazu aufruft, unterstützt und geschützt von den politi-
schen Mächten, daß sich alle politischen Mächte an den Werten der katho-
lischen Bibel orientieren sollen, der arbeitet für defensive Interessen. Für
Interessen, die keine imperialistischen Ambitionen verfolgen. Bei der von
Luther hinreichend gezeigten Klugheit kann ihm sein politisches Wirken
kaum verborgen geblieben sein. Dies zeigt sich allein schon darin, daß er
zunächst 1520 seine politischen Schriften veröffentlichte, bevor er, 10 Jah-
re später, der offensichtlich anhaltenden kreativen Bearbeitung der lateini-
schen Bibel dadurch Einhalt gebot, daß er eine Bibelversion ins Deutsche
übersetzte, die ihm und seinen Auftraggebern als angemessen erschien, und
die dann dank der neuen Buchdruckkunst schnell eine weite Verbreitung
fand.

Daß seinerzeit, Anfangs des 16. Jahrhunderts, niemand mehr - klammern


wir einmal die politisch führenden Kräfte aus - vielleicht selbst Luther
nicht, die Hintergründe und die wahre Entstehungsgeschichte des Christen-
tums kannte, zeigt auch, wie gründlich Inquisition und begleitende Ge-
schichtsfälschung schon bis zu diesem Zeitpunkt gewirkt hatten.
231

Als Grundlage für seine Fordeningen berief Luther sich auf nichts anderes
als die Bibel. Die darin formulierten Grundsätze stellte er dem praktischen
Wirken von Papst und Kirche gegenüber. Allein schon dadurch, daß das
Christentum eine politische Schöpfung war, mußte zwangsläufig auch Lu-
thers Kritik zu höchsten politischen Konsequenzen führen. Denn politisch
gesehen richtete sich Luthers Kritik gegen den gesamten weltlichen Macht-
und Herrschaftsanspruch wie auch gegen die Methoden der katholischen
Papstkirche. Ohne daß Luther es anfangs vielleicht als solches erkannt
hatte, richtete sich sein Verlangen tatsächlich gegen den Kern, gegen den
eigentlichen Zweck des Religion heuchelnden christlichen Glaubens. Daß
er seine Forderungen dabei ganz pragmatisch einzig auf die Bibel stützte,
machte ihn für Rom so gefährlich und verhalf seiner Lehre, zumindest bei
den Deutschen, zu der spontanen Akzeptanz und dem großen Erfolg.

Den gleichen Effekt hat es, wenn man von den heute Rechtsstaatlichkeit
heuchelnden Demokratien ganz pragmatisch die Einhaltung geltenden
Rechts fordert, vorausgesetzt es gelingt, staatliche Rechtsbrüche tatsäch-
lich nachzuweisen. Nur kann dies der „Rechtsstaat" sehr leicht als Volks-
verhetzung auslegen, denn nicht nur die Kirche, auch die Demokratie hat
ihr Inquisitionsrecht und die entsprechenden Handlanger und Helfershelfer.

Wie hätten die katholische Kirche und die hinter ihr stehenden imperiali-
stischen Kräfte anders reagieren können, als sie dann reagierten, wie hätten
sie je den äußerst einfachen und berechtigten Forderungen Luthers nach-
kommen können? War die katholische Kirche doch nicht wegen der in der
Bibel geheuchelten Werte aus der Taufe gehoben worden, sondern bedien-
te sie sich dieser Bibel doch nur zur Täuschung, hinter der sie und die hin-
ter ihr stehenden weltlichen Mächte ihre materialistischen Herrschaftsab-
sichten verbergen und rechtfertigen konnten.

Luther war sicherlich ein überzeugter Christ, kein Philosoph, der sich etwa
eine eigene geistige Grundlage erdacht hatte und die er in die Welt setzte.
Luthers Grundlage war und blieb immer die Bibel. Er stützte sich damit auf
das gleiche Buch und die dort aufgeführten idealistischen Werte, auf die
sich auch die Papstkirche berief. Die Bibel lieferte ihm Maßstab und
Grundlage. Einzig die Bibeltexte waren seine Meßlatte, an der er das Wir-
232

ken der römischen Kirche bemaß. Den Erfolg seiner Kritik verdankte Lu-
ther nicht nur den sich aus seinen geistigen Forderungen ergebenden politi-
schen Konsequenzen, die immer zu einer Machterweiterung der weltlichen
Herrscher führen mußten, sondern auch der starken Resonanz bei den zum
christlichen Glauben geknechteten Massen, die tagtäglich den katholischen
Betrug erleben mußten. Es ist aber kaum anzunehmen, daß Luther nie den
politischen Charakter seiner Arbeiten erkannt hätte, auch wenn es fraglich
ist, ob er je wußte, daß seine Forderungen gegen den eigentlichen Kern und
die wahren Absichten des gesamten Christentums gerichtet waren. Er ver-
langte nichts Geringeres, als daß die zusammengeschusterte und -
geschriebene christliche Lehre sich von ihren materialistischen, insbeson-
dere aber ihren imperialistischen Zielen verabschieden sollte. Er verlangte,
daß die Materialisten ihren Materialismus so weit einschränkten, wie es die
in der Bibel definierten idealistischen Werte zuließen. Was in Luthers Na-
men gefordert wurde, das war eine politische Einschränkung, die in den
nachfolgenden Jahrhunderten alle deutsche Politik bestimmen und leiten
sollte.

Das, was Luther mit seiner Kritik ausgelöst hatte, ging, wenn auch höchst
politisch, weit über das von ihm anfangs Beabsichtigte hinaus. Was jedoch
den Kern seiner Forderungen betraf, die Glaubenswerte über alle materiali-
stischen Werte zu setzen, mußte im imperialistischen Umfeld Roms immer
nackte Illusion bleiben. Und schon hier, bei der damaligen Suche nach den
Gründen für die von Luther kritisierten Entwicklungen der katholischen
Kirche, zeigte sich eine Reaktion, wie sie in der gesamten folgenden Ge-
schichte zur Universalausrede ertappter politischer Betrüger immer wieder
anzutreffen ist: christlich: „Wir sind doch nur schwache Menschen"; de-
mokratisch: „Wir sind zu dumm, wir haben das nicht verstanden". Im Kern
verlangte Luther nichts anderes, als daß die Schöpfer der katholischen Leh-
re auf den Zweck ihrer eigenen Schöpfung verzichteten sollten. Nur, wer
würde solches je tun?

Während sich Luthers Lehre in kürzester Zeit in allen Teilen der germani-
schen Welt verbreitete, dem in England dann bereits 1534 der anglikani-
sche Riegel vorgeschoben wurde (der nicht gegen die materialistisch-
geistigen Verwandten in Rom, wie es der Welt mit einem fast schon an
233

Albernheit grenzenden Scheidungsszenarium des englischen Königs vor-


gegaukelt wurde, sondern gegen die deutsche Reformation gerichtet war),
war Rom gezwungen, sich zur Gegenoffensive zu rüsten, was dann, neben
allen Repressalien, zu nichts anderem führte als zu gesteigerter politischer
Aktivität, zur Aufstockung der Heuchelei und zum Ausbau der Tarnung.

Betrachten wir aber noch einmal kurz die Reaktion Englands. Um zu ver-
stehen, wie diese doch schon als äußerst hochstehend anzusehende Politik
Englands so plötzlich zustande kam, kann vielleicht der Hinweis weiterhel-
fen, daß bereits im Jahre 1520 eine große Händlergruppe aus dem nordita-
lienischen Genua sich auf die Reise nach London begab.

Daß Luther nie die eigentlichen, mit dem christlichen Glauben verfolgten,
Absichten erkannt hat, zeigt auch, wie weit und kunstvoll bereits zu dieser
Zeit die Fälschungsarbeiten im Namen des Christentums gediehen waren.
Die wichtigsten schriftlichen Werke Luthers waren dann

- die 95 Thesen, angeschlagen am 30.11.1517,


- die 1520 von Luther veröffentlichten politischen Schriften,
- die um 1530 vorgelegte Übersetzung der Bibel ins Deutsche,
- die Schrift vom freien Willen eines Christenmenschen an
Erasmus von Rotterdam.

Werden allein Luthers politische Schriften aus dem Jahre 1520 gemeinsam
mit der im gleichen Jahr stattgefundenen Wahl des spanischen Königs Karl
V. zum Deutschen Kaiser betrachtet, die, großteils vom Augsburger Bank-
haus Fugger finanziert, angeblich einzig dadurch zustande gekommen war,
daß der neue Kaiser den Kurfürsten höhere Bestechungsgelder als sein
Konkurrent, der französische König, geboten hatte, so kann man erst die
von Luther angeprangerten Mißstände nachvollziehen.

In diesem Zusammenhang sei noch auf ein anderes Schriftstück hingewie-


sen. Während mit Luthers Schriften der Fuß in eine begrenzte geistige Ei-
genständigkeit innerhalb der christlichen Lehre angehoben wurde, vollen-
dete sich dieser Schritt mehr als 400 Jahre später mit der evangelischen
Kapitulation und dem Freiheitsverzicht im
234

• Stuttgarter Schuldbekenntnis.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses Schriftstück von evangelischen


Kirchenvertretern bereitwillig unterzeichnet, womit die evangelische Kir-
che jeder Unabhängigkeit und Eigenständigkeit abschwor und wieder auf
dem Niveau der Papstkirche angekommen war. Die Dimension dieses al-
lein am eigenen Glauben begangenen Verrates dürfte kaum noch zu über-
steigern sein. Dabei sollte auch berücksichtigt werden, daß die evangeli-
schen Kirchen Vertreter des Jahres 1945 nicht auf dem Wissensstand Lu-
thers verblieben waren. Ihnen muß das gesamte christliche Betrugskonzept
spätestens aus der von ihnen unterzeichneten Forderung selbst erkennbar
gewesen sein. Was diese Kirchenvertreter begingen, das war also nichts
anders als ein direkter Verrat an der eigenen Sache und nicht etwa ein
Fehlschritt aus Unkenntnis. Den endgültigen Schlußpunkt setzte der Luthe-
rische Weltbund im Oktober 1999, als er durch die gemeinsam mit dem
Vatikan unterzeichnete

• „Gemeinsame Feststellung" die Reformation für


ungültig erklärte.

So umschließen die beiden Jahre 1517 und 1945 den Zeitraum, in dem
eine, wenn auch regional begrenzte, sich mit der Zeit immer weiter ab-
schwächende, dabei immer fest im Christentum stehende, Glaubensfreiheit
vorhanden war. Eine direkte Aufrichtung der altgermanischen Werte, die
so kunstvoll in das christliche Glaubensgespinst eingewebt sind, wurde
aber auch von den Protestanten zu keiner Zeit je in Angriff genommen. Zu
sehr stützte sich auch der reformierte landadelige Herrschaftsanspruch auf
das Christentum. Wichtiger aber als das Jahr 1945 - war damals doch nur
etwas aufgegeben worden, an das die Unterzeichner selbst nicht glaubten -
waren die in früheren Epochen immer wieder aufflammenden, von ideali-
stischer Sehnsucht getragenen, deutschen Freiheitskämpfe.

Große und von den Geschichtsfälschern wunderlich dokumentierte Macht-


kämpfe bestimmten das Bild des ausgehenden 11. Jahrhunderts und
erstreckten sich über alle folgenden Jahrhunderte. Die beiden Jahrhunderte
vor Luther begannen 1254 mit der kaiserlosen Zeit, der angeblich 70-
235

jährigen Residenz des katholischen Papstes im französischen Avignon seit


1307 - wobei der Papst selbst, bei seiner im Jahre 1377 erfolgten „Rück-
kehr" nach Rom, dies als ein Hirtendorf beschrieb -, gefolgt vom Schisma,
den Zeiten, in denen mehrere Päpste nebeneinander herrschten, bzw. jeder,
der mächtig genug war, seinen eigenen Papst ins politische Rennen schick-
te. Diese Entwicklung wurde begleitet von der europaweiten Einführung
der anderen Schöpfungen der Pariser Universität. Die eigentliche Reaktion
der katholischen Kirche auf die geistige, von Luther ausgearbeitete, politi-
sche Erhebung der deutschen Fürsten erfolgte dann mit der Gründung des
Jesuitenordens.

Luther und seiner Reformation ist es nicht zuletzt dank der damals neuen
Buchdrucktechnik gelungen, sich erstmals, und da er sich auf die Bibel
beziehen konnte, auch vom Glauben her nicht angreifbar, gegen die auf
Glaubens- und Geistesdiktatur gestützte Machtpolitik der römischen Kir-
che aufzulehnen und seine Ideen relativ schnell in allen Volksschichten zu
verbreiten. War Luther also in Wahrheit nicht ein Glaubensreformer, son-
dern viel eher ein deutscher Freiheitskämpfer? Ein Kämpfer für die Unab-
hängigkeit Deutschlands aus dem machtvollen Griff der Papstkirche? Denn
wäre es allein nur um einen „sauberen Glauben" gegangen, weshalb hätten
ihm dann jemals irgendwelche deutschen Fürsten folgen sollen? Einzig die
Tatsache, daß Luther sich auf die Kritik der Kirchenpraxis mit in der Bibel
geschriebenen Texten beschränkte, woraus dem führenden weltlichen Adel
in Deutschland zumindest eine Steigerung der politischen Unabhängigkeit
erwachsen mußte, verhalf der Reformation überhaupt zu ihrem Durch-
bruch. Die Entwicklung der lutherischen Reformation wirft aber auch ein
helles Licht auf Werte, die dereinst dem Templerorden zueigen waren.
Denn sein geistiger Kern — und nicht nur sein Silbervermögen - hatte sich
längst im Deutschen Reich niedergelassen. Jede weitergehende Kritik oder
Veränderungsforderung über die christliche Lehre hinaus hätte Luthers
ganze Arbeit zum Scheitern bringen müssen, weil er dann offen gegen die
gesamte materialistische Herrschaftsordnung aufgetreten wäre, womit die
Reformation niemals stattgefunden hätte.

Resultat und Antwort auf Luther waren die Bauernkriege, die nichts anders
als Unternehmungen von Leuten waren, die von der eigentlich verfolgten
236

Reformations-Politik nicht die geringsten Kenntnisse hatten, denen dann,


einhundert Jahre später, der 30-jährige Krieg folgte! Als einer der wesent-
lichen Gründe für das Ausbrechen der Bauernkriege wird die Einführung
des „Römischen Rechts", die „Rezeption", genannt, die in Wahrheit nichts
anderes als eine Enteignung der Bauern darstellte. Dies aber ist nur die
eine Seite der Medaille. Die andere, die Gegenseite der Herrscher, zeigt
das eigentliche Dilemma. Sie waren zwar gern bereit, die sich aus der Leh-
re Luthers ergebende Steigerung der eigenen politischen Unabhängigkeit,
also eine Machterweiterung, entgegenzunehmen, ihr Herrschaftsanspruch
aber, der sollte nicht zur Disposition stehen. Gern und bereitwillig nahm
der Adel die Erweiterung der eigenen Freiheit und die römisch-rechtlich
begründeten Gewinne entgegen. Ja, selbst die ihnen aus Rom angebotene
gefälschte Geschichte wurde bereitwillig entgegengenommen und mög-
lichst noch verfeinert und ausgebaut. Was aber tunlichst unterlassen wurde,
das war, die Freiheiten auch an das Volk weiterzugeben. Dieses wurde
über das neue römische Recht sogar noch weiter ausgepreßt, womit der
deutsche Landadel wieder einmal seine wahren Nehmerqualitäten demon-
strierte. Wo sich der Adel über die Reformation aus den Klauen der römi-
schen Kirche befreien konnte, da hatte er seinem, längst zu Untertanen
herabgesunkenen, Volk nur das neue römische Recht anzubieten. Machtpo-
litisch schuf die Reformation Luthers Freiheitsräume, die aber vom herr-
schenden Adel einzig für sich selbst beansprucht wurden.

Im Volk erweckten die freiheitlichen Gedanken der Reformation alte Sehn-


süchte, die in den Bauernkriegen dann ihr Ende fanden. Das Christentum
und die Freiheit zeigten also schon zu den Zeiten der Reformation ihre
völlige Unvereinbarkeit. Wer die Bibel, im eigentlichen Sinne ein Buch der
Knechtschaft, akzeptiert, der kann zwar von der Priesterschaft ideelle Wer-
te einfordern, muß dabei aber immer auch eine weltliche Herrschaft
akzeptieren. Denn beides ist in diesem Buch der Macht untrennbar
miteinander verknüpft.
237

3.14 Der 30-jährige Krieg und seine politischen Konsequenzen

Wurde der 30-jährige Krieg von den Habsburgern wegen des Glaubens
geführt oder doch nur deshalb, um, von der römischen Machtkirche mit
allen Mitteln unterstützt, per Kaisertitel vorab belohnt und vom 1534 ge-
gründeten kirchlichen Polit-Orden der Jesuiten strategisch und taktisch
beraten, nun auch die, trotz intensiver „Gegenreformation" noch immer
reformierten, deutschen Gebiete wieder dem wahren Glauben und seinem
Papst-Kaisertum zu unterwerfen? War es ein erneuter machtpolitischer
Versuch zur Errichtung einer Herrschaft des „Heiligen Römischen Reiches
(über die) Deutscher Nation"? Eine Wiedererrichtung einer umfassenden
habsburgisch-kaiserlichen Herrschaft, die sich dank der Reformation auf-
zulösen begonnen hatte? Der Habsburger Ferdinand nichts anderes als ein
Kompagnon des Papstes, nachdem zuvor die deutsche Kaiserwahl abge-
schafft und durch die im Hause Habsburg erbliche Kaiserwürde ersetzt
worden war? Ein Interessenbündnis zwischen Papst und Habsburger Kaiser
zur gemeinsamen Beherrschung Kontinental-Europas? War der angezettel-
te 30-jährige Krieg nichts anderes als der letzte Versuch des Papst-
Kaisertums, um mittels der Unterwerfung der immer unabhängiger gewor-
denen reformierten deutschen Fürstentümer ein so gewaltiges Machtgebil-
de zu schaffen, auf dem sich irgendwelche Weltbeherrschungsträume wür-
den verwirklichen lassen? Wenn dies damals nicht nur geträumt, sondern
konkret geplant worden sein sollte, so scheiterte auch diese Anmaßung
zum wiederholten Male an den Widerständen deutscher Menschen und
ihrer Fürsten, die zur Erhaltung ihrer über die Reformation gewonnenen
neuen Freiheiten und Unabhängigkeit bereit waren, diese mit allen Mitteln
zu verteidigen. Daß dieser Krieg dann zu einem Vernichtungskrieg entarte-
te, dem annähernd dreiviertel des Deutschen Volkes zum Opfer fiel, das
lag mit Sicherheit nicht an denen, die ihre Unabhängigkeit defensiv vertei-
digten, sondern einzig an denen, die diesen Krieg zunächst zur Unterwer-
fung begonnen hatten, um ihn dann zur Vernichtung weiterzuführen.

Der Habsburger Kaiser Ferdinand I. entschied sich, nachdem die Papstkir-


che trotz aller Inquisition und Ketzerverbrennungen (mit dem Ergebnis von
238

9 Millionen Toten in Europa) große Teile der Macht in Deutschland mit


der Reformation wieder verloren hatte, die über die anschließende soge-
nannte Gegenreformation nur teilweise zurückgewonnen werden konnten,
zu einem letzten Anlauf, um endlich dieses widerspenstige und freiheits-
liebende deutsche Wesen in den Griff zu bekommen. Und dies nach dem
Motto: koste es die Deutschen, was es wolle.

Unter der Vortäuschung, den wahren Glauben wieder zur Geltung bringen
zu wollen, wurde der 30-jährige Krieg angezettelt. Wie später der Erste
und Zweite Weltkrieg gezeigt haben, werden Kriege fast immer nur unter
der Vortäuschung ideeller Ziele inszeniert, was sogar soweit gehen kann,
daß ein allein schon über die gemeinsame Interessenlage gleichgeschaltetes
Plutokratenregime vorgibt, für die (ihm so völlig fremde) Freiheit Krieg
führen zu müssen. Letztendlich wurde auch 1618 kein Glaubenskrieg, son-
dern ein imperialistischer Krieg um Macht und Herrschaft begonnen. Wie
und mit welchen Mitteln er geführt wurde, das zeigt besonders deutlich die
Kriegsführung selbst. Immer haltloser werdende Menschenmassen, zu-
sammengezogen in sogenannten Landsknechtsheeren, die sich nur mit der
Genehmigung zu Plünderung und Raub haben anwerben und zum Kampf
bewegen lassen, bestimmten den Kriegsablauf. Wie sehr der Krieg insbe-
sondere von der katholischen Seite menschenverachtendsten machtpoliti-
schen Zielen diente, zeigte sich nicht zuletzt in der Ermordung des eigenen,
einen Ausgleich mit der protestantischen Seite suchenden Feldherrn Wal-
lenstein. Spätestens mit diesem Mord zeigt sich auch, daß die katholische
Führung eher bereit war, eine völlige Zerstörung des so widerspenstigen
Deutschlands und eine möglichst weitgehende Ausrottung deutscher Men-
schen zu akzeptieren, als einen unabhängigen Weiterbestand dieser Men-
schen und ihrer Nation außerhalb der päpstlich-geistigen Abhängigkeit
zuzulassen. Was in späteren Zeiten die Bombardierung Dresden symboli-
sierte, das hatte seinen Vorläufer in Tillys Zerstörung der Stadt Magde-
burg. Beiden lag der gleiche Gedanke Zugrunde: die Vernichtung deut-
scher Menschen und die Zerstörung deutscher, in Städten und Häusern
aufgebauter, Identität, womit dann auch die Grundlage für die Anonymität
und menschliche Leere der heutigen Häuseransammlungen erst geschaffen
wurde.
239

Wenn Deutschland künftig schon außerhalb des päpstlichen Einflusses


stehen würde, wenn die Kraft Deutschlands nicht der vollstreckende Ann
der katholisch-habsburgischen Machtinteressen sein wollte, so durfte
Deutschland künftig überhaupt keine Macht mehr darstellen.

Allein wenn es gelang, alle, insbesondere die noch immer der längst unter-
gegangenen germanische Ordnung so verbundenen, Widerstände
auszuschalten, wenn der gesamte mitteleuropäische Raum zum
machtpolitisch unbedeutenden Spielball gemacht werden konnte, dann
mußte sich daraus auch für das Haus Habsburg in seiner bestehenden
Konstitution (wie auch für alle anderen Mächte) eine gewaltige
Aufwertung ergeben (auch bekannt als die Relation zwischen den Blinden
und dem Einäugigen, die sich beide dadurch aufwerten, indem sie
gemeinsam den Beidäugigen erschlagen).

Tatsächlich wurden während der Jahre zwischen 1618 und 1648 zwei Drit-
tel bzw. dreiviertel des Deutschen Volkes ausgerottet. Eine
Vernichtungsleistung, die weltweit niemals mehr in einer Aktion erreicht
wurde. Da dies nicht in kürzester Zeit, sondern über 30 Jahre erfolgte,
womit also alle entscheidenden und verantwortlichen Figuren und
Organisationen in diesem Völkermord genügend Zeit hatten, die
fortschreitende Entwicklung im voraus erkennen zu können, sie aber alle
nicht gewillt waren, das grenzenlose Gemetzel zu verhindern, so muß
allein schon daher jeder und jede von ihnen für alle Zeiten als das gebrand-
markt werden, was sie waren und was sie in ihrer heutigen Form noch
immer sind:
weltanschaulich verwirrte Totschläger der Menschheit!

Auf der Grundlage dieser so kurz als möglich gehaltenen Aufarbeitung


eines nicht eben kurzen geschichtlichen Zeitraumes, der vom Jahre 113
v.d.Ztw. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts reicht, also fast 1700 (selbst
wenn die erfundenen 300 Jahre abgezogen werden, sind es noch immer
1400) Jahre umfaßt, mag nun jeder Interessierte sich mit der daran an-
schließenden Entwicklung Preußens beschäftigen. Vielleicht läßt sich auf
der hier vorgelegten Grundlage die Einmaligkeit und das Besondere dieses
Staates besser verstehen. Zu beachten wird auch sein, daß Preußen, nach-
240

dem es nicht nur trotz, sondern gar mit dem reformierten christlichen
Glauben seine Entwicklung genommen hatte, sich der (in England entwik-
kelten) Konfrontation und Unterwanderung eines neuen, aber wiederum
vom Materialismus konstruierten, Glaubens und Wunderheilmittel, dem
marx'schen internationalen Sozialismus, ausgesetzt sah. Nicht nur der im-
mer internationale Herrschaftsanspruch des Christentums, auch der gleiche
internationale Anspruch des materiellen Sozialismus wurden, sowohl nach
dem Ersten, als dann noch weitaus verstärkter nach dem Zweiten Weltkrieg
zu den parteipolitischen Säulen, auf denen sich die über politisch-
materialistische Machtmittel so einzigartig steuerbare, demokratische
Staatsform im vernichteten Deutschland etablieren konnte (bzw. installiert
wurde).
241

3.15 Zusammenfassung und einige Schlußfolgerungen

Sollten Sie, lieber Leser, bisher die ansonsten übliche Liste derer vermis-
sen, die zitiert werden, bzw. von denen abgeschrieben wurde, so will ich
mich hier für diese Unterlassung entschuldigen. Ich habe, mit Ausnahme
der mehr oder weniger bekannten Fakten, leider nur die wenigen Erwähn-
ten gefunden, ansonsten aber niemand, von dem ich hätte abschreiben kön-
nen, was natürlich auch an meiner Unbelesenheit liegen kann.

Die gesamte menschliche Geschichte endlich wissenschaftlich aufzuarbei-


ten, was letztlich nichts anderes bedeuten würde, als sie komplett neu zu
schreiben, das war nicht die hier gestellte Aufgabe. Solches soll denen
überlassen bleiben, die bis heute vorgeben, sich dieses Gebiet zur Wissen-
schaft gemacht zu haben.

Der Bedarf nach wirklichem Wissen auf diesem Gebiet ist mehr als nur
erheblich, er ist für die Menschheit überlebenswichtig.

Den größten Beitrag dazu könnten natürlich die liefern, die das gesamte
Wissen in ihren Archiven verborgen halten, die römisch-katholische Kir-
che und der Vatikan. Nur müßten sie dazu das sein, oder endlich das wer-
den, was sie zu sein vorgeben, und nicht weiterhin nur als christlich-
heuchlerische Tarnkonstruktionen für machtpolitische und menschenver-
achtende Interessen agieren. Auf der anderen Seite wäre eine solche Öff-
nung der kirchlichen Archive aber gleichbedeutend mit deren organisatori-
scher Selbstauflösung, denn einzig Täuschung und Betrug sichern die Exi-
stenz der christlichen Lehre und ihrer Herrschaftsstrukturen.

Die wahre menschliche Geschichte wird den letzten verzweifelten Ret-


tungsanker aller christlichen Machtstrategen kappen, der da lautet: Allein
schon in der Verhinderung des materialistischen Chaos liegt die tatsächlich
„seligmachende" Wirkung und Aufgabe der christlichen Kirche. Aber
selbst das ist falsch, wie die Geschichte es belegt. Es verhält sich genau
umgekehrt: Erst die Überwindung der christlichen Terror- und Betrugsleh-
242

re, was dem Ausmerzen des größten Übels und Wahns auf Erden gleich-
kommt, schafft nicht etwa das Chaos, sondern ist die Voraussetzung für die
Überwindung der materialistischen Werte- und Geisteswelt, um jenseits
von ihr endlich menschlich-freiheitliche Gemeinschaften und Lebens-
ordnungen bilden zu können!

Wer die gesamte, bis in den heutigen Tag reichende, menschliche Ge-
schichte und ihre Zusammenhänge, ja wer selbst ihre verfälschte Darstel-
lung verstehen, wer sich selber und seine natürliche Bestimmung finden
will, der kann dies nur dann erreichen, wenn er politisch denkt; eben so,
wie die Urheber aller Verfälschungen! Denn zu allen materiellen Zeiten
wird und wurde die Entwicklung von Politikern gestaltet!

Sollte die Geschichte endlich neu geschrieben werden, so würde sich viel-
leicht die folgende Gliederung anbieten:

1. Die Entwicklung der freien germanischen Lebensordnung aus


vorgeschichtlicher Zeit
2. Der Zusammenstoß mit dem römischen Imperium und dessen
Flucht
3. Die europaweite Ausdehnung der germanischen Lebensordnung
4. Der gesellschaftspolitische Wandel Konstantinopels
5. Die Befreiung des Orients durch den Islam
6. Die jüdisch/christliche Reorganisation Konstantinopels und die
Entstehung der konzeptionellen Politik, wie sie später von Ma-
chiavelli beschrieben wurde.
7. Der Untergang des freien germanischen Abendlandes und dessen
politische und sprachliche Aufteilung
8. Die Bildung eines Schutz- und Trutzbündnisses der deutschen Für-
sten unter einem Wahlkaiser, wie es die „Goldene Bulle" doku-
mentiert
9. Die Reorganisation Westeuropas und des Templerordens:
Die Auflösung des Ordens und die Bildung des französi-
schen Königreiches
243

Die Konzeption der katholischen Lehre mit der germanen-


nahen und judenfeindlichen Umgestaltung des Neuen Te-
staments
Die Schaffung der katholischen Führungsstrukturen
Die Entwicklung des römischen Rechts
Die Auslöschung der Europäischen Geschichte und ihre do-
kumentarische Neuentwicklung
Die Verlagerung des Zentrums des Templerordens nach
Ostpreußen unter Mitnahme der geistigen Ordenswerte und
des mobilen Templervermögens, wo sich in der Folgezeit der
Staat Preußen entwickelte.
10. Die Auflösung des deutschen Wahlkaisertums und der Zusammen-
schluß von katholischem Papst und deutschen Fürsten unter einem
neuen Erbkaiser in einem „Heiligen Römischen Reich Deutscher
Nation".
11. Der Konflikt zwischen materialistischem Mißbrauch und geistiger
Erhaltung der neuen rechtgläubigen Lehre als Grundlage der Le-
bensordnung tritt in Luthers Reformation offen zu Tage.
12. Die Auflösung Konstantinopels und politische Neuorientierung der
norditalienischen Händler-Plutokraten, was zu deren Anschluß an
die geistigen Strömungen führt, die ihre Politik frei von jeder
christlichen Einschränkung betreiben.
13. Die von diesen Kräften betriebene Unterwerfung der Länder des
Deutschen Reiches, was nach einem 30-jährigen Krieg mit dessen
völliger Vernichtung endet.

Damit würde dann zumindest schon einmal der Vorhang beseitigt, der heu-
te noch vollständig die Zeit von 192 - 1096 n. Chr. überdeckt, und auf
dessen Oberfläche ein Kunstbild aufgezeichnet ist, wobei der Vorhang in
der Art zugezogen wurde, daß von der einen Seite die Zeit des antiken rö-
mischen Imperiums und von der anderen der Zeitraum vom Untergang der
germanische Ordnung nach 1096 soweit aufeinander zu gezogen und damit
verlängert wurden, bis sie um das Jahr 500 gegeneinanderstießen. Um die-
se Manipulation noch weiter zu tarnen, wurde selbst davor nicht zurückge-
schreckt, diesen Zeitraum noch um 300 Jahre zu verlängern.
244

Sollten Ihnen, lieber Leser, wenn vielleicht auch nicht erst jetzt, die Fragen
unter Ihrer Zunge immer drängender werden, Fragen wie: Ja aber, ja aber,
wo sind denn die Dokumente, wo die Beweise für dieses veränderte Ge-
schichtsbild, wie sie jedes gut-materialistische Recht fordert?, so können
Sie gern versuchen, solche in den geheimsten Archiven dieser Welt ausfin-
dig zu machen, oder Sie machen es genau so wie die, die Ihnen Ihr bisheri-
ges Geschichtsbild mitsamt der weltanschaulichen Brille „auf's Auge ge-
drückt" haben: schreiben Sie sich alle benötigten Dokumente doch einfach
selber.

Der Schlüssel zur Beantwortung vieler Fragen der Menschheitsgeschichte


liegt im Zeitraum vom Beginn des 11. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts,
in dem sich die der Antike entstammenden Plutokraten über den von ihnen
erfundenen christlichen Zwangsglauben, durchgesetzt mit der brutalen und
menschenverachtenden Gewalt von Krieg und Inquisition, den Weg zur
Beherrschung Europas ebneten, wozu sie auch die geistigen Werte der
Renaissance und des Humanismus in die Welt setzen ließen. Erst als die
wahren materialistischen Absichten die geheuchelten ideellen Werte immer
offener zurückdrängten, als Luthers Wirken der allgemeinen und sicherlich
auch vom Templerorden geförderten Empörung einen Weg schuf, fand die
erste Christianisierungsphase ihren Abschluß. Die Phase der Entstehung
von Bibel, Juden- und Christentum und den folgenden Machtkämpfen des
(ost-)römischen Plutokratenkaisers, seines („deutschen") in Italien residie-
renden Vize-Kaisers, beide militärisch verstärkt durch den Templerorden,
gegen das von der Großgemeinschaft der germanischen Lebensordnung
fast gänzlich überzogene, freie Europa. Die Nutzung des Christentums
durch den neuentstandenen europäischen Landadel, der durch seinen Zu-
sammenschluß in Deutschland das orientalische Papst-Kaisertum um sei-
nen innerdeutschen Einfluß brachte, was dann, in Verbindung mit der Auf-
lösung des Templerordens, zum tatsächlichen Grund für das Werden der
„rechtgläubigen" wie auch der „protestantischen" Wandlung der christli-
chen Lehre wurde.

Das Jahr 1534 lieferte dann zwei Entscheidungen, die regional zwar weit
auseinander lagen, die aber über eine verblüffende tendenzielle Einheit-
lichkeit verfügten. Die Loslösung Englands von der päpstlichen Bevor-
245

mundung und die Gründung des Jesuitenordens. Während die anglikani-


sche Kirche der Entwicklung des christlichen Glaubens in England eine
eigene Richtung gab, die bestens geeignet war, den von der englischen
Politik ausgehenden imperialen Machtanspruch und seine Ausweitung mit
den Glaubenswerten in Einklang zu bringen, womit parallel aber nicht nur
der päpstliche Einfluß, sondern mit ihm auch die Kritik Luthers und folg-
lich auch die Reformation ausgeschlossen werden konnte (womit sich die
Politik Englands letztlich vom Einfluß beider Templer-Gruppen gelöst
hatte), festigte die Reformation in Deutschland christliche Werte, die der
germanischen Art so nahe standen, daß somit alle künftige deutsche Politik
gezwungen war, sie zu berücksichtigen. Diese unterschiedliche Gestaltung
des Christentums in der deutschen, der habsburgisch-französischen und der
englischen Politik zeigte ihre finalen Konsequenzen, als es an die endgülti-
ge Entscheidung ging. Als das englische Imperium Ende des 19. Jahrhun-
derts zur Weltbeherrschung, die noch weit über das bestehende Kolonial-
reich hinausging, rüstete, wozu sowohl Deutschland als auch Habsburg-
Frankreich ausgeschaltet werden mußten. Während die deutsche Politik,
durch ihre christlich-idealistische Bindung in Denken und Handeln immer
sittlich eingeschränkt, im alten Schutz- und Trutzdenken verhaftet geblie-
ben war, lieferte die einzig im Dienste des menschenverachtenden imperia-
listischen Materialismus stehende englische Version des Christentums
diesem, wie auch der habsburgisch-französischen Politik, neben der Recht-
fertigung auch die volle Handlungsfreiheit für jede Art von politischer
Machenschaft.

Welche hohe Qualität die englische Politik bereits zum Zeitpunkt des von
ihr geplanten Ersten Weltkrieges erreicht hatte, das zeigt sich allein aus
den tatsächlichen Siegern dieses Krieges, den anglo-amerikanischen Händ-
ler-Plutokraten, die mit höchstem „Patriotismus" zunächst ihre Staaten
okkupiert hatten, um während des Krieges Frankreich finanziell ausbluten
zu lassen und begleitend Rußland auf den Kopf zu stellen, um dann, nach
dem siegreichen Abschluß, die deutsch-österreichische Zweckgemeinschaft
sowohl mit der Schuld als auch den Kosten des Krieges zu belasten.

Heuchelei und Geschichtsfälschung war zu allen Zeiten das probateste


Mittel, um menschlichen Freiheitswillen und Freiheitskampf möglichst gar
246

nicht erst aufkommen zu lassen, und wenn dies nicht gelang, ihnen doch
zumindest die falsche Richtung zu weisen. Immer sind es imperialistische
Machtstrukturen, die gezwungen sind, geschichtliche Informationen zu
manipulieren, wären sie ansonsten doch dauerhaft genötigt, ihre Gewalt-
herrschaft offen zu betreiben. Geschichtsfälschung war und ist das zentrale
Täuschungsmittel aller imperialistischen Gewaltherrschaften! Dies gilt
auch heute für die US-amerikanische Herrschaft und nicht minder für die
mit ihr verknüpften bundesrepublikanischen Heloten. Seit den Zeiten der
altorientalischen Imperien, gefolgt vom antiken Rom, ist das materialisti-
sche Herrschaftsdenken immer gleich geblieben. Seine „Aufwertung" auf
das noch heute gültige politische Niveau erfolgte dann durch die Händler-
Plutokraten in Konstantinopel, die sich nicht nur einen eigenen Glauben,
sondern auch ein eigenes Volk erfanden, ja, die sogar soweit gingen, einen
weltanschaulichen Zwangsglauben für ihre Knechte zu erfinden.

Wer die menschlich individuelle Freiheit will, wird sie nur jenseits dieser
Weltanschauungen und jenseits jedes allein materiellen Denkens finden
können.

Die heute bekannte menschliche Geschichte ist in ihren großen Tendenzen


die Geschichte imperialer Beherrschungsanstrengungen, die ihre weltan-
schaulichen Grundlagen aus der Antike übernommen haben. Seit Jahrtau-
senden immer das gleiche Bestreben. Hollywood nannte dies einmal: Zu-
rück in die Zukunft. Nur von Zeit zu Zeit wurde diese Entwicklung unter-
brochen, entweder von imperialistischen Verteilungskämpfen (zumindest
bis zu dem Zeitpunkt, als die Plutokraten sich darauf einigten, ihre gleich-
gelagerten Interessen untereinander demokratisch zu regeln und zu koordi-
nieren) oder von Ausbrüchen eines Freiheits-, Überlebens- und Unabhän-
gigkeitsdrangs, von der Gegenwehr einzelner Völker. Gegenwehr und
Kämpfe, die immer von idealen Werten, zumindest aber dem Willen nach
Unabhängigkeit und Freiheit getragen wurden. Werte, denen die Germanen
und auch ihre deutschen Nachkommen seit uralten Zeiten immer sehr nahe
standen, und denen sich auch die Völker des Orients mit ihren islamischen
Regeln weit näherten. Während die Versuche anderer Völker oft allein an
der fehlenden Tiefe und „Pflege" der ideellen Sehnsucht scheiterten, ihr
Freiheitsdrang in Sinn und Bedeutung verkehrt und als Ansatzpunkt für
247

andere machtpolitische Machenschaften, Täuschungen und Betrügereien


ausgenutzt und mißbraucht wurde, erforderte das von den Nachfolgern des
Templerordens gestützte idealistische deutsche Streben nicht nur einen 30-
jährigen Vernichtungskrieg, sondern auch zwei ihm aufgezwungene Welt-
kriege mit allen bis in die heutigen Tage reichenden Fortsetzungen. Nur
besagt dies nicht, daß die dereinst über große Teile Europas verbreitete,
sogenannte deutsche Art, das deutsche Wesen, außerhalb Deutschlands
unbekannt und ungefühlt war und ist, sondern es besagt nur, daß es außer-
halb Deutschlands nie gelungen ist, je eine dem eigenen idealistischen
Wesen verpflichtete Herrschaft aufzurichten. Dies nicht zuletzt schon des-
halb, weil dort das Heer der jüdischen Herrschaftsberater außerhalb
Deutschlands immer weitaus größer und auch einflußreicher war. Nur,
ohne Preußen und die in ihm gepflegten christlich-idealistischen Werte,
deren germanische Anteile dem Templerorden entstammten, hätte auch das
deutsche Wesen die Zeiten nicht so gegenwärtig überdauern können.

Selbst die sich in alle Teile der Welt zerstreuende, zuvor zum jüdischen
Volk erhobene, Bevölkerung Konstantinopels zeigt in ihrer darauffolgen-
den Entwicklung, daß die führenden, bereits seit 1307 christlich dominier-
ten, plutokratischen Kräfte bereits sehr frühzeitig erkannt hatten, worauf zu
achten war: Nicht nur, daß sie zu allen Zeiten die Nachkommen all der
Stämme, die sich trotz aller Manipulationen von ihrem ererbten Idealismus
nicht lösen konnten, in alle möglichen Kriege und Aktionen gegeneinander
stellten, sondern auch, daß sie ihre einzigen wirklichen Helfer, die Nach-
folger der aus Konstantinopel verflüchtigten Bevölkerung, vererbungsseitig
und geistig gegen jeden idealistischen Einfluß abschotteten. So mußten
diese, ganz gleich in welchem Elend, in Gettos leben, und jeder Ausbruch
daraus, jede Integration mit dem meist christlich gewordenen Gastvolk,
wurde als größte jüdische Sünde gebrandmarkt. Nur durch diese Konser-
vierungsmethode, mit der das materialistische Wesen Roms und Konstanti-
nopels über die Zeit gerettet wurde, konnte es je gelingen, daß die materia-
listisch-plutokratischen Führungskräfte zu allen Zeiten auf ein für ihre
Zwecke im Wesen hochqualifiziertes Potential zurückgreifen konnten.
Nicht etwa eine Rasse wurde auf diese Weise bis heute erhalten, sondern
das Wesen der einstig in Konstantinopel ansässigen Bevölkerung!
248

Einen Großteil davon dann, nachdem der letzte staatlich organisierte Wi-
derstand der von der germanischen Ordnung vorgeprägten Idealisten 1945
zerstört war, in der Region des Islam als materialistische Speerspitze anzu-
siedeln, war nur eine machtpolitisch logische Konsequenz. Galt es doch in
der Folgezeit, nach der völligen Zerstörung aller Reste der germanischen,
nun auch die dort über den islamischen Glauben zusammengehaltenen
Gemeinschaften zu liquidieren.

Wie psychologisch liquidiert und umgewertet wurde und wird, das zeigt die
schleichende, dabei stetige Aufwertung der charakterlichen Eigenschaften,
wie sie Rom und dessen Nachfolgeimperium in Konstantinopel hervorge-
bracht haben. Materielle Gier, Betrug, Täuschung, Korruption, Unter-
drückung und Ausbeutung werden mit allen Mitteln der Desinformation
und der Umdeutimg als ganz normale menschliche Eigenschaften dekla-
riert - der Mensch muß als von Geburt an schlecht bzw. „sündig" darge-
stellt werden -, so daß die vormals in Konstantinopel gepflegten Eigen-
schaften zwischenzeitlich bedenkenlos von vielen derer, die stets heftiger
um ihr Überleben oder um ihren Anteil an der zur Verteilung stehenden
Korruptionsmasse kämpfen müssen, meist, ohne dies überhaupt zu bemer-
ken, einfach zur eigenen Motivation übernommen werden.

Auf dem tatsächlichen Bild der menschlichen Geschichte kann nun auch
die aktuell-politisch seit Jahrzehnten laufende Entwicklung verstanden
werden, mit der nicht nur die Bundesrepublik, sondern ganz Europa der
sogenannten Zuwanderung geöffnet wurde, wobei das Hauptaugenmerk
insbesondere darauf gerichtet war und ist, beide idealistischen Gruppen,
die islam- und die germanischgeprägte, möglichst in direkte Konfrontati-
onspositionen zu bringen, wobei das Ziel aller dieser Menschenverschie-
bungen erst dann erreicht sein dürfte, wenn spätestens mit der EU-
Aufnahme der Türkei alle Dämme brechen werden.

Die heute bekannte menschliche Geschichte, insbesondere aber die Ge-


schichte des germanischen Volkes und mit ihm auch die der deutschen
Stämme, die Ursprünge, die gesamte Entwicklung wie auch die Geschichte
seiner verschiedenen Erhebungen gegen die von innen und außen wirken-
den imperialen Interessen, stellt ein vielfältig zusammengefälschtes Mach-
249

werk dar, das selbst noch von den heute herrschenden Kräften benötigt
wird, würde ansonsten doch weitaus mehr von den wahren Abläufen der
Geschichte, insbesondere der gesamtgermanischen und auch der deutschen
Geschichte, längst Allgemeinwissen sein. Wer die wahrhaftige deutsche,
wer die wahrhaftige europäische Geschichte sucht, der wird, ausgehend
von der Erforschung ihrer Ursprünge, immer dort die Lupe anlegen müs-
sen, wo die Fälschungen am widersprüchlichsten und am dichtesten sein
müssen: bei den europäischen, insbesondere auch bei deutschen Befrei-
ungsbemühungen. Bei der „Missionierung" des Abendlandes, bei der Auf-
lösung des Templerordens, bei Luther, den Bauernkriegen, dem 30-
jährigen Krieg, den Befreiungskriegen gegen die imperialen Anstrengun-
gen Napoleons, oder in den Kriegen des plutokratisch beherrschten, ach so
christlichen Anglo-Amerikas, das den Ersten und den Zweiten Weltkrieg
angezettelt hat. Auch alle Kämpfe gegen das römische Papsttum und seine,
hinter nichts anderem als nackter Heuchelei verborgenen, Einflüsse, ob von
Bismarck oder anderen unternommen, waren nichts anderes als Kämpfe
zur Wiedererringung der lange verlorenen und heute so vermißten geistigen
Freiheit.

Wie immer bei allen geschichtlichen Forschungen und Wahrheiten kann


deren Sinn nicht allein nur in ihnen selbst liegen. Das Wichtigste aller
Wahrheiten zu vergangenen Entwicklungen kann nur als Wissensgrundlage
Verwendung finden, die zur Vermeidung künftiger Fehlentwicklungen
herangezogen werden sollte.

Daß das germanisch-deutsche Volk so häufig dezimiert, in seiner eigen-


ständigen Entwicklung zurückgeworfen, unterjocht und für andere Interes-
sen mißbraucht wurde, ist zumindest für jeden Deutschen schmerzhaft.
Sein Freiheitsdrang zeigt aber auch den einzigen Weg - deutlich bestätigt
durch die vielfältigen Verleugnungen und Umdeutungen, verbunden mit
dem anhaltend gegen den Deutschen Geist und das Deutsche Wesen ge-
führten Unterdrückungskampf -, der zur endlichen Befreiung aller nach
Freiheit, eigener Kultur und Zukunft strebenden Völker aus den machtgie-
renden Klauen der von einem aus der Antike übernommenen Machtstreben
besessenen, imperialistischen, plutokratischen Händlerkaste geboten ist.
250

Und dort, wo die geistige Kraft nicht mehr ausreicht, dort kann man sich an
den Aufbauerfahrungen des Islam orientieren.

Noch etwas zeigt sich aus der wahrhaftigen Geschichte: so lange es noch
Nachkommen der Germanen gibt, solange es das idealistische Wesen gibt,
so lange wird es immer wieder zu Versuchen kommen, Leben und Ordnung
so zu gestalten, daß sie sich im Einklang mit ihren althergebrachten Werten
und Sittlichkeiten befinden. Das Leben in der Betrugswelt der Imperiali-
sten, ob sie auftreten als imperiales Rom, als römische Papstkirche, als
Kaiser von Gottes Gnaden, als kapitalistisches englisches und/oder ameri-
kanisches Empire der Händler-Plutokraten, als „friedenstiftende" Weltre-
gierung unter UNO-Mandat oder auch als materieller Bolschewismus, wird
auch dem Deutschen Volk auf Dauer nicht möglich sein. Müßte doch jeder
irgendwann an seinen inneren Widersprüchen zu Grunde gehen. So ist
auch der alte Ausspruch zu verstehen: am germanischen (nicht nur am
deutschen) Wesen kann die Welt genesen. Nur wird heute das kann immer
dringlicher zu einem muß, wenn sich die Menschheit in ihrer Gesamtheit
nicht in naher Zukunft von dieser Welt verabschieden will.

Nur die Kenntnis von den Mechanismen der materiellen - und damit auch
immer imperialistischen - Herrschaftssysteme und ihren politischen Mitteln
und Methoden, in Verbindung mit dem ihnen konträr gegenüberstehenden
menschlichen Streben nach idealistischen Zielen und Vollkommenheiten,
kann den Völkern ihre verlorene Unabhängigkeit und Eigenständigkeit und
damit auch dem einzelnen Menschen seine volksgebundene Freiheit zu-
rückbringen, kann ihn wieder Mensch werden lassen.

Was wurde aus dem alten, christengöttlich geadelten, imperialen Machtan-


spruch? Zunächst verschwand nicht nur das politische British Empire, auch
fanden nicht nur die imperialen staatlichen Erweiterungen der USA ihren
schnellen Abschluß zum Anfang des 20. Jahrhunderts, selbst das sowjeti-
sche Imperium löste sich in den 80-er Jahren mit dessen Überführung in
die Plutokratie in viele Einzelstaaten auf. Die zuvor staatlichen Imperien
wurden ganz einfach durch wirtschaftliche Imperien ersetzt, d.h., es wur-
den einzig die Prioritäten in der Struktur des politischen Gängelbands
verschoben. Wo zuvor die politische Abhängigkeit den wirtschaftlichen
251

Zugriff sicherstellte, da sorgt heute allein die wirtschaftliche Abhängigkeit


für die politische Dominanz. Was politisch sichtbar verschwand, war zuvor
in den finanziellen und wirtschaftlichen Strukturen, und damit unsichtbar,
machtpolitisch zementiert worden. So gibt es heute keine direkt erkennba-
ren politischen Imperien mehr, hat doch heute jeder offene nationalpoliti-
sche Imperialismus ausgedient. Der Grund für diese vorgenommene Struk-
turveränderung liegt ganz einfach in der Beseitigung der Einschränkung,
die jeder imperialistischen Nationalpolitik anhaftet. So erfordert sie nicht
nur immer eine Nation, sondern diese Politik ist auch immer gezwungen,
zumindest so propagiert zu werden, als würde sie zum Wohle dieser Nation
betrieben. Weltbeherrschungspolitik kann und darf aber nicht an nationalen
Grenzen enden. Um diese Klippe zu überwinden, wurde dann in einem
längeren zeitlichen Prozeß die Strukturveränderung vorgenommen, mit der
wirtschaftliche Macht über die nationalpolitische gesetzt wurde. Und um
die Nationalpolitik zumindest innenpolitisch argumentativ zu stützen, wur-
den diverseste internationale Organisationen aus dem Boden gestampft
oder vorhandene kompetenzseitig aufgewertet.

Während jedes Volk sich in der Vergangenheit noch in Freiheitskämpfen


gegen den politischen Imperialismus zur Wehr setzen konnte, weil die Un-
terdrückung offenkundig war, ist der Imperialismus heute in eine „moder-
ne", eine international-organisatorische und eine konzernverschachtelte
private Form geschlüpft, deren Herrschaftsmechanismus noch weitaus
drückender und dabei doch genauso wirksam ist. Die Gesamtsituation ist
damit nicht nur rechtlich, sondern insgesamt weitaus schwieriger zu erfas-
sen und damit natürlich auch zu bekämpfen.

Allein schon die Schwerpunkte der heutigen Erziehung und Ausbildung,


wie sie in den sogenannten Demokratien stattfindet, sind zentral gegen
alles Menschliche der „Erzogenen" selbst gerichtet. Liegt deren Zielrich-
tung doch einzig darin, Händler und händlerisches Denken zu schulen und
über diese Schulung existenzgewährende Lebensinhalte zu liefern. Was
einst Menschen in menschlichen Gemeinschaften waren, wird so zu Funk-
tionsträgern einer Handels-Gesellschaft gemacht, deren geistiges Funda-
ment das materialistische Denken ist. Wann für den Einzelnen der Zeit-
punkt kommt, an dem er an seinen inneren Spannungen, an seiner künstli-
252

chen Schizophrenie zerbricht, ist von vielen individuellen Faktoren be-


stimmt und auch von den verwendeten Hilfsmitteln und Drogen abhängig.
Nur, um den ererbten Idealismus dauerhaft und für alle Zeiten, möglichst
schon in der Vererbung, auszuschalten, dazu wird erst die Genforschung
beitragen können. Erst ihren Forschern wird es vielleicht möglich sein, den
Mensch endgültig und dauerhaft zur geistig widerspruchsfreien Kreatur zu
machen. Nur wird diese Widerspruchs-„Freiheit" dann die einzige Freiheit
sein, die noch verblieben sein wird.

Die Konsequenzen, die sich für die Bereiche der menschlichen Erziehung
und Ausbildung ergeben, dürften jedem deutlich machen, wie tief- und
weitgehend die Umgestaltung der gesamten Lebensordnung erfolgen muß,
soll es je wieder eine Ordnung werden, in der Menschen leben.

Der Imperialismus hat nicht aufgehört, er hat nur mehrfach sein Kleid
gewechselt und neue Tarnkappen entwickelt! Wo die christliche Täuschung
nicht ausreicht, werden Rechte und Menschenrechte vorgegaukelt. So lan-
ge der Materialismus, ob als plutokratischer Privat- oder als Staatskapita-
lismus, herrscht, so lange es nicht gelingt, den Materialismus in idealisti-
sche Ziele und Werte einzubinden, so lange wird es auch keine menschli-
che Gesellschaft geben können. Erst wenn der Mensch, wenn seine Arbeit
und sein Wirken, und nicht irgendein materialistischer Wirtschaftsfaktor,
im Mittelpunkt steht, erst dann wird eine menschliche Gesellschaft, die
immer antiimperialistisch sein muß, überhaupt möglich.

Die wichtigste Erkenntnis, die uns die gesamte wahrhaftige Menschheits-


geschichte liefert, besteht darin, daß sie allein während der letzten 2000
Jahre zu allen Zeiten kontinuierlich von Herrschern und Herrschaften
bestimmt wurde, die ausschließlich imperialistische Machtansprüche ver-
folgten.

Eine Rettung dieser Erde, und nicht nur der Menschheit, ist also nur
dann zu erreichen, wenn sich die Menschen (wieder) ideellen Werten
zuwenden, die jeden Imperialismus zwingend ausschließen.
253

Als die wohl wichtigste Errungenschaft aller Geschichte wird immer das
gelten, was nicht erlern- oder auch anlesbar ist, sondern was die, die solche
Zeiträume, die heute Geschichte sind, einst erlebt und an jeden ihrer Nach-
kommen, wenn auch unbewußt, als innere Prägung weitergegeben haben.
Die Art und das Wesen.

Die allen, nicht nur den deutschen Menschen so in die Wiege gelegten, in
uralten Zeiten geprägten idealistischen Werte, die im Deutschen Volk nur
am längsten erhalten blieben und daher als dessen deutsche Art und als das
deutsche Wesen angesehen werden, stellten zu allen Zeiten den Menschen
und seine gemeinschaftliche idealistische Ordnung über alles Materielle.
So standen immer die Freiheit und Sicherheit der eigenen Familie, des
eigenen Stammes und des eigenen Volkes in Wert und Priorität selbst noch
über der materiellen Existenz und dem Leben des Einzelnen. Nicht die
Versklavung und Unterdrückung fremder Völker hat dafür die Rechtferti-
gung geschaffen, sondern einzig die Bewahrung und Erhaltung der Freiheit
des eigenen Volkes darf solches verlangen und erwarten. Nicht für Macht
und Geld, auch nicht für die, beiden untergelagerte, imperialistische Gier,
sondern für den Menschen und seine positive Entwicklung, für den Erhalt
seiner angestammten Gemeinschaft, ihrer Ordnung und Werte, hat jeder
Mensch seine Verpflichtung. Eine Verpflichtung nicht allein für sich
selbst, durchlebt jeder doch nur einen kurzen Zeitabschnitt in der Kette
seiner Ahnen, sondern für seine Kinder, für all die, die noch nach ihm
kommen.

Wieder eine menschliche Ordnung schaffen, den nun fast ein Jahrtausend
andauernden materialistischen Wahnsinn endlich überwinden, das ist die
Aufgabe, vor die sich jeder einzelne von uns - für sich und seine Nach-
kommen, für seine heutige und künftige Gemeinschaft, mag sie dereinst
wieder zu einer Volksgemeinschaft werden - gestellt sieht, soll nicht in
absehbarer Zeit das Kapitel Mensch von den Kräften, die ihn seit vielen
Generationen nur noch als Material oder Produkt sehen und behandeln,
endgültig abgeschlossen werden.

Für die heute im Aufbau befindliche „menschliche" Einheitsgesellschaft,


die einem unter geistigen Laborbedingungen geschaffenen Retortenprodukt
254

entspricht, ist es vollkommen belanglos, welcher Herkunft, welcher Art


und welchen Geistes die Kreatur ist, die auf irgendwelche Computerknöpfe
drückt, um anschließend den Lohn für ihre Leistung zu verkonsumieren.
Es hat den Anschein, als hätte der Mensch nicht nur die Natur, sondern
erstmals sogar sich selbst überwunden. Der letzte Gipfel des materialisti-
schen Denkens aber wird erst dann erklommen sein, wenn der Computer
auch noch das Knopfdrücken „gelernt" hat. Muß dieser Punkt erst erreicht
werden? Da, wo der Weg des äußeren Wahns, entartet zur materiellen
Gier, sein Ende erreicht hat, da hilft keine Verzweiflung aus der Sackgasse,
da hilft nur noch die einfache Feststellung, daß der gesamte Weg der fal-
sche war.

Wir, die wir wieder Menschen sein oder werden wollen, werden wieder
aus dem ganz Kleinen beginnen müssen. Aus kleinsten Lebensgemein-
schaften und -gruppen, die wieder nach den ihnen innewohnenden, uralten
menschlichen Werten beginnen, ihr Leben zu gestalten, wie schwer das
auch immer werden mag.

Es folgt der Teil B


(Die Herausgabe ist für das Frühjahr 2004 vorgesehen)
255

Grundlagenwerke zur gefälschten Geschichte:

Wilhelm Kammeier: Die Fälschung der deutschen Geschichte


Die Wahrheit über die Geschichte des Spätmittelalters
Die Fälschung der Geschichte des Urchristentums

Vorträge und Seminare zu den Themen:

„Der gefälschte Mensch"


„Politisch Denken, Mensch werden"

können erfragt werden bei:


„Deutsche Idealisten", PF 45 03 22, 50878 Köln oder
im Internet unter info@deutsche-idealisten.de
Otto Aufschwung
Gegen Domino - die Staatsmafia
Dokumentation zur deutschen Wiedervereinigung,
258 Seiten, 332 Abbildungen, DIN A 4, PB, Preis 20 €
ISBN 3-934323-00-6

Mit diesem Buch wird eine detaillierte Dokumentation (> 300


Abbildungen) zu der historischen Zeit der deutschen
Wiedervereinigung vorgelegt. Entgegen allen bisherigen und
sich täglich wiederholenden, äußerst seltsamen Schilderungen
und Darstellungen in den deutschen Medien, kann in diesem
Buch wohl erst- und einmalig an einem Einzelfall die von der
Bundesregierung politisch „gemanagte" Wiedervereinigung
nicht nur beschrieben, sondern auch be- und nachgewiesen wer-
den.

Mit der von der Kohlregierung sabotierten deutschen Wiederver-


einigung wurden nicht Einzelne, sondern das gesamte deutsche
Volk verraten, betrogen und aller seiner Rechte beraubt.

Die Dokumentation, gestützt auf umfangreichste Beweisdoku-


mente aus den beteiligten Banken und staatlichen Organisationen,
belegt aber nicht nur die politisch-kriminellen Machenschaften
bei der Umsetzung und Durchführung von Staatsverbrechen.
Selbst die gesamten, bis heute geheimgehaltenen und von den
Medien als Tabu-Thema verschwiegenen, politischen Ursachen,
Zusammenhänge und Hintergründe werden offengelegt.

Ganove der Menschheit, Staats- und Volksverbrecher


Dr. Helmut Kohl

GUWG-Verlag, Rathausstraße 51, 50169 Kerpen


Tel (02273) 603734, Fax (02273) 603758
G. Ullrich
Die deutsche Fieberkurve
Überlegungen zur Politik
Taschenbuch, 202 Seiten, Preis 12 Euro ISBN 3-934323-01 -4

Auf der Suche nach den Gründen, die eine Bundesregierung ver-
anlaßt hatten, die gesamte vormalige DDR-Wirtschaft im An-
schluß an die deutsche Wiedervereinigung liquidieren zu lassen,
hat ein Nichthistoriker und Nichtsoziologe über den politischen
Vorgang der Wiedervereinigung und deren Einbindung in den
historischen Ablauf nachgedacht.

In Abweichung zu dem sonst üblichen Vorgehen, nach dem mit


„wissenschaftlicher Akribie", aus wieviel Mosaiksteinen auch
immer, ein Gesamtbild zusammengefügt wird, erfolgt hier eine
Betrachtung der großpolitischen Ereignisse der letzten 130 Jahre
von oben nach unten, wobei statt Details nur objektiv gesicherte
Fakten berücksichtigt werden.

Herausgekommen ist Phantastisches. Phantastisches zumindest


für jeden, der die offizielle Geschichtsschreibung in ihren Grund-
zügen akzeptiert und von deren Richtigkeit überzeugt ist. Die
Geschichtsschreibung eines kompletten Jahrhunderts, des gesam-
ten 20. Jahrhunderts, kann in der bisher vorliegenden Form nicht
stimmen und widerlegt sich selbst.

Korruption, Betrug und Täuschung regieren das Land!

GUWG-Verlag, Rathausstraße 51, 50169 Kerpen


Tel (02273) 603734, Fax (02273) 603758
G. Ullrich
Der Zeigefinger Hitlers
Der Schlüssel zur Außenpolitik des Dritten Reiches
Taschenbuch, 148 Seiten, Preis 10 Euro ISBN 3-934323-02-2

Den Zeigefinger erheben ist das eine, ihn zu sehen das andere.
Besonders schwierig wird es mit dem Erkennen und Sehen eines
erhobenen Zeigefingers dann, wenn der, der ihn erhoben hat,
selbst noch nicht will, daß er als solches erkannt wird. Ein erho-
bener Zeigefinger quasi als eigene Option für die Zukunft.

Es wurde der Zeigefinger Adolf Hitlers gefunden!

Auf der Suche nach einer Erklärung für eines der wohl unsinnig-
sten außenpolitischen Ereignisse des Dritten Reiches, der „Zer-
schlagung der Tschechoslowakei", lag auf einmal Hitler Zeige-
finger vor uns. Dabei zeigte er nicht nur erklärend auf das be-
trachtete Ereignis, auch zeigte er nicht nur auf die vorangegange-
nen, außenpolitischen Ereignisse während des Dritten Reiches,
sondern er zeigte sogar auf den tatsächlichen Weg in den Zweiten
Weltkrieg und selbst noch auf dessen politische Folgen und Kon-
sequenzen.
Ein Zeigefinger wurde gefunden, der allein aus seiner inneren
Aussage und damit auch aus seiner kausalen Wirkung nicht nur
Erklärungen, sondern auch letztlich zentrale Beweise dafür liefert,
weshalb die deutsche Wehrmacht in die Tschechei kam,
wer an der Einmarschplanung beteiligt war,
wie die deutsche Wehrmacht nach Polen kam.

GUWG-Verlag, Rathausstraße 51, 50169 Kerpen


Tel (02273) 603734, Fax (02273) 603758
G. Ullrich
Nur wegen - Norwegen?
„Fall Weserübung" 1940
Wie die Welt zum zweiten Mal trickreich in einen Weltkrieg
manövriert wurde
384 Seiten, gebunden, Preis 23 € ISBN 3-934323-03-0

Heute, 57 Jahre nach Kriegsende, wird immer deutlicher, daß der 2.


Weltkrieg lediglich ein Baustein zur Weltherrschaft war, der Baustein
zur Beherrschung Europas, was allein mit dem 1. Weltkrieg nicht er-
reicht werden konnte.
Die Eigentümer des Britischen Empires waren unter das US-
Sternenbanner gekrochen, um von da aus ihre Kolonien gegen eine
kolonialisierte Welt einzutauschen. Nach der politischen und wirt-
schaftlichen Enteignung von Südamerika und Afrika wurde Europa in 2
Durchgängen für die Neue Weltordnung vorbereitet, jeweils mit
Schuldzuweisungen an das zahlenmäßig größte (und erwiesenermaßen
friedfertigste) Volk des Kontinents, an die Deutschen. Den Kampf um
die weltweit letzten beherrschungsfreien Flecken und Länder erleben
wir seit dem 11.09.2001 hautnah, aber... wie schafften es die Erben des
Britischen Empire, die Welt in den 2. Weltkrieg zu stürzen? Mit welch
raffinierten politischen Manövern gelang es der anglo-amerikanischen
Koalition, die deutsche Führung, und damit das Deutsche Reich und
Volk, in eine so existentielle Notlage zu bringen, daß Deutschland be-
reit (sogar gezwungen) war, allein zur Gewinnung des Friedens bei der
Besetzung Norwegens und Dänemarks mitzuwirken? Und wie stellten
es die wahren Kriegsplaner und -urheber an, die gesamte Kriegsschuld
wiederum Deutschland zuzuweisen?
Das heutige Geschichtsbild
nicht nur vom deutschen Norwegenfeldzug -
entlarvt sich als ein auf Fälschungen gestütztes,
nacktes Phantasieprodukt einer korrupten Historikerkaste

GUWG-Verlag, Rathausstraße 51, 50169 Kerpen


Tel (02273) 603734, Fax (02273) 603758
Otto Aufschwung

Die Deutsche Ausgleichsbank (DtA) -


Bankenverbrechen und Justizterror vernichten den
Mittelstand
Broschüre, ca. 60 Seiten, Preis 6,00 €, (I n Vorbereitung)

Im Rahmen eines Zivilverfahrens, daß der Autor gegen die Deutsche


Ausgleichsbank - ein staatliches Kreditinstitut, das sich zu 100% im
Eigentum des Bundes befindet und das den Weisungen des Bundes-
wirtschaftsministers, also der Bundesregierung, unterliegt - wegen
nachweislicher Urkundenfälschungen und Betrug, von Pflichtverlet-
zungen erst gar nicht zu reden, anstrengte, legte die Justiz jede rechts-
staatliche Schminke ab. Die Richter beim Landgericht Bonn und Ober-
landesgericht Köln demonstrierten in einmaliger Offenheit, wem sie
tatsächlich verpflichtet sind und wessen Weisungen sie folgen. Statt
ihren grundgesetzlichen Auftrag wahrzunehmen, wonach Richter aus-
schließlich Recht und Gesetz verpflichtet sein sollten, zeigten sie ganz
offen ihre Verbundenheit und Abhängigkeit zu mafios organisierten
politischen Strukturen.
Um die Deutsche Ausgleichsbank und ihre übergeordnete Stelle, die
Bundesregierung, nicht als kriminelle Organisationen zu entlarven -
wozu beide Gerichte nach dem vom Kläger vorgelegten Beweismateri-
al nach Recht und Gesetz verpflichtet gewesen wären - sahen die Rich-
ter des Landgerichts den einzigen Ausweg darin, die ihnen vorliegende
Gerichtsakte zu verfälschen. Mittels nochmaligem kopieren der vom
Kläger vorgelegten Beweisdokumente (bei maximalen Schwarzeinstel-
lung) konnten die Beweise unleserlich gemacht werden. Begleitet von
der Entfernung eines Schriftsatzes mit den vom Kläger benannten,
ladungsfähigen Zeugenanschriften war dann der Zustand hergestellt,
der es dem Landgericht erlaubte, sein abschlägiges Urteil mit dem Satz
zu beginnen: „Die Klage ist unbegründet"! Obwohl Ministerpräsident,
Justizminister und Oberlandesgerichtspräsident vor der Urteilverkün-
dung über diese Machenschaften aufgeklärt worden waren, erfolgte
eine Bestätigung des Landgerichtsurteils. Die von Professor Dr. Groß
beim BGH eingereichte Nichtzulassungsbeschwerde (vollständig abge-
bildet) wurde dort aus „formalen Gründen" nicht angenommen.

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