Sie sind auf Seite 1von 4

04.01.

22, 17:50 Baunetz_Wissen

Baunetz_Wissen
_Fliesen und Platten

Verlegung von Fliesen im


Außenbereich – Systeme
Da sie ganzjährig der Witterung ausgesetzt sind, müssen
Fliesenbeläge auf Balkonen und Terrassen
besonders widerstandsfähig
sein. Zudem verlangt ihre Verlegung höchste Sorgfalt, um Schäden zu
vermeiden, die fast immer durch Wasser verursacht werden. Es
diffundiert durch Fuge und Stein sowie
durch feine Risse, die bei
starken Temperaturschwankungen aufgrund unterschiedlicher
Ausdehnungskoeffizienten von Belag und Untergrund
entstehen; gleichzeitig kann es im Untergrund nicht
oder nicht
schnell genug ablaufen. Es kommt zu Auswaschungen kalkhaltiger
Bindemittel und löslicher
Salze aus dem Mörtel –
das Ergebnis sind Ausblühungen und farbliche Veränderungen auf der
Plattenoberfläche. Hinzu kommen Frostaufbrüche, die sich in Rissen
und Abplatzungen zeigen. Um diese
Schäden zu vermeiden, bieten sich
verschiedene Lösungen an.

Bild: Gutjahr, Bickenbach Bild: Gutjahr, Bickenbach Bild: Schlüter-Systems, Iserlohn

Spezielle Verbundabdichtungen

Eine vergleichsweise einfache Lösung zur witterungsbeständigen


Verlegung von Fliesen
im Außenbereich
stellen spezielle Verbundsysteme dar. Sie sind in
der Lage, die auftretenden thermischen
Längenänderungen zu
kompensieren und durch ihre Wasser abweisenden Eigenschaften eine
Durchfeuchtung der Unterkonstruktion zu verhindern. Einige
Hersteller bieten beispielsweise
Verbundabdichtungen an, die sich
aus einem Dünnbettmörtel und einer Dichtungsschlämme
zusammensetzen
und unmittelbar unter dem Belag angeordnet werden. Mörtel ist
aufgrund seiner
mineralischen Struktur artverwandt mit Estrich
und Beton, durch die zusätzliche Kunststoffdispersion ist er
flexibel und belastbar. Mineralische Dichtungsschlämme ist reaktiv
selbstvernetzend, wasserundurchlässig
und gleichzeitig
dampfdiffusionsfähig. Ergänzt wird das System durch
unterschiedliche Dichtbänder
inklusive Formteile für Innen- und
Außenecken.

Drainage-Systeme

Drainage-Systeme sorgen für eine schnelle Entwässerung und schützen


damit Fliesen- und
Natursteinbeläge auf Balkonen und Terrassen
sowie bei Treppenkonstruktionen im Außenbereich vor
eindringendem
Wasser und somit vor Ausblühungen und Frostschäden. Derartige
Systeme haben sich als
Problemlösung bewährt, da die von der DIN
18157 Ausführung von Bekleidungen und Belägen im

https://www.baunetzwissen.de/drucken/verlegung-von-fliesen-im-aussenbereich--systeme-3456717 1/4
04.01.22, 17:50 Baunetz_Wissen

Dünnbettverfahren bei Fliesenbelägen im Außenbereich geforderte


weitestgehend hohlraumfreie Einbettung
der Fliesen ins Kleberbett
in der Praxis kaum realisierbar ist und sich Wasserlinsen bilden
können. Zudem
kann Wasser über die Fugen
oder aus dem Untergrund eindringen.

Kernelement eines Entwässerungssystems sind Drainagematten, die


Stauwasser vorbeugen und zudem
den Belag entkoppeln, sodass sich
auch keine spannungsbedingten Risse bilden. Die mit einem
kapillarpassiven Spezialvlies kaschierten Matten bestehen zumeist
aus hochwertigen Kunststofffolien. Sie
weisen meist eine
druckstabile Noppenstruktur oder Ähnliches auf bzw. haben ein
Gittergewebe, wodurch
Drainkanäle an der Unterseite entstehen. Die
Struktur bewirkt ein vollflächiges Aufstelzen des Belages um
einige
Millimeter. Durch das Vlies kann das Stau- und Sickerwasser in die
Kanäle zur Dach-/ Balkonrinne
oder zum Bodeneinlauf abgeleitet
werden. Der kapillarpassive Aufbau der Verbunddrainage verhindert
dabei einen Rückstrom des Wassers in den Verlegemörtel, mit dem die
keramischen oder Natursteinbeläge
direkt auf die schwimmend
verlegten Matten geklebt werden.

Zusätzlich zu den Flächendrainagen halten einige Anbieter


Stufendrainagen in Form von vorgeformten
Winkelelementen zur
Entwässerung der Tritt- und Setzstufen von Außentreppen bereit –
ergänzt um
Stufengitter zur Bewehrung des Verlegemörtels.

Bei lose verlegten Außenbelägen können Drainagesysteme das


Stelzlager oder andere
Aufständerungssysteme ersetzen bzw. unter
dem Kies- oder Splittbett eingesetzt werden, was eine deutlich
verbesserte Wasserableitung zur Folge hat. Wichtig ist in dem Fall,
dass der Untergrund ein 1,5- bis 2-
prozentiges Gefälle aufweisen
muss.

Monokorn-Mörtel

Eine gute Drainfunktion für Außenbeläge weisen Einkorn- bzw.


Monokorn-Mörtel auf. Diese werden so
bezeichnet, weil ihnen im
Unterschied zu anderen Mörteln die Feinkornanteile fehlen, was
ihnen ein
hohlraumreiches Gefüge mit großen Poren verleiht. Ab
einer Sieblinie von etwa 0,6 bis 4 mm (Werktrocken-
Mischung)
spricht man von drainfähigen Mörtelsystemen. Mörtel mit
grobkörnigeren Zuschlägen
entwässern allerdings deutlich schneller
und besser. Da diese Werkstoffe Ausblühungen reduzieren bzw.
verhindern sollen, kommt bei Ihnen als Bindemittel immer ein
Portland-Puzzolanzement mit einem hohen
Trassanteil (> 40 %) zum
Einsatz. Das für Ausblühungen verantwortliche und bei der
Zementhydratation frei
werdende Calciumhydroxid (Kalk) wird nämlich
vom Trass
gebunden. Wesentlich verbessert wird die
horizontale
Wasserableitung jedoch durch den zusätzlichen Einsatz einer
kapillar brechenden Drainmatte
(s.o.). Allerdings erfordern die
Matten eine dickere Mörtelschicht, wie sie auch für Außenbeläge auf
Abdichtungsbahnen und wärmegedämmten Dachterrassen oder Belägen auf
Trennlage nötig sind.

Keramik-Terrassenelemente mit unterschiedlichen


Aufbaumöglichkeiten

Eine Alternative zur vergleichsweise aufwendigen Drainageverlegung


bietet die Spaltplatten-Industrie mit
ihren
Keramik-Terrassenelementen an. Dabei handelt es sich um mindestens
zwei Zentimeter dicke, aber
innen hohle und daher leichte,
stranggezogene Keramikplatten, die sich für die lose Verlegung auf
Balkonen
und Terrassen eignen. Die Verlegung erfolgt im Splittbett,
auf Mörtelsäckchen oder Stelzlagern, die es in
verschiedenen
Variationen gibt: von einfachen Ringen für den Höhenausgleich und
das Fixieren der Platten
bis zu variabel justierbaren Elementen.
Aktuell werden Keramikelemente bis zum Format von 40 x 80
Zentimeter angeboten. Allerdings bleibt die Fuge hier stets
offen.

Zwei- und Drei-Zentimeter-Platten für den


Außenbereich

Ebenfalls mit zumeist offenen Fugen werden die selbstliegenden


Fliesen in zwei sowie neuerdings auch
drei Zentimetern Stärke (bei
einigen Anbietern) verlegt. Diese Produkte haben nach wie vor
Konjunktur.
Zwar spielt hier das ursprüngliche Standardformat 60 x
60 Zentimeter immer noch die wichtigste Rolle,
einige Hersteller
haben inzwischen aber auch weitere Formate in ihr Programm
aufgenommen. Wegen der
nicht kraftschlüssigen Verbindung mit dem
Untergrund kommt es kaum zu Reklamationen.

https://www.baunetzwissen.de/drucken/verlegung-von-fliesen-im-aussenbereich--systeme-3456717 2/4
04.01.22, 17:50 Baunetz_Wissen

Von Nachteil ist bei dieser Verlegeform jedoch das Problem der
Fliesenwanderung (lose verlegte Fliesen
und Platten liegen nie
hundertprozentig) und die fehlende Möglichkeit der Verfugung.
Lediglich mit
Pflasterfugenmörtel lassen sich die Platten verfugen
– aber auch nur dann, wenn sie mit Hilfe von
Randeinfassungen und
Fugenkreuzen sicher in Position gehalten werden. Sind die Platten
auf einem
Drainageestrich verklebt, können Sie mit einem für
Terrassen und Balkone zu verwendenden
einkomponentigen
Drainagefugenmörtel verfugt werden. Dieser haftet jedoch weitaus
schlechter an der
Fliesenflanke als seine im Innenbereich
eingesetzten Fugenmörtel-Vettern. Daher kommt es hier schnell zu
Fugenabrissen – erst recht, wenn die Fliesen sich leicht
verschieben.

Stelzlager

Gegenüber der losen Verlegung im Kies- oder Splittbett und auch


gegenüber der mit Mörtelsäckchen haben
Stelzlager den Vorteil, dass
sie sich millimetergenau in der Höhe verstellen und die Beläge
höher
aufständern lassen. Wirklich große Platten kommen hierfür
allerdings nicht in Frage, da ansonsten zu viele
Stelzlager
darunter angebracht werden müssten.

Als Untergrund sollte eine tragfähige Stahlbetonplatte mit


zweiprozentigem Gefälle oder ein vergleichbares
Fundament
vorliegen. Gegebenenfalls ist eine Ausgleichsspachtelung nötig um
Unebenheiten zu
beseitigen. Nachdem die Randeinfassung gesetzt und
die Wasserabläufe vorgesehen sind, wird die
gesamte Terrasse
inklusive Wandsockel und Randeinfassung mit einer geeigneten
überlappungsfreien
Abdichtung
versiegelt; die Abdichtung sollte mit einem Schutzvlies oder
Bautenschutzmatten vor
Beschädigung geschützt werden. Anschließend
können die Stelzlager an den Kreuzungspunkten der
Terrassenplatten
– bei dünneren Platten oder solchen von mehr als vierzig Zentimeter
Kantenlänge
zusätzlich mittig – positioniert werden. Um lang
anhaltende Feuchteflecken an den Auflagepunkten zu
vermeiden,
stehen kapillarpassive Drain-Stelzlager-Systeme zur Verfügung.
Diese bestehen aus einer
profilierten Kunststofffolie mit
oberseitigem stabilen Panzergittergewebe; auf dem Stelzlager wird
zunächst
ein Drainagemörtel aufgebracht, und darauf werden die
selbstliegenden Platten punktweise im Drainmörtel
verlegt. Hierbei
kann das Feinnivellieren der Terrassensteine mit
Ausgleichsplättchen entfallen. So entsteht
ein komplett
wasserdurchlässiges System.

Für Flächen mit Untergrund ohne Gefälle können zwanzig oder


fünfzig Millimeter hohe spezielle
Höhenausgleichsringe eingesetzt
werden, die als Schalung für den Mörtel dienen. Diese können
problemlos
mehrfach übereinander gesetzt werden. Damit ist ein
Höhenausgleich von bis zu hundert Millimetern
möglich. Gestelzte
Beläge – mit Fugen von mindestens vier Millimetern – lassen sich
übrigens ohne
Gefälle herstellen, da das Wasser zügig auf die
Dichtschicht abgeführt wird.

Dem Aufbau mit Stelzlagern ist demjenigen mit Mörtelsäckchen


vergleichbar, nur dass hier statt der Lager
mit Beton bzw.
erdfeuchtem Zement
gefüllte Plastikbeutel an den Kreuzungspunkten der Terrassenplatten
– sowie ggf. zusätzlich mittig – mit Fugenkreuzen gesetzt und mit
einem Gummihammer feinnivelliert
werden. Im Unterschied zur
Stelzlager-Verlegung kann man auf Mörtelsäckchen auch Platten
verlegen,
deren Unterseite nicht hundertprozentig eben ist. Beim
Mörtelsäckchen- wie bei Stelzlager-Systemen ist nur
eine elastische
Verfugung möglich.

Fliese und Drainage in einem System

Eine einfache, alternative Lösung ist die Herstellung eines Wasser


ableitenden Systems mit einem
Drainestrich wie beispielsweise
Eska-Drain des gleichnamigen Herstellers aus Eggersdorf.
Hierbei wird eine
mit Epoxidharz
gebundene grobe Quarzkies-Körnung auf eine abgedichtete
Gefälleplatte aufgetragen. Auch
der Kleber sowie der Fugenmörtel
für das zementfreie System werden mit einer Mischung aus Quarzsand
und Reaktionsharz hergestellt. Inklusive (beliebiger) Fliese kommt
das Gesamtsystem mit nur zwei
Zentimetern Aufbauhöhe
aus.

FACHWISSEN ZUM THEMA


https://www.baunetzwissen.de/drucken/verlegung-von-fliesen-im-aussenbereich--systeme-3456717 3/4
04.01.22, 17:50 Baunetz_Wissen
Einsatzbereiche
Balkone und Terrassen

Schäden
Feuchteschäden

Anforderungen
Frostbeständigkeit

Schäden
Verfärbungen

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de

Baunetz Wissen Fliesen und Platten sponsored by:

https://www.baunetzwissen.de/drucken/verlegung-von-fliesen-im-aussenbereich--systeme-3456717 4/4

Das könnte Ihnen auch gefallen