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RE_STT1 DONNERSTAG, 29.

NOVEMBER 2018
©MITTELBAYERISCHE | Regensburg Stadt | Stadtteile | 36 | Donnerstag, 29. November 2018

Vikarin Erdmuth Dorothea Meussling vor ihrer Wirkstätte in St. Matthäus FOTOS: ROLAND EBNER

Von der „Technik“ zur


Theologie gefunden
KIRCHE Erdmuth Doro- nächst. Ein Praktikum beim Evangeli- che“. Und weil die Mutter nach ihrer
schen Pressedienst in Bayern/Wochen- Wiederverheiratung zum Katholizis-
thea Meussling ist neue zeitung „Sonntagsblatt“ hat sie auch mus konvertierte, ist der evangeli-
Vikarin in St. Matthäus. absolviert. schen Tochter Erdmuth auch diese
„Feministischer Theologie und Be- Konfession nicht fremd. Und just vor
Interreligöser Dialog freiungstheologie“ widmete sie eben- diesem Hintergrund erklärt sie sich
falls Studienzeit und Engagement. Mit- eben „offen für verschiedene Religio-
und Jugendarbeit liegen arbeit beim Filmfest „Frauenwelten“ nen und Glaubensrichtungen“.
ihr am Herzen. der Organisation Terre des Femmes Nach Regensburg, St. Matthäus, ist
in Tübingen nennt sie als ein Beispiel sie „auf eigenen Wunsch gekommen“.
VON ROLAND EBNER oder auch die Mitarbeit am Feministi- Meussling: „Wie bei einem Referenda-
schen Studientag der Theologischen riat kann man sich bei der Evangeli-
KASERNENVIERTEL. 27 Jahre ist sie Fakultät der Uni Tübingen. Als Frauen- schen Landeskirche Bayern für einen
jung. Und einen breit gefächerten Bil- beauftragte war sie übrigens auch un- Einsatzort bewerben. Und das hat
dungsweg hat sie bereits hinter sich, terwegs in Neuendettelsau... gleich wunderbar geklappt.“
die neue Vikarin der evangelischen Und schließlich: Die „Famulatur für Regensburg war ihr zuvor durchaus
Kirchengemeinde St. Matthäus. Dort Interkulturelle Theologie, Religions- nicht unbekannt. Ihre Mutter Anette
ist Erdmuth Dorothea Meussling als und Missionswissenschaften“ an der nämlich ist Professorin an der hiesigen
„Pfarrerin in Ausbildung“ seit Septem- „Augustana“ versteht sie ebenfalls als OTH. „Ich wusste also schon vor mei-
ber im Einsatz. Bestandteil ihres dritten Studien- ner Entscheidung, das ist eine sehr
Augustana-Hochschule Neuendet- schwerpunkts „Religionswissenschaf- schöne, junge Stadt mit ganz viel
telsau, Universität Tübingen und ten“. Nicht zuletzt die „starke ökume- Flair“, lacht die Neu-Regensburgerin.
Humboldt-Universität Berlin waren nische Prägung durch das Elternhaus“ Als „Alleinstehende“ sei sie hier außer-
die Stationen ihres siebenjährigen Stu- sei hierfür wesentlich gewesen, betont dem „nicht so weit weg von Kultur,
diums der Evangelischen Theologie. Meussling. Über den 1998 verstorbe- Musik und Gesellschaftsleben“.
Studienbedingte Auslandsaufenthalte nen leiblichen Vater ist sie auch Mit-
in Schottland und den USA kamen glied der „Herrnhuter Brüdergemeine“, Sehr intensive Seelsorge
noch hinzu. Vorgezeichnet war dieser eine „konfessionsübergreifende Kir- Sie wohnt jetzt im Dahlienweg, hat
Weg wohl nicht nach ihrem Besuch sich „überhaupt gut eingelebt“ und
des Berufsgymnasiums Sonneberg mit fährt von dort aus alles mit dem Rad.
der Richtung „Gestaltungstechnik“. VORBEREITUNG Als „spannende Erfahrung“ bezeichnet
Wie aber schafft eine junge Frau bei ei- sie das Leben in der evangelischen Dia-
ner derartigen Berufsorientierung die spora, wobei sie das ökumenische Zu-
Kurve zur Theologie, möchte die Mit- sammenleben im Kasernenviertel sehr
telbayerische im Gespräch mit ihr schätzt. Sie nennt hier als ein Beispiel
schon gerne wissen. die „Nacht der offenen Kirchen“ im
Stadtosten: „Das war ein schönes Erleb-
„Keine Eingebung im Traum“ nis von Gemeinsamkeit.“
Meussling verweist hier zunächst auf Im Vikariat liege ein Schwerpunkt
ihre christliche Erziehung im evangeli- auf Seelsorge und Religionspädagogik.
Dienststelle der neuen Vikarin
schen Glauben. In ihrer Abiturzeit ha- Dazu zählten Gottesdienste, Geburts-
be sie sich dann auch sehr für Philoso- Vikariat ist dienstrechtlich ein Vor- tagsbesuche und Religionsunterricht.
phie und Geisteswissenschaften inter- bereitungsdienst, ähnlich dem Re- Im „bunt gemischten Gemeindegebiet
essiert. „Und das Studium habe ich ferendariat im öffentlichen Dienst; mit sozialen Brennpunkten, aber auch
dann eher planlos angefangen“, so die es ist damit der zweite Teil der Pfar- mit gutbürgerlichen Familienstruktu-
Vikarin. Theologie sei „jedenfalls keine rerausbildung in Deutschland. ren“ macht ihr vor allem die „sehr in-
Eingebung im Traum“ gewesen, son- tensive Seelsorge“ Spaß.
dern „eher eine Sache von Versuch und Voraussetzung für die Aufnahme Im zweiten Einsatz-Jahr möchte sie
Irrtum“. Ihr Gedanke dabei: „Mal se- ist ein mit dem Ersten Theologi- sich dann verstärkt der Jugendarbeit
hen, wie sich das so entwickelt.“ schen oder Ersten Kirchlichen Exa- widmen, diesbezügliche Angebote aus-
Im Studium hat sie sich aber „sehr men abgeschlossenes Studium der bauen. Ihr Ziel nach der Ordination
wohl gefühlt, weil ich viele Freiheiten evangelischen Theologie. hat Meussling auch schon ins Auge ge-
hatte und meine Interessen verfolgen fasst, wie sie verrät: „Mein Wunsch wä-
konnte“. Die waren durchaus weit ge- Am Ende des Vikariats wird das re es, zunächst im Medienbereich zu
spannt, wobei sie im Laufe der Zeit Zweite Theologische beziehungs- arbeiten, zum Beispiel in der Medien-
„drei Studien-Schwerpunkte“ entwi- weise das Zweite Kirchliche Exa- arbeit der evangelischen Kirche.“ Ein
ckelte: „Christliche Publizistik und men absolviert. (Quelle: Wikipedia) Pfarramt schwebt ihr dann aber erst
Medien“ nennt Meussling hier zu- für später vor.

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