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Herder-Institut

Philologische Fakultät
Beethovenstr. 15
04107 Leipzig

Frau Dr. Bitter-Karas / Frau Feick (M.A.)


Sommersemester 2013
Deutsch für den Beruf -
Fachliche Handlungsorientierung & Konzepte, Methoden, Interessen der Fachsprachenforschung

Deutsch für das Berufsfeld Pflege


Gruppe 1

Projektarbeit
im Modul Deutsch für den Beruf
der
Universität Leipzig

Claudia Bernhard (Kernfach Deutsch als Fremdsprache, 8. HS, 1891197)


Elisabeth Mücksch (Kernfach Deutsch als Fremdsprache, 8. HS, 2150063)
Katrin Hofmann (Kernfach Deutsch als Fremdsprache, 4. FS, 2660407)
Laura Leyendeckers (Kernfach Deutsch als Fremdsprache, 4. FS, 2665580)

Leipzig, den 26.07.2013


1 Einleitung .......................................................................................................... 1
1.1 Relevanz .................................................................................................................................1
1.2 Zielsetzung ..............................................................................................................................2

2 Datenerhebung ................................................................................................. 4
2.1 Bedarfs- und Bedürfnisanalyse...............................................................................................4
2.2 Untersuchungsmethoden.......................................................................................................4
2.2.1 Nicht standardisiertes Interview/ Befragung .........................................................................5
2.2.2 Beobachtung ..........................................................................................................................5
2.2.3 Fragebogen .............................................................................................................................6
2.3 Kritische Reflexion der Untersuchungsmethoden .................................................................7

3 Ergebnisse der Datenerhebung .......................................................................... 8


3.1 Nicht standardisiertes Interview/ Befragung .........................................................................8
3.2 Beobachtung I - St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig............................................................. 11
3.3 Beobachtung II - Pflegedienst Löwenherz Leipzig ............................................................... 13
3.4 Fragebogenauswertung....................................................................................................... 15
3.5 Schlussfolgerungen.............................................................................................................. 16

4 Zielsetzung der linguistischen Analyse .............................................................. 17

5 Definition des Textbegriffs ................................................................................ 17

6 Kategorien und Kriterien der linguistischen Textanalyse nach Brinker ............... 18


6.1 Textfunktion ........................................................................................................................ 18
6.2 Thema .................................................................................................................................. 19
6.3 Themenentfaltung ............................................................................................................... 20
6.4 Grammatische Kohärenz ..................................................................................................... 21

7 Textsorten ........................................................................................................ 22

8 Begründung der Textauswahl ........................................................................... 23

9 Linguistische Textanalyse.................................................................................. 24
9.1 Text 1 Anamnesebogen: Pflegeplan (Ernährung) ............................................................. 24
9.2 Text 2 Belehrung: Infektionsschutzgesetz ........................................................................ 29
9.3 Text 3 Anleitung aus dem Qualitätsmanagement:
Betreuung eines sterbenden Patienten .............................................................................. 46

10 Zusammenfassung/ Didaktische Empfehlung .................................................... 51

11 Didaktische Vorüberlegungen ........................................................................... 51

12 Definition der Begrifflichkeiten ......................................................................... 54


13 Szenarien und Elemente ................................................................................... 55

14 Didaktisierung .................................................................................................. 57
14.1 Szenario 1 ............................................................................................................................ 60
14.2 Szenario 2 ............................................................................................................................ 77
14.3 Szenario 3 ............................................................................................................................ 85

15 Fazit und Ausblick ............................................................................................. 94

16 Literaturverzeichnis .......................................................................................... 95

17 Bildquellen ....................................................................................................... 98

18 Anhang............................................................................................................. 99
A1 Fragebogen .......................................................................................................................... 99
A2 Datenschutzerklärung ....................................................................................................... 100
A3 Übersicht über Kategorien und Kriterien nach Brinker ..................................................... 101
A4 Text 1 Anamnesebogen: Pflegeplan: (Ernährung).......................................................... 102
A5 Text 2 Belehrung: Infektionsschutzgesetz ..................................................................... 104
A6 Text 3 Anleitung aus dem Qualitätsmanagement: Betreuung eines sterbenden
Patienten ........................................................................................................................... 113
A7 Feedbackbogen ................................................................................................................. 114
A8 Selbstreflexionsbogen ....................................................................................................... 115
1 Einleitung
1.1 Relevanz
Die demographische Entwicklung Deutschlands stellt nicht nur die Gestaltung des zukünftigen Wirt-
schafts- und Soziallebens in Frage, sondern schlägt sich auch in der Pflegebranche nieder. Die Zahl
der Pflegebedürftigen steigt durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft stark an und der
Bedarf an ausgebildetem Pflegepersonal ist kaum zu decken (vgl. Friebe 2006: 8). Im Dezember 2011
waren 2,5 Millionen der Deutschen pflegebedürftig, wobei nur etwa jeder Dritte in einer Pflegeein-
richtung oder durch einen ambulanten Pflegedienst betreut wurde (vgl. Statistisches Bundesamt
2013). Anhand eines Status-Quo-Szenarios aus dem Jahr 2010 ergab sich folgende Prognose über die
weitere Zunahme der Pflegebedürftigen (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2010: 28):

Pflegebedürftige in Deutschland von 2005 bis 2030 (Status-Quo-Szenario) in Millionen

Zwar werden immer noch circa zwei Drittel der Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt, die Nachfrage
nach qualifiziertem Personal steigt jedoch mit der Vielzahl verschiedener Pflegeangebote. Die Ausbil-
dungsangebote werden oftmals als unattraktiv und die schlussendliche Vergütung als unzureichend
B P 1
M des
Bündnisses sind u. a. soziale Träger, wie zum Beispiel die Arbeiterwohlfahrt, die Diakonie und die
Caritas, welche allesamt selbst Pflegedienste unterhalten. Um diesen Personalmangel zu decken,
entschließen sich viele Einrichtungen zum Anwerben ausländischer, bereits ausgebildeter Fachkräfte.
Dass sich hierbei Probleme ergeben, stellte Jens Friebe im Auftrag des Deutschen Instituts für Er-
wachsenenbildung bereits 2006 fest. Inzwischen haben fast ein Drittel des Pflegepersonals einen
Migrationshintergrund (vgl. ebd.: 5). Er kommt zu dem Ergebnis für diese Gruppe der Pfle-
gemitarbeiter ein spezieller Qualifizierungsbedarf [ergibt], der sich sowohl auf sprachliche, als
auch auf pflegefachliche Bildung bezieht F 2006: 5). Es bedarf also nicht nur einer fundierten
Ausbildung im Herkunftsland, sondern auch weiterer Qualifikationsmaßnahmen durch die Einrich-

1
Nähere Informationen hierzu unter: http://www.buendnis-fuer-gute-pflege.de/die-kampagne/hintergrund/; letzter
Zugriff: 11.07.2013

1
tungen in Deutschland selbst. Friebe fasst die Hauptpunkte solcher Qualifizierungskonzepte am Ende
seines Berichtes wie folgt zusammen (2006: 55):

1. Eigene Lernaktivitäten: Selbstlernen mit Medien; Deutsch als Fremdsprache


2. Training on the job: Unterstützung durch Praxisanleitung, Lerntandems, Gespräche
3. Inhouse Schulungen: Adressatenspezifische und interkulturelle Fortbildungen

Eine berufliche Weiterentwicklung interkultureller, sprachlicher sowie handlungsorientierter Art, soll


für Pflegefachkräfte mit Migrationshintergrund durch innerbetriebliche Weiterbildungsmaßnahmen
gezielt gefördert werden.

In der aktuellsten Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit wird die Notwendig-
keit von Anwerbekampagnen noch einmal deutlich. Dort heißt es in Bezug auf die Pflegebranche:
 Der Fachkräftemangel bei Humanmedizinern zeigt sich nahezu in allen Bundesländern.
 Examinierte Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte werden in allen Bundesländern gesucht. In
den ostdeutschen Bundesländern fällt die Stellenbesetzung jedoch etwas weniger schwer als im restli-
chen Bundesgebiet.
 Der Mangel an examinierten Altenpflegefachkräften zeigt sich in allen Bundesländern.
 In allen westlichen Bundesländern sowie in Sachsen und Berlin ist ein Fachkräftemangel zu verzeich-
(vgl. Bundesagentur für Arbeit 2013: 3,13)

Es zeigt sich also, dass durch Anwerbeverfahren, wie z. B. P P e-


fachkräfte nach Deutschland geworben werden, die es hier zu qualifizieren und zu schulen gilt.

1.2 Zielsetzung
Wie sich bereits durch die Relevanz des Themas zeigt, sind innerbetriebliche Weiterbildungen von
Pflegepersonal mit Migrationshintergrund unabdingbar. Im Rahmen des BA-M D
B am Herder Institut Leipzig beschäftigt sich unsere Projektgruppe mit genau solchen
Qualifizierungskonzepten in der Pflegebranche. Ziel dieser Projektarbeit ist die Entwicklung
berufsspezifischer, didaktisierter Materialien für die Pflegebranche. Bei Betrachtung des hiesigen
F P F g auf eine bestimmte Zielgruppe sowie auf die Art des
Deutschkurses, für den nachfolgend Material didaktisiert werden soll, dringend notwendig.
Die Ergebnisse unserer Untersuchungen siehe hierzu die nachfolgenden Kapitel der Datenerhebung
und -auswertung ergeben eine Festlegung der Zielgruppe auf Nicht-Muttersprachler, die mit Hilfe
ihres Trägers oder Pflegedienstes einen begleitenden und somit berufsbezogenen Deutschkurs
absolvieren möchten. Angenommene Voraussetzungen sind hierbei die bereits abgeschlossene
berufliche Qualifikation im Heimatland sowie ein Sprachniveau von B2 nach dem Gemeinsamen
E D
Zulassun A A B K - und
Gesundheitspflege hervor.

2
Diese besagt in § 30:

Die Zustimmung zu einem Aufenthaltstitel zur Ausübung einer Beschäftigung als Gesundheits- und
Krankenpfleger oder Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger sowie Altenpfleger mit einem
bezogen auf einschlägige deutsche berufsrechtliche Anforderungen gleichwertigen Ausbildungsstand
und ausreichenden deutschen Sprachkenntnissen kann erteilt werden, sofern die betreffenden
Personen von der Bundesagentur für Arbeit auf Grund einer Absprache mit der Arbeitsverwaltung des
Herkunftslandes über das Verfahren, die Auswahl und die Vermittlung vermittelt worden sind.
(Bundesministerium der Justiz, 2013b)

Eine Einschränkung für dieses sehr weite Berufsfeld stellt somit die fachliche Qualifikation dar. Dabei
haben wir uns auf die Berufe der examinierten Gesundheits- und Krankenpfleger2, examinierten
Altenpfleger und Altenpflege- sowie Krankenpflegehilfskräfte festgelegt, welcher alle dieser
Zulassungsverordnung unterliegen. Nicht in der Zielgruppe enthalten sind somit ungelernte
Hilfskräfte und Ärzte.
Um ein möglichst authentisches und handlungsorientiertes Material für diese Berufsgruppe
entwickeln zu können, sind mehrere Bearbeitungsschritte notwendig. Die vorerst wichtigste Aufgabe
stellt die Begehung des Feldes auf unterschiedlichen Wegen dar, um eine Bedarfs- und Bedürfnis-
analyse durchführen zu können. Die Projektgruppe nimmt hierfür Kontakt mit einem Pflegedienst,
einem Krankenhaus und einem Hospiz auf, um Einblicke in den Berufsalltag zu gewinnen. Durch
unterschiedliche Methoden der Datenerhebung, wie dem nicht-standardisierten Interview,
Fragebögen und der passiv teilnehmenden Beobachtung, erhalten wir das nötige Hintergrundwissen,
um sprachliche Handlungen im Bereich der Pflege analysieren zu können. Der Fokus unserer
Projektarbeit liegt hierbei auf der Schriftlichkeit, welchen wir bei der Feldbegehung besonders
berücksichtigen. Nach der Auswertung der Fragebögen und der Beobachtung wird eine
E I P L L D
begründet, dass sich die Dokumente der Einrichtungen unterscheiden und eine Auswahl bezüglich
der zu analysierenden Textsorten und somit auch der zu didaktisierenden Materialien getroffen
werden muss3. Die sich anschließende linguistische Textanalyse verschiedener Textsorten bildet die
Grundlage für die gezielte Didaktisierung und Erstellung dreier Szenarien, welche das Endergebnis
dieser Projektarbeit darstellen. Die Aufgabe besteht schlussendlich in der Verwebung der drei
Qualifizierungspunkte von Friebe (siehe Kapitel 1.1). Das bereits in der Berufs-Zulassungsverordnung
erwähnte Sprachniveau B2 soll hier als sprachliche Grundlage dienen. Da jedoch in den allgemeinen
Sprachkursen kein berufsspezifisches Sprachwissen vermittelt wird, werden in unserer Konzeption
einige Elemente wiederholenderweise aus dem B2-Niveau aufgegriffen. Endziel ist das Erreichen
berufsspezifischen Sprachwissens auf Niveau B2.

2
Aus Gründen der Lesbarkeit wird die generische Verwendung maskuliner Formen gewählt. Dennoch bezie-
hen sich sämtliche Angaben gleichwertig auf Angehörige beider Geschlechter.
3
Ausführliche Erklärungen über die Wahl der Institution finden sich in Kapitel 3.5

3
2 Datenerhebung
2.1 Bedarfs- und Bedürfnisanalyse
Die Bedarfs- und Bedürfnisanalyse bietet die Grundlage für die Erstellung von Kurskonzepten mit
U D L
brauchen, warum sie eine Sprache lernen, worauf sie vorbereitet werden sollen, durch welche
sprachlichen Anforderungen bestimmte Situationen charakterisiert sind, welche Bedürfnisse und
E H zit. in Peuschel & Pietzuch 2009: 27).

Haider unterscheidet dabei zwischen objektiven Sprachbedarfen und subjektiven Sprachbedürfnissen


(vgl. ebd.: 32). Der objektive Sprachbedarf setzt sich aus den Anforderungen und Wünschen im ar-
beits- bzw. berufsspezifischen Kontext zusammen. Dabei spielen sowohl die Sicht der Arbeitgeber
und Kollegen als auch die Anforderungen der Mitarbeiter des Jobcenters oder Betriebsräte eine gro-
ße Rolle. Bei der subjektiven Bedürfnisanalyse sollen die persönlichen Vorstellungen der Lerner be-
rücksichtigt werden. Es wird ermittelt, was die Lernenden brauchen, warum sie eine Sprache lernen
und welche sprachlichen Notwendigkeiten sie in ihren Jobs sehen, um Situationen in ihrem alltägli-
chen Berufsleben zu meistern. Nicht selten gibt es eine nicht unerhebliche Differenz zwischen den
tatsächlichen Anforderungen im Job und den Erwartungen der Unternehmensseite (vgl. ebd. 32). Um
tatsächlich handlungsorientierte Materialien erstellen zu können und ein umfassendes Kurskonzept
zu entwickeln bedarf es also einer umfassenden Analyse, bei der beides, Bedarfe und Bedürfnisse, in
die Ermittlung integriert werden.

2.2 Untersuchungsmethoden
Die Festlegung auf die Verfahren der empirischen Arbeit stellt einen wichtigen Punkt für das Ziel der
Didaktisierung dar. Die Untersuchungsmethoden sind nicht beliebig, sondern sollten passend
ausgewählt werden (vgl. Bortz & Döring 2006: 50). Daher wird im folgenden Kapitel theoretisch
dargestellt, mit welchen Untersuchungsmethoden wir welche Erkenntnisse erreichen wollen. Die
Untersuchung erfolgt zunächst explorativ, was bedeutet, dass sie zu Beginn wenig normiert ist und
wir dadurch einen thematischen Überblick erhalten. Dabei nutzen wir die offene Befragung mit einer
Einzelperson und die Feldbeobachtung. Bei letzterem wird an den Abläufen des zu untersuchenden
Systems teilgenommen und die Ereignisse und Verhaltensmuster werden beobachtet (vgl. Bortz &
Döring 2006: 50). Für explorative Studien ist es relativ unwichtig, wie die Untersuchungsteilnehmer
ausgewählt werden (vgl. Bortz & Döring 2006: 71). Wir wählen drei verschiedene Institutionen, ein
Krankenhaus, ein Hospiz und einen Pflegedienst. Zusätzlich entwickeln wir einen Fragebogen, um
relevante Textsorten zu ermitteln.

4
2.2.1 Nicht standardisiertes Interview/ Befragung
Mit einer Befragung wird verbales Verhalten als Teilaspekt erfasst. Durch verbale Stimuli bekommt
man verbale Reaktionen (vgl. Atteslander 2010: 109). Für unser Projekt dient ein wenig strukturiertes
Interview als Einstieg zum Feld. Positiv ist der hohe Freiheitsspielraum, da der Forscher individuell die
Fragen anpassen kann und keine umfangreiche Vorerfahrung mitbringen muss. Wenn er etwas ver-
tiefen möchte oder etwas für ihn weniger relevant erscheint, kann er die Gesprächsführung dahinge-
hend ändern (vgl. Atteslander 2010: 134). Da die Befragte eine Freundin eines Gruppenmitgliedes ist,
ist die Hemmschwelle gering und Fragen können offen gestellt werden. Das Interview ist nicht stan-
dardisiert. Das bedeutet, dass auf vorgegebene Kategorisierung der Antworten verzichtet wird. Der
Interviewpartner kann frei antworten und formulieren, was ihm wichtig ist (vgl. Mayring 2002: 66).
O B I eren Sinne, da das typische Frage-
Antwort-Muster fehlt; sie werden deshalb häufig als Forschungs- und Feldgespräche
(Bortz & Döring 2006: 308). In unserer Arbeit bleiben wir dennoch bei dem Begriff Interview.

2.2.2 Beobachtung
Eine wissenschaftliche Beobachtung wird durchgeführt, um die soziale Wirklichkeit vor dem Hinter-
grund einer leitenden Forschungsfrage beschreiben zu können (vgl. Atteslander 2010: 73). Sie ist ein
prozesshaft-aktiver Vorgang, der hohe soziale und fachliche Anforderungen an den Forscher stellt
(vgl. Atteslander 2010: 73). Einerseits wird soziales Handeln erfasst und gedeutet, andererseits ent-
steht durch die Beobachtungssituation selbst soziales Handeln (vgl. Atteslander 2010: 73). Unsere
Datenerhebung erfolgt mit einer unstrukturierten Beobachtung, d. h. wir haben keinen standardisier-
ten Beobachtungsleitfaden erstellt. Allerdings nutzen wir Beobachtungsschwerpunkte als Orientie-
rung. Hierzu dienen zum einen Fragestellungen aus der IQ-Broschüre, welche in Vorbereitung auf die
Beobachtungsphase beantwortet werden können (vgl. Weissenberg 2012: 30). Demnach stehen fol-
gende Kernpunkte fest: Der Untersuchungsgegenstand stellt die Methodenkompetenz der Kranken-
und Gesundheitspfleger im Umgang mit Dokumenten und somit der schriftlichen Kommunikation
dar. Wir führen diese Beobachtung durch, weil wir erfahren wollen, welche Dokumente es gibt, wann
und wie häufig die Dokumente verwendet und wie sie ausgefüllt werden. Als zeitlicher Rahmen ist
hierfür ein Arbeitstag in der jeweiligen Institution vorgesehen. Die Beobachtung wird stichpunktartig
dokumentiert, nach Möglichkeit zeitnah. Das ausführliche Protokollieren erfolgt am gleichen Tag,
damit wir unsere Eindrücke nicht vergessen.
Zum anderen haben sich im Gruppengespräch drei weitere Fragen A
welchen Stellen und an wen werden die Dokumente weitergeleitet (z. B. Stationsleitung, Kassenärzt-
D W D M o-
B D B Z

5
Beobachtung. Der Verlauf der unstrukturierten Beobachtung ist durch die Vorgänge im Feld be-
stimmt und daher flexibel (vgl. Atteslander 2010: 88).
Für unsere Datenerhebung nutzen wir die Form der offenen Beobachtung. Die Pflegekräfte wissen,
dass sie beobachtet werden. Wir haben uns dafür entschieden, damit wir als Forscher auftreten kön-
nen und über einen größeren und variableren Handlungsspielraum verfügen (vgl. Atteslander 2010:
91). Die Untersuchungspersonen gewöhnen sich meistens schnell an die Untersuchungssituation. Für
den Beobachter ist diese Form daher angenehmer als die verdeckte Beobachtung (vgl. Girtler 1992
zit. in Atteslander 2010: D B W ungs- und Interpreta-
tionstätigkeit in die übergeordnete Beobachtungssituation integriert ist, kann es bei der Beobachtung
nicht zur Nicht- A Wir haben daher eine passiv teilneh-
mende Beobachtung ausgewählt.

2.2.3 Fragebogen
Zur schriftlichen Befragung nutzen wir einen Fragebogen. Dabei haben wir aufgrund des Interviews
im Vorfeld und weiterer Recherchen einen auf unser Projekt zugeschnittenen Fragebogen konstru-
iert. Wichtig ist hierbei eine exakte und sorgfältige Vorgehensweise, da die Befragten die Fragen al-
leine verstehen müssen und sich Fehler im Fragebogen im Nachhinein nur noch schwer korrigieren
lassen (vgl. Atteslander 2010: 134). Ein Fragebogen legt den Inhalt, die Anzahl und die Reihenfolge
der Fragen fest. Außerdem entscheiden sich die Forscher für die sprachliche Formulierung von Fra-
gen und Antwortmöglichkeiten (vgl. Atteslander 2010: 135). Vorteile eines Fragebogens sind der
Wegfall des Interviewers als Fehlerquelle und die Eingrenzung auf bestimmte Fragen. Schwierigkei-
ten können entstehen, wenn Fragen unsorgfältig oder gar nicht ausgefüllt werden (vgl. Atteslander
2010: 157). Um dem entgegen zu wirken, nutzen wir drei verschiedene Datenerhebungsorte (Kran-
kenhaus, Pflegeheim und Hospiz) und teilen je Institution 20 Fragebögen aus. Wir bringen die Frage-
bögen persönlich dorthin und holen sie wieder ab.
Der Fragebogen als quantitatives Mittel hat den Vorteil, dass die Befragten diesen ortsunabhängig
ausfüllen können. Gerade bei Zeitknappheit in den von uns gewählten Institutionen stellt dies einen
wichtigen Faktor dar. Nachteilig muss gesehen werden, dass der Aufbau eines Fragebogens statisch
ist. Tiefergehende Betrachtungen, Reflexionen und auch Verständnisfragen sind nicht möglich. Fra-
gebögen können gut eingesetzt werden, wenn andere Untersuchungsmethoden untermauert wer-
den sollen, was bei uns der Fall ist und wenn die Fragen so formuliert sind, dass sie ohne Schwierig-
keiten zu beantworten sind (vgl. Weissenberg 2012: 16 17).
Der von uns ausgearbeitete Fragebogen (siehe Anhang 1) umfasst allgemeine Angaben zu Person und
Tätigkeitsbereich und speziell ausgewählte Fragen zu der schriftlichen Kommunikation im Arbeits-
alltag. Da der Fragebogen möglichst kompakt und kurz gehalten werden sollte, damit die Mitarbeiter
ihn komplett ausfüllen, beschränken wir uns auf eine DIN-A4-Seite mit vier Fragen. Für das Ziel der
6
Didaktisierung ist uns dabei am wichtigsten, welche Dokumente am häufigsten verwendet werden
und wie diese ausgefüllt werden müssen (ankreuzen, in Stichworten, kurzen Sätzen oder Text). Die
zweite Frage richtet das Augenmerk auf Verständnisschwierigkeiten. Mit skalierten
Antwortmöglichkeiten sollen die Befragten einschätzen, welche Schwierigkeiten ihnen beim Lesen
und Ausfüllen von Dokumenten am wichtigsten erscheinen. Um nichteindeutige Antworten zu
vermeiden, gibt es vier Antwortmöglichkeiten von sehr selten bis sehr häufig. Die dritte Frage stellt
eine offene Frage dar. Wir möchten herausfinden, welche Arbeitsabläufe besonders schreibintensiv
sind. Die letzte Frage thematisiert die Zusammenarbeit mit nichtmuttersprachlichen Kollegen in einer
geschlossenen Entscheidungsfrage. Falls diese Frage mit ja beantwortet wird, folgt eine Eingrenzung,
in welchen Situationen es zu Schwierigkeiten bei der Kommunikation kam. Von drei
Antwortmöglichkeiten sind zwei auf den Personenkreis bezogen (Patienten/ Kollegen) und eine auf
den Schwerpunkt schriftliche Dokumentation.
Auf der Rückseite des Fragebogens sind alle erforderlichen Informationen zum Datenschutz
enthalten. Dies ist mit Hilfe juristischer Unterstützung erarbeitet.

2.3 Kritische Reflexion der Untersuchungsmethoden


Im Hinblick auf die von uns verwendeten Untersuchungsmethoden muss kritisch reflektiert werden,
dass während des Interviews hauptsächlich Inhalte besprochen wurden, welche im Vorfeld durch die
Literaturrecherche erlesen wurden und somit für die Gesprächsführung relevant erscheinen. Daraus
resultiert eine sehr offene Gesprächsführung. Hierbei ist von Vorteil, dass der Interviewer vertiefen-
de Fragen stellen und Punkte weglassen kann, welche für ihn weniger relevant erscheinen (vgl. Attes-
lander 2010: 134). Dadurch wird auch das Gespräch jedoch auch in eine gewisse Richtung gelenkt,
wodurch Verzerrungen hervorgerufen werden können. Des Weiteren kennen sich die Gesprächs-
partner, sodass mehrere Faktoren, wie bspw. die Persönlichkeitsmerkmale, die Einstellungen oder
die Wahrnehmungen, das Verhalten des Befragten sowie des Interviewers determinieren und somit
einen Einfluss auf das Interviewergebnis haben (vgl. Friedrichs 1990: 218).
Während der passiv teilnehmenden Beobachtung ist vorteilhaft, dass sich der Beobachtende mit
großer Aufmerksamkeit der Beobachtungsaufgabe widmen kann, wobei allerdings die Gefahr be-
steht, dass eigene Erklärungsmuster auf die beobachtete Situation übertragen werden (vgl. Atteslan-
der 2010: 92). Dadurch ist letztlich die Objektivität des Beobachteten eingeschränkt. Des Weiteren ist
es möglich, dass der Beobachter durch seine Teilnahme das Verhalten des Pflegepersonals beeinflus-
sen kann. So kann es bspw. vorkommen, dass relevante Informationen zum Schutze der Einrichtung
geschönt und/ oder weggelassen werden (vgl. Diekmann 2008: 447).
Bezüglich des Fragebogens lässt sich anmerken, dass die offene Gestaltung der ersten Frage, um
Erkenntnisse zur schriftlichen Dokumentation zu gewinnen, problematisch sein könnte. Wir wollten

7
vorab keine Vorgaben bei der Dokumentenbezeichnung machen, da der Fragebogen universell in
allen drei Einrichtungen genutzt werden sollte. Jedoch könnte es passieren, dass die Mitarbeiter
unterschiedliche Bezeichnungen für ein Formular wählen und sich diese für die Auswertung schwierig
verwenden lassen.
Des Weiteren sprechen wir keine Personen mit Migrationshintergrund an, wodurch wir nicht in
Erfahrung bringen können, ob eventuell ein Nichtmuttersprachler den Fragebogen ausfüllt. In
diesem Zusammenhang ergibt sich auch ein Kritikpunkt an der vierten Frage. Wir wollen in Erfahrung
bringen, ob es zu Schwierigkeiten es bei der Zusammenarbeit mit nichtmuttersprachlichen Kollegen
gekommen ist. Werden alle Antwortmöglichkeiten angekreuzt, wäre es wünschenswert einen
detaillierten Einblick zu erhalten (z. B. In welcher Situation konkret? Wie haben sich die Probleme im
Umgang mit Kollegen geäußert?). Eine Möglichkeit wäre gewesen, an dieser Stelle ein freies Feld für
weitere Anmerkungen zu geben.
Abschließend ist von Bedeutung, dass die Resultate der Feldbegehung ihre Gültigkeit im Rahmen der
vorliegenden Projektarbeit besitzen. Anhand der Aussagen der Interviewten als auch den
Erkenntnissen aus den Beobachtungen sowie den Fragebögen können keine Verallgemeinerungen
auf die Situation des in Deutschland arbeitenden Pflegepersonals gezogen werden (vgl. Mayring,
2002, S. 13).

3 Ergebnisse der Datenerhebung


3.1 Nicht standardisiertes Interview/ Befragung
Das nicht-standardisierte Interview wurde mit der examinierten Gesundheits- und Krankenpflegerin
Anne R. durchgeführt, wobei zunächst im Vordergrund stand, das Berufsfeld der Pflege generell zu
erkunden, ohne direkt den Fokus auf den Beobachtungs K zu
legen. Während des Gespräches wurden neben einem Einblick in die unterschiedlichen Pflegeberufe
und deren Hierarchie auch die Unterschiede zwischen der stationären Pflege, der ambulanten Pflege
und der Pflege im Krankenhaus angesprochen.
Anne R. ist An P L L
neben der ambulanten Pflege auch drei Pflegeheime in Leipzig unterhält. Sie arbeitete während ihrer
Ausbildung in einer Klinik und wechselte erst vor kurzem in den Pflegedienst, weshalb sie beide
Institutionen gut vergleichen kann.
Zunächst sprachen wir über den Arbeitsalltag in der Klinik und in der ambulanten wie stationären
und vor allem darüber, wie schwerverständlich die Sprache der Patienten ganz allgemein sei. Gerade
M H
käme, dass man bei Demenzkranken Rücksicht auf deren Heimatdialekt nehmen müsse und mit einer
B F t weit käme. Dass regionale Dialekte

8
Probleme darstellen, sei es in der reinen Verständigung mit dem Patienten welche auch durch
fehlende Zähne oder generell undeutliche Aussprache verschärft sein können oder im Zugang zu
Demenzkranken, ist zudem ein stark diskutiertes Thema deutschlandweit. Der aktuelle Artikel des
Westdeutschen Rundfunks unterstreicht die Wichtigkeit der Problematik und weist darauf hin, dass
der Dialekt Z H eines Menschen
Anne R. berichtete weiterhin, dass die Kommunikation mit Kollegen und Ärzten im Krankenhaus eher
rudimentär gewesen sei und sich auf Fachsprache bezogen hätte, was wiederum bedeutete, dass die
deutschen Begrifflichkeiten in der Klinik wesentlich präsenter seien als die lateinischen/
internationalen Bezeichnungen. Die Dienste im Allgemeinen geschähen alle unter Zeitdruck, weshalb
eine schnelle und präzise Arbeit auch in puncto Schreiben von Nöten sei. Auch der Nachtdienst,
der meist alleine gemacht wird, verlange neben der hohen fachlichen Verantwortung auch bei
Notfällen das sprachliche Vermögen am Telefon Notärzte zu verständigen, sich auszutauschen,
Anweisungen zu verstehen und in wenigen Worten Situationen erläutern zu können. Ein wenig
anders sei die Kommunikation innerhalb des Pflegedienstes. Im Vergleich zum Krankenhaus dient sie
vor allem zum Vertrauensaufbau zwischen Patienten und Pflegern, denn für viele Alleinstehende ist
der Pfleger oftmals der einzige soziale Kontakt, weshalb diesem auch eine soziale und psychologische
Aufgabe zufällt, für die er sich Zeit nehmen muss.
Bezogen auf den alltäglichen Schriftverkehr ergaben sich aus dem Interview folgende Ergebnisse:
Im Allgemeinen sei der Krankenhausalltag sehr strukturiert gewesen, mit einer festgelegten
Reihenfolge und einer doppelten Schriftführung. Dies bedeutete, dass die Gesundheits- und
Krankenpfleger schriftlich dokumentierten und anschließend die Dokumente der Stationsleitung
übergaben, die diese ein zweiten Mal kontrollierte und anschließend die Daten in den Computer
eingab. Grund dafür sei die rechtliche Absicherung in diesem äußerst sensiblen Arbeitsfeld. In der
Klinik bestand, laut Anne R., die meiste Dokumentation in freien Schreibaufgaben, d. h. nicht in
Multiple Choice Antwortbögen. Immer wieder wird hier erneut bedingt durch den Zeitdruck das
P -Schreiben von den Pflegekräften verlangt. Verglichen zum Klinikalltag stellt
die Arbeit beim Pflegedienst für Anne R. andere Anforderungen bereit.
D P L A I
schriftliche Dokumentation hat patentieren lassen. Es wurde für fast alle Dokumente ein Multiple-
Choice Bogen entwickelt, der den Pflegekräften viel Zeit erspart und ein präzises und schnelleres
Ablesen für jeden (Kollegen, wie auch Stationsleitung) ermöglicht.
Man findet hier beispielsweise im Bogen des Erstgespräches biographische Anhaltspunkte, die in
einem späteren Demenzfall des Patienten helfen können, Kontakt zu diesem herzustellen. Soziale
Kompetenzen, wie Einfühlungsvermögen und auch Souveränität bzw. Durchsetzungsvermögen, sind

9
hier besonders wichtig. Aufgrund der patentierten Dokumentation, die durch den MDK4 abgesegnet
wurde, ist eine bessere zeitliche Planung pro Patient möglich. Eine zusätzliche
Computerdokumentation wie in der Klinik erfolgt hier nicht. Nach ein bis drei Monaten werden die
meisten Dokumente durch die Pflegekraft auf Aktualität überprüft und gegebenenfalls neu ausgefüllt
oder ergänzt.
Anschließend an das Gespräch gab uns Anne R. bei einem weiteren Treffen die verwendeten
Dokumente in unausgefüllter Form und erläuterte ihre Funktion noch einmal genauer. Des Weiteren
gaben wir ihr 10 Fragebögen zum Verteilen an ihre Kollegen um den genauen Einsatz und die
Schriftlichkeit noch einmal genauer zu dokumentieren und zu validieren. Der aktuellste MDK-Bericht
P L L B 5

Das Interview mit Anne R. gab uns einen generellen Einblick in das uns bis dato unbekannte Feld der
Pflegeberufe und erbrachte bezogen auf die angestrebte Bedarfsanalyse folgende Ergebnisse:

Im Krankenhaus:
1. Verbale Kommunikation erfordert neben internationalen medizinischen Fachwörtern auch das
Verstehen deutschsprachiger Synonyme.
6
2. Kommunikation mit Patienten beschreiben.
3. Schriftsprachliche Dokumente stellen eine große Herausforderung für Pfleger dar, da diese aus viel
freiem Schreiben und konkretem, kurzen Formulieren bestehen.
4. Schwierigkeiten aufgrund des hohen Zeitdrucks sind zu erwarten.

Im Pflegedienst:
1. Verbale Kommunikation dient als vermittelnde Brücke zwischen Patienten und Pfleger.
2. Pfleger tragen viel Verantwortung auch im Bereich der psychologischen und sozialen Betreuung.
3. Schriftliche Dokumentation im Pflegedienst Löwenherz vereinfacht durch das Multiple-Choice-
Verfahren und somit einfacher zu handhaben.
4. Keine doppelte Schriftführung und somit hohe Verantwortung jedes einzelnen Pflegers für die Richtig-
keit und Aktualität seiner Akten.

4
Der Medizinische Dienst der Krankenkasse überprüft 3-4mal jährlich alle Akten und die Pflegestufen, vergibt
außerdem Noten an die Heime in Bezug auf Weiterbildung, Pflege etc. weitere Informationen. (§ 18 Verfah-
ren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit; Bundesministerium der Justiz 2013a)
5
Nähere Informationen hierzu unter: http://www.pflegedienst-loewenherz.de/qualitaetsbericht.php; letzter
Zugriff: 20.04.2013
6
Gemeint ist hier, dass Pfleger keine seelsorgerischen, sozialen oder psychologischen Aufgaben wahrnehmen
(können) und deshalb dem Zweck folgen, die Patienten nur auf medizinische Vorkommnisse hin zu befra-
gen.

10
3.2 Beobachtung I - St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig
W W B W H
hatten wir Anfang Mai 2013 die Möglichkeit, einen Einblick in das Berufsfeld der Kranken- und
Gesundheitspfleger im St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig zu bekommen. Der Zugang zum
Beobachtungsfeld wurde durch einen persönlichen Kontakt eines Gruppenmitgliedes hergestellt. Der
administrative Aufwand, um einen Tag im Krankenhaus verbringen zu können, gestaltete sich relativ
hoch, war aber durch Erfolg gekennzeichnet. Nachdem telefonisch bei drei Instanzen eine
Genehmigung eingeholt, sowie ein Termin zur Unterzeichnung einer Verschwiegenheitserklärung
vereinbart, worden war, wurde die Beobachtung durchgeführt.
Die Freundin eines Gruppenmitgliedes, Sabine H., arbeitet seit drei Jahren im Elisabeth-Krankenhaus
und ist ausgebildete Kranken- und Gesundheitspflegerin. Durch sie war es möglich, die
Handlungsabläufe einer pflegerischen Tätigkeit in einer Frühschicht (07.30 14.00 Uhr) mitzuerleben.
Die Beobachtung selbst wurde in der Fachabteilung Chirurgie II (Station 15) mit den Schwerpunkten
Unfallchirurgie/ Orthopädie durchgeführt. Im Leistungsspektrum sind neben den zwei genannten
auch Arbeitsunfälle, Sporttraumatologie und Sportmedizin innbegriffen.
Im Fokus der Beobachtung stand die Dokumentation des pflegerischen Handelns, welche
unabdingbar für den Arbeitsalltag im Krankenhaus ist. Dabei erfüllt das Notieren der pflegerischen
Arbeit einerseits eine Übersichts- und Informationsfunktion für andere Pfleger und / oder Ärzte. Dies
ist vor allem von Bedeutung, wenn bei einem Schichtwechsel keine Übergabe stattfinden kann und
aus den Dokumenten ersichtlich sein muss, welche Diagnosen erstellt und welche Medikamente
verordnet wurden. Andererseits repräsentieren alle Dokumente von einem Patienten, welche im
Elisabeth-Krankenhaus in einer Mappe zusammengefasst werden, auch das Krankheitsbild in seiner
Gesamtheit. Die vorzunehmende Pflegeanamnese und -planung sowie der Pflegenachweis und -
bericht werden dabei täglich, zum Teil mehrmals, verschriftlicht. Daraus resultiert, dass durch die
Dokumentation der pflegerischen Tätigkeit auch deren Qualitätssicherung gewährleistet wird.
Zu Beginn der Beobachtung händigte Sabine H. uns alle Dokumente aus, welche sie im Arbeitsalltag
benötigt. Dies umfasste die bereits genannten Dokumente für die Patientenmappe, ein
Überwachungsblatt für eine gesonderte medizinische Kontrolle (u.a. mehrmaliges Puls- und
Blutdruckmessen, Überwachung der Ein- und Ausfuhr usw.), ein Diabetes-Protokoll und ein
Bewegungsplan für Patienten, welche bettlägerig sind. Ebenfalls von Bedeutung sind die Dokumente
zur Durchführung des MRSA Screening und die OP-Sicherheitscheckliste. Diese werden zwar von den
Ärzten ausgefüllt, müssen aber vom Pflegepersonal gelesen und im Falle einer Risikoeinschätzung in
die Patientenmappe übertragen werden.
Im Verlauf der Beobachtung konnte festgestellt werden, dass die Patientenmappe für die
pflegerische Dokumentation von größter Bedeutung ist. Im Falle einer stationären Aufnahme eines

11
neuen Patienten, was zweimal geschah, wird diese neu angelegt. Dabei werden die Angaben eines
Scheins, welcher vom zuvor behandelnden Arzt (i.d.R. Hausarzt) ausgestellt wurde, in das
Stammdatenblatt übertragen. Dies umfasst sowohl die Diagnose und Untersuchungsergebnisse als
auch bisherige Maßnahmen (Medikation), Hinweise (z. B. Allergie) und mitgegebene Befunde. Je
nach Diagnose muss anschließend der Pflegenachweis ausgefüllt werden.
Aber auch im Arbeitsalltag wird die Patientenmappe immer wieder benötigt. Am Beobachtungstag ist
Sabine H. in der Frühschicht für fünf Zimmer mit insgesamt acht Patienten zuständig. Von allen
Patienten muss täglich (und pro Schicht) der Pflegenachweis und der Pflegebericht ausgefüllt
werden, indem die erledigten Schritte durch ein Kürzel abgezeichnet werden. Falls ein Patient am
selben Tag operiert wird, muss mehrmals täglich die OP-Liste auf dem Computer kontrolliert werden,
da sich der OP-Ablauf ständig ändern kann. Davon sind wiederrum weitere Schritte, z. B. das
Vorbereiten von Infusionen, da kein Trinken und kein Essen mehr zu sich aufgenommen werden darf,
abhängig.
Des Weiteren befindet sich in der Mappe der OP-Bericht, welcher ebenso täglich gelesen werden
muss. Dies ist unabdingbar, da die Stationsärzte Änderungen der Medikation oder Anweisungen zu
orthopädischen Versorgungen dort hineinschreiben. Damit sind dann auch weitere Arbeitsschritte
verbunden. Einerseits müssen besondere Medikamente elektronisch über das
Krankenhausinformationssystem ORBIS bestellt werden. Andererseits muss ein Rezept, z.B. für
bestimmte Schienen oder Gehhilfen, ausgestellt werden. In Abhängigkeit von der Art der Schicht und
somit auch der Schwesternanzahl auf der Station müssen unterschiedlich viele Patientenmappen
ausgefüllt werden: In der der Frühschicht (3 Schwestern) sind es max. 10 Mappen, in der Spätschicht
(2 Schwestern) sind es max. 15 Mappen und in der Nachtschicht ist eine Schwester für max. 30
Mappen zuständig. Dies zeigt auch deutlich, dass eine lückenlose und vollständige Dokumentation
unerlässlich ist, da durch das Rotationsprinzip alle Kranken- und Gesundheitspfleger auf diese
angewiesen sind.
Diesbezüglich konnte am Ende der Beobachtung festgestellt werden, dass bei der Schichtübergabe
viele Informationen auch mündlich weitergeben wurden, vor allem persönliche Einschätzungen zum
Zustand der Patienten. An dieser Stelle ist es nicht möglich, diese auch zu notieren, da z. B.
emotionale Beschreibungen der Patienten mit dem Kodex der wertfreien Verschriftlichung nicht zu
vereinbaren sind.
Ein weiterer Punkt, welcher bei der Beobachtung von zentraler Bedeutung war, stellte die
Zuständigkeit für die Dokumente dar, d.h. an wen sind die Aufzeichnungen adressiert bzw. wie viele
Beteiligte füllen die Dokumente aus. Grundsätzlich wird die pflegerische Dokumentation von den
Kranken- und Gesundheitspflegern übernommen. Es bestehen jedoch Ausnahmen. Dies gilt z. B. für
den OP- und Pflegebericht, welche die Ärzte für ihre Notizen verwenden. Der Pflegebericht kann

12
zusätzlich auch von den Physiotherapeuten genutzt werden. Am Tag der Beobachtung gab es die
Möglichkeit, an einer Chefarztvisite teilzunehmen. Interessant dabei war, dass aufgrund der
Hierarchieordnung die Anweisungen des Chefarztes vom Stationsarzt in den OP-Bericht eingetragen
wurden und nicht (wie sonst) von den Schwestern. Diese waren in erster Linie für die pflegerische
Tätigkeit, d.h. das Öffnen der Verbände usw., zuständig.
In der Dokumentationskette stellt dies einen wesentlichen Punkt dar, da die Stationsärzte z. B. mit
anderen Abkürzungen arbeiten. Dokumente gegenüber Dritten, z. B. dem Kassenärztlichen Dienst
oder Rehaanträge, werden von der Stationsleitung ausgefüllt. Darüber hinaus gibt es Dokumente,
welche nur von den Schwestern ausgeteilt und vom Patienten selbst ausgefüllt werden müssen, z. B.
das Anästhesieprotokoll.
Abschließend hat sich während der Beobachtung gezeigt, dass den Kranken- und
Gesundheitspflegern ein hohes Maß an Konzentrations- und Leistungsbereitschaft abverlangt wird.
Dabei steht das menschliche Wohl an erster Stelle. Die Anforderungen an das Pflegepersonal gehen
aber darüber hinaus. Dies zeigt sich vor allem in der Vielfalt der Tätigkeiten (mündliche Absprachen
mit Kollegen, schriftliche und zeitnahe Dokumentation, Vorbereiten der Medikation, zügiges
Reagieren auf Patientenbeschwerden und entsprechende Abstimmungen mit dem Stationsarzt usw.).
Im Rahmen der Beobachtung im Elisabeth-Krankenhaus hatten wir die Möglichkeit, mit einem Nicht-
Muttersprachler aus Saudi-Arabien zu sprechen. Dies stellt die einzige Person mit
Migrationshintergrund dar, welche wir im bisherigen Forschungsablauf kontaktieren konnten.
Aufgrund des geringeren Sprachniveaus war es jedoch nicht möglich, tiefergehende Fragen zu
unserem Untersuchungsgegenstand zu stellen.

3.3 Beobachtung II - Pflegedienst Löwenherz Leipzig


Am 20.05.2013 war es einem Gruppenmitglied von uns möglich, einen Mitarbeiter des ambulanten
Pflegedienstes Löwenherz in Leipzig zu begleiten. Dieser Pflegdienst bietet betreutes Wohnen,
ambulante häusliche Pflege, Demenzbetreuung, Seniorenmassage und ab diesem Jahr auch
Tagespflege an. Dabei werden je nach Bedarf Hilfsleistungen von Einkauf über Waschen bis
Verbandswechsel durchgeführt.
Da nach Absprache mit der Chefin des Pflegedienstes keine Möglichkeit bestand, einen Mitarbeiter
im betreuten Wohnen zu begleiten, wurde unser Gruppenmitglied an einen Altenpfleger des
ambulanten Pflegdienstes verwiesen, Pfleger Andreas. Da die Feldbegehung auf einen Feiertag fiel,
dauerte die Schicht von 6.45 Uhr bis 10.10 Uhr, d. h. es war eine verkürzte Frühschicht. Das Ziel war
es zu beobachten, welche sprachlichen Fähigkeiten als Altenpfleger benötigt werden, um in der
ambulanten Pflege arbeiten zu können. Das Gruppenmitglied erwartete, dass prinzipiell die

13
Pflegeleistungen von einem Nichtmuttersprachler mit Einschränkungen machbar sein müssten.
Während der Feldbegehung wurden chronologisch Notizen gemacht.
In dem oben genannten Zeitrahmen fuhren wir mit dem Auto zu sechzehn Patienten. Im Hinblick auf
das Zeitmanagement waren das maximal 20 Minuten pro Patient bei der Grundpflege und bei der
Behandlungspflege meist nur 5 Minuten. Zur Behandlungspflege zählen Tabletten- und Insulingabe,
Verbände wickeln oder Stützstrümpfe anziehen. Eine Grundpflege umfasst waschen, rasieren und
anziehen. Das bedeutet, dass der Mitarbeiter in sehr kurzer Zeit relevante Informationen verstehen,
erfragen beziehungsweise darauf reagieren muss. Als Muttersprachler erscheint dies schon als
nahezu unlösliche Aufgabe. Man beachte die enorme Wichtigkeit des Hörverstehens und des
Sprechens.
Sowohl die Gespräche mit dem Patienten, als auch die Dokumentation müssen innerhalb der Zeit
erfolgen, wobei unsere Kontaktperson erzählte, dass er dies meist nach seiner Tour erledige. Daher
konnten wir nur das Abzeichnen der Pflegeleistung beobachten. Im Vergleich zur
Krankenhausfeldbegehung setzten wir daher unseren Fokus auf die Mündlichkeit. Innerhalb der Tour
musste die Pflegkraft Gespräche mit den Patienten selbst, aber auch Angehörigen, zum Beispiel der
Ehefrau, führen. Die Gespräche fanden vor Ort statt, aber auch per Handy. An diesem Tag mussten
einige Zeiten umdisponiert werden, da am Wochenende und an Feiertagen viele Patienten wegfallen.
Teilweise pflegen die Angehörigen die Patienten an diesen Tagen allein.
Einer der Patienten, zu dem wir fuhren, ist mit MRSA infiziert. Dort mussten besondere
Vorsichtsmaßnahmen unternommen werden. Der kompetente Umgang mit diesem Keim ist ein
wichtiger Faktor für das ganze Unternehmen, da sonst andere Patienten und Pfleger angesteckt
werden können.
Ein zweites, großes Patientenklientel sind die dementen Patienten. An diesem Tag fuhren wir zu
einer Dame, für die das Frühstück zubereitet wurde und bei der kontrolliert werden muss, ob sie das
Frühstück auch isst, da sie dement ist. Gerade für demente Patienten sind klare, bekannte
Sprachstrukturen wichtig, um nicht in Panik zu verfallen.
Eine weitere Schwierigkeiten waren Dialekte, eine undeutliche Aussprache, verkürzte Satzstrukturen
und die Auswirkungen von Gebissen auf die Aussprache. Teilweise war es weder der Pflegekraft noch
dem muttersprachlichen Gruppenmitglied möglich, die Patienten zu verstehen. Schwierige
sprachliche Strukturen waren z. B.: I A D H B
Beispiel Nummer 1 mussten wir innerhalb von einer Minute nach der Aussage zum nächsten
Patienten, sodass die Pflegekraft erzählte, man müsse sehr genau auf Demenzanzeichen achten. Es
erscheint fragwürdig, wie das möglich sein soll, wenn man nur 5 Minuten beim Patienten ist und
dieser darüber hinaus auch alleine lebt. Auch die Pflegekraft nutzte verkürzte Sätze und viele
Imperative während der Pflegehandlungen.

14
Weiterhin gab der Pfleger an, dass sich die Generation Vertriebene nicht von Pflegekräften aus
Osteuropa pflegen lassen wollen würden. Es wurde auch über die Frage gesprochen, wie lang ein
Pflegedienst die Einarbeitungszeit für ausländische Pflegkräfte genehmigen würde. Lohnt es sich für
einen Pflegedienst jemanden einzustellen, der nicht alle Patienten versorgen darf (Pflegehelfer)?
Zuletzt fielen nicht vordergründig organisatorische Fähigkeiten ins Auge. Die Pflegekraft organisierte
seine Tour an diesem Tag relativ spontan. Wenn man im ambulanten Pflegedienst arbeiten will,
braucht man einen Führerschein, gute Kenntnisse der Stadt, in der man lebt und man muss gut
einparken können. In regelmäßigen Abständen muss man Gespräche mit Ärzten führen können,
wenn z. B. etwas in der Medikation geändert werden muss oder eine neue Verordnung beantragt
wird. Der medizinische Dienst führt Kontrollen durch und begleitet dann die Pfleger.
Als Fazit zur Feldbegehung lässt sich folgendes formulieren: Nach einem Marathon von Patient zu
Patient wird der Einsatz von ausländischen Pflegekräften nun durchaus kritisch gesehen. Die
benötigten sprachlichen Fähigkeiten waren zu 90 % Hören und Sprechen, davon mehr rezeptiv als
produktiv. Es wirkt schwierig, ambulante Pflegesituationen in einem berufsbezogenen
Deutschunterricht zu thematisieren, da sie sich im Vergleich zum betreuten Wohnen sehr vielseitig
gestalten. Am problematischsten erscheint der Zeitfaktor, da dadurch schnell etwas nicht verstanden
und
An Patienten, die sich weigern von einer ausländischen Pflegekräften betreuen zu lassen, hatten wir
im Vornherein nicht gedacht. Dieser Punkt sollte aber berücksichtigt werden, gerade bei Betroffenen
mit Demenz. Eine Deutschlehrkraft, die in der ambulanten Pflege mitgeht und speziell
Lehrmaterialien entwickelt, ist wahrscheinlich nicht bezahlbar. Des Weiteren werden Rollenspiele, im
Rahmen von Szenarios, den Arbeitsalltag schwer abbilden können, nicht zuletzt da die Pflegekraft
betonte, dass jeder Tag und jeder Patient anders sei.

3.4 Fragebogenauswertung
Von den insgesamt 60 ausgeteilten Fragebögen gingen 15 an das Hospiz Advena, woraufhin acht an
uns zurückkamen. Von den 15 ausgeteilten Fragebögen, die an den Pflegedienst Löwenherz gingen,
und weitere zehn, die an die Ambulanz des Pflegedienstes Löwenherz gingen, erhielten wir insge-
samt neun Fragebögen zurück. Aus dem Elisabeth-Krankenhaus erhielten wir nur vier von 20 Frage-
bögen zurück. Die folgende Auswertung der vorliegenden 21 Fragebögen wurde mit Hilfe von Micro-
soft Excel vorgenommen. Teilgenommen haben insgesamt vier männliche und 16 weibliche Perso-
nen. Fast die Hälfte aller Teilnehmer ist noch unter 30 Jahren alt. 17 Personen haben angegeben,
schon mit nichtmuttersprachlichen Kollegen zusammengearbeitet zu haben. In allen von uns vorge-
geben Bereichen wurden Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit Nichtmuttersprachlern gese-
hen. Dies umfasst sowohl den Umgang mit Patienten (10x) und Kollegen (10x), als auch die Schwie-

15
rigkeit in der schriftlichen Dokumentation (14x). Diese Information bestätigt einmal mehr, wie groß
der Bedarf an Kursen für nichtmuttersprachliche Pflegekräfte ist.
Im Hinblick auf die schriftliche Dokumentation haben 13 von 21 Personen die Pflege-, Tages- oder
Wochenberichte als wichtige und häufig verwendete Materialien angegeben. Durch die uneinheitli-
che Verwendung der Begrifflichkeiten in den verschiedenen Dokumenten kann an dieser Stelle keine
genauere Auswertung vorgenommen werden. Die Hälfte aller teilnehmenden Personen gab außer-
dem an, die Dokumente am Arbeitsplatz entweder in Stichworten oder kurzen Sätzen ausfüllen zu
müssen. Nur fünf Teilnehmer benutzen ganze Texte oder Multiple-Choice-Bögen. Dies spricht für
eine relativ hohe Schriftlichkeit am Arbeitsplatz, mit der auch Nichtmuttersprachler konfrontiert
werden. Auch aus diesem Grund soll der Schriftlichkeit in der erstellten Materialsammlung ein hoher
Stellenwert zugewiesen werden. Die Auswertung der Fragebögen hat ebenso Auswirkungen auf die
Auswahl unserer verwendeten Textsorten. Das Patientenaufnahmegespräch wurde von vier Perso-
nen als schreibintensivstes Dokument genannt. Betrachtet man die Fülle der verschiedenen gegebe-
nen Antworten in bei der dritten Frage (vgl. Anhang A1), ist eine vierfache Nennung schon relativ
repräsentativ.
Im Zuge der Auswertung stellte sich heraus, dass sich die Annahmen zur Kritik am Fragebogen, wie
schon im Abschnitt 2.3 formuliert, bestätigen. Eine Konkretisierung der Fragestellungen und die Be-
schränkung auf eine bestimmte Institution hätten uns bei der Auswertung eindeutigere Ergebnisse
gebracht, die für die Arbeit mehr Verwendbarkeit gefunden hätten.

3.5 Schlussfolgerungen
Anhand der erhobenen Daten und des Materials, welches uns durch die einzelnen Institutionen zur
Verfügung gestellt wurde, haben wir uns im Folgenden für den Pflegedienst Löwenherz entschieden.
Dies lässt sich wie folgt begründen:
Wie bereits im ersten Kapital der vorliegenden Arbeit beschrieben, steht einem zunehmenden
Pflegebedarf ein steigender Fachkräftemangel gegenüber. Um die für den Pflegebereich
angeworbenen Arbeitskräfte bei ihrer fachsprachlichen Ausbildung unterstützen zu können, werden
authentische Materialien benötigt, die aus einer Bedarfs- und Bedürfnisanalyse resultieren und in
einen Handlungskontext eingebettet sind. Beim Pflegedienst Löwenherz war es uns, im Vergleich
zum Elisabeth Krankenhaus und dem Hospiz, möglich, Textsorten aus verschiedenen
Arbeitsbereichen zu erhalten. Dies ist sowohl für die linguistische Analyse als auch die nachfolgende
Didaktisierung relevant und entspricht auch unserem Anspruch, ein vielfältiges Material zu
konzipieren.
Darüber hinaus konnten wir durch die Feldbeobachtung zwar einen Einblick in beide Tätigkeitsfelder,
d. h. Krankenhaus und Altenpflege, erhalten, aber besonders wichtig ist bei der Tätigkeit eines

16
Altenpflegers der persönliche Kontakt mit den Bewohnern über einen längeren Zeitraum. Des
Weiteren resultiert aus dem Kontakt mit den Angehörigen und den während des Gesprächs
auszufüllenden Dokumenten eine hohe Anforderung an die schriftsprachliche Kompetenz des
Pflegepersonals.
Ein weiterer Grund ergab sich aus der Auswertung der Fragebögen: Quantitativ haben wir die
meisten Fragebögen aus dem Pflegedienst Löwenherz zurückerhalten und somit auch ein
detaillierteren Einblick in die schriftsprachliche Dokumentation erhalten. Dies war vor allem für die
Auswahl der Textsorte wichtig.

4 Zielsetzung der linguistischen Analyse


Das Ziel ist es, in den nachfolgenden Kapiteln einen theoretischen Überblick zu den Themenfeldern
Text und Textsorten zu geben. Darüber hinaus wird die linguistische Textanalyse nach Brinker erläu-
tert. Somit werden einerseits der kommunikativ-funktionale und andererseits der strukturelle Aspekt
eines Textes näher betrachtet. Dieser Definitionsansatz stellt die Grundlage dar, um anschließend,
die von uns gewählten drei Texte zu analysieren und die auffälligen, schriftsprachlichen Elemente
herauszufiltern. Anhand dessen ist es möglich, erste Empfehlungen für die Didaktisierung zu geben.

5 Definition des Textbegriffs


Die Begriffsbestimmung von Texten stellt in der aktuellen Fremdsprachenforschung einen bedeuten-
den Diskussionspunkt dar, da es verschiedene Auffassungen hinsichtlich einer Interpretation gibt
H K Be-
griff des Textes alltagsweltlich und in didaktischen Zusammenhängen [so geläufig] zu sein scheint, so
D W B
lebensweltlichen und in didaktischen Kontexten unter Text zu verstehen ist, so muss man sinnvoller-
D A l-
gend drei mögliche Ansätze genannt werden.
E liche
Kommunikation vollzieht sich in Form von Texten. Sei es ein Buch, ein Brief, ein Gespräch, ein Witz
oder der Hilferuf Feuer! : All das sind in sich relativ abgeschlossene kommunikative Ereignisse, sind
W nter sprachsystematischen Aspekten ein Text aus
einer Folge von syntaktischen und semantisch zusammenhängenden Sätzen [besteht], unter kom-
munikativen Aspekten hat ein Text als Ganz F 157).
Diese Form der Textdefinition findet sich auch im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für
H B B P L r-
nende empfangen, produzieren oder austauschen - sei es eine gesprochene Äußerung oder etwas

17
Geschriebenes. Es kann demnach keine Kommunikation durch Spra E
2001).
Dass Kommunikation dabei nicht nur durch einzelne Sätze, sondern unter Zuhilfenahme von Texten
geschieht, ist eine Annahme, welche sich erst seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts durch-
gesetzt hat (Fix, Poethe & Yos 2003: 11). Diese Erkenntnis stellt die Grundlage für die Analyse kom-
munikations- und funktionsorientierter Sprachbetrachtung dar. Unter diesem Gesichtspunkt verweist
Brinker auf folgende Definition: E F Z
F
(1992: 17). Dabei spielen vor allem die grammatische und thematische Kohärenz eine wichtige Rolle
(Brinker 1992: 18). Welches Verständnis diesen Termini zugrunde liegt, wird im folgenden Abschnitt
näher erläutert.

6 Kategorien und Kriterien der linguistischen Textanalyse nach Brinker


D Z d. h. den grammatischen und themati-
schen Aufbau, sowie die kommunikative Funktion konkreter Texte transparent zu machen und nach-
prü B 1997: 8). Hierdurch ist nachvollziehbar, welche Strukturen regelhaft
gebraucht werden. Diese Informationen können im nächsten Schritt für die Didaktisierung genutzt
werden.
D B
Textkonstruktion, die den konkreten Texten zugrunde liegen, systematisch zu beschreiben und ihre
B D e-
len kleineren Einheiten, den Sätzen, Satzgliedern, Wörtern und Morphemen, analysiert. Die Textlin-
guistik unterscheidet zwischen Textstruktur und Textfunktion, wobei diese beiden Bereiche eng ver-
bunden bleiben (Brinker 1997: 9). Unter der Textstruktur versteht Brinker die Verbindung der Sätze,
die unmittelbar Kohärenz hervorrufen. Er unterteilt dies in die grammatische und thematische Ebene
mit T D Z
Sinn, den ein Text in einem Kommuni B 1997: 81). Im Folgenden werden
die Unterkategorien der Textanalyse nach Brinker erläutert (vgl. Anhang 1).

6.1 Textfunktion
Die Textfunktion kann nach den Analysekriterien informativ, appellativ, obligatorisch, kontaktspezi-
fisch und deklarativ bestimmt werden. Dabei wird die Funktion entweder direkt oder indirekt signali-
siert. Ein Text ist informativ, wenn er Wissen vermittelt, über etwas zu informieren vermag. Explizit
wird dies signalisiert durch Verben wie berichten oder unterrichten (Brinker 1997: 105). Es werden
oft Modalverben und Modalwörter verwendet. Die Darstellung kann sachbetont, wie z. B. in einem
Bericht oder meinungsbetont, wie z. B. in einem Gutachten erfolgen (Brinker 1997: 106 107).
18
Die Appellfunktion ist vorhanden, wenn der Rezipient dazu aufgefordert wird etwas Bestimmtes zu
machen oder eine bestimmte Haltung zu vertreten. Dies geschieht zum Beispiel, wenn innerhalb
eines Textes die Verben fordern, bitten oder empfehlen verwendet werden. Die häufigsten gramma-
tischen Strukturen sind der Imperativsatz, Interrogativsatz und Infinitivkonstruktionen (Brinker 1997:
108 111). Wenn der Rezipient sich verpflichtet, eine Handlung zu vollziehen, wie z. B. in einem Ver-
trag, ist die Textfunktion obligatorisch. Verben wie versprechen, schwören oder übernehmen signali-
sieren diese Textfunktion direkt (Brinker 1997: 117 118).
Eine Kontaktfunktion wird hergestellt, wenn die Beziehung zum Rezipienten im Vordergrund steht. Es
wird sich bedankt, um Entschuldigung gebeten oder gratuliert. Eine soziale Erwartung wird erfüllt
(Brinker 1997: 119). Die letzte Funktion, die Deklarationsfunktion, setzt bestimmte Fakten fest. Sie
B E A Ü r-
schriften, wie Testament oder Urkunde, weisen auf diese Funktion hin (Brinker 1997: 120 121).
Ein Text hat meist nicht nur eine der genannten Textfunktionen. Allerdings kann der ganze Text in der
Regel einer Funktion zugeordnet werden. In unserer Analyse versuchen wir daher, stets eine Funkti-
on anzugeben. Bei besonderen Auffälligkeiten innerhalb der Texte erwähnen wir auch die anderen
Textfunktionen, obwohl nach Brinker nur die dominierende Kommunikationsfunktion als Textfunkti-
on bezeichnet werden sollte (1997: 82).

6.2 Thema
Das Thema ist der Kern des Textinhalts mit seinen Personen, Sachverhalten, Ereignissen, Handlungen
und Vorstellungen. Es ist entweder durch einen bestimmten Abschnitt - z. B. mit Hilfe einer Über-
schrift - zu erkennen oder der Rezipient muss es aus dem Inhalt herausfiltern. Gelingt es nicht mehr,
den Inhalt zusammenzufassen, erkennt man darin das Thema. Oft kann auch eine Themenhierarchie
bestimmt werden, indem zwischen Haupt- und Nebenthemen unterschieden wird (Brinker 1997: 55
56). Bei der Themenfindung differenziert Brinker nach der Art des Themas, der lokalen Orientierung
und der temporalen Orientierung. Bei der Art des Themas betont er, dass es genüge, gewisse Ein-
grenzungen vorzunehmen z. B., um welches Ereignis es sich handele oder welche These aufgestellt
würde.
Die lokale Orientierung ist zielführend bei der Frage, ob das Thema sich auf den Produzenten, Rezipi-
enten oder auf keinen der Beiden bezieht. Bei der temporalen Orientierung wird die zeitliche Festle-
gung des Themas zum Sprechzeitpunkt untersucht. Ist das Thema zeitlos, erfolgt eine Themenumset-
zung während der Sprachproduktion, -rezeption (gleichzeitig), wird das Thema nach einem Ereignis
aufgegriffen (vorzeitig) oder folgen Konsequenzen nach der Rezeption, wie z. B. in einem Horoskop
(nachzeitig) (Brinker 1997: 138 139; 145).

19
6.3 Themenentfaltung
D Ausführung B 1997: 60), d. h.: Wie
sind die Teilthemen miteinander verknüpft und ergibt dies einen logischen Zusammenhang? Brinker
unterteilt die Themenentfaltung in mögliche Grund- und Realisationsformen. Zu den Grundformen
gehören deskriptive, narrative, explikative und argumentative Themenentfaltung. Zu den Realisati-
onsformen zählt er deskriptiv-sachbetont, deskriptiv- meinungsbetont, rational-überzeugend und
persuasiv- überredend (Brinker 1997: 145).
Die deskriptive Themenentfaltung erfolgt durch eine Darstellung eines Themas in Raum und Zeit. Es
wird spezifiziert und Fakten in den Kontext eingeordnet. Das Thema kann einen einmaligen Vorgang
z. B ein historisches Ereignis, einen regelhaften Vorgang, ein Lebewesen oder einen Gegenstand be-
zeichnen (Brinker 1997: 63-66). Die narrative Themenentfaltung wird oft in Alltagserzählungen ver-
wendet. Das Thema ist dabei einmalig und abgeschlossen. Es ist in irgendeiner Weise für den Produ-
zenten relevant oder interessant und der Produzent war daran beteiligt. Typisch ist die Darstellung
eines ungewöhnlichen Ereignisses mit der Auflösung und der Bewertung, sowie Angaben zur Orien-
tierung des Rezipienten und einer Moral der Geschichte (Brinker 1997: 68). Bei einer explikativen
Themenentfaltung wird ein Sachverhalt aus anderen Sachverhalten abgeleitet. Es gibt Bedingungen
und Gesetzmäßigkeiten. Sprachlich tauchen viele Konjunktionen, Adverbien und Präpositionen auf
(Brinker 1997: 68 69; 72). Bei der argumentativen Themenentfaltung wird eine These durch Argu-
mente falsifiziert oder bestätigt. Ein Fazit beendet die Argumentation. Dieses muss nicht explizit sein.
In der Analyse hat man daher die Aufgabe das Fazit aufzuzeigen (Brinker 1997: 74).
Für jede Grundform gibt es typische Formen der Realisierung. Brinker unterscheidet nach der Einstel-
lung des Textproduzenten. Es existieren vier Unterkategorien. Die ersten beiden Kategorien beziehen
sich auf die deskriptive Grundform, daher lauten sie deskriptiv-sachbetont und deskriptiv-
meinungsbetont. Als Beispiele nennt er eine Zeitungsnachricht für die deskriptiv-sachbetonte Reali-
sationsform im Vergleich zur Buchbesprechung. Für die argumentative Grundform sieht er die Reali-
sationsform persuasiv-überredend als eine Form an, wie sie für eine Werbeanzeige typisch ist. In
einem Zeitungskommentar wird nach Brinker die rational-überzeugende Realisationsform verwen-
det. Die Realisationsform stellt für Brinker eine besondere Verbindung zwischen strukturellen und
kommunikativ- funktionalen Aspekten dar (Brinker 1997: 140).

20
6.4 Grammatische Kohärenz
U K B
syntaktisch- B
21). Dabei werden Sprachhandlungen, Tempuskontinuität und semantische Vertextungstypen
analysiert. Ebenso werden Elemente der impliziten oder expliziten Wiederaufnahme, Konnektoren
und häufig vorkommende sprachliche Strukturen untersucht (ebd.). Nachstehend werden diese
Kategorien näher erläutert.
Während einer Sprachhandlung wird das Ziel verfolgt, durch die Verwendung von Symbolen7 oder
sprachlichen Zeichen8 sich gegenseitig zu verständigen (Universal-Lexikon 2012). Zu den
Sprachhandlungen zählen bspw. Fragen, Antworten oder auch Aufforderungen. Für die folgende
Materialentwicklung ist dies insofern relevant, als dass diese handlungsorientiert sein soll. Somit
steht nicht die grammatische Struktur an sich im Vordergrund steht, sondern das, was damit
ausgedrückt werden soll, z. B. durch einen Imperativ eine Aufforderung.
Des Weiteren wird von einer Tempuskontinuität gesprochen, wenn die Zeitformen innerhalb eines
Textes aufeinander abgestimmt sind. Das heißt, es darf kein ständiger Wechsel der Zeitformen
stattfinden, da dies sonst die grammatische Kohärenz stört (Brinker 1997: 41).
Konnektoren sind darüber hinaus für eine Verbindung von Sätzen oder Satzgliedern verantwortlich.
Gibt es viele Konjunktionen, Subjunktionen, Präpositionen, etc. in einem Text, sorgen diese für einen
Sinnzusammenhang und Stabilität des Textes.
Ferner stellen semantischen Vertextungstypen den Zusammenhang semantischer Felder und/ oder
W E F B W
Hyperonym, wären z. B. Säugetiere und Vögel Hyponyme. Alle Unterarten sind durch das Hyperonym
verknüpft. Zu einer Wortfamilie hingegen gehört ein Wort, wenn es das gleiche Stammmorphem
enthält, das heißt zwei Wörter sind strukturell verknüpft.
Bei dem Prinzip der Wiederaufnahme lässt sich zwischen zwei Formen unterscheiden. Bei der
expliziten Wiederaufnahme wird ein sprachlicher Ausdruck im Text direkt wiederholt zum Beispiel
E M D M K D A
oder mehrere Substantive wiederaufgenommen. Dabei folgt oft das Hyperonym auf das Hyponym.
Bestimmte Pronomen und Adverbien dienen auch der Wiederaufnahme. Es handelt sich um

7
Das Symbol wird im Organon-M B B W
mittels dessen der Emittent mit dem Rezipienten über die Dinge in der Welt kommuniziert. Sprachliche Zei-
W D r-
I E A
indem an den Rezipienten appelli A B
8
I H E F Z D
Bestimmung liegt der Saussuresche Begriff eines sprachlichen Zeichens als einer bilateralen Einheit, als fes-
B F B 1992: 17).

21
Personal-, Demonstrativpronomen und Adverbien, insbesondere viele Pronominaladverbien (Brinker
1997: 21; 27 28; 31 32).
Bei der impliziten Wiederaufnahme hängen das Bezugswort und der wiederaufgenommene Ausdruck
nicht von einer Referenz ab. Zwischen den Begriffen bestehen aber Beziehungen, wie z .B. eine Teil-
Ganzes-Beziehung. Der Rezipient erschließt sich automatisch den Zusammenhang, sodass eine
explizite Einfügung leicht zu einem Gefühl von Verkindlichung bei dem Rezipienten führen könnte
(Brinker 1997: 35 36).

7 Textsorten
E E B 1992: 21) charakterisieren.
Darüber hinaus repräsentiert er auch eine bestimmte Textsorte (Brinker 1992: 126).
Textsorten sind konventionell geltende Muster für komplexe sprachliche Handlungen und lassen sich
als jeweils typische Verbindung von kontextuellen (situativen), kommunikativ-funktionalen und struk-
turellen (grammatischen und thematischen) Merkmalen beschreiben. Sie haben sich in der Sprachge-
meinschaft historisch entwickelt und gehören zum Alltagswissen der Sprachteilhaber. (Brinker 2010:
125; Hervorhebung im Original; zitiert nach Gansel 2011: 32).
Die genannten Merkmale finden sich auch in der linguistischen Textanalyse in der Textfunktion, dem
Thema, der Themenentfaltung und der grammatische Struktur wieder. Nach Auffassung Brinkers sind
das Thema und die Themenentfaltung entscheidend für die Textsortendifferenzierung. Allerdings ist
zu beachten, dass Textsorten ebenso durch eine `Architektonik´, d. h. eine äußere Gliederung, ge-
kennzeichnet sind (Gansel 2011: 35). Dies zeigt sich bspw. bei der Frage, wodurch ein Lerner typische
Textsortenmuster erkennt und abspeichert. Eine mögliche Antwort liegt im Aufbau bestimmter Texte
M E
M Z D e Beschreibungen sind ideal- oder prototypisch (Hufeisen 2008: 51).
D M B u-
D L L - oder Hörvor-
gangs bestimmte Schemata verinnerlichen und die Texte anhand eines Bauplans identifizieren. Diese
Identifizierung ist auch bei anderen Textsorten möglich. Exemplarisch seien Lebenslauf und Wetter-
bericht genannt. Der Vorteil einer Systematisierung von Texten nach Textsorten besteht darin, dass
die Kommunikation der Sprechenden erleichtert wird. Dabei spielt der Textsortenmarker, z. B. bei
A U W D e-
sen Hinweis können sich die Lerner automatisch auf den Inhalt des Textes konzentrieren, da sie den
Text bereits zur Textsorte Wetterbericht zuordneten. Diese Erkenntnisse sind für die zukünftige Di-
daktisierung von grundlegender Bedeutung, da innerhalb der Pflegedokumentation an einigen Stel-
len mit diesen standardisierten Textsortenmarkern gearbeitet wird.

22
8 Begründung der Textauswahl
Die Auswertung der Fragebögen stellte den ersten Schritt dar, um zu erfahren, welche Dokumente
die Mitarbeiter des Pflegedienstes Löwenherz im Arbeitsalltag benötigen. Das Ziel war es, mindes-
tens einen schriftsprachlichen Text auszuwählen, welcher häufiger von den Mitarbeitern notiert
wurde und somit für die berufliche Tätigkeit (und im Hinblick auf die Quantität der Verwendung)
besonders relevant erscheint. Anhand dieser Bedarfsanalyse ergab sich, dass die Dokumente zur
Pflegeplanung häufiger genannt wurden als andere. Im Pflegedienst Löwenherz werden bei der Pfle-
geplanung zu Beginn der Betreuung eines Patienten folgende Schwerpunkte in Form eines Multiple
Choice Fragebogens (in unserem Fall Anamnesebogen) abgefragt: Ernährung, Hygiene, Vitales und
Sicherheit sowie Soziales und Biographie. Überwiegend müssen zutreffende Antworten angekreuzt
werden, in Ausnahmefällen muss ein Feld ausgefüllt werden (z. B. bekannte Unverträglichkeiten/
Allergien). Da wir innerhalb des zweiten Textes das Thema Hygiene analysieren werden und in den
Fragebögen zu Vitales und Sicherheit sowie Soziales und Biographie
H E
als Textanalyse entschieden. Der Anamnese- bzw. Arztfragebogen ist laut Fandrych und Thurmair
eine Textsorte und gilt als ein Musterbeispiel für Fragebögen in der medizinischen Kommunikation
D A H d-
lungsraums standardisierte Texte, mit H D I
konkreten Fall betrifft dies die Vordrucke des Pflegedienstes Löwenherz, welche sowohl für die stati-
onäre als auch ambulante Pflege verwendet werden. Unser Anamnesebogen zum Thema Ernährung
stellt ein Hilfsmittel innerhalb des Anamnesegesprächs dar. Es werden Informationen zu vorgegebe-
nen Aspekten gefordert und nur aus diesem Kontext wird einem bewusst, was vom Adressaten er-
wartet wird. Die Antwortkategorien sind speziell auf ein Thema zugeschnitten (bei uns Ernährung).
Die Pflegekraft führt als Auftakt der Betreuungssituation das Anamnesegespräch und/ oder die Re-
cherche der Informationen mit Hilfe der Angehörigen oder des betreuenden Arztes durch. Der Fra-
gebogen hilft die Informationen zu konkretisieren und zu ökonomisieren (Fandrych &Thurmair 2011:
211). Die Pflegeplanung ist ein essentieller Bestandteil des Arbeitsalltages im Pflegbereich. Einerseits
ist sie die Grundlage, um Informationen an Angehörige, Ärzte und Mitarbeiter des Pflegedienstes
weiterzuleiten. Andererseits ist sie auch Ausgangspunkt für weitere Planungsschritte und den zukünf-
tigen Pflegeprozess. Eine falsche Handhabung kann zu schwerwiegende Komplikation beim Patienten
führen, sodass ein verantwortungsvoller Umgang vorausgesetzt werden muss. Für die Textanalyse
war es uns nicht möglich, eine ausgefüllte Pflegeplanungen zu erhalten. Daher können wir nur auf
den Anamnesebogen in seiner ursprünglichen Form zurückgreifen.
Der zweite Text ist eine Belehrung zum Infektionsschutzgesetz, welche in Form einer PowerPoint
Präsentation am 19. April 2013 im Pflegedienst Löwenherz gehalten wurde. Dass dieses Thema wich-

23
tig und aktuell ist, bestätigte sich auch in den durch uns durchgeführten Feldbegehungen. Sowohl im
Krankenhaus als auch beim ambulanten Pflegdienst spielten Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen
sowie der Umgang mit infizierten und kontaminierten Gegenständen und Patienten eine wichtige
Rolle. Aus diesem Grund kommt der innerbetrieblichen Weiterbildung eine bedeutende Rolle zu. Sie
e E - A W
Des Weiteren können in der Gruppe Fragen oder Problemfälle diskutiert werden.
Als dritten Text haben wir uns für eine Anleitung aus dem Qualitätsmanagement entschieden, welche
den Umgang mit einem sterbenden Menschen thematisiert. Auf der formalen Ebene spielt die Quali-
tätssicherung eine wichtige Rolle im Bereich der Pflege. Durch den medizinischen Dienst der Kran-
kenversicherung wird geprüft, ob die Pflegeinstitution die vereinbarten Qualitätsstandards einhält.
Auf der emotionalen und psychologischen Ebene ist der `Tod´ eng mit dem Berufsfeld Pflege ver-
knüpft. Dabei steht auf der einen Seite der sensible und rücksichtsvolle Umgang mit dem Sterbenden
und seiner Familie. Auf der anderen Seite ist auch der Pfleger von der Situation betroffen und muss
die Situation des Sterbens für sich verarbeiten können. Eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik
sehen wir als Herausforderung, aber gleichzeitig auch als notwendig.

9 Linguistische Textanalyse
Im Folgenden wird anhand der Kriterien, welche im dritten Kapitel beschrieben wurden, die linguisti-
sche Textanalyse durchgeführt. Der erste sowie der dritte Text wurden hierzu tabellarisch übernom-
men, um die Strukturmerkmale markieren und benennen zu können. Der zweite Text wurde einge-
scannt, um die Übersichtlichkeit des Fragebogens zu gewährleisten. Alle drei Texte liegen in ur-
sprünglicher Form im Anhang vor. Innerhalb der Abschnitte erfolgt zuerst die Textanalyse nach Brin-
ker. Im Anschluss befindet sich die Tabelle bzw. der Fragebogen mit den Hervorhebungen.

9.1 Text 1 Anamnesebogen: Pflegeplan (Ernährung)

Textfunktion
Wie bereits im Kapitel 5 beschrieben, ist die Form des Fragebogens (in unserem Fall als Anamnese-
bogen) sehr ökonomisch (Fandrych & Thurmair 2011: 211). In dem vorliegenden Anamnesebogen
A W W B 
F eine Frage gestellt wird oder
dass diese anhand eines Fragezeichens erkennbar ist. Dies hat auch Auswirkungen auf die Kommuni-
kationssituation. Für den vorliegenden Anamnesebogen ist eine face-to-face Kommunikation mit
dem zu Pflegenden und dessen Familie A F
erfährt der Textproduzent allerdings auch anhand vorliegender Arztberichte (z. B. Diagnosen und
Risikofaktoren, welche bereits vorliegen). Das Ausfüllen des Anamnesebogens geschieht einmalig zu

24
Beginn der Aufnahme eines neuen Patienten. Alle weiteren Mitarbeiter, welche zukünftig mit dem
Patienten in Kontakt stehen, werden über dieses Dokument informiert. Somit hat der Anamnesebo-
gen eine informative Textfunktion, welche direkt signalisiert ist.

Thema
Das Thema des Anamnesebogens ist speziell auf die `Ernährung´ bezogen. Dies wird bereits an der
Überschrift sichtbar (siehe roter Rahmen). Weitere Themenabschnitte werden jeweils durch größere
Teilüberschriften kenntlich gemacht (Anamnese, Ess- und Trinkgewohnheiten, Probleme/ Fähigkei-
ten, Risikofaktoren, Maßnahmen, Begleitende Dokumente). Jede Teilüberschrift gliedert sich in wei-
tere Unterpunkte auf. Der Punkt `Probleme/ Fähigkeiten´ wird bspw. nach pflegebedingende Diagno-
sen, Essstörungen, pflegeerschwerende Faktoren und Ressourcen untergliedert. Die Themenschwer-
punkte beziehen sich direkt auf den Rezipienten und seine Befindlichkeiten. Da der Anamnesebogen
nur einmal zu Beginn ausgefüllt wird, hat er per se eine vorzeitige Funktion, da er für alle Handlungen
in der Zukunft gültig ist. Der Gesundheitszustand eines Patienten ist jedoch nicht statisch, sodass es
zu Verbesserungen aber auch zu Verschlechterungen kommen kann. Somit ist der Anamnesebogen
auch nachzeitig, da auf der Rückseite Probleme eingetragen werden können, die sich während des
Pflegeprozesses ergeben (vgl. Anhang 3).

Themenentfaltung
Die Grundform des Textes ist deskriptiv. Das Thema `Ernährung´ wird in seinen Teilthemen darge-
stellt. Dies wird durch eine deskriptiv-sachbetonte Form realisiert, da vor allem medizinische Termini
(Apoplex, Diarrhoe, parenterale Ernährung usw.) verwendet werden. Anhand der Markierungen (A D
im Dokument) wird die Themenentfaltung deutlich. Als Teilthema A lassen sich alle Merkmale zu-
sammenfassen, welche den Ernährungszustand des Patienten betreffen. Dies umfasst allgemeine
Angaben zur Ernährung (A1), spezielle Angaben zu Problemen, welche bei der Ernährung auftreten
können (A2) und Risikofaktoren, welche die Ernährung beeinflussen (A3). Diese Angaben können,
durch den Pfleger, durchaus mit dem Patienten besprochen werden, sie sind aber ebenso auch aus
Arztberichten ableitbar. Zusammengefasst ergibt sich aus dem Abschnitt A eine Übersicht zu allen
faktischen Ernährungsmerkmalen eines Patienten. Der direkte Kontakt zum Patienten wird im Ab-
schnitt B hergestellt. Dabei geht es einerseits um die Ess- und Trinkgewohnheiten des Patienten und
seine bevorzugten Speisen und Getränke (B1). Diese müssen erfragt und eingetragen werden. Im
Abschnitt B2 werden die Ressourcen des Patienten erfasst. Diese werden zwar auch vom Pfleger ein-
A P e-
D I A C M
durch P E - E
Gewichtskontrolle). Unter D werden weitere Dokumente erfasst, welche im Pflegeplan `Ernährung´

25
Innerhalb dieses Feldes finden sich teilweise auch Wortfamilien, bspw.: Essen (zu)bereiten, Essens-
zeiten, Esspausen, Essrituale und Essstörungen. Selbiges gilt für das Wort Trinken: Trinkmenge und
Trinkritual. Auffällig ist die Wortbildung durch Komposita. Innerhalb der Gruppe haben wir uns ent-
schieden, `Essen und Nahrung´ als eine Einheit zu sehen und dieser das Feld `Trinken´ gegenüber zu
stellen. Im rechten Kästchen sind die Wörter notiert, welche für beide Kategorien gelten. Unsere
Aufteilung ist insofern inkohärent, als dass unter Essstörungen Kau- und Schluckstörungen aufgeführt
sind, welche auch das Trinken beeinflussen. Abgesehen von dieser Besonderheit werden im Anamne-
sebogen beide Begriffe ebenfalls getrennt.
Weiterhin ist auffällig, dass Synonyme in Form der expliziten Wiederaufnahme verwendet werden, z.
B. Essen = Speise = Kost. Semantisch ist dies interessant, sich `Kost´ ursprünglich auf die Aufwendun-
gen oder Ausgabe (eine Sache kostet etwas; die Kosten) bezogen haben, heute aber in dieser Form
für Nahrung (bzw. Ernährung) verwendet wird. Das Verb `kosten´ wird dennoch für etwas ausgeben
oder etwas probieren genutzt. Ein weiteres Synonym ist anstelle von Trinken = Getränk. Im Text wer-
den auch konträre Antonyme verwendet (Vorlieben/ Abneigung).
Als häufig wiederkehrende sprachliche Strukturen lassen sich des Weiteren adjektivisch gebrauchte
Partizipien (pflegeerschwerende; pflegebedingte), qualifizierende Adjektive (süß; sauer), attributive
Adjektive (endloses Kauen), Substantivierungen (Anleiten, Beaufsichtigen) sowie Verb- und Objekt-
bzw. Objekt- und Verbkonstruktionen (braucht Anleitung; hat Appetit; Essplatz gestalten) ausfindig
machen.

27
Analyse Text 1 Pflegeplan: Ernährung

28
9.2 Text 2 Belehrung: Infektionsschutzgesetz
Der erste Text ist eine Belehrung für Pflegekräfte zu den Themen Infektionen und MRSA, welcher
durch eine PowerPoint Präsentation visualisiert wurde (vgl. Anhang 4). Die beiden Themenkomplexe
betrachten wir anhand der Kriterien zur Textanalyse getrennt, verweisen aber auf strukturelle Ele-
mente, welche in beiden Textteilen zu finden sind. Zur Abgrenzung der Folien haben wir uns ent-

T T I

Textfunktion
Der erste Abschnitt der Belehrung umfasst das Thema I I k-
tion. Die Belehrung richtet sich zwar direkt an das Pflegepersonal, allerdings wird keine einzelne Per-
P K man I Z
86 ff)).
Zu Be E W I Z
W E Z 19) Merkmale und Definitionen genannt, anhand derer die
Pfleger einen Bezug zur Thematik herstellen. Es kann davon ausgegangen werden, dass inhaltlich an
Vorwissen angeknüpft und dieses reaktiviert wird, da im pflegerischen Tätigkeitsfeld der Umgang mit
Infektionen eine wichtige Aufgabe darstellt. In der Mitte und am Ende des Textes ist eine Appellfunk-
tion vorhanden. Das Pflege H d-
sätzlich wer mit Nahrung zu tun hat H Z
M - und Tröpfcheninfektion! Und ich bin der größte Über
(Z. 146 ff).
Der Appell wird einerseits durch die Konstruktion haben + zu + Infinitiv deutlich und andererseits
durch die Verwendung eines Imperativsatzes. Die Ausrufezeichen verdeutlichen zusätzlich die Wich-
tigkeit des Gesagten. Ebenso wird das Adjektiv im Superlativ verwendet. Dies steigert die Ausdrucks-
fähigkeit.

Thema
D H I A Ü F e-
benthemen abgegrenzt. Dazu gehören folgende: Zeichen einer Infektion, Infektionswege, Prophylaxe
und Gefahren. Zwischen den zuletzt genannten wird ebenfalls die Nadelstichverletzung als Neben-
thema aufgeführt. Thematisch gehört diese zu den Infektionswegen. Da aber ein Perspektivwechsel
innerhalb des Textes stattfindet, erfolgt die Platzierung an dieser Stelle. Im Punkt Themenentfaltung
wird dieser Aspekt genauer betrachtet. Die Abgrenzung der Themen geschieht zudem auch unter
Z B

29
Der Text ist auf die Rezipienten, d. h. das Pflegepersonal, bezogen. Diese werden auch explizit als
Zielgruppe erwähnt (Z. 145). Ebenfalls werden Maßnahmen im Falle einer Nadelstichverletzung auf-
geführt (Z. 125 ff), welche direkt an die Pflegekräfte adressiert und darüber hinaus nachzeitig sind.
Das zu Beginn genannte Inkrafttreten des Gesetzes und die letzte Änderung sind vorzeitig, da sie für
das Pflegepersonal bereits gültig sind und auch nach der Belehrung Gültigkeit haben.

Themenentfaltung
Die Grundform der Themenentfaltung ist größtenteils deskriptiv. Generalisierbare Vorgänge, wie
bspw. Infektionswege, werden faktisch beschrieben. Die Nebenthemen sind weitgehend logisch mit-
D A Z
zwischen der Prophylaxe und den Gefahren genannt wird. Nachdem die Infektionswege einzeln be-
schrieben werden und diese Thematik mit einem Fazit endet (Z. 85 ff), wird aufgezeigt, wie sich das
Pflegepersonal vor diesen Infektionswegen schützen kann. Es geht also einerseits um die Interaktion
von Patienten (bzw. von Gegenständen des Patienten) und dem Pfleger, wodurch Krankheiten über-
tragen werden können. Andererseits wird verdeutlicht, wie sich das Pflegepersonal schützen kann.
Im nächsten Schritt wird die Perspektive gewechselt: Nadelstichverletzungen entstehen zwar auch
I P P P In-
fektion, da er sich mit einer Kanüle oder Lanzette verletzt. Wie auch für die Infektionswege werden
an dieser Stelle Vorschläge zur Prophylaxe gemacht (Z. 120 ff). Bis zu diesem Punkt kann eine inhaltli-
che Logik nachvollzogen werden, da die Nadelstichverletzung eine gesonderte Art des Infektionswe-
ges darstellt. Im Anschluss werden allerdings wiederholt Gefahrenquellen für Infektionsübertragung
(Z. 133 ff) genannt. An diesem Punkt ist nicht nachvollziehbar, worauf sich diese Gefahren jetzt genau
I F Z D P
wird bereits bei den Kontakt- und Schmierinfektionen (Z. 57 ff) aufgegriffen. Eine mögliche Erklärung
Ü P Ü Z
musste, da die Pflegekräfte täglich mit den Gegenständen der Patienten in Kontakt sind. Nichtsdes-
totrotz wirkt der Übergang etwas inkohärent.
Die Realisationsform des Textes ist weitgehend deskriptiv-sachbetont, da vorwiegend Faktenwissen
präsentiert wird. Wie im Punkt `Thema´ bereits beschrieben, enthält der Text aber auch zwei Appelle,
welche in unterschiedlicher Form an die Pflegekräfte gerichtet sind. Diese beziehen sich auch auf
einen theoretischen Sachverhalt, klingen aber tendenziell deskriptiv-meinungsbetont.

Grammatische Kohärenz
Die Belehrung zu den I P D z-
liche Inhalte dargestellt werden, welche aktuell Gültigkeit besitzen und zum anderen auf Verfah-
rensweisen im Umgang mit Infektionen Bezug genommen wird, welche ebenfalls gegenwärtig für die

30
Z Berührung von K
(Z. 61 ff).
Die Wortfelder sind durch eine häufige Verwendung von Synonymen gekennzeichnet, z. B. körperei-
gene Abwehr = Immunsystem & Lebewesen = Organismus/ Menschen = Wirt & Patient = Senior.
Dadurch erfolgt eine Wiederaufnahme im gesamten Textabschnitt. Eine weitere Form der Wieder-
P D A E K
kann eine Infektion entstehen. Ob sie Z E M n-
adelstichverletzungen sind Stich-, Schnitt- und Kratzverletzungen der
Haut durch scharfe/ spitze Instrumente, wie Kanülen oder Lanzetten, die mit Blut oder anderen Kör-
P Z
Die implizite Wiederaufnahme erfolgt im vorliegenden Text durch Teil-Ganzes-Beziehungen. Dazu
B M A Z M H
E B klinke, Tischplatte,
A Z 64), welche Meronyme der Tür, des Tisches und des Sessels sind.

T T MRSA

Textfunktion
Der Text über MRSA kann als informativ bezeichnet werden. Auf den ersten Folien erfolgt eine Defi-
nition und es werden die Fundorte des Keims sowie die Symptome und Ursachen beschrieben. Nach
der Vorstellung von medikamentöser Therapie ist der Rest des Textes größtenteils appellativ. Wie bei
einer Arbeitsanleitung wird aufgezeigt, was die Pflegekraft machen oder unterlassen soll. Dabei wer-
den Informationen und Anleitungen verknüpft. Der Text wird kontaktspezifisch über das Fallbespiel.
Die zu Belehrenden werden durch Fragen eingebunden. Es wird das Wissen der vorherigen Folien
abgefragt. Allerdings werden die Pflegekräfte nicht direkt angesprochen. Es wird zum Beispiel nicht
P
Ganzes für einen einzelnen Mitarbeiter genutzt. Man muss daher als Rezipient den Bezug zu sich
D F A P
Das Pflegepersonal kann sein Bestes versuchen, um alle vorgestellten Maßnahmen sorgfältig umzu-
setzen. Da MRSA jedoch sehr aggressiv ist, wird die Pflegekraft entlastet, des keine hundertprozenti-
ge Sicherheit gibt. Demnach ist sie nicht alleinig für die Übertragung verantwortlich.

Thema
Das Hauptthema dieses Teils der Belehrung ist der Erreger MRSA. Es umfasst die Nebenthemen Defi-
nition, Fundorte des Keims, Diagnosestellung, Symptome, Ursachen, medikamentöse Therapie und
Maßnahmen. Außerdem gibt es eine Kurzzusammenfassung, ein Fallbeispiel und schlussendlich ein
Fazit in Form eines Appells. Der Text ist auf die Rezipienten, die Pflegekräfte bezogen, die im An-
33
schluss an die Belehrung kompetent damit umgehen können sollen. Die Definitionen sind zeitlos,
solange es keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt. Die Maßnahmen sollen nachzeitig um-
gesetzt werden. Das Fallbeispiel ist vorzeitig. Es wird von einer Patientin berichtet, die von einem
ambulanten Pflegedienst betreut wurde. Allerdings kann man darüber diskutieren, ob ein fiktives
Beispiel zeitlich eingeordnet werden kann.

Themenentfaltung
Die Grundform der Themenentfaltung ist deskriptiv. Fakten werden dargestellt und der logische Zu-
sammenhang wird durch die Überschriften gewährleistet. Die Realisation ist sachbetont. Es gibt kei-
ne Hinweise darauf, dass die Pflegekraft von einer bestimmten Meinung überzeugt werden soll, da es
bei dem Vorgehen anscheinend feste Regelungen gibt, die umgesetzt werden müssen.

Grammatische Kohärenz
Der Textteil besteht aus Sätzen, Stichworten und sehr vielen Überschriften. Sprachhandlungen, die
ein Nichtmuttersprachler verstehen müsste, sind Aussagen, Aufforderungen und Fragen. Die Aussa-
D L
Stichworten Aussagen ableiten können. Die Aufforderungen sind nicht, wie in einem Deutschlehr-
werk, bei Imperativen mit Ausrufezeichen gezeichnet. Auch fehlt oft das Verb oder es ist substanti-
viert. Dies erschwert, dass die Aufforderungen als solche erkannt werden können.
Die drei vorkommenden Fragen sind mit der Überschrift Fragen gekennzeichnet. Es handelt sich um
eine Ergänzungsfrage und zwei Entscheidungsfragen. Es gibt viele Aufzählungen. Mit Hilfe von größe-
rer Schriftart, Unterstreichungen oder Änderung der Schriftdicke werden wichtige Informationen
hervorgehoben, wie z. B. Händedesinfektion oder Kontakt- sowie Schmier- und Tröpfcheninfektion.
Die Tempuskontinuität ist gegeben. Der gesamte Textteil ist im Präsens verfasst bzw. es wird durch
die Substantivierungen Verbflektionen vermieden.
Viele Wörter können den Wortfamilien krank, Keim, Infektion, Desinfektion, Pflege und Schutz zuge-
ordnet werden. Dies wird nachstehend verdeutlicht:

34
Das übergeordnete semantische Feld lautet Krankheit. Andere semantische Felder sind Mensch, zu
Hause, Hilfsmittel des Pflegepersonals und medizinische Berufe.
Die Elemente Haut, bestimmte Umstände, der Keim und Antibiotika werden durch Repetitionen und
Pronomen explizit wiederaufgenommen. Außerdem gibt es viele implizite Wiederaufnahmen durch
Teil-Ganzes-Beziehungen, wie z. B. Körper und Kopf.
Es werden Subjunktionen und Konjunktionen in den Sätzen verwendet. Bei den Stichpunkten werden
viele Präpositionen zur Kohärenzbildung genutzt. Im gesamten Text gibt es zahlreiche Adverbien.
Es treten viele Adjektivkomparationen und Kurzwörter auf. Es fallen Modalverben und der Kasus
Genitiv auf. Semantisch relevant für einen Nichtmuttersprachler erscheinen die Worte Eintrittspforte,
streuen, abhängen, sitzen, besiedeln, rüstig und entsprechen. Durch die Markierungen erkennbar,
gibt es sehr viele Komposita, Partikel- und Präfixverben, Derivationen und einige Partizipien.

36
Analyse Text 1 Belehrung Infektionsschutzgesetz

Derivation Partizip
Komposita (2 lexikalische Einheiten) Substantivierung
Partikelverb Wiederaufnahme
Präfixverb Andere Auffälligkeiten

Text Grammatische Ebene /


Grammatische Kohärenz (nach Brinker)
1 InfektionsSchutzGesetz

2 Inkrafttreten am: 1 Januar 2001


3 Letzte Änderung: 4. August 2011
4 Zweck des Gesetzes ist es, Genitiv
5 übertragbaren Krankheiten beim Zusammenhang von Krankheit & Infektion wird
6 Menschen vorzubeugen, Infektionen dargestellt
7 frühzeitig zu erkennen und ihre
8 Weiterverbreitung zu verhindern.
9 Prophylaxen
10 Koordinaten und Früherkennung
11 durch RKI  Robert-Koch-Institut Buchstabenwort
12 Was ist eine Infektion? Ergänzungsfrage

13 aktives oder passives Eindringen, Verhalten des Keimes wird beschrieben


14 Verbleiben und anschließende
15 Vermehrung von pathogenen
16 Lebewesen/ Krankheitserregern Synonym: pathogene Lebewesen/
17 (Mikroorganismen) in einen Wirt. Krankheitserreger  Wortfeld

18 Was sind die Mikroorganismen die Ergänzungsfrage; Wortwiederholung:


19 pathogen (krankheitserregend) sind? Mikroorganismen  ist Hyperonym

20 Bakterien, Viren, Pilze, Würmer und semantische Vertextungstypen  Hyponyme zu


21 Einzeller/Prionen Mikroorganismen

22 Aus dem Einnisten der Verhalten des Keimes wird beschrieben


23 Krankheitserreger kann eine Infektion
24 entstehen.
25 Ob sie entsteht, hängt von 2 Faktoren
26 ab: 1. dem Keim selbst, bzw. Anzahl, explizite Wiederaufnahme (sie = Infektion)
27 (Minimale Infektionsdosis) und explikativ  Infektion kann entstehen
28 Intensität E E
29 2. der körpereigenen Abwehr, dem Synonym: Abwehr + Immunsystem  Menschen/
30 Immunsystem Wirt

37
31 Zeichen einer Infektion

32 Was sind die Entzündungszeichen? Ergänzungsfrage


33 Rötung, semantische Vertextungstypen
34 Schwellung,
35 Schmerz,
36 erhöhte Temperatur,
37 geminderte Funktionen/
38 Einschränkung
39 Infektionswege

40 Tröpfcheninfektion Hyponyme (semantische Vertextungstypen) 


41 Kontakt- oder Schmierinfektion werden nachstehend erklärt
42 Infektion über Austausch von
43 Körperflüssigkeiten
44 Infektion über blutsaugende
45 Insekten (zu vernachlässigen)
46 Tröpfcheninfektion
47 Aerosol: Durchmischung von flüssigen Antonyme
48 und/ oder festen Teilchen Synonym: Teilchen + Mikropartikel
49 (Mikropartikeln) in einem Gas (können in: Präposition fordert Dativ
50 auch lange Zeit in der Luft schweben)
51 Tröpfchen: kleine Tropfen (maximale Wortwiederholung Tropfen/ Tröpfchen
52 Distanz für eine Infektion durch kleine (Verniedlichung) ; Z. 27  Antonym
53 Tröpfchen beträgt etwa 3 m)
54  beim Sprechen, Niesen und Husten
55 durch Vernebelung keimhaltiger Synonym: Sekrete & Tropfen
56 Sekrete
57 Kontakt- oder Schmierinfektion
58 eine direkte Übertragung von A
59 Krankheitserregern durch Berührung Wortwiederholung: Berührung;
60 eines Lebewesens. Genitiv
61 Auch bei Berührung von mit
62 Krankheitserregern kontaminierten
63 Gegenständen (Türklinke, Tischplatte, semantische Vertextungstypen  Meronym
64 Armlehnen).
65  durch unbewusste Berührung von
66 Nase, Mund oder Augen gelangen Teil-Ganzes-Beziehung  mit Organismus
67 infektiöse Keime über die Synonym1: Krankheitserreger & Keime
68 Schleimhäute in den menschlichen Synonym2: Lebewesen & Organismus
69 Organismus
70 Infektion über Austausch von
71 Körperflüssigkeiten Sind Teil des Lebewesens/ Organismus

72 In der Pflege v.a. Urin, Blut, Kot, Hyponyme  gehören zum Lebewesen
73 Erbrochenes

38
74 Übertragung durch Nahrung
75 Einige Erreger können durch die
76 Nahrung oder das Trinkwasser
77 übertragen werden. Vorgangspassiv
78 Nahrung auf Aussehen, Konsistenz
79 und
80 MHD überprüfen Kurzwort
81 Grundsätzlich wer mit Nahrung zu appellativ
82 tun hat:
83 Vorher Hände waschen/
84 (Desinfizieren)
85 Kennt man die Infektionswege bzw. Indefinitpronomen
86 Übertragungswege, können viele
87 Infektionen vermieden werden. Vorgangspassiv
88 Prophylaxe

89 Überträger- und Eigenschutz


90 Handschuhe bei Umgang mit
91 Ausscheidungen
92 Bei der Intimpflege
93 Bei der Wundversorgung

94 Händedesinfektion
95 Vor und nach Patientenkontakt (wenn konditional
96 zur Grundpflege oder bei
97 Toilettengang)
98 Wenn Senior erkrankt ist (z. B. Grippe) konditional; Synonym: Senior für Patient
99 oder immungeschwächt
100 Nadelstichverletzung Hyperonym

101 Nadelstichverletzungen sind Stich-, Hyponyme


102 Schnitt- und Kratzverletzungen
103 der Haut durch scharfe/spitze
104 Instrumente, wie Kanülen oder Semantik  Homonym
105 Lanzetten, die mit Blut oder anderen Relativadverb; Hyponym zu Körperflüssigkeit
106 Körperflüssigkeiten von Patienten
107 verunreinigt sind. Zustandspassiv
108 Auch kleine Verletzungen, wie der Relativadverb
109 nicht blutende P
110 Insulin-Pen, können eine schwere
111 Infektionskrankheit
112 zur Folge haben.

113 Bereits die nicht sichtbaren


114 Blutmengen an einer Kanülenspitze Wiederaufnahme Blut + Kanüle
115 können ausreichen, um das
116 Hepatitis-
117 B-Virus zu übertragen und eine Folge 1
118 chronische Lebererkrankung Folge 2
119 hervorzurufen.

39
120 Prophylaxe
121 Nie Recapping Anglizismus
122 Ein-Hand-Methode (Einmalkanülen)
123 Abwurf in Entsorgungsbox
124 Schutzimpfung
125 Sofortmaßnahmen bei Aufforderung als Sprachhandlung
126 Nadelstichverletzungen
127 Wunde ausbluten lassen Bedeutung: nicht daran hindern
128 Mit geeignetem alkoholischen
129 Desinfektionsmittel desinfizieren
130 Leitung informieren
131 Sofort Arzt aufsuchen, sofern Adverb
132 erreichbar den Betriebsarzt/D-Arzt Kurzwort  Durchgangsarzt
133 Gefahren Gefahrenquelle
134 Kontaminierte Flächen oder attributives Adjektiv
135 Gegenstände
136 (z. B. Wäsche, Stethoskop, BZ-
137 Messgerät, Blutdruckmanschetten,
138 Kulis) Kurzwort
139 Alle kontaminierten Gegenstände attributives Adjektiv
140 beim Patienten
141 (Seifen, Stuhllehne, Türklinke, siehe Z. 63 (Türklinke)
142 Lichtschalter, Wasserhahn, Bett) Quelle ist Wiederaufnahme von Gefahr
143 Quelle ist oft nicht klar
144 Größter Überträger: Superlativ
145 Die Hände des Pflegepersonals Genitiv; genaue Lokalisation

146 Merke: appellativ


147 Schmier- und Tröpfcheninfektion!
148 Und ich bin der größte Überträger! direkter Bezug; Superlativ

149 MRSA Präsens


150 Methicillin-resistente Staphylococcus
151 aureus
152 auch Adverb
153 ORSA
154 Oxacillin-resistente Staphylococcus
155 aureus
156 Bei ORSA und MRSA handelt es sich
157 um denselben Erreger, wobei sich Subjunktion
158 inzwischen die Bezeichnung MRSA
159 durchgesetzt hat.
160 Der natürliche Standort ist die Haut Sätze, explizite Wiederaufnahme
161 und die Schleimhaut von Mensch
162 und Tier. Etwa 30 bis 40% aller
163 Menschen sind ständig oder Adjektiv
164 vorübergehend mit Staphylococcus
165 aureus besiedelt, vorwiegend im
166 Nasen- und Rachenraum. Diese
167 Besiedlung hat zunächst keinen Adverb
168 Krankheitswert, da Staphylococcus
169 aureus nur unter bestimmten
170 Umständen (z. B. im Zusammenhang explizite Wiederaufnahme

40
171 mit offenen Wunden) Infektionen
172 verursacht.

173 Medizinisches Personal erkrankt


174 trotz der höheren Besiedlungsrate Konzessivsatz; Komparativ
175 nicht häufiger an Staphylococcus explizite Wiederaufnahme
176 aureus-Infektionen als andere
177 Menschen.
178 Gegen MRSA-Bakterien sind explizite Wiederaufnahme von Krankheitserreger
179 bestimmte Antibiotika die
180 sogenannten Beta-Laktam- explizite Wiederaufnahme Antibiotika
181 Antbiotika meist unwirksam. Die explizite Wiederaufnahme
182 MRSA-Bakterien stellen ein explizite Wiederaufnahme
183 bestimmtes ENZYM her, welches sie Wiederaufnahme; Genitiv; Relativsatz
184 vor der Wirkung des Antibiotikums Adjektive
185 schützt. Häufig ist ein MRSA-Keim
186 gleichzeitig gegen verschiedene
187 Antibiotika resistent (Multiresistenz).
188 Da Staphylococcus aureus sehr explizite Wiederaufnahme Staphylococcus
189 widerstandfähig ist, bleibt er über Wiederaufnahme über Pronomen
190 hundert Tage auch auf sterilen Adverb
191 Gegenständen und Flächen
192 lebensfähig. Pathogen werden die
193 Keime erst dann, wenn das Konditionalsatz
194 Immunsystem geschwächt ist oder
195 wenn sie durch Eintrittspforten in Semantik
196 den Körper gelangen können.
197 Selbst ohne Nahrung kann Partikel; Ersatzform Passiv
198 Staphylococcus aureus Monate explizite Wiederaufnahme
199 infektiös bleiben.

200 Instrumente, Katheter, Aufzählungen


201 Beatmungsgeräte, BZ-Geräte, partielles Kurzwort
202 Stethoskop, alle Hilfsmittel aber Hilfsmittel Hyperonym
203 auch Textilien und Diagnose-Geräte
204 können infiziert sein. Ersatzform Passiv

205 Dieser Umstand macht eine 100%- Katadeixis  O


206 ige Desinfektion schwierig.
207 Häuslichkeit

208 Im Haushalt streut der erkrankte streuen: Semantik!; semantisches Feld


209 Patient die Keime ganz besonders
210 über Türklinken, Griffe, Armaturen Präposition
211 und Lichtschalter und auch über PC- Adverb, partielles Kurzwort, Bindestrich
212 Tastaturen/-mäuse.

213 PC-Tastaturen weisen durch die explizite Wiederaufnahme, große Verbalklammer


214 vielen Spalten und die schlechte Superlativ
215 Reinigungsfähigkeit die höchsten
216 Keimzahlen hygienisch normale Modalverb, Konjunktiv

41
217 geführter Haushalte auf und sollten
218 aus diesem Grunde nicht erst Konditionalsatz
219 gewechselt werden, wenn sie
220 technisch verschlissen sind.
221 Keimbesiedelung verkürzte Sätze
222 bevorzugt im Nasen-Rachenraum explizite Wiederaufnahme
223 an behaarten Körperstellen
224 des Kopfes Genitiv
225 der Achsel
226 3. der Leisten und Schamregion
227 Diagnose

228 Watteträger-Abstrich in
229 Mund/Nasen-Rachenraum explizite Wiederaufnahme
230 oder an
231 Wunden, Dauerkatheter, behaarte explizite Wiederaufnahme von behaarten
232 Regionen Körperstellen
233 Symptome

234 hängen vom Ort der Infektion ab explizite Wiederaufnahme Regionen, abhängen
235 deshalb unterschiedliches Semantik! kausal
236 Erscheinungsbild
237 nicht heilende OP-Wunden partielles Kurzwort
238 (Nekrosebildung)
239 Abszesse, Furunkel, Karbunkel
240 Harn- oder Atemwegsinfekte
241 MRSA kann Ursache sein für Nomen fordert Präposition
242 Sepsis
243 Pneumonie
244 Osteitis und Osteomyelitis
245 Pyodermie
246 rezidivierende Furunkulose
247 Sinusitis/ Otitis media
248 bakterielle Arthritis
249 eitrige Parotitis
250 Phlegmone
251 etc.

252 Therapie Sätze

253 In der Regel können noch einige


254 Antibiotika der neusten Generation Superlativ
255 gefunden werden, auf die der Keim auf etwas reagieren
256 sensibel reagiert.
257 Das Problem bei der Medikation Präposition
258 besteht darin, dass das Antibiotikum
259 nach der Einnahme den Herd auch Semantik, nicht in der Küche, explizite
260 erreichen muss, um überhaupt Wiederaufnahme Krankheitserreger; Modalverb;
261 wirken zu können. zu plus Infinitiv
262 WICHTIG:

263 Händedesinfektion

42
264 Kurzzusammenfassung explizite Wiederaufnahmen
265 Hautkeim
266 Überlebenszeit in der Umwelt (kann Modalverb
267 fast überall sitzen): bis 6 Monate nicht auf einem Stuhl sitzen (Semantik)
268 Schädigt nur immungeschwächte Partikel
269 Menschen
270 Verschiedene Antibiotika-
271 Resistenzmuster
272 Keine Resistenz gegenüber
273 Desinfektionsmitteln
274 Übertragungsweg:
275 Hautkontakt, Sekrete, Exkrete

276 Kontakt-, sowie Schmier- und Konnektoren


277 Tröpfcheninfektion
278 Beachten des häufigen Umfeldes Genitiv

279 Grunderkrankungen und


280 Infektionsrisiken von Mitbewohnern
281 einschätzen
282 Häufige Transmissionswege meronymische Beziehungen
283 erkennen, z. B.:
284 gemeinsames
285 Bad/Waschbecken/Dusche
286 Pflegeutensilien (Cremes, Lotionen,
287 Zahnbürsten, etc.)
288 bestimmte Gebrauchsgegenstände
289 (z. B. Sisal-Handschuhe
290 Ableiten von Schutzmaßnahmen

291 Pflegepersonal:
292 Einweghandschuhe bei Kontakt zu
293 Sekret/Exkret/Haut (im
294 Zimmer/Whg) ausziehen
295 Schutzkittel bei engem Kontakt
296 (Verbleibt bei Patient im verbleiben bei
297 Zimmer/Whg)
298 Händedesinfektion explizite Wiederaufnahme
299 ggf. Mund-Nasenschutz explizite Wiederaufnahme; Buchstabenwort
300 Händedesinfektion nach Präposition
301 Patientenversorgung und nach
302 Verlassen des häuslichen Bereichs Genitiv

303 Allgemein:
304 Information an alle an der Therapie Hyperonym
305 Betroffenen (Krankentransport,
306 Physio, Arzt, Ergo, etc.) Kopfwörter
307 Benutzung von
308 EINMALINSTRUMENTEN Hyperonym
309 (Pinzette, Scheren, etc.)

310 Im Pflegeheim/KH: Silbenwort

43
311 Einmal täglich Wischdesinfektion
312 von Nachttisch, Flächen der nahen
313 Umgebung

314 Individuelles Risiko:


315 Aufklärung des Betroffenen Genitiv
316 Sanierung erwägen
317 Wundmanagement
318 Hautpflege

319 Häusliches Umfeld:


320 Gezielte Desinfektion bei
321 kontaminierten Flächen
322 Ggf. Flächendesinfektion der
323 häufigen Handkontaktflächen
324 (Bad/Duschbereich/Waschbecken) meronymische Beziehungen, Bestandteile des
325 Ggf. Schutzmaßnahmen für Bads
326 Mitbewohner bei bestimmten
327 Grunderkrankungen
328 Fallbeispiel Sätze

329 Ein ambulanter Pflegedienst betreut


330 eine im Nasen-Rachenraum und in
331 der Wunde mit MRSA besiedelte, Semantik
332 rüstige Rentnerin zu Hause. Die Erklärung, was rüstig bedeutet
333 Rentnerin spielt gerne Karten und
334 trifft sich mit Freunden im Café.

335 Fragen:
336 Wie soll sich der ambulante Modalverb; Reflexivpronomen; Ergänzungsfrage
337 Pflegedienst schützen?
338 Sind Desinfektionsmaßnahmen des Entscheidungsfragen
339 häuslichen Umfeldes angezeigt?
340 Ist der Café-Besuch und der Umgang
341 mit anderen Personen möglich?

342 Schutzziel:
343 Vermeidung der
344 Erregerübertragung auf andere
345 Patienten

44
346 Pflegeperson als Letztes in Tour Aufforderung als Sprachhandlung
347 planen
348 Pflegeabläufe planen:
349 vom geringen zum hohen Risiko
350 (waschen, Versorgung des
351 Urinbeutels, usw.)
352 Einweghandschuhe bei Verrichtung
353 pflegerischer Maßnahmen; ggf.
354 zwischendurch desinfizieren
355 Schutzkittel bei engem Kontakt zum
356 Patienten, Mehrfachkittel verbleibt
357 beim Patienten explizite Wiederaufnahme Rentnerin
358 Händedesinfektion nach Ablegen
359 der Schutzkleidung
360 Händedesinfektion nach Verlassen
361 der Patientenwohnung
362 Keine Desinfektionsmaßnahmen im
363 häuslichen Bereich (s.
364 Kommissionsempfehlung)
365 Das Risiko der Transmission im Café
366 entspricht dem allgemeinen entsprechen vs. sprechen Semantik
367 Restrisiko

368 Arbeitskleidung sofort ausziehen


369 und bei mind. 60°C waschen
370 Ggf. Sanitärbereich täglich mit Kurzwort
371 bakterioziden
372 Flächendesinfektionsmittel
373 wischdesinfizieren
374 Ggf. häufiger Wechsel der
375 Kopfkissenbezüge beim MRSA- Komparativ; häufig vs. täglich
376 Träger explizite Wiederaufnahme Patient
377 Null Risiko gibt es nicht! Fazit, Appell

45
9.3 Text 3 Anleitung aus dem Qualitätsmanagement:
Betreuung eines sterbenden Patienten

Textfunktion
Da wir von einer Anleitung im Rahmen des Qualitätsmanagements (vgl. Anhang 5) ausgehen, ist die
Hauptfunktion dieses Textes appellativ. Wie gehe ich als Pflegkraft mit einem sterbenden Patienten
um, wie erkenne ich, dass er sterben wird und wie schaffe ich es selbst, damit umzugehen. Der Text
enthält aber auch informative Anteile durch die Aufzählungen der Anzeichen und der Erklärung der
Situation des Patienten. Dies wird direkt signalisiert durch die Überschriften Allgemeines; Menschen,
die bald sterben und Zeichen des herannahenden Todes.

Thema
Das Thema des Textes ist der sterbende Patient. Die Nebenthemen ergeben sich durch die Über-
schriften Allgemeines, Ziel, pflegerische Maßnahmen; Menschen, die bald sterben und Zeichen, des
herannahenden Todes. Die Reihenfolge der Themen ist schwierig nachvollziehbar. Unter Allgemeines
erwartet man eine Einführung in den Text. Dies geschieht nicht. Stattdessen wird eine Gruppe her-
ausgegriffen, die Patienten, die das Sterben bewusst erleben und erläutert, welche Phasen sie durch-
laufen. Anschließend folgen die Ziele und Maßnahmen, die die Pflegekraft verfolgen sollte. Abschlie-
ßend werden Symptome thematisiert. Eine strukturiertere Reihenfolge wäre nach einer Einführung,
in der erklärt wird, dass es Patienten gibt, die das Sterben bewusst erleben und andere nicht, eine
Differenzierung der Symptome nach diesen beiden Gruppen oder eine Erwähnung aller Symptome zu
Beginn, um zum Schluss die Maßnahmen zu thematisieren.
Die Beschreibung der Symptome, Anzeichen, Besonderheiten und Ziele ist zeitlos. Die Maßnahmen
sind nachzeitig durchzuführen. Der Text richtet sich konkret an den Rezipienten, die Pflegekraft. Sie
soll die eigene Hilflosigkeit annehmen und selbst innerlich vom Sterben loslassen.
Die Abschnitte betreffen direkt den Pfleger oder den Patienten. Allgemeines, Menschen, die bald
sterben und Zeichen des herannahenden Todes lassen sich dem Patienten zuordnen. Die Sätze von
pflegerischen Maßnahmen handeln alle von dem Patienten außer den letzten beiden Punkten. Ziel
und Pflegerische Maßnahmen beziehen sich direkt auf den Pfleger und damit wird eine Kontaktfunk-
tion hergestellt. Wir (alle Pflegekräfte) haben die gleichen Ziele und Schwierigkeiten. Es gibt einen
psychologischen Aspekt in der Arbeit mit alten Menschen. Wie gehe ich mit Trauer adäquat um,
wenn ich in einem Beruf arbeite, in dem Tod zum Berufsalltag gehört. Trotz des ernsten Themas
werden viele Maßnahmen positiviert dargestellt. Der Pfleger soll Wünsche erfüllen, den Angehörigen
und Freunde helfen oder eine ruhige freundliche Atmosphäre schaffen. Die Pflegekraft wirkt in der
F E W U d-

46
Es finden sich viele abstrakte Begriffe zu dieser Thematik. Diese sind negativ wie z. B. Verwirrtheit,
aber auch positiv z. B. Ruhe. Die Gefühle können einerseits fließend ineinander übergehen - von ei-
nem letzten Aufleuchten hin zur Verzweiflung-, andererseits stehen sie sich als Antonyme gegenüber,
wie z. B. Ruhe und Unruhe. Durch diese Verwendung werden die Empfindungen der Sterbephasen
wiedergespiegelt. Es werden zweimal Begriffe zum Thema Religion verwendet: geistlicher Beistand
und Glauben. Dieses Thema stellt für eine Didaktisierung ein großes und weitreichendes Feld dar,
welches aber auch schwer zu fassen und einzugrenzen ist.
Semantisch interessant erscheinen darüber hinaus die Begriffe gepflegtes Äußeres, Aufleuchten oder
eine ruhige und freundliche Atmosphäre. Im Text wird nicht ausgeführt, wie die Pflegekraft dies er-
reichen soll. Was gehört alles zu einem gepflegten Äußeren? Viele Elemente werden explizit wieder-
aufgenommen. Dies geschieht durch Relativ- P Patienten, der sein
oder es wird durch Pronomen vorgegriffen (das, was danach sein wird). Dies ist katadeik-
tisch. Am meisten wird P z. B. durch Sterbender oder Menschen, die
bald sterben. Es gibt aber auch Repetitionen wie gepflegtes Äußeres. Eine implizite Wiederaufnahme
ist Zeichen des herannahenden Todes. Dies hat eine Teil-Ganzes Beziehung zu körperliches Befinden
des Patienten aus dem ersten Abschnitt.
Die Konjunktion und verbindet, sowohl ganze Sätze als auch Teilsätze. Auch Präpositionen und Rela-
tivsätze tragen zur Kohärenz be . Es wird bei den Satzteilen vom
Rezipienten erwartet, dass er das Subjekt automatisch hinzufügt.
Im Mittelteil bei Ziel und Pflegerische Maßnahmen finden sich nur Verb-Objekt-Konstruktionen mit
Verbendstellung.
Besonders hervorstechend sind die viele Adjektive und Adverbien, welche vor allem zur Emotionali-
tät beitragen. Diese führen wir in folgendem Kästchen auf:

häufig, sozial, körperlich, betreut, geborgen, speziell, gepflegt, einfühlsam, ehrlich, nonverbal,
ruhig, freundlich, geistlich, ernst, vertretbar, zusätzlich, innerlich, besonders, kalt, weiß, spitz

I Z Z a-
ren Symptome, wie Fieber, gefolgt von den sichtbaren Symptomen, wie kalter Schweiß, genannt. Die
letzten drei Anzeichen sind nur über Gespräche oder die Gesamtsituation herauszufinden (Unruhe,
Angst, Verwirrtheit). Außerdem sind die Zeichen physisch oder psychisch z. B. Blutdruckabfall vs.
Unruhe.
Im folgenden Text befinden sich wieder viele markierte Derivationen, Komposita, Partikelverben,
Präfixverben, Partizipien und Substantivierungen. Der Kasus Genitiv wird viel benutzt. Es gibt einzel-
ne Modalverben.

48
Analyse Text 3 Anleitung aus dem Qualitätsmanagement:

Derivation Partizip
Komposita (2 lexikalische Einheiten) Substantivierung
Partikelverb Wiederaufnahme
Präfixverb Andere Auffälligkeiten

Text Grammatische Ebene /


Grammatische Kohärenz (nach Brinker)
1 A8 Betreuung eines sterbenden Genitiv
2 Patienten (Erstellungsdatum 2000)

3 Allgemeines

4 Die Situation des Patienten, der sein Genitiv; explizite Wiederaufnahme


5 Sterben mit Bewusstsein erlebt, ist vor Patienten; explizite Wiederaufnahme
6 allem geprägt von seinen Ängsten vor durch Relativpronomen und
7 dem Tod und an das, was danach sein Personalpronomen
8 wird. Angst vor etwas haben
9 Schwankungen zwischen Hoffnung und durch Relativpronomen wird vorgegriffen
10 Verzweiflung, sowie ein Klammern an
11 das Hier und Jetzt sind bei Sterbenden Konjunktion
12 häufig beobachtete Reaktionen explizite Wiederaufnahme Sterbenden
13 Wie ausgeprägt sie sind, ist abhängig
14 von dem gelebten Leben, den sozialen explizite Wiederaufnahme Reaktionen
15 Bedingungen, dem Glauben und dem durch sie
16 körperlichen Befinden des Patienten. Aufzählungen
Genitiv
17 Ziel

18 der Patient soll sich gut betreut und explizite Wiederaufnahme Patient;
19 geborgen fühlen Modalverb
20 spezielle Wünsche des Sterbenden nach
21 Möglichkeit erfüllen Genitiv; explizite Wiederaufnahme
22 Schmerzfreiheit
23 gepflegtes Äußeres
24 Angehörige und Freunde erfahren Hilfe
25 und Unterstützung

49
26 Pflegerische Maßnahmen

27 auf Fragen einfühlsam und ehrlich Verb + Objekt-Konstruktionen im ganzen


28 reagieren Abschnitt
29 nonverbale Reaktionen beachten
30 eine ruhige freundliche Atmosphäre
31 schaffen
32 geistlichen Beistand anbieten
33 Zeit haben und Ruhe vermitteln
34 Schmerzäußerungen ernstnehmen und
35 Abhilfe durch Arzt gewährleisten
36 ein gepflegtes Äußeres explizite Wiederaufnahme
37 beibehalten/Zeitpunkt der Körperpflege
38 je nach Situation anpassen,
39 Pflegemaßnahmen auf ein vertretbares
40 Maß reduzieren/ zusätzliche
41 Beschwerden vermeiden
42 die eigene Hilflosigkeit annehmen
43 selbst innerlich vom Sterben loslassen
44 Menschen, die bald sterben explizite Wiederaufnahme sterbender
Patient
45 haben oft Vorahnungen vom Tod
46 haben manchmal Visionen Adverbien
47 wollen alle Angehörigen noch einmal
48 sehen, sich Modalverb
49 mit Feinden versöhnen
50 zeigen oft noch einmal ein besonderes
51 Aufleuchten, Lebensenergie und
52 Wachheit
53 Zeichen des herannahenden Todes Genitiv; implizite Wiederaufnahme
körperliches Befinden des Patienten aus
54 Fieber dem ersten Abschnitt
55 Tachykardie
56 Blutdruckabfall
57 kalter Schweiß
58 kalte Extremitäten
59 weiße Nasenspitze, die spitz aus dem Relativsatz
60 eingefallenen Mundwinkel ragt
61 Somnolenz, erschwerte Atmung Aufzählung
62 Unruhe, Angst, Verwirrtheit

50
10 Zusammenfassung/ Didaktische Empfehlung
Inwiefern das Textsortenwissen die Rezeption und Produktion von Texten steuert und somit auch die
Arbeit mit Texten beeinflusst, wird seit einiger Zeit verstärkt in der Sprachrezeptionsforschung disku-
tiert (Adamzik & Krause, 2009, S. 211). Für die vorliegende Arbeit ist es insofern relevant, da vor al-
lem beim Arbeiten mit dem Anamnesebogen nach bestimmten Mustern vorgegangen wird und an-
hand von Wörtern, welche eine Frage implizieren, auch öfter wiederkehrende Fragemuster entste-
hen (z. B. Essen bereiten = Wann wird das Essen zubereitet? Früh, vormittags, mittags usw.; Essplatz
gestalten = Wann wird der Essplatz gestaltet? Früh, vormittags, mittags usw.).
Im Hinblick auf die grammatischen Phänomene lassen sich folgende Schwerpunkte aus der Analyse
ableiten:
 Synonyme (wobei die Semantik auch mehrdeutig sein kann oder deutsche Begriffe als Syno-
nyme für lateinische/ medizinische Fachbegriffe verwendet werden)
 Wechselpräpositionen unterscheiden können
 semantische Felder &Wortfelder erkennen und deren Bedeutung ableiten können
 Kurzwörter erschließen können
 Lernstrategien Komposita
 Verkürzte Satzstrukturen ohne Subjekt mit Verbendstellung
 Substantivierungen
 Partikel und Präfixverben
Im nächsten Schritt werden diese Ergebnisse in den Didaktisierungsprozess einbezogen, wobei der
Schwerpunkt auf den sprachlichen Handlungen in Kombination mit den grammatischen Phänomenen
liegt.

11 Didaktische Vorüberlegungen
Die textlinguistische Analyse sowie die dazu verwendeten Textsorten dienen im Nachfolgenden als
Grundlage für die didaktischen Überlegungen. Die grammatischen Schwerpunkte, die im vorherge-
K Z E wurden, sollen nun in
Form von Modulen sogenannten Szenarios ihre Einbettung in handlungsorientierten und lerner-
zentrierten Aufgaben finden.
Es erscheint hierbei sinnvoll, die bereits vorhandenen Texte in ihren Handlungskontext einzuordnen,
Lernziele festzulegen und sie unserer Zielgruppe anzupassen. Aus dieser Grundüberlegung heraus
ergeben sich drei Szenarien, d. h. Handlungsfelder, in denen eines dieser Dokumente jeweils den
Kern bildet. Der Schwerpunkt liegt somit auf der Schriftlichkeit, jedoch sollen auch die weiteren drei
Fertigkeiten des Lesens, Hörens und Sprechens in die Szenarien einfließen und so zu einem
abwechslungsreichen und anspruchsvollen Material führen. Da wir bereits in der Einleitung davon

51
ausgehen, dass die Lerner allgemeine Sprachkenntnisse des Niveaus B2 beherrschen, sollen die drei
Szenarien in Bezug auf ihre Lernziele ebenfalls das Niveau B2 anstreben, denn ein berufsspezifisches
Sprachwissen ist nicht zu erwarten.
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Bei unserer anfänglichen Bedarfsanalyse stellte sich heraus,
dass schriftsprachliche Handlungen Herausforderungen an unsere Zielgruppe stellen und spezifische
Kenntnisse voraussetzen. Anhand der Analyse relevanter, vielfältiger und häufig verwendeter Texte
aus dem Berufsalltag konnten linguistische Schwerpunkte herausgearbeitet werden, die nun zu
didaktisieren sind. Die Software Profile Deutsch hilft uns bei der Erstellung eines Rahmencurriculums,
mit dessen Hilfe eine detaillierte Planung und Aufgabenentwicklung möglich wird. Ein Blick in
fachspezifische Lehrwerke aus diesem Bereich gibt uns einen kleinen Einblick in die Vielzahl von
Möglichkeiten, Aufgaben und Übungen zu konzipieren und soll hier direkt als ein kleiner Exkurs in
bereits vorhandene Materialien dienen. Hierbei betrachten wir folgende Lehrwerke:
B B D B

Ein aktuelles Lehrwerk aus dem Jahre 2012 ist der Treffpunkt Beruf für das Niveau B1. Die vier großen
A H I B Z
bilden die Überschriften für eine Reihe von Situationen aus dem Berufsleben, die hier in der Art von
Kann-Beschreibungen formuliert sind. Der Lerner hat so die Möglichkeit seine Fortschritte zu
verfolgen und auch Defizite, die im Berufsalltag auftreten, gezielt zu bearbeiten. Am Ende jedes
Themenbereiches befinden sich Übersichten, die besonders nützliche und wichtige Wörter der
L B D L
auf eine spezifische Berufsgruppe ausgelegt, deckt aber fast alle Bereiche zu einem gewissen Teil ab.

Nennenswert sind hier der Servicebereich (Harst 2012: 4ff.), Pflegeberufe (ebd.: 16ff.) sowie
Handwerks- und Industrieberufe (ebd.: 28ff). Der Fokus liegt hier auf allgemeingültigen Situationen
aus dem Berufsleben, wie beispielweise dem Patientengespräch, dem Schreiben einer Rechnung,
dem Sprechen über eigene Stärken und Schwächen oder dem Schreiben eines Berichtes. Besonders
auffällig ist die hohe Aktualität des verwendeten Materials. Es wird sich unter anderem anhand von
Statistiken mit den Arbeitsbedingungen von Pflegekräften auseinandergesetzt (ebd.: 24) oder die
Vor- und Nachteile von Großunternehmen besprochen (ebd.: 28). Informative, bunt markierte Kästen
beinhalten wichtige Zusatzinformationen oder Alltagstipps (ebd.: 17) für die Lerner. Des Weiteren
B A bentypen. Von Gruppendiskussionen (ebd.:
16) über das Schreiben von kurzen Texten und Übungsrechnungen (ebd.: 35) bis zur Partnerarbeit
(ebd.: 25) und Hörübungen (ebd.: 20), wird jede der vier Fertigkeiten bedacht.
D L D B r weder einen direkten Bezug zur Pflegebranche dar, noch ist
es von besonderer Aktualität, dennoch konnten wir aus dem besonderen Aufbau des für

52
Industrieberufe geeigneten Lehrwerkes, einige wichtige Schlüsse für den Aufbau unserer
selbsterstellten Materia A U A A
Handlungskontext von Anfang bis Ende des Lehrwerks. Beginnend mit der Vorstellung der Firma und
ihrer Produkte über Projektplanung und Zahlungsabwicklung, sowie Arbeitsaufträge im Ausland und
dem Versand von Produkten, wird sehr lebensnah nach und nach in die Belange einer großen Firma
eingeführt. Das Lehrwerk arbeitet mit authentischen Materialien, wie zum Beispiel Bildern und
Zeichnungen, die für das Üben von Produktbeschreibungen verwendet werden können (Becker 1998:
10,11). Der Schwierigkeitsgrad und die Komplexität der Arbeitsaufträge steigern sich von Lektion zu
Lektion. Das Ziel des Lehrwerks ist das Bestehen des Zertifikats Deutsch für den Beruf. Zugehörige
Übungsaufgaben befinden sich am Ende des Lehrwerks. Jede Lektion wird mit einer eigenen
Grammatikeinheit abgeschlossen, die auch späteres Nachschlagen der Regeln schnell und einfach
ermöglicht.
Der Einsatz eines Lehrwerks im Zweitsprachunterricht ist eng mit Organisationsformen und
Zielsetzungen des Unterrichts verbunden (Kuhs 2010: 315.). Die Vorgaben des Lehrplans in
Unterrichtskonzeptionen umzusetzen sollte primäre Zielsetzung eines Lehrwerks sein. Dabei muss
zum Beispiel auch die heterogene Aufstellung von Lernergruppen Beachtung finden: Zum einen
haben die Lernenden verschiedene Herkunftssprachen, zum anderen ist das Sprachniveau innerhalb
der Lernergruppe differierend. Auch die Unterrichtsformen können sehr unterschiedlich sein.
Lehrwerke müssen somit die Anforderungen verschiedener unterrichtlicher Einsatzbereiche und
Organisationsformen erfüllen, damit sie Anwendung in allen möglichen Unterrichtssettings finden
(ebd.).
Bei der Betrachtung schon bestehender Lehrwerke fällt nun schlussfolgernd vor allem auf, dass es
noch großen Bedarf in der Entwicklung spezifischer Materialien für bestimmte Berufsgruppen gibt.
Wie die derzeitige Situation zeigt (vgl. Kapitel 1) stellt der erhöhte Bedarf ausländischer Pflegekräfte
in Deutschland eine neue Herausforderung für das Lehrpersonal dar. Ein Lehrwerk speziell an die
Bedürfnisse der Pflegeberufe angepasst könnte hier unterstützend wirken und den Lerner optimal
auf die Herausforderungen bei der neuen Arbeitsstelle vorbereiten. In der Erstellung neuer
Unterrichtsmaterialen soll somit das Hauptaugenmerk auf der Authentizität des Materials, sowie der
Nähe am tatsächlichen Berufsalltag liegen.

Im Nachfolgenden wird nun zunächst der theoretische Hintergrund durch einige Begriffsklärungen
festgelegt, bevor wir anschließend unser selbstentwickeltes Material vorstellen und erläutern.

53
12 Definition der Begrifflichkeiten
Bei der Klärung der Begrifflichkeiten orientieren wir uns hauptsächlich an der Struktur von Profile
Deutsch 2.0, welches in Szenarien und Elemente unterteilt. Des Weiteren verbindet die Szenarien,
neben der Handlungsorientierung und der berufsspezifischen Ausrichtung, auch eine gemeinsame
Story line. Trotz ihrer Vertauschbarkeit lässt sich ein roter Faden erkennen, der die Lerner mit Hilfe
einer Globalsimulation anhand eines konkreten Beispiels lernen lässt (Decke-Cornill, 197). Auf die
Bedeutung dieser Story line wird vor der Darstellung der Didaktisierung noch einmal näher eingegan-
gen.

Szenario
Unter einem Szenario verstehen wir im Nachfolge L konkrete Situationen
A H K -
Monetti 2010: 60). Mit Hilfe dreier Szenarien, die alle an die berufliche Alltagswelt der Lerner an-
knüpfen, sollen neben sprachlichen Kompetenzen auch außersprachliche Kompetenzen vermittelt
werden. Das Goethe-Institut unter der Projektleitung von Karin Ende unterscheidet diese außer-
K I D Z t-
in: landeskundliches Wissen den Kenntnissen bestimmter Regeln und Normen im Zielspra-
chenland -, interkulturelle Kompetenz die Bewusstheit über die eventuelle Andersartigkeit in be-
stimmten Situationen im Zielsprachenland und strategische Kompetenz die Fähigkeit strategisch
vorgehen zu können und beispielsweise Hilfe in Anspruch nehmen zu können (2007: 14). Zusätzliches
Ziel ist es neben der Förderung sprachlicher Kompetenzen der Lerner auch Strategien zu vermitteln,
die ihnen in Bezug auf ihr Arbeitsumfeld behilflich sein können.

Element
Ein Szenario, oder auch eine H 49) lässt sich wiederum in klei-
nere Einheiten aufteilen, die sogenannten Elemente. Da eine Handlung aus mehreren Teilabschnitten
besteht, einem vorher, während und nachher, stellen diese Elemente eigene kleinere Handlungsfel-
der dar, in die es spezifische Aufgaben einzubetten gilt. Grünhage-Monetti, die diese Elemente in
H H
Textsorten und rezeptive sowie produktive Sprachhandlungen (2010: 31ff.). Auch in unserem Fall
können den einzelnen Elementen eines Szenarios verschiedene Sprachhandlungen zugeordnet wer-
den, wenn auch nicht immer eine spezifische Textsorte.

54
Aufgaben/Übungen
Die spezifizierte Version der Handlungsorientierung ist die Aufgabenorientierung, die auch in unse-
M A B
D -Cornill 2010: 195). Die Lerner sollen durch sie aktiviert, angeregt und beglei-
tet werden, wobei das selbstständige Lernen im Vordergrund steht (Leisen 2010: 83). Leisen unter-
scheidet zwischen verschiedenen Aufgabentypen: den Lern-, Diagnose-, Übungs- und Leistungsauf-
gaben, wobei vor allem den Lern- und Übungsaufgaben in unserem Projekt eine zentrale Bedeutung
zu Teil wird. Mit Hilfe von Lernaufgaben sollen Lerner selbstständig und individuell Neues erlernen
(2010: 84). Übungsaufgaben sollen Gelerntes festigen und eine Routine aufbauen. Die Motivation
und Selbstständigkeit des Individuums stehen hierbei stets im Vordergrund, weshalb der Lehrkraft
vor allem die Rolle des Begleiters und Beraters zuteilwird.

13 Szenarien und Elemente


Ausgehend von den gewählten Textsorten und der linguistischen Analyse haben wir uns für drei Sze-
narien mit jeweils drei untergeordneten Elementen entschieden. Diese sind in der folgenden Über-
sicht dargestellt:

Übersicht der Szenarien

im Rahmen eines Erstgesprächs den Anamnesebogen am Beispiel des Themas


Szenario 1
Ernährung ausfüllen
Element 1 Patienteninformationen einholen und auswählen
Element 2 Anamnesebogen ausfüllen
Element 3 Exkurs: Notfallsituation dokumentieren
sich anhand einer innerbetrieblichen Belehrung zum Thema (MRSA- und)
Szenario 2
Infektionsschutzgesetz weiterbilden
Element 1 Informationen zu dem Vortragsthema recherchieren
Element 2 Hauptinhalte des Vortrags verstehen und Rückfragen stellen können
Element 3 Kollegen über die wichtigsten Informationen in Kenntnis setzen
A Q B B
Szenario 3
P
Element 1 psychische Belastungen im Arbeitsalltag wahrnehmen und sich ihrer bewusst werden
Charakteristika eines sterbenden Patienten identifizieren und Maßnahmen für die
Element 2
Betreuung ableiten
Pflegerische Maßnahmen umsetzen und sich mit Kollegen über Erfahrungswerte
Element 3
austauschen

55
Um einen Kontext, sowohl für die Lehrperson als auch den Lerner herzustel-
len, wurden die Szenarien in eine mögliche Reihenfolge gebracht, um eine
alltagsnahe Story line zu schaffen. Die Reihenfolge der Szenarien und ihre
dazugehörigen Elemente haben sich aus dem logischen Handlungskontext
erschlossen. Es ist für uns von besonderer Wichtigkeit, dass die Lerner die
erarbeiteten Materialien tatsächlich in ihr Berufsleben einbeziehen können.
So beginnt unsere erste Lerneinheit mit einem Anamnesebogen zum Thema
Ernährung . Hier soll ein Erstgespräch mit einem neuen Bewohner x simuliert werden. Um den Un-
terricht möglichst authentisch zu gestalten, ist es Aufgabe der Lehrperson und/oder des Kurses, dem
Patient x ein Gesicht zu geben. Diese Informationen können in unseren Materialien nach Belieben
ergänzt werden. Im Zuge der Elemente 1-3 soll nun der Text vorbereitet, mit ihm gearbeitet und
nachbereitet werden. In der Vorbereitung wird der Lerner anhand möglichst authentischer Quellen,
wie einem Arztbrief oder dem Brief eines Angehörigen, wichtige Informationen über Bewohner x
herausfiltern und nach ihrer Relevanz bewerten. Ein Rollenspiel leitet dann die tatsächliche Arbeit
mit dem Fragebogen ein. In Gruppen aufgeteilt, wird die Situation eines Erstgesprächs nachgestellt.
Einerseits werden die im Anamnesebogen verwendeten Kurzwörter erklärt, andererseits wird der
Gebrauch von Fragewörtern wiederholt. Der Kurs ist stets angehalten, die Beiträge der anderen Teil-
nehmer zu reflektieren und zu kommentieren. Die Grundlage der Nachbereitung des Textes, ist eine
Erweiterung des Handlungsstranges unseres ersten Szenarios, in dessen Folge Patient x ins Krankhaus
überführt wird. Es ist die Aufgabe der Lerner, die Notfallsituation zu rekonstruieren und einen Bericht
des Geschehenen an die Stationsleitung zu verfassen. Die dazu benötigten Redemittel werden an
dieser Stelle unterstützend zur Verfügung gestellt.
Ausgehend von dieser Situation schließt sich hier das zweite Szenario an. Patient x, der noch immer
im Krankenhaus weilt, hat sich dort mit MRSA infiziert. Um auf die Aktualität des Themas hinzuwei-
sen, sollen sich die Mitarbeiter anhand einer innerbetrieblichen Belehrung zum Thema MRSA und
Infektionsschutzgesetz weiterbilden.
Auch hier dienen die Elemente 1-3 der Aufspaltung in verschiedene Stufen der Bearbeitung dieses
Textes. An W -weiß- F L
dann im nächsten Schritt durch diskriminierendes Hören die wichtigsten Informationen des Vortrags-
themas herauszuarbeiten und auf einem Arbeitsblatt festzuhalten. An dieser Stelle werden zusätzlich
die hier häufig gebrauchten Komposita und ihre Bildung vermittelt. Im dritten Element dieses Szena-
rios verselbstständigt sich die Thematik der Textgrundlage. Da ein Kollege nicht an der Belehrung
teilnehmen konnte, ist es nun Aufgabe der Lerner in kleinen Gruppen das eben Gehörte als E-Mail
weiterzugeben. Hierfür werden ebenfalls Kärtchen mit Redemitteln als Hilfestellung gegeben. Eine
Feedbackrunde schließt das Szenario 2 ab.

56
Das dritte Szenario beruht auf einer Anleitung aus dem Qualitätsmanagement am Beispiel der Be-
treuung eines sterbenden Patienten. Gerade in der Pflegebranche bleibt eine Auseinandersetzung
mit dem Thema Tod und Sterben nicht aus und soll auch in unseren Lehrmaterialien seinen Platz
finden. Zunächst soll die Einstimmung auf das Thema durch das Abspielen eines passenden Liedes
stattfinden. Durch Leitfragen gestützt, werden dann Erfahrungswerte der Lerner ausgetauscht. In der
zweiten Bearbeitungsphase bereitet zunächst eine semantische Wortfeldübung auf den Text aus dem
Qualitätsmanagement vor, bevor dieser gelesen und besprochen wird. Ergänzungen der Lerner sind
an dieser Stelle erwünscht. Mit einer offenen Aufgabe, bei der die Teilnehmer aufgefordert werden,
A U P
letzte Element ab. Bilder und Schlagwörter sollen bei der Ideenfindung helfen.

Die Story line bietet sowohl Lernern als auch Lehrern eine Struktur, die verständlich, strukturiert und
alltagsnah ist. Dennoch kann jedes Szenario für sich stehen sowie einzeln betrachtet und vermittelt
werden. Die Zusammensetzung des Kurses und das Vorwissen spielen bei der Auswahl einer der bei-
den Strategien sicher eine Rolle. Die Elemente jedoch sind unveränderliche Teile der Szenarien und
bauen aufeinander auf.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurden bei allen Materialien Symboliken verwendet, die dem
Lehrer einen schnellen Überblick über Lernziele, verwendete Medien, Situationsbeschreibungen,
Aufgabentypen und allgemeine Lehrerkommentare geben. Eine Legende befindet sich im folgenden
Abschnitt. Die Teilnehmer werden in der Materialsammlung mit TN abgekürzt.

14 Didaktisierung
Die zusammengestellten Materialien beinhalten das Arbeiten mit den ausgewählten Textsorten so-
wie eigener Textproduktionen und zugehörigen Grammatikübungen. Jede der vier Fertigkeiten (Le-
sen, Schreiben, Hören, Sprechen) wurde bei der Materialentwicklung berücksichtigt und eingearbei-
tet.
Der zeitliche Rahmen, in welchem die Szenarien und ihre Bestandteile vermittelt werden können,
hängt stark von der Zusammensetzung und dem Niveau des Kurses ab. Daher ist der Lehrperson hier
freie Hand gelassen. Es ist jedoch pro Element mindestens eine Doppelstunde einzuplanen. Um den
Gedanken der Story line durch alle Szenarien hindurch beizubehalten, soll jeder Teilnehmer zu Beginn
eine Mappe erstellen. In dieser werden nach und nach alle selbst erstellten Texte und Ideen gesam-
E K A P D L können
so später noch einmal auf schon Gelerntes zurückgreifen und haben zusätzlich eine Erinnerung an
diesen Unterrichtskomplex.

57
Um die Teilnehmer das Gelernte reflektieren zu lassen, schließt ein Selbstreflexionsbogen jedes Sze-
nario ab. Zusammen mit der patientenbezogenen Materialsammlung und den Selbstreflexionsbögen,
stellt die Patientenmappe ein Lernportfolio dar. Ein Feedbackbogen, ausgefüllt von den Kursteilneh-
mern, wird zusätzlich nach jedem Unterrichtskomplex an die Lehrperson gegeben. Dies soll die
Kommunikation untereinander für zukünftige Szenarien erleichtern und eventuellen Problemen vor-
beugen oder Verbesserungsvorschläge geben.

Hinweise für den Umgang mit den Materialien/ der Lehrerhandreichung


Die folgende Materialsammlung entspricht einer Lehrerhandreichung, da sie zugleich Arbeitsblätter
und Materialien, sowie zusätzliche didaktische Kommentare für die Lehrperson enthält. Die Lernziel-
beschreibungen jedes Szenarios und Elementes sollen durch den Lehrer dem Kurs transparent ver-
mittelt werden. An sich folgen die Szenarien einem kohärenten Handlungskontext, können jedoch
abhängig vom Kurskonzept und der Gruppenzusammensetzung beliebig vertauscht werden. Bei der
Darstellung der (Handlungs-) Schritte weisen Sternchen * zusätzlich auf den Aufgabenkontext hin
oder beschreiben eine Lernsituation näher.
Szenario 1 enthält mit Element 3 einen Exkurs über die Dokumentation von einer Notfallsituation,
welche gegenüber der Stationsleitung angefertigt werden muss. Eingebettet wird der Exkurs in das
Szenario durch den thematischen Bezug zum Thema Ernährung. Gewählt wurde dieser Exkurs, damit
Formulierungen in häufig vorkommenden Notfallsituationen geübt werden können und der Umgang
mit solchen vertraut wird.
D E L B U
nicht ohne weiteres erlangt werden kann, liegt es im Ermessen der Lehrperson, dieses zu verwenden.

58
Legende

Symbole in der Materialsammlung/Lehrerhandreichung

Situationsbeschreibung und Story line

Lernziel: global in Szenario-, detailliert in Elementbeschreibung

Material: welche Arbeitsblätter, Materialien

Aufgaben

Didaktischer Kommentar: zusätzliche Hinweise zur Umsetzung

Zusätzliche Symbole auf Arbeitsblättern der Teilnehmer

Brainstorming, Aktivieren von Vorwissen

Schreiben

Sprechen

Verbinden, Zuordnen

Grammatik/Informationsblatt

©Die Bildrechte der Symbole und Zeichnungen der gesamten Arbeit liegen bei Vanessa Laudan.

59
14.1 Szenario 1

Der Lerner kann relevante Informationen einholen und einen Anamnesebogen


ausfüllen.

Das Szenario 1 befasst sich mit dem Erstgespräch, welches mit einem Patienten
zum Thema Ernährung durchgeführt wird. Zusätzlich wird es im Element 3 durch
eine Notfallsituation ergänzt.

Story line: Patient x ist ein Neuzugang im Pflegeheim, weshalb zunächst Informati-
onen von Angehörigen und Ärzten eingeholt werden müssen, um dann das Erstge-
spräch durchzuführen.
In diesem Szenario wird zunächst geübt wichtige von unwichtigen Informationen
unterscheiden zu können und diese weiterzuverarbeiten. Auch grammatische Phä-
nomene, z. B. Antonyme, W-Fragen und Passiv, werden behandelt. In Form eines
Rollenspiels wird eine Befragung nachgestellt.

Element 1

Kann im Umgang mit Angehörigen wie auch Ärzten auch sprachlich komplexere
Situationen bewältigen.
Kann rechtliche und gesetzliche Zusatzinformationen in den Kontext mit einbezie-
hen.

Infoblatt P Arztbrief, Brief eines Angehörigen,


Arbeitsblatt Antonyme und Synonyme

Schritt 1/3

a) Erklären Sie die Ausgangssituation und teilen Sie die Dokumente Arztbrief und
Brief eines Angehörigen aus.
b) Lassen Sie die TN aus den beiden Dokumenten die Informationen zum Thema
Ernährung herausschreiben. Werten Sie die Ergebnisse gemeinsam im Kurs aus.
Anregung: Welche Rolle spielen für die TN vielleicht andere nicht-ernährungs-
relevante Themen?
Die Namen in beiden folgenden Dokumenten sind frei erfunden und können von
Ihnen angepasst werden. Die unterstrichenen Wortgruppen spielen erst in
Element 3 eine Rolle.
Das Infoblatt zu Pflegestufen können Sie gerne zusätzlich bereitstellen. Es ist nicht
notwendigerweise Teil des Elements.

60
Hamburg, 04.07.2013 Klaus Kulowski
Lange Straße 17
22045 Hamburg
Sehr geehrtes Pflegepersonal,

Leider kann ich zum Einzug meines Onkels Heinz Hohenberger9 ins Pflegeheim nicht aus Ham-

burg angereist kommen. Ich möchte dennoch nicht versäumen, Ihnen einige Gewohnheiten und

Vorlieben meines Onkels schon im Vorhinein zukommen zu lassen. Das Einleben wird für ihn

bestimmt schwer genug und ich hoffe, dass es für ihn so etwas leichter wird. Er möchte meistens

alle Dinge selbstständig erledigen und gibt ungern zu, Hilfe zu benötigen. Bei der Körperpflege

wird diese jedoch dringend benötigt.

Die Nahrungsaufnahme kann er eigenständig bewerkstelligen, vergisst allerdings manchmal das

Trinken. Er liebt alle Süßspeisen, am meisten Kuchen. Diese werden auch manchmal heimlich

gegessen. Durch sein Diabetesleiden ist er aber leider oft frustriert, nicht so viel davon genießen

zu können, wie er möchte. Mein Onkel wird sicherlich häufig von seinen Geschwistern und

deren Kindern besucht. Von den anderen Bewohnern wird er sich vermutlich abkapseln, da er

meint, er w re „keiner von diesen alten Schachteln“. Wenn man das weiß, können Vorurteile

vermieden werden. Nach und nach taut er auf, vor allem abends beim Schauen seiner Lieblings-

sendung „Wer wird Million r?“. Intensive Betreuung braucht er beim Zubettgehen. Er wird

dann meistens unruhig und braucht sehr lange um einschlafen zu können.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen den Einstieg mit meinem Onkel etwas erleichtern. Ich werde so bald

wie möglich meine Reise nach Leipzig planen, um Sie und das neue Umfeld meines Onkels ken-

nenzulernen.

Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,

Klaus Kulowski

9
Name kann beliebig gewählt werden.
61
Arztbrief
Zu
Herr Heinz Hohenberger
geb. 04.09. 1938

Diagnosen:

Kollaps bei oberer gastrointestinaler Blutung

Präpylorisches Ulcus ventriculi (Forrest IIa), Clip-Therapie

Eisenmangelanämie

Insulinpflichtiger Diabetes mellitus mit diabetischer Nephropathie und arterieller Verschlusskrankheit

Adipositas Grad I

Arterielle Hypertonie

Leichte Hyperkalzämie unter Thiaziddiuretikum

Steatosis hepatis

Anamnese:

Der Patient wurde durch den Rettungsdienst eingewiesen, nachdem er zuhause auf der

Toilette kollabiert sei. Ihm sei schwarz vor Augen geworden, zu einem Bewusstseinsverlust sei es nicht ge-

kommen. Auf Nachfrage berichtet er über Teerstuhl seit zwei Wochen. In den letzten Tagen habe er sich sehr

müde und schwach gefühlt. Der Patient ist seit etwa 15 Jahren zuckerkrank, seit 3 Jahren spritze er Insulin.

Der Zucker sei gut eingestellt, der letzte HbA1c habe 6,4% betragen.

Weitere Vormedikation: ASS, Hydrochlorothiazid.

Körperlicher Untersuchungsbefund:

Reduzierter Allgemeinzustand, adipöser Ernährungszustand (Körpergröße 168 cm, Gewicht 86 kg, BMI 30,5

kg/m²), sehr blasse Haut, blasse Schleimhäute, Kopf- und Halsbereich sonst altersentsprechend. Leichte Ta-

chypnoe (17 /min), am Thorax seitengleich sonorer Klopfschall, seitengleich vesikuläres Atemgeräusch, keine

Nebengeräusche. Herztöne rein und regelmäßig, Herzfrequenz 110 /min, 2/6 spindelförmiges Mesosystolikum

über Erb ohne Fortleitung. Horizontale suprapubische Narbe, Bauchdecken weich, keine Abwehrspannung,

Druckschmerz im Epigastrium, keine pathologischen Resistenzen, keine Bruchpforten, normale Darmgeräu-

sche, rektale Untersuchung unauffällig, jedoch Teerstuhl am Fingerling.

62
Extremitäten frei beweglich, Fuß- und Poplitealpulse bds. nicht palpabel, sonst unauffälliger Pulsstatus, keine

Strömungsgeräusche, keine trophischen Störungen an den Extremitäten, kein Hinweis auf eine Polyneuropa-

thie, auch sonst orientierend unauffällige Neurologie, kein Hinweis auf sturzbedingte Verletzungen, RR bds.

130/80.

Labor bei Aufnahme

Hb 83 g/l, MCV 71 fl, Leukozyten 12 /nl, Thrombozyten 173 /nl, Ferritin 10 g/l, Natrium 134 mmol/l, Kalium

3,5 mmol/l, Kalzium 2,7 mmol/l, Kreatinin 86 mol/l, Normwerte für GGT, GPT, Bilirubin, LDH, Troponin

T,TSH, Cholesterin und Triglyzeride, unauffällige plasmatische Gerinnung, im Urinstreifentest Nachweis einer

Proteinurie.

EKG bei Aufnahme

Sinusrhythmus, LT, 107 /min, präterminal neg. T in I, avL, V5, V6. Gastroskopie bei Aufnahme Ösophagus und

Duodenum unauffällig, im Magen Hämatin, streifenförmiges Antrumerythem, an der Angulusfalte ein ca. 1 cm

durchmessendes Ulkus mit Gefäßstumpf, keine aktive Blutung. Komplikationslose Applikation eines Metallclips

auf den Gefäßstumpf. Gastroskopie vom 16.2.2009 Keine Blutungsstigmata mehr, Ulkus in Abheilung, Clip in

situ. Entnahme von je einer Probe aus Antrum und Korpus für den Urease-Schnelltest; Ergebnis: positiv.

Empfehlungen

Vesdil 5 1 – 0 – 0

ASS 100 1 – 0 – 0

Ferrosanol duodenal 1 – 0 – 1

Pantozol 20 1 – 0 – 1 (zwei Wochen vor Re-Gastroaussetzen)

Klacid 250 2 – 0 – 2 (bis ________)

Amoxipen 1000 1 – 0 – 1 (bis ________)

Kontrolle in einer Woche: Hämoglobin, Kreatinin, Kalium, Kalzium

Kontrollgastroskopie zweite Märzhälfte, Vorsorgekoloskopie, Ergometrie.

Mit Freundlichen Grüßen

Dr. Med. F. Müller

(Quelle: http://www.lehre-innere-hl.de/epikrise.html, mit Veränderungen durch K. Hofmann, letzter Zugriff: 04.07.2013)

63
Wussten Sie schon…?

Täglicher Hilf Davon für ... und im


Pflegestufe
bedarf Grundpflege ... Haushalt

Stufe I
mehr als 45 Mi- mehrfach in
erheblich 90 Minuten
nuten der Woche
pflegebedürftig
mind. 2 Stunden,
Stufe II
dreimal täglich zu mehrfach in
schwer- 3 Stunden
verschiedenen der Woche
pflegebedürftig
Tageszeiten
Stufe III
mind. 4 Stunden, mehrfach in
schwerst- 5 Stunden
rund um die Uhr der Woche
pflegebedürftig

(Quelle: http://www.aok.de/aokplus/gesundheit/pflegeversicherung-pflegestufen-207134.php,
letzter Zugriff am 02.07.2013)

64
Schritt 2/3

a) Lassen Sie die TN anhand der herausgesuchten Informationen zu Ernährung


semantische Wortfelder erstellen.
b) Besprechen Sie diese im Kurs und lassen Sie die TN begründen, nach welchen
Kriterien sie die Wortfelder erstellt haben.

Die TN können die Felder gerne ergänzen. Wenn die TN wenige Ideen haben, kön-
nen Sie gerne Überbegriffe der Felder vorgeben.

Beispiel für ein semantisches Wortfeld

Rotwein

Getränke Kuchen

Ernährung

Mager-
sucht

Schritt 3/3

a) Teilen Sie den TN das Arbeitsblatt Antonyme und Synonyme aus und lassen sie
dieses bearbeiten. In der ersten Aufgabe des Arbeitsblattes sollen die TN ein
Antonym-Memory basteln und spielen. In der zweiten Aufgabe sollen Syno-
nympaare gebildet werden, sie kann in Partnerarbeit gelöst werden.
b) Besprechen Sie die Lösungen im Kurs.
Laufen Sie durch den Kurs und unterstützen als Wandelndes Wörterbuch oder Be-
rater. Ob Das Memory in Gruppen oder in Partnerarbeit gespielt wird, dürfen Sie
entscheiden. Bastelmaterial zur Verfügung stellen.

65
Schneiden Sie die Kärtchen aus und spielen Sie Memory. Finden Sie Pärchen indem Sie ein Wort mit
dem Gegensatzwort verbinden.

ADIPÖS DEFTIG HEISSHUNGER BEGLEITEND

MIT HILFE WENIG UNTERGEWICHT ALLGEMEIN

MOTORISCHE
KACHEKTISCH VORLIEBEN SELBSTSTÄNDIG
UNRUHE

EIGENSTÄNDIG VIEL ABNEIGUNGEN MAGERSUCHT

APPETITLOSIGKEIT ADIPOSITAS MÜDIGKEIT ÜBERGEWICHT

SÜSS INDIVIDUELL ESSEN TRINKEN

66
Suchen Sie Synonyme und verbinden Sie diese.

Gefährdung

Maßnahme Prophylaxe Ernährung

Bedrohung Ritual Gefahr Verminderung

Vergessen Versorgung Einschränkung bevorzugt

Risiko Essen Gewohnheit

Nahrungsaufnahme Anweisung

Vorliebe

Vorbeugung Pflege entfallen

Nahrung Übergewicht

Adipositas

67
Element 2

Kann detaillierte Informationen umfassend und inhaltlich austauschen.


Kann komplexe Formulare oder Fragebögen ausfüllen und darin auch freie Anga-
ben formulieren.

Anamnesebogen, Arbeitsblatt W-Fragen, Feedbackregeln

Schritt 1/2

a) Teilen Sie den Anamnesebogen aus und semantisieren Sie gemeinsam mit dem
Kurs diesem unbekannte (Kurz-) Wörter.
b) Lassen Sie die TN die gesammelten Informationen aus Element 1 in den Bogen
übertragen. Vergleichen Sie die Ergebnisse im Plenum.
c) Wiederholen sie mit den TN als Vorbereitung auf das Rollenspiel die W-Fragen
und lassen Sie in Partnerarbeit anhand der Überschriften im Anamnesebogen
geeignete Fragen für ein Erstgespräch schriftlich umformulieren.

Gehen Sie genauer auf die Bildung von W-Fragen ein, wenn Sie merken, dass Defi-
zite vorhanden sind.

W- Fragen-Übersicht
 Wer tut etwas?
 Wie tut jemand etwas?
 Was geschieht?
 Wann ereignet es sich?
 passiert es?
 Warum/Weshalb kommt es dazu?

68
69
Schritt 2/2

a) Legen Sie eine Folie mit den Feedbackregeln auf den OHP und besprechen Sie
diese. Klären Sie unbekannte Wörter.
b) Lassen Sie die TN in Pärchen zusammenfinden, von denen jeweils einer die Rol-
le des Pflegers und der andere die des Patienten einnimmt. Lassen sie das Erst-
gespräch mit Hilfe der vorbereiteten Fragen nachspielen. Unterstützen Sie die
TN bei Problemen oder Fragestellungen.
c) Zwei oder drei freiwillige Paare aus dem Kurs präsentieren ihr Gespräch vor den
anderen Teilnehmern.
d) Anhand der Feedbackregeln lassen Sie die TN die gesehenen Gespräche kom-
mentieren und bewerten.
Motivieren Sie ihre Teilnehmer die Situation ernst zu nehmen. Schaffen Sie eine
dementsprechende Atmosphäre, indem Sie auf die Wichtigkeit der Thematik hin-
weisen.

Feedbackregeln
Ziel: Ich will den anderen darauf aufmerksam machen,
wie ich sein Verhalten erlebe und was es für mich bedeutet
(im positiven wie im negativen Sinn).
- Beschreibend, nicht wertend
- Konkret, nicht allgemein
- Angemessen in Bezug auf die Bedürfnisse
aller Personen
- Brauchbar, d.h. änderbare Verhaltensweisen
- Keine Änderungen fordern
- Klar und genau formuliert

 Feedback als Empfehlungnicht Pflicht!

Quelle: http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/
KOMMUNIKATION/Feedback.shtml, Stand: 02.07.2013

70
Element 3

Kann Informationen und Sachverhalte weitergeben und erklären.


Kann mit einem relativ umfangreichen Wortschatz längere und detailliertere Texte
zu berufsspezifischen Themen schreiben und dabei einen bestimmten Standpunkt
darlegen.

Bild, Arbeitsblatt Passivbildung, Arbeitsblatt Redemittel E-Mail, Schwerpunkte E-


Mail an Stationsleitung

Schritt 1/3

a) Bitten Sie die TN den Brief eines Angehörigen aus ihrer Mappe herauszuholen
und stellen Sie folgende Aufgabe: Im Angehörigenbrief in Szenario 1/1 sind ei-
nige Wortgruppen unterstrichen. Welche grammatische Besonderheit erken-
nen Sie? Inwieweit unterscheiden sie sich von den anderen Sätzen?
b) Legen Sie anschließend die Folie Passivbildung auf und wiederholen Sie anhand
derer mündlich die Thematik mit ihrem Kurs. Gehen Sie hierbei auch noch ein-
mal auf die Unterschiede zwischen den Passivformen ein.
c) Stellen Sie anschließend folgende Aufgabe: Suchen Sie aus dem Brief drei wei-
tere Sätze heraus und wandeln Sie diese ins Passiv um. Gleichen Sie die Er-
gebnisse mit ihrem Nachbarn ab. Wie wirken die Passivsätze auf Sie?
d) Vergleichen Sie die Ergebnisse im Kurs.

Sie können als Lehrperson geeignete, berufsspezifische Sätze vorgeben, sollten die
Lerner Schwierigkeiten beim Umwandeln der Sätze aus dem Text haben. Wahlwei-
se ist hier genug Platz für weitere Übungen mit der Passivbildung und -
verwendung.

71
Passivbildung
Beim Passiv steht nicht die handelnde Person im Vordergrund, sondern die Handlung an sich.

Vorgangspassiv Zustandspassiv

Zustand/ Ergebnis als Folge eines


Bedeutung Vorgang/ Handlung ist im Vordergrund
Vorgangs im Vordergrund
konjugierte Form von sein +
Bildung konjugierte Form von werden + Partizip II
Partizip II

Beispiel Das Essen für die Patienten wird gekocht. Das Essen für die Patienten ist gekocht.

Statt einer Passivform kann auch eine Passiversatzform verwendet werden.


Die einfachste Form, um das Passiv zu umschreiben, ist durch die Verwendung von 'man'.
Bsp.: Kennt man die Infektionswege bzw. Übertragungswege, können viele Infektionen vermieden
werden.

Schritt 2/3

Projizieren Sie das Bild an die Wand und fragen Sie die TN, was passiert sein könn-
te. Diskutieren Sie im Kurs mögliche Gründe.

Setzen Sie der Kreativität Ihrer Teilnehmer keine Grenzen. Es gibt keine falschen
Vermutungen.

Was könnte mit Patient x passiert sein?


72
Arbeitsblatt Redemittel E-Mail
Bis dann
Tausend Küsse…
Hallo…
Liebe… Lieber…
Ich bitte um Ihr Verst ndnis…
Sehr geehrter Herr…
Sehr geehrte Frau…
Ihr/Ihre
Sehr geehrte Damen und Herren
Hi…
Mit freundlichen Grü en…
Anliegen
Ich schreibe Ihnen, weil/da/aufgrund…

74
Vielen Dank für Ihre Mühe…
Ich schreibe Dir, weil…
Mit gro en Interesse…
Wie geht’s?
Ich bedaure, dass…
Herzliche Grü e…
Anrede
Ich bitte um Entschuldigung…
Aus vielerlei Gründen…
Unabsichtlich…
Abschlie end…
Dein/Deine…
Vielen Dank für…

75
Ich bitte um eine schnellstmögliche
Rückmeldung Ihrerseits.
Bis bald
Liebe Grü e…
Sorry, dass ich mich so lange nicht gemel-
det habe, aber…
Man sieht sich!
Grußformel
Gru …

76
14.2 Szenario 2

Der Lerner kann sich mit berufsspezifischen Themen auseinandersetzen und


weiterbilden.

In Szenario 2 werden die Themen Infektionen und MRSA .

Story line: Patient x wurde aufgrund einer allergischen Reaktion ins Krankenhaus
eingeliefert und hat sich dort mit MRSA infiziert. Er soll nun zurück ins Pflegeheim
gebracht werden, wo aufgrund des gegebenen Anlasses eine Schulung zum Thema
MRSA stattfinden soll.
In diesem Szenario wird zunächst das Vorwissen der Teilnehmer aktiviert, um
anschließend ihre Kompetenzen im globalen Hören (Präsentation durch die
Lehrkraft) zu verbessern. Im letzten Element soll eine E-Mail an einen verhinderten
Kollegen geschrieben werden, in der noch einmal die wichtigsten Inhalte
zusammengefasst werden müssen.

Element 1

Kann in vorhersehbaren Situationen ein breites Spektrum einfacher sprachlicher


Mittel flexibel einsetzen, um Berufsspezifisches, auszudrücken.
Kann sich in Gesprächen mit Kollegen über Erfahrungen austauschen.

Wer-weiß-was-Fragebogen

Schritte

a) Teilen Sie den Wer-Weiß-Was-Fragebogen aus und klären Sie unbekannte


Vokabeln.
b) Fordern Sie anschließend die Teilnehmer auf mit dem Fragebogen durch den
Raum zu laufen. Die Teilnehmer sollen hierbei ins Gespräch kommen und
gleichzeitig Unterschriften sammeln.
* Nach erfolgreichem Abschluss werden die Fragen gemeinsam im Plenum
beantwortet. Sie können als Lehrkraft nun einschätzen, auf welchem
Wissensstand der Kurs bereits ist.
Falls der Kurs aus weniger als 9 Leuten besteht, dürfen auch doppelte
Unterschriften vorkommen. Falls Fragen nicht beantwortet werden können, wird
die Antwort im Plenum durch die Sie gegeben.

77
Wer – weiß – was?

Laufen Sie durch den Kurs und finden Sie mindestens einen Kollegen, der…
…wei , was die Abkürzung MRSA bedeutet: ______________________(Unterschrift)

…wei , wie lange MRSA-Keime auf sterilen


Gegenständen und Flächen lebensfähig ist: ______________________(Unterschrift)

…benennen kann, wo sich der Keim

bevorzugt ansiedelt: ______________________(Unterschrift)

…die Symptomatik kennt und beschreiben kann: ______________________(Unterschrift)

…mindestens 3 Krankheitsfolgen aufzählen kann: ______________________(Unterschrift)

…den Übertragungsweg kennt: ______________________(Unterschrift)

… Schutzma nahmen benennen kann: ______________________(Unterschrift)

… schon einmal einen MRSA-Patienten


betreut hat: ______________________(Unterschrift)

Sie selbst dürfen Ihren eigenen Bogen nicht unterschreiben und es darf
keine Unterschrift doppelt vorkommen.

Kommen Sie mit Ihren Kollegen ins Gespräch.

78
Element 2

Kann längeren Gesprächen zu aktuellen und berufsspezifischen Themen folgen.


Kann komplexe Informationen über alltägliche oder berufsbezogene Themen
verstehen.

Lehrerhandreichung Infektionspräsentation10, Arbeitsblatt Infektionsschutz,


Magneten, Kompositakarten

Schritt 1/2

a) Bereiten Sie anhand der vorhandenen Infektionsschutzpräsentation einen


eigenen Vortrag vor. Dieser sollte nicht länger als 15 Minuten dauern.
Orientieren Sie sich inhaltlich außerdem an dem Arbeitsblatt Infektionsschutz.
Bitte verwenden Sie keine visuellen Medien (PowerPoint, Folien), da die
Teilnehmer sich nur auf das gesprochene Wort konzentrieren sollen.
b) Teilen Sie das Arbeitsblatt Infektionsschutz aus und klären Sie gegebenenfalls
unbekannte Wörter.
c) Besprechen Sie Aufgabe 1 des Arbeitsblattes.
d) Lassen Sie nach der Präsentation die TN Aufgabe 2 des Arbeitsblattes
bearbeiten.
e) Diskutieren Sie die Ergebnisse anschließend im Kurs.
Aufgrund der Niveaustufe können Sie in einem normalen (berufsalltäglichen)
Sprechtempo sprechen. Da die Teilnehmer Experten in diesem Themengebiet sind,
treten Sie während der Diskussion in den Hintergrund und leiten diese an.

10
Findet sich aufgrund der Größe im Anhang wieder.
79
Arbeitsblatt Infektionsschutz
Aufgabe 1:
Notieren Sie sich während der Präsentation die wichtigsten Informationen. Orientieren
Sie sich hierzu an folgenden Leitfragen:
1. Was ist eine Infektion?
2. Was sind Erkennungsmerkmale einer Infektion?
3. Welche Infektionswege gibt es?
4. Welche vorbeugenden Maßnahmen gibt es?

Aufgabe 2:

Entscheiden Sie, ob die folgenden Aussagen richtig [ ] oder falsch [x] sind. Achtung,

einige Aussagen wurden vielleicht gar nicht in der Präsentation [o] genannt?
Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse anschließend im Kurs.

1. Krankheitserregende Mikroorganismen sind Bakterien, Viren, Pilze, Würmer und


Einzeller.
2. Eine Pilzinfektion wird auch Mykose genannt.
3. Bei einem gestärkten Immunsystem ist eine Infektion wahrscheinlicher.
4. Nur ein aktives Eindringen von Keimen kann Infektionen hervorrufen.
5. Die Erregermenge ist zusätzlich entscheidend dafür, ob eine Infektion entsteht, oder
nicht.
6. Entzündungszeichen sind unter anderem Rötungen, Schwellungen, Haarausfall und
Fieber.
7. Bei der Kontakt- oder Streichinfektion findet eine direkte Übertragung von
Krankheitserregern statt.
8. Einige Erreger können über die Nahrung oder das Trinkwasser übertragen werden.
9. Das richtige Vorbeugen vermindert die Ansteckungsgefahr.
10. Eine Händedesinfektion ist nur nach dem Toilettengang notwendig.
11. Türklinken und Lichtschalter beim Patienten können kontaminierte Gegenstände
sein.

80
Schritt 2/2

a) Erstellen Sie vor der Unterrichtseinheit mit Hilfe des Arbeitsblattes Komposita
große Wortkarten.
b) Legen Sie die Wortkarten auf den Lehrertisch und fordern Sie die TN auf, mit
Hilfe dieser Komposita zu bilden und sie an die Tafel anzuheften (Magneten).

Motivieren Sie die Teilnehmer an die Tafel zu gehen und ihre Entscheidung zu
begründen. Achten Sie darauf, dass jeder Teilnehmer mindestens einen Beitrag
leisten kann. Klären Sie unbedingt, ob alle die Wörter verstanden haben und
weisen die TN darauf hin, dass diese Komposita wichtig für die weitere
Textproduktion im nächsten Element sind.

Arbeitsblatt Komposita
Infektion Tröpfchen Kranken

Transport Grund Erkrankung

Haus Keim Bekleidung

Schutz Pflege Personal

Krankheit Erreger Desinfektion

Mittel Übertragung Wege

S S S
Beispiel: Desinfektion + S + Maßnahmen = Desinfektionsmaßnahmen

81
Element 3

Kann auch detaillierte Informationen umfassend und inhaltlich korrekt


weitergeben.
Kann ein berufsspezifisches Thema systematisch darlegen und dabei
entscheidende Punkte hervorheben und dafür Beispiele anführen.

Modalverben Folie, Redemittel E-Mail

Schritt 1/2

Legen Sie die Folie Modalverben auf und wiederholen Sie anhand der Folie mit
dem Kurs die richtige Verwendung.

Ziel dieser Aufgabe ist es, dass in der anschließenden E-Mail diese Modalverben
verwendet werden, um beispielsweise eine Pflicht auszudrücken. Weisen Sie die
Teilnehmer darauf hin, sodass diese den Sinn hinter der Wiederholung verstehen.

82
Modalverben
k Ich kann gut mit Menschen umgehen.
Kann man hier neues Verbandsmaterial bekommen?
Du kannst dir gerne etwas von dem Kuchen nehmen.

Hier darf man rauchen.


Sie dürfen hier nicht parken.
Darf ich Ihnen helfen?

m
Der Arzt hat gesagt, Herr Fischer muss diese Tabletten dreimal täglich nehmen.
Sie müssen mehr essen.

+ Negation (nicht brauchen, nicht müssen)


Der Arzt hat gesagt, die anderen Tabletten brauche ich nicht nehmen.
Dieses Formular brauchen Sie nicht zu unterschreiben.
! Die Formulierung nicht brauchen ersetzt nicht müssen!

Rat, Empfehlung, Aufforderung durch andere Person


Der Arzt hat gesagt, ich soll nicht so viel liegen.

Rat, Empfehlung (höflicher und unverbindlicher; Konjunktiv 2)


Der Arzt hat gesagt, ich sollte mich mehr bewegen.

Man soll Rücksicht auf ältere Menschen nehmen.

w Plan, Ansicht
Wir wollen uns einen Computer kaufen.

m
(Vollverb) Ich mag Frau Müller sehr gern.

Ich möchte
Ich möchte eine neue Verordnung für Herrn Schmitt.

Plan, Absicht
Ich möchte um 8.30 Uhr zu Frau Liebermann fahren.

83
Schritt 2/2

a) Legen Sie die Folie Redemittel E-Mail aus Szenario 1/Element 3 auf.
b) Teilen Sie den Kurs in 2er- oder 3er-Gruppen ein und stellen Sie folgende
Aufgabe: Ein Kollege, welcher bei der Weiterbildung nicht anwesend war,
möchte schriftliche Informationen zum Inhalt erhalten. Verfassen Sie
gemeinsam mit ihren Kollegen eine E-Mail und schreiben sie diese auf Folie.
Folgende Hilfsmittel stehen für die Textproduktion zur Verfügung: Redemittel
E-Mail, Arbeitsblatt Modalverben, die Komposita aus Element 2 und die
Mitschriften von Aufgabe 1 des Arbeitsblattes Infektionsschutz.
c) Nach Abschluss der Aufgabe bitten Sie jeweils einen TN der Gruppe ihre Folie
aufzulegen und ihre E-Mail laut im Kurs vorzulesen. Diskutieren Sie gemeinsam
im Kurs den Aufbau und den Inhalt. Lassen Sie den Kurs anonym über die
gelungenste Arbeit abstimmen.

Falls die Gruppenfindung von alleine nicht funktioniert, übernehmen Sie diese (z.
B. durch Ziehen farbiger Klammern, Abzählen, etc.). Geben Sie den Gruppen
ausreichend Zeit und fungieren Sie als Berater. Bei der Auswertung der
Arbeitsergebnisse können Sie gerne auf die Feedbackregeln aus Szenario 1
zurückgreifen. Steigern Sie die Motivation, in dem sie gegebenenfalls einen kleinen
Preis aussetzen. Unterstützen Sie die Teilnehmer eventuell bei der
Vorstrukturierung ihrer E-Mail.

84
14.3 Szenario 3

Der Lerner kann zu emotionalen Themen aus dem beruflichen Alltag eigene
Gedanken formulieren und sich mit anderen darüber austauschen.

Im Szenario 3 wird näher auf das für Pflegeberufe sehr präsente Thema Sterben
eingegangen.
Story line: Patient x Z A
auch die Pflegekräfte müssen sich mit dem Thema Sterben auseinandersetzen.

In diesem Szenario wird zunächst auf die eigenen Erfahrungen der Teilnehmer in
diesem Bereich eingegangen. Einen sachten Einstieg bietet hierfür das Lied von
Unheilig Geboren um zu leben. Ein anschließender Blick in das Qualitäts-
management führt schließlich zur eigenen Entwicklung und Bewusstmachung, zum
richtigen Umgang mit sterbenden Patienten.

Element 1

Kann Gedanken und Gefühle beschreiben und auf Gefühlsäußerungen anderer


angemessen reagieren.
Kann Erfahrungen und Ereignisse zusammenhängend beschreiben.

Lied, CD-Player, Liedtext, Leitfragen

Schritte

a) Spielen Sie das Lied ab, sodass die TN es auf sich wirken lassen.
b) Teilen Sie im Anschluss den Liedtext aus. Spielen Sie das Lied erneut unter den
Fragestellungen ab: Was ist das Thema des Liedes und welche Gefühle werden
übermittelt?
c) Lassen Sie die Teilnehmer anhand des Textes zeitliche Einteilungen vornehmen
(Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft; Dabei handelt es sich nicht um das
grammatis Z B Z E
W ). Sprechen Sie anschließend im Kurs über
die Aufteilung.
d) Bauen Sie die Brücke zu den eigenen Erfahrungen der TN mit Leben und Tod in
Bezug auf ihr Berufsleben. Sie können die Leitfragen unterstützend nutzen.
Gehen Sie sensibel vor und lassen Sie das Thema nicht zu persönlich/privat
werden. Der Fokus liegt auf dem Umgang mit dem Sterben im Beruf. Aufgrund der
Sensibilität des Themas kann die Reihenfolge der Leitfragen beliebig verändert
werden.

85
Unheilig –
Es tut noch weh
Geboren um zu leben wieder neuen Platz zu schaffen,
Es fällt mir schwer mit gutem Gefühl
ohne dich zu leben, etwas Neues zuzulassen.
jeden Tag zu jeder Zeit In diesem Augenblick
einfach alles zu geben. bist du mir wieder nah,
Ich denk so oft wie an jedem so geliebten
zurück an das was war, vergangenen Tag.
an jedem so geliebten Es ist mein Wunsch
vergangenen Tag. wieder Träume zu erlauben,
Ich stell mir vor ohne Reue nach vorn
dass du zu mir stehst in eine Zukunft zu schau'n.
und jeden meiner Wege Ich sehe einen Sinn
an meiner Seite gehst. seitdem du nicht mehr bist,
Ich denke an so vieles denn du hast mir gezeigt
seit dem du nicht mehr bist, wie wertvoll mein Leben ist.
denn du hast mir gezeigt
wie wertvoll das Leben ist. Wir war'n geboren um zu leben
mit den Wundern jeder Zeit,
Wir war'n geboren um zu leben sich niemals zu vergessen
mit den Wundern jeder Zeit, bis in aller Ewigkeit.
sich niemals zu vergessen Wir war'n geboren um zu Leben
bis in aller Ewigkeit. für den einen Augenblick,
Wir war'n geboren um zu leben bei dem jeder von uns spürte
für den einen Augenblick, wie wertvoll Leben ist.
bei dem jeder von uns spürte
(Quelle: http://www.songtexte.com/songtext/unheilig/geboren-
wie wertvoll Leben ist. um-zu-leben-53e543f9.htm)l

86
Leitfragen
Wie oft waren Sie schon mit Sterbenden konfrontiert im Berufsalltag?
Welche persönlichen Strategien hatten Sie damit umzugehen?
Nehmen Sie diese Erfahrungen mit nach Hause oder stumpft man ab?
Wie gehen Sie gewöhnlich mit Sterbenden um?

Element 2

Kann detaillierte Anweisungen inhaltlich genau verstehen.


Kann semantische Beziehungen herstellen und ergänzen.

Text aus dem QM (Anhang 6), Arbeitsblatt Gefühl, Atmosphäre, Spiritualität

Schritt 1/3

a) Teilen Sie die Anleitung aus dem Qualitätsmanagement aus.


b) Lassen Sie die TN den Text lesen und erkennen, um welche Textsorte es sich
handelt.
c) Im Anschluss sammeln Sie mit den TN auf inhaltlicher Ebene eigene Ideen zu
den Unterpunkten (Ziel, pflegerische Maßnahmen usw.).

Das Besprechen des Textes findet im Plenum statt, sodass Sie Denkanstöße geben
können. Des Weiteren können die TN von den Erfahrungen anderer profitieren.

Schritt 2/3

* Zur Erweiterung des Wortschatzes und zur semantischen Einbettung des Themas
folgt eine Wortfeldübung.
a) Teilen Sie das Arbeitsblatt Gefühl, Atmosphäre, Spiritualität aus und lassen Sie
dieses bearbeiten.
b) Fordern Sie die TN auf, ihre Ergebnisse im Kurs auszutauschen.

Die Striche auf Arbeitsblatt sind nicht bindend, es kann jederzeit mehr oder
weniger eingefüllt werden.

87
Finden Sie passende Begriffe aus dem Text und ergänzen Sie eigene Ideen zum Thema „Gefühle, Atmosph re, Spiritualit t“.

Gefühle,
Atmosphäre,
Spiritualität

88
Schritt 3/3

* Ziel ist es die Substantivierungen in der Textproduktion in Element 3


anzuwenden.
a) Teilen Sie das Arbeitsblatt Substantivierung aus.
b) Lassen Sie dieses bearbeiten.
c) Vergleichen Sie anschließend die Ergebnisse.

Gut verbinden lassen sich mit dem Arbeitsblatt folgende grammatische Themen:
Genitiv, Präpositionen und trennbare Verben. Sie haben so freie Hand weitere
Aufgaben darauf aufzubauen oder kleinere Wiederholungseinheiten zu diesen
Themen durchzuführen.

89
Substantivierungen
Substantivierungen werden großgeschrieben. Substantivierungen sind substantivisch
gebrauchte Wörter, die eigentlich einer anderen Wortart entstammen.
Beispiele: das Lachen (vom Verb lachen)

Aufgabenstellung: Formulieren Sie die nachfolgenden Äußerungen um. Substantivieren


Sie das Verb und vervollständigen Sie den Satz sinngemäß.
Beispiel: Eine freundliche Atmosphäre schaffen
Das Schaffen einer freundlichen Atmosphäre hilft dem Patienten.

a) Schmerzäußerungen ernst nehmen


________________________________________________________________________
b) Zeit und Ruhe vermitteln
________________________________________________________________________
c) Auf Fragen einfühlsam und ehrlich reagieren
________________________________________________________________________
d) Ich lasse innerlich vom Sterben los.
________________________________________________________________________
e) Ich nehme die eigene Hilfslosigkeit an.
________________________________________________________________________
f) Spezielle Wünsche des Sterbenden nach Möglichkeit erfüllen
________________________________________________________________________
g) Abhilfe durch Arzt gewährleisten
________________________________________________________________________
h) Zusätzliche Beschweren vermeiden
________________________________________________________________________
i) Ein Seelsorger bietet geistlichen Beistand an.
________________________________________________________________________
j) Sterbende klammern sich häufig an das Hier und Jetzt.
________________________________________________________________________
k) Eine freundliche Atmosphäre schaffen
________________________________________________________________________

90
Element 3

Kann anderen Personen Empfehlungen geben.


Kann seinen Standpunkt darlegen und begründen und andere Meinungen
respektieren.

Bilder

Schritte

a) Legen Sie die Folie Bilder auf, um dem Kurs visuellen Anreize zu geben. Fordern
Sie die TN auf, anhand dreier ausgewählter Bilder eine eigene Anleitung zum
Umgang mit sterbenden Patienten zu verfassen.
b) Führen Sie einen Posterrundgang durch. Dazu werden die Anleitungen der
Lerner im Kursraum aufgehängt und von den anderen TN begutachtet. Es folgt
ein Austausch im Kurs über die ausgewählten Bilder.

Nichts ist falsch. Nehmen Sie auf die persönlichen Bedürfnisse und Ansichten der
TN Rücksicht.

91
Folie Bilder
Atmosphäre
Gemütlichkeit
freundlich
schön
Essensplatz

Geistlichen
Beistand
Gebete
Gesänge
Pfarrer/Priester

Angehörige

Briefe Freunde

Emails anrufen

schreiben

92
Wünsche
ermöglichen

erfüllen
auf den Patienten eingehen

Schmerzen lindern

Medikamentierung

Arzt

sich Zeit
nehmen Ruhe

Gespräche
Psychologische
Hilfe
Kraft

93
15 Fazit und Ausblick
Die vorliegende Projektarbeit leistet einen Beitrag, um dem Forschungsdesidarat bei der Material-
entwicklung für den berufsbezogenen Fachsprachenunterricht im Bereich Deutsch für Pflegekräfte zu
begegnen. Zum jetzigen Zeitpunkt existieren keine zufriedenstellenden Lehrwerke für diese Berufs-
gruppe (vgl. Kapitel 11). Darüber hinaus steigt die Anzahl an pflegebedürftigen Personen in Deutsch-
land, wobei gleichzeitig mehr ausländische Pflegekräfte angeworben werden (vgl. Kapitel 1). Beide
Faktoren zusammen verdeutlichen die Notwendigkeit einer Materialkonzeption, welche handlungs-
orientiert und auf das berufsfachsprachliche Niveau der Lerner angepasst ist. Die (schriftsprachliche)
Kommunikation ist besonders im Pflegebereich unerlässlich, um eine adäquate Versorgung der Pati-
enten zu gewährleisten. Neben den Materialien und entsprechenden Kursträgern müssen auch die
finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit sich sowohl für die ausländischen Pflegekräf-
te als auch die inländischen Kursträger ein solches Angebot rentiert. Dass dies seitens der Politik re-
gistriert wird, zeigt sich bspw. an angebotenen Sprachkursen für Pflegekräfte in Hessen, welche
durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert werden (Hessisches Sozialministerium
2013). In Zukunft wird sich zeigen, inwieweit berufsfachsprachliche Kurse für Nichtmuttersprachler
zu deren Integration in den Arbeitsmarkt sowie die Gesellschaft und zur Verbesserung ihrer Kom-
munikation am Arbeitsplatz beitragen und welche Rolle dabei der wissenschaftlichen Arbeit des Fa-
D B

94
16 Literaturverzeichnis
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sprache. Hamburg: passage gGmbH.

97
17 Bildquellen
© Die Rechte aller in der Projektarbeit verwendeten Zeichnungen/ Illustrationen liegen bei Vanessa
Laudan.

- Klemmbrett: http://browse.deviantart.com/art/Clipboard-292391423; letzter Zugriff:


21.07.2013
- Notizblatt: http://www.gif-grafiken.de/wp-content/notiz.jpg; letzter Zugriff: 21.07.2013
- Teller mit Besteck: http://denkfabrikblog.de/wp-content/uploads/2013/03/2013-03-
12_besteck_teller.png; letzter Zugriff: 21.07.2013
- Tafel: http://allthingsprecious.deviantart.com/art/Blackboard-Texture-2-381753768; letzter
Zugriff: 21.07.2013
- Papier: http://babybird-stock.deviantart.com/art/White-crumbled-paper-texture-48496295;
letzter Zugriff: 21.07.2013

98
18 Anhang
A1 Fragebogen

99
A2 Datenschutzerklärung

100
A3 Übersicht über Kategorien und Kriterien nach Brinker

Beschreibungsaspekte
Analysekategorien
Analysekriterien

1. Kommunikativ-funktionaler Aspekt
Textfunktion
informativ  direkt signalisiert
appellativ
obligatorisch
kontaktspezifisch
deklarativ  indirekt signalisiert
2. Struktureller Aspekt
2.1 Thematische Ebene
2.1.1 Thema
Art Ereignis, Gegenstand, These, usw.

Lokale Orientierung auf Emittenten/ Rezipienten bezogen/ außerhalb von Emit-


tent und Rezipient

temporale Orientierung vorzeitig, gleichzeitig, nachzeitig, zeitlos


2.1.2 Themenentfaltung
Grundform deskriptiv, narrativ, explikativ, argumentativ

Realisationsform deskriptiv-sachbetont/-meinungsbetont
rational-überzeugend/persuasiv-überredend

2.2 Grammatische Ebene


Grammatische Kohärenz
Wiederaufnahme explizit, implizit

Tempuskontinuität

konjunktionale Verknüp- Konnektoren  nicht nur Konjunktionen, auch deiktische


fung Adverbien [hier, dort], Modalpartikel, Pronominaladverbien

semantische Vertex- Wortfelder, Teil-Ganzes Beziehungen


tungstypen

usw. z. B. Sprachhandlungen, häufig wiederkehrende sprachliche


Strukturen

101
A4 Text 1 Anamnesebogen: Pflegeplan: (Ernährung [Vorderseite])

102
Text 1 Anamnesebogen: Pflegeplan (Ernährung [Rückseite])

103
A5 Text 2 Belehrung: Infektionsschutzgesetz

104
105
106
107
108
109
110
111
112
A6 Text 3 Anleitung aus dem Qualitätsmanagement: Betreuung eines ster-
benden Patienten

113
A7 Feedbackbogen

Feedbackbogen
Bitte bewerten Sie die folgenden Aussagen über den Unterrichtskomplex. Kreuzen Sie an.
Trifft voll Trifft eher Trifft eher Trifft
und ganz zu zu nicht zu gar nicht zu

1. Der inhaltliche Aufbau der Unterrichtsstunden


und des gesamten Unterrichtskomplexes ist logisch und
nachvollziehbar.

2. Ein Bezug zwischen Theorie und Praxis wird ersichtlich.

3. Die Inhalte sind relevant und aktuell.

4. Mein Wissensstand ist nach Abschluss des Komplexes


höher als zuvor.

5. Der Komplex regt zur weiteren Auseinandersetzung mit


dem Thema an.

6. Die Unterrichtseinheiten sind abwechslungsreich


gestaltet.

7. Die einzelnen Aufgabentypen sagen mir zu.

8. Die Dichte der Inhalte ist angemessen.

9. Die Lernziele sind transparent.

Welche Gesamtnote würden Sie diesem Unterrichtskomplex geben?


1 2 3 4 5 6

Welche Vorbesserungsvorschläge haben Sie in Bezug auf die zukünftige Gestaltung und Durch-
führung dieses Unterrichtskomplexes? Was fehlte Ihnen oder hat Ihnen besonders gut gefallen?
__________________________________________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________________________________________

114
A8 Selbstreflexionsbogen

Selbstreflexionsbogen
Was nehmen Sie persönlich aus diesem Unterrichtskomplex mit?
Trifft voll Trifft eher Trifft eher Trifft
und ganz zu zu nicht zu gar nicht zu

1. Ich fühle mich sprachlich/schriftsprachlicher besser auf


meinen Berufsalltag vorbereitet als vor dem
Unterrichtskomplex.

2. Ich gehe nun selbstbewusster an Schreibaufgaben in


meinem beruflichen Umfeld heran.

3. Ich weiß nach dem Unterrichtskomplex mehr über


dessen Thema als zuvor.

4. Ich konnte neue Lernstrategien ausprobieren und


werde diese auch teilweise im Arbeitsalltag einsetzen.

5. Ich fühle mich sicherer im Umgang mit Patienten.

6. Ich fühle mich sicherer im Umgang mit Kollegen.

7. Ich kann gezielter und selbstbewusster Nachfragen


stellen und weitere Informationen zu relevanten
Themen einholen.

8. Mich sprachlich noch weiter zu verbessern ist mir ein


großes Anliegen.

9. Ich werde mich auch außerhalb des


Unterrichtskomplexes mit dessen Themen beschäftigen.

10. Ich konnte meine Fähigkeiten im Lesen, Sprechen,


Schreiben und Hören weiter ausbauen.

Schreiben Sie auf, was Ihnen besonders hilfreich für Ihren Arbeitsalltag erschien und reflektie-
ren Sie noch einmal das Erlernte. Sind Sie zufrieden mit Ihrer eigenen Arbeitsweise? Was wür-
den Sie zukünftig noch verbessern wollen?
_______________________________________________________________________________
_______________________________________________________________________________
_______________________________________________________________________________

115

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