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08.03.

22, 00:59 Resilienz (Ökosystem) – Wikipedia

Resilienz (Ökosystem)
Mit Resilienz werden in der
Ökosystemtheorie unterschiedliche
Begriffe bezeichnet, die dynamische
Stabilitätseigenschaften ökologischer
Systeme beschreiben sollen. Aktuelle
Definitionen beziehen sich
beispielsweise auf die Fähigkeit eines
Ökosystems, angesichts von
ökologischen Störungen seine
grundlegende Organisationsweise zu
erhalten anstatt in einen qualitativ
anderen Systemzustand
überzugehen. [1][2] Als Schlagwort mit
unterschiedlichen theoretischen
Definitionen und Deutungen zum
Thema Ressourcennutzung ist
Resilienz zu einem zentralen
Stabilitätskonzept in der Ökologie, Die Resilienz ökologischer Systeme verändert sich in den vier
Ökosystemtheorie und vor allem der Phasen eines jeden Anpassungskreislaufes. Dies gilt auf allen
Umweltforschung geworden. Ebenen einer Panarchie separat
Resilienz bezieht sich dabei
zunehmend auf sozioökologische
Systeme.

Inhaltsverzeichnis
Hintergrund
Definition
Beispiele
Regeneration von Wäldern
Regeneration überweideten Graslandes
Marine Ökosysteme
Anwendungsfelder
Kritik
Forschung
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise

Hintergrund

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08.03.22, 00:59 Resilienz (Ökosystem) – Wikipedia

Der aus der Psychologie stammende Begriff Resilienz wird häufig mit dem
„Abfederungsvermögen“ von Systemen gegen äußere Störungen gleichgesetzt. Der Begriff Resilienz
wurde in den 1970er Jahren durch Crawford S. Holling in die Ökologie eingeführt.[3] Die Idee der
Resilienz von ökologischen und sozialen Systemen setzte sich ab den 1990er Jahren zunehmend
durch.

Definition
Ein einheitliches Grundverständnis über die genaue Definition und Bedeutung des Konzepts
Resilienz bildet sich in der wissenschaftlichen Debatte (Stand: Juli 2012) erst langsam heraus. Der
Begriff wird häufig in sozial-ökologischen Ansätzen verwandt, was die ursprüngliche engere
ökosystemare Definition von Ellenberg zunehmend erweitert.

Heinz Ellenberg definiert die Resilienz von Ökosystemen wie folgt:

„Resilienz ist die Fähigkeit, nach wesentlichen Artenverschiebungen (z. B. vom Wald zu
krautigen Gesellschaften) durch eine mehr oder minder langfristige Sukzession
(Aufeinanderfolge) von anderen Ökosystemen wieder zum ursprünglichen Artengefüge
zurückzukehren.“
– Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen[4]

Problematisch am naturwissenschaftlich-ökologisch betrachteten Resilienzbegriff ist die Definition


des Grundzustandes bzw. der Kriterien (Parameter) dafür, ob ein Ökosystem, das sich aufgrund
von Störungen verändert, seine grundlegende Organisationsweise beibehält oder nicht.[5] Das
Resilienz-Konzept steht im Gegensatz zu dem in den 1970er Jahren als Dogma existierenden
Konzepts des „Ökologischen Gleichgewichtes“. Dem entgegen geht die Resilienz-Forschung heute
von dynamischen Systemen aus, die sich in unterschiedliche Richtung entwickeln können
(Sukzession in verschiedene Richtungen).

Welcher Zustand als „wertvoll“ erachtet wird, beruht der Resilienz-Idee zur Folge auf menschlicher
Wertzuschreibung und kann nicht durch ökologische Erkenntnis allein bestimmt werden.
Resiliente Ökosystemzustände können daher nicht per se als ‚gut‘ oder nützlich angesehen werden
(vgl. Problemkomplex Naturbewertung – gesellschaftliche Leitbilder; vgl. Savannenbeispiel).
Resilienz wertet die betrachteten Naturzustände aus einer individuell kulturalistischen statt einer
streng naturalistischen Sichtweise.

Der Resilienz reihen sich die auf Naturnutzung bezogenen Konzepte der Nachhaltigkeit ein.
Resilienz-Ansätze werden vor allem für Kulturökosysteme diskutiert. Das gilt insbesondere unter
dem Gesichtspunkt der „Klimaplastizität“ von Kulturökosystemen, die durch den Klimawandel von
einer Vielzahl biotischer und abiotischer Kalamitäten bedroht werden.

Beispiele

Regeneration von Wäldern

Raubbau an Wäldern hinterlässt meist ökologisch verarmte, oft versteppte, verkarstete Gebiete
ohne die Kraft zur Selbstregeneration. Man spricht dann auch vom Raubbausyndrom. Die
Resilienz kann auch mit der Unterschreitung einer Mindestvielfalt an Arten verloren gehen.

Besondere Bedeutung kommt der Resilienz im Waldbau zu. Die herrschende Betriebsform des
Altersklassenwaldes neigt bei jeder gravierenden Störung (biotische oder abiotische Kalamitäten)
zur flächenhaften Zerstörung, also zur Kahlfläche, was dem Totalverlust des Waldökosystems
entspricht. Im Dauerwald hingegen bleibt die regelmäßig vielschichtige Waldstruktur auch nach
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heftigen Kalamitäten im Wesentlichen erhalten, ohne dass eine Neuanpflanzung auf einer
Kahlfläche nach der Kalamität notwendig wird.[6] Er besitzt damit im Gegensatz zum
Altersklassenwald die Fähigkeit zur Resilienz.

Regeneration überweideten Graslandes

Einzelne Ökosysteme, z. B. bereits stark überweidete Savannen können sehr resilient sein, d. h., sie
ertragen eine hohe Anzahl und Stärke an ökologischen Störungen (z. B. Feuer etc.), ohne in einen
anderen Systemzustand überzugehen, der von anderen ‚langsamen‘ Variablen bestimmt wird.
Dieser Zustand hat somit eine recht hohe Selbstregeneration, im Sinne, dass er sich selbst auch bei
hohen Störungsintensitäten erhält bzw. wieder neu einstellt. Im Gegensatz zu einer nicht
überweideten Savanne kann eine stark überweidete Savanne daher „resilienter“ (d.  h. in diesem
Fall störungsresistenter) sein.

Marine Ökosysteme

Bei marinen Ökosystemen ist die Resilienz auf mehreren räumlichen und taxonomischen Ebenen
interessant: Können sich Korallenriffe evolutionär so schnell an für sie rapide
Wassertemperaturschwankungen anpassen und unter welchen Umständen erholen sich
Fischbestände in verschiedenen Meeresgebieten? Vor allem für die Nutzung der Ressource Fisch
sind Resilienz-Fragen von Bedeutung.

Anwendungsfelder

Menschliche Einflüsse in Ökosysteme, die mit resilienz-theoretischen Ansätzen erforscht werden,


sind beispielsweise:

Intensive Landwirtschaft
Raubbau an Wäldern
Marine Ökosystemkomplexe (tropische Korallenriffe, Seegraswälder etc.)
Überfischung
Müll in marinen Systemen
Schadstoffeintrag in marine Systeme
Eutrophierung mariner und limnischer Systeme

Kritik
Der dem Begriff unterliegende Theorieansatz ist der der Adaption. Vor dem Hintergrund einer
globalen Veränderung durch ökonomische und klimabedingte Faktoren geht die Resilienz-
Forschung davon aus, dass sich Systeme bei Störungen anpassen müssen. Kritiker werfen ihr vor,
somit die Umweltveränderungen hinzunehmen und aus einer opportunistischen Haltung „das
Beste daraus zu machen“.

Forschung
International bedeutsam war die Gründung des „Stockholm Resilience Center“ als eigenständige
Forschungseinrichtung an der Universität Stockholm im Jahr 2007. Die Stiftung MISTRA (the
Foundation for Strategic Environmental Research) steht hinter dem Zentrum und wollte es bis

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Ende 2013 finanzieren.[7] 2015 wurde dem Direktor des Resilicence Center, dem Schweden Johan
Rockström, anteilig der Deutsche Umweltpreis zuerkannt.

Der Begriff und Themenkomplex Resilience nimmt in der sozial-ökologischen Forschung und der
Nachhaltigkeitsforschung einen zunehmend größeren Raum ein.

Siehe auch
Ökologische Stabilität
Resilienz-Management, ein ökonomisch ausgerichteter Ansatz von Resilienz

Weblinks
Wiktionary: Resilienz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Resilience Alliance (http://www.resalliance.org/) (Ökosysteme) (englisch)
Transitioning towards Urban Resilience and Sustainability (TURaS) (http://www.turas-cities.or
g/) – EU-Städteprojekt (englisch)

Einzelnachweise
1. F. S. Brand, K. Jax: Focusing the meaning(s) of resilience: Resilience as a descriptive concept
and a boundary object (http://www.ecologyandsociety.org/vol12/iss1/art23/). In: Ecology and
Society. 12(1), 2007, S. 23.
2. T. Kirchhoff, F. Brand, D. Hoheisel, V. Grimm: The one-sidedness and cultural bias of the
resilience approach. In: Gaia. 19 (1), 2010, S. 25–32.
3. C. S. Holling: Resilience and stability of ecological systems. In: Annual Review of Ecology and
Systematics. 4, 1973, S. 1–23.
4. Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Auflage. UTB, Ulmer, Stuttgart
2010, ISBN 978-3-8252-8104-5, S. 110.
5. Vgl. zur damit angesprochenen Frage nach den Identitätskriterien ökologischer Einheiten: V.
Grimm: To be, or to be essentially the same: the ‘self-identity of ecological units’. In: Trends in
Ecology and Evolution. 13(8), 1998, S. 298–299.
6. Wilhelm Bode, Martin von Hohnhorst: Waldwende. Vom Försterwald zum Naturwald. München
1994. (4. Auflage. München 2000, ISBN 3-406-45984-6)
7. Centre background. (https://web.archive.org/web/20120720061008/http://www.stockholmresilie
nce.org/aboutus/background.4.aeea46911a3127427980004002.html) (Memento vom 20. Juli
2012 im Internet Archive) stockholmresilience.org

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Diese Seite wurde zuletzt am 20. August 2021 um 07:36 Uhr bearbeitet.

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